DVD-Rezension: “Dirty Mary, Crazy Larry“

dirtymarycrazylarryLarry (Peter Fonda) ist ein Rennfahrer, der Geld braucht, um die Teilnahme an Autorennen zu finanzieren. Der Rennfahrer Larry und sein Mechaniker Deke (Adam Roarke) brauchen dringend Geld, um ihre Teilnahme an einem wichtigen Autorennen zu finanzieren. Kurzerhand nehmen sie die Familie des Supermarktmanagers George Stanton (Roddy McDowall) als Geisel und erpressen von diesem 150.000 Dollar. Ihre Flucht wird dadurch kompliziert, dass sich ihnen Larrys One-Night-Stand Mary Coombs (Susan George) anschließt, und es Larry und Deke nicht gelingt, die freche Mary loszuwerden. Bald schon ist ihnen der gesamte Polizeiapparat des Distrikts unter Führung des unkonventionellen Sheriffs Franklin (Vic Morrow) auf den Fersen…

Im Jahre 1974 war „Dirty Mary, Crazy Larry“ einer der Spitzverdiener in den amerikanischen Kinos und schaffte in der 20. Kalenderwoche sogar die Nr. 1 Position in den Box-Office-Charts. Dennoch erinnert sich heute kaum noch jemand an den Film, der als „Kesse Mary, wilder Larry“ auch in deutschen Kinos lief. Da brauchte es erst den berühmten Film-Afi­ci­o­na­do Quentin Tarantino, um den Film wieder ins kollektive Gedächtnis zu holen. Laut Cover stammt von ihm die Aussage: „’Dirty Mary, Crazy Larry‘ was maybe the best inspiration for me to do ‚Death Proof‚“. Tatsächlich wird „Dirty Mary, Crazy Larry“ in Tarantinos Werk dann auch in einem Dialog erwähnt. Eigentlich unverständlich, weshalb „Dirty Mary, Crazy Larry“, trotz wilder Autoverfolgungsjagden und in Fankreisen durchaus bekannter und beliebter Schauspieler, solch ein Schattendasein führt. Vielleicht liegt es daran, dass ähnlich gelagerte Filme, wie vor allem das Burt-Reynolds-Vehikel „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ oder Sam Peckinpahs „Convoy“, welche beide recht ähnliche Geschichten erzählen, den kleinen B-Film mit einem weitaus höheren Humoranteil und der größeren Stars einfach überstrahlt haben. „Dirty Mary, Crazy Larry“ ist trotzdem ein Streifen, der sich lohnt, wiederentdeckt zu werden.

Ein weiterer Grund, weshalb der Film nicht die gleiche Popularität wie die oben genannten Filme genießt, mag auch in der Charakterisierung der Hauptfiguren liegen. Während Burt Reynolds‘ Bandit ebenso charmant, wie sympathisch ist, und als Identifikationsfigur ebenso gut geeignet ist, wie Kris Kristoffersen als „Rubber Duck“, gehen diese Qualitäten Peter Fondas Larry ziemlich ab. Larry ist sehr simpel, dafür aber mit einem überbordenden Selbstbewusstsein ausgestattet. Zudem ist er kein nassforscher Strolch, der sich mehr oder weniger aus Prinzip mit der Polizei anlegt, sondern ein recht skrupelloser Verbrecher. Wenn er mit seinem Freund Deke den Raub zu Beginn des Filmes durchführt, so zeichnet er sich durch eine Portion Mitleidlosigkeit aus. Und die Szenen, in der Deke die Familie in Schach hält, sind auch eher unangenehm, wenn man bedenkt, dass man sich auf die Seite der Beiden schlagen soll. Susan George ist als „Dirty Mary“ auch nicht gerade jemand, den man zum Nachbarn haben möchte. Ebenfalls vollkommen Ich-bezogen, nervig und vorlaut. Zwar schimmert durch, dass ihre dreiste Art ein Ruf nach Anerkennung und Dazugehörigkeit ist, doch man möchte sie deswegen nun nicht unbedingt in den Arm nehmen. Dass man auf der Seite dieser drei Außenseiter steht und bei ihrer Flucht mitfiebert, liegt vielmehr daran, dass man als Zuschauer darauf konditioniert ist, Genrekonventionen zu folgen. Das funktioniert hier zugestandenermaßen recht gut, so dass man den Gaunern dann spätestens im Finale des Filmes von Herzen gönnt, dass sie sich den engmaschigen Netz der Staatsgewalt entziehen.

Interessanterweise ist eben jene Staatsgewalt weitaus interessanter gezeichnet als unsere drei Anti-Helden. Vic Morrow gibt einen unkonventionellen Sheriff, der sich nur allzu gerne mit seinem Vorgesetzten anlegt. Letzterer entspricht dann auch am Ehesten dem Klischee des verbohrten, etwas dümmlichen Polizisten, der bei der Jagd nach Temposündern immer wieder auf die Nase fällt. Jedoch wird er von Kenneth Tobey sehr viel menschlicher und „realer“ dargestellt als Cartoon-Figuren, wie Jackie Gleason in den „Schlitzohr“-Filmen oder Ernest Borgnine in „Convoy“. Vic Morrow legt seinen Franklin als einsamen Wolf an, der tut, was zu tun ist. Und wenn er dabei seinen Vorgesetzten ärgern kann, umso besser. Franklin ist ein Cowboy im besten Sinne des Wortes und man könnte sich Vic Morrows Franklin auch gut als Hauptfigur einer TV-Serie vorstellen. Die restlichen Polizisten agieren dann allerdings wieder auf bekannten Keystone-Cop-Niveau und landen mit ihren Autos regelmäßig im Matsch. Hier hat „Dirty Mary, Crazy Larry“ großen Vorbildcharakter für die vielen ähnlich gelagerten Filme, die noch folgen sollten, Vom „Ausgekochten Schlitzohr“ über „Auf dem Highway ist die Hölle los“ und die „Blues Brothers“.

„Dirty Mary, Crazy Larry“ ist ein amerikanischer Film, wie er im Buche steht. Ein Film, wie er sonst wo auf der Welt nur schlecht oder überhaupt nicht funktionieren würde. Voller Archetypen und Americana. Umso verwunderlicher ist es, wie viele Briten an „Dirty Mary, Crazy Larry“ beteiligt waren. Insbesondere Susan George überrascht, weil das britische Mädchen so sehr in ihrer Rolle aufgeht, dass sie das perfekte Klischee des „White-Trash-Girls“ verkörpert und zu keiner Sekunde den Verdacht aufkommen lässt, sie wäre nicht im tiefsten Süden der USA, sondern in Surbiton, Surrey, England aufgewachsen. Die George wird Regisseur John Hough mit ins Projekt geholt haben. Hough ist ebenfalls Brite und hat in seinem Heimatland nicht nur in unterschiedlichen Positionen an zahlreichen Folgen der urbritischen TV-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ mitgewirkt, sondern war auch bei den britischen Hammer-Studios aktiv, wo er „Draculas Hexenjagd“ drehte. Vielleicht braucht es immer einen ausländischen Regisseur, um den amerikanischen Mythos auf Zelluloid zu brennen. Man denke hier nur an die Immigranten der 30er und 40er Jahre, wie z.B. Fred Zinnemann, der mit „12 Uhr Mittags“ eine der großen Western-Legenden drehte, die Amerikas Selbstverständnis (wir für eine gute Sache allein gegen alle) überzeugend wiedergab.

Die Stunts in „Dirty Mary, Crazy Larry“ sind rau und spektakulär. In Zeiten von „Fast & Furious“, wo (zu viel) mit Greenscreen und CGI gearbeitet wird, um die physisch unmöglichsten Stunts zu präsentieren, tut es gut, mal wieder „the real thing“ zu sehen. Echte Autos, echtes Blech und in vielen Szenen sieht man, dass Peter Fonda seine Stunts selber ausführt. Dies gibt dem Film eine gute Erdung und es fühlt sich „echt“ an, wenn der Dodge Charger R/T 440 durch den Wald brettert und von einem Helikopter im Tiefflug verfolgt wird. Kein Wunder, dass der spektakuläre und den Zuschauer ziemlich aus den Sitzen hebende, Stunt dann auch im Vorspann der Stuntman- / Kautionsjäger-Serie „Ein Colt für alle Fälle“ Verwendung fand. Ferner müssen noch die spitz-pointierten Dialoge erwähnt werden, die nicht auf „cool“ getrimmt sind, sondern sich so anhören, als ob sie den Darstellern just in dieser Sekunde eingefallen wären. Insbesondere die Wortduelle zwischen Larry und Mary gehören hier gesondert erwähnt. Dies macht durchaus vergessen, dass die Chemie zwischen den Beiden nicht wirklich stimmt. Was aber auch nicht schlimm ist, da sie sich auch laut Drehbuch wie Hund und Katze benehmen sollen und Mary am Ende dann auch mehr gefallen an dem stellen Deke, als den überheblichen Larry findet.

Der Vorläufer solch populärer, leichtfüßiger Car-Chase-Filme wie „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ und Konsorten ist zu unrecht ein wenig vergessen, und es ist traurig, dass solch ein Film erst durch das obligatorische Tarantino-Zitat wieder ins Bewusstsein geholt wird. „Dirty Mary, Crazy Larry“ ist uramerikanische Unterhaltung, die das Hohelied der individuelle Freiheit feiert, ohne dabei seine „crime does not pay“-Botschaft zu vergessen. Voller wunderbarer Autostunts und pointierter Wortduelle. Nur die mangelnde Chemie der beiden Titelcharaktere und die fragwürdige Moral der Anti-Helden stört etwas.

Die Blu-ray aus dem Hause filmArt weist ein sehr gutes Bild auf, dem man an einigen Stellen zwar das Alter des Filmes ansieht, die aber in vielen Szenen auch durch ein überraschend scharfes Bild überzeugt. Der Ton liegt in der guten deutschen Synchro und dem O-Ton im Original-Mono vor, ferner gibt es noch eine „aufgepimpte“, englische 5.1.-Version, die zwar auf Soundeffekte geht, sich aber in meinen Ohren etwas dünner anhört.  Die Extras sind zwar klein, aber fein. Da wäre zum einen der Audiokommentar des Regisseurs John Hough, und dann noch eine interessante, halbstündige Doku namens „Ride the Wild Side“, in der sich alle – bis auf den verstorbenen Adam Roarke – Beteiligten noch einmal zu Wort melden. Diverse Trailer und Radio-Spots runden, zusammen mit einem 8-seitigen Booklet voller Aushangfotos, diese gute Veröffentlichung ab.

