Filmbuch-Rezension: Paul Drogla „Vom Fressen und Gefressenwerden“

Von , 27. Februar 2014 22:43

vom fressen droglaDenkt man an Kannibalen-Filme, hat man zugleich die italienischen Schocker aus den späten 70ern und frühen 80ern vor Augen, die derartig drastisch die Dekonstruktion und das Verschlingen des menschlichen Körpers zeigen, dass sogar hartgesottene Splatterfreunde diesen Auswüchsen des italienischen Exploitationkinos eher skeptisch gegenüberstehen. Zwar ist Ruggereo Deodatos „Cannibal Holocaust“ heutzutage weitgehend als wütendes Meisterwerk des provokanten und schockierenden Extremkinos anerkannt, die weiteren Vertreter werden aufgrund der selbst-zweckhaften „Tiersnuff“-Szenen, dem latenten Rassismus und der überzogenen Ekeleffekte überwiegend abgelehnt.

Dabei ist die Figur des Kannibalen aber schon sehr viel älter und vielschichtiger, wie Paul Drogla in seinem Buch „Vom Fressen und Gefressenwerden – Filmische Rezeption und Re-Inszenierung des wilden Kannibalen“ aufzeigt. Tatsächlich ist es heute strittig, ob es die aggressiven Wilden, die sich vom Fleisch anderer Stämme ernähren, in dieser Form tatsächlich gegeben hat. Vieles basiert auf Hören und Sagen; Erzählungen von Entdeckern, die diese wiederum von Eingeboren übernommen haben. Ob diese Schreckensgeschichten nun der Wahrheit entsprechen oder nur genutzt wurden, um die Fremden zu verschrecken, bzw. die anderen Stämme zu verteufeln, ist bis heute ein Streitpunkt unter den Gelehrten.

Für die mediale Figur des wilden Kannibalen – „zivilisierte“ Menschenfresser, wie einen Dr. Hannibal Lector und seine realen Vorbilder, klammert Drogla bei seiner Betrachtung bewusst aus – ist dies auch in soweit unerheblich, als diese aus den exotischen Berichten aus ferner Ländern entstand, die im damaligen Europa förmlich aufgesogen wurden. Und so setzt Drogla auch den bekanntesten wilden Kannibalen der Literaturgeschichte – Freitag aus Daniel Defoes „Robinson Crusoe“– an den Anfang der medialen Verwertung und Formung dieser Figur und widmet ihm ein ganzes Kapitel seiner Arbeit. In diesem untersucht er, wie sehr diese fiktive Gestalt noch heute unser Bild vom wilden Kannibalen prägt. Interessanterweise weist er auch nach, dass die Figur des wilden Kannibalen eine solche Popularität erreichte, dass er bereits in der Frühzeit des Films, u.a. 1899 in „Bringing Home A Friend For Dinner“ oder wenige Jahre später bei Méliès, auftauchte.

Grundsätzlich haben sich, so die Hauptthese Droglas, gerade durch die verschieden Inszenierungen im Film, sechs unterschiedliche Stereotypen des wilden Kannibalen entwickelt, die er wie folgt kategorisiert. 1. Der „edle Wilde“ für den exemplarisch der „Freitag“ aus der Robinsonade steht, 2. Der wilde Menschenfresser auf fiktionaler Basis, wie man ihn als Bedrohung in diversen Abenteuerfilmen kennt, 3. Der komödiantische Kannibale, der als Klischee in Komödien und vor allem Cartoons auftaucht, 4. der pseudo-dokumentarische Wilde, wie man ihn in den Mondofilmen vorfindet (insbesondere „Guinea Ama“ sei hier erwähnt, der sich in Teilen auch in Bruno Matteis Zombiefilm „Hölle der lebenden Toten“ wiederfindet, 5. Die rohe und bestien-artige Variante, die den wilden Kannibalen als Monster inszeniert, und die man dann in den eingangs erwähnten italienischen Kannibalen-Filmen wiederfindet, und letztendlich der 6. historisch fundierte Kannibale, welcher in Historienfilm wie Ridley Scotts „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ auftaucht.

Seine These untermauert Paul Drogla mit zahlreichen Filmbeispielen. Hierbei ist es sehr interessant, wie insbesondere beim „Komödien-Kannibalen“ einige wenige Insignien (Knochen im Haar, Speer, großer Kochtopf) ausreichen, einen Wilden als Kannibalen zu charakterisieren, ohne dessen anthropophagen Neigungen zu verdeutlichen. Tatsächlich ist laut Drogla die Figur des wilden Kannibalen vor allem eine, die seit Jahrhunderten durch die Medien geformt und immer wieder neu inszeniert wurde, ohne das es hierfür konkrete historischen Grundlagen gäbe. Eine spannende Erkenntnis, denn das Bild des wilden Kannibalen hat sich durch seine verschiedenen Inszenierungen im Film bereits so in der Gesellschaft verfestigt, dass sie als „echt“ und historisch akkurat akzeptiert ist. Dies gilt insbesondere für die Inszenierung des von Drogla eingeführten Typen des „historisch fundierten Kannibalen“, dem in der realen Welt wahrscheinlich ebenso die Basis fehlt, wie dem „Cartoon-Kannibalen“.

„Vom Fressen und Gefressenwerden“ ist meines Wissens nach das erste deutschsprachige Buch, welches sich explizit wissenschaftlich mit dem Bild des wilden Kannibalen im Film beschäftigt. Dieser tauchte – zumindest in der Filmliteratur – bisher eher als Nebenfigur in Büchern über italienischen Genrefilme auf. Das Büchlein „Kannibalen!“ von Aron Boone, kann zwar mit vielen bunten Bildern aufwarten, ist allerdings in einem nichtssagendem und marktschreierischen Fan-Sprech geschrieben. Illustrierende Bilder fehlen in „Vom Fressen und gefressen werden“ komplett, aber das Buch ist auch eine wissenschaftliche Abhandlung über die filmische Rezeption und Re-Inszenierung des wilden Kannibalen und mitnichten ein Buch über Kannibalen-Filme. Dies sollte dem potentiellen Leser vorab bewusst sein.

Bei dem Buch handelt es sich um die punktuell erweiterte wissenschaftliche Arbeit, die zur Erlangung des ersten Staatsexamens an der Technischen Universität Dresden vorgelegt wurde. Dies merkt man an der sehr trockenen und formelhaften Einleitung, mit der dem Anspruch des wissenschaftlichen Betriebes seine Schuldigkeit erwiesen wird, und den zahlreichen Fußnoten. Sobald Paul Drogla aber tief in das Thema seiner Arbeit eintaucht, gelingt es ihm, den Leser auf sprachlich hohem, aber verständlichen Niveau, souverän durch seine Arbeit zu führen, und seine Schlussfolgerungen klar begreiflich zu machen.

Paul Drogla: „Vom Fressen und Gefressenwerden – Filmische Rezeption und Re-Inszenierung des wilden Kannibalen“, Tectum Verlag, 154 Seiten, € 19,95

Originalfassungen in Bremen: 27.02.14 – 05.03.14

Von , 26. Februar 2014 21:34

Die Liste sieht in dieser Woche erfreulich lang aus, was vor allem an dem 9. Brasilianischen Filmfestival im Kommunalkino liegt. Sehr überraschend ist für mich der scheinbar umwerfende Erfolg der türkischen Komödie „Recep Ivedik 4“, die jetzt im Cinemaxx, CineStar und Cinespace mit mehreren Vorstellungen am Tag läuft. Ansonsten sehe ich leider keine wirklichen Highlights, außer vielleicht „Philomena“, über den ich einiges Gutes hörte.

Philomena – Cinemaxx, Mi., 5.3. um 20:00 – Die 70-jährige Philomena Lee (Judi Dench) macht sich zusammen mit dem Journalisten Martin (Steve Coogan) auf die Suche nach ihrem Sohn, den musste sie vor 50 Jahren zur Adoption freigeben musste. Ein Oscar-Kandidat von Stephen Frears.

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Pompeii 3D – Cinemaxx, Di., 4.3. um 21:15 – „Resident Evil“-Macher Paul W.S. Anderson probiert sich diesmal ohne seine Muse Milla Jovovich an einem Historienfilm. Zombies gibt s diesmal auch nicht, dafür einen Vulkanausbruch, Gladiatoren und eine Romeo & Julia-Geschichte.

American Hustle – Cinemaxx, Fr., 28.2. um 21:15 – David O. Russell ist einer der spannendsten Regisseure des neuen Hollywood-Kinos. Daher kann man gespannt sein auf sein neustes Werk, welches in den 70er Jahren spielt und mit Christian Bale und Bradley Cooper besetzt ist. Es geht um ein Gaunerpärchen, das von einem eifrigen Polizisten einen verlockenden Deal angeboten bekommt. Ein weiterer Oscar-Kandidat!

Recep Ivedik 4 – Cinemaxx, Do.-Mi. um 14:00/17:20/20:10/23:10 & Cinespace Do.-Mi. um 14:30/17:00/20:15/22:15 (Sa./So. auch 12:30) & CineStar Do.-Mi. 13:50/16:40/19:40 (So. 13:00 und Fr./Sa. auch 22:40) – Vierter Teil der türkischen Erfolgskomödie. diesmal muss Recep Ivedik ein Grundstück für die Kinderfussballmannschaft seiner Nachbarschaft retten.

Monuments Men – Cinemaxx, So., 2.3. um 21:15 & Schauburg, So./Mi. um 21:15 – Fünfte Regie-Arbeit von George Clooney, der zusammen mit einigen seiner Kumpels auch die Hauptrolle übernimmt. Es geht um eine Spezialeinheit im 2. Weltkrieg, in der Kunstwissenschaftler und Museumsdirektoren im Kriegsgebiet Kulturgüter vor der Vernichtung durch die Nazis retten sollen.

Cloudburst – City 46, Fr./Di. um 20:30 und Sa./So. um 18:00 – US-amerikanisches Road-Movie um ein lesbisches Pärchen, welches seit drei Jahrzehnten zusammenlebt. Als die eine aufgrund eines Betruges ihrer Enkelin in ein Altersheim muss, wird sie von der anderen „entführt“ und gemeinsam machen sie sich auf nach Kanada, um dort zu heiraten.

Der große Gatsby  – City 46, Di., 4.3. um 15:30 – Baz Lurman nimmt sich in seinem typisch opulenten Stil einen der großen Klassiker der amerikanischen Literatur vor: “The Great Gatsby” von F. Scott Fitzgerald. Starbesetzt mit Leonardo diCaprio, Tobey Maguire und einer Schauspielerin, die mir seit “Shame” und “Drive” sehr ans Herz gewachsen ist: Die großartige Carey Mulligan.

