22. – 28. August: „Charlie Chaplin Festival 2013“ mit dem Landesjugendorchester Bremen

Der August ist der große Charlie-Chaplin-Monat im Kommunalkino City 46. Okay, ich hätte ja Buster Keaton bevorzugt, aber man kann ja nicht alles haben 😉

30365731dbVom 22. bis 28. August findet das große „Charlie-Chaplin-Festival“ statt, welches seinen Höhepunkt am Freitag, den 23. August feiern wird. Dann nämlich gibt es um 17:00 und 21:00 Uhr gleich zwei Vorstellungen von Chaplins letzten reinen Stummfilm „City Lights“ mit musikalischer Begleitung durch das Landesjugendorchester Bremen. Das Konzert mit Film wird im BLG Forum am Speicher XI in der Überseestadt stattfinden.

Das Landesjugendorchester Bremen hat seit 1997 unter der Leitung von Stefan Geiger bereits zehn Filme in mehr als 40 Vorstellungen eingespielt und dabei immer wieder für Begeisterungstürme gesorgt.

Achaplin2m Samstag, den 24. August wird der Bremer Pianist und Improvisationsmusiker Ezzat Nashashibi vier frühe Komödien von Chaplin live begleiten. Gezeigt werden: Shanghaied, Police, der wunderbare Easy Street und der ganz großartige One A.M. Der Spaß beginnt um 20:30 Uhr im City 46.

Ferner laufen im City 46 noch Chaplins Klassiker „Moderne Zeiten“ (indem er mit Tönen experimentierte und das erste Mal für eine umwerfende Gesangsszene auf der Leinwand „spricht“) und der legendäre „Große Diktator“, sein erster Tonfilm.

Also werden, bis auf „Goldrausch“, Chaplins populärste Filme auf diesem Festival gezeigt. Das ist für den Chaplin-Neuling natürlich ganz toll. Ich selber hätte aber auch gerne „Monsieur Verdoux“ gesehen – meinen persönlichen Chaplin-Favoriten.

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Originalfassungen in Bremen: 08.08.13 – 14.08.13

Auch diese Woche fahren die Kinos wieder einige interessante Neuerscheinungen auf. Wobei ich sagen muss, dass mich im Programm unseres Kommunalkinos zur Zeit überhaupt nicht wiederfinden kann. Aber vielleicht geht es ja anderen Kinofreunden nicht so.

Das ist das Ende – Cinemaxx, Do., 8.8. um 20:00 – US-Komödie von und mit Seth Rogen, in der er sich selbst spielt. Zusammen mit anderen Prominenten (die sich alle selber spielen) besucht er eine Party im Haus von Schauspieler James Franco (auch er selbst) – Während draußen die Welt untergeht.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=Yma-g4gTwlE[/youtube]

Lone Ranger – Cinemaxx, Do.-Mo.+Mi. immer 19:30 – Das Team von „Fluch der Karibik“ verlegt ihre Erfolgsformel in den Wilden Westen. wieder schlüpft Johny Depp in eine kauzige Rolle und Gore Verbinski führt Regie. In den USA ist der Film ziemlich gefloppt, jetzt muss er im Ausland seine Produktionskosten einspielen. Ich bin gespannt. zumindest verspricht dieser Sommer-Blockbuster nette, anspruchslose Unterhaltung. Und Western mag ich ja.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=9Zv9fgSrP-0[/youtube]

Wolverine: Der Weg des Kriegers – Cinemaxx, Di., 13.8. um 19:30 – Nun schon zum sechste Mal verkörpert Hugh Jackman den kleinen X-Man mit der großen Wut im Bauch. Diesmal verschlägt es Wolverine nach Japan. Regie führt James Mangold, de einst Stallone zu einer seiner besten Leistungen antrieb (“Cop Land“) und mit “Walk the Line” Oscar-Material ablieferte.

Trance – Gefährliche Erinnerung – Schauburg, Mi., 14.8. um 21:30 – Der neue Film von Danny Boyle. Wieder sehr stylisch und der Trailer macht einen rasanten Eindruck. die Hauptdarsteller James McAvory und Vincent Cassel sind an guten Tagen auch tolle Schauspieler, Rosario Dawson leckeres Eye Candy. allerdings habe ich den Trailer nicht verstanden. Worum soll es da gehen? zu Danny Boyle habe ich auch ein gespaltenes Verhältnis.Manche Filme von ihm sind wirklich gelungen (insbesondere der großartige „Trainspotting„), andere finde mag ich gar nicht (wie der meiner Meinung nach völlig überwertete „Slumdog Millionaire„). Mal gucken, was „Trance“ zu bieten hat.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=L4_bdS3_gr0[/youtube]

Wake Up! -Schauburg, So., 11.8. um 21:00 – Siehe hier.

Gloria – Gondel, Mo., 12.8. um 17:00 – Chilenischer Spielfilm um eine geschiedene, 58-jährige Frau, die es noch einmal wissen will und ihr Leben in vollen Zügen und mit allen Komplikationen genießt. Hauptdarstellerin Paulina García erhielt in diesem Jahr auf der Berlinale, für ihre Darstellung der Gloria, den Silberner Bären.

The Company You Keep – Die Akte Grant – Gondel, So., 11.8. um 21:15 – Robert Redford hat wieder einen Politthriller gedreht und dabei gleich selber die Hauptrolle übernommen. Er spielt einen Anwalt, der einst zu einer militanten linken Gruppe gehört und nun seit 30 Jahren unter falschem Namen lebt. Als seine ehemalige Kameradin (Susan Sarandon) festgenommen wird und ein nerviger Reporter (Shia LaBoeuf) hinter die Story kommt, muss er durch die USA flüchten, um seinen Namen reinzuwaschen.

Ein freudiges Ereignis – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – Französische Tragikomödie um eine frischverliebtes Paar, das aus einer Laune heraus beschließt ein Kind zu bekommen. Und als sie wirklich schwanger wird , ändert sich plötzlich alles.