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Originalfassungen in Bremen: 12.03.15 – 18.03.15

Nach ein paar wirklich famosen Wochen, kehrt bei den Originalfassungen wieder etwas Ruhe ein.

Kingsman – The Secret Service – Cinemaxx, Fr./So./Di. immer 20:00 & CineStar, So. 15.3. um 20:00 – Comicverfilmung mit Samuel L. Jackson als fieser Bösewicht und Colin Firth als elegantem Geheimagenten auf den Spuren von John Steed, der einen verhaltensauffälligen Teenager anheuert, um zum Top-Agenten ausgebildet zu werden.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=R5aWvnS0e_M[/youtube]

Bataillon – Cinemaxx, Mi. 18.3. um 20:00 – Russischer Kriegsfilm nach einer wahren Begebenheit: Auf Befehl der Übergangsregierung im Jahre 1917 wird in St. Petersburg ein Bataillon von Frauen aufgestellt.

3 Herzen – Schauburg, Mo. 16.3. um 12:00 & Atlantis, So. 15.3.um 20:00 – Französischer Liebesfilm mit Charlotte Gainsbourg, Benoît Poelvoorde und Catharine Deneuve. Zwei Fremde verlieben sich und wollen sich nach einer gemeinsamen Liebesnacht in Paris treffen. Dort verpassen sie sich aber. Zufälligerweise lernt der Mann dabei ohne es zu wissen, die Schwester der Frau kennen.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=fAmgGcBG9qY[/youtube]

Selam Bahara Yolculuk – Salam: Die Reise zum Frühling – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 23:10 – Türkischer Spielfilm. Ein Lehrer reist mit seiner Frau nach Kirgisistan, um dort gegen alle Widerstände eine Schule zu eröffnen.

Son Mektup – Cinemaxx, Mi. 18.3. um 20:00 – Türkischer Kriegsfilm über Piloten im 1. Weltkrieg.

Selma– Schauburg, So. 15.3. um 16:30 – Amerikanisches Bio-Pic über den farbigen Bürgerrechtler Martin Luther King.

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) – Schauburg, Mi. 18.3. um 18:45 – Der neue, gefeierte Film von Alejandro González Iñárritu, in dem Michael Keaton einen ehemaligen Filmstar spielt, der in einem experimentellen Theaterstück seine angeschlagene Karriere wiederbeleben will. Der große Oscar-Gewinner.

Fahrstuhl zum Schafott – City 46, Mi. 18.3. um 20:00 – Louis Malles Film noir mit der großartigen  Jeanne Moreau und der treibenden Musik von Miles Davis. Ein gnadenlos spannender, schlichtweg fantastischer Film.

Jerusalem – East Side Story – City 46, Mo. 16.3. um 20:30 – Einstündiger Dokumentarfilm, in dem der palästinensische Filmregisseur Mohammed Alatar am Beispiel von Jerusalem zeigt, wie sich der Nahost-Konflikt in dieser Stadt widerspiegelt.

Lebensbande – City 46, di. 17.3. um 20:30 – Japanischer Gangsterfilm über den Direktor einer Handelsfirma, der eine geheimnisvolle Vergangenheit besitzt und Geld für die Yakuza wäscht. Eines Tages begegnet er der Hostess Chikako. Dann wird deren Liebhaber erschossen. Eintritt frei!

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 16.03. um 20:50

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 16.03. um 21:45

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DVD-Rezension: “Sin City 2 – A Dame To Kill For”

sincity2Vier Geschichten aus den finsteren Häuserschluchten Sin Citys: Der Gewaltverbrecher Marv (Mickey Rourke) lehrt einer Bande marodierender Jungs aus gutem Hause, dass man in Sin City nicht einfach an den Schwächsten der Gesellschaft seine sadistischen Gelüste auslassen darf. Der Kartenspieler Johnnie (Joseph Gordon-Levitt) hat ein goldenes Händchen und lässt sich auf eine Pokerpartie mit Sin Citys heimlichen Herrscher Senator Roark (Powers Boothe) ein. Der abgehalfterte Privatdetektiv Dwight (Josh Brolin) wird von seiner alter Flamme Ava Lord (Eva Green), um Hilfe vor ihrem brutalen Ehemann gebeten. Und die Stripperin Nancy (Jessica Alba) dürste nach dem Tod ihres väterlichen Freundes nach Rache.

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2005 sorgte das Duo Robert Rodriguez und Frank Miller mit ihrem Film „Sin City“ für einige Aufregung. Rodriguez hatte mit „Sin City“ eine Comic-Verfilmung auf die Leinwand gebracht, wie man sie zuvor noch nicht gesehen hatte. Er stellte die schwarz-weißen Panels der Kult-Bücher des Comicautoren Frank Miller so präzise nach, dass Miller am Ende als Co-Regiseur genannt wurde. Diese totale Künstlichkeit war nichts Neues, zuvor hatte bereits der leider gefloppte „Steampunk“-Film „Sky Captain and the World of Tomorrow“ einen ähnlichen Ansatz verfolgt. Doch so konsequent, technisch perfekt und mit großen Stars gespickt, wie Rodriguez Film, war dies noch nicht umgesetzt worden. Neben Kultstars wie Mickey Rouke und Bruce Willis, hatte Rodriguez eine ganzes Arsenal berühmter Haupt- und beliebter Nebendarsteller an Bord. Dass dann noch damit geworben werden konnte, dass Rodriguez-Buddy Quentin Tarantino eine Szene des Filmes inszeniert hatte, war dies das i-Tüpfelchen, welches „Sin City“ zu einem weltweiten Erfolg und Kultfilm machte. Schnell wurde der Ruf nach einem Sequel laut und ich erinnere mich noch gut daran, dass in der IMDb lange Zeit „Sin City 2“ und „Sin City 3“ als aktuelle Projekte angekündigt wurden. Doch daraus wurde nichts. Während Rodriguez sich seiner Kreation „Machete“ zuwandte, versuchte sich Miller im Alleingang auf dem Regiestuhl und lieferte mit seiner, stilistisch „Sin City“ sklavisch kopierenden, Comic-Verfilmung „The Spirit“ eine Bruchlandung ab.

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2014 war es dann endlich soweit, Rodriguez und Miller fanden wieder zueinander und konnten auch die meisten Stars des Originals wieder vor die Kamera holen. Lediglich Clive Owen wurde durch Josh Brolin ersetzt – was aber durch eine Gesichtsoperation erklärt wird – und für den verstorbenen Michael Clarke Duncan übernahm nun Dennis Haysbert den Part des schier unbezwingbaren Chauffeurs und Bodyguards Manute. Ansonsten sind alle wieder mit dabei, auch die, deren Figuren in „Sin City“ ins Gras beißen mussten. Möglich wird dies durch zwei Kniffe. Einerseits darf Bruce Willis wieder einmal als Geist durch das Szenario wandeln. Und andererseits spielen die vier Geschichten teilweise vor „Sin City“, so dass der beliebte Marv hier wieder eine wichtige Rolle spielen kann. Die Geschichten in „Sin City 2“, spielen – wie die im ersten Teil- nicht zeitlich Versetzt, was allerdings im Film nicht deutlich wird. Dadurch bleibt unklar, dass die Geschichte um den Spieler Johnny Jahre vor der Rache Nancys an Senator Roark spielt, wodurch der Twist der ersten Geschichte plötzlich vollkommen belanglos erscheint. Da die vier Geschichten, im Gegensatz zu denen im ersten Teil, bis auf die Figur des Marv und den Antagonist Roark relativ wenig Berührungspunkte haben, könnten sie auch zeitlich parallel verlaufen. Insbesondere die Hauptgeschichte, „A Dame to Kill For“, funktioniert hervorragend, ohne dass man die restlichen Stories – und den ersten Film – kennen würde.

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„A Dame To Kill For“ ist dann auch die stärkste der vier Geschichten, von denen zwei – die um Joseph Gordon-Levitt- und der Abschluss der Jessica-Alba-Episode, die Ereignisse aus dem ersten Film zu einem Schlusspunkt führt – von Frank Miller speziell für diesen Film geschrieben wurden. „A Dame To Kill For“ entstammt einem seiner Comic und war von Anfang an als Bestandteil des zweiten „Sin City“-Films gedacht. Sie nimmt auch deutlich mehr Platz ein, als die anderen Episoden und erscheint auch komplexer. Star dieser Geschichte, und gleichzeitig Aushängeschild für „Sin City 2“, ist die wunderschöne Eva Green, die hier eine Über-Femme-fatale gibt, bei der alle Attribute dieser Spezies im Überfluss vorhanden sind. Da wäre es gar nicht nötig gewesen, die Green ständig nackt zu filmen, da ihre giftige Erotik aus jedem Bild quillt. Natürlich ist ihre Ava Lord eine Karikatur dieser Stereotype des Film Noir, wie alle Figuren in „Sin City“. Doch Eva Green gelingt es spielend, Ava trotzdem mit Leben zu füllen und aus einem im Grunde recht eindimensionalen Charakter, eine bösartige Spinne zu formen, an die man sich noch lange erinnert – und bei der man durchaus versteht, weshalb sich in ihrer Gegenwart selbst ein kantiger Typ wie Josh Brolin in einen hirnlosen Pudding verwandelt.

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War „Sin City“ schon ein ausgesprochen brutaler Film, so setzt „Sin City 2“ noch einen oben drauf. Im Grunde besteht er aus einer schier nicht enden wollenden Abfolge von Sex und Gewalt, was den Zuschauer mit der Zeit ziemlich abstumpft. Wie schon in seinen Sequels „Es war einmal in Mexiko“ und „Machete Kills“, frönt Rodriguez hier wieder einmal dem Exzess, der zulasten der von ihm erzählten Geschichte und der handelnden Charaktere geht, die einem irgendwann herzlich egal werden. Zumal sie über merkwürdige Selbstheilungskräfte zu verfügen scheinen, denen selbst die grausamsten Verletzungen nicht viel ausmachen. Bis auf „A Dame To Kill For“ gibt es in „Sin City 2“ keine nennenswerten Höhepunkte. Die erste Geschichte, „Just Another Saturday Night“ zeigt einfach Marv, wie er ein Gruppe neureicher Teenies platt macht, die zweite, „The Long Bad Night“ um den von Joseph Gordon-Levitt dargestellten Spieler, Johnnie, ist relativ unbefriedigend, da die Schlusspointe von der folgenden Geschichte, „Nancy’s Last Dance“ scheinbar ausgehebelt wird. Diese stellt dann lediglich ein Appendix der John-Hartigan-Geschichte aus „Sin City“ dar. Da die Geschichten also eher uninteressant sind, kann man sich in Ruhe zurücklehnen und die wieder einmal beeindruckende grafische Gestaltung – die besonders in der 3D-Fassung überwältigend sein soll – und die bekannten, mit großem Elan agierenden Schauspieler, bewundern. Allein „A Dame To Kill For“ hätte das Potenzial einen ganzen Film zu tragen, ist aber für einen abendfüllenden Spielfilm allein etwas zu kurz.

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Da die von Frank Miller geschriebenen Geschichten teilweise wie liebloses Füllmaterial wirken, bleibt „Sin City: A Dame To Kill For“, trotz eines gestiegenem Sex& Gewalt-Levels, deutlich hinter dem Vorgänger zurück. Allerdings weiß die Titel-Episode durch die wunderschöne Eva Green als Über-Femme-fatale und Josh Brolin als gefallener Anti-Held sehr zu gefallen. Fazit: Nichts Neues in „Sin City“, aber wer den ersten Teil mochte, wird mit dem visuell identischen Nachfolger ebenfalls seinen Spaß haben. Neue Fans wird er aber sicherlich nicht generieren.

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Die Splendid-DVD zeigt ein ausgezeichnetes Bild mit tiefen Schwarztönen und hervorragenden Kontrasten. Auch der Ton ist sehr klar und kommt dynamisch aus den Boxen. Sowohl in der Original- als auch in der Synchronfassung. Auch in Sachen Extras ist die DVD gut bestückt. In einem – wie der Name schon sagt – 15-minütigen Special namens „Sin City: A Dame to Kill For in 15 Minutes“, kann man sich den Film in Zeitraffer, aber ohne die optischen Effekte, als quasi rein vor der grünen Wand, ansehen. Eine ebenso interessante, wie ernüchternde Erfahrung. Bei den zwischen 2 und 4 Minuten laufenden Featurettes „The Dame to Kill For“, „Nancy“, „Johnny“ und „Dwight“ handelt es sich um kurze Blicke hinter die Kulissen, in denen jeweils die genannten Figuren und ihre Darsteller im Vordergrund stehen. In „Make-up Effects“ (6 min.) kommt Greg Nicotero von der für die Effekte verantwortlichen Firma KNB zu Wort und „Stunts“ (5 min.) konzentriert sich auf Mickey Rourkes Stuntman. Sehr interessant ist „Behind the Shadows“, die halbstündige Zusammenfassung einer Podiums-Diskussion mit Robert Rodriguez, Frank Miller, Jessica Alba, Josh Brolin, Eva Green und Joseph Gordon-Levitt.

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Das Bloggen der Anderen (09-03-15)

bartonfink_type2– Auf screen/read wird ein langes und interessantes Interview mit Julien Maury, einem der beiden Köpfe hinter „Inside“, „Livid“ und aktuell „Among the Living“ geführt.

– Während ich „Among the Living“ durchaus mochte (siehe hier), wird Oliver Armknecht von film-rezensionen.de nicht recht warm mit ihm. Etwas, was von vom Anime „Cowboy Bebop“ nicht behaupten kann, den er in den höchsten Tönen lobt.

– Udo Rotenberg schreibt auf L’amore in città über Damiano Damianis Regiedebüt „Il rossetto“ (Unschuld im Kreuzverhör). Es ist immer noch eine echte Schande, dass die Filme dieses großen (und durchaus populären) Regisseurs in Deutschland auf DVD bisher fast gar nicht stattfinden. Naja, bei Rossi sieht es ja noch düsterer aus.

– Auf Grün ist die Heide setzt Udo seine lose Reihe über deutsche Filme der 50er und frühen 60er, die sich mit der Jugendkultur und den „moralischen Gefahren“ der Heranwachsenden auseinandersetzen, mit „…und sowas nennt sich Leben“ von  Géza von Radványi fort.

– Christian Genzel trifft auf Wilsons Dachboden den Wiener Journalisten Rodja Pavlik, einem „Schutzpatron der Independent-Filmszene“ in Österreich und die Beiden sprechen über den Status des Indie-Films in Österreich und Deutschland. 

– Frédéric Jaeger macht sich auf critic.de so seine Gedanken über die“ fragwürdige Neubesetzung“ der dffb-( Berliner Filmhochschule) Direktion und wie die jetzt neu Verantwortlichen Film verstehen („Erst Anfang Februar hat Böhning in einer Rede auf dem „Deutschen Produzententag“ bei der Berlinale seine schwer fassbare Idee einer filmindustriellen Wende in der Förderpolitik vorgetragen: Diese müsse sich „danach richten, dass die größtmöglichen Wachstums- und Beschäftigungseffekte erzielt werden.“ Über Medienboard-Chefin Kirsten Niehuus wird kolportiert, dass sie beim Empfang der Filmhochschulen auf der Berlinale davon gesprochen haben soll, sich auf ihrem Schreibtisch mehr Drehbücher wie die der Filme von Til Schweiger zu wünschen.“)

– Harald Mühlbeyer bericht auf B-Roll vom 13. Mannheimer Filmseminar: „Psychoanalyse und Filmtheorie im Dialog“, welches die Filme Michael Hanekes zum Thema hatte. Marie Anderson hat das Buch „Die Kunst der Filmkomödie. Band 1: Komiker, Gags und Regisseure“ von Franz Stadler und Manfred Hobsch gelesen und Lucas Barwenczik befasst sich mit der Schauspielerin Julianne Moore, die mich insbesondere in „Short Cuts“ nachhaltig beeindruckt hat. Nicht ausschließlich wegen ihrer Schauspielkunst.

– Rainer Kienböck hatte vor kurzem auf Jugend ohne Film über Aleksey Germans letzten Film „Hard to Be a God“ geschrieben, ihm „fehle eine Vision, die dem Film Zusammenhalt gibt“. Patrick Holzapfel hat diese Vision gefunden und beschreibt sie an gleicher Stelle als „ist enigmatisch, kraftvoll und kompromisslos“.

– Obwohl ich Masaki Kobayashis „Kwaidan“ großartig finde und mich das Remake seines Films „Harakiri“ durch Takashi Miike begeistern konnte, habe ich das Original, über welches Christian Witte auf Cerality schreibt, nie gesehen. Zeit dies nachzuholen. Als ich kürzlich über eine Ankündigung des neuen Sherlock-Holmes-Films „Mr. Holmes“ stolperte, dachte ich nur, dass Holmes jetzt so groß in Mode ist, dass scheinbar monatlich ein neuer Film auf den Markt geworfen wird. Doch als ich mich näher damit beschäftigte, musste ich feststellen, dass das Projekt eines alternden Holmes sehr interessant klang. Nicht nur wegen Ian McKellen in der Titelrolle, sondern vor allem wegen Bill Condon auf dem Regiestuhl. Scheinbar eine gute Kombination, wenn man liest, was Julia Stache darüber zu sagen hat.

– Während YP und PD auf Film im Dialog sich einige darüber sind, dass „American Sniper“ kein guter Film sei, so sind sie doch bei „Jupiter Ascending“ vollkommen gegensätzlicher Meinung.

– Florian Krautkrämer schreibt auf Daumenkino über den Gangsterfilm  „The Most Violent Year“: „Nach dem hervorragenden All is Lost (2013) hat sich Chandor mit seinem dritten Film als Spezialist für Filme des Untergangs bewiesen.“.

– Von Menahem Golans „Star Rock“, laut Final Frontier Film ein „ megalomanischer Irrsinn, das erste Großprojekt der Cannon, eine Mischung aus TOMMY, HAIR, ABBA, THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW, JESUS CHRIST SUPERSTAR und SATURDAY NIGHT FEVER“ habe ich bis jetzt noch nie etwas gehört. Die Text und Screenshots sagen mir aber: Den muss ich gucken.

– Sascha schreibt auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte über „The Power“, einem frühen Vorläufer von „Scanners“ und „Teufelskreis Alpha“ mit Bildern, die aussehen wie aus dem Finale von „Total Recall“.

– Mauritia Meyer stellt auf Schattenlichter den Charles-Bronson-Reißer „Brutale Stadt“ des großartigen Sergio Sollima vor.

– David hat sich auf Whoknows presents Roland Emmerichs Film „Universal Soldier“ angenommen und sieht darin Parallelen zu „Der Zauberer von Oz“. Interessante Lektüre.

– Jamal Tuschik scheint der neue Film von Andreas Dresen, „Als wir träumten“ gefallen zu haben, wenn er auf Hard Sensations feststellt: „Das Drehbuch stammt von Wolfgang Kohlhaase, der mit „Berlin – Ecke Schönhauser“ 1957 die Antwort im sozialistischen Realismusstil auf die westlichen „Halbstarken” mit Horst Buchholz gab. Rico ist ein Horst der Techno-Ära. Man versteht lange nicht, warum der Boxer und das Talent Rico, von Julius Nitschkoff exakt und mit einem Anschlag aus Granit geil auf sämtliche Punkte gebracht, aus dem Ruder läuft.“

– Oliver Nöding beschäftigt sich auf Remember It For Later mit Fernando di Leos unbekannteren Werk „Note 7 – Die Jungen der Gewalt“, Dominik Grafs kraftvollen Gangsterfilm „Die Katze“ und den beiden Stephen-King-Verfilmungen „Cujo“ und „Christine“.

– Da sind wir uns mal einig. Schlombie schreibt auf Schlombies Filmbesprechungen über Suspiria“: „Suspiria“ muss man als Filminteressierter gesehen haben!“. Und es gibt auch wieder „Die Besprechungen der Anderen“ (Danke für die Erwähnung).

