Filmbuch-Rezension: „Dario Argento – Anatomie der Angst“

Bertz+Fischer_Dario_ArgentoUm eventuelle Enttäuschungen schon im Vorfeld auszuräumen, möchte ich darauf hinweisen, dass es in dem exzellenten Buch „Dario Argento – Anatomie der Angst“ nicht um die Person Dario Argento geht, sondern allein um sein filmisches Werk. Natürlich steckt darin auch der Regisseur und Drehbuchautor Argento, aber wer sich ein Buch, welches den Untertitel „Sein Leben – seine Filme“ tragen könnte, erhofft hatte, wird zwangsläufig enttäuscht werden. „Anatomie der Angst“ ist keine Biographie und auch Anekdoten von Dreharbeiten oder gar Erinnerungen vom Maestro persönlich, sind hier nicht zu finden.

Im Mittelpunkt von „Anatomie der Angst“ stehen Argentos Filme, und wie die Opfer der unheimlichen Killer mit den scharfen Messern, die seine Werke bevölkern, werden diese von fast drei Dutzend Filmwissenschaftlern und -journalisten feinsäuberlich aufgeschnitten und in ihre Bestandteile zerlegt. Wie immer, wenn sich eine Vielzahl an Personen einem Thema widmet, sind die Beiträge sehr unterschiedlich ausgefallen und reichen von mitreißender Begeisterung (Dominik Graf) bis hin zu nahezu kryptischen, streng wissenschaftlichen Fremdwortungetümen (Ivo Ritzer). Ein kleines Manko ist es vielleicht, dass Argento nicht selber zu Wort kommt, um über seine Filme zu sprechen. Vielleicht würde dies einiges wieder relativeren, denn oftmals fällt eine Tendenz zum Überinterpretieren auf und es werden Dinge in die Filme hinein gelesen, von denen es einem sehr schwerfällt zu glauben, dass Argento sie bei den Dreharbeiten tatsächlich so im Sinn hatte. Trotzdem fördert die intensive Beschäftigung mit einem bestimmten Aspekt, wie z.B. die Kunst in Argentos Filmen oder die Bedeutung der Architektur, viele interessante Perspektiven und Einsichten zutage. Und vor allem macht es auch Lust, Argentos Filme wieder einmal zu sehen. Auch – oder vielleicht grade – sein bei den Fans sehr unbeliebtes Spätwerk.

Die Idee zu dem Buch entstand beim letztjährigen Cinestrange-Festival in Dresden, bei dem Dario Argento Stargast war und ihm eine Retrospektive gewidmet wurde. Die Laudatio – die nun in verlängerter Form die Einleitung des Buches bildet – hielt Marcus Stiglegger, der zusammen mit dem Festival-Gründer Michael Flintrop auch als Herausgeber von „Dario Argento – Anatomie der Angst“ fungiert. In der Folge lieferten dann die halbe Autorenmannschaft des legendären – und für eine ganze Generation von Filmfans prägenden – Filmmagazins „Splatting Image“ (für das auch Stiglegger schreibt), aber auch bekannte Liebhaber des italienischen „Trivialfilms“, wie der Regisseur Dominik Graf (der mit „Der scharlachrote Engel“ selber schon einen Giallo-mäßigen „Polizeiruf 110“ inszeniert hat) oder Leonard Elias Lemke, der eine regelmäßige Kolumne über italienisches Genrekino in dem Filmmagazin „Deadline“ hat, vor allem aber Geisteswissenschaftler mit unterschiedlichsten Schwerpunkten, Essays, Aufsätze und Filmbesprechungen ab. Durch diese bunte Mischung ist das Buch naturgemäß recht inhomogen, aber gerade die große Bandbreite an unterschiedlichen Autoren macht das Projekt auch sehr spannend.

Der erste Teil des Buches beginnt mit der oben angesprochen Laudatio, welche etwas über die Hintergründe von Argentos Filmen, ihre Einordnung in den filmgeschichtlichen Kontext und Argento selber berichtet. Man merkt deutlich, dass der Text ursprünglich als Laudatio – also Lobrede zur Ehren einer Person – gedacht war, denn an einigen Stellen droht sich dadurch der Beigeschmack unkritischer Heldenverehrung breitzumachen. Doch davon abgesehen, eignet sich der Text sehr gut, den Leser auf den Weg zu schicken, die filmischen Welten des Dario Argento zu entdecken.

Kunstwissenschaftlerin Joanna Barck schreibt dann zunächst über die Rolle, die Gemälde und Kunstgegenstände in Argentos Werk einnehmen. Dies ist sehr interessant und nachvollziehbar, nur wenn Frau Barck anfängt, dies auch noch psychoanalytisch zu fundamentieren, ist dies ein wenig zu viel des Guten und führt in Sphären, denen man nicht mehr so recht folgen mag. Theaterwissenschaftler Jörg von Brincken zeigt die Verbindung zwischen Argentos Filmen und dem legendären Grand Guignol Theater in Paris auf, dessen Geschichte er auch näher ausführt. Um Räume und die Architektur in Argentos Filmen geht es bei Johannes Binotto. Ein sehr interessanter Artikel, der noch einmal den Blick auf das unheimliche und durchdachte Set-Design bei Argento schärft.

Dr. phil. Ivo Rizer beschäftigt sich mit „Genre und Gender bei Dario Argento“. Ein spannendes Thema, welches hier leider mit einer derart hochgestochenen Wissenschaftssprache abgehandelt wird, dass man selbst als Absolvent eines eines anderen Studienzweiges oftmals das Wörterbuch zu Rate zieht, oder glaubt ein Medientheoretisches Studium absolvieren haben zu müssen, um den Text nachvollziehen zu können. Das macht ein flüssiges und genussvolles Lesen recht unmöglich und nervt auch schnell. Als rein wissenschaftliche Arbeit sicherlich ohne Fehl und Tadel, aber man sollte zur Diskussion stellen dürfen, ob man in einem Buch, welches sich auch an Leser wendet, die nicht in dem selben Fachbereich wie Dr. Rizer habilitiert haben, diesen ständig solche Satzungetüme wie „…,wie es sich geradezu paradigmatisch ausnimmt für Mechanismen der Doppelcodierung im postklassischen Kino. Derselbe Signifikant besitzt multiple Signifikanten, er produziert mehrere Bedeutungsketten, die eine semantische Ambivalenz auslösen, um mit de Genrebewusstsein zu spielen“ zumuten muss. Schade um das interessante Thema.

Demgegenüber versöhnt Dominik Grafs leidenschaftlicher Artikel über die Musik in Argentos Filmen. Wer Grafs Buch „Es schläft ein Lied in allen Dingen“ gelesen hat, weiß bereits, wie begeisternd Graf über Filme schreibt. Der Titel seines Textes „Der wildeste Rausch von allen“ gibt das gut wieder. Folgerichtig gibt es darauf ein (leider recht kurzes) Interview von Marc Fehse mit Claudio Simonetti, der zu insgesamt 13 Argentos die Filmmusik, allein oder mit der Gruppe „Goblin“, beigesteuert hat.

Sebastian Selig begibt sich auf die Spur von Argentos Meisterwerk „Suspiria“, besucht die Drehorte in München und Freiburg und vergleicht einst mit jetzt. Ein schöner, gut zu lesender Text, der allerdings etwas nach Füllmaterial aussieht, da er sich im Gegensatz zu den andern Essays, nicht tiefer mit einem besonderen Aspekt Argentos Arbeit widmet. Der Text wurde auch in der „Splatting Image“ wiederverwendet und die Vermutung liegt nahe, dass er ursprünglich auch dafür geschrieben wurde, da er im Buch wie ein Fremdkörper wirkt.

Der Journalist Ingo Knott räumt, indem er beide Regisseure gegenüberstellt, mit dem Vorurteil auf, Argento wäre ein „Schüler“ des großen Mario Bava. Etwas, was Argento scheinbar auch selber immer vehement – und in jüngerer Zeit immer verärgerter – bestritten hat. Ein anderer Regisseur mit dem Argento häufig – und das nicht ganz zu unrecht – verglichen wird, ist Brian de Palma. In einem der schönsten Artikel des Buches, vergleicht Medien – und Literaturwisenschaftler Heiko Nemitz die unterschiedlichen Herangehensweisen der Beiden an ihre Themen und entdeckt dabei sowohl Gemeinsamkeiten, wie auch bedeutende Unterschiede. Zudem führt er an die Wurzeln ihrer Filmleidenschaft und betont, dass Argento zwar – wie de Palma – immer mit Hitchcock in Zusammenhang gebracht wird, seine Wurzeln aber bei Lang und Antonioni liegen. Der Text macht nicht nur Lust auf Argentos Filme, sondern auch auf eine Neuentdeckung von De Palmas Werken.

Filmwissenschaftler Harald Steinwender wiederum widmet sich einem in der Regel leider wenig beleuchteten Kapitel, nämlich Argentos, zumeist im Italo-Western verorteten, Drehbucharbeiten für andere Regisseure. Zu guter Letzt informiert Mit-Herausgeber und Cinestrange-Gründer Michael Flintrop – der „im wahren Leben“ als Strafverteidiger arbeitet – nicht nur über die Probleme, die Argentos Filme mit den deutschen Behörden hatten, sondern gibt auch einen fundierten und interessanten Einblick in die, gerade in der Vergangenheit oftmals willkürliche, Praxis der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.

Im zweiten Teil des Buches werden sämtliche Filme, bei denen Argento als Regisseur tätig war – dies umfasst auch seine TV-Arbeiten – vorgestellt und analysiert. Dabei wird mir für meinen Geschmack vor allem in den späteren Filmen teilweise etwas zu unkritisch mit dem Gegenstand der Betrachtung umgegangen und scheinbare Schwächen als gewollte Mittel des Regisseurs interpretiert, sich durch das Unterlaufen von Erwartungen, aus dem Korsett der eigenen ruhmreichen Vergangenheit zu befreien und dabei das Genre bewusst zu dekonstruieren. Hier könnte sich der Verdacht einschleichen, dass hier krampfhaft nach Elementen gesucht wurde, die durch eine Überhöhung aus einem eher misslungen, dann doch noch ein gelungenes Werk gemacht wird. Interessant ist an dieser Stelle z.B. der Text von Beatrice Behn über den bis dato letzten Argento-Film “Dracula 3D“, den man mit jenem vergleichen kann, den sie auf kino-zeit.de zum selben Film geschrieben hat. Während sie dort recht deutlich mit dem Film abrechnet, wird im Buch daraus die Intention Argentos, eine Persiflage abzuliefern und alles nicht ernst, sondern ironisch zu meinen. Etwas, was sich aus Argentos eigenen Äußerungen zum Film, nicht unbedingt herauslesen lässt. Hier wäre es vielleicht angebracht gewesen, auch einmal auf die Schwächen und Missratens hinzuweisen, wie es z.B. Ulrich von Berg seiner Analyse von „Torn Curtain“ in dem ebenfalls bei Bertz+Fischer erschienen Buch über Alfred Hitchcock getan hat.