Goldfish Memory – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – Irischer Queerfilm in dem eine Frau sich an ihrem untreuen Freund mit einer lesbischen Beziehung rächt, was eine Kette von unterschiedlichsten Irrungen und Wirrungen auslöst.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 12.08. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 12.08. um 21:45

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Crowdfunding-Projekt: „A Warrior’s Creek“

Vor kurzem habe ich hier im Blog etwas Werbung für das Projekt „German Angst“ von Buttgereit/Marschall/Kosakowski gemacht. Damals ging es darum, dass der Film dringend noch € 30.000.- gebraucht wurden, um den Film zu realisieren. Das ist mittlerweile geschafft worden, was mich sehr freut. Immerhin habe ich da auch ein wenig Geld reingesteckt.

Jetzt möchte ich hier nicht jede x-beliebige Crowdfunding-Initiative rein stellen. Aber, wenn ein Projekt interessant klingt, will ich das gerne machen. Über meine Facebook-Seite kam ein kleiner Ruf nach Hilfe rein, den ich mir sehr genau angeschaut habe. Darin geht es um ein Spielfilm-Projekt namens „A Warrior’s Creek“. Deutsche Produktionen, die unbedingt englische Titel haben müssen, finde ich ja immer etwas – naja. Dann lass ich , „A Warrior’s Creed“ sei „ein moderner Endzeitwestern in der Tradition der Italowestern von Castellari, Corbucci und Leone. Er spielt im Jahr 2025 und zeigt eine anarchisch-archaische Gesellschaft die außer Kontrolle geraten ist und in der das Individuum auf sich allein gestellt ist. Ein harter und düsterer Film zwischen Offenbarung und Prophezeiung in dem die Hauptrollen von Frauen gespielt werden.“ Da hätte ich mir auch einen Titel in der wunderbaren Tradition der Italo-Western gewünscht. Aber gut, das ist Geschmackssache.

3e8f6b6bWenn ich irgendwo Castellari, Corbucci und Leone lese, ist mein Interesse auf jeden Fall erst einmal geweckt. Die ersten Probe-Standbilder sehen recht hübsch aus, wie auch die Darstellerinnen. Gefilmt werden soll das Ganze zwischen August und Oktober 2013 in Berlin und Brandenburg. Die Macher hinter „A Warrior’s Creek“ sind Andreas Neu (Jahrgang 1958), der seit 1987 als Regisseur, Bühnenbildner, Dramaturg und Autor an verschiedenen Theatern arbeitet. Und Butow Maler, geboren 1966, der seit 1988 arbeitete als Werbetexter, Kunstkritiker, Plattenrezensent, Magazinmacher, Fotograf, Grafiker, Konzeptioner und Kommunikationsberater sein Geld verdient.

tumblr_mqj868ubs01rr6xn6o1_500Auf der Seite von „wolkenschloss cinematographie“ kann man auch den Trailer zu dem ersten Spielfilm der Beiden, „Reisen mit Engel“ sehen. Der hat mich allerdings irgendwie ganz ungut an das Schlimmste von Wim Wenders erinnert. Ich hoffe also mal, dass „A Warrior’s Creek“ mehr dreckigen, misanthropischen Corbucci und weniger Kunst-Pathos mit geschwurbelte Dialoge hat. Wie dem auch sei, das Projekt sieht interessant aus, klingt vielversprechend und braucht – wie gesagt – noch Hilfe.

Gedreht wird der Film auf jeden Fall, nur würde etwas mehr Geld in der Kasse (um Locationkosten zu zahlen, die Technik etwas aufzurüsten, die Crewmitglieder zu verpflegen, ihnen die Anfahrt zu ermöglichen und für ihre Unterbringung zu sorgen) die Lage etwas entspannen. Auf Honorare verzichten alle Mitmacher schon jetzt.

Das Ziel sind € 6.000,-. Unterstützt werden kann „A Warrior’s Creek“ über startnext.de. Die Dankeschöns fallen dabei zwar nicht so üppig aus, wie bei „German Angst“, aber es geht ja vor allem um den guten Zweck. Eine schöne Sache ist mir noch aufgefallen. Eines der „Dankeschöns“ ist „1 Tag Postproduction in Bremen“. Aha! Also, wenn da auch Bremer beteiligt sind, dann ist es ja quasi meine lokalpatriotische Pflicht hier auf die Produktion hinzuweisen. Hiermit getan 🙂

[vimeo width=“630″ height=“300″]http://vimeo.com/70470043[/vimeo]

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Deutschland-Premiere in der Schauburg: Der Kurzfilm “Wake Up!”

Der 1982 in Bremen geborenen Filmemachers und Musikers Daniel Ruczko hat einen neuen Kurzfilm am Start, der am kommenden Sonntag, den 11. August um 21:00 Uhr im großen Haus der Schauburg, seine Deutschlandpremiere feiert.

Der 25-minütige Film „Wake Up!“, der in Albuquerque, New Mexico, gedreht wurde, „handelt von dem 29 jährigen Leon der in seinem Leben etwas eingeschlafen ist. Er arbeitet Tag für Tag in einem monotonen Bürojob und hat dabei komplett vergessen, dass er einmal Träume und Ziele hatte. Das soll sich allerdings ändern, als er eines Tages auf dem Weg nach Hause in einem Zug aufwacht und ihm ein Mann gegenüber sitzt, der Leon mit seinen Entscheidungen konfrontiert und ihn daran erinnert dass sein jetziges Leben genau das ist, was er nie wollte“.

[vimeo width=“630″ height=“300″]http://vimeo.com/70768434[/vimeo]

Im Anschluss wird auch noch mal, anlässlich seiner Veröffentlichung auf DVD, „Bipolar – A Narration of Manaic Depression“ zu sehen sein. Der erste Film von Daniel Ruzcko, in dem es um den manisch-depressiven Schriftsteller Andrew Gony geht. Der Film hatte vor gut einem Jahr an selber Stelle seine Deutschlandpremiere erlebt.

 

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Das Bloggen der Anderen (05-08-13)

bartonfink_type2– Ich mag Claude Lelouch. Nun sind seine Filme nicht immer (um nicht zu sagen in den seltensten Fällen) brillant, manchmal etwas überladen und zu versponnen, aber ich habe ein Faible für seine Arbeiten und finde sie von grundweg sympathisch. „Roman de gare“ habe ich noch nicht gesehen, aber Ekkehard Knörer findet auf cargo die Worte für den Film, die ich den meisten von Lelouchs Werken generell zukommen lassen würde: „Kein Muss, aber ein sehr schönes Kann.“ Und der kürzlich verstorbene Aleksei Balabanov steht schon lange auf der Liste mit Regisseuren, mit denen ich mich noch näher beschäftigen möchte. Warum nicht mit „Morfiy“ starten, dem Knörer 78% gibt.

