Das Bloggen der Anderen (21-08-17)

Von , 21. August 2017 17:59

– In dieser Woche habe ich die große Freude einen neuen Blog vorzustellen. Die Freude ist daher so groß, weil dort ein guter Freund von mir seine ersten Blogger-Schritte macht und seine Texte, wie ich finde, wirklich toll geworden sind. Unter dem Namen Retrospective Magazine berichtet er vom Stummfilmfestival in Bonn und anlässlich des 40. Todestages des „King“ Elvis Presley (dessen 40. Todestage seltsamer- und traurigerweise kaum ein Echo irgendwo fand) startet er eine Serie, in der er ALLE Elvis-Filme besprechen wird. Den Anfang macht natürlich „Love Me Tender“. Wie gesagt, ich find die Texte toll und kann nur jedem ans Herz legen, dass Retrospective Magazin in seine Bookmarks mit aufzunehmen.

– Gestern erschütterte die Nachricht vom Tode Jerry Lewis (der immerhin das stolze Alter von 91 Jahren erreichte) meine Facebook-Timeline. Ein erster Nachruf kommt von Der Kinogänger.

– Noch einmal Locarno, Teil 1: gabelingeber war mit Hauptsache (Stumm)Film in Locarno zu Besuch und stellt drei Filme vor, die ihn dort besonders beeindruckt haben.

– Noch einmal Locarno, Teil 2: In einem englischsprachigen Text geht Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film ausführlich auf Jacques Tourneur dem in Locarno eine Retrospektive gewidmet war.

– Lukas Stern schreibt auf critic.de über einige video-installative Arbeiten auf der documenta.

– Nostalgie bei Kinogucker. Er wirft einen Blick zurück auf die Filmbücher, welche die Cinema in den 80er Jahren veröffentlichte.

– Sano Cestnik zieht auf Eskalierende Träume in einem spannenden Text Parallelen zwischen dem deutschen Film „Melodie des Herzens“ von 1929 und Bo Arne Vibenius Kultfilm „Thriller – En grym film“.

Robert Zion verwöhnt seine Leser mit weiteren Auszügen aus seinen bereits vergriffenen Büchern über Vincent Price und William Castle.

Funxton hat sich John Woos amerikanischen Kriegsfilm „Windtalkers“ noch einmal angeschaut und schreibt in seinem durchaus kritischen Text u.a. „Was hier in die Luft gesprengt und an Munition verballert wird, das sucht verzweifelt seinesgleichen und findet es nicht“. Das empfand ich im Kino damals auch so, und da hatte der Film bei mir tatsächlich seine Wirkung nicht verfehlt. Erstmals wurde mir das ständige Geballer und Explodieren zu viel und ich hätte am liebsten geschrien: „Aufhören! Ich halte das nicht mehr aus!“. Für einen Kriegsfilm vielleicht sogar eine intendierte Absicht, den erstmals konnte ich den Horror des Krieges wenigstens im Ansatz nachvollziehen.

– Hurra, King Hus „Die Herberge zum Drachentor“ kehrt auf die Leinwand zurück! Warum Oliver Armknecht von film-rezensionen.de trotz der positiven Besprechung nur auf 6/10 Punkte kommt ist mir noch etwas schleierhaft, eine Empfehlung ist seine Review auf jeden Fall.

– „Bevor ich mir den Mund fransig rede: Ich halte El Bar nicht nur für einen der besten Filme des Regisseurs, sondern auch einen der besten Filme die ich dieses Jahr zu sehen bekommen habe, und zudem für einen der Paradebeispiele für frisches, großartiges Kino“ schreibt Sebastian von Nischenkino über Alex de la Iglesias neusten Streich und legt damit die Latte namens Erwartungshaltung ziemlich hoch. Ich bin sehr gespannt!

24. Internationales Filmfest Oldenburg: Die ersten Filme und Retrospektive

Von , 16. August 2017 16:49

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus! Es ist ja kein Geheimnis, dass ich ein großer Freund des Internationalen Filmfests in Oldenburg bin, wohin es mich jedes Jahr aufs Neue zieht. Zwar würde ich gerne auch mal die Festivals Norderney/Emden, Braunschweig, Osnabrück oder sehr gerne auch mal wieder Lübeck besuchen, aber als berufstätiger Familienvater muss man sich da leider (noch immer) einschränken, und aufgrund meiner vielen anderen zeitraubenden Aktivitäten ist dann eben derzeit nur ein Filmfest im Jahr drin. Umso größer meine Freude, dass das Oldenburger Filmfest – welches immer einen familiären Charakter hat, bei dem ich mich wohl fühle – jedes Jahr wieder ein sehr vielversprechendes und überraschendes Programm aus dem Hut zaubert. Da braucht es dann auch keinen Superstar wie Nicolas Cage, um mich glücklich zu machen.

Edward R. Pressman

Wie immer war ich gespannt, wem die diesjährige Retrospektive gewidmet sein wird. In der Vergangenheit hat gerade die Retro bei mir zu wunderbaren Entdeckungen geführt (George Armitage! Philippe Mora!!). Dieses Jahr wird erstmals ein Filmproduzent mit einer Retrospektive geehrt. Der Name Edward R. Pressman sagte mir jetzt erstmals nicht, aber ein Blick auf die von ihm produzierten Filme lässt die Augen größer werden und das Herz schneller schlagen: „Badlands“ (1973), „Phantom of the Paradise“ (1974), Wall Street (1987), „Bad Lieutenant“ (1992), „The Crow“ (1994), „American Psycho“ (2000), „Thank you for Smoking“ (2006). Laut der Pressemitteilung blickt „der gebürtige New Yorker auf eine inzwischen 50jährige Karriere zurück, in der er seit 1967 über 80 Kinofilme produzierte und zahlreiche Ehrungen erhielt. Als einer der ganz wenigen Produzenten in den USA, der seine Projekte mit Leidenschaft und Herz begleitet, hat Pressman Filme ermöglicht, die im kommerziellen System Hollywoods ohne ihn kaum entstanden wären. Künstlerisch ebenso ambitionierte wie eigensinnige Filmemacher wie Terence Malick, James Toback Abel Ferrara oder auch Brian de Palma konnten erste Filme umsetzen, die dann künstlerisch nachhaltig das amerikanische Kino berührt haben und ohne Pressman kaum denkbar wären. Ed Pressman wird während des gesamten Festivals in Oldenburg zu Gast sein und 8 seiner Filme im Rahmen der ihm gewidmeten Retrospektive vorstellen“.

