DVD-Rezension: “Grabbers”

Auf der irischen Insel Erin Island kommt es zu merkwürdigen Zwischenfällen. Menschen verschwinden und tote Wale treiben an der Küste an. Bald schon stellt sich heraus, dass tentakelreiche Aliens dahinterstecken. Der dem Suff verfallene Inselpolizist Ciarán O’Shea und seine neue Kollegin vom Festland, Lisa Nolan, entdecken durch Zufall, dass es einen wirksamen Schutz gegen die Bedrohung aus dem Weltall gibt: Unmengen Alkohol. Und so entwickeln sie gemeinsam eine wirkungsvolle Strategie: Die Inselbewohner müssen möglichst alle sturzbetrunken sein, will man eine Chance gegen die mörderischen, bluttrinkenden Aliens haben…

Dass irische Cops anders ticken, konnte man ja Anfang des Jahres bereits in „The Guard“ (ebenfalls bei Ascot Elite erschienen, Besprechung hier) erleben. Die beiden Hauptpersonen aus „Grabbers“ gehören ebenfalls der irischen „Garda“ an. Und auch der Inselpolizist O’Shea hat seine ganz eigene Auffassung von Pflichterfüllung. Die meiste Zeit ist er betrunken und trauert seiner verflossenen Liebe hinterher. Seine neue Partnerin Lisa Nolan kommt vom Festland und kann mit ihrem Alkoholiker-Kollegen zunächst nicht viel anfangen. Da wäre ich auch schon beim Hauptkritikpunkt an „Grabbers“: Er spult einfach jedes Klischee durch, welches man aus der schönen Welt der Filme kennt: Das ungleiche Cop-Pärchen, das nicht miteinander kann, dann aber lernt, sich zu respektieren (oder sich – sofern es sich wie hier um Macho-Mann und Dienstvorschriftentussi handelt – ineinander verliebt). Auch andere Handlungselemente kennt man zu Genüge: Das erste Auftauchen des Monsters im Schatten, den komisch-steifen Wissenschaftler, den versoffenen Fischer, die geheimnisvolle Höhle usw. usf. Das macht die Geschichte leider auch bis in die allerletzte Einstellung hinein arg vorhersehbar.

Wenn „Grabbers“ es also schon auf fast kriminelle Art und Weise an Originalität vermissen lässt (von der doch ganz lustigen Prämisse, sich per übermäßigem Alkoholgenuss gegen die Monster immun zu machen, mal abgesehen), so kann er aber immerhin mit einigen liebenswerten Charakteren Punkte machen. Auch die von der Kamera perfekt eingefangene Schönheit der irischen Insel weiß sehr zu gefallen. Allerdings neigt Kameramann Trevor Forrest auch dazu, auch in eigentlich ruhigen Szenen, immer mal wieder dramatische Kamerafahrten einzubauen. Diese wollen dann auch gar nicht so recht in den eher gemütlichen Film passen und wirken eher enervierend. Aber trotzdem: Mit Typen wie Lalor Roddy als kauziger Fischer Paddy, David Pearse als Pubbesitzer und Bronagh Gallagher als seine schnodderige Frau macht es Spaß, den „Eingeborenen“ beim Kampf gegen die Tentakelmonster zuzuschauen.

Die Monster wirken im Film Gottseidank auch nicht so komplett artifiziell, wie der Trailer vermuten lässt. Zwar sind vor allem die ausgewachsenen Grabber klar als CGI-Schöpfungen zu erkennen, aber zwischendurch gibt es auch noch mal klassische Gummi- und Latexarbeit, was gut tut. Zudem werden den Baby-Grabbers eigene Charaktere zugebilligt, und in einer schönen Szene im Pub führen sie sich so auf, wie weiland die allseits beliebten Gremlins. Bei der Gestaltung hat sich Shaune Harrison (der auch für die Effekte bei den letzten beiden „Harry-Potter“-Filmen und „Captain America“ verantwortlich war) zwar deutlich bei größeren Vorbildern inspirieren lassen, aber man merkt schon eine große Liebe zum Detail.

Demgegenüber bleiben die eigentlichen Protagonisten eher etwas blass, zumal sie als reine Stereotype angelegt sind. Immerhin sind sie dann doch so sympathisch, dass dies nicht allzu sehr stört. Und Ruth Bradley als Lisa Nolan ist auch hinreichend niedlich – besonders, wenn sie sinnlos betrunken ist-, so dass das Publikum durchaus bereit ist, sich um ihr Wohl zu sorgen. Man hat allerdings das Gefühl, dass der Film, würde er sich nicht allzu starr ans Einmaleins des Monsterfilms halten, sehr viel interessanter hätte ausfallen können. Auch wird die im Grunde sehr witzige und innovative Idee, dass ein ordentlicher Alkoholrausch davor schützt, nicht von den Monstern gefressen zu werden, nur halbherzig umgesetzt. In dieser Idee schlummert sehr viel mehr Potential, als von der Inszenierung ausgeschöpft wird. Zumal recht schnell feststeht, dass der Rausch zwar vor dem Gefressenwerden schützt, die Monster aber trotzdem die Menschlein ruckzuck um die Ecke bringen.

„Grabbers“ ist ein nettes, kleines Filmchen, welches recht gut die Langweile vertreiben kann, aber nicht wirklich packend oder übermäßig komisch ist. Es ist eher gemütlich-gediegen ohne große Höhepunkte, aber mit einigen nett anzuschauenden Monstern, skurrilen Typen und einer schön fotografierten Landschaft. Ideal für regnerische Sonntage, wenn im TV nichts läuft.

Als Extras liegt der Ascot-Elite-DVD  ein 12-seitiges Booklet bei, in dem ein Artikel und Interview zum Film von Nando Rohner abgedruckt wurde, der bereits im Filmmagazin „Deadline“ erschienen ist. Ein 16-minütiges „Making Of“ besteht zwar zum großen Teil aus den üblichen Lobgesängen aller Beteiligten, aber auch einigen interessanten Hintergrundinformationen. Die 25-minütigen „Outakes“ sind zwar schon fast zu viel des Guten und bestehen überwiegend aus Versprechern. Immerhin kommt die gute Stimmung beim Dreh gut rüber. Das Bild ist wie immer bei Ascot gut, der Ton bekommt aber nicht immer die Balance zwischen Dialog und Effektszenen hin. Generell ist die Originaltonspur zu bevorzugen, da hier das Lokalkolorit schön unterstützt wird. Man braucht hier allerdings auch als Englischkundiger die deutschen Untertitel, um alles zu verstehen.

DVD und BluRay erscheinen am 04. Dezember im Handel.

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