DVD-Rezension: “Shame“

Brandon ist gutaussehender Mittdreißiger mit einem guten Job in New York. Er weiß, wie man bei Frauen landet und macht davon auch reichlich Gebrauch. Brandon ist sexsüchtig. Hat er mal keinen One-Night-Stand, dann bestellt er sich Prostituierte oder sieht sich Pornos im Internet an. Als eines Tages seine Schwester, die emotional labile Sängerin Sissy, vor der Tür steht und ein paar Tage in seiner Wohnung bleiben möchte, beginnt Brandon die Kontrolle über sein perfekt getaktetes Leben zu verlieren…

Nach dem großen Erfolg des Gefängnisdramas „Hunger“ ist „Shame“ nun bereits die zweite Kollaboration des britischen Regisseurs Steve McQueen und des in Heidelberg geborenen Deutsch-Iren Michael Fassbender. Wieder ist es eine Geschichte über Extreme, die den Schauspieler Fassbender – nachdem er sich für „Hunger“ bis auf die Knochen abmagerte – wieder psychisch und physisch fordert.

„Hunger“ war der große Durchbruch Fassbenders, der ihm die Türen zu Großproduktionen wie „Inglourious Basterds“, „X-Men: First Class“ oder – aktuell im Kino – „Prometheus“ aufstieß. In „Shame“ spielt er einen Sexsüchtigen. Und was McQueen hier seinem Darsteller abverlangt, ist – wie gesagt – extrem. Nicht nur körperlich zeigt sich Fassbender nackt, er offenbart auch seine Seele. Bis in die tiefsten Abgründe seiner Figur lässt er den Zuschauer blicken. Oftmals vergisst man, dass man hier „nur“ einem Schauspieler zusieht, so natürlich, kontrolliert und ungeniert zeigt sich Fassbender dem Publikum.

Auf den reißerischen Zitaten auf dem Cover wird „Shame“ mit „American Psycho“ verglichen und dieser Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt. Ähnlich wie Patrick Bateman, lebt auch Brandon ein leeres Leben. Und wie Bateman, hat auch er sich ein Ventil für seine Begierden geschaffen, die jeden seiner Gedanken, jeden seiner Pläne, jede seiner Handlungen bestimmen. Zwar bringt Brandon niemanden um, aber die Art und Weise, wie er seine „Opfer“ aussucht und ihnen Fallen stellt, hat schon etwas von einem Serienkiller. Auch Brandon hat sein System über die Jahre perfektioniert. Dies wird am deutlichsten, wenn er mit seinem Chef loszieht, der in der Manier eines Schmalspur-Casanovas versucht, mit billigen Sprüchen attraktive Frauen aufzureißen. Brandon beobachtet dieses Spiel mit einem amüsierten, siegesgewissen Lächeln. Er weiß, sein Boss hat keine Chance. Und tatsächlich ist er es, der wenig später Sex mit einer der Auserkorenen hat, während sein Boss schon allein auf dem Weg zu seiner Familie ist.

Auch für die Zeit zwischen seinen One-Night-Stands und den Prostituierten hat Brandon minutiös geplant. Der Laptop mit den Pornoseiten, die Mastrubationsrituale am Morgen und im Büro. All dies geschieht mechanisch ohne jegliche Leidenschaft. Brandon ist ein Getriebener seiner Sucht, der keine Lust, sondern nur noch Befriedigung erfahren kann. Als dann einmal echte Gefühle dazwischen kommen, und er tatsächlich mal so etwas wie Sympathie für einen Mitmenschen entwickelt, muss er zwangsläufig versagen. Diese Situation überfordert ihn dann derartig, das sie zu einem sexuellen Amoklauf führt, bei dem er mehr zu verlieren droht, als nur seine Potenz.

Brandons sorgfältig auf seine Sucht ausgelegtes Leben erfährt einen radikalen Schock, als sich seine Schwester Sissy – äußert lebendig und explosiv von Carey Mulligan gespielt, die auch gerade in „Drive“ eine hervorragende Figur macht – bei ihm einquartiert. Sie ist das genaue Gegenteil des kühl berechnenden und gefühlskalten Brandon. Sissy ist impulsiv, hoch emotional und dabei doch genauso verloren wie er. Während Brandon alles tut, um seine Umwelt an seiner äußeren Schale abprallen zu lassen, sucht Sissy ständig den Kontakt zu ihren Mitmenschen, um ihnen ihr Innerstes zu offenbaren. Damit stellt sie für Brandons Welt eine Gefahr dar. Durch sie kommen die Menschen zu nah an ihn heran.

Einmal stimmt Sissy in einer wunderbaren, in Echtzeit und ohne große Schnitte gedrehten, Szene, in einer Edel-Lounge eine sehr langsame, jazzig und höchst gefühlvolle Version von „New York, New York“ an. Man sieht wie unangenehm es Brandon ist, mit den Gefühlen dieses ihm nahestehenden Menschen konfrontiert zu werden. Er windet sich und möchte am liebsten davon laufen. Als Sissy sich dann noch von den plumpen Verführungsversuchen seines Chefs beeindrucken lässt und in Brandons Wohnung mit diesem schläft, bricht seine Welt ein Stück weit zusammen. Doch wieder sucht er nicht die Konfrontation, sondern läuft lieber einsam durch die Nacht (wieder eine eindrucksvoll gefilmte Szene). Anders kann er seinen Gefühlen, seiner Wut, seiner Enttäuschung keinen Ausdruck verleihen. Brandon ist ganz Körper, was in ihm brodelt, lässt er auch nur durch seinen Körper hinaus. Die Kamera unterstützt diese abweisende Einsamkeit. Die Bilder sind grün-bläulich, kalt. Auch Brandons Wohnung ist karg bis auf die wenigen Accessoires seiner Ablenkung. Seinen Fernseher, die Plattensammlung und natürlich der immer griffbereite Laptop.

Für einen Film, der viel nacktes Fleisch und wüsten Sex zeigt, ist er merkwürdig unerotisch. Sex ist nur eine automatisierte Handlung, wie Bügeln oder Kaffeekochen. Die einzige Ausnahme ist die Szene zwischen Brandon und seiner Arbeitskollegin, für die er vorsichtige Gefühle hegt. Diese endet für ihn in einer gewaltigen Frustration, die einen wahrhaft selbstzerstörerischen Sex-Amoklauf nach sich zieht. Hier zeigt sich überdeutlich die Botschaft des Filmes: Ohne Liebe und Zuneigung kannst Du kein glücklicher Mensch sein. Hab den Mut, Dich Deinen Gefühlen zu stellen.