Auch die ersten Programmhighlights wurden bekanntgegeben. Und die klingen alle sehr vielversprechend. Insbesondere die beiden Filme des mir bisher unbekannten Simon Rumley habe ich schon mal auf meine persönliche „Guck-ich“-Liste gesetzt. Aber auch „Junk Head“, „Touched“ und „A Violent Man“ haben bereits mein Interesse geweckt.

A Violent Man, USA 2017, von Matthew Berkowitz

Als der noch unbekannte MMA-Fighter Ty Matthews als Sparringspartner den bis dato unbesiegten Champion zu Boden bringt, bringt ein heimlich gefilmtes Video sein Leben auf einen Schlag durcheinander. Das Video geht viral und es dauert nicht lange, bis Ty zum heimlichen Star der Branche wird und ihm ein Meisterschaftskampf winkt. Als die Reporterin, die seine Geschichte
groß rausbringen will, tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, gerät er unter Verdacht. Ihm bleibt nichts über als zu kämpfen – um die Liebe seines Lebens, seine Unschuld, seine Freiheit. Regisseur
Matthew Berkowitz hat eine mutige und ungewöhnliche Besetzung vor die Kamera geholt. Ex-Football-Spieler Thomas Q. Jones (bekannt aus „Straight Outta Compton“), UFC Hall of Fame-Legende Chuck Liddell sind ebenso wie Denise Richards neben Charakterdarstellern wie Bruce Davison und Isaac de Bankolé zu sehen. WELTPREMIERE

Bernard & Huey, USA 2017, von Dan Mirvish

Zwei alte Freunde, wieder vereint. Die Comicfiguren vom Pulitzerpreisträger Jules Feiffer erwachen in der Komödie vom preisgekrönten Regisseur und Slamdance Mitbegründer Dan Mirvish zum Leben. Oscargewinner Jim Rash verkörpert Bernhard, der als erfolgreicher New Yorker Junggeselle den Frauen die Köpfe verdreht bis sein alter Freund Huey, Saturday Night Live Komiker David Koechner, wieder in sein Leben tritt. Die beiden Männer fallen zurück in alte Muster, Frauen aus dem Leben des jeweils anderen aufzureißen. Eine Komödie über zwei Männer, die sich selbst finden, während sie sich gegenseitig um den Verstand bringen. WELTPREMIERE

Crowhurst, UK 2017, von Simon Rumley

Inspiriert von einer wahren Geschichte erzählt Regisseur Simon Rumley die Geschichte von Donald Crowhurt, einem 35-Jährigen vierfachen Vater, der in See sticht um eine der letzten großen Abenteuer des 20. Jahrhunderts anzutreten – das Sunday Times Golden Race um die Welt. Der Geldpreis verspricht die Lösung aller Probleme des einfaches Elekronikers, und so schlägt der unerfahrene Segler alle Bedenken in den Wind und setzt die Segel. Eine wahre Geschichte, die Simon Rumley mit dem ihm eigenen Sinn für die dunkle und bizarren Abgründe im menschlichen Wesen umsetzt. Eine Reise in absolute Einsamkeit die sich immer weiter vom Kurs der Ratio entfernt. Simon Rumleys Kultstatus der Genre- und Underground Fans wird hier mit einer neuen Facette seiner Erzählkunst bereichert. WELTPREMIERE

Fashionista, USA 2017, von Simon Rumley

Das Leben der Secondhandladen-Besitzerin April zerbricht, als sie herausfindet, dass ihr Ehemann eine Affäre mit ihrer Mitarbeiter hat. Um Vergeltung zu üben, beginnt April ihrerseits daraufhin ein Verhältnis mit einem reichen Playboy, einem narzisstischen Kontroll-Freak mit extremen sexuellen Vorlieben. Sie flieht sich in ihre fast fetischartige Sucht nach „Fashion“ – und das nicht nur auf Kosten ihres Verstandes. Simon Rumley trägt ein grassierendes Phänomen unserer Zeit in das Genrekino und erzählt die Geschichte eines Fashion-Victims als tragische Fetisch Lovestory. Seine Hauptdarstellerin Amanda Fuller ist spätestens seit Rumleys hochgelobtem „Red White & Blue“ ein Darling der Indie-Underground Szene und liefert hier als April eine beängstigend gute Performance ab. DEUTSCHLANDPREMIERE

Junk Head, Japan 2017, von Takahide Hori

“Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt” – Im Fall des japanischen Künstler Takahide Hori begann diese Reise mit einer ersten Einstellung, einem ersten Bild. Nach unzähligen weiteren Einzelbildern, Momenten und selbstgebauten Settings, nach insgesamt 7 Jahren Arbeit, entführt Hori seine Zuschauer mit einem einzigartigen Stop-Motion-Epos in eine
weit entfernte Zukunft und eine zutiefst berührende, menschliche Geschichte. 1200 Jahre nach der Rebellion der Klone schicken die Menschen einen Expeditionstrupp tief hinunter zum Unterreich ihrer Nemesis, um wichtige Informationen zur Rettung der menschlichen Spezies zu sammeln. Der Begriff „Unabhängigkeit“ erfährt mit diesem Film eine neue Definition. Regie, Buch, Schnitt,
Kamera, Bauten und sogar einige der Stimmer der Figuren gehen auf das Konto des obsessiven Filmemachers. EUROPAPREMIERE

Quest, USA 2017, von Santiago Rizzo

Auf der Grundlage seines eigenen Lebens erzählt Santiago Rizzo die inspirierende Geschichte eines verlorenen Teenagers, die von seinem Mentor und Lehrer geschrieben wurde, der sein Leben rettete – Tim Moellering. Im Jahr 1995 geriet der 13-jährige Mills auf die Straße, als er der häuslichen
Gewalt seines Stiefvaters zu entkommen versucht. Er wird von der Polizei aufgegriffen, landet in Jugendstrafe und findet Freunde unter einer Sprayer Gang. Graffiti wird sein Ruf nach Freiheit und Hilfe. Während das System versagt, stellt ein Mann an seine Seite und weigert sich, den Jungen aufzugeben. Dash Mihok spielt diese Rolle des Tim Moellering mit Zurückhaltung und Eindringlichkeit und Hollywood Legende Lou Diamond Phillips glänzt als brutaler, seelisch vernarbter Stiefvater. Santiago Rizzi umschifft alle Gefahren zu großer Nähe zur Story und berührt nachhaltig mit diesem bemerkenswerten Debüt. WELTPREMIERE