– Fundstücke! Christian Liemke hat auf DVDuell einen Film verlinkt, den ich schon seit Jahren sehen wollte: „Cinemania“ von Stephen Kijak. Eben jener hat ihn jetzt kostenlos auf viemo zur Verfügung gestellt. Danke!

– Nett: Alle Filmreferenzen aus den ersten 10 Staffeln der „Simpsons“ hat Peter Schneider auf mostly movies veröffentlicht.

– Und Michael Sennhauser verlinkt auf Sennhausers Filmblog die wunderbare Parodie: If Woody Allen did Wolverine.

– Das Ende einer Ära und der Beginn von etwas Neuem. Okay, das ist jetzt sehr plakativ geschrieben und nicht ganz korrekt, aber irgendwo passt es doch ganz gut zu Fassbinders Erstling „Liebe ist kälter als der Tod“ von 1969, den Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide bespricht. Eine sehr interessante Lektüre.

– Gleiches gilt auch für den Artikel auf seinem anderen Blog, L’amore in città, der sich mit der Hochphase des Italo-Western in den beiden Jahren 1967 und 1968 befasst.

– Daniel Steinhäuser hat auf Okaeri einen liebevollen Verriss von „Guila – Frankensteins Teufelsei“ geschrieben.

– Alexander Gajic hat auf seinem Blog real virtuality ein hochinteressantes Essay darüber geschrieben, wie unsere vernetzte Welt im Film oder Fernsehen vorkommt. Oder eben nicht vorkommt. Oder zumindest nicht realistisch. Sehr lesenswert!

– Martin Beck empfiehlt seinen Lesern auf Reihe Sieben 10 Filme aus dem diesjährigen Fantasy-Filmfest-Programm. Gleichzeitig warnt er vor 10 weiteren Werken. Hmmm… mit manchem gehe ich jetzt nicht konform, aber den einen oder anderen dürfte das ja interessieren. Ebenfalls auf Reihe Sieben: Eine kurze Info zu Marvin Krens neuem Film „Blutgletscher“, den wir hier in Bremen für eine bestimmt Veranstaltung auch im Auge haben.

– Apropos Marvin Kren. Auf Allesglotzer findet man eine ausgesprochen positive Besprechung seines vom ZDF co-finanzierten Zombiefilms „Rammbock“.

Textures in light widmet dem großen Meister der Lichts und der Dunkelheit eine kleine Reihe mit Rezensionen: Jacques Tourneur. Katzenmenschen, Leopard Man, Ich folgte einem Zombie und Feuer am Horizont.

– Hier oder da ist meine Vorliebe für Tinto Brass vielleicht schon mal zum Vorschein gekommen. Sie ist auch der Grund dafür, warum ich jetzt gerne auf Oliver Nödings „Salon Kitty“-Review auf Remember it for later hinweise.

– Erinnert sich noch jemand an mein Posting mit den “50 Amazing Films You’ve Probably Never Seen”? Da hatte ich geschrieben, dass ich den russischen „Vij“ unbedingt sehen will. Nun, während ich noch immer (okay, bisher eher halbherzig) nach einer geeigneten Bezugsquelle fahnde, hat The Nolte von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte bereits zugeschlagen und macht mir den Mund nur noch wässriger.

– Nicht unbedingt den Mund wässerig, macht mir der Film „Die Försterchristl“, den Silvia Szymanski auf Hard Sensations bespricht. Ihren Text habe ich aber trotzdem wieder einmal sehr gerne gelesen.

– Neulich habe ich in der Buchhandlung Storm in der Langenstr. schon mal den Fotobildband „Ennio Morricone“ mit 4 Musik-CDs in der Hand gehabt. Gereizt hat er mich ja, auch wenn ich die Musik auf den CDs zu 80% schon Zuhause im Plattenschrank stehen habe. Ich habe ihn dann erst mal stehen gelassen, weil ich gerade keine 40 Euro übrig hatte und nicht riskieren wollte, Zuhause eines mit dem Nudelholz über den Kopf zu bekommen („Hast Du nicht schon genug von Morricone???“ „Aber Schatz, da sind ein paar Stück, die ich noch nicht habe und ganz tolle Fotos“ Rummms!!!!!). Auf Themroc findet man aber schon mal eine sehr ausführliche und lobende Review dieses „EarBooks“.

– Wie witzig, das Buch habe ich auch im Schrank stehen. „Das große Stephen-King-Film-Buch“ vom ehemaligen „Cinema“-Chefredakteur Willy Loderhose (heute bei „Fit for fun“). Der hat in den späten 80er/frühen 90ern für den Bastei-Verlag einige Filmbücher, zu damals populären Themen, auf den Markt geworfen (ich meine auch über John Carpenter) und dann hörte man nie wieder was von ihm. Ich glaube, die Bücher waren recht oberflächlich. Ich lese das jetzt aber nicht nochmal durch, um zu sehen, ob totalschadens nostalgische Kritik auf Splattertrash stimmt oder nicht. Ich vertraue ihm da mal.

– Ich habe einmal einen Kurzfilm gedreht. Der Club in dem dieser spielte hieß „Rote Sonne“. Dafür hatte ich extra ein Schild anfertigen lassen und mich diebisch gefreut, denn natürlich war das ein versteckter Hinweis auf Rudolf Thomés gleichnamigen Film, der eine entfernte thematische Gemeinsamkeit zu meinem hatte (mordende Mädels). Das Schild kann man im fertigen Film dann vielleicht erahnen, wenn man weiß wo es hängt. Wer „Rote Sonne“ noch nicht kennt, der sollte Patrick Holzapfels schönen Artikel darüber auf Jugend ohne Film lesen. Ferner vergleicht er Paolo Sorrentinos „La grande bellezza“ mit Fellinis „La Dolce Vita“.

– „La grande bellezza“ hat auch Das Magazin des Glücks gesehen, wo er ebenfalls positiv besprochen wird.

