DVD-Rezension: „Elio-Petri-Edition“

Der Italiener Elio Petri zählt zwar zu den einflussreichsten italienischen Regisseuren der 60er und 70er, ist aber leider der breiten Masse eher unbekannt. Sein bekanntester Film ist das Pop-Art/Science-Fiction-Spektakel „Das 10. Opfer“, der in diesem Jahr bei Bildstörung eine sehr schöne Veröffentlichung bekommen hatte (Review hier). Elio Petri war in den 40er Jahren der Organisator von kulturellen Veranstaltungen der italienischen kommunistischen Partei und nebenbei Filmkritiker. Nachdem er in den 50ern als Drehbuchautor und Regieassistent gearbeitet hatte, konnte er 1961 mit „Trauen Sie Alfredo einen Mord zu?“ seinen ersten eigenen Spielfilm realisieren. Danach avancierte er zu einem der angesehensten Regisseure Italiens, der Stammgast bei der Berlinale und in Cannes war, wo er mit „Die Arbeiterklasse kommt ins Paradies“ 1972 die Goldene Palme in Cannes gewann.  Im Vorjahr hatte er mit „Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger“ sogar einen Oscar gewonnen. 1979 drehte er mit der Komödie „,Buone notizie“ seinen letzten Film, fünf Jahre später verstarb er an Krebs. Es ist Koch Media hoch anzurechnen, dass sie nun eine Edition mit drei seiner bekanntesten Filme und einer Doku herausgebracht hat.

Zwei Särge auf Bestellung (1967)

Der örtliche Apotheker und Frauenheld Arturo Manno (Luigi Pistilli) erhält Morddrohungen, die niemand ernst nimmt, bis er gemeinsam mit seinem Freund Dr. Antonio Roscio bei der Jagd erschossen wird. Verdächtigt werden zwei Brüder einer minderjährigen Liebschaft Mannos. Doch der linke Professor Paolo Laurana (Gian Maria Volonté) glaubt nicht an die Schuld der Analphabeten. Er beginnt als Hobbydetektiv Ermittlungen anzustellen. Dabei verliebt er sich in die Witwe Roscio (Irene Papas) und bemerkt nicht, dass das Netz um ihn herum immer enger wird…

Die Kamera schwebt zu der schönen Musik des großen Meister Luis Bacalov über einer Kleinstadt auf Sizilien. Trotz der schönen Aussicht ahnt man aber schon, dass dort unten etwas nicht stimmt. Wir sind auf Sizilien und hier wird das Leben von Mächten bestimmt, die über den Dingen stehen, allmächtig sind, alles sehen, alles kontrollieren. Eben wie diese Kamera, die über allem schwebt und die Menschen zu Ameisen macht. Was beginnt wie ein normaler Krimi, entwickelt sich schon bald zu einem Polit-Thriller.

Unwissend bereits gefangen im Spinnennetz der Mächtigen und Skrupellosen: Der naive linke Professor Paolo Laurana, verkörpert vom brillanten Gian Maria Volonté, der als Gegenspieler Clint Eastwoods in den beiden ersten „Dollar“-Filmen von Sergio Leone Weltruhm erlangte. Noch glaubt er, er könne die Fäden entwirren und seine kleine Welt wieder ins Lot bringen. Die Bösen entlarven und damit wieder Ruhe einkehren lassen. Dass es dafür bereits viel zu spät ist, passt nicht in sein Weltbild. Er ist der heilige Narr, während sich seine abgestumpfte Umwelt mit den Verhältnissen abgefunden hat. Als er einmal Palermo besucht, explodiert neben ihm eine Autobombe. Die Sizilianer berührt dies aber nicht, das gehört hier schon zum Alltäglichen. Ein rascher Blick, Kopfschütteln, dann geht die tägliche Routine auch schon weiter. Wie fünf Jahre später in „Der Pate“ fällt auch hier nicht einmal das Wort Mafia. Doch das organisierte Verbrechen ist allgegenwärtig und umklammert die Schicksale der einfachen Leute. Damiano Damiani nannte seine – in Deutschland unter dem Titel „Allein gegen die Mafia“ gelaufene – TV-Serie über das organisierte Verbrechen in Italien „Die Krake“, und das trifft es auch hier sehr gut. „Zwei Särge auf Bestellung“ ist ein bewegender, aber auch sehr ernüchternder Film.

Das verfluchte Haus (1969)

Der Maler Leonardo Ferri (Franco Nero) steckt in einer Schaffenskrise. Seine dominante Frau Flavia (Vanessa Redgrave) kauft ihm auf sein Bitten hin ein großes Landhaus, in dem einst eine wunderschöne Frau starb. Leonardo Ferri stürzt sich sogleich in die Arbeit, doch bald schon glaubt er, dass unheimliche Mächte im Haus am Werk sind. Dazu entwickelt er eine krankhafte Obsession für das tote Mädchen und wird von Mordvisionen geplagt. Wirklichkeit und Wahn verschmelzen immer mehr…

Statt Gian Maria Volonté spielt in „Das verfluchte Haus“ Franco Nero – zusammen mit seiner damaligen Ehefrau Vanessa Redgrave – die Hauptrolle. Während die anderen beiden Filme in der Edition eher politisch und nüchtern sind, erinnert „Das verfluchte Haus“ besonders zu Anfang mit seiner Pop-Art-Ästhetik an Petris bekanntesten Film „Das 10. Opfer“. Ist der Film ein surrealer Trip in das Gehirn eines Wahnsinnigen? Ein Thriller? Oder doch ein Horrorfilm? Denkt man daran, dass Petri auch vor allem ein politischer Regisseur war, mit einer starken linken Überzeugung, so ist aber auch eine andere Denkart möglich. Der Geist der Vergangenheit (DAS große Motiv beim Spukhausfilm), der für Leonardo Ferri zu einer Obsession wird, Wanda, gehörte einerseits zur alten Aristokratie Italiens, und war andererseits auch dem Faschismus nicht abgeneigt. Bilder, die Ferri findet, zeigen sie eindeutig beim faschistischen Gruß, auch hat sie eine Affäre mit einem deutschen Soldaten. Steht Wanda damit nicht für die Verführung der einfachen Leute (jeder im Dorf scheint von ihr fasziniert gewesen zu sein und sexuellen Kontakt gehabt zu haben) durch den Faschismus und den Geist, der heute noch aus der Vergangenheit hinaus in die Gegenwart greift und von dort aus eine ungesunde Faszination entwickelt, der auch die künstlerische Elite – hier repräsentiert durch den Maler Ferri – erliegt?

Und ist die tüchtige Geschäftsfrau Flavia nicht ein Musterbeispiel für den verderbenden Kapitalismus, der den Künstler korrumpiert und letztendlich auf eine geist- und willenslose, Kunst produzierende Maschine (ähnlich Lulù Massa in „Die Arbeiterklasse kommt ins Paradies“) reduziert? Ist also Ferri, wie Petri selber, ein stark linker Künstler (immerhin ist er fasziniert von der Farbe Rot und lässt die Bäume vor seinem Haus in dieser Farbe anstreichen), der zwischen den alten Kräften des Faschismus und den neuen des Kapitalismus aufgerieben und schließlich in den Wahnsinn getrieben wird? Der nur glaubt, träumt, sich auflehnen zu können und doch nur verlieren kann? Sieht sich Petri in Ferri verkörpert, in einem sinnlosen Kampf gegen Kräfte, die ihn in eine Filmmaschine verwandeln wollen? Diese Lesart ist ebenso möglich, wie das Erleben des Filmes als Geistergeschichte oder eben die Ausgeburt eines fiebrigen Hirns auf dem Weg in den Irrsinn. Begleitet wird dies von einem kongenialen, sehr avantgardistischen Soundtrack, auf dem Ennio Morricone Ton- und Geräuschkollagen aneinanderreiht, dass einem fast schon die Ohren bluten. Ein faszinierender Film, der sich einem erst bei mehrmaligem Sehen erschließt und immer wieder neue Deutungsmöglichkeiten zulässt.

