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Blu-ray-Rezension: „Das Grauen aus der Tiefe“

Von , 11. Januar 2017 20:49

das-grauen-aus-der-tiefeIn dem beschaulichen Fischerdorf Noyo an der Westküste der USA passieren merkwürdige Dinge. Ein Boot fliegt scheinbar ohne Grund in die Luft und unschuldige Hunde werden bestialisch abgeschlachtet. Schließlich verschwinden noch einige junge Menschen. Der Mob der Stadt unter Führung des rassistischen Hank Slattery (Vic Morrow) machen Johnny Eagle (Anthony Pena), einen Indianer, für die Vorfälle verantwortlich. Johnny behauptet jedoch, ein fischähnliches Monster gesehen zu haben. Bald schon macht er sich zusammen mit Dr. Susan Drake (Ann Turkel) und seinem Freund Jim Hill (Doug McClure) auf die Suche, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Schnell werden sie fündig und bekommen heraus, dass die Fischmonster genmanipulierte Lachse gegessen haben und zu menschenähnlichen Wesen mutiert sind, die sich fortpflanzen wollen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Die 80er Jahre haben viel hervorgebracht, was in den ach so coolen 90ern verlacht wurde, sich heute aber wieder seinen Platz in den Herzen der Filmfreunde zurückerobert. Insbesondere der B-Film der frühen 80er erfreut sich wieder einer großen Beliebtheit. Und ein hervorragendes Beispiel für eben diese B-Filme ist der unglaubliche „Das Grauen aus der Tiefe“, dessen Originaltitel „Humanoids from the Deep“ wie ein Misfits-Song klingt. Produziert wurde dieser kleine Kultfilm von der Legende Roger Corman für seine damalige Produktionsgesellschaft New World Pictures. Die Regie übernahm überraschenderweise eine Frau – zumindest offiziell, dazu später mehr – und die Darstellerriege wird vom alten Cowboy Doug McClure angeführt, dessen besten Jahre damals auch schon etwas zurücklagen. Und es geht um Fischmonster aus dem Meer, die an Land junge, hübsche Mädchen jagen und vergewaltigen. Also ein Stoff, aus dem Exploitation-Träume sind. Dementsprechend erfolgreich war der Film dann auch. So erfolgreich, dass 1996 sogar ein Remake folgte.

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Zunächst einmal klaut sich „Das Grauen aus der Tiefe“ durch die Filmgeschichte. Gleich der Anfang erinnert mit seinen Kameraeinstellungen und der Musik frappierend an „Der weiße Hai“, die frauenverrückten Fischwesen sind natürlich Verwandte des „Schreckens vom Amazonas“, die Umweltproblematik hat man schon in „Piranhas“ und „Die Prophezeiung“ gehabt, die Hinterwäldler kennt man aus Filmen von „Wer Gewalt säht“ bis „Beim Sterben ist jeder der Erste“ und am Ende guckt noch das „Alien“ vorbei. Aber das stört alles nicht, sondern macht ganz im Gegenteil den Charme dieses kleinen, schmutzigen B-Films aus, der vor allem auf ein setzt: Blut und Titten. Letzteres dürfte aber nicht auf dem Mist seiner Regisseurin Barbara Peeters gewachsen sein. Wenn man den Ausführungen der Beteiligten in den Making-Ofs Glauben schenkt, ist „Das Grauen aus der Tiefe“ ein Fall von Zwei-Filmen-in-Einem. Während Peeters einen sehr straighten und düsteren Monsterfilm mit dem Titel „Beneath the Darkness“ drehte, schickte Corman ein zweites Team unter der Führung von Jimmy T. Murakami los, welchen einen komplett anderen Film dreht, der sehr viel mehr mit hemmungsloser Exploitation zu tun hatte. Als Barbara Peeters das Ergebnis sah, welches Cutter Mark Goldblatt (später Regisseur des Lundgren’schen „Punisher“) aus den beiden Elementen zusammengefrickelt hatte, war sie entsetzt. Neben den extrem blutiger Monster-Angriffen im Schutze der Nacht, gab es jetzt auch plötzlich noch Szenen, in denen die Fischmonster am helllichten Tag ihren knackigen, jungen, weiblichen Opfern den Bikini vom Leib rissen und sich um die Fortpflanzung kümmerten. So wild das Ergebnis dies Mash-Ups auch war, Corman landet damit einen Hit.

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Für einen jungen James Horner, der sich später zu einem der größten Filmkomponisten Hollywoods mauserte und für „Titanic“ den Oscar gewann, war „Das Grauen aus der Tiefe“ die erste größere Arbeit. Seine Musik verlieht dem Geschehen eine epische Ernsthaftigkeit, die fast gar nicht zu dem Geschehen auf der Leinwand passen will, dieser aber auch nach weit mehr aussehen lässt. Geschickt verwendet Horner auch Motive aus den Vorbildern bei denen sich „Das Grauen aus der Tiefe“ bedient. Geschäftsmann der er ist, verwendete Corman Teile des edlen Scores dann auch in späteren Produktionen. Was auch für einige Action- und Monsterszenen gilt, die dann teilweise in „Der Vampir aus dem All“ auftauchen. Mit seinen gerade Mal 80 Minuten lässt „Das Grauen aus der Tiefe“ auch keine Langweile aufkommen. Ständig ist was los. Es gibt Schlägereien, fiese Brandanschläge, es wird sich beim Slasherfilm bedient und wenn schließlich die Monster beim großen „Lachsfest“ zuschlagen, sorgt Daniel Lacambres gute Kamera und Mark Goldblatts Talent als Cutter dafür, dass die drei Männer in Gummikostümen aussehen wie eine Armee Fischmenschen.

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„Das Grauen aus der Tiefe“ ist ein 80er-Jahre-B-Film at it’s best. Eine abstruse Handlung, die ordentlich aus anderen Filmen zusammen klaut, viel Sex, deftige, handgemachte Effekte und das alles sauber mit einigen Veteranen in den Hauptrollen inszeniert. Das macht Spaß und weckt nostalgische Gefühle.

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Die Luxus-Ausstattung, die OFDb Filmworks diesem Film angedeihen ließ, ist fast schon zu edel für dieses kleine, aber feine B-Filmchen. Auf drei Scheiben finden sich neben dem Film auf Blu-ray und DVD zahlreiche Extras. Der Film selber hat gleich zwei Audiokommentare spendiert bekommen. Einen vom Cutter Mark Goldblatt und einen vom bewährte Team Kai Naumann & Marcus Stiglegger. Ein sehr informatives „Making Of“ strotzt nur so vor Anekdoten und bringt in seinen nur 23 Minuten ein Maximum an Wissenswertem unter. Ferner gibt es noch zwei Featurettes mit Sound Designer David Lewis Yewdall (15 Min.) und Creature Effects Artist Steve Johnson (22 Min.), die beide auf sehr unterhaltsame Weise nicht nur ihre Spezialbereiche näher beleuchten, sondern auch etwas über ihren Werdegang und die ihre Arbeit an sich erzählen. Wie schon bei „Thief“ hat sich OFDb Filmworks auch hier eine einstündige Episode der Reihe „The Directors“ gesichert. Diesmal handelt sie von Roger Corman. Neben einem sehr kurzem Interview von Leonard Maltin mit Roger Corman (knapp vier Minuten), gibt es noch Trailer, TV-Spots und sonstiges Werbematerial. Des weiteren liegt noch ein 16seitiges Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch bei, der sich allerdings weniger um den Film als vielmehr um die „Beach Party“-Serie aus den 60ern dreht. Auch wenn „Horror of Beach Party“ an einigen Stellen immer wieder als Vorbild für „Das Grauen aus der Tiefe“ genannt wird, halte ich diese Verbindung und vor allem die Beschäftigung mit der Serie für etwas weit hergeholt. Kann man aber machen. Bild und Ton lassen keine Wünsche übrig. Das Bild hat einen sehr hübschen 80er-Look, wie man es von den preisgünstigen Produktionen bis zum Mitte des Jahrzehnts kennt. D.h. das Bild ist etwas dunkel und körnig, hat aber satte, wenn auch etwas dunklere Farben. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor, ist gut zu verstehen und in orignialen 2.0 Stereo belassen. D.h. er kommt nur von vorne.

Blu-ray Rezension: „Der schwarze Leib der Tarantel“

Von , 21. Dezember 2016 16:15

der-schwarze-leib-der-tarantelNach einem Streit mit ihrem Ehemann (Silvano Tranquilli) wird die schöne Maria Zani (Barbara Bouchet) von einem geheimnisvollen Unbekannten ermordet. Der Killer benutzt dabei ein lähmendes Gift, bevor er seine Opfer mit dem Messer abschlachtet. Der mit den Ermittlungen beauftragte Inspector Tellini (Giancarlo Giannini) verdächtigt zunächst Ehemann Zani, der jedoch auf eigene Faust nach dem Mörder sucht. Als Zani bei einer Verfolgungsjagd ums Leben kommt und weitere attraktive Damen dem Killer zum Opfer fallen, führt Tellini eine Spur ihn in einen Schönheitssalon, dessen Besitzerin (Claudine Auger) mit den Opfern in Verbindung stand…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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Der schwarze Leib der Tarantel“ war für mich lange Jahre so etwas wie der heiliger Gral des Giallo-Kinos. Als ich Mitte der 90er Jahre mit zahlreichen Tauschpartner im In- und Ausland in Kontakt stand, und wir uns munter VHS-Kassetten mit griechischen Vollbildfassungen, die mittlerweile fast ihre gesamte Farbigkeit eingebüßt hatten, hin und her schickten, war „Der schwarze Leib der Tarantel“ der einzige „Must-Have“-Giallo, der nirgendwo aufzutreiben war. Weder eine englische, noch eine finnische oder schwedische Kopie. Von einer deutschen Fassung ganz zu schweigen, denn hier lief der Film zwar im Kino, doch seltsamerweise kam es nie zu einer Videoveröffentlichung. Dank des sympathischen Berliner Labels CMV Laservision wurde nun, nach 20 Jahren, dieser Gral nun doch auf meinen heimischen Bildschirm gezaubert. Hat sich das lange Warten gelohnt? Ist „Der schwarze Leib der Tarantel“ eben jenes verschollene Meisterwerk, zu welchem er in meiner Vorstellung mangels Verfügbarkeit reifte? Ein klein wenig Furcht hatte ich schon vor den Antworten auf diese Fragen, als ich die Blu-ray in den Player schob.

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Die Furcht erwies sich allerdings als unbegründet. Es hätte auch schon viel passieren müssen, um einen Giallo, der neben solchen Schönheiten wie Barbara Bouchet (in einer wichtigen, wenn auch leider viel zu kurzen Rolle), Claudine Auger und Barbara Bach, der Musik von Ennio Morricone (und der Hilfe von Bruno Nicolai) und gern gesehen Veteranen wie Silvano Tranquilli und Giancarlo Prete vollends in die Grütze zu fahren. Und Regisseur Paolo Cavara ist auch kein Stümper, sondern hat mit „Das wilde Auge“ einen höchst spannenden und mit viel Experimentierfreude gedrehten Magenschwinger gedreht, der als Schlüsselfilm auf das Genre gelten kann, in dem Cavara große geworden ist: Dem Mondo-Film. Hier hatte Cavara 1962 zusammen mit dem legendären Duo Gualtiero Jacopetti und Franco Prosperi die Filme „Mondo Cane“ und „Alle Frauen dieser Welt“ gedreht, bis er sich im Streit von ihnen trennte, da er mit den Methoden Jacopettis nicht mehr einverstanden war. „Das wilde Auge“ war dann seine Abrechnung mit Jacopetti dem Philippe Leroy als skrupelloser Regisseur das eiskalte Antlitz leiht. Nachdem Kriegsfilm „Ein Atemzug Liebe“ drehte Cavara 1971 diesen Giallo hier, der sich einerseits am Einmaleins des Giallo (so wie er außerhalb Italiens verstanden wird, in Italien selber bedeutet „Giallo“ einfach nur „Krimi“) abarbeite, andererseits viele Elemente einbringt, welche ungewöhnlich sind und dem Film seine ganz eigene Note geben.

