Rezension: „The Dark Knight Rises“

Acht Jahre sind seit „The Dark Knight“ vergangen. Nachdem Batman die Schuld am Tod Harvey Dents auf sich genommen und diesen dadurch zu einem Helden gemacht hat, ist es ruhig in Gotham City geworden. Batman ist seitdem verschwunden, auf den Straßen sorgt die Polizei für Sicherheit. Doch ein Sturm zieht auf. Der Söldner Bane fällt über Gotham her und ihm folgen Zerstörung und Anarchie. Als Batman aus den Schatten zurückkehrt und Bane stellen will, scheint er seinen Meister gefunden zu haben…

Nachdem der dritte Teil der Nolan’schen „Batman“-Saga nun vom einfachen Sequel zum gesellschaftlichen Ereignis hochgejazzt wurde, stellt sich die Frage, ob der Film die gewaltigen Erwartungen, die in ihn gesetzt werden, überhaupt stemmen kann. Vorab geisterten ja schon die ersten durchaus auch kritischen Meinungen zum Film durch das Netz. Ebenso wurden die idiotischen Kommentare einiger Pubertierender auf der Seite „Rotten Tomatoes“ zum Anlass genommen, ein – leider absolut typisches – Internetphänomen zu einer großen Geschichte vom wütenden Mob aufzublasen. Die Tragödie von Aurora im US-Bundesstaat Colorado, bei der  ein Irrer während der „The Dark Knight Rises“-Premiere ins Publikum schoss,  tat ein Übriges dafür, den Film tagelang in den Schlagzeilen, nicht nur des Feuilletons, zu halten.

Aber was ist nun mit dem Film selber? Erst einmal ist er ein erschlagendes 169-Minuten-Bombardement der Sinne. Man hat permanent das Gefühl, in Bewegung zu sein, da die Handlung mal diesem, mal jenem Charakter folgt. Batman selber ist nur eine Figur von vielen, ja, er wird fast schon zum Nebendarsteller in seinem eigenen Film. Der Polizist John Blake (tadellos gespielt von Joseph Gordon-Levitt) ist mindestens gleichwertig angelegt. Auch vermeintliche Nebencharakter wie Jim Gordon (wieder einmal überzeugend: Gary Oldman) und Catwoman (umwerfend sexy:  Anne Hathaway) sind elementar wichtig für die Handlung und werden mit einer erstaunlichen Tiefe ausgestattet.

Fast fühlt man sich wie in einer dieser TV-Serien um eine Hauptperson und sein Team, wo auch immer wieder das eine oder andere Team-Mitglied im Vordergrund steht. Durch diese Vorgehensweise behält der Film ein durchgängig hohes Spannungsniveau, was allerdings zu Lasten klassischer Dramaturgie geht. Der Film bildet einen permanenten Höhepunkt, ohne dass es  einzelne Auf und Abs, oder die eine spektakuläre Szene gäbe, über die am Ende alle sprechen. Das kann auf die Dauer ziemlich erschöpfend sein.

Nolan hat ein sehr gutes Gespür für Architektur und Räume. Damit gelingt es ihm, Gotham City als einen Ort zu erschaffen, in dem man sich recht schnell heimisch fühlt. Der einen einlädt, einzutreten in die Welt von Bruce Wayne, seinen Freunden und Feinden. Dabei hilft es sehr, wenn man die beiden vorangegangenen Teile gesehen hat. Denn bereits dort wurden Figuren wie Lucius Fox oder der treue Butler Alfred Pennyworth so liebevoll und lebendig gezeichnet, dass man sich ihnen jetzt sofort wieder nah fühlt, wenn sie die Leinwand betreten.

Zudem ist es angenehm erfrischend, dass hier auf das mittlerweile übliche 3D-Brimborium bewusst verzichtet wird. Überhaupt versprüht der Film einen angenehm klassisch-handfesten Charme. Die CGI werden nicht inflationär eingesetzt und wenn – bis auf die Szene im Football-Stadion – eher dezent. Bei den vielen Verfolgungsjagden lässt Nolan richtiges Blech und keine Pixel krachen. So etwas kennt man von den großen Sommer-Blockbustern schon gar nicht mehr und das führt einmal mehr vor Augen, warum Filme früher mehr „Gewicht“ hatten.

