DVD-Rezension: “The Last Stand”

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Ray Owens ist Sheriff in der Kleinstadt Sommerton Junction an der Grenze zu Mexiko in Arizona. Eigentlich hat er seinen freien Tag, doch dieser entwickelt sich ganz anders als geplant. In Las Vegas bricht der berüchtigte mexikanische Drogenkönig Gabriel Cortez aus dem Gewahrsam des FBI aus und flüchtet in einer umgebauten Chevrolet Corvette C6 ZR1 und der FBI- Agentin Ellen Richards als Geisel. Mit 200 Meilen pro Stunde rast er auf Sommerton Junction zu. Dort errichtet ein paramilitärisch organisierter Söldnertrupp über einem schmalen Canyon eine behelfsmäßige Brücke von den USA nach Mexiko. Sheriff Owens Leute kommen ihnen dabei in die Quere und geraten in ein heftiges Feuergefecht. Das war’s dann mit Owens freiem Tag.

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Da ist er nun also. „The Last Stand“ – Der Comeback-Film von „unserem“ Arnie. Nachdem er mit einem kurzen und einem etwas längeren Auftritt in den „Expendables“ schon mal wieder in die bleigeschwängerte Actionfilm-Luft geschnuppert hat, spielt er nun das erste Mal seit neun Jahren wieder eine Hauptrolle. Und diese neun Jahre sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Sein Job als „Governator“ hat Spuren hinterlassen. Nicht nur im faltigen Gesicht und dem nun nicht mehr so pompös aufgepumpten Oberkörper. Seine nicht immer besonders erfolgreichen politischen Aktivitäten und die peinlichen Skandale der letzten Jahre haben Arnold auch als Ikone ein wenig schrumpfen lassen. Darum tut es gut, dass er sich für seine Rückkehr ins Filmgeschäft einen eher kleinen Film ausgesucht hat, der ernsthaft zur Sache geht und sein eh schon angeschlagenes Image nicht noch weiter ins Lächerliche zieht. Auch hängt er sich nicht verzweifelt an einstige Erfolge (was uns allerdings mit geplanten Sequels zu „Terminator„, „Twins“ und „Conan“ noch ins Haus steht). Schwarzenegger meldet sich mit einem sauberen, kleinen B-Movie zurück, das altbekannte Standardsituationen aus dem alten Westen in die Neuzeit verpflanzt und einem talentierten asiatischen Regisseur die Chance gibt, erst einmal seinen Fuß in die Hollywood-Tür zu stellen. Schwarzenegger tritt dabei in die Fußstapfen des alten Westerners John Wayne, der ja auch noch mit 65 Jahren den harten Hund geben konnte, ohne dass es lächerlich gewirkt hätte.

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Ja, Schwarzenegger ist tatsächlich in dem Alter angekommen, wo andere in Rente gehen. Aber davon ist bei ihm noch lange nicht die Rede, wenn man einen Blick auf die lange Liste von Projekten wirft, die momentan für ihn entwickelt werden. Und obwohl er noch immer kein guter Schauspieler ist (man glaubt es kaum, aber selbst Jean-Claude Van Damme ist ihm mittlerweile meilenweit voraus), versprüht er doch sofort eine massige und unverwechselbare Präsenz, wenn er im Bild erscheint. Ein Mann, der Respekt einfordert, und dem man ohne weiteres glaubt, dass er im Alleingang eine ganze Armee kurz und klein hacken würde. Sein schwerer, österreichischer Akzent scheint in den letzten Jahren noch um einiges breiter geworden zu sein – oder hatte man bereits vergessen, wie sich eine Schwarzenegger-Figur anhört? Dass er damit einen texanischen Sheriff (als der er eigentlich, bei objektiver Betrachtung, völlig fehlbesetzt sein sollte) spielt, der auch noch auf den uramerikanischen Namen Ray Owens hört, mag verwirrend sein, doch letztendlich egal. Schwarzenegger spielt immer Schwarzenegger, genauso wie – um ein letztes Mal diesen Vergleich zu ziehen – John Wayne immer John Wayne war. Egal, wie seine Figur jetzt heißt oder woher sie kommen soll. Am Ende des Filmes gibt es dann tatsächlich diesen Bruch zwischen der Figur Sheriff Ray Owens und dem ihn verkörpernden Schwarzenegger. Da rotzt Arnie dem (mexikanischen) Bösewicht ein „You make us immigrants look bad.“ hin.

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„The Last Stand“ markiert aber nicht nur Schwarzeneggers Rückkehr, sondern auch einen Neuanfang. Kim Jee-Woon hatte bereits in seinem Heimatland Südkorea – beginnend mit dem superben „A Tale of Two Sisters“ (der schon vor Kim in Amerika ankam und dort in ein Remake umgemodelt wurde), über den (für meinen Geschmack zu sehr) an das Hongkong-Kino der 90er angelehnte „A Bittersweet Life„, dem überkandidelten „The Good, the Bad and the Weird“ bis hin zu dem gnadenlosen „I Saw the Devil“ – eine beispiellose Erfolgsstory hingelegt. Kein Wunder also, dass nun der Ruf aus Hollywood kam. Wie einst seine Kollegen aus Hongkong, wie John Woo, Tsui Hark oder Ringo Lam, hat er sich hierfür ein actionlastigen, anspruchslosen B-Film ausgesucht. Und statt Jean-Claude Van Damme, der in den US-Debütfilmen ALLER vorher genannten die Hauptrolle spielte, ist es hier eben der gealterte Schwarzenegger, dessen Marktwert erst einmal getestet werden muss.