Mit „Shame“ ist Steve McQueen nach „Hunger“ ein weiterer großer Wurf gelungen, der nicht nur technisch überzeugt, sondern auch von einem grandiosen Schauspielerensemble (allen voran Fassbender und Mulligan) getragen wird. Man darf gespannt sein, was sein nächster Film „Twelve Years a Slave“ bringen wird, der von einem Mann handelt, der im 18. Jahrhundert in New York gekidnappt wird und sich auf einer Sklavenfarm im Süden wiederfindet. Fassbender ist auf jeden Fall wieder an Bord.

Leider kann ich die DVD von Prokino wieder nicht richtig besprechen, da mir nur ein Pressemuster  mit reduzierter Bild- und Tonqualität vorliegt, bei dem das Bild zusätzlich noch links durch ein riesiges Prokino-Logo und rechts durch einen gewaltigen Timecode-Balken verunziert ist (darum diesmal auch keine Screenshots, sondern nur offizielle Pressebilder). Ich hoffe aber, dass sich die Tonabmischung beim finalen Produkt noch verbessert, denn die Musik ist gegenüber den Dialogen viel zu laut abgemischt. Als Extras gibt es zwei ultrakurze Interview-Vignetten (3:13 und 2:34 Minuten), die in dieser kurzen Zeit natürlich keinen wirklichen Erkenntnisgewinn bringen können und daher, meiner Meinung nach, überflüssig sind. Allerdings kann man hier kurz den O-Ton hören (die Presse-DVD hatte nur deutschen Ton) und dieser ist unbedingt vorzuziehen. Allein schon wegen Carey Mulligans toller rauchig-rauer Stimme.

Die DVD und BluRay sind ab dem 13. September im Handel erhältlich.

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Das Bloggen der Anderen (17-08-12)

Es ist ja immer sinnvoll, auch mal über den eigenen Tellerrand zu schauen. Daher starte ich eine neue Reihe innerhalb des „Filmforum Bremen“. Unter dem Titel „Das Bloggen der Anderen“ suche ich die – subjektiv – interessantesten Artikel aus den anderen deutschsprachigen Filmblogs zusammen. Mein Ziel ist es, diese Link-Sammlung immer am Ende der Woche online zu stellen. Da das Ganze allerdings recht zeitintensiv ist, weiß ich nicht, ob ich diese, mir selbst gestellte, Vorgabe immer einhalten kann. Ich gucke jetzt erst einmal, wie es so läuft und wie die Resonanz ist.

– Auf  „Die seltsamen Filme des Herrn Nolte“ wird einer meiner liebsten polnischen Filme, nämlich „Die Handschrift von Saragossa“ von Wojciech Has besprochen.

– Das „Magazin des Glücks“ stellt fünf Filme des großen russischen Regisseurs Michail Kalatosow und noch einmal drei von Grigori Tschuchrai vor.

– Nette Idee: 28 Jahre Martin Scorsese in 25 Bildern auf filmspoons.de. Desweiteren: Die besten 10 Filme aller Zeiten, nach Ansicht von Francis Ford Coppola und Guillermo del Toro.

– Auf „Eskalierende Träumebespricht Robert in der Reihe „100 Deutsche Lieblingsfilme“ den  1987 von Eva Hiller gedrehten Film „Aquaplaning“. Und auch ein älterer Eintrag vom 5. August soll hier erwähnt werden: Der große alte Mann des europäischen Exploitationkinos, Jess Franco, hat scheinbar letzten Monat zwei neue Filme abgedreht und zudem einen bisher unveröffentlichten Film von 2007, namens LA CRIPTA DE LAS MUJERES MALDITAS, zu zwei weiteren Filmen umgeschnitten.

– Auf „Reihe Sieben“ gibt es einen Pitch-Trailer für ein (mittlerweile leider abgelehntes) „Daredevil“-Projekt  von Joe Carnahan, dem Regisseur von „The Grey“, zu sehen.

– In der „filmgazette“ ist eine ernüchternde Vorabkritik des nächste Woche in Deutschland anlaufenden „Total Recall“-Remakes zu lesen.

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DVD-Rezension: “Tausendschönchen”

Die Welt ist verdorben, also beschließen die beiden jungen Mädchen Marie und Marie, ebenfalls so verdorben wie möglich zu sein. Sie nehmen ältere Herren aus, stopfen sich mit Essen voll, machen sich über andere lustig und einmal zerschneiden sie sich auch gegenseitig. Die Welt von Marie & Marie ist vollkommen aus den Fugen, kann das ein gutes Ende mit den beiden nehmen?

Im Film „Tausendschönchen“ der tschechischen Regisseurin Vera Chytilová regieren Anarchie und Chaos. Doch anders als in Filmen mit einem männlichen Blickwinkel, drücken sich diese nicht durch Hass und Gewalt aus, sondern durch einen verspielten Zerstörungstrieb, der auf merkwürdige Art positiv und lebensbejahend wirkt.

In einigen Reviews werden Marie I (Ivana Karbanová als eine Mischung aus Kobold und Elfe) und Marie II (die niedliche Jitka Cerhová, die entfernt an die sehr junge Claudia Cardinale erinnert) mit Pippi Langstrumpf und ihrem anarchistischen Motto „Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt“ verglichen. Viel mehr aber noch erinnern die beiden an ein, ebenfalls gegen die gesellschaftlichen Konventionen aufbegehrendes, Pärchen aus deutschen Landen: Wilhelm Buschs Max & Moritz, Wie diese denken sich Marie & Marie ständig Schabernack, nur um des Schabernacks willen, aus. „Die Welt ist verdorben, also wollen wir es auch sein“. Das ist ihr Motto. Eine andere Agenda haben sie nicht. Keine politischen Ideale, nur der eigene Spaß ist ihr Antrieb. Somit ist der Film auf interessante Weise ambivalent und lässt sich gleich auf zwei Arten lesen. Sind Marie & Marie Revoluzzer? Rebels without a cause? Revoltieren sie gegen die Moralvorstellungen und Werte der Gesellschaft und nehmen sich, was ihnen zusteht, aber von der Obrigkeit verweigert wird? Oder sind sie, im Gegenteil, rücksichtslos hedonistische Kapitalisten, denen ihre Umwelt egal ist, solange sie nur das bekommen, was sie in zügelloser Gier verschlingen können (man denke hier nur an die zahlreichen Ess-, ja Fressszenen). Gerade die Schlussszene, in der sie minutenlang Essen in sich hineinstopfen, damit herumwerfen und es schließlich lustvoll zertreten, würde solch einen, eher konsumkritischen, Ansatz durchaus bestätigen. Am Ende ergeht es ihnen dann, wie den bereits angesprochenen Max & Moritz. Sie werden zwar nicht zerschreddert und von Hühnern aufgepickt, aber ihr Ende ist doch ähnlich konsequent. Aufruf zur Rebellion gegen Moral und Werte oder gerade Kritik daran, das kann jeder für sich entscheiden.