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DVD-Rezension: “In the Name of the Son”

inthenameofthesonDie tiefgläubige Elisabeth (Astrid Whettnall) ist Moderatorin einer religiösen Ratgebersendung und führt ein glückliches Leben mit ihrem Ehemann und ihren zwei Söhnen. Ihr Leben gerät aus den Fugen als sich erst ihr man versehentlich erschießt, dann ihr Vertrauter, der Priester Achilles (Achille Ridolfi), sich als pädophil entpuppt und eine Liaison mit ihrem 13-jährigen Sohn Jean-Charles (Zacharie Chasseriaud) eingeht. Als dieser seiner Mutter seine Homosexualität gestehen will und dabei auf harsche Ablehnung triff, bringt er sich vor den Augen Elisabeths um. Elisabeth ersucht um eine Audienz beim Bischof, um für das Seelenheil des Selbstmörders zu sorgen, muss aber feststellen, das die katholische Kirche nicht nur die Pädophilie ihrer Mitglieder unter den Tisch kehrt, sondern auch den Opfern die Schuld zuschiebt. Voller Wut und Schmerz zieht Elisabeth tödliche Konsequenzen…

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Wieder einmal wird der potentielle Käufer eines Filmes auf eine vollkommen falsche Fährte gelockt, wenn er einen Blick auf das Cover der DVD des Filmes „In the Name of the Son“ wirft. Das beginnt mit der Schriftart, die an Filme wie „Burn After Reading“ oder diverse „cool-abgefahrene“ Gangsterfilme erinnert. Dann geht es weiter über den dämlichen Untertitel „Sprich Dein Gebet“, der Cover-Gestatung, die an einen an übertrieben-irrwitzigen Alex-de-la-Igleasias-Komödien denken läßt und endet schließlich beim bewusst flapsig formulierten Covertext. So wir dem Käufer suggeriert, bei „In the Name of the Son“ würde es sich um einen durchgeknallten Schenkelklopfer voller skurriler Typen mit großen Wummen handeln. Wer mit dieser Erwartungshaltung an den Film herangeht, wird zwangsläufig ein langes Gesicht machen und den Film möglicherweise als langweilig brandmarken. Was dem Film gegenüber mehr als unfair ist, denn „In the Name of the Son“ entpuppt sich als leise, tiefschwarze Komödie, die sehr ernste Themen anpackt und diese respektvoll behandelt. Natürlich in einer Form der Überspitzung, doch im Grundtenor bleibt es eine melancholisch grundierte, intelligente und provokative Auseinandersetzung mit religiösem Fanatismus, Heuchelei und Pädophilie, was trotz einiger Übertreibungen nicht ins Lächerliche gezogen wird – nimmt man einmal die paramilitärische Einheit eines radikalen Priesters aus. Aber auch bei dieser, bleibt einem das Grinsen im Halse stecken.

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Nach der Hälfte der Spielzeit bekommen die Zuschauer, die von den falschen Versprechungen der Werbemaschinerie angelockt wurden, das, worauf sie gewartet haben. Nach einer überraschend brutalen und grafischen Szenen, in der einer Figur aus heiterem Himmel der Schädel zermatscht wird, folgt ein schön choreographierter und absurder Abschnitt, in dem die Mutter Jagd auf einen Priester macht. Doch diese vermeintlich „coolen“ oder „abgedrehten“Szenen werden spätestens dann gebrochen, wenn die Mutter sich nach dem letzten Mord voller Verzweiflung und Trauer die Pistole an die Schläfe hält. Denn dies ist keine Geschichte, in der die Rache eine Form von Erlösung bringt. Mit den Morden versucht Elisabeth, die Mutter, ihr zerstörtes Weltbild wieder ein wenig zu kitten. Sie glaubt daran, irgendwie Gottes Willen zu erfüllen, obwohl ihr Glauben schon lange bis ins Mark erschüttert ist. Es ist keine Rache, die Elisabeth da übt, es ist der verzweifelte Versuch, die eigene Schuld auszulöschen und in einem wirr, religiösen Wahn, die Seele ihres Sohnes zu retten. Um die Tragik ihres Charakters zu verstehen, muss man sich vor Augen führen, wie tief ihr Weltbild und Selbstverständnis zerstört wurde. Der Ehemann und der Sohn geben vor, gemeinsam Campen zu gehen, dabei sind sie Mitglieder eine paramilitärischen Organisation. Der Priester, dem sie zutiefst vertraut und verehrt, entpuppt sich als pädophil, der Sohn gesteht ihr seine Homosexualität und bringt sich um, als sie ihn schroff zurechtweist. Die Kirche, die ihr großer Rückhalt ist, entpuppt sich als heuchlerisch und menschenfeindlich. Das Bedürfnis, diese aus den Fugen geratene Welt wieder zurecht zu rücken, entspringt einem tiefen Trauma, keinem schnöden Rachegelüsten. Und so kann die Erlösung für Elisabeth am Ende dann auch nur in einer Rückbesinnung auf Nächstenliebe und Versöhnung bestehen, ohne das Diktat einer verlogenen Organisation, sondern ganz aus der eigenen Person heraus. Erst als Elisabeth die Fesseln der Kirche abwirft und sich ganz auf den Kern der Religion konzentriert, findet sie Frieden.. und vielleicht sogar Gott.

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Es ist überraschend, wie sensibel der Film mit dem delikaten Thema, des pädophilen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche, umgeht. Denn er wird nie plakativ, sondern stellt auch unbequeme Fragen. Besonders überrascht, wie der Missbrauch des 13-jährigen Jean-Charles durch den Priester Achilles (der seine verwundbare Verse schon im Namen trägt) inszeniert wird. Die schwierige Frage ist hier, ob man auch von einem Missbrauch reden kann, denn zwischen den beiden existiert eindeutig eine beidseitige, tief empfundene Liebe. Nicht nur wird Achille bis dahin als positive Erscheinung in einer verknöcherten Kirche präsentiert, er ist auch der Sympathieträger des Filmes. Und die Szenen, in denen sich Achilles und Jean-Charles nahe sind, werden sehr zärtlich ins Bild gesetzt. Auch ist Jean-Charles‘ Selbstmord nicht Folge des Missbrauchs, sondern des Umgangs der Kirche mit dem von ihm geliebten Menschen, der große Verlust und schließlich die feindselige Reaktion seiner Mutter, als er ihr seine Homosexualität offenbart. In einem anderen Zusammenhang verfolgte ich kürzlich eine Diskussion zu Louis Malles Inzest-Film „Herzflimmern“ (Kritik hier), in der die legitime und nachdenkenswerte Frage gestellt wurde, wie das Publikum heute reagieren würde, wenn es nicht um einen 13-jährigen Jungen gehen würde, der von seiner Mutter verführt wird, sondern um ein gleichaltriges Mädchen und ihren Vater. Natürlich war Achilles Verhalten falsch, aber die eigentliche Katastrophe wird von der Mutter ausgelöst, die ihrem Sohn nicht zuhört und seine Sexualität nicht akzeptiert. Und von einer Kirche, die ihre Skandale unter den Teppich kehrt und in einer perversen Logik die Opfer für ihr Schicksal verantwortlich macht.

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Regisseur Vincent Lannoo stehen wundervolle Schauspieler zur Verfügung, allen voran Astrid Whettnall in der Rolle der Elisabeth, die sich zunächst tiefgläubig ihre Welt so macht, wie es ihr gefällt. Ihre erschreckend naiven und weltfremden Ratschläge, die sie in ihrer christlichen Radiosendung gibt, zeigen, wie sehr sie ins Korsett eines blind machenden und die normale Logik ad absurdum führenden Glaubens eingeschnürt ist. Wie Astrid Whettnall den langsamen Zusammenbruch dieses Menschen spielt, ist beeindruckend. Auch Jungmime Zacharie Chasseriaud in der Rolle des Sohnes Jean-Charles zeigt eine beeindruckende Bandbreite an schauspielerischen Möglichkeiten. Achille Ridolfi gelingt es als Pater Achilles, eine liebenswürdige Melancholie, aber auch eine tiefempfundene Liebe zu Jean-Charles zu vermitteln. Die Szene, in der er allein in seiner Kammer auf dem Bett sitzt und leise vor sich her singt ist ebenso wunderschön, wie tief traurig. Auch Philippe Nahon macht seine Sache als väterlicher, aber auch machtbewusster Père Taon sehr gut. Hinter seiner liebenswürdig-schrulligen Art blitzt immer wieder der alte „Menschenfeind“ aus Gaspar Noes gleichnamigen Film auf. Der Rest des Ensembles ist ebenfalls gut besetzt und mit Ausnahme des bösartigen Bischofs und des durchgeknallten Militär-Priesters, sind alle Figuren sehr ambivalent und lebendig gezeichnet.

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„In the Name of the Son“ ist trotz des vom Verleih erweckten, gegenteiligen Eindrucks keine durchgeknallte Komödie, sondern eine größtenteils leise Tragödie, die mit schwarz-absurden Humor leicht gewürzt wurde. Unterstützt von hervorragenden Schauspielern wählt Regisseur Vincent Lannoo einen ebenso intelligenten, wie ambivalenten Ansatz, um sich mit solch schwierigen Themen wie Pädophilie, religiöser Blindheit, einer verlogene Kirche und den menschliche Unzulänglichkeiten auseinander zu setzten. Ein sehenswerter Film, dem man eine bessere Bewerbung gegönnt hätte.

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Neben der oben bereits erwähnten, irreführenden Aufmachung des Filmes, muss man Donau Film, die den Film veröffentlicht haben, auch vorwerfen bis auf einige Trailer keinerlei Extras mit auf die DVD gepackt zu haben. Gerade bei diesem Film wären einige Statements des Filmemachers interessant gewesen. Dafür kann man bei Bild- und Tonqualität nicht meckern. Das Bild ist gut und scharf, kommt einem allerdings auch ein Tick zu hell vor. Aber dafür gibt es ja eine Fernbedienung. Der Ton ist gut verständlich und kommt als gute deutsche Synchronfassung oder in der französischen Fassung mit abschaltbaren deutschen Untertiteln daher.

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Originalfassungen in Bremen: 05.03.15 – 11.03.15

Nach der bereits sehr guten Vorwoche, bringt auch die aktuelle Woche einen ganzen Schwung spannender Filme. Tipps: „Leviathan“ und natürlich „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“.