Das Glück der großen Dinge – City 46, Do./Sa./So. um 20:30 und Mo./Mi. um 18:00 – US-amerikanischer Spielfilm mit Julianne Moore und Alexander Skarsgard, um ein sechsjähriges Mädchen, das mit ansehen muss, wie die Ehe ihrer Eltern zerbricht, und sie zum Spielball im Scheidungsprozess wird.

Der Kapitän und sein Pirat – Do./Fr./Di. um 18:00 und Mo./Mi. um 20:30 – Doku über die Piraten vor Somalia und für den Fall der »Hansa Stavanger« 2009. Stavanger-Kapitän Krzysztof Kotiuk und der jungen Somalier Ahadu, Anführer der Piraten, erzählen im Wechsel die Geschichte. Am Donnerstag mit Einführung und Diskussion.

Das Sprungbrett – City 46, So./Mi. um 20:00 – Brasilianischer Spielfilm um den 12-jährigen Deos und seinen 10-jährigen Freundes Felizardo, die in einem Armenviertel täglich ums Überleben kämpfen und nach einem folgenschweren Zwischenfall beschließen, einem Kinderschänder den Gar aus zu machen. CINEBRASIL

Der Wirbel – City 46, Do., 27.2. um 20:00 – Brasilianischer Spielfilm um die 81-jährige Bastú, die von geheimnisvollen Erscheinungen heimgesucht wird, und daraufhin beschließt, die Habseligkeiten ihres verstorbenen Mannes in das Dorf seines Bruders zu bringen. CINEBRASIL

Es war einmal – City 46, Mo., 3.3. und Di., 4.3. um 20:00 – Brasilianischer Spielfilm um einen Mann aus der Favela Cantagalo, der am Strand von Ipanema Hot Dogs verkauft und versucht, nicht in die Gewalt in seinem Viertel hineingezogen zu werden. Dabei verliebt er sich in ein Mädchen aus gutem Hause. CINEBRASIL

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 03.03. um 21:15

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 03.03. um 21:45

DVD-Rezension: “Die Sklavinnen“

Von , 25. Februar 2014 22:08

sklavinnenMartine (Martine Stedil), die Tochter des Millionärs Radeck (Vítor Mendes) wurde entführt. Obwohl Radeck das geforderte Lösegeld von fünf Millionen Dollar zahlte, bleibt seine Tochter verschwunden. Die Spur führt zur Besitzerin des Edel-Bordells „Pagode“, Madame Arminda (Lina Romay), die allerdings gerade im Gefängnis sitzt, weil sie ihre Mädchen mit Drogen gefügig macht und gegen ihren Willen festhält. Um herauszufinden, was mit seiner Tochter und dem Lösegeld passiert ist, organisiert Radeck Armindas Flucht, um sie dann von seinem Handlanger (Jess Franco) foltern zu lassen. Der Plan geht auf: Arminda beginnt zu erzählen…

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Die Sklavinnen“ ist ein weiter Film aus der Ära, in der der spanische Kultregisseur Jess Franco für den Schweizer Filmproduzenten Erwin C. Dietrich Filme am Fließband produzierte. Die Rollen waren immer gleich verteilt: Dietrich steuerte unter dem Pseudonym „Manfred Gregor“ das Drehbuch bei, Franco inszenierte und die beiden Baumgartners, Peter und Walter, waren für die Kamera bzw. die Musik zuständig. Bei einem Ausstoß von bis zu sieben Filmen im Jahr und den selben Leuten hinter – und zumeist auch vor – der Kamera, ist es nicht verwunderlich, wenn diese Filme einige Ähnlichkeiten aufweisen und in der Rückschau auch ineinander verschwimmen. Immer geht es um Frauen, die irgendwo gefangengehalten werden (hier in der „Pagode“, dem Edel-Bordell von Madame Arminda) und gerne wird noch eine rudimentäre Krimi-Handlung integriert. Besonders auffällig ist allerdings die gewaltige Misanthropie, mit der Dietrich seine Drehbücher ausstattet. So wählt er oftmals Enden, die wenige Anlass auf Hoffnung geben und den Zuschauer eher runter ziehen, statt ihm ein Happy End zu gönnen.

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In „Die Sklavinnen“ treibt diese pessimistische Weltsicht ihre ausgeprägtesten Blüten. Als Erzählerin, und damit Identifikationsfigur für den Zuschauer, wird ausgerechnet die skrupellose Puffmutter Arminda gewählt. Diese lamentiert dann darüber, dass sie ein so schweres Schicksal habe und ihre Geliebte ja unter Drogen setzen und ins Bordell abschieben musste, weil es nun einmal so zu sein hätte. Dieser Zynismus ist schon bemerkenswert, ebenso wie die Tatsache, dass „Die Sklavinnen“ keinerlei positive Hauptfiguren kennt. Nun könnte man Martine Radeck als solche bezeichnen, doch schaut man genau hin, dann ist auch sie selbstsüchtig und beginnt nur eine Affäre mit Madame Arminda, um ein wenig an deren Macht partizipieren zu können. Das Schicksal der Mädchen in der Pagode ist ihr ziemlich egal. Tatsächlich gib es nur zwei Figuren, die eine menschliche Regung zeigen. Einmal die von Peggy Markoff gespielte Vicky, die versucht Martine zu retten, und dann mit Abstrichen der von Franco persönlich gespielte Handlanger des Radeck, der zwar auch eine gewisse Brutalität an den Tag legt, dem aber auch die finale Einstellung gehört, in welcher sein Gesicht die Resignation vor der Niedertracht der Menschen widerspiegelt.

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Wie so oft wirkt Francos Film über weite Strecken, als wäre er nur die Inhaltszusammenfassung eines anderen Filmes. Alles, was nicht unbedingt wichtig ist, wird weggelassen, und viele Dinge entweder nur behauptet oder als bekannt vorausgesetzt. Wenn sich Lina Romay am Anfang von einer Festungsmauer abseilt, wird einfach unterstellt, dass diese jetzt zu einem Gefängnis gehört. Das muss nicht noch einmal gezeigt werden. Auch das Madame Arminda ein prunkvolles Bordell mit vielen hundert Mädchen führt, wird zwar behauptet, aber durch das Bild nie bewiesen. Es ist auch unwichtig für die Handlung und ein solcher optischer Beweis würde nur Geld kosten. Oftmals greift Franco auch konsequent auf Stereotype und Handlungen zurück, die man aus der Filmgeschichte – oder Francos eigenem Oeuvre – zu genüge kennt. Da muss nichts erklärt oder plausibilisiert werden, weil sich durch die Filmerfahrung des Zuschauers die Handlung in seinem Kopf formt. Ganze Handlungsabschnitte werden einfach übersprungen und dem Zuschauer lediglich das Resultat gezeigt. Hier ist der Erzähler Franco eben auch ein Meister der Ökonomie. Das Fett vom Braten wird radikal weggeschnitten und auf die blanken Knochen dann viel nacktes Fleisch gehangen.

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Als böse Madame Arminda macht Lina Romay im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Figur. Da Arminda als Identifikationsfigur aufgebaut wird, ist Lina Romay eine gute Wahl, denn sie bringt – bis auf Ausnahmen wie „Greta – Haus ohne Männer“ wo sie auch rein äußerlich verändert auftritt – immer auch etwas naiv-begeistert Liebenswertes mit. Mit einer Monica Swinn z.B. hätte diese doppelbödige Rolle nicht unbedingt funktioniert. Ihr zur Seite steht die ausgesprochen hübsche Martine Stedil, die an die junge Brigitte Lahaie erinnert. Martine Stedil ist als Schauspielerin interessanterweise nur in Franco/Dietrich-Filmen aufgetaucht. Zwischen 1975 und 1977 brachte sie es auf fünf Auftritte. Nach „Die Sklavinnen“ verschwand sie dann spurlos von der Bildfläche, und es war mir nicht möglich gewesen, irgendetwas über ihren weiteren Werdegang in Erfahrung zu bringen. Aber es ist ja für Franco durchaus typisch, dass es einen Kern von Schauspielern gibt, die ausschließlich mit ihm drehen – und dies oftmals über lange Jahre – und deren Filmographie dann irgendwann abrupt abbricht. Ich vermute einmal, dass viele nur aus persönlicher Freundschaft zu Franco in seinen Filmen auftraten und ansonsten keine weiteren Ambitionen auf eine große Filmkarriere hegten.

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„Die Sklavinnen“ ist ein weiterer Titel aus der Franco/Dietrich-Ära, der mit kleinem Geld eine zutiefst zynische und pessimistische Krimigeschichte um eine scheinbar entführte Millionärstochter, einer gierigen Jagd nach dem Lösegeld und Betrug auf allen Fronten erzählt. Mit Lina Romay und Martine Stedil ist das Filmchen dabei überaus attraktiv besetzt. Das Drehbuch weißt zwar große Lücken auf, doch diese überspringt Franco mit dreistem, aber auch sehr ökonomischem Pragmatismus und stopft diese mit viel nackter Haut zu.

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Die DVD weist ein gutes Bild auf, dessen Schärfe allerdings auch oftmals einen guten Blick auf diverse Hautunreinheiten freigibt. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor. Extras gibt es bis auf den Trailer und eine Bildgalerie, sowie ein 40-minütiges Audio-Interview, welches Hans D. Furrer am 17.06.1976 mit Jess Franco im Hotel Gregory in Zürich geführt hat. Das Interview ist auf französisch mit deutschen Untertiteln.

Das Bloggen der Anderen (24-02-14)

Von , 24. Februar 2014 21:14

bartonfink_type2Fangen wir an mit dem letzten Nachklapp zur Berlinale. Und mit der Ankündigung, dass „Das Bloggen der Anderen“ nächste Woche aufgrund von familiären Verpflichtungen ausfallen wird.

– Auf Negativ führt Michael Schleeh sein Berlinale Diary weiter. In Teil 4 hat der u.a. den deutschen „Zwischen zwei Welten“ gesehen, den er „schlimm und peinlich“ fand.  Den Abschluss sei es Berichtes stellen in Teil 5 dann das Ranking aller 30 von ihm gesehen Filme.

– Jennifer Borrmann schreibt auf B-Roll über die Retrospektive der Berlinale, die sich mit Licht und Schatten auseinander gesetzt hat. Allein die Bilder machen einem da schon den Mund wässerig.

– Michael Kienzel erinnert auf critic.de an einen japanischen Regisseur, der im Forum der Berlinale vorgestellt wurde und ungerechtfertigterweise relativ unbekannt geblieben ist: Noboru Nakamura. Drei seiner Filme aus den 50ern wurden gezeigt und hier besprochen.

