Das Bloggen der Anderen (14-04-14)

bartonfink_type2– Auf Hard Sensations werden unter dem Motto „Reden über Schreiben über Film(e)“ ausführliche Interviews geführt. In dieser Woche war Jan Künemund von dem Verleih „Salzgeber“, der sich auf queere Filme spezialisiert hat, dran. Dieser schreibt auch als Chefredakteur des Print-Magazins „Sissy“. Ferner wurde auch Oliver Nöding von „Remember It For Later“ interviewt.

– Und weil wir jetzt schon dabei sind: Auf seinem Blog Remember It For Later hat Oliver nun seine Retrospektive der Rialto-Winnetous mit dem Trio „Winnetou III“, „Old Surehand“ und „Winnetou und sein Freund Old Firehand“ abgeschlossen.

– Auf Schneeland berichtet Michael Schleeh weiterhin vom Hong Kong International Filmfestival.

– Alexander Matzkeit macht sich auf real virtuality Gedanken über Baz Lurmanns bombastischen, bunten Musical-Kitsch „Moulin Rouge!“ und fragt sich, warum sich diese Idee des Hitsongs-Mash-Ups nie wirklich durchgesetzt hat.

– Johannes Beringer stellt auf new filmkritik den Filmkritiker und Dichter Robert Desnos (1900-1945) vor, der im KZ Theresienstadt so schwer erkrankte, dass er kurz nach dessen Befreiung verstarb.

– Ciprian David beginnt seine Rezension  der Doku „Blackfish“, auf Negativ mit einer umfangreichen Einleitung über seine Jugend und ersten Filmerfahrungen in Rumänien.

– Rainer Kienböck schreibt auf Jugend ohne Film über Peter Kubelka, experimenteller Filmemacher und Mitgründer des Österreichischen Filmmuseums. Und Patrick Holzapfel geht überwiegend kritisch mit den Filmen des ersten Quartals 2014 ins Gericht.

– ben präsentiert auf filmosophie seinen Videoclip der Woche. Diesmal einen viertelstündigen Film über die Geschichte des Kinotrailers.

– Auf Film im Dialog wird heiß über Darren Aronofskys „Noah“ diskutiert. Und dabei sind sich die beiden Diskutierenden einmal überhaupt nicht einig.

– Mein Highlight der Woche: Christian Moises und Sano Cestnik schreiben auf Eskalierende Träume vorab über das goEast-Festival in Wiesbaden und stellen im Vorwege die „Neue Polnische Welle“ der späten 60er vor, die der „Neuen Polnischen Filmschule“ mit Wajda und Has folgte und dem das „Kino der moralischen Unruhe“ mit Kieslowski und Zanussi folgte. Da das polnische Kino eines meiner vielen Steckenpferde ist, finde ich das natürlich besonders interessant.

– Lukas Foerster schreibt auf Dirty Laundry zunächst über Robert Altmans Spielfilm-Debüt „The Delinquents“, sowie über „Guys and Dolls“ von Joseph L. Mankiewicz und „The Raid 2: Berandal“ von Gareth Evans, die er zufällig hintereinander sah.

– Über Klaus Lemke mag man denken was man will, seine oft lauten und bewusst provozierend-prolligen Thesen legen oft den Finger in die Wunde. Zudem sind seine Interviews, ebenso wie seine Filme, immer sehr unterhaltsam und strahlen das richtige Quäntchen Außenseitertum und Rock’n’Roll aus. Gerade wieder zu erfahren auf B-Roll. Dort schreibt auch Sophie Charlotte Rieger (sonst filmosophie) über Scham im Kino und fordert: „Weg mit dem Feigenblatt“. Und Stefan Otto hat einige Bücher-Tipps.

Yzordderrexxiii war bei den Fantasy Filmfest Nights und hat sich dort durch das komplette Programm geschaut.

– Ronny Dombrowski schreibt auf cineastic.de über einen spanischen Thriller mit Elijah Woods und dem Sequel des Spider-Man-Reboots, welches er nachdrücklich empfiehlt.

Komm und sieh hat „Amazing Spider-Man 2“ auch gesehen, doch hier hält sich die Begeisterung eher in Grenzen. Weitaus besser schneidet hier Jean-Pierre Jeunets neues Werk „Die Karte meiner Träume“ ab.

Der breite Grad schreibt über „die Großmutter des Sexvampirfilms“, Roger Vadims „… und vor Lust zu sterben“.

Der Kinogänger hat wieder Neues aus Hollywood am Start.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen führt sein eigenes „Die Besprechungen der Anderen“ weiter. Außerdem hat er Franjus wunderbaren „Mann ohne Gesicht“ gesehen. Allerdings die deutsche Fassung, die aus der TV-Mini-Serie einen auf Gert Fröbe zentrierten Spielfilm macht. Da sollte man wohl doch lieber die TV-Serie oder den französischen Zusammenschnitt sehen, der als „Red Nights“ auf der ebenfalls großartigen „Judex“-DVD bei Eureka in UK erschienen ist. So oder so: Franjus Film ist eine tolle Hommage an das Pulp (Nicht Trash!)-Serial. Deshalb finde ich Schlombies Worte vom Trash hier etwas zu hart, auch wenn er den Film natürlich empfiehlt.

– Miami Connection? Schwarze Ninjas greifen an? American Streetfighter? Alles der selbe Film und mir trotzdem vollkommen unbekannt. Sascha Nolte nennt ihn auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte „feinen Action-Trash“, warnt aber auch gleichzeitig „Wie eine fast perfekte Pizza mit zu viel Belag und extra Käse: Im Prinzip leckeres Fast Food – kann jedoch auch schnell auf den Magen schlagen.“ Wäre wohl etwas für den Bremer Trash Club.

– Weil wir gerade bei „Action“ sind. Es gibt neues von Jet Li. Einst neben – und zeitweise sogar vor – Jackie Chan, DER Hongkong-Martial-Arts-Star. Nach diversen Abenteuern in Frankreich und Übersee ist es irgendwie still um ihn geworden. Nun gibt es neuen Stoff aus Hongkong, der scheinbar im Guten (Action), wie im Schlechten (Comedy) an die 90er anschließt. Oliver Armknecht hat „Badges of Fury“ für film-rezensionen.de besprochen.

– Sascha auf PewPewPew über die seiner Meinung nach schlechteste Doku der Welt: „American Blogger“.

– Mir war gar nicht bkannt, dass Fassbinders Skandalstück „Die Stadt, der Müll und der Tod“ für das Kino verfilmt wurde. Sogar mit Fassbinder selber in einer der Hauptrolle, allerdings nicht vom ihm selber, sondern von Daniel Schmid unter dem Titel „Schatten der Engel“. Stubenhockerei hat ihn gesehen und verrät, wo man ihn findet.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | Ein Kommentar

DVD-Rezension: “Don Jon”

donjon
Jon (Joseph Gordon-Levitt), von seinen Freunden „Don Jon“ genannt, ist ein Italo-Amerikaner, der vor allem sich selbst, seinen gut trainierten Körper, seine penibel aufgeräumte Wohnung und seine Internet-Pornos liebt. Letztere zieht er echtem Sex vor, obwohl er keine Mühe hat, in seiner Stamm-Disco regelmäßig ein Mädchen für eine Nacht aufzureißen. Sein Leben ändert sich, als er eines Abends seine Traumfrau, die schöne Barbara (Scarlett Johansson) kennenlernt. Als diese von seinem „Hobby“ erfährt ist sie erst einmal entsetzt und verbietet Jon seine geliebten Pornos. Langsam fängt sie an, immer mehr Aspekte in Jons Leben zu kontrollieren und überredet ihn, eine Abendschule zu besuchen. Dort lernt er die deutlich ältere Esther (Julianne Moore) kennen, die zwar selber eine Menge Probleme hat, Jon aber besser zu verstehen scheint, als es Barbara tut…

vlcsnap-00054vlcsnap-00055

2012 schien Joseph Gordon-Levitt plötzlich überall zu sein. Fast konnte man das Gefühl bekommen, dass jede Woche ein neuer Film mit ihm in die Kinos schwappte. „50/50„, „The Dark Knight„, „Lincoln„, um nur ein paar zu nennen. So unterschiedlich auch die Genres, der ehemalige Kinderstar Gordon-Levitt, der vor allem durch die TV-Serie „Hinterm Mond gleich links“ zu frühem Ruhm gekommen ist, war dabei. Angesichts dieser Flut an Filmen, wunderte es dann auch nicht wirklich, als bei der Berlinale Anfang 2013 ein Film vorgestellt wurde, bei dem Gordon-Levitt nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch gleichzeitig Drehbuchautor und Regisseur war. „Don Jon“ hieß das Werk, welches nun auch auf DVD erschienen ist. Zuvor hatte Gordon-Levitt lediglich bei zwei Animations-Kurzfilmen das Filmemachen geübt. Aber in seiner, trotz seines relativ jungen Alters, schon recht langen Karriere, hat er bei den Dreharbeiten gut aufgepasst. Und so ist sein Erstling hübsch anzusehen, wenn auch filmisch eher konventionell geworden.