Touched, Kanada 2017, von Karl R. Hearne

Nach seinen preisgekrönten Kurzfilmen, die bei so prestigeträchtigen Festivals wie Toronto und SXSW in Austin uraufgeführt wurden, legt Karl R. Hearne mit „Touched“ nun sein Spielfilmdebut vor. Teils Mystery Story, teils Geistergeschichte, verwebt Hearne so elegant wie gekonnt Genres zwischen Drama und Horror in dieser psychologisch ausgefeilten und emotional tiefgehenden Geschichte um zwei einsame Wesen, die ohne Liebe aufgewachsen sind. Hearne zeigt die zerbrechliche Kraft der menschlichen Güte und erzählt dennoch eine Geschichte, die sich dem Genre des Thrillers bedrohlich annähert. Ein außergewöhnliches Debüt. WELTPREMIERE

Das Bloggen der Anderen (14-08-17)

Von , 14. August 2017 17:10

– In dieser Woche gibt es in den deutschsprachigen Filmblogs zwei große Themenkomplexe: Locarno und das 4. Terza-Visione-Festival des italienischen Genrefilms. Da ich letzte Woche schon Locarno im Programm hatte, starte ich diesmal mit Terza Visione. Da dies diesmal zentral in Frankfurt stattfand und nicht wieder im von Bremen aus sehr fernen Bremen hatte ich meinen ersten Besuch fest eingeplant. Aber, ach, wie das immer so ist. Am Ende kann man noch so gut planen, das Leben kommt einem immer dazwischen. So fand auch die vierte Ausgabe ohne mich statt, was ich insbesondere schade finde, da dort die Gelegenheit bestanden hätte, mal einige Leute, die man nur von ihren Blogs oder Facebook kennt, persönlich kennenzulernen. Zum Beispiel david von Whoknows presents, der das ganze Festival über anwesend war und auf seinem Blog einen sehr ausführlichen und kompetenten Bericht geschrieben hat. André Malberg hat auf Eskalierende Träume ausführlich dar gelegt, weshalb das Screening einer 35mm-Fassung des Argento-Filmes „Phenomena“ für ihn ein besonderer Höhepunkt war.  Mauritia Mayer von Schattenlichter war zwar – zumindest meines Wissens nach – diesmal nicht bei Terza Visione, hat aber auf ihrem Blog über den Eröffnungsfilm „Danger: Diabolik“ geschrieben. Und Immagini in attimi erklärt anhand von Bildern, was es mit dem im Umfeld der Terza/Hofbauer-Clique häufig gebrauchten Wort „Trunst“ auf sich hat.

– Das Filmfestival in Locarno ist beendet. Bei Sennhausers Filmblog kann man nicht nur nachlesen, wer alles Preise gewonnen hat, sondern auch über den Hauptgewinner „Mrs. Fang“ von Wang Bing nachlesen, sondern auch über den interessant aussehenden „Doigts“ von F. J. Ossang und erfahren, warum man in Locarno normalerweise italienische Filme meiden sollte. Schwanenmeister verrät auf Negative Space, welche Highlights er aus Locarno mitgenommen hat. B-Roll hat Patrick Holzapfel nach Locarno geschickt, der nicht nur sein Logbuch weiterführt, sondern auch den deutschen Ötzi-Film „Der Mann aus dem Eis“ gesehen hat. Für critic.de ist Frédéric Jaeger dabei.

– Auf critic.de stellt Hannes Brühwiler den großen Jacques Tourneur vor.

„Schluss mit dem Spießertum!“ fordert Andreas Köhnemann auf B-Roll und knöpft sich u.a. Filmreihen wie „Fast&Furious“ vor. Und Patrick Holzapfel macht sich Gedanken über Klassiker-Wiederaufführungen.

– Oliver Armknecht hat für film-rezensionen.de ein Interview mit dem „Lucky Loser“-Regisseur Nico Sommer geführt.

Robert Zion hat auf seinem Blog einige interessante Auszüge aus seinem Buch „William Castle oder Die Macht der Dunkelheit“ online gestellt, in denen man etwas über Castles frühsten Schritte als Regisseur erfährt.

Filmlichtung hat einmal in einem amüsanten Artikel zusammengestellt, welche Autoren mit den Verfilmungen ihrer Bücher gar nicht zufrieden waren und warum nicht.

Hans Helmut Prinzler über Ingo Streckers wunderschönes Buch „Gorillawood“.

– Volker Schönenberger auf Die Nacht der lebenden Texte über Narciso Ibáñez Serradors ebenfalls wundervollen „Das Versteck“.

Kitsch-kult-klassisch ist von dem Anime „Keion!“, dem „unaufgeregten Portrait der fünfköpfigen Schülerband Ho-kago Tea Time“ sehr begeistert. Dazu schreibt Simon: „Yamada erzählt alles dies mit einer Ruhe, die einen fast an den Magier der Alltäglichkeit Hirokazu Koreeda (After the Storm, Unsere kleine Schwester) erinnert.“

– Und über just diesen Hirokazu Koreeda und seinen Film „After the Storm“ hat Flo Lieb auf symparanekronemoi geschrieben.

– Eine Bildungslücke bei mir. Obwohl zu meiner Schulzeit der Film „The Killing Fields“ in aller Munde war, habe ich ihn nie gesehen. Das muss wohl bald mal nachgeholt werden, wenn ich mir funxtons 10 von 10 Bewertung so durchlese.

– Tobias Tißen macht sich auf Flicksploitation Gedanken zu „Die Mumie“ als Auftakt zu Universals Dark Universe.

– Ah, zwei Lieblinge von mir! Christian bespricht auf Schlombies Filmbesprechungen die ersten beiden Filme um die „reitenden Leichen“: „Die Nacht der reitenden Leichen“ und „Die Rückkehr der reitenden Leichen“. Wird Zeit, dass ich mir die mal für das Heimkino zulege.

Das Bloggen der Anderen (07-08-17)

Von , 7. August 2017 19:10

Der Kinogänger gedenkt den Verstorben der letzten Woche: Sam Shepard und Jeanne Moreau. Im Andenken an die große Schauspielerin erinnert Sebastian vom Magazin des Glücks noch einmal an zwei ihrer Filme: „Mademoiselle“ und den unbekannteren „The Sailor from Gibraltar“.

– Weiterhin findet das Fimfest in Locarno statt, worüber sowohl bei Sennhausers Filmblog, als auch B-Roll berichtet wird. Thomas Sennhauser bespricht u.a. den sehr interessant klingenden „Madame Hyde“ mit Isabelle Huppert, „Good Manners“ von Juliana Rojas und Marco Dutra und „Gemini“ von Aaron Katz. Für B-Roll ist Patrick Holzapfel auf dem Festival, hat u.a. „Freiheit“ von Jan Speckenbach, der ihm nicht besonders gefiel, und führt ein Festivaltagebuch.