– Lukas Foerster bespricht auf Dirty Laundry auch noch zwei Filme, die auf der Berlinale liefen. „A Dream of Iron“ aus Korea von Kelvin Kyung Kun Park und der rumänische „The Second Game“ von Corneliu Porumboiu.

– dennis von filmosophie kennt die Berlinale sowohl als Fachbesucher, wie als Presse-Akkreditierter und hat einen schönen Bericht über beide Erfahrungen geschrieben.

– Hannes Brühwiler hat für Revolver noch einmal vier Filme besprochen, die für ihn zu den Highlights der Berlinale zählten.

– Nur bedingt „Berlinale“ und auch kein Filmblog. Trotzdem finde ich den langen Bericht von Christian Hempel von traumfalter filmwerkstatt über die zweite, sogenannte „Genrenale“ sehr interessant und in seiner Ausführlichkeit sicherlich für den einen oder anderen hier von Interesse.

Das war es nun mit der Berlinale.

– Herzlichen Glückwunsch an den Blog real virtuality, der sein 5-jähriges feiert.

– Annika Stelter von Die Filme, die ich rief hat sich einen meiner Lieblingsfilme angesehen: „The Wild Bunch“. Sie mochte ihn, wenn auch nicht uneingeschränkt. Interessant hier mal eine weibliche Perspektive zu lesen, denn obwohl sie den Film gut fand, liegen ihre Gründe dafür doch auf anderen Schwerpunkten, als ich sie setze. Ist wohl ein guter Film für ein typisches Mann-Frau-Ding.

– Oliver Armknecht hat auf film-rezensionen.de Kim Ki-Duks „Moebius“ besprochen und kommt zu dem Schluss: „So grotesk, unpersönlich und symbolüberladen, dass der Film irgendwann mehr anstrengt als dass er fesselt“. Klingt trotzdem spannend.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hat den herrlichen Quatsch „Zombies unter Kannibalen“ gesehen, fand den aber gar nicht lustig – ganz im Gegenteil. Und auch eine meiner „guilty pleasures“ „Der Triebmöder“ aka „Das Schloss der blauen Vögel“ kommt nicht gut weg.

– Letztes Jahr haben wir im Rahmen unser Reihe „Weird Xperience“ im Kommunalkino Bremen den Film „Mondomanila“ des philipinischen Regisseurs Khvan gezeigt und der hat das Hsaus ordentlich gerockt, aber auch für verstörte Gesichter gesorgt. Alex Klotz hat nun den Nachfolger „Misericordia: The Last Mystery of Kristo Vampiro“ gesehen und schreibt auf Hard Sensations: „Er kotzt die Bilder spontan aus, ohne vorher großartig über sie nachzudenken, was ihn auch erst zum Hoffnungsträger des wahrlich wilden Weltkinos fernab aller Arthouse-Befindlichkeiten werden liess.“ Ich freue mich schon. Mit etwas Verspätung erfreut uns Silvia Szymanski mit ihrem sehr ausführlichen Bericht vom letzten Hofbauer-Kongress. Wie alles, was Silvia in ihrem unnachahmlichen Stil verfasst: Höchst lesenswert.

– Sano Cestnik auf Eskalierende Träume über bereits verfügbare und hoffentlich irgendwann kommende Veröffentlichungen von Rudolf Thomes Filmen.

– Demnächst erscheint bei Camera Obscura der Giallo „Neun Gäste für den Tod“. Ich habe auch schon höflich nach einem Rezensionsexemplar angefragt, um meinen Lesern eine Besprechung dieses Filmes anbieten zu können. Leider habe ich noch keine Antwort, kann aber in der Zwischenzeit auf Udo Rotenbergs Artikel über den Film auf L’amore in cità verweisen.

– Ebenfalls sehr spannend und lesenswert: Udo auf Grün ist die Heide über das Frühwerk des Erotik-Pioniers José Bénazéraf 1963 bis 1974. Von dem kenne ich bisher nur „Black Love“ und das Ferkel-Spätwerk. Noch eine Lücke, die dringend geschlossen werden muss.

– Es gibt immer wieder etwas neues zu entdecken. So hat Manfred Pollack sich auf Whoknows presents der venezolanischen Dokumentarfilmern Margot Benacerraf angenommen, die nur zwei Filme drehte (ein dritter über Picasso ist verschollen). Spannend.

– Von Fernando di Leos Film „Avere vent‘ anni“, der in Deutschland „Oben ohne, unten Jeans“ hieß, habe ich schon viel interessantes gelesen. Oliver Nödings Review auf Remember It For Later bestätigt mich darin, dass ich diesen Film unbedingt sehen sollte, denn Oliver schreibt: „Di Leo hat viele fantastische Filme gedreht, vielleicht ist dieser seine Meisterleistung. Herausfordernd, originell und absolut niederschmetternd, ist es von denen, die ich bisher kenne, sein konzeptionell spannendster, radikalster und mutigster. Unbedingt ansehen. Man vergisst AVERE VENT’ANNI nie wieder.“

– Andreas Köhnemann bespricht auf screenshot vier Filme aus dem diesjährigen Sundance Festival-Programm, die sich alle vier mit dem Erwachsenwerden beschäftigen.

– Der Tango gehört zu Finnland wie Wodka und Melancholie. Was jetzt erst wieder eine spielerische Doku namens „Mittsommernachtstango“ beweist, die Frank Schmidke auf cineastic.de bespricht. Peter Gutting schreibt im selben Blog über die deutsche Komödie „Love Steaks“, die letztes Jahr auf dem Filmfest München für Furore gesorgt hat.

– „Love Steaks“ hat auch filmosophie von filmosophie nachhaltig beeindruckt. Sie nennt ihn „eine Art Pop-Oper“ und schreibt: „Love Steaks könnte der Anfang von etwas ganz Großem sein. Nicht nur von einer großen Karriere des Regisseurs, sondern auch von einer deutschen Filmströmung, auf die wir endlich mal wieder richtig stolz sein können.“ cutrin hat „Monuments Men“ gesehen und bedauert sehr, dass sie kein gutes Haar an diesem Werk lassen kann.

– Drehli Robnik sieht das auf filmgazette genauso und vergibt für „Monuments Men“ glatte 0/10 Punkte.

– So streng ist Miriam Eck auf Daumenkino nicht mit „Monuments Men“. Sie fordert „Geschichtsbuch weglegen und Popcorn raus!“.  Philipp Fust hat Abbas Kiarostamis neuen Film „Like someone in love“ gesehen, den er einen „dichten wie vereinnahmenden Dekonstruktionsfilm“ nennt.

– Auf Jugend ohne Film macht sich Rainer Kienböck anlässlich einer Vorführung von „Triumph des Willens“ gekoppelt mit „Flaming Creatures“ Gedanken darüber, warum erstgenannter Film nicht besessen werden darf.

Der Kinogänger hat wieder Neues aus Hollywood zusammengetragen.

– Ein Nachzügler zu den „Das finstere Tal“-Reviews in der letzten Woche: Björn Schneider von Filme Welt hat er auch sehr gut gefallen.

– Ganz tief in die Geschichte des Bollywoodfilms taucht Michael Schleeh auf Schneeland ein. Er schreibt über den 1943 Film „Kismet“, den er sehr schön fand. Gleichzeitig erfährt man etwas über das indische Kino in den 40ern.

– Oha, ein Greenaway, den ich nicht nur nicht gesehen, sondern von dem ich vielmehr noch nicht einmal etwas gehört habe. Das macht mich neugierig! Also flugs auf Stubenhockerei gegangen, über „Death in the Seine“ gelesen und den Film auf meine Wunschliste gepackt.

– Giallo-Time auf Intergalaktische Filmreisen. Der Ape-Man schreibt über „Blutspur im Park“ von einem der eher unbekannteren, aber nichtsdestotrotz wichtigen Regisseure Italiens: Duccio Tessari. Hier spielt einmal nicht sein Stammschauspieler Giuliano Gemma, sondern der unverwüstliche Helmut Berger die Hauptrolle. Einen Geheimtipp aus deutschen Landen hat er auch noch: „Der Satan lockt mit Liebe“ aus der Wolf-C.-Hartwig-Schmiede, den er eine „Liebeserklärung an den Film noir“ nennt.

– Durch den Ape-Man bin ich auf den Blog ERGOthek aufmerksam geworden, wo sich die Bloggerin die Sinnfrage stellt. Wozu blogge ich eigentlich? Interessiert das jemanden? Könnte ich mit meiner Zeit nicht etwas besseres anfangen? Das schlechte Gewissen, wenn man mal gar nichts schreibt oder noch Themen hat, zu denen man einfach nicht kommt. Also alles Dinge, die wir Blogger uns sicherlich auch sehr häufig stellen. Ich tue es jedenfalls und darum spricht mir der Text durchaus aus dem Herzen. Vor allem, wie wichtig es ist Feedback zu bekommen oder wenigstens ein wenig Anerkennung für das was man da macht. Sei es durch Kommentare, „Likes“ bei Facebook oder – finde ich besonders schön – eine Verlinkung in der Blogroll.

– Letzte Woche hatte ich für „Das finstere Tal“ einige Reviews gebündelt, da dieser Film von sehr vielen Blogs besprochen wurde. Diese Woche haben wir die gleiche Situation – sogar noch im größeren Ausmaß – mit „Nymph()maniac“, weshalb ich wieder so vorgehe, die Reviews hierzu zusammenzufassen. Auf filmgazette gibt Janis El-Bira 10/10 und schreibt „Daraus kündigt sich schon nach „Volume I“ die aberwitzigste Großfilmtat seit langem an: Ein erotoman-nietzscheanisch-katholischer Bildungsroman in allgemeiner Absicht.“ Jamal Tuschik auf Hard Sensations mag den Film auch und schreibt: „Mich beeindruckt diese in Plastik geschlagene Liturgie für den Hausgebrauch und alle Fälle, vom Gebet bis zur Gestik.“. Auch cutrin von filmosophie ist sehr angetan: „Nymphomaniac Volume One wirkt zu jedem Zeitpunkt seltsam rau und unfertig – und doch angenehm konzise und stringent durcherzählt, zusammengehalten durch die Rahmenhandlung.“ Sebastian Selig wird angesichts des Filmes aus Negativ geradezu lyrisch: „Kino als Freiheitskampf. In welchem sich all der gehörige Wagemut, all die Tapferkeit, dann umso lustvoller am Ende eben doch noch auszahlt. Strahlend bunter Sonnenaufgang. Ich komme. Aus dem Dunkeln. Dem Knistern und Knacken eines dunklen Kinosaals heraus mit all seinen dort in 110 Jahren Filmgeschichte festgetrockneten Spermaflecken.“. Etwas nüchterner, aber nichtsdestotrotz vom Film überzeugt schreibt Ronny Dombrowski auf cinetastic: „sondern vielmehr eine ausgeklügelte und fein gezeichnete Charakterstudie einer Frau die von Zweifeln und Selbsthass gezeichnet ist. Ein typisch provokanter Lars von Trier den man gesehen haben sollte.“ Nach all den Lobeshymnen zum Abschluss noch ein paar kritische Worte von Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film: „Am Ende bleibt der fade Beigeschmack eines manipulierenden Stück Provokation, einer filmischen Masturbation, die in einer Gleichgültigkeit versinkt, die sie selbst auf keinen Fall möchte.“

Blu-ray-Rezension: “Basket Case”

Von , 21. Februar 2014 19:50

Basket Case - White EditionEinst wurde Duane Bradly gegen seinen Willen in einer illegalen Operation von seinem missgestalteten siamesischen Zwilling Belial getrennt und dieser im wahrsten Sinne auf dem Müll geworfen. Doch Duane rettete seinen Bruder. Jahre später macht sich Duane zusammen mit Belial, den er in einem Weidenkorb versteckt hält, auf nach New York, um an den Ärzten, die für ihr Schicksal verantwortlich waren, blutige Rache zu nehmen.