vlcsnap-00053vlcsnap-00061

Hinter der Kamera wird Gordon-Levitt von dem österreichischen Kameramann Thomas Kloss unterstützt, der neben zahlreichen Musikvideos für Madonna, Lady Gaga oder Will Smith, auch einige Folgen des der deutschen Krimi-Reihe „Der Fahnder“ fotografiert hat. Entsprechend gut und handwerklich sauber sieht der Film dann auch aus. Vor der Kamera erhält Gordon-Levitt ebenfalls kompetente Unterstützung. Allen vorweg von einem anderen, ehemaligen Kinderstar: Scarlett Johannson, die hier als attraktiver Blickfang dient. Dass nahezu makellose Schönheit durchaus zwei Gesichter haben kann, wird von Gordon-Levitts Drehbuch gut herausgearbeitet. Scarlett Johannson ist selbstverständlich eine höchst attraktive Frau mit einer umwerfenden Figur, aber ich habe in der Vergangenheit so meine Probleme mit ihr gehabt. Ist ihr Gesicht wirklich wunderschön oder gerade dadurch doch eher langweilig? Verleiht sie ihren Figuren wirklich Tiefe oder nur eine gutaussehende Oberfläche? Gerade Woody Allen gelang es ja, gerade Letzteres in seinen Filmen mit ihr herauszuarbeiten. Sondra Pransky in „Scoop“ oder Christina in „Vicky, Christina, Barcelona“ sind schöne, aber irgendwie oberflächliche und nicht besonders tiefsinnige Menschen. Auch in anderen Rollen, scheint sie häufig das Püppchen mit einem leichten Hang zur Egozentrik zu sein. Andererseits – so sind die Figuren, die sie spielt, auch immer vom Drehbuch angelegt und sie hat ja z.B. in „Lost in Translation“ gezeigt, dass sie durchaus einmal auch anders kann.

vlcsnap-00073vlcsnap-00065

In „Don Jon“ spielt sie aber wieder genau die von ihr bekannte Stereotype und man muss sagen, wie immer perfekt. Ihre Barbara ist auf den ersten Blick eine Traum-, auf den zweiten eine Albtraumfrau. Immer darauf bedacht gut auszusehen. Wozu auch ihre Begleitung als lebendes Accessoire gehört, Barbar hat eine genaue Vorstellung, wie die Welt und ihr Partner sein soll. Dass diese Vorstellung aus kitschigen Liebesfilmen stammt, ist ihr dabei nicht weiter wichtig. Genauso hat es zu sein. Und stellt sie ihren Partner vor die Wahl: Entweder so wie ich will, oder gar nicht. Jon wiederum ist so von ihrer Schönheit und sexuellen Anziehungskraft geblendet, dass er gar nicht merkt, wie sie ihn manipuliert und zu ihrem passgenauen Schoßhündchen macht. Erst als sie ihn fallen lässt, kann sich Jon befreien und realisieren, wie unwohl er sich durch ihre bestimmende Art gefühlt hat. Und so fällt er dann auch schnell wieder in seine alten Verhaltensweisen zurück und stellt fest, dass ihm diese ganz gut gefallen. Eigentlich könnte der Film hier zu Ende sein und die Botschaft lauten: Lass Dich nicht verbiegen – wenn Du glücklich mit Deiner Art zu Leben bist, dann ist das okay.

vlcsnap-00068vlcsnap-00071

Aber natürlich befinden wir uns in einem US-Film und da kann man natürlich nicht glücklich sein, wenn man kein „amerikanisches“ Leben führt. Also wird Jon durch die Figur der Esther schnell klargemacht, dass er ohne eine echte, tiefe Beziehung gar nicht glücklich sein kann. Diese Wandlung vom pornosüchtigen Single zu einem verständnisvollen, durch echte, tiefe Gefühle zu einer anderen Person ausgefüllten Menschen, wird dann in den letzten 30 Minuten des Filmes relativ überstürzt und leider auch sehr vorhersehbar abgehandelt. Immerhin verzichtet Gordon-Levitt darauf, seinen Don Jon am Ende in ein moralisch einwandfreies Familie-Korsett zu zwängen. Es allerdings schade, dass nun eine gewissen „Anti-Porno-Botschaft“ mitschwingt. Denn wenn Jon endlich lernt, sich in einem anderen Menschen zu verlieren, kommt er auch von den Pornos los. Was impliziert, dass glückliche Menschen keine Pornos schauen oder im Umkehrschluss, Pornos zu schauen ein Symptom für ein „ungesundes“, weil unbewusst unglückliches, Leben ist. So wird negiert, was am Anfang noch propagiert wird. Dass das Schauen von Pornos auch Spaß machen könnte und man eben nicht beziehungsmäßig „unreif“ sein muss, wenn man dies tut. Dementsprechend hätte eine kurze Szene am Ende, in der Jon noch einmal nur so zum Vergnügen „sein Glück in die eigene Hand nimmt“ (so der alte Untertitel des Verleihs, der scheinbar kurzfristig in „Was Frauen wollen und Männer brauchen“ geändert wurde“) dem Film gut getan.

vlcsnap-00069vlcsnap-00082

Dies ist der einzige, wenn auch leider gewichtige, Schwachpunkt des Filmes „Don Jon“, der bis dahin recht subversiv unterhält, indem er die Pornosucht und den Frauenverschleiß seines Heldens nicht dämonisiert. Im Gegenteil, es wird ja gerade die Person, die ihm seine Pornos – und nebenbei auch seine Putzleidenschaft – verbieten will, als berechnend und nicht gerade besonders sympathisch hingestellt. Demgegenüber wird die von Julianne Moore gespielte ältere Mit-Studentin auf der Abendschule wird recht lebensnah, zupackend, etwas subversiv und in keinster Weise makellos – und dadurch sehr sympathisch – gezeigt. Ein wenig erinnert Julianne Moores Rolle dabei an ihre Amber Waves aus „Boogie Nights“, die ja auch einen „unreifen“ Mann unter ihre (sexuellen) Fittiche nimmt. Schön auch, dass es hier zu einer erfüllten Beziehung zwischen einen attraktiven jungen Mann und einer schon deutlich älteren Frau kommt und dies in keinster Weise als Skandal oder Tabubruch, sondern als etwas ganz Natürliches und Schönes dargestellt wird.

vlcsnap-00076vlcsnap-00070

Auch der Rest des Casts ist gut ausgesucht. So gibt es ein Wiedersehen mit einem deutlich älter gewordenen Tony Danza, der Don Jons Vater mit einer Mischung aus lautem Proletentum und Kumpelhaftigkeit spielt. Und Brie Larson hat eine kleine, aber markante Rolle als Jons auf ihr iPhone starrende Schwester. Dass Gordon-Levitt hier noch das Thema Familienkonflikte, Vater-/Sohn-Beziehungen (man achte nur darauf, wie Jon und sein Vater am Tisch das gleiche Outfit tragen) und etwas verhaltene, aber recht nett umgesetzte, Kirchenkritik in sein Drehbuch schreibt, überlädt dies ein wenig, was aber nicht sonderlich schwer ins Gewicht fällt, da auch diese Szenen mit sicherer Hand und sehr unterhaltsam inszeniert sind.

vlcsnap-00083vlcsnap-00085

Mit seinem Debüt als Regisseur und Drehbuchautor ist Joseph Gordon-Levitt ein sehr unterhaltsamer, gut besetzter Film gelungen, dessen letztes Dritten durch das Propagieren eher konservativen Werte von Moral und Zusammensein einen Tick zu moralisch geraten ist. Allerdings muss man Gordon-Levitt zugute halten, dass dies auch schlimmer hätte ausfallen können und einige seiner Botschaften durchaus erfreulich gegen den Hollywood-Trend schwimmen.

vlcsnap-00077vlcsnap-00064

An der von Ascot Elite veröffentlichten DVD kann man nichts aussetzten. Das Bild ist sehr gut, die Farben kräftig und der Ton deutlich und dynamisch. Das Bonusmaterial ist nicht unbedingt üppig, aber ausreichend. Man bekommt ein in verschiedene Themen gestückeltes Interview mit Joseph Gordon-Levitt geboten, welches insgesamt um die 30 Minuten läuft. Da Gordon-Levitt der auteur des Filmes ist, ist er auch sehr mitteilsam und detailliert bei der Sache. Ansonsten finden sich auf der Scheibe noch diverse Trailer.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Filmbuch-Rezension: Michael Petzel „Lex Barker – Unsterblicher Old Shatterhand“

lex-barker-old-shatterhandIch kann mich noch sehr gut an die charakteristischen Buchrücken erinnern, die im Bücherregal meines Onkels vor langer Zeit meine damals kindliche Aufmerksamkeit erregten. Es waren die Ausgaben des Karl-May-Verlages, die für mich bis heute untrennbar mit einer glücklichen Kindheit verbunden sind. Gelesen habe ich die Bücher – wie ich gestehen muss – damals nicht, wurde aber für einige Zeit durch die Liebe meines Onkels zu Winnetou und Old Shatterhand angesteckt. Wobei ich aber sagen muss, dass die Liebe zum Western, sowieso schon von meinem Großvater an die männlichen Nachkommen unserer Familie bis hin zu mir weitergeben wurde. Ich bin schon gespannt, ob es mir gelingt die Kette fortzusetzen.

Obwohl ich es mit „Indianer“-Filmen schon damals nicht so besonders hatte und da schon den staubigen Süden der USA oder die mexikanische Grenze vorgezogen habe, war ich in meiner Kindheit aus genannten Gründen doch so stark angefixt, dass ich alle Karl-May-Western, die damals stetig im Fernsehen liefen, ansah. Wobei der edle Winnetou nie mein Freund wurde – diesen Charakter fand ich immer öde. Aber Old Shatterhand, das war weitaus mehr meine Kragenweite. Zwar war auch er bis zum Erbrechen gut, aber auch irgendwie cool, schlagfertig und weitaus bodenständiger, als der beinahe schon esoterische Apachen-Häuptling. Noch mehr mochte ich später sogar noch den von Stewart Granger gespielten Old Surehand, aber das ist eine andere Geschichte.

Den Karl-May-Verlag gibt es heute noch und da es keine neuen Werke vom Namensgeber mehr zu entdecken gibt, wird nun auch reichlich Sekundärliteratur zu Karl May publiziert. So ist auch gerade ein schöner Bildband namens „Lex Barker – Unsterblicher Old Shatterhand“ von Michael Petzel auf den Markt gekommen. Hier ist der Name Programm: Es wird dem Schauspieler Lex Barker und seiner – zumindest in Deutschland – berühmtesten Rolle gehuldigt. Auto Michael Petzel scheint – sieht man sich die Liste seiner Veröffentlichungen an – der Hofautor des Karl-May-Verlages zu sein, wenn es um die Verfilmungen geht. Und er macht seine Sache wirklich nicht schlecht. Eine tiefe, kritische Analyse sollte hier niemand erwarten. Man merkt, dass Petzel Fan ist und er hält damit auch nicht hinter dem Berg.

Das Buch beginnt mit einer 18-seitigen Biographie Lex Barkers. Es werden die wichtigsten Stationen seines Lebens abgearbeitet, natürlich mit Schwerpunkt auf seiner Zeit in Deutschland. Viel mehr geht es Petzel aber darum, einerseits den Menschen Lex Barker vorzustellen und andererseits zu erklären, warum Barker im Deutschland der 60er Jahre solch ein Megastar werden konnte, und weshalb er dann nach Ende des Jahrzehnts förmlich von der Bildfläche verschwand. Dunkle Seiten seiner Persönlichkeit werden zwar nicht ausgespart (wie seine vielen Affären und übermäßiger Alkoholkonsum), wenn auch nur am Rande erwähnt. Viel mehr liegt hier der Schwerpunkt der Biographie auf seiner tragischen vierten Ehe und der turbulenten fünften Ehe, die von Streit und gegenseitiger Verletzung geprägt war. Tief in das Objekt des Buches eindringen, kann man auf dem knapp bemessenen Raum natürlich nicht. Auch auf Lex Barkers viele Filme werden nicht näher eingegangen. Aber das Wichtigste wird erwähnt und Petzel ist auch daran gelegen, nicht Wikipeadia-gleich Fakten abzuarbeiten, sondern auch eigene Gedanken und Interpretationen einzubringen.

Nach der Einleitung kann der Leser dann in dem Schwelgen, was der Untertitel „Bilder seines Lebens“ verspricht. 180 zum größten Teil farbige Bilder. Standbilder, Publicity-Shoots, Hinter den Kulissen, Private Aufnahmen, Bilder für die Klatschpresse – sogar Bilder aus Nicht-Karl-May-Filmen sind darunter. Zu jedem Bild liefert Prenzel kurze Hintergrundinfos und/oder ein wenig Klatsch. Z.B. werden auch Bilder von Barkers missglückter Sangeskarriere gezeigt, oder bei seinen vielen Filmpartnerinnen gerne mal erwähnt, mit welcher er eine Affäre hatte. Besonders schön sind jene Schnappschüsse, die jenseits des Posierens für die Werbefotos, etwas von dem „wahren“ Lex Barker zeigen. Petzel ist es tatsächlich gelungen, eine bunte, faszinierende Vielfalt an Bildern für sein Buch zusammenzutragen. Lex-Barker-Fans und Liebhaber der Karl-May-Verfilmungen können hier also ohne Risiko zuschlagen. Wer sich tiefer mit der Person Lex Barker, seinen Filmen, dem Phänomen Winnetou-Filme oder generell mit dem deutschen Unterhaltungsfilm der 60er Jahre auseinandersetzen möchte, sollte woanders suchen.

Michael Petzel: „Lex Barker – Unsterblicher Old Shatterhand„, Karl-May-Verlag, 200 Seiten, € 24,90

Veröffentlicht unter Bücher, Film | Verschlagwortet mit , , , | Ein Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 10.04.14 – 16.04.14

Wow, in dieser Woche ist ja ordentlich was los. Nicht nur, dass es reichlich frische Ware mit ein paar Highlights, wie z.B. „Snowpiercer“, gibt, auch das Atlantis, das Cinema und vor allem das CineStar sind endlich mal wieder bei der O-Ton-Sause dabei. Nicht schlecht. So könnte es jetzt eigentlich jetzt auch weitergehen.

A Long Way Down – Cinemaxx, Fr. 19:00 und Di. 20:30 – Stargespickte Nick-Hornby-Verfilmung mit Pierce Brosnan, Toni Colette und anderen. Vier Selbstmörder treffen sich in dieser Tragikomödie zufällig auf dem Dach eines Hochhauses und beschließen daraufhin, ihren Selbstmord bis zum Valentinstag aufzuschieben.

[youtube width=“630″]https://www.youtube.com/watch?v=8Yg4lPS6s9A[/youtube]

Super-Hypochonder – Cinemaxx, F./So. um 20:30 – Nach dem mega-Erfolg „Willkommen bei den Sch’tis“ der neue Film von Dany Boon, in dem er wieder zusammen mit Kad Merad die Hauptrolle spielt. Es geht – wie der Titel schon sagt – um einen Super-Hypochonder, der sich bei seinem Psychiater einquartiert.

The Lego Movie – Cinemaxx, Do./Sa. um 20:30 – Darauf muss man einmal kommen: Aus Lego einen ganzen film zu machen. In den USA wurde diese mit einem unerwartet erfolgreichen Einspielergebnis belohnt und wie man hört, soll der Lego-Film auch gar nicht so schlecht sein, wie man bei der verrückten Prämisse denken sollte.

[youtube width=“630″]https://www.youtube.com/watch?v=fZ_JOBCLF-I[/youtube]

Die Bestimmung – Divergent – CineStar, So., 13.4. um 20:10 – Teeni-SF-Film in dem die Menschen in einem totalitären Regime leben und in fünf Kasten eingeteilt sind. die 16-jährige Beatrice entdeckt, dass sie keiner dieser Kasten angehört, was ihr eine Menge Probleme bereitet…

Snowpiercer – Schauburg, Mi., 16.4. um 21:15 – Bong Joon-ho ist einer der erfolgreichsten Regisseure Südkoreas und „Snowpiercer“ seine erste internationale Produktion, für die er Chris Evans, Tilda Swinton und John Hurt gewinnen konnte. Der Film spielt im Jahre 203, nachdem sich eine Eisdecke über die Welt gelegt hat. Die letzten Überlebenden haben sich in einen Hochgeschwindigkeitszug gerettet, der Jahr auf Jahr um die Erde rast.  Mit Koreas Superstar Kang-ho Song.

[youtube width=“630″]https://www.youtube.com/watch?v=fx5OHsX46HE[/youtube]

Her – Schauburg, So. 19:00 und Di. 12:00 – “A Spike Jonze Love Story”. Joaquin Phoenix verliebt sich in die Stimme seines Computers. Kein wunder, wird diese doch von Scarlett Johansson gesprochen. Ich kann mir ja eigentlich nicht vorstellen, dass ein Spike-Joneze-Film schlecht sein kann, weshalb ich mich hier trotz sehr durchwachsener Kritiken mal überrachen lassen würde.

Grand Budapest Hotel – Schauburg, So., 13.4. um 12:00 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch.

Yves Saint Laurent – Atlantis, So., 13.4. um 20:00 – Französisches Biopic über den legendären Modemacher.

Per Anhalter durch die Galaxis – Cinema Ostertor, Sa., 12.4. um 17:00 – Die 2005 entstandene Verfilmung von Douglas Adams wunderbarem Buch. mit Martin Freeman und Sam Rockwell.

