Das Bloggen der Anderen (08-03-13)

bartonfink_type2Letzte Woche habe ich leider nicht die Zeit gefunden, diese – doch recht beliebte – Rubrik zu füllen. Wie es in den nächsten Wochen aussehen wird, kann ich auch noch nicht sagen, da dort eine Menge familiärer Dinge auf mich zukommen werden. Ich probiere mein Bestes, aber es wird schwierig. Jetzt wünsche ich aber erst einmal viel Lesevergnügen mit den – meiner Meinung nach – interessantesten Links der vergangen zwei Wochen.

– Nichts mit Film, sondern mit Fernsehen, hat ein Artikel auf couchmonster zu tun. Diesen finde ich als Denkanstoß aber so interessant, dass ich ihn meiner verehrten Leserschaft trotzdem ans Herz legen möchte. Darin geht es um eine Idee, wie Fernsehinhalte in der Zukunft erfolgversprechend produziert und vermarkten werden könnte. Beim vor- und vorvorletzte Absatz fühle ich übrigens sehr mit. Das ist mir quasi aus der Seele gesprochen (siehe einleitende Worte).

– Ulli Lommel ist eine interessante Figur des Kinos. Fassbinder-Stammschauspieler, selber Regisseur des neuen deutschen Films, der mit „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ Beachtliches schuf, in Hollywood zumindest einen Kult-Horrorfilm drehte („Boogey Man“), mit „Daniel, der Zauberer“ die imdb von unten anführte und in letzter Zeit mit billigen direct-to-video Serienkillerfilmen seine Brötchen erwarb. Jetzt dreht er einen 3D-Film mit und über den „skandalösen“ Aktionskünstler Flatz. Mehr darüber auf Digitale Leinwand.

– Auf Eskalierende Träume weist das Hofbauer-Kommando auf das „B-Film Basterds“-Festival in Nürnberg hin. Abgesehen davon, dass Nürnberg immer eine Reise wert ist, klingt die ganze Sache auch sehr, sehr lecker. Ab und an habe ich beruflich in Nürnberg zu tun – vielleicht spendiert mir mein Chef im Mai ja mal eine Dienstreise). Teilweise war das Hofbauer-Kommando auch auf der Berlinale und kann aus seinem „besonderen“ Blickwinkel einige Filme empfehlen.

– Ein letztes Mal Berlinale. Lukas Foerster lässt auf Dirty Laundry noch einmal einige Filme Revue passieren und legt seinen Leser gleichzeitig auch sein Highlight der Filmfestspiele ans Herz: „Tokyo kazoku“ von Yoji Yamada.

-Ein Film, der bei mir auch schon länger auf der „Trau-Dich-Guck-Den“-Liste steht ist „Taxidermia“. Guggenheim bespricht ihn auf filmosophie.

– Vielleicht nervt es den einen oder anderen schon, dass ich an dieser Stelle immer in höchsten Tönen von Hard Sensations schwärme. Aber dieser Blog liegt mir in der Tat sehr am Herzen. Diesmal haben gleich vier Artikel meine höchste Aufmerksamkeit erregt. Bereits beim „Media Monday“ habe ich ja den Text von Alexander Plaum über die Inge Brandenburg-Doku „Sing, Inge, sing“ weiterempfohlen.Ebenfalls sehr lesenswert: Der Bericht von Alex Klotz über einen weiteren „merkwürdigen“ Animationsfilm von Bruno Sukrow, Joris Julius-Sabinus (ein neuer Name auf der Seite) schreibt fundiert über den eher unbekannteren Hammer-Film „The Witches“ und last, but not least hat Andreas Poletz den Film „Soul of a Monster“ von 1949 entdeckt.

– Auf hypnosemaschine bespricht Alex Klotz dann noch den japanischen Film „Ikiterumono wa inainoka“ von Sogo Ishii, der ihn ziemlich ratlos zurücklässt.

– Ein absolut großartiger Film wird auf L’Amore in città besprochen: „Autostop rosso sangue“ alias „Wenn Du krepierst – lebe ich“ von Pasquale Festa Campanile.

– Zur Zeit gibt es eine Gruppe von Filmemachern, die sich unter der Überschrift „Neues Deutsches Genrekino“ zusammengeschlossen haben, mit dem Ziel, in Deutschland einen neuen Genrefilm zu etablieren. Dazu will ich demnächst noch mal etwas schreiben. Bis dahin möchte ich aber schon mal sagen, dass ich mich sehr freuen würde, wenn man sich einmal auf altes Deutsches Genrekino zurückbesinnen würde. Wie grandios der mal war, kann man bei Mise on cinéma nachlesen. Dort wird nämlich Roland Klicks toller „Deadlock“ vorgestellt.

– Alexander Gajic schreibt in seinem Blog real virtuality darüber, wie die bekloppten und nichtssagenden deutschen Filmtitel entstehen.

– Einen sehr interessanten Text findet man auf screen/read. Dort werden relativ wissenschaftlich „White Zombie“ und „Night of the Living Dead“ miteinander verglichen. Besonders spannend ist dies sicherlich für Leute, die bei Florian Krautkrämers Zombie-Vortrag auf unserem letztjährigen Phantastival waren.

– Knisterende Erotik bei the-gaffer. Dort wird zunächst von vannorden „Basic Instinct“ analysiert und dann von luzifus noch drei aktuelle Veröffentlichungen von erotischen Filmen vorgestellt. U.a. der japanische „Wüstling“ von 1969.

– Noch einmal Sharon Stone auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. „The Specialist“, in dem sie zusammen mit Sylvester Stallone vor der Kamera stand, habe ich als ganz auf die beiden Hauptdarsteller zugeschnittenes Actionfilmchen, ohne großen Nährwert, in Erinnerung. David entdeckt hier aber auf Whoknows presents die wahren Qualitäten dieses, mittlerweile fast vergessenen, Films.

– Als ich anfing, mich intensiv für Filme zu interessieren, lief gerade ein Film als Wiederauführung in Bremer Kinos, der mich mit folgendem lockte: Roman von Ian Fleming, James-Bond-Regisseur Terence Young, tonnenweise Stars und Oddjob aus „Goldfinger“! Wenn ich mich nicht irre, war der auch prominent auf dem Plakat platziert. Gesehen habe ich den Film dann aber nie – und auch bis zum heutigen Tag mehr oder weniger vergessen. The Nolte hat mich aber auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte wieder an „Mohn ist auch eine Blume“ erinnert.

– Auch interessant: Auf Frag das Kino… werden zwei thematisch ähnliche, aber doch so ganz andere Filme (die ich zufälligerweise beide sehr mag) besprochen: „23“ von Hans-Christian Schmid und „The Social Network“ von David Fincher.

– Berlin, Berlin! Wir fahren… nein, nicht nach Berlin, sondern zum Magazin des Glücks, wo wieder einmal Berlin-Filme vorgestellt werden. Diesmal fünf Beispiele aus der Zeit des Nationalsozalismus.

– Zu guter Letzt: Ich bin noch nicht dazu gekommen, etwas über die erste digitale Ausgabe der „Splatting Image“ zu schreiben, darum verweise ich auf Themroc, der dies getan hat und wo man eigentlich auch nicht mehr viel hinzufügen braucht.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | 4 Kommentare

Originalfassungen in Bremen: 08.03.13 – 13.03.13

Als ich gesehen habe, wie viele O-Fassungen diese Woche laufen, schlugen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits war ich wirklich froh, so eine lange Liste zu haben (sogar die „Gondel“ ist wieder dabei!), andererseits habe ich gerade sehr wenig Zeit und da kann ich eigentlich so viel Arbeit gar nicht gebrauchen. Daher etwas später als gewohnt, die Übersicht. Da sollte eigentlich für wirklich jeden Geschmack etwas dabei sein.

Die fantastische Welt von Oz – Cinemaxx, So.-Sa. und Mi. immer um 19:45 – Sam Raimis Verfilmung der Vorgeschichte vom  „Zauberer von Oz“ – oder „Das zauberhafte Land“, wie der große Filmklassiker von 1939 bei uns heißt. Mit James Franco, Michelle Williams und Mila Kunis sind auch ein paar Jungstars der Indie-Szene dabei. In einigen Foren wird die seelenlose  Künstlichkeit der Bilder beklagt. Aber da sollte sich jeder selber ein Bild machen.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=g5NrOC8STTg[/youtube]

Hänsel und Gretel: Hexenjäger 3D – Cinemaxx, So., 10.03. um 20:20 – Und wieder eine Idee, die sich auf dem Papier so bescheuert anhört, dass sie schon wieder funktionieren könnte. Nach ihrer aus Grimms Märchen bekannten, ersten Begegnung mit der bösen Hexe, sind Hänsel und Gretel professionelle und sehr coole Hexenjäger geworden. Dann spielt noch die gute Famke Janssen mit und die Hexenjäger werden vom immer zuverlässigen Jeremy Renner und der schönen Gemma Arterton gegeben. Allein, wenn mich doch der Trailer etwas mehr überzeugen könnte hier kein ideenloses CGI-Schlachtfest von der Stange zu bekommen…

Django Unchained – Cinemaxx, Di. 12.3. um 19:40 – Meine Ultrakurzkritik: Hat mich über die volle Distanz sehr gut unterhalten. Ich war zwar nicht weggeblasen wie bei “Inglourious Basterds” oder “Kill Bill, Vol. 2“, aber die Zeit verging wie im Fluge und ich war überrascht als er “schon” zu Ende war. Schauspieler toll (besonders Samuel L. Jackson), Musik klasse, Anspielungen nett. Doch, mochte ich. Unbedingt im Original gucken!