Die Arbeiterklasse kommt ins Paradies (1971)

Lulù Massa (Gian Maria Volontè) ist stolz darauf, seine Arbeit in der Fabrik effizienter und schneller als seine Kollegen erledigen zu können. Deshalb ist er bei ihnen wenig beliebt. Auch sein Familienleben und seine Gesundheit leiden unter der Akkordarbeit. Als Teile der Belegschaft zu streiken beginnen, will Lulù damit nichts zu tun haben. Doch als er bei der Arbeit einen Finger verliert, ändert sich seine Haltung. Er schließt sich den Streikenden an und befreundet sich mit den radikalen Studenten…

In „Die Arbeiterklasse kommt ins Paradies“ spielt Gian Maria Volonté einen ganz ähnlichen Charakter wie in „Zwei Särge auf Bestellung“. Auch Lulù Massa begreift nicht die großen Zusammenhänge und wird dadurch zum Opfer. Weil er glaubt, ein Einzelner könnte etwas bewegen. Doch auch Lulù wird manipuliert und zum Spielball der Interessen anderer. Doch anders als Paolo Laurana ist Lulù Massa kein Träumer. Er ist naiv, aber das liegt mehr an seiner mangelnden Bildung und einen gewissen Obrigkeitshörigkeit. Am Anfang des Filmes ist Lulù noch das beste Pferd im Stall seiner Arbeitgeber. Er genießt deren Aufmerksamkeit und definiert sich darüber, dass er besser und effektiver als seine Kollegen funktioniert. Darauf ist er stolz und darüber zieht er sein Selbstwertgefühl. Darum braucht es auch einen Unfall, der Lulù einschränkt, um ihn empfänglich für andere Botschaften zu machen.

Lulù ist vollkommen ichbezogen, er glaubt dem, der vorgibt, allein Lulù in den Mittelpunkt zu stellen. War es vorher der Kapitalist, der ihn mit Lob und Akkordlohn gekauft hat, sind es nun die linken Studenten, die im einflüstern, dass er für sie wichtig sei. Letztendlich wird Lulù aber von beiden Parteien nur benutzt und eiskalt fallengelassen, wenn er seinen Zweck nicht mehr erfüllt. Die Kapitalisten brauchen ihn als Maschine, die Linken als Manövriermasse für ihre Parolen. Als Lulù einmal die Hilfe der Studenten braucht, sind diese gerade wieder zur Vorlesung gegangen. Vom Leben und den Nöten der Arbeiter wissen sie praktisch nichts. Allein die Gewerkschaften wollen für die Arbeiter da sein, werden von Petri aber als weich und kompromisslerisch gezeigt. So bleibt dem Arbeiter am Ende nur noch, seine Arbeit zu tun oder aufgrund der Verhältnisse wahnsinnig zu werden. Dass er die Wand zum Paradies einreißen kann, bleibt allein seinen Träumen vorbehalten. Wieder einmal ist das Bild, welches Petri zeichnet, sehr ernüchternd. Der Einzelne hat keine Macht die Verhältnisse zu ändern, diejenigen, die es hätten, haben aber andere Interessen und sind allein an ihrem eigenen Einfluss interessiert. Von daher bildet „Die Arbeiterklasse kommt ins Paradies“ innerhalb dieser Kollektion eine ideale Klammer mit „Zwei Särge auf Bestellung“. Erwähnt werden muss hier unbedingt auch die einprägsame Musik von Ennio Morricone, der am Ende sogar noch einen Kurzauftritt als Arbeiter hat.

Leider lagen mir zur Rezension nur die drei in dieser Edition enthaltenen Spielfilme vor, nicht aber die vierte DVD mit der Dokumentation. Dabei wäre gerade diese spannend gewesen. Aus diesem Grunde kann ich auch nichts darüber schreiben, ob es sich hierbei um die preisgekrönte Dokumentation „Elio Petri… appunti su un autore“ von 2005 oder eigens für diese Veröffentlichung produziertes Material handelt. Schade. Die Extras, die auf den Film-DVDs enthalten sind, sind sehr spärlich. Trailer oder mal eine Bildershow, das war’s. Das Bild der Filme kann sein Alter nicht verleugnen (besonders „Das Verfluchte Haus“ zeigt ab und zu deutliche Gebrauchsspuren beim Wechseln der Filmrollen), ist aber absolut okay. Bei „Die Arbeiterklasse kommt ins Paradies“ scheint es sich um eine längere Fassung als ursprünglich in Deutschland erhältlich zu handeln, da einige wichtige Passagen nur auf Italienisch und untertitelt vorliegen. Jetzt fehlt nur noch „Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger“ und Elio Petris wichtigste Werke liegen endlich auch in Deutschland auf DVD vor.

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Das Bloggen der Anderen (08-12-12)

– Lukas Foerster berichtet in seinem Blog Dirty Laundry mit einigen Kurzkommentaren vom „Hofbauerkongress“. Leider versäumt er es zwar zu erklären, was das genau ist – aber ich vermute mal eine Veranstaltung des von der Seite „Eskalierende Träume“ bekannten Hofbauer-Kommandos. Auf jeden Fall wurde dort viel an interessanter Exploitation, Sleaze und Trash gezeigt, der jetzt größtenteils auf meine „wanna watch list“ gewandert ist.

– Ich gebe gerne zu, dass mir der Name Armando Bo bisher völlig unbekannt war, obwohl er scheinbar großzügig all das bedient, was ich mag. Dank Silvia Szymanskis Ankündigung eines Filmabends in Aachen ist mir dieser argentinische Exploitation-Regisseur – der zudem einer der Lieblingsregisseure von John Waters ist – jetzt auf Hard Sensations näher gebracht worden. Danke! Das Glück wird aber erst vollkommen durch den grandiosen Text, den sie inspiriert von einer Sichtung des Films „The Sinful Dwarf“ geschrieben hat. Da werde ich glatt zum Fan und werde demnächst mal „Hard Sensations“ nach mehr Texten der Dame durchsuchen. Lesen!

– Das Jahr nähert sich dem Ende, die große Zeit der „Bestenlisten“ kommt. Andreas hat auf Eskalierende Träume schon mal angefangen.

– Filmemacher Christoph Hochhäusler macht sich in seinem Blog Parallel Films einige Hoffnungen auf kommende französische Produktionen. Und er gibt einen Ausblick auf die Filmprojekte seiner deutschsprachigen Kollegen, Freunde und Mitstreiter, welchen man auf raumsprache findet. Sind einige interessante Sachen dabei, insbesondere Hochhäuslers eigener „Lichtjahre“ klingt spannend.

– Mittwoch läuft „The Hobbit“ an. Die Fünf Filmfreunde haben die ersten Kritiken aus den USA gesammelt, und die klingen nicht wirklich erfreulich.

– Als skurrile Mischung empfand ich immer den Film „Die Zuhälterin“, der einerseits Maurizio Merli mit Joan Collins (!) paart, diese blank ziehen lässt (!!) und ganz nebenbei einen Poliziottesco kurzerhand nach Wien verpflanzt. Der Film selber ist sehr solide, was The Nolte auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte auch findet.

