Blu-ray Rezension: „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ und „Dämonen aus dem All“

Mitte der 60er Jahre war Italiens Filmindustrie fleißig dabei, Filme erfolgreicher Genres in hoher Schlagzahl auf den Markt zu werfen. Neben den immens erfolgreichen Italo-Western waren dies vor allem Eurospy-Filme, die sich an den Erfolg der James-Bond-Reihe hängten. Auch Horrorfilme und Thriller wurden regelmäßig produziert – doch an Science Fiction wagten sich die emsigen Italiener nicht. Wahrscheinlich waren den preisbewussten Südeuropäern hierfür die Kosten zu hoch. Trotzdem gab es zwischen 1965 und 1967 den Versuch, mit ausgesprochen kostengünstig produzierten Weltraum-Filmen einen neuen Markt zu generieren.

Regisseur Antonio Margheriti, der bereits mit einigen Gothic-Horror-Filmen Erfolge aufweisen konnte und in den 70er Jahren zu einem der führenden italienischen Action- und Abenteuerfilm-Spezialisten aufstieg, übernahm die Aufgabe, vier Science-Fiction-Filme zu inszenieren, denen neben dem geringen Budget, vor allem der Schauplatz gemein war: Die Raumstation Gamma 1. Lange Zeit hatten die Fans gehofft, dass Margheritis „Gamma Uno“-Quadrologie gesammelt in einer DVD-Box erscheinen würde. Doch da die Rechte zu den Filmen bei unterschiedlichen Anbietern lagen, ist es dazu leider nicht gekommen. Nachdem der erste Film „Raumschiff Alpha – Der Planet der Verdammten“ bei X-Rated bzw. in einer preisgünstigere Variante später bei VZM erschien, wurde der zweite Film, „Tödliche Nebel“, in einer teuren Edition der Reihe „Kino Trivial“ aus dem Hause Media Target veröffentlicht. Nun sind die beiden letzten Filme der Reihe bei CMV erschienen.

orion3000Der Titel des ersten Filmes „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ spielt auf die erfolgreiche deutsche TV-Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ an, die ebenfalls 1966 startete. Doch mit der „Orion“ hat der Film ebenso wenig gemeinsam – sieht man einmal von der improvisierten Ausstattung ab – wie mit einer „Raumfahrt des Grauens“. Hier geht es zunächst um merkwürdige Katastrophen, die die Erde heimsuchen. Die Ursache liegt in geheimnisvollen kosmischen Winde, die von einem Planeten kommen, der aus seiner Umlaufbahn ausgebrochen und auf Kurs zur Erde ist. Commander Rod Jackson von der Raumstation Gamma 1 macht sich mit einigen Männern auf, den Planeten aufzuhalten.

Nachdem in den ersten beiden Filmen noch der Amerikaner Tony Russel als Commander Mike Halstead das Kommando über die Raumstation Gamma 1 hatte, und ihm kein geringerer als Franco Nero in der Rolle des Lt. Jake Jacowitz assistierte, tritt nun der Italiener Giacomo Rossi-Stuart als Commander Rod Jackson diese Stelle an. Sein Sidekick heißt hier Perikson und wird von Italo-Urgestein Goffredo Unger alias Freddy Unger gespielt. Rossi-Stuarts Commander Jackson kann nicht unbedingt als Sympathieträger bezeichnet werden. Unter seiner turmhohen Stahlbeton-Frisur verbirgt sich ein strenger und unsagbar von sich eingenommener Geist, der keine Kritik an seinem autoritären Führungsstil duldet. Nicht unbedingt der Stoff aus dem die Helden sind, zumal er auch noch ein Techtelmechtel mit der Kommunikationsoffizierin Lt. Terry Sanchez (Ombretta Colli) unterhält, während er noch mit der Tochter seines Vorgesetzten Gen. Norton (Enzo Fiermonte) verlobt ist. Diese wird von der Polin Halina Zalewska ebenfalls recht unfreundlich und zickig gespielt. Da versteht man durchaus, warum es den Commander zu der warmherzigen Terry hinzieht.