Irgendwann in den frühen 90ern sah ich mit einem guten Freund zusammen einen Film namens „Frankenhooker„, der uns beide nicht begeisterte. Im Gegenteil, wir ärgerten uns damals, was wir uns da für ein Schrott aus der Videothek mitgebracht hatten und machten uns über den Namen des Regisseurs, Frank Henenlotter, lustig. Wenn jemand schon so heißt, so unsere These, könne da ja auch kein gescheiter Film rauskommen. Etwas später landete „Basket Case“ im Player und als in den Titel der Regisseur genannt wurde, wurden unsere Gesichter zunächst lang und nach der Sichtung sogar noch länger. Wieder hatte uns der „Hennen-Lothar“ einen Film vorgesetzt, mit dem wir so gar nichts anfangen konnten. Heute, ungefähr zwei Jahrzehnte nach diesen nächtlichen Video-Sessions, muss ich zu unserer Ehrenrettung sagen, dass wir noch jung waren und zudem die verstümmelten Videofassungen der Filme sahen. Gerade im Bezug auf „Basket Case“ geschah mit uns also genau das, was Frank Henenlotter in der schönen Doku zur „Baske Case“-Trilogie erzählt. Beim Kinostart des Filmes in den USA hatte der Verleiher alle blutigen Szenen herausgeschnitten und den Film als reine Komödie verkaufen wollen. Niemand wollte den Film sehen. Erst als die blutigen Stellen wieder eingefügt wurden, standen die Leute vor den Grindhouse-Theatern Schlange. Damals hatte „Basket Case“ also bei mir nicht gezündet. Wie sieht es heute aus, wo die ungekürzte Fassung sogar auf Blu-ray vorliegt?

Um es vorweg zu nehmen: Sehr viel besser. Heute weiß ich die billige, aber leidenschaftliche Machart des Streifens zu würdigen. Ebenso den amateurhaften Charme und die etwas steifen oder übertrieben enthusiastischen Darsteller. „Basket Case“ ist ein Werk, welches aus Liebe zum schundigen Exploitationkino entstanden ist, und das merkt man in jeder schmutzigen Ecke des Filmes. Auch muss festgehalten werden, dass die z.T. recht übertrieben Goreeffekte dem Film gut tun und nicht – wie in anderen Werken – eher die Stimmung stören. „Basket Case“ ist zwar nicht unbedingt als Komödie zu titulieren, nimmt sich aber zu keiner Sekunde ernst und gewinnt seinen Witz aus der absurden Geschichte und den überzogenen Splatterszenen. Es ist also kein Wunder, dass der Film einen Großteil seiner Wirkung verliert, wenn diese – wie bei der US-Premiere oder der deutschen Videoauswertung durch Starlight – fehlen. Obwohl der Film seine Wurzeln im Amateurbereich nicht verleugnen kann, erliegt Henenlotter nicht – wie viele seiner deutschen Kollegen – der Versuchung, seinen Film in einen verkrampften, unkomischen Splatterslapstick zu verwandeln, sondern hält sich gerade hier stark zurück. Ganz auf seine Geschichte und seine Darsteller vertrauend.

Diese stammen überwiegend aus Henenlotters Bekanntenkreis oder von der Schauspielschule. Dort befand sich zu der Zeit auch Hauptdarsteller Kevin Van Hentenryck, dessen Duane Bradley zunächst auf Jahre hinaus seine einzige Rolle bleiben sollte. Er spielte diesen Charakter auch in den beiden Fortsetzungen 1990 und 1991, bevor er 2006 auch einmal eine kleine Rolle in einem anderen Film hatte. In der Zwischenzeit widmete er sich ganz der Bildhauerei. Vielleicht nicht die schlechteste Idee, denn zieht man seine Darstellung in „Basket Case“ in Betracht, so kann er nicht unbedingt zu den Besten in seiner Klasse gehört haben. Er spielt den Duane mit einer Mischung aus Passivität und dann wieder hektischem Overacting, insbesondere in seinen Szenen mit dem siamesischen Zwilling Belial. Irritierend ist auch der ständige Wechsel der Länge seines beeindruckenden Haarschopfes. Hier merkt man deutlich, dass die Dreharbeiten fast über ein Jahr gedauert haben, und Kevin Van Hentenryck zwischendurch mal zum Friseur gegangen ist. Trotz dieser Kritik muss man allerdings festhalten, dass Van Hentenryck sein Bestes gibt und gerade in seinem ernsthaften Bemühen eine seriöse Leistung zu zeigen, durchaus die Sympathien auf seiner Seite hat.

Auch die anderen Darsteller können kaum verhehlen, dass sie keine professionellen Schauspieler sind. Terri Susan Smith ist zwar nett und man möchte sie gerne in den Arm nehmen, doch sie hat die Tendenz ihre Texte mehr aufzusagen, als ihnen eine natürliche Färbung zu geben (zumindest in der O-Ton Fassung). Auch hilft die hässliche Perücke, die man ihr aufgesetzt hat – laut Henenlotter war sie damals Mitglied einer Punk-Band und hatte sich den Kopf rasiert – trägt augenscheinlich nicht dazu bei, ihr eine gewisse Unsicherheit vor der Kamera zu nehmen. Lloyd Pace legt seinen Dr. Needleman offensichtlich als Witzfigur an und übertreibt maßlos, während Diana Browne als Dr. Kuttler zunächst ungeheuer steif daherkommt, um dann um so theatralischer ihr Ende zu finden. Ein Vorteil hat die Besetzung mit Laien aber, um dem Hotel Broslin Authentizität zu verleihen. Duane Bradleys Mitbewohner in dieser heruntergekommen Absteige, scheinen wirklich dort zu wohnen und sorgen für ein realistisches Umfeld. Allen voran Beverly Bonner als Prostituierte mit Herz, Casey, und Joe Clarke als versoffener, diebischer Nachbar.

Unbestrittener Star des Filmes ist aber das Ding im Korb, der „unheimliche Zwilling“ Belial. Dieser ist ein unförmiger Fleischklumpen mit zwei langen Armen und klauenähnlichen Fingern. Belial ist zwar sehr primitiv, aber auch effektvoll gestaltet. Obwohl jederzeit als Puppe oder Teilkostüm zu erkennen, gelingt es Henenlotter trotzdem, seinem Belial eine Seele einzuhauchen, so dass er ein echter Teil der Darstellerriege wird. Henenlotter hält sich auch an eine der elementarsten Regeln des Horrorfilms, und zeigt sein Monster nicht zu früh. So wird Spannung aufgebaut und gerade die frühen Szenen, in denen Belial nur schemenhaft zu erkennen ist, sind tatsächlich gruselig geraten. Aber auch später, wenn man Belial in seiner ganzen Pracht sieht, macht er trotz (oder gerade wegen) seiner doch recht kruden Machart einen guten Eindruck. Man sieht, dass seine Schöpfer viel Liebe in ihre Kreation gesteckt haben. Und auch eine hübsche Stop-Motion-Animation mit Belial trägt dazu bei, dem Film einen ganz besonderen Charme zu geben. Von Charme kann bei den drastischen Splatterszenen zwar nicht die Rede sein, doch diese sind, wie bereits erwähnt, dermaßen übertrieben ausgefallen, dass sie weniger düster-beängstigend, sondern eher irrwitzig-belustigend ausgefallen. Dass gerade die Special Effects im Vergleich zu dem Rest des Filmes so professionell wirken, hat wohl auch damit zu tun, dass die führenden Köpfe dabei – John Caglione und Kevin Haney – junge, sehr engagierte Künstler waren, die nach diesem Film auch zu Recht Karriere gemacht haben und später bei vielen Blockbustern und Kultfilmen an Bord waren und noch sind.

Seinen besonderen Reiz bezieht „Basket Case“ aus seiner dreckigen Atmosphäre, die die Stimmung im New York der späten 70er, frühen 80er – ähnlich wie z.B. „Maniac“ – sehr authentisch einfängt. Die heruntergekommen Hotels und die 42nd Street mit seinen Grindhouse-Kinos, Sexclubs und dem Drogenhandel auf offener Straße. Einmal wird Duane von einem Dealer angesprochen, der ihm eine Zeitlang folgt und dabei ununterbrochen seine Waren anpreist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dies nicht gespielt, sondern nur zufällig von der Kamera eingefangen wurde, also echt ist. Selbst die Szenen zu Fuße der Freiheitsstatue strahlen keine Romantik aus, sondern eher den herben Charme einer hundekotverseuchten Wiese. Die Stadt ist neben Duane und Belial beinahe schon so etwas wie der dritte Hauptdarsteller. Daher ist „Basket Case“, neben all seinen anderen Meriten, auch ein interessantes Zeitdokument.

„Basket Case“ in ein kleiner Low-Budget-Film mit einem großen Herz. Er lebt einerseits vom Enthusiasmus seiner Macher und der liebevollen Gestaltung seines Monsters, andererseits aber auch von der maroden Stimmung im New York der frühen 80er. Ernst nehmen sollte man den Film nicht, aber das tut er selber auch zu keiner Sekunde. Mit seiner abstrusen Geschichte und dem unterschwelligen Witz gehört „Basket Case“ zu Recht zu den Klassikern des alternativen Mitternachtskinos.