Ebenfalls schade ist es, dass Jochen Werners Analyse zu „Giallo“ nun schon die dritte Auswertung des Textes darstellt, nachdem er bereits in der „Splatting Image“ und im Internet auf f.lm – Texte zum Film erschienen ist. Hier hätte man vielleicht darüber nachdenken können, einen frischen Text von einem anderen Autoren zu nehmen. Aber dies sind nur kleine Kritikpunkte an einem ansonsten rundum gelungenen Projekt, welches einerseits wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, als auch den interessierten Laien und Filmfreund wertvolle Denkanstöße und spannende Blickwinkel auf das Werk eines der interessantesten (und in der „seriösen“ Filmwissenschaft schmerzlichst unterschlagenen) Regisseure offenbart.

Eine umfangreiche Filmo- und Biblographie runden diese vorbehaltlos empfehlenswerte Veröffentlichung des Bertz+Fischer-Verlages ab. Das Werk hat 304 Seiten und 204 schwarz-weiß Abbildungen. Es ist zum Preis von Euro 25,00 erhältlich, und wer etwas Gutes tun möchte, bestellt es direkt beim Verlag und umgeht damit die hohen Provisionen, die Amazon & Co einsacken, und die am Ende diesem kleinen Verlag fehlen.

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DVD-Rezension: “Flesh+Blood”

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Westeuropa, 1502: Nachdem Arnolfini (Fernando Hilbeck) mit Hilfe von Söldnern seinen ehemaligen Besitz wieder in seine Gewalt bringen konnte, zwingt er den Anführer der Söldner, Hawkwood (Jack Thompson) , diese zu verraten und aus der Festung zu treiben. Aus Rache überfallen einige der Söldner, unter der Führung von Martin (Rutger Hauer), eine Eskorte. Dabei verletzten sie Arnolfini schwer und entführen unwissentlich die hübsche Agnes (Jennifer Jason Leigh), die Arnolfinis Sohn Steven (Tom Burlinson) heiraten sollte. Steven beginnt, zusammen mit dem widerwillig folgendem Hawkwood, die Söldner durch das pestverseuchte Land zu jagen. Diese erobern eine Burg und schwelgen im erbeuteten Luxus. Agnes hingegen muss sich ihrer Haut wehren und tut dies, indem sie Martin verführt. Doch liebt sie ihn wirklich, oder versucht sie nur zu überleben? Währenddessen nähern sich Steven und seine Männer der Burg…

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Als ich das erste Mal „Flesh+Blood“ sah, hatte mich der Film nachhaltig beeindruckt. Insbesondere die Szenen mit der Alraune und dem pestverseuchten Hundekadaver im Brunnen hat mich lange beschäftigt. Paul Verhoevens Intention, keine romantisierte Version des Mittelalters zu zeigen, sondern den Schmutz, die Unmoral und die Gewalt, war voll aufgegangen. Verhoevens Filme haben immer eine sehr brachiale Wucht, was auch für „Flesh+Blood gilt, der allen Hollywood-Konventionen mit Schmackes gegen das Knie tritt. Da sterben Kinder und Hunde, die hübsche Hauptdarstellerin zeigt sich mit Vorliebe nackt, die Menschen sind nicht schön, die „Helden“ vergewaltigen und morden Unschuldige. Unter den nominellen Helden gibt es ein homosexuelles Pärchen, was angenehmerweise gar nicht spekulativ, sondern völlig normal in Szene gesetzt wird. Allerdings ist Verhoeven auch nicht der erste, der das Mittelalter auf diese Art und Weise porträtiert. Das hatten vor ihm schon Monty Pythons mit „Ritter der Kokosnuss“ und nochmal Terry Gilliam mit „Jabberwocky“ getan. An diese Filme erinnert „Flesh+Blood“ dann auch irgendwie, ist ihnen gegenüber aber bitterernst und äußerst brutal in Szene gesetzt.

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Ist der Film aber gut gealtert, und besitzt er immer noch seine Sprengkraft wie früher? Bedingt. Mittlerweile haben ja beinahe alle Filme, welche im Mittelalter spielen, den Anspruch eben dieses besonders dreckig und grausam zu zeigen. Auch wenn heute kaum jemand auf den Gedanken kommen würde, eine Liebesszene vor den zerfetzten Kadavern zweier Gehenkten zu inszenieren, so wie Paul Verhoeven es hier tut. Auch muss man sagen, dass die handelnden Personen noch immer einen Tick zu sauber und gut aussehen. Doch für die Zeit, in der „Flesh + Blood“ entstand, war diese Inszenierung durchaus ein Novum, auch wenn – wie bereits geschrieben – Terry Gilliams frühe Mittelalter-Komödien „Flesh+Blood“ in Punkto Hässlichkeit, Dreck und Scheiße weit übertrafen. Auch die Brutalität wirkt heute nicht mehr ganz so brachial, wie beim ersten Mal. Obwohl Verhoeven sie ohne jegliche Zurückhaltung filmt und Gewalt erschreckend beiläufig eingesetzt wird. Auch hier ist man heute – auch durch Verhoevens spätere Filme – anderes gewohnt. Doch in Zusammenspiel all dieser Elemente weiß „Flesh+Blood“ noch immer zu packen, auch wenn die einzelnen Teile für sich genommen, vielleicht nicht mehr so grenzüberschreitend wirken, wie noch vor 30 Jahren.

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Dafür sind die Anspielungen, die Verhoeven einbaut, noch immer aktuell. So kleiden sich Martins Männer allesamt in kommunistisches Rot, um ihre Gleichheit hervorzuheben. Doch schon bald versucht jeder Erster unter Gleichen zu werden. Vor allem Martin macht kein Hehl daraus, dass er sich als Anführer der unterprivilegierten Truppe sieht. So streift er dann bei der erstbesten Gelegenheit mit den lakonischen Worten, seine Kleidung wäre schmutzig geworden, das Rot ab, um im strahlendem Weiß seine Einzigartigkeit zu betonen. Die Heuchelei der Kirche wir durch den leicht irre wirkende Geistlichen verkörpert, der keine Skrupel kennt, den Gegner wie Vieh abzuschlachten und dabei noch fromme Worte auszustoßen. In allem und jeden sieht er ein Zeichen Gottes, wodurch er die Gruppe nach seinem Gutdünken lenken kann und hofft, Martin zu seiner Strohpuppe machen zu können. Ihm stellt Verhoeven den jungen, idealistischen Steven entgegen, der an die Wissenschaft glaubt, dessen skurrilen Erfindungen mehr Unglück als Gewinn bringen. Beide Seiten, Wissenschaft und Kirche, bringen niemanden voran und führen nur in die endgültige Niederlage. Erst als sich Steven in eine geschundenes Tier verwandelt, seine hehren Ansprüche ablegt und allein seinem Instinkt folgt, kann er etwas ändern.

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Unter den Schauspielern zeigt Jennifer Jason Leigh eine starke Leistung. Nicht nur wird ihr von Verhoeven so einiges abverlangt, sie muss auch einen Großteil der Zeit ihre Rolle im Evas-Kostüm spielen. Doch dies tut sie mit einer großen Natürlichkeit und Ambivalenz. Einerseits zuckersüß und naiv, kann sie im Bruchteil einer Sekunde in bösartig und durchtrieben wechseln. Nie kann man sich wirklich sicher sein kann, woran man bei ihr ist. Hat sie sich tatsächlich in den rücksichtslosen Abenteurer Martin verliebt, oder tut sie nur so und leidet still, um ihr Leben zu retten? Im Inneren weiß sie es wohl selbst nicht so genau, und gerade diese Zerrissenheit bringt Leigh durch ihr Schauspiel wunderbar zum Ausdruck. Demgegenüber wirkt Rutger Hauer in der Rolle des Martin eher gelangweilt. Oftmals hat man das Gefühl, dass er auf Autopilot spielt und an der Motivation seiner Figur nicht wirklich interessiert ist. Es fällt auch auf, wie uneinheitlich Martin inszeniert ist. Mal eindeutig Held und selbstsicherer Haudrauf, mal wieder niederträchtiger Schurke. Besonders deutlich wird dies dann im Schlussbild, welches sich nicht wirklich in die zuvor gezeigten Szenen einfügen möchte. Vielleicht liegt diese Inkonsequenz in der Inszenierung auch an dem großen Streit, den er mit Verhoeven über den Film führte und der die Partnerschaft so stark beschädigte, dass sie nach fünf gemeinsamen Filmen, nie wieder zusammen arbeiteten.

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Zwei weitere Faktoren arbeiten gegen den Film und Verhoevens Plan ein realistisches Bild des Mittelalters zu zeigen. Einmal wenn Steven für seine Befreiung so mir nichts, dir nichts einen Blitzeinschlag nutzt (wahrscheinlich gewinnt er ebenso spielend auch im Lotto) und dann die überdramatische Musik des großen, und leider viel zu früh verstorbenen, Basil Poledouris, die in der Tat so stark an den parodistisch-pathetischen Soundtrack von „Ritter der Kokosnus“ erinnert, dass es schwer fällt, bei den Schlachtszenen nicht zu grinsen. Schade auch, dass Verhoevens ursprüngliche Intention, den Film um die verratene Freundschaft zwischen Martin und dem von Jack Thompson souverän gespielten Hawkwood kreisen zu lassen, aufgrund Intervention der Produktionsgesellschaft, nicht realisiert wurde. Dies ist nur noch in rudimentärer Form zu erahnen und allein aus dem Grunde traurig, als das Hawkwood neben Agnes die interessanteste Figur des Filmes ist und ein weitaus größeres Potential mitbringt, als in dieser finalen Version von „Flesh+Blood“ genutzt wird. Vielleicht liegt es auch in diesem frühen Einmischen der Produktion, die darauf bestand, die Liebesgeschichte in den Vordergrund zu rücken, dass die Figur des Martin so inkonsequent gezeichnet ist.

