Nachrichten getagged: Rezension

Schauburg: Bernard Rose stellt am 23.6. “Mr. Nice” vor

Von , 21. Juni 2011 13:23

Regisseur Bernard Rose stellt in der Schauburg am kommenden Donnerstag, den 23.6., um 21:00 Uhr seinen neusten Film “Mr. Nice” vor.

“Mr. Nice” lief bereits im letzten Jahr auf dem International Filmfest in Oldenburg. Damals war der reale Howard Marks (die Hauptperson des Filmes) zugegen, um den Film vorzustellen. Jetzt kommt also der Regisseur vorbei.

Der Engländer Bernard Rose dürfte vielen Filmfreunden durch seinen Horrorfilm-Klassiker “Candyman” (mit der Musik von Philip Glass!) bekannt sein, der ja zu einer kurzlebigen Serie ausgeschlachtet wurde und Tony Todd zum Horrorstar machte. Zudem drehte er die Beethoven-Biographie “Immortal Beloved” und – wie ich gerade sehe – er hat einen Film namens “Snuff-Movie” gedreht, dessen Hauptperson auf den schönen Namen “Boris Arkadin” hört. Denn muss ich mir dann wohl mal angucken.. ;)

Hier noch einmal der Text, den ich letztes Jahr anlässlich der Vorstellung des Filmes auf dem Filmfest in Oldenburg schrieb.

Mr. Nice

(…) Hier gab es das britische Bio-Pic “Mr. Nice” zu sehen, welches sich mit dem Leben des größten britischen Drogenschmugglers aller Zeiten beschäftigte: Howard Marks. Eigentlich sollte diese schillernde Gestalt auch bei der Vorführung anwesend sein, musste aber überraschend am morgen abreisen. Ein Zuschauer neben mir raunte: “Der ist bestimmt wieder auf der Flucht”.
Der Film hat mir sehr gut gefallen. Er fängt gut die Atmosphäre im Swinging London der 60er bis in die Gegenwart ein und liefert in der Montage mit zeitgenössischen Originalaufnahmen und einem schönen Soundtrack ein angenehmen Zeitkolorit. Mit Rhys Ifans besitzt die interessante und spannende Geschichte auch einen idealen Hauptdarsteller, der die coole Arroganz und Selbstüberschätzung, aber auch das Verletzliche in Howard Marks zum Vorschein bringt. Einzig am Anfang wirkt Rhys Ifans etwas befremdlich, wenn er den sehr jungen Howard Marks spielt und dabei sein Alter (Ifans ist 42) nicht im Mindesten kaschiert wird. Überhaupt scheint Marks in dem Film nicht zu altern. Möglicherweise eine bewusste Entscheidung von Regisseur Bernard Rose, denn der Film wird ganz aus Marks Perspektive erzählt (und beruht auf seiner Autobiographie) – ist also völlig subjektiv und wir wissen nicht, inwieweit Marks überhaupt ein verlässlicher Erzähler ist. Vielleicht wollte Rose durch diesen Trick andeuten, dass die Geschichte, die er erzählt, vielleicht nur die beschönigenden Erinnerungen des “alten” Howard Marks sind. Wie dem auch sei, ein guter Film mit einem überzeugenden Hauptdarsteller, der über seine zwei Stunden Laufzeit niemals langweilt.

Buchrezension: “Bud Spencer – Mein Leben, meine Filme”

Von , 14. Juni 2011 19:52

Sie stürmte sofort an die Spitze der Bestseller-Liste: Die Autobiographie von Bud Spencer. Bei den Signierterminen in Hamburg, Berlin und vor allem in Bremen, kam es zu einem Ansturm der Fans, der dem bei einer Boygroup alle Ehre machen würde. Der Rummel drumherum stimmt also, aber wie es denn nun so das Buch? Ich habe die Biographie jetzt durchgelesen, aber ich bin nicht so wirklich begeistert.

Man kann das Buch zwar ganz gute und schnelle Unterhaltung, aber Buddy (bzw. seine beiden Mitstreiter Lorenzo de Luca und David de Filippi) hält sich bei seiner Lebensgeschichte doch sehr mit tiefer gehenden Informationen zurück. Zum Beispiel wird seine Tätigkeit als Musikproduzent nur mal so am Rande erwähnt. Etwas, was mich sehr wundert.