Capote – City 46, Do./Sa. 20:30 und Fr./Mo./Mi. um 18:00 – Der Film, der davon handelt, wie Truman Capote sein Meisterwerk „Kaltblütig“ schrieb, machte aus dem grandiosen Nebendarsteller Philip Seymour Hoffman endlich und verdientermaßen einen Star und Oscar-Gewinner.

The Master – City 46, Di 15.4. um 18:00 – Philip Seymour Hoffmans letzte große Rolle. In Paul Thomas Andersons neustem Film spielt er ein Sektenoberhaupt, das in den USA der 50er Jahre seine Macht ausbaut.

Die Frauen im Jazz – City 46, Mi., 16.4. um 20:30 – Doku von 1986. Mit Einführung: Evelyn Friesinger, Sängerin.

Nodo jiman – City 46, Di., 15.4. um 20:30 – Japanischer Musikkomödie um einen populären Wettbewerb für Amateursänger. Eintritt frei.

Nostalghia – City 46, Do., 10.4. um 18:00 – Andrei Tarkowskis in Italien gedrehtes Meisterwerk

Paris Was a Woman – City 46, Do., Fr.-Mi. immer 20:00 – Doku von 1996 über weibliche Künstelrinnen und Intellektuelle im Paris der 20er Jahre.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 14.04. um 20:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 14.04. um 21:45

 

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 2 Kommentare

DVD-Rezension: “The Twilight Zone – Die gesamte zweite Staffel”

Twilight Zone 2

Mit der zweiten Staffel der „Twilight Zone“ halten nun zwei entscheidende Merkmale der Serie ihren Einzug, die sie unverwechselbar machten und noch bis heute definieren. Zunächst einmal wurde Bernard Herrmanns Titelmusik aus der ersten Staffel gegen das berühmte „Twilight Zone“-Thema von Marius Constant ausgetauscht. Constants Titelthema wird noch immer in der populären Kultur benutzt, wenn irgendwo merkwürdige, übernatürliche Dinge passieren oder angedeutet werden soll, dass etwas Mysteriöses vor sich geht. Eine ähnliche Bedeutung hat seitdem höchstens noch das „Akte X“-Thema erreichen können. Zum anderen tritt der Erfinder der „Twilight Zone“, Rod Serling, deutlicher in den Vordergrund. In der ersten Staffel hatte er lediglich als Erzählerstimme in die Episoden eingeführt. Nun tritt er selber am Anfang der Folge auf, um den Einführungstext zu sprechen.

In der ersten Staffel begann jede Folge mit den Worten: „There is a fifth dimension, beyond that which is known to man. It is a dimension as vast as space and as timeless as infinity. It is the middle ground between light and shadow, between science and superstition, and it lies between the pit of man’s fears and the summit of his knowledge. This is the dimension of imagination. It is an area which we call the Twilight Zone.“ Dies wurde nun in das heute besser bekanntere „You’re traveling through another dimension, a dimension not only of sight and sound but of mind; a journey into a wondrous land whose boundaries are that of imagination. That’s the signpost up ahead—your next stop, the Twilight Zone.“ geändert. Da es sich bei „Twilight Zone“ um eine für damalige Verhältnisse recht teure Produktion handelte, wurde Serling von seinem Produzenten oftmals genötigt, Geld zu sparen, was dazu führte, dass sechs Episoden dieser Staffel auf billigem Videotape statt auf echtem Film aufgenommen wurden.

vlcsnap-00001vlcsnap-00022

Die zweite Staffel besteht aus 29 Folgen, darunter auch zwei der populärsten „Twilight Zone“-Folgen. „Eye of the Beholder“ und „The Invaders“ und einige weitere, die in der Gunst der Fans ganz weit oben stehen.

Eye of the Beholder“ (Fluch der Schönheit, Folge 42) ist eine klassische Rod-Serling-Episode, in der er seine Lieblingsthemen wie Toleranz und Gleichberechtigung behandelt. Die Folge ist sehr stimmungsvoll gefilmt, lebt von seinen Schattenspielen und natürlich der markanten Stimme von Maxine Stuart, welche die unter Bandagen unkenntliche Hauptperson spielt. Sind die Bandagen dann weg, wird diese von Donna Douglas gespielt. Die Szene in der ihr die Bandagen abgenommen werden ist ausgesprochen stimmungsvoll und unheimlich in Szene gesetzt und wurde später häufig parodiert, z.B. in den „Simpsons“ oder „Family Guy“. Insgesamt fällt diese Episode durch einen sehr gradlinigen und effektiven Ablauf auf, der das scheinbar offensichtliche Geschehen langsam immer mehr verfremdet bis es zu der überraschenden Auflösung kommt. Kennt man allerdings die Pointe, sind die Versuche, diese zu verschleiern, recht auffällig und lenken eher von der eigentlichen Geschichte ab.

vlcsnap-00006vlcsnap-00019

Auch „The Invaders“ (Invasion der Zwerge, Folge 51) handelt von einer Perspektivenverschiebung, ist aber in erster Linie eine grandiose One-Woman-Show von Agnes Moorehead, die hier ganz allein und ohne Dialog agiert. Ihr Kampf gegen die merkwürdigen, kleinen Gestalten, die mit einem UFO auf ihrem Dach gelandet sind, ist einfallsreich und spannend inszeniert. Wieder wird auch auf eine sehr atmosphärische Inszenierung gesetzt, die an den expressionistischen Stummfilm erinnert – wie auch der fast völlig Verzicht auf Sprache. Bedenkt man dann noch, dass die ganze Geschichte in einer räumlich stark begrenzten Szenerie spielt, ist es umso bemerkenswerter, wie kurzweilig dieses formidable Ein-Personen-Stück gelungen ist.

vlcsnap-00028vlcsnap-00030

Sowohl „Eye of the Beholder“ als auch „The Invaders“ wurden von Douglas Heyes in Szene gesetzt. Dieser merkwürdigerweise Zeit seines Lebens nur für das Fernsehen gearbeitet, bis auf eine Ausnahme 1966 als er eine eher bedeutungslose „Beau Gest“-Verfilmung inszenierte. Was schade ist, denn gerade seine „Twilight Zone“-Beiträge zeigen ihn als sehr talentierten Regisseur mit einer Vorliebe für das Kreieren stimmungsvoller, mit ihren Licht- und Schattenspielen an die Klassiker des Film Noir oder der frühen Universal-Horrorfilme gemahnenden, Kabinettstücken. Seine Meisterschaft darin, kommt auch bei „The Howling Man“ (Der Mann in der Zelle, Folge 41) deutlich zum Vorschein. Hier flackern die Fackeln, die Kamera zoomt in verschwitzte Gesichter und kippt gerne mal nach links oder rechts, was den verkanteten Bildern eine traumgleiche Atmosphäre gibt. Genrestar John Carradine gibt sich hier als Bruder Jerome die Ehre und erinnert ein wenig an Ian McKellens Gandalf aus „Der Herr der Ringe“. Auch Robin Hughes als mysteriöser, scheinbar unschuldig eingekerkerte „Howling Man“ weiß mit einer ausbalancierten Darstellung zu gefallen, während Hauptdarsteller H.M. Wynant ein wenig zu sehr Gas gibt. Die hübsche Auflösung – statt Gutes zu tun und jemanden zu retten, wird das Böse über die Welt gebracht – nimmt dann schon ein wenig das Ende von Polanskis „Tanz der Vampire“ vorweg.

vlcsnap-00002vlcsnap-00004

„The Howling Man“ war die erste Episode der zweiten Staffel, die nicht von Rod Serling, sondern von Charles Beaumont geschrieben wurde. Der leider viel zu früh gestorbene Kurzgeschichtenautor zeigt sich auch für die meiner Meinung nach schönste Episode der zweiten Staffel, dem wunderbaren „Long Distance Call“ (Das Spielzeugtelefon, Folge 58), verantwortlich. Hierbei handelt es sich um eine nette, kleine Geschichte über einen Jungen, der mit einem Spielzeugtelefon Kontakt mit seiner toten Großmutter aufnimmt, die ihn gerne bei sich hätte. Die Folge ist ausgezeichnet gespielt. Patricia Smith und vor allem Philip Abbott spielen die besorgten Eltern sehr eindringlich, und Abbotts verzweifeltet Monolog am Spielzeugtelefon bleibt noch lange im Gedächtnis. Ihr kleiner Sohn wird von Bill Mumy verkörpert, der dem heutigen Publikum wahrscheinlich als Lennier in „Babylon 5“ in Erinnerung ist, und im selben Jahr wie „Long Distance Call“ in Alfred Hitchcocks „Bang! You’re Dead“ aus der Reihe „Alfred Hitchcock presents“ ebenfalls einen Jungen mit einem gefährlichen Geburtstagsgeschenk gespielt hatte. Tatsächlich bekommt Mumy hier von seinen Eltern zunächst – wie in dem kurzen Hitchcock-Film – einen Spielzeugrevolver, bevor er dann das Spielzeugtelefon von seiner Großmutter erhält.