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Doch sieht man von diesen Schwächen ab und betrachtet „Flesh + Blood“ im Kontext seiner Zeit, macht es große Freude Verhoeven dabei zuzusehen, wie er auf unkonventionelle Art auf Moral und „political correctness“ pfeift. Zusammen mit Jenifer Jason Leighs schauspielerischen Leistung und der Fülle an guten Ideen, wirkt „Flesh + Blood“ noch immer kräftig und unterhaltsam. Es ist ein typischer Verhoeven und ein wichtiges Puzzleteil auf seinem Weg von Holland nach Hollywood und zurück. Getragen wird der Film auch von Jan de Bonts dynamischer Kamera, die den Bildern eine ganz eigene Wucht verleiht.

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Die DVD aus dem Hause Koch Media hat zwar kein brillantes, aber auch kein schlechtes Bild, was den rauen Charakter des Filmes betont. Der Original Stereo-Ton ist in HD remastert. An Extras muss der Käufer der normalen DVD mit dem Audiokommentar des Regisseurs vorlieb nehmen. Wer allerdings das dreifache investiert, kann mit dem Media-Book glücklich werden, welches den Film auf DVD und Blu-ray enthält (eine absolut schwachsinnige Kombo, da der Blu-ray-Besitzer die DVD als Bierdeckel nehmen kann und, wer nur einen DVD-Player sein eigenen nennt, nichts mit der Blu-ray anfangen kann). Ferner enthält das teure Mediabook noch eine Bonus-DVD, die mit tonnenweise interessanten Extras gefüllt ist.

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Originalfassungen in Bremen: 05.09.13 – 11.09.13

Die aktuelle Woche finde ich persönlich jetzt recht fade. Bis auf den japanischen Klassiker im City 46 lockt mich jetzt nichts hinter dem Ofen hervor. Die Action-Fans werden aber sicherlich froh sein, dass das Cinemaxx Roland Emmerichs „White House Down“ zeigt. Übrigens: Wie schon bei „Das Bloggen der Anderen“ erwähnt, wird es die nächsten drei Wochen keine Übersicht der O-Fassungen geben. Ich habe Urlaub und gönne es mir dort, keine regelmäßigen Rubriken zu führen, sondern nur etwas online zu stellen, wenn ich dafür Zeit und Muße habe. Ansonsten wird sich jetzt erst einmal ganz auf die Familie konzentriert. Ab dem 26. geht es dann aber wieder weiter mit den wöchentlichen Übersichten.

White House Down – Cinemaxx, Do.-Sa./Mo./Di. immer 19:45 – Die Roland-Emmerich-Version des „Das-Weiße-Haus-wird-angegriffen“-Themas, welches bereits Antoine Fuqua in „Olympus Has Fallen“ verwurstet hat. Der Emmerich soll aber demgegenüber der besser Film sein, wenn man auf so etwas steht.

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Wir sind die Millers . Cinemaxx, So. 08.09. um 19:45 – US-Komödie um einen kleinen Dealer, der in Schwierigkeiten gerät und deshalb nun eine Ladung Marihuana über die Grenze schmuggeln muss. Dabei tarnt er sich mit einigen Mitstreitern als Familie. Höhepunkt im Trailer: Jennifer Aniston als Stripperin, die die Mutter mimen muss.

Vijay & Ich – Meine Frau geht fremd mit mir – Schauburg, So. 08.09. um 21:00 – Belgische Komödie, die in den USA spielt und um einen deutschen Auswanderer geht. Moritz Bleibtreu spielt diesen, der nach einem Autounfall für tot gehalten wird und in Verkleidung eines indischen Gentlemans seiner eigenen Ehefrau – immerhin Patricia Arquette! – schöne Augen macht.

The Look of Love – Schauburg, Mi., 11.09. um 19:30 – Der neue Film von Michael Winterbottom ist – wie sein Durchbruch „24 Hour Party People“ – das Biopic über eine britische Szenefigur. Hier geht es um Paul Raymond, dem König von Soho, der in den 60ern ein Nachtclub und Porno-Imperium aufbaute. Im „Weser Kurier“ wurde der Film abgefeiert, auf Spiegel Online in der Luft zerrissen.

Mr. Morgan’s Last Love – Gondel, 8.9. um 18:45 – Eine Liebesgeschichte, die Sandra Nettelbeck mit dem großen Michael Caine gedreht hat. Er spielt einen Amerikaner in Paris, der seit sich seit dem Tod seiner Frau von der Welt zurückgezogen hat. Die Begegnung mit der jungen Pauline (Clémence Poésy) reißt ihn aus seiner Lethargie.

Portugal Mon Amour – Gondel, Mo., 09.09. um 14:45 – Maria und José sind zwei herzensgute und bei den Nachbarn ausgesprochen beliebte Menschen. Als das Paar ein Haus eines Tages in ihre portugiesische Heimat zurückkehren möchte, setzen Freunde und Bekannten alles daran, ihnen den Abschied so schwer wie möglich zu machen.

Oben ist es still – City 46, Do.-So. und Mi. immer 20:30 – Niederländischer Film um einen Bauern, der an seinem 50. Geburtstag den bettlägerigen Vater ins Obergeschoss verbannt und das Haus neu renoviert. Als der pubertierende Sohn seines Verstorbenen Zwillingsbruder hinzu kommt, spannt sich die Situation an.

Dharavi, Slum for Sale – City 46, Do.+Mi. immer 20:00 – Doku über den größten Slum der Asiens Dharavi, der Mitten in der 20 Millionen Metropole Mumbai liegt.

Okoto und Sasuke – City 46, Di., 10.09. um 20:30 – Japanisches Drama von 1935 um eine blinde Musikerin, die zur Lehrerin und Geliebten ihres Hausdieners wird. Eintritt frei!

Rivers and Tides – City 46, Sa./So. um 18:00 und Mo. um 20:30 – Doku über den Künstler Andy Goldsworthy.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 09.09. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 09.09. um 21:45

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Das Bloggen der Anderen (02-09-13)

bartonfink_type2– Renate Kochenrath war für screenshot war beim 48. Karlovy Vary International Film Festival (KVIFF) in der Tschechischen Republik und ihr Bericht zeigt auf, dass dieses Festival weitaus spannender ist, als so manch anderes, sogenanntes A-Festival.

– Und wo wir schon in Tschechien sind. Robin Schröder hat auf Mise en cinema den absolut empfehlenswerten und sehr unbequemen „Leichenverbrenner“ von Juraj Herzl besprochen.

– Wie bereits vielfach erwähnt, hege ich eine besondere Vorliebe für die Artikel und Texte von Rainer Knepperges. Jetzt ist wieder einer auf new filmkritik veröffentlicht. Thema: Karten und Pläne. Und demnächst gibt es auch einen zweiten Teil, worauf ich mich schon freue.

– Als ich vor langer Zeit „Die Klette“ mit Franco Nero sah, war ich ziemlich geplättet. Ein sperriger und böser Film, der lange nachhallt. Udo Rotenberg bespricht „Un detective“ auf L’amore in città.

– Alex Klotz hat auf Hard Sensations in letzter Zeit einige wunderschöne und interessante Filme aus Belgien ausgegraben. Diesmal ist er allerdings über einen kleinen Stinker namens „The Antwerp Killer“ gestolpert, für den sich die Antwerpener wohl eher schämen. Ferner: Joris Julius-Sabinus macht auf die Doku „Britney: For the Record“ aufmerksam, die man noch vor Kurzem auf der Arte Mediathek anschauen konnte.

– In dem Interview mit Sascha Imme von OFDb filmworks wurde ja schon erwähnt, dass das Label mit dem Fim „Cold Blooded“ auf dem Fantasy Filmfest vertreten ist. Auf screen/read ist nun eine recht enthusiastische Review zu lesen.

– Ebenfalls auf dem Fantasy Filmfest läuft der neue Film von Ari Folman. „The Congress“, basierend auf Stanislaw Lems „Der futurologische Kongress“. In zwei Wochen kommt er auch regulär in die Kinos und cutrin von Filmosophie hat ihn gesehen.

– Fantasy Filmfest zum Dritten. Würde der neue Film von Ben Wheatley „A Field in England“ nicht demnächst schon auf DVD veröffentlicht werden, wäre er einer der Favoriten für unser Phantastival Bremen im Dezember gewesen. Wenn man die Besprechung auf Going to the Movies liest, dann wäre das wohl auch eine gute Entscheidung gewesen. Apropos Filmfestivals in der Nähe: Das in Oldenburg steht vor der Tür. Letztes Jahr hatte ich mich dabei in Quentin Dupieuxs „Wrong“ verliebt, der jetzt – ein ganzes Jahr später – auch auf dem Fantasy Filmfest lief. „Going to the movies“ hat ihn auch gesehen und ist ebenfalls hellauf begeistert.

– Sascha hat auf PewPewPew schon einige schöne SciFi-Kurzfilmen vorgestellt. Als Nachklapp gibt es jetzt „The Rising“ von Sebastian Mattukat zu sehen. In Hinblick auf unseren Kurzfilm-Block beim Phantastival, habe ich schon mal den Bleistift gezückt.

– Interessant und sehr informativ: Die große Kino-Vorschau für den Herbst 2013 auf Der Kinogänger.

– Beruflich habe ich eine ganze Menge mit Analysen und Statistiken zu tun. Deshalb finde ich die bisherige Jahresbilanz der Filmförderanstalt, die Gerold Marks auf Digitale Leinwand kommentiert, äußerst interessant.

Was steckt hinter dem großen Hype um den Bollywood-Kassenschlager „Chennai Express“? Michael Schleeh bringt auf Schneeland Licht ins Dunkel.

