DVD-Rezension: “The Twilight Zone – Die gesamte zweite Staffel”

Twilight Zone 2

Mit der zweiten Staffel der „Twilight Zone“ halten nun zwei entscheidende Merkmale der Serie ihren Einzug, die sie unverwechselbar machten und noch bis heute definieren. Zunächst einmal wurde Bernard Herrmanns Titelmusik aus der ersten Staffel gegen das berühmte „Twilight Zone“-Thema von Marius Constant ausgetauscht. Constants Titelthema wird noch immer in der populären Kultur benutzt, wenn irgendwo merkwürdige, übernatürliche Dinge passieren oder angedeutet werden soll, dass etwas Mysteriöses vor sich geht. Eine ähnliche Bedeutung hat seitdem höchstens noch das „Akte X“-Thema erreichen können. Zum anderen tritt der Erfinder der „Twilight Zone“, Rod Serling, deutlicher in den Vordergrund. In der ersten Staffel hatte er lediglich als Erzählerstimme in die Episoden eingeführt. Nun tritt er selber am Anfang der Folge auf, um den Einführungstext zu sprechen.

In der ersten Staffel begann jede Folge mit den Worten: „There is a fifth dimension, beyond that which is known to man. It is a dimension as vast as space and as timeless as infinity. It is the middle ground between light and shadow, between science and superstition, and it lies between the pit of man’s fears and the summit of his knowledge. This is the dimension of imagination. It is an area which we call the Twilight Zone.“ Dies wurde nun in das heute besser bekanntere „You’re traveling through another dimension, a dimension not only of sight and sound but of mind; a journey into a wondrous land whose boundaries are that of imagination. That’s the signpost up ahead—your next stop, the Twilight Zone.“ geändert. Da es sich bei „Twilight Zone“ um eine für damalige Verhältnