DVD-Rezension: “Juan of the Dead”

Juan (Alexis Díaz de Villegas) ist ein Kleinkrimineller und Lebenskünstler, der sich mit seinem besten Freund Lazaro (Jorge Molina) mit kleinen Tricksereien und Diebstählen über Wasser hält. Eines Tages geschehen auf seinem geliebten Kuba merkwürdige Dinge. Die Toten stehen wieder auf und fallen über die Lebenden her. Laut Staatsfernsehen handelt es sich um von den USA unterstützte Dissidenten, aber die Regierung habe die Lage unter Kontrolle. Dass dem nicht so ist, müssen Juan und seine Freunde allerdings bald am eigenen Leib erfahren. Mit Paddeln und Macheten bewaffnet, machen sie sich daran, die Situation  zu Ihren Gunsten zu nutzen…

Ein Zombiefilm aus Kuba. Allein das ist schon ein Unikat. Was kann man da erwarten? Das Cover verspricht zunächst einmal nicht viel. Einen billigen Trashstreifen vielleicht. Und der Titel „Juan of Dead“? Der spielt doch sicherlich auf die britische Komödie „Shaun of the Dead“ an. Somit ist die Erwartungshaltung deutlich reduziert, und zwar auf ein billiges „Shaun“-Ripp-Off mit Exoten-Bonus. Wären da nicht die zum Teil euphorischen Kritiken gewesen und die generelle Neugier, wie wohl ein blutiger Genrefilm aus Kuba aussieht, wäre „Juan of the Dead“ wahrscheinlich nie in meinen Player gewandert.

Und das wäre durchaus ein Verlust gewesen, denn der von Alejandro Brugués inszenierte „Juan of the Dead“ entpuppte sich als humoriger, intelligent gemachter Zombiespaß, dessen politische und systemkritische Grundierung sich kein Stück hinter George R. Romeros legendärer „Dead“-Trilogie (mittlerweile ja zu einem Sextett angewachsen) verstecken braucht. Der Humor in „Juan“ ist ausgesprochen derb und oftmals sexuell aufgeladen. Ganz im Gegensatz zu dem eher feinen und schwarzen Humor aus „Shaun“. Mit diesem verbindet „Juan“ nun zwar die Personenkonstellationen (ein lethargischer Held, der über sich hinauswächst, plus sein etwas dümmlicher Freund, um die herum sich ein Gruppe kampfbereiter Überlebender scharrt), trotzdem sind beide Filme grundverschieden.

Juan ist ein Kleinkrimineller und Tagedieb von ungefähr 50 Jahren, der in jeder Situation seinen Vorteil erkennt und daher auch sonst keine großen Skrupel entwickelt, aus der Zombie-Apokalypse eine Geschäftsidee zu machen. Sein Darsteller Alexis Díaz de Villegas kommt vom Theater und seine leicht eigentümliche Gesichtsphysiognomie qualifiziert ihn nicht unbedingt zum Helden. Juan ist auch kein Held. Ein Frauenheld, ja. Und ein Patriot. Was aber nicht heißt, dass er das Castro-System unterstützen würde. Ganz im Gegenteil. Aber er liebt Kuba und findet immer gute Gründe dafür, hier nicht wegzugehen. Auch wenn das Leben dort Stück für Stück zur Hölle wird. Da braucht es keine großartige Interpretation, für wen die geistlosen Zombies wohl stehen mögen. Es kann einen nur wundern, wie der Film im kommunistischen Castro-Kuba überhaupt entstehen konnte. „Juan of the Dead“ bezieht deutlich Stellung gegen das System. So wird im Film z.B.  von der Regierung über die staatlich kontrollierten Medien – trotz besseren Wissens – permanent verbreitet, dass es sich bei den Zombies um von den USA unterstützte Dissidenten handeln würde und die Regierung die Lage selbstverständlich vollkommen unter Kontrolle hätte.

Es ist gewiss keine kleine Hinterhofproduktion. Im Vergleich zu Hollywood sieht man zwar das geringe Budget, aber für einen kubanischen Film steckt da doch eine ganze Menge Geld drin. Es gibt eine Vielzahl von Statisten und die – in der zweiten Hälfte des Filmes häufig eingesetzten – CGI-Effekte sind zwar deutlich als solche zu erkennen, aber sicherlich auch nicht ganz billig gewesen. Generell mag ich ja keine CGI, aber hier verzeihe ich dem Film deren massiven Einsatz. Ohne diesen wäre es für eine kubanische Produktion sicherlich nicht möglich gewesen, Havanna in eine postapokalyptische Landschaft zu verwandeln.