Alle Welt schwärmt von „Dredd“. Auch vannorden auf the-gaffer. Meine Neugier wächst…

– Akira Kurosawas erster Farbfilm „Dodeskaden – Menschen im Abseits“ ist einer jener Filme, bei denen ich besonders bedauere, dass ich sie bisher noch nicht sichten konnte. Und die Besprechung auf Japankino erhöht den Leidensdruck noch.

– Harald Steinwender ist der Autor DES deutschsprachigen Buches über Sergio Leone (gerade in einer überarbeiten und erweiterte Auflage beim Bertz+Fischer-Verlag erschienen). Auf seinem Blog themroc hat er jetzt ein sehr langes, sehr lesenswertes Essay über Leone veröffentlicht. Der ideale Start für alle, die sich näher mit dem Großmeister des italienischen Westerns beschäftigen wollen, aber auch für „Experten“ enthält das Essay viel Wissenswertes.

– Zu einer meiner Lieblingsseiten hat sich L’Amore in città entwickelt, wo man auch diese Woche wieder zwei ausführliche Besprechungen zu zwei Filmen findet, die ich beide sehr mag: Marco Ferreris Meisterstück „Das große Fressen“ und Umberto Lenzis Poliziottesco-Schwanengesang „Die Kröte“ mit Maurizio Merli (siehe auch oben bei Herrn Nolte) und Tomas Milian.

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Neue Reihe in Bremen: „Movie Terror Club“ in der Capri Bar

Scheinbar gibt es in Bremen eine neue Veranstaltung, die sich um – sagen wir mal – abseitige Filme kümmert. Durch Zufall bin ich über die Facebook-Seite des „Movie Terror Clubs“ gestolpert. Dieser zeigt nun scheinbar jeden Monat in der Capri-Bar (Fehrfeld 35) einen Film aus der Kategorie „Gewalt, Schund und Gore“ . Was und wer genau dahinter steckt, weiß ich leider nicht. Interessierte können sich aber am kommenden Sonntag, den 09.12. um 18:00 Uhr ein Bild machen.

Gezeigt wird dann Markus Hagens „City Kill„, den Stefan und ich im Juni diesen Jahres im Rahmen unserer „Weird Xperience„-Reihe im City 46 auf der großen Leinwand gezeigt haben. Wer ihn damals verpasst hat oder ihn gerne noch einmal sehen möchte, kann also einen Blick riskieren.Am 06. Januar geht es dann weiter mit einem anderen Film aus der Verdener Filmschmiede: „Deadly Nam„. Ach ja, ganz wichtig: Auf der Facebook-Seite der Capri Bar steht, der Eintritt ist frei 🙂

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Studenten brauchen eure Videos für interaktiven Dokumentarfilm

Einige Studenten des Fachbereichs 9 der Universität Bremen / Institut für Kunstwissenschaft und -pädagogik produzieren momentan einen interaktiven Dokumentarfilm zum Thema „Warum gehen wir ins Kino?“.

Das Projekt wird am 19. Januar während des 18. Internationalen Symposium zum Film im City46 vorgestellt und auch als i-doc auf einer Website präsentiert.

Zur Zeit werden für die Realisation des Projekts noch Videos von Leuten benötigen, die vor der Kamera erzählen, warum sie ins Kino gehen. Das Projekt klingt sehr spannend, und daher möchte ich meine Leser darum bitten, diese Jungs und Mädels zu unterstützen.

Lassen wir doch die Projektgruppe kurz selber zu Wort kommen:

Wanted: Call for Videos

Warum gehen WIR ins Kino?

Schickt uns ein Video von Euch, in dem Ihr von Eurer Kino-Erfahrung berichtet! Ihr könnt es einfach erzählen, eine kurze Geschichte nachspielen oder das machen, was ihr Euch vorstellt. Hauptsache ist, man versteht, warum Ihr gern ins Kino geht. Filmt mit Cams, Smartphones, Handys oder womit ihr wollt.

Die Videos tragen zu einem interaktiven Doku-Projekt der Universität Bremen bei, das am 19. Januar 2013 auf dem Internationalen Filmsymposium im City46 vorgestellt wird.

Für mehr Details und Angaben sprecht uns an:

– im Web: http://www.film.uni-bremen.de

– bei Facebook: whygo2movies

– oder per Mail: whygo2movies@gmail.com

Wir freuen uns über Eure Beiträge bis zum 31. Dezember 2012!

Ich wünsche viel Erfolg!

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Originalfassungen in Bremen: 06.12.12 – 12.12.12

Viele, viele Filme, die diese Woche im Original tönen. Da sich die Meisten sicherlich auf „The Hobbit“ am kommenden Mittwoch stürzen werden, hier noch mal expliziert der Hinweis auf „7 Psychos“, den neuen Film des „Brügge – Sehen und sterben?“-Regisseurs Martin McDonagh, der in der Schauburg läuft. Und für Liebhaber der spanischen Lebensart gibt es im City 46 den für dieses Jahr letzten Film aus der Reihe „Spanisches Kino 2012 – Neuste Titel“.

Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2 – Cinemaxx, Do. + Mo. um 20:00 – Der letzte Teil der Saga um Bella und Edward. Nicht mein Ding, aber viele Mädels freuen sich ja schon auf den letzten Auftritt der schönen Liebenden. Es soll ihnen gegönnt sein.

Cloud Atlas – Cinemaxx, So. 09.12. um 20:30 – Tom Tykwer mag ich eigentlich, die Wachowskis haben mich nach dem furiosen ersten “Matrix“-Teil nur noch enttäuscht (Teil 3 habe ich ihnen bis heute nicht verziehen).  Der Trailer sieht nach Gigantomanie und schwerer Bedeutsamkeit aus. Könnte durchaus interessant sein oder ein Mega-Flop. Aber wie ich jetzt gehört habe, liegt die Wahrheit wohl dazwischen.

Skyfall – Cinemaxx, Sa. 08.12. um 17:15 – Hat mir gut gefallen. Meine Besprechung gibt es hier.

Çakallarla Dans 2: Hastasiyiz Dede! – Tanz der Schakale 2: Wir sind heiß drauf Opa – Cinemaxx, Do.-Mi. 19:45, Do., Sa., Mo-Mi. auch 22:30 – Türkische Komödie um drei Knastbrüder, die sich für ein medizinisches Experiment zur Verfügung stellen, das aus ihnen gesetzestreue Bürger machen soll.

Evim Sensin – Du bist mein Zuhause – Cinemaxx, Do.-Di. 17:30, 20:15 und 23:00, Mi. nur 20:15 – ürkisches Liebesdrama um ein ungleiches Paar, dessen gemeinsames Glück bedroht wird.

Dag – The Mountain – Cinemaxx, Fr., Mo. und Di. um 16:15 – Türkischer Kriegsfilm, in dem sich zwei grundverschiedene Soldaten, die in einen Hinterhalt geraten, zwangsläufig zusammenraufen müssen.

Moskova’nin Sifresi: Temel – Moskow’s Code Temel – Cinemaxx, Fr./So. um 22:30 – Türkische Komödie. Nachdem Temel im ersten Teil (Sümela’nin sifresi: Temel) einen Schatz und seine Liebste erobert hat, bekommt er es nun mit der Mafia zu tun, die ihm das Geld wieder abjagen will.