Les Misérables – Cinemaxx, So., 10.03. um 19:30 –Aufwändige Verfilmung des Musicals basierend auf dem Roman von Victor Hugo. Regie führt Tom Hooper, der vorletztes Jahr den Regie-Oscar für “King’s Speech” ergattern konnte. Wer schon immer mal Hugh Jackman, Russell Crowe und Anne Hathaway singen hören wollte, ist hier goldrichtig.

Gelmeyen Bahar – Der Frühling ohne Dich – Cinemaxx, Fr.-Mi. immer 22:30 – Türkisches Liebesdrama um eine junge Frau, die zwangsverheiratet werden soll und dann online einen Mann kennenlernt, in den sie sich verliebt.

Kelebegin Rüyasi – The Butterfly’s Dream – Cinemaxx, Fr., 17:30 und So-Mi. um 17:30 – Türkische Liebestragödie vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs.

Romantik Komedi 2 – Die romantische Komödie 2 – Cinemaxx, Sa.+So. um 13:15 – Türkische Komödie über eine junge Frau, die verzweifelt auf den Heiratsantrag ihres Freundes wartet und diesem mit Hilfe eines Ratgebers auf die Sprünge helfen will.

Nachtzug nach Lissabon – Cinemaxx, Mo., 11.3. um 19:45 & Schauburg, So., 10.3. um 21:15 – Starbesetzte Bestseller-Verfilmung von Bille August („Das Geisterhaus„), der auf starbesetzte Bestseller-Verfilmungen spezialisiert ist. Mit Jeremy Irons und Martina Gedeck.

[youtube width=“630″ height=“324“]http://www.youtube.com/watch?v=NkIJ0f-IXLM[/youtube]

No! – Schauburg, Mi., 13.3. um 21:00 – Polit-Drama nach wahren Begebenheiten mit Gael García Bernal.  Um einen Werbefachmann, der 1988 in Chile eine Kampagne zum Sturz des Diktators Pinochet entwirft.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=veHCHhRx3Vk[/youtube]

Hyde Park am Hudson – Gondel, So., 10.03. um 20:45 – Bill Murray spielt US-Präsident Franklin D. Roosevelt, der 1939 das britische Königspaar George VI und Elizabeth (genau, das aus „“King’s Speech“) empfängt und einen Kulturschock der besonderen Art verpasst.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=7zvHmsxI4B4[/youtube]

Liebe – City 46, Sa./So./Di/Mi. immer 18:00 – Michael Hanekes großes Meisterwerk aus dem letzten Jahr. Goldene Palme in Cannes, Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Mit Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva.

Deaf Jam – City 46, So., 10.03., 20:30 – Video-Doku über die gehörlose Schülerin Aneta aus New York, deren Eltern aus Israel eingewandert sind. Sie trifft in der »Spoken Word Slam-Szene« auf die hörende Tahani, eine Slam-Poetin, die aus Palästina stammt.

Die große Illusion – City 46, Fr., 7.3. um 18:00 – Der große Kriegsfilmklassiker von Jean Renoir. Mit Erich von Stroheim und einem jungen Jean Gabin.

Fahrstuhl zum Schafott – City 46, Mi. 13.3.. um 20:00 – Noch ein großer Klassiker. Louis Malles Film noir mit der großartigen  Jeanne Moreau und der treibenden Musik von Miles Davis. Ein gnadenlos spannender, schlichtweg fantastischer Film.

It’s a Free World – City 46, Sa., So. und Di. Um 20:00 – Vom Altmeister des britischen Sozialdramas, Ken Loach. Zwei Freundinnen machen eine Arbeitsvermittlungsagentur auf und geraten zwischen die Fronten von Menschenhändlern, skrupellosen Unternehmen und ausgebeuteten Arbeitern.

Maelström – City 46, Fr. um 20:30 und Mo. um 18:00 – Kanadischer Spielfilm über eine wohlhabende  25-jährige, die tagsüber mehrere Boutiquen führt und nachts in den exklusivsten Clubs der Stadt feiert. Ihre  innere Leere füllt sie mit Alkohol und wilden Partys. Eines Tages verschuldet sie angetrunken einen Verkehrsunfall.

Rachels Weg. Aus dem Leben einer Sexarbeiterin – City 46, Mo. 11.3. um 20:30 –Australische Doku über eine Prostituierte, die als Kunden Menschen mit Behinderungen hat.

Zwillingsbrüder. 53 Szenen einer Kindheit – City 46, Mi., 13.3. um 20:30 – Schwedische Doku um ein Zwillingspaar. Gustav ist groß, Oskar dagegen kleinwüchsig.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 11.03. um 21:45

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 2 Kommentare

DVD-Rezension: „Die Koch Media Giallo-Collection Teil 1“

dvm001228d

Am 15. März wird es endlich soweit sein: Die „Koch Media Giallo-Collection Teil 1“, die bereits Mitte des letzten Jahres angekündigt war und danach immer wieder verschoben wurde, ist da. Sehr zur Freude der vielen Fans, die nun schon seit Monaten der Veröffentlichung entgegenfiebern. Immerhin steht der Name Koch Media nicht nur für eine feine Filmauswahl, sondern auch für eine hohe Qualität der Veröffentlichungen. Warum man hier allerdings den völlig unpassenden (und dazu noch reichlich dämlichen) Spruch „die ultimative Box der blutdürstigen Italiener“ auf das Cover (und die DVDs) geknallt hat, bleibt selbst den Fans in den diversen Filmforen ein Rätsel. Denn besonders blutrünstig ist keiner der drei hier vorliegenden Filme. Tatsächlich ist auch nur „Tödliches Erbe“ ein prototypischer Giallo. „Die Waffe, die Stunde, das Motiv“ würde ich eher als Krimi-Drama mit stark kirchenkritischen Untertönen bezeichnen und „Femina Ridens“ ist eine, als Pop-Art-Traum maskierte, Persiflage auf den immer währenden Kampf der Geschlechter. Alle drei Filme besitzen andere Qualitäten, als einen hohen und kunstvoll inszenierten Bodycount, wie er für die späteren Werke innerhalb des Giallo-Genres kennzeichnend war. So ist die „Giallo-Collection“ Einsteigern nur sehr bedingt zu empfehlen. Sie richtet sich mehr an Fans, die schon so einige Gialli gesehen haben, und nun auf der Suche nach neuem, noch unbekannten Stoff sind. Leider muss man bei dieser Veröffentlichung (für Koch Media eher untypisch) Abstriche in Punkto Bildqualität („Die Waffe, die Stunde, das Motiv“ liegt nur als Abtastung einer sichtbar stark gebrauchten 35mm Filmrolle vor) und vor allem Extras (da ist man ja gerade bei der „Western Unchained“-Reihe sehr verwöhnt worden) machen.

 

Weiterlesen

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Filmforum Bremen beim Media Monday #88

Wieder Montag. Hier die Fragen und meine Antworten (in fett) des aktuellen „Media Mondays„.

1. Bill Murray gefiel mir am besten in Rushmore.

2. Martin Scorsese hat mit „Mean Streets“ (Hexenkessel), knapp vor „Raging Bull“ (Wie ein wilder Stier) seine beste Regiearbeit abgelegt, weil ich lange hin und her überlegt habe. Ich mag Scorsese sehr gerne und würde vor allem „After Hours“ (Zeit nach Mitternacht) zu meinen Lieblingsfilmen zählen. Aber in „Mean Streets“ hat er noch so einen jugendlichen, wütenden Drive und eine Unmittelbarkeit, die ihm in seinen „perfekteren“ späteren Werken etwas verloren ging. 

3. Kate Beckinsale gefiel mir am besten in dem schwachen „Underworld“, aber auch nur wegen der Klamotten.

4. Die diesjährigen Oscar-Verleihungen habe ich nicht verfolgt, freue mich aber für das Team des tollen „Searching for Sugar Man“ für den Oscar für die beste Doku.

5. Den Hype um Joko & Claas kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, weil ich die beiden weder besonders anarchistisch, noch geistreich oder gar lustig finde.

6. Demnächst möchte ich ein gutes Buch sehen/lesen/o. ä., weil das bedeuten würde, dass ich dafür endlich mal wieder Zeit hätte.

