Das Bloggen der Anderen (02-12-13)

bartonfink_type2– Wieder Belgien. Alex Klotz hat wieder im Schlamm der Filmgeschichte gewühlt und „Draguse ou le manoir infernal“ ans Licht gezogen. Einen sehr merkwürdigen Sex-Horror-Film von 1975. Bizarr, bizarr und damit genau richtig für Hard Sensations. Dort hat Michael Schleeh über Hideo Nakatas neuen Film „The Complex“ geschrieben und ist genauso enttäuscht, wie auch alle anderen auch. Schade.

– Mal zur Abwechslung etwas Fernsehen. Thomas Groh schrieb auf filmtagebuch über eine Episode der Serie „Sperling“ mit Dieter Pfaff aus dem Jahre 1997. Habe ich immer verpasst, weil ich so gut wie kein Fernsehen gucken. Nicht aus Überzeugung – im Gegensatz zu anderen, glaube ich fest daran, dass man auch im TV großartige Dinge findet, wenn man denn nur Geduld hat und fleißig genug sucht – sondern weil das viele DVD gucken mir keine Zeit lässt. Ferner verlinkt er auf ein Videoessay über die Filme von Dario Argento, erstellt von Hélène Cattet und Bruno Forzani („Amer“).

– Auf der B-Roll von kino-zeit.de gibt es ein weiteres Interview mit der Regisseurin Katrin Gebbe, die gerade mit ihrem kontroversen Film „Tore tanzt“ für einigen Wirbel sorgt.

– Der Aussenseiter widmet sich auf Final Frontier Film diesmal ganz dem Jahre 1903 und dort insbesondere Edwin S. Porters Verfilmung von „Onkel Toms Hütte“. Sehr interessant.

– Vor Kurzem habe ich hier im Blog meine Review zu „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ gepostet. Hier nun die Meinung des Intergalactic Ape-Man auf Intergalaktische Filmreisen zum selben Film. Mit einem herzlichen Dankeschön für die freundliche Erwähnung.

– Alexander Matzkeit hat auf real virtuality ein Interview mit dem Online-Filmkritiker und Kracauer-Preisträger Nino Klingler geführt.

– schwanenmeister spekuliert auf Movies & Sport wild vor sich hin, wie wohl der nächste Tarantino-Film aussehen könnte.

– Nach Tarantinos „Django Unchained“ kennt ja auch das breitere Publikum den Begriff „Mandigo“. Aber wohl kaum jemand den Film „Die Sklavenhölle der Mandingos“. Totalschaden sorgt hier auf Splattertrash für Abhilfe. Ferner: Die Stephen-King-Verfilmung „Feuerkind“. Das Buch war damals eines der ersten, welches ich von King gelesen hatte und mir gefiel dieser Action-SF-Mix in geschriebener Form recht gut. Vom Film war ich aber, wie totalschaden, auch eher enttäuscht. Müsste den mal wieder gucken.

– Währenddessen macht sich Sir Donnerbold auf Sir Donnerbolds Bagatellen Gedanken darüber, wie sinnvoll es ist in Genres zu denken und ob man nicht aufhören sollte in Genre-Begriffen zu denken.

– Eine Wiederentdeckung gibt es auf Remember it for later. Ein lokaler Anbieter von Köln-DVDs hat Ernst Hofbauers „Heisses Pflaster Köln“ ausgegraben und in seinem Programm, welches hauptsächlich aus Köln-Dokus besteht, aufgenommen. Was Oliver Nöding von dem Film hält, lest selber. Ich möchte an dieser Stelle aber eine Passage aus dem Text zitieren, die mir aus dem Herzen spricht. Aber so etwas von. „Während man in der Gegenwart immer wieder versucht, das weit verbreitete Bild des deutschen Films als langweilige Ansammlung spießiger Beziehungskomödien und Problemfilme durch die Produktion von nach Hollywood schielendem Eventschrott zu korrigieren, wusste man damals ganz genau, wie genuin deutsche Exploitation auszusehen hatte. Leider eine Tradition, die komplett abgerissen ist.“. So, ihr neuen deutschen Genrefilmer, schreibt Euch das bitte mal hinter die Ohren! Nun etwas völlig andres: Inspiriert von Udo Rotenbergs Artikel auf L’Amore in cità (siehe letztes „Bloggen der Anderen“) hat Oliver Nöding sich der Comedia sexy all’italiana und den flotten Teens angenommen: „Die frechen Teens dreh’n ein neues Ding“ und „Flotte Teens – Jetzt ohne Jeans“. Ersterer mit der Göttlichen: Edwige Fenech Dagmar Lassander und Femi Benuss, letzterer mit Gloria Guida.

– Apropos L’Amore in cità. Dort wird diesmal der Film „Triumpfmarsch“ von Marco Bellocchio mit Franco Nero und Michele Placido vorgestellt.

– Auf auf Grün ist die Heide beschäftigt sich Udo Rotenberg mit einem unbekannteren Film von Edgar-Wallace-/Karl-May-/Johannes-Mario-Simmel-Regisseur Alfred Vohrer: Das Gesellschaftsdrama „Bis dass das Geld Euch scheidet“.

– Oliver Armknecht hat sich für film-rezensionen.de James Francos und Travis Mathews Experiment „Interior. Leather Bar.“ angesehen.

– Überraschung. Auf Going to the movies wird „Fack ju Göhte“ sehr wohlwollend besprochen. Hätte ich jetzt nicht erwartet, da ich den Film unter „alberne Prollkomödie“ abgespeichert hätte. Wollte ich deshalb mal erwähnt haben.

– Einer der Filme, die mich sehr lange beschäftigt haben und den ich sehr gerne weiterempfehle ist Per Flys „Das Erbe“ mit Ulrich Thomsen. Schön, dass Zeilenkino das auch so sieht.

– Bei der Ankündigung des letzten Internationalen Filmfestes in Oldenburg konnte ich mit dem Film „Staudamm“ nichts anfangen und schrieb, dass könne vielleicht in die Lynchesque Ecke gehen. Weit gefehlt. Laut Frank Schmidke auf cineastic.de ist „Staudamm“ ein „wichtiger und emotional wuchtiger Film, der sich dem Thema Amoklauf auf ungewöhnliche, aber sehr gelungene Weise nähert“.  Und Ronny Dombrowski hat Spike Lees „Oldboy“-Remake gesehen und findet es gar nicht so schrecklich, wie im Vorfeld befürchtet.

– Ähnliches schreibt auch Dennis auf Filmosophie bei seiner „Oldboy“-Review.

Stubenhockerei beschäftigt sich diesmal mit Werner Herzogs „Bad Lieutenant“ und passenderweise dazu „The Cage of Nicholas“ von George Kuchar.  Aber viel wichtiger ist die Vorstellung des unglaublichen, extrem merkwürdigen, unheimlichen, fiesen, grotesken, bizarren „Begotten“ von Elias Merhige. Unglaublich, dass der Kerl danach „Shadow of a Vampire“ drehte.

– Ich kann nicht oft genug auf „The Act of Killing“ hinweisen. Hier eine Review von Philip Stroh auf wieistderfilm?.de.

Zwei Gangsterfilme von José Bénazeraf auf Magazin des Glücks. Ich muss mich endlich näher mit dem Mann beschäftigen, nachdem mir sein Werk schon durch das enorm wichtige Buch „Prominente und Pioniere des modernen Sexfilms“ schmackhaft gemacht wurde.

– Was läuft demnächst in der Reihe Bizarr Cinema in Hamburg? The Wayward Cloud weiß Bescheid.

– Michael Schleeh stellt auf Schneeland den japanischen Film „Live Today, Die Tomorrow“ von Kaneto Shindo vor, der nicht viel mit seinen berühmten Werken wie „Naked Island“ oder „Onibaba“ zu tun hat. Scheinbar ein rauer, beinahe neorealistischer Film aus dem Milieu der Kleingangster.

– Hui, ich wusste gar nicht, dass der mexikanische „Alucard“ in Deutschland herausgekommen ist. Dank Yzordderrexxiii und seiner Rezension weiß ich das jetzt und werde mich mal nach der Scheibe umsehen. Auch wenn Yzordderrexxiii dem Film nicht so viel abgewinnen konnte. Klingt trotzdem wie für mich gemacht.