vlcsnap-00046vlcsnap-00051

„Long Distance Call“ ist eine von sechs Episoden, die aus Kostengründen in der zweiten Staffel auf billigem Videotape, statt auf Film gedreht wurden. Was man heutzutage leider an der bescheidenen Bildqualität merkt. Eine andere Episode war „Twenty-Two“ (Nummer 22, Folge 53) in der es um einen immer wiederkehrenden Albtraum gibt. Dieser wurde hübsch surreal und gespenstisch in Szene gesetzt. Ebenso wie die recht beachtliche Oberweite der Hauptdarstellerin Barbara Nichols. Der Albtraum, in der die Hauptdarstellerin einer geheimnisvollen Person in den Keller einer Klinik folgt, wo sie plötzlich einer unheimlichen Krankenschwester gegenüber steht, scheint fast eine Blaupause für ähnliche Träume in Wes Cravens Horrorklassiker „Nightmare – Mörderische Träume“ zu sein.

vlcsnap-00040vlcsnap-00043

Wie schon die Box der ersten Staffel, ist auch die bei Koch Media erschienene zweite Staffel eine perfekte Veröffentlichung und ein wahres Füllhorn an Infos und Extras. Nicht nur, dass fast alle Folgen von manchmal mehr als einem Audiokommentar begleitet werden und man sich die Musikspuren auch isoliert anhören kann, auf einer sechsten DVD befinden sich Radiohörspiele einiger Episoden, Interviews mit Beteiligten, zeitgenössische Werbung und eine komplette Folge der Game-Show „Liar’s Club“, die 1969 von Rod Serling moderiert wurde, sowie eine Folge der Serie „Suspense“ von 1953, für die Serling das Drehbuch schrieb.

Die Bildqualität der Folgen ist exzellent, nur die sechs auf Video aufgenommen Folgen fallen hier sehr deutlich ab. Was aber nicht dieser Veröffentlichung, sondern dem Ursprungsmaterial geschuldet ist. Vorbildlich!

Veröffentlicht unter DVD, Filmtagebuch, TV | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Das Bloggen der Anderen (07-04-14)

bartonfink_type2– Leider ist der großartige Zbyněk Brynych, dem wir psychotronische Meisterwerke wie „Die Weibchen“, „Engel, die ihre Flügel verbrennen“, sowie diverse großartige „Derrick“ und „Der Kommissar“-Folgen verdanken, den meisten Filmfreunden noch immer ein unbeschriebenes Blatt. Und selbst wer ihn kennt und verehrt, hat möglicherweise bisher nichts von seinem tschechischen Frühwerk gesehen. Wer sich damit auseinandersetzen möchte, möge einmal bei Stubenhockerei nachschlagen, wo sein 1965 entstandener „A pátý jezdec je strach“ (Der fünfte Reiter ist die Angst) vorgestellt wird.

– Auf Sennhausers Filmblog gibt es eine interessante Kritik zu Lars Von Triers „Nymphomaniac 2“.

– Sachen zum Lachen. PewPewPew hat das Alternative Ende von „Gravity“ entdeckt.

– Einer meiner All-Time-Favorites, Blake Edwards „Frühstück bei Tiffany’s“ wird von Ronny Dombrowski auf cinetastic.de besprochen. An dieser Stelle sei vermerkt, dass gestern der Darsteller der kontroversen Mr.-Yunioshi-Figur, Mickey Rooney, verstorben ist.  Found-Footage-Horror gibt es ja leider bis zum Erbrechen und in den seltensten Fällen ist das Resultat gelungen. Eine dieser Ausnahmen mit dem Titel „The Borderlands“ hat ebenfalls Ronny Dombrowski entdeckt. Und schließlich schreibt Frank Schmidtke über den neuen Schwarzenegger-Film „Sabotage“, der bei ihm trotz zahlreicher Schwächen recht gut wegkommt.

– Bei Komm und sieh sieht das ganz anders aus. Der erhält „Sabotage“ eine gnadenlosen und höchst verärgerten Verriss. Ganz im Gegensatz dazu kommt der deutsche Psycho-Thriller „Stereo“ mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu sehr gut weg und die Besprechung macht große Lust darauf, sich den Film anzusehen.  Gleiches gilt für Denis Villeneuves „Enemy“.

– Als angekündigt wurde, dass Johannes Schafs 1973 entstandener „Traumstadt“ bei Filmjuwelen erscheint, ging eine ganzes Oha durch das Netz. Ich gestehe, ich hatte vorher nichts von dem Film gehört, aber nach Oliver Armknechts Besprechung auf film-rezensionen.de kann ich die Begeisterung verstehen und möchte den Film nun auch möglichst bald sichten.

Apropos Johannes Schaf. Sein bekannterer „Trotta“, der 1971 entstand und nach einer erfolgreichen Kinoauswertung fast völlig in der Versenkung verschwand, ist ebenfalls bei „Filmjuwelen“ erschienen und wird von Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide besprochen.

– Auf Hard Sensations nimmt sich Andreas Poletz Sidney J. Furys 1961 entstandenen und weitgehend vergessenen „Snake Woman“ vor.

– In den nächsten Tagen geht hier eine Buchrezenssion über einen Lex-Barker-Bildband online. Wer sich schon mal einstimmen möchte, kann dies bei Oliver Nöding auf Remember It For Later, der nach Jerry Cotton und Edgar Wallace nun bei Karl May angekommen ist und über die Verfilmungen, die 1962 mit „Der Schatz im Silbersee“ starteten, wie immer sehr lesenwert schreibt.

– Grindhouse-Nächte in Mannheim. Harald Mühlbeyer war dabei und berichtet auf screenshot über Corbuccis „Die Grausamen“ und Jürgen Rolands „Zinksärge für die Goldjungs“.

– Kaum zu glauben, aber es gab einmal einen wirklich gelungen Film noir aus deutschen Landen. Dass es sich dabei um einen Zeichentrickfilm über Katzen handelte, spielt dabei keine Rolle. Leider wurde das Experiment „Felidae“ nie wiederholt und sein Autor scheint es mittlerweile an den äußersten rechten Rand getrieben zu haben. Schade. Robin Schröder erinnert auf Mise en cinéma noch einmal an den gelungen Film und stellt auch noch Christopher Nolans frühe Fingerübung „Doodlebug“ vor.

Der breite Grad schreibt über Rokuro Mochizukis Mangetsu-Hanamura-Verfilmung „Minazuki“, von dem er sehr begeistert ist und als „Roadmovie über Basic Instincs“bezeichnet.

– Schlombie macht auf Schlombies Filmbesprechungen überraschend schnell weiter mit seinen „Besprechungen der Anderen“.

– Joachim Kurz spricht mit auf B-Roll aus dem Herzen: „Ich glaube, dass die durch das Digitale beförderte Allgegenwart des Kinos eine Gefahr beinhaltet: Die der Entwertung, der Inflation von Filmen. Und das wäre für mich eine wirkliche schlimme Entwicklung.“ Unbedingt lesen.

– Auf critic.de geht es weiter mit der Doris-Wishman-Retrospektive. Diesmal schreibt Michael Kienzl einen hochinteressanten Artikel über „Die Suche nach wiederkehren Bildern in Doris Wishmans „rohen“ Filmen.“

– Irgendwie sind die Fantasy Filmfest Nights in den Blogs etwas untergegangen. Immerhin war DasDingAufDerSchwelle dabei und weiß davon zu berichten.

– Ich hatte hier ja schon einige Male den polnischen Film „Ida“ erwähnt. Kristina Scholz hat ihn für Daumenkino gesehen und sich eine recht differenzierte Meinung gebildet.

– YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog über Spike Jonzes „Her“.

– Hat es jemand bemerkt? Die epd Film ist „gerelauncht“ worden und sieht jetzt aus wie die TV-Spielfilm. Alexander Matzkeit hat sich darüber auf – dem frisch umgezogenen Blog – real virtuality so seine Gedanken gemacht.

– Ganz groß auf meiner „Da-MUSS-ICH-MAL-HIN“-Liste: Das „Besonders Wertlos“-Festival. Alex Klotz war da und berichtet auf hypnosemaschinen.

– Gerold Marks hat für Digitale Leinwand einmal eingehend das neue Amazon-Angebot „Instant Video“ getestet.

Filme Welt stellt einige Theorien zu dem Ende des Scorsese-Films „Shutter Island“ zusammen.

– Happy Birthday, Michael Schleeh von Schneeland. (Nicht nur) anlässlich seines heutigen Geburtstag, möchte ich auf seine interessanten Berichte vom Hongkong International Filmfestival verweisen.

– Lukas Foerster von Dirty Laundry hat im Flugzeug den koreanischen Thriller „The Terror Live“ gesehen, den er sehr mochte.

– Manfred Polak stellt auf Whoknows presents den spanischen Künstler und Techniker José Val del Omar (1904-82) vor, den außerhalb seiner Heimat kaum jemand kennt. Der Welt hat er aber einige hochspannende Experimentalfilme hinterlassen, von denen hier nun drei vorgestellt werden.