The Hobbit: An Unexpected Journey – ALLES AM MITTWOCH, DEN 12.12.: Cinemaxx, 12:30, 16:30, 20:30 (immer in 3D, aber nicht in der neuen HFR-Technik mit 48 Bildern/Sekunde) und in der Schauburg um 22:45 (wahrscheinlich 2D, mir ist zumindest nicht bekannt, dass die Schauburg 3D-Filme zeigen könnte) – Da ist er nun endlich. Lange in der Planung und dann von zwei in drei Teile aufgeblasen. Peter Jacksons epische Vorgeschichte zu seinem ebenfalls epischen Herr der Ringe. Ich mag ja „Bilbo“ Martin Freeman seit er den Dr. Watson in der großartigen BBC-Serie „Sherlock“ gespielt hat. Sein Partner Benedict „Sherlock Holmes“ Cumberbatch ist übrigens auch mit von der Partie und leiht – zumindest in der O-Fassung – dem Necromancer und Drachen Smaug seine Stimme.

[youtube width=“640″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=nOGsB9dORBg[/youtube]

7 Psychos – Schauburg, So., 09.12. um 21:15 – Starbesetzte britische Komödie mit Colin Farrell, Woody Harrelson, Tom Waits, Christopher Walken und Sam Rockwell. Vom Regisseur des großartigen „Brügge sehen – und sterben?„, Martin McDonagh.

[youtube width=“640″ height=“299“]http://www.youtube.com/watch?v=qu40LrQUIhc[/youtube]

Jeder Tag ist ein Fest – City 46, Fr., So., Mo. um 18:00 und Sa. 20:30 – Drama um drei fremde Frauen, die ihre Männer in einem Gefängnis im Libanon besuchen wollen. Nach einem Zwischenfall sind sie mitten in der Wüste auf sich allein gestellt.

Kawa – City 46, Fr./Mi. um 20:30 und Sa./Di. um 18:00 – Neuseeländisches Queer-Drama um den erfolgreichen Geschäftsmann Kawa, dem nach Maori-Tradition die Rolle des Familienoberhaupts übertragen werden soll. Doch Kawa führt ein Doppelleben, denn er ist homosexuell.

Nómadas – City 46, Mi. 12.12. um 20:30 – Spanischer Film, den in der IMDb ein Rezensent wie folgt beschrieben hat: „This is like a David Lynch movie directed by Aki Kaurismaki with a Portishead song“. Alex und Sara sind allein. Barbra und Calvo sind Brüder, die in ihrem kleinen Kosmos niemand anderen haben wollen. Eines Nacht treffen sich ihre Lebenswege und endlich wird etwas Ungewöhnliches geschehen. Präsentiert vom Instituto Cervantes Bremen.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=6T26VnQmmYc[/youtube]

Das Mädchen aus der Streichholzfabrik – City 46, Do./Mi. um 18:00 Uhr und Mo. um 20:30 – Moderner Klassiker vom großen, von mir sehr verehrten, Aki Kaurismäki mit Kati Outinen. Toller Film um eine stille Arbeiterin in einer Streichholzfabrik, die eines Tages für ihr elendes Leben Rache nimmt.

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 10.12. um 21:45 Uhr

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DVD-Rezension: “Twixt – Virginias Geheimnis”

Der Schriftsteller Hal Baltimore (Val Kilmer) ist bekannt für seine Hexenromane. Doch seit vielen Jahren schon schreibt er nichts anderes mehr. Die mittlerweile ausgelutschten Geschichten interessieren kaum noch jemanden, und Hals Karriere nähert sich unbarmherzig dem Nullpunkt. Als er auf einer Signiertour für sein neues Buch in eine abgelegene Kleinstadt kommt, macht er die Bekanntschaft des ortsansässigen Sheriffs Bobby LaGrange (Bruce Dern), der sich als Fan von Baltimore zu erkennen gibt. LaGrange erzählt ihm von einer mysteriösen Mordserie, dessen jüngstes Opfer ein kleines Mädchen geworden ist, welches mit einem Holzpflock in der Brust in der örtlichen Leichenhalle liegt. Bald schon verbinden sich die geheimnisvollen Geschichten der Kleinstadt mit Baltimores Träumen, und er beginnt daraus die große Geschichte für ein neues Buch zu ziehen…

Hört man den Namen Francis Ford Coppola, so denkt man automatisch an seine Großleistungen in der Filmgeschichte: Die „Pate“-Trilogie, „Apocalypse Now“ oder vielleicht „Der Dialog“. Danach wurde es still um ihn. Seinem ambitionierten und fürchterlich gefloppten Musical „Einer mit Herz“ folgten Anfang der 80er noch die beiden Jugendfilme „Rumble Fish“ und „The Outsiders“. Kleine Produktionen, die mit der Gigantomanie eines „Apocalypse Now“ nichts mehr zu tun hatten. Danach verließ Coppola der Erfolg. Selbst sein dritter „Pate“-Film wurde von Kritik und Publikum nur noch zögerlich angenommen. In den letzten 14 Jahren drehte er vor „Twixt“ nur zwei Filme. Während die Auftragsarbeit „Der Regenmacher“ zumindest an den Kinokassen einigermaßen erfolgreich war, erwiesen sich „Jugend ohne Jugend“ und „Tetro“ als Kassengift. Nun legt Coppola mit „Twixt“ einen Low-Budget-Film vor, der in den USA von Kritik und Publikum verrissen wurde und vielleicht deshalb in Deutschland nur auf dem Heimkinomarkt erscheint.

In Interviews betont Coppola, dass er nun in eine Phase seiner Karriere eingetreten ist, in der er nur noch das macht, was ihm Spaß bereitet. Und er will sich an drei Prämissen halten: Seine Filme sollen von ihm selbst geschrieben sein, einen persönlichen Bezug haben und von ihm selbst finanziert werden können. Mit seinem frühen Erfolg sei er gleich ein arrivierter Filmemacher gewesen, dem es nicht mehr erlaubt war zu experimentieren und einfach mal drauflos zu filmen, wie es seine jungen Kollegen taten. Nun will er diese „Experimentierphase“ nachholen. „Twixt“ ist dafür ein gutes Beispiel, denn hier tobt sich Coppola richtiggehend aus. „Twixt“ scheint für Coppola mehr Experimental-Labor, denn wirklicher Film gewesen zu sein.

Und irgendwie passt das auch, denn es geht immerhin um einen ehemals sehr erfolgreichen, nun aber abgehalfterten Schriftsteller, dessen Karriere schon bessere Zeiten gesehen hat. Ausgebrannt und doch voller Hoffnung, sucht er nach Wegen, etwas ganz Neues zu erschaffen, was ihn aus seiner üblichen Schreibroutine reißt. Hat Coppola diese Figur autobiographisch angelegt? Wie Hal Baltimore versucht Coppola, seine ausgetretenen Pfade zu verlassen und sich selbst neu zu erfinden. In diesem Falle als neugierig ausprobierender „Jungregisseur“. Dabei scheint er sich weniger um Maßkompatibilität zu kümmern, als vielmehr darum, seine Träume und Visionen in Bilder zu gießen. Betrachtet man die Geschichte um Hal Baltimore als ernsthaften Versuch einen Horrorfilm zu drehen, oder überhaupt eine gradlinige Geschichte zu erzählen, so muss dieser Versuch als gescheitert angesehen werden. Dies ist auch der Tenor vieler Rezensionen – vor allem aus den USA. Zu vollgestopft mit Handlungssträngen, uneinheitlich, ein wenig selbstverliebt und verwirrend ist das Ganze. Doch begegnet man dem Film auf einer irrealen Traumebene, so funktioniert er.