– Jedes Jahr listet John Waters seine 10 Lieblingsfilme des Jahrgangs auf. Seine aktuelle Liste findet man bei den Fünf Filmfreunden. Platz 1 und 10 sind keine Überraschungen, Platz 6 schon.

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05.-08. Dezember: Das Phantastival Bremen im City 46

Phantastival_CoverWie der eine oder andere vielleicht schon weiß, kuratiere ich zusammen mit meinem Partner Stefan Mibs im Bremer Kommunalkino City 46 die Reihe „Weird Xperience“, in der wir einmal im Monat schräge Filme jenseits des Mainstreams zeigen. Einmal einen Klassiker auf 35mm wie z.B. Fulcis „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ oder Rolf Olsens „Das Stundenhotel von St. Pauli“ (dafür bin ich zuständig) und dann im nächsten Monat modernes, transgressives Kino wie „Human Centipede“ oder „Mondomanila“ (das ist Stefans Part). Diese Filme werden immer gemeinsam von uns präsentiert und mit einem Vortrag eingeleitet.

Letztes Jahr wurden wir vom Kino gefragt, ob wir nicht auch Lust hätten, bei der Organisation eines Filmfestivals für Horror, Fantasy und Science Fiction mitzuarbeiten. Natürlich hatten wir und das letztjährige Phantastival hat uns eine Menge Freude bereitet. Gut, die Zuschauerzahlen hätten insgesamt etwas besser sein können, aber für einen ersten Versuch war das schon nicht schlecht, und Filme wie „Zombies From Outer Space“ und „The Whisperer in Darkness“ waren sehr gut besucht.

Umso mehr waren wir dann in diesem Jahr darüber erfreut , dass es auch 2013 ein Phantastival gibt, welches nun zwischen dem 05. und 08. Dezember stattfindet. Es ist sogar das 10., denn das erste Phantastival fand bereits 1991 statt, lag dann aber viele Jahre brach. Stefan und ich sind, wie gesagt, seit dem letzten Jahr dabei und werden auch vor jeder Vorstellung etwas über den Film erzählen und die Verlosungen leiten. Wir beißen auch nicht, d.h. wer mag kann uns gerne während des Festivals ansprechen, Fragen stellen, Kritik äußern oder auch z.B. Vorschläge für die „Weird Xperience“-Reihe machen.

Die Vorbereitungen laufen schon seit einigen Monaten und ich finde, wir haben ein ziemlich gutes Paket zusammengeschnürt. Wir konnten sogar die OFDb als Partner gewinnen, die mit einem Verkaufsstand anwesend sein wird und uns auch mit zahlreichen Gewinnen für Verlosungen ausgestattet hat. Herzlichen Dank dafür! Ebenfalls neu ist die „Phantastival-Lounge“ im ehemaligen Saal 3 des Citys, wo heute die Filmschule untergebracht ist. Wer mag, kann sich dort zwischen den Filmen zurückziehen, klönen, Musik hören oder unsere Trailershow ansehen.

Für den diesjährigen Vortrag konnten wir Georg Seeßlen nach Bremen holen, auf den ich mich persönlich sehr freue. Immerhin war eins der ersten Filmbücher, die ich mir als kleiner Junge von meinem sauer angesparten Taschengeld gekauft habe, sein „Mord im Kino“ über den Detektivfilm. Seitdem haben mich seine zahlreichen Veröffentlichungen und Essays durch mein ganzes Filmliebhaber-Leben begleitet. Außerdem haben wir eine waschechte Weltpremiere auf die wir ganz besonders stolz sind: Jörg Buttgereits neustes Werk „Kannibale und Liebe“. Ein Kurzfilmprogramm gibt es auch, wo es ordentlich was auf die Ohren gibt. Z.B. ein sehr gelungenes Video mit der Musik der Gruppe Sospetto und den tollen Kurzfilm „Liebe, Tod, Abendbrot“ der talentierten Hanna Seidl.

Wir würden uns freuen, viele Zuschauer beim Phantastival begrüßen zu können. Wer mag, kann gerne über Facebook oder andere soziale NetzwerkeWerbung für uns machen. Wir sind da über jede Hilfe dankbar. Es gibt auch eine Homepage (http://phantastival.city46.de/) und auf Facebook ist das Phantastival als Event (https://www.facebook.com/events/181393342066706/) eingetragen.

Hier das Programmheft (zum Vergrößern drauf klicken):

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DVD-Rezension: „Das Concorde Inferno“

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Eine Concorde-Maschine verschwindet bei einem Testflug spurlos über der Karibik. Wenig später erhält der Reporter Moses Brody (James Franciscus) einen Anruf von seiner Ex-Frau, die auf Martinique eine Bar betreibt. Sie bittet ihn, zu ihr zu kommen, da es auf Martinique eine große Geschichte für ihn geben würde. Bei Brodys Eintreffen ist seine Ex-Frau bereits tot. Brody beginnt mit Nachforschungen und findet bald heraus, dass die Concorde ins Meer gestützt ist und es eine Überlebende (Mimsy Farmer) gibt…

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Ausgelöst durch den Erfolg des Filmes „Airport„, starte in den 70er Jahren ein große Welle mit Katastrophenfilme: „Erdbeben„, „Das Poseidon Inferno“ und die drei Sequels von „Airport“ sind die bekanntesten Vertreter dieser Gattung. Der vierte Teil der „Airport“-Serie kam am 17. August 1979 in die Kinos und hieß „Airport ’80: Die Concorde„. Bereits ein halbes Jahr vorher hatte ein anderer Film Premiere. Die Italiener hatten unter der Regie von Ruggero Deodato den ähnlich klingenden „Concorde Affaire ’79″(deutscher Titel: „Das Concorde Inferno„) in die Kinos gebracht. In dem „Airport“-Film war es ein skrupelloser Industrieller, der den etwas komplizierten Plan fasst, die Concorde u.a. durch Beschuss von einem Phantom-Jäger zum Abstürzen zu bringen, um eine Journalistin mit ihn belastenden Papieren zu eliminieren. Im italienischen Film hat, der ebenfalls skrupellose, Industrielle einen etwas nachvollziehbareren Grund. Um die Concorde zu diskreditieren und damit die lästige Konkurrenz aus dem Weg zu räumen, will er ein Unglück herbeiführen, damit niemand mehr mit der Concorde fliegt. Was recht visionär ist, denn tatsächlich führte ein spektakulärer Concorde-Absturz 2000 dazu, dass das Concorde-Programm drei Jahre später eingestellt wurde.

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Hatte der amerikanische „Concorde“-Film Alain Delon und Sylvia Kristal in den Hauptrollen, sind es beim italienischen Pendant die beiden Amerikaner James Franciscus und Mimsy Farmer. Franciscus hatte bereits in „Die neunschwänzigen Katze“ von Dario Argento Erfahrung im italienischen Filmgeschäft gesammelt und war vor allem durch die Hauptrolle in „Rückkehr zum Planet der Affen“ bekannt geworden. Er spielt hier den Reporter Moses Brody routiniert und ohne große Anstrengungen. Mimsy Farmer war nach ihrem ersten großen Erfolg „More“ von Barbet Schroeder in Italien hängen geblieben, hatte ebenfalls mit Argento zusammengearbeitet (in „Vier Fliegen auf grauem Samt„) und in zahlreichen andren Genrefilmen, wie „Macchie solari“ oder „l profumo della signora in nero„, mitgespielt. „Concorde Inferno“ gehört leider nicht zu den Highlights ihrer Schauspielkunst. Tatsächlich geht sie einem mit ihrer hysterischen Passivität ziemlich auf den Geist. Insbesondere in der Szene, in der sie am Telefon versucht, den Flugsicherheitsleuten wichtige Informationen zukommen zu lassen, und ständig „Ich weiß es nicht! Ich kann mich nicht erinnern! Ich lege jetzt auf!“ schluchzt. Da möchte man sie gerne mal ordentlich durchschütteln. Interessanterweise scheint Mimsy Farmer nicht den ganzen Film über, zur Verfügung gestanden zu haben. In der Eröffnungsszene wird ihr Charakter nur von hinten gezeigt und trägt eine hässliche Perücke, die nichts mit Frau Farmers tatsächlicher Frisur gemein hat.