Der Humor ist, wie gesagt, derb und zielt oftmals unter die Gürtellinie. Aber das fügt sich gut in die Geschichte und das von Armut gezeichnete Milieu der Protagonisten ein. Einige Dinge sind vielleicht etwas überzeichnet, wie z.B. das merkwürdige Pärchen, das aus einem Transsexuellen und einem tumben Muskelprotz, der kein Blut sehen kann, besteht. Auch der plötzlich auftauchende Amerikaner (im Original unschwer als englischsprechender Einheimischer mit schwerem spanischen Akzent zu erkennen) ist völlig irrelevant und wird nur für zwei Gags gebraucht. Von diesen erinnert der erste allerdings– eine Massenenthauptung  – in seiner überdrehten Art fast schon an den legendären Splatter-Spaß „Braindead“.

Davon abgesehen nimmt „Juan of the Dead“ seine Geschichte und vor allem seine Figuren aber sehr ernst. Vor allem Juan wird als ein echtes menschliches Wesen gezeigt und ist, bei aller Absurdität, fest in der kubanischen Wirklichkeit verankert. Dem Horrorfilmfan werden sicherlich einige Zitate aus anderen Genreklassikern auffallen (z.B. der Unterwasser-Zombie aus „Zombi 2“ oder die an Michelle Rodriguez in „Resident Evil“ erinnernde Tochter Juans.). Doch „Juan of the Dead“ lebt nicht von diesen Referenzen allein, sondern funktioniert hervorragend als eigenständiger Film mit einer politischen Botschaft. Während alle anderen Kubaner per Boot in die USA fliehen (wie es in der Realität tatsächlich Tausende getan haben → siehe Brian DePalmas „Scarface“), bleibt Juan zurück, um das Übel in seinem geliebten  Land zu bekämpfen. Auch wenn er keine Chance hat, ein Anfang muss getan werden. Und wer das Übel ist, wird spätestens dann klar, wenn einer der Hauptcharaktere sinngemäß sagt: „Wenn ich irgendwann einmal in einem Land bin, in dem die Bewohner noch nie etwas von Castro gehört haben, habe ich meine neue Heimat gefunden.“

Die bei Pandastorm Pictures im Vertrieb von Ascot Elite erschienene DVD hat ein meiner Meinung nach etwas zu helles und nicht 100% scharfes Bild, was aber durchaus auch auf das Originalmaterial zurückzuführen ist. Da der Film auch in einigen deutschen Kinos gelaufen ist, wurde ihm eine kompetente Synchronisation verpasst, bei der Juan allerdings eine zu junge Stimme hat. Generell sollte man gerade hier die Originalfassung vorziehen, da diese zum Lokalkolorit des Filmes beiträgt. Als Extras gibt es zwei zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommene Interview-Sequenzen mit Alejandro Brugués und seinen Hauptdarstellern (6 und 13 Minuten lang), die recht interessant sind, obwohl man sich noch etwas mehr Tiefe und Information gewünscht hätte. Ferner  kann man noch einige Einblicke in „Behind the scenes“ nehmen, die insgesamt 11 Minuten dauern.

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DVD-Rezension: “The Viral Factor”

Bei einer geheimen Operation in Jordanien wird eine chinesische Elite-Gruppe durch einen Verräter (Andy On) in eigenen Reihen in einen Hinterhalt gelockt. Dabei wird ein tödliches Virus gestohlen und das halbe Team erschossen. Der Polizist Jon (Jay Chou) wird dabei von einer Kugel in den Kopf getroffen. Diese soll, laut Ärzten, in den nächsten paar Tagen zu einer kompletten Lähmung und dadurch schließlich zum Tod Jons führen. Jon zieht sich aus dem aktiven Dienst zurück und besucht seine Mutter in Beijing. Dort erfährt er ein lange gehütetes Geheimnis: Jon hat einen Bruder, der bei seinem Vater in Malaysia lebt. Daraufhin reist Jon nach Kuala Lumpur, um dort seine Familie aufzuspüren. Kaum ist er in Kuala Lumpur angekommen, wird die Medizinerin Rachel (Lin Peng) – mit der er sich auf dem Flug befreundet hatte – vor seinen Augen entführt. Und der Anführer der Kidnapper ist ausgerechnet sein älterer Bruder Yeung (Nicholas Tse). Jon findet schnell heraus, dass das alles mit dem in Jordanien gestohlenen Virus zusammenhängt und die Zeit tickt…