– Mein Lieblingsartikel in dieser Woche kommt einmal mehr von Whoknows presents, wo Manfred Polak vordergründig über den Ersten Internationale Kongress des Unabhängigen Films, der 1929 in der Schweiz stattfand und unter dessen Teilnehmern Sergej Eisenstein und Hans Richter waren. Tatsächlich aber eröffnet uns Manfred die weite Welt des Avantgarde-Films der 20er Jahre. Großartiger Lesestoff!

– Viktor Sommerfeld ist eine der neuen Stimmen auf Jugend ohne Film. Er beschäftigt sich mit „Le Pornographe“ von Bertrand Bonello.

– Sehr ausführlich setzt sich Filmlichtung mit Sergio Leones „Für eine Handvoll Dollar“ auseinander.

– Noch mehr Italien gibt es bei funxton. Er schreibt über den sehr merkwürdigen „Giallo“: „Die Falle“, der international den schönen Titel „Death Laid an Egg“ (die Übersetzung des italienischen Originaltitels) trägt.

– Volker Schönenberger schreibt auf Die Nacht der lebenden Texte im Zusammenhang mit der Blu-ray-veröffentlichung von Francos „Nacht der offenen Särge“: „Nicht-Fans von Franco könne man den Film wohl nur als trashiges Kuriosum empfehlen. Für Fans jedoch sei er eine kleine Offenbarung. Mir hat sich die Verehrung nie erschlossen, die Fans des spanischen Vielfilmers motiviert, Franco und sein Schaffen erbittert zu verteidigen. Aber immerhin war der Gute sympathisch und mit Leidenschaft bei der Sache.“ Letzteres stimmt natürlich. Und Franco ist immer eine Entdeckung wert und darf zu Recht mit Leidenschaft – nicht verteidigt, sondern angepriesen werden.

– Christian hat auf Schlombies Filmbesprechungen jetzt auch den vierten und fünften „Nightmare on Elm Street“ besprochen.

Kitsch-kult-klassik stellt Philippe Moras wichtige Dokumentation „Swastika“ vor. Und muss sich erst einmal von einem Trip zu den „Mystics of Bali“ erholen.

– Ebenfalls in Asien ist auch Oliver Nöding von Remember It For Later unterwegs, wobei ihm Ho Meng-Huas legendärer „Black Magic 2“ nicht wirklich überzeugt hat.

Das Bloggen der Anderen (31-07-17)

Von , 31. Juli 2017 17:27

– Heute machte die traurige Nachricht die Runde, dass die große Jeanne Moreau im stattlichen Alter von 89 Jahren verstorben ist. Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film hat gleich reagiert und der wunderbaren Actrisse einen Liebesbrief geschrieben. Neu im Jugend-ohne-Film-Team: Simon Wiener. Er schreibt darüber, was das sein könnte – „Film verstehen“.

– Einen sehr treffenden Text über das Verschwinden des Vorfilms und welche Chancen er dem „Ereignis“ Kino bieten kann hat Lucas Barwenczik auf B-Roll geschrieben. Und Alexander Matzkeit fragt sich, ob es im Zeitalter der Performance Capture nicht bald an der Zeit sein sollte, dass Darsteller wie Andy Serkis für einen Oscar als bester Schauspieler nominiert werden.

– Sebastian vom Magazin des Glücks folgt der Farbe Rot durch fünf Filme von Nicolas Roeg.

– Oliver Nöding stürzt sich auf Remember It For Later in die wilde Welt Hongkong-Horrors und von „The Boxer’s Omen“ förmlich weggeblasen. Aber auch „Das Omen des Bösen“ hat es ihn angetan. Allein „Centipede Horror“ konnte ihn nicht so wirklich überzeugen.

– Harald Mühlbeyer von Screenshot war mal wieder bei einem Grindhouse-Triple-Feature, wo er den Überfilm „Blutiger Freitag“, den Giallo „Neun Gäste für den Tod“ von Ferdinando Baldi und den unterirdischen „Samurai Cop“ von einem Mann namens Amir Shervan sah.

– Sebastian von Nischenkino bespricht „Two-Lane Blacktop“, den er zwar mochte, mit dem er aber auch nicht so richtig warm wurde. Bluntwolf wiederum nimmt sich Mario Bavas „Der Dämon und die Jungfrau“ vor, der meiner Meinung nach einer der besten Filme des Maestros ist. Diese Euphorie teilt Bluntwolf zwar nicht – für einen sehr guten Film hält er dieses kleine Meisterwerk aber trotzdem.

– Noch ein kleines, großes Meisterwerk: „The Wicker Man“, den Volker Schönenberger auf Die Nacht der lebenden Texte würdigt.

– Christian von Schlombies Filmbesprechungen macht mit seiner „Nightmare“-Retro weiter. Der dritte Teil sagt ihm dabei überraschenderweise weniger zu als der oftmals gescholtene zweite Teil.

„Shock Waves“ – eigentlich ein langweiliger Krauchfilm, aber auch irgendwo ganz liebenswürdig. So ähnlich meint es auch funxton.

Filmlichter hat sich intensiv mit Lubitsch Meisterwerk „Sein oder nicht sein“ auseinandergesetzt.

– Oliver Armknecht schreibt auf film-rezensionen.de: „Der koreanische Animationsfilm (The Fake) ist inhaltlich wie optisch hässlich, nimmt einem den letzten Glauben an das Gute im Menschen und lässt einen als Zuschauer entsetzt und verzweifelt zurück“. Das klingt doch sehr vielversprechend.