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Auf der Seite der Bösen befindet sich neben Joseph Cotton und Edmund Purdum – die ihren Part sicherlich an nur einem Tag runter gefilmt haben – noch Venantino Venantini, ein Veteran aus unzähligen Italo-Filmen, der eine gewohnt souveräne Vorstellung gibt. In der Rolle eines seiner Handlanger sieht man Ottaviano Dell’Acqua, einer der fünf Dell’Acqua-Brüder, die das Stunt-Geschäft in Italien wie niemand sonst geprägt haben. Er selber spielte in unzähligen Filmen kleine bis kleinste Rollen. Auch in amerikanischen Produktionen, die in Italien gedreht wurden – wie Scorseses „Gangs of New York„, war er für die Stunts zuständig und trat als Komparse auf. Kleine Trivia am Rande: Er „spielte“ auch den Zombie auf den Konquistadoren-Friedhof in Lucio Fulcis „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies„, dessen wurmzerfressener Kopf die Kinoplakate zu diesem Film schmückte. Ebenfalls erwähnenswert ist Van Johnson, der auch als einer der Stars des Filmes beworben wird. Van Johnson war seit den 40er Jahren in Hollywood erfolgreich und war besonders in einer Reihe von Filmen um den Arzt Dr. Randall Adams bekannt geworden. Im „Concorde Inferno“ sitzt er als Pilot der zweiten Maschine im Cockpit, beschränkt sich darauf ein paar Grimassen schneiden und seinen Namen für das Filmplakat zur Verfügung stellen. Als Chef der Flugsicherung tritt übrigens Robert Kerman auf, Hauptdarsteller von Deodatos „Cannibal Holocaust“ und unter dem Pseudonym Richard Bolla Star zahlreicher US-Pornos.

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Wer einen lupenreinen Katastrophenfilm erwartet, dürfte vom „Concorde Inferno“, trotz des feurigen deutschen Titels, enttäuscht sein. So trifft der Original-Titel „Die Concorde Affäre“ auch weitaus besser zu. Zwar gibt es zu Beginn einen Absturz und auch beim Finale werden – wenn unter den Passagieren Panik ausbricht und der tapfere Pilot mit der Steuerung des Flugzeugs kämpft – Katastrophenfilm-Standards eingehalten,. Doch diese Momente stehen weniger im Zentrum des Filmes, als die Versuche des Reporters Brody, hinter das Geheimnis der verschwunden Concorde zu kommen. Was wahrscheinlich auch besser so ist, denn in den wenigen Szenen, in denen die Concorde zu sehen ist, kann nicht vertuscht werden, dass hier ein simples Spielzeugflugzeug verwendet wurde. So ist es eine gute Entscheidung von Regisseur Ruggero Deodato, die Actionszenen nur indirekt zu zeigen, und sich auf die Reaktionen der Betroffenen zu reduzieren.

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Die Abenteuergeschichte um Brody und seine Nachforschungen erinnert mit ihren vielen Tauchszenen, der exotischen Kulisse und den Unterwasserkämpfen leicht an einen frühen Bond-Film, insbesondere „Feuerball„. Wobei „Concorde Inferno“ in diesem Falle der arme, halbverhungerte Bruder von „Feuerball“ wäre. Aber „Das Concorde Inferno“ erfüllt seinen Zweck. Er unterhält sehr ordentlich und Regisseur Ruggero Deodato ist einfach ein zu guter Regisseur, um nicht auch eine simple Abenteuergeschichte sicher über die Ziellinie zu bringen. Zudem lässt er hier sein pessimistisches Weltbild durchscheinen, welches seinen im selben Jahr entstandenen Magenschwinger „Cannibal Holocaust“ so effektiv machte. Am Ende bleiben die wahren Schurken unbestraft und registriert das Scheitern ihrer finsteren Pläne mit einem Achselzucken. Es ist ja alles nur ein Spiel.

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„Das Concorde Inferno“ ist weniger Katastrophenfilm, als vielmehr ein Abenteuerfilm vor exotischer Kulisse, der manchmal an einen alten Bond-Film erinnert. Routinierte Darsteller und eine souveräne Regie bringen die unterhaltsame Geschichte locker über die Runden.

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Ascot Elite hat diesen Film im Rahmen seiner Cinema Treasures Reihe veröffentlicht. Das Bild ist gut, der Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor. Eine italienische Tonspur fehlt. Ebenso wie leider auch jegliches Extra-Material.

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Rezension: „I Declare War“

I-Declare-War-dvd_coverIn einem Wald treffen sich regelmäßig einige Kinder, um „Krieg“ zu spielen. Dabei müssen zwei Gruppen versuchen, die jeweils gegnerische Basis aufzuspüren und die Fahne des Gegner zu erobern. Das Spiel verläuft immer nach festen Regeln. Doch diesmal ist es anders. Der aufbrausende Skinner (Michael Friend) fängt an, die Regeln zu brechen und nimmt Paul (Siam Yu), den besten Freund des genialen Strategen P.K. (Gage Munroe), als Geisel. Auch als Skinner beginnt Paul zu foltern, geht das Spiel immer weiter…

Im gleichen Jahr, in dem er sein Spielfilm-Debüt „Cold Blooded“ (ebenfalls bei OFDB filmworks erschienen) realisierte, stellte Regisseur Jason Lapeyre zusammen mit seinem Kollegen Robert Wilson, der zuvor vor allem als Produzent aufgetreten war, diesen Jugendfilm auf die Beine. Und obwohl sich „I Declare War“ thematisch deutlich von „Cold Blooded“ unterscheidet, haben beide doch die klassisch-ruhige Inszenierung ganz ohne vordergründige Effektheischerei gemeinsam. Zudem handeln beide Filme von zwei gegnerischen Gruppen, die in einem klar umrissenen Raum gegeneinander antreten.

Liest man die Inhaltsangabe von „I Declare War“, denke man zunächst einmal an eine Mischung aus „Bugsy Malone“ und „Battle Royale“ oder „Die Tribute von Panem„. Doch diese Vergleiche gehen größtenteils in eine völlig falsche Richtung. Tatsächlich sieht man 90 Minuten einer Gruppe Kindern beim Spielen zu. Nicht mehr und nicht weniger. Der Clou ist aber, dass die Kinder ihr Spiel sehr ernst nehmen und das Geschehen hauptsächlich durch ihre Augen gezeigt wird. Und in ihren Augen verwandelt sich ein dicker Ast dann eben in eine Bazooka und eine Zwille in eine tödliche Armbrust. Wie man es vielleicht noch aus eigenen Kinderspielen kennt, in denen die Kraft der Imagination aus einem schnöden Stock ein fein geschmiedeten Degen machte. Lapeyre/Wilson gehen recht geschickt vor, um die Spielrealität der Kinder zu zeigen. Auch für den Zuschauer sind die „Waffen“ zunächst echt. Erst im Laufe des Films überlagert hin und wieder die Realität die Fantasie. Beinahe beiläufig sieht der Zuschauer, dass das Präzionsgewehr eigentlich nur ein Rohr, welches notdürftig in ein provisorisches Spielzeuggewehr umgebaut wurde, und das Zielfernrohr eine Stoffschlaufe ist.

Wie stark diese Macht der Imagination ist, habe ich vor vielen Jahren einmal während des Grundwehrdienstes erleben dürfen/müssen. Damals sollte eine 24-Stunden-Übung vorbereitet werden, und wir kleinen Wehrpflichtigen mussten üben, wie man sich bei einem Angriff verhält. So wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt: Angreifer und Verteidiger. Da wir allerdings noch keinen Zugang zu Waffen haben durften (das war erst für den Folgetag geplant), wurde uns befohlen im Wald Stöcke zu suchen. Diese sollten dann unsere Gewehre sein. Man stelle sich die absurde Situation vor, wenn erwachsene, uniformierte Menschen im Wald mit Holzstöcken aufeinander zielen und dabei laut „Peng! Peng!“ rufen. Was noch dadurch übertroffen wurde, dass einige Kameraden wirklich in Streit darüber gerieten, ob sie nun getroffen wurden oder nicht. Ähnlich verhält es sich bei den Kindern in „I Declare War“. Für sie ist die ganze Situation während des Spiels absolut real und bitterernst.