Die Blu-ray aus dem Hause CMV lässt den Film in einem Glanz erstrahlen, den man kaum für möglich gehalten hätte. Regisseur Frank Henenlotter hat die original 16mm-Negative gefunden und als Grundlage für die Blu-ray verwendet. Dabei hat er das Format auch bei 4:3 belassen, da – wie er selber in der Einführung erläutert – die Anpassung an das heute gängige 16:9-Format einfach schrecklich ausgesehen hätte. Schade, dass nicht alle so denken, das würde dem Filmfreund eine Menge Kummer ersparen. Und man muss zugeben, dass es wohl kaum einen 16mm-Film gab, der im Heimkino so gut aussah. Der Ton ist auch kraftvoll und überzeugend. Und die Extras lassen dem geneigten Zuschauer die Augen übergehen und versammeln fast (es fehlt nur das 20-minütige Feature „Grisly Graham Humpreys“ von der UK-Blu-ray) alles, was bisher auf der UK-Blu-ray von Second Sight („The Trilogy“) und der US-DVD von Something Weird zu finden war. Neben einem Audiokommentar Regisseur Frank Henenlotter und Produzent Edgar Ievins, gibt es noch eine Einführung in den Film von Frank Henenlotter, in dem er über den HD-Transfer für die Blu-ray spricht (2:26 Minuten). Des weiteren: „In Search for Hotel Broslin“, eine 15-minütige Doku in der Henenlotter und der New Yorker Rapper R.A. The Rugged Man (mit dem er 2008 gemeinsam das Drehbuch zu „Bad Biology“ schrieb) sich auf die Suche nach den damaligen Drehorten machen. Das 7-minütige „Beverly Bonner’s Laugh Track“ enthält einen Ausschnitt aus einer TV-Show von Casey-Darstellerin Beverly Bonner. Die Show ist sehr, sehr billig und ist scheinbar für das New Yorker Äquivalent des „Offenen Kanals“ entstanden. 6-Minuten „Outtakes“ sind sehr nett anzusehen und mit einem ziemlich tollen Song untermalt, von dem ich Titel und Interpret leider nicht herausfinden konnte. 7-Minuten „Ein Blick hinter die SFX-Kulissen“ zeigen SFX-Spezialist Gabriel Bartalos, der den Belial in „Basket Case“ Teil 2 und 3 entworfen hat, bei einer recht netten Tour durch sein Studio. Es gibt noch Radiospots, Radiointerviews (8:55) und ein kleines Feature über die Besonderheiten der deutschen Fassung, sprich den deutschen Vorspann und eine Szene, indem durch das spiegelverkehrte Einsetzten einer Einstellung ein Anschlussfehler korrigiert wurde. Das Herzstück der Extras ist aber eine 87-minütige Doku namens „What’s in the basket?“, in der im Detail auf alle drei „Basket Case“-Filme eingegangen wird und sich Henelotter sehr selbstkritisch zum Teil 3 äußert. Überhaupt ist Frank Henenlotter sehr sympathisch und ein sehr guter Erzähler, was die Extras mit ihm noch zusätzlich aufwertet. Alles in allem: Eine perfekte Präsentation des Filmes „Basket Case“.

Ich sollte jetzt vielleicht auch noch einmal „Frankenhooker“ eine zweite Chance geben.

Originalfassungen in Bremen: 20.02.14 – 26.02.14

Von , 20. Februar 2014 16:18

Diese Woche ist mal wieder gar nichts los in Sachen O-Fassung. Der einzige attraktive Film erscheint mir George Clooneys „Monuments Men“, wobei er auf der Berlinale auch mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Immerhin wurde der im Harz gedreht, was doch schon mal nett ist.

Monuments Men – Cinemaxx, Do., Sa.-Mo. immer 20:15 % Schauburg, Mi., 26.2. um 17:00 – Fünfte Regie-Arbeit von George Clooney, der zusammen mit einigen seiner Kumpels auch die Hauptrolle übernimmt. Es geht um eine Spezialeinheit im 2. Weltkrieg, in der Kunstwissenschaftler und Museumsdirektoren im Kriegsgebiet Kulturgüter vor der Vernichtung durch die Nazis retten sollen.

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Eyyvah Eyvah 3 – Cinemaxx, Do./Sa./Mo./Di./Mi 23:10, Fr. auch 20:15 und So. auch 16:40 – Dritter Teil der türkischen Komödien-Reihe.

Recep Ivedik 4 – Cinemaxx, Do.-Mi. um 14:20/17:20/20:10/23:00 & CineStar – Kristallpalast Do.-Mi., 14:40/17:30/20:30, Do.-Sa. auch 23:20 – Vierter Teil der türkischen Erfolgskomödie. diesmal muss Recep Ivedik ein Grundstück für die Kinderfussballmannschaft seiner Nachbarschaft retten.

Chasing Ice – City 46, Do./So./Mo. um 20:30 und Fr./Di. um 18:00 – Doku über den Fotografen James Balog der für die „National Geographic“ in die Arktis reiste und dort erschreckende Beweise für den Klimawandel fand.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 24.02. um 21:45 Uhr

Französische Sneak Preview –  Gondel, Mi., 26.01. um 21:00

DVD-Rezension: “Forbidden Zone”

Von , 18. Februar 2014 22:17

forbidden zoneIm Keller des Hauses der Familie Hercules gibt es eine geheimnisvolle Tür, die in die Sechste Dimension führt. In dieser regieren der zwergenhafte König Fausto (Hervé Villechaize) und seiner Domina-mäßigen Königin Doris (Susan Tyrrell). Nachdem die Tochter der Hercules, Frenchy (Marie-Pascale Elfman), von ihrem Klassenkameraden Squeezit (Matthew Bright) gehört hat, dass dieser in einer Vision gesehen habe, dass seine transsexuelle Schwester René (ebenfalls Matthew Bright) durch die Tür im Keller der Hercules in die sechste Dimension geraten ist, beschließt Frenchy einen kurzen Blick hinter die Tür zu wagen. Es kommt, wie es kommen muss. Frenchy gerät ebenfalls in die sechste Dimension und wird dort gefangen genommen. Nach und nach folgen ihr ihre Familienmitglieder, und was sie in der Sechsten Dimension erleben, sprengt jegliche Logik…

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Holla, was ist das den? Es gibt viele Filme, denen das Prädikat „Kultfilm“ aufgedrückt wird. Aber „Forbidden Zone“ hat diesen Stempel mehr als verdient. Der erste Spielfilm von Richard Elfman sprüht nur so über vor verrückten Ideen, purem Wahnsinn und filmischen Extravaganzen. Obwohl wahrscheinlich nur aus Budgetgründen in schwarz-weiß gedreht, entpuppt sich diese Entscheidung als genau die richtige. „Forbidden Zone“ vereint Elemente des expressionistischen Stummfilms, des frühen Slapsticks und des Vaudeville, und mixt diese mit avantgardistischem Dada, Three-Stooges-Humor, Cartoons, Terry-Gilliam-Animationen, John-Waters-Geschmacklosigkeiten und Musicalelementen. Mal erinnert er an einen amoklaufenden Guy Maddin auf Ecstasy, dann wieder an die „Rocky Horror Picture Show“. Und inmitten des Wahnsinns schwingt eine in eine enges Lederkostüm gequetschte Susan Tyrrell die Peitsche, während ihre Tochter barbusig durch die Gegend hüpft. „Forbidden Zone“s überbordender Einfallsreichtum und Mut einfach mal ohne Sinn und Verstand über die Stränge zu schlagen, lässt einen atemlos und trotz der kurzen Laufzeit von nur 70 Minuten auch etwas erschlagen zurück.

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„Forbidden Zone“ ist ein Projekt, welches seine Wurzeln in der extravaganten Show der Musiktheater-Gruppe „The Mystic Knights of the Oingo Boingo“ hat. Einer avantgardistischen Musik-Theater-Truppe, die zeitweise bis zu 15 Mitglieder auf die Bühne brachte. Gegründet wurde sie 1972 von Richard Elfman und seinem jüngeren Bruder Danny. Die Band spielte Musik aus den Jahren 1890 bis 1950. Dies konnten Songs von Cab Calloway, russische Ballettmusik oder balinesische Volksmusik sein. Gespielt wurde auf selbstgebauten Instrumenten und in fantasievoller Kostümierung. Bereits 1976 begann sich Richard Elfman für Filmregie zu interessieren und übergab die Leitung der „Mystic Knights“ an seinen Bruder Danny. Jetzt begannen sie auch Singles aufzunehmen, zuvor hatten sie ausschließlich live performt. 1979 begann die Band sich unter Dannys Leitung in eine „echte“ Band zu verwandeln. Der Name wurde auf „Oingo Boingo“ verkürzt und von einer vielköpfigen Theatertruppe auf acht Mitglieder verkleinert. Bald schon stellte sich im Zuge der New Wave der erste Charterfolg ein. „Oingo Boingo“ wurde eine international erfolgreiche Musikgruppe und existierte bis 1995. Zu diesem Zeitpunkt war Danny Elfman bereits einer der berühmtesten und vielbeschäftigsten Filmkomponisten Hollywoods. Er schrieb für alle Tim-Burton-Filme die Musik und kooperierte häufig mit Sam Rami, für den er u.a. „Spider-Man“ vertonte. Zudem ist ihm das Titelthemen der TV-Serien „Die Simpsons“ und „Desperate Housewives“ zu verdanken.

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Die Idee zu „Forbidden Zone“ hatte Richard Elfman, weil er die extravagante Bühnenshow der „Mystic Knights of the Oingo Boingo“ festhalten wollte und den ganzen Wahnsinn, den sie produzierten. Vergleicht man den Film mit den Videoaufnahmen der „Mystic Knights“-Show, die freundlicherweise in den Extras zu sehen sind, erkennt man einerseits, dass Elfman dieses Vorhaben geglückt ist und er andererseits die Schraube noch viel mehr anzog. Das Tohuwabohu der „Mystic Knights“ wurde noch mit filmischen Extravaganzen und genuinen Irrwitz angereichert, so dass der Film am Ende weit über eine bloße Hommage an die „Mystic Knights“ hinausgeht. Die Dreharbeiten erstreckten sich über drei Jahre. Zunächst war ein 16mm Film unter dem Titel „The Hercules Family“ mit 12 „Mystic Knights“-Nummern geplant. Zwei Nummern wurden gedreht (ebenfalls in den Extras zu finden), dann aber wurde das Projekt größer, es wurde auf 35mm gedreht und die bereits fertigen Szenen neu konzipiert, damit sie in den neuen Film, der jetzt „The Forbidden Zone“ hieß, passten. Die Dreharbeiten waren chaotisch und irgendwann halfen auch die Schauspieler mit, ihre Kostüme zu schneidern und Kulissen zu bauen.