Dante Lam wurde in den letzten Jahren als Zukunft des Hongkong-Chinesischen Actionkinos gehypt. Seine Filme „The Stool Pigeon“ und „Beast Stalker“ stehen sehr hoch in der Fangunst. Nun hat er von seinem Produzenten ein, für Hongkong-Verhältnisse, sehr hohes Budget in die Hand gedrückt gekommen und damit den Auftrag, einen Mega-Action-Blockbuster zu drehen. War er damit erfolgreich? Schaut man auf die beeindruckenden Actionszenen und den hohen Aufwand, müsste man sagen: Ja.

The Viral Factor“ kann es locker mit Hollywood-Produktionen, vor allem denen aus der Michael-Bay-Schmiede aufnehmen. Die Kameraführung ist elegant, die Actionszenen rasant und atemberaubend umgesetzt. Ständig hämmert ein bombastischer Soundtrack, der sich stark nach Hans-Zimmer-Hollywood anhört. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert und das sieht man dem Film auch an.

Besonders angenehm fällt dabei ins Auge, dass relativ wenig CGI, und wenn eher unauffällig, eingesetzt wurde. Wenn sich Autos überschlagen, dann tun sie das wirklich. Jagen sich Hubschrauber durch ein Labyrinth von Wolkenkratzern, dann hat man nicht das Gefühl, dass das alles aus dem Rechner stammen würde. „The Viral Factor“ ist bigger-than-life und ständig drängt der Film nach vorne, so dass er – trotz seiner Spielzeit von 117 (nicht wie auf dem Cover angegeben 123) Minuten – förmlich am Zuschauer vorbeifliegt.

Für die beiden Hauptrollen wurden wieder, in ihrem Heimatland populäre, Canton-Pop-Sänger gewonnen. Dante Lams Lieblingshauptdarsteller Nicholas Tse als böser Bruder macht seine Sache dabei wirklich gut und entwickelt ein ganz eigenes Charisma. Was man vom hamstergesichtigen Jay Chou leider nicht behaupten kann. Er bleibt blass und unglaubwürdig. Viel zu wenig bekommt man leider vom Schurken des Stückes zu sehen, der von Andy On mit einem guten Gespür für schmierige Gefährlichkeit gegeben wird.

Probleme stellen sich aber ein, wenn man ein Blick auf das Drehbuch wirft, welches sich vor allem aus den ältesten Klischees des Heroic-Bloodshed-Genres bedient. Der gute Gute und der gute Böse, – hier Brüder – die nicht ohne einander können. Das kennt man aus der Hochzeit eines John Woo (z.B. in „The Killer“) oder Ringo Lam („Full Contact“). Schwerer wiegt es allerdings, dass sich das Drehbuch einmal zu oft auf haarsträubende Zufälle verlässt. Da fährt z.B. der Hauptschurke zufällig in Kuala Lumpur an der Nase des Helden vorbei oder ist der erste Mensch, dem der Held begegnet, gleich sein Bruder, den er zuvor noch nie gesehen hat. Und wenn die beiden miteinander kämpfen, fällt zufällig die Brieftasche des einen so aus der Tasche, dass der andere, kurz vorm Durchziehen des Abzugs, ein kleines Familienfoto sieht. Das ist einfach ärgerlich, könnte man aber vielleicht noch verzeihen, wenn das Drehbuch sein Potential ausschöpfen würde. Aber wichtige Plotelemente werden während des Filmes einfach vergessen (die Wissenschaftlerin, die gleichzeitig love interest des Helden ist, verschwindet z.B. für einige Zeit einfach aus der Handlung) und dramatische Elemente einfach links liegen gelassen.

Zunächst wird ein großes Bohei darum gemacht, dass  Jon eine Kugel im Kopf hat, die kontinuierlich seine Motorik lähmen und dadurch schließlich innerhalb weniger Tage töten soll. Wie so etwas richtig gemacht wird, weiß man spätestens, seit Howard Hawks dem alten Cowboy John Wayne in dem Meisterwerk „El Dorado“ ein ähnliches Schicksal zumutete. Während der Cowboy dadurch in wichtigen Augenblicken gehandikapt ist und dies der Handlung eine zusätzliche Dramatik beschwert, kümmert sich Jon kein Stück um seinen nahen Tod. Im Gegenteil, er kämpft, sprintet und schießt, als ob er niemals von dieser Kugel getroffen worden wäre. Sogar im großen Finale spielt dieser Aspekt keine Rolle. Obwohl seit der tödlichen Diagnose bereits Tage vergangen sind – und er bereits unter zahlreichen Ausfallerscheinungen leiden sollte – benimmt sich Jon wie ein Fisch im Wasser und kann es problemlos mit Heerscharen von Gegnern aufnehmen. Was nicht unbedingt stören würde, wäre dieses Element nicht zu Anfang so groß aufgebaut worden.