Ebenso, ob er die beiden jungen Protagonisten nun amüsant oder nervig findet. Auch hier sind beide Lesarten erlaubt. Worüber aber Einigkeit herrschen sollte, ist, dass „Tausendschönchen“ ein vor Lebensfreude und verrückten Einfällen übersprudelnder Film ist. Denn Anarchie und Chaos regieren nicht nur in der Welt von Marie & Marie, sondern auch die Bildsprache Vera Chytilovás. In „Tausendschönchen“ probiert sie alle denkbaren und auch undenkbaren Filmtechniken aus. Das kann in einem Moment an ihren großen Landsmann Jan Svankmajer erinnern, in dem nächsten dann an Buñuel. An den filmtheoretischen Godard Mitte/Ende der 60er oder Louis Malles grandiosen „Zazie“. Auch vor Experimentalfilmtechniken scheut Frau Chytilová nicht zurück. Überbelichtung, Super8, Farbmanipulationen. Was immer Vera Chytilová gerade in dem Kopf kommt, wird in explosive Bilder umgesetzt. Und nicht nur im Bild, sondern auch auf der Tonspur schöpft Vera Chytilová aus dem Vollen und kommentiert einige Szenen durch verfremdete, überlaute oder ironische Geräusche und Musik. Sie agiert hier ebenso sprunghaft, provozierend und mit der gleichen „Lass-uns-mal-machen“-Attitüde wie ihre beiden Heldinnen. Sie zerschmettert mit einer kindlich-diabolischen Freude konventionelle Erzähltechniken und ersetzt sie durch ein Feuerwerk an intuitiven Experimenten.

Neben Marie & Marie gibt es keine anderen Hauptcharaktere in diesem Film. Ab und zu werden alternde Galane gezeigt, die von den Beiden skrupellos ausgenommen werden. Einmal verliebt sich ein Schmetterlingssammler in Marie I, nur um von den Beiden umgehend lächerlich gemacht zu werden. Und in einer eindrucksvollen Slapstick-Szene verderben die Zwei einem Tänzer-Pärchen den Auftritt, indem sie sich hemmungslos betrinken und durch ihr Geblödel die Aufmerksamkeit des Publikums allein auf sich lenken.

Am Ende treffen sie auf einen Bauern und auf mehrere ältere Arbeiter, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Für Marie & Marie unfassbar, werden sie von diesen Menschen vollkommen ignoriert. Stehen diese Menschen für das Alter, die Konservativen? Diejenigen, die mit den Bedürfnissen und Wünschen der Jugend nichts anfangen können und für die diese somit unsichtbar bleiben? Oder – wiederum denkbar – für die Menschen, die täglich um ihren Lohn kämpfen müssen und schon von daher mit dem Egoismus und der Verdorbenheit um der Verdorbenheit willen nichts anzufangen wissen. Wiederum lässt der Film beide Deutungen zu. Marie & Marie – Helden des Protests oder verantwortungslose Übertäter. Genauso wie einst bei Wilhelm Busch, bleibt das dem Zuschauer und seiner Einstellung überlassen. Und wie bei Max & Moritz ist nur eins gewiss: Alles Handeln hat seine Konsequenzen.

Wieder einmal kann man das Label „Bildstörung“ nicht genug in den Himmel loben. Nicht nur bringen sie ein weiteres Juwel der tschechischen Nouvelle Vague (nach „Der Leichenverbrenner“ und „Valerie – Eine Woche voller Wunder“ nun schon der dritte Titel!) endlich auch in Deutschland Markt. Nein, der Film wird auch in solch einer hervorragenden Bildqualität präsentiert, dass ich oftmals dachte, ich hätte die BluRay eingelegt. Um das Paket dann noch perfekt abzurunden, gib es, neben einem Audiokommentar von Daniel Bird und Peter Hames, noch eine sehr informative, 27-minütige Dokumentation mit dem Titel „Ungezogene junge Leute“ und ein 24-seitiges Booklet mit zwei höchst informativen Essays von Martin Gobbin und Daniel Bird. Wahlweise kann man den Film im Original mit deutschen Untertiteln oder in einer deutschen Synchronfassung sehen. Wobei die Untertitel vorzuziehen sind, auch wenn diese zeitweise leicht vom Originaltext abweichen – soweit ich das mit meinen nur sehr begrenzten Tschechisch-Kenntnissen beurteilen kann. Die deutsche Synchronfassung ist solide, klingt aber etwas „künstlich“.

Die Amaray steckt wieder in einem stabilen Schuber, der mit einem wunderhübschen Covermotiv verziert ist. Das verunstaltende FSK Logo kann man dadurch loswerden, dass man die äußere Hülle des Schubers entfernt. Darunter befindet sich das Motiv noch einmal in ganzer Pracht und ohne störendes FSK16-Siegel. Wer ein paar Euro mehr für die Limited Edition auf den Tisch legt, erhält noch die Soundtrack-CD dazu. Diese enthält auf 33:33 Minuten verteilte 17 Tracks, die ebenso eigenwillig sind, wie der Film selber. Zu hören sind zumeist zirkusartige Melodien, die an Fellini-Filme erinnern oder experimentelle Stücke. Bravo, Bildstörung und danke. Ich hoffe, dieses Nischen-Label bleibt und noch lange erhalten und versorgt den Filmliebhaber weiterhin mit solch interessanten Fundstücken der Filmgeschichte. Als nächste Veröffentlichungen sind der französische „Don’t Deliver Us From Evil“ und „Henry – Portrait of a Serial-Killer“ angekündigt.

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Originalfassungen in Bremen: 16.08.12 – 22.08.12

Ist es nur das Sommerloch oder engagiert sich die Schauburg jetzt wirklich im „O-Ton-Geschäft“? Diese Woche gibt es am altehrwürdigen Ort gleich drei Filme im O-Ton (mit der Koch-Doku „Entre les Bras“ sind es sogar vier!). Wie ich schon letztes Mal geklagt habe, sind die Anfangszeiten oftmals etwas arbeitnehmerunfreundlich, aber besser als nichts. Aus der recht großen Auswahl ein absolutes Highlight rauszupicken, ist etwas schwer, aber ich würde mich hier für „We need to talk about Kevin“ entscheiden.

Magic Mike – Cinemaxx, Do. den 16.8. gleich vier Mal: 14:00, 16:50, 19:40 und 22:30 – Steven Soderberghs Neuer. Magic Mike ist ein legendärer Stripper, der einen jungen Bewunderer an die Hand nimmt und ihn in diesem Business anlernt. Die Titelrolle spielt Frauenschwarm Channing Tatum, seinen Boss Matthew McConaughey.