Blu-ray-Rezension: „Die Weibchen“

Von , 27. Juli 2017 08:58

Nach einer unglücklichen Affäre mit ihrem Chef ist die junge Eve (Uschi Glas) einem Nervenzusammenbruch nahe und reist zu einer sechswöchigen Kur nach Bad Marein. Dort begibt sie sich in das Sanatorium von Dr. Barbara (Gisela Fischer). Seltsamerweise scheint es in Bad Marein außer dem unheimlichen Gärtner des Sanatoriums und einem halb verrückten Kommissar nur Frauen zu geben. Eines Tages hat eine dreiköpfige Männergruppe im Ort eine Reifenpanne. Die drei Männer nutzen die Gunst der Stunde, um mit den Damen im Sanatorium zu flirten. Doch bereits in der ersten Nacht entdeckt Eve einen der Männer mit einem Messer im Rücken in einem Schrank liegend und bricht zusammen. Am nächsten Tag ist von der Leiche nichts mehr zu entdecken. Auch der schmierigen Tommy (Giorgio Ardisson) und sein Kumpel Leo (Klaus Dahlen) machen sich keine Sorgen um ihren Freund. Der wäre wohl nach Hause zu Frau und Kindern. Eve macht sich – unterstützt von dem ebenfalls in Bad Marein gestrandeten, gutaussehenden Johnny (Alain Noury) daran, das Geheimnis des Sanatoriums und des Städtchens aufzudecken…

Zbyněk Brynych als „Geheimtipp“ oder „Vergessenen“ zu bezeichnen, ist in den jetzigen Zeiten nicht mehr ganz richtig. Dank der unermüdlichen Arbeit von Cinephilen wie Rainer Knepperges oder dem Regisseur Dominik Graf, ist Zbyněk Brynych mittlerweile (endlich!) ins kollektive Filmgedächtnis der Kino-Republik vorgedrungen. Dort nimmt er nun den Platz ein, der ihm gebührt. Den eines Meisters seiner Zunft. Eines Mannes, der in den frühen 70ern in Deutschland Kino wie kein anderer machte, der TV-Krimiserien wie „Der Kommissar“, „Derrick“ oder „Der Alte“ auf heute unfassbare Höhen trieb. Der sich über den Umweg der Krimiserie austoben konnte und zeigte, dass auch „Routineprodukte“ Raum für große Kunst bieten – wenn man es nur will und die Freiheit genießt, seine Vision umzusetzen. Etwas, das vor 30-40 Jahren noch möglich war und heute fast unglaublich erscheint. Gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, widmet das Zeughauskino und das Tschechische Zentrum in Berlin Zbyněk Brynych eine umfangreiche Retrospektive. Ich selbst kam 1999 erstmals mit dem Tschechen in Kontakt, als ich in der leider viel, viel zu kurzlebigen Fanzine „Absurd 3000“ über seinen großartigen Film „Engel, die ihre Flügel verbrennen“ lesen konnte. Leider ist dieser Film, den ich persönlich sogar noch knapp dem hier zu besprechenden „Die Weibchen“ überlegen finde, bisher nur auf VHS erschienen. Eine digitale Heimkinoumsetzung (am Besten auf Bluray) steht hier ebenso aus, wie bei dem ersten Film seiner deutschen Kino-Trilogie :“O Happy Day“.

Es treibt einem die Tränen in die Augen, wenn man daran denkt, wie stiefmütterlich dieser großartige Filmzauberer hierzulande noch immer behandelt wird. Von seinen tschechischen Filmen haben es gerade mal zwei auf preisgünstige DVD-Veröffentlichungen geschafft. Dann gibt es nur noch seinen TV-Dreiteiler „Die Nacht von Lissabon“ und seine TV-Krimi-Episoden (neben den oben erwähnten noch gut die Hälfte aller „Polizeiinspektion 1“-Folgen). Umso mehr Anlass zur Freude und großem Applaus liefert die hier vorgestellte, liebevolle Veröffentlichung von „Die Weibchen“ durch das wundervolle Label „Bildstörung“. Dieses hat den Film in perfekter Qualität und mit vielen aufschlussreichen Extras, sowie einer bisher unbekannten Langfassung, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, die weder die VHS besitzen, noch die Möglichkeit hatten, den Film irgendwo auf in einer 35mm-Vorführung zu sehen. Und im TV findet deutscher Film aus den vergangenen Jahrzehnten ja eh so gut wie nicht mehr statt.

In „Die Weibchen“ feuert Zbyněk Brynych mithilfe seines kongenialen Kameramannes Charly Steinberger (der u.a. auch den ganz wundervollen „Deep End“ von Jerzy Skolimowksi fotografierte) aus vollen Rohren. Schon die grandiose Fischaugenfahrt ganz am Anfang des Filmes zeigt, wohin die Reise führt. In ein merkwürdiges, surreales Land des Wahnsinns. Immer wieder schauen Personen direkt in die Kamera und irritieren dadurch den Zuschauer. Seien es von der Kamera scheinbar zufällig eingefangene Passantinnen, die durch das Städtchen Bad Marein flanieren oder harmlos auf Bänken sitzende Gruppen von Frauen jeden Alters, die wie Geheimpolizisten wirken. Immer wieder verleiht ein ungewöhnlicher, fremder Winkel der Kamera ganz normalen Gesten, wie dem Reichen der Hand, eine unheimlich-bedrohliche Qualität. Brynych entreißt Steinbergers Kamera jeglichen Fesseln. Da gibt es lange Plansequenzen mit der Handkamera, es wird wie irre im Kreis gewirbelt und durch kleine Tricks die Grenze von Realität und Traum verschoben. Nie kann man sich sich bei Brynych sicher sein, ob der Boden auf dem sich seine Figuren bewegen, nicht schwankt und gleich das ganze Szenario mit einem Haps verschluckt. Dazu knallt Peter Thomas unglaublich fetzige Musik aus den Lautsprechern und vernebelt einem noch zusätzlich die Sinne. Wobei es nicht fair wäre, Thomas‘ Beitrag ganz auf die direkt vom Ohr über das Hirn in die Beine schießende Mucke zu reduzieren. Denn wer genau hinhört, der bemerkt auch die leisen-bedrohlichen Zwischentöne.

Zbyněk Brynych füllt seinen Film mit unzähligen, wunderbar absurden Details. Sei es das markante, schreiend gelbe Buch „S.C.U.M – Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“ von Valerie Solanas (nebenbei die Frau, die 1968 auf Andy Warhol schoss), welches überall auftaucht. Oder die Gottesbeterinnen-Analogie. Die hohlen Männergestalten, die vor lauter Potenz-Geprotze es gar nicht merkwürdig finden, dass ihre Kumpels plötzlich ohne jede Nachricht verschwinden. Der verrückte Kommissar, dessen offensichtlich nicht wirklich gesunder Geisteszustand niemanden wundert und den Brynych mit einem schmucken Pastorenkragen ausstaffiert hat. Nein, hier sind wir nicht mehr in dieser Welt, sondern in einer bizarren Parodie des muffigen Deutschlands, eine hysterischen Welt des Überfeminismus und der holzköpfigen Männer. Bei Brynych sind es keine Menschen, die durch diesen fremdartigen Ort stolpern, sondern hohle Figuren, die ganz ihrer Funktion untergeordnet sind. Und deren Unfähigkeit (Eve) oder Unwille (Johnny) aus dieser reinen Funktion auszubrechen, letztendlich dazu führt, dass sie von der Geschichte verschlungen werden. Psychisch (wie Eve), oder physisch (wie die Männer). Man kann darüber streiten, ob „Die Weibchen“ nun ein radikal feministischer Film ist, in dem alle Männer als Trottel dargestellt und deren Vernichtung auf Gottesanbeterinnen Art als einziger Weg dargestellt wird, die perfekte Gesellschaft zu erschaffen. In dem die Frauen weitaus intelligenter und raffinierter sind als die triebgesteuerten, arroganten, sich ständig selbst überschätzenden Kerle. Typen, die das andere Geschlecht weder für voll nehmen, noch ihm einen eigenen Willen zugestehen, Oder ist er „Die Weibchen“ das genaue Gegenteil? Ein Film, der durch seinen auf die Spitze getriebenen Feminismus eben jenen einen albernen (oder schlimmer noch bedrohlichen) Anstrich gibt? Der andeutet, dass zu viel Freiheit die Frauen in blutrünstige Bestien verwandelt? Brynychs Film lässt durchaus beide Deutungen zu.