Aber so geht es mit vielen Details. Dass der Schurke einst Jons Kollege war und dessen Freundin auf dem Gewissen hat, ist in der weiteren Geschichte genauso irrelevant, wie die Tatsache, dass sein Bruder zuvor wie ein Mähdrescher durch unschuldige Personen gepflügt ist, bis er sich plötzlich vom Saulus zum Paulus wandelte.

Im Drehbuch ist somit durchaus das  Potential für große, dramatische Effekte angelegt, es wird aber überhaupt nicht genutzt. So bleibt „Viral Factor“, unter seiner wirklich beeindruckenden Oberfläche, leider doch flach und trashig.

Die DVD von Splendid überzeugt mal wieder mit einem guten Bild und dynamischem Ton. Die Synchronisation ist zwar nur mittelmäßig, stört aber nicht allzu sehr. Zumal auch der O-Ton mit guten Untertiteln an Bord ist. Als Extras wird ein in sechs Segmente aufgeteiltes, 12-minütiges Making-Of angeboten, welches nicht viel Aussagekraft hat und neben den üblichen Interviews – die erzählen, wie toll der Film ist und wie herausfordernd die Rollen – einige Einblicke in die Dreharbeiten gibt.

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Das Bloggen der Anderen (22-09-12)

Durch meinen Urlaub und das Internationale Filmfest in Oldenburg hatte die Rubrik „Das Bloggen der Anderen“ in den letzten Wochen Pause. Jetzt ist sie aber wieder zurück mit einigen interessanten Fundstücken aus den letzten 8 Tagen.

– Auf Affenheimtheater findet man einen Link zu einem wirklich schönen Kurzfilm über ein Mädchen und einen Fuchs.

– Im Blog des sehr empfehlenswerten Magazins Cargo berichtet Bert Rebhandl über das Filmfestival in Toronto und bespricht einige dort gezeigte Filme.

– Anlässlich des 60. Geburtstages von Dominik Graf bespricht Lukas Foerster in seinem Blog Dirty Laundry die beiden ein wenig unbekannteren Graf-Filme Der Felsen und Hotte im Paradies. Letzterer wird auch von Thomas Groh in dessen Blog filmtagebuch besprochen.

– Noch mehr Domink Graf gibt es auf Eskalierende Träume, wo die „Fahnder“-Folge „Nachtwache“ analysiert wird. Ebendort findet man auch einen interessanten Artikel über Fluch und Segen der Digitaliserung beim Fantasy Filmfest.

– Auf Japankino gibt es ein Interview mit der deutschen Regisseurin Uta Arning , die ihr Spielfilmdebüt in Japan mit einer überwiegend japanischen Crew abgedreht hat.

– kino blog bringt einen ausführlichen Bericht über die Sven-Regener/Leander-Hausmann-Produktion „Hai-Alarm am Müggelsee“.

– Auf dem Blog der Filmzeitschrift Revolver wurde ein Artikel des vor kurzem verstorbenen Filmemachers Chris Marker (oder Chris. Marker, wie er selber gerne geschrieben werden wollte) aus dem Jahre 1954 wiederveröffentlicht: „Deutscher Film Adieu?“

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Nordische Filmtage in Lübeck: Details zur schaurig-schönen Retrospektive

Ein sehr schönes Filmfest sind auch die traditionsreichen Nordischen Filmtage in Lübeck, die in diesem Jahr bereits zum 54. (!) Mal stattfinden. Zwischen dem 31.10. und dem 04.11. werden wieder zahlreiche Filme aus dem nordeuropäischen Raum gezeigt. Zusätzlich wird es auch wieder eine Retrospektive geben. Wie ich im Juni schon einmal schrieb, steht die diesjährige unter dem spannenden Motto: „Das kalte Grauen – Grusel und Schauder im skandinavischen Kino 1921-2011“. Passenderweise startet die Reihe an Halloween, am 31. Oktober 2012.