7. Auf Hard Sensations habe ich in der letzten Woche einen tollen Artikel zu der Doku „Sing, Inge, sing! – Der zerbrochene Traum der Inge Brandenburg“ gelesen, der mich nicht nur auf den Film, sondern auch auf dessen lange vergessenen Gegenstand aufmerksam gemacht hat. Inge Brandenburg – eine interessante Frau und großartige Sängerin.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , | Schreib einen Kommentar

Western Unchained: “Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern” & “Der Mörder des Klans”

rocco

Tom Cooper (Jack Betts), genannt Rocco, leitet ein Institut, in dem er den Damen der feinen Gesellschaft das Schießen beibringt. Eines Tages erhält er Besuch von dem Detektiv Pinkerton, für den er in der Vergangenheit erfolgreich gearbeitet hat. Dieser bittet ihn, das Verschwinden eines Soldaten-Bataillons zu untersuchen. Zunächst lehnt Rocco ab, aber als Pinkerton vor seinen Augen erschossen wird, macht sich Rocco als naiver Arzt verkleidet auf, das Rätsel um das verschwundene Bataillon zu lösen. Sein Weg führt ihn dabei in die mysteriöse Stadt „Snake Valley“…

vlcsnap-00530vlcsnap-00536

Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern“, oder „Sugar Colt“, wie er im Original heißt, ist zunächst eher komödiantisch angelegt, ohne sich allerdings in die gleiche Sphären, wie die „Vier Fäuste“-Filme des Duos Spencer/Hill zu begeben. Obwohl die Geschichte um das verschwundene Regiment und die geheimnisvolle Western-Stadt Snake Valley sehr ernsthaft angelegt ist und auch nicht mit Leichen geizt, bezaubert doch der Amerikaner Jack Betts (hier unter dem Pseudonym Hunt Powers) in der Rolle des Rocco, der sich zunächst als kauziger Arzt ausgibt. In der ersten Hälfte kommt es dabei zu zahlreichen humorvollen Szenen, z.B. wenn der liebe, etwas weltfremd wirkende, Doktor in langen Unterhosen seine Widersacher zu einem klassischen Boxkampf auffordert, oder die Männer im Salon durch eine in den Kamin geworfene Droge Lachanfälle bekommen.

vlcsnap-00539vlcsnap-00541

Wenn Rocco aber seine Maske fallen lässt, zieht der Film seine Schrauben ordentlich an, und es ist erst einmal Schluss mit lustig. Gerade das Schicksal des verloren geglaubten Regiments wird sehr düster inszeniert. Und wenn die eingekerkerten Soldaten am Ende bleich und ausgemergelt auf ihren Peiniger zu torkeln, glaubt man sich in einen Zombiefilm versetzt. In der Rolle einer jungen Bardame, die sich in Rocco zunächst widerwillig, dann um so heftiger, verliebt, sieht man die wunderschöne Soledad Miranda, die später als Susan Korda die erotische Muse Jess Francos werden sollte und heute durch Filme wie „Vampyros Lesbos“ und „Sie tötete in Ekstase“ Kultstatus genießt. Umso merkwürdiger, dass Regisseur Franco Giraldi sie in den Extras als „wenig attraktiv“ und daher „perfekt für diese unerotische Rolle“ (!) bezeichnet.

vlcsnap-00551vlcsnap-00553

Der Amerikaner Jack Betts drehte unter dem Pseudonym „Hunt Powers“ nach „Rocco“ noch einige weitere Italo-Western, allerdings zumeist der billigen Sorte. Hier erinnert er irgendwie an eine Mischung aus jungem Boris Karloff (den er übrigens 1998 in dem Film „Gods and Monsters“ spielte) und Clark Gable. Manchmal allerdings auch an das spitzbübische Gesicht von Robbie Williams. Für den Rocco ist er auf jeden Fall die ideale Besetzung, und sowohl als kauziger Doc Cooper, wie auch eiskalter Revolverheld Rocco absolut glaubwürdig. „Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern“ hat weniger von einem typischen Italo-Western, als viel mehr von einem Krimi. Mit Rocco als schlitzohrigem Superdetektiv.

vlcsnap-00557vlcsnap-00561

„Rocco – der Mann mit den zwei Gesichtern“ enthält das umfangreichste Bonusmaterial der „Western Unchained“-Reihe. Im Featurette „Sugar Franco“ (14:23 Min.) hat Regisseur Franco Giraldi einige interessante Dinge über den Film zu erzählen. Weiter geht es mit dem aus anderen Extras schon bekannten Filmhistoriker Fabio Melelli der in  „Rocco der Rächer“ (10:32 Min.) den Film in das Genre einordnet, allerdings tauchen hier auch wieder die ebenfalls bekannten, völlig unzulänglichen Untertitel auf.   Höhepunkt ist ein langes Interview mit Jack Betts (39:24 Min.), der eine Menge Spannendes und Amüsantes über seine Karriere in Italien zu erzählen weiß.  Neben zwei Trailern beinhaltet die DVD auch zwei unterschiedliche deutsche Synchronisationen. Die BRD-Synchronfassung „Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern“ und die DDR-Synchronfassung „Kavallerie in Not“. “Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern“ lief ebenfalls 2007 in Venedig in der von Quentin Tarantino zusammengestellten Retrospektive.

 

mörder des klans

Nach einem Bankraub verschanzt sich die Bande von Dan Hogan (Klaus Kinski) in einem abgelegenen Gasthaus. Ebenfalls dort zu Gast ist ein Fremder namens John Webb (Paolo Casella), der der Bande anbietet, sie für die Hälfte des Goldes durch die Wüste zur mexikanischen Grenze zu führen. Widerwillig lässt sich der psychopathische Hogan darauf ein, obwohl er ahnt, dass der Fremde noch etwas anderes im Schilde führt…

vlcsnap-00629vlcsnap-00637

Der Mörder des Klans“ macht als deutscher Titel auf den ersten Blick nicht besonders viel Sinn. Zumal wenn man den wohlklingend Originaltitel „Prega il morto e ammazza il vivo“ (Töte die Lebenden und bete für die Toten) im Ohr hat. Tatsächlich hat der Titel aber seine Berechtigung, wenn man kurz vor Ende bei den Dialogen genau hinhört. Nur soviel sei verraten: Mörder des Klans ist niemand, der einen Klan umbringt, noch ein von einem Klan geschickter Mörder. Früher dachte ich aufgrund des Titels auch immer, dass es sich bei dem Film um einen Gangster- und keinen Westernfilm handeln würde. Aber hier kann ich Entwarnung geben, „Der Mörder des Klans“ ist ein lupenreiner Italo-Western, wobei er durch seine räumliche Limitierung – die erste Hälfte spielt in einer Ranch, die zweite in einer einsamen, sandigen Berglandschaft – mehr an ein Kammerspiel oder Theaterstück erinnert.

vlcsnap-00649vlcsnap-00645

Die Hauptrolle spielt Paolo Casella, der hier zeitweise etwas an Anthony Steffen erinnert und von diesem auch das eher ausdruckslose Spiel übernommen hat. An erster Stelle wird in der Besetzung aber Klaus Kinski genannt, und dieses vollkommen zu Recht.  Kaum hat Kinski die Szene betreten, reißt er augenblicklich den ganzen Film an sich. Jede freie Stelle der Leinwand füllt er mit seiner ungeheuren Präsenz und weiß auch genau, wie er – nur im Hintergrund stehend – den Blick des Zuschauers auf sich lenken kann. Neben ihm muss einfach jeder andere verblassen, so dominant drängt er sich ins Bild. In den Extras lässt sich Kameraassistent Claudio Morabito lange über Kinski und seine Marotten, seine Egozentrik und die kleinen Kniffe, wie er den anderen die Show stahl, aus. Die beiden waren gewiss keine Freunde. Anders der Kameramann Franco Villa, der für Kinski nur warme und lobende Worte hat. Und Franco Villa scheint von Kinski in der Tat sehr eingenommen gewesen zu sein. Die Kamera klebt förmlich an dessem Gesicht. Es ist beinahe so, als hätte Regisseur Guiseppe Vari gerufen: „Egal, was der Verrückte macht, bleib mit der Kamera drauf.“

vlcsnap-00656vlcsnap-00658

Mit ihren schrägen Winkeln, langsamen Zooms und stimmungsvollen Bildkompositionen, ist die exzellente Fotografie einer der großen Pluspunkte des Filmes. Obwohl die Story viel für ein psychologisches Drama , wie es z.B. der Gangsterfilm-Klassiker „Der versteinerte Wald“ (an den er manchmal erinnert) ist, hätte hergeben können, verhindert das löchrige Drehbuch größere Ambitionen. Manchmal wirkt es fast so, als ob beim Dreh Seiten aus dem Drehbuch verloren gegangen wären, denn häufig greift man sich an den Kopf und spult zurück, weil man glaubt, etwas verpasst zu haben. Hat man aber nicht. Die Handlung ist tatsächlich so lücken- und sprunghaft. Auch kann der Film sein geringes Budget nicht verleugnen. Für Fans eher ungewöhnlicher Italo-Western und Anhänger des Kinkischen Schauspielwahnsinns ist der Film aber trotzdem ein absolutes Muss.

vlcsnap-00663vlcsnap-00666

In der Featurette „Töte Kinski“ erzählen Kamerassistent Claudio Morabito und der mittlerweile leider verstorbene Kameramann Franco Villa von den Dreharbeiten. Claudio Morabito hat dabei einiges über die schwierige Arbeit mit Klaus Kinski zu berichten, mit dem er scheinbar gar nicht zurecht gekommen ist. Franco Villa relativiert dies dann wieder etwas. In „Töte die Lebenden und bete für die Toten“ kommt ein letztes Mal Filmhistoriker Fabio Melelli zu Wort. Quentin Tarantino mochte den Film so sehr, dass er auf seiner Top20-Liste auf den 16. Rang kam.