– Wer unter den Bremern den Abschlussfilm unserer letztjährigen „Weird Xperience“-Staffel verpasst hat, kann sich nochmal ordentlich ärgern, wenn er Hoffmans Besprechung von Cronenbergs „Parasiten-Mörder“ auf Drei Cineasten liest.

– Martin Beck von Reihe Sieben hat im Netz die komplette „Spider-Man“-TV-Serie aus Japan entdeckt, die ziemlich durchgeknallt und garantiert nicht von Marvel Comics autorisiert ist.

– In der letzten Ausgabe hatte ich auf eine Besprechung eines späten Films von Seijun Suzuki, „Zigeunerweisen“, hingewiesen. Diesmal bespricht Lukas Foerster auf Dirty Laundry die, unmittelbar vor seinen bekanntesten Werken entstandenen, Suzuki-Filme „Carmen from Kawachi“ und „Tattooed Life“.

– Dass „Blut an den Lippen“ zu meinen Lieblingen gehört, habe ich schon an der einen oder anderen Stelle erwähnt. Und meine eigene Review des Filmes gehört zu den wenigen, mit denen ich sehr zufrieden bin. Für Negativ hat sich Michael Brodski diesem Meisterwerk noch einmal von verschiedenen Seiten aus genähert. Desweiteren berichtet Rüdiger Suchsland vom Filmfestival in Venedig und beginnt seinen Report mit eine interessanten Rückblick auf die Geschichte des Festivals. Seine Besprechung über den Eröffnungsfilm „Gravity“ sollte man sich aber sparen. Zwar findet er ihn trotz zahlreicher Bedenken, nicht wirklich schlecht – kann es sich aber nicht verkneifen erst einen fetten Spoiler einzubauen und dann noch das Ende zu verraten. Danke, Herr Suchsland.

– Man ist nie zu alt, um noch etwas dazu zu lernen. So war mir bis heute nicht klar, dass Terence Malicks „The Thin Red Line“ einerseits auf einem Roman des „Verdammt in alle Ewigkeit“-Autoren James Jones beruht und andererseits bereits 1964 schon mal verfilmt wurde. Damals unter der Regie von Andrew Malton und mit Keir Dullea in der Hauptrolle. In Deutschland lief dieser Film unter dem Titel „Sieben Tage ohne Gnade“. David hat nun auf Whoknows presents einen langen Aufsatz über diesen Film geschrieben und dabei der Versuchung widerstanden auch nur einmal den Namen Malick fallen zu lassen oder auf dessen Version einzugehen. Warum auch? Es geht ja ausschließlich um die Version von 1964 und nicht um die 30 Jahre später entstandene Adaption.

Und zum Schluss noch eine persönliche Mitteilung. In den nächsten drei Wochen wird es voraussichtlich kein „Bloggen der Anderen“ geben. Ich gönne mir einen etwas längeren Urlaub, den ich hauptsächlich der Familie – von einem kurzen Abstecher zum Internationalen Filmfestival in Oldenburg abgesehen – widmen werde. Vielleicht werde ich in der Zeit hier und da ein Review schreiben oder einen anderen Text hochladen, aber wenigstens für drei Wochen möchte ich mich aus dem engen Korsett der regelmäßigen Beiträge  befreien und wirklich nur dann was schreiben, wenn ich gerade Lust und Zeit habe. Danach geht es dann aber wie gewohnt weiter.

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DVD-Rezension: „Zur Sache, Schätzchen“

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Der Schlagertexter Martin lebt in den Tag hinein und lässt sich noch nicht einmal durch einen Einbruch im Elektrogeschäft gegenüber aus seiner exzessiv ausgelebten Ruhe bringen. Sein Freund Henry (Henry van Lyck), ein erfolgloser Schauspieler, versucht Martin aus seiner scheinbaren Lethargie zu reißen und ihn überreden, einerseits als Zeuge für den Einbruch bei der Polizei auszusagen, und endlich die versprochenen Schlagertexte für Viktor Block (Helmut Brasch) zu schreiben, damit die Beiden an ein wenig Geld kommen. Martins Freundin Anita (Inge Marschall) wiederum, verlangt von ihm sich endlich mit ihr zu verloben. Aber Martin interessiert das alles nicht. Lieber treibt er sich mit der gutbürgerliche Barbara (Uschi Glas) herum, die er zufällig im Freibad kennengelernt hat.

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Zur Sache, Schätzchen“ lässt den Filmfreund mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Lachend, weil man sich darüber freut, wie luftig leicht, unangestrengt und anarchistisch dieser Film gemacht ist. Weinend, weil man sieht, was damals im deutschen Film möglich gewesen war, aber dann aus den Augen verloren wurde. „Zur Sache, Schätzchen“ hätte der Startschuss zu einem populären, verspielten neuen deutschen Film sein können. Stattdessen ging bei den jungen, talentierten Filmemachern die Tendenz dann zu kopflastigen, schweren Filmen. Häufig mit Bauchnabelschau und gesellschaftskritischer Grundierung. Natürlich ist auch Fassbinders ein Jahr später entstandenes Debüt „Liebe ist kälter als der Tod“ verspielt und kokettiert flott mit Genre-Konventionen und Verweisen. Aber doch ist es mehr ein intellektuelles, kopfgesteuertes Spiel, während „Zur Sache, Schätzchen“ ganz aus dem Bauch heraus entstanden zu sind scheint. Um einen Vergleich mit der Nouvelle Vague – in die dieser Film auch bestens passen würde – anzustellen, wirkt „Schätzchen“ wie Truffaut, während der Rest der deutschen Filmemacher sich doch eher von Godard inspirieren ließen. Schade, Platz wäre doch für beide gewesen.

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Dessen Credo, das alles politisch sei, kann man auch auf „Schätzchen“ anwenden, denn Martin rebelliert auf seine Weise auf die Zwänge der Gesellschaft. Er weigert sich standhaft, mitzuspielen und seine Freiheit aufzugeben. Dabei wirft er allerdings keine Bomben und geht nicht auf die Straße, wie es seine Generation in diesem heißen Sommer 1968 tat. Er bleibt im Bett und tut nichts. Weil es das ist, was er will – und das, was nicht akzeptiert ist. Weder von den Alten, die von ihm erwarten zu arbeiten, noch von den Jungen, die gegen den Staat kämpfen wollen, und von ihrer Generation verlangen dabei mitzumachen. Doch Martin entzieht sich all diesem. Er lebt in den Tag und genießt seine totale Freiheit. Auch seine Freunde wollen ihn dazu bringen „zu funktionieren“. Henry, der verzweifelt versucht, ihm zur Arbeit zu zwingen oder zumindest doch das zu tun, was die Gesellschaft von ihm erwartet. Oder seine Freundin Anita, die ihn in den Ehekäfig zwängen will. Natürlich sind die Bemühungen der Beiden bei Martin vollkommen zwecklos, und darauf zieht der Film auch ein Teil seiner Komik.

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Zwar wird „Schätzchen“ immer als Komödie vermarktet, doch das ist er natürlich nicht. Es ist das Portrait eines völlig frei lebenden Individuums, welches sich nichts vorschreiben lassen möchte. Noch nicht einmal, wann es morgens aus dem Bett aufzustehen hat. Und aus dem Zusammenprall von Ordnung und Verantwortung mit dem anarchistischen Martin entstehen ulkige Szenen, wie die großartige Sequenz, in der Martin zunächst aus einem Polizeirevier flüchtet, um dann gleich in einer unglaublichen Verkleidung mit langem Mantel und falschen Bart am Gummiband zurückzukehren, und seinen Freund vor die Tür zu ziehen. Dort angekommen flüstert er ihm ins Ohr, dass man sich jetzt ganz unauffällig benehmen müsse nur um danach in einem wunderbar grotesken Lauf – der aus monty-pythonischen „Mininsty of Silly Walk“ stammen könnte – eben diesen Rat ad absurdum zu führen. Diese Szene strahlt so viel Witz, pure Freude und Lust am Leben aus, dass man einfach mitlächeln muss,

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„Schätzchen“ war auch der Film, der Uschi Glas zum Star machte. Nun muss man sagen, dass sie im „Schätzchen“ die Rolle des süßen Mädchens aus gutem Hause perfekt ausfüllt. Doch man merkt gleich, dass ihre Barbara nicht bei Martin bleiben kann. Dafür sind die Beiden doch viel zu verschieden. Dennoch bereitet es große Freude dabei zuzusehen, wie Barbara zumindest für 24 Stunden aus ihrem gutbürgerlichen Alltag ausbricht und gemeinsam mit Martin für kurze Zeit die Utopie lebt, dass alles leicht und unbeschwert ist. Dass die Welt denjenigen gehört, die einfach das tun, was ihnen Spaß macht. Bedenkt man, wie sehr die Glass mit dem „Schätzchen“ identifiziert wurde, und noch immer wird, überrascht es, wie wenig sie im Film zu sehen ist. Für ihren Ruhm ist neben ihrer natürlichen, liebenswerten Ausstrahlung natürlich ihr berühmter (harmloser) Strip in der Polizeiwache verantwortlich. Hier spielt sie Martins Spiel einfach einmal mit, und tatsächlich hat man ein Gefühl, dass von nun ab alles möglich ist. Auch ein Happy End zwischen den Beiden oder zumindest ein langer Moment des Glücks.

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Auch sonst wird die Atmosphäre der späten 60er in Schwabingen – zumindest so, wie ich sie mir vorstelle – hervorragend eingefangen. Figuren wie den „Verkäufer von Ideen“ Brock mit seiner eigenen primitiven Wasserskianlage, der erfolglose Schauspieler Henry und die ganze Clique, die auf hippen Partys rumhängt, kann man sich gut als Spiegelbild realer Personen vorstellen. Interessant auch, dass es nie dazu kommt, dass Martin in diesen Szenen auftaucht. Er bleibt ganz in seiner eigenen Welt, während seine Freunde sich abrackern, in der Schickeria ihren Mann oder ihre Frau zu stehen. Was zeigt, dass Martin nicht nur eine Abwehrhaltung gegenüber bürgerlichen Zwängen, sondern auch denen der sogenannten Szene aufgebaut hat,. Etwas, was heute noch einigen Leuten sehr gut tun würde. Martin lässt sich von niemanden bevormunden und tut auch niemandem weh (abgesehen von einige zerbrochen Herzen).