I_Declare_War_Bild_04So wirft dann zum Beispiel Odie Henderson auf rogerebert.com auch dem Film vor, nicht zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden und schreibt, es würde ihn krank machen zu sehen, wie Kinder auf Kinder schießen. Dass diese nicht wirklich aufeinander schießen und die „Getöteten“ lediglich aus dem Spiel ausscheiden und nach Hause gehen, macht da für ihn keinen Unterschied. Wer allerdings als Kind selber „Cowboy und Indianer“ oder eben „Krieg“ gespielt hat – was, wie ich denke, nichts unnormales ist -, der sieht das vielleicht etwas entspannter. Es geht hier auch nicht so sehr um das „Kriegsspielen“, als vielmehr um gruppendynamische Prozesse, die aufgrund von Eitelkeiten, verletzten Gefühlen oder falsch verstandener Loyalität ein im Grunde harmloses Spiel zum Eskalieren bringen können. Ob das Spielen mit Waffen (wenn auch unechten) unbedingt etwas für Kinder sein sollte, will ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Für die Aussage des Filmes hätte man natürlich auch zeigen können, wie die Kinder z.B. mit Matchbox-Autos Rennen veranstalten und sich darüber in die Haare geraten.

I_Declare_War_Bild_02Andererseits gibt es durch das Spiel noch andere filmische Ebene. So setzen Lapeyre/Wilson permanent, wenn auch leise und subtil, eine Geräuschkulisse ein, wie man sie aus Kriegsfilmen kennt. Ständig hört man leise Funksprüche, Hubschrauber und Explosionen. Durch diese Dauerberieselung vergisst man schnell, dass man „nur“ einem Spiel zusieht und auch für den Zuschauer werden die kriegerischen Handlungen der Akteure real, die Bedrohung spürbar. Gleichzeitig parodieren die Filmemacher auch das Kriegsfilmgenre, da die Kinder genau die Stereotypen annehmen, die man aus diesen Filmen kennt. Der Stratege, der Psychopath, der coole Veteran, der schüchterne Rookie, der Possenreisser und so weiter. Immer wieder gibt es kurze Momente, wo die jungen „Soldaten“ aus ihrer Rolle fallen. Z.B. wenn sich der vermeintliche Sadist als hilfloses, einsames Kind herausstellt, oder der beliebte Anführer bereit ist, Freunde zu opfern, um am Ende den Sieg davonzutragen. Am Deutlichsten aber, wenn die Amazone als verliebte Kitschromantikerin entlarvt wird.

I_Declare_War_Bild_03Die kindlichen Darsteller sind sehr gut ausgesucht. Die meisten haben auch schon langjährige Erfahrungen in TV-Serien gesammelt. Die Laien fügen sich ebenfalls gut ins Bild ein, wenn ihre schauspielerischen Leistungen auch gegenüber den „Profis“ etwas abfallen. Einzig Mackenzie Munro wirkt fehlbesetzt, da sie im Vergleich zu den anderen Kindern zu alt wirkt und weitaus abgeklärter als ihre jungen Kollegen spielt. Überhaupt ist die Figur der Jessica Dobrzanski eine der wenigen echten Schwachstellen im Film. Sie ist so klischeehaft auf „Mädchen“ angelegt, dass leider selbst ihre Klugheit, strategischen Fähigkeiten und der kaltblütige Umgang mit der Armbrust nicht die naive Schwärmerei für den hübschen Quinn aufwiegen können. Dass sie I_Declare_War_Bild_01alles nur tut, um ihrer großen Liebe zu gefallen und ihre schrecklich kitschige „Paris-Romantik“ stören doch sehr. Hier verrät das Drehbuch diesen eigentlich starken Charakter und breitet die übelsten Mädchen-Klischees aus. Ebenfalls unpassend sind die Szenen, in denen sich „Joker“ als Superwesen, das tödliche Strahlen aus den Augen schießt, imaginiert. Hierdurch wird immer wieder mit dem Holzhammer darauf hingewiesen, dass die Kinder eben nur ihre subjektive Welt, und nicht die reale, sehen. Etwas mehr Subtilität hätte an dieser Stelle gut getan. Eine starke Leistung bringt Michael Friend als psychopathischer Skinner. Wie er Skinner gleichzeitig schwach und ungelenk, aber gleichzeitig doch auch gefährlich, und fest zu absolut allem fest entschlossen, darstellt, ist schon sehenswert.

Mit „I Declare War“ hat OFDb filmworks eine kleine Perle an Land ziehen können, die auf mehren Ebenen gut funktioniert. Da kann man über die oben angesprochenen Schwächen durchaus hinwegsehen. Leider lag mir auch hier zur Rezension nur ein Screening-Stream vor, so dass ich zu den technischen Aspekten der OFDb filmworks-DVD wiederum nichts sagen kann.

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Rezension: „Cold Blooded“

BD_2D_Cold_BloodedNachdem ein Überfall auf einen Juwelier schief gegangen ist, wird einer der Diebe, Cordero (Ryan Robbins), scheinbar durch Polizeigewalt schwer verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Dort wird er in einen abgeschlossenen Teil untergebracht, der zur Zeit leer steht. Die junge Polizistin Frances (Zoie Palmer) soll ihn dort bewachen. Während der eloquente Cordero versucht, die prinzipientreue Frances zu überreden, ihn laufen zu lassen, verschaffen sich drei Männer Zugang zu dem Teil des Krankenhaus, in dem der Dieb untergebracht ist. Ihr Anführer ist der Gangster Holland (William MacDonald), der den Juwelenraub organisiert hat und nun auf der Suche nach der Beute ist.

Der kanadische Regisseur Jason Lapeyre drehte 2012 zwei Filme, die beide ins Programm des letzten Fantasy Filmfests aufgenommen wurden und in Kürze eine Heimkino-Veröffentlichung durch OFDb filmworks erhalten. Der erste dieser beiden Filme ist eine kleine Gangster-/Thrillergeschichte, die durch und durch den Atem der 90er Jahre verströmt. Und dies ist durchaus nicht negativ gemeint. Im Zuge des Erfolges von „Reservoir Dogs“ und vor allem „Pulp Fiction“ schossen damals zahlreiche kleine Filme aus dem Boden, die mit dem Attribut „tarantinoesque“ bedacht wurden. Auch wenn der Vergleich häufig hinkte. Was diesen Filmen gemeinsam war, waren pointierte, lässige Dialoge, sowie skurrile Charaktere und/oder Situationen. Oftmals in karikaturhafte rutschende Antagonist und abstruse Zufälle mit oftmals mörderischem Ausgang sorgten für einen schwarzhumorigen Touch. Beispiele hierzu wären „Thursday – Ein mörderischer Tag„, „2 Tage in L.A.“ oder „Cold Blooded„. Mit letzterem teilt sich Lapeyres Film dann auch seinen Titel.

Cold_Blooded_Bild_02Cold Blooded“ ist ein kleiner Film, dem man sein geringes Budget zwar durchaus ansieht, der aber auch keine peinlichen Versuche unternimmt, dies durch hektische Schnitte, pausenlos hämmernde Musik oder sonstige vordergründige Effekte zu kaschieren. Im Gegenteil, der Film fließt ruhig vor sich hin. Er nimmt sich Zeit seine, zugegeben etwas dünne, Geschichte zu erzählen und vor allem, die einzelnen Charaktere vorzustellen. Wie ähnlich gelagerte Low-Budget-Filme spielt er an einem einzigen Ort. Bei Horrorfilmen ist das gerne mal ein Labortrakt oder eine Höhle, hier ein von der Außenwelt weitgehend abgeschnittener Krankenhausflügel. Tatsächlich scheint man immer wieder nur die selben drei Korridore zu sehen. Aber Lapeyre macht das Beste draus und gerade der enge Raum sorgt für klaustrophobische Spannung, wenn es keinen Ausweg für die „Helden“ gibt und hinter jeder Ecke ein „Bösewicht“ stehen kann. Das hat ja kürzlich auch bei „The Raid“ ganz gut geklappt, auch wenn „Cold Blooded“s angenehm altmodische Erzählweise ansonsten nichts mit dem philippinischen Actionfeuerwerk zu tun hat. Auf Action wird hier dann auch weitestgehend verzichtet. Die Konfrontationen beschränken sich auch einige kurze, bodenständige Prügeleien und ansonsten wird hier eher mit diversen Stich- und Schusswaffen gedroht.

Cold_Blooded_Bild_01Die kurzen Gewaltausbrüche sind zwar brutal und im Falle einer Handamputation auch recht heftig, aber nie besonders grafisch dargestellt, sondern finden teilweise auch im Off statt. Dabei setzt Lapeyre häufig auf Kopfkino, wenn z.B. einem kleinen Jungen der Arm gebrochen wird und man dies – dankenswerterweise – nur über das Telefon mitbekommt und der Schwerpunkt der Szene auf der entsetzten Reaktion des hilflosen Vaters liegt. Auch der Running Gag mit einer (recht realistisch aussenden) abgetrennt Hand, die immer wieder den Besitzer wechselt, ist eher spielerisch und nicht ekelig inszeniert. Überhaupt sieht der Film davon ab, unbedingt superclever sein zu wollen und permanent neue Wendungen einzubauen, um die Handlung und Personen ständig im neuen Licht dastehen zu lassen. Die Handlung läuft schnörkellos und jederzeit nachvollziehbar ab, und auch in der Zeichnung der Charaktere gibt es keine großen Brüche. Dadurch bleiben zwar größere Überraschungen aus, aber Lapeyres schafft glaubwürdige und sympathische Charaktere, denen man gerne folgt und die zum mitfiebern einladen.

Cold_Blooded_Bild_03In der Besetzung finden sich keine große Namen. Hauptdarstellerin Zoie Palmer kommt vom Fernsehen, wo sie in der Mystery-Serie „Lost Girl“ (in Deutschland bei Sony auf DVD erschienen) eine wiederkehrende Rolle hat. Sie spielt die Polizistin Frances genauso so, wie die Rolle auch angelegt ist: Absolut professionell. Auch ihr Partner Ryan Robbins kommt vom Fernsehen und spielte eine der Hauptrollen in der Serie „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ (in Deutschland komplett von Koch Media veröffentlicht). Sein Cordero ist charmant, sympathisch und doch auch genügend zwielichtig, um den Charakter über die gesamte Spielzeit interessant zu halten. Auf Seiten der Bösen glänzt der eher unbekannte William MacDonald, der zwar auf eine lange Cold_Blooded_Bild_04Karriere in diversen TV-Filmen und -serien zurückblicken kann, aber bisher keine großen Hauptrollen hatte. Als Mastermind Louis Holland gelingt ihm das Kunststück, gleichzeitig wie der freundliche Mann von nebenan und der Teufel persönlich zu wirken. Wenn er seine Drohungen ausspricht, gibt es kein Zweifel daran, dass es ernst wird. Profi durch und durch ist er aber kein Sadist, sondern erledigt einfach das, was zu tun ist, um ans Ziel zu kommen. Lediglich die Idee, dass er eine abgetrennte Hand als Souvenir behalten will, passt nicht so ganz zu dem Charakter seiner Rolle. Die restlichen Schauspieler agieren souverän, ohne aber großartig aufzufallen.

Mit „Cold Blooded“ gelingt Jason Lapeyre ein souveränes Spielfilmdebüt, welches gut und spannend unterhält. Dabei scheint der Film irgendwie aus der Zeit gefallen und erinnert in seiner Machart eher an eine „tarantinoesque“-Low-Budget-Produktion aus der zweiten Hälfte der 90er Jahre. Mit den heutigen hippen, flashigen Produktionen hat er nichts gemeinsam. Sympathisch-glaubwürdige Charaktere runden den guten Eindruck ab.

Leider lag mir zur Rezension nur ein Screening-Stream vor, so dass ich zu den technischen Aspekten der OFDb filmworks-DVD nichts sagen kann.

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Originalfassungen in Bremen: 28.11.13 – 04.12.13

In dieser Woche gibt es vor allem Wiederholungen. Der nominell interessanteste Neuzugang wäre zwar „The Counselor“, doch der wurde von den Kritikern ziemlich in der Luft zerrissen. Da bleibt mir dann eigentlich nur noch: „Il Futuro“ zu empfehlen, den ich leider noch nicht gesehen habe, der allerdings auf einem Roman von Roberto Bolaño beruht. Einem Autoren, den ich sehr gerne lese. Das dann noch der alte Haudegen Rutger Hauer mitspielt und einen ehemaligen Maciste-Darsteller mit eben jenem Namen spielt, wäre für mich natürlich noch ein weiterer Grund, einen Blick zu riskieren.

The Counselor – Cinemaxx, Do.-Mi. 14:00, 17:00, 19:30,20:00 und 23:00 – Auf dem Papier sieht das wie ein sicherer Hit aus. Regie: Ridley Scott, Hauptrollen: Michael Fassbender, Brad Pitt, Javier Bardem, Penelope Cruz und Cameron Diaz. Drehbuch: Kult-Autor Cormac McCarthy („No Country For Old Men„, „The Road„). Glaubt man der Mehrheit der Filmkritiker ist bei dieser Drogengeschichte an der mexikanischen Grenze dann aber doch ordentlich was schief gelaufen.

[youtube width=“630″ height=“299“]http://www.youtube.com/watch?v=6ML50I0mVHY[/youtube]

Die Tribute von Panem – Catching Fire – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 14:00,15:15, 17:30, 19:00, 20:30 und 22:40 – Der zweite Teil der Saga. Ich kenne die Bücher nicht, aber die Serie scheint sehr beliebt zu sein. Klingt für mich immer noch nach “Battle Royale” für Teenies, aber ich habe mittlerweile auch Gutes gehört.

Hükümet Kadin 2 – Cinemaxx, Fr./So./Di. 23:00 und So. auch 17:15 – Prequel zur türkischen Komödie „”Hükümet Kadin” um einen Bürgermeisterwahlkampf Ende der 40er Jahre.

Su Ve Ates – Wasser und Feuer – Cinemaxx, Do.-Mi. 23:00 – Türkisches Liebesdrama von und mit Özcan Deniz.

Blue Jasmine – Schauburg, Fr., 29.11. um 21:30 – Der neue Woody Allen. Diesmal spielt sein Film in San Francisco und handelt von einer ehemals reichen, New Yorker High-Society-Dame, deren Vermögen sich in der Finanzkrise in Luft aufgelöst hat und die nun gebrochen und depressiv bei ihrer Schwester in San Francisco Unterschlupf findet, die einen ganz anderen Lebensstil als sie pflegt. Könnte man als Komödie drehen, macht Allen aber nicht. Wieder grandios besetzt mit Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins.

Venus im Pelz – Gondel, Mo., 2.12. um 12:00 – Roman Polanskis neuer Film ist ein Kammerspiel mit nur zwei Darstellern: Seiner Ehefrau Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric. Ein Theaterregisseur plant ein Stück nach Sacher-Masochs Roman “Venus im Pelz” auf die Bühne zu bringen und gerät bei einem Vorsprechen an eine geheimnissvolle, schöne Frau.

Der Kuss der Tosca – City 46, Sa.-Di. immer 20:00 – Dokumentarfilm über die Casa di riposa per musicisti. Ein von Giuseppe Verdi gegründetes Altersheim für mittellose Musiker.

Il Futuro – Eine Lumpengeschichte in Rom – City 46, Do., 20:30, Fr. 18:00 und So.-Do. immer 20:00 – Die italienisch/chilenisch/deutsch/spanische Verfilmung von Roberto Bolaños „Lumpenroman“ erzählt die Geschichte eines elternlosen Geschwisterpaars, die den Plan ersinnen, einen erblindeten, ehemaligen Sandalenfilm-Star (Rutger Hauer!) zu verführen und dann auszurauben. Regisseurin Alicia Scherson ist am Freitag anwesend!

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Play – City 46, Di./Mi. um 18:00 – Chilenischer Spielfilm um eine einsame Krankenpflegerin, die eines Tages eine Aktentasche findet und fortan deren Besitzer, dem Architekten Tristan folgt und dessen Leben beobachtet.

Turistas – City 46, Sa./Mi. jeweils 18:00 – Chilenischer Spielfilm. Die schwangere Clara wird nach einem Streit von ihrem Ehemann an einer Tankstelle allein gelassen. Sie freundet sich mit dem schwulen Norweger Ulrik an, der sie mit in den nahegelegenen Nationalpark nimmt, wo sie Natur und skurrile Typen kennenlernt.