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Ein nicht unwichtiger Faktor für den Erfolg des Filmes ist, neben der Musik, auch die großartige Arbeit von Richard Elfmans damaliger Ehefrau Marie-Pascale Elfman, die nicht nur eine der Hauptrollen spielte, sondern auch für das Design der expressionistisch-naiven Kulissen zuständig war. Beim Casting wurde zunächst natürlich auf die Mitglieder der „Mystic Knights“ gesetzt. Dann wurden Verwandte und Bekannte dazu geholt. Ein besonderer Coup gelang mit der Besetzung von Hervé Villechaize, der berühmt wurde als Christopher Lees teuflischer Handlanger Nick Nack in dem James-Bond-Abenteuer „Der Mann mit dem goldenen Colt“ und als Mr. Roarkes Assistent Tattoo in der in den USA enorm populären TV-Serie „Fantasy Island“. Villechaize war ein ehemalige Mitbewohner von „Forbidden Zone“s Co-Drehbuchautor und Darsteller des Squeezit, Matthew Bright und brachte noch seine Ex-Freundin Susan Tyrrell mit. Gerade Susan Tyrrell gibt dem Film noch zusätzlich Würze. Ihre hemmungslose und de Grenze zum Wahnsinn einige Male überschreitende Darstellung der Königin Doris sprengt förmlich den Bildschirm. Dass Frau Tyrrell auch im wahren Leben eine sehr explosive und extrovertierte Persönlichkeit war, kann man einerseits in den Extras bestaunen, andererseits in einem Interview mit John Waters, welches er vor einige Tagen „Spiegel Online“ im Rahmen seiner „This Filthy World“-Tour gegeben hat, nachlesen. Dort sagt er über Susan Tyrrell – die in seinem „Cry Baby“ eine ähnlich erinnerungswürdige Darstellung gab: „Die (war) zwar die ganze Zeit betrunken (…), (hat) aber trotzdem umwerfend gespielt (…)! Es war nur manchmal ein wenig irritierend, mit ihr zu reden, weil ihre Augäpfel die ganze Zeit wie wild hin- und herflackerten…“. Leider nahm es mit Frau Tyrrell ein trauriges Ende. Aufgrund einer seltenen Krankheit mussten ihr 2000 beide Beine amputiert werden, was sie aber nicht davon abhielt, noch bis zum ihrem frühen Tod 2012 weiter in Filmen aufzutreten.

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Neben Villechaize und Tyrrell kann man noch die Ex-Warhol-Muse Viva als Ex-Königin und Joe „Maniac“ Spinell in einer deutlich von „Marnie“ inspirierten Szene als Squeezits betrunkener und gewalttätiger Vater sehen. Noch einmal deutlich hervorheben muss man aber die Gesang- und Tanzkünste von Marie-Pascale Elfman, dem heimlichen Star des Filmes. Generell spielt die Musik naturgemäß eine große Rolle in „Forbidden Zone“ und die Bandbreite reicht von Playback-Aufnahmen alter Jazz- und Swing-Standards, über die brillante Coverversion von „Minnie the Moocher“ von Danny Elfman bis in zum unvergesslichen Titelthema, welches von „Oingo Boingo“ eingespielt wurde und schon deren musikalische Ausrichtung am New Wave in den 80er Jahren deutlich macht. Dieses wilde Potpourri an Musikstilen passt hervorragend in einen Film, der insgesamt ausgesprochen zusammengewürfelt wirkt. Was in diesem speziellen Fall nicht negativ gemeint ist.

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„Forbidden Zone“ ist Chaos und Wahnsinn pur. Ein expressionistisches Cartoon-Musical mit Monty-Pythonesquen Animationen, avantgardistischen Einfällen, schlechten Witzen und nackten Brüsten. Irgendwo zwischen aus dem Ruder gelaufenen Vorschultheater und Experimentalfilm. Das kann man lieben oder hassen. Kein Film für jedermann.

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Die CMV-DVD ist sehr vorbildlich. Der Film wird in der bestmöglichen Qualität präsentiert. Neben der originalen schwarz-weiß-Version kann man auch eine kolorierte Fassung auswählen. Die Kolorierung wirkt – wie so häufig – etwas „unecht“, wurde aber so von Regisseur Richard Elfman durchgeführt, der den Film von vornherein gerne bunt gedreht hätte. Allerdings geht die Farbe zu Lasten der expressionistischen und an Stumm- und Slapstickfilme gemahnende Bildkomposition. Die Extras lassen keine Wünsche offen und sind hoch informativ. Insbesondere kann man hier sehr genau die Karriere Danny Elfmans verfolgen. Kernstück der Extras ist die 36-minütige Doku „“A Look into Forbidden Zone“ in der Richard Elfman seine damaligen Mitstreiter interviewt. Des Weiteren kann man sich 10 Minuten „Outtakes“ ansehen und 5-Minuten aus dem ursprünglichen 16mm „The Hercules Family“-Film. In einer 4-minütigen japanischen Promo tritt Richard Elfman als Zirkusdirektor auf und erzählt über die Entstehung des Filmes. Wenn man wissen möchte, wie es mit „Oingo Boingo“ weiterging, der kann sich ein Musikvideo der Gruppe von 1982 ansehen, welches Richard Elfman gedreht hat: „Private Life“. Und obendrauf gibt es noch einen Audiokommentar von Richard Elfman und Matthew Bright, der wie die meisten Extras von der US-amerikanischen „Fantoma“-DVD übernommen wurde. Super!

Das Bloggen der Anderen (17-02-14)

Von , 17. Februar 2014 22:14

bartonfink_type2Bin ich froh, das die Berlinale jetzt vorbei ist. Den entsprechenden Blog-Beiträgen zu folgen, war wirklich weitaus mehr Arbeit, als ich mir zunächst vorgestellt hatte. Also noch einmal Zähne zusammenbeißen und los.

– Den Anfang macht Mehrfilm. Lida Bach hat „Test“ von Chris Mason Johnson gesehen, das HIV-Drama fand sie positiv unsentimental. Im Transgender-Film “52 Tuesdays” von Sophie Hyde fand sie feinen Humor und Unverkrampftheit. „Kraftidioten“ von Hans Peter Molland hält sie für eine „dumpfe Fascho-Farce“. Die Doku “Non-fiction Diary” von Jung Yoon-suk kommt dahingegen gut weg. Zu „Kumiko, the Treasure Hunter” von David Zellner schreibt sie „Ihre erzählerische Nuancierung ist jedoch eine ganz andere als die desorientierte, hitzige Wut des brutalen Kinderdramas“. Und einen ordentlichen Verriss gibt es bei “Tape_13″ von Axel Stein. “God Help the Girl” von Stuart Murdoch fand sie so la-la und wie sie den queeren „Praia do futuro“ fand, bin ich mir nicht so ganz sicher. Ich denke mal eher nicht so besonders. „To mikro psari – Stratos“ fand sie „blutleer“.

– Brigitte Häring war für Sennhausers Filmblog auf der Berlinale und sah „Boyhood“ von Richard Linklater, den sie für ein Meisterwerk hält. „To Mikro Psari“ von Yannis Economides ist für sie einer der stärksten Filme im Wettbewerb. „Kraftidioten“ von Hans Peter Molland ist für sie „ein ganz großes Vergnügen“. “Tui Na – Blind Massage” von Lou Ye hat sie berührt und ist hängen geblieben. Teddy-Award-Gewinner „Der Kreis“ von Stefan Haupt hat ihr auch sehr gut gefallen.

– Doreen Butze von Kino–German Film zeigt sich von „Die Zeit der Kannibalen“ sehr begeistert und auch „’71“ ist bei ihr sehr gut angekommen. Mit „Jack“ ist Edward Berger ein „wirklich guter Wettbewerbsbeitrag“ gelungen. Kritiker- und Publikumsliebling „Boyhood“ hat ihr auch sehr gut gefallen.

– Ein kurzer Kommentar zu Berlinale von Lukas Foerster gibt es auf Dirty Laundry.

– In der zweiten und dritten Folge seines Berlinale-Tagebuchs auf Negativ hat sich Michael Schleeh einige asiatische Beiträge vorgenommen.

– Frédéric Jaeger ärgert sich auf critic.de über die Politik der Berlinale, den Journalisten die Berichterstattung über den dort vorgeführten Rohschnitt der neuen Doku von Martin Scorsese zu verbieten und zieht sein persönliches Fazit.  Eine interessante Aktion: Studierenden des Seminars „Schreiben über Film – Berlinale 2014“ verfassen Texte über Filme des aktuellen Berlinale-Programms. Acht kurze Texte hier und weitere Texte über den Film „Meine Mutter, ein Krieg und ich“ von Tamara Trampe dort und Johann Feindt und „Töchter“ von Maria Speth an dieser Stelle.

– Miriam Eck von Daumenkino empfiehlt „Iranien“ und „’71“ und hat „Vulva 3.0.“ gesehen, Philip Fürst nennt Dante Lams „Mo Jiing“ ein „kerniges Vergnügen“. Jennifer Ament ist etwas enttäuscht von „Butter on the Latch“. Florian Krautkrämer findet den Experimentalfilm „The Guests“ von Ken Jacobs interessant, gegenüber „Leaves Fall in All Seasons“ ist er eher zurückhaltend. Kristina Scholz war beeindruckt von „Patardzlebi“ und empfiehlt „Kumiko, the Treasure Hunter“. Arne Fischer hält „Night Flight“ für einen harten und ehrlichen Film. Alle „Daumenkinoler“haben Lars von Triers „Nymphomaniac Vol. 1“ gesehen und mit einem Satz kommentiert. Der Tenor: Alle mochten den Film auf einer Bandbreite von gut bis Meisterwerk. Zu diesem Film hat Florian Krautkrämer auch über die „Dialektik der Lust“ geschrieben. Und zu guter Letzt gibt es noch eine Top 10 aller Daumenkino-Blogger.

– Sehr begeistert zeigt sich Peter Gutting auf cinetastic.de von dem deutschen Beitrag “Zeit der Kannibalen“.

– Ausgesprochen verärgert ist Bernd Zywietz auf screenshot über George Clooneys „Monument Men“. Sehr viel mehr angetan ist er von den meisten der deutschen Beiträge auf der Berlinale, insbesondere Dietrich Brüggemanns „Kreuzweg“, den er detailliert bespricht.

– Eigentlich dürfte filmosophie, wie sie selbst schreibt, „Kreuzweg“ nicht mögen. Trotzdem hat er sie nachhaltig beeindruckt. „Things People Do“ von Debütant Saar Klein findet sie dumm. Cutrin sieht bei „Ieji (Homeland)“ von Nao Kubota leider viel verschenktes Potential. Den brasilianischen Film „The Man of the Crowd (O Homem das Multidões)“ findet sie hübsch, aber leer.