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Prometheus – Dunkle Zeichen 3D – Cinemaxx, Di., 21.8. um 19:30 – Einer der am meisten erwarteten Filme 2012. Ridley Scotts Rückkehr zum Science-Fiction-Film und ins Alien-Universum. Bilder und Design sind beeindruckend, aus der Geschichte hätte man mehr rausholen können. Indem man z.B. auf einige zu offensichtliche Unplausibilitäten verzichtet hätte.

Ted – Cinemaxx, So. und Mo. jeweils 22:15 – Ein vulgärer, saufender und sexbesessener Teddybär hat Batman vom Thron der deutschen Kinocharts gestoßen. Sicherlich einer DER Überraschungserfolge des Jahres.

Starbuck – Di. und Mi. jeweils um 11:15 – Der sympathische Loser war in seiner Studienzeit fleißiger Samenspender und hat auf diese Art und Weise 533 Kinder – gezeugt, von denen ihn nun 142 kennenlernen wollen. In den USA sehr erfolgreich, hier fallen die bisherigen Kritiken zwiespältig aus.

Rum Diary – Schauburg, So., 19.8. um 21:30 – Nach dem hervorragenden “Fear and Loathing in Las Vegas” eine weitere Hunter-S.-Thompson-Verfilmung mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Leider ohne Terry Gilliam, stattdessen sitzt Bruce Robinson auf dem Regiestuhl, dessen letzter Film (der solide Thriller “Jennifer 8“) nun auch schon 20 Jahre zurückliegt. In den USA hat “The Rum Diaries” von Publikum und Kritik einige Prügel bekommen, aber ich bin trotzdem gespannt.

We need to talk about Kevin – Schauburg, Do.-Di. immer 19:30, am Mi. um 21:10 – Finsteres Psychodrama mit Tilda Swinton und John C. Reilly über eine Mutter, die mit ihrem scheinbar grundlos bösen Sohn nicht fertig wird. Purer Horror für angehende Eltern.

[youtube width=“640″ height=“305″]http://www.youtube.com/watch?v=g__z9mVzYuw[/youtube]

Entre les Bras – 3 Sterne, 2 Generationen, 1 Küche – Schauburg, Do.-Mi. immer 15:30 – Französische Dokumentation über den Sterne-Koch Michal Bras, der sein Restaurant an seinen Sohn übergeben will.

Der Gott des Gemetzels – City 46, Do.-Mi. immer 21:30 – Roman Polanskis neuer Film. Ein Vier-Personen-Stück mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly. Großartiger und grandios gespielter Film voller bösem Humor, der auf mehreren Ebenen bestens funktioniert. Nr. 5 meiner Jahresbestenliste 2011.

Sing your song – City 46, Fr.-Mi. immer 19:30 – Dokumentation über den Sänger, Schauspieler und Bürgerrechtler Harry Belafonte. Produziert von seiner Tochter. Von daher könnte das etwas einseitig, aber nichtsdestotrotz interessant sein.

Leidenschaftliche Berechnung – City 46, Do., 16.8. um 19:30 – Tilda Swinton zum Zweiten. Eine Spezialistin für künstliches Leben ist besessen von Ada Byron, der Tochter des berühmten Dichters Lord Byron. Durch ein DNA-Experiment will sie Ada 144 Jahre nach ihrem Tod nahe kommen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 20.8. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 20.8. um 21:45

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19. Internationales Filmfest Oldenburg: Weitere Filme im Programm

Auf der heutigen Pressekonferenz des Internationalen Filmfests Oldenburg wurde nicht nur der Trailer für das Filmfest 2012 vorgestellt, sondern auch noch weitere Filme angekündigt.

Meine Hoffnung, dass diese weniger US-zentriert sind, hat sich dabei leider nicht bestätigt. Schmerzhaft vermisse ich neben den US-Produktionen auch Filme aus Frankreich, Spanien, Skandinavien oder Osteuropa. Immerhin ist Asien mit einem Highlight vertreten: Das Filmfest wird den neuen Film von Takeshi Kitano zeigen: „Outrage Beyond„, die Fortsetzung seines Yakuza-Streifens „Outrage“. Darin geht es um einen Bandenkrieg innerhalb der Yakuza. Hierauf freue ich mich bisher am meisten, und noch sind ja nicht alle Filme im Programm verkündet.

Als „GoldenEye“ in die Kinos kam, war Famke Janssen für mich eine der schönsten Frauen der Welt. Auch in „Lord of Illusions“ und „City of Industry“ war ich von ihr hingerissen. Ebenso, wie ich es dann später (und heute noch) von Milla Jovovich im “5. Element” (und in der Resident-Evil-Reihe… aber bitte nicht weitersagen) war. „Bringing up Bobby“ ist nun das Regiedebüt von Famke Janssen und Milla Jovovich spielt die Hauptrolle. Trickbetrügerin Olive versucht in Oklahoma, ihrer kriminellen Vergangenheit zu entfliehen, um ihrem Sohn Bobby ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch als diese sie einholt, steht sie vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern wird.

Ebenfalls interessant könnt der irische Film „Dollhouse“ von Kristen Sheridan sein. Darin bricht eine Gruppe von Jugendlichen aus der irischen Unterschicht in eine Upper-Class-Wohnung in einem noblen Vorort Dublins ein. Der Film wurde komplett mit Laiendarstellern besetzt.

Mit dem Filmfest-Maskottchen Seymour Cassel (der ja dieses Jahr den neuen, nach ihm benannten Schauspielerpreis überreichen wird) wird „Booster“ gezeigt. Der Film von Regisseur Matt Ruskin widmet sich den kriminellen Verstrickungen einer Bostoner Familie.

Weitere Filme: Die Dokumentation „Gazzara“, der in Taiwan spielende US-Film „The Taiwan Oyster“ und die deutsch/österreichische Kurzfilmanthologie „Zero Killed“ von Michal Kosakowski.

Eine thematische Sonderreihe ist in diesem Jahr Musikdokumentationen gewidmet. Unter anderen wird dort der Film „Butch Walker out of Focus“ zu sehen sein. Shane Valdés und Peter Harding nehmen den Zuschauer mit auf Tour und porträtieren einen Musiker, der vor allem als Songwriter für Popgrößen geglänzt hat. Walker wird nicht nur beim Festival zu Gast sein, sondern als besonderes Highlight ein Konzert in der JVA spielen.

Desweiteren: „Don’t stop Believin‘: Everyman’s Journey“ über Arnel Pineda auf seiner Reise von einer Internet-Bekanntheit zum angesagten Frontmann einer Rockband. Der Klassiker „Stony Island“ von 1978  in komplett digital überarbeiteter Fassung. „Lil‘ Buck“ über einen Teenager aus den Straßen Atlantas, dessen Tanzkunst ihn bis nach China führt. Und „The Punk Syndrome“ über die Tour der finnische Punkband „Pertti Kurikan Nimipäivät“, deren Bandmitglieder alle geistig behindert sind.