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Zu den typischen Giallo-Elementen gehört natürlich der Mörder im schwarzen Regenmantel und Lederhandschuhen, der sich eine möglichst makabere und sadistische Mordmethode ausgedacht hat, um seine Opfer ins Jenseits zu befördern. Welche dann auch sehr explizit gezeigt wird. Ferner ein Score mit einer einprägsamen Melodie, ein recht abstruses Motiv des Killers, viele Verdächtige und wunderschöne Frauen, die gerne auch mal blank ziehen. Andererseits konzentriert sich Paolo Cavara aber auch untypischerweise auf die Polizeiarbeit und stellt mit Giancarlo Giannini einen Schauspieler in den Vordergrund, der sich mit seinem samtenen, immer etwas traurig-scheu guckenden Augen und der schmächtigen Gestalt so gar nicht in die Reihe harter und selbstbewusster italienischer Kommissare stellen lässt, die sonst die Leinwand bevölkern. Auch von den typischen Giallo-Helden der frühen 70er wie George Hilton oder Anthony Steffens ist Giannini weit entfernt. Bei seinem Anblick denkt man viel mehr an die blumigen Titel der Lina-Wertmüller-Filme, die ihn bekannt machten. Wie „Mimi – in seiner Ehre gekränkt“.

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Zudem rückt Paolo Cavara die ebenso modern, wie fremdartig wirkende Architektur der Randgebiete Roms in den Vordergrund. Eine Verfolgungsjagd endet auf dem Dach eines futuristisch anmutenden Büro-Industrie-Komplexes, der allein aufgrund seines kühl-futuristischen Designs der Szene einen beinahe schon irrealen Anstrich gibt. Auch, dass das Privatleben des ermittelnden Kommissars, sein Hadern mit dem Beruf und der Welt so weit in den Vordergrund gerückt wird, sieht man nicht alle Tage in einem klassischen Giallo. Es macht den Inspector Tellini sehr menschlich und sympathisch. Und das Zusammenspiel mit der sehr lebendigen Stefania Sandrelli als Frau Tellini injiziert dem ansonsten eher düsteren und harten Film eine leichte, amüsante Note, welche die beiden Figuren gleichzeitig auch eine liebenswerte Natürlichkeit verleiht. Umso härter trifft den Zuschauer die finale Konfrontation mit dem Killer, in der Frau Tellini in Todesgefahr gerät. Wie man überhaupt sagen muss, dass Cavara hier wert auf eine genaue Figurenzeichnungen legt. Auch Silvano Tranquilli als betrogener und mordverdächtiger Ehemann oder die großartige Rossella Falk als Erpressungsopfer wird weitaus mehr Tiefe und Vielschichtigkeit als üblich zugestanden.

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„Der schwarze Leib der Tarantel“ ist ein spannender und sehr gut gemachter Giallo, der sich zwar vornehmlich an den Konventionen des Genres abarbeitet, gleichzeitig aber auch überraschende und untypische Elemente einbringt.

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Das Bild der Blu-ray mag nicht den allerhöchsten Ansprüchen einiger Technik-Fetischisten genügen, ist aber für meine Augen vollkommen akzeptabel. Für diese Veröffentlichung hat CMV die alte Kinotonspur aufgetrieben, die sehr sauber und klar klingt. Wer mag kann auch auf die englische Synchronisierung wechseln, die der deutschen Sprachfassunallerdings qualitativ unterlegen ist. Für die Extras wurde das 15-minütig Interview mit Lorenzo Danon, dem Sohn des Produzenten Marcello Danon, aus der amerikanischen und italienischen Veröffentlichung übernommen. Ganz neu ist ein 5-minütiges Interview mit Pietro Cavara, dem Sohn des Regisseurs. Über den Audiokommetnar von Thorsten Hanisch und Andrea Sczuka wurde in diversen Foren schon viel Böses geschreiben. Inhaltlich verweise hier einmal dezent auf eben diese Diskussionen (kann man googeln) und erwähne hier nur, dass die technische Umsetzung recht mies geworden ist. Scheinbar wurde eine schlechte Skype-Verbindung genutzt.

Blu-ray-Rezension: „Demon – Dibbuk“

Von , 17. Dezember 2016 12:49

demon-dibbukDer in England aufgewachsene Piotr (Itay Tiran) reist nach Polen, um dort Zaneta (Agnieszka Zulewska), die Schwester seines besten Freundes Jasny (Tomasz Schuchardt)  zu heiraten. Als Hochzeitsgeschenk hat Zanetas Vater (Andrzej Grabowski) dem jungen Paar ein heruntergekommenes Landhaus vermacht. Als Piotr dort einen Grube für einen Swimming Pool ausheben will stößt er auf ein menschliches Skelett. In der Nacht vor der Hochzeit wird er von der Vision einer jungen Frau in einem weißen Kleid heimgesucht. Am Tag der Hochzeit scheinen diese Vorkommnisse zunächst vergessen zu sein. Die zahlreichen Gäste sprechen dem Wodka literweise zu, es wird Getanzt und Gefeiert, was das Zeug hält. Da fällt es kaum auf, dass Piotr plötzlich anfängt, sich seltsam zu benehmen…

Bei seinem kurzen Lauf durch deutsche Kinos konnte „Demon – Dibbuk“ leider kaum Zuschauer in die Kinosäle ziehen. Was vielleicht an seinem unglücklichen Verleihtitel „Eine Hochzeit in Polen“ lag. Dieser provoziert Assoziationen mit sommerlichen Feelgood-Komödien aus Frankreich. Wer mit diesen Erwartungen ins Kino gegangen ist, dürfte gehörig vor den Kopf gestoßen worden sein. Nein, sommerlich leicht ist hier nichts. Der Film ist durchweg düster und auch seine komischen Momente, die es durchaus gibt, sind am Ende doch nur ein Ausdruck menschlicher Unzulänglichkeiten und lassen das Geschehen vollends in die Katastrophe laufen. Doch auch wer den Originaltitel, der tatsächlich auch in der polnischen Originalfassung „Demon“ lautet, kennt, wird davon auf eine falsche Fährte gelockt. Denn ein waschechter Horrorfilm ist „Dibbuk“ nun auch nicht. Zwar gibt es ein-zwei nette Erschrecker, aber „Dibbuk“ legt es nicht darauf an, Angst und Schrecken zu verbreiten. Zumindest nicht auf die direkte Art und Weise. Erschreckend ist hier nur die menschliche Natur.

Als ich „Dibbuk“ sah, fühlte ich mich stark an einen anderen Film erinnert, denn ich vor längerer Zeit sah, nämlich „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ (OT: Wesele) von Wojciech Smarzowski aus dem Jahre 2004. Tatsächlich schienen einige Szenen geradezu identisch zu sein. Die große Hochzeitsgesellschaft, das ausgelassene, exzessive Feiern und die überbordende, alkoholgeschwängerte Ausgelassenheit der Hochzeitsgäste, während im Hintergrund alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann. Und wie die Anstrengungen der Brauteltern, dass davon niemand etwas mitbekommt, immer absurderer Formen annehmen. Sind es in „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ eine Leiche, eine Lebensmittelvergiftung und ein gestohlenes Auto, welches die Hochzeit in eine einzige Katastrophe zusteuern lässt, ist es hier ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit und die Besessenheit des Bräutigams, welche unbedingt verschwiegen werden muss.

Während „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ als Komödie begann, die immer finsterere Töne anschlug, so ist „Dibbuk“ zunächst einmal recht humorlos, gönnt sich aber mit erhöhtem Alkoholpegel einige launige Einsprengsel. Die große Ähnlichkeit zwischen „Dibbuk“ und „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ ist kein Zufall. Beide Filme sind von einem berühmten polnischen Stück „Wesele“ (dt. „Hochzeit“) inspiriert, welches Ende des 19. Jahrhunderts von Stanisław Wyspiański geschrieben wurde und eine Hochzeit beschreibt, die als Metapher für das polnische Volk gedacht ist. Andrzej Wajda hat es bereits 1973 verfilmt. Und wie die Hochzeit (polnisch: Wesele) in dem Film 2004 dann eine Allegorie auf die Korruption im Land darstellt, ist es in „Dibbuk“ die unterdrückte Vergangenheit, in der es auch polnische Bürger waren, die im zweiten Weltkrieg ihre jüdischen Nachbarn an die Nazi verraten oder kurzerhand selber umgebracht haben, um an ihren Grund und Boden zu kommen. Ein düsteres Kapitel, dass in den letzten Jahren in vielen polnischen Film thematisiert wurde. Allen voran in dem kraftvoll-depremierenden „Poklosie“.

Regisseur Marcin Wrona zeigte in „Dibbuk“ ein großes Talent eindringliche, ebenso drastische, wie poetische Bilder zu schaffen. Sein Selbstmord mit nur 42 Jahren, kurz nach Beendigung des Filmes, reißt eine große Lücke in die Reihe der vielversprechenden, jungen polnischen Filmemachern. In der Rolle des Bräutigams glänzt der Israeli Itay Tiran, der zuvor neben eigen israelischen, auch in deutschen Produktionen zu sehen war. Es gelingt ihm, die Rolle des Besessenen immer auf der Messerschneide zwischen beunruhigend und lächerlich zu halten. Denn, dass Piotr von einem weiblichen Geist besessen ist und mit hoher Stimme auf jiddisch redet, könnte auch schnell ins Alberne umschlagen. Tut es aber nicht. Ebenso muss man Agnieszka Zulewska in der zunächst sehr undankbaren Rolle der Braut Zaneta ein großes Kompliment aussprechen. Anfangs ist sie eher ein Ausstattungsstück, welches in dem Drama keine besondere Rolle zukommt, außer eben die Braut zu sein. Doch dann entwickelt sie sich in der zweiten Hälfte immer mehr zu einem eigenständigen Charakter, der die Handlung vorantreibt und vor allem auch Stärke zeigt. Eine Veränderung, die man ihr zunähst nicht zugetraut hätte.

„Dibbuk“ nutzt die Metapher der „Hochzeit“/“Wesele“, um ein Polen zu zeigen, welches sich strikt weigert, die eigene Vergangenheit und die Verbrechen an den Juden aufzuarbeiten. Im Gegenteil, es hat sich nichts geändert und die Seelen der Opfer können nicht auf Vergebung und Ruhe hoffen. Toll gefilmt und treffend besetzt ist „Dibbuk“ aber weder die vom deutschen Kinotitel „Eine Hochzeit in Polen“ suggerierte Komödie, noch der im internationalen Titel „Demon“ anklingende Horrorfilm, sondern ein dunkler und deprimierender Film, der sich mit einem finsteren Kapitel der polnischen Geschichte und die Unfähigkeit sich dieser zu stellen, beschäftigt.