– Zur Zeit kann man in den dritten Programmen den Film „Es werde Stadt“ von Martin Farkas und Dominik Graf sehen. Eine Ode an den Grimme-Preis und eine scheinbar untergegangene Fernsehkultur. In den sozialen Netzwerken wurde das Werk in der Aussage zwiespältig aufgenommen. Das Magazin des Glücks stellt den Film ausführlich vor.

– Wäre das hier Facebook, würde ich jetzt viele kleine Herzchen machen. Rainer Knepperges auf new filmkritik:Karten, Pläne und Modellbauten (III)“.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

DVD-Rezension: “Ninja: Pfad der Rache”

ninja2
Casey Bowman (Scott Adkins) leitet in Hongkong einen Dojo und ist mit Namiko (Mika Hijii) verheiratet, die ein Kind von ihm erwartet. Doch als Casey eines Abends nicht da ist, wird Namiko ermordet. Voller Zorn macht sich Casey auf die Suche nach den Mördern, die auch bald stellt und tötet. Casey versucht nun in Thailand im Dojo eines alten Freundes Nakabara (Kane Kosugi) Frieden zu finden. Doch dies misslingt spätestens, als ein Schüler irrtümlich für Casey gehalten und auf die selbe Weise wie Namiko umgebracht wird. Casey versucht nun auf eigene Faust herauszufinden, was hinter der ganzen Sache steckt. Die Spur führt zu dem Gangsterboss Goro (Shun Sugata), der im birmanischen Dschungel sein Hauptquartier hat.

vlcsnap-00168vlcsnap-00166

Der Ninja-Film war in den frühen 80er Jahren eine populäre Unterkategorie des Actionfilms, die – zumindest in meinem damaligen Bekanntenkreis – einen recht hohen Status genoss. Da wurden dann auch heimlich Wurfsterne gekauft und in der Schulpause der ein oder andere Baum damit malträtiert. Ich muss zu meiner Schande aber gestehen, dass ich bis auf „White Ninja“ mit Franco Nero (den ich aber damals nicht als echten Ninja-Film ansah, da Django und kein Asiat die Hauptrolle spielte) und den zweiten Teil von „American Ninja“ (der ja bei uns ja „American Fighter“ hieß und den ich damals schon ziemlich albern fand), mich nie in diesem Subgenre bewegt habe. So verpasste ich die legendären Filme mit Shô Kosugi und der Ninja als Filmfigur tauchte in meiner Filmerziehung lediglich als Nebenfigur in Shaw-Brothers-Filmen oder ähnlichem auf. In den folgenden Jahren spielte der Ninja im Actionfilme auch keine große Rolle mehr, und tauchte in meiner Wahrnehmung höchstens noch in Form der „Teenage Mutant Ninja Turtles“ oder Parodien wie „Beverly Hills Ninja“ auf.

vlcsnap-00172vlcsnap-00176

So entging mir der Film „Ninja„, den Isaac Florentine 2009 mit Scott Adkins in der Hauptrolle inszenierte. Wahrscheinlich wäre mir auch die Fortsetzung „Ninja: Der Pfad der Rache“ entgangen, hätte ich im Internet nicht so viel Gutes über einerseits Adkins und andererseits das „Ninja“-Sequel gelesen. Adkins war mir im All-Star-Ensemble-Film „Expendables 2“ aufgefallen, wo er eine kleine, aber prägnante Rolle als Handlangers des von Jean-Claude Van Dame gespielten Schurken Vilian inne hatte. Hoch im Kurs der Actionfans steht Adkins seitdem er in der „Undisputed„-Reihe vom „Ninja“-Regisseur Isaac Florentine mitgemacht hat. Nachhaltigen Rum erntete er in dem vierten „Universal Soldier“-Teil „Day of Reckoning„, der von den Kritikern euphorisch gefeiert wurde und aus Regisseur John Hymes (Sohn von Peter Hymes) die große Hoffnung für intelligente und außergewöhnliche Actionfilme machte. Der Engländer Adkins betreibt seit seinem 10. Lebensjahr Kampfsport und hatte nach einigen Gastrollen in britischen TV-Serien seine erste Filmrolle in Hongkong, wo er in dem Jackie-Chan-Film „Spion wider Willen“ auftrat. Es folgten weitere Martial-Arts-Filme in Hongkong, bis er mit seiner Rolle als Antagonist in Isaac Florentines „Undisputed II“ seinen Durchbruch hatte.

vlcsnap-00180vlcsnap-00183

Um „Ninja: Pfad der Rache“ zu sehen, muss man den ersten Teil nicht kennen. Es gibt zwar lose Verbindungen, doch der Film funktioniert hervorragend als eigenständiges Werk. Was auffällt ist die angenehm altmodische Schnörkellosigkeit mit der Florentine vorgeht. Die Geschichte verzichtet auf Füllmaterial und Zierrat, sondern spult seine Geschichte wie eine gut geölte Maschine ab. Der Grund, weshalb sich Casey auf den „Pfad der Rache“ begibt, wird in gerade mal 11 Minuten abgehakt. Danach geht es ab nach Birma, wo Casey zügig auf einen mysteriösen Crimelord angesetzt wird und der zweite Teil der Rache beginnt. Auch hier geht es – zum Teil wortwörtlich – Schlag auf Schlag und nach erfüllter Mission gibt es noch einen schnelle Epilog und das war’s dann. Keine unnötige Liebesgeschichte, kein Verlassen des Pfades. Darunter leidet etwas die Charakterisierung des Helden und alle weitere Figuren bleiben eindimensional. Aber der Film will ja auch kein großes Epos, sondern einen kurzweiligen Actionfilm abliefern.

vlcsnap-00184vlcsnap-00188

Während der erste Teil noch – wie man anderen Ortes lesen kann – cartoonmäßig angelegt war, ist „Ninja: Pfad der Rache“ düster und rau. Hier wird keine schöne Welt gezeigt. Alles erscheint wie in einem dreckigen Zwielicht. Und der Kamerawinkel wird stets so gewählt, dass der Bildausschnitt beengend und bedrückend wirkt. So wird Birma, wo jeder für den Crimelord zu arbeiten scheint, und Casey ständig unter Beobachtung steht, zu einem beängstigend klaustrophobischen Ort. Einen bemerkenswerten Kurzauftritt hat hier Vithaya Pansringarm, der strafende Polizist aus Winding Refns „Only God Forgives“. Als General Sung spielt er eine ähnlich abgeklärt, gnadenlose Rolle. Allerdings entreißt sein abruptes und reichlich unspektakuläres Ende der Figur all das Mystische, was zuvor aufgebaut wurde. Ebenfalls etwas verschwendet ist der beeindruckende Shun Sugata als Goro. Jede Szene in der der Finsterling auftritt, wird von seiner großen Präsenz geprägt. Leider taucht er nicht allzu oft auf.

vlcsnap-00197vlcsnap-00198

Wo „Ninja: Pfad der Rache“ punktet, sind die Action-Szenen, die sich dann auch ohne große Verschnaufpausen aneinanderreihen. Dass Isaac Florentine nicht nur Regisseur ist, sondern auch selber eine ganze Menge von Kampfsport versteht, merkt man dem Film jederzeit an. Satt bei den auf CGI, Wire-work oder dynamische Schnittgewitter zu setzen, wird hier noch ganz klassische Mann gegen Mann gekämpft. Die Kamera verliert sich dabei nicht in Detailaufnahmen, sondern hält respektvoll Abstand, um dem Zuschauer zu ermöglichen, die ganze Eleganz und Dynamik der Kämpfenden zu bewundern. So fallen die Kämpfe auch nicht durch spektakuläre Mätzchen, sondern durch Bodenständigkeit und erdigen Realismus auf. Und da nicht nur Adkins ein Meister seiner Kunst ist, sonder auch seine Gegenspieler über überdurchschnittliche Fähigkeiten verfügen, erinnern die Actionsequenzen an die besten klassischen Hongkong-Filme, bevor Computer und Greenscreen Einzug ins Filmemachen hielten.

vlcsnap-00194vlcsnap-00191

„Ninja: Pfad der Rache“ ist ein knackiger, schwer unterhaltsamer und gut gefilmter Kampfsportfilm mit einem physisch überragenden Hauptdarsteller, bei dem die auf das wesentliche reduzierte Geschichte, den Charakteren leider keine Möglichkeit zur Entwicklung gibt. Was dem schauspielerisch limitierten Scott Adkins allerdings zu Gute kommt.Als Actionfilm funktioniert das Ganze ausgezeichnet, auch wenn bis auf die spektakulären Kämpfe kaum etwas im Gedächtnis hängen bleibt.