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Viel, sehr viel wurde im Vorfeld damit Werbung gemacht, dass das Filmmaterial unter. Hohem Aufwand und mit Hilfe staatlicher Geldern restauriert wurde. Leider muss man sagen, auch etwas kaputt restauriert. Das originale Format von 1:1,33 wurde „HD-Bildschirm-kompatibel“ auf 1,78 beschnitten, was zur Folge hat, dass häufig die oberen Teile der Köpfe beschnitten werden oder das Bild insgesamt etwas zu „eng“ und beinahe klaustrophobisch wirkt. Grund hierfür war der Wunsch Werner Enkes, auf jeden Fall sicherzustellen, dass in der letzten Szene ein sehr wichtiger Gegenstand im Bild ist, der bei einer möglichen, falschen Einstellung des Fernsehapparats nicht zu sehen gewesen wäre. Weiterführend möchte ich hier auf Thomas Grohs Blog „filmtagebuch“ verweisen, in dem er sich eingehend damit beschäftigt hat und in dem Konrad Hirsch von Schamoni Film einen – für meinen Geschmack sehr aggressiven und eingeschnappten – Kommentar zu den genauen Hintergründen hinterlassen hat. Auch ich hätte es sehr begrüßt, wenn zumindest die Option bestanden hätte, auch die gedacht Bildkomposition anzuschauen. Aber nun ist es so, wie es ist. Immerhin wurde die ebenfalls restaurierte Kinofassung nicht im Format geändert.

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„Zur Sache Schätzchen“ ist gut gealtert und verstrahlt heute noch eine lockere Leichtigkeit, die wie ein frischer Windhauch im damals gerade entwickelnden Neuen Deutschen Film, der doch eher intellektuell grundiert war, wirkt. Seine Botschaften sind zeitlos und ein hervorragend passendes Schauspieler-Ensemble sorgt dafür, dass „Zur Sache Schätzchen“ wie aus dem prallen Leben herausgeschnitten wirkt. Ärgerlich ist lediglich das korrigierte Bildformat, welches das Bild manchmal zu eng wirken lässt.

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Das Bild der Restauration ist sehr gut geworden. Zwar wirken einige Szenen etwas matschig, dafür sind andere messerscharf. Ich vermute mal, dass dies am Ausgangsmaterial lag, aus dem einfach nicht immer mehr heraus geholt werden konnte. Aber auch so sieht der Film sehr gut aus. Der Ton liegt im Original Mono und in Stereo vor und ist sehr voluminös und klar. Als Extras gibt es zwei 10-minütige Kurzfilme von May Spils. In dem spielerischen „Das Portrait“ spielt sie selber eine junge Malerin, die sich an einem Selbstportrait versucht. In „Manöver“ tritt sie zusammen mit ihrem damaligen, und auch noch heutigen, Lebensgefährten als Paar auf, welches das morgendliche Aufstehen übt. Der Film kann durchaus als Fingerübung für „Zur Sache Schätzchen“ durchgehen. Ein 4-minüiger Clip zeigt Werner Enke heute, der über Geburtstage sinniert. Das 12-seitige Booklet enthält ein Essay über die Entstehung von „Zur Sache, Schätzchen“, sowie einen Text des Alt-Bundeskanzlers Gerhard Schröder, der sich – zum Teil etwas falsch – an den Film erinnert. Alles in allem – bis auf das Bildformat – eine tolle Veröffentlichung.

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DVD-Rezension: „Boomer – Überfall auf Hollywood“

Boomer

Gerade hat es sich der Star-Quarterback Boomer Hayes (Ken Wahl) es sich mit seiner neuen Eroberung Laura Sage (Harley Jane Kozak) in seiner Wohnung in Beverly Hills gemütlich gemacht, da kommt es angeblich zu einem Chemieunfall. Dieser macht es scheinbar nötig, ganz Beverly Hills abzuriegeln. Bei der Evakuierung wird Boomer übersehen und bald muss er feststellen, dass hier etwas nicht stimmt. Tatsächlich wurde der Unfall von Ex-Cops inszeniert, damit sie in Ruhe die Wohnungen der Schönen und Reichen ausräumen können. Gemeinsam mit dem reuigen Polizisten Ed Kelvin (Matt Frewer) stellt er sich den Schurken entgegen…

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Als ich „Boomer – Überfall auf Hollywood“ in den Player legte, hatte ich nicht darauf geachtet, wann dieser Film gedreht wurde. Gut die Hälfte der Laufzeit war ich fest davon überzeugt, dass ich einen typischen Mitte-80er-Film vor mir hätte. Nicht nur der ganze Stil erinnerte an die Werke, die damals schon mit Blick auf die Videoauswertung gedreht wurden, auch Ken Wahls unglaublich hässlicher Vokuhila und generell die ganze Besetzung schien aus diesem Jahrzehnt zu stammen. Erst als EMFs „Unbelievable“ im Soundtrack erscholl, horchte ich auf. Ich glaubte kurz, dieser Hit-Song wäre vielleicht sogar ein Cover des „Boomer“-Soundtracks gewesen. Aber als dann auch noch Faith No Mores „Epic“ auf der Tonspur auftauchte, war mir klar, dass der Film in den 90ern entstanden sein musste. Tatsächlich wurde „Boomer“ 1991 gedreht und entwickelte sich damals zu einem gewaltigen Flop, der dann auch gleich Ken Wahls zarte Karriere unter sich begrub.

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Das 80er Feeling beginnt bei „Boomer“ gleich in der Titel-Sequenz, wenn die Kamera zum Sound von Jan Hammer (der mit dem „Miami Vice Theme“ berühmt wurde) einige pastellfarbene Impressionen von Beverly Hills einfängt. Hauptdarsteller Ken Wahl hatte seine erste Rolle in „The Wanderers“ von 1979 gespielt und spielte in den 80ern in Filmen wie „Der Söldner“ oder neben Paul Newman in „The Bronx“ Hauptrollen. Er war damals auf einem sehr guten Wege, ein bekannter Name zu werden. Doch „Boomer“ brach ihm dann das Genick. Ein Spiel- und zwei TV-Filme später, hing er 1996 seine Schauspielkarriere an den Nagel. Sein Co-Star Matt Frewer war, ebenfalls in den 80ern, durch die Kult-Serie „Max Headroom“ berühmt geworden, Schurke Robert Davi veredelte viele 80er Actionfilme und Thriller. 1989 durfte er in „Lizenz zum Töten“ sogar den Gegenspieler von James Bond geben. Des Weiteren wird sein Handlanger von Branscombe Richmond gespielt, der in der TV-Serie „Renegade“ neben Lorenzo Lamas (noch eine 80er Recke) den Sidekick gab.

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Und letztendlich feierte auch Regisseur Sidney J. Furie seine größten Erfolge in diesem Jahrzehnt, z.B. mit der „Stählender Adler“-Reihe. Furie war nie ein besonders feinfühliger Regisseur und so glänzt auch „Boomer“ nicht durch eine intelligente Charakterisierung, sondern durch Explosionen und coole One-Liner. Dabei wird sich kaum Mühe gegeben, zu kaschiert, dass der Großteil des Filmes in den immer gleichen Vorortstrassen spielt, und der tiefschwarze Nachthimmel verstärkt noch das Gefühl, dass die meisten Szenen in einer Kulisse gedreht worden sind. Furie nutzt den Film vor allem, um möglichst viel in die Luft zu jagen. Und da der Film noch vor den Zeiten entstand, in denen Explosionen durch Pixel simuliert werden, befriedigt dies insbesondere den kleinen Pyromanen in uns allen.

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Die Handlung ist natürlich – wie bei unzähligen Actionfilmen dieser Zeit – bei „Stirb langsam“ abgekupfert. Doch hier ist es kein verwundbarer, zynischer und doch zutiefst menschlicher Bruce Willis, der allein gegen Gangsterhorden antreten muss, sondern der schöne und sehr selbstsichere Ken Wahl, was der Geschichte etwas den Charme nimmt. Auch was Gewaltdarstellungen angeht, nimmt sich „Boomer“ gegenüber dem Vorbild stark zurück. Statt auf Waffen, verlässt sich Boomer auf seine beim Football gelernten Fähigkeiten, insbesondere dem Weglaufen und Haken schlagen. Dadurch ist er dann mehr auf der Flucht, statt aktiv gegen die Schurken zu kämpfen.

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Doch immer, wenn die Handlung sich von Boomer und seinem neuen Kumpel Ed entfernt, und stattdessen Robert Davi und Harley Jane Kozak zeigt, droht der dünnen Story die Luft auszugehen. Da werden dann Dinge erklärt, die keiner Erklärung bedürfen, und insbesondere der Subplot, indem Robert Davi liebeskrank der sehr blassen und uncharismatischen Harley Jane Kozak hinterher stellt, wirkt lustlos und Zeit schindend. Insbesondere gilt dies für das seltsam unspektakuläre Finale. Trotzdem unterhält der Film anspruchslos, aber mit Humor. Dafür ist einerseits Matt Frewer zuständig, andererseits gibt es einige wirklich nette Ideen. So wird Boomer von den Schurken vergessen, da sie glauben, jemand der „Boomer“ heißt, müsste ein Hund sein. Ein netter Hinweis auf die TV-Serie „Boomer – der Streuner“ – natürlich aus den 80ern. Oder jemand versucht, sich als Regierungsbeamter auszugeben, indem er auf alle Frage nur wiederholt, statt zu beantworten.

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Ein B-Action-Film mit 80er Feeling, der Freunden von lauten Explosionen und gepflegter Zerstörung Freude bereiten kann. Die Darsteller bleiben leider durch die Bank weg hinter ihren Möglichkeiten zurück, und auch das dünne Drehbuch dient nur dazu, Figuren möglichst spektakulär von Punkt A nach B zu bringen. So geht dem Film auch jedes Mal etwas die Puste aus, wenn er sich auf Handlungselemente konzentriert. Trotzdem ist „Boomer – Überfall auf Hollywood“ sympathische Retro-Videotheken-Ware, die man ebenso schnell konsumiert, wie vergisst.