Damit ist die „Western Unchained“-Reihe aus dem Hause Koch – und mein Rezensions-Marathon – nun abgeschlossen. Ich werde mich jetzt mal einem anderen italienischen Genre zuwenden und etwas über die die „Giallo Box“ aus dem gleichen Hause schreiben.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Western Unchained: “Eine Pistole für Ringo” & “Ringo kommt zurück”

pistole ringo

Ringo (Giuliano Gemma) – genannt „Engelsgesicht“ – gerät im Grenzgebiet von Mexiko durch seine locker sitzende Pistole immer wieder in Schwierigkeiten und letztendlich hinter Gitter. Als mexikanische Banditen unter Führung von Sancho (Fernando Sancho) die Bank der Stadt ausrauben und sich anschließend auf der Ranch von Major Clyde (Antonio Casas) verschanzen, bittet der Sheriff Ringo um Hilfe. Dieser soll sich unbewaffnet bei der Bande einschleichen und die Geiseln befreien. Seine Belohnung: Eine dicke Prämie und die Freiheit. Ringo gelingt es, das Vertrauen Sanchos zu gewinnen, doch „Engelsgesicht“ scheint ein doppeltes Spiel zu treiben.

vlcsnap-00002vlcsnap-00003

Duccio Tessari gehört zu den, der breiteren Masse eher unbekannteren Italo-Regisseuren. Ziemlich zu Unrecht, denn in vielen Genres hat er immer wieder mindestens solides Handwerk, häufig aber sogar weit mehr abgeliefert. Sei es jetzt im Giallo („Blutspur im Park„, „Der Mann ohne Gedächtnis„), Gangsterfilm („Der Bastard„) oder eben Italo-Western. Dort drehte er mit seinen beiden „Ringo“-Filmen gleich zwei überaus erfolgreiche Filme, die heute zu Recht zu den Klassikern des Genres zählen. Tatsächlich war „Eine Pistole für Ringo“ so populär, dass der Name „Ringo“ erst einmal bei einigen anderen Italo-Western recycelt wurde, und wenn es auch nur auf dem deutschen Filmplakat war. Zumindest bis Herr Corbucci einen gewissen Django durch den Schlamm jagte.

vlcsnap-00021vlcsnap-00009

Das wunderschöne, von Ennio Morricone komponierte und von Maurizio Graf geschmetterte, Titellied erzählt, dass „Ringo had an Angel Face“. Und das trifft es sehr gut, denn er wird von dem blutjungen, blond gefärbten Giuliano Gemma gespielt. Dessen unschuldig wirkendes Gesicht hat tatsächlich etwas Engelhaftes. Hier muss sich Gemma noch als „Montgomery Wood“ ausgeben, was aber nicht lange dauerte. Ab dem übernächsten Film durfte er unter eigenem Namen über die Prärie galoppieren. Gemma war vor seiner Schauspielkarriere Stuntman, was ihm in diesem Film des Öfteren zugutekommt, wenn er z.B. vom dahin preschenden Pferd abspringt oder bei Kämpfen tolldreiste Salti schlägt. Tessari fordert seinem Lieblingsdarsteller (die beiden sollten noch 8 weitere Filme zusammen drehen) das Äußerste an athletischen Turnübungen ab.

vlcsnap-00012vlcsnap-00028

Neben Gemma gibt es eine Reihe weiterer beliebter und gern gesehener Darsteller aus der zweiten (Fernando Sanchez, die wunderschöne Nieves Navarro alias Susan Scott) oder dritten Reihe (Nazzareno Zamperla, José Manuel Martín). Als Sheriff besetzt Tessari George Martin in einer kleineren Rolle. Martin sollte dann später, in weitaus billigeren Western, noch zu Hauptrollen kommen. Dem Zuschauer wird einiges geboten: Die Pistolen sind fast niemals still. Ständig kommt es zu größeren oder kleinere Schießereien, oder es wird sich geprügelt. Mittendrin: Giuliano Gemma, der sowohl mit den Fäusten, als auch der Pistole eine sehr gute Figur abgibt, was ihn nach diesem Film sofort in die A-Liga der italienischen Stars katapultierte.

vlcsnap-00029vlcsnap-00033

Auch die Geschichte, die an Filme wie „An einem Tag wie jeder andere“ erinnert, ist zügig und spannend inszeniert. Und tatsächlich fragt man sich mehr als einmal, wie es um Ringos Loyalität bestellt ist. Zudem werden die Nebenfiguren, wie z.B. der alte Major, lebendig gezeichnet und dienen nicht nur als Staffage. Rundum gute Unterhaltung, der bald mit den gleichen Schauspielern ein gänzlich anderer „Ringo“ folgen sollte.

Auf Tarantinos Top-20-Italo-Western nimmt „Eine Pistole für Ringo“ den 12. Rang ein. Das Bild der DVD ist recht gut. Als Extra gibt es eine 21-minütige Doku namens „They Called Him Ringo“. Hier kommen Hauptdarstellerin Lorella de Luca – die mit Regisseur Ducci Tessari verheiratet war und daher viel über ihn berichten kann -, sowie Hauptdarsteller Giuliano Gemma zu Wort. Gemma erzählt dabei vor allem von den Anfängen seiner Filmkarriere.

 

ringo zurück

Juni 1865: Hauptmann Montgomery Brown, genannt Ringo (Giuliano Gemma), will zwei Monate nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs in sein Heimatdorf nahe der mexikanischen Grenze zurückkehren. Doch dort hat eine mexikanische Bande unter der Führung der Brüder Paco (George Martin) und Esteban (Fernando Sancho) Fuentes eine Terrorherrschaft errichtet. Ringo erfährt, dass seine Frau Helen nun mit Paco Fuentes zusammenlebt und diesen heiraten soll. Daraufhin verkleidet er sich als mexikanischer Tagelöhner und bereitet seine Rache vor..

vlcsnap-00036vlcsnap-00038

Noch im selben Jahr wie „Eine Pistole für Ringo“, erschien die Fortsetzung „Ringo kommt zurück“. Wobei der Begriff „Fortsetzung“ hier nicht ganz passt. Zwar hat Duccio Tessari die komplette Besetzung seines Erfolgsfilmes, bis hin zu den Nebendarsteller, wieder zusammengetrommelt, aber sie alle spielen hier gänzlich andere Rollen. Auch der Titelheld „Ringo“ ist nicht mit dem „Angel Face“ aus Teil 1 identisch. Scheinbar wurde das „Ringo“-Prädikat auch erst später auf den Film gepappt, denn aus Ringo genannt „Engelsgesicht“ wurde Montgomery Brown genannt „Ringo“. Wobei letzteres immer etwas angestrengt als Anhängsel nachgeschoben wird. Ursprünglich sollte der Film auch „Die Odyssee der langen Gewehre“ heißen, was ein weitaus passenderer Titel gewesen wäre. Denn bei der Odyssee bedienen sich die Drehbuchautoren Tessari und der spätere Kult-Regisseur Fernando di Leo mehr als deutlich. Genaugenommen der Rückkehr des Odysseus. Aus dem Trojanischen Krieg wurde dabei der amerikanische Bürgerkrieg; aus den Freiern, die um Penelope buhlen, der Bandit Paco Fuentes und statt als Bettler, verkleidet sich der Held als mexikanischer Tagelöhner.

vlcsnap-00039vlcsnap-00044

Auch der leichte Ton des actiongeladenen Vorgängers wurde geändert. „Ringo kommt zurück“ ist düster und melancholisch, besitzt sehr viel mehr Pathos – den Gemma mehr schlecht als recht durch übertriebenes Augen aufreißen darzustellen versucht – und ist ruhiger, mit einem Fokus auf dichte Stimmung, inszeniert. Während in „Eine Pistole für Ringo“ die Musik, bis auf das großartige Titellied, eine eher untergeordnete Rolle spielt, so greift Tessari hier in die Vollen. Er wird dabei kongenial von Ennio Morricone unterstützt, der einen abwechslungsreichen und emotionalen Soundtrack komponiert hat. Die Szene, in der Ringo das erste Mal seine Tochter sieht, wird beispielsweise mit einem gar Orffschen Klang-Gewitter begleitet. Wenn er, in einer der schönsten Szenen des Filmes, seiner Frau, die ihn für tot hielt, gegenübersteht, wird das Titelstück auf eine ergreifende Weise als traurig-pathetische Untermalung genutzt.