Schwarzer Donnerstag – Janek Wisniewski fiel – City 46, Sa. 30.11. um 20:30 – Polnischer Spielfilm, der vom Schicksal eines Werftarbeiters in Gdynia, während des Aufstands der Werftarbeiter 1970, erzählt. Kameramann Jacek Petrycki ist anwesend.

Shanghai, Shimen Road – City 46, Mi., 4.12. um 20:30 – Chinesischer Spielfilm um den 16-jährigen Xiaoli, der in den späten 1980er Jahren in Shanghai aufwächst. Mit Einführung.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 02.12. um 20:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 02.12. um 21:45

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Das Bloggen der Anderen (25-11-13)

bartonfink_type2– Herzlichen Glückwunsch an Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen, der gerade seine 1000. Filmbesprechung, und das in nur vier Jahren, ins Netz gestellt hat. Respekt.

– Und vielen Dank an Hard Sensations, die auf unser Bremer Phantastival in zwei Wochen aufmerksam gemacht haben. Ich war sehr überrascht und finde das natürlich ganz großartig! Des weiteren hat Eckhard Heck „Blue Jasmine“ gesehen und empfiehlt diesen „ernsten Allen“ gerne weiter. Und Jamal Tuschick scheint der neue Polanski „Venus im Pelz“ ganz gut gefallen zu haben.

– Auch Jennifer Ament von Daumenkino hat „Venus im Pelz“ besprochen und ist sehr begeistert. Jetzt freue ich mich erst recht auf den Film!

– Das Heimspiel Filmfest widmet Götz Spielmann eine Werkschau. Anlass für Josef Lommer Spielmann, einen der interessantesten und spannendsten österreichischen Filmemacher, auf critic.de vorzustellen.

– Martin Beck berichtet auf Reihe Sieben von den Plänen zu einem sechsten „Stirb langsam“-Film und macht sich so seine Gedanken zum traurigen Niedergang der Serie.

– Robin Schröder empfiehlt auf Mise en cinema einen deutschen Kurzfilm, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt: „Cruelty“ (warum müssen deutsche Filme eigentlich fast immer englische Titel haben?).

– Lukas Foerster beschäftigt sich zur Zeit mit einem meiner Lieblingsregisseure: Otto Preminger. Auf Dirty Laundry stellt er „The Moon is Blue“ und „Die Jungfrau auf dem Dach“ vor. Zweimal der gleiche Film: Nur einmal mit amerikanischer, einmal mit deutscher Besetzung. Und dann gibt es noch einen Text zu dem mir unbekannten Preminger-Film „Such Good Friends“.

Der Abspannsitzenbleiber hat wieder einiges interessantes Zeugs im Netz gefunden und auf seinem Blog verlinkt.

The Wayward Cloud macht sich Gedanken, warum ihm (ihr?) Filme auf den 70ern soviel besser gefallen als der neumodische Krams. Und was macht einen 70er-Film aus? Die Antwort erhielt er bei einer Einführung in den Film „Across the 110th Street“ anlässlich der Blaxploitation-Reihe im Hamburger Metropolis.

– Annika Stelter hat auf Die Filme, die ich rief „The Searchers“ gesehen und ist nach anfänglicher Skepsis dann am Ende doch begeistert. Was ich schön finde. „The Searchers“ war für mich immer ein Mythos, weil er als einziger Film in Joe Hembus „Western Lexikon“ (welches ich wortwörtlich kaputt gelesen habe) vier Sterne bekam. Als ich ihn dann viele, viele Jahre später sah, war ich nicht so hin und weg wie Joe Hembus, fand ihn aber natürlich gut. Allerdings sehe ich das ganze grundlegend anders als Annika. John Wayne ist in dem Film kein „Guter“ und dass sie ihn „hier einfach unsympathisch, arrogant und nervig“ findet ist gewollt. Wayne ist hier ein Getrieber, fast würde ich sagen ein Faschist – ein Rassist auf jeden Fall. Verkrüppelt an der Seele und verbohrt bis ins Mark. Ford erzählt hier von einem Monster – ein Kapitän Ahab zu Pferde.

– In Berlin wird der Zoo-Palast wieder eröffnet. Neuer Besitzer ist Cinemaxx-Gründer Hans-Joachim Flebbe, der ein neues „Premium“-Konzept für Kinos entwickelt hat. Joachim Kurz berichtet darüber auf kino-zeit.de. Außerdem hat Martin Daßinnies ein Interview mit Pablo Berger, dem Regisseur des Schwarz-Weiß-Stummfilm-Märchens „Blancanieves“ geführt, welches in Kürze in deutsche Kinos kommt.

Grün ist die Heide hat sich eines problematischen Films angenommen. Der berühmteste und berüchtigste Macher von NS-Propagandafilmen, Veit Harlan („Jud Süss“, „Kolberg“) durfte – im Gegensatz zu Leni Riefenstahl – nach dem 2. Weltkrieg wieder in den Regiestuhl zurückkehren und in der jungen Bundesrepublik weiter Filme drehen. Einer davon war „Anders als Du und ich“, der das Thema Homosexualität dämonisierte. Udo Rotenberg nimmt den Film und dessen Urfassung „Das dritte Geschlecht“ unter die Lupe.

– Auf L’Amore in cità geht Udo dann dahin, wo es – mir zumindest – weh tut. Ins Reich der flotten Teens und Knallköpfe – der Commedia sexy all’italiana. Mit deren lauten und infantilen Komik konnte ich – bis auf wenige Ausnahmen – noch nie etwas anfangen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass meine geliebte Edwige (Fenech) hier häufig mitspielte. So auch in dem hier besprochenen „Die Knallköpfe der 6. Kompanie“. Aber kann das einen Alvaro Vitali aufwiegen?

– Michael Brodski bespricht auf Negativ Zhangke Jias Film „A Touch of Sin“, der in Cannes mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde und die Zustände in China anprangert.

– Peter Gutting schreibt auf cinetastic.de über den zweiten Teil einer geplanten Trilogie von Florian Eichinger, über den Einflüsse der Familie auf das Leben der Menschen. Das Beinah-Kammerspiel „Nordstrand“ über zwei Brüder, die unter der Gewalt des Vaters litten und selbst neben seelischen Wunden, auch eigene Leichen im Keller haben, klingt sehr vielversprechend.

– david schreibt auf Whoknows presents eine wunderbare Verteidigung des B-(C?)-Films „Blood Beach“ bei dem er u.a. den „Magritte-Shot“ entdeckt. Schön.

– Alexander Matzkeit wirft auf real virtuality die provokante Frage auf, was Journalismus eigentlich ist, ob Blogger, die nicht Journalismus gelernt haben, trotzdem Journalisten sind und ob Journalismus überhaupt noch von jedem gebraucht wird. Er untermauert seine Thesen für mich klar nachvollziehbar und ich bin gespannt, ob er damit ähnliche Wellen schlagen wird, wie bei seinem kontrovers aufgenommenen Text über die Filmblogosphäre Anfang des Jahres.

– Oliver Nöding von Remember it for later hat „Only God Forgives“ (den ich im Kino ziemlich umwerfend fand) gesehen und ist erwartungsgemäß enttäuscht. Aber irgendwie lässt ihn der Film doch nicht ganz los.

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DVD-Rezension: “Die Kröte“

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Der buckelige Kleingangster Vincenzo Marazzi (Tomas Milian) kehrt aus seinem Exil auf Korsika zurück. In Rom angekommen, tut sich gleich wieder mit seiner alten Bande zusammen, um einen Geldtransport zu überfallen. Doch seine ehemaligen Partner haben andere Pläne als er, und versuchen Vincenzo während des Überfalls zu erschießen. Doch Vincenzo überlebt und bereitet mit Hilfe seiner Geliebten, der Prostituierten Maria (Isa Daniela), seine Rache vor. Unterstützung erhält er dabei auch von seinem Zwillingsbruder Sergio „Monnezza“ Marazzi (ebenfalls Tomas Milian), der ihm die Polizei in Gestalt des Kommissars Sarti (Pino Colizzi) vom Leib hält.