Ebenfalls mit an Bord ist der Südtiroler Pietro Martellanza alias Peter Martell in einer sträflich vernachlässigten Rolle als Jacksons Untergebener Dubrowski, dem dieser kurzerhand den lang ersehnten Urlaub streicht und Dubrowski somit die Möglichkeit nimmt, noch einmal seine Familie zu sehen. Als Dubrowski dann später die Nachricht ereilt, seine Frau wäre auf der Erde umgekommen, reicht es bei Jackson gerade mal zu einem Nicken und halbherzigen „Tut mir leid“, während Dubrowski in Tränen aufgelöst ist. Überhaupt gibt Martell den dynamischeren und sympathischeren Raumfahrer und bringt weitaus mehr Leben in den Film, als sein steifer Vorgesetzter. Dieser darf ihn bei einem Streit auf die Bretter schicken und später wird Martells Dubrowski dann unspektakulär entsorgt.

Unspektakulär sind auch die „Weltraumwinde“, die auf der Erde für (aus schwarz-weißem Archivmaterial zusammengesuchte) Naturkatastrophen sorgen, und die Besatzung der Gamma 1 in- und außerhalb der Raumstation durch pusten. Verursacher dieser Winde ist ein scheinbar lebender Planet, der dann in der letzten Viertelstunde von den Raumfahrern aufgesucht wird und zugleich das visuell spektakulärste Element dieses Filmes darstellt. Wobei nicht verhehlt werden darf, dass auch der lebende Planet ganz offensichtlich aus Schaumstoff und Gummischläuchen besteht, aber immerhin stimmungsvoll ausgeleuchtet wird. Bis die Helden aber dort ankommen, muss der Zuschauer viel Leerlauf und umständliche Dialoge über sich ergehen, welche vor sich vor allem um irgendwelchen pseudo-wissenschaftlich klingenden Quatsch drehen. Hier lässt sich Margheriti – der in seinen späteren Filmen immer ein flotten Vorwärtsdrang besaß – mit der Inszenierung viel Zeit. So als wolle er sagen, dass das Leben auf einer Raumstation eben zum überwiegenden Teil aus Warten und Knöpfchen drehen besteht – und man dies auch ruhig einmal so zeigen könne.

Tricktechnisch bewegt sich „Orion 3000“ schon beinahe schmerzlich am ganz unteren Rand. Dass Schwerlosigkeit mithilfe kräftigen Ruderns der Arme dargestellt wird, nimmt noch so hin. Dass die Modell nun überhaupt keine Ähnlichkeit mit einer realen Kulisse haben und wie grob aus Holz geschnitzt aussehen – Schwamm drüber. Aber dass man sich so überhaupt gar keine Mühe gab, die zahlreichen Seile zu verbergen, die Modelle und Astronauten munter durch das Studio ziehen, hat zunächst noch einen gewissen Charme, der dann aber mit fortschreitender Laufzeit immer mehr verpufft und am Ende nur noch auf die Nerven fällt. Dass die Schauspieler an ihren dicken Drähten dann noch wie nasse Säcke hängen, setzt dem Ganzen dann die Krone auf.

daemonenausdemallEin Jahr später kam dann die Fortsetzung „Dämonen aus dem All“ in die Kinos, der die Fallstricke der Tricktechnik im Augsburger Puppenkisten-Stil zunächt umging, indem er die Handlung kurzerhand auf die Erde verlegte. Dort wird in einer Eröffnungssequenz zunächst eine Station im Himalaja zerstört, woraufhin dann über die Gebirgsmassive, untermalt von einem wunderbar beatigen Score von Francesco Lavagnino die Titel laufen. Dann wird erst einmal Commander Jackson gesucht. Der Held aus „Orion 3000“, der sich gerade mit seinem Kumpel Captain Frank Pulasky (wieder gespielt Goffredo Unger, dessen Figur in „Orion 3000“ noch auf den Namen Perkinson hörte) im Urlaub befindet. Die Erde, auf der er seine freien Tage verbringt, hat so gar nichts futuristisches an sich und bis auf die lustigen Uniformen und Telekommunikatoren sieht alles so aus, wie man es von 1966 erwartet.

Dafür hat sich aber auf Gamma 1 etwas getan, denn die aus „Orion 3000“ bekannte Lt. Terry Sanchez wird nun plötzlich von Halina Zalewska gespielt, die im Vorgänger noch Jacksons Verlobte Janet Norton war, während die ursprüngliche Terry Sanchez, Ombretta Colli, nun Lisa Nielson heißt und die Verlobte des während der Eröffnungsequenz in tödliche Gefahr geratenen und nun verschwundenen Lt. Jim Harris (Renato Baldini) ist. Was etwas verwirrt, wenn man beide Film hintereinander sieht. Ombretta Colli hat eine interessante Karriere gemacht. Die ehemalige Vize-Miss-Italien, war von 1967 bis Mitte der 80er als Schlagersängerin erfolgreich. Danach wand sie sich in die Politik und saß für die rechtspopulistische Berlusconi-Partei Forza Italia von 1994 bis 1999 im Europaparlament. 1999 wurde sie Präsidentin der Provinz Mailand, bis gegen sie 2004 Anklage wegen Korruption erhoben wurde. Nichtsdestotrotz war sie von April 2006 bis Mai 2012 wieder Mitglied des Senats.