Chappie – Cinemaxx, Do. um 16:40 und Sa. um 15:00 – Der neue SF-Film von „District 9“-Regisseur Neil Blomkamp handelt nicht von Hundefutter – wie bei den meisten wohl die erste Assoziation sein wird – sondern von einem Roboter der als Erste die Fähigkeit hat, eigenständig zu denken und zu fühlen. Da das totalitäre  System ihn als Gefahr ansieht, wird gnadenlos Jagd auf Chappie gemacht.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=lyy7y0QOK-0[/youtube]

American Sniper – Cinemaxx, Di., 10.3. um 22:50 – Der neue Film von Clint Eastwod ist die Verfilmung der Biographie des U.S. Navy SEAL Chris Kyle, der als Scharfschütze im Irak unter seinen Kameraden einen legendären Ruf genießt, mit dem Zivilleben aber nicht mehr klar kommt. Eastwood wurde von einigen Seiten unreflektierter Patriotismus vorgeworfen. Bei den Oscars ging der Film trotz zahlreicher Nominierungen fast leer aus.

Focus – Cinemaxx, Fr./So. um 23:15 & CineStar, So. 8.3. um 20:30 – US-Spielfilm mit Will Smith als Trickbetrüger, der eine Frau in seine Kunst einweiht, sich in sie verliebt und dann Jahre nach der Trennung in Buenos Aires wieder auf sie stößt, als er gerade seinen größten Coup vorbereitet.

Leviathan – Schauburg, Mo. 9.3. um 12:00  & Atlantis, So. 8.3. um 20:00 – Russischer Spielfilm, der die russische Willkürbürokratie und seine gierigen Eliten anprangert, die wie das titelgebende, unbezwingbare Ungeheuer agieren. Ein korrupter Bürgermeister will in einem Küstenstädtchen den Trinker Kolia von seinem Grundstück vertreiben, um es für sich selbst zu nutzen.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=jpawdA34HNk[/youtube]

Still Alice – Mein Leben ohne Gestern – Schauburg, So. 8.3. um 20:45 – US-Drama mit Julianne Moore (die für diese Rolle den Oscar gewann) als 50-jährigen Universitätsprofessorin, die beginnt an einer seltenen Form von Alzheimer zu leiden.

Verstehen Sie die Béliers? – Schauburg, Mi. 11.3. um 19:00 – Französische Komödie über eine gehörlose Familie, die einen Laden besitzt und von der Tochter „gedolmetscht“ wird. Gerade als sich der Vater anschickt mit Hilfe seiner Übersetzerin Bürgermeister zu werden, will die zum Gesangstudium in die Ferne ziehen.

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach – City 46, Do./Fr./Mo. um 18:00 und Sa./So. um 20:30 – ein Film auf den ich mich unglaublich freue – und ich hoffe sehr, dass ich es hier ins Kino schaffe. Der neue Film des schwedischen Ausnahme-Regisseurs Roy Andersson, dem Meister der statischen Tableaus und skurril-bizarren Situationen.

[youtube width=“620″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=MhpedyLXevo[/youtube]

Die Reise – City 46, Sa./So. um 18:00 und Di./Mi. um 20:30 – Argentinischer Spielfilm um den 17jährigen Martin, der vom am südlichsten Zipfel Argentiniens mit dem Fahrrad aufbricht, um seinen leiblichen Vater zu suchen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 09.03. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 09.03. um 21:45

 

 

 

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DVD-Rezension: “Among the Living”

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An ihrem letzten Schultag vor den Ferien werden Victor (Théo Fernandez), Dan (Damien Ferdel) und Tom (Zacharie Chasseriaud) von ihrer strengen Lehrerin zum Nachsitzen verdonnert. Doch statt ihre Strafe abzusitzen, nehmen sie Reißaus und vertreiben sich die Zeit in der Natur. Dabei geraten sie auf das verlassene Filmgelände der Blackwoods Studios. Als sie dort zufällig eine brutal zugerichtete Frau im Kofferraum eines Autos finden und von einer vermummten Gestalt verfolgt werden, können sie knapp vom Filmgelände entkommen. Während die Polizei ihnen ihre abenteuerliche Geschichte nicht glaubt, macht sich der Unheimliche auf, die drei Kinder aus den Weg zu räumen…

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Spricht man über die Regisseure von „Among the Living“, Alexandre Bustillo und Julien Maury, kommt man nicht umhin, ihren Erstling zu erwähnen. 2007 gelang ihnen mit „Inside“ ein aufsehenerregendes Debüt, welches zusammen mit Filmen wie „High Tension“ von Alexandre Aja und „Martyrs“ von Pascal Laugier zu den Speerspitzen eines neuen, harten Welle des französischen Splatterfilms wurde. Kein Wunder also, dass dieser Film dann auch postwendend von den deutschen Behörden einkassiert wurde. Wer glaubte, dass sie mit ihrem zweiten Film, „Livid“ (Rezenision hier), die eingeschlagene Gangart fortsetzen würden, sah sich ge-, oftmals auch enttäuscht. Trotz einiger Härten ist „Livid“ eher eine Mischung aus klassischem Grusel- und Märchenfilm. „Among the Living“ ist nun erst ihr dritter Spielfilm und reiht sich irgendwo zwischen „Inside“ und „Livid“ ein. Weder besitzt er die Ultragewalt eines „Inside“, noch den märchenhaften Grusel eines „Livid“. Trotzdem nutzt er Elemente, die bei seinen beiden Vorgängern bereits zu finden sind. Die Eröffnungsszene weist mit einer hochschwangeren und messerschwingenden Béatrice Dalle ganz klar auf „Inside“ hin. Gleichzeitig schwebt über den Szenen mit den drei Jungen, die aus der Schule in die Natur flüchten, auch das golden-märchenhafte aus „Livid“. Das wirkt auf den ersten Blick recht inhomogen, als wüssten die Regisseure nicht, in welche Richtung sie sich bewegen wollten. Und tatsächlich ist die Inszenierung der ersten Hälfte des Filmes sehr viel schwelgerischen und vor allem näher an den Charakteren als die zweite Hälfte die teilweise sehr gehetzt wirkt, als ob hier zahlreiche Handlungselemente aus Straffungsgründen über Bord geworfen worden wären.

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In der ersten Hälfte konzentrieren sich Bustillo & Maury ganz auf ihre drei Protagonisten und ihre Flucht aus einer repressiven Umwelt, hinaus in die große Freiheit. Dabei werden alle drei nicht als sympathische Helden präsentiert, sondern sind schwierige Teenager, die nicht wirklich wissen, wo sie in der Welt stehen und diese Unsicherheit mit Aggression und krimineller Energie ausgleichen. Trotzdem zeigen Bustillo & Maury auch die schönen Seiten der Jugend. Das in den Tag hinein träumen, der Glaube an die eigene Unbesiegbarkeit und den noch vorhanden „sense of wonder“. All dies wird von Bustillo & Maury in romantisierenden, warmen Bildern festgehalten. Dass die drei dabei ohne Skrupel einem Bauern die Scheune abfackeln wollen und Tom diesen fast tot schlägt, irritiert und wirft den Zuschauer aus der Bahn, denn dies entspricht nicht dem, wie sich jugendliche Protagonisten im Film zu benehmen haben. Daher greift hier auch nicht der oft herangezogene Vergleich mit „Stand By Me“. Während die – deutliche jüngeren – Freunde dort zwar auch „verbotene“ Dinge taten, war dies nur ein neugieriges Herantasten an die eigenen Möglichkeiten. Victor, Tom und Dan sind frustriert mit ihrem Leben, was ihr aggressives Verhalten gegenüber der Lehrerin und dem Bauern erklärt.

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Hier wird bereits der Bogen zu dem großen Thema geschlagen, welches Bustillo & Maury bereits in ihren beiden ersten Filmen beschäftigten und welches hier am Deutlichsten zu Tage tritt: Die Sehnsucht nach einer glücklichen Familie als Idealbild und das Leiden, welches durch disfunktionale Familien geschaffen wird. Die drei Protagonisten vermissen ein funktionierendes Familienumfeld. Tom wird von seinem alkoholabhängigen Vater verprügelt und entwickelt durch Mordphantasien, die er am Anfang des Filmes auf den verhassten Bauern überträgt. Dan ist für seine Eltern nur ein Klotz am Bein. Als er nach seinem abenteuerlichen Ausflug von der Polizei nach hause gebracht wird, strafen ihn seine Eltern mit Missachtung und überlassen ihn der Aufsicht eines – für diese Aufgabe offensichtlich nicht geeignetem – Kindermädchens, um in die Oper zu gehen. Allein Victor lebt in einem liebenden Umfeld, hat den Tod seines Vaters aber nicht überwunden und dementsprechend eine heftige Abneigung gegen seinen Stiefvater, dem er an einer Stelle Alkoholismus unterstellt. Am Ende wird aber gerade der Zusammenhalt seiner Familie und die Wärme des Nestes ihn retten. Auch der Killer hat ein schwieriges Familienumfeld, mit einem obsessiven Vater und einer Mutter, die ihn erst versucht zu töten, um sich dann selbst das Leben zu nehmen. Kaputte Familien also, wohin man blickt. Doch dort, wo die Saat der Liebe noch aufgehen kann, dort besteht noch Hoffnung. Eine sehr konservative, aber doch auch sehr schöne Botschaft.

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Bustillo & Maury verzichten bei „Among the Living“ zum größten Teil auf das, was sie bekannt gemacht hat: Exzessiven Gore. Stattdessen setzten sie auf einen eher klassischer Grusel, bei dem sich mehr im Kopf als vor den Augen des Zuschauers abspielt. So werden viele der Morde gar nicht erst gezeigt, sondern lediglich durch einen harten Schnitt angedeutet. Was durchaus Sinn macht, denn es handelt sich bei den Opfern um Kinder, was dem Film einigen Ärger und vor allem einen kommerziellen Tod eingebracht hätte. Doch wenn sich die Gewalt gegen Erwachsene richtet, lassen Bustillo & Maury dann doch noch einmal den alten Gorehound von der Leine. In einer besonders qualvollen Szene zeigen sie in aller Ausführlichkeit, wie der Killer sein Opfer quält und schließlich auf ausgesprochen unangenehme Weise umbringt. Ein anders Mal setzten Bustillo & Maury auf einen spektakulären Splattereffekt. Beides kommt aufgrund der eher zurückhaltenden Inszenierung am Anfang vollkommen überraschend und und soll möglicherweise die etwas sensibleren Zuschauer destabilisieren.