Beschäftigt man sich mit Bud Spencers Leben, so bietet es reichhaltigen Stoff für einen dicken Wälzer. Ein dicker Wälzer ist die Autobiographie aber wahrlich nicht geworden. Die vielen, sehr unterschiedlichen, Stationen seines Lebenslaufs werden gerade mal angerissen und wenn Buddy dabei Anekdoten aus diesem spannenden Leben erzählt, so wirken sie irgendwie unrund und.. ja… auch uninteressant. So, als ob ihm jetzt unbedingt noch war lustiges oder tief schürfendes zu einem Thema einfallen müsse. Das wirkt dann manchmal etwas sehr verkrampft und “gewollt”.

Auch sein Understatement, was seine schauspielerischen Fähigkeiten angeht, kommt zwar anfangs noch sehr sympathisch rüber, aber wenn er es dann zum x-ten wiederholt, merkt man schon, dass er damit halt SEHR gerne kokettiert. Auch über Dreharbeiten und Kollegen erfährt man so gut wie nichts. Okay, dass Lee Van Cleef ein alkoholkranker Unsympath war, das z.B. schon. Aber wie so viele andere Geschichten, bietet diese kurze Anekdote Buddy vor allem die Möglichkeit, sich als der gutmütiger, schlitzohriger Kerl in Szene zu setzten. Grundsätzlich stößt mir das etwas auf. Alles, was er erzählt, dient letzten Endes dazu, ihn in einem Licht dastehen zu lassen, welches dem Bild, das seine Fans zu ihm haben, ziemlich genau entspricht.

Klar gibt es auch leichte Selbstkritik, aber diese bezieht sich fast ausschließlich auf sein jüngeres Ich (welches er in einem, wie ich finde, etwas verunglückten Pro- und Epilog trifft), das er als arrogant und selbstverliebt beschreibt. Oder eben – wie schon erwähnt – auf seine mangelnden schauspielerischen Fähigkeiten. Schade, es wäre weitaus mehr drin gewesen, insbesondere bei so einem abwechslungsreichen und ungewöhnlichen Leben. Aber vielleicht gibt es ja irgendwann noch eine Biographie, die nicht nur an der Oberfläche kratzt und vor allem von einem Autoren verfasst wurde, der weniger subjektiv an die Sache rangeht. Kurz und gut: Die Autobiographie ließt sich zwar so weg, aber wirklich erhellend ist sie nicht.

Rezension: “Tron: Legacy”

Von , 5. Februar 2011 19:14

Der erste “Tron” war kein großer Erfolg als er 1982 in die Kinos kam. Aber er hatte Potential. Über die Jahre erwuchs dem Film eine große Fangemeinde, was vor allem an seiner, damals noch arg “fantastischen” erscheinenden, Handlung (Menschen dringen in einen Computerwelt ein) lag, die später durch Cyberspace und Internet gar nicht mehr so fantastisch, sondern visionär wirkt, sowie seinem  revolutionären Design und Computereffekten.

Lange wurde über eine Fortsetzung oder ein Remake spekuliert. Nun ist es soweit: 28 Jahre nach seiner Uraufführung erhält “Tron” ein Sequel. Und wie das Original verspricht auch das Sequel ein atemberaubendes visuelles Ereignis zu werden. In Bremen ist die Stadt mit Plakaten gepflastert, die für einen “IMAX”-Besuch werben, wo der Film mit speziell für “IMAX”-Kinos aufbereiteten, digital verbesserten 43 Filmminuten aufwarten kann. Dazu ist der Film in 3D und für den Soundtrack wurden die weltberühmten Soundtüftler “Daft Punk” verpflichtet.

Mit anderen Worten: Die Werbung verspricht ein wahrhaft umwerfendes, bisher nicht gekanntes, richtungweisendes und sinnliches Erlebnis. Aber hält der Film auch sein Versprechen? Die Antwort lautet: Nicht wirklich.