Die Blu-ray aus dem Hause Donau Film weißt ein sehr gutes Bild und einen guten Ton auf. Insbesondere wenn der regen einsetzt, drückt man unwillkürlich auf Pause, um zu sehen, ob draussen ein Unter herrscht oder das aus den Lautsprechern kommt. Weitere Effekte werden aber nur sehr sparsam eingesetzt. Die polnische Originalfassung ist zu bevorzugen, da die Figuren Polnisch, Englisch und Jiddisch reden. Dieses Sprachgewirr versucht die  deutschen Fassung ebenfalls wiederzugeben, allerdings werden hier die in Englisch gesprochenen Passagen nicht nochmal übersynchronisiert, so dass man hier dann die Originalstimmen der Schauspieler mit deutschen Untertiteln hört. Deren echte Stimmen unterscheiden sich allerdings teilweise sehr stark von ihren Synrchonstimmen in der  eher schwachen  deutschen Sprachfassung.  Ärgerlich ist zudem, dass es bis auf Trailer keine weiteren Extras gibt.

Blu-ray-Rezension: „Scherzo Diabolico“

Von , 16. November 2016 20:48

scherzo-diabolicoDer Angestellte Aram (Francisco Barreiro) ist wirklich nicht zu beneiden. Sein Vorgesetzter (Jorge Molina) lässt ihn ständig Überstunden machen, doch ohne, dass Aram dafür irgendeine Anerkennung in Form einer Beförderung oder mehr Lohn bekäme. Dafür darf er sich dann Zuhause regelmäßig von seiner unzufriedenen Ehefrau runter putzen lassen. Eines Tages entführt Aram scheinbar ohne weiteren Grund ein junges Mädchen (Daniela Soto Vell) und hält es in einer abgelegenen Lagerhalle gefangen. Während das psychisch labile Mädchen dabei durch die Hölle geht, scheint sich Arams Leben tatsächlich zum Besseren zu wenden…

Aus Mexiko kommen derzeit viele spannende Genrefilme. Gerade erst sorgt „We Are the Flesh“ für Kontroversen zwischen Jubel und Abscheu. Einer der neuen Wilden aus Mexiko ist Adrián García Bogliano, dessen hochinteressanter „Here Comes the Devil“ erst kürzlich auch eine Deutschland-Veröffentlichung erfuhr. Ein an die paranoiden Terrorstreifen der 70er Jahre gemahnender Horrorfilm, der auch als intensive Allegorie auf das Erwachsenwerden der eigenen Kinder funktioniert. Auch sein neuer Film „Scherzo Diabolico“ hat nun den Sprung über den großen Teich geschafft. Hierzulande wird er von seinem Label Donau Film allerdings ziemlich aggressiv als Rape ’n Revenge mit Schulmädchen vermarktet. So darf sich die Darstellerin des entführten Mädchens, Daniela Soto Vell, auf dem Backcover der DVD im Lolita-Look und lasziv mit einem Lollypop im Mund, an der Kette winden. Ob das ein potentielles SM-Klientel anlocken soll? Auf jeden Fall ist diese Bewerbung natürlich mal wieder ziemlicher Quatsch.

Tatsächlich beginnt „Scherzo Diabolico“ zunächst als eher ruhiger Thriller. Aram, vermutlich ein Angestellter in einer großen Kanzlei, hat – aus welchen Gründen auch immer – ein Mädchen entführt. „Rape“ kommt aber Gottseidank nicht vor. Allerdings merkt man schon, dass Aram sich daran aufgeilt, die Arme zu erniedrigen. Auch wenn er sich nach erledigter Aufgabe erst einmal kräftig übergeben muss. Boglianos Stärke zeigt sich darin, dass er nicht alles ausformulieren muss. So bleibt beispielsweise die Frage, was er da eigentlich genau beruflich macht, unbeantwortet. Obwohl man den Eindruck gewinnt, dass er in einer Rechtsanwaltskanzlei arbeitet, könnte es auch eine mafiöse Organisation sein. Oder vielleicht eine staatliche Stelle. Der Interpretation sind Tor und Tür geöffnet, ohne dass dieses Vage die Handlung stören würde. Es sorgt aber dafür, dass der Zuschauer in eine permanente Spannung versetzt wird. Auch wird zunächst jede Information dazu verweigert, was Arams Beweggründe sind, das Mädchen zu entführen und gefangenzuhalten. So kann man sich dann auch bei jeder Begegnung zwischen dem im Grunde sympathischen Aram und dem zunehmend aggressiver und panischer reagierenden Mädchen nicht wirklich sicher sein, was passieren – und wer der Leidtragende sein wird.

Zunächst beschränkt sich Bogliano darauf, das Leben seiner Hautfigur zu zeigen. Dieses spielt sich zwischen seinem immer fordernder auftretenden Chef, seiner keifenden Ehefrau, den routinemäßigen Treffen mit einer Prostituierten und dem Beginn einer Affäre mit der Sekretärin ab. Das alles wird ganz unaufgeregt, in seinem Ton beinahe schon ganz nah an einer schwarzen Komödie dran, gezeigt. Allerdings versäumt es Bogliano bei aller Zurückhaltung nicht, stets auch beunruhigenden Untertönen mitschwingen zu lassen. Was durch den effizienten und tief ins Ohr dringenden Soundtrack von Sealtiel Alatriste noch verstärkt wird. Aber auch die vielen wundervollen Stücke mit klassischer Musik, die mit einem rasiermesserscharfen Gespür für den richtigen Ton ausgesucht wurden, tragen zu dieser dispersiven Wahrnehmung bei.

Im letzten Drittel seines Filmes wartet Bogliano dann mit einem recht gelungenen Plot-Twist auf, den man sich als erfahrener Vielgucker sicherlich schon hat kommen sehen, der aber nicht aufgesetzt und in seinen Konsequenzen durchaus logisch daherkommt. Von hier aus hätte es Bogliano dann viele interessante Wege gegeben, die Handlung fortzuführen. Er entscheidet sich aber für die Blutwurst und bricht damit den Ton des Filmes zugunsten eines recht drastischen Gematsches, welches Gorehounds sicherlich zufrieden und zu Jubelschreien hinreißen wird. Im Gesamtkontext wirkt das große Finale allerdings wie ein Fremdkörper. Ein ähnliches Problem bestand schon bei „Here Comes the Devil“, als Bogliano bei einer Mordszene kurzzeitig alle Gäule durchgingen, die Szene sich dadurch aber nicht schockierend, sondern sich unangenehm selbstzweckhaft anfühlte. In „Scherzo Diabolico“ lässt er nun eine der Hauptfiguren plötzlich – oder zumindest unter einem sehr dünnen Vorwand – in einen mörderischen Racheengel mit fast schon übernatürlichen Fähigkeiten mutiert. Das wirkt dann alles recht erzwungen und will nicht so recht zum restlichen Film passen. Das ist dann halt nur banaler Splatter. Schade. Dafür ist das Ende dann aber hübsch konsequent geworden.

Während sich Adrián García Bogliano sich zunächst die Zeit nimmt, seinen Film und die Figur des Aram ruhig und unaufgeregt aufzubauen, haut er im letzten Dritten vielleicht etwas zu kräftig auf den Putz. Da kippt dann sein cleverer und von einer gewissen Leichtigkeit geprägter Thriller in eine deftige Schlachtplatte, welche vielleicht die einen jubeln und die anderen sich die Hand vor die Stirn schlagen lassen.

Die Blu-ray besitzt ein sehr ordentliches Bild. Nur am Anfang stört ein leichtes Ruckeln, was aber auch am Ausgangsmaterial (einen Drohnenflug) liegen kann. Ansonsten beseht kein Grund zum Meckern. Der Ton ist sehr effektiv eingesetzt und nutzt alle Lautsprecher. Besonders schön ist dies bei den klassischen Klavierstücken, welche sehr voll und voluminös klingen. Die deutsche Synchro ist eher „na ja“, hier ist der O-Ton definitiv zu bevorzugen. Auf einer weiteren Tonspur befindet sich der (englische) Audiokommentar, allerdings ohne Untertitel. Neben einem Musikvideo, gibt es noch drei Featurettes. In „A Diabolical Joke“(25 Minuten) erzählt der Kameramann sehr interessant und detailreich von seiner Arbeit. In „Behind Every Weak Man“ stellen die weiblichen Darstellerinnen den Film und ihre Rollen vor und in „The Mephisto Waltz“ berichtet Sealtiel Alatriste davon, wie es dazu kam, dass er den Soundtrack komponieren durfte.

Blu-ray-Rezension: “Der Pirat von Shantung”

Von , 2. November 2016 20:46

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Ma Yung Cheng (Cheng Kuan-Tai) ist ein armer Bauernsohn aus der Provinz Shantung, der mit seinem Freund Hsiao Chiang-pei (Cheng Kang-Yeh) nach Shanghai kommt, um hier sein Glück zu machen. Hier geraten sie schnell zwischen die Fronten, denn die Stadt ist zwischen den beiden Gangsterbossen Yang (Nan Chiang) und Tan Sze (David Chiang) aufgeteilt. Der böse Yang nutzt die „vier Meister“, um seinen Teil der Stadt unter der Knute zu halten. Als Ma Yung Cheng einen der Meister besiegt, ist der Konflikt vorprogrammiert. Tan Si hingegen ist ein ehrenvoller Gangster und wird schnell zum Vorbild für Ma. Nachdem Ma ihn mit seinen Kampfkünsten und seiner unerschütterlichen Ehre beeindruckt hat, überlässt ihm Tan Si ein kleinen Teil seines Gebiets. Ma klettert die Gangsterkarriere-Leiter schnell herauf und ist sehr beliebt. Doch Yang schmiedet bereits einen teuflischen Plan, um Ma Yung Cheng und Tan Si für immer loszuwerden.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Mit „Der Pirat von Shantung“ startete Cheng Kuan-Tai seine langlebige Karriere bei den Shaw Brothers. Zuvor auf kleine Neben- und Statistenrollen beschränkt, konnte der hochtalentierte Kämpfer nun in seiner ersten Hauptrolle zeigen, dass er locker einen ganzen Film allein tragen kann. Wobei er hier noch prominente Hilfe in Gestalt von David Chiang bekommt. Dieser spielt die kleine, aber sehr prägnante Nebenrolle eines Gangsterbosses, der dem von Cheng Kuan-Tai gespielten Ma Yung Cheng als Idol und Vorbild dient. Gegenüber dem sehr physischen, bodenständigen Cheng Kuan-Tai, der einen stoischen, rauen Schauspielstil mitbringt, hebt sich David Chiang nicht nur durch seine extrem geschmackvolle Kleidung und ein gewinnbringendes Lächeln hervor. Wenn es daran geht, Füße und Fäuste zu schwingen, so ist es eine Freude beiden zuschauen. Wobei Cheng Kuan-Tais Stil kraftvoller und athletischer wirkt, während Chiang mehr geschmeidig und tänzerisch daherkommt. Für die Rolle des Ma Yung Cheng kann man sich kaum einen besseren als Cheng Kuan-Tai vorstellen, der mit stoischer Wucht und einer gewissen bäuerlichen Naivität durch Shanghai pflügt. Die damals ausgesprochen populären Darsteller David Chiang und Ti Lung wären hier vollkommen fehl am Platze gewesen, Allenfalls Alexander Fu-Sheng könnte man sich noch als „Pirat von Shantung“ vorstellen, aber dessen Zeit war noch nicht gekommen.