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Und Kim Jee-Woon erledigt seine Aufgabe sehr ordentlich. Die zahlreichen Actionszenen fühlen sich echt an und nur selten fallen schwerelose CGI-Effekte oder Pixel-Blut schmerzhaft ins Auge. Rasant nimmt der Film an Fahrt auf und mündet in einem sehr krachigen Finale. Das alles ist elegant inszeniert, lässt aber durchaus Platz für einige böse Rauheiten. Auch wenn man merkt, dass Kim Jee-Woons Herz nicht wirklich an dem hängt, was er da fabriziert (wie es auch einst bei seinen Kollegen aus Hongkong der Fall war), so liefert er einen professionellen Job ab und reiht sich damit in die Reihe der Regisseure ein, die Hollywood einst in den 40ern und 50ern mit handwerklich gut gemachten und höchst unterhaltsamen B-Western belieferte. Tatsächlich hätte das Drehbuch so auch gut in eben dieser Zeit entstanden sein können. Mit Pferden statt Autos und Kanonen statt Granatwerfern.

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Der Film verzichtet auf eine ausdifferenzierte Figurenzeichnung. Alle Charaktere kennt man aus unzähligen anderen Filmen. Hintergründe, oder gar charakterliche Tiefe, werden konsequent weggelassen, bzw. sind bereits dadurch gegeben, dass die Figuren so oder so ähnlich schon seit vielen Jahrzehnten durch die Filmgeschichte geistern. Neben Scharzeneggers archaischem Sheriff sind da der Rebell und Außenseiter, der sich in der Stunde der Not bewähren kann und zeigen, dass in ihm ein guter Kerl steckt. Seine Freundin, die ihn liebt, aber aus Prinzip nicht mehr mit ihm zu tun haben möchte. Der junge, naiv-sympathische Deputy, dem von der ersten Sekunde an „Opfer“ auf die Stirn gebrannt ist. Der alte Haudegen, der erst widerwillig, dann umso enthusiastischer den alten Helden unterstützt. Und natürlich der besessene FBI-Agent, der kein Verständnis für die „Dorfpolizei“ aufbringt. Kommt alles bekannt vor? Wie wäre es mit einem lustig-durchgeknallten Sidekick und einem skrupellos-verzogenen Gangsterboss, der glaubt sich alles kaufen zu können? Auch bekannt? Gratulation, das heißt, man hat in den letzten 60 Jahren den ein oder anderen Actionfilm oder Western geschaut. Wenn man freundlich sein möchte, spricht man da von Hommage an die gute, alte Zeit.

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Um einige Schauspieler tut es einem dann auch Leid. Von Eduardo Noriega, der in den 90ern in fast jedem wichtigen spanischen Genrefilm mitspielte, weiß man, dass er weitaus mehr kann, als arrogant und gefährlich zu gucken. Peter Stormare geht so in seiner Rolle als Redneck-Söldner auf, dass ich ihn tatsächlich nicht erkannt habe und glaubte, einen echten Texaner vor mir zu haben – und zu grübeln, wo ich den Typen schon mal gesehen habe. Luis Guzman sieht man immer gerne, und es ist erfreulich, dass er hier einige sehr coole Szenen spendiert bekommen hat. Der Rest fällt nicht besonders auf und Forest Whitaker spielt mal wieder Forest Whitaker.

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„The Last Stand“ ist ein völlig anspruchsloser, aber nichtsdestotrotz unterhaltsamer B-Film. Für Arnold Schwarzenegger ein durchaus befriedigendes Comeback, für Kim Jee-woon ein professionelles, handwerklich sauberes US-Debüt – auch wenn da für ihn sicherlich mehr drin gewesen wäre, hätte er sich ganz auf seine bereits eindrucksvoll bewiesenen Qualitäten besinnen können. Das Drehbuch kann man entweder “klassisch“ oder grob geschnitzt und eindimensional nennen. Beides ist wohl nicht so ganz verkehrt.

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Die DVD besitzt ein hervorragendes Bild und mächtige Soundeffekte. Wie immer sind diese lauter als die Dialoge und somit sollte man etwas aufpassen, bevor man den Ton zu hoch dreht und die Wände plötzlich wackeln. Die Extras sind gehobener Durchschnitt. Es gibt insgesamt 20 Minuten mit Deleted und Extended Scenes, ein 27-minütiges „Making Of“ (welches von daher ganz interessant ist, da man bei den Dreharbeiten überall grüne Leinwände herumstehen sieht. Das stößt einen dann mit der Nase darauf, dass doch viele Actionszenen per Computer entstanden sind) und ein 5-minütiges Promo-Interview mit Arnold Schwarzenegger. Schließlich kann man bei einer 3-minütigen B-Roll noch ein paar Blicke hinter die Kulissen werfen. Veröffentlichungstechnisch übertreibt es Splendid wieder einmal etwas: Der Film erscheint in vier unterschiedlichen DVD- und sechs BluRay-Versionen. Achtung: Die FSK16-Version ist gekürzt.

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