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Der Film ist in der Reihe „Cinema Treasures“ erschienen, in der Ascot Elite ihre alten Archivschätze auf den Markt wirft. Die Bild- und Tonqualität ist dabei absolut tadellos, das Schwarz wirklich schwarz und die Farben sehr satt und kräftig. Auf Extras muss man bis auf Trailer allerdings verzichten.

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Originalfassungen in Bremen: 29.08.13 – 04.09.13

Wirklich doll sieht es in dieser Woche nicht aus, aber das kann auch meine Einzelmeinung sein. Mich würde ja „Copacabana“ im City 46 interessieren, da ich Frau Huppert so gerne im Original höre. Hach, diese Stimme.

Chroniken der Unterwelt – City of Bones – Cinemaxx, Fr./Mo. um 19:45 – Jetzt, da sowohl die „Twilight“- als auch die „Harry Potter“-Serie ihr Ende gefunden hat, suchen die Hollywood-Produzenten natürlich nach neuem Stoff, der die Lücke füllen kann. Nach „Percy Jackson“ und „The Hunger Games“ kommt nun eine neue Verfilmung einer Jugendbuchserie, die die ganz oben angeführten Serien scheinbar miteinander vermischt. Ein junges Mädchen muss in New York erkennen, dass sie einem Geschlecht von Halb-Engeln entstammt, die gegen Dämonen kämpfen.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=GHlwRsl2uFk[/youtube]

Wir sind die Millers – Cinemaxx, Do./Sa./Mi. immer 19:45 – US-Komödie um einen kleinen Dealer, der in Schwierigkeiten gerät und deshalb nun eine Ladung Marihuana über die Grenze schmuggeln muss. Dabei tarnt er sich mit einigen Mitstreitern als Familie. Höhepunkt im Trailer: Jennifer Aniston als Stripperin, die die Mutter mimen muss.

Elysium – Cinemaxx, So., 1.9. um 19:45 – Der neue SF-Film von Neill Blomkamp (District 9). Matt Damon spielt darin den Arbeiter Max, der im Jahre 2154 gegen die luxuriöse Raumstation Elysium rebelliert, in der sich die Reichen auf Kosten der Arbeiter ein schönes Leben machen. Seine Gegenspielerin spielt Jodie Foster.

The Look of Love – Schauburg, Mo./Mi. Jeweils 21:00 – Der neue Film von Michael Winterbottom ist – wie sein Durchbruch „24 Hour Party People“ – das Biopic über eine britische Szenefigur. Hier geht es um Paul Raymond, dem König von Soho, der in den 60ern ein Nachtclub und Porno-Imperium aufbaute. Im „Weser Kurier“ wurde der Film heute morgen abgefeiert, auf Spiegel Online in der Luft zerrissen.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=JtdYdT17Vuk[/youtube]

Mr. Morgan’s Last Love – Gondel, So., 1.9. um 21:00 – Eine Liebesgeschichte, die Sandra Nettelbeck mit dem großen Michael Caine gedreht hat. Er spielt einen Amerikaner in Paris, der seit sich seit dem Tod seiner Frau von der Welt zurückgezogen hat. Die Begegnung mit der jungen Pauline (Clémence Poésy) reißt ihn aus seiner Lethargie.

Portugal Mon Amour – Gondel, Mo. 2.9. um 17:15 – Maria und José sind zwei herzensgute und bei den Nachbarn ausgesprochen beliebte Menschen. Als das Paar ein Haus eines Tages in ihre portugiesische Heimat zurückkehren möchte, setzen Freunde und Bekannten alles daran, ihnen den Abschied so schwer wie möglich zu machen.

Copacabana – City 46, Do.-Mi. Immer 20:00 – Französisch-belgische Komödie mit der großartigen Isabelle Huppert als lebenslustige und sehr unkonventionelle Mutter, die mit ihrer konservativen Tochter aneinandergerät.

[youtube width=“630″ height=“330″]http://www.youtube.com/watch?v=ymS4h3sVZ98[/youtube]

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 02.09. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 02.09. um 21:45

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Interview mit dem „OFDb filmworks“-Chef Sascha Imme

Vor einiger Zeit bin ich mit Ralph Schröder von dem neuen Bremer DVD-Label „OFDb filmworks“ in Kontakt gekommen. Die OFDb dürfte ja als Filmdatenbank und Shop den Allermeisten bekannt sein. Vor knapp vier Jahren gab es auch schon mal unter dem Titel „Eine Bremer Erfolgsgeschichte“ einen großen Artikel im „Weser Kurier“, auf den ich hier damals hingewiesen hatte. Nun steigt die OFDb auch ins Filmgeschäft ein und wird unter dem Namen „OFDb filmworks“ selber Filme auf DVD und Blu-ray herausbringen. Den Anfang macht am 13. September Stuart Gordons Lovecraft-Verfilmung „From Beyond“, ein Klassiker von 1986, dessen Director’s Cut  „OFDb filmworks“ mit Tonnen an Extras veröffentlicht.

FromBeyond__Digipak_AnsichtIch bat Ralph um ein kurzes Interview über die OFDb und das neue Projekt „OFDb filmworks“. Ralph verwies mich daraufhin an den Gründer und Chef der OFDb, Sascha Imme, der dann auch bereitwillig Rede und Antwort stand.

Zwischenzeitlich hatte auch Sebastian vom Review Corner ein Interview mit Sascha geführt, welches hier zu lesen ist. Sebastian hat dort  auch noch einmal die Geschichte der OFDb aufgerollt, und sein Interview konzentriert sich dann auch eher auf die Filmdatenbank und den Hintergrund der OFDb. Ich empfehle seinen Artikel als ideale Ergänzung zu meinem Interview unten, welches besonders im zweiten Teil dann mehr auf „OFDb filmworks“ eingeht. Und auf screen/read gibt es ebenfalls ein kurzes Portrait von „OFDb filmworks“.

Aber genug geschnackt. Hier nun das Interview mit Sascha Imme, Inhaber von „OFDb filmworks“ – einem Unternehmen aus Bremen.

Fimforum Bremen: Die OFDb dürfte jedem Filmfreund in Deutschland ein begriff sein. Aber für diejenigen, die die OFDb doch noch nicht kennen, worum geht es dort?

Sascha Imme: Vom Ursprungsgedanken her ist die OFDb eine Filmdatenbank, deren Wurzeln im Gegensatz zur IMDb nicht in den Filmographien (also den Personen) liegen, sondern in den medienübergreifenden Fassungen bzw. Veröffentlichungen des jeweiligen Films. Auch wenn OFDb und IMDb Filmdatenbanken sind, so ergeben sich hieraus dann doch fundamentale Unterschiede, die beiden Seiten allerdings ihre jeweiligen Stärken verschaffen.

Nach der Filmdatenbank kam der Shop und der Marketplace. Wann und warum habt Ihr Euch zu diesem Schritt entschlossen?

Ich wollte schon immer einen „Rundum-Service“ im Bereich Film anbieten. Damals gab es „nur“ den Bereich Information, d.h. man konnte sich in erster Linie über Filme und deren Fassungen informieren. Alle weiteren neuen Features sind dann logische Fortführungen: Im OFDb-Shop kann man Filme kaufen, in der Filmsammlung kann man sie online verwalten und im Marktplatz wieder verkaufen.

Alle diese Funktionen standen auch bereits sehr früh auf meiner persönlichen „Wunschliste“, konnten dann aber natürlich nur schrittweise eingeführt werden. Der Shop war allerdings mit das Erste, was nach Gründung der Firma im Jahr 2004 in Angriff genommen wurde – immerhin erwirtschaftet der Shop Geld, das für den Fortbestand der OFDb auch notwendig ist.

Wie viele Leute arbeiten heute für das Unternehmen OFDb?

Das Team in Bremen besteht aus sieben Leuten. Allerdings kann man die OFDb nicht allein auf die Mitarbeiter vor Ort beschränken. Neben den Co-Admins, die ehrenamtlich unermüdlich an der OFDb mitarbeiten, tragen ja auch Tausende von Besuchern zur OFDb bei, indem sie die Datenbank mit Inhalten bereichern.

Habt Ihr auch schon mal daran gedacht, auch ein stationäres Geschäft in Bremen zu eröffnen? Früher gab es ja mal „Cinemabillia“ in der Martinstr., heute kann man ausgefallenere Filme bei „Hot Shots“ kaufen. Trotzdem fehlt ein Filmgeschäft in dem man Stöbern und Klönschnack halten kann.

Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich befürchte auch, daß der Bremer Raum nicht der beste Ort für Geschäfte dieser Art ist. Natürlich gibt es auch in und um Bremen genügend Filmfans, aber um ein Ladengeschäft am Leben zu erhalten, ist wohl doch ein größeres Einzugsgebiet erforderlich.

Jetzt steigt ihr auch in die Produktion und den Vertrieb von DVDs und Blu-rays ein. Wie kam es dazu?

Auch hier geht es in gewisser Weise um die Fortführung des „Rundum-Service“, d.h. wir veröffentlichen künftig auch selber Filme, die wir als „gut“ erachten. Dennoch spielt auch ein weiterer Aspekt eine große Rolle: Als Filmfan sehe ich mir gerne Filme an. Warum sollte ich dies also nicht auch „beruflich“ machen?! Das Gefühl, Zeit und Liebe in eine Veröffentlichung zu investieren, die es unserer Ansicht nach verdient hat, empfinde ich als sehr positiv. Geben uns dann letztendlich auch die Verkaufszahlen recht, ist dies natürlich Lob und Belohnung gleichermaßen. Ob es dazu kommt, muß aber natürlich erst einmal die Zukunft zeigen…

Habt Ihr, angesichts des hart umkämpften Marktes auf dem gefühlt fast täglich neue Anbieter auftauchen, keine Angst, dass ihr Euch mit dem eigenen Verleih zu weit aus dem Fenster lehnt und letztendlich das ganze Unternehmen OFDb, so wie es heute ist, aufs Spiel setzt?