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DVD-Rezension: “Rampart – Cop außer Kontrolle”

1999: Dave Brown ist Cop in L.A. Er lebt nach seinen eigenen Regeln. Auf der Straße ist er das Gesetz, Zuhause versucht er seine Patch-Work-Familie zusammenzuhalten. Als er eines Tages dabei gefilmt wird, wie er einen Farbigen, der ihn zuvor in seinen Wagen gefahren ist, verprügelt, beginnt seine Welt langsam auseinander zu fallen. Er sieht sich einem Disziplinarverfahren gegenüber, bei dem seine Existenz als Polizist auf dem Spiel steht. Auch Zuhause läuft es nicht gut. Als sich nach und nach alle von ihm abwenden und er gleichzeitig in Geldsorgen gerät, spitzt sich die Lage für Dave Brown dramatisch zu.

Als ich den Trailer zu „Rampart“ gesehen habe, war ich wenig begeistert. Das alles sah doch sehr nach einem „Training Day“-Rip-Off aus, nur dass diesmal Woody Harrelson statt Denzel Washington den korrupten Cop gibt. Erst als ich aber hörte, wer dort am Drehbuch mitgeschrieben hat, wurde ich aufmerksam. Es war einer meiner Lieblingsautoren: James Ellroy. Ellroy ist ein Spezialist für Cop-Geschichten aus L.A. Er hat nicht nur die Vorlage zum schönen „L.A. Confidental“ geliefert, sondern mit „Die schwarze Dahlie“ eines meiner Lieblingsbücher verfasst (die Verfilmung durch – den ansonsten von mir hochverehrten – Brian de Palma ist eine einzige Beleidigung für das Buch) und mit der Kurzgeschichte „Mörderische Zweifel“ (in „Endstation Leichenschauhaus“) ein überzeugendes, nüchternes Plädoyer gegen die Todesstrafe. Dass er nun ein Originaldrehbuch mitverfasst hat, fand ich so spannend, dass ich „Rampart“ unbedingt besprechen wollte.

Wie oben angedeutet, wird der rasant geschnittene Trailer dem Film in keiner Weise gerecht. Wer Action, coole Sprüche und einen durchgeknallt bösen Woody Harrelson erwartet, liegt vollkommen falsch. Auch mit „Training Day“ hat der Film nicht das Geringste zu tun. Im Gegensatz zum Oscarprämierten Denzel Washington spielt Harrelson (der den Oscar für seine grandiose Darbietung ebenfalls verdient hätte) keinen korrupten Schurken. Dave Brown sieht nicht, dass er vom rechten Weg abgekommen ist. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass er das Richtige tut. Gut, hier und da springen einige Leute über die Klinge, aber nicht weil Harrelson wirklich skrupellos und böse wäre, sondern weil er die Auffassung vertritt, sie hätten es verdient. Dave Brown ist Herrscher seiner Welt. Hier sorgt er für Ordnung und seine Auffassung von Gerechtigkeit. Hier fühlt er sich sicher, hier ist er der König.

Dieses übergroße Selbstvertrauen und Ego strahlt Harrelson zu Beginn des Filmes zu jeder Sekunde aus. Er ist der Starke, der Unantastbare, dem keiner etwas kann. Es ist sein Spiel, er bestimmt die Regeln. Aber Stück für Stück wird ihm seine Sicherheit genommen, seine undurchdringliche Schutzhülle weggerissen. Er lässt sich in eine Falle locken (oder auch nicht, zumindest ist dies der Ausgangspunkt seiner immer größer werdenden Paranoia) und gerät in einen Strudel von Anschuldigungen und falschen Entscheidungen, der ihn zunächst innerhalb der Polizei isoliert und dann auch auf sein Privatleben übergreift. Wie Dominos fallen seine über Jahre aufgebauten Sicherheiten. Wie Harrelson diesen unaufhaltsamen Abstieg und seinen endgültigen Zusammenbruch spielt, ist schlichtweg atemberaubend. Während er zunächst mit einem frechen Grinsen auch die größten Probleme beiseite wischt, so sitzt er dann später mit hochrotem Kopf und Schweiß im schuppigen Gesicht in einer Anhörung. Unter dem enormen Druck kann er seine coole Macho-Fassade nicht aufrechterhalten. Harrelsons enorme physische Präsenz vom Anfang wird zum Ende hin immer zerbrechlicher. Dave Brown scheint sich förmlich aufzulösen. Wie Woody Harrelson das spielt, ist ganz großes Kino. Sonst  neigt er ja leider immer dazu, seine Darstellungen larger-than-life anzulegen. Das gilt für seinen Mickey in „Natural Born Killers“ ebenso wie für komische Rollen, wie Charlie Frost in „2012“. Hier nimmt er sich aber ganz zurück und der Schauspieler verschwindet hinter dem Charakter Dave Brown. Er verschmilzt förmlich mit ihm und zeigt ihn als das, was er ist: Nur ein Mensch.

Auch die weiteren Rollen sind sehr prominent besetzt. Während Steve Buscemi nur für einige Minuten im Bild ist (und dabei ebenfalls angenehm „Buscemi-frei“ agiert), hat die deutlich gealterte Sigourney Weaver einen etwas größeren Part, den sie ebenfalls überzeugend natürlich verkörpert. Ebenso wie Ned Beatty. Überhaupt ist auffällig, dass der Film einige der Schauspieler versammelt, die in der Regel gerne mal bis an den Rand der Karikatur „auf die Kacke hauen“, hier aber zeigen, dass sie auch anders können. Nicht zu vergessen, Ben Foster in einer kurzen, aber erinnerungswürdigen Rolle als verkrüppelter Vietnam-Veteran. Regisseur Oren Moverman beweist sich nach „The Messenger“ (ebenfalls mit Harrelson und Foster) wieder einmal als hervorragender Schauspieler-Regisseur.

Verpackt wurde die Geschichte in beeindruckende Bilder (Kamera: Bobby Bukowski) aus dem heiß-fiebrigen L.A: Und das kann der einzige Vorwurf sein, den man dem Film machen kann. Zum Teil sind die Bilder für die realistische und grimmige Geschichte etwas zu ästhetisch. Meines Erachtens nach wäre ein härter, dokumentarfilmartiger Stil passender für dieses intensive Psychogramm eines Verfalls passender gewesen. Der Untertitel „Cop außer Kontrolle“ ist in diesem Sinne auch nicht ganz korrekt. Eigentlich müsste es heißen: „Ein Mensch verliert die Kontrolle“.