Nicht nur die beeindruckenden Traumszenen, die die Künstlichkeit der Optik auf den Gipfel treiben, sondern auch die scheinbar „realen“ Szenen wirken durch ihre intensive Farbgebung und gleichzeitige Schärfe unwirklich. Alles erscheint als Kulisse, die Welt als B-Film. Dazu passt der Hauptdarsteller Val Kilmer. Iceman ist schon lange davongeflogen. Kilmer dürfte mittlerweile das Doppelte wie zu seiner Glanzzeit auf die Waage bringen. Die Schönheit ist dahin, in seinem langen Mantel und mit dem Pferdeschwanz wirkt er nur noch schmierig. Auch seine Karriere ist unten angekommen. Sein letzter Erfolg „Kiss Kiss Bang Bang“ schon sieben Jahre und etliche Pfunde her. Wie Mickey Rourke in „The Wrestler“ ist er daher die ideale Besetzung für Hal Baltimore. Doch im Gegensatz zu „The Wrestler“ wird hierdurch nicht Realität vorgespiegelt. Kilmer wird nicht wie Rourke zu der Figur im Film. Seine Figur wird vielmehr zu Val Kilmer. Und so sieht man Val Kilmer dabei zu, wie er durch die Träume Hal Baltimores stapft und damit das Künstliche, Unechte der Szenerie noch unterstreicht. Gleiches gilt für Bruce Dern als Sheriff Bobby LaGrange, der auch nie einen Zweifel daran lässt, nur eine Figur in einer Geschichte zu sein. Sieht man also wirklich die Geschichte eines Schriftstellers Hal Baltimore, oder sieht man die Geschichte, die sich dieser gerade aus den Fingern saugt, um seinen Verleger zu einem nächsten Vorschuss zu überreden? Die extreme Künstlichkeit des Filmes legt diese Interpretation nahe.

Optisch experimentiert Coppola insbesondere in den Traumszenen mit allen möglichen Stilen. Man fühlt sich an Coppolas eigenen „Bram Stoker’s Dracula“ erinnert, aber auch an „Sin City“ (oder doch an „Rumble Fish“, der auf einmal wie eine Blaupause für den Miller/Rodriguez-Film wirkt), ja manchmal fühlt man sich sogar in die lyrischen Filme eines Guy Maddin hineinversetzt. Man könnte Coppola nun vorwerfen, dass er nur wiederholt, was andere vor ihm bereits auf die Leinwand gebracht haben. Oder man gesteht ihm zu, dass er diese Elemente so zusammen mixt, dass etwas Neues entsteht. Eine Traumwelt, deren optische Brillanz uns in den Bann zieht und gleichzeitig seinem Film etwas Schlafwandlerisches verleiht. Und wie im Traum treiben auch hier die vielen Handlungsteile in wilder Assoziation durcheinander. Da gibt es eine Geschichte um getötete Kinder, Vampire, die am Rande eines Sees wilde Feste feiern, einen Serienmörder, der seine Opfer pfählt, und dann taucht auch noch der Großmeister des amerikanischen Schreckens, Edgar Allen Poe, auf, der Hal Baltimore durch diese Traumlandschaft führt und mit ihm Schreibtechniken diskutiert. Und wie im Traum sind diese Elemente nicht linear, sondern überlagern sich. Man sollte also gar nicht erst versuchen, den Film in Gänze zu verstehen, sondern sich durch ihn – wie durch einen Traum – treiben lassen. Dabei erreicht Coppola allerdings zu keinem Zeitpunkt die geniale Radikalität eines David Lynch. Wahrscheinlich schwebte ihm diese aber auch niemals vor.

Dieser Low-Budget-Film eines der Großmeister des New Hollywood kümmert sich weniger um seine Geschichte, sondern mehr um seine beeindruckende Optik und das irreale Gefühl, welches ein Traum kurz nach dem Aufwachen hinterlässt. Dabei nimmt Francis Ford Coppola durchaus in Kauf, dass seine verschachtelte Geschichte ohne großen Spannungsbogen und Höhepunkt auskommen muss. Alles wird dem hypnotischen Ganzen untergeordnet.

Die DVD von Ascot Elite punktet mit einem wahrhaft bestechenden Bild. Zeitweise hat man das Gefühl, keine DVD, sondern eine BluRay zu schauen, so brillant sind Schärfe und Farben. Leider wurde aber an der Synchronisation (die lediglich mittelmäßig daher kommt – der O-Ton ist definitiv vorzuziehen) und vor allem den Extras gespart. Außer einem läppischen Trailer herrscht hier nämlich Fehlanzeige, was gerade bei einem Film wie „Twixt“ sehr, sehr schade ist.

Die DVD/BluRay ist ab 06.12.2012 im Handel erhältlich.

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DVD-Rezension: “Grabbers”

Auf der irischen Insel Erin Island kommt es zu merkwürdigen Zwischenfällen. Menschen verschwinden und tote Wale treiben an der Küste an. Bald schon stellt sich heraus, dass tentakelreiche Aliens dahinterstecken. Der dem Suff verfallene Inselpolizist Ciarán O’Shea und seine neue Kollegin vom Festland, Lisa Nolan, entdecken durch Zufall, dass es einen wirksamen Schutz gegen die Bedrohung aus dem Weltall gibt: Unmengen Alkohol. Und so entwickeln sie gemeinsam eine wirkungsvolle Strategie: Die Inselbewohner müssen möglichst alle sturzbetrunken sein, will man eine Chance gegen die mörderischen, bluttrinkenden Aliens haben…

Dass irische Cops anders ticken, konnte man ja Anfang des Jahres bereits in „The Guard“ (ebenfalls bei Ascot Elite erschienen, Besprechung hier) erleben. Die beiden Hauptpersonen aus „Grabbers“ gehören ebenfalls der irischen „Garda“ an. Und auch der Inselpolizist O’Shea hat seine ganz eigene Auffassung von Pflichterfüllung. Die meiste Zeit ist er betrunken und trauert seiner verflossenen Liebe hinterher. Seine neue Partnerin Lisa Nolan kommt vom Festland und kann mit ihrem Alkoholiker-Kollegen zunächst nicht viel anfangen. Da wäre ich auch schon beim Hauptkritikpunkt an „Grabbers“: Er spult einfach jedes Klischee durch, welches man aus der schönen Welt der Filme kennt: Das ungleiche Cop-Pärchen, das nicht miteinander kann, dann aber lernt, sich zu respektieren (oder sich – sofern es sich wie hier um Macho-Mann und Dienstvorschriftentussi handelt – ineinander verliebt). Auch andere Handlungselemente kennt man zu Genüge: Das erste Auftauchen des Monsters im Schatten, den komisch-steifen Wissenschaftler, den versoffenen Fischer, die geheimnisvolle Höhle usw. usf. Das macht die Geschichte leider auch bis in die allerletzte Einstellung hinein arg vorhersehbar.

Wenn „Grabbers“ es also schon auf fast kriminelle Art und Weise an Originalität vermissen lässt (von der doch ganz lustigen Prämisse, sich per übermäßigem Alkoholgenuss gegen die Monster immun zu machen, mal abgesehen), so kann er aber immerhin mit einigen liebenswerten Charakteren Punkte machen. Auch die von der Kamera perfekt eingefangene Schönheit der irischen Insel weiß sehr zu gefallen. Allerdings neigt Kameramann Trevor Forrest auch dazu, auch in eigentlich ruhigen Szenen, immer mal wieder dramatische Kamerafahrten einzubauen. Diese wollen dann auch gar nicht so recht in den eher gemütlichen Film passen und wirken eher enervierend. Aber trotzdem: Mit Typen wie Lalor Roddy als kauziger Fischer Paddy, David Pearse als Pubbesitzer und Bronagh Gallagher als seine schnodderige Frau macht es Spaß, den „Eingeborenen“ beim Kampf gegen die Tentakelmonster zuzuschauen.