Jede unternehmerische Aktivität stellt grundsätzlich ein Risiko dar. Das Label-Geschäft ist zudem sicher etwas weiter von den bisherigen Aktivitäten der OFDb entfernt – dennoch ist man meiner Ansicht nach als Filmfan, der das Verleihgeschäft nicht allein durch die kaufmännische Brille sieht, durchaus ganz gut für diese Aufgabe geeignet. Oder zumindest erhoffe ich mir das…

Wir lehnen uns auch nur so weit aus dem Fenster, wie es die übrigen Geschäftsfelder zulassen. Sollte sich das Label nicht wie erwartet entwickeln, so wäre das zwar mindestens eine persönliche (und auch finanzielle) Enttäuschung. Die Existenz der OFDb würde aber nicht gefährdet werden; dies ist mir persönlich natürlich stets auch ein besonderes Anliegen bei allen Entwicklungen rund um die OFDb.

Wie seit Ihr auf „From Beyond“ als erste OFDb filmworks Veröffentlichung gekommen? Der Film ist ja noch immer indiziert und somit ein noch höheres Risiko als andere. Vor allem, weil ihr dadurch ja im Vertrieb eingeschränkt seit.

„From Beyond“ ist ein Klassiker, der mir selber schon immer sehr gut gefallen hat. Dass dies unser erster Titel werden wird, war im Grunde genommen ein sehr glücklicher Zufall, den ich durchaus auch als gutes Omen für die Zukunft sehe.

Eine Indizierung ist grundsätzlich ein erhebliches (vom Gesetzgeber gewolltes) Verkaufshemmnis. Dennoch liegt uns die Veröffentlichung sehr am Herzen und wir wollten von Anfang an keine Kompromisse eingehen. Ob mit oder ohne Indizierung, das Produkt soll so umfangreich werden wie möglich und dem Fan alles bieten, was die Studios hergeben. Zudem sind wir zuversichtlich, daß der geneigte Fan sich nicht durch eine Indizierung vom Kauf abhalten lassen wird.

Wo werden Eure Veröffentlichungen zu kaufen sein? Nur im eigenen Shop oder dann später bei „harmloseren“ Titeln auch bei den großen Internetversendern und den Elektro-Märkten?

Alle unsere Titel werden ganz normal in den Handel kommen; auch „From Beyond“ kann theoretisch überall bestellt werden, doch wird hier der größte Teil aufgrund der Indizierung und Limitierung wohl über die einschlägigen Online-Shops verkauft werden.

Unsere Neuheiten werden aber großflächig vertrieben und dann beispielsweise auch in den Videotheken zum Ausleihen zu finden sein.

Die zweite Veröffentlichung wird ja Ralph Bakshis eher unbekannterer Film „Coonskin“ sein. Wie seit ihr auf den Titel gekommen?

Auch hier war es mehr ein Zufall. Der Film war nicht geplant und uns ehrlich gesagt auch nicht wirklich bekannt. Nach einer kurzen Recherche sahen wir aber das Potential und konnten dann relativ spontan den Deal machen.

Auf dem Fantasy Filmfest seit ihr auch mit zwei Titeln („I Declare War“ und „Cold Blooded“) vertreten. Kannst Du darüber etwas sagen?

Ehrlich gesagt sind wir inzwischen sogar mit drei Titeln beim Fantasy Filmfest vertreten, von denen sogar zwei beim „Fresh Blood Award“ teilnehmen.

Dass wir als neues, kleines Label so stark beim Fantasy Filmfest vertreten sind, macht uns sehr stolz. Es ist eine schöne Bestätigung, dass auch andere Personen Gefallen an unseren Titeln finden. Das erste Feedback zu den Titeln ist zudem erfreulich positiv, d.h. unsere Titel gefallen offenbar nicht nur uns selber und den Organisatoren, sondern auch vielen Zuschauern.

In diversen Foren wird zur Zeit sehr hart über den Preis der „From Beyond“ Veröffentlichungen diskutiert. Viele denken, die Entscheidung, den Film nur als Blu-ray/DVD-Kombo raus zu bringen wäre pure Geldschneiderei. Was sagst Du den Leuten?

Ich denke, wir brauchen uns mit dem Preis nicht zu verstecken. Der UVP liegt bei 27,99 EUR. Bedenkt man, daß „From Beyond“ als ziemlich üppiges Paket mit sämtlichen erhältlichen Bonusmaterialien daherkommt und dass „nackte“ Österreich-Uncut-Mediabooks inzwischen schon häufig über 30 EUR kosten, dann finde ich den Preis durchaus angemessen.

Durch die Indizierung ist die Auflage natürlich zwangsläufig etwas geringer; eine höhere Auflage hätte vielleicht einen insgesamt niedrigeren Preis ermöglichen können.

Die Aufteilung in DVD und Blu-ray (darüber hatten wir tatsächlich auch nachgedacht) bringt die Schwierigkeit mit sich, die Mengen möglichst passend zu wählen – und das ist in der heutigen Zeit nicht ganz so einfach und hätte andererseits auch wieder die Kosten erhöht (zwei Produkte statt eines). Der jetzt gewählte Weg – ein wirkliches „Premium-Produkt“ zu einem konkurrenzfähigen Preis – schien uns daher der beste Weg zu sein.

Werden die kommenden Veröffentlichungen sich in einer ähnlichen Preisregion bewegen?

Man kann (wenn man dem Kunden gegenüber fair ist) nicht pauschal Preise festlegen. Bei „From Beyond“ haben die ganzen Extras aus verschiedenen Quellen die Kosten deutlich in die Höhe getrieben. Beim nächsten Titel kann dies wieder ganz anders aussehen. Anders gesagt: Wir legen unsere Preise produktbezogen fest und nicht „verpackungsbasiert“. Sorgen dieser Art sind also unnötig.

Gerade bei „From Beyond“ habt ihr ja sehr viel Wert auf die Extras gelegt, wodurch diese Veröffentlichung, die weltweit umfangreichste ist. Wird das bei den künftigen Veröffentlichungen so bleiben?

Wir werden grundsätzlich versuchen, ein möglichst umfangreiches Paket anzubieten. Natürlich legt nicht jeder Käufer auf Extras wert, aber viele Fans eines Films schätzen das Vorhandensein von Hintergrundinformationen. Bei „From Beyond“ hatten wir tatsächlich Glück, dass wir alles bekommen konnten, was der Markt her gab. Ich weiß nicht, ob das jedes mal gelingen wird, aber wir werden es zumindest jedes mal versuchen.

Gibt es schon Pläne für 2014?

Insgesamt haben wir 8 Titel in der Pipeline, die nach und nach erscheinen werden. Wir schauen uns zudem laufend nach Nachschub um, denn langfristig wollen wir mindestens eine Veröffentlichung pro Monat vorweisen.

Das Vorhaben, neben Neuheiten auch immer wieder Klassiker zu veröffentlichen, bleibt auch weiterhin bestehen.

Da drücke ich natürlich auch weiterhin kräftig die Daumen und bedanke mich für das interessante Gespräch.

 

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Das Bloggen der Anderen (26-08-13)

bartonfink_type2– Wenn es nur einen Link gibt, den ihr in dieser Ausgabe anklickt, dann lasst es bitte diesen hier zu Leena May Peters Gedanken über „Drive“ auf Hard Sensations sein. Wobei es darin eigentlich gar nicht mehr um den Film geht, sondern um das Schreiben darüber und der in einer persönlichen Note endet, die mich sehr berührt hat.

– Silvia Szymanski hat ebenfalls etwas auf Hard Sensations geschrieben. Sie berichtet sehr ausführlich über ein Event, welches ich hier und anderswo schon sehr häufig erwähnt habe: Den Hofbauer-Kongress in Nürnberg, bei dem einige geladene Gäste sich vier Tage lang Filme ansehen, die häufig unter die Rubrik „schmierig“ fallen. Eines Tages, ja eines Tages… Ich hoffe weiterhin, einmal daran teilnehmen zu können, wenn sich meine neue familiäre Situation etwas entspannt hat. Ein paar Kontakte habe ich schon geknüpft, mal gucken, wie das weitergeht. Silvias sehr langer Bericht macht einem zumindest den Mund wässerig und deckt bei mir einige „Bildungslücken“ auf. So muss ich jetzt wohl dringend „Der Perser und die Schwedin“ finden, sonst ist es um meinen Seelenfrieden schlecht bestellt.

– Michael Schleeh hat auf nachtsichtgeräte den sehr frühen Fritz-Lang-Film „Harakiri“ von 1919 ausgegraben. Dieser galt als verschollen, ist jetzt aber in Amsterdam wieder aufgetaucht. Weitaus berühmter und sehr empfehlenswert: „Im Westen nichts Neues“, den er ebenfalls bespricht.

– Christian Liemke hat auf DVDuell eine 55-minütige Doku über den genialen Titeldesigner und Filmemacher Saul Bass gefunden.

– Harald Steinwender empfiehlt auf seinem Blog Themroc einige Bücher, an denen er mitgeschrieben hat. U.a. das Argento-Buch, welches ich beim letzten Mal bereits erwähnt und zu dem es hier demnächst auch eine Kritik geben wird.

– Roger Corman hat sehr viele Filme gedreht und die allermeisten sind billige Unterhaltung. Aber einmal wollte er ein Zeichen setzen und drehte einen Film mit einem ernsten Anliegen. Das war dann auch prompt derjenige, der als einziger Verluste einspielte. Das Rassismus-Drama „The Intruder“ mit William „Captain Kirk“ Shatner. Oliver Nöding hat ihn sich für Remember it for later angesehen.

– Nochmal Oliver Nöding und Remember it for later. Einen Reisebericht nach Zürich zu einer Vorstellung von „Andy Warhol’s Frankenstein“ im originären 3D. Aber eigentlich geht es um eine der schönsten Sache der Welt: Wenn man mit Gleichgesinnten unterwegs ist, endlich mal Blogger/Foren-Kollegen kennenlernt, zusammen eine tolle Zeit hat, stundenlang fachsimpeln kann und gemeinsam etwas erlebt. Darum freue ich mich auch schon wie Bolle auf das alljährliche Forentreffen von Deliria Italiano, welches mich in ein paar Wochen nach Magdeburg führen wird. Generell ist Internet ja schön und gut, aber nichts geht über einen persönlichen Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Und wie ich bei Oliver lesen kann, ist das nicht nur meine Meinung 🙂

– Was für ein Zufall. Sascha Nolte hat „Andy Warhol’s Frankenstein“ auch gerade gesehen (vermutlich allerdings nicht in 3D in Zürich) und auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte darüber geschrieben.