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„Der Pirat von Shantung“ war eine der erfolgreichsten Produktionen der Shaw Brothers und legte den Grundstein zu einer ganzen Flut von Filmen, die sich mit Aufstieg und Fall eines Gangsterbosses beschäftigten. Cheng Kuan-Tai selber sollte noch im selben Jahr wieder auf die Straßen von Shanghai zurückkehren, um im Sequel „Der Mann mit der Tigerpranke“ nochmals einen aufstrebenden Gangsterboss zu spielen. Trotz der epischen Dauer von 130 Minuten schafft es der Film, durch ein durchgehend hohes Tempo keine große Längen aufkommen zu lassen. Positiv fällt dabei auf, dass die Story nicht primär dazu dient, einzelne Kampfszenen miteinander zu verbinden, sondern sich diese organisch aus der Handlung ergeben. Was aber nicht heißen soll, dass die Kämpfe nicht spektakulär wären. Besonders in Erinnerung bleibt der exotische Kampf zwischen Cheng Kuan-Tai und dem riesigen Italiener Mario Milano, der schon ein wenig den legendären Fight zwischen Bruce Lee und Kareem Abdula Jaba in „Bruce Lee – Mein letzter Kampf“ vorweg nimmt. Herzstück ist aber das 15-minütge Finale, welches zu den blutigsten, brutalsten und spektakulärsten Schlachtszenen gehört, die je in den Shaw Brothers Studios entstanden sind. Hier spritzt der rote Lebenssaft als ob damit das ganze Studio undekoriert werden sollte. Und Cheng Kuan-Tais Ma Yung Cheng beweist Nehmerqualitäten und Steh-Auf-Mentalität, die ihres Gleichen sucht.

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Regisseur Chang Cheh teilte sich bei diesem Film den Regiestuhl mit Choreograph Hsueh Li Pao (wobei auch der spätere Regiesuperstar John Woo hier als Regieassistent beteiligt war, ebenso wie der später berüchtigte Viel- und Billigfilmer Godfrey Ho). Angeblich schoss Chang Cheh aufgrund seines engen Terminkalenders nur die Nachtszenen, während er die Tagszenen seinem, in den Titeln unerwähnten, Co-Regisseur überließ. Auch wenn dem so sein sollte, „Der Pirat von Shantung“ ist ein echter Chang Cheh geworden. Nicht nur, was das blutige Todesballett und die routiniert-stilsichere Inszenierung angeht. Auch liegt Chang Chehs Fokus wieder mehr auf den Männerfreundschaften, als auf der hastig eingeflochtenden Liebesgeschichte, die sich nie wirklich entwickelt. Was sehr schade ist, denn mit Li Ching hatte man eine gute und charismatische Darstellerin zur Hand. Hier wird sie aber auf den Status eines dekorativen Ausstattungsstückes reduziert. Lediglich in einer Szene, wenn unser Held in einem Bordell zu sehr dem Alkohol frönt und seine Geliebte in eine der dortigen Damen hinein imaginiert, wird überhaupt darauf Bezug genommen, dass sich dort zarte Bande bilden. Sehr viel sorgfältiger wird da die gegenseitige Faszination zwischen Ma Yung Cheng und dem „guten“ Gangster Tan Sze thematisiert, ja romantisiert. Ebenso wie die brüderliche Liebe zwischen Ma Yung Cheng und seinem besten Freund Hsiao Chiang-pei, der von dem auf diese Art von Rollen spezialisierten Kang-Yeh Cheng gespielt wird.

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„Der Pirat von Santung“ gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen des fleißigen Shaw Brothers Studios, sondern katapultierte den bis dahin unbekannten Cheng Kuan-Tai in die erste Liga der Kung-Fu-Stars. Zurecht, denn der Film liefert nicht nur die Blaupause für unzählige Nachahmer, sondern steuert zielsicher und trotz seiner Länge ausgesprochen kurzweilig einem extrem blutigen Finale zu, welches zu den spektakulärsten seiner Gattung gehört.

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Wie immer ist „Der Pirat von Shantung“ in der empfehlenswerten „Shaw Brothers Collector’s Edition“-Reihe als Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Das Bild der Blu-ray lässt keine Wünsche offen. Neben der alten deutschen Kinosynchronisation, ist noch eine 2. deutsche Synchronisation von 2005 mit dabei. Die alte deutsche Kinofassung war damals um satte 40 Minuten Handlung erleichtert worden. Wie das dann aussah, kann man man sich hier ebenfalls anschauen, denn die Kinofassung wurde auf Basis des neuen HD-Masters rekonstruiert und ist auf der Scheibe ebenfalls enthalten. Die Stellen, die damals für die deutsche Kinofassung nicht synchronisiert wurden, werden auf der „Kinofassung-Tonspur“ mit der Zweisynchronisation von 2005 aufgefüllt, was recht irritierend wirkt, da die Unterschiede echt deutlich zu hören sind. Bis auf ein Booklet mit Aushangfotos und Trailern gibt es keine weiteren Extras.

Blu-ray-Rezension: „Der Bunker“

Von , 13. September 2016 19:20

bunkerDer Student (Pit Bukoswski) quartiert sich als Untermieter bei einer Familie ein, die in einem unterirdischen Bunker irgendwo im Wald lebt. Hier will er sich in Ruhe auf seine wissenschaftliche Arbeit konzentrieren. Doch schnell wird er von dem Vater (David Scheller) und der Mutter (Oona von Maydell) gezwungen, ihren acht-jährigen Sohn Klaus (Daniel Fripan) zu unterrichten, der ihrer Meinung nach hochbegabt ist und auf das Amt des Präsidenten vorbereitet werden muss.

Man soll mit Superlativen ja vorsichtig sein und es vermeiden, Filme vorschnell auf den Olymp zu jubeln oder in die ewige Hölle zu verdammen. Bei Nikias Chryssos‘ „Der Bunker“ fällt mir ersteres schwer, denn diese Film ist für mich in der Tat eine der besten deutschen Produktionen der letzten 2o Jahre. Wobei ich gestehen muss, von den anderen Filmen, die derzeit unter dem sperrigen und gänzlich unsexy klingenden Titel „New German Fantastic Cinema“ in eine Schublade gestopft werden, bisher nur „Der Samurai“ gesehen zu haben. Großen Nachholbedarf habe ich in puncto „Der Nachtmahr“ und vor allem „Wild“.

„Der Samurai“ sah ich vor zwei Jahren auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg. Endlich ein Genre-Film, der sich nicht krampfhaft an US-Vorbildern orientierte und für wenig Geld unbedingt auf ganz großes Hollywood machen will. Der seinen Figuren englische Namen gibt, um international zu wirken. Und vor allem ein Film, der eine ganz eigene Geschichte erzählt, und nicht zum x-ten Mal „Pulp Fiction“ oder irgendeinen 08/5-Zombie-Splatter durchkaut. Das ist es doch, was Filme wie diesen auf internationalen Festivals so erfolgreich macht. Die Menschen möchten gerne interessante, originäre Geschichten sehen, die auch in dem Land, aus dem sie stammen, verwurzelt sind. Nicht irgendwie Kopien, die auf Teufel komm raus amerikanisch wirken sollen und dann doch nur nach Hintertupfingen aussehen. Da ist es doch sehr viel spannender, gleich eine interessante Geschichte aus Hintertupfingen zu erzählen. So, wie es „Der Samurai“ macht.

Womit wir nach diesem etwas längeren Exkurs endlich bei „Der Bunker“ angekommen sind, dessen Hauptdarsteller Pit Bukowski ja auch der „Der Samurai“ war und völlig zu recht gerade sehr gefragt ist. In „Der Bunker“ spielt Pit Bukowski den namenlosen Studenten, der Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, um sich seiner Studien widmen zu können. Dabei ähnelt er einer Figur bei Kafka. Was er da eigentlich so fleißig studieren möchte bleibt unklar. Im Grunde besteht seine Arbeit darin, immer wieder wilde Kreise zu kritzeln. Der seltsamen Familie, bei der er unterkommt, steht er eher passiv gegenüber. Kaum einmal kommt es zur Auflehnung, auch wenn er schlecht behandelt wird und das ihm zugewiesene Zimmer so gar nicht dem entspricht, was ihm versprochen wurde. Die grotesken Umstände seines Aufenthalts nimmt hin und versucht sich so gut wie möglich anzupassen. Nicht einmal scheint ihm in den Sinn zu kommen, diesen seltsamen Ort zu verlassen. Hier spürt man Echos von Roman Polanskis wundervoll-verstörendem Meisterwerk „Der Mieter“. Wie dessen Hauptfigur Trelkovsky, möchte auch der Student nicht negativ auffallen und seine Mitbewohner verärgern. Und dies wird von jenen skrupellos ausgenutzt. Beim Kafka-Vergleich sollte man auch nicht vergessen, dass Kafkas Bücher von einer schreienden Komik sind. Zu gerne hätte ich „Der Prozess“ von den Monty Pythons verfilmt gesehen, deren Sketche ja auch oftmals darin bestehen, ein gutgläubiges und gutwilliges Individuum in eine Situation zu stellen, deren Hintergründe, Motivation und Ausmaß es nicht überblickt. Wie der Student in „Der Bunker“.

Neben dem Kafka-Einfluss setzt Regisseur Nikias Chryssos seinen Film aus den unterschiedlichsten, sehr deutschen Zutaten zusammen. In erster Linie ist da natürlich der bürgerliche Muff der 50er Jahre. Aber auch die Gier nach Anerkennung, die starke Betonung des Bildungsbürgerlichen, dieses Schwanken zwischen Selbstmitleid und Größenwahn. All dies verkörpert durch den von David Scheller furios gespielten Vater. Einer in ihrem Bemühen, eine akademische Überlegenheit auszustrahlen, höchst lächerliche Gestalt, in der jedoch ein garstig-unheimlicher Kern lauert. Der Proll, der jederzeit seine manieriert ausgesuchten Worte gegen sehr handfeste Argumente tauschen würde. Jene Szenen, in denen der Vater mit weiß geschminkten Clownsgesicht uralte Witze vorliest, um diese dann mit großer Geste zu analysieren, gehört zu den verstörensten Szenen des Filmes, bei der man sich nicht sicher ist, ob man nun ob der absurden Situation lachen oder sich fürchten soll. Man fühlt sich hier an Tom Hardys grandiosen Auftritt als Bronson im gleichnamigen Film erinnert, der ihn ähnlicher Maske und Stimmung den Entertainer gab, bei dem man wusste, dass er sofort brutal zuschlagen wird, sobald ihm jemand in die Pointe reinquatscht. Auch wenn Pit Bukoski die Hauptrolle und Daniel Fripan die dankbarste Figur spielt: David Scheller ist der heimliche Star des Films.