Im Film geht es um den Sohn des Programmierers Kevin Flynn, der im ersten Teil in die Computerwelt eingetaucht war und zusammen mit Tron gegen das MCP (Master Control Program) gekämpft hat. Nun ist er seit fast 30 Jahren verschwunden. Ein Signal aus seiner alten Werkstatt bringt den jungen Sam Flynn auf seine Spur und nun wird auch dieser in die “Tron”-Welt gezogen. Dort herrscht mittlerweile Clu, ein digitales, junges Abbild seines Vaters, der die Welt zwischen den Bits und Bytes in ein totalitäres System verwandelt hat.

Den Film kann man auch verstehen, wenn man (wie ich) den ersten Teil nicht kennt. Zwar entgehen einem einige Querverweise, aber das ist nicht weiter schlimm. Aus dem Original wurden Jeff Bridges und Bruce Boxleitner (der aber nur eine winzige Rolle spielt) übernommen. Beide erhalten im Film ein jüngeres, computergeneriertes Ich, wobei das Bridges-Double weitaus näher am Original ist. Es ist schon erstaunlich, wie gut dies gelungen ist, auch wenn man nie vergessen kann, dass man nicht den echten Jeff Bridges, sondern nur ein digitales Spiegelbild vor Augen hat. Aber so ist ja auch die Rolle des Clu angelegt und es beruhigt doch einigermaßen, dass Schauspieler nicht ohne weiteres von CGI-Klonen übernommen werden können. Noch nicht.

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Rezension: “Black Swan”

Von , 5. Februar 2011 18:08

Black Swan” erzählt von der jungen Balletttänzerin Nina. Eine höfliche, schüchterne junge Frau, die den Ehrgeiz hat, durch absolute Perfektion Anerkennung zu finden. Sie kämpft um die Doppelrolle des weißen und des schwarzen Schwans in einer neuen Bearbeitung des Balletts “Schwanensee” durch einen französischen Star-Choreographen. Eigentlich hat sie keine Chance, denn obwohl sie technisch brillant ist und die Idealbesetzung für den reinen, sanften weißen Schwan, so fehlt ihr die Tiefe und die Verruchtheit des schwarzen Gegenübers. Trotzdem erhält sie überraschend die Rolle. Von nun an nimmt der unerbittliche Druck auf Ninas zerbrechliche Seele immer mehr zu und ihre inneren Dämonen brechen hervor.

“Schwanensee” ist wohl das bekannteste Ballett der Welt. Die Musik von Piotr I. Tschaikowsky weltberühmt und 1.000fach recycelt, das Ballett selber schon so oft kopiert und parodiert, dass es eins der ausgelutschten Stücke auf den Bühnen der Welt ist. Im Film wird dann auch folgerichtig gesagt: “It’s been done to death”. Aber kennt jemand überhaupt die Geschichte, die dieses Ballett erzählt? Es ist wie bei den vielen Bestsellern, über die alle sprechen, aber die keiner wirklich gelesen hat. Worum geht es in Schwanensee? Und ist die Geschichte überhaupt noch zeitgemäß? Darren Aronofsky nimmt dies berühmte und dennoch unbekannt Geschichte und transportiert sie ins Jetzt. Seine Interpretation der Geschichte handelt von einer Person, die unter dem Borderline-Syndrom leidet. Interessanterweise zeigt der Film die Symptome (Selbstverletzung, paranoide Vorstellungen, Halluzinationen, Ich-Spaltung) ohne nur einmal namentlich darauf einzugehen.

Der Druck, der auf die Hauptperson Nina ausgeübt wird, kommt von allen Seiten. Von ihrer Mutter, die (ein Klischee, welches leider in der Realität tatsächlich häufig vorkommt) ihre verpatze Karrierewünsche auf das Kind projiziert. Die Rolle der Mutter ist sehr interessant. Sie treibt ihre Tochter nicht direkt zu Höchstleistungen an, aber sie baut einen solchen Druck auf Nina auf, dass diese ihren Lebenssinn darin sieht, sich für ihre bloße Existenz bei der Mutter zu entschuldigen. Und zwar dadurch, dass sie die perfekte Tänzerin wird, die die Mutter niemals war. Die Mutter wiederum ahnt, was in ihrem Kind vorgeht, versucht Nina in einer Kinderwelt einzubetten und ist scheinbar auch über ihre psychische Störung informiert. Trotzdem macht sie durch ihr Verhalten alles nur noch schlimmer und treibt Nina immer weiter in den Abgrund.