Und jetzt genug von der Berlinale! Es gibt ja noch andere Themen.

– Ein Film Vittorio De Sica mit Maximilian Schell und Sophia Loren der in Hamburg-Altona spielt? Das gibt es? Wusste ich auch nicht, aber dank Udo Rotenbergs L’Amore in cità bin ich jetzt auch etwas schlauer.

– Regisseur Christoph Hochhäusler hat einige Filmklassiker wiedergesehen und berichtet darüber auf seinem Blog Parallel Films.

– Jamal Tuschick hat „Dallas Buyers Club“ gesehen und auf Hard Sensations besprochen. So ganz klar wird es nicht, aber er scheint ihm gefallen zu haben.

– Nicht so gut scheint „Dallas Buyers Club“ demgegenüber dem Pärchen von Film im Dialog gefallen zu haben, was sie sich gegenseitig näher ausführen.

Einen ganz wunderbaren Film stellt Oliver Nöding auf Remember It For Later vor: Giorgio Ferronis ungerechtfertigterweise relativ unbekannter „La Notte Dei Diavoli“. Den hatte ich einst als schraddelige VH-Kopie gesehen und hatte nichts erwartet. Umso mehr hat mich der Film damals ziemlich weggeblasen und auch Gianni Garko war dadurch stark in meiner Gunst gestiegen. Ganz toller Film, der weitaus bekannter sein sollte.

– Patrick Holzapfel hat „American Hustle“ gesehen und schreibt darüber auf Jugend ohne Film, „Man muss sich einlassen auf die pure Freude am Schauspiel, um den Film zu lieben und manchem mag das zu wenig sein.“. 2006 habe ich auf dem Filmfest Hamburg den Film „Day Night Day Night“ gesehen, der mich sehr stark beeindruckte und zu dem Besten gehörte, was ich in diesem Jahrgang (als ich noch sehr, sehr viel mehr Filme als heute schaute) gesehen hatte. Warum den so war, hat Patrick in seinem langen Review über den Film gut zusammengefasst. Und zuletzt gibt es noch ein sehr lesenswertes Essay über den „Geist im Kinosaal“.

– Sascha schreibt auf PewPewPew über das Luxus-Kino ArcLight in Luxemburg und sinnt darüber nach, ob dieses Modell auch in Deutschland eine Zukunft hätte. Und die „SciFi Short Collection“ geht in Runde 6.

– Der Titel „Twins of Evil“ hat für mich ja eine besondere Bedeutung, weshalb ich hier mal auf totalschadens Review auf Splattertrash verweise, auch wenn er den dazugehörigen Film nur durchschnittlich fand.

– Der, wie ich finde, schönste Artikel der Woche stammt vom Hofbauer Kommando und wurde auf Eskalierende Träume unter dem Titel „Hofbauer-Report, 2. Teil: Was Gourmets den Schlaf raubt“ veröffentlicht. Lesen, schmunzeln, genießen. Mahlzeit!

– Schön schmuddeligen Softcore-Trash von H.G.Lewis hat die Eule gesehen und auf Das Filmtagebuch der Eule verarbeitet. Und einen sehr frühen Kurosawa hat die Eule auch geschaut.

– Nach Oliver Nöding auf Remember It For Later,  jetzt auch Sebastian Schubert auf Das Magazin des Glücks: „Derrick“!!!! Ich glaube, ich muss da wirklich mal die frühen Folgen gucken. Scheint sich ja sehr zu lohnen – ja geradezu elementar zu sein.

– Zum Abschluss noch ein „Das finstere Tal“-Special. Denn kein anderer Film wurde in dieser Woche so oft und zum Teil auch euphorisch besprochen. Gian-Philip Andreas von Mehrfilm schreibt noch verhalten „Leider gehen die beiden Ebenen des Films, der Rachewestern und das Dorfdrama, nicht sonderlich elegant zusammen. Und nach dem zentralen Plot-Twist in der Mitte des Films bleiben weitere Überraschungen aus. Dann wird Prochaska die Stimmung leider wichtiger als der Plot.“ Jamal Tuschick auf Hard Sensations: „Sporen klirren, Sattel knarren, Hufe klappern. Mitunter verlangsamt sich die Bildfolge. Andreas Prochaska schöpft aus dem Vollen des Westerngenre. Das muss man auch mit Humor sehen.“ Harald Steinwender vergibt auf Filmgazette 9 von 10 Punkten: „Wenn am Ende dann ein geradezu apokalyptisches Blutgericht über das Dorf niedergeht, sich Vater- und Brudermorde ereignen und eine Melange von Inzest, Wahn und Rachsucht aufgedeckt wird, dann hat dies zugleich die Wucht einer griechischen Tragödie wie die morbide Faszination eines Horrorfilms.“ Geht das noch besser? Ja, es geht. Ebenfalls auf Filmgazette gibt Lukas Schmutzer glatte 10 von 10: „Mit der Verfilmung von Thomas Willmanns Roman ist ein großer Wurf gelungen, der mit Nachdruck ans Herz gelegt sei – nicht nur den Liebhabern des Heimatfilms“.

DVD-Rezension: “Malabimba – Vom Satan besessen”

Von , 16. Februar 2014 19:37

malabimbaWährend einer Séance, bei der Kontakt zu der verstorbener Ehefrau von Andrea Caroli (Enzo Fisichella) hergestellt werden soll, wird unglücklicherweise der Geist seiner Ahnin, der sexsüchtigen und bösartigen Lucrezia Borgia, freigesetzt. Dieser nimmt sogleich Besitz von Carolis junger Tochter Wanja (Katell Laennec).

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Man möchte ja gerne mal Mäuschen spielen, wenn ein beinharter Horrorfan sich den wunderbaren Bahnhofs-Reißer „Malabimba – Vom Satan besessen“ in den Player schiebt und aufgrund des Titels und dem ausgesprochen schönen DVD-Cover einen fiesen Gruseler erwartet. Denn wahrscheinlich weiß nicht jeder, dass dieses Werk einst unter dem Namen „Komm und mach’s mit mir“ in den Schmierbuden der Republik lief. Denn was wahrscheinlich einmal als echter „Exorzist„-Rip-Off geplant war, ist über weite Strecken ein veritabler Sexfilm, dem von geldgierigen Produzenten auch noch ein paar Porno-Inserts spendiert wurden. Wirklich gruselig ist das alles nicht, obwohl die Szenen, in denen der Geist der Lucrezia Borgia (die soll es zumindest in der deutschen Fassung sein) durch das Schloss fliegt und von der jungen Wanja (im Original Bimba) Besitz ergreift, recht stimmungsvoll umgesetzt wurden. Doch die Schauwerte sind weniger die entfesselten Kamerafahrten am Anfang, als vielmehr die prallen Brüste von Patrizia Webley. Auch führt die Besessenheit bei Wanja nicht zu drehenden Köpfen und Kotzorgien, sondern zu einer massiven Textilallergie.

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Was den Film so interessant macht ist, dass er unter all den wilden Zutaten, die Bianchi dazu schmeißt, tatsächlich eine nachvollziehbare Geschichte erzählt. Wanja steckt mitten in der Pubertät, entdeckt die eigene Sexualität und muss gleichzeitig feststellen, dass die Welt ihrer Familie keine heile ist, und die eigenen Eltern (bzw. hier der Vater) ein eigenes, reges Sexleben führen. Was sie verwirrt und zu extremen Gegenreaktionen veranlasst. Und das alles brav – wie einst beim „Exorzisten“ – unter dem Deckmäntelchen der Besessenheit, die hier wie dort als Metapher für die Veränderungen der zuvor noch kindlichen Seele und des Körpers stehen. Während „Der Exorzist“ allerdings einen konservativ-christlichen Ansatz verfolgt, steht „Malabimba“ für die Freiheit der Sexualität. Nachdem es jeder mit jedem getrieben hat, scheint die Sonne wieder und das Familienleben kann weiter gehen. Nur die katholische Nonne kann nicht mit ihren wahren Gelüsten stehen und bezahlt den Preis dafür. Interessanterweise funktioniert diese Geschichte auch noch trotz der billigen Schmiere, mit der Bianchi seinen Film einreibt.

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Das dem so ist, liegt zu einem guten Teil an Kameramann Franco Villa, der zuvor sehr eng mit Fernando de Leo zusammengearbeitet hatte und u.a. dessen Gangster-Klassiker „Milano Kaliber 9“, „Der Mafiaboss“ und „Der Teufel führt Regie“ fotografierte. Zur Zeit von „Malabimba“ arbeitete er für den Produzenten Gabriele Crisanti, der ihn neben „Malabimba“ noch für weitere Sleaze-Feste, wie den berüchtigten „Giallo A Venzia“, „Patrick lebt“ und „La Bambina de Satan“ (der ein Remake von „Malabimba“ darstellt, ebenfalls Mariangela Giordano als Nonne auffährt und Porno-Inserts enthält) als Kameramann verpflichtete. Villa weiß was er tut und es gelingt ihm auch, die eher karge Kulisse recht opulent in Szene zu setzten. Dass der Produktion vorne und hinten das Geld fehlt, ist offensichtlich. Der Film spielt ausschließlich in und vor dem Schloss, von dem auch nur wenige Zimmer als Drehorte benutzt werden. Das Personal ist mit sieben Schauspielern ebenfalls sehr übersichtlich. Für Stars oder zumindest Hauptdarsteller aus der zweiten Reihe fehlt sowieso das Budget. Die bekannteste Schauspielerin dürfte tatsächlich die schöne Mariangela Giordano in der Rolle der Schwester Sofia sein. Sie war damals mit Gabriele Crisanti verheiratet, dem es anscheinend ein sadistisches Vergnügen bereitete, seine damals schon über 40-jährige Ehefrau in seine besonders schmierigen Filme zu stecken, und dort möglichst grausam misshandeln zu lassen. Man denke nur an „Patrick lebt“, wo ihr eine riesige Eisenstange zwischen die Schenkel gebohrt wird oder Bianchis „Rückkehr der Zombies“, wo ihr von ihrem Sohn (gespielt von dem kleinwüchsigen Peter Bark) die Brustwarze abgebissen wird. Dagegen ist ihr Schicksal in „Malabimba“ geradezu human.