– Momentan überall in aller Munde: Hollywoods Pleiten mit seinen (einfallslosen) Million-Dollar-Sommer-Blockbustern. Einen guten Überblick über die zu diesem Thema erschienenen Artikel und eine eigene Einschätzung gibt es auf dem Drama Blog.

– Selbstverständlich freue ich mich schon sehr auf den neuen Film von Lars von Trier, der allerdings erst am 27. Februar 2014 Premiere feiert. Zeilenkino geht es augenscheinlich ähnlich, und darum gibt es hier schon die ersten wenigen Happen zu „Nymphomaniac“.

– Frisch rein gekommen und daher noch gar nicht gelesen. Manfred Polak auf Whoknows Presents über Jean Renoirs „La Marseillaise“. Wieder ein langer , und wie ich den Blog kenne sehr interessanter und gut recherchierter Text. Wie gesagt, ich empfehle den jetzt einfach mal blind.

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Bremen im Film: „Der Boss hat sich was ausgedacht“ (1964)

Vor kurzem stand im „Weser Kurier“ ein Artikel, in dem es um Filme ging, die Bremen als Schauplatz (oder zumindest Drehort) benutzten. Leider kann ich diesen Artikel nicht online finden, sonst hätte ich gerne darauf verlinkt. Kurze Zeit später griff Wilfried Hippen in der „taz“ das Thema ebenfalls auf. Den Artikel kann man hier online lesen.

Beide Artikel verweisen auf eine – wahrscheinlich die einzige, die hier jemals gedreht wurde – stargespickte europäische Co-Produktion mit dem deutschen Titel „Der Boss hat sich was ausgedacht“. Diese Schmugglergeschichte drehte Jean Becker 1964 als italienisch-französisch-spanisch-deutsche Co-Produktion.  Der Film spielt in Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland, dem Libanon, der Schweiz und in .. BREMEN. Die Hauptrollen spielen Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Gert Fröbe, Wolfgang Preiss, Enrico Maria Salerno, Renate Ewert und Fernando Rey.

Belmondo, die Seberg und Gert Fröbe haben auch Auftritte in unserer schönen Hansestadt. Da der Film in Deutschland nur bei einem sehr kleinen Verleih auf VHS, aber später nie DVD erschien, und nur ein paar Mal im TV (oder im Kommunalkino) lief, dürften ihn nicht viele meiner Leser gesehen haben.

Vor einiger Zeit habe ich mich mal um eine Kopie des Filmes bemüht. Leider  ist deren Qualität sehr schlecht. Trotzdem wollte ich den Artikel in der „taz“ mal zum Anlass nehmen, einige Screenshots daraus  zu posten. Alle Drehorte erkenne ich nicht, aber vielleicht weiß ja jemand mehr oder erkennt etwas wieder.

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Jean Seberg verlässt ihr Fotostudio. Tatsächlich ist das der Eingang zum Ratskeller-Shop hinter dem Rathaus.

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Danach geht es rüber zum „Haus am Markt“.

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Hier bin ich mir nicht sicher. Ist das im „Haus am Markt“? Ich glaube eher im heutigen „Becks am Markt“. Im Hintergrund kann am das Rathaus und den Dom erahnen.

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Der entsprechende Gegenschuss. Ich glaube das Schiffsmodel steht/stand im „Haus am Markt“. Ganz hinten: Herr Belmondo.

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Jean Seberg in den Wallanlangen.

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Gert Fröbe auch.

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Beide zusammen. Ich vermute mal, das ist beim Wallgraben.

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Links Belmondo. Sieht aus, wie im Viertel aufgenommen.

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Jean Seberg im Hafen. Kann das im Hintergrund die Feuerwache sein?

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Belmondo im Bremer Hafen.

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Ich meine die Gebäude gibt es in der Überseestadt noch. Ist das vorne nicht das ehemalige Zollamt?

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Im Bremer Hafen.

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Belmondo. Keine Ahnung, wo das ist.

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Vordergrund: Die wunderschöne Jean Seberg. Hintergrund: Hafen in Bremen.

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Das könnte vor der Feuerwache sein. Oder im mittlerweile zugeschütteten Hafenbecken des Überseehafens.

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Originalfassungen in Bremen: 01.08.13 – 07.08.13

Schauburg und Gondel sind in dieser Woche sehr aktiv, was erfreulich ist. Das Cinemaxx zeigt alte Bekannte und zwei Neuzugänge. Das sieht doch eigentlich alles ganz abwechslungsreich aus.

Conjuring – Die Heimsuchung – Cinemaxx, Do.-Mi. 22:45, Do./So. auch 20:00 – Haunted-House-Gruseler von „Saw“ und „Insidious„-Macher James Wan. Angeblich nach einer wahren Geschichte, erzählt der 1971 spielende Film von einer Familie, die in ein Spukhaus zieht. Die Kritiken waren recht gut (siehe letztes „Bloggen der Anderen“) und in den USA war der Film ein Überraschungserfolg.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=_FCaLiZtu9s[/youtube]

Die Schlümpfe 2 (3D) – Cinemaxx, Do., 1.8. um 17:45 – Das schlumpft im Cinemaxx. Schlumpfige Realverschlumpfung mit vielen Computer-Schlümpfen.

Pacific Rim (3D) – Cinemaxx, So./Mo. um 19:45 – Die Story in einem Satz: “Riesen-Roboter gegen Riesen-Monster”. Klingt einerseits nett, wenn man ein Herz für japanische Monsterfilme hat, andererseits fürchterlich, wenn man bedenkt, das Hollywood gerne aus solche einer Prämisse gerne mal ultra-patriotische, seelenlose CGI-Spektakel macht. Aber es besteht Hoffnung, denn der Regisseur heißt Guillermo del Toro und der hat mit “Pans Labyrinth” bewiesen, dass er ein toller Filmemacher ist und mit “Hellboy“, dass er auch mit großer Lust und viel Spaß triviale Comic-Filme inszenieren kann. Und da der talentierte Herr del Toro ein ausgewiesener Fan von “kaiju” (so heißen Godzilla, Mothra und Co. in Japan) ist, darf man wohl etwas auf die überraschend positiven Kritiken geben. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mal ein Auge zu riskieren.