Mit „Die Weibchen“ setzt Bildstörung seine Reihe hervorragender Veröffentlichungen nahtlos fort. Das Bild ist mal wieder makellos und besitzt eine angenehme Kinoanmutung. Ist klar, scharf – aber nicht zu Tode gefiltert. So sollen Veröffentlichungen von über 40 Jahre alten Filmen aussehen. Dass das Bild so gut geworden ist, kann man durchaus als kleines (oder gerne auch größeres) Wunder bezeichnen. Da kein Negativ mehr vorlag, mussten 35mm-Vorführkopien abgetastet werden. Diese hatten aber über die Jahre ziemlich gelitten, wie ein Vorher-Nachher-Ausschnitt im bonusbereich zeigt. Laufstreifen, Filmrisse, Kratzer und Farbstiche mussten mühevoll entfernt werden. Das Resultat kann sich mehr als sehen lassen und dürfte – solange kein verschollenes Negativ mehr auftaucht – die bestemögliche Fassung bleiben. Auch am Ton gibt es nichts zu mäkeln. Dieser liegt nur im Original (also Deutsch) ohne Untertitel vor. Auch die Extras wissen zu überzeugen. Hier gibt es Interviews mit Charly Steinberger (13 Minuten), der sich allerdings nicht ganz wohl vor der Kamera zu fühlen scheint, sowie Hauptdarstellerin Uschi Glas (15 Minuten), die hier überraschend sympathisch rüber kommt und recht stolz auf den Film ist. Überhaupt redet sie gerne über ihre alten Filme – und hiermit ist nicht nur „Zur Sache, Schätzchen“ gemeint. Also besonders interessant entpuppt sich auch ein Feature, in dem Domik Graf, Olaf Möller und Rainer Knepperges 40 Minuten lang den „wundersam fröhlichen tschechischen Herrn“ Zbyněk Brynych vorstellen. Ein ganz besodnerer Bonus ist eine bisher unbekannte Langfassung des Filmes, die fast 15 Minuten länger läuft. Ferner gibt es ausser den obligatorischen Bildergalerien, dem Kinotrailer und dem italiensichen Vorspann noch einen Audiokommentar mit Gerd Naumann, Bodo Traber, Christopher Klaese und Matthias Künnecke, sowie ein 32-seitiges Booklet mit einem Text von Frank Noack und einem Interview mit Zbynek Brynych. Jetzt kann man nur noch darauf hoffen, dass sich Bildstörung auch irgendwann der beiden anderen Brynych-Film „O Happy Day“ und „Engel, die ihre Flügel verbrennen“ annimmt. Das wäre dann wie Weihnachten und Ostern an einem Tag.

Das Bloggen der Anderen (24-07-17)

Von , 24. Juli 2017 16:53

– Frédéric Jaeger macht sich auf out takes sehr interessante Gedanken darüber in welche Zukunft der deutsche Film blickt. Und mit dem Satz: „Wenn sich aber Zuschauer von hiesigen Filmen abwenden, dann doch nicht, weil sie zu wenig Klein-Hollywood sind. Sondern, weil sie ihre Eigenheiten zu selten pflegen. Weil sie verwechselbar, wenn nicht sogar austauschbar sind“ spricht er mir aus der tiefsten Seele. Das sollten sich auch mal die Freunde vom „neuen deutschen Genrefilm“ durch den Kopf gehen lassen.

– In der letzten Woche war leider wieder einmal zwei Todesfälle zu beklagen. Zum einen verstarb der große Schauspieler Martin Landau, zum anderen der von vielen hochverehrte Modernisierer des Horrorfilms: George A. Romero. Der Kinogänger hat sowohl für Landau, als auch Romero einen Nachruf verfasst. Einen weiteren Romero-Nachruf gibt es auf dem neuen Filmblog von Robert Zion. Über George A. Romero und seine Bedeutung hat auch Oliver Nöding auf critic.de einen schönen Text verfasst. 

– Auf seinem Blog Remember It For Later bespricht Oliver zwei Filme, die mir sehr am Herzen liegen, da sie mich mit ihrer sehr merkwürdigen, dichten und im wahrsten Sinne des Wortes „traumhafte“ Stimmung immer wieder faszinieren: Lucio Fulcis „Das Haus an der Friedhofsmauer“ und Mario Bavas „Lisa und der Teufel“. Zu meiner Schande muss ich übrigens gestehen, dass mir „Shining“-Referenzen bei „Haus“ bisher gar nicht so aufgefallen sind, obwohl sie so offensichtlich sind. Spannend.

– Weiter geht es mit Italien: Gerade ist hierzulande der Giallo „Haus der tödlichen Sünden“ erschienen, den Mauritia Mayer auf Schattenlichter sehr positiv bespricht.

– Und nochmal: Funxton ist von dem überraschend tolle Giallo „La Ragazza Dal Pigiama Giallo“, der hier unter dem irreführenden Titel „Blutiger Zahltag“ erschien, ebenso begeistert, wie ich es war.

– Rainer Kienböck hat auf Jugend ohne Film einen Vortrag online gestellt, den er anlässlich einer Vorführung hielt, die den Brüdern Auguste und Louis Lumière gewidmet war.

– Eine wahnsinnig interessante Geschichte, hat Manfred Polak auf Whoknows presents zu erzählen. Bei Planierarbeiten für ein neues Freizeitzentrum 1978 kamen in Dawson City, ganz im Nordwesten Kanadas, völlig unerwartet Filmdosen und Filmrollen ans Tageslicht. Die Bauarbeiten wurden vorübergehend unterbrochen, und eine erste Sichtung der Rollen ergab, dass es sich um Stummfilme handelte, die offenbar seit Jahrzehnten dort im Boden lagen, der die meiste Zeit des Jahres gefroren ist. Bill Morrison hat daraus einen Dokumentarfilm gemacht, den Manfred seinen Lesern sehr ans Herz legt. Der Film lief auch schon mal Mitten in der Nacht auf Arte, wo ich ihn leider verpasst habe.