Weiter verfremdet Chryssos seine Geschichte mit der Figur der Mutter. Dargestellt von der Tochter des Schauspielerpaares Sabine von Maydell und Claude-Oliver Rudolph, Oona von Maydell Sie bringt ein gewisses Horror-Element in den Film. Und dies manifestiert sich nicht nur durch den mit dröhnender, gurgelnder Stimme sprechenden „Heinrich“. Eine nie zuwachsende, klaffende Wunde am Bein der Mutter. Diese Mutter ist die Schreckensgestalt der Über-Mutter, die ihr Kind nicht gehen lassen kann/will. Die es noch säugt, obwohl es bereits lange aus dem Säuglingsalter hinaus ist. Die sich wie ein Gespenst dem Studenten hingibt, um diesen noch enger an ans Haus und damit an ihr Kind zu binden. Das blasse Gesicht der Mutter bezeugt, dass sie den Bunker schon sehr lange nicht mehr verlassen hat. Hier fesselt sie ihr Kind an sich, so dass es nicht nach draußen kann oder erwachsen werden will. Der geniale Trick des Regisseurs ist es dann auch, den acht-jährigen Klaus mit dem 31-jährigen Daniel Fripan zu besetzten. Abgesehen von diesem grandiosen, beunruhigenden Verfremdungseffekt, kann man sich auch nie sicher sein, ob Klaus wirklich erst acht Jahre ist. Als ihn der Student darauf anspricht, dass er älter aussehe, reagiert er mit einem lauten und sehr wütenden „Ich bin acht Jahre!“. Und als er sich am Ende von seiner Familie lösen will, sagt er mit einer ruhigen, dunklen und sehr erwachsen Stimme, die nichts von Klaus‘ hellen Kinderstimme hat: „Mutter, ich gehe jetzt“. Und da ist ja auch diese merkwürdige Szene in den Extras dieser wundervollen Blu-ray. In einem kurzen Zusammenschnitt, der „The Bunker Awakes“ betitelt ist, sieht man am Ende Klaus seine alberne Perücke vom Kopf nehmen und den kahlköpfigen Daniel Fripan direkt in die Kamera schauen. Nun kommt diese Szene im Film nicht vor, doch unterstreicht dieses Bild die undurchschaubare Brüchigkeit der Figur, die möglicherweise wie der Student einen Pakt mit dem Vater und der Mutter eingegangen ist, aus dem sie sich nicht mehr lösen konnte.

Daniel Fripans Darstellung des Klaus ist natürlich das Aushängeschild des Filmes, auch wenn die anderen drei Schauspieler ebenso glänzen und ebenbürtig auf hohem Niveau agieren. Aber auch die brillante Ausstattung (Production Design von Melanie Raab, Kostüme von Henrike Naumann), Leonard Petersens eingängige Musik und die sowohl unauffällige, wie doch in den Details unglaublich effektive Kameraarbeit von Matthias Reisser, machen aus „Der Bunker“ einen sehr sehenswerten Film, bei dem man bei jeder Sichtung neue Details entdeckt. Wir hatten hier in Bremen das große Glück „Der Bunker“ im Rahmen unserer Filmreihe Weird Xperience im Kulturzentrum Lagerhaus zeigen zu dürfen. „Der Bunker“ brachte dann gleich einen ersten Zuschauerrekord, was zeigt, dass es ein Publikum und ein Bedürfnis für diese besonderen Filme abseits der Mainstream-Norm gibt. Auch (oder vielleicht auch gerade?) aus Deutschland. Die Reaktionen auf den Film waren jedenfalls durchweg positiv. Darum kann man allen angehenden Genrefilmern nur zurufen: Kommt heraus aus Eurer Schmollecke. Schreibt kreative Drehbücher. Macht Kino, kein biederes Fernsehen. Kopiert nicht die Kopien, seit die Originale! So wie „Der Bunker“. Der hat auch keine Förderung bekommen, konnte aber trotzdem einen Hans W. Geissendörfer (den großen Unterschätzten des deutschen Films, der so viel mehr ist als nur „Lindenstraße“) dazu bringen, Geld in diesen Film zu investieren. Geht doch.

Mit dem Label „Bildstörung“ hat „Der Bunker“ einen kongenialen Partner gefunden. „Bildstörung“ hat sich mittlerweile mit seinen hochwertigen und extrem spannenden Veröffentlichungen einen Ruf erarbeitet, der in einem Atemzug mit dem amerikanischen Criterion und dem englischen Masters of Cinema genannt werden kann. Liegt der Schwerpunkt meistens auf dem Kino der 70er und 80er Jahre, ist „Der Bunker“ – neben dem indischen „Gandu – Wichser“ – der jüngste Film, der es in die großartige „Drop Out“-Reihe des Labels geschafft hat. Wie die anderen Filmen auch, wird „Der Bunker“ in einer sehr liebevollen und umfangreichen Edition veröffentlicht. Bild und Ton sind dabei makellos. Die Extras bestehen aus einem interessanten Audiokommentar des Regisseurs, einem knapp 2-minütigen Promozusammenschnitt namens „Der Bunker Awakens“, der scheinbar auch nicht verwendetes Material beinhaltet. 20 Minuten Deleted Scenes, teilweise Erweiterungen von aus dem Film bekannten Szenen. 13 Minuten Outtakes, die allerdings wirkliche Outtakes und keine spaßigen Versprecher sind. Herzstück ist das hochspannende und aufschlussreiche 64-minütige „Making Of“, welches auf alle Aspekte der Produktion eingeht und zahlreiche Beteiligte zu Wort kommen lässt. Abgerundet wird das Ganze mit zwei frühen Kurzfilmen des Regisseurs: „Schwarze Erdbeeren“ (20 Minuten) und „Der Großvater“ (15 Minuten). Während ersterer ein typischer Studentenfilm ist, um die große Liebe und Freundschaft ist, fühlt sich „Der Großvater“ schon mehr wie eine stilistische Fingerübung auf dem Weg zum „Bunker“ an. Bildtechnisch auf höchstem Niveau und einfallsreich lässt Nikias Chryssos seinen späteren Hauptdarsteller Pit Bukowski mit dem fantastischen Matthias Habich zusammenprallen. Toll gespielt, wenn auch etwas zu offensichtlich auf die erwartbare Pointe hingesteuert wird. Wer sich dann noch näher mit dem Film beschäftigen möchte, für den liegt noch ein 24-seitiges, hervorragend geschriebenes Booklet von Oliver Nöding bei. Und in der Limited Edition ist noch eine CD mit dem grandiosen Soundtrack von Leonard Petersen enthalten. Alles in allem ein Pflichtkauf.

Blu-ray Rezension: „Schrei, wenn der Tingler kommt“

Von , 7. September 2016 21:27

tinglerDer Pathologe Dr. Warren Chapin (Vincent Price) entdeckt, dass im Rückgrat eines jeden Menschen eine Wesen existiert, welches von der Angst seines Wirtes lebt. Gelingt es dem Wirt nicht, vor Angst zu schreien, so wächst das Wesen – den Chapin „Tingler“ nennt – heran und bricht ihm die Wirbelsäule. Fasziniert von Tingler versucht Dr. Chapin zusammen mit seinem Assistenten David Morris (Darryl Hickman) alles, um das geheimnisvolle Wesen näher zu untersuchen. Sogar vor einem gefährlichen Selbstversuch schreckt er nicht zurück. Erst die Leiche einer taubstummen Frau bringt ihm den Durchbruch. Doch nun ist der Tingler frei…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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William Castle war ein hervorragender Showman. Einer, der Kino als Spektakel begriff und den Zuschauern eben dieses bieten wollte. Jemand, der erkannt hatte, dass das Kino ein besonderes Erlebnis sein musste, um der Tendenz der Menschen, sich Zuhause vor dem Fernseher einzuigeln, entgegen zu wirken. Der wusste, das Kino dazu etwas bieten musste, was der Fernseher nicht liefern konnte: Ein großartiges, gemeinsames Erleben. Daher spickte er seine Filme mit Gimmicks, die dieses Gemeinschaftsgefühl befeuerten, den Kinopalast zu einem echten Erlebnisort machten. Wenn heute über Kinokrisen und die Generation-Download gesprochen wird, dann liegt der Gedanke nahe, dass so jemand wie Castle fehlt. Der derzeitige 3D-Hype könnte auf seinem Mist gewachsen sein. Wobei er wohl noch Steinchen auf die Zuschauer geworfen hätte, um das dreidimensionale Spektakel noch zu steigern und den Zuschauern etwas zu bieten, was über den Film hinausgeht.

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Nachdem Castle bei seinem Film „Das Haus auf dem Geisterhügel“ noch Skelette durch den Kinosaal ziehen lies, ging er bei „Schrei, wenn der Tingler kommt“ noch einen Schritt weiter. Er ließ in einigen Kinos kleine Elektroschocker an die Kinosessel einbauen. Wenn dann im Film der Tingler in ein Kino eindrang, drehte seinen Hauptdarsteller Vincent Price auf der Leinwand das Licht aus und forderte die Zuschauer auf, so laut wie möglich zu schreien, um den Tingler zu verschrecken. Dies muss damals ein wunderbares Schauspiel gegeben haben. Schade, dass diese Erfahrung bei Sichtung der Blu-ray natürlich auf der Strecke bleibt. Doch auch jenseits dieser Gimmicks, hat „Schrei, wenn der Tingler kommt“ so einiges zu bieten, was sich auch heute noch im heimischen Wohnzimmer lohnt, anzusehen. Vor allem die schauspielerischen Leistungen. Natürlich ist die Geschichte, die der Film erzählt, ziemlich hanebüchen und ganz darauf ausgerichtet, in den oben beschrieben Passagen das Publikum zum Mitmachen anzuregen. Doch statt daraus ironischen Trash zu machen, wie es heute wohl – leider – der Fall wäre, nimmt der Film seine unwahrscheinliche Geschichte durchaus ernst.

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Vincent Price spielt den Wissenschaftler Dr. Warren Chapin als leidenschaftlichen, aber nicht verbohrten oder gar wahnsinnigen Forscher. Im Gegenteil, auch wenn das Drehbuch ihn in zwei Wendungen als eiskalten Bösewicht darstellt, so ist er doch das genau Gegenteil. Er leidet unter der Untreue und der herablassenden Arroganz seiner Ehefrau. Wenn er ihr dies dann heimzahlt, kann der Zuschauer großes Verständnis für Dr. Chapins Tat aufbringen. Dass sich diese dann nur als Finte entpuppt, spricht für die Warmherzigkeit, mit der Vincent Price seine Rolle anlegt. Auch seine fast schon kindliche Begeisterung, wenn er den Tingler entdeckt, bringt man nicht unbedingt mit dem Bild eines mad scientist in Verbindung. Price spielt sympathisch, einnehmend und vor allem mit ausgesuchter Eleganz. Es macht einfach Freude ihm zuzusehen und zu lauschen, wie er die verrücktesten Sätze völlig ohne camp oder Theatralik spricht. Aber auch Philip Coolidge in der Nebenrolle des kleinen, unscheinbaren und doch ganz und gar nicht unwichtigen Olli Higgins spielt sehr fokussiert und lebensecht. Keine Spur von Übertreibung, die man in einem B-Film über einen zu groß geratenen Ohrenkneifer eigentlich erwarten könnte.

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Denn der Tingler selber ist da fast schon ein Schwachpunkt des Filmes. Obwohl sein Name durchaus eine sexuelle Konnotation erwarten lässt, ist das Vieh einfach nur hässlich und erinnert in der Tat fatal an einen Dermaptera. Warum der Tingler seinen Wirtskörper (oder überhaupt irgendjemanden) töten will, bleibt natürlich auch ungeklärt. Aber ohne diesen Kniff gäbe es eben keine gruselige Geschichte. Daher sollte man die Natur und die Motive des Tinglers nicht allzu sehr hinterfragen. Dafür gibt es auch viel zu viele andere schöne Momenten in „Schrei, wenn der Tingler kommt“, die nichts mit dem titelgebenden Untier zu tun haben. Beispielsweise eine spektakuläre Sequenz, in der eine Figur zu Tode geängstigt wird und plötzlich rotes Blut in das schwarz-weiß-Bild schwappt. Oder Dr. Chapins LSD-Trip. Der erste überhaupt in einem Mainstream-Film. Soweit man Castles Werk überhaupt dem Mainstream zuordnen will. Ganz bezaubernd ist natürlich auch die Idee, dass die taubstumme Ehefrau von Olli Higgins ein Kino leitet, in dem ausschließlich Stummfilme gezeigt werden. Allein dafür muss man „Schrei, wenn der Tingler kommt“ lieben.