Wolverine: Der Weg des Kriegers – Cinemaxx, Mi./Fr./Sa./Di./Mi. immer 19:45 – Cinemaxx, Do. um 20:45 und Fr.-So./Di.-Mi. um 19:45 – Nun schon zum sechste Mal verkörpert Hugh Jackman den kleinen X-Man mit der großen Wut im Bauch. Diesmal verschlägt es Wolverine nach Japan. Regie führt James Mangold, de einst Stallone zu einer seiner besten Leistungen antrieb (“Cop Land“) und mit “Walk the Line” Oscar-Material ablieferte.

Frances Ha – Schauburg, Mi. 7.8. um 21:00 – US-Indie-Streifen (natürlich in schwarz-weiß, wie es dort gerne mal Mode ist) mit Greta Gerwig als Tänzerin, die nicht wirklich erwachsen ist und lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Ich muss sagen, dass ich 90% des typischen „US-Sundance-Indie-Kinos“ nicht mag, daher beurteile ich den Film mal nicht und lasse allein den Trailer sprechen.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=YBn5dgXFMis[/youtube]

Only God Forgives – Schauburg, So., 4.8. um 17:30 – Tjaaaa…. Ich freue mich ja schon ziemlich drauf, aber die bisherigen Meinungen sind so extrem gespalten, wie ich es in letzter Zeit bei keinem Film gesehen habe. In Cannes einmündig zerrissen und auch danach häufig von harscher Kritik überzogen, mehren sich zur Zeit auch die Stimmen derer, die ihn vehement verteidigen. Scheinbar gibt es hier nur Gut und Böse und nichts dazwischen.

Die Möbius-Affäre – Schauburg, So., 4.8. um 21:30 und Gondel, Mo. 5.8. um 17:15 – Französischer Agententhriller mit „The Artist„-Star Jean Dujardin als russischer Top-Agent, der hinter dem Kopf einer skrupellosen Geldwäscherbande her ist. Neben Dujardin spielen Tim Roth als Oligarch und eine der – wie ich finde – schönsten Frauen der Welt mit: Cécile de France.

[youtube width=“630″ height=“299“]http://www.youtube.com/watch?v=IhUk6ifllVM[/youtube]

La grande Bellezza – Die große Schönheit – Gondel, So., 4.8. um 21:00 – Mehr als 50 Jahre nach Fellinis “La Dolce Vita“, lässt Regisseur Paolo Sorrentino einen alternden Schriftsteller, der noch immer vom Ruhm seines Debütromans zerrt, durch Rom wandeln. Wie einst Marcello Mastroianni blickt auch er hinter die Kulissen der dekadenten und hohlen Oberschicht.

Before Midnight – City 46, Do.-Mo.+Mi. um 20:00 – Zum dritten Mal nach “Before Sunrise” und “Before Sunset” hat Richard Linklater seine beiden Stars Ethan Hawke und Julie Delpy vor die Kamera geholt, um die Geschichte von Celine und Jesse weiter zu spinnen.

Woodstock in Timbuktuu – Die Kunst des Widerstands – City 46, Do.-Mi. um 20:30 – Doku über das sagenumwobene »Festival au Désert« in Mali, bei dem sich Touareg-Musikern mit E-Gitarren und Texten gegen die Diskriminierungen des Volkes der Kel Tamaschek wenden.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 05.08. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 05.08. um 21:45

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Das Bloggen der Anderen (29-07-13)

bartonfink_type2– Michel berichtet auf cieenit.de in zwei Teilen über das 31. Filmfest München. An seinen ersten vier Tagen hat ihm, neben “Only God Forgives“, vor allem die spanische Schneewittchen-Variante „Blancanieves“, die im Gewand eines Stummfilms das Märchen in die Welt des Stierkampfs verlegt, und die Shakespeare-Verfilmung „Much Ado About Nothing“ von Joss Whedon (ja, DEM Joss „The Avengers“ Whedon) gefallen. Die letzten vier Tage waren noch gewinnbringender und haben mit dem Cannes-Gewinner „Blue is the warmest color“ dann auch seinen Favoriten dabei.

Grün ist die Heide hat sich ja dem deutschen Film zwischen 1940 und 1970 verschrieben, und welcher Schauspieler hat diese Jahre mehr geprägt als Heinz Rühmann? Darum hat ihm Udo Rotenberg ein ausführliches Portrait gewidmet. Schade, dass es dann konsequenterweise 1970 abbricht. Interessante und ungewöhnliche Rollne spielte Rühmann ja auch in den 70ern. Wie z.B. in Michael Verhovens tollem „Gefundenes Fressen“.

– Auf seinem anderen Blog, L’amore in città, der sich mit dem italienischen Film 1940-1980 beschäftigt, porträtiert Udo Rotenberg dann einen der einprägsamsten, wuchtigsten und vielseitigsten Darsteller des italienischen Films. Den, wie übrigens auch Rühmann, 1994 verstorbenen, unvergleichlichen Gian Maria Volonté.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film ein sehr interessantes Essay über das „Kino der Deformation“ geschrieben. Einen Begriff, den er von Bruno Dumont übernommen hat. Danach „ (nimmt man) einen naturalistischen Gegenstand/Schauspieler, setzt ihn in ein naturalistisches Setting und sorgt dann für kleinere oder größere Deformierungen. Somit wird die menschliche Existenz hinterfragt oder die Natur als ganze und der Zuseher kommt in einen Denkprozess.“

– Zur Zeit ist sie im Atlantis noch in ihrem neusten Film „Paulette“ zu sehen: Bernadette Lafont. Leider wird dies ihr letzter Film bleiben, denn wie Französischer Film.de berichten muss, starb sie am 25. Juli im Alter von 74.

– Nachdem schon das Filmfest München gezeigt hat, wie heutzutage mit dem Filmerbe umgegangen wird (indem sie ihre Retrospektive von BluRay und DVD zeigten), hat Thomas Groh auf filmtagebuch noch mehr skandalöse Dinge zu berichten. Für die groß angekündigte „Zur Sache, Schätzchen“-DVD (immerhin wurde die Restauration mit staatlichen Geldern durchgeführt), wurde das originale 1:1,33-Format auf „heutige Sehgewohnheiten“ zurecht geschnitten, so dass man jetzt 16:9, aber oben und unten fehlende Bildinformationen hat. Zum Kotzen.