Christopher Nolan baut seinen Film in mehreren Schichten auf, bei der jede einer Figuren zugeordnet ist. Diese Schichten sind aber durchlässig und interagieren miteinander. Man könnte fast sagen, dass „The Dark Knight Rises“ ähnlich funktioniert, wie die verschiedenen Traumebenen in seinem „Inception“ (mit dem er sich auch viele Darsteller teilt: Tom Hardy, Joseph Gordon-Levitt, Michael Caine, Marion Cotillard und Cillian Murphy).

Da ist einmal Batman, dessen vermeintlicher Sieg im zweiten Teil der Saga („The Dark Knight“) in Wirklichkeit eine Niederlage war. Er hat sich für eine Lüge geopfert, und nur diese Lüge hält Gotham zusammen. Er selber kann nicht wieder zurückkehren, ohne diese Lüge zu gefährden. Seine dunkles „Alter Ego“ muss unterdrückt werden, der menschliche Halt für seine Bruce Wayne-Seite (Rachel Dawes, gespielt  von Maggie Gyllenhaal ) konnte er nicht retten, was Schuldgefühle in ihm hervorruft. Ohne „Batman“ ist Bruce Wayne nicht vollständig. Bruce Wayne weiß das und hat doch Angst davor, etwas zu ändern. Dann gibt es die Ebene mit Jim Gordon, der ebenfalls unter der Lüge Harvey Dent leidet. Er ist als Polizist der Wahrheit verpflichtet und muss doch lügen, um den Status Quo zu halten. Sein stoischer Kampf gegen das Böse ist auch ein Versuch, sich davon rein zu waschen.

Die heimliche Hauptfigur des Filmes, John Blake, kämpft ohne Maske gegen das Böse. Er ist Polizist, ein einsamer Wolf ohne Beziehungen (darin Batman nicht unähnlich) und aufgrund einer privaten Tragödie ebenso besessenen davon, das Richtige zu tun, wie Batman.  Aber er ist kein Superheld, sondern ein einfacher Mensch. Was zeigt, dass in jedem ein Superheld stecken kann, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist und dies auch gar nicht anstrebt.

Und dann haben wir da noch das Proletariat (Bane, Catwoman), das sich gegen die herrschende Klasse (Börse, Firmenvorstände) auflehnt. Die Reichen, die nur für ihren Hedonismus leben (schön gezeichnet auf der Wohltätigkeitsparty oder in den Dialogen der Börsianer) und das „Volk“, das gefrustet ist und von den Mächtigen daran gehindert wird,  ein besseres Leben führen zu können (Catwoman/Selina Kyle, die genau dies dem Milliardär Bruce Wayne vorwirft; Bane der dieses Gefühl als skrupelloser Agitator ausnutzt). Dieser Zusammenstoß zwischen Arm und Reich führt unweigerlich zur Katastrophe, zur Zerstörung, Anarchie und Gesetzlosigkeit (bei diesen Szenen steht eindeutig die Französische Revolution Pate, Nolan selber nennt auch „Eine Geschichte aus zwei Städten“ von Charles Dickens als Inspirationsquelle). Gerettet werden kann die Welt nur, wenn Arm (Selina Kyle/Catwoman) und Reich (Bruce Wayne/Batman) zusammenarbeiten. Nur dann gibt es Hoffnung, das Chaos zu bewältigen. Dies erinnert dann schon sehr an das Ende von Fritz Langs „Metropolis“, mit seiner Aussöhnung zwischen den Bewohnern der Oberstadt und den Arbeitern. Und wem diese Interpretationsansätze dann aber zu viel und zu weit hergeholt sind, für den kann „The Dark Knight Rises“ immer noch eine hervorragende Comic-Verfilmung sein , bei der für den Fan viele kleine Anspielungen auf die Comic-Serie (Banes erster Kampf mit Batman, die Verwendung von Elementen der „Knightfall“ und „No Man’s Land“-Storylines u.ä.) zu finden sind.