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Rezension: “Shopping Girls” (Galerianki)

Von , 29. Juni 2010 15:58

So und hier nun die gestern versprochene Review des polnischen Films “Galerianki

Gerade noch ins Kino geschafft. Die Befürchtung, dass eine eventuelle Verlängerung im Spiel Deutschland gegen England meine Kinopläne über den Haufen wirft, haben unsere Jungs ja auf recht beeindruckende Art und Weise “weggemüllert”. Also nach dem Schlusspfiff Frauchen an die Hand genommen und schnell rüber zum Kino 46, wo der Film im Rahmen der Reihe “Filmland Polen” lief.

Auf dem Weg noch etwas WM-Atmosphäre durch laut hupende Autokorsos auf der Waller Heerstr. getankt und Punkt 18:00 an der Kasse gestanden. Zu meiner großen Verwunderung war der Film recht gut besucht. Im Anbetracht der Umstände hatte ich erwartet, dass sich gerade mal eine Handvoll Interessierter (vorwiegend weiblicher und polnischer Natur) einfinden würden. Weit gefehlt. Das Publikum war sehr homogen und im Gegensatz zu vorherigen Aufführungen nur vergleichsweise wenig polnisch sprechende Zuschauer auszumachen.

“Galerianki” handelt von minderjährigen Mädchen, die sich vorzugsweise in großen Shopping Centern aufhalten, um dort ältere Männer anzusprechen und sich von diesen für sexuelle Gefälligkeiten teure Klamotten und andere Statussymbole kaufen zu lassen. Der Film entfachte in seinem Heimatland einen ziemlichen Skandal, da er ein bis dahin zwar existierendes, aber tot geschwiegenes Problem aufgriff. Beim Polnischen Filmfest in Gdynia wurde Regisseurin Katarzyna Roslaniec dann mit dem Preis für den besten Debütfilm ausgezeichnet.

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Rezension: “Kleine Tricks” (Sztuczki)

Von , 31. Juli 2009 13:07

Im letzten Jahr sollte im Rahmen des Festivals “Filmland Polen” auch der Streifen “Sztuczki” laufen. Dieser wurde aber kurzfristig aus dem Programm genommen, da der Film in Deutschland einen Verleih bekommen hat und ganz regulär in die Kinos kommen sollte. Ein Jahr später ist es soweit: Unter dem Titel “Kleine Tricks” ist der Film in der letzten Woche – begleitet von überschwänglichen Kritiken – in den deutschen Programmkinos gestartet und schlägt sich dort auch nicht schlecht. Laut programmkino.de belegt er den 4. Platz der so genannten “Arthaus-Charts”, noch vor dem auf unzähligen Plakatwänden beworbenen Keira-Knightly-Vehikel “Edge of Love”.

Da der Film in Polen schon 2007 in die Kinos kam (und dort u.a. den Preis als bester polnischer Film gewann), ist er in unserem Nachbarland schon etwas länger auf DVD zu haben.

“Kleine Tricks” erzählt von dem Jungen Stefek, der im Grunde von seiner großen Schwester Elka großgezogen wird. Die Mutter hat nie Zeit für die beiden, der Vater hat kurz nach Stefeks Geburt die Familie verlassen. Elka bringt Stefek bei, dass man mit kleinen Tricks das Schicksal manipulieren kann. Eines Tages sieht Stefek im örtlichen Bahnhof einen Mann auf seinen Zug warten und ist felsenfest davon überzeugt, dass dieser Mann sein Vater sei. Von nun an hat er nur noch ein Ziel: Das Schicksal auszutricksen, um den “Vater” wieder zur Familie zu bringen.

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Rezension: “Slumdog Millionär”

Von , 21. April 2009 15:23

Dass “Slumdog Millionär” weltweit Begeisterung hervorruft und 8 Oscars abräumt kann man irgendwo verstehen. Ist er darum ein guter Film? Meiner Meinung nach: Nein.