– Silvia Szymanski stellt auf Hard Sensations einen weiteren ihrer Lieblingsfilme vor. Den mir völlig unbekannten „Gisela“, welchen Isabelle Stever 2005 drehte. Wahrscheinlich wird er mir auch unbekannt bleiben, jedoch ist Silvias schön geschriebener Text für mich mal wieder ein Quell der Freude.

– Ich wusste gar nicht, dass Kevin Smith nach dem, wie ich finde ganz vorzüglichen, „Red State“, die Filmerei an den Nagel hängen wollte. Sir Donnerbolds Bagatellen weiß nun aber zu berichten, dass Smith doch noch einen weiteren Film plant. Die Story über einen Walrossliebhaber, der seine Untermieter zwingt zwei Stunden täglich ein überzeugendes Walross zu geben, klingt hübsch und angeblich sollen Michael Parks und Quentin Tarantino mitspielen. Hoffentlich ist das jetzt kein verspäteter Aprilscherz.

– Michael Schleeh stellt auf Schneeland zwei Filme vor. Einmal einen Tiefschlag namens „Serial Rapist“ von Kôji Wakamatsu und dann einen Film, der ihn schlichtweg überwältigt hat. Das Drama „Last Words“ von Ryuichi Hiroki.

– totalschaden bespricht auf Splattertrash zwei Filme, die ich sehr, sehr mag. Sergio Corbuccis „Django“ und David Cronenbergs „Videodrome“.

– Annika Stelter ist bei Die Filme, die ich rief  im Jahr 1935 angekommen und sieht erstmals einen Film aus Alfred Hitchcocks britischer Phase. Zwar ist kein „früher“ Film, wie sie schreibt – „39 Steps“ läutete schon den letzten Abschnitt dieser Phase ein – aber ich finde es schön, wie sie den „britischen“ Hitchcock für sich entdeckt und freue mich immer, wenn jemand auch auf diese unbekannteren Meisterwerke hinweist.

– Keinen Film habe ich häufiger gesehen als „Terminator“. Mitte der 80er haben wir den im Kreise der Schulfreunde bestimmt jedes Wochenende geguckt. Man hatte ja auch nicht so viel. Allein schon aus nostalgischen Gründen muss ich hier also auf Oliver Nödings Besprechung auf Remember it for later hinweisen.

– Klaus Wiesmüller gibt auf Japankino.de bekannt, dass sein Akira-Kurosawa-Buch nun als eBook bezogen werden kann und auch eine Print-Ausgabe geplant ist.

– Der Gruselfilm „Conjuring – Die Heimsuchung“ von „Saw“-Miterfinder James Wan war ein Überraschungserfolg in den USA. Zurecht meinen sowohl Martin Beck von Reihe Sieben, als auch Ronny Dombrowski von cinetastic.de

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DVD-Rezension: „Himizu – Dein Schicksal ist vorbestimmt“

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Der 14-jährige Yuichi (Shôta Sometani) möchte nur ein ganz gewöhnliches Leben führen. Nachdem ihn seine spielsüchtige Mutter für einen Liebhaber verlassen hat, kümmert er sich um den kleinen Bootsverleih der Eltern. Sein alkoholkranker Vater schaut nur vorbei, um ihm sein letztes Geld abzunehmen und ihn zu beschimpfen. Nur die Tsunamiflüchtlinge, denen er erlaubt auf seinem Grundstück zu leben, unterstützen ihn, so gut sie können. Und da ist noch seine Mitschülerin Keiko (Fumi Nikaidô), die völlig von ihm besessen ist, und darum nicht von seiner Seite weichen will. Eines Tages tauchen zwei Yakuza auf, die die hohen Schulden seines Vaters eintreiben wollen und Yuichi verprügeln und demütigen. Der Zorn in Yuichi wächst…

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Das ist er also: Mein erster Sono. Bisher waren die Werke dieses japanische Regisseurs Shion Sono, dessen Filme extrem gespaltene Reaktionen bei Kritik und Publikum auslösen, immer wieder an mir vorbei gegangen. Wobei mir der Name Sono natürlich geläufig war. Man hörte von der berühmten Szene aus „Suicide Circle“ in der eine Gruppe Schulkinder kollektiven Selbstmord begeht, indem sie sich vor eine fahrende U-Bahn stürzen. Auch hörte ich, dass seine Werke überlang und mit etwas zu viel Kunstwillen ausgestattet sein sollten. Und natürlich von der Gewalt, die er gerne zelebriert. Bisher war es mir aber, wie gesagt, nicht vergönnt, mir selber ein Bild von Shion Sono zu machen. Somit war ich sehr gespannt auf „Himizu“, der nun bei Splendid als Teil der Amasia-Reihe erscheinen ist. Ein merkwürdiges Umfeld, finden sich hier doch vor allem Martial-Arts-Filme oder Heroic Bloodshed-Epen. „Himizu“ scheint mir da eher klassisches Material für Rapid Eye Movies zu sein, die ja auch Sonos andere Film in Deutschland veröffentlicht haben.

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„Himizu“ entstand zunächst als Adaption des 2001 erschienenen, gleichnamigen Mangas von Minoru Furuya. Doch während der Dreharbeiten ereignete sich die Katastrophe von Fukushima, woraufhin Shion Sono sein Drehbuch umschrieb und sich mit seiner Crew in die Miyagi-Region aufmachte, um vor dem Hintergrund der schrecklichen Verwüstung, einige Szenen zu drehen, die als Rückblicke und Traumsequenzen Eingang in den finalen Film fanden. Sieht man „Himizu“ jetzt, mag man fast gar nicht glauben, dass diese Elemente erst nachträglich eingefügt wurden. Zu perfekt passen sie in diese Allegorie auf den heutigen Zustand Japans. Eine zerstörte Nation, die vor den Trümmern ihrer Werte steht. Vernichtet von Gier, menschlicher Kälte und Sorglosigkeit. Die Hoffnung ruht auf der nächsten Generation, doch diese irrt orientierungslos durch die Trümmerlandschaft, die einst ihr Zuhause war. Die Frage ist, besteht noch Hoffnung? Wird die nächste Generation sich daran machen, den Schutt beiseite zu räumen und neu anzufangen? Gönnt Sono seinen Landsleuten diesen kleinen Lichtblick oder löst dieser sich auf, wie ein Kopf, durch den eine Kugel gejagt wird?