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Auch die Interaktion zwischen Vincent Price und der schönen Patricia Cutts als Chapins bösartige Gattin Iabel sorgt für wohlige Höhepunkte. Neben der Cutts als durchtriebenes Luder verblasst die „gute“ Pamela Lincoln und auch der ehemalige Kinderstar Darryl Hickman als jugendlicher Held bleibt arg farblos. In der interessanten Begleit-Doku „Scream For Your Life“ erfährt man, dass der (zu) junge Hickman nur besetzt wurde, weil er zu diesem Zeitpunkt mit Newcomerin Lincoln verheiratet war, und man ihm weiß machte, seine Anwesenheit sei dringend erforderlich, um dem Neuling Sicherheit zu geben. Am Ende spielte Hickman dann ohne Gage mit. Des weiteren muss man noch Judith Evelyn erwähnen, die die taubstumme Kinobesitzerin mit großen, expressionistischen Gesten spielt. Evelyn hat mit Vincent Price in einige Stücken am Broadway gespielt und wurde auf dessen speziellen Wunsch hin gecastet. Zwar hebt sie sich durch ihren bedingungslosen Einsatz von dem Rest der doch eher ruhig-souverän agierenden Schauspieler ab, doch vergegenwärtigt man sich, dass die von ihr gespielte Dame eine großer Freund des Stummfilms ist, passt das dann doch wieder ausgezeichnet. Evelyns bekannteste Rolle ist übrigens auch stumm. Sie spielt die selbstmordgefährtete „Miss Loneyhearts“ in Hitchcocks Meisterwerk „Das Fenster zum Hof“.

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Auch ohne seine Gimmicks ist William Castles „Schrei, wenn der Tingler kommt“ ein charmantes Stück Gruselkino mit viel Zeitkolorit und einer gut aufgelegten Besetzung. An dieser Stelle soll auch noch einmal auf den ausgezeichneten und sehr modern klingende Soundtrack von Von Dexter gelobt werde. Da macht es auch nicht viel aus, wenn das titelgebende Monster nicht ganz so überzeugend ausgefallen ist.

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Mit dem dritten Teil seiner Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ ist Anolis mal wieder ein Volltreffer gelungen, welcher das Herz aller Freunde klassischen 50er-Jahre-B-Horrors höher schlagen lässt. Lange musste man warten, bis der legendäre „Tingler“ auch hierzulande die heimischen Bildschirme unsicher macht. Das Warten hat sich gelohnt, denn die Blu-ray (eine DVD ist auch noch mit dabei) besticht durch ein sehr scharfes Bild. So scharf, dass man leider auch deutlich die Fäden erkennen kann, an denen der Tingler fortbewegt wird. Zudem ist nun der Kontrast zwischen dem „normalen“ Bild und der Szene mit der Badewanne voller rotem Blut ausgesprochen stark. Dies irritiert zunächst, ist jedoch aufgrund des Verfahrens, mit dem Castle diese Schock-Szene realisierte, wohl nicht anders machbar. Laut Wikipedia hat Castle die Szene auf Farbfilm gedreht und dafür das Set und seine Schauspielerin schwarz-weiß streichen lassen. Dies gehört aber wohl ins Reich der Fabeln, da die Szene eher so wirkt, als ob der farbige Teil des Bildes vor einer Leinwand gestanden hätte, auf dem der schwarz-weiße Film abläuft. Dies war zumindest meine erste Assoziation. Der Ton liegt in einer guten, zeitgenössischen Synchronisation und auf Englisch vor. Wie bei jedem Film mit Vincent „The Voice“ Price ist letzteres natürlich vorzuziehen. Auf der Extras-Seite wird man auch glücklich. Herzstück ist die oben bereits erwähnte Doku „Scream For Your Life“. Zudem gibt es noch gleich Audiokommentare. Der erste wurde von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad eingesprochen, der zweite von Ingo Strecker und Robert Zion. Neben diversen Trailern und einer alternativen Fassung der „Scream!“-Kinoszene für Autokinos, wurde noch die deutsche Kinofassung mit auf die Blu-ray gepackt. Diese ist knapp eine Minute kürzer als die Blu-ray-Fassung, wobei mir aber – bis auf die deutschen Titel – keine großen Unterschiede aufgefallen sind. Ein Booklet mit einem Text von Dr. Rolf Giesen rundet diese feine Ausgabe ab.

Blu-ray Rezension: „Hatchet for the Honeymoon“

Von , 31. Mai 2016 17:41

Hatchet-for-the-HoneymoonJohn Harrington (Stephen Forsyth) ist der Besitzer eines Brautmodegeschäfts. Er ist mit Mildred (Laura Betti) verheiratet, deren Eifersucht und Besitzanspruch ihm das Leben zur Hölle macht. John führt ein Doppelleben, denn wenn immer sich die Gelegenheit ergibt, tötet er mit einem Beil junge Frauen, die Brautkleider tragen. Mit jedem Mord hofft er, ein Puzzlestück zu einer in seinem Kopf eingesperten Erinnerung zu erhalten: Wer tötete einst seine Mutter? Als Mildred ihn wieder einmal verhöhnt bringt er auch sie um. Allerdings kehrt sein Opfer umgehend als Geist zurück…

Endlich erblickt das Werk Mario Bavas auch in Deutschland das HD-Licht der Welt. „Hatchet for the Honeymoon“ war zwar schon in einer schon lange nicht mehr erhältlichen DVD-Edition aus dem Hause Koch Media erhältlich, doch die HD-Bearbeitung durch das junge Label Wicked Vision Media lässt einen mit der Zunge schnalzen und fügt dem Film aufgrund der kräftigen Farben und dem klaren Bild noch zusätzliche Reize hinzu. „Hatchet for the Honeymoon“ wurde viele Jahre von den Bava-Fans eher stiefmütterlich behandelt. Zu mächtig waren die großen Meisterwerke wie „Blutige Seide“, „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ oder „Drei Gesichter der Furcht“. „Hatchet for the Honeymoon“ erschien mehr als Nebenwerk. Sieht man den Film heute nochmals in all seiner visuellen Pracht, bleibt die Einschätzung rätselhaft. Vielleicht liegt es auch daran, dass die bisherigen Heimkino-Umsetzungen eher suboptimal waren. So zeichnete sich die die US-DVD von Image Entertainment – lange Zeit die einfachste Möglichkeit an den Film zu kommen – durch ein eher blasses Bild und einen fürchterlichen, englischen Ton aus. Vielleicht war es aber auch Bavas ungewöhnlicher Ansatz, einen wahnsinnigen Serienmörder zum Helden und Identifikationsfigur seines Filmes zu machen.

In Zeiten, in denen ein Hannibal Lector eine eigene TV-Serie hat und ein Patrick Bateman zu einer Ikone der 80er wurde, fällt dieser Kniff allerdings weniger schwer zu verdauen aus, wie noch 1970. Zumal der Killer John Harrington sehr charmant vom gutaussehenden Stephen Forsyth gespielt wird. Dieser durchbricht gleich in der ersten Szene die vierte Wand und stellt sich dem Publikum als wahnsinniger Mörder vor, der seinen Wahnsinn auch noch in vollen Zügen genießt. Immer wieder taucht Bava in den Kopf seines Protagonisten ein und zeigt die Welt durch seine Augen. Dies nutzt Bava, der als gelernter Kameramann hier auch wieder selber für die Fotografie zuständig war, um gehörig mit seiner Kamera zu experimentieren. Er lässt dramatische Details des Bildes bis fast zu Unkenntlichkeit verschwimmen, so dass man nie sicher sein kann, ob das, was man da glaubt zu sehen, real ist oder Johns fiebrigen Wahrnehmung entspringt. Bava sucht die besondere Einstellung, die ungewöhnliche Bildkomposition, das Spiel mit Vorder- und Hintergrund. Die extreme Farbkomposition, die seine vorangegangenen Werke auszeichnete, fährt Bava hier stark zurück. Er achtet jedoch darauf, dass ein kräftiges Rot zum rechten Augenblick einen packenden Effekt hervorzaubert.

Gewisse Abstriche müssen beim Drehbuch gemacht werden, welches sich zwar bemüht, den kranken John Harrington und seine gestörte Welt möglichst exakt zu porträtieren, dabei aber die Spannung vollkommen vernachlässigt. Das finstere Geheimnis, welches John durch seine Braut-Morde aus seinem Gedächtnis zu lösen versucht, dürfte jedem Zuschauer, der mehr als drei solcher Filme gesehen hat, schon nach der ersten Szene bekannt sein. Sträflich ist der Umgang Bavas mit einzelnen Szenen, die das Potential für nervenzerfetzende Spannung hätten, hier aber verpuffen. Ein Beispiel hierfür wäre jener Augenblick, in dem John versucht, die Polizei aus seinem Haus zu bekommen, während über ihm und seinen Häschern eine Leiche von der Treppe herunter blutet. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, was Hitchcock aus dieser Ausgangssituation gemacht hätte. Bava – der auch für das Drehbuch mit verantwortlich war – scheint dies aber gar nicht zu interessieren. Ihm war scheinbar das psychologische Drama weitaus wichtiger als die Thriller-Elemente.

Auch die Morde des John Harrington sind weitaus unspektakulärer als in vergleichbaren Bava-Filmen ausgefallen. Ja, sie sind fast schon ein Anti-Klimax. Mehr Sorgfalt verwendet Bava darauf, eine generell merkwürdig-krankhafte Eigenwelt zu kreieren, in dem sein Hauptdarsteller frei agieren kann. Die Szenen in denen sich John Harrington in einen Raum mit unzähligen in Brautkleidern gewandten Kleiderpuppen zurückzieht, nimmt bereits William Lustigs berüchtigten „Maniac“ (und mehr noch dessen gelungenes Remake) vorweg, in dem es eine ganz ähnliche Sequenz gibt. Überhaupt erinnert vieles in „Hatchet for the Honeymoon“ an diesen 80er Jahre Klassiker des verstörenden Films. Die Konzentration auf die kranke Hauptfigur, seine Paranoia (hier repräsentiert die ständig auftauchende und anklagende tote Ehefrau), das Kindheitstrauma und die zärtliche Liebesbande zu einer jungen Frau. All dies findet sich 10 Jahre später auch in „Maniac“ wieder.

Sehr viel Wert legt Bava auch auf die Ausstattung. Das Haus Harringtons, in dem weite Strecken des Filme spielen, ist eine gewaltige Villa, voller merkwürdiger Bilder, erdrückender Architektur und geheimnisvollen Wegen. Wer hier lebt, muss zwangsläufig verrückt werden. Dazu passt es dann auch, dass die Villa einst dem spanischen Gerneralissimo Franco gehört haben soll. Ein ganz besonderer Hingucker sind auch die Kostüme. Nicht nur die Kleider der Damen, sondern vor allem auch das unglaubliche Outfit Stephen Forsyths lässt Fans des wilden Übergangs zwischen 1969 und 1970 die Herzen höher schlagen. Erwähnt werden muss aber auch die interessante Filmmusik, welche von Sante Maria Romitelli komponiert wurde und sich erst zuckersüß in den Gehörgang schmeichelt, um den unvorbereiteten Zuschauer dann mit experimentellen Tönen zu verstören.