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Wie schon in „Livid“ ist die Inszenierung der beiden Regisseure Bustillo & Maury ausgesprochen elegant. Die Kamera gleitet durch die Szenerie und das sichere Auge für schöne Bilder unterstützt insbesondere die erste Hälfte des Filmes in der die Jungen in eine wahrhaft magische Stimmung versetzt werden. Diese schlägt dann in einen Albtraum um, wenn Bustillo & Maury mit großer Effektivität eine verfallenen Filmstadt als Hintergrund nutzen und ihr „Monster“ einführen. Dieses ist zunächst durch eine schmutzig-verrottete Clownsmaske getarnt, so dass man seine wahre Natur mehr erahnen muss, als sie dem Zuschauer offenbart wird. Wird diese dann enthüllt, ist es Geschmackssache, ob man nun den merkwürdigen Clown oder den kahlen, nackten Mann mit Unterbiss gruseliger findet. Dieser tritt dann im letzten Drittel in Action, wenn sich „Among the Living“ in eine lupenreine Home-Invasion-Geschichte verwandelt. Der Kampf einer Familie gegen den schier unbesiegbaren, unheimlichen Eindringling ist von Bustillo & Maury mit großer Intensität und Herzklopfen in Szene gesetzt worden und scheut auch nicht vor einigen Geschmacklosigkeiten zurück. Damit werden allerdings auch einige faustgroße Logiklöcher überspielt, die einem sonst vielleicht schwerer im Magen liegen würden.

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Mit „Among the Living“ haben Alexandre Bustillo und Julien Maury ihren nunmehr dritten Spielfilm abgeliefert, der zwar einige Härten enthält, sich aber im Großen und Ganzen mit seinen Splatter-Effekten stark zurücknimmt und eher auf eine zunächst idyllische, später bedrohliche Stimmung setzt. Die Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte, degenerierter Horrorfamilie und Home-Invasion-Story ist in ihren Einzelteilen stilistisch recht unterschiedlich in Szene gesetzt worden, verfolgt aber mit der Konzentration auf das Thema „Familie“ einen roten Faden. Auch wenn dieser durch einige Ungereimtheiten fast aufgerieben wird.

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Die Bildqualität der bei Sun Entertainment erscheinen DVD ist sehr gut, auch wenn das Bild manchmal etwas zu hell und Schwarztöne nicht dunkel genug erscheinen. Beim Ton kann man keine Schwächen ausmachen und die Synchronisation ist auch okay. Beim Bonusmaterial findet sich ein 60-minütiges „Making Of“, welches allerdings eher eine B-Roll ist, da kommentarlos Szenen von den Dreharbeiten gezeigt werden.

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Das Bloggen der Anderen (02-03-15)

bartonfink_type2– Interessanter Ansatz für eine Blog-Verlinkung. Sven Safarow hat ein langes und ausgesprochen interessantes Interview mit Lisa Enos, ihres Zeichens Produzentin, Schauspielerin und Ex-Frau des Filmemachers Bernard Rose geführt. Den ersten Teil des Interviews hat er auf seinem Blog Safarow schreibt veröffentlicht, den zweiten Teil bei den Kollegen von Eskalierende Träume.

– YP und PD diskutieren auf Filme im Dialog in dieser Woche über den Oscar-Gewinner „Birdman“.

– Ähnlich wie die beiden oben, macht es auch Christian Genzel auf Wilsons Dachboden. Er hat sich Don Arrigone mit an Bord und unterhält sich mit ihm über „Zombie Vs. Ninja“ von Godfrey Ho. Der hat übrigens keinen Oscar gewonnen.

– Wahrscheinlich geht dieser Artikel zu spät online, als dass noch jemand reagieren kann, aber es sei trotzdem erwähnt, dass heute Bob Fosses „All that Jazz“ im TV läuft. Ein Film über den Oliver Nöding auf Remember It For Later geschrieben hat, es sei ein „Film, der eigentlich niemals funktionieren dürfte, alle Zeichen eines unerträglich selbstverliebten, selbstmitledigen und weinerlichen Clusterfucks trägt, aber dank des bitteren, bissigen Drehbuchs, brillanter formaler Gestaltung und eines Roy Scheider, der in einer für ihn eher untypischen Rolle eine Leistung für die Ewigkeit ablieferte, alle Hürden mit beeindruckender Leichtigkeit überwindet.“ Ferner berichtet Oliver noch über „Sex und noch nicht 16“, der (offiziell) einzigen Regiearbeit von Kameramann Peter Baumgartner, empfiehlt „Liberi armati pericolosi“ von Romolo Guerrieri und kann sogar Fernando di Leos Abstecher ins Schmier, „Toy“, einiges abgewinnen.

– Letzte Woche schrieb ich, Udo Rotenberg hätte Antonio Pietrangelis Film „Die Gespielinnen“ auf dem 14. Hofbauer-Kongress gesehen. Das stimmte nicht. Der Irrtum war aufgrund einer etwas irreführenden Überschrift entstanden in seinem Blog L’amore in città. Tatsächlich war jene Besprechung nur die Prelude zu der in dieser Woche folgenden Rezension von Pietrangelis letzten Film „Wo, wann, mit wem?“ der tatsächlich auf dem 14. Hofbauer-Kongress lief.

– Auf Grün ist die Heide schreibt Udo über den erotischen Film „Madame und ihre Nichte“ mit der schönen Ruth-Maria Kubitschek und der noch schöneren Edwige Fenech. Inszeniert wurde der Film von Eberhard Schröder, über dessen trauriges Schicksal man hier auch etwas erfährt.

– Ein Highlight des letzten Jahres war für mich, in sehr angenehmer und sympathischer Runde auf dem 5. Forentreffen von Deliria-Italiano.de Lucio Fulcis „Geisterstadt der Zombies“ auf großer Leinwand und von einer tollen 35mm-Kopie zu sehen. Mehr über die „Geisterstadt“ kann man bei Mauritia Mayer auf Schattenlichter lesen.

– Obwohl ich dem Genre Eurospy durchaus zugeneigt bin, habe ich hier doch bisher relativ wenige Filme gesehen. Auch Umberto Lenzis „Die Höllenhunde des Secret Service“ fehlen mir noch auf meiner Liste. Nach totalschadens (durchaus zurückhaltenden) Review auf Splattertrash habe ich aber trotzdem Lust, den zu schauen.

– Jamal Tuschick schreibt auf Hard Sensations über Céline Sciammas Film „Bande de Filles“: „Freude schöner Götterfunken im Ornat einer Subkultur mit den Stars von Morgen“.  Alex Klotz schreibt über den sehr empfehlenswerten „In the Name of the Son“, den ich hier in den nächsten Tagen auch präsentieren werde.

– Michael Kienzl stellt auf critic.de den russischen Stummfilm-Superstar Ivan Mosjoukine vor, dem vom 1. bis zum 10. März im Berliner Arsenal eine Filmreihe gewidmet ist.  Nino Klingler hat einen sehr ausführlichen und kritischen Text zum Stand der Filmkritik geschrieben.

– Andreas Köhnemann berichtet auf B-Roll noch einmal in einem längeren Text über die Genrenale.  Patrick Holzapfel nimmt sich noch einmal Vittorio de Sicas an, über den er auch auf seinem eigenen Blog und der Printmagazin „35 Millimeter“ schon einiges geschrieben hat. Und Lucas Barwenczik porträtiert Clint Eastwood – mit Schwerpunkt auf seinem neuen Film „American Sniper“.

– donpozuelo hat „American Sniper“ ebenfalls gesehen und sich auf Going to the movies ziemlich kritisch mit dem Werk auseinander gesetzt.

– Kindheitserinnerungen. Als ich so 12 Jahre alt war, habe ich Krimis förmlich verschlungen. Insbesondere die britischen Klassiker. Natürlich war auch Agatha Christie darunter und als „Das Böse unter der Sonne“ in die Kinos kam, habe ich meine liebe Mutter in den Film gezogen. Den haben wir im „Söge“-Kino gesehen (kennt wahrscheinlich niemand mehr) und wir waren ganz allein im Kino. Ich fand den Film toll und sie ist eingeschlafen. Oliver Armknecht hat ihn jetzt auch gesehen und auf film-rezensionen.de besprochen. Eingeschlafen ist er dabei offensichtlich nicht. Ferner schreibt er über den „neuen deutschen Genrefilm“, „Radio Silence“, der bei ihm so la-la wegkommt.

yzordderrexxiii ist von„The Town That Deaded Sundown“ von Alfonso Gomez-Rejon überrascht. Das Remake des gleichnamigen Filmes von 1976, hat ihm gut gefallen.

– Am Freitag verstarb eine Legende: Leonard Nimoy. Der Kinogänger widmet ihm einen Nachruf.

– Ich habe eine große Schwäche für die Film von Claude Lelouch. Obwohl mich – bis auf „Ein Mann und eine Frau“ – keiner seiner Film so richtig aus den Socken gehauen hat, finde ich sie insgesamt sehr liebenswürdig, gemütlich und irgendwie kann ich mich wunderbar in ihnen verlieren. Die drei Cineasten haben sich zweier seiner Spätwerke angenommen. „Begegnung in Venedig“ und „And now…Ladies and Gentlemen“ mit Patricia Kaas und Jeremy Irons.

– Walter Lamm schreibt auf Daumenkino über den polnischen Spielfilm „Body“ von Małgorzata Szumowska, der im Wettbewerb der Berlinale lief: „Der Film schwebt in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Tragik und Komik, Verzweiflung und Hoffnung, Zermürbung und Aufbau, rationalem Wissen und transzendentem Glauben, Distanz und Nähe.“ Klingt interessant.

– Christian Witte erinnert auf Cereality noch einmal an das große Meisterwerk des japanischen Geisterfilms „Kwaidan“ von Masaki Kobayashi.

– Wolfgang Nierlin hat auf filmgazette Andreas Dresen ausführlich zu seinem neuen Film „Als wir träumten“ befragt.

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Blu-ray Rezension: „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ und „Dämonen aus dem All“

Mitte der 60er Jahre war Italiens Filmindustrie fleißig dabei, Filme erfolgreicher Genres in hoher Schlagzahl auf den Markt zu werfen. Neben den immens erfolgreichen Italo-Western waren dies vor allem Eurospy-Filme, die sich an den Erfolg der James-Bond-Reihe hängten. Auch Horrorfilme und Thriller wurden regelmäßig produziert – doch an Science Fiction wagten sich die emsigen Italiener nicht. Wahrscheinlich waren den preisbewussten Südeuropäern hierfür die Kosten zu hoch. Trotzdem gab es zwischen 1965 und 1967 den Versuch, mit ausgesprochen kostengünstig produzierten Weltraum-Filmen einen neuen Markt zu generieren.