Der Titel „Rampart“ bezieht sich übrigens auf den sogenannten „Rampart-Skandal“ in L.A. Ende der 90er Jahre. Dort wurden 70 Mitglieder einer Sondereinheit der „Rampart“-Abteilung (benannt nach einem Rampart Boulevard in Downtown L.A.) diverser Verbrechen, wie Korruption, Gewalt gegen Verdächtige, Diebstahl, Drogenhandel, Bankraub uvm. angeklagt. David Brown ist sich im Film sicher, dass er zum Bauernopfer gemacht werden soll, um von diesem Skandal abzulenken. Das mag sein, kann aber auch seiner immer stärker zunehmenden Paranoia entstammen. Der Film lässt dies offen.

Ascot Elite liefert mit der DVD des Filmes eine gute Arbeit ab. Bild und Ton sind tadellos. Allein die deutsche Synchronstimme von Woody Harrelson ist ziemlich unpassend. Die Extras vielseitig, wenn auch manchmal etwas oberflächlich und repetitiv. Im 29-minütigen „Making-Of“ schwärmt praktisch jeder erst einmal in großen Tönen davon, wie toll es war, mit den anderen zusammenzuarbeiten und was für hervorragende Künstler doch Woody Harrelson und Oren Moverman sind. James Ellroy kommt nur einmal kurz zu Wort und wird sonst fast gar nicht erwähnt. Trotzdem nicht uninteressant. Die Interviews (17 Minuten) wiederholen eigentlich nur die Kernaussagen des „Making Of“. Auf den einminütigen Zusammenschnitt einiger Dave-Brown-Monologe namens „Sh** Dave Brown says“ hätte man auch verzichten können.

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Originalfassungen in Bremen: 09.08.12 – 15.08.12

Holla, was ist denn das? Das Cinemaxx feuert eine volle Breitseite an Originalfassungen auf das Bremer Publikum ab. Gleich vier Hochkaräter werden im O-Ton präsentiert. Zugegeben, „Prometheus“ läuft nur zu einer etwas arbeitnehmerunfreundlichen Zeit (wie übrigens auch „Cheyenne“ im City 46), aber immerhin. Und die Schauburg bringt „Rum Diary“ auch noch einmal im O-Ton. So macht das doch Spaß!

Prometheus – Dunkle Zeichen 3D – Cinemaxx – Do.-Mi. immer 21:30 – Einer der am meisten erwarteten Filme 2012. Ridley Scotts Rückkehr zum Science-Fiction-Film und ins Alien-Universum. Die Trailer sehen beeindruckend aus. Kann der starbesetzte Film auch die hohen Erwartungen erfüllen? Ich bin gespannt.

[youtube width=“640″ height=“304″]http://www.youtube.com/watch?v=sftuxbvGwiU[/youtube]

Ted – Cinemaxx, Do.-Sa. und Di.-Mi. um 19:30 – Ein vulgärer, saufender und sexbesessener Teddybär hat Batman vom Thron der deutschen Kinocharts gestoßen. Sicherlich einer DER Überraschungserfolge des Jahres.

[youtube width=“640″ height=“324″]http://www.youtube.com/watch?v=K5yed-mySKM[/youtube]

Merida – Legende der Highlands 3D – Cinemaxx, So. und Mo. jeweils um 19:30 –  Pixar ist zurück. Der neue Film „Merida“ (im Original „Brave“) kann zwar nicht an die früheren Meisterwerke wie „Toy Story 1-3“ oder „Oben“ anknüpfen, aber das ist immer noch Jammern auf hohem Niveau.

The Dark Knight Rises – Cinemaxx, Fr. um 23:00, So. um 12:30 und Mo. um 19:30 – Hat mir gefallen. Meine Review gibt es hier.

Rum Diary – Schauburg, Mi., 15.8. um 21:15 – Nach dem hervorragenden “Fear and Loathing in Las Vegas” eine weitere Hunter-S.-Thompson-Verfilmung mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Leider ohne Terry Gilliam, stattdessen sitzt Bruce Robinson auf dem Regiestuhl, dessen letzter Film (der solide Thriller “Jennifer 8“) nun auch schon 20 Jahre zurückliegt. In den USA hat “The Rum Diaries” von Publikum und Kritik einige Prügel bekommen, aber ich bin trotzdem gespannt.

Entre les Bras – 3 Sterne, 2 Generationen, 1 Küche – Schauburg, Do.-Mi. immer 17:15 – Französische Dokumentation über den Sterne-Koch Michal Bras, der sein Restaurant an seinen Sohn übergeben will.

Cheyenne – This Must Be the Place – City 46, Do.-Mi. immer 22:00 Uhr – Spielfilm mit Sean Penn als alternder Ex-New-Wave-Sänger, der sich widerwillig auf die Suche nach einem Naziverbrecher macht. Review zur DVD hier.

Noorderlingen – City 46, Do.-Mi. um 19:00 – Niederländischer Spielfilm über die Bewohner einer Mustersiedlung im Nordholland der 60er Jahre.

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 13.08. um 21:45

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Instituto Cervantes/City 46: Lateinamerikanische Filmreihe vom 10.-16.September

Das Instituto Cervantes Bremen präsentiert, zwischen dem 10. und 16. September, im City 46 die Reihe “Kino im Aufbau”. In dieser werden fünf lateinamerikanische Filme im Original mit englischen Untertiteln gezeigt.

Alle Filme beginnen um 20 Uhr.

10.09: Familia tortuga – Mexikanisches Drama von 2006 über den Zerfall der Familie als Institution. Gewinner des Lateinamerikanischen Filmfestivals in Toulouse.

12.09: El telón de azúcar – Kubanisch/französischer Dokumentarfilm von 2005 über die Generation von Kubanern, die in den goldenen Jahren der Revolution geboren und aufgewachsen ist.

13.09: El violín – Vielfach ausgezeichnetes, mexikanisches Drama von 2005. Herr Plutarco, sein Sohn Genaro und sein Enkel Lucio führen ein Doppelleben. Einerseits sind sie bescheidende ländliche Musiker, andererseits unterstützen sie aktiv die bäuerliche Guerrilla-Bewegung gegen die tyrannische Regierung. Als das Militär das Dorf überfällt, müssen die Rebellen fliehen und die Munition zurücklassen. Sein Ansehen als harmloser Geiger nutzend, schmiedet Herr Plutarco einen Plan: Er will die, in seinem Maisfeld versteckte, Munition zurückzuholen.

14.09: Esas no son penas – Drama aus Ecuador (2006). Fünf von Kindheit an befreundete, sehr unterschiedliche, Frauen aus Quito treffen sich nach vierzehn Jahren wieder.

Nach dem Film gibt es ein Gespräch + Diskussion mit der Hauptdarstellerin Paquita Troya, die nach Bremen eingeladen wurde.