Gezeigt werden die Stummfilmklassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922) von F.W. Murnau und der unglaubliche „Häxan“ von Benjamin Christensen. Beide werden in einmaligen Sondervorführungen in Kirchen gezeigt. Am 1. November läuft um 20 Uhr die restaurierte Fassung von „Nosferatu“ in der St. Petri Kirche zu Lübeck mit Live-Orchesterbegleitung von Studierenden der Musikhochschule Lübeck unter der Leitung von Prof. Franz Danksagmüller. Am 3. November wird um 20 Uhr „Häxan“ (Hexen) in der Reformierten Kirche vorgeführt. Das Hamburger Gitarrenorchester Gilbert Couché spielt überraschende Sounds und Interpretationen zu diesem besonderen Filmereignis.

Fast ein Stummfilm ist Carl Theodor Dreyers grandioser„Vampyr“ , der zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählt.

Eine ungewöhnliche Wahl ist Ingmar Bergmans Psychodrama „Die Stunde des Wolfs“ aus dem Jahr 1968. Es erzählt die Geschichte eines Malers und seiner Frau, die auf einer abgelegenen Insel leben. Albtraumhafte Visionen reißen das Paar in einen wahnsinnigen Strudel. In verschiedenen Programmblöcken wird die erste Staffel von Lars von Triers’ TV-Serie „Hospital der Geister“ von 1994 gezeigt.

Aus den 1950er Jahren sind die Filme „Das weiße Rentier“ (1952) von Erik Blomberg über die Legende eines weißen Rens aus Lappland zu sehen und „Der Totenteich“ von 1958 über sechs Menschen aus Oslo, die in eine einsame Hütte fahren, in der vor einiger Zeit ein Morddrama geschah und dort mit mysteriösen Vorfällen konfrontiert werden. Regie: Kåre Borgstrøm.

In die Gegenwart springt die Retro dann mit Tomas Alfredsons‘ Vampir-Kultfilm „So finster die Nacht“. Weiter geht es mit einem der großen Überrschungserfolge der letzten Jahre, „Trollhunter“ (Regie: André Øvredal, 2010). Ein vermeintliches „Dokudrama“ über die aufwendigen Bemühungen der norwegischen Regierung, die sensationelle Neuigkeit zu verbergen, dass es in Norwegen tatsächlich Trolle gibt und dass es sie immer gegeben hat.

Cecilie“ (2006) von  Regisseur Hans Fabian Wullenweber habe ich bereits 2006 auf dem Filmfest in Hamburg gesehen und war leider nicht besonders begeistert. „Marianne“ (2011) lief letztes Jahr auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg, und ich habe da insbesondere den sympathischen schwedischen Filmemacher Filip Tegstedt in Erinnerung. Meine damalige Besprechung findet man hier. Aus Island präsentiert die Retrospektive den Film „Schatten aus dem Jenseits“, der 1983 im Festival lief. Ein junges Paar ist nach dem Einzug in ein altes Haus mit eigenartigen Vorkommnissen konfrontiert. Es scheint, als würde das Haus immer mehr Macht über sie ausüben. Der Film von Egill Eðvarðsson war 1984 isländischer Oscar-Kandidat.

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Originalfassungen in Bremen: 20.09.12 – 26.09.12

Nein, beklagen kann man sich in dieser Woche wirklich nicht. Egal, ob man auf Zombie-Geballer oder tief ergreifenden Arthouse steht, diesmal ist für jeden etwas dabei. Da fällt der Tipp der Woche schwer. Defintiv sehen sollte man Michael Hanekes „Liebe“ in der Schauburg, aber auch „Moonrise Kingdom“ im City 46 ist nicht zu verachten.

Resident Evil: Retribution – Cinemaxx, Do.-Sa., Mo./Di. immer 19:40 – Im nun bereits 5. Teil der kommerziell höchst erfolgreichen Videospiel-Verfilmung, geht die wunderschöne Milla Jovovich wieder in engem Leder auf Zombie-Jagd. Die einen schütteln den Kopf, die anderen freuen sich heimlich über ihre liebste guilty pleasure.