vlcsnap-00189vlcsnap-00182

Die Splendid-DVD weist ein sehr gutes Bild und dynamischen Ton auf. Im Bonusteil findet man ein 6-minütiges Special, welches zunächst wie ein typisches Werbe-Feature anmutet, aber tatsächlich einige interessante Informationen zu den Dreharbeiten und Regisseur Isaac Florentine liefert. Bei der B-Roll bekommt noch ein paar Eindrücke, wie die Kämpfe entstanden.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “Fräuleins in Uniform – Eine Armee Gretchen”

armee gretchenAm Ende des 2. Weltkriegs werden junge, attraktive Frauen als sogenannte Blitzmädchen an die Front geschickt. Dort sollen sie nicht nur als Flakhelferin oder Nachrichtenfräulein Dienst tun, sondern auch durch körperlichen Einsatz die Moral der untergehenden Truppe heben. Gemustert werden Sie von dem väterlichen Arzt Dr. Felix Kuhn (Carl Möhner). Als dieser ein wenig zu häufig die blutjungen Mädchen untauglich schreibt, bekommt er Besuch von der Gestapo und wird in die Armee eingezogen. Auch seine beiden jungen Töchter Marga (Elisabeth Felchner) und Eva (Karin Heske) kommen nicht ungeschoren davon und müssen zukünftig bei den Blitzmädchen dienen.

vlcsnap-00117vlcsnap-00121

Nachdem Erwin C. Dietrich Anfang der 70er seine Sexfilm-Maschinerie zum Laufen gebracht hatte und mit Filmen wie „Blutjunge Verführerinnen“ oder „Mädchen,die nach Liebe schreien“ in den Bahnhofslichtspielen erfolgreich war, stand ihm scheinbar der Sinn nach Höherem. Einen aufwändigen Kriegsfilm wollte er drehen. Aber natürlich nicht zu aufwändig, dafür war Dietrich viel zu kostenbewusst, aber ein richtiger Ausstattungsfilm. Da traf es sich gut, dass in Jugoslawien günstig altes Kriegsmaterial zur Verfügung gestellt werden konnte. Davon hatten schon diverse andere europäische und amerikanische Filmproduktionen Gebrauch gemacht. Aber auch die eigenen jugoslawischen Großproduktionen profitierten von diesem Fundus an alten Waffen und Panzern. So wurde beispielsweise kurz vor „Eine Armee Gretchen“ der jugoslawische 2.-Weltkriegsfilm „Die fünfte Offensive“ gedreht, in dem kein geringerer als Richard Burton die Hauptrolle spielt – und zwar den späteren Diktator Tito! Von dieser Produktion konnte Dietrich dann so einige Kulissen und Ausstattungsgegenstände abstauben. Zudem war die jugoslawische Armee für ein paar Devisen durchaus bereit, für die eine oder andere Szene Männer abzustellen.

vlcsnap-00124vlcsnap-00126

Als Vorlage für seinen Film diente Dietrich der gleichnamige Roman von Karl-Heinz Helms-Liesenhoff, der 1947 erschienen war und dem noch zwei weitere Teile folgten. Ich kenne den Roman nicht, kann mir aber kaum vorstellen, dass er – wie Dietrichs Film – aus einer Abfolge von Sexszenen besteht. Da Dietrich der Film scheinbar besonders am Herzen lag und/oder er sich dadurch einigen Ruhm erhoffte, verzichtete er hier auf seine beiden Pseudonyme „Manfred Gregor“ (Drehbuch) und „Michael Thomas“ (Regie) und zeichnete den Film komplett mit seinem eigenen Namen. Ansonsten war wieder die übliche Dietrich-Crew an Bord. Walter Baumgartner sorgte für die Musik, während Peter Baumgartner die Kamera führte. Für die männlichen Hauptrollen konnte Dietrich Carl Möhner – der immerhin in Jules Dassins „Rififi“ einer der Hauptrollen gespielt hatte und auch in der Welt der Italo-Western und Eurospy-Filmen kein Fremder war – und Helmut Förnbacher engagieren. Unter den freizügigen Damen befinden sich Elisabeth Felchner, die zwischen 1970 und 1974 in einigen Sexfilmen – zumeist aus der Lederhosen-Abteilung – dabei war, sowie Karin Heske, die ihn ähnlichen Filmen kleine Rollen hatte. Die rothaarige Renate Kasché, spielte zuvor Rollen in Massimo Dallamanos frühem Giallo „Das Geheimnis der jungen Witwe“ und seiner Sacher-Masoch-Verfilmung „Venus im Pelz„, war ab 1970 aber bis auf zwei Ausnahmen nur noch in Report-, Lederhosen- und Kumpelfilmen dabei. Auch in Joe D’Amatos berüchtigtem „Emanuelle in America“ hatte sie einen Aufritt, als „Masturbating Redhead“.

vlcsnap-00128vlcsnap-00148

Die aktuelle DVD aus dem Hause Ascot Elite trägt den englischen Titel „Fräuleins in Uniform“. „So war’s in Opa’s bumsfiedeler Wehrmacht“ wäre allerdings der angemessenere Titel. Nun erwartet sicherlich niemand von einem Film aus dem Hause Dietrich eine ernsthafte Geschichtsstunde, aber der Umgang mit der deutschen Vergangenheit fällt schon überraschend lax aus. Böse Gestalten gibt es eigentlich keine, die Generäle sind alles väterliche Typen, die gerne mal mit gutem Rat zu Seite stehen. Selbst SS-Leute zeigen Verständnis für die Nöte armer Mädchen und verhalten sich durchaus mitfühlend. Die einzigen bösen Gestalten sind zwei Gestapo-Männer, die aber auch eher harmlos daherkommen, sowie ein fieser Soldat, der eine der Gretchen vergewaltigt. Bei einem anderen Offizier ist die schlimmste Tat dann, dass er mit einer anderen ins Bett steigt. Wenn sich dann noch hinter allen Büschen nackte Pärchen tummeln und in Slapstickmanier die Mädels bestiegen werden, dann erscheint der 2. Weltkrieg als harmloser Abenteuerspielplatz, was ich durchaus bedenklich finde.

vlcsnap-00133vlcsnap-00142

Generell spielt der Krieg eine untergeordnete Rolle. Kampfszenen gibt es nur wenige. Ein Fliegerangriff, bei dem aber nur ein junger Don Juan ums Leben kommt; ein Luftangriff, der aus der Sicht der Flakhelferin gezeigt wird und wo auch nichts spektakuläres passiert, und natürlich ein Angriff auf eine (männliche) Armeeeinheit, die aus einer Handvoll Soldaten besteht, die es dann auch irgendwie schaffen (wie wird nicht wirklich ersichtlich) mehrere sowjetische Panzer abzuwehren. Verwundete werden als dekoratives Element durch das Bild getragen und der Holocaust mit keinem Wort erwähnt. Zwar gibt es am Anfang ein halbjüdisches Mädchen, aber deren größte Repressalie ist es, dass sie nicht an die Front darf, um ihre Soldaten zu unterstützen. Selbst wenn eine „Ilsa“-ähnliche, kühle-strenge Blondine eingeführt wird, stellt sich diese am Ende wirklich nur als „Mutter der Kompanie“ heraus und wird nicht weiter genutzt.

vlcsnap-00147vlcsnap-00160

Jenseits dieser Verharmlosungen und Unwahrscheinlichkeiten ist aber auch das von Dietrich verfasste Drehbuch kein Ruhmesblatt. Der ganze Film wirkt wie die 10-minütige Super-8 Version eine 2-Stunden-Films. Ständig werden neue Charaktere und Nebenhandlungen eingeführt, nur um diese – manchmal schon direkt nach dem Ende der Szene – wieder fallen zu lassen. Als ob das Drehbuch einmal sehr viel dicker war, man aber aufgrund von Budgetschwierigkeiten nur ein paar Seiten filmen konnte und das Ganze dann eben mit belanglosen Sexszenen auf Spielfilmlänge gestreckt hätte. Da gibt es z.B. eine Gruppe junger Mädchen, die sich freiwillig zum Einsatz an der Ostfront melden, dem wird stattgegeben, die Mädels freuen sich und das war’s. Eine der Hauptfiguren hat auf einmal ein Liebesverhältnis mit einem Partisanen – woher, warum, wie, das bleibt alles im Dunkeln. Und in der nächsten Szene wird dieser dann hingerichtet. Kurzer Prozess, kurzes Weinen und schon ist diese Episode wieder vergessen. Einmal taucht ein frisch vom Schlachtfeld kommender Soldat auf eine dekadente Feier der Offiziere auf, wird dort bezirzt und wieder ist Schluss. All dies wird mit einer so großen Bedeutungsschwere inszeniert, dass man als Zuschauer zwangsläufig davon ausgehen muss, dass diese Szenen für den Film irgendwelche Relevanz haben müssen – haben sie aber nicht im Geringsten.

vlcsnap-00153vlcsnap-00165

Da man bei der Vielzahl der unzusammenhängenden Szenen keine Beziehung zu irgendeinem Charakter aufbauen kann und viele Handlungen schlicht nicht nachvollziehbar bleiben, interessiert man sich auch nicht sonderlich für die Figuren, was gepaart mit der generellen Harmlosigkeit des Filmes schnell zu Langeweile führt. Da die zahlreichen Sexszenen auch aus jedem x-beliebigen „Report“-Film stammen könnten und reichlich unspektakulär daher kommen, werden noch nicht einmal die niederen Instinkte der Sexploitation-Fans befriedigt.

