„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 12 erhältlich

35-MILLIMETER-Magazin-Cover-Ausgabe-12Hinweis in eigener Sache. Für die aktuelle Ausgabe des „35 Millimeter“-Magazins, welches sich diesmal schwerpunktmäßig mit dem Genre „Horror“ beschäftigt, habe ich wieder einen Artikel beigesteuert.  Diesmal habe ich mich intensiv mit dem „Godfather of Gore“, Herschell Gordon Lewis, auseinandergesetzt. Aber natürlich gibt es noch mehr lesenswerte Artikel im neuen Heft. Hier ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:

DIE GOLDENEN JAHRE – Eine Reise durch den Universal-Horror der 30er-Jahre

DER BLANKE HORROR IN BILD UND TON – Die kurze Blüte der Pre-Code-Schocker

VAL LEWTON – Der große Produzent mit der kleinen Filmografie

NOW YOU SEE ME? – Vom imaginativen Horror und voyeuristischer Angstlust

AUGEN OHNE GESICHT – Horror Made in France

PSYCHO & DIE VÖGEL – Ein Meister widmet sich dem Horror

MARIO BAVA – Bilder in allen Farben der Dunkelheit

DER KLASSISCHE HORRORFILM – Ein interview mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger

AMICUS – DIE FRÜHEN JAHRE – Die Todeskarten des Dr. Schreck

HERSCHELL GORDON LEWIS – Der „Godfather of Gore“ und der Beginn eines neuen Zeitalters

DEUTSCHE SYNCHRONSPRECHER – Gisela Trowe

DIE RETTUNG DES FILMERBES UND DiE FACHWiSSENSCHAFTEN – Nachbericht zur Fachtagung

Kolumne: Lichtblicke mit braunem Ton – zwischen Kunst und Ideologie – Teil 6 – ROMANZE iN MOLL

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Mikio Naruse – Teil 2

DIE 57. NORDISCHEN FILMTAGE IN LÜBECK – Eine Reise in den hohen Norden – Nachbericht

Rubrik: Regie-Legenden – JULES DASSIN – TEiL 3: Stadt ohne Maske

 

Heft #12 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

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DVD-Rezension: „Die Todeshand des schwarzen Panthers“

todeshandpantherYuen Hsiao Liang (Kuan Tai Chen) reist nach Shanghai, um dort seinen Patenonkel, den Gangsterkönig Fan Chi Yu, zu besuchen. Gleich nach seiner Ankunft wird Yuen Hsiao Liang Zeuge eines brutalen Mordes. Ein Mann wird vor seinen Augen mit einer Axt umgebracht. Wie es sich herausstellt, war das Opfer Fan Chi Yu und Yuen Hsiao Liang gilt plötzlich als Hauptverdächtiger. Nur knapp kann sich Yuen Hsiao Liang von den Vorwürfen befreien und kündigt an, sich auf die Suche nach dem Mörder seines Onkels zu machen. Doch immer, wenn Yuen Hsiao Liang bei seinen Ermittlungen einen Schritt weiter kommt, fällt ein weiterer Verdächtiger dem geheimnisvollen Axtmörder zum Opfer…

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Taiwan war lange Zeit für die großen und kleinen Hongkong-Studios der Ort, wo sie preisgünstige Produktionen auf die Beine stellen konnten. Zudem hatte man in Taiwan den Vorteil, im Gegensatz zum doch räumlich arg begrenzten und zugebauten Hongkong, die weiten Landschaften für eindrucksvolle Außenaufnahmen verwenden zu können. Wang Yu drehte hier, Jackie Chan wurde hier von Lo Wei immer wieder in Filmen eingesetzt, die ihn als Bruce-Lee-Nachfolger aufbauen sollten und viele der heute fast vergessenen Billig-Klopper für die unersättliche Bahnhofskino- und spätere Videothekenwaren wurde hier hergestellt. Vor allem unbekanntere Regisseure konnten sich hier ihre ersten Sporen verdienen. Unbekannt war Hsueh Li Pao nicht gerade, da er zuvor dem großen Chang Che bei Filmen wie „Die sieben Schläge des gelben Drachen“, „Der Pirat von Shantung“ oder dessen ebenfalls kürzlich erschienenen Quasi-Fortsetzung „Die Mann mit der Tigerpranke“ als Co-Regisseur zur Verfügung stand. Daher kannte er auch Shaw-Brothers-Superstar Kuan Tai Chen, mit dem er auch für die Shaw Brothers einige Filme in Eigenregie gedreht hatte, bevor sie 1977 nach Taiwan gingen, um für eine kleine Produktionsgesellschaft „Die Todeshand des schwarzen Panthers“ zu drehen.

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„Die Todeshand des schwarzen Panthers“ wurde von Shu Mei Chin geschrieben, einer der wenigen Drehbuchautorinnen, die sich Genrekino aus Hongkong der 70ern durchsetzen konnte. Shu Mei Chin war auch für einige Shaw-Brothers-Produktionen verantwortlich und arbeitete häufig mit Hsueh Li Pao zusammen, mit dem sie einigen Quellen nach auch verheiratet war. In „Die Todeshand des schwarzen Panthers“ strickt er aus vielen verschiedene Fäden einen bunten Pulli, doch von Zeit zu Zeit scheint er die eine oder andere Masche zu verlieren. Die im Grunde recht simple Detektiv-Geschichte wird durch eine Vielzahl von Charakteren und Drehbuchwendungen unnötig verkompliziert. Da die Namen der unzähligen Haupt- und Nebenfiguren für die ungeübten westlichen Ohren alle sehr ähnlich klingen, fällt es sehr schwer, bei den vielen Dialogen den Überblick zu behalten. Dabei ist die Prämisse eines geheimnisvollen Fremden, der Stück für Stück einen Mordfall lösen will und dabei in ein Wespennest aus Intrigen stößt, sehr reizvoll. Zunächst erinnert der von Kuan Tai Chen gespielte Held Yuen Hsiao Ling mit seinem schwarzen Mantel und breitkrempigen Hut an die klassische Figur des Privatdetektivs, doch dieser nette Ansatz wird recht schnell aufgegeben.

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Da das Drehbuch mit seinen vielen Handlungsfäden und den unter einer hohen Mortalitätsrate leidenden Figuren es dem Zuschauer nicht einfach macht, der sich immer wieder windenden Handlung zu folgen, kann sich dieser auch zurücklehnen, die Geschichte Geschichte sein lassen und sich ganz auf die actionreiche Inszenierung und bunten Kulissen konzentrieren. Die von Mu Chuan Chen choreographierten Kämpfen sind sehr brutal und blutig in Szene gesetzt. Wobei gerade die favorisierte Waffe des geheimnisvollen Mörders, eine Axt, dafür sorgt, dass das Blut reichlich fließt. Überraschend ist gerade am Ende die gnadenlose Härte, mit der gegen unschuldige Frauen vorgegangen wird. Vielleicht landete der Film aus diesem Grunde 1984 auf dem Index. Generell verstört die mitleidlose Art und Weise, wie der Film mit seinen Figuren umspringt. Da wird selbst eine als lustige Sympathieträger aufgebaute Figuren skrupellos über die Klinge springen gelassen oder eine positiv gezeichnete Figur stellt seine Prinzipien störrisch über das leibliche Wohl seiner Tochter und sieht scheinbar ungerührt ihrer Verstümmlung zu. Harter Tobak, den man so anfangs nicht erwartet hätte.

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Am Besten fährt man mit „Die Todeshand des schwarzen Panthers“, indem man gar nicht erst versucht, der sich in unzähligen Wendungen verirrenden und mit seiner Überzahl an Figuren schwer durchschaubaren Geschichte zu folgen, sondern sich ganz auf die Schauwerte konzentriert. Diese sind sehr solide, überraschend brutal und mitleidslos in Szene gesetzt.

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FilmArt veröffentlicht den bereits bei einigen Billiglabels herausgekommenen Film ungeschnitten und im originalen Breitwand-Format veröffentlicht. Leider stand dafür keine wirklich gut erhaltenen Kopie zu Verfügung. Das verwendete Bildmaterial erweckt wirklich starke Assoziationen mit dem Bahnhofskinoprogramm für das er einst gedacht war. Die Kopie wimmelt nur so vor Laufstreifen und Verschmutzungen. Besonders den rechten Bildabschnitt scheint es ziemlich schlimm erwischt zu haben. Aus dem vorhandenen Ausgangsmaterial wurde dann das Beste gemacht, für Freunde glasklarer Restaurierungen ist die vorliegende DVD aber sicherlich nicht akzeptabel, für Grindhouse-Nostalgiker aber wohl ein Traum. Wer sich zwischen diesen beiden Polen befindet, muss sich selber eine Meinung bilden. Auch die deutsche Tonspur passt sich dem Bild an, ist aber trotzdem gut verständlich. Im Gegensatz zur ebenfalls beigefügten englischen Variante. Als Extras gibt es den deutschen Trailer, den US-Trailer und dem zuvor nicht erhältlichen deutsche Kinotrailer „Jen Ko – In seinen Fäusten brennt die Rache“. Im 12-seitiges Booklet fehlt der Name des Verfassers, die dort verbreiteten Informationen sind durchaus interessant, auch wenn der zwischen gewollt seriös und kumpelhaft pendelnde Stil nicht so meins ist.