vlcsnap-00046vlcsnap-00048

Auch die Ausleuchtung, Bildkomposition und Kameraführung ist ambitionierter als in „Eine Pistole für Ringo“. Tessari war sichtlich daran interessiert, eine stimmungsvolle Tragödie zu erschaffen, die mehr als ein reiner Unterhaltungsfilm sein soll. Man denke nur an ikonische Szenen, wie die vom Sandsturm umtoste Silhouette Ringos in der Kirchentür erscheint, um das Finale einzuläuten. Oder die Begegnung zwischen Ringo und seiner Frau in einem nur von einer schwachen Lampe beleuchteten Raum. Später sitzen sie sich dann im stimmungsvollen Gegenlicht einander gegenüber. Oder man denke an Ringos psychedelisch angehauchten Gang, vorbei an verschiedenfarbigen Fenstern.

vlcsnap-00050vlcsnap-00054

Hinzu kommen sehr starke Darstellerleistungen. Antonio Casas gibt statt des Gentleman der alten Schule diesmal den trunksüchtigen Sheriff; Manuel „Pajarito“ Muñiz gelingt es, seinen doch eher komischen Charakter Miosotis mit echtem Leben zu füllen, statt ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. So gehört die für mich beste Szene des Filmes gerade diesen beiden Figuren, wenn sie gemeinsam in das finale Shoot-Out mit den Banditen ziehen und Muñiz Casas ein Gewehr zuwirft. Profis, die keiner Worte bedürfen und wissen, was zu tun ist. Fast fühlt man sich wie bei Howard Hawks. Mir gefällt der Gedanke, „Ringo kommt zurück“ wäre eine alternative Welt zu „Eine Pistole für Ringo“, in der einfach einige Sachen anders gelaufen sind, aber die Charaktere sich irgendwie an die Welt aus „Eine Pistole für Ringo“ erinnern. Warum sonst entwickelt Susan Scott plötzlich eine Sympathie für Casas, in den sie sich ja in dem anderen Film verliebt hatte. Warum sonst besteht George Martin so bedingungslos darauf, Lorella de Luca zu heiraten, die im Vorgänger seine Verlobte war? Warum nimmt Muñiz Ringo ohne zu fragen bei sich auf und hilft ihm, wie er ihm schon zuvor geholfen hat? Und verwandelt sich nicht auch Ringo zurück in das „Engelsgesicht“? Laut dem für ihn errichteten Grabstein müsste er 50 Jahre alt sein und wird zu Beginn auch mit weißen Haaren gezeigt. Am Ende ist er dann braunhaarig und wirkt keinen Tag älter als der Ringo, der eine Pistole brauchte. Auch das freche Grinsen ist zurück. Von daher passt der Titel „Ringo kommt zurück“ dann wohl doch sehr gut.

vlcsnap-00059vlcsnap-00058

Quentin Tarantino hat diesem Film auf seiner Liste den Platz Nummer 10 gegeben. Das Bild der DVD ist für das Alter gut. Im Bonusmaterial befindet sich die Doku „A Western Greek Tragedy” (25:27 Minuten), in der wieder Tessaris Ehefrau und Hauptdarstellerin Lorella de Luca zu Wort, sowie Kamerassistent Sergio D’Offizi zu Wort kommen. Beide erzählen informativ von den Dreharbeiten.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Western Unchained: “Yankee” & “Der Tod zählt keine Dollar”

dvm001369d

Ein, von allen nur „Yankee“ genannter, Revolverheld (Philippe Leroy) legt sich an der mexikanischen Grenze mit dem gefürchteten Concho (Adolfo Celi) an. Er macht dem Banditenboss den Vorschlag, dass dieser ihm seine Bande ausliefern solle und sie sich das Kopfgeld teilen. Natürlich geht Concho nicht darauf ein und muss bald erleben, wie der „Yankee“ seine Bande empfindlich dezimiert. Das schreit natürlich nach Rache.

vlcsnap-00456vlcsnap-00450

Philipp Leroy ist eine etwas seltsame Wahl für die Hauptrolle in einem Italo-Western. Ähnlich wie Humphrey Bogart oder James Cagney ist er zwar toll in Gangsterfilmen, wirkt aber in einer Western-Umgebung in erster Linie verkleidet und damit fehl am Platz. In dem vorliegenden Fall kommt noch erschwerend hinzu, dass seine Figur nicht stringent gezeichnet ist. Anfangs als geheimnisvoller Fremder etabliert, der unter der Krempe seines Cowboy-Hutes kaum zu sehen ist, später erinnert er dann eher an die schlitzohrigen, athletischen Helden, die Errol Flynn oder Douglas Fairbanks verkörperten.

vlcsnap-00454vlcsnap-00460

Für Regisseur Tinto Brass sollte „Yankee“ der einzige Western seiner Karriere bleiben, die er mit seinen Pop-Art-Comic-Dramen, wie dem unmittelbar nach „Yankee“ entstandenen „Ich bin wie ich bin“, zu einem ersten Höhepunkt führte. Später wurde er mit seinen freizügigen Epen wie „Salon Kitty“ und vor allem „Caligula“ (den ich immer gerne als den „Citzen Kane des Sleaze-Films“ bezeichne) berühmt-berüchtigt, bevor er sich dann ab Mitte der 80er ganz auf den Erotikbereich festlegte. Allgemein wird Brass häufig mit dem großen Russ Meyer (dessen einziger Western eine burleske Parodie war) verglichen. Von Meyer übernahm er u.a. die blitzschnellen Schnitte auf Detailaufnahmen, die dem Film eine an Musikvideos erinnernde Dynamik geben. „Yankee“ kann also durchaus als eine erste Fingerübung für die Dinge, die da noch kommen sollten, angesehen werden. In „Ich bin wie ich bin“ wird er diese Technik dann bis zum Exzess verwenden. Auch spielt Brass in „Yankee“ bereits ausgiebig mit Farbe und Licht, was er später ebenfalls perfektionieren sollte.

vlcsnap-00464vlcsnap-00455

Leider ist „Yankee“ aber tatsächlich nur eine erste Vorstudie späterer Brass-Werke, denn den überwiegenden Teil der Spielzeit über inszeniert Brass seinen „Yankee“ doch eher konventionell. Die Geschichte gibt auch nicht so viel her, sondern wirkt wie ein langgezogener Showdown. Es geht mal hier-, mal dorthin, was zwar nie langweilig ist, aber auch keine besondere Tiefe oder Dramatik entwickelt. Adolfo Celi gibt inbrünstig den Fernando-Sancho-Ersatz, wirkt dabei aber nicht so, als ob er das Ganze sonderlich ernst nehmen würde. Interessant wie wenig Brass aus der weiblichen Hauptrolle macht. Das pralle Dekolleté einer Saloon-Dame ist weitaus liebevoller in Szene gesetzt, als Mirella Martin, die Conchos Geliebte spielt. „Yankee“ zählt zwar nicht unbedingt zu den Höhepunkten des Italo-Westerns, hat aber auch einige schöne und einfallsreich inszenierte Szenen. In erster Linie dürfte der Film vor allem für Tinto-Brass-Fan als frühe Fingerübung des Meisters interessant sein.

vlcsnap-00463vlcsnap-00462

„Yankee“ lief 2007 in Venedig in der von Quentin Tarantino zusammengestellten Retrospektive. Die Bildqualität ist gut bis sehr gut und die Farben kräftig. Der Ton liegt auf Deutsch und Italienisch vor, mit deutschen und englischen Untertiteln. Das Bonus-Material ist enttäuschend, insbesondere, wenn man sich die üppige Ausstattung der anderen „Western Unchained“-Veröffentlichungen ansieht. Es finden sich hier gerade einmal ein deutscher und ein italienischer Trailer, und eine Bilder-Galerie. „Yankee“ ist ein Repack der zweiten Scheibe aus der 2007 gestarteten „Western Collection“ von Koch.

 

tod zählt

Major White, ein einflussreicher Bürger des Ortes Owell Rock, wird von Doc Lester und seiner Bande getötet. Fünfzehn Jahre später kommt sein Sohn Lawrence White zurück in den Ort, um herauszufinden, was damals geschah. Zur gleichen Zeit erscheint auch der geheimnisvolle Harry Boyd auf der Bildfläche. Dieser tut sich mit der Bande von Doc Lester zusammen und wird von diesem beauftragt, Lawrence White einige Morde anzuhängen, und ihn entweder gefangen zu nehmen oder zu töten.

vlcsnap-00566vlcsnap-00563

Der Tod zählt keine Dollar“ ist der einzige Western des großen Riccardo Freda, der nicht nur für den ersten klassischen Horrorfilm Italiens verantwortlich ist („Der Vampir von Notre Dame„), sondern auch Lehrmeister des legendären Mario Bava war. Ferner drehte er in den 60er Jahren einige der schönsten Gothic-Horror-Schauermärchen aus Italien. Wie sein Schüler Bava, scheint Freda vom amerikanischen und weniger vom italienischen Western beeinflusst zu sein. Sein „Der Tod zählt keine Dollar“ fühlt sich sehr viel amerikanischer und bodenständiger an, als vergleichbare Italo-Western aus dieser Zeit.