Für Hauptdarsteller Stephen Forsyth war „Hatchet for the Honeymoon“ leider sein letzter Filmauftritt. Der Kanadier zog nach Beendigung der Dreharbeiten nach New York, wo er eine erfolgreiche Karriere als Komponist, Sänger, Fotograf und Videokünstler begann. In „Hatchet for the Honeymoon“ erinnert Forsyth stark an eine attraktivere Version des Italo-Westernhelden Anthony Steffen, der ja eine ganz ähnliche Rolle in „Grotte der vergessenen Leiche“ spielte. Beide vereint auch eine knarzige Hölzernheit. Überhaupt nicht hölzern, sonder sehr flexibel ist die wunderbare Dagmar Lassander, die hier allerdings keine große Aufgabe zu erfüllen hat. Diese kommt der großartigen Laura Betti, einer Stammschauspielerin Passolinis, zu, welche die bösartige Ehefrau und späteren Rachegeist spielt. Die Betti lässt den Zuschauer bei ihrer Interpretation der Mildred Harrington zwischen Abscheu, aber auch ein wenig Mitleid schwanken und ist als Geist tatsächlich gruselig.

Diese Geistergeschichte ist es dann auch, welche den Film aus dem Gleichgewicht bringt. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Geschichte um den Geist von Johns ermordeter Ehefrau ursprünglich ambivalenter geplant war und es dem Zuschauer überlassen bleiben sollte, ob der Spuk nun real oder nur eine Ausgeburt von Johns Wahnsinn ist. Im finalen Film jedenfalls fehlt diese Zweideutigkeit, und der Geist erscheint als eben solcher und nicht als paranoide Fantasie. Dadurch wird dem Psychogramm eines Serienkillers etwas die Spitze genommen, da der Film hier ins Fantastische abgleitet. Hätte Bava auf diese Geistergeschichte verzichtet, wäre es dem Film vielleicht zugute gekommen. Andererseits wäre die Filmwelt um die beängstigende Darstellung der famosen Laura Betti ärmer.

Die Blu-ray von Wicked Vision Meda lässt, wie eingangs bereits erwähnt, keine Wünsche offen. Der Film wurde vom 35mm-Kamera-Negativ neu abgetastet und restauriert. Sowohl die Farben, als auch das Schwarz kommen dadurch sehr kraftvoll zur Geltung. Im Gegensatz zu älteren Ausgaben (insbesondere der US-Version) ist der als dts-HD-Mono vorliegende Ton hier endlich makellos. Auch an interessanten Extras wurde nicht gespart. Es gibt einen Audiokommentar von Pelle Felsch Für ein Vorwort wurde Dagmar Lassander gewonnen, die den Zuschauer einmal auf deutsch und einmal auf englisch einlädt, sich den Film anzusehen. Mit „A Hatchet for Dagmar“ ist auch ein neues, von Uwe Huber geführtes Interview mit ihr dabei, indem sie in 25 Minuten auf ihre lange Karriere Bezug nimmt und sich dabei auch kritisch äußert. In „My Dying Bride“ sieht man Marcus Stiglegger, der in knapp zehn Minuten viele interessante Hintergründe des Filmes zusammenfasst. Ferner sind noch die deutschen und italienischen Titel- und Endsequenzen dabei, allerdings in schlechter Qualität. Nette Beigabe: Der spanischen Werberatschlag, der italienische Foto-Aushang, und eine Artwork-Galerie. Weiter so, Wicked Vision Media!

Blu-ray-Rezension: „Thief“

Von , 12. April 2016 17:44

thiefDer Ex-Sträfling Frank (James Caan) ist offiziell als Autohändler und Barbesitzer tätig, doch in Wirklichkeit verdient er sein Geld als professioneller Juwelendieb. Und als solcher gehört er zu den Besten seiner Zunft. Als nach einem erfolgreichen Beutezug sein Anteil in die Hände von Gangstern fällt, versucht er alles, um sein Geld zurückzubekommen. Dabei lernt er Leo (Robert Prosky) kennen, der Kopf der Gangsterbande. Leo will, dass Frank exklusiv für ihn arbeitet und macht ihm ein lukratives Angebot. Frank zögert zunächst, da ihm seine Unabhängigkeit über alles geht. Als Frank und seine Freundin Jessie (Tuesday Weld) ein Kind adoptieren wollen, und dies von den Behörden abgelehnt wird, verschafft Leo ihnen ein Kind vom Schwarzmarkt. Frank willigt ein, einen letzten großen Coup für Leo durchzuziehen, nicht ahnend, worauf er sich dabei einlässt.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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Michael Manns Kinofilmdebüt „Thief“ als Vorstudie zu seinem epochalem „Heat“ oder seinem Nachtstück „Collateral“ zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Mit „Thief“ gelang Mann aus dem Stand ein frühes Meisterwerk, dessen Echo sich zwar in den eben genannten, aber auch generell Manns bisherigem Schaffen wiederfindet, welches aber nicht in deren Schatten steht. Es ist erstaunlich welche Kunstfertigkeit der bis dahin lediglich als Drehbuchautor für TV-Serien aufgefallene Mann an den Tag legt, wenn es gilt wunderbare Bilder und packende Charakterzeichnungen miteinander zu verheiraten. Während viele seiner Kollegen einen „Style over substance“-Ansatz pflegen, benutzt Mann seine vollendet komponierten Bilder, um seinen Figuren einen Raum zu schaffen, in welchem sie existieren können. Und wie kaum ein anderer versteht es Mann, die urbane Nacht zu inszenieren. Ein natürliches Biotop gestrandeter Seelen, das nach Sonnenuntergang zu seinem Neon-Leben erwacht.

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Wenn man sich gewundert hat, woher viele der ästhetischen Entscheidungen stammen, die Nicolas Winding Refn für seinen Neo-Noir-Klassiker „Drive“ getroffen hat, der möge sich „Thief“ ansehen, um die Antwort zu erhalten. Beide Film versprühen gerade in den Fahrten durch den Großstadt-Dschungel das selbe ausserweltliche Gefühl, welches hier wie dort auch durch den nüchternen, gleichzeitig aber auch traumhaft-schwebenden Soundtrack hervorgerufen wird. Für den „Thief“-Soundtrack konnte Michael Mann die deutschen Elektro-Pioniere „Tangerine Dream“ gewinnen, für die dies nach Friedkins „Sorcerer“ der zweite große Soundtrack-Auftrag in den USA war. Dass nun ausgerechnet dieser wunderbare und atmosphärische Soundtrack in jenem Jahr bei dem Anti-Oscar, dem Razzie Award, als schlechtester Filmscore des Jahres nominiert war, spricht nicht unbedingt gegen ihn, sondern sagt viel mehr etwas über die Güte des Razzie aus, der oftmals noch engstirniger und trendverliebter ist, als sein großer Bruder, der Oscar genannte Academy Award.

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Die großartige Konversation zwischen James Caan und Tuesday Weld in einem nächtlichen Diner ist nicht nur eine der wundervollsten Dialogszenen der Filmgeschichte, sondern erinnert selbstverständlich auch frappierend an das mittlerweile legendäre Zusammentreffen von Al Pacino und Robert de Niro (bevor beide in seelenlosen und immer alberneren Fließbandproduktionen ihren guten guten Ruf verspielten), welches an selber Stelle in Michael Manns 14 Jahre später entstandenen „Heat“. Tatsächlich fühlt sich „Thief“ oftmals wie ein Prequel zum späteren Film an, indem der von DeNiro gespielte Neil McCauley davon spricht, dass einen nichts binden sollte und man innerhalb von 30 Sekunden alles zurücklassen können muss, if you feel the heat around the corner. Frank scheint ein junger McCauley zu sein, welcher diese Lektion erst noch schmerzhaft lernen muss. Der noch daran glaubt, diesem Leben, welches er führt, entfliehen zu können. Der sich wortwörtlich eine Traumwelt gebastelt hat, die er auf einer Postkarte geklebt immer mit sich führt. Das Ideal eines normalen, bürgerlichen Lebens, welches irgendwann zerknüllt auf einem dreckigen Parkplatz landet.

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Dies ist die große Traurigkeit des Filmes. Am Ende ist Frank all seiner Illusionen und Träume beraubt. Er hat erkannt, dass er in der Lage sein muss, alle Verbindungen innerhalb von wenigen Minuten zu kappen. Die Menschen, die er liebt zu verlassen, ohne ein Gefühl von Reue und Trauer zu empfinden. Zu verschwinden, wenn es nötig ist, und niemals wiederzukehren. Keine Verbindungen, keine Liebe, keine Gefühle. Ein Wolf unter Wölfen. Er muss zu McCauley werden, um in der Großstadt-Steppe zu überleben. Das Einzige, was man dem Film vorwerfen kann, ist dass er die von Tuesday Weld beeindruckend gespielte Jessie im letzten Drittel etwas vernachlässigt und der interessante Subplot mit der von Willie Nelson gespielten Vaterfigur Okla etwas unterentwickelt bleibt. Aber das sind nur kleine Kritikpunkte, die in keinster Weise an der Krone dieses großartigen Filmes kratzen können.

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Gleich mit seinem Kino-Debüt „Thief“ erreichte Michael Mann ein erstaunlich hohes Niveau und schuf einen Klassiker des modernen Film Noir, welcher bereits die großen Themen seiner späteren Filme behandelt. Manns grandiose Symbiose aus packender Charakterzeichnung und einer berauschenden Optik macht, im Zusammenspiel mit dem wundervollen Tangerine-Dream-Score und den furiosen Schauspielern, aus „Thief“ einen der großartigsten Filme der frühen 80er Jahre.