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Diese Allegorien auf die momentane Situation in Japan sind so überdeutlich, dass man schon etwas genervt sein kann, weil Shion Sono einen immer wieder mit der Nase drauf stößt. Die Jugend, ist von ihren kaltherzigen, nur dem eigenen Wohlbefinden verpflichteten, Eltern nicht nur allein gelassen. Mehr noch – sie sind ihnen ein lästiger Klotz am Bein, den es gilt, zu beseitigen. So kann keine Liebe entstehen und die Hauptfigur Yuichi muss im Laufe des Filmes erst lernen, anderen zu vertrauen, und so etwas wie Mitgefühl zuzulassen. Auf diesem Weg begleitet ihn Keiko, die quasi das andere Extrem darstellt. Ihre Sehnsucht nach Liebe ist so groß, dass Yuichi für sie zur fixen Idee wird und psychotische Züge annimmt. In „Himizu“ ist Japans Jugend emotional verkrüppelt. Erst die Tabula Rasa des Tsunami, der alle alten Lasten hinweggefegt hat, kann einen Neuanfang versprechen. Doch bis dahin ist es ein weiter und unsicherer Weg. Und immer wieder lockt das Angebot, dass alles einfach durch eine kurzes Durchziehen des Abzugs zu beenden, statt den steinigen Weg zu beschreiten.

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Yuichi sehnt sich danach ein einfaches Leben zu führen. Nicht aufzufallen, sondern einen ruhigen Platz für sich zu finden und ein guter Mensch zu sein. Doch seine Umwelt lässt das nicht zu. Da gibt es den Lehrer, der seine Schüler mit hohlen Durchhalteparolen traktiert – ebenso, wie es die Politiker nach Fukushima getan haben. Der Vater, der einst lieber die Versicherungssumme für den Tod Yuichis kassiert hätte und diesem noch heute vorwirft, einen Schwimmunfall überlebt und ihn damit um sein Geld gebracht zu haben. Dann gibt es die skrupellosen Yakuza, die allein für ihren Profit leben und für die Menschenleben nichts zählen. Die Mutter, die ihren Sohn bei der erstbesten Gelegenheit allein zurücklässt und die Eltern, die ihrer Tochter einen Galgen bauen, in der Hoffnung sie bringt sich um. Mehr als einmal werden die Kinder beschimpft, sie wären nur wertloser Ballast. Manche von ihnen resignieren, anderen werden wahnsinnig und ziehen mordend durch das Land, um etwas zu ändern. Auch Yuichi droht dieses Schicksal. Auch er weiß nicht, wie er die Umstände sonst ändern könnte. Ohne Gewalt. Ohne die Verhältnisse zu vernichten. Nur Liebe und Mitgefühl kann ihn retten.

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Allein die obdachlosen Opfer des Tsunami werden positiv dargestellt. Aber auch der einzige Charakter, der aus dieser Gruppe deutlicher hervorgehoben wird, ein von Tetsu Watanabe gespielter, liebenswert-verwirrter Mann, der im Tsunami alles verlor, wird zum Mörder. Obwohl er nur Gutes tun und Japan – in Gestalt des jungen Yuichi – eine Zukunft geben will, lädt er mörderische Schuld auf sich. Bedauerlicherweise sind aber, bis Yuichi und Keiko, alle Figuren stark überzeichnet und übertreten manchmal sogar die Grenze zur Parodie.

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Bei Shion Sono wird immer viel über Gewaltdarstellungen geschrieben. In „Himizu“ sind diese nicht besonders grafisch, aber die Brutalität ist trotzdem allgegenwärtig und drückt sich auch in dem gefühlskalten Umgang der Figuren untereinander aus. Besonders wenn Yuichi immer wieder auf Keiko einschlägt, ist dies nur schwer hinzunehmen. Generell wechselt der Film beständig zwischen einem rauen Ton, der sich auch in den schroffen Bildern ausdrückt, und einem beinahe liebeswürdigen, mit dem – gerade zum Finale hin – wunderbar durchkomponierten Bildern einhergeht. Der ganze Film wirkt mit seinen über zwei Stunden sehr überladen. Es werden viele Charaktere vorgestellt und ihre ganz persönlichen Geschichten zu Nebenhandlungen verarbeitet. Doch diese werden größtenteils nur kurz angerissen und nicht auserzählt. Man kann diese Vignetten zwar auch selber im eigenen Kopf weitererzählen, denn Sono liefert hierfür genug Futter. Manchmal allerdings, wünschte man sich mehr hören. Und manchmal wäre es vielleicht besser, Sono hätte diesen oder jeden Strang aus seinem Film heraus gekürzt. Generell entsteht bei „Himizu“ ein Gefühl der Unfertigkeit. Als ob hier noch etwas fehlen würde, oder dort etwas ganz unnütz aus der Geschichte herausragen würde.

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Herausragend sind die beiden Hauptdarsteller, Shôta Sometani und Fumi Nikaidô, die die schwierige Aufgabe meistern, den Zuschauer mit ihren, im Grunde doch eher unsympathischen, Figuren mitleiden zu lassen. Gerade der von Shôta Sometani gespielte Yuichi macht es einem nicht leicht, wenn er immer wieder auf die ihn anhimmelnde Keiko einschlägt oder griesgrämig jegliche Hilfe und alles Mitgefühl abblockt. Trotzdem erinnert er in seiner intensiven, sehr physischen Darstellung ein wenig an den „Rebellen ohne Ziel“ James Dean. Fumi Nikaidôs Keiko hat großes Potential zur Nervensäge zu werden, durch ihre sensible Darstellung empfindet man aber mehr Mitleid als Genervtheit. Völlig zu Recht wurden beide bei den 67. Filmfestspielen in Cannes gemeinsam mit dem Marcello-Mastroianni-Preis für die besten Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet.