Statt ins All, fliegen Jackson und Pulasky erst einmal in die Berge, wo der Film viel Zeit mit der Vorbereitung ihres Aufstiegs zur zerstörten Bergstation und dem Stapfen durch den Schnee verbringt. Ihr Führer Sharu wird augenrollend von dem Afroamerikaner Wilbert Bradley gegeben, der neben eines ekstatischen Ausdruckstanz noch den Standardspruch aller farbigen Safari-Führer zum Besten geben darf: „Die Träger sind geflohen!“. Dass tagelang niemand bemerkt hat, dass sich in die kleine Gruppe noch Lisa Nielson auf der Suche nach ihrem Lt. Harris eingeschlichen hat, nimmt man mal so hin. Als die Viererbande Jackson, Pulasky, Nielson und Sharu eine Höhle entdecken und kurz darauf von grünen Zottelmonstern entdeckt und gefangengenommen werden, wird der Film interessanter. Vor allem, weil Margheriti es versteht etwas aus dem Höhle zu machen, und das Make-Up der Yeti-ähnlichen Außerirdischen (als solche entpuppen sie sich recht schnell) auf charmante Weise gelungen ist. Dass eine hochentwickelte Rasse, die Raumfahrten beherrscht und die Erde unterjochen will, sich dann aber so tapsig und ungeschickt anstellt, stört dann nicht weiter, da es eh egal ist und zum Unterhaltungswert des Filmes beiträgt.

Nachdem das Himalaja-Abenteuer mit Hilfe einiger sehr unwahrscheinlicher Zufälle überstanden ist, verschwindet Ombretta Colli einfach so aus der Handlung. Dann geht es doch noch einmal in den Weltraum, wo eine Basis der „Dämonen aus dem All“ zerstört werden muss. Dies gibt Margheriti die Gelegenheit, einiges an älterem Material zu recyceln, und wieder Menschen und Raumschiffe an deutlich sichtbaren Drähten durch das abgedunkelte Studio ziehen zu lassen. Dieses Finale ist dann auch nicht übermäßig spektakulär oder spannend inszeniert, sondern wirkt eher wie die Erfüllung einer lästigen Pflichtaufgabe.

Im direkten Vergleich zu „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ hat „Dämonen aus dem All“ leicht die Nase vorne, da es die Helden hier mit richtigen Gegnern zu tun bekommen, die obendrein hübsch gestaltet sind. Trotzdem offenbart er die selben Schwächen wie der direkte Vorgänger, da er zu viel Leerlauf, unwichtige Dialoge und hanebüchene Zufälle produziert. Die billigen, und selbst für Kleinkinder zu durchschauenden, Trickeffekte kann man entweder unter nervige Schlamperei oder nostalgischen Charme verbuchen. Wirkliche Kracher sind leider beide Filme nicht, und man muss schon ein großes Herz für das italienische Trivialkino besitzen, um an ihnen seine Freude zu haben.

CMV hat beide Filme auf Blu-ray herausgebracht. Die Bildqualität ist bei beiden Filmen in Ordnung, wenn auch nicht berauschend, was am Ursprungsmaterial liegt, welches vermutlich auch bei seiner Premiere nicht viel besser ausgesehen hat. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor. Die Kino-Synchronisation von „Orion 3000“ ist sehr gelungen. Bei „Dämonen aus dem All“ hört sich das Ganze, trotz bekannter Stimmen, weitaus preisgünstiger und dünner an. Insbesondere Enzo Fiermontes Synchronsprecher fällt hier durch sehr viele unnatürliche Pausen auf. Scheinbar wurde diese für eine Pay-TV-Premiere 2005 erstellt. Extras sind nicht wirklich vorhanden. Beide Blu-rays beinhalten eine Bildergalerie und einen Trailer. „Orion 3000“ den deutschen und „Dämonen aus dem All“ den italienischen.

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