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Mit „Die Kröte“ legte das Gespann Umberto Lenzi (Regie) und Tomas Milian (Hauptdarsteller) ihre letzte gemeinsame Zusammenarbeit vor. Dabei griffen sie auf die beiden Hauptfiguren aus den zuvor entstanden Filmen „Das Schlitzohr und der Bulle“ und „Die Viper“ zurück. Damit führten sie ihre gemeinsame Kollaboration auf einen Höhepunkt. In „Der Bulle und das Schlitzohr“ hatte Milian die Figur des „Monnezza“ etabliert. Einen lauten, vulgären Typ, der gerne seine scheinbare Naivität in den Vordergrund stellt, es aber faustdick hinter den Ohren hat. Die Figur war so erfolgreich, dass sie in dem vom Stelvio Massi ein Jahr später inszenierten „Die Gangster-Akademie“ wieder auftauchte. Ihr zur Seite gestellt wird der „Bucklige von Rom“ Vincenze Moretti, der hier hier in Vincenzo Marrazi umbenannt wurde und als 10 Minuten älterer Zwillingsbruder von Monnezza vorgestellt wird. Gegenüber seinen ersten Auftritt in „Die Viper“ ist Vincenzo hier kein brutaler, schießwütiger Killer, sondern ein besonnener, wenn auch weiterhin missgelaunter kleiner Gangster. Auch wird sein Hass auf die Welt durch seine Missbildung erklärt und diese nicht als äußeres Zeichen von Bösartigkeit präsentiert. Vincenzo ist ein rüder, aber auch tragischer Charakter, den man im Laufe des Filmes so gut kennenlernt, dass man mit ihm mitzufühlen kann. Insbesondere sein Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder – so widersprüchlich es auch scheinen mag – sorgt am Ende dafür, dass man eine kleine Träne im Augenwinkel hat.

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Während Lenzis anderen Poliziotteschi oftmals episodenhaft wirken und durch perfekt inszenierte Action auffallen, ist „Die Kröte“ ein eher ruhiger Film. Zwar setzt Lenzi auch hier seine Markenzeichen, wie die rasanten, realistisch in Szene gesetzten Autoverfolgungsjagden, ein, doch die Actionszenen sind eher spärlich gesät. Was auch daran liegt, dass der Hauptfigur Vincenzo kein markanter Gegenspieler entgegen gesetzt wird. Einen Maurizio Merli, der sich prügelnd und ballerend durch die Unterwelt walzt, sucht man hier vergebens. Es gibt zwar einen Kommissar, doch dieser ist sehr viel realistischer als der „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“-„Merli gezeichnet. Er legt wert auf korrekte Ermittlungen und gesteht selbst dem schlimmsten Verbrecher ein faires Verfahren zu. Für einen Merli undenkbar. Dies hat auch zur Folge, dass die Polizei in den Hintergrund tritt und Milian sehr viel mehr Raum bekommt, seine Figur des Vincenzo zu entwickeln. Was er auch in vollen Zügen ausnutzt, denn Milian schrieb die Dialoge seiner Figur Vincenzo und Monezza selber und baute darin nicht gerade wenig Sozialkritik ein. Legendär schon Monnezzas Ausspruch: „An dem Tag an dem aus Scheiße Gold wird, wird der erste Arme ohne Arsch geboren“.

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Höhepunkt des Filmes ist der Besuch Vincenzos mit seiner Geliebten Maria (handfest und praktisch veranlagt dargestellt von einer sympathischen Isa Danieli) in einem feinen Nachtclub. Als Maria tanzen möchte, fragt sie Vincenzo zunächst, ob es ihm was ausmacht, wenn sie mit einem seiner Bandenmitglieder tanzen würde. Vincenzo fragt sie, warum sie nicht ihn auffordere und sie sagt ihm ehrlich, sie dächte es wäre ihm aufgrund seiner körperlichen Behinderung unangenehm. Doch Vincenzo entgegnet, dass das Quatsch wäre. Er würde seiner lieben Maria einen tollen Abend bieten wollen und mit ihr gemeinsam Spaß haben. Man ahnt wie es ausgeht. Und tatsächlich: Das Pärchen wird von den Reichen und Schönen begafft und bald schon fängt man an, sich über Vincenzo und seinen Buckel lustig zu machen. Als es ihm zu viel wird, legt Vincenzo selber noch einen drauf und gibt für die gackernde Menge den Hofnarren. Hätte der Vincenzo aus „Die Viper“ nun ein Blutbad angerichtet, so geht diese Inkarnation weitaus subtiler vor. Statt seine Peiniger mit Blei vollzupumpen, wählt er einen anderen Weg: Er macht sie lächerlich und peinlich. Gewalt ist eben nicht immer die Lösung für alles.

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Vincenzos Zwillingsbruder Monnezza wird ebenfalls von Tomas Milian gespielt. Im Blaumann und mit einer unglaublichen Afroperücke, so wie er etwas später auch in der populären Komödien-Reihe um den „Superbullen“ Nico Giraldi (in der deutschen Fassung Toni Marroni) aussehen sollte. Eigentlich ist der vorlaute und proletenhafte Monnezza eine ideale Witzfigur, doch so spielt Milian ihn nicht. Trotz seiner unflätigen Ausdrucksweise und seinem gestenreichen Auftreten, ist Monnezza eine Figur aus Fleisch und Blut. Sie wird nicht auf oberflächlichen Witz reduziert, sondern bekommt gerade in den Szenen mit dem geliebten Bruder Vincenzo Tiefe. Auch wird deutlich, dass er seine scheinbaren Naivität und „Verrücktheit“ als Schutzschild gegen diejenigen verwendet, die ihm nicht wohlgesonnen sind oder seine Pläne durchkreuzen wollen.

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Wie Milian diese beiden optisch sehr unterschiedlichen Charaktere spielt, ist sehenswert. Wüsste man es nicht besser, könnte man glauben, es handele sich um zwei Schauspieler, so verschieden sind die Figuren auch in Mimik und Gestik. Das diese Trennung in zwei Charaktere so überzeugend geschieht, ist auch der deutschen Synchronstimme, dem 2007 leider viel zu früh verstorbenen Randolf Kronberg, zu verdanken. Kronenberg war die deutsche Stimme von Edie Murphy und mit dieser „Quietschstimme“ spricht er auch den Monnezza. Vincenzo spricht er sehr viel dunkler und bedrohlicher. Führt man sich vor Augen, dass Kronberg auch Michael Landon in der TV-Serie „Ein Engel auf Erden“, Dr. „Pille“ McCoy in „Raumschiff Enterprise“ oder Bürgermeister Quimby in den „Simpsons“ sprach, wird einem seine großen Stimmkunst erst so richtig bewusst.

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„Die Kröte“ wartet nicht mit den großen Actionszenen und Gewaltausbrüchen, wie Lenzis vorherigen Poliziotteschi, auf. Der Film konzentriert sich vornehmlich auf die Charakterisierung seiner beiden Hauptfiguren Vincenzo und Monnezza, die beide auf großartige Art und Weise von einem gut aufgelegtem Tomas Milian verkörpert werden. „Die Kröte“ ist gleichzeitig ein Höhe-, wie auch würdiger Schlusspunkt aus der Spätphase des Genres. Danach verkam der Poliziottesco – ebenfalls mit Tomas Milian als Protagonisten – immer mehr zu einer Travestie. Aber in „Die Kröte“ zeigen Regisseur Lenzi und Hauptdarsteller Milian noch einmal eindrucksvoll, zu welchen Höchstleistungen sie beide fähig waren.

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Die filmArt-DVD ist empfehlenswert. Auch wenn die Kopie offensichtlich von einer gut erhaltenen Kinorolle gezogen wurde und manchmal leichte Bildschäden aufweist, sind doch Schärfe und Farbe ohne Fehl und Tadel. Auch der Ton ist einwandfrei. Das Bild hat das Format 1:2,35, der Ton liegt in Deutsch, Englisch und Italienisch (mit hinzu schaltbaren Untertiteln) vor. Als Extras gibt es den Trailer, sowie weitere Trailer für Filme aus dem filmArt-Programm. Highlight ist der zweite Teil eines Interviews mit dem Komponisten Franco Micalizzi, der bei dem Film den richtigen Beat sorgte. Dieses geht 25 Minuten und ist sowohl interessant, als auch durch die sympathische Art Micalizzis sehr unterhaltsam. Ferner liegt der DVD ein sehr gut geschriebenes und informatives Booklet von Dr. Markus Stiglegger und Ivo Ritzer bei.