Die drei Cineasten schreiben über die frühen Western “The Lawless Nineties“ und „King of the Pecos“, beide von 1936, beide von Regisseur und Citizen John Kane und mit John Wayne als heldenhaften Hauptdarsteller, die sie für die Entwicklung des Genres für wichtig erachten.

Filmlichter teilt meine Begeisterung für den Klassiker „Der dritte Mann“, daher hat er diesem Film einen längeren Text gewidmet.

Bong Joon-hos „OKJA“, der derzeit exklusiv auf Netflix läuft, ist in aller Munde (kein Wortspiel). Michael Schleeh von Schneeland hat ihn gesehen und recht angetan von dem Film, in dem die Liebe eines Mädchens zu seinem Hausschwein eine kleine Welt rettet.

– Christian schreibt auf Schlombies Filmbesprechungen über die ersten beiden „Nightmare on Elm Street“-Filme. Beide gefallen ihm ausgesprochen gut. Beim zweiten hat er auch eine etwas andere Deutung als bei der Mehrheit der Fall ist.

– Wo wir gerade bei Horror-Klassikern sind: Volker Schönenberger bespricht auf Die Nacht der lebenden Texte Sam Raimis „Tanz der Teufel 2“.

– Und zum Abschluss noch ein kleines Highlight: Marco Mewes hat auf Duoscope einmal die großen, epischen Kriegs- und Schlachtenfilme, in denen Hollywood zwischen 1951 und 1980 den Zweiten Weltkrieg unter enormen Kosten und ebenso enormer Publikumsbeteiligung filmisch aufgearbeitet hat, angesehen.

Schauburg: „Sie nannten ihn Spencer“ mit Regisseur Karl-Martin Pold

Von , 19. Juli 2017 15:31

Am nächsten Mittwoch, dem 26. Juli, feiert um 21:00 Uhr die Mischung aus Roadmovie und Dokumentarfilm „Sie nannten ihn Spencerin der Schauburg Vorpremiere. Mit dabei ist Regisseur Karl-Martin Pold.

„Sie nannten ihn Spencer“ handelt von zwei riesigen Bud-Spencer-Fans, die sich ihren Lebenstraum erfüllen wollen: Einmal ihr Idol persönlich kennenlernen. Dazu unternehmen die Beiden eine Reise quer durch Europa, bei der sie zahlreiche Weggefährten von Carlo Pedersoli, wie Spencer mit bürgerlichem Namen heißt, treffen, darunter dessen kongenialen Leinwandpartner Terrence Hill oder Hills deutschen Synchronsprecher Thomas Danneberg.

Der knapp über zweistündige Film erscheint fast genau ein Jahr nach dem Bud Spencers Tod, was sich erst einmal nach einem schnellen cash in anhört. Tatsächlich aber arbeitete Regisseur Karl-Martin Pold insgesamt acht Jahre intensiv an seinem Film, der letztendlich nur durch ein sehr erfolgreiches Crowdfunding und die Unterstützung zahlreicher Bud-Spencer-Fans realisiert werden konnte.

Ich möchte hier nicht verschweigen, dass ich über den Film bisher sehr gemischte Kritiken gelesen habe, die von absoluter Begeisterung bis zu sehr enttäuschten Verrissen reichen. Am nächsten Mittwoch kann sich aber ja jeder Interessierte in der Schauburg selbst ein Bild von dem Film machen und den anwesenden Regisseur mit Fragen bombardieren.

Nachruf: George A. Romero (1940-2017)

Von , 18. Juli 2017 20:47

Einem Feuersturm gleich rauschte am Sonntagabend die Nachricht durch meine sozialen Netzwerke, dass George A. Romero gestorben ist. Dass diese traurige Nachricht in Windeseile meine Timeline auf Facebook füllte, zeigte mir einerseits, dass ich dort mit den richtigen Leuten verbunden bin, und andererseits, wie viel George A. Romero so vielen Menschen bedeutet hat.

In den Feuilletons war gestern immer wieder die Rede vom „Vater des modernen Horrorfilms“. Das mag stimmen, engt aber die Wahrnehmung etwas zu stark ein. Ja, natürlich ist Romero in erster Linie für seine Zombiefilme bekannt. Für „Night of the Living Dead“, der in der Tat der Anfang einer neuen Geschichtsschreibung im Horrorfilm war. Für den vielgeliebten „Dawn of the Dead“, der erst recht seinen Kultstatus untermauerte – auch wenn viele Leute hierzulande nur die von Mit-Produzent Dario Argento angefertigte, sehr viel rasanteren Schnittfassung kennen – und nicht die längere, langsamere – aber auch böserer und mit hintersinnigem, schwarzen Humor angereicherte US-Schnittfassung (von dem später entstandenen Director’s Cut mal ganz zu schweigen). „Day of the Dead“ war schließlich lange Zeit der etwas unbeliebtere Nachzügler (ein Kompromiss-Produkt, da Romero seine ursprünglich sehr viel größere Vision finanziell nicht realisieren konnte), dessen Qualitäten erst mit den Jahren entdeckt wurden.

Dabei fallen seine Versuche aus dem Ghetto des „Zombie-Opas“ auszubrechen leider allzu häufig unter den Tisch. Wie sein vielleicht reifster Film „Martin“, der den Vampirmythos dekonstruiert und offen lässt, ob sein durch die heruntergekommene Stahlstadt Pittsburgh wandernder Protagonist nun wirklich ein Vampir ist oder nicht. „The Crazies“ und die Horror-Comic-Verfilmung „Creepshow“, die er mit seinem guten Freund Stephen King realisierte, sind noch sehr beliebt, aber wer kennt „Season of the Witch“ – den er trotz des eines okkulten Themas selber nicht als Horrorfilm bezeichnete – und seine romantische Komödie „There Is Always Vanilla“ (die er zugegebenermaßen selber nicht mochte)? Tatsächlich hat sich Romero vor allem mit seinen Zombiefilmen ein Denkmal gesetzt – und ein Gefängnis gebaut. Denn in den späteren Jahren und nach dem immensen Flop seines Filmes „Bruiser“ dauerte es ein halbes Jahrzehnt bis er wieder einen Film finanziert bekam. Und dies auch nur, da nach dem extrem erfolgreichen Remake seines eigenen „Dawn of the Dead“ durch Zack Snyder (an dem er nicht beteiligt war) Zombiefilme wieder schwer en vogue waren.