vlcsnap-00571vlcsnap-00574

Wobei man andererseits aber auch deutlich Fredas Herkunft vom klassischen Euro-Horror und sein hervorragendes Auge für eine stimmungsvolle Inszenierung erkennt. Einige Szenen wirken wie aus einem Bava-Film. Sei es aufgrund einer intensiven Farbgebung und dem Spiel mit Licht und Schatten, oder weil man vom Killer nur seine schwarze Lederjacke (an Stelle der klassischen schwarzen Lederhandschuhe) sieht, wenn er des nächtens bei den Bösen einbricht. Was für diese dann auch meistens mit einem pittoresken Tod endet.

vlcsnap-00588vlcsnap-00581

Die Story erlaubt sich ungefähr in der Mitte einen gehörigen Twist, welcher einen zunächst extrem verwirrt, weil mal glaubt, die deutsche Synchronisation hätte einen groben Fehler gemacht. Dies klärt sich aber schnell auf. Mit Mark Damon und Stephen Forsyth wurden zwei Amerikaner in der Hauptrolle gecastet, die sich sehr gut ergänzen. Der steife Forsyth passt hervorragend zu dem scherzenden, agilen Damon, der – wie eigentlich in allen seinen Italo-Western – durch zu stark aufgetragenes Make-Up irritiert. In Nebenrollen erfreuen beliebte Chargen aus der zweiten Reihe den Zuschauer. Wie der unvergleichliche Nello Pazzifino und der „italienische Peter Lorre“ Luciano Pigozzi alias Allan Collins. „Der Tod zählt keine Dollar“ ist ein sehr solider Western, der zwischen amerikanischen B-Western und italienischem Gothic-Horror pendelt, wobei der amerikanische Anteil, nicht nur durch die beiden Hauptdarsteller, ungleich größer ist.

vlcsnap-00576vlcsnap-00590

Auch „Der Tod zählt keine Dollars“ lief 2007 auf der Retrospektive in Venedig. Das Bild der DVD schwächelt am Anfang leicht, stabilisiert sich dann aber auf gutem Niveau. Zu den Extras: In „Nora zählt keine Dollar“ (17 Minuten) wird Filmmusikkomponistin Nora Orlandi interviewt. Dabei geht es nicht nur um die Musik zu „Tod zählt keine Dollars“, sondern auch ihre Rolle als eine der wenigen weiblichen Filmkomponisten und ihre Art zu komponieren. In „Johnny Dollar“ kommt Filmhistoriker Fabio Melelli zu Wort, doch seine Ausführungen werden wieder durch sinnentstellende und zum Teil einfach vollkommen falsche Untertitel sabotiert.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Western Unchained: „Navajo Joe“ & „Tepepa“

navajojoe

Die Bande des Banditen Duncan (Aldo Sambrell) ermordet wahllos Indianer und verkauft ihre Skalps. Als sie das Dorf des jungen Indianers Joe (Burt Reynolds) niedermachen, setzt sich dieser auf ihre Fährte, um blutige Rache zu üben. Als die Banditen einen Zug überfallen und eine halbe Million Dollar stehlen, nimmt Joe ihnen die Beute ab und bringt das Geld zu seinem Bestimmungsort, eine abgelegene Stadt am Rande der Zivilisation. Dort bietet er den Einwohnern an, sie gegen die Banditen zu verteidigen. Obwohl diese dem Indianer nicht trauen und mit offener Feindseligkeit entgegentreten, sind sie doch bald gezwungen, Joes Angebot anzunehmen…

vlcsnap-00467vlcsnap-00473

Burt Reynolds bezeichnet „Navajo Joe“ als den schlechtesten Film, den er je gemacht hat. Er würde wohl nur in Gefängnissen und auf Schiffen gezeigt werden, weil dort niemand weglaufen könne. Wie Reynolds zu diesem Urteil kommt, lässt sich nur vermuten. Scheinbar hatte er bei der Annahme der Hauptrolle geglaubt, Sergio Corbucci wäre mit Sergio Leone identisch und war deshalb enttäuscht. Möglicherweise waren auch die Dreharbeiten kein Zuckerschlecken. Wenn man die Stunts sieht, die Reynolds offensichtlich selbst ausführt, dann kann man sich gut vorstellen, dass die Dreharbeiten für den Amerikaner sehr anstrengend und auch schmerzhaft waren.

vlcsnap-00479vlcsnap-00487

Natürlich ist „Navajo Joe“ kein schlechter Film. Sicherlich nicht Corbuccis Bester, aber gut, harte Unterhaltung. Reynolds sieht als Indianer Joe in der Tat etwas merkwürdig aus, was an dem übertriebenen Make-Up und der unpassend-albernen Perücke liegt. Zudem merkt man ihm an, dass er nicht mit dem Herzen dabei ist. So wird ihm die Show dann auch von dem großartigen Aldo Sambrell gestohlen, der sich mit Leib und Seele in die Rolle des bösen Halbbluts Duncan wirft. Die Actionszenen sind – wie immer bei Corbucci – sehr solide umgesetzt, und mit der Gewalt wird auch nicht gerade zimperlich umgegangen, was „Navajo Joe“ ein FSK 18 einbrachte.

vlcsnap-00497vlcsnap-00499

Der heimliche Star des Filmes ist Ennio Morricones Musik, die er unter dem Pseudonym Leo Nichols beigesteuert hat. Das Titelthema ist schlichtweg himmlisch und das unvergessliche Hauptthema fand auch prominent in Tarantions „Kill Bill“-Saga und Alexander Paynes „Election“ Verwendung. „Navajo Joe“ ist für Fans des Genres definitiv ein Must-See, auch wenn der Film nicht ganz an die großen Glanztaten seines Regisseurs heranreicht.

vlcsnap-00484vlcsnap-00485

Auch „Navajo Joe“ (Nummer 9 auf Tarantinos Top 20 Liste) ist ein Repack. Als Extras ist, wie bei der Erstveröffentlichung, das 11-minütige Featurette „On Behalf of American Indians“ an Bord, in dem Filmkritiker Antonio Bruschini das Werk bespricht. Die etwa 30-minütige Doku „An Indian Named Joe“ besteht aus Interviews mit Rugero Deodato (der hier als Regieassistent tätig war), Sergio Corbuccis Frau Nori und der Schauspielerin Nicoletta Machiavelli. Wie bei „Mercenario“ gibt es auch hier einen Vergleich der Drehorte gestern und heute (6 Minuten). Das Bild könnte etwas schärfer sein, ist aber sonst absolut in Ordnung. Der Ton liegt wieder auf Deutsch, Italienisch und Englisch vor. „Navajo Joe“ ist auch auf BluRay erschienen.

 

tepepa

Mexiko zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der ehemalige Revolutionär, Jesus Maria Moran (Tomas Milian), genannt Tepepa, steht bereits vor dem Exekutionskommando des Oberst Cascorro (Orson Welles), da rettet ihm der Engländer Dr. Henry Price (John Steiner) das Leben. Doch dies tut dieser nicht aus Selbstlosigkeit, sondern weil er in Tepepa den Mann vermutet, der am Tod seiner Verlobten Schuld ist. Und diesen will er eigenhändig umbringen. Doch Tepepa gelingt es immer wieder, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Enttäuscht von einer Revolution, die den Armen des Landes nichts eingebracht hat, sammelt Tepepa seine Männer um sich und beginnt erneut, gegen die Armee zu kämpfen…

vlcsnap-00601vlcsnap-00593

Tepepa“ ist eine ideale Ergänzung zu „Mercenario“. Der Film ist ebenfalls ein Revolutions-Western, Giulio Petroni geht aber weitaus ernster und weniger episodenhaft als Corbucci zur Sache. Diesmal schlüpft wieder Tomas Milian in eine Rolle, die er so oder in ähnlicher Form, oft verkörperte. Der ungebildete Bauer, der in die Wirren der Revolution geworfen wird. Hier spielt Milian aber weitaus ernsthafter als z.B. in „Zwei Companeros“. Sein Tepepa weiß, was er will, und er versteht, was Revolution ist. Zwar lässt auch er, wenn er die Möglichkeit erhält, keine Gelegenheit vorübergehen, sich selbst etwas Gutes zu tun, aber generell hat er in erster Linie das Wohl seiner Leute und den Kampf für soziale Gerechtigkeit im Sinn. Dabei spielt Milian weitaus weniger „krakelig“, als man es von ihm in solchen Rollen gewohnt ist.

vlcsnap-00604vlcsnap-00598

Auch der Humor hält sich in Grenzen. Nur über Milians eigenwillige Art, seinen Sombrero zu tragen, sollte man besser hinwegsehen. Dadurch wirkt die Figur alberner, als sie eigentlich angelegt ist. Auch in Tepepa taucht wieder ein Gringo auf, der das für ihn exotische Geschehen mit kühlen, westlichen Augen sieht. Der junge John Steiner erinnert hier vom Aussehen noch stark an Peter O’Toole zu Lawrence-von-Arabien-Zeiten. Seine Rolle ist aber etwas verschenkt. Zwar wird ihm eine Rachegeschichte untergeschoben, viel zur Handlung trägt er allerdings nicht bei. Hier und da darf er Tepepa retten oder sich die ganze Geschichte aus der Distanz ansehen, aber bis auf das Ende ist sein Dr. Price eigentlich unwichtig, wenn auch nicht störend.

vlcsnap-00616vlcsnap-00627

Aber wie Franco Nero als Kowalski in „Mercenario“ oder Gian Maria Volonté in „Von Angesicht zu Angesicht“ ist er mal wieder ein „Kapitalist“, der sich nur in Mexiko aufhält und bei der Revolution lediglich mitmischt, weil er einen eigenen Vorteil sucht. Wenn auch hier keinen monetären, sondern die Befriedigung seiner Rache. Milians Figur Tepepa ist sehr vielschichtig angelegt. Obwohl Held der Geschichte, und damit eigentlich Sympathieträger, erlaubt er sich einige folgenschwere Fehltritte und Grausamkeiten, die man zwar objektiv nachvollziehen kann, einen aber trotzdem erschüttern. Auch seine Einstellung Frauen gegenüber spricht nicht dafür, dass er tatsächlich alle Menschen als gleichwertig ansieht. Doch genau diese Widersprüche machen ihn interessant.

vlcsnap-00612vlcsnap-00614

Als Antagonist wurde der große Orson Welles verpflichtet, der seinen Stiefel routiniert runter spielt, aber merklich wenig mit dem Herzen involviert ist. Im Vergleich zu „Mercenario“ ist Tepepa der ruhigere und auch ernsthaftere Film. Der Zynismus eines Corbucci geht Giulio Petroni völlig ab, vielmehr meint man eine gewisse Melancholie zu verspüren, dass die Armen am Ende immer die Betrogenen sind und sich an den herrschenden Verhältnissen nichts ändert, sondern nur die Köpfe oben ausgetauscht werden.

vlcsnap-00608vlcsnap-00626

„Tepepa“ ist nun erstmals in Deutschland auf DVD veröffentlicht worden. Auf der Tarantino Liste steht er auf Platz 17. Im Kino und auf VHS war der Film bisher immer massiv gekürzt. Überhaupt war es bisher sehr schwierig, den Film überhaupt einmal ungeschnitten zu sehen zu bekommen, da auch die internationalen Veröffentlichungen gekürzt waren. Hier nun liegt er erstmals in voller Länge vor, worauf Regisseur Giulio Petroni direkt nach dem Start der DVD mit einem kurzen Grußwort aufmerksam macht. Giulio Petroni hat für diese Veröffentlichung auch einen Audiokommentar eingesprochen. Die 30-minütige Doku „Freude und Revolution“ besteht aus einem Interview mit Regisseur Giulio Petroni und einem Audiointerview mit Tomás Milian. Milian macht in seinem Part allerdings einen ausgesprochen selbstverliebten Eindruck, was sich aber auch mit den Schilderungen Petronis deckt. Von der dreiminütigen entfallenen Szene ist kein Ton mehr enthalten. Sie wird von Petroni kommentiert. Der alternative Vorspann und zwei Trailer zum Film runden die Extras ab. Das Bild ist sehr gut, der Ton wieder auf Deutsch, Italienisch und Englisch dabei. Leider „jault“ der deutsche Ton etwas. Was man zwar in den Dialogen nicht bemerkt, was aber bei Morricones grandioser Musik auffällt. Eine BluRay ist auch erschienen.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Western Unchained: „Die Zeit der Geier“ & „Mercenario – Der Gefürchtete“

zeit der geier

Kitosch (George Hilton) arbeitet auf der Farm des Großgrundbesitzers Don Jaime Mendoza (Eduardo Fajardo). Hier sorgt er mit amourösen Ausschweifungen besonders bei den Ehefrauen seiner Kollegen für Unruhe. Als er eines Tages mit der Frau von Don Mendoza erwischt wird, flüchtet er von der Ranch. Doch Don Mendoza hetzt den Sheriff auf Kitosch und so landet er im Gefängnis. Hier wird er von dem berüchtigten „Schwarzen Tracy“ (Frank Wolff) befreit. Die beiden bilden schon bald ein Team. Tracy ist hinter einem ehemaligen Freund her, der ihn einst an den Sheriff ausgeliefert hat. Auf der Suche nach dem Verräter erkennt Kitosch immer mehr, mit was für einem gefährlichen Mann er da unterwegs ist…

vlcsnap-00146vlcsnap-00147

Die Zeit der Geier“ lockt den Zuschauer zunächst auf eine falsche Fährte. Der Film beginnt mit einer fröhlichen Prügelei und führt den vom Uruguayer George Hilton gespielten Kitosch als Schürzenjäger und unbekümmerten Hallodri ein. Das passt auch gut zu Regisseur Nando Cicero, der in den 70ern fast ausnahmslos Komödien drehte. Hilton verkörpert hier zunächst einen jugendlichen Draufgänger, so dass man sich in dieser Rolle auch sehr Giuliano Gemma vorstellen könnte.

vlcsnap-00152vlcsnap-00204

Doch bald schon ändert sich die Stimmung des Filmes. Bereits am Anfang, wenn Kitosch gebrandmarkt wird und später von den Männern seines Arbeitgebers (Eduardo Fajardo in einer für ihn typischen Rolle) verfolgt und bedroht wird, schwingt eine raue Brutalität mit, die so gar nicht zu dem Anfang passen will. Ganz finster wird es, wenn der von Frank Wolff bravourös gespielte „Schwarze Tracy“ auf einer Totengräberkutsche und Sarg auftaucht. Frank Wolff spielte in der Regel gutmütige – wenn auch manchmal etwas korrupte – Charaktere. Als Bösewicht sah man ihn eher selten. Vielleicht hat er nur darauf gewartet, seine dunkle Seite zeigen zu können. Hier lässt er den Zuschauer schon recht bald erschauern. Obwohl er bereits in der ersten Szene keine Skrupel zeigt, zahlreiche Ordnungshüter über den Haufen zu schießen, so glaubt man zunächst daran, dass sich zwischen ihm und Hilton so etwas, wie eine Vater-Sohn- oder zumindest Großer-Bruder/Kleiner-Bruder-Beziehung entwickeln könnte. So wie zwischen Lee van Cleef und Giuliano Gemma in „Der Tod ritt dienstags“. Das tut es auch, aber anders als geglaubt.

vlcsnap-00212vlcsnap-00214

Tracy ist ein Psychopath und Sadist, der in seiner Mordlust weder vor unbewaffneten Bürgern, noch wehrlosen Frauen zurückschreckt. Er mordet und quält mit einer Leidenschaft, die ihn – neben Kinskis Loco in „Leichen pflastern seinen Weg“ – zu einer der erschreckensten Figuren in der Geschichte des Italo-Western werden lässt. Wie Hilton mehr und mehr in seinen Bann gerät und mit der Zeit alle Skrupel verliert, ist spannend und in dreckigen, rauen Bildern erzählt. Die Fotografie von „Zeit der Geier“ besitzt keinerlei Eleganz, unterstützt aber gleichzeitig durch ungewöhnliche Winkel und Bildausschnitte das psychotische seiner Hauptfiguren.

vlcsnap-00234vlcsnap-00221

Der Film liegt nun erstmals vollständig in Deutschland vor. Für die Kinoauswertung waren damals zahlreiche Szenen geschnitten worden, in denen Tracy immer wieder an epileptischen Anfällen leidet. Vielleicht dachte der Verleih damals, es könnte eine Verbindung zwischen der Krankheit und Tracys eiskaltem Sadismus hergestellt werden. Neben den überzeugenden Hauptdarstellern sei hier auch die feine Musik von Piero Umiliani erwähnt und ein früher Auftritt der schönen Femi Benussi , die hier sehr gut ihr Mieder füllt.

vlcsnap-00225vlcsnap-00237

„Zeit der Geier“ ist einer der Filme, die Quentin Tarantino 2007 im Rahmen einer Italo-Western-Retrospektive auf dem Filmfest in Venedig zeigte. Die Bildqualität ist durchwachsen und reicht von leicht milchig bis sehr scharf. Das stört aber nicht sonderlich. Der Ton liegt auf Deutsch, Italienisch und Englisch vor. Die im Kino fehlenden Szenen wurden auf Italienisch mit deutschen Untertiteln eingefügt. Die Extras bestehen aus einer 12-minütigen Doku mit dem schönen Namen „Liebesgrüße aus Uruguay“, in der George Hilton über seine Karriere erzählt. Neun Minuten dauert die Doku „Mit Kitosch kam der Tod“ in dem der Filmhistorikers Fabio Melelli über „Die Zeit der Geier“ seine Einordnung im Italowestern spricht. Leider taucht hier erstmals das Problem auf, dass Melellis Ausführungen mit derart schlechten Untertiteln versehen sind, dass der Sinn teilweise untergeht.

 

mecenario

Mexiko 1910: Zur Zeit der mexikanischen Revolution rebelliert der Minenarbeiter Paco Roman (Tony Musante) gegen den Grubenbesitzer García (Eduardo Fajardo). Fortan nennen sich Paco und seine Männer „Revolutionäre“, sind aber in erster Linie nur am Rauben und Plündern interessiert. Sie heuern den Waffenhändler und Söldner Kowalski (Franco Nero), genannt der Pole, an, der ihnen beibringen soll, wie man „Revolution macht“. Aber Kowalski ist nur an seinem eigenen Vorteil interessiert, und als er immer höhere und abstrusere Forderungen stellt, eskaliert die Situation.

vlcsnap-00506vlcsnap-00502

Innerhalb des Italo-Westerns ist der Revolutions-Western ein Sub-Genre, in dem sich vornehmlich politisch motivierte Regisseure tummelten, die in der mexikanischen Revolution eine Parabel auf das sahen, was sie Mitte/Ende der 60er Jahre überall auf der Welt erlebten. Die Studentenunruhen, der Krieg in Vietnam und der Beginn eines terroristischen Untergrundes. Damiano Damiani schuf „Töte Amigo“, Sergio Sollima „Von Angesicht zu Angesicht“ und zu guter Letzt erzählte sogar Sergio Leone in „Todesmelodie“ vom Aufstand der ungebildeten Bauern und von den Gringos, die sich als Söldner in Mexiko verdingten.

vlcsnap-00513vlcsnap-00517

Auch Sergio Corbucci, der Schöpfer von „Django“ und Regisseur des wohl bittersten und nihilistischsten Italo-Westerns überhaupt, „Leichen pflasterten seinen Weg“, lieferte hierzu zwei Beiträge ab: „Zwei wilde Companeros“ und den hier besprochenen „Mercenario – Der Gefürchtete“. Beide mit Franco Nero in der Rolle des Gringos. „Mercenario“ ist der erste dieser beiden Filme, und er drückt sowohl Corbuccis Zynismus, als auch sein Mitgefühl für die Unterdrücken aus. Neros „Pole“ ist ein eiskalter, zutiefst zynischer Geschäftsmann, der schon lange nicht mehr an irgendwelche Ideale glaubt. „Ideale sind der Dünger für Friedhöfe“, sagt er irgendwann. Kowalski ist nur sich selbst und dem Geld verpflichtet. Für Leute wie Paco (Tony Musante in einer typischen Tomas Milian-Rolle) hat er nur ein müdes Lächeln übrig.

vlcsnap-00519vlcsnap-00524

Paco wiederum ist auch nicht gerade zum Revolutionär geboren. Revolution heißt für ihn erst einmal, seinen eigenen Bauch voll zu schlagen. Revolutionäre Ideen werden ihm von anderen eingepflanzt, vor allem von der schönen Giovanna Ralli. Bis dies aber Früchte trägt, wird er erst einmal von Kowalski wie eine Puppe gelenkt und immer wieder manipuliert. Wobei Kowalski natürlich nur eins im Sinn hat: Mit Pacos Hilfe möglichst viel Geld zu verdienen. Wie wenig Paco ein echter Revolutionär ist, erkennt man in der berühmten Szene, in der ihm Kowalski die Revolution anhand eines nackten Frauenkörpers erklärt: Der Kopf, das sind die Mächtigen, der Arsch, das sind die Unterdrückten – dazwischen ist der Rücken, und der verhindert, dass der Arsch sich an die Stelle des Kopfes setzt.

vlcsnap-00520vlcsnap-00525

In „Mercenario“ werden sowohl die sogenannten Revolutionäre vorgeführt, die weniger an der sozialer Gerechtigkeit, als an eigener Macht und Wohlstand interessiert sind. Aber auch der kapitalistische Westen, der die Unruhen noch anheizt, um daraus seinen maximalen Profit schlagen zu können, bekommt sein Fett weg. Immerhin gönnt Corbucci – im Gegensatz zu „Leichen pflastern seinen Weg“ – dem Zuschauer am Ende ein kleines Stück Hoffnung. Überhaupt ist die Inszenierung eher leicht und unterhaltsam, als schwer und tragisch. Dafür sorgt schon Ennio Morricones verspielte Musik und der großartige Jack Palance in einer bis an die Grenzen der Parodie gehenden Darstellung eines Profi-Killers, sowie der bei Leone abgeschaute finale Showdown.

vlcsnap-00518vlcsnap-00514

„Mercenario“ nimmt in Quentin Tarantinos Top 20 Italo-Western die Nummer 4 ein. Die DVD ist ein Repack der bereits 2010 erschienen Koch-DVD. Dementsprechend enthält sie die gleichen Extras. In „Die Regeln der Revolution“ (41:29 Minuten) werden Interviews mit Franco Nero, Drehbuchautor Luciano Vincenzoni und Sergio Corbuccis Witwe Nori Corbucci, sowie älteres Material mit Sergio Corbucci und Tony Musante präsentiert.Ferner gibt es einen knapp vier-minütigen Drehorte-Vergleich zwischen entsprechenden Filmausschnitten und aktuellen Aufnahmen der Drehorte, an denen „Mercenario – Der Gefürchtete“ gedreht wurde. Die Bildqualität ist okay, der Ton liegt auf Deutsch, Italienisch und Englisch vor.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Die „Western Unchained“-Reihe von Koch Media: Prelude zu den Reviews

WesternUnchained

Das war ja irgendwie zu erwarten. Kaum hat Quentin Tarantinos als Italo-Western-Hommage (miss)verstandener „Django Unchained“ die deutschen Kinos geentert, fangen schon die ersten Billigfirmen an, im Spaghetti-Western-Fundus zu wühlen, und sich an den zu erwartenden Erfolg zu hängen. Wie schon in den 60er Jahren bekamen plötzlich einige Filmchen den „Django“-Stempel aufgedrückt, ohne dass sie irgendetwas mit dem Corbucci-Film, auf den sich Tarantino im Titel beruft, zu tun hätten. Der Name„Django“ verkauft eben plötzlich wieder Filme.

An solch einen Etikettenschwindel muss man zunächst auch bei der aktuellen Veröffentlichung von Koch Media denken. Unter dem Banner „Western Unchained“ und mit überdeutlich an das Original-Plakat des Tarantino-Films angelehnten Covern, warf Koch Media am 18. Januar zehn Italo-Western auf dem Markt, von denen die Hälfte bereits schon zuvor in anderer Verpackung erschienen waren. Marketingtechnisch clever, wurde dann auch noch auf Tarantino hingewiesen. All das gibt normalerweise berechtigten Grund, sich übers Ohr gehauen zu fühlen.

Aber weit gefehlt. Gut, ob es eine Neuveröffentlichung von „Mercenario – Der Gefürchtete“, „Eine Pistole für Ringo“, „Ringo kommt zurück“, „Yankee“ und „Navajo Joe“ unbedingt gebraucht hätte, sei einmal dahingestellt. Unbestritten ist aber, dass diese zu den absoluten Highlights des Genres gehören und Klassiker sind, die man als Fan gesehen haben muss. Im Falle „Der Mörder des Klans“ wurde eine deutliche Verbesserung gegenüber der Erstveröffentlichung vorgenommen, indem interessante Extras auf die Scheibe gepackt und das Bildformat korrigiert wurde. Dankbar muss man aber für die vier DVD-Premieren sein, die im Rahmen der „Western Unchained“ erschienen sind: „Tepepa“, „Der Tod zählt keine Dollars“, „Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern“ und „Die Zeit der Geier“ sind gesuchte Titel, deren Veröffentlichungen von den Fans schon lange gefordert wurden.

Und der Tarantino-Bezug ist tatsächlich da. So befinden sich viele der „Western Unchained“-Titel in seiner Top20-Italo-Western-Liste, die man hier oder hier einsehen kann. Die anderen Titel wurden zumindest bei der von ihm kuratierten Retrospektive auf dem Filmfest in Venedig 2007 gezeigt. Die Liste aller dort gelaufenen Filme findet man hier.

Einen Volltreffer landete Koch Media definitv mit den Extras. Diese sind nicht nur liebevoll gestaltet und sehr erhellend, sondern es kommen hier die damals Beteiligten ausführlich zu Wort, und es werden Personen geehrt, die der normale Zuschauer vorher sicherlich nicht so im Visier hatte. Allein einen Kritikpunkt muss man anbringen: Die Beiträge des Filmhistorikers Fabio Melelli wurden scheinbar von einer Internet-Übersetzungsmaschine ins Deutsche übertragen. Die Untertitel sind nicht nur sinnentstellend, sondern häufig auch katastrophal falsch, was man deutlich hört, wenn man Melelli zuhört. Dafür braucht man auch kein Italienisch zu verstehen, wenn aus den von ihm erwähnten Namen plötzlich irgendwelche Fantasiekonstrukte werden. Hier besteht Überarbeitungsbedarf! Seltsamerweise tritt dieses Problem aber wirklich nur bei Melellis Beiträgen auf.

Ich werde in den folgenden Tagen alle 10 „Western Unchained“ vorstellen. Morgen geht es dann los mit „Die Zeit der Geier“ und „Mercenario – Der Gefürchtete“. Ich wünsche schon mal viel Spaß beim Lesen und bis morgen dann.

Veröffentlicht unter Allgemein, DVD, Film | Verschlagwortet mit , , , | Ein Kommentar