Aber auch ein Film wie „The Dark Knight Rises“ ist nicht ganz ohne Makel. So hat man das Gefühl, dass aus dem Bösewicht Bane noch sehr viel mehr hätte gemacht werden können. Die Figur ist natürlich in keinster Weise mit dem, von Heath Ledger so genial verkörperten, Joker zu vergleichen – dazu sind sie einfach zu verschieden – aber trotzdem fehlt das letzte Quäntchen, um Bane als einen wirklich bedrohlichen Gegner darzustellen. Was verwundert, da Tom Hardy eigentlich in allen seinen Filmen durch eine große Präsenz auf der Leinwand aufgefallen ist. Vielleicht ist es die Maske, die den größten Teil seines Gesichtes verdeckt oder die fürchterliche deutsche Synchronstimme. Wer Tom Hardy jemals im Original gehört hat, kennt seine markant, raue-heisere Stimme. Seine Synchronstimme hier ist weitaus heller, überschlägt sich sogar manchmal und wirkt dadurch eher lächerlich-komisch. Wobei dies im Original ähnlich sein kann, da Hardy in Interviews betonte, die Stimme an einen irischen Boxer angelegt zu haben.

Und selbstverständlich könnte man Christopher Nolan vorwerfen, dass er im Grunde simple Geschichten erzählt, die er nur dadurch verkompliziert, dass es so viele sind und er sie dann so geschickt übereinanderstapelt, dass ihre Einfachheit  nicht auffällt. Man kann aber auch sagen, dass gerade darin Nolans  großes Talent besteht und er seinen Zuschauern genau das gibt, wonach sie lechzen: Großartige und gar nicht dumme Unterhaltung.

Schade, dass „The Dark Knight Rises“ der letzte Teil der Serie sein soll, den er weckt großen Appetit auf mehr. Wie auch – um ein letztes Mal diesen Vergleich zu ziehen – eine gute TV-Serie das Warten auf die neue Staffel zur Qual machen kann.

Zum Abschluss ein paar Worte zur Vorstellung im Bremer „IMAX“. Die speziell für das IMAX hergestellten Szenen in 1:1,44 warten mit einer unglaublichen Brillanz auf und nutzen die Leinwand komplett aus. Die normal gefilmten Szenen in 1:2,35 sind von der Bildqualität auch sehr gut, fallen gegenüber den IMAX-Szenen aber etwas ab. Ein echtes Manko ist allerdings der Ton. Bei der Vorpremiere im IMAX war dieser viel zu laut und weit jenseits der Schmerzgrenze. Gleich bei der fulminanten Eröffnungsszene taten einem die Ohren weh. Und das nicht nur bei den Effektszenen, sondern auch bei den Dialogen (insbesondere, wenn Bane spricht). Das ist sehr anstrengend und macht keinen Spaß. Zumal der Lärm auch die Boxen im IMAX deutlich überlastete.

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2 Antworten zu Rezension: „The Dark Knight Rises“

  1. Filmfan sagt:

    Hallo,
    welches Bremer IMAX ist gemeint: Cinespace 3DIG oder das Cinemaxx IMAX. Das Cinemaxx IMAX hat doch bloß eine Widescreen Leinwand, oder?
    Gruss Filmfan

  2. Marco Koch sagt:

    Hallo Filmfan,

    Das Bremer IMAX im Cinemaxx ist gemeint. Die Leinwand dort ist laut Homepage zwar 8,21*19,30 (also 1:2,35), aber das halte ich für eine falsche Angabe. Die Leinwand füllt komplett die vordere Wand aus und geht auch bis zum Boden. Zudem ist sie leicht nach innen gebogen. Mit einer „echten“ IMAX-Leinwand, wie man sie normalerweise kennt (z.B. vom seligen Spacepark), hat das aber trotzdem nur wenig zu tun. Die sind ja sehr viel größer und höher. Aber dafür hat man auch ein entsprechendes Kino zu bauen. Wenn man aber – wie im Cinemaxx – nur ein Kino umrüstet, dann muss man wohl diese Einschränkungen hinnehmen. Warum das ganze Dann aber IMAX nennen muss… Egal, das größte Handicap in Bremen ist die „flache“ Sitzanordnung. Da man beim IMAX-Format bis auf den Boden schaut, müssen die Sitzreihen sehr steil sein, weil man sonst IMMER den Kopf des Vordermannes – und häufig auch dessen Vordermanns – im Weg hat. Wie eben jetzt im Cinemaxx. Das ist es, was mich am Bremer IMAX wirklich sehr stört. Die Bildqualität ist aber bestechend gut und der Sound (wenn er nicht wie bei TDKR zu laut eingestellt ist) ist eigentlich auch super.

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