[youtube width=“640″ height=“295″]http://www.youtube.com/watch?v=fetL5JuKGv4[/youtube]

Das Bourne Vermächtnis – Cinemaxx, So. und Mi. jeweils um 19:40 – Bourne ohne Bourne.  Statt Matt Damon als Jason Bourne betritt nun der von mir sehr geschätzte Jeremy Renner als Aaron Cross die Bühne. Auch er ein Superagent mit schier unmenschlichen Fähigkeiten. Regie führt der „Bourne“-Drehbuchautor und „Michael Clayton“-Regisseur  Tony Gilroy.

Liebe – Schauburg, So., 23.9. um 21:45 – Das zweite Mal in Folge hat ein Film von Michael Haneke in Cannes triumphiert und die goldene Palme abgeräumt. „Liebe“ soll Hanekes persönlichster Film sein, die Leistungen der Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva wird überall hoch gelobt. Der einzige Grund, hier nicht ins Kino zu gehen wäre, dass man nicht mit anderen zusammen weinen möchte.

[youtube width=“640″ height=“323″]http://www.youtube.com/watch?v=ff2-X9BeKk8[/youtube]

To Rome with Love – Schauburg, Mi., 26.9. um 21:45 – Der neue Woody Allen. Der Meister setzt seine “Europa-Tournee” fort und filmt nach London, Barcelona und Paris jetzt in der ewigen Stadt. In vier Episoden bekommen wir Penélope Cruz, Jesse Eisenberg, Alec Baldwin, Ellen Page, Roberto Benigni und Herrn Allen persönlich (sollte “Scoop” nicht sein Abschied von der Leinwand gewesen sein?) zu sehen.

Moonrise Kingdom – City 46, Do./Fr. und So.-Mi. immer um 18:00, Fr. auch um 23:00 und Sa. um 22:30 – Wes Andersons neuster Streich führt in die 60er Jahre. Stargespickt mit Stars wie Bruce Willis, Edward Norton und Tilda Swinton wird die zarte Geschichte einer ersten Liebe gezeigt. Natürlich mit dem üblich skurrilen Wes-Anderson-Touch.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=7N8wkVA4_8s[/youtube]

Das Herz von Jenin – City 46, Di., 25.9. um 20:00 – Nachdem sein 12-jähriger Sohn im palästinensischen Flüchtlingslager Jenin von israelischen Soldaten tödlich verletzt wird, entscheidet sich sein Vater dafür, die Organe seines Sohnes zu spenden. Fünf israelische Kinder werden dadurch gerettet. Der Dokumentarfilm begleitet den Vater bei seinen Besuchen bei den betroffenen Familien.

Das Orchester von Piazza Vittorio – City 46, Do., 20.9. um 20:00 – Dokumentarfilm über die besondere Entstehungsgeschichte eines heute berühmten Orchesters.

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 24.9. um 21:45

Französische Sneak Preview, Mi., 26.9. um 18:00 Uhr in der Gondel und um 21:00 Uhr im Atlantis

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Bericht vom 19. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

Für meinen zweiten Tag beim 19. Filmfestival in Oldenburg hatte ich mir eine Menge vorgenommen. Da der erste Film um 15:00 Uhr startete, plante ich, diesmal voll durchzuziehen und inklusive des Mitternachtsfilms fünf Filme hintereinander zu schauen. Etwas, was ich schon seit Jahren nicht mehr getan habe. Von daher war ich neugierig, ob ich auch wirklich bis zum letzten Film durchhalten würde. Nach einem kurzen Einkaufsbummel durch die schöne Oldenburger Innenstadt ging es dann wieder im Cine K los.

Der französische Film„The Girl from Nowhere“ hat gerade den Hauptpreis in Locarno gewonnen, von daher war meine Erwartungshaltung recht hoch. Weiterlesen

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Bericht vom 19. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Vom vergangenen Mittwoch bis zum gestrigen Sonntag fand nun schon zum 19. Mal das Internationale Filmfest in Oldenburg statt. Wie es mir zur lieben Gewohnheit geworden ist, habe ich auch in diesem Jahr wieder vorbeigeschaut. Im Gegensatz zu den Vorjahren konnte ich diesmal schon am Freitag anreisen und hatte daher die Möglichkeit, mehr Filme als im Vorjahr zu sehen.

Leider machte mir in den meisten Fällen die ausgesprochen unglückliche Programmierung der Filme einen Strich durch die Rechnung. Filme, auf die ich mich am meisten gefreut hatte (wie „Outrage Beyond“),  liefen zu Zeiten, wo ich noch nicht oder nicht mehr anwesend war. Was ich dem Programmplan nicht anlasten möchte, denn es ist ja meine eigene Entscheidung, welche Tage ich da bin und welche nicht.