– Eigentlich bespricht Patrick Holzapfel auf seinem Blog Jugend ohne Film den deutschen Film „Gold“ von Thomas Arslan, welchen er nicht besonders mag. Doch am Beispiel von „Gold“ lässt er auch seiner Enttäuschung über angepasste Filmemacher, die um Fördergelder zu bekommen Kompromisse eingehen – was zu den immer gleichen Standards führt -, freien Lauf. „Und dann sind wir beim weichgespülten deutschen Kino von Regisseuren, die sich den Förderlandschaften anpassen müssen statt gegen sie zu rebellieren. Es gibt immer wieder Ausnahmen natürlich, aber es scheint mir schon ein Problem zu sein, wenn Deutschlands beste Regisseure nicht mehr gegen das System kämpfen, damit sie drehen können und dürfen.“ Wieder einmal lesenswert.

– Den abschließenden Bericht von Lukas Foerster über das Filmfestival in Locarno findet man wie gewohnt auf cargo.

– Seijun Suzuki kennt man von seinen irrsinnigen Yakuza-Filmen aus den 60ern. 1980 drehte er einen schönen Film, der auf den ersten Blick so gar nicht in sein bisheriges Werk passen will: Die Literaturverfilmung „Zigeunerweisen“, welche Klaus Wiesmüller auf seinem Blog Japankino vorstellt.

– Ich freue mich immer, wenn ich mal Gelegenheit habe Schlombies Filmbesprechungen hier mit unter zu bringen. Der Anlass diesmal: Eine weitere Besprechung meines Lieblingsfilmes aus meiner Teenager-Zeit. „The Terminator“.

– Genrekino aus Deutschland wird ja an einigen Ecken des Netzes immer wieder vehement geordert. Nun, es gibt regelmäßig Genreproduktionen, die aber entweder vom Publikum nicht angenommen werden und darum untergehen – oder schlicht und ergreifend nicht wirklich toll sind. „Lost Place“ von Thorsten Klein scheint laut Frank Schmidke auf cinetastic zur letzteren Kategorie zu gehören. Das ist schade. Aber mittlerweile erwarte ich das schon fast von deutschen Produktionen, die sich unbedingt einen hippen, englischsprachigen Titel geben müssen.

– Im Übergang von Kindheit zur Jugend war Cary Grant einer meiner liebsten Schauspieler. So wie er wollte ich auch gerne sein. Schön, wenn ich jetzt auf Magazin des Glücks lese, dass es mir nicht allein so ging.

– Auch wenn man es bei dem Titel glauben mag: Der ungarische Film „Szindbád“ von Zoltán Huszárik hat nichts mit orientalischen Abenteuern und Zyklopen zu tun, sondern ist ein melancholisch-düsteres Drama in wunderschönen Bildern, wie die Eule auf Filmtagebuch der Eule zu berichten weiß. Zudem bespricht die Eule den sowjetischen Film „You and Me“ von 1971, der sich sehr interessant anhört.

– Auf stubenhockerei schreibt Malina über den Film „Der silberne Planet“ von einem meiner großen Helden: Andrzej Zulawski. Ein sehr schöner Text, der ziemlich genau auch meine Meinung zum Film (den ich übrigens auch nicht zur Gänze verstanden habe) widerspiegelt.

– Ich freue mich immer, wenn hier auch mal Blogs auftauchen, die bisher nicht vertreten waren. In diesem Falle Freude am Film, auf dem Michael Gruhl Victor Sjöströms „Fährmann des Todes“ vorstellt.

– Und noch ein neuer Name. Seit langem warte ich darauf endlich mal einen Artikel von DasDingAufDerSchwelle vorzustellen. Wer seinen Namen aus einer Geschichte von H.P.Lovecraft entlehnt, hat das mal verdient. Also, hier sein „Festival-Ticker“ vom Fantasy Filmfest.

– Na, wer war alles vor ein paar Wochen auf dem Favourites Filmfestival in Bremen, über das ich hier schrieb? Cutrin von Filmosophie war zwar nicht in Bremen dabei, aber in Berlin und hat einen langen Erlebnisbericht über das „andere FFF“ geschrieben.

– Schon mal als Vorgeschmack auf meinen eigenen OFDb-Artikel, den ich wohl morgen Abend online stelle, hier noch ein kleines Portrait, welches auf screen/read erschienen ist.

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DVD-Rezension: „Battle of the Damned“

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Ex-Soldat Major Max Gatling (Dolph Lundgren) wird mit seiner Söldner-Truppe von einem mächtigen Mann engagiert, um dessen Tochter Jude (Melanie Zanetti) zu finden. Diese befindet sich allerdings in einer malaysischen Stadt in der ein Experiment mit Biotechnologie fehlgeschlagen ist. Seither sind die Bewohner mit einem Virus infiziert, der sie zu rasenden Bestien macht. Daher steht die Stadt steht unter Quarantäne und ist vom Militär komplett abgeschottet. Nachdem seine Truppe durch die Infizierten dezimiert wurde, macht sich Gatling allein auf den Weg das Mädchen zu finden…

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Dolph Lundgren gegen Zombies. Eigentlich reicht dieser Satz schon, um den „Battle of the Damned“ zusammenzufassen. Man bekommt genau das,was man sich darunter vorstellt. Einen preisgünstig hergestellten B-Film, der sich ganz auf seinen Hauptdarsteller verlässt und das Rad nicht neu erfindet. Tatsächlich kennt man die hier gezeigten Situationen zu genüge, vor allem die „Familie“, die sich die „Verdammten“ nennt und seine Leben in einem verbarrikadierten palastartigen Gebäude eingerichtet hat. Komplett mit Liebespaar, Handlangern und dem „Übervater“, der vorgibt nur das Beste für die Gruppe zu wollen, tatsächlich aber nur seine Machtposition verteidigt. Das hatte man zuletzt in „Toy Story 3“ viel besser gesehen. Immerhin wird sein Charakter noch etwas hintergründiger in Szene gesetzt, als der seiner beiden Handlanger oder seiner Geliebten, die von der schönen Oda Maria gespielt wird, was es schade macht, dass man so wenig von ihr zu sehen bekommt.

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Ansonsten konzentriert sich der Film ausschließlich auf Max Gatling und Jude, sowie mit Abstrichen auf Judes Geliebten Reese (eine Hommage an „Terminator„?), der von Matt Doran gespielt wird, welcher dabei an seinen limitierten schauspielerischen Fähigkeiten scheitert. Der Star ist aber Mit-Produzent Dolph Lundgren, der mit seiner beeindruckenden Präsenz den Film dominiert. Aber er ist älter geworden. Was ihm einerseits sehr gut steht, andererseits seine Kampfszenen sehr schwerfällig erscheinen lässt. Wenn er Tritt verteilt, hört man ihn förmlich ächzen und muss ihm die Daumen drücken, dass er noch die Beine hoch bekommt. Auch humpelt er den Film über, was aber aus der Handlung heraus nicht erklärt wird. Aber das ist eigentlich auch zweitrangig, denn Lundgrens wichtigste Aufgabe ist es, grimmig in die Gegend zu schauen, und das kann er ganz hervorragend, Ihm zur Seite steht Melanie Zanetti als rebellische Jude. Zanetti erledigt ihre Aufgabe gut und wirkt durchaus glaubwürdig in einer Rolle, in der sie abwechselnd das verletzliche Mädchen und die zähe Kämpferin geben muss. Da fragt man sich unwillkürlich, wie sie sich in so einen Schlaffi, wie Reese verlieben kann.

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Zu Beginn des Filmes wird der Zuschauer Mitten hinein in die Handlung geworfen. Lundgren und sein – dort noch vorhandenes – Team kämpfen in einer toten Betonstadt gegen Zombies. Oder „Infizierte“, wie man das heute gerne nennt, damit sie schneller rennen können. Das Ganze geht 15 Minuten und mehr als einmal wanderte dabei meine Hand zum „Aus“-Knopf auf der Fernbedienung. Die Szenen sind so schnell geschnitten und die wackelig gefilmt, dass man wirklich kaum was erkennen kann und das hyperreale, zitternde Bild einfach nervt. Der Film ist auch in einer 3D-Fassung erscheinen, und in Anbetracht der Unansehbarkeit der Bilder in der 2D-Fassung, frage ich mich, wie das funktionieren soll. Wenn man dann nach 15 Minuten endlich den Vorspanntitel erreicht hat, werden die Bilder ruhiger und augenfreundlicher.

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Die Stadt in Malasiya, die als Kulisse fungiert, ist perfekt für diesen Film. Sie besitzt einen eigenen, hässlichen und doch auch exotischen Charme, der sich von den immer gleichen osteuropäischen Plattenbausiedlungen abhebt. Ein netter, wenn auch sehr trashiger Touch ist das plötzliche Auftauchen von Killer-Robotern, die Regisseur Christopher Hatton aus seinem vorherigen Film „Robotropolis“ recyclt. Bis auf den Überraschungseffekt, tragen diese zwar nicht viel zum Film bei, sind aber nett anzuschauen und sorgen für einen schönen What-the-Fuck-Moment, wenn einer von ihnen von den Zombies infiziert wird (?). Und der gute alte Dolph darf natürlich so etwas wie eine Freundschaft zu einem der stählernen Krieger aufbauen, was für einen leichten Humor sorgt. Schade, dass der Film nicht mehr solchen herrlich bescheuerten Ideen aufwartet.

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„Battle of the Damned“ ist ein kostengünstiges B-Action-Filmchen von der Stange, welches ganz um seinen stoischen Hauptdarsteller und einzigen Star herum gebaut wurde. Allerdings kann es durch seine Zombie-Thematik und den plötzlich auftauchenden Killer-Robotern für recht ordentliche Unterhaltung auf niedrigem Niveau sorgen.

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Die deutsche Fassung und der englische Originalton klaffen manchmal sehr stark auseinander und geben einigen Szenen eine ganz andere Bedeutung. Z.B. wenn Dolph Lundgren im Original sagt „I’m a fucking son of a bitch“ und im deutschen ein „Was bin ich für ein Teufelskerl“ daraus wird. Die Bild- und Tonqualität sind gut, Extras findet man bis auf einige Trailer keine.

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