Worum geht’s? Der indischer Jugendliche Jamal, geboren in den Slums von Mumbai, steht kurz davor bei der indischen Ausgabe von “Wer wird Millionär” zu gewinnen. Da die Sendezeit vor der letzten, alles entscheidende Frage abgelaufen ist, wird die Entscheidung vertagt. Allerdings wird Jamal direkt nach er Sendung unter Betrugsverdacht verhaftet und beim Verhör gefoltert. Er soll zugeben bei den Antworten geschummelt zu haben, denn ein Junge aus den Slums kann unmöglich die Antworten wissen. Jamal erzählt seinen Peinigern seine Lebensgeschichte und warum er die Antworten kannte.

Der Film irritiert durch seine ungezügelte Anbiederungswut. Einerseits möchte er sein Publikum durch möglichst drastische Bilder aus den Elendsvierteln wach rütteln, andererseits aber bloß nicht zu sehr verstören. Alles ist doch irgendwo nicht ganz so schlimm und von einer merkwürdig altmodischen, dickensschen Romantik durchzogen.

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Rezension: “The International”

Von , 25. Februar 2009 14:32

“Der Film zur Bankenkrise!” – so oder so ähnlich wurde der Film zumeist besprochen, als er bei der “Berlinale” als Eröffnungsfilm zu sehen war. Was ist dran? Leider nicht viel.

Clive Owen spielt einen Europol-Polizisten, der zusammen mit einer New Yorker Staatsanwältin gegen eine mächtige Bank ermittelt, welche nicht nur in finstere Machenschaften mit Waffenhändlern verstrickt ist, sondern auch gerne den Weg zur Kontrolle der Weltwirtschaft mit Leichen pflastert.

Ich fange mal mit dem Positiven an. Die Bilder die Tom Tykwer und sein Kameramann Frank Griebe finden, sind zum Teil überwältigend schön. Die kann man so einrahmen und sich über das Bett hängen. Den Soundtrack fand ich auch sehr okay und Herrn Owen ist bei mir immer wieder ein gern gesehener Gast auf der großen Leinwand.

Das Drehbuch kann allerdings nicht überzeugen. “Der Film zur Bankenkrise” – siehe oben – ist es nun weiß Gott nicht. Macht auch nichts, wenn er sich darauf konzentrieren würde, dann eben “nur” Unterhaltungsfilm zu sein. Durch die bedacht detaillierte Erzählweise soll aber der Eindruck erweckt werden, die Welt erklärenden zu können und ein möglichst realistisches Abbild der Missstände im Bankenwesen aufzuzeigen. Dies beißt sich aber gewaltig mit der unrealistischen (wenn auch z.T. brillant choreographierten) Action, der Überstrapazierung des Kollegen Zufalls und einigen offensichtlichen Unwahrscheinlichkeiten. Wenn z.B. Clive Owen gegen Ende der Filmes mit gezogener Waffe durch die übervölkerten Gassen von Istanbul spaziert ohne dass auch nur einer mal hinguckt, dann passt das vielleicht bei einem Bond-Film (die ja eh in einer Film-Realität spielen), aber nicht hier, wo so auf den Anschein einer “echten Welt” wert gelegt wird.

“The International” ist einerseits ein toll fotografierter, aber unlogischer und überzogener Actionfilm und zum anderen eine (leider nicht besonders schlüssige) “Recherche”-Geschichte, wie man sie z.B. neulich noch bei “Zodiac” gesehen hat. Leider ist dieser Mix völlig unausgewogen und so wirkt z.B. die (Zugegebenerweise großartig gefilmte) Schiesserei im Guggenheim-Museum wie ein nachträglich eingefügte Fremdkörper. Man kann sich ganz gut amüsieren, wenn man das Hirn ausschaltet. Aber das ist von den Machern ja nicht gewünscht. Sie wollen unbedingt einen intellektuellen, “politischen” Action-Thriller schaffen und scheitern mit eben diesem Anspruch auf der ganzen Linie.