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Eine echte Entdeckung ist Katell Laennec in der titelgebenden Rolle als „schlechtes Kind“. Abgesehen davon, dass sie vor der Kamera recht freizügig mit ihrem knabenhaften Körper umgeht, kann man ihr sogar Ausstrahlung und – im Rahmen eines solchen Filmes – schauspielerisches Talent bescheinigen. In den Szenen in denen sie die Besessene gibt, erliegt sie nicht der Versuchung so gnadenlos zu Grimassieren, wie z.B. das Medium in der anfänglichen Séance-Szene, sondern durchaus glaubhaft, die teuflische Lolita zu spielen. Leider hat man nach diesem Film nichts mehr von Katell Laennec gehört. Christian Keßler stellt in dem Booklet zur DVD allerdings die Theorie auf, Katell Laennec könnte mit dem französischen Pornosternchen Francoise Perrot identisch sein. So oder so ist es schade, dass die in mehr als einer Hinsicht sehenswerte Katell Laennec nicht noch öfter auf der großen Leinwand agierte. Ansonsten fallen im Ensemble nur noch Enzo Fisichella als Vater und Patrizia Webley als dessen Schwägerin auf. Enzo Fisichella ist ein alter Veteran, der schon in Filmen der unterschiedlichsten Genres mitgemacht hat (u.a. hatte er eine größere Rolle in Georges Franjus „Der Mann ohne Gesicht“) und seine Rolle hier routiniert herunterspielt. Patrizia Webley hält mit großem Enthusiasmus ihre reichlichen vorhandenen, weiblichen Attribute in die Kamera und hat zuvor – wie übrigens auch Fisichella – bereits in dem ähnlich schmierigen „Play Motel“ mitgespielt.

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Andrea Bianchi ist ein guter Handwerker, dessen durchaus vorhandenes Talent von der schmuddeligen Art überdeckt wurde, mit der er seine Filme inszenierte. Bianchi zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er die ihm zur Verfügung stehenden Drehbücher mit allem anreichert, was dem geneigten Schmier-Freund Freude bereitet. In keinem Film z.B. sah man die bezaubernde Edwige Fenech so oft im Evaskostüm agieren, wie in seinem „Die Nacht der blanken Messer“, und die finale PO!inte dürfte auch recht einmalig in der Filmgeschichte sein. Die oben beschriebene Szene mit der abgebissenen Brustwarze und dem kleinwüchsigen Erwachsenen, der ein Kind doubelt ist ein anderer, typischer Bianchi-Einfall. Bianchi agiert häufig und mit großem Enthusiasmus knapp über der Grenze der Geschmacklosigkeit. Wenn am Anfang von „Malabimba“ eine Séance mit einem wilde Grimassen schneidendem Medium gezeigt wird, fährt der Geist der bösen Lucrezia Borgia natürlich nicht nur so durch den Raum, sondern öffnet auch Hosenschlitze und reißt die Oberbekleidung von Frau Webley hinfort. Der gelähmte Onkel vegetiert natürlich nicht in irgendeinem komfortablen Schlafzimmer des Schlosses vor sich dahin, sondern im Verlies. Und „Tod durch Fellatio“ ist auch mal eine kreative Art jemanden ins Jenseits zu befördern. Diese wilde Einfälle werden von der derben deutschen Synchronisation noch unterstützt, wobei man fairerweise sagen muss, dass diese nicht ganz bis auf das Niveau der Franco-Frauengefängnisfilme sinkt.

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Bianchi verteilt seine Schmiere nicht in kleinen Prisen, sondern mit der ganz großen Schöpfkelle. Wer Freude am schmuddeligen Bahnhofskino der späten 70er Jahre hat, ist hier allerbestes aufgehoben. Wer allerdings einen ernsthaften Horrorfilm erwartet, der dürfte die Scheibe spätestens beim ersten Porno-Insert mit hochrotem Kopf aus dem Playern reißen.

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Die filmART-DVD hat nicht das allerbeste Bild, aber es ist immer noch gut und der Art des Filmes durchaus angemessen. Der Ton ist gut, aber liegt nur auf deutsch vor. Als Bonus liegt noch die alte deutsche Kinofassung bei, die 1,5 Minuten länger ist als die Kopie, die der DVD zugrunde lag. Die Qualität ist aber ziemlich schlecht und ich konnte auf die schnelle auch nicht feststellen, wo die Unterschiede zur DVD-Fassung sind. 15 Minuten mit Deleted Scenes sind auf Italienisch mit deutschen Untertiteln. Dann gibt es noch den Original-Trailer und den deutschen Trailer und eine winzige Galerie mit 8 Bildern. Sehr schön ist das 8-seitige Booklet von Christian Keßler geworden, in dem er sich nicht nur mit dem Film, sondern auch Andrea Bianchi beschäftigt. Beim Lesen merkt man noch einmal, wie sehr man doch seine „Splatting Image“-Artikel vermisst. Das tolle Bild auf dem Pappschuber der DVD stammt übrigens von Graham Humphrey. Schade, dass es die 20-minütige Doku „Malabimba Uncovered“ von der US-DVD nicht auf diese Veröffentlichung geschafft hat, sonst wäre sie wirklich perfekt gewesen.

Die Statistiken der FFA für das Kinojahr 2013 – und wie man sie nicht lesen sollte.

Von , 14. Februar 2014 15:30

ffaGestern veröffentlichte die Filmförderungsanstalt (FFA) die aktuellen Statistiken zum Kinojahr 2013. Darunter auch die durchschnittlichen Ticketpreise pro Bundesland und die Anzahl der Kinobesuche. Grund genug für den „Weser-Kurier“ auf seiner Facebook-Seite zu fragen: „Als wüssten wir es nicht schon länger: In #Bremen ist der Kinobesuch bundesweit am teuersten. Die Konsequenz: Weniger Besucher. Ist das bei euch auch so?“

Mal abgesehen davon, dass die Gleichung „In Bremen sind die Ticketpreise so hoch – darum gehen hier weniger Menschen ins Kino“ etwas gewagt und populistisch konstruiert ist, muss man das doch etwas differenzierter sehen. Mit einem Durchschnitt von 2,90 Kinobesuchen pro Einwohner liegt das Bundesland Bremen weiterhin noch vor dem vergleichbaren Stadtstaaten Berlin (2,77) und Hamburg (2,39) und deutlich vor dem viertplatzierten Bayern (1,82). Allerdings gingen im Land Bremen die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr um -6,8% zurück. Was aber nicht an einer exorbitanten Erhöhung der Ticketpreise gegenüber 2012 liegen kann. Denn diese stiegen mit +3,3% auf dem gleichen Niveau, wie der Bundesdurchschnitt (+3,1%). Ich denke eher, dass es in der Tat, wie es auch die Filmförderungsanstalt angibt, an den mangelnden „Must see“s in 2013 lag. Das Jahr 2012 hatte den Film „Ziemlich beste Freunde“ (8,9 Millionen Besucher), welcher aufgrund von Mundpropaganda so einige Zuschauer ins Kino gezogen hat, die in der Regel nicht oder nicht mehr ins Kino gehen. Allein in meinem Verwandten-, Bekannten- und Kollegenkreis waren einige Personen im mittleren bis gesetzteren Alter dabei, die für diesen Film das erste Mal seit vielen Jahren wieder den Weg ins Kino gefunden hatten. 2013 gab es keinen Film, der einen ähnlichen Effekt ausgelöst hätte. Auch die filme, die 2012 auf Platz 2 („Skyfall“, 7,45 Mio. Besucher) und 3 („Ice Age 4“, 6,7 Mio.) lagen, hatten deutlich mehr Besucher als der Spitzenreiter 2013 („Fack Ju Göhte“, 5,6 Mio.). Bei aller Euphorie bei der FFA darüber, dass erstmals seit 2008 wieder ein deutscher Film die Charts anführt, kann man dies doch eher auf das schwache Wettbewerbsumfeld schieben. (Quelle: http://www.ffa.de)

Schaut man einmal weg von den Bundesländern auf die größten Städte Deutschlands, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Dort liegt Bremen (von der FFA wird immer nur Bremen und Bremerhaven gesamt ausgewiesen) mit seinen 2,9 Kinobesuchen/Einwohner auf Platz 7, gemeinsam mit den Städten Berlin (!) und Kiel, aber noch vor Hamburg (2,7). So schlecht ist das nicht. Spitzenreiter ist hier Karlsruhe (4,7) vor Nürnberg (4,1). In Nürnberg zahlt man übrigens auch das meiste Geld für ein Kinoticket (€ 8,94). Das ist eine Verteuerung gegenüber 2012 von +6,3% (gegenüber den +3,3% in Bremen), trotzdem bleibt der Kinobesuch pro Einwohner hier gleich (2012: ebenfalls 4,1). Somit beist sich das mit dem vom „Weser Kurier“ angeführten Argument, die hohen Ticketpreisen wären allein schuld daran, dass die Leute nicht mehr ins Kino gehen.

Der Grund für den Besucherrückgang in Bremen ist meiner Meinung nach weniger – wie vom „Weser Kurier“ suggeriert – in den Ticketpreisen zu sehen. Deren Erhöhung durch dem höheren Anteil von 3D und Überlängenfilme zu tun haben dürfte (und möglicherweise auch dran, dass die hochpreiseigen „Nicht-Film“-Veranstaltungen wie Opern-, Konzert- und Theaterübertragungen zugenommen haben. Ich weiß nicht, in wie weit diese in die Berechnung der durchschnittlichen Eintrittspreise hineinspielen). Vielmehr fehlten 2013 die „Zugpferde“. Möglicherweise – das ist zumindest meine Theorie – liegt es aber auch daran, dass in den jüngeren Bevölkerungsgruppen – getrieben durch immer besseres Home Entertainment Equipment oder Verfügbarkeit der Filme im Internet – eine gewisse Kinomüdigkeit eingesetzt hat. Auch, weil die jüngere Generation es gar nicht mehr gelernt hat, für einen Film ins Kino zu gehen. Dies wird noch durch die mittlere bis ältere Generation ausgeglichen, die in den Programmkinos ihre Heimat gefunden hat (in Tat kann man auch mehr von einer Mulitiplex-Krise, als von einer allgemeinen Kinokrise sprechen. Deren Besucherzahlen gingen deutschlandweit 2013 um -5,4% zurück, während die Programmkinos „nur“ -2,7%*  verloren). Allerdings – speziell auf Bremen bezogen – ist die Programmvielfalt hier merklich geschrumpft. Schauburg und Gondel zeigen oftmals zeitversetzt das selbe Programm, und das Cinema hat seinen „künstlerischen Anspruch“ nach dem Verkauf an die Bremer Filmkunsttheater-Gruppe etwas eingebüßt. Was sehr gut läuft sind Spezialveranstaltungen, wie die Sneak-Preview in der Schauburg, die schon „Kult“ ist, oder die Stummfilme mit Live-Musik im Kommunalkino. Meiner Meinung nach ist dies auch der Weg, wieder mehr jüngere Menschen ans Erlebnis Kino heranzuführen: Das muss als etwas besonderes, als „Event“ inszeniert werden. Einfaches Abspielen reicht nicht (immer).

* eigene Berechnung

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