Sehr viel ärgerlicher war es, dass viele der wirklich interessanten Filme zeitgleich liefen und es dann viele Zeitschienen gab, wo wirklich gar nichts Ansprechendes lief. So musste ich einige für mich interessante Filme links liegen lassen, während ich dann Filme angeguckt habe, die auf meiner Prioritätenliste ganz weit hinten standen. Aber so ist halt das Festivalleben. Immerhin habe ich es geschafft, bis auf „Outrage Beyond“, „Oh Boy!“ und „God Bless America“, eigentlich alle Wunschfilme zu sehen. Wenn auch zum Teil mit erheblichen Mühen.

Und wie jedes Jahr habe ich auch diesmal wieder den von der Jury mit dem German Independence Award und den von den Zuschauern mit dem Publikumspreis ausgezeichneten Film verpasst. Wobei dies diesmal auch ein und derselbe war: „Oh Boy!“ von Jan Ole Gerster .Ich hoffe aber, dass dieser Film es nach seinem Doppelerfolg auch demnächst in ein Bremer Kino schafft.

Noch einmal ganz deutlich muss die wunderbar freundliche und familiäre Atmosphäre beim Internationalen Filmfest Oldenburg hervorgehoben werden. Man fühlt sich immer willkommen und alle Mitarbeiter zeichnen sich durch große Freundlichkeit und Engagement aus. Danke dafür.

Das Filmfestival begann für mich am Freitag um 17:30 Uhr im cine K mit dem Film „Booster“. Weiterlesen

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Rezension: “The Cabin in the Woods”

Fünf Jugendliche machen sich auf den Weg zu einer abgelegenen Waldhütte, um dort gemeinsam das Wochenende zu verbringen. Und nein… dies ist kein „Tanz der Teufel“-Remake…

The Cabin in the Woods“ stellt den Rezensenten vor eine schwierige Aufgabe, denn zu viel von der Handlung zu verraten, nimmt dem Zuschauer einiges an dem Spaß, welchen der Film bereitet. Andererseits kann man gerade in diesem Falle auch nicht auf die Stärken und Schwächen des Filmes eingehen, ohne wichtige Handlungselemente in die Welt hinauszuposaunen.

Darum vorab einige oberflächliche Bemerkungen, bei denen ich mich bemühen werde, nicht allzu sehr auf einzelne Punkte einzugehen.

Der Film ist eine Zusammenarbeit von Erstlingsregisseur Drew Goddard und dem TV-Mann Joss Whedon. Whedon ist nicht nur der Kopf hinter den sehr erfolgreichen TV-Serien „Buffy – Im Bann der Dämonen“ und „Angel“, sowie der kurzlebigen Kult-SF-Serie „Firefly“, sondern hat in diesem Jahr auch gleich mal mit „The Avengers“ den dritterfolgreichsten Film aller Zeiten abgeliefert. Wie schon bei den „Avengers“, merkt man auch bei „The Cabin in the Woods“, dass hier Leute am Werk waren, die ihr Sujet kennen und lieben. Regisseur Drew Goddard hat mit Whedon bereits bei „Buffy“ und „Angel“ als Autor zusammengearbeitet und war gemeinsam mit dem anderen TV-Wunderkind J.J.Abrams an „Alias“ und als Autor und Produzent an „Lost“ beteiligt. Man darf also von „The Cabin in the Woods“ das erwarten, wofür ihre Macher stehen: Intelligentes und gleichzeitig unterhaltsames Erzählen. Und dieses Versprechen löst der Film auch ein. Zwar gibt es hier und dort Schwächen, was die innere Logik angeht, aber darüber darf man großzügig hinwegsehen, denn durch die Verschmelzung zweier, im fantastischen Film immer wieder gern genommener Thematiken, entsteht etwas Neues, was nicht nur als pures Unterhaltungskino gut funktioniert, sondern auf einer zweiten Ebene auch noch einen Kommentar zum Filmemachen und dem Verhältnis Filmemacher/Zuschauer abgibt.