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Blu-ray-Rezension: „Die Mörderklinik“

moerderklinikDie junge Krankenschwester Mary (Barbara Wilson) hat eine Stelle in der Nervenheilanstalt des Dr. Robert Vance (William Berger) angenommen. Bald schon stellt sie fest, dass einige Patientinnen auf geheimnisvolle Weise verschwinden. Sie ahnt allerdings nicht, das sich ein vermummter Killer im alten Gemäuer herumtreibt, der seine Opfer mit einem Rasiermesser tötet. Wer könnte der Mörder sein und was hat die unheimlich Gestalt damit zu tun, die auf dem Dachboden der Klinik haust?

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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1966 steckte das Genre des Giallo noch in seinen Kinderschuhen. Wobei dies allerdings nur für die Definition von Giallo stimmt, die später jene Filme charakterisierten, welche im Gefolge des großen Erfolges von Dario Argentos Regiedebüt „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ auf den Markt kamen. Eigentlich bezeichnet der Begriff „Giallo“ ganz normal einen Krimi. Einer, dessen Werke in Italien früh in den charakteristischen Büchern mit den gelben („giallo“) Umschlägen erschien, war beispielsweise Edgar Wallace. Und die deutschen Verfilmungen seiner Bücher werden ja auch oftmals als eine Wurzel des Giallo-Genres genannt. Elio Scardamaglias „Die Mörderklinik“ fühlt sich wie eine wilde Mixtur aus eben jenen „Gruselkrimis“ ala Wallace (das Setting in einer Irrenanstalt, der vermummte Mörder, die unschuldige Heldin, das Zehn-kleine-Negerlei-Prinzip) und einer britischen Hammer-Produktion (das Kostümdrama aus dem 19. Jahrhundert, der Wald, die Kutsche, das Monster auf dem Dachboden und ebenfalls der Irrenhaus-Schauplatz) an. Entfernt man aber die „Gothic horror“-Elemente, bleibt tatsächlich ein ziemlich lupenreiner Giallo nach moderner Definition übrig.

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Regisseur Elio Scardamaglia firmiert hier unter dem englischen Namen Michael Hamilton. Zwei der Darstellerinnen haben ebenfalls englische Namen, sollen aber laut IMDb lediglich in diesem einen Film mitgespielt haben. Dies deutet stark darauf hin, dass es sich bei „Mary Young“ und „Barbara Wilson“ um englische Pseudonyme zweier italienischer oder französischer Schauspielerinnen handelt. Leider konnte ich nicht herausfinden, wer sich dahinter verbirgt, da sowohl im Internet als auch in einschlägiger Literatur nur die beiden englischen Namen auftauchen. Für Scardamaglia war dies aber tatsächlich der einzige Film, bei dem er Regie führte. Und es war überraschenderweise auch der einzige Giallo, bei dem er involviert war. Von Hause aus war Elio Scardamaglia als Produzent von Sandalenfilmen und Italowestern, in späteren Jahren auch einiger Bud-Spencer-Solo-Filme aktiv. Für seinen einzigen Versuch auf dem Regiestuhl schlägt sich Scardamaglia aber sehr wacker. In einigen Szenen – wie beispielsweise jene, in der Gisèle de Brantome Dr. Vance in einer Höhle bei der Beseitigung eines Leichnams beobachtet, gelingt es ihm sogar, an die Filme des großen Mario Bava zu erinnern. Ansonsten ist bei seiner Inszenierung eine merkwürdige Tendenz zu beobachten, dass sich Figuren nur sehr selten direkt ansprechen, sondern sich beim Dialog voneinander ab- und der Kamera zu wenden, als ob sie auf einer Theaterbühne ins Publikum sprechen würden. Vielleicht wollte Scardamaglia damit einen dramatischen Effekt erzeugen, sorgt mit dieser Marotte aber eher für Irritationen.

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Im Gegensatz zu Elio Scardamaglia sollten die beiden Drehbuchautoren noch eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Giallo – so wie wir ihn heute kennen – spielen. Angeblich adaptierten sie für ihr Drehbuch den Roman „The Knife in the Body“ eines gewissen Robert Williams. Da sich allerdings nirgendwo Spuren dieses Schriftstellers, geschweige denn des Buches, finden lassen, kann man dies sicherlich in das Reich der Fabeln verweisen. Wahrscheinlich ist die Geschichte für „Die Mörderklinik“ also ganz alleine Ernesto Gastaldi und Luciano Martino eingefallen. Gastaldi ist dann auch derjenige, der das Giallo-Genre in den 70er fast im Alleingang zur Blüte brachte. Nachdem er bei vielen wichtigen Italo-Western das Drehbuch beisteuerte, schrieb er für den dann als Produzenten tätigen Luciano Martino und dessen Bruder Sergio einige der schönsten Gialli überhaupt, wie beispielsweise „Der Killer von Wien“ oder „Die Farben der Nacht“. Danach wandte er sich dem Polizieschi zu, wo er ebenfalls zahlreiche Meisterwerke, hauptsächlich für Umberto Lenzi, schrieb. In den 80ern war er dann an einigen italienischen Endzeitfilm beteiligt, bevor er sich 1998 aus dem Filmgeschäft zurückzog. Sieht man sich Gastaldis spätere Giallo-Arbeiten an, so kann man in „Die Mörderklinik“ schon einige wiederkehrende Muster erkennen. So steht bei ihm in den meisten Fällen eine „unschuldige“ Frau im Mittelpunkt, die zum Spielball finsterer Intrigen wird und sich in den undurchschaubaren und höchst verdächtigen Hauptdarsteller verliebt. Eine „klassische“ Detektivgeschichte, in der jemand versuchen muss den Fall zu lösen, wie sie bei Argento im Zentrum steht, gibt es bei ihm nur selten.

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Der undurchschaubare und höchst verdächtige Hauptdarsteller ist in diesem Falle William Berger. Der Österreicher Berger war über den Umweg US-Fernsehen im Jahre 1965 nach Italien gekommen und „Die Mörderklinik“ gehörte zu seinen ersten großen Rollen dort. Danach sollte er zunächst einmal hauptsächlich im Italo-Western tätig sein. Berger ist die perfekte Wahl für den verzweifelten, viktorianischen Arzt mit dunklem Geheimnis. Er spielt die Rolle zwar etwas steif und gleichzeitig distinguiert kühl, doch man spürt seine unterdrückte Leidenschaft. Auch die Französin Françoise Prévost macht als böse und berechnende Gisèle de Brantome eine guten Eindruck. Daneben fallen die restlichen Darsteller ab. Gerade „Barbara Wilson“ Heldin Mary bleibt höchst blass und auch „Mary Young“ als immer in Schwarz gekleidete Ehefrau des Arztes kann kein wirkliches Charisma entwickeln. Erschwerend kommt hinzu, dass der Film recht vorhersehbar ist und man den Täter von Anfang an erahnen kann. Nichtsdestotrotz verströmt der Film eine gemütliche Gediegenheit und altmodischen Flair, der ihn zu einem sympathischen Vertreter der typischen 60er Jahre Horrorfilme bzw. Gruselkrimis macht.

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Mit seinem einzigen Film als Regisseur hat der erfolgreiche Produzent Elio Scardamaglia vieles richtig gemacht und mit seinen beiden Drehbuchautoren einen gediegenen Gruselkrimi erschaffen, der schon einige Muster der höchst erfolgreichen Gialli beinhaltet, die Ernesto Gastaldi und Luciano Martino später zusammen mit Sergio Martino schaffen sollten.

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Mit „Die Mörderklinik“ liegt nun schon die Nummer 7 der filmArt-Giallo-Reihe vor. Grundlage scheint eine 35mm-Kopie aus dem Fundus des Nürnberger KommKinos zu sein. Diese war in einem eher schlechten Zustand, wie man an der unrestaurierten Fassung sehen kann, die dem Film als Bonus beigefügt wurde. Sieht man das Resultat nach der Restaurierung kann man nur staunen, was alles aus dem Bild rausgeholt wurde. Da ist es nur ärgerlich, dass ein paar schwarze Lauffäden nicht entfernt wurden, die eigentlich nicht auffallen würden, würden sie sich nicht so häufig bei Großaufnahmen über die hellen Gesichter der Figuren legen. Einige Filmrisse gibt es leider auch. Dafür wurden diese Szenen, ebenso wie Szenen in dem der Nachtfilter nicht genutzt wurde, in nicht „sprunghafter“ Form aus einer anderen (schlechteren) Quelle im Bonusbereich beigefügt. So liegt der Film nun erstmals in Deutschland ungeschnitten und im korrekten 2,35:1 Breitwandformat vor. Dem Ton merkt man sein Alter an, doch dies ist nicht störend. Desweiteren gibt es noch den Trailer zum Film, sowie ein schönes Booklet mit dem kompletten Kinoaushang und anderen schönen Werbematerial vor.

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Blu-ray-Rezension: „Die Teuflischen von Mykonos“

die_teuflischen_von_mykonos_mb_aDas britische Pärchen Christopher (Robert Behling) und Cecile (Jane Lyle) kommen auf die griechische Insel Mykonos. Angeblich, um hier Ferien zu machen, tatsächlich aber, weil sie in London von der Polizei gesucht werden. Auf Mykonos ist Christopher von den „einfachen und guten“ Menschen der Insel fasziniert und will diese darum radikal von den „perversen Sündern“ säubern. Was das schwer gestörte Pärchen gleich in die Tat umsetzt…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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Es gibt einen Film der beiden Sleaze-Meister Joe D’Amato und Bruno Mattei, der sich „Alle Perversionen dieser Welt“ nennt. Dies wäre auch ein höchst treffender Titel für „Die Teuflischen von Mykonos“. Als ich diesen griechischen Film vor ungefähr 17 Jahren das erste Mal sah, verfasste ich umgehend eine erste Besprechung, in der ich meiner großen Verstörung Ausdruck verlieh. Diese Besprechung ist mittlerweile aus dem Netz verschwunden, was mich ziemlich erleichtert hat. Ursprünglich sollte diese uralte Besprechung nämlich das Rückgrat der hier nun vorliegenden neuen Rezension sein. Doch als ich sie in den Tiefen meines PCs wiederfand, war ich doch recht beschämt, da ich feststellen musste, dass diese alten Texte sprachlich ungeheuer unausgereift waren. Vor allem fiel mir auf, dass ich damals mehrmals das Unwort „krass“ benutzte. Wobei „krass“ den Inhalt von Nico Mastorakis‘ Film im Grunde recht gut beschreibt.

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Nico Mastorakis gibt an, zu „Die Teuflischen von Mykonos“ durch eine Kinovorstellung des damals gerade frisch angelaufenen „Texas Chain Saw Massacre“ inspiriert worden zu sein. Nun hat „Die Teuflischen von Mykonos“ recht wenig mit Tobe Hoopers Klassiker zu tun, doch es ging Nico Mastorakis auch gar nicht so sehr darum, eine Kopie des Terrorstreifens zu produzieren, sondern vielmehr einen Film, der die in „Texas Chain Saw Massacre“ gezeigten Brutalitäten und Schockmomente noch übertrifft. Aus diesem Grunde dachte er sich eine Story aus, in die er alles packte, was nur irgendwie kontrovers war und Tabus brach. Homosexualität zwischen Männern oder Frauen, Inzest, Drogenkonsum, Voyeurismus, Sodomie, Vergewaltigung (sowohl einer Frau als auch eines Mannes), Blasphemie, Pinkeleinlagen und Sex mit reiferen Frauen. Und natürlich Morde, Morde, Morde. Männer, Frauen und Tiere müssen in mehr oder weniger expliziten Szenen dran glauben. Es verwundert (und erleichtert), dass Nico Mastorakis zumindest Kinder außen vor lässt.

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Nico Mastorakis macht keine Gefangenen und arbeitet mit einer Technik der ständigen Eskalation. Interessanterweise stumpft man durch das Gezeigte nicht irgendwann ab, sondern wird immer wieder aufs Neue von den Aktionen des mörderischen Pärchens überrascht und abgestoßen. Nico Mastorakis inszeniert dies alles auf den größtmöglichen Effekt hin und erschafft eine Welt, in der es keine Hoffnung auf ein normales Leben mehr gibt. Der Knalleffekt mit dem er seinen Film beschließt ist da ebenso konsequent, wie logisch. In einer zynischen Form ist das Ende von „Die Teuflischen von Mykonos“ ein ebenso vergiftetes Happy End, wie beispielsweise das Finale des koreanischen „OldBoy“. Interessant ist es, wie Nico Mastorakis die Opfer des Pärchens Christopher und Celia in Szene setzt. Jeder von ihnen geht einem Laster nach. Sündigt also, wenn man eine erzkonservative Bibelauslegung zugrunde legt. Dafür werden sie von Christopher, der sich als eine Art „Zorn Gottes“ versteht, bestraft. Der Trick, den Nico Mastorakis anwendet, besteht darin, dass sich die „Sünden“ der Opfer im Vergleich zu den Taten des „Bestrafers“ nur als völlig harmlos herauszustellen, ja in einer aufgeklärten Gesellschaft auch nicht als „Sünden“ aufgefasst werden sollten. Christophers erzkonservative, bibelgestärkte Rechtfertigung seines Mordtriebes bei gleichzeitig maximalen Verstoß gegen alle christlichen Gebote macht eine Identifikation mit ihm (hoffentlich) unmöglich, ist aber auch gleichzeitig ein parodistisch überzogener Kommentar auf die abgrundtiefe Heuchelei jener, die immer mal wieder gerne mit dem Finger auf „die da“ zeigen.

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Christophers Geisteskrankheit wird ganz offen zur Schau gestellt. Bei Cecila geht Mastorakis etwas subtiler vor. Sie unterstützt Christopher bei seinem Blutrausch, doch ihr Motiv ist dem Christophers entgegengesetzt. Christopher tötet aus Frustration über sein eigenes sexuelles Unvermögen. Seinen größten Kick erhält er, wenn er Cecila oder jemand anderes beim Sex beobachten kann. Seine durch Voyeurismus kompensierte Impotenz wird durch das Motiv der Kamera, welche er als eine Verlängerung des eigenen Blickes benutzt, symbolisiert. Er selbst kommt entweder gar nicht erst zum Zuge oder wird abgewiesen, was seine Raserei noch mehr entfacht und ihm erst im ultimativen Tabubruch (Inzest, Sodomie, Mord) soweit stimuliert, dass er den Akt vollziehen kann. Er ist der sadistische Teil des Pärchens. Cecila hingegen wird mehrschichtiger gezeichnet. Generell wird sie durch Unterwerfung sexuell stimuliert. Dies kann entweder ihre eigene oder die eines der Opfer sein. Somit gibt es für sie am Ende ein Happy End, wenn der „impotente“ Christopher entsorgt wird und sie jemanden trifft, der einerseits mit seiner Primitivität und Gewalttätigkeit ihre submissiven Bedürfnisse befriedigt, sich gleichzeitig aber auch von ihr manipulieren lässt. So genießt sie es deutlich, sich gegenüber des leicht schwachsinnig wirkenden Schäfers zunächst in die Rolle des Opfers zu begeben, um den einfachen Mann dann dahingehend zu manipulieren, dass er ihre Rollenspiel mitmacht. Daher könnte man „Die Teuflischen von Mykonos“ fast schon als schmierige Ergänzung zu Peter Stricklands aktuellen Film „The Duke of Burgundy“ ansehen.

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„Die Teuflischen von Mykonos“ ist einer jener völlig unfassbaren Filme, die scheinbar nur in den 70er Jahren entstehen konnten. Ein Film, der nach feuchtem Keller riecht und nach dessen Sichtung man am liebsten eine lange und gründliche Dusche nehmen möchte. Ob man dies nun als Empfehlung oder Warnung (oder beides) verstehen möchte, muss jedem selber überlassen bleiben.

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Die Aufbereitung die OFDb filmworks diesem Film hat zukommen lassen ist sowohl vorbildlich als auch definitiv. Das Mediabook ist vollgepackt mit Extras, die keine weiteren Wünsche mehr offen lassen. So finden sich auf der Blu-ray und der DVD jeweils folgende Features: Ein Vorwort von Nico Mastorakis (1:15 min.), ein Audiokommentar von Marcus Stiglegger und Kai Naumann, das Essay „Return to ‚Island of Death’“ (16:55 min.) in dem Mastorakis nach Mykonos zurückkehrt, die Originalschauplätze zeigt und zu allen ein paar Anekdoten bereit hat, das Feature „Exploring ‚Island of Death’“ (38:24 min.) in dem Exploitation-Filmexperte Stephen Thrower (der Standardwerke über Fulci, Franco und den US-Indie-Horrorfilm schrieb) über den Film referiert. Es gibt den deutschen und englischen Trailer und zwei alternative Vorspänne. Unter „Island Sounds“ findet man fünf Musikstücke aus dem Score mit einer Laufzeit von insgesamt rund 24 Minuten. Weiter geht es auf der Bonus-DVD mit der unglaubliche 152 Minuten laufenden Doku „Die Filme von Nico Mastorakis“, einem Interview mit Nico Mastorakis (22:04 min.) und einem mehr als halbstündigen Mastorakis Trailer Reel. Laut Cover wurde eine „brandneue 2K-Restaurierung, erstellt in Zusammenarbeit mit Regisseur Nico Mastorakis“ verwendet und der Film sieht wirklich fantastisch aus. Fast schon zu gut, denn „Die Teuflischen von Mykonos“ ist einer jeder Filme, die man sich eigentlich nur als verschlissene und nach Essig riechende 35mm-Kopie vorstellen kann, die irgendwann mal hinter das Real gefallen ist und beim Aufräumen zufällig wiedergefunden wurde. Das Bild der OFDb filmworks-Fassung ist aber ,wie gesagt, brillant und mit kräftigen Farben. Nur im letzten Akt gab es scheinbar kein adäquates Filmmaterial mehr. Dort pulsiert das Bild manchmal leicht und scheint an der rechten Ecke etwas entfärbt. Das Bildformat ist ein korrektes 1:1,33. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in 2.0 Mono vor. Ein fest im Mediabook eingeklebtes Booklet gibt es auch. Dieses enthält einen interessanten Artikel von Thorsten Hanisch, der sich gar nicht so sehr um „Die Teuflischen von Mykonos“ dreht, sondern den Schwerpunkt auf das weniger bekannte griechische Exploitationkino der 70er Jahre legt. Abgerundet wird dies durch eine „Jagdliste“ von Vrasidas Karalis, der neun griechsiche Sexploitation-filme vorstellt, die man seiner Meinung nach gesehen haben sollte.

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Blu-ray Rezension: „Die Zärtlichkeit der Wölfe“

zaertlickeitKurz nach dem zweiten Weltkrieg kommt es in Gelsenkirchen immer wieder zu geheimnisvollen Morden an jungen Männern. Täter ist der Kleinkriminelle Fritz Haarmann (Kurt Raab), der junge Stricher in seine Wohnung holt, diese dort ermordet und ihre sterblichen Überreste als Fleisch an die umliegenden Wirtschaften verkauft. Die Polizei kommt dem Mörder allerdings nicht auf die Spur, sondern heuert Haarmann im Gegenteil sogar als Polizeispitzel an. Dies bringt diesen auf die Idee, sich als Polizist auszugeben und am Bahnhof weitere junge Männer in seine Wohnung zu locken. Gleichzeitig leidet er darunter, dass sein Geliebter Hans (Jeff Roden) seit Neustem mit dem Zuhälter Wittowski (Rainer Werner Fassbinder) um die Häuser zieht…

1973 erhielt Ulli Lommel nach „Haytabo„, den er zusammen mit Peter Moland inszenierte,  erstmals die Gelegenheit bei einem Film allein Regie zu führen. Der Schauspieler, der zuvor in neun Fassbinder-Filmen zu Weltruhm gelangt war, sollte diese Erfahrung so gut gefallen, dass er die Schauspielerei kurz danach aufgab und sich ganz auf die Regie konzentrierte. Der Erfolg seines Erstlings „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ in den Arthaus-Kinos der USA, brachte ihn mit Andy Warhol zusammen, der daraufhin in Lommels Filmen „Blank Generation“ und „Cocaine Cowboys“ auftrat. Der finanzielle Erfolg des kleinen Horrorfilms „The Boogeyman“ ließ Lommel dann endgültig in die USA übersiedeln. Seitdem ist sein filmisches Werk kontinuierlich von schlechten Kritiken begleitet, und die meisten seiner Direct-to-video Werke, die sich vornehmlich wie „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ um Serienkiller drehen, haben es dann auch gar nicht mehr in sein Heimatland geschafft. Zweifelhaften Ruhm erlangte er 2004 noch einmal mit dem legendären „Daniel – der Zauberer“, der zeitweilig die IMDb von unten anführte.

Obwohl Lommel zurecht stolz auf „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ ist und von seinem „Meisterwerk“ spricht, so gehört der Film doch vornehmlich seinem Hauptdarsteller Kurt Raab. Dieser hat nicht nur auch das Drehbuch beigesteuert hat, sondern war auch für das Set Design verantwortlich. So prägt Raabs Arbeit in mehr als einer Hinsicht den Film. Raab ist phantastisch als Haarmann. Ein zutiefst trauriger Mensch, der seinen Platz in der Welt nicht finden kann. Der seine Leidenschaften nicht unter Kontrolle hat und einsam bleibt, auch wenn er sich unter seinen Mitmenschen bewegt. Der von seinem geliebten Hans schamlos ausgenutzt und betrogen wird, obwohl er doch die dominante Rolle in der Beziehung spielen möchte. Der glatzköpfige, kleine Mann, der die melancholischen Augen eines Peter Lorre besitzt und doch gleichzeitig in den erschreckendsten Momenten des Filmes an Max Schreck in seiner Rolle des Nosferatu erinnert. Raab lässt seinen Haarmann zwischen der Opfer- und der Täterrolle pendeln. Gleichzeitig entwickelt der Zuschauer ein Gefühl des Mitleids für ihn, welches aber aufgrund seiner abscheulichen Taten nicht zu rechtfertigen ist. Am Ende bleiben zwei Gesichter Raabs im Gedächtnis. Jenes des freundlichen Herren mit den sehnsüchtigen Augen und der aufgerissene, blutverschmierte Mund des Mörders. Raab dominiert den Film so sehr, dass dabei die Auftritte von Rainer Werner Fassbinder oder Brigitte Mira in Vergessenheit geraten.

Die Verbindung zu Fassbinder ist ganz offensichtlich, auch wenn er selber – so Ulli Lommel – nur drei Tage am Set war und sich ansonsten um nichts weiter gekümmert hat. Lommel hat seinem Mentor genug abgeschaut, um den Film in dem für Fassbinder typischen, traumwandlerischen Groove zu halten. Unterstützt wird er dabei von Raab, der ebenfalls ein Fassbinder-Veteran ist und dessen Drehbuch die selbe leicht gestelzte Theater-Sprache der Fassbinder-Film nutzt. Zudem ist Fassbinders Stammcrew mit von der Partie: Neben Raab und der Mira sind dies Fassbinders Geliebter El Hedi ben Salem (der mit der Mira ein Jahr später die Hauptrolle in dem famosen „Angst essen Seele auf“ spielte), Irm Herrman, Margit Carstensen, Ingrid Caven, Rosel Zech und einige mehr. Neu ist der großartige Kameramann Jürgen Jürges, der hier erstmals im Fassbinder-Umfeld die Kamera führte, zuvor aber schon mit dem außergewöhnlichen „Fussball wie noch nie“ für Furore gesorgt hatte. Fassbinder war von Jürges beeindruckender Arbeit bei „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ so begeistert, dass Jürgens anschließend dessen Filme „Angst essen Seele auf“ und „Fontane Effi Briest“ fotografieren durfte.

Die Kameraarbeit ist auch eines der herausragenden Merkmale von „Die Zärtlichkeit der Wölfe“. Sie hält den Film in einem Dämmerzustand, der an die expressionistische Künstlichkeit eines Film noir erinnert. Sie lässt den Film zudem in einem zeitlosen Raum spielen. Zwar hat Lommel die Handlung von den 20er Jahren – in denen der reale Haarmann sein Unwesen trieb – in die direkte Nachkriegszeit verlegt, doch der Film könnte zu jeder Zeit spielen. Allein der amerikanische Polizeichef und der französische Soldat verorten den Film eindeutig am Ende der 40er Jahre. „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ profitiert auch ungemein von der Umgebung, in der der Film spielt. Die heruntergekommenen, verfallenden Häuser eine Gelsenkirchener Vororts und die karge Industrielandschaft spiegeln die Trostlosigkeit der Seelen wieder, die hier umhergehen. Und das von Raab persönlich ausgestattete, enge und staubig Dachkämmerlein in dem Haarmann haust, hinterlässt einen unangenehmen Eindruck, der einen noch lange verfolgt.

„Zärtlichkeit der Wölfe“ ist ganz Kurt Raabs Film. Er prägt dieses melancholische Portrait eines zwanghaften Serienmörders nicht nur durch seine Darstellung der Hauptfigur und das von ihm verfasste Drehbuch, sondern auch in der kongenialen Gestaltung der Drehorte. Mit seiner Hilfe und der großartigen Kameraarbeit des damals noch fast unbekannten Jürgen Jürges hat Ulli Lommel hier tatsächlich ein Regiedebüt geschaffen, welches er zu Recht als sein Meisterwerk bezeichnet.

Die bei CMV erschienene Blu-ray des Filmes kann nur mit den Worten „vorbildlich“ beschrieben werden. Das Bild erstrahlt in einem Glanze, welcher deutlich zeigt, was bei einer guten Restaurierung noch aus altem Filmmaterial herausgeholt werden kann. Auch der Ton ist recht gut und deutlich. Vorbildlich auch die zahlreichen Extras. Hier wurde scheinbar eng mit Ulli Lommel zusammengearbeitet. Dieser führt in einem fast 4-minütigen Intro in den Film ein, steuert den von Uwe Huber moderierten Audiokommentar bei und steht im Zentrum eines 22-minütigen Interviews, in dem er noch mal die wichtigsten Punkte des Audiokommentars in kürzerer Form wiedergibt. Ferner wird Rainer Will in einem 15-minütigen Interview über seine Rolle als eines der sehr jungen Opfer Haarmanns befragt. Damit sind die Extras fast identisch mit der englischen Blu-ray von Arrow. Allerdings fehlt hier das 25-minütige Interview mit Kameramann Jürgen Jürges und vor allem ein 41-minütiger Vortrag von Stephen Thrower über den Film. Schade. Dafür ist auf der CMV-Scheibe noch eine 16-minütigge Doku über den echten Fritz Haarmann, die allerdings den Charme eine YouTube-Tutorials besitzt.

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Das Bloggen der Anderen (07-12-15)

bartonfink_type2In eigener Sache: Das ist hier die letzte Ausgabe von „Das Bloggen der Anderen“ für dieses Jahr. Ich bin momentan in eine Vielzahl anderer Projekte eingebunden, die alle mit einer Deadline versehen sind.  Zudem bin ich auch auf meiner „normalen Arbeit“ gerade am Schwimmen und zwischendurch möchte ich für meine Familie da sein. Daher kann ich zwar noch ein paar Reviews, Termine und News schreiben, aber möchte mir bis zum Ende des Jahres keine regelmäßige Rubrik ans Bein binden. Zudem machen ja auch mittlerweile eine paar andere Blogs einen ganz ähnlichen Job (siehe ganz unten), so dass ich mir ohne schlechtes Gewissen eine Auszeit gönnen kann. Mit „Das Bloggen der Anderen“ geht es dann erst im Januar weiter.

– Letzte Woche verstarb Synchronsprecher Nobert Gastell. Im Netz fand ich lediglich auf filmosophie einen Nachruf, der sich dann auch auf seine berühmteste Rolle, Homer Simpson, konzentriert. Dabei hat Norbert Gastell uns auch viele Exploitationfilme der 70er versüßt, wo er häufig den Handlanger des Bösewichts sprach.

– Der von mir sehr geschätzte Herr Woody Allen aus New York feierte hingegen seinen 80. Geburtstag (man mag es kaum glauben). Ihm zu Ehren gibt es auf film-rezensionen.de ein Special.  Außerdem bespricht Oliver Armknecht mit „Tag“ einen von gleich vier neuen Sion-Sono-Filmen.

– Auf critic.de führt Michael Kienzl ein Interview mit Apichatpong Weerasethakul. Johannes Bluth berichtet vom Heimspiel Filmfest 2015 in Regensburg und auch in diesem Jahr wird eine liebgewordene Tradition fortgeführt: Eine Textreihe widmet sich einem Kino, dass das Fest der Liebe mit Füßen tritt.

– Sarina Lacaf war für Negativ zwei Tage auf dem Dokfest in Kassel.

– Rajko Burchardt schreibt auf B-Roll kluge Worte über die Rolle der Filmkritik.

Hard Sensations macht auf den 15. Hofbauerkongress aufmerksam, welcher zwischen dem 7. und 11. Januar in Nürnberg stattfindet.

– Sven Safarow stellt auf Eskalierende Träume einen von 10 Deutschen Lieblingsfilmen vor: Fritz Langs Abschied „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“.

– Patrick Holzapfel schreibt auf Jugend ohne Film über die Liebe im Kino. Nicht die Liebe auf, sondern vor der Leinwand. Schön.

– Juli stellt im Rahmen einer Blogparade auf Pieces of Emotions Filme vor, die vor ihrer Geburt veröffentlicht wurden, und die sie für großartig hält. Mein Gott, jetzt fühle ich mich alt. Einige davon habe ich bei ihrer Premiere im Kino gesehen.

– Sebastian hat auf Nischenkino eine Liste mit „10 Relevante Politische Filme“ erstellt, über die man sicherlich diskutieren kann.

– Alles, was man schon immer über einen DER Weihnachtsfilm-Klassiker wissen wollte, verrät Marco auf Duoscope: „Schöne Bescherung“ mit den Griswolds.

Yzordderrexxiii kümmert sich um einen Film, den kaum jemand kennt, obwohl der Regisseur das Prädikat „Kult“ trägt: „Elvis“ von John Carpenter. Ich teile seine positive Meinung übrigens und hoffe, damit stehen wir nicht allein.

– Das hoffe ich übrigens auch bei Jess Francos „La mansión de los muertos vivientes“, der Schlombie auf Schlombies Filmbesprechungen ganz arge Bauchschmerzen bereitet. Ich finde den ja klasse. Besser kommt bei Schlombie da „Der Todesrächer von Soho“ an, während die wunderbare Krimi-Verweigerung „Der Teufel kam aus Akasava“ ganz heftig unten durch fällt. Ich finde die Besprechungen immer höchst interessant – auch wenn ich häufig ganz anderer Meinung bin – denn man hat als langjähriger Franco-Fan schon vergessen, wie seine Filme auf „normale Leute“ wirken.

„Ein Toter lacht zuletzt“ war viele Jahre eine ausgesprochen rare Angelegenheit. Von diesem spanischen Horrorfilm von 1973 wurde zwar immer geschwärmt, doch zu sehen war er nur sehr, sehr selten. Dem hilft eine neue DVD ab, was wahrscheinlich besonders Mauritia Mayer freut, die den Film auf Schattenlichter in den höchsten Tönen lobt.

– Noch ein Geheimtipp aus Spanien: „Das Versteck“ wird auch von fuxton sehr gelobt und ist ebenfalls seit Kurzem auf DVD erhältlich. Bei Enzo Castellaris Spät-Western „Die Rache des weißen Indianers“ mit Franco Nero weiß ich das gar nicht, meine aber, dass der unter „Keoma 2“ verwurstet wurde. Wie dem auch sei, bei fuxton kommt das Werk auch gut weg.

– Bleiben wir in Italien. Die Ehre der mit Abstand ungewöhnlichste Argento-Film zu sein, kann die Tragikkomödie „Die Halunken“ mit Adriano Celentano, die während der Märzrevolution 1848 spielt, für sich verbuchen. Ich mag den Film ja sehr und würde daher jedes Wort, welches totalschaden auf Splattertrash über den Film schreibt unterstreichen.

– Viele Jahre später hat Argento dann „Sleepless“ gedreht, der JackoXL von Die drei Muscheln schwer enttäuscht hat. Dafür wird von stu Peter Stricklands „The Duke of Burgundy“ gelobt.

– Oliver Nöding schaut sich auf Remember It For Later gerade durch Lucio Fulcis Spätwerk. Startend mit „The Devil’s Honey“ (den ich für dasselbe Projekt auch gerade am Wickel habe) bis „The Door to Silcence“.

– Den Ozploitation-Klassiker „Turkey Shoot“ müsste ich auch mal wieder gucken. Gerade, wenn mir Sascha von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte den Mund wässerig macht.

– Großes Kino aus Deutschland: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Schlöndorff/von Trotta. Jan Noyer von Kuleschow-Effekt ist begeistert.

– Apropos begeistert. Das war ich auch, als ich erstmals Jacques Tourneurs „The Leopard Man“ gesehen habe, den ich sogar mehr schätze als sein „Katzenmenschen“. Volker Schönenberger hat den Film im Rahmen der Recherche zu einem Artikel in „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ gesehen und nun auf seinem Blog Die Nacht der lebenden Texte besprochen. „35 Millimeter“-Redakteur Ansgar Skulme setzt sich eingehend mit „Dschingis Khan – Die goldene Horde“ auseinander.

– Quentin Dupieux‘ neuer, „Reality“ bekommt bei Going to the movies 9 von 10 Punkten. Sehr gut.

– Auch Takeshi Kitano meldet sich zurück. “Ryuzo and his Seven Henchmen“ gehört für Michael Schleeh von Schneeland zu den besten japanischen Filmen, die er dieses Jahr gesehen hat.

– Ungelesen weitergereicht: Auf Whoknows presents schreibt Manfred Polak über den dänisch-schwedisch-norwegischen Film „Hunger“, den Henning Carlsen 1966 inszenierte. Ich hatte bisher keine Zeit Manfreds umfangreichen Artikel zu lesen, aber aus der Erfahrung empfehle ich ihn mal blind.

– Mittlerweile hat „Das Bloggen der Anderen“ Schule gemacht und immer mehr Blogs haben eine entsprechende Rubrik. Hier einige Beispiele aus dieser Woche: „Die Besprechungen der Anderen“ auf Schlombies Filmbesprechungen, „Real Virtualinks“ auf Real Virtuality und „Beiträge von anderen Nerds“ auf Leons Filmreviews.

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Filmbuch-Rezension: Jörg Buttgereit “Besonders wertlos – Filmtexte“

besonders_wertlos_jbEs ist eine wahre Schande, dass Jörg Buttgereit oftmals noch immer auf sein filmisches Frühwerk reduziert wird. Zugegeben, „Nekromantik“ besitzt seinen Kultstatus völlig zurecht, „Nekromantik 2“ ist der bessere Film, „Der Todesking“ eine bedrückende Auseinandersetzung mit dem Tod und „Schramm“ eine böse Reise in die Seele eines gestörten Menschen. Doch man sollte nicht vergessen, dass „Schramm“ bereits 22 Jahre alt ist und sich Buttgereit seitdem – bis auf Ausflüge ins TV-Geschäft (eine Folge der deutsch-kanadischen SF-Serie „Lexx“, sowie drei Folgen der wunderbaren Arte-Sendung „Durch die Nacht mit…“), einem Drittel des „German Angst“-Projekts aus diesem Jahr, sowie einer Doku zum japanischen Monsterfilm – aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat.

Die andere Seite des „Kult-Regisseurs“ ist heute leider noch viel zu unbekannt. Neben großartigen und wagemutigen Hörspielen für den WDR, in denen er sich frei austobt und seine Filmleidenschaft mit skurrilen, oftmals wahren, Geschichten verknüpft, ist da auch seine erfolgreiche Theaterarbeit, die in Dortmund immer wieder für ein ausverkauftes Haus sorgt. Diese ist häufig – aber nicht nur – eine Verlängerung der Hörspiele in ein anderes Medium, wie sein Stück „Kannibale und Liebe“, welches zuerst als „Ed Gein“ in Hörspielform existierte. Nebenher spricht Jörg Buttgereit zahlreiche Audiokommentare für japanische Monsterfilme ein, hat seinen „Captain Berlin“ in die Welt der Comics überführt und schreibt für einige Filmzeitschriften, wie der österreichischen „ray“.

Eben jene Kolumnen bilden die Basis für sein neues Buch „Besonders wertlos“, welches beim tollen Martin Schmitz Verlag veröffentlicht wurde. In 50 kurzen, oftmals nur 1,5 Seiten langen Kolumnen widmet sich Buttgereit seinen Lieblingsthemen oder empfiehlt zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung gerade aktuelle DVD-Veröffentlichungen. Dabei ist es der Form der Kolumne geschuldet, dass bei diesen kurzen Texten kein Raum besteht, um tiefer in die Materie einzudringen. So reißt Buttgereit zwar einige interessante Themen und Gedanken an, kann sie aber nicht zu Ende bringen. Hier ist es am Leser, neugierig zu sein und selber aktiv zu werden, denn die Kolumnen können in erster Linie Denkanstöße sein, um selber einen umfassenderen Blick in unbekannte Welten zu werfen. Auch wenn die „Liebhaber des unterschlagenen Films“ hier nicht viel Neues entdecken werden, ist es doch schön hier von Jörg Buttgereit noch einmal an die Hand genommen zu werden. Seine Texte sind so unterhaltsam und aus dem Herzen heraus geschrieben, dass man sie gerne liest, auch wenn einem der Inhalt teilweise bekannt ist.

Der „Anhang“ des Buches zeigt dann, was man von Jörg Buttgereit erwarten kann, wenn ihm genug Raum gegeben wird, sein Wissen zu entfalten. Diese acht Texte stammen wahrscheinlich aus der epd Film und sind deutlich länger als die „ray“-Kolumnen. Hier schreibt Buttgereit sehr fundiert u.a. über das Grindhouse-Kino, natürlich immer wieder Godzilla und Konsorten, japanische Horrorfilme und führt ein Interview mit George A. Romero. Dabei kann er auch „Fortgeschrittene“ noch überraschen. Insgesamt ist „Besonders wertlos“ ein Sammelsurium an Texten, welche nicht immer Neues erzählen oder bisher unbekannte Hintergründe enthüllen, aber Jörg Buttgereit hat eine unterhaltsame Schreibe und allein um den sympathischen Martin Schmitz Verlag zu unterstützten, sollte an sich das Buch zulegen. Bereuen wird man es nicht.

Jörg Buttgereit “Besonders wertlos – Filmtexte“, Martin Schmitz Verlag, 200 Seiten, € 17,80

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Das Bloggen der Anderen (30-11-15)

bartonfink_type2– Passend zum demnächst anlaufenden neuen „Star Wars“-Film, wirft Marco auf Duoscope noch einmal einen Blick zurück in die Zeit, als das Ganze noch „Krieg der Sterne“ hieß. Eine sehr schöne, objektive „Geschichtsstunde“.

– Cutrin war auf dem Cinefest in Hamburg und hat auf Filmosophie einen ausführlichen Bericht über ihre Erlebnisse geschrieben.

– Till Kadritzke war für critic.de gleich auf vier Filmfestivals in Köln unterwegs, und hat dementsprechend viel zu berichten.

– Patrick Holzapfel sinniert auf Jugend ohne Film über Film als Fremdsprache und was dies für den Zuschauer heißt.

– Sven von Reden hat auf B-Roll ein sehr interessantes, zweiteiliges Essay unter dem Titel „Der Verlust der physischen Realität“ geschrieben. Darum geht es nicht – wie ich zunächst annahm – um die inflationäre Zunahme von CGI, sondern eher darum, wie unsere immer mehr virtuelle, digitale Realität im Film darstellbar ist. Sehr spannend. Andreas Köhnemann schreibt über seine Enttäuschung über Gapar Noes „Love“ und wie andere Filme Sex darstellen.

– Oliver Armknecht bespricht auf film-rezensionen.de den neuen Film von Khavn de La Cruz: “Ruined Heart: Another Lovestory Between a Criminal & a Whore”, den ich leider verpasst habe, als er in Bremen im Kommunalkino gezeigt wurde.

– Auch Apichatpong Weerasethakul hat einen neuen Film in die Kinos gebracht. Frank Schmidke schreibt über „Cemetery of Splendour“ auf cintastic.de

– Und auch Sion Sono ist wieder unterwegs und lässt den „Tokyo Tribe“ los. Mise en cinéma meint: „Tokyo Tribe sprüht geradezu vor Kreativität, Verspieltheit und Mut, um ein ganz besonderes filmisches Musical-Erlebnis zu schaffen, das mit irrsinnigen Ideen und virtuoser Inszenierung maximalen Spaß verspricht.“

– Sebastian macht sich auf Nischenkino Gedanken, warum „Once Upon a Time in Shanghai“ kein guter Film ist und ob sich das chinesische Genre-Kino in einer lang anhaltenden Krise befindet.

Hans Helmut Prinzler gefällt Christian Keßlers „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“.

– Und Christian Genzel von Wilsons Dachboden hat die Memoiren von Porno-Pionier Howard Ziehm gelesen. Und weil es so gut passt, hat er auch gleich „Cop Killers“ gesehen. Der Film, den Ziehm drehte, als sich die Fertigstellung seines bekanntesten Film „Flesh Gordon“ verzögerte.

– Gerade hatte ich gedacht, wir Franco-Fans hätten ihn endlich bekommen, da verreißt Schlombie auf Schlombies Filmbesprechungen den schönen „Küß mich, Monster“. Na ja, wenigstens bei Bavas „Die toten Augen des Dr. Dracula“ sind wir dann wieder auf einer Linie.

– Auf Die Nacht der lebenden Texte setzt sich Ansgar Skulme sehr intensiv mit dem Klassiker „Invasion vom Mars“ von 1953 auseinander, während Andreas Eckenfels sich des Remakes von 1986 annimmt.

– Eines der – wie ich finde – großartigsten Gangsterfilme aus italienischer Schmiede stellt totalschaden auf Splattertrash vor: „Milano Kaliber 9“.

Ab ins Grindhouse geht es mit Harald Mühlbeyer auf Screenshot. Er hat in Mannheim das wunderbare Spanien-Double-Feature „Blutmesse für den Teufel“ und „Die Nacht der reitenden Leichen“ gesehen.

– Unter Grindhouse wird auch gerne mal Lucio Fulcis bedrückender „Non Si Sevizia A Un Paperino“ subsummiert, was natürlich Blödsinn ist. Das dürfte jedem klar sein, der fuxtons entsprechende Review gelesen hat.

– Vor einigen Monaten verstarb der Ex-Profi-Wrestler Roddy Piper von dessen Ausflügen ins Filmgeschäft man vornehmlich „Sie leben“ kennt. Dabei findet Jan Noyer von Kuleschow-Effekt, dass auch „Hell comes to Frogtown“, eine „Obskurität aus der Videotheken-Resterampe aber ein – zumindest für Trashfreunde – interessantes Werk“ ist.

– Die erste Hälfte der 80er Jahre war die hohe Zeit der Stephen-King-Verfilmungen. Eine der ersten, die ich sah, war „Feuerkind“ mit der kleinen Drew Barrymore. Bei Oliver Nöding auf Remember It For Later gibt es ein Wiedersehen.

– Alex hat wieder ein paar Real Virtualinks gesammelt und stellt sie auf Real Virtuality vor.

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Filmbuch-Rezension: “DER WEISSE HAI revisited“

Bertz+Fischer_Weisse_HaiZum 40-jährigen Jubiläum des „Weißen Hais“ ist nun bei Bertz + Fischer ein Buch erschienen, welches sich auf 274 Seiten allein und in aller Ausführlichkeit mit diesem einen Film beschäftigt. Natürlich hat „Der weiße Hai“ ein solche „Sonderbehandlung“ allemal verdient, denn er änderte nicht nur die Art und Weise, wie Hollywood seine Filme vermarktete, sondern er leitete auch das Zeitalter der „Blockbuster“ ein und tötete – so die landläufige Meinung – das New Hollywood-Kino. Eine Strömung, aus der auch „Der weiß Hai“-Regisseur Steven Spielberg und „Krieg der Sterne“-Macher George Lucas stammten. Ferner katapultierte „Der weiße Hai“ Spielberg zu Weltrum und ist vor allen Dingen verdammt aufregendes und perfektes Spannungskino. Und das von Wieland Schwanebeck herausgegebene Buch „DER WEISSE HAI revisited – Steven Spielbergs JAWS und die Geburt eines amerikanischen Albtraums“ beweist, dass hinter dem reinen Unterhaltungsanspruch noch sehr viel mehr Dimensionen stehen, die dem Film eine spannende Komplexität geben, die unter der perfekten Unterhaltung lauert, wie der große Weiße unter der Wasseroberfläche. Es muss allerdings hinterfragt werden, ob es dem Buch gut tut, wenn es sich ganz auf die detaillierte Deutung und kulturwissenschaftliche Untersuchung eines einzigen Filmes konzentriert. Und ob hier nicht auch weniger mehr gewesen wäre. Doch dazu später.

Der Beginn des Buches ist hervorragend gelungen. Nach einer höchst informativen Einleitung durch Wieland Schwanebeck schreibt Felix Lempp über verschiedenen „Making Of“-Dokumentationen, die es zu „Der weiße Hai“ gibt. Dabei erfährt der Leser durch die Beschreibung der Inhalte der Dokumentationen nicht nur eine Menge über die Entstehung des Filmes, sondern auch über unterschiedliche Strategien in „Making Of“s und wie sich scheinbare Wahrheiten über die Zeit verändern und immer wieder in den Dienst einer vorgefertigten „Story“ gestellt werden, die ein und das selbe Ereignis immer wieder neu und anders erzählen. Das ist nicht nur spannend, sondern schlägt auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Michael Hiemke wendet sich dann in seinem Beitrag über die Filmmusik mit zahlreichen Notenbeispielen und Sequenzanalysen vor allem an musikwissenschaftlich affine Leser.

Ein Highlight des Buches ist Ian Freers Kapitel über die zutiefst bedrückende Katastrophe der U.S.S. Indianapolis. Ein reales Ereignis, das im Film eine zentrale Rolle einnimmt. Wieland Schwanebeck vergleicht dann Spielbergs Film mit dem Gesamtwerk Alfred Hitchcocks und sucht nach Parallelen. Den oben beschriebenen Tod des New Hollywoods durch Blockbuster wie „Der weiße Hai“ beschreibt Heiko Nemitz in einem sehr lesenswerten Abschnitt. Im Folgenden wird versucht „Der weiße Hai“ einzelnen Genres zuzuordnen. So verortet Marcus Stiglegger den Film im „Tierhorror“-Genre, während Michael Flintrop ihn eher im Katastrophenfilm sieht. Bei den jeweiligen Untersuchungen kann der Leser gleichzeitig etwas über die beiden jeweiligen Genres lernen. Die Wahrheit aber liegt wahrscheinlich in dem „Genre-Hybrid“ von dem Sofia Glasl schreibt, was eine schöne Erweiterung zu den Thesen im ebenfalls bei Bertz + Fischer erschienenen Buch „Actionkino“ (Besprechung hier) darstellt.

Hatten die einzelnen Essays „Der weiße Hai“ bis dahin in einen filmischen Kontext eingeordnet, der gleichberechtigt zum Film vorgestellt wird, konzentrieren sich die folgenden Kapitel ganz auf den Film selber und versuchen in ihm Texturen zu finden, die verschiedenen wissenschaftlicher Theorien zugeordnet werden. Dies ist zwar grundsätzlich eine sehr spannende Herangehensweise, ermüdet aber in solch geballter Form recht schnell. Folgt man den ersten Interpretationen noch gebannt, so langweilt es irgendwann, wenn man die gleiche Szene nun schon zum dritten Mal beschrieben bekommt – auch wenn sie nun mit einer völlig anderen Bedeutung aufgeladen wird. An dieser Stelle empfiehlt es sich, das Buch nicht in einen Rutsch zu lesen. Diesen sechs Essays sollte man besser in einem gewissen zeitlichen Abstand einräumen, um nicht mittendrin das Interesse zu verlieren und die durchweg spannenden Interpretationen nur noch gelangweilt zu überfliegen.

Stefan Jung untersucht den Gegensatz von suburbanen und exurbanen Raum in „Der weiße Hai“ und dem Gesamtwerk Spielbergs. Willem Strank schreibt über die Ikonodramatugie der Annäherung, während Eckhard Pabst ausführt, wie Spielberg in „Der weiße Hai“ Grenzen inszeniert und was diese für den Film und seine Wirkung bedeuten. Der fünfte Teil des Buches beleuchtet den Film dann von psychologischen und soziologischen Aspekten her. Elisabeth Bronfen liest „Der weiße Hai“ im Zeichen des Todestriebes, Jan D. Kucharzewski wiederum arbeitet die Darstellung von Männlichkeit und Homosozialität heraus. Am Faszinierendsten ist aber Dorothe Mallis Essay „Das jüngste Gericht in JAWS“ welches religiöse Wurzeln im Film findet, die zwar manchmal etwas sehr weit hergeholt wirken, aber durchaus schlüssig und sehr spannend sind.

Die folgenden Teile des Buches sind demgegenüber dann wieder sehr geerdet und greifbarer. Vor allem lösen sie sich vom Film und erklären mehr das reale Umfeld, welches er geschaffen hat. Tabea Weber beschreibt die Darstellung des Haies im Film und wie diese unsere Wahrnehmung des Tieres beeinflusst. Konstanze Hiemkes kurzer Text über das Haifischgebiss ist zwar interessant, wirkt aber wie ein Lückenfüller. Lars Koch schreibt darüber wie „Der weiße Hai“ und andere Filme aus einer Furcht vor dem Hai eine tieferliegende Angst geschürt haben.

Die Sequels zu „Der weiße Hai“ kommen in diesem Buch vielleicht etwas zu kurz, werden aber von Kathleen Loock in ihrem Text „Zwischen Jawsmania und Sequelitis“ aufgegriffen, indem sie auch auf die Geschichte der Fortsetzungsfilme generell eingeht. In einem sehr wichtigen Text erklärt Christian Wild, was eigentlich wirklich dran ist, an der Legende von Hai als angsteinflößenden Menschenfresser. Den passenden Abschluss findet das Buch dann durch Csaba Lázár, der sich nicht nur der unmittelbar auf „Der weiße Hai“ folgenden Nachahmungswelle annimmt, sondern auch den Bogen zur gerade schwer angesagten „Sharkploitaion“-Welle schlägt.

Insgesamt lässt das Buch „DER WEISSE HAI revisited“ kaum noch Fragen zum Film offen. Der Film wird von vielen ganz unterschiedlichen Seiten beleuchtet, interpretiert und in einen Kontext gesetzt. Diese Konzentration auf die immer gleichen 124 Minuten Film kann allerdings auch mal zu Ermüdungserscheinungen führen, weshalb man gerade den Mittelteil besser häppchenweise genießen sollte.

Wieland Schwanebeck  (Hrsg.) „DER WEISSE HAI revisited – Steven Spielbergs JAWS und die Geburt eines amerikanischen Albtraums“, Bertz+Fischer, 276 Seiten, € 19,90

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DVD-Rezension: „Im Dutzend zur Hölle“

dutzendzurhoelleAls der „consigliori“ des einflussreichen Mafiaboss Don Antonio Macaluso (Martin Balsam), Anwalt Thomas Accardo (Tomas Milian), aus dem kriminellen Milieu aussteigen will, löst er damit einen Mafiakrieg aus. Da Don Antonio seinen Ziehsohn Thomas unbehelligt ein neues Leben mit der schönen Laura (Dagmar Lassander) beginn lässt, hat Don Antonios rechte Hand Vincent Garofalo (Francisco Rabal) einen Grund gefunden, um sich gegen seinen Don zu wenden und dessen Organisation mit Duldung der anderen Familien zu vernichten. Als Don Antonio beinahe Opfer eines Attentats wird und auch Thomas nur knapp einem Anschlag entgeht, kehrt Thomas an die Seite Don Antoinis zurück, um mit Garofalo abzurechnen…

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Alberto de Martino ist vielleicht der „amerikanischste“ Regisseur des italienischen Genre-Kinos. Seine Filme greifen immer nach Höherem. Er besetzt gerne US-Stars und verlegt die Handlung seiner Streifen immer wieder in die USA. Das tun andere italienische Filme zwar auch, doch die wahren Drehorte strafen sie immer wieder Lüge oder es werden nur wenige Minuten an markanten Stellen wie der Brooklyn Bridge aufgenommen, damit die Illusion der authentischen Drehorte entsteht. De Martino hat den größten Teil seines Mafia-Filmes „Im Dutzend zur Hölle“ aber tatsächlich vor Ort in Kalifornien gedreht. Die Besetzung des Filmes ist zwar überwiegend aus italienischen Produktionen bekannt, aber mit Martin Balsam hat De Martino einen bekannten Charakterdarsteller aus den USA mit der zweiten Hauptrolle betraut, den man u.a. aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ kennt und der für seine Rolle in „Tausend Clowns“ einen Oscar gewann. Balsam hatte zwei Jahre zuvor seinen ersten Film in Italien gedreht, Damiano Damianis großartigen „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“, und Gefallen am italienischen Leben gefunden. Es sollten noch zahlreiche Italo-Produktionen folgen und Balsam verlagerte seinen Lebensmittelpunkt immer mehr in sein geliebtes Italien, wo er dann auch 1996 verstarb.

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„Im Dutzend zur Hölle“ ist stark von Francis Ford Coppolas „Der Pate“ inspiriert, was man schon am Originaltitel „Il consigliori“ merkt. Im „Paten“ spielte Robert Duvall den „consigliori“ Tom Hagen, eine Rolle die ganz ähnlich angelegt ist, wie von Tomas Milian in „Im Dutzend zur Hölle“. Jemand, der nicht zur Familie gehört, aber trotzdem für den Mafia-Paten so etwas wie ein eigener Sohn ist. Ein Anwalt und brillanter Stratege, seinem Ziehvater treu ergeben. Zudem mixt das Drehbuch auch noch einiges von der Persönlichkeit des Michael Corleone in die Figur des Thomas Accardo. Beide wollen ein normales Leben führen und der Mafia-Familie den Rücken kehren. Kam Michael Corleone im „Paten“ aus dem Krieg zurück, so ist es bei Thomas Accardo das Gefängnis, wo er über sein Leben nachgedacht hat und beschloss, es in eine neue Richtung zu lenken. Die wunderbare Dagmar Lassander übernimmt dabei die Rolle, die Diane Keaton in „Der Pate“ inne hatte. Nur leider wird die gute Dagmar von de Martino ziemlich verschwendet. Nicht nur, das sie hier etwas mopsig aussieht und kaum etwas von ihrem natürlichen Charisma verbreiten kann, auch ihre Figur der Laura stark unterentwickelt. Dies fällt insbesondere bei der Abschiedsszene mit Milian ins Gewicht, welche überhastet und ohne echte Chemie zwischen den Beiden inszeniert ist.

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Milian selber schlägt sich sehr gut als „consigliori“. Seine zynische, manchmal etwas zu selbstsicher wirkende Art, verleiht ihm Autorität. Auch seine Rückkehr in die Arme der Mafia ist recht überzeugend ausgefallen. Man ihm vorher sowieso nicht so recht abnehmen können, dass er tief im Herzen nicht das Leben an der Seite von Don Antonio weitaus mehr genossen hat, als jenes, welches er nun mit Laura führt. Im Grunde hegt er für seinen Ersatz-Vater Don Antonio doch weitaus tiefere Gefühle als für die, in diesem Film, doch recht fade Dagmar Lassander. So gewinnt der zuvor eher hölzern agierende Milian plötzlich an Charisma und Elan, wenn er seinem bedrohten Paten zur Seite steht, Strategien entwirft und mit der Knarre in der Hand kurzen Prozess macht. Die blutigen Actionszenen sind Alberto de Martino gut gelungen. Hier kommt der gewalttätige Wahnsinn durch, der das Genre des Polizieschi auszeichnet. Es werden keine Gefangenen gemacht und tatsächlich im Dutzend Gangster zur Hölle geschickt. Sie werden niedergemäht, in die Luft gesprengt, verbrannt und erstochen. Zwischendurch werden Autoverfolgungsjagden eingestreut und Leichen auf besonders kreative Weise entsorgt. Eine unglückliche Gestalt wird erst in ein Fass eingeschweißt und dann im Sockel einer Brücke versenkt.

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Wie in „Der Pate“ wird die Mafia als große Familie mit einem strengen Ehrencodex beschrieben. Auch Don Antonios Organisation erinnert mehr an ein komplexes Familienunternehmen mit sonderbaren Geschäftsmethoden als an eine Gangsterbande. Die Gefahr für die Familie entsteht dann auch nicht durch die Polizei – welche hier kaum eine Rolle spielt – sondern durch Figuren, die die alten Methoden nicht respektieren und den Ehrencodex brechen. Waren es im Paten die Drogendealer, so ist es hier der Emporkömmling Garofalo, der sich gegen Don Antonio und den alten Stil stellt. Gerade diese Besinnen auf „alte Werte“ wird in „Im Dutzend zur Hölle“ aber große geschrieben und gerade darum hat Garofalo kein Chance, wenn sich das Kampfgebiet in die Heimat der Mafia, Sizilien, verlagert. Dort, wo der eine Don den anderen noch herzlich empfängt und Abmachungen eingehalten werden. In diesen Sizilien-Szenen gibt es dann auch ein willkommenes Wiedersehen mit so beliebten Gesichtern, wie denen von Edoardo Fajardo und Nello Pazzafini, was den Liebhaber italienischer Genrekost ebenso erfreut, wie der wunderbare Score von Riz Ortolani. Das die Geschichte sehr episodenhaft erzählt wird, kennt man ja aus diversen anderen Polizieschi und gehört fast schon zum guten Ton dieses Genres.

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„Im Dutzend zur Hölle“ orientiert sich am Welterfolg „Der Pate“, ist aber trotz vieler Gemeinsamkeiten ein eigenständiges und actionbetontes Werk. Prominent besetzt weiß der Film trotz eines recht episodenhaften Drehbuchs kurzweilig zu unterhalten.

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Zur DVD aus dem Hause filmArt, der No. 7 der Polizieschi-Edition, muss man leider zunächst sagen, dass Bildqualität nicht wirklich gut ausgefallen ist. Wie man im Internet lesen kann, stand hier lediglich eine Digibeta im originalen 2.35:1 Scope zur Verfügung. Das Negativ scheint verschwunden zu sein. Da es keine besseren Quellen gibt, kann man die Bildqualität akzeptieren, doch es erschreckt zunächst, auch wenn man sich mit zunehmender Spieldauer daran gewöhnt. Neben deutschen Ton ist nur die englische Tonspur mit an Bord. Eine italienische fehlt. Ferner gibt es noch eine Bildergalerie und eine Trailershow, sowie ein zwölfseitiges Booklet mit kompetent geschriebenen Texten von Ulrich Köhler und Gerald Kuklinski zum Film und de Martino.

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