Filmbuch-Rezension: Jörg Buttgereit “Besonders wertlos – Filmtexte“

besonders_wertlos_jbEs ist eine wahre Schande, dass Jörg Buttgereit oftmals noch immer auf sein filmisches Frühwerk reduziert wird. Zugegeben, „Nekromantik“ besitzt seinen Kultstatus völlig zurecht, „Nekromantik 2“ ist der bessere Film, „Der Todesking“ eine bedrückende Auseinandersetzung mit dem Tod und „Schramm“ eine böse Reise in die Seele eines gestörten Menschen. Doch man sollte nicht vergessen, dass „Schramm“ bereits 22 Jahre alt ist und sich Buttgereit seitdem – bis auf Ausflüge ins TV-Geschäft (eine Folge der deutsch-kanadischen SF-Serie „Lexx“, sowie drei Folgen der wunderbaren Arte-Sendung „Durch die Nacht mit…“), einem Drittel des „German Angst“-Projekts aus diesem Jahr, sowie einer Doku zum japanischen Monsterfilm – aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat.

Die andere Seite des „Kult-Regisseurs“ ist heute leider noch viel zu unbekannt. Neben großartigen und wagemutigen Hörspielen für den WDR, in denen er sich frei austobt und seine Filmleidenschaft mit skurrilen, oftmals wahren, Geschichten verknüpft, ist da auch seine erfolgreiche Theaterarbeit, die in Dortmund immer wieder für ein ausverkauftes Haus sorgt. Diese ist häufig – aber nicht nur – eine Verlängerung der Hörspiele in ein anderes Medium, wie sein Stück „Kannibale und Liebe“, welches zuerst als „Ed Gein“ in Hörspielform existierte. Nebenher spricht Jörg Buttgereit zahlreiche Audiokommentare für japanische Monsterfilme ein, hat seinen „Captain Berlin“ in die Welt der Comics überführt und schreibt für einige Filmzeitschriften, wie der österreichischen „ray“.

Eben jene Kolumnen bilden die Basis für sein neues Buch „Besonders wertlos“, welches beim tollen Martin Schmitz Verlag veröffentlicht wurde. In 50 kurzen, oftmals nur 1,5 Seiten langen Kolumnen widmet sich Buttgereit seinen Lieblingsthemen oder empfiehlt zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung gerade aktuelle DVD-Veröffentlichungen. Dabei ist es der Form der Kolumne geschuldet, dass bei diesen kurzen Texten kein Raum besteht, um tiefer in die Materie einzudringen. So reißt Buttgereit zwar einige interessante Themen und Gedanken an, kann sie aber nicht zu Ende bringen. Hier ist es am Leser, neugierig zu sein und selber aktiv zu werden, denn die Kolumnen können in erster Linie Denkanstöße sein, um selber einen umfassenderen Blick in unbekannte Welten zu werfen. Auch wenn die „Liebhaber des unterschlagenen Films“ hier nicht viel Neues entdecken werden, ist es doch schön hier von Jörg Buttgereit noch einmal an die Hand genommen zu werden. Seine Texte sind so unterhaltsam und aus dem Herzen heraus geschrieben, dass man sie gerne liest, auch wenn einem der Inhalt teilweise bekannt ist.

Der „Anhang“ des Buches zeigt dann, was man von Jörg Buttgereit erwarten kann, wenn ihm genug Raum gegeben wird, sein Wissen zu entfalten. Diese acht Texte stammen wahrscheinlich aus der epd Film und sind deutlich länger als die „ray“-Kolumnen. Hier schreibt Buttgereit sehr fundiert u.a. über das Grindhouse-Kino, natürlich immer wieder Godzilla und Konsorten, japanische Horrorfilme und führt ein Interview mit George A. Romero. Dabei kann er auch „Fortgeschrittene“ noch überraschen. Insgesamt ist „Besonders wertlos“ ein Sammelsurium an Texten, welche nicht immer Neues erzählen oder bisher unbekannte Hintergründe enthüllen, aber Jörg Buttgereit hat eine unterhaltsame Schreibe und allein um den sympathischen Martin Schmitz Verlag zu unterstützten, sollte an sich das Buch zulegen. Bereuen wird man es nicht.

Jörg Buttgereit “Besonders wertlos – Filmtexte“, Martin Schmitz Verlag, 200 Seiten, € 17,80

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