Die Monster wirken im Film Gottseidank auch nicht so komplett artifiziell, wie der Trailer vermuten lässt. Zwar sind vor allem die ausgewachsenen Grabber klar als CGI-Schöpfungen zu erkennen, aber zwischendurch gibt es auch noch mal klassische Gummi- und Latexarbeit, was gut tut. Zudem werden den Baby-Grabbers eigene Charaktere zugebilligt, und in einer schönen Szene im Pub führen sie sich so auf, wie weiland die allseits beliebten Gremlins. Bei der Gestaltung hat sich Shaune Harrison (der auch für die Effekte bei den letzten beiden „Harry-Potter“-Filmen und „Captain America“ verantwortlich war) zwar deutlich bei größeren Vorbildern inspirieren lassen, aber man merkt schon eine große Liebe zum Detail.

Demgegenüber bleiben die eigentlichen Protagonisten eher etwas blass, zumal sie als reine Stereotype angelegt sind. Immerhin sind sie dann doch so sympathisch, dass dies nicht allzu sehr stört. Und Ruth Bradley als Lisa Nolan ist auch hinreichend niedlich – besonders, wenn sie sinnlos betrunken ist-, so dass das Publikum durchaus bereit ist, sich um ihr Wohl zu sorgen. Man hat allerdings das Gefühl, dass der Film, würde er sich nicht allzu starr ans Einmaleins des Monsterfilms halten, sehr viel interessanter hätte ausfallen können. Auch wird die im Grunde sehr witzige und innovative Idee, dass ein ordentlicher Alkoholrausch davor schützt, nicht von den Monstern gefressen zu werden, nur halbherzig umgesetzt. In dieser Idee schlummert sehr viel mehr Potential, als von der Inszenierung ausgeschöpft wird. Zumal recht schnell feststeht, dass der Rausch zwar vor dem Gefressenwerden schützt, die Monster aber trotzdem die Menschlein ruckzuck um die Ecke bringen.

„Grabbers“ ist ein nettes, kleines Filmchen, welches recht gut die Langweile vertreiben kann, aber nicht wirklich packend oder übermäßig komisch ist. Es ist eher gemütlich-gediegen ohne große Höhepunkte, aber mit einigen nett anzuschauenden Monstern, skurrilen Typen und einer schön fotografierten Landschaft. Ideal für regnerische Sonntage, wenn im TV nichts läuft.

Als Extras liegt der Ascot-Elite-DVD  ein 12-seitiges Booklet bei, in dem ein Artikel und Interview zum Film von Nando Rohner abgedruckt wurde, der bereits im Filmmagazin „Deadline“ erschienen ist. Ein 16-minütiges „Making Of“ besteht zwar zum großen Teil aus den üblichen Lobgesängen aller Beteiligten, aber auch einigen interessanten Hintergrundinformationen. Die 25-minütigen „Outakes“ sind zwar schon fast zu viel des Guten und bestehen überwiegend aus Versprechern. Immerhin kommt die gute Stimmung beim Dreh gut rüber. Das Bild ist wie immer bei Ascot gut, der Ton bekommt aber nicht immer die Balance zwischen Dialog und Effektszenen hin. Generell ist die Originaltonspur zu bevorzugen, da hier das Lokalkolorit schön unterstützt wird. Man braucht hier allerdings auch als Englischkundiger die deutschen Untertitel, um alles zu verstehen.

DVD und BluRay erscheinen am 04. Dezember im Handel.

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Das Bloggen der Anderen (30-11-12)

So, nach den vier tollen Tagen auf dem Phantastival kehrt ganz langsam wieder Routine ein. Und damit gehen auch die regelmäßigen Rubriken weiter.

Pünktlich zum Wochenende gibt es reichlich Lesenswertes von den Kollegen.

– Auf Final Frontier Film erinnert „Der Außenseiter“ an den Erotik-Klassiker „Emmanuelle“ mit der kürzlich leider verstorbenen Sylvia Kristel.

– Auf Hard Sensations spricht mir Leena May Peters bei ihrer Besprechung des Filmes „Valhalla Rising“ aber so etwas von aus der Seele. Der letzte Abschnitt ist so treffend geschrieben, dass ich ihn hier auch gleich mal als Zitat rein packe. Zum Einrahmen und an die Wand hängen.

In seinem Minimalismus ist Valhalla Rising ein hypnotischer Film, bei dem es weniger um die Zugänglichkeit des Dargebotenen geht als um die des Zuschauers. Auf die demonstrative Langsamkeit, die wortkargen Protagonisten und den naturreligiösen Mystizismus muss man sich einlassen wollen. Ich persönlich empfinde diesen krassen Gegensatz zum derzeit angesagten Modell Film, mit möglichst viel Event im 4/4tel –Taktschnitt, als wohltuend, geradezu erholsam. Für mich ist Valhalla Rising eine Auszeit vom Banalen, ein Rückzug in einen Moment, in dem das Menschsein der Erhabenheit der Natur gegenübergestellt ist und ich die Erleichterung empfinden kann, dass mein eigenes Leben im Verhältnis zur Menschheitsgeschichte ohne Bedeutung ist.

– Buster Keaton ist ja ein großer Held von mir, und ich schätze ihn mehr als Chaplin. Darum freue ich mich besonders über gabelingebers Besprechung seines inoffiziell ersten Regieversuchs „The High Sign“ auf „Hauptsache Stummfilm„.

Okami Itto berichtet über den demnächst erscheinenden internationalen Episodenfilm „ABC of Death“, an dem u.a. Ti West, Jake West und die „Amer“-Macher.Bruno Forzani/Héléne Cattet (mit der Episode „O is for Orgasm“) beteiligt sind.

„Laura“ ist ein wunderschöner Film noir des großen Otto Preminger. Wer ihn gesehen hat und danach nicht in Gene Tierney verliebt ist, hat kein Herz. Mehr über diesen Klassiker gibt es auf Leons Filmrezensionen.

– Sebastian geht auf Das Magazin des Glücks weiter seiner Berlin Obsession nach 🙂 Neben vier Klassikern des Berliner Nachkriegsfilms bespricht er auch „Oh Boy„, den ich endlich mal gucken muss. Na, er läuft ja noch in der Schauburg. Von daher müsste ich nur mal meinen Hintern vor die Tür schaffen.

– Seit ich einmal auf Romuald Karmakars YouTube-Kanal „Films you should see before it’s too late“ den Trailer von Alekseys Balabanovs „Of Freaks and Men“ gesehen habe, will ich diesen Film unbedingt sehen. Robin S. von Mise en cinema hat es schon, ich noch nicht.

May Pecas ist ein fast vergessener Meister des europäischen Erotikfilms, an den mal wieder erinnert werden sollte. Michael Schleeh hat es auf nachtsichtgeräte getan. Ebenso bespricht er hier „Universal Soldier: Day of Reckoning„, von dem man immer wieder hört, er wäre so etwas wie die Neuerfindung des Action-Genres.

– Christoph Hochhäusler weist in seinem Blog Parallelfilm darauf hin, dass er zusammen mit einigen anderen Autoren auf MUBI Essays über das Kino des Tony Scott (RIP) veröffentlicht hat.