vlcsnap-00151vlcsnap-00143

„Eine Armee Gretchen“ ist ein leider recht langweiliger Flickenteppich, der nicht nur den Krieg und das 3. Reich verharmlost, sondern es auch nicht schafft, eine halbwegs zusammenhängende und interessante Geschichte zu erzählen. Nebenbei werden auch noch alle etwas radikaleren, exploitiven Elemente links liegen gelassen.

vlcsnap-00164vlcsnap-00163

Das Bild der in der Reihe „Cinema Treasures“ erschienen DVD ist den Umständen entsprechend sehr gut. Der Ton liegt gleich vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch) vor. Zudem enthält eine fünfte Tonspur einen Audiokommentar von Erwin C. Dietrich und dem Filmhistoriker Uwe Huber. Unterhaltsam ist das Featurette „Achtung! Birgit!“ in dem Darstellerin Birgit Bergen von ihrem Leben und den Dreharbeiten berichtet. Wobei man hier und dort in Frage stellen kann, in wie weit sie sich richtig erinnert oder sich doch etwas zu gut ins recht Licht rückt. Der deutsche Trailer und eine Bildergalerie runden den Bonus ab.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Originalfassungen in Bremen: 03.04.14 – 09.04.14

Wie vielleicht der Eine oder die Andere bemerkt hat, fielen die O-Töne letzte Woche aus. Grund war zu viel Stress im Job, und als ich endlich etwas Luft hatte, war die Woche auch schon fast vorbei. Diese Woche hat sich das noch nicht ganz entspannt, aber da die Liste nicht ganz so umfangreich ausfällt, schaufle ich mir mal etwas Zeit frei. Höhepunkt (*hihihi*) ist natürlich der zweite Teil von Lars von Triers „Nymphomaniac“. Auf „Her“, den neuen von Spike Jonze hatte ich mich eigentlich auch gefreut, aber die doch stark unterkühlten Kritiken lassen mich nun doch zögern.

Return of the First Avenger – Cinemaxx, Fr./So. um 20:45 – Captain America ist wieder zurück. Mir will ja nicht in den Kopf, warum man den englischen Originaltitel „The Winter Soldier“ in den ebenfalls englischen „deutschen“ Titel „Return of the First Avenger“ „übersetzt“, aber na ja. Ich war ja noch nie ein besonders großer Fan vom Cap, aber der Film soll recht gelungen sein.

[youtube width=“630″]https://www.youtube.com/watch?v=BzntMEtOUd4[/youtube]

Noah (3D) – Cinemaxx, Do.+Sa. um 20:45 – Bisher mochte ich ja jeden Film von Darren Aronofsky, aber nach den miesen Kritiken befürchte ich, dass er sich mit diesem Bibel-Epos mit Russell Crowe vielleicht verhoben hat.

[youtube width=“630″]https://www.youtube.com/watch?v=_OSaJE2rqxU[/youtube]

Nymphomaniac Teil 2 – Schauburg, So., 6.4. um 21:45 – Eigentlich sollte Lars von Triers Mammutwerk ja in einem stück in die Kinos kommen, aber das war dann wohl doch zu lang. Jetzt kommen die Kinofassungen gestückelt und die noch längeren „Director’s Cut“s laufen auf Festivals – und dann hoffentlich auch in der Heimkinoauswertung. Ich hoffe trotzdem inständig, beide Filme noch einmal im Kino sehen zu können.

[youtube width=“630“]https://www.youtube.com/watch?v=jY05rcPrAss[/youtube]

Her – Schauburg, Mi., 9.7. um 17:00 – „A Spike Jonze Love Story“. Joaquin Phoenix verliebt sich in die Stimme seines Computers. Kein wunder, wird diese doch von Scarlett Johansson gesprochen. Ich kann mir ja eigentlich nicht vorstellen, dass ein Spike-Joneze-Film schlecht sein kann, weshalb ich mich hier trotz sehr durchwachsener Kritiken mal überrachen lassen würde.

[youtube width=“630″]https://www.youtube.com/watch?v=ne6p6MfLBxc[/youtube]

Spuren – Tracks – Atlantis, So., 6.4. um 20:00 – Australisches Selbstfindungsdrama über die junge Robyn Davidson (gespielt von Mia Wasikowska), die 1977 zu Fuß und allein 2.700 Kilometer australische Wüstenlandschaft durchquerte.

Pans Labyrinth – City 46, Sa.-Mi. immer 20:00 – Eigentlich heißt der Film im Original ja „Das Labyrinth des Faun“ und von „Pan“ ist da keine Rede. Aber wie dem auch sein, Guillermo del Toros märchenhaftes und bitteres Meisterwerk über den spanischen Bürgerkrieg sollte man gesehen haben.

Die Einkesselung – City 46, Do./Mo./Di. um 19:00 – Kanadische Dokumentation, 160-minütige von Richard Brouillette über den Neoliberalismus und seine Folgen. am Donnerstag mit Einführung und Diskussion.

Charlie Mariano – Last Visits – City 46, Sa./So. 18:00 – Dokumentation über den Saxophonist und Weltmusiker Charlie Mariano.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 07.04. um 20:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 07.04. um 21:45

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Veranstaltungshinweis für Hamburg: „Motifs and Structures in the Cinema of Brian De Palma“

Brian de Palma

Allerorten die gleichen Probleme. Wie wir bei unserer Reihe „Weird Xperience“, ist auch die Kollegen vom Bizarre Cinema in Hamburg auf Mundpropaganda und Bewerbung über Blogs und Soziale Netzwerke angewiesen. Selbst das Highlight ihrer großartigen De-Palma-Retro wird nicht großartig in den „offiziellen“ Medien angekündigt. Darum ereilte mich die Bitte, auch hier auf meinem Blog auf die sehr spannende Veranstaltung an diesem Freitag, den 4. April, im Kino Metropolis hinzuweisen. Was ich einerseits als Kollege und unregelmäßiger Besucher der „Bizarre Cinema“-Reihe und andererseits als großer De-Palma-Liebhaber gerne tue.

Am Freitag werden der australische Filmwissenschaftler Adrian Martin und seine spanische Kollegin Cristina Alvarez Lopez in unserer Nachbarstadt zu Gast sein und nach einem Screening von De Palmas neuestem Werk „Passion“, zu dem sie auch eine Einführung geben werden, ab 21 Uhr mit Filmbeispielen Strukturen und Motive des De Palmaschen Werks erläutern.

Adrian Martin gilt als einer der aufregendsten Filmdenker weltweit, der – laut den Machern von Bizarre Cinema – in seinen unzähligen, fast immer frei im Netz verfügbaren Texten wie kein Zweiter Filme mit einer weitgehend jargonfreien Sprache zu analysieren und in ungewöhnliche theoretische und ästhetische Kontexte zu stellen versteht. Wenn man einen Text von ihm liest, kriegt man Lust darauf, Filme (noch mal) zu sehen, über sie zu sprechen, sie auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen.

Hier der Text aus dem Programm:

Count It Out: Motifs and Structures in the Cinema of Brian De Palma

Eine Weltpremiere: Der australische Filmwissenschaftler Adrian Martin und die spanische Filmkritikerin Cristina Álvarez López präsentieren einen audiovisuellen Essay, der sich mit zentralen Motiven und Strukturen im Werk von Brian De Palma beschäftigt. Der Titel „Count It Out“ hat eine doppelte Bedeutung: Zum einen verweist er auf die Praxis De Palmas, im Schneideraum gemeinsam mit seinen Schnittmeistern die Montage einer Szene durch das rythmische Klopfen seiner Finger vorzugeben. Zum anderen bedeutet er: Listen-Machen, Inventorisieren. Adrian Martin ist zurzeit Gastprofessor an der Frankfurter Goethe-Universität, Autor von sechs Büchern (u.a. „The Mad Max Movies“ und „Once Upon a Time in America“) sowie Tausender von Artikeln und Rezensionen. Cristina Álvarez López ist Filmkritikerin, Künstlerin, Mitherausgeberin des spanischen Online-Magazins „Transit“ (http://cinentransit.com) und wird ab nächstes Semester ebenfalls an der Goethe-Universität unterrichten. Martin und Lopez arbeiten gemeinsam an einem Buch zu De Palma und haben eine Reihe von audiovisuellen Essays zu verschiedenen Filmthemen und Regisseuren produziert (u.a. zu Jean-Pierre Melville, Leos Carax und Philippe Garrel).

4.4., 21 Uhr, freier Eintritt (in engl. Sprache)

Das komplette De-Palma-Programm im April:

http://wayward-cloud.blogspot.de/2014/03/wie-beim-ersten-mal.html

Also, wer am Freitag noch nichts vor hat: Auf nach Hamburg!

Veröffentlicht unter Allgemein, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar