DVD-Rezension: “The Bay – Nach Angst kommt Panik“

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2009 geschah in einer kleinen Stadt an der Chesapeake Bay eine grauenvolle Katastrophe. Von der Regierung unter den Teppich gekehrt, haben Aktivisten nun Filmmaterial zusammengeschnitten, welches zeigt, was damals vorgefallen ist. Kommentiert wird dies von der ehemaligen Journalistin Donna Thompson (Kether Donohue), einer der wenigen Überlebenden der damaligen Ereignisse. Sie war damals als junge Fernsehreporterin in die Stadt gekommen, um Aufnahmen von den Festlichkeiten zum 4. Juli zu machen, als plötzlich die Menschen einer grauenvollen Plage zum Opfer fielen…

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„Found Footage“ war einmal relativ neu und spannend. Damals als „Blair Witch Project“ herauskam und zeigte, wie man mit einer Handvoll Dollar und einer guten Marketing-Kampagne Millionen machen kann. Gut, neu war das Genre auch da schon nicht mehr, hatte doch z.B. Rainer Erler bereits 1970 mit „Die Delegation“ einen lupenreinen und intelligenten Found-Footage-Film hergestellt und auch Ruggero Deodato hatte 1980 bei seinem berüchtigten „Nackt und zerfleischt“ damit gespielt. Nach „Blair Witch Project“ brachen dann aber – erst langsam, dann immer schneller – alle Dämme, und der Markt wurde von „Found-Footage“-Filmen förmlich überflutet. Da waren die einen, die diese Art des Geschichtenerzählens nutzten, um eine ungewöhnliche Perspektive auf bekannte Genremuster einzunehmen („Cloverfield“, „[rec]“), andere entdecken einfach nur, dass man hier ohne große Hilfsmittel und für sehr wenig Geld einen Film auf die Beine stellen kann („Paranormal Activity“). Leider befanden sich unter letzteren auch sehr viele, nicht besonders talentierte oder originelle Filmemacher.

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Die Spannung ist also groß, wenn sich ein großer Hollywood-Regisseur diesem ausgelutschten Genre annimmt. Und Barry Levinson, der vor allem in den 80er und 90ern mit Hits wie „Rain Man“, „Good Morning, Vietnam“ und „Sleepers“ für Furore sorgte, ist beileibe kein unbeschriebenes Blatt. Auch wenn ihm in letzter Zeit nicht mehr der große Erfolg vergönnt war. Um es kurz zu machen: Auch Levinson erfindet das Genre nicht neu, aber er blamiert sich mit „The Bay“ auch nicht. Interessanterweise erinnert sein Kommentar in den Extras ein wenig an den Vorwurf, den einst Stephen King an Stanley Kubrick richtete, als dieser seinen Roman „Shining“ verfilmte. Dort beschwerte er sich, dass Kubrick sich im Horrorgenre nicht auskennen würde und seinen Film mit einer Pointe enden lies, die man so oder so ähnlich schon in Dutzenden Horrorfilmen gesehen hätte, die Kubrick aufgrund seines Desinteresses für das Genre aber natürlich nicht kennen würde und für etwas wahnsinnig Innovatives halten würde. Levinson spricht in den Extras voller Enthusiasmus davon, wie er das Prinzip des „Found Footage“ nutzen kann und wie sehr das doch helfen würde, einen glaubwürdigen Doku-Look zu kreiern. So weit stimmt das ja auch, ist aber mittlerweile ein wirklich alter Hut, der keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor lockt.

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Immerhin muss man Levinson aber zugute halten, dass er als Hollywood-Regisseur alter Schule, sein Handwerk versteht und sich „The Bay“ somit nicht in die uninspirierten Wackelkamera-Filme mit Amateurbesetzung einreiht. Tatsächlich gelingt es ihm ausgezeichnet, die verschiedenen Filmelemente dynamisch zu montieren und die Technik in den Dienst der Erzählung zu stellen und nicht andersherum. Natürlich geht er als großer Geschichtenerzähler dabei nicht konsequent vor, sondern unterlegt Szenen mit Soundeffekten und einem effektiven, zunächst unauffälligen Soundtrack. So entsteht aber nie das Gefühl, tatsächlich „gefundenes Material“ zu sehen, sondern eben „nur“ einen Film. Hier beißen sich dann Form und Inhalt, den Levinson legt den Film gänzlich als „objektive“ Dokumentation der Ereignisse an, weshalb er auf Identifikationsfiguren verzichtet (von der jungen Reporterin einmal abgesehen) und auf einen klassischen Spannungsbogen verzichtet. Die Spannung müsste also vor allem durch die Frage, ob das alles eventuell doch real ist – wie es durch eine clevere Marketing-Kampagne bei „Blair Witch Project“ der Fall war – entstehen. Doch dafür ist „The Bay“ zu gut gemacht und vor allem zu filmisch angelegt.

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Durch diesen Ansatz verliert der Film an Spannung, da die Konsequenzen der Ereignisse und auch das Schicksal einzelner Hauptfiguren vorweggenommen wird. Trotz des pseudodokumentarischen Anspruchs, wird trotzdem auf die üblichen Genre-Versatzstücke und Make-Up-Effekte, die aufgrund des technisch suboptimalen, „gefundenen“ Materials zum Teil sehr echt und ekelig wirken, zurückgegriffen. Etwas aufdringlich, aber absolut verzeihlich, ist der erhobene Zeigefinger mit dem dieser Öko-Thriller immer wieder auf Umweltsünden hinweist und die Katastrophe als vom raffgierigen, skrupellosen Kapitalismus erschaffen aufdeckt. Dass man in diesem Zusammenhang aber wieder – wie einst in „Der weiße Hai“ und zahlreichen Epigonen – den Bürgermeister, der alles vertuschen will, um den Tourismus nicht zu gefährden, als Symbolfigur für die blinde Raffgier aus der Mottenkiste hervorholt, ist vielleicht etwas zu viel. Die Chesapeake Bay gibt es wirklich, und diese Gegend ist berüchtigt dafür, für sein stark belastetes Wasser und die zerstörte Unterwasser-Fauna. Weiß man das, gibt es dem Film eine zusätzliche, realistische Ebene, in Deutschland aber dürfte man Chesapeake Bay allerdings für eine Erfindung des Drehbuchautoren halten.

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Das ambitionierte Drehbuch leidet leider unter einigen Schwächen. Das fängt schon damit an, wo denn bitteschön plötzlich das ganze Filmmaterial herkommen soll, welches ja eigentlich im Anschluss an die Katastrophe von der Regierung eingesammelt wurde. Und wer hat das alles so schön aneinandergeschnitten. Und seit wann werden Skype-Anrufe eigentlich als Film gespeichert? Auch verhalten sich einige Personen zwar genre-konform, aber im richtigen Leben (welches hier ja imitiert werden soll) würde man doch eher die Beine in die Hand nehmen und aus dem Ort verschwinden. Wie z.B. das Ehepaar mit dem Baby, bei dem der Vater noch die entstellten Leichen untersucht, während die Mutter mit der Kamera drauf hält. Man muss allerdings sagen, dass solche Szenen hier weitaus seltener vorkommen, als in vergleichbaren Filmen, und die Figuren häufig einen guten Grund haben, die Kamera nicht aus der Hand zu legen, bzw. wird die Aufgabe, Filmmaterial herzustellen, häufig von Überwachungskameras übernommen.

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Stören einen diese Dinge nicht sonderlich, unterhält „The Bay“ recht spannend, wobei auch die kurze Laufzeit von 85 Minuten hilfreich ist. Man merkt eben, dass hier mit Barry Levinson ein renommierter Profi am Werk war. Neues sollte man allerdings nicht erwarten. Dafür werden in „The Bay“ zu häufig altbekannte Klischees und Rollenbilder wiedergekäut. Und die Found-Footage-Technik gehört nun schon seit Jahren zum langweilig gewordenen Standard-Repertoire kostengünstiger B- und C-Produktionen. Diese überragt „The Bay“ qualitativ allerdings spielend.

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Zur Bildqualität der Koch Media-DVD kann man nicht viel schreiben, da diese aufgrund der Machart des Filmes natürlich stark schwankt und je nach Filmquelle mal mehr, mal weniger schlecht/gut ist. Als Extras gibt es mit dem 11-minütigen „Into the Unknown“ einen Monolog von Levinson über den Film, warum und wie er ihn gemacht hat. Der Trailer liegt auf deutsch und englisch bei, und der Film selber wird per Audiokommentar von Regisseur Barry Levinson begleitet.

 DVD und Blu-Ray kommen am 26. Juli in den Handel.

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Originalfassungen in Bremen: 04.07.13 – 10.07.13

Sehr schön. Der neue Almodóvar läuft im O-Ton! Ansonsten warte ich noch immer darauf, dass auch das Cinema langsam mal O-Ton zeigt. Aber man kann nicht alles haben.

Ich – Einfach unverbesserlich 2 – Cinemaxx, Fr. um 17:20 und So.-Di. um 19:45, sowie Do./Sa. ebenfalls 19:45 in 3D – Fortsetzung des recht erfolgreichen Animationsfilms aus dem Hause Universal. Ich habe den ersten Teil nicht gesehen, weiß aber, dass der so seine Fans hat.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=l9Fi3E-8PmA[/youtube]

Taffe Mädels – Cinemaxx, Fr.+Mi. um 19:45 – Bescheuerter deutscher Titel für die US-amerikanische Cop-Komödie „The Heat“. Inhalt: Zwei unterschiedliche Charaktere müssen sich zusammenraufen, um einen Fall zu lösen *gähn*. Hier sind es Sandra Bullock als karriereorientierte FBI-Agentin und Shooting-Star Melissa McCarthy als Bostoner Cop mit großer Klappe.

World War Z – Cinemaxx, So.+Di. um 20:15 – Big-Budget-Zombie-Horror. Wer hätte das einst gedacht, wo alles, was nur im Entferntesten nach “Zombie” roch, für den deutschen Videomarkt bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde. Mit Romero oder Fulci haben die modernen Zombies auch nichts mehr zu tun. Und statt Ken Foree oder Al Cliver kämpft heute Brad Pitt gegen die Untoten-Seuche. Und “Seuche” trifft es wohl sehr gut, denn der moderne Zombiefilm ähnelt eher Seuchenfilmen wie “Outbreak” oder “Contagion“. Trotz vieler Nachdrehs und Kompromissen, soll “World War Z” aber doch wider Erwarten recht anständig geworden sein. Trotz Marc “Wackelkamera” Forster auf dem Regiestuhl, der “Ein Quantum Trost” so nachhaltig versaut hat.

Fliegende Liebende – Schauburg, So.+Mi. immer 21:00 – Pedro Almodóvar! Der Neue! Scheinbar eine Rückkehr zu den schrillen Komödien seiner Anfangsjahre. Kann ich so nicht glauben, aber bin trotzdem sehr gespannt. Der Trailer ist schon mal super. I’m sooooo excited!

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=juuBHcz_2gg[/youtube]

Promised Land  – Gondel, So. 7.7. um 21:00 – US-Öko-Drama von Gus Van Sant mit Matt Damon (der auch am Drehbuch mitschrieb) und der großartigen Frances McDormand. Es geht dabei um das umstrittene Erdgas-Förderverfahren “Fracking” und darum, wie ein Gaskonzern skrupellos arme Farmer über den Tisch zieht und deren Land wahrscheinlich verseuchen wird.

Art Spiegelman, Comic-Zeichner – City 46, Sa., 6.7., 20:00 – Im Rahmen der Ausstellung „Comics in der Kunst“ zeigt das City 46 einige Portraits von berühmten Comic-Zeichnern. Den Auftakt macht „Maus“-Autor und -Zeichner Art Spiegelmann…

Moebius Redux: A Life in Pictures – City 46, So., 7.7. um 20:00 – … und ihm folgt mit dem im letzten Jahr leider verstorbenen Moebius (Jean Giraud) eine Legende der französischen Comicszene.

Chico & Rita – City 46, Do., Mo.-Mi. immer 20:00 – Oscar-nominierter Animationsfilm über ein Musikerpärchen, dessen Karriere in den 40er Jahren in Havanna beginnt und sie über New York, Paris und Hollywood nach Las Vegas führt.

Django Unchained – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – Meine Ultrakurzkritik: Hat mich über die volle Distanz sehr gut unterhalten. Ich war zwar nicht weggeblasen wie bei “Inglourious Basterds” oder “Kill Bill, Vol. 2“, aber die Zeit verging wie im Fluge und ich war überrascht als er “schon” zu Ende war. Schauspieler toll (besonders Samuel L. Jackson), Musik klasse, Anspielungen nett. Doch, mochte ich. Unbedingt im Original gucken!

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 08.07. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 081.07. um 21:45

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Die „Große Musikvideoshow“ sucht Musikvideos made in Bremen!

03_MuViShow2012Am Mittwoch, den 23. Oktober 2013 um 21 Uhr findet in der Schauburg wieder die „Große Musikvideoshow“ statt. Dort wählt das Publikum aus den 13 Finalisten den Sieger des Jahres. Moderiert wird die Preisverleihung wie immer vom Comedy-Duo Charles und Erika.

Als Forum für Filmemacher, Mediengestalter, Kameraleute, professionelle Filmproduzenten sowie Bands aus allen Musikstilen hat sich die Musikvideoshow zu einem einzigartigen Event und Netzwerk in der Region entwickelt und genießt ein hohes Ansehen in Bremens Kultur- und Kreativszene.

(…) Dass die Musikvideoshow nicht nur bei Bands, sondern besonders auch für Filmemacher und Mediengestalter hervorragend als Karriere-Kick-off funktioniert, zeigt das Beispiel des Bremers Jean Luke, der aufgrund seines animierten Videos „Alkohol“ von Neue-Mira-Film beauftragt wurde, den Animationsfilm „The Meatles“ zu produzieren, der auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt wurde.

Musiker wie Flo Mega, Trashmonkeys, Dimple Minds, Mimmis, Stun, The Dashwoods, Rhonda und Mad Monks sind nur einige der bekannten Teilnehmer der letzten Jahre, die regelmäßig Videos einreichen, um dabei zu sein.

Ab sofort können für diese Veranstaltung Musikvideos eingereicht werden. Der Einsendeschluss ist der 1. Oktober 2013. Dabei muss der Filmemacher oder die Band aus Bremen und Niedersachsen kommen.

Detaillierte Informationen und Anmeldeformular auf http://www.musikvideoshow.de/anmeldung/

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DVD-Rezension: “Die Koch Media Italowestern-Enzyklopädie No. 2″

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Kurz nach der häufig verschobenen ersten „Koch Media Italo-Western Enzyklopädie“ folgt nun die zweite Box. Im Vorfeld erhob sich in Fankreisen bereits ein großes Wehklagen, dass die Filme in der Box nicht unbedingt zu den Klassikern und „Must haves“ des Genres gehören würden. Und tatsächlich sind mit „Bleigericht“ und „Vier Teufelskerle“ zwei Vertreter des unteren Durchschnitts in die Enzyklopädie gewandert. Andererseits beibehaltet die Box mit „Der Mann aus Virgina“ aber auch ein melancholisches Meisterwerk, welches durchaus zu den Highlights des Italo-Western gezählt werden kann. Und mit „Die sich in Fetzen schießen“ liegt auch ein interessantes Werk bei, welches nicht nur die Blaupause für einen der ungewöhnlichsten Italo-Western überhaupt (dessen Veröffentlichung leider bis heute noch auf sich warten lässt) darstellt, sondern auch sehr atmosphärisch daherkommt. Insgesamt schwankt die Qualität Weiterlesen

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Das Bloggen der Anderen (29-06-13)

bartonfink_type2– Fangen wir gleich mal mit dem Thema an, welches in den letzten Tagen für erhitzte Gemüter sorgte. Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass das renommierte Filmfest München für seine groß angekündigte Alejandro-Jodorowsky-Retrospektive auf Blu-Rays und DVDs (!) zurückgreift. Wie der ein oder andere vielleicht schon mitbekommen hat, bin ich ein 35mm-Fetischist und liebe diese alten, zerkratzen Kopien. Ich möchte die Filme so erfahren, wie sie zur Zeit ihrer Entstehung gedacht waren und wie sie die Menschen in all den Jahren in den Kinosälen erlebt haben. Ich liebe es, einen Film zu sehen, der gelebt hat und ich meine, dass die Magie eines 35mm Films nie von einer sterilen digitalen Kopie ersetzt werden kann. Aber das ist wahrscheinlich im Grunde dieselbe Diskussion, wie sie Vinyl-Sammler mit CD-Käufern führen. Und ich verstehe auch, wenn Zuschauer darauf bestehen, die Filme in der bestmöglichen Qualität zu sehen und für meine nostalgisch-romantischen Gefühle kein Verständnis haben. Ist auch mehr ein Bauch-, denn ein Kopfding. Und eine saubere, gut gemachte und restaurierte Digitalversion von z.B. „Blutiger Freitag“ , in brillanten Farben würde ich den extrem rotstichigen 35mm-Kopien, die es noch gibt, wahrscheinlich wirklich vorziehen. Darum geht es hier aber nicht. Blu-Ray ist definitiv nicht die qualitativ beste Lösung, wenn man sie über Beamer auf die große Leinwand projiziert. Ich habe bei uns im Kommunalkino oft genug Blu-Ray-Projektionen gesehen, um beurteilen zu können, dass man sich da möglichst weit hinten ins Kino setzen sollte. Und wofür ich dort noch ein gewisses Verständnis habe, kann ich es bei einem renommierten, hochpreisigen Filmfestival nicht akzeptieren. Das zu mir. Es wurde in der letzten Zeit, wie gesagt, viel darüber geschrieben. Ich versuche das mal in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Thomas Groh in seinem filmtagebuch  und Frederick Jaeger auf critic.de haben den Stein ins Rollen gebracht. Die Antwort vom Filmfest München ließ nicht lange auf sich warten. Ebenso die entsprechenden Reaktionen darauf. So von Joachim Kurz auf kino-zeit.de, Dunja Bialas auf arteshock und Gerold Marks auf Digitale Leinwand.

– Letzte Woche starb der legendäre Martial-Arts Choreograph, Schauspieler und Regisseur Lau Kar Leung mit 76 Jahren. Aus diesem Anlass findet man auf Eskalierende Träume einen kurzen Nachruf von Sano Cestnik.

– Lang ist es her, dass ich Jack Hills „Die Bronx-Katzen“ gesehen habe, aber ich habe – wie an eigentlich alle Filme von Hill – nur gute Erinnerungen daran und plane schon seit längerem, mir hier mal eine vernünftige Heimkino-Fassung zu besorgen. Der Text auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte bestätigt mich darin noch einmal.

– Interessantes Projekt: Annika Stelter schaut sich auf Die Filme, die ich rief chronologisch durch die Filmgeschichte und ist mittlerweile bei 1926 und einem meiner absoluten Lieblingsfilme angekommen: Buster Keatons „The General“.

– Auf der Berlinale wurde Thomas Arslans neuster Film „Gold“ ziemlich niedergemacht. Jetzt kommt er in einer überarbeiteten und gestrafften Form in die Kinos. Peter Gutting ist auf cinestatic.de zwar völlig überzeugt, aber so schlecht, wie er überall gemacht wurde, findet er den Film jetzt auch nicht.

– Action-Spezialist Oliver Nöding hat auf Remember it for later Arnold Schwarzeneggers Comeback „The Last Stand“ besprochen und kommt dabei zu ähnlichen Ergebnissen wie ich bei meiner Review.

– Camera Obscura hat mal wieder einen fast vergessenen, obskuren Giallo auf den Markt gebracht: „Un bianco vestito per Marialé“ von „Nightmare“-Regisseur Romano Scavolli. Nils Fortmann bespricht den Film auf Negativ. Obwohl er von der Aufmachung vollauf überzeugt ist, findet er den Film selber allerdings eher weniger sehenswert. Die Screenshots, die seine Review begleiten, machen allerdings trotzdem großen Appetit auf das Werk.  Sein Kollege Michael Brodski ist wiederum vollauf begeistert von dem japanischen Drama „She and He“von 1963.

– Christian Liemke hat auf DVDuell eine kurze Einführung von Martin Scorsese zu Alfred Hitchcocks „Bei Anruf: Mord“ gefunden.

– Auf Grün ist die Heide beschäftigt sich Udo Rotenberg mit dem deutschen Kriegsfilm zwischen 1954 und 1960. Interessantes Thema. Ausführlich bespricht er in diesem Zusammenhang Bernhard Wickis „Die Brücke“. Ich erinnere mich noch zu gut, dass der einmal in unserer Schul-Aula gezeigt wurde. Das muss sogar auf 16 oder 35mm gewesen sein, da zu der Zeit Video noch in den Kinderschuhen steckte und Beamer noch Science-Fiction waren. Übrigens der einzige Film, den wir jemals so vorgeführt bekamen.

– Letzte Woche habe ich hier ja auf den ersten Teil eines Interviews mit „Monster Uni“-Regisseur Dan Scanlon und Produzentin Kori Rae auf Digitale Leinwand hingewiesen. Hier ist nun der zweite Teil.

– Auf Reihe Sieben stellt Martin Beck die Schwarzenegger/Stallone-Kollaboration „Escape Plan“ (ehemals „The Tomb“) vor, der im November in die Kinos kommen soll. Für mich aber viel spannender: Ein erster Schnipsel aus Lars Von Triers „Nymphomaniac“.

Stubenhockerei stellt zwei wichtige Avantgarde-Filme vor. Zunächst „Fata Morgana“ von Werner Herzog, die ich beide sehr gerne mag (also Film und Herzog). Ferner Stan Brakhages frühen Kurzfilm „Reflections On Black“ von 1955. Ich muss mal wieder mehr Experimentalfilme gucken. Die habe ich in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt.

– Patrick Holzapfel beschäftigt sich auf Jugend ohne Film weiterhin mit dem rumänischen Film und stellt den Regisseur und Drehbuchautor Corneliu Porumboiu vor, der durch seinen zweiten Spielfilm „Poliţist, Adjectiv“ international bekannt wurde.

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29.06.: Buster Keatons „Seven Chances“ mit Live-Musikbegleitung im City 46

sevenchancesIch habe es in letzter Zeit leider immer mal wieder versäumt, auf die Stummfilm-Vorstellung mit Live-Musik im City 46 hinzuweisen. Da nun am Samstag das (vor)letzte Stummfilm-Event (es folgt im August noch ein Charlie-Chaplin-Festival mit dem Landesjugendorchester Bremen) vor der Sommerpause ansteht, will ich es nicht versäumen, dafür ein wenig die Werbetrommel zu rühren.

Die cinephile Welt teilt sich ja in zwei Gruppen auf. Die, für die Charlie Chaplin der größte Stummfilm-Komiker ist, und die, die Buster Keaton dafür halten. Ich bekenne mich ohne Umschweife zur letzteren. Ja, ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, er ist einer der genialsten Filmemacher überhaupt. Ein Meister der Humors und Wegbereiter der modernen Action-Comedy. Ach was, des Actionfilmes überhaupt! Wer mir nicht glaubt, soll sich einmal sein Meisterwerk „The General“ angucken oder Jackie Chan fragen.

Am Samstag, den 29.6. um 20:30 Uhr zeigt das City 46 seinen Spielfilm „Seven Chances“ und vorab eine aus Fragmenten restaurierte Fassung seines verschollenen Kurzfilms „Day Dreams“. Begleitet wird der Film wie immer von Ezzat Nashashibi. Er schreibt zu seiner Begleitmusik:

„Trotz des hohen Slapstick-Anteils (den ich gerne mit Geräuschen stütze ) hat der Film durchaus auch leise, tragische Momente. Diese gilt es nicht zuzulärmen. (Das schreibe ich, weil ich gerade einen Stummfilm gehört / gesehen habe, der offensichtlich mit dem Klang eines mechanischen Klaviers unterlegt wurde. Irgendwann habe ich den Ton ausgeschaltet…).“

In „Seven Chances“, der in Deutschland auch unter dem Titel „Buster Keaton – Der Mann mit den 1000 Bräuten“ lief, spielt Buster Keaton den schüchternen Jimmie, der mit seinem Geschäftspartner Billy vor dem Bankrott steht. Da erfährt Jimmie, dass er von seinem verstorbenen Großvater sieben Millionen Dollar erben wird – falls er bis spätestens 7 Uhr abends verheiratet ist. Da seine Angebetete Mary ihn abweist, gibt sein Partner Billy eine Suchanzeige in der Zeitung auf.

Berühmt ist der Film vor allem für die rasante Action-Szene, in der Buster Keaton als Jimmie vor einer ganzen Armee heiratswilliger Frauen fliehen muss.

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DVD-Rezension: “The Last Stand”

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Ray Owens ist Sheriff in der Kleinstadt Sommerton Junction an der Grenze zu Mexiko in Arizona. Eigentlich hat er seinen freien Tag, doch dieser entwickelt sich ganz anders als geplant. In Las Vegas bricht der berüchtigte mexikanische Drogenkönig Gabriel Cortez aus dem Gewahrsam des FBI aus und flüchtet in einer umgebauten Chevrolet Corvette C6 ZR1 und der FBI- Agentin Ellen Richards als Geisel. Mit 200 Meilen pro Stunde rast er auf Sommerton Junction zu. Dort errichtet ein paramilitärisch organisierter Söldnertrupp über einem schmalen Canyon eine behelfsmäßige Brücke von den USA nach Mexiko. Sheriff Owens Leute kommen ihnen dabei in die Quere und geraten in ein heftiges Feuergefecht. Das war’s dann mit Owens freiem Tag.

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Da ist er nun also. „The Last Stand“ – Der Comeback-Film von „unserem“ Arnie. Nachdem er mit einem kurzen und einem etwas längeren Auftritt in den „Expendables“ schon mal wieder in die bleigeschwängerte Actionfilm-Luft geschnuppert hat, spielt er nun das erste Mal seit neun Jahren wieder eine Hauptrolle. Und diese neun Jahre sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Sein Job als „Governator“ hat Spuren hinterlassen. Nicht nur im faltigen Gesicht und dem nun nicht mehr so pompös aufgepumpten Oberkörper. Seine nicht immer besonders erfolgreichen politischen Aktivitäten und die peinlichen Skandale der letzten Jahre haben Arnold auch als Ikone ein wenig schrumpfen lassen. Darum tut es gut, dass er sich für seine Rückkehr ins Filmgeschäft einen eher kleinen Film ausgesucht hat, der ernsthaft zur Sache geht und sein eh schon angeschlagenes Image nicht noch weiter ins Lächerliche zieht. Auch hängt er sich nicht verzweifelt an einstige Erfolge (was uns allerdings mit geplanten Sequels zu „Terminator„, „Twins“ und „Conan“ noch ins Haus steht). Schwarzenegger meldet sich mit einem sauberen, kleinen B-Movie zurück, das altbekannte Standardsituationen aus dem alten Westen in die Neuzeit verpflanzt und einem talentierten asiatischen Regisseur die Chance gibt, erst einmal seinen Fuß in die Hollywood-Tür zu stellen. Schwarzenegger tritt dabei in die Fußstapfen des alten Westerners John Wayne, der ja auch noch mit 65 Jahren den harten Hund geben konnte, ohne dass es lächerlich gewirkt hätte.

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Ja, Schwarzenegger ist tatsächlich in dem Alter angekommen, wo andere in Rente gehen. Aber davon ist bei ihm noch lange nicht die Rede, wenn man einen Blick auf die lange Liste von Projekten wirft, die momentan für ihn entwickelt werden. Und obwohl er noch immer kein guter Schauspieler ist (man glaubt es kaum, aber selbst Jean-Claude Van Damme ist ihm mittlerweile meilenweit voraus), versprüht er doch sofort eine massige und unverwechselbare Präsenz, wenn er im Bild erscheint. Ein Mann, der Respekt einfordert, und dem man ohne weiteres glaubt, dass er im Alleingang eine ganze Armee kurz und klein hacken würde. Sein schwerer, österreichischer Akzent scheint in den letzten Jahren noch um einiges breiter geworden zu sein – oder hatte man bereits vergessen, wie sich eine Schwarzenegger-Figur anhört? Dass er damit einen texanischen Sheriff (als der er eigentlich, bei objektiver Betrachtung, völlig fehlbesetzt sein sollte) spielt, der auch noch auf den uramerikanischen Namen Ray Owens hört, mag verwirrend sein, doch letztendlich egal. Schwarzenegger spielt immer Schwarzenegger, genauso wie – um ein letztes Mal diesen Vergleich zu ziehen – John Wayne immer John Wayne war. Egal, wie seine Figur jetzt heißt oder woher sie kommen soll. Am Ende des Filmes gibt es dann tatsächlich diesen Bruch zwischen der Figur Sheriff Ray Owens und dem ihn verkörpernden Schwarzenegger. Da rotzt Arnie dem (mexikanischen) Bösewicht ein „You make us immigrants look bad.“ hin.

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„The Last Stand“ markiert aber nicht nur Schwarzeneggers Rückkehr, sondern auch einen Neuanfang. Kim Jee-Woon hatte bereits in seinem Heimatland Südkorea – beginnend mit dem superben „A Tale of Two Sisters“ (der schon vor Kim in Amerika ankam und dort in ein Remake umgemodelt wurde), über den (für meinen Geschmack zu sehr) an das Hongkong-Kino der 90er angelehnte „A Bittersweet Life„, dem überkandidelten „The Good, the Bad and the Weird“ bis hin zu dem gnadenlosen „I Saw the Devil“ – eine beispiellose Erfolgsstory hingelegt. Kein Wunder also, dass nun der Ruf aus Hollywood kam. Wie einst seine Kollegen aus Hongkong, wie John Woo, Tsui Hark oder Ringo Lam, hat er sich hierfür ein actionlastigen, anspruchslosen B-Film ausgesucht. Und statt Jean-Claude Van Damme, der in den US-Debütfilmen ALLER vorher genannten die Hauptrolle spielte, ist es hier eben der gealterte Schwarzenegger, dessen Marktwert erst einmal getestet werden muss.

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Und Kim Jee-Woon erledigt seine Aufgabe sehr ordentlich. Die zahlreichen Actionszenen fühlen sich echt an und nur selten fallen schwerelose CGI-Effekte oder Pixel-Blut schmerzhaft ins Auge. Rasant nimmt der Film an Fahrt auf und mündet in einem sehr krachigen Finale. Das alles ist elegant inszeniert, lässt aber durchaus Platz für einige böse Rauheiten. Auch wenn man merkt, dass Kim Jee-Woons Herz nicht wirklich an dem hängt, was er da fabriziert (wie es auch einst bei seinen Kollegen aus Hongkong der Fall war), so liefert er einen professionellen Job ab und reiht sich damit in die Reihe der Regisseure ein, die Hollywood einst in den 40ern und 50ern mit handwerklich gut gemachten und höchst unterhaltsamen B-Western belieferte. Tatsächlich hätte das Drehbuch so auch gut in eben dieser Zeit entstanden sein können. Mit Pferden statt Autos und Kanonen statt Granatwerfern.

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Der Film verzichtet auf eine ausdifferenzierte Figurenzeichnung. Alle Charaktere kennt man aus unzähligen anderen Filmen. Hintergründe, oder gar charakterliche Tiefe, werden konsequent weggelassen, bzw. sind bereits dadurch gegeben, dass die Figuren so oder so ähnlich schon seit vielen Jahrzehnten durch die Filmgeschichte geistern. Neben Scharzeneggers archaischem Sheriff sind da der Rebell und Außenseiter, der sich in der Stunde der Not bewähren kann und zeigen, dass in ihm ein guter Kerl steckt. Seine Freundin, die ihn liebt, aber aus Prinzip nicht mehr mit ihm zu tun haben möchte. Der junge, naiv-sympathische Deputy, dem von der ersten Sekunde an „Opfer“ auf die Stirn gebrannt ist. Der alte Haudegen, der erst widerwillig, dann umso enthusiastischer den alten Helden unterstützt. Und natürlich der besessene FBI-Agent, der kein Verständnis für die „Dorfpolizei“ aufbringt. Kommt alles bekannt vor? Wie wäre es mit einem lustig-durchgeknallten Sidekick und einem skrupellos-verzogenen Gangsterboss, der glaubt sich alles kaufen zu können? Auch bekannt? Gratulation, das heißt, man hat in den letzten 60 Jahren den ein oder anderen Actionfilm oder Western geschaut. Wenn man freundlich sein möchte, spricht man da von Hommage an die gute, alte Zeit.

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Um einige Schauspieler tut es einem dann auch Leid. Von Eduardo Noriega, der in den 90ern in fast jedem wichtigen spanischen Genrefilm mitspielte, weiß man, dass er weitaus mehr kann, als arrogant und gefährlich zu gucken. Peter Stormare geht so in seiner Rolle als Redneck-Söldner auf, dass ich ihn tatsächlich nicht erkannt habe und glaubte, einen echten Texaner vor mir zu haben – und zu grübeln, wo ich den Typen schon mal gesehen habe. Luis Guzman sieht man immer gerne, und es ist erfreulich, dass er hier einige sehr coole Szenen spendiert bekommen hat. Der Rest fällt nicht besonders auf und Forest Whitaker spielt mal wieder Forest Whitaker.

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„The Last Stand“ ist ein völlig anspruchsloser, aber nichtsdestotrotz unterhaltsamer B-Film. Für Arnold Schwarzenegger ein durchaus befriedigendes Comeback, für Kim Jee-woon ein professionelles, handwerklich sauberes US-Debüt – auch wenn da für ihn sicherlich mehr drin gewesen wäre, hätte er sich ganz auf seine bereits eindrucksvoll bewiesenen Qualitäten besinnen können. Das Drehbuch kann man entweder “klassisch“ oder grob geschnitzt und eindimensional nennen. Beides ist wohl nicht so ganz verkehrt.

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Die DVD besitzt ein hervorragendes Bild und mächtige Soundeffekte. Wie immer sind diese lauter als die Dialoge und somit sollte man etwas aufpassen, bevor man den Ton zu hoch dreht und die Wände plötzlich wackeln. Die Extras sind gehobener Durchschnitt. Es gibt insgesamt 20 Minuten mit Deleted und Extended Scenes, ein 27-minütiges „Making Of“ (welches von daher ganz interessant ist, da man bei den Dreharbeiten überall grüne Leinwände herumstehen sieht. Das stößt einen dann mit der Nase darauf, dass doch viele Actionszenen per Computer entstanden sind) und ein 5-minütiges Promo-Interview mit Arnold Schwarzenegger. Schließlich kann man bei einer 3-minütigen B-Roll noch ein paar Blicke hinter die Kulissen werfen. Veröffentlichungstechnisch übertreibt es Splendid wieder einmal etwas: Der Film erscheint in vier unterschiedlichen DVD- und sechs BluRay-Versionen. Achtung: Die FSK16-Version ist gekürzt.

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Originalfassungen in Bremen: 27.06.13 – 03.07.13

Ich muss meinen Enthusiasmus der letzten Woche jetzt gleich wieder bremsen. Die anstehenden Sommerferien werden von den meisten Kinos nicht für Experimente mit O-Fassungen genutzt, sondern das Programm ist einigermaßen altbekannt und sogar etwas geschrumpft. Gut, sehen wir es positiv: Es macht die Entscheidung leichter, was man sich ansieht.

World War Z – Cinemaxx, Fr., Sa. und Mi. immer um 19:40 – Big-Budget-Zombie-Horror. Wer hätte das einst gedacht, wo alles, was nur im Entferntesten nach „Zombie“ roch, für den deutschen Videomarkt bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde. Mit Romero oder Fulci haben die modernen Zombies auch nichts mehr zu tun. Und statt Ken Foree oder Al Cliver kämpft heute Brad Pitt gegen die Untoten-Seuche. Und „Seuche“ trifft es wohl sehr gut, denn der moderne Zombiefilm ähnelt eher Seuchenfilmen wie „Outbreak“ oder „Contagion„. Trotz vieler Nachdrehs und Kompromissen, soll „World War Z“ aber doch wider Erwarten recht anständig geworden sein. Trotz Marc „Wackelkamera“ Forster auf dem Regiestuhl, der „Ein Quantum Trost“ so nachhaltig versaut hat.

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Man of Steel – Cinemaxx, So. und Di. jeweils 19:20 – Nachdem Zack Snyder mit “300” und “Watchmen” schon zwei kommerziell erfolgreiche Comic-Verfilmungen abgeliefert hat, darf er jetzt DEN Superhelden schlechthin inszenieren: Superman. Produziert vom ebenfalls einschlägig bekannten Christopher Nolan, versucht Warner nun mit seinen DC-Comic-Verfilmungen zu den weitaus erfolgreicheren Jungs von Marvel aufzuschließen. Nachdem der letzte Neustart des “Stählernen” an der Kinokasse ziemlich gefloppt ist, darf man auf das Resultat gespannt sein.

The Place Beyond the Pines – Cinemaxx, Mo., 1.7. um 19:30 & Schauburg, So. um 21:00 und Mi. um 21:15 – Grundsätzlich viel Gutes hört man über das neuste Werk von Derek Cianfrance. In einem tragischen, dreigeteilten Krimi-Drama spielt Shooting-Star Ryan Gosling eine der Hauptrollen. Unterstützt wird er von der schönen Eva Mendes und Bradley Cooper. Wer aufgrund des Trailers allerdings einen Action-Thriller erwartet, ist hier falsch. Es handelt sich in der Tat mehr um ein Vater-Sohn-Drama.

Promised Land – Gondel, So. 30.6. um 21:00 – US-Öko-Drama von Gus Van Sant mit Matt Damon (der auch am Drehbuch mitschrieb) und der großartigen Frances McDormand. Es geht dabei um das umstrittene Erdgas-Förderverfahren “Fracking” und darum, wie ein Gaskonzern skrupellos arme Farmer über den Tisch zieht und deren Land wahrscheinlich verseuchen wird.

Oslo, 31. August – City 46, Do., Sa-Mi. immer 20:00 Uhr – Bedrückendes norwegisches Drama um einen Drogensüchtigen, der nach vielen Monaten der Reha einen Tag Freigang bekommt, um an einem Vorstellungsgespräch teilnehmen zu können. Doch er findet sich in der Welt, die ihn zurückstößt, nicht mehr zurecht. Harter, deprimierender, aber auch sehr sehenswerter Stoff.

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Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 01.07. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 01.07. um 21:45

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Das Bloggen der Anderen (24-06-13)

bartonfink_type2– Ich mag Pixars „Monster AG“ ja sehr gerne. Wie ich generell eine Schwäche für die meisten Pixar-Filme habe. Die Idee aber, diesem Film ein Prequel zu verpassen, finde ich jetzt nicht wirklich prickelnd. Ansehen werde ich mir das dann aber trotzdem irgendwann, und vielleicht werde ich ja eines Besseren belehrt. Die Kritiken sind ja nicht so schlecht. Auf Digitale Leinwand kann man ein interessantes Interview mit „Monster Uni“-Regisseur Dan Scanlon und Produzentin Kori Rae lesen.

– Dazu passend schreibt Sir Donnerbolds Bagatellen mal nicht über „Die Monster Uni“ an sich, sondern über die Synchronisation. Gerade bei Disney und Pixar, wo in der Vergangenheit die deutschen Sprachfassungen mindestens auf Augenhöhe mit dem Original lagen, kein schlechter Ansatz.

– Mehr Mainstream: Auf Eskalierende Träume macht sich Sano Cestnik ein paar Gedanken über Zack Snyders „Man of Steel“, der bei ihm eine Gänsehaut verursacht hat.

– Mit „Man of Steel“ und das aktuelle Superlativen-Kino kann Alexander Gajic auf real virtuality wenig anfangen. Sein Text enthält noch mehr Links zu lesenswerten „Man of Steel“-Besprechungen, weshalb ich den interessierten Leser jetzt hier darauf verweise und das Thema damit abhake.

– Wer aber nicht genug von Superhelden-Verfilmungen bekommen kann, dem sei hier die detaillierte Liste aller demnächst anlaufenden, bzw. geplanten, Superhelden-Filme auf Filmherum empfohlen.

– Amüsant: Wie Hollywood den guten, alten Caspar David Friedrich für sein aktuelles Plakatdesign entdeckt hat, verrät screen/read.

– Doch genug von Hollywood. Wenden wir uns dem sehr viel spannenderen asiatischen Film zu. Auf Schneeland bespricht Michael Schleeh zwei japanische Erotikfilme von Ryuichi Hirokis. Von „M“ (nein, keine Verbindung zum Fritz-Lang-Klassiker) ist er zwar nicht gänzlich überzeugt, aber die Oniroku-Dan-Verfilmung „I am a S&M Writer“ legt er uns doch sehr ans Herz.

– Auf Hard Sensations führen Silvia Szymanski und Maria Wildeisen in ihrer spannenden Reihe „Vergewaltigung im Film“ ein Gespräch über „Rape! The 13th Hour“. Den muss ich auch, als Kopie auf VHS und in einer Umzugskiste verstaut, irgendwo in unserer Garage stehen haben. In den „wilden Zeiten“ tauschte ich nämlich noch schön old-school mit Filmfreunden in der ganzen Welt VHS-Tapes. Und ich erinnere mich, dass ich ziemlich am Ende dieser schönen, analogen Zeit, einen ganzen Schwung Tapes mit ziemlich miesen Kopien dieser sehr speziellen japanischen Rape-Filme bekam. Leider fiel das in die selbe Zeit, in der ich anfing, wie ein Eichhörnchen DVDs zu horten und so wanderten die Tapes dann nie wirklich in meinen bald ausgedienten VCR. Letzten Donnerstag soff dann unsere Garage unter der Last der massiven Regenfälle und aufgrund eines hoffnungslos verstopften Gullis ab. Doch bis zu den Umzugskisten mit den letzten VHS-Schätzchen kam das Wasser nicht. Göttliche Fügung, damit ich den Kram endlich mal digitalisiere und für meine Nachkommen rette? Wer weiß. Silvia und Marias Artikel überzeugt mich durchaus von der Dringlichkeit.

– Von Japan nach Korea. Robin Schröder nimmt sich auf Mise en cinema Bong Joon-hos hochgelobtes letztes Werk „Mother“ vor, das ich jetzt auch endlich mal sehen muss. Bongs vorherige Filme, insbesondere „Memories of Murder“, haben mir schon mal sehr gut gefallen.

– Zurück in Deutschland berichtet Harald Mühlbeyer auf screenshot weiterhin vom Festival des deutschen Films in Ludwigshafen und kann mit Rudolf Thomes und seinem Film „Ins Blaue“ so absolut gar nichts anfangen.

– Als Gegenposition dazu kann man auf filmgazette Wolfgang Nierlins enthusiastische Besprechung von Thomes „Das rote Zimmer“ lesen und als Tüpfelchen auf dem i auch noch gleich ein Interview mit Thome persönlich über eben jenen Film.

– Auf Jugend ohne Film bespricht Patrick Holzapfel den Film „The Loneliest Planet“ von Julia Loktev und nimmt dies zum Anlass, sich im Vorfeld einige interessante Gedanken zum Thema „Was ist Film“ zu machen. Dabei schreibt er einen klugen Satz, den ich hier gerne zitieren möchte: „Der von vielen dabei locker dahingesagte Unterschied zwischen Kunst- und Unterhaltungsfilm existiert nicht. Viel eher ist es ein Unterschied in der filmischen Sprache und da könnte man ganz einfach sagen, dass es entweder ein Film ist oder eben ein konsumierbares Laufbild.“. Ferner gibt es noch ein Interview mit dem rumänischen Regisseur Tudor Cristian Jurgiu zu lesen.

– Das passt wiederum hervorragend zu der Reihe über den Neuen Rumänischen Film, die Ciprian David auf Negativ führt. Im letzten Teil dieser Reihe geht es um den Film „Aurora“ von Cristi Puiu. An gleicher Stelle schreibt er auch etwas über einen von Klaus Lemkes bekanntesten Filmen aus seiner Münchener Zeit: „Ein komischer Heiliger“ mit Wolfgang Fierek und Cleo Kretschmer.  Sein Kollege Michael Brodski wiederum nimmt sich Sogo Ishiis „Isn’t Anyone Alive“ vor, der auf der Nippon Connection lief und Simon Born schreibt eine kurze Zusammenfassung dieses bedeutendsten Festivals des japanischen Films in Deutschland. Ich bin allerdings etwas traurig, dass Kitanos „Outrage Beyond“ relativ schlecht abschneidet. Auf den hatte ich mich sehr gefreut, nachdem ich ihn letztes Jahr beim International Filmfest Oldenburg verpassen musste.

– Lukas Foerster gesteht auf Dirty Laundry seine Liebe zu Gene-Autry-Western, was ich etwas bizarr finde, aber gut 😉

– Nochmal Hard Sensations. Dort hat Andreas Poletz einen schönen, enthusiastischen Text über einen Klassiker des amerikanischen 50er-Jahre-Paranoia-SF-Films geschrieben:“I married a Space Monster“.  Und Alex Klotz ist tief in die Welt der obskuren Filme eingetaucht und hat den mexikanischen „El clon de Hitler“ ans Tageslicht gezerrt. Silvia Szymanski hat „Teufel in Seide“ mit dem normannischen Kleiderschrank Curd Jürgens besprochen. Ich gebe zu, den Text habe ich selber aus Zeitmangel noch nicht gelesen, aber die Artikel von Madame S. kann man eigentlich immer blind empfehlen, was ich hiermit dann auch tue.

– 1994 hatte ich in unserer Videothek einen Film entdeckt, der mich damals durchaus begeistert und welchen ich als „Geheimtipp“ im Herzen trug: Anthony Wallers „Mute Witness“. Mittlerweile hatte ich ihn ganz vergessen und war umso erfreuter, ihn auf cargo wiederzuentdecken.

– Für mich von besonderem Interesse, da ich für das im November stattfindende Phantastival Bremen noch auf der Suche nach Kurzfilmen bin. Einige aus dem Bereich SF stellt Sascha auf Pewpewpew vor.

– Last but not least. Akira Kurosawas Film „Nachtasyl“, welcher auf einem Bühnenstück von Maxim Gorki beruht, kenne und schätze ich. Dass es bereits 1936 eine Verfilmung von Jean Renoir mit Jean Gabin gab, war mir neu. Umso interessanter fand ich dann den mal wieder hochspannenden und fundierten Text dazu, welchen Manfred Polak auf Whoknowspresents veröffentlicht hat.

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Originalfassungen in Bremen: 20.06.13 – 26.06.13

Okay, die Übersicht sieht auf den ersten Blick sehr dünn aus. Auf den zweiten Blick… auch. Aber vielleicht erinnert sich ja noch jemand an das „Favourites Film Festival“ im City 46, über welches ich gestern geschrieben habe. Da laufen ebenfalls noch massenhaft O-Fassungen, nur bin ich da jetzt zu bequem, die hier noch einmal alle separat aufzuführen und verweise auf mein gestriges Posting, sowie die Programmübersicht des Festivals.

Die Monster Uni – Cinemaxx, Fr./So./Mo. immer 17:05 – Endlich ein neuer Pixar-Film! Das ist die gute Nachricht. Die schlechte… wieder eine Fortsetzung und kein orginäres Werk. Wobei „Fortsetzung“ stimmt nicht, es ist ein „Prequel“ und erzählt, wie sich Mike und Sully einst auf der Monster Universität kennenlernten. Ich mag „Die Monster AG“ ja sehr gerne, darum hoffe ich mal, dieser zweite Film, macht dem Original keine Schande.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=ODePHkWSg-U[/youtube]

Man of Steel – Cinemaxx, Do.-Mo. immer 20:00 – Nachdem Zack Snyder mit “300” und “Watchmen” schon zwei kommerziell erfolgreiche Comic-Verfilmungen abgeliefert hat, darf er jetzt DEN Superhelden schlechthin inszenieren: Superman. Produziert vom ebenfalls einschlägig bekannten Christopher Nolan, versucht Warner nun mit seinen DC-Comic-Verfilmungen zu den weitaus erfolgreicheren Jungs von Marvel aufzuschließen. Nachdem der letzte Neustart des “Stählernen” an der Kinokasse ziemlich gefloppt ist, darf man auf das Resultat gespannt sein.

Promised Land – Schauburg, Mi., 26.6. um 19:00 – US-Öko-Drama von Gus Van Sant mit Matt Damon (der auch am Drehbuch mitschrieb) und der großartigen Frances McDormand. Es geht dabei um das umstrittene Erdgas-Förderverfahren „Fracking“ und darum, wie ein Gaskonzern skrupellos arme Farmer über den Tisch zieht und deren Land wahrscheinlich verseuchen wird.

The Place Beyond the Pines – Schauburg, So., 23.6. um 21:00 – Grundsätzlich viel Gutes hört man über das neuste Werk von Derek Cianfrance. In einem tragischen, dreigeteilten Krimi-Drama spielt Shooting-Star Ryan Gosling eine der Hauptrollen. Unterstützt wird er von der schönen Eva Mendes und Bradley Cooper. Wer aufgrund des Trailers allerdings einen Action-Thriller erwartet, ist hier falsch. Es handelt sich in der Tat mehr um ein Vater-Sohn-Drama.

Before Midnight – Gondel, So., 23.6. um 21:00 – Zum dritten Mal nach “Before Sunrise” und “Before Sunset” hat Richard Linklater seine beiden Stars Ethan Hawke und Julie Delpy vor die Kamera geholt, um die Geschichte von Celine und Jesse weiter zu spinnen.

Französische Sneak Preview – Atlantis und Gondel, beide Mi., 26.06. um 21:00

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 24.06. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 24.06. um 21:45

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