– Wer was Nettes über Paul Naschy zu schreiben hat, den empfehle ich gerne weiter. So wie Oliver Nöding auf Remember it for later. Dort schreibt er auch über den Söldnerfilm „Der Commander“ von 1988 und trifft mit den folgenden Sätzen dermaßen den Nagel auf den Kopf, dass ich ihn hier einfach zitieren MUSS:

Vor allem machen mir solche Wiedersehen eines klar: Ich vermisse die Zeit, in der solche Genreklopper in Europa produziert wurden; durchaus mit dem Blick nach Hollywood, aber dennoch mit der Gewissheit und dem Selbstvertrauen, das auch selbst ganz gut hinzubekommen. Damals grüßten statt langweiliger Fotos von gephotoshoppten Designerfressen noch gemalte Porträts von Persönlichkeiten wie Spencer, Hill, Belmondo, Delon oder eben Collins von den Litfasssäulen der Stadt, warben um die Gunst der Zuschauer, die diese Filme nicht als Kuriositäten, sondern als ganz selbstverständliche und gleichwertige Konkurrenz zum US-Stoff wahrnahmen, der noch längst nicht dieses Monopol hatte. So froh ich darüber bin, dass es Nischenabieter gibt, die Filme wie DER COMMANDER heute verfügbar halten, eine Szene, die solche Perlen ausgräbt, würdigt und weiterempfiehlt: Ich kann sie eigentlich nur noch mit einem weinenden Auge sehen.

Ja, das fühle ich auch so.

– Vor kurzem verstarb, 80jährig, Yash Chopra , der große alte Meister des Bollywoodfilms. Michael Schleeh (nochmal?) von Schneeland bespricht seinen letzten, in diesem Jahr gedrehten Film „Solang ich lebe / Jab Tak Hai Jaan“ mit Shah Rukh Khan.

– Die beliebte DVD-Reihe „Action Cult Uncut“ geht in die nächste Runde. Und eine zweite von Fox initiierte Reihe lässt aufhorchen: „Horror Cult Uncut“! U.a. mit einer ungeschnittenen Version von „Return of the Living Dead“! Mehr darüber auf Sneakfilm.de.

– Die Kollegen von Bizzare Cinema in Hamburg präsentieren eine Zbynek-Brynych-Reihe! Unglaublich und unbedingt empfehlenswert. Alles darüber auf The Wayward Cloud.

– Einer der ersten Tonfilme des großen Jean Renoir war nicht nur eine Simenon-Verfilmung, sondern der erste Film mit Kommissar Maigret. Das wusste ich bisher noch nicht und lasse mich da gerne von Manfred Polak auf Whonowspresents informieren.

– Damiano Damiani kennt man ja eher aufgrund seiner gesellschaftskritischen Mafiafilmen und der TV-Serie „Allein gegen die Mafia“. Jetzt weiß ich dank Alex Klotz von hypnosemaschine, dass er Mitte der 60er auch eine empfehlenswerte, romantische Geistergeschichte gedreht hat.

– Nochmal Hard Sensations: Ein Vöglein hat mir gezwitschert, dass dieser Film im Januar in unserer „Weird Xperience“-Reihe im City46 laufen wird. Michael Schleeh (der schon wieder! Da war aber jemand diese Woche fleißig ;)) hat ihn schon gesehen und bespricht ihn auf Hard Sensations: Mondomanila.

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Originalfassungen in Bremen: 29.11.12 – 05.12.12

Keine besonders aufregende, aber doch sehr interessante Woche. Wenn „Killing them Softly“ nur halb so gut ist, wie die Kritiken versprechen, sollte das was sein. Dann noch eine Doku über einen meiner musikalischen Helden: Joe Strummer. Klingt doch nicht schlecht. Nur das Cinemaxx hält sich arg zurück. Die Ruhe vor dem Hobbit-Sturm?

Cloud Atlas – Cinemaxx, Do., 4.12. um 19:30 – Tom Tykwer mag ich eigentlich, die Wachowskis haben mich nach dem furiosen ersten “Matrix“-Teil nur noch enttäuscht (Teil 3 habe ich ihnen bis heute nicht verziehen).  Der Trailer sieht nach Gigantomanie und schwerer Bedeutsamkeit aus. Könnte durchaus interessant sein oder ein Mega-Flop. Aber wie ich jetzt gehört habe, liegt die Wahrheit wohl dazwischen.

Evim Sensin – Du bist mein Zuhause – Cinemaxx, Do./Sa./So. 17:00, 20:00 und 23:00; Fr. 17:00/23:00, Mo. 23:00 und Di./Mi. 17:00 und 23:00 – Türkisches Liebesdrama um ein ungleiches Paar, dessen gemeinsames Glück bedroht wird.

Dag – The Mountain – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 22:30 – Türkischer Kriegsfilm, in dem sich zwei grundverschiedene Soldaten, die in einen Hinterhalt geraten, zwangsläufig zusammenraufen müssen.

Killing Them Softly – Schauburg, So. und Mi. jeweils 19:45 – Nach dem hochgelobten „The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“ nun die zweite Zusammenarbeit zwischen Regisseur Andrew Dominik und Brad Pitt. In diesem ebenfalls von der Kritik sehr bejubelten Gangster-Thriller spielt Herr Pitt einen skrupellosen Profikiller. Dürfte sich sehr lohnen, nach allem, was man so hört und liest.

[youtube width=“640″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=oJGfnSm7dHs[/youtube]

Joe Strummer – The Future Is Unwritten – City 46, Fr./Sa. Immer 22:30 – Dokumentation von Julien Temple (der neben legendären Musikvideos auch für die hervorragende Sex Pistols-Doku „The Filth & The Fury„, sowie den ebenso legendären „The Great Rock’n’Roll Swindle“ verantwortlich war) über den großartigen Joe Strummer (The Clash). Als großer Verehrer dieses Mannes eigentlich ein Pflichttermin für mich, vor allem, weil ich von Fans schon viel Gutes über den Film gehört habe.

We Need to Talk About Kevin – City 46, Do./Sa./Mo./Di, 18:00 und Fr./Mi. um 20:30 – Finsteres Psychodrama mit Tilda Swinton und John C. Reilly über eine Mutter, die mit ihrem scheinbar grundlos bösen Sohn nicht fertig wird. Purer Horror für angehende Eltern.

We Were Here – Do./Sa. 20:30 und Fr./Mi. um 18:00 – Doku über den Ausbruch von AIDS in San Francisco Anfang der 80er. Oscarnominierung 2012 für die Beste Dokumentation.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 03.12. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 03.12. um 21:45

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DVD-Rezension: “Parapsycho – Spektrum der Angst”

Ein Episodenfilm von 1975, der sich in drei Episoden mit paranormalen Phänomenen beschäftigt.

Ein österreichisch-deutscher Horrorfilm mit großer internationaler Besetzung? Das ging wahrscheinlich wirklich nur in den goldenen 70ern, dem Jahrzehnt, in dem filmtechnisch alles möglich war. Verantwortlich für diese Merkwürdigkeit war Peter Patzak. Patzak wurde einige Jahre später einem großen Publikum mit einer ausgesprochen schrägen, österreichischen Krimi-Serie bekannt: „Kottan ermittelt„. Diese entwickelte er zusammen mit Drehbuchautor Helmut Zenker und führte bei allen 19 Folgen (plus zwei Kinofilmen) Regie. Ferner geht der bitterböse „Kassbach – Ein Portrait“ (wieder mit Zenker, basierend auf dessen Roman) sowie der deutsche Poliziesco „Der Joker“ oder „Killing Blue“ mit Arnim Mueller-Stahl, Morgan Fairchild (!), Frank Stallone (!!) und Michael York (!!!) auf seine Rechnung. Es lohnt sich also, in Patzaks lange Filmographie einzutauchen und so manch Obskures ans Tageslicht zu befördern.