Regisseur Antonio Margheriti, der bereits mit einigen Gothic-Horror-Filmen Erfolge aufweisen konnte und in den 70er Jahren zu einem der führenden italienischen Action- und Abenteuerfilm-Spezialisten aufstieg, übernahm die Aufgabe, vier Science-Fiction-Filme zu inszenieren, denen neben dem geringen Budget, vor allem der Schauplatz gemein war: Die Raumstation Gamma 1. Lange Zeit hatten die Fans gehofft, dass Margheritis „Gamma Uno“-Quadrologie gesammelt in einer DVD-Box erscheinen würde. Doch da die Rechte zu den Filmen bei unterschiedlichen Anbietern lagen, ist es dazu leider nicht gekommen. Nachdem der erste Film „Raumschiff Alpha – Der Planet der Verdammten“ bei X-Rated bzw. in einer preisgünstigere Variante später bei VZM erschien, wurde der zweite Film, „Tödliche Nebel“, in einer teuren Edition der Reihe „Kino Trivial“ aus dem Hause Media Target veröffentlicht. Nun sind die beiden letzten Filme der Reihe bei CMV erschienen.

orion3000Der Titel des ersten Filmes „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ spielt auf die erfolgreiche deutsche TV-Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ an, die ebenfalls 1966 startete. Doch mit der „Orion“ hat der Film ebenso wenig gemeinsam – sieht man einmal von der improvisierten Ausstattung ab – wie mit einer „Raumfahrt des Grauens“. Hier geht es zunächst um merkwürdige Katastrophen, die die Erde heimsuchen. Die Ursache liegt in geheimnisvollen kosmischen Winde, die von einem Planeten kommen, der aus seiner Umlaufbahn ausgebrochen und auf Kurs zur Erde ist. Commander Rod Jackson von der Raumstation Gamma 1 macht sich mit einigen Männern auf, den Planeten aufzuhalten.

Nachdem in den ersten beiden Filmen noch der Amerikaner Tony Russel als Commander Mike Halstead das Kommando über die Raumstation Gamma 1 hatte, und ihm kein geringerer als Franco Nero in der Rolle des Lt. Jake Jacowitz assistierte, tritt nun der Italiener Giacomo Rossi-Stuart als Commander Rod Jackson diese Stelle an. Sein Sidekick heißt hier Perikson und wird von Italo-Urgestein Goffredo Unger alias Freddy Unger gespielt. Rossi-Stuarts Commander Jackson kann nicht unbedingt als Sympathieträger bezeichnet werden. Unter seiner turmhohen Stahlbeton-Frisur verbirgt sich ein strenger und unsagbar von sich eingenommener Geist, der keine Kritik an seinem autoritären Führungsstil duldet. Nicht unbedingt der Stoff aus dem die Helden sind, zumal er auch noch ein Techtelmechtel mit der Kommunikationsoffizierin Lt. Terry Sanchez (Ombretta Colli) unterhält, während er noch mit der Tochter seines Vorgesetzten Gen. Norton (Enzo Fiermonte) verlobt ist. Diese wird von der Polin Halina Zalewska ebenfalls recht unfreundlich und zickig gespielt. Da versteht man durchaus, warum es den Commander zu der warmherzigen Terry hinzieht.

Ebenfalls mit an Bord ist der Südtiroler Pietro Martellanza alias Peter Martell in einer sträflich vernachlässigten Rolle als Jacksons Untergebener Dubrowski, dem dieser kurzerhand den lang ersehnten Urlaub streicht und Dubrowski somit die Möglichkeit nimmt, noch einmal seine Familie zu sehen. Als Dubrowski dann später die Nachricht ereilt, seine Frau wäre auf der Erde umgekommen, reicht es bei Jackson gerade mal zu einem Nicken und halbherzigen „Tut mir leid“, während Dubrowski in Tränen aufgelöst ist. Überhaupt gibt Martell den dynamischeren und sympathischeren Raumfahrer und bringt weitaus mehr Leben in den Film, als sein steifer Vorgesetzter. Dieser darf ihn bei einem Streit auf die Bretter schicken und später wird Martells Dubrowski dann unspektakulär entsorgt.

Unspektakulär sind auch die „Weltraumwinde“, die auf der Erde für (aus schwarz-weißem Archivmaterial zusammengesuchte) Naturkatastrophen sorgen, und die Besatzung der Gamma 1 in- und außerhalb der Raumstation durch pusten. Verursacher dieser Winde ist ein scheinbar lebender Planet, der dann in der letzten Viertelstunde von den Raumfahrern aufgesucht wird und zugleich das visuell spektakulärste Element dieses Filmes darstellt. Wobei nicht verhehlt werden darf, dass auch der lebende Planet ganz offensichtlich aus Schaumstoff und Gummischläuchen besteht, aber immerhin stimmungsvoll ausgeleuchtet wird. Bis die Helden aber dort ankommen, muss der Zuschauer viel Leerlauf und umständliche Dialoge über sich ergehen, welche vor sich vor allem um irgendwelchen pseudo-wissenschaftlich klingenden Quatsch drehen. Hier lässt sich Margheriti – der in seinen späteren Filmen immer ein flotten Vorwärtsdrang besaß – mit der Inszenierung viel Zeit. So als wolle er sagen, dass das Leben auf einer Raumstation eben zum überwiegenden Teil aus Warten und Knöpfchen drehen besteht – und man dies auch ruhig einmal so zeigen könne.

Tricktechnisch bewegt sich „Orion 3000“ schon beinahe schmerzlich am ganz unteren Rand. Dass Schwerlosigkeit mithilfe kräftigen Ruderns der Arme dargestellt wird, nimmt noch so hin. Dass die Modell nun überhaupt keine Ähnlichkeit mit einer realen Kulisse haben und wie grob aus Holz geschnitzt aussehen – Schwamm drüber. Aber dass man sich so überhaupt gar keine Mühe gab, die zahlreichen Seile zu verbergen, die Modelle und Astronauten munter durch das Studio ziehen, hat zunächst noch einen gewissen Charme, der dann aber mit fortschreitender Laufzeit immer mehr verpufft und am Ende nur noch auf die Nerven fällt. Dass die Schauspieler an ihren dicken Drähten dann noch wie nasse Säcke hängen, setzt dem Ganzen dann die Krone auf.

daemonenausdemallEin Jahr später kam dann die Fortsetzung „Dämonen aus dem All“ in die Kinos, der die Fallstricke der Tricktechnik im Augsburger Puppenkisten-Stil zunächt umging, indem er die Handlung kurzerhand auf die Erde verlegte. Dort wird in einer Eröffnungssequenz zunächst eine Station im Himalaja zerstört, woraufhin dann über die Gebirgsmassive, untermalt von einem wunderbar beatigen Score von Francesco Lavagnino die Titel laufen. Dann wird erst einmal Commander Jackson gesucht. Der Held aus „Orion 3000“, der sich gerade mit seinem Kumpel Captain Frank Pulasky (wieder gespielt Goffredo Unger, dessen Figur in „Orion 3000“ noch auf den Namen Perkinson hörte) im Urlaub befindet. Die Erde, auf der er seine freien Tage verbringt, hat so gar nichts futuristisches an sich und bis auf die lustigen Uniformen und Telekommunikatoren sieht alles so aus, wie man es von 1966 erwartet.

Dafür hat sich aber auf Gamma 1 etwas getan, denn die aus „Orion 3000“ bekannte Lt. Terry Sanchez wird nun plötzlich von Halina Zalewska gespielt, die im Vorgänger noch Jacksons Verlobte Janet Norton war, während die ursprüngliche Terry Sanchez, Ombretta Colli, nun Lisa Nielson heißt und die Verlobte des während der Eröffnungsequenz in tödliche Gefahr geratenen und nun verschwundenen Lt. Jim Harris (Renato Baldini) ist. Was etwas verwirrt, wenn man beide Film hintereinander sieht. Ombretta Colli hat eine interessante Karriere gemacht. Die ehemalige Vize-Miss-Italien, war von 1967 bis Mitte der 80er als Schlagersängerin erfolgreich. Danach wand sie sich in die Politik und saß für die rechtspopulistische Berlusconi-Partei Forza Italia von 1994 bis 1999 im Europaparlament. 1999 wurde sie Präsidentin der Provinz Mailand, bis gegen sie 2004 Anklage wegen Korruption erhoben wurde. Nichtsdestotrotz war sie von April 2006 bis Mai 2012 wieder Mitglied des Senats.

Statt ins All, fliegen Jackson und Pulasky erst einmal in die Berge, wo der Film viel Zeit mit der Vorbereitung ihres Aufstiegs zur zerstörten Bergstation und dem Stapfen durch den Schnee verbringt. Ihr Führer Sharu wird augenrollend von dem Afroamerikaner Wilbert Bradley gegeben, der neben eines ekstatischen Ausdruckstanz noch den Standardspruch aller farbigen Safari-Führer zum Besten geben darf: „Die Träger sind geflohen!“. Dass tagelang niemand bemerkt hat, dass sich in die kleine Gruppe noch Lisa Nielson auf der Suche nach ihrem Lt. Harris eingeschlichen hat, nimmt man mal so hin. Als die Viererbande Jackson, Pulasky, Nielson und Sharu eine Höhle entdecken und kurz darauf von grünen Zottelmonstern entdeckt und gefangengenommen werden, wird der Film interessanter. Vor allem, weil Margheriti es versteht etwas aus dem Höhle zu machen, und das Make-Up der Yeti-ähnlichen Außerirdischen (als solche entpuppen sie sich recht schnell) auf charmante Weise gelungen ist. Dass eine hochentwickelte Rasse, die Raumfahrten beherrscht und die Erde unterjochen will, sich dann aber so tapsig und ungeschickt anstellt, stört dann nicht weiter, da es eh egal ist und zum Unterhaltungswert des Filmes beiträgt.

Nachdem das Himalaja-Abenteuer mit Hilfe einiger sehr unwahrscheinlicher Zufälle überstanden ist, verschwindet Ombretta Colli einfach so aus der Handlung. Dann geht es doch noch einmal in den Weltraum, wo eine Basis der „Dämonen aus dem All“ zerstört werden muss. Dies gibt Margheriti die Gelegenheit, einiges an älterem Material zu recyceln, und wieder Menschen und Raumschiffe an deutlich sichtbaren Drähten durch das abgedunkelte Studio ziehen zu lassen. Dieses Finale ist dann auch nicht übermäßig spektakulär oder spannend inszeniert, sondern wirkt eher wie die Erfüllung einer lästigen Pflichtaufgabe.