16.09: La perrera – Spielfilm aus Uruguay aus dem Jahre 2006.Der 22-jährige David wird von seinem Vater gezwungen, ein Jahr in einem kleinen, abgelegenen Badeort zu verbringen, um dort ein Haus zu bauen. Der Film schildert seine verrückten Erlebnisse während dieses Jahres.

Eintritt kostet pro Film 7 €, ermäßigt 5 €.

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DVD-Rezension: “Howling – Der Killer in Dir”

Ein mysteriöser Mord hält die koreanische Polizei in Atem. Ein Mensch ist scheinbar spontan verbrannt. Bei der Untersuchung der verkohlten Leiche entdecken die Ermittler Bissspuren. Wenige Tage später wird ein weiterer Toter mit ähnlichen Merkmalen gefunden. Der müde und zynische Detektiv Sang-Kill und seine neue, unerfahrene Partnerin Eun-Young erkennen bald, dass es sich hier um die Taten eines Serienkillers handeln muss, der Rache an einem Kinderprostitutions-Ring nehmen will…

Der Titel dieses südkoreanischen Thrillers ist natürlich eine Mogelpackung, die aber nur zur Hälfte auf das Konto des hiesigen Verleihs geht. Bei „Howling“ denkt man natürlich sofort an Joe Dantes großartigen Werwolf-Film, der eine Vielzahl (zugebenermaßen in der Mehrzahl minderwertige) Sequels nach sich zog. Dieser „Howling“ hier hat aber so rein gar nichts mit Werwölfen oder der oben genannten Reihe zu tun, sondern lediglich von den Machern diesen markanten Titel aufgedrückt bekommen. Dass er aber in Deutschland auch noch den vielsagenden Untertitel „Der Killer in Dir“ (der in Bezug auf die Handlung vollkommener Quatsch ist) und ein Cover, auf dem Kang-ho Song (Sympathy for Mr. Vengeance; Memories of Murder) mit den Spuren eines Prankenhiebs auf der Brust abgebildet ist, untergejubelt bekam, darf man ruhig als bewusste Irreführung titulieren.

Nein, wer nach Werwölfen Ausschau hält, ist hier gänzlich verkehrt. Vielmehr handelt es sich bei „Howling“ um einen soliden, wenn auch eher unspektakulären Beitrag zum Cop-/Serienmörder-Genre, welches sich Motiven aus Sam Fullers kleinem Klassiker „White Dog“ bedient. Da die Identität des „bestialischen“ Killers recht schnell aufgedeckt wird, kann an dieser Stelle schon mal verraten werden, dass es sich bei diesem um einen Wolfshund handelt, der aufs Töten abgerichtet wurde. Die zentrale Frage des Filmes lautet daher: Wer hat den Hund zur Killermaschine gemacht und warum?

 

Mit dem Fall wird der Polizei-Detektiv Sang-Kill (gespielt von einem wie immer überzeugenden und prägnanten Kang-ho Song) beauftragt. Sang-Kill ist ein Außenseiter innerhalb seines Teams, der bei Beförderungen ständig übergangen wird und sich darin eingerichtet hat, innerhalb des Teams außen vor zu bleiben. Ihm wird aus reiner Gehässigkeit von seinem Chef eine junge Polizistin namens Eun-Young (niedlich: Na-yeong Lee) zur Seite gestellt. Sehr zum Widerwillen auch der restlichen Teammitglieder. Natürlich behandelt Sang-Kill die junge Eun-Young zunächst abfällig und will sie schnell wieder loswerden. Und genauso natürlich und genretypisch, hegt er bald Sympathien für sie und stellt sich auf ihre Seite. Soweit, so unüberraschend.

Warum Eun-Young abgelehnt wird, kann man relativ schnell nachvollziehen. Sie ist nicht nur naiv, sondern agiert in vielen Aktionen unglücklich-glücklos. Allerdings muss man sagen, dass das Polizei-Team auch nicht gerade ein Vorbild an Effektivität und Professionalität ist. Man muss sich langsam fragen, wie es wohl um die koreanische Polizei bestellt ist. Nach Revenge – Sympathy for the Devil“ ist dies nun innerhalb kürzester Zeit die zwei Polizei-Truppe, die durch rüde, beinah menschenverachtende Methoden, triefenden Zynismus und Sexismus auffällt. Zwar benehmen sich die Polizisten hier nicht ganz so kriminell wie die aus „Revenge“, aber von der Tendenz her nehmen sich die beiden nicht viel.

Die Rolle der Sympathieträger soll also Sang-Kill (der anfänglich noch ähnlich wie seine Kollegen agiert) und Eun-Young zufallen, was aber aus oben genannten Gründen schwer fällt. Eun-Young ist süß, aber einfach zu naiv gezeichnet, als dass sie eine starke Protagonistin abgeben könnte. Tatsächlich ist der interessanteste Aspekt des Filmes dann auch die „Mordwaffe“. Da mir in diesem Film nur selten irgendwelche CGI-Effekte oder andere Griffe in die Trickkiste (bis auf die Mordszenen) aufgefallen sind, muss es sich hier um ein hervorragend trainiertes Tier handeln. Dieses ist auch mit so viel Charakter und Präsenz ausgestattet, dass es z.B. Na-yeong Lee mühelos an die Wand spielt. Nur Kang-ho Song kann da mithalten. Regisseur Ha Yoo gelingt es sehr gut, dass der Zuschauer Mitleid mit der missbrauchten Kreatur empfindet und sofort auf ihrer Seite ist.

Tierfreunden ist der Film – auch wegen seiner Szenen bei illegalen Hundekämpfen – trotzdem nicht unbedingt zu empfehlen. Und wer aufgrund des tierischen Mordens auf blutige Szenen wartet, wird zwangsläufig enttäuscht sein. Gerade in diesen Szenen wurde der Film recht harmlos gestaltet. Zudem ist er viel zu lang. Zu viel Zeit wird immer wieder darauf verschwendet, die Ermittler lang und breit Theorien erklären zu lassen, von denen der Zuschauer in den meisten Fällen schon weiß, dass sie in die falsche Richtung führen. Eine konsequente Straffung hätte hier gut getan.

So bleibt am Ende ein über weite Strecken zwar unterhaltsamer, aber trotzdem eher durchschnittlicher Thriller, den allein der tierische Titelheld und die, wie immer sehenswerte, Darstellung Kang-ho Songs über das Mittelmaß heben.

Die DVD von Splendid besticht wieder einmal durch ein sehr gutes Bild. Die deutsche Synchronisation ist guter Durchschnitt, wenn auch Kang-Ho Songs Stimme zu jung klingt. Außer Trailern gibt es leider keine Extras.