So konnte Romero noch einmal mit „Land of..“, „Diary of…“ und „Survival of the Dead“ eine Folgetrilogie realisieren, die nicht überall auf Applaus stieß. Gerade „Diary“, der zudem das preisgünstige, aber auch 2007 schon inflationären Found-Footage-Genre zugeordnet werden kann, musste viel Kritik einstecken. Auch „Survival“ wurde nicht von jedem positiv aufgenommen. Ein häufiger Vorwurf war, dass sich Romero wiederholen und seine sozialkritische Botschaft zu dick auftragen würde. Dabei war es gerade dieser doppelte Boden, der ihn von anderen Filmemachern, die sich im Horrorgenre versuchten, abhob.

In Romeros Filmen gab es immer diese zweite Ebene, die der Gesellschaft mit viel schwarzem Humor einen Spiegel vorhielt. In Romeros Filmen scheitert der Mensch nie an den Untoten oder den übernatürlichen Feinden – sondern immer an sich selbst. Dem Egoismus, der grenzenlosen Gedankenlosigkeit, den Vorurteilen und der Unfähigkeit auch unter Druck zusammenzuarbeiten. So war beispielsweise die Stephen-King-Verfilmung „Stark – The Dark Half“ ein perfekter Romero-Film. Am Ende muss der Held gegen seine eigene, dunkle Seiten kämpfen. Kein übernatürlicher Killer der irgendwo aus dem Nichts gekommen ist, sondern ein Teil seiner selbst. Gerade dieser Subtext sprach vielen seiner Fans aus der Seele.

Romeros Horrorfilme waren immer etwas mehr. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Menschen und der Gesellschaft, die er erschaffen hat. Und dies ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Romeros letztes vollendetes Projekt war wieder eine Zombie-Geschichte: Die Comic-Reihe „Empire of the Dead“. Obwohl diese aufgrund der schieren Masse der Themen, die hier verarbeitet wurden, gescheitert ist, blieb sich Romero doch auch hier immer treu.

George A. Romero starb am  16. Juli 2017 in Toronto mit nur 77 Jahren nach einem  kurzen, aber intensiven Kampf an Lungenkrebs. Er ist friedlich eingeschlafen, zur Musik seines Lieblingsfilmes: „Der Sieger“ von John Ford. Er wird fehlen.

Das Bloggen der Anderen (17-07-17)

Von , 17. Juli 2017 17:00

– Gestern Abend verbreitete es sich wie ein Lauffeuer durch die sozialen Medien – und auch heute mag meine Facebook-Timeline voll von persönlichen Erinnerungen  an  einen großen Meister. George A. Romero ist von uns gegangen und auch zwei Blogs haben schon Nachrufe verfasst. Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog und Oliver Lysiak von den Fünf Filmfreunden.

– Sehr interessant. Filmlichter spricht mit dem „Spieleforscher“ Dr. Christian Roth, Forscher und Dozent am Lektorat für Interaktives Narratives Design der University of the Arts Utrecht, über den scheinbaren Antagonismus und die symbiotischen Möglichkeiten von Film und Interaktivität.

– Noch ein schöner, ausführlicher Rückblick auf das Bologneser Retrospektiven-Festival „Il Cinema Ritrovato 2017“ von Michael Kienzl auf critic.de

– Birte Carolin Sebastian hat Olivier Assays für den Revolver-Blog interviewt.

– Nachdem die Gerüchte durch das Netz geisterten, dass Tarantinos nächstes Projekt mit den Manson-Morden zu tun haben soll, schlugen die Wellen hoch. Negative Space hat sich seine eigenen Gedanken gemacht und den Versuch unternommen, das enorme Feedback etwas zu sortieren.

– Auf B-Roll hat Sonja Hartl einen sehr lesenswerten Text über das Thriller-Genre in Deutschland geschrieben, den ich so unterschreiben kann. Und anlässlich der Netflix-Serie „Feud“ beschäftigt sich  Andreas Köhnemann mit den Karrieren zweier Grande Dames des klassischen Hollywoods: Bette Davis und Joan Crawford.

– Mauritia Mayer lässt uns auf Schattenlichter wieder an ihren Reisen an die Drehorte ihrer liebsten Filme teilhaben. Diesmal hat sie sich auf die Spuren von Argentos „Phenomena“ begeben.

– Es ist immer wieder erfrischend eine andere Meinung zu lesen, wenn sie gut begründet ist. Jamal Tuschick schreibt für Hard Sensations über Will Trempers „Playgirl“, den er  als didaktisch verlogen empfindet. Das ist gut nachvollziehbar, auch wenn ich den Fall etwas anders sehe.

– André Malberg stellt auf Eskalierende Träume Helmut Käutners Film „Ein Mädchen aus Flandern“ vor.

Funxton empfiehlt Robert Hosseins „Le Vampire de Düsseldorf“ und meint: „Unabhängig von den historischen Ungenauigkeiten ist „Le Vampire De Düsseldorf“ ein hervorragender Kriminal- und sogar ein brillanter Serienmörder-Film“.

– In ziemlich vielen Kommentaren und Besprechungen, die ich in letzter Zeit hier und da gelesen habe, kam Truffauts „Die amerikanische Nacht“ recht schlecht weg. Ich habe den Film bisher nur einmal und das vor vielen, vielen Jahren, gesehen, habe den aber als ganz angenehm in Erinnerung. Darum gibt es jetzt hier mal eine „Gegendarstellung“ von gebelingeber auf Hauptsache (Stumm)Film.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later einen sehr schönen und wie ich finde ausgesprochen treffenden Text über Jackie Chans Action-Klassiker „Police Story“ veröffentlicht.

– Auf dem 4. Iranischen Filmfestival München lief der Film „Janbal“ über den Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de schreibt. Das klingt sehr spannend und ich werde mich mal aktiv auf die Suche nach diesem Film machen, über den Oliver schreibt: „Mit einem narrativen Film hat Janbal wenig zu tun, rein dokumentarisch ist er aber auch nicht. Stattdessen würde man wohl am ehesten Experimentalfilm dazu sagen. Oder auch Kunstperformance.“

– Der Regisseur Christoph Hochhäusler hat um Empfehlungen in Sachen Gangster- Unterwelts- und Nachtfilme abseits des Kanons gebeten, und viele haben geantwortet. Die vielen Tipps hat er nun auf seinem Blog Parallel Film veröffentlicht.

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