Im direkten Vergleich zu „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ hat „Dämonen aus dem All“ leicht die Nase vorne, da es die Helden hier mit richtigen Gegnern zu tun bekommen, die obendrein hübsch gestaltet sind. Trotzdem offenbart er die selben Schwächen wie der direkte Vorgänger, da er zu viel Leerlauf, unwichtige Dialoge und hanebüchene Zufälle produziert. Die billigen, und selbst für Kleinkinder zu durchschauenden, Trickeffekte kann man entweder unter nervige Schlamperei oder nostalgischen Charme verbuchen. Wirkliche Kracher sind leider beide Filme nicht, und man muss schon ein großes Herz für das italienische Trivialkino besitzen, um an ihnen seine Freude zu haben.

CMV hat beide Filme auf Blu-ray herausgebracht. Die Bildqualität ist bei beiden Filmen in Ordnung, wenn auch nicht berauschend, was am Ursprungsmaterial liegt, welches vermutlich auch bei seiner Premiere nicht viel besser ausgesehen hat. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor. Die Kino-Synchronisation von „Orion 3000“ ist sehr gelungen. Bei „Dämonen aus dem All“ hört sich das Ganze, trotz bekannter Stimmen, weitaus preisgünstiger und dünner an. Insbesondere Enzo Fiermontes Synchronsprecher fällt hier durch sehr viele unnatürliche Pausen auf. Scheinbar wurde diese für eine Pay-TV-Premiere 2005 erstellt. Extras sind nicht wirklich vorhanden. Beide Blu-rays beinhalten eine Bildergalerie und einen Trailer. „Orion 3000“ den deutschen und „Dämonen aus dem All“ den italienischen.

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Blu-ray-Rezension: “Tödliche Umarmung“

toedliche_umarmungNachdem seine Ehefrau bei einem seiner Einsätze ums Leben kam, musste Geheimagent Harry Hannan (Roy Scheider) einige Zeit in psychiatrischer Behandlung verbringen. Nun ist er als geheilt entlassen und möchte gleich wieder ins einem alten Job anfangen. Doch man lässt ihn nicht, Hannan gilt als Risiko. Als ein Mordanschlag auf ihn ausgeführt wird, glaubt Hannan, seine ehemaligen Kollegen wollten ihn aus dem Weg räumen. Doch bald schon entdeckt Hannan, das etwas ganz anders hinter der Sache steckt, und er auf der Todesliste, eines geheimnisvollen Killers steht, der bereits des Öfteren zugeschlagen hat…

Nachdem Jonathan Demme die Roger-Corman-Schmiede verlassen hatte, wand er sich seriöseren Produktionen zu. Mit „Tödliche Umarmung“ kehrte er kurz vor seinem Durchbruch mit der preisgekrönten Komödie „Melvin und Howard“ noch einmal zum Thriller-Genre zurück, bevor er dann 1992 mit „Das Schweigen der Lämmer“ das Genre sogar zu Oscar-Weihen führte. Mit letzterem Werk sollte man „Tödliche Umarmung“ allerdings nicht vergleichen. „Tödliche Umarmung“ steigt einerseits tief ins Pulp-Gebiet ein, andererseits versucht sich Demme mit diesem Film auch an einer recht deutlichen Hitchcock-Hommage. Damit steht „Tödliche Umarmung“ in einer Reihe mit Filmen wie „Charade“, „Höhenkoller“ und diversen Brian de Palma-Produktionen. Tatsächlich hat der Film dann auch etwas von „Hitchcock gefiltert durch die Brille diverser B-Filme“. Besonders ernst sollte man Demmes Film nicht nehmen, dazu fährt er einfach zu schwere Geschützte auf. Auch wenn diese sich am Ende zu keinem einheitlichen Ganzen fügen wollen, kann man „Tödliche Umarmung“ einen angenehmen Unterhaltungswert nicht absprechen. Munter mischt Demme Zitate aus „Psycho“, „Der unsichtbare Dritte“, „Familiengrab“ und vor allem und immer wieder „Vertigo“.  Aber auch andere Thriller, wie „Der Marathon-Man“ und „Niagara“ kommen einem während des Filmes immer wieder  in den Sinn.

Die vorgebliche Spionage-Handlung, die gleich am Anfang etabliert wird und Harry Hannans Trauma auslöst, ist – so viel darf verraten werden – eine falsche Spur, die aber immerhin Christopher Walken und den immer wieder gern gesehen Charles Napier einen Auftritt garantiert. Die kurze Szene in der ein noch sehr junger Walken den Chef des alten Hasen Roy Scheider gibt, gehört dann auch zu einem der Höhepunkte des Filmes. Es ist jammerschade, dass Walkens Rolle nicht größer ist. Auch Napiers Charakter dient allein der Verwirrung des Zuschauers und hat keine weitere Funktion, als Scheiders Figur hier und dort in Gefahr, und den Zuschauer auf eine falsche Spur zu bringen. Der dieser letztendlich nur der Ablenkung dienende Geheimdienst-Komplex nimmt in der ersten Hälfte des Films einen nicht gerade kleinen Raum ein. Neben der viel zu kleinen Rolle Walkens und der Verschwendung des großartigen Napiers, muss auch festhalten, dass hier viele kleine und interessante Fäden aufgenommen werden – wie Scheiders verzweifelte Versuche wieder einen Job zu bekommen, und sein „normales“ Leben weiterzuführen oder der Geheimdienst, der seine nicht mehr voll funktionstüchtige Waffe entsorgen will – die dann aber am Ende nie miteinander verknüpft, geschweige denn zu Ende geführt werden. So zerfällt der Film in zwei Hälften, die beide viel zu viele unbefriedigende Löcher aufweisen und den Film obendrein unnötig zerfasern.

Ähnliches gilt auch für die zweite Hälfte, in der Scheider langsam auf die Spur der Bedrohung kommt, und ihm mit Sam Levene  als Sam Urdell ein kauziger Sidekick zur Seite gestellt wird. Auch hier wimmelt es von falschen Fährten und verpassten Gelegenheiten. Letztere betreffen zum Beispiel den von John Glover wunderbar eingebildet und versponnen gespielte Professor Peabody  dessen Figur  viel Potential zeigt, welches aber nie voll entfaltet wird. Nachdem das Drehbuch dem Zuschauer allerlei „rote Heringe“ hingeworfen hat, ist dann der Schnitt auf den wahren Täter so hart und aus dem Nichts kommend, dass man für kurze Zeit vollständig aus dem Film geworfen wird, und dadurch die großartigste Szene des ganzen Films ganz an Durchschlagskraft verliert, da  man noch vollkommen damit beschäftigt ist, sich zu fragen, was das da alles plötzlich soll. Da lohnt es sich dann den Film später noch einmal zurück zu spulen und sich in Ruhe den Mord durch Koitus in der Badewanne anzusehen, in der die Todeszuckungen des Opfers sein Gegenüber zu höchsten Orgasmusfreuden bringt. Das zwar passt nicht zu Motiv und Charakter der Person hinter den Morden, ist aber ein wunderbar schmieriger Griff ins Bahnhofskino, aus dem Demme ja auch stammt. Der Bruch nach der – zugeben vollkommen überraschenden – Enthüllung der Identität und des Motivs des Täters, ist dann auch so hart, dass es dem Film nicht gut tut. Dass das Motiv darüber hinaus auch nur ein sehr schwaches und nicht unbedingt nachvollziehbares ist, macht es auch nicht leichter. Immerhin führt dies dann gleich zum großen Finale vor dem Hintergrund der Niagara-Fälle.

Um den Hitchcock-Effekt noch zu erhöhen wurde Altmeister Miklós Rózsa für den Soundtrack engagiert. Der hat zwar nie für Hitchcock komponiert, soll aber scheinbar ein Bernard-Herrman-Gefühl in den Film einbringen. Was allerdings nicht gelingt, da Rózsas Musik für sich genommen zwar hörenswert ist, aber sich weniger an Herrman Hitchcock-Scores, als vielmehr an seinen Film-Noir-Filmen oder viel mehr noch den Dramen der 40er Jahre orientiert und die dramatischen Orchestermelodien in einem starken Kontrast zum doch sehr 70er-mäßigen Gestaltung von „Tödliche Umarmung“ steht. Demgegenüber muss die sehr dynamische und einfallsreiche Kameraarbeit Tak Fujimotos hervorgehoben werden. Fujimotos arbeitete regelmäßig mit Demme zusammen und fotografierte für ihn auch seine Hits „Das Schweigen der Lämmer“ und „Philadelphia“, später wurde er dann auch Stammkameramann M. Night Shyamalans. Besonders eine Szene ganz am Anfang, in der die Kamera wie wild Scheiders im Grunde ereignislosen Gang zur U-Bahn begleitet und dabei über den Bahnsteig fegt wie ein wilder Derwisch lässt das Herz höher schlagen. Diese Szene endet dann auch in einer lupenreinen Hommage an einen anderen Regisseur, dem in jungen Jahren auch Tendenzen zur Hitchcock-Nachahmung unterstellt wurden: Dario Argento. Vielleicht ist „Tödliche Umarmung“ ja auch weniger eine lupenreine Hitchcock-Hommage, als vielmehr eine Hommage an diejenigen, die in ihrem Werk Hitchcock ihre Ehre erweisen.

Obwohl nicht makellos und an insgesamt ausgefranst und überladen, kann man „Tödliche Umarmung“ einen Unterhaltungswert nicht absprechen. Die souveränen Darsteller, eine schöne Kameraarbeit und der ein oder andere gute Einfall können das schlecht konstruierte, unentschlossene Drehbuch welches sich immer wieder Vorlagen liefert, dies es dann doch nicht verwandelt, dann doch noch ausgleichen.

Die Blu-ray des Hauses OFDb Filmworks präsentiert den Film in einer guten Bildqualität, die allerdings ihr Alter auch nicht leugnen kann. Der Ton liegt in Stereo vor, wahlweise Deutsch oder Englisch, zudem können gute deutsche Untertitel zugeschaltet werden. Bei den Extras herrscht – bis auf den Trailer – leider völlige Ebbe.

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