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DVD-Rezension: “The Hunter”

Der professionelle Jäger Martin David erhält von dem mächtigen „Red Leaf“-Konzern den Auftrag, den als ausgestorben geltenden Tasmanischen Tiger zu erlegen und Proben für Forschungszwecke in die USA zu bringen. Da die Aktion streng geheim ist, und „Red Leaf“ Konkurrenz befürchtet, mietet sich David, als Wissenschaftler getarnt, bei der Witwe Lucy Armstrong und ihren beiden Kindern ein. Trotz anfänglicher Skepsis gewöhnt sich David schnell an das Familienleben. Mit der Jagd nach dem Tasmanischen Tiger hat er allerdings weniger Erfolg. Er gerät zwischen die Fronten von Waldarbeitern und Umweltaktivisten. Zudem hat das Gefühl bei seinen Streifzügen beobachtet zu werden. Dann erhöht der geheimnisvolle „Red Leaf“-Konzern den Druck und will endlich Resultate sehen.

Man fragt sich unweigerlich, was eindrucksvoller ist, die wilde, zerklüftete Landschaft Tasmaniens oder das wilde, zerklüftete Gesicht Willem Dafoes. Seit 30 Jahren macht sich der Mann mit den markanten Gesichtszügen einen guten Namen als Darsteller eindrucksvoller Bösewichter, prägnanter Nebendarsteller oder Hauptdarsteller in anspruchsvollen Arthausfilmen. In letztere Kategorie fällt auch der australische Spielfilm „The Hunter“. Obwohl das Cover, der Trailer und die markigen Werbesprüche versuchen, dieses Werk als Actionthriller zu verkaufen, besticht der Film doch eher durch sein ruhiges Erzähltempo und epischen Atem.

Obwohl die Geschichte mit Elementen des Paranoia-Kinos gespickt ist (die allmächtige, skrupellose Firma im Hintergrund, die jeden Schritt Martin Davids zu überwachen scheint) und am Ende tatsächlich eine Actionszene enthält, werden diese Handlungselemente zugunsten der Charakterentwicklung Davids vernachlässigt. „The Hunter“ handelt im Grunde von dem einsamen Wolf, der domestiziert wird und sein eigenes Tun im Angesicht eines möglichen, alternativen Lebenslaufs, zu hinterfragen beginnt.

Am Anfang ist Martin David noch ein Einzelgänger, der jeglichen Kontakt zu seinen Mitmenschen meidet. Darin ist er dem Tasmanischen Tiger nicht unähnlich, den zu jagen er von dem mysteriösen „Red Leaf“-Konzern beauftragt wurde. Doch in der Einsamkeit Tasmaniens ist er dazu gezwungen, sich mit einer Familie auseinanderzusetzen. Langsam bröckelt bei ihm die Fassade und er fängt an, sich um andere zu kümmern. Und wie beim Tasmanischen Tiger, der sich nur einmal einem Menschen zeigt, führt dies am Ende dazu, dass sein altes Leben verbrennt.

Vielleicht geschieht diese Wandlung, vom einsamen Jäger zum Familienmensch, etwas zu schnell und ist – natürlich – zu vorhersehbar. Aber wer könnte es Martin David angesichts seiner kindlichen Co-Stars verdenken. Die junge Morgana Davies, die die Tochter von Davids Wirtin spielt, ist ein Naturtalent. Völlig ungezwungen und mit einer großen Natürlichkeit spielt sie sich schnell in die Herzen der Zuschauer (zumindest in der Originalfassung, die deutsche Synchronisation relativiert dies dann leider wieder). Demgegenüber hat es ihr kleiner Bruder sehr viel schwerer, da er laut Drehbuch stumm ist. Jamie Timony ist dabei allerdings weit weniger nervig, als andere Kinderdarsteller in ähnlichen Rollen. Es spricht für Regisseur Daniel Nettheim, dass es ihm gelingt seine beiden jungen Darsteller so gut zu führen, dass das Publikum mit ihnen mitfühlen kann.

Die beiden anderen Erwachsenen haben es schwer. gegen die Dominanz von Dafoe und den Charme der Kinder anzuspielen. Francis O’Connor zieht sich aber achtbar aus der Affäre. Veteran Sam Neill (unglaublich gealtert und seltsam aufgequollen) spielt seine Rolle routiniert herunter, auch wenn deren Tiefe und Komplexität oftmals nur angedeutet und nicht voll ausgespielt wird. Seine Rolle im Konflikt zwischen Waldarbeitern und Naturschützern, sowie seine heimliche Liebe zur von Francis O’Connor gespielten Witwe bleibt vage und hätte etwas mehr Ausarbeitung benötigt. So verharrt seine Figur am Rand der Geschichte und ist damit eigentlich überflüssig.

Überhaupt bleibt der zentrale Konflikt zwischen den Arbeitern, die um ihre Jobs bangen, und den Naturschützern blass. Was zur Folge hat, dass gerade die Arbeiter wie Stereotypen aus einem x-beliebigen Backwood-Slasher daherkommen. Fremdenfeindlich, ständig betrunken und gefährlich.

So ist es dann ganz an Wilem Dafoe, den Film zu tragen, und dies tut er mit einer enormen physischen Präsenz. Unterstützt wird er dabei von den atemberaubenden Landschaftsaufnahmen des noch nicht zu Tode gefilmten Tasmaniens. Im Konkurrenzkampf gegen die Natur dominiert er jede Sekunde die Leinwand. Jeder Blick, jede Geste wirkt stimmig und von einer ungeheuren Autorität. Wenn Dafoe durch die Wildnis streift und Fallen stellt, hat man tatsächlich das Gefühl, er hätte in seinem Leben nie etwas anderes getan.

So vorhersagbar der Film zunächst scheint, so hält er doch für den Zuschauer zum Ende hin einige bittere Überraschungen bereit. Wobei allerdings konstatiert werden muss, dass man die Geschichte nicht allzu genau hinterfragen sollte. Es könnten einem sonst Fragen in den Sinn kommen, die unter logischen Gesichtspunkten zu beantworten, schwierig wäre. Trotzdem ist „The Hunter“ schon allein aufgrund Dafoes Darstellung, der jungen Morgana Davies und der beeindruckenden Tasmanischen Landschaft sehenswert.

Die DVD von Ascot Elite hat das gewohnt gutes Bild und einen sehr gut abgemischten Ton. Bei den Extras findet man ein, in mehrere Segmente gestückeltes, „Making Of“, in welchem alle Schauspieler ausführlich zu Wort kommen und ihre Figuren erklären. Auch der Regisseur erhält Gelegenheit zu erklären, was ihn an diesem Film reizte. Außerdem erhält man einige Informationen über den Tasmanischen Tiger.

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