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Wie bereits eingangs geschrieben, ist dies meine erste Begegnung mit Shion Sono. Liest man die Kritiken im Netz, wird oft die Beschwerde hervorgebracht, Sono würde sich in „Himizu“ zu oft selbst zitieren und seinen vorherigen Werken nicht viel Neues hinzufügen. Für mich war mein erster Sono zwar nicht gänzlich perfekt, aber doch so interessant, dass er mich dazu angeregt, mich eingehender mit diesem Regisseur zu beschäftigen. Vielleicht werde ich demnächst mal seinen 4-stündigen „Love Exposure“ probieren, der vielerorts als sein Meisterwerk angepriesen wird.

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Das Coming-of-Age-Drama „Himizu“ ist ein Gleichnis auf die japanische Gesellschaft heute. Seine interessante Geschichte wirkt durch zu viele Nebenstränge etwas unfertig und überladen. Dank der intensiven Darstellung seiner beiden Hauptdarsteller, verliert man aber nie das Interesse am Schicksal der Figuren. Daneben wirken alle anderen Charaktere allerdings völlig überzeichnet. Der hastig eingefügte Fukushima-Hintergrund stört nicht und visualisiert noch einmal sehr deutlich die Aussage des Filmes, dass die japanische Gesellschaft und ihre Werte, wie Familie und Mitgefühl, in Trümmern liegen.

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Die Splendid DVD hat wieder einmal ein hervorragendes Bild, was besonders in den Szenen zur Geltung kommt, in denen Sono auf eine elegante Bildgestaltung wert legt. In anderen Szenen, die mit Handkamera gefilmt werden, wirkt das Bild rauer. Wie immer bei japanischen Filmen ist die Originaltonspur absolut vorzuziehen, da sie die Stimmung des Filmes und die Charaktere unterstützt. Die solide deutsche Synchronisation sollte nur eine Notlösung sein. In einem ca. 80-minütigen „Making Of“, welches als Drehtagebuch daher kommt, erhält man zahlreiche Einblicke in die Dreharbeiten und einige Interviews mit Shion Sono.

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Originalfassungen in Bremen: 25.07.13 – 31.07.13

Auch wenn die Liste auf den ersten Blick recht mager aussieht, so kommt der O-Ton-Fan diese Woche, dank einer guten Auswahl, doch auf seine Kosten. Und mit dem sehr schönen „Searching for Sugarman“ läuft sogar einer meiner Favoriten aus dem letzten Jahr.

Wolverine: Der Weg des Kriegers (3D) – Cinemaxx, Do. um 20:45 und Fr.-So./Di.-Mi. um 19:45 – Nun schon zum sechste Mal verkörpert Hugh Jackman den kleinen X-Man mit der großen Wut im Bauch. Diesmal verschlägt es Wolverine nach Japan. Regie führt James Mangold, de einst Stallone zu einer seiner besten Leistungen antrieb („Cop Land„) und mit „Walk the Line“ Oscar-Material ablieferte.

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Pacific Rim – Cinemaxx, Fr.+Di. um 19:30 – Die Story in einem Satz: “Riesen-Roboter gegen Riesen-Monster”. Klingt einerseits nett, wenn man ein Herz für japanische Monsterfilme hat, andererseits fürchterlich, wenn man bedenkt, das Hollywood gerne aus solche einer Prämisse gerne mal ultra-patriotische, seelenlose CGI-Spektakel macht. Aber es besteht Hoffnung, denn der Regisseur heißt Guillermo del Toro und der hat mit “Pans Labyrinth” bewiesen, dass er ein toller Filmemacher ist und mit “Hellboy“, dass er auch mit großer Lust und viel Spaß triviale Comic-Filme inszenieren kann. Und da der talentierte Herr del Toro ein ausgewiesener Fan von “kaiju” (so heißen Godzilla, Mothra und Co. in Japan) ist, darf man wohl etwas auf die überraschend positiven Kritiken geben. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mal ein Auge zu riskieren.

The Company You Keep – Die Akte Grant – Cinemaxx, So., Mo. Und Mi. immer 19:40 & Schauburg, So., 28.7. um 21:30 – Robert Redford hat wieder einen Politthriller gedreht und dabei gleich selber die Hauptrolle übernommen. Er spielt einen Anwalt, der einst zu einer militanten linken Gruppe gehört und nun seit 30 Jahren unter falschem Namen lebt. Als seine ehemalige Kameradin (Susan Sarandon) festgenommen wird und ein nerviger Reporter (Shia LaBoeuf) hinter die Story kommt, muss er durch die USA flüchten, um seinen Namen reinzuwaschen.

Only God Forgives – Schauburg, Mi., 31.7. um 21:00 – Tjaaaa…. Ich freue mich ja schon ziemlich drauf, aber die bisherigen Meinungen sind so extrem gespalten, wie ich es in letzter Zeit bei keinem Film gesehen habe. In Cannes einmündig zerrissen und auch danach häufig von harscher Kritik überzogen, mehren sich zur Zeit auch die Stimmen derer, die ihn vehement verteidigen. Scheinbar gibt es hier nur Gut und Böse und nichts dazwischen.

La grande Bellezza – Die große Schönheit – Gondel, So. 20:30 und Mo. 17:30 – Mehr als 50 Jahre nach Fellinis „La Dolce Vita„, lässt Regisseur Paolo Sorrentino einen alternden Schriftsteller, der noch immer vom Ruhm seines Debütromans zerrt, durch Rom wandeln. Wie einst Marcello Mastroianni blickt auch er hinter die Kulissen der dekadenten und hohlen Oberschicht.

[youtube width=“630″ height=“299“]http://www.youtube.com/watch?v=hRgm3mvRUiU[/youtube]

Searching for Sugarman – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – Je weniger man über diese wunderbare Doku weiß, umso besser. Für mich war der Film 2012 das „Feel-Good-Movie-Of-The-Year“. Was dann auch in diesem Frühling mit einem Oscar belohnt wurde.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=KKXewWDh1og[/youtube]

On the Road – City 46, do.-Mi. immer 20:30 – Walter Salles‘ Jack Kerouac-Verfilmung  mit Sam Riley, Garrett Hedlund und Kirsten Dunst. Siehe auch Jan-Wilhelms Anmerkung in den Kommentaren.

Französische Sneak Preview – Atlantis und Gondel, beide Mi., 31.07. um 21:00

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 29.07. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 29.07. um 21:45

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