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Originalfassungen in Bremen: 21.11.13 – 26.11.13

Eine Woche völlig ohne Highlights. Okay, Polanskis neuer Film läuft in O-Ton, aber zu einer Zeit, zu der kein normal arbeitender Mensch ins Kino gehen kann. Da bleibt mir nur, auf unsere Reihe „Weird Xperience“ im City 46 hinzuweisen, wo am Sonntag mit „Mad Circus“ unser letzter Film für dieses Jahr läuft.

Die Tribute von Panem – Catching Fire – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:30 – Der zweite Teil der Saga. Ich kenne die Bücher nicht, aber die Serie scheint sehr beliebt zu sein. Klingt für mich immer noch nach “Battle Royale” für Teenies, aber ich habe mittlerweile auch Gutes gehört.

Doctor Who – 50th Anniversary 3D – Cinemaxx, Sa., 23.11. um 20:30 und 22:30 – Zum 50. Jubiläum der BBC-Serie „Doctor Who“ wird die 3D-Jubiläumsfolge „The Day of the Doctor“ in ausgewählten Kinos gezeigt.

Ram-Leela – Cinemaxx, Do. um 20:00 und So. um 17:00 – Bollywood im Cinemaxx!!!! Obwohl ich mich lange Zeit sehr für das verrückte indische Kino interessiert habe, sagen mir die Namen der Darsteller und der Macher rein gar nichts. Aber die Fans wissen sicherlich Bescheid. Ram-Leela soll eine moderne Bollywood-Version von Romeo und Julia sein.

Su Ve Ates – Wasser und Feuer – Do./Sa. 23:00, Fr./So.-.Mi. 21:30 und So. 16:30 – Türkisches Liebesdrama von und mit Özcan Deniz.

Hükümet Kadin 2 – Cinemaxx, Do./Fr., So.-Mi. 22:30, Sa. 16:45 – Prequel zur türkischen Komödie „”Hükümet Kadin” um einen Bürgermeisterwahlkampf Ende der 40er Jahre.

Meine Welt – Benim Dünyam – Cinemaxx, Fr.-So., Di./Mi. 23:15 – Türkisches Drama um eine junge Frau, die als Kind durch eine Krankheit blind und taub wurde und nun in den 50er Jahren einen jungen Mann trifft, der mit ihr Kontakt aufnehmen will.

Blue Jasmine – Schauburg, Do.-Mi. immer 21:30 – Der neue Woody Allen. Diesmal spielt sein Film in San Francisco und handelt von einer ehemals reichen, New Yorker High-Society-Dame, deren Vermögen sich in der Finanzkrise in Luft aufgelöst hat und die nun gebrochen und depressiv bei ihrer Schwester in San Francisco Unterschlupf findet, die einen ganz anderen Lebensstil als sie pflegt. Könnte man als Komödie drehen, macht Allen aber nicht. Wieder grandios besetzt mit Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins.

Venus im Pelz – Gondel, Mo., 25.11. um 12:00 – Roman Polanskis neuer Film ist ein Kammerspiel mit nur zwei Darstellern: Seiner Ehefrau Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric. Ein Theaterregisseur plant ein Stück nach Sacher-Masochs Roman „Venus im Pelz“ auf die Bühne zu bringen und gerät bei einem Vorsprechen an eine geheimnissvolle, schöne Frau.

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Lola  – City 46, Do., 21.11. um 20:30 -Philippinischer Spielfilm von Brillante Mendoza um zwei Großmütter in Manila. die eine will ihren Enkel aus dem Gefängnis befreien, indem sie der Großmutter eines von ihm ermordeten Jungen Geld bietet. Diese wiederum kann die Beerdigung ihres Enkels nicht bezahlen. Harter Stoff.

Concussion – City 46, Fr., 22.11. um 20:30 – amerikanischer Queerfilm um eine Frau, die nach einer Gehirnerschütterung ihr Leben umkrempelt, Affären mit anderen Frauen hat und schließlich als Prostituierte für Frauen arbeitet.

Play – City 46, So./Mo. um 20:30 und Di. um 18:00 – Chilenischer Spielfilm um eine einsame Krankenpflegerin, die eines Tages eine Aktentasche findet und fortan deren Besitzer, dem Architekten Tristan folgt und dessen Leben beobachtet. Am Dienstag, den 26.11. ist Regisseurin Alicia Scherson zu Gast.

Turistas – Mi., 27.11. um 18:00 – Chilenischer Spielfilm. Die schwangere Clara wird nach einem Streit von ihrem Ehemann an einer Tankstelle allein gelassen. Sie freundet sich mit dem schwulen Norweger Ulrik an, der sie mit in den nahegelegenen Nationalpark nimmt, wo sie Natur und skurrile Typen kennenlernt. Regisseurin Alicia Scherson ist bei der Vorführung anwesend.

Mad Circus – City 46, So., 24.11. um 18:00 – Die letzte Weird Xperience in diesem Jahr. Alex de la Iglesias großer Gewinner beim Filmfest in Venedig um Clowns, Eifersucht, Rache und Mord. Natürlich wieder mit einer Einführung durch Stefan und mir.

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Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 25.11. um 20:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 25.11. um 21:45

 

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DVD-Rezension: “Die Koch Media Giallo Collection Teil 2″

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Da ist sie nun also. Die zweite Giallo-Box aus dem Hause Koch Media. Und wieder gab es bei den Fans im Vorfeld einiges Murren bezüglich der Filmauswahl. Tatsächlich ist wieder nur ein Film von dreien ein waschechter Giallo: „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“. Die anderen beiden Filme finden sich in einschlägigen Nachschlagewerken aber ebenfalls unter „Giallo“. Was auch nicht verkehrt ist, denn „Giallo“ steht in Italien ganz allgemein für „Krimi“ bzw. Thriller. Somit ist die „Giallo Box 2“ keine Mogelpackung. Mittlerweile wird der Begriff „Giallo“ aber mit einer ganz besonderen Art des Thrillers gleichgesetzt. Jener nämlich, die im Gefolge von „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ entstand und als Zutaten möglichst viele stylische Morde – vornehmlich an schönen Frauen -, einen geheimnisvollen Killer mit schwarzen Handschuhen und tolle Filmmusik aufweist. Auf „Blutiger Zahltag“ und „In the Folds of the Flesh“ triff dies nur bedingt zu, weshalb einige Leute diesen Filmen den „Giallo“-Status absprachen und über die Auswahl maulten. Besonders „Blutiger Zahltag“ traf es, der außerdem in Deutschland – wenn auch als Bootleg und in gekürzter Form – bereits verschiedene Veröffentlichungen erfuhr. Auch „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“ war bereits in guter Qualität auf DVD zu kaufen gewesen – allerdings auf einer nicht lizenzierten Scheibe.

Dann erschien kurzfristig ein Cover der Box bei Amazon, auf dem statt „Blutiger Zahltag“ plötzlich Umberto Lenzis „Deadly Trap“ zu lesen war. Das schürte kurz die Verwirrung, stellte sich dann aber als früher Entwurf heraus, der auf geheimnisvollen Wegen ins Netz geraten war. Tatsächlich war ursprünglich „Deadly Trap“ geplant, doch da es hierzu nur ein gekürztes Master gab, wurde der Film erst einmal – für eine Veröffentlichung in einer möglichen dritten Giallo-Box – zurückgestellt. Als Untertitel der finalen Box prangt wieder ein martialischer Schriftzug auf der Vorderseite: „Die spektakuläre Box der blanken Messer“, was wieder völliger Quatsch ist, den potentiellen Käufer tatsächlich auf eine falsche Fährte lockt und zu Enttäuschungen führen könnte. Keine Enttäuschung ist auf jeden Fall die Bild- und Tonqualität der Filme, denn die ist hervorragend.

The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (Chi l’ha vista morire, 1972)

In den französischen Alpen wird ein kleines Mädchen von einer mysteriösen, ganz in schwarz gekleideten Frau umgebracht. In Venedig ereilt dieses grausige Schicksal vier Jahre später auch die kleine Roberta (Nicoletta Elmi), Tochter des Bildhauers Franco Serpieri (George Lazenby). Voller Trauer und Selbstvorwürfen Weiterlesen

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