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Für diese „Ultimate Edition“ fällt mir wirklich nur noch das war „ultimativ“ ein. Hier hat sich OFDb filmworks selber übertroffen. Auf fünf Scheiben verteilt finden sich neben zahlreichen Extras gleich drei Versionen des Filmes. Wobei das Prunkstück natürlich der neue Director’s Cut ist, der nicht nur einen brandneuen 4K-Transfer spendiert bekommen hat, sondern auch von Regisseur Michael Mann noch einmal farblich überarbeitet wurde. Wer aber den Film sehen möchte, wie er einst im Kino lief, für den ist selbstverständlich noch die Original-Kinofassung dabei. Und als besonderen Bonus enthält die edel aufgemachte Edition noch einen „Special Director’s Cut“, welcher 1995 erstellt wurde. Letzterer liegt nur auf DVD vor, da die Qualität des Masters nicht für eine Bluray reichte. Die anderen beiden Fassungen sind jeweils als Bluray und DVD enthalten. Einziger Kritikpunkt: Die wunderbaren Extras sind über alle Discs verteilt, so dass man sie sich erst zusammen suchen muss, da keine Übersicht enthalten ist, wo welche Extras zu finden sind. Aber das ist Meckern auf ganz, ganz hohem Niveau.   Der neue Director’s Cut kommt mit zwei Audiokommentaren daher. Einmal von Regisseur und Drehbuchautor Michael Mann und Hauptdarsteller James Caan, der zweite von Prof. Dr. Marcus Stiglegger. Dazu kommt noch unter dem Titel „Stolen Dreams“ ein neues, viertelstündiges Interview mit James Caan. Auf der Kinofassungs-Disc gibt es eine isolierte Musik- und Effektspur, so die über eine stunde gehende Doku „The Art of the Heist – Ausführliche Analyse des Films mit Schriftsteller und Kritiker F.X. Feeney“.  Der „’special Director’s Cut von ’95 wird abgerundet von einer einstündigen Folge aus der TV-Reihe „The Directors“, die sich mit Michael Mann und seinen Filmen beschäftigt, sowie einer 23-minütigen-Episode der französischen TV-Serie „Ciné regards“ über den Schauspieler James Caan, die kurz nach Abschluss der Dreharbeiten des Films entstand. Ferner enthält die Ultimate Edition noch ein 14-seitiges Booklet mit dem Essay „Kool Killers and Violent Streets“ von Prof. Dr. Marcus Stiglegger und ein gefaltetes A4-Filmposter. Wow! Die Bildqualität ist ebenfalls umwerfend, insbesondere was den neuen Director’s Cut angeht. Aber auch die Kinofassung kann sich mehr als sehen lassen. Demgegenüber fällt der „Special Director’s Cut“ von 1995 stark ab, aber das ist mehr als zu verschmerzen. Der Originalton ist einwandfrei und liegt im Original 2.0, sowie einer 5.1. Abmischung vor. Bei der deutschen Synchronisation soll es zu einem Fehler gekommen sein, der mir aber nicht auffiel (ich habe den Film aber auch im Original geschaut und nur kurz mal die die deutsche Sprachfassung gehört). Hier sind die Tonhöhen zu tief. Ein Statement von OFDb filmworks liegt hierzu aber bereits vor.

Blu-ray Rezension: „Die Todeskarten des Dr. Schreck“

Von , 14. Februar 2016 17:09

todeskartenschreckFünf Männer (Christopher Lee, Donald Sutherland, Roy Castle, Alan Freeman und Neil McCallum) müssen sich bei ihrer Bahnfahrt von London nach Bradley ein Abteil teilen. Kurz vor der Abfahrt des Zuges steigt noch ein sechster Mann(Peter Cushing) hinzu. Dieser nennt sich „Dr. Schreck“ und bietet den fünf Männern an, ihnen mit Hilfe seiner Tarot-Karten die Zukunft vorherzusagen. Leider erweist sich diese für jeden der fünf Männer für wenig erstrebenswert, denn einer nach dem anderen bekommen sie es mit Werwölfen, mörderischen Pflanzen, Voodoo-Zauber, einer abgetrennten Hand mit Eigenleben oder Vampiren zu tun…

1965 war das Jahr, in dem den legendären Hammer-Studios ein Konkurrent in Sachen „House of Horror“ erwuchs. Die ebenfalls britischen Amicus Studios hatten zuvor leichte Musikfilme produziert und probierten nun ein Stück von dem großen Kuchen „Horror“ abzuschneiden, den in England zu dieser Zeit nur Hammer verspeiste. Dazu wurden die beiden größten Stars der Hammer-Studios eingekauft, Peter Cushing und Christopher Lee, sowie die Talente hinter der Kamera, wie hier Freddie Francis, zur Konkurrenz gelockt. Freddie Francis ist von Hause aus Kameramann, durfte sich aber bereits 1963 bei Hammer auf den Regiestuhl setzen und dreht dort nicht nur „Frankensteins Ungeheuer“ drehen, sondern auch eine Reihe dunkler Psycho-Thriller, wie „Haus des Grauens“ oder „Der Satan mit den langen Wimpern“. Bei seinen Regiearbeiten bewies Freddie Francis jedes Mal, dass er vor allem ein Augenmensch mit dem besonderen Blick für das Ungewöhnliche und die perfekte Einstellung ist. In „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ vertraut er hinter der Kamera auf das Talent von Alan Hume, dem Stammkameramann der „Carry On..“-Reihe, der zuvor aber auch Hammers „Der Kuss des Vampirs“ fotografiert hatte. Zurecht, denn „Die Todeskarten des Dr. Scheck“ sieht sehr gut aus. Nicht nur die stimmige Fotografie im engen Bahnabteil ist sehr gelungen, auch die düster-bunten Bilder vor allem aus der ersten und zweiten Episode wissen zu gefallen.

Für das Drehbuch zeichnete sich Produzent Milton Subotsky verantwortlich, der bereits in den 40er Jahren vor hatte, einen Anthologie-Film zu drehen. Für seine erste Horrorproduktion griff Subotsky also in die Schublade und fand dort fünf Kurzgeschichten, die mit dem Werwolf, dem Vampir, Voodoo, der tödlichen Pflanze und der gruseligen Hand aus dem Totenreich einige populäre Themen aufgriffen, die das Genre schon länger begleiten. Allerdings, auch dies muss gesagt werden, war Milton Subotsky kein begnadeter Geschichtenerzähler. Gerade hier kränkelt Francis‘ Film ziemlich. Die geheimnisvolle Bahnfahrt ist zwar eine hübsche Idee, doch wenn man darüber zu lange nachdenkt auch wieder sinnlos. Welche Zukunft sagt Dr. Schreck seinen Mitfahrern voraus? Jedenfalls nicht die, welche sie am Ende erwartet. Die Auflösung der ersten Episode ist derart verworren, dass ich auch beim zweiten Mal nicht begriffen habe, wie das alles mit den Werwölfen zusammenhängt. Auch in den weiteren Stories will das Eine nicht immer zum Anderen passen. Insbesondere bei der letzten Episode, die stark an eine „Twilight Zone“-Episode erinnert, macht das Verhalten der Protagonisten keinerlei Sinn und gerade Donald Sutherlands Charakter verhält derartig widersinnig, dass Spannung gar nicht erst aufkommen will. Aber da diese Episode sowieso als schwarze Komödie angelegt ist, möge man Sutherlands Figur ihre naive Dummheit verzeihen. („Ach, sie sagen meine geliebte Ehefrau ist ein Vampir? Na gut, wenn sie meinen. Dann mal her mit dem Holzpflock“.)

Die inhaltlichen Schwächen gleicht der Film durch die oben bereits erwähnte erlesene und sehr stimmungsvolle Fotografie wieder aus, die ein Maximum aus dem knappen Budget herausholt. Aber auch mit der Besetzung der „Körperlose Hand“-Geschichte, die das Highlight des Filmes darstellt, kann gepunktet werden. Christopher Lee ist hervorragend als eitler Kunstkritiker, und der wie immer exzellente Michael Gough gibt einen starken Gegenspieler. Zwischen verschmitzt-listig und zutiefst verzweifelt zeigt Gough alle Facetten seiner, leider immer im Schatten der Stars Cushing und Lee stehenden, Schauspielkunst. Eine sehr natürliche, schon mehr ans New Hollywood als traditionellem britischen Kino angelegte, Darstellung gibt auch der blutjunge Kanadier Donald Sutherland kurz vor dem Sprung zur Weltkarriere. Schade, dass gerade seine Rolle enttäuschend flach geschrieben ist. In den weiteren Filmen aus der Amicus-Schmiede, die dem großen Erfolg von „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ folgen sollten, gab Milton Subotsky dann auch die schreibende Tätigkeit an den bekannten US-Autoren Robert Bloch (der u.a. die literarische Vorlage zu „Psycho“ lieferte und gut mit H.P. Lovecraft befreundet war) ab.

Neben der „Körperlosen Hand“ ist die „Voodoo“-Episode der stärkste Teil des Filmes. Nicht nur, weil Francis zusammen mit seinem Kameramann Alan Hume für einige starke Szenen sorgen, sondern vor allem wegen des Soundtracks. In der Rolle des Bandleaders Biff Bailey wurde der Trompeter und Sänger Roy Castle angeheuert. Dieser bringt trotz offensichtlich mangelnder Erfahrung vor der Kamera, genau die richtige Mischung aus Unbedarftheit und Arroganz mit, um seine Rolle glaubhaft zu gestalten. Ferner wurde mit Tubby Hayes ein Jazz-Musiker für die zusätzliche Musik dieser Episode verpflichtet, der für einen akustischen Hochgenuss sorgt. Das Jazz-Arrangement, welches Hayes aus der unheimlichen Voodoo-Melodie geschaffen hat, ist mehr als gelungen und man wünschte sich eine Veröffentlichung auf CD. Tatsächlich soll es aber nur auf einer obskuren und heute sehr, sehr raren Vinyl-Scheibe aufgetaucht sein. Sehr schade. Bei allem Enthusiasmus über das „Voodoo“-Stück sollte man aber nicht vergessen, Elisabeth Lutyens zu erwähnen, die für den „normalen“ Score des Filmes verantwortlich war und hier – gerade in der ersten Geschichte – eine überzeugende Arbeit abgeliefert hat.

Obwohl inhaltlich nicht immer überzeugend, punktet „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ mit seinem wunderbaren old-school-Charme, der guten Lee/Gough-Episode, weit überdurchschnittlichem Handwerk und zeitweise brillanter Musikuntermalung.

„Die Todeskarten des Dr. Schreck“ ist die erste Veröffentlichung des jungen Labels Wicked Vison Media, welches aus der Wicked-Vision-Homepage und dem Wicked Vicion Magazin hervorging. Und das Debüt kann sich mehr als sehen lassen. Als Grundlage der Blu-ray wurde ein 4K-Scan des Original-Kamera-Negativs verwendet, der alles aus dem Film herausholt, was möglich ist. Das Bild erstrahlt dadurch insbesondere bei den farbintensiven Episoden „Werwolf“ und „Voodoo“ in neuem Glanze. Auch beim Ton gibt es keinen Grund zum Meckern. Zwar merkt man der deutschen Tonspur ein wenig die Jahre an, die sie auf dem Buckel hat – die englische Tonspur erklingt jedoch makellos. In Punkte Extras schöpft Wicked Vision Media aus dem Vollen und lässt die Augen und Ohren leuchten. Nach einem nett gefilmten Intro, in dem Filmwissenschaftler Dr. Rolf Giesen für Experten keine neuen, für Einsteiger aber recht interessanten Kurz-Informationen zum Besten gibt, kann man sich aussuchen, ob man den Film vielleicht auch mit dem Audiokommentar des Regisseurs Freddie Francis oder lieber noch mit dem Audiokommentar des Duos Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad ansehen möchte. Ein Highlight der Veröffentlichung ist eine fast einstündige Doku des britischen Filmemachers Jake West, der zahlreiche Zeitzeugen zu „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ befragt. Wer die HD-Version damit vergleichen will, wie der Film bei uns im Kino aussah, für den ist noch eine Abtastung der deutschen 35mm-Fassung mit dabei. Weitere Extras beinhalten die deutsche Titel- und Endsequenz, den deutschen, englischen und italienischen Kinotrailer, die internationale Titel- und Endsequenzen, diverse Bildergalerien, Werberatschläge und Programm- und Pressehefte. Easter Eggs soll es auch geben, habe ich aber nicht nach gesucht. Ferner kann der Fan auf der Tonspur zwischen dem Originalton, der restaurierten deutschen Kinosynchro und der deutschen TV-Synchro wechseln. Toll. Noch toller ist allerdings die Ankündigung, dass Wicked Vision Media in diesem Jahr noch David Cronenbergs „Die Brut“, Mario Bavas „Hatchet for the Honeymoon“ und vor allen Dingen –*tusch* – eine Jean-Rollin-Reihe herausbringt. Wenn das kein Grund zu ekstatischer Freude ist…

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