Rezension: “Der seltsame Fall des Benjamin Button”

Von , 11. Februar 2009 13:31

Nur ein Jahr nach seinem letzten Film “Zodiac” legt David Fincher nun sein neustes Werk “The Curious Case of Benjamin Button” vor. Dabei arbeitet er zum dritten Mal nach “Se7en” und “Fight Club” mit Brad Pitt zusammen. “Benjamin Button” hat ein lange Produktionsgeschichte hinter sich. Der Stoff zirkuliert seit 60 Jahren in Hollywood, Spielberg war kurz damit beschäftigt, ebenso Ron Howard. Bis jetzt scheiterte das Projekt aber in an den technischen Vorrausetzung. Wie sollte man glaubhaft einen Schauspieler vom Baby im Greisenkörper zum Greis im Körper eines smarten Jüngling umgekehrt altern lassen ohne das es zu sehr nach Gummimaske aussieht? Mittlerweile ist die Computertechnik so weit ausgereift, dass Brad Pitt und Cate Blanchett tatsächlich ohne Probleme sowohl 17 als 70-jährige spielen können.

 Hat sich das lange Warten gelohnt? Leider muss die Frage mit einem “Na ja, nicht wirklich” beantwortet werden, denn der der Film verschwendet sein Potential in rauen Mengen. Zur Story: Benjamin Button kommt im New Orleans der 20er Jahre zur Welt. Seine Mutter stirbt bei der Geburt, der Vater lässt das Baby, welches als ca. 80-jähriger Greis auf die Welt gekommen ist, im Altersheim verschwinden. Hier wächst Benjamin auf. Während die alten Menschen um ihn herum sterben, wird er immer jünger. Als er im Teenager-Alter ist und sein Körper der eines 60-jährigen, verlässt er das Altersheim, erlebt einige Abenteuer in Moskau und kehrt dann mit Ende 20 (körperlich Ende 40) nach New Orleans zurück und bemüht sich um seine Jugendliebe Daisy, die mittlerweile zum Teenager herangewachsen ist.

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Rezension: “Jerichow”

Von , 21. Januar 2009 11:17

Der Nordosten der Republik. Weites Land, ein bisschen Wald und das Meer. Thomas war Zeitsoldat in Afghanistan, wurde unehrenhaft entlassen, hatte dann in Hamburg mit zwielichtigen Gesellen zu tun und ist nun in das Dorf zurückgekehrt in dem er aufgewachsen ist. Er schlägt sich mit Hilfsarbeiten durch, um das Haus seiner verstorben Mutter zu renovieren und sich ein kleines Zuhause aufzubauen. Ali, der mit 2 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, hat sich hier mit einer Kette von 45 Imbissen eine Existenz aufgebaut. Dabei hat es zwar zu Wohlstand, nicht aber zum Glück gebracht. Er ist paranoid, neigt zu Gewaltausbrüchen und wird von seinen Angestellten regelmäßig betrogen. Seine schöne Frau, Laura, hat er nur bekommen, weil er ihre Schulden übernommen hat und sie so an sich fesseln konnte. Laura hasst ihr Leben mit Ali und würde ihm nur allzu gerne entfliehen. Als Ali seinen Führerschein verliert und Thomas als seinen Fahrer einstellt, verliebt sich dieser in Laura.

Christian Petzolds neuer Film ist klar von James M. Cains Roman “The Postman Always Rings Twice” (verfilmt 1946 mit John Garfield und Lana Turner, sowie 1981 mit Jack Nicholson und Jessica Lange, auch Vorlage für Viscontis “Ossessione“) inspiriert. Die Thriller-Handlung ist aber nur Vorwand für eine Charakterstudie dreier Menschen, die sich noch immer an das bisschen Hoffnung klammern, dass ihr kleines Glück irgendwann doch noch in Erfüllung gehen könnte.

Petzolds Film beeindruckt (mal wieder) mit einer ungeheuer präzisen Schauspielerführung und Bildgestaltung. Es ist kein Film der großen Reden. Es wird zurückgenommen agiert und doch erzählen Körperhaltung und kleine Gesten mehr über das Innenleben der Protagonisten, als es weitschweifige Dialoge oder ein expressionistisches Spiel vermögen könnten. Man empfindet einfach eine tiefe Freude, den Schauspielern bei ihrer Arbeit zuzusehen.

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