Parapsycho – Spektrum der Angst“ ist Patzaks zweiter Spielfilm. Eine Anthologie mit drei Gruselgeschichten, die von den übersinnlichen Phänomenen „Reinkarnation“, „Metempsychose“ (Seelenwechsel) und „Telepathie“ handeln. Mit dabei sind zahlreiche Lieblinge des europäischen Exploitation- und Arthausfilms der 60er und 70er: Marisa Mell (Mario Bavas „Danger: Diabolik“ und zahlreiche weitere Europloitation-Klassiker), William Berger (bekannt aus zahlreichen Italo-Western), seine Tochter Debra Berger (später in Enzo G. Castellaris Original-„Inglorious Bastards„), die schöne Mascha Gonska (gerade frisch von ihrer Rolle als Romy Schneiders Schwester in „Trio Infernal„) und Mathieu Carrière. Allein durch diese gerngesehenen Darsteller erhält der Film ein Flair, wie man es aus damaligen italienischen Produktionen kennt. Das österreichische Lokalkolorit wiederum gibt dem Film dann noch einmal eine ganz besondere Note.

Die erste Episode „Reinkarnation“, erinnert stark an die italienische Gruselfilme der 60er und 70er, insbesondere an Mario Bavas „Lisa und der Teufel„. Mit Marisa Mell ist auch ein schöner Blickfang dabei, wobei ihre Nacktszenen offensichtlich von einem Körperdouble übernommen wurden. Zu der glamourösen Mell mag Hauptdarsteller Helmut Förnbacher zunächst gar nicht passen, ist aber perfekt als Handelsvertreter besetzt, denn genauso sieht er auch aus. In einer kleinen, aber prägnanten Nebenrolle kann man sich am Wiener Leon Askin erfreuen, der es u.a. durch die US-Weltkriegs-Klamauk-Serie „Hogan’s Heroes“ zu einiger Berühmtheit brachte und später auch in Patzaks „Kottan ermittelt“ einige Male auftauchte. Die ganze Stimmung der Episode ist schön morbide, wenn auch in der Auflösung etwas schwach. Zudem nervt der Soundtrack gewaltig, denn es werden ständig die ersten Takte von „Für Elise“ wiederholt. Trotzdem ein gelungener Auftakt.

Die zweite Episode „Metempsychose“ gibt dann ordentlich Gas. Als Professor, der ein Verhältnis mit einer jungen Studentin eingeht, macht Western-Haudegen William Berger eine gute Figur. Die noch bessere Figur hat allerdings Mascha Gonska als seine junge Geliebte, was sie gerne zeigt und damit die Herzen des männlichen Publikums schneller schlagen lässt. Bergers echte Tochter Debra spielt seine Film-Tochter Debbie. Dass Berger in einer Szene von dieser, nackt wie Gott sie schuf, verführt wird und er ihr daraufhin eine saftige Ohrfeige verpasst, wirkt in diesem Zusammenhang doch etwas unangenehm. Die Episode wartet auch mit einem heftigen Stück Gore auf. Ich bin mir nicht 100% sicher, aber die hier in aller Deutlichkeit gezeigte Obduktion sieht doch schon SEHR echt aus. Da auch andere Produktionen zu dieser Zeit gerne mal Bilder echter Obduktionen einschleusten (z.B. die spanische Produktion „Der Sumpf des Raben„) gehe ich mal davon aus, dass wir es auch hier mit „the real thing“ zu tun haben. Zwar ist die Obduktionsszene wichtig für die Handlung, trotzdem hätte ich gerne drauf verzichtet.

Highlight des Filmes ist die dritte Episode „Telepathie“, in der Mathieu Carrière trotz seines schönen Engelsgesichts einen wahrhaft bösartigen und diabolischen Schurken abgibt. Auf Gore und Blut, wie in der zweiten Episode, wird hier zwar verzichtet, dafür der Nackte-Haut-Faktor noch einmal um einiges hochgefahren. Da hierfür die wunderschöne Alexandra Marischka (aka Alexandra Paszkowska aka Alexandra Drewes) zuständig ist, ist dies auch ausgesprochen begrüßenswert. Frau Marischka (damals mit Regisseur Franz Marischka verheiratet, der unsterbliche Klassiker wie „Lass jucken, Kumpel„, „Liebesgrüße aus der Lederhose“ oder „Sunshine Raggae auf Ibiza“ drehte) war als Assistentin von Vico Torriani bei „Der goldene Schuß“ und mit dem von ihr dort geprägten Satz „Der Kandidat hat 100 Punkte“ berühmt geworden. Heute arbeitet sie sehr erfolgreich als Fotografin. In „Parapsycho“ macht sie ihre Sache für eine ungelernte Schauspielerin recht ordentlich, wobei das männliche Teil Publikums eh durch ihre körperlichen Reize abgelenkt sein dürfte. Mathieu Carrière spielt die Rolle eines jungen Malers, der seine Impotenz durch absolute Kontrolle über seine weiblichen Opfer kompensiert. Er degradiert sie zu fleischgewordenen Marionetten und erniedrigt mit solch einem sadistischen Vergnügen, dass es einem eiskalt den Rücken runter läuft. Hinter dieser weichen Fassade lauert das gewissenlose Böse, welches wie ein Vampir seine Opfer aussaugt und ihre Hüllen wegwirft, wenn ihm langweilig geworden ist. Bei Carrière reicht da schon ein böses Lächeln, um ihn von einem netten Jungen in einen Teufel zu verwandeln. Das bitterböse Ende wird dieser Episode sehr gerecht.

Jahrzehnte lang war „Parapsycho“ nur sehr schwer zu bekommen. Zwar war der Film zum Anfang des Videobooms sowohl von Toppic, als auch Atlas und VMP auf VHS veröffentlicht, danach aber indiziert und nie wieder neu aufgelegt worden. Auch im Ausland gab es bisher keine weitere Veröffentlichung. Umso mehr muss man wieder einmal CMV danken, dass sie dieses obskure Juwel nun ausgegraben haben. Die schwierige Materiallage führt allerdings dazu, dass die DVD-Aufbereitung weit von dem entfernt ist, was man heute als Standard ansehen kann. Ganz offensichtlich wurde die DVD von einer alten 35mm-Kopie gezogen, die einige heftige Verschmutzungen und Abnutzungserscheinungen aufweist, insbesondere bei der letzten Episode. Ich muss aber sagen, dass mich das nicht im Geringsten stört. Irgendwie passen die Verschleißspuren bestens zum Film und lassen ein gewisses Bahnhofskino-Feeling aufkommen. Aber das mag Geschmackssache sein.

„Parapsycho – Spektrum der Angst“ ist ein obskures Stück österreichischer Filmgeschichte. Das Tempo mag für heutige Sehgewohnheiten eher niedrig sein, aber für die Freunde gepflegter Exploitationware aus den 70ern stellt „Parapsycho“ schon eine lohnende Angelegenheit dar. Insbesondere, da hier viele Lieblinge des europäischen Sensationsfilmes sich die Klinke in die Hand geben und schöne Frauen nicht mit ihren Reizen geizen. Dazu kommen einige Geschmacklosigkeiten in der zweiten Episode sowie eine rabenschwarzes Finale.

Die DVD von CMV liegt – aufgrund der oben genannten Gründe – in keiner optimalen Bildqualität vor. Davon abgesehen ist das Bild aber scharf und die Farben kräftig. Als Extras gibt es leider nur Trailer für den Film und für den österreichischen Film „Obszön – Der Fall Peter Herzl“, der aber nicht – wie man denken könnte – von Patzak, sondern von Hans-Christof Stenzel inszeniert wurde. Sieht interessant aus und wurde von CMV bereits 2010 veröffentlicht.

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