Bereits 2009 gedreht (vor dem Durchbruch des jungen Chris Hemsworth, der hier eine der Hauptrollen spielt, als Muskelmann in „Thor“ und  Huntsman in „Snow White and the Huntsman“), kommt der Film erst jetzt in die Kinos, da das Studio ihn zuvor unbedingt in 3D nachbearbeiten wollten. Dies stieß allerdings auf heftigen Widerstand bei Goddard/Wheaton. Man kann sich nur freuen, dass die Beiden diesen lang anhaltenden Streit für sich entscheiden konnten, denn 3D wäre bei einem Film, der sich ganz bewusst „old school“ gibt, mehr als fehl am Platze gewesen. Und um am Ende dieser Einleitung noch einmal auf den oben kurz angeführten „Tanz der Teufel“-Vergleich zurückzukommen: Der Film hat nicht direkt mit Sam Raimis Horror-Klassiker zu tun, aber es erhöht den Spaß, wenn man diesen schon mal gesehen hat.

ACHTUNG: Ab hier folgen Spoiler.

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Originalfassungen in Bremen: 13.09.12 – 19.09.12

Aus dem Urlaub zurück und gleich mal über die O-Fassungen her gemacht. Dabei eins vorweg: Im „City 46“ läuft in dieser Woche die vom Instituto Cervantes Bremen präsentierte Reihe “Kino im Aufbau”  mit fünf lateinamerikanische Filme im Original mit englischen Untertiteln. Darüber habe ich hier schon mal ausführlich etwas geschrieben. Darum verweise ich hier nur auf mein älteres Posting und führe die Filme nicht noch einmal mit auf. Ansonsten sieht es ja mal wieder sehr vielversprechend in Sachen Originalfassung aus.

Das Bourne Vermächtnis – Cinemaxx, Do.-So. um 19:40, Mi. um 22:50 – Bourne ohne Bourne.  Statt Matt Damon als Jason Bourne betritt nun der von mir sehr geschätzte Jeremy Renner als Aaron Cross die Bühne. Auch er ein Superagent mit schier unmenschlichen Fähigkeiten. Regie führt der „Bourne“-Drehbuchautor und „Michael Clayton“-Regisseur  Tony Gilroy.

[youtube width=“640″ height=“300″]http://www.youtube.com/watch?v=FuJIdqy6Xn4[/youtube]

The Cabin in the Woods – Cinemaxx, Do. und Di. Jeweils 22:50 – Intelligenter Horrorspaß von Drew Goddard und Joss Whedon. Kritik folgt gleich.

The Dark Knight Rises  – Cinemaxx, Dienstag, 18.9. um 19:40 – Hat mir gefallen. Meine Review gibt es hier.

D@bbe: Bir cin vakasi – Vom Teufel besessen – Cinemaxx, Fr. und So. um 23:00 – Türkischer Horrorfilm um eine Besessene. Holla, das Plakat sieht sehr… schräg aus und weckt Erinnerungen an den legendären „Türkisch-Exorzist“ „Seytan“ von 1974 (den man auf YouTube übrigens komplett gucken kann.. leider ohne Untertitel).

To Rome with Love – Schauburg, So. und Mi. jeweils 21:30 – Der neue Woody Allen. Der Meister setzt seine “Europa-Tournee” fort und filmt nach London, Barcelona und Paris jetzt in der ewigen Stadt. In vier Episoden bekommen wir Penélope Cruz, Jesse Eisenberg, Alec Baldwin, Ellen Page, Roberto Benigni und Herrn Allen persönlich (sollte “Scoop” nicht sein Abschied von der Leinwand gewesen sein?) zu sehen.

Ein Sommer mit Coo
- City 46, Di.18.9. um 20:30 – Japanischer Zeichentrickfilm von 2007 um einen Wasserkobold, der jahrhundertelang verschüttet war und dann von einem Jungen gerettet wird. Das zieht leider die Medienaufmerksamkeit auf die Familie des Jungen. In Kooperation mit der japanisch-deutschen KulturinitiativeEintritt frei!

Primos – City 46, Mi., 19.9. um 20:00 – Spanische Komödie über drei Cousins, die in ein kleines Dorf fahren, wo sie als Kinder ihre Sommerferien verbrachten. In Kooperation mit dem Instituto Cervantes.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 17.9. um 19:40

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 17.9. um 21:45

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Endlich Urlaub…

Nach langer Zeit gönne ich mir endlich mal wieder einen etwas längeren Urlaub.

D.h. die Rubriken „Originalfassungen in Bremen“ und „Das Bloggen der Anderen“ machen in der Zeit Pause.

Ich bin dann pünktlich zum 19. Internationalen Filmfest in Oldenburg wieder da und werde fleißig davon berichten.

Bis dahin wünsche ich all meinen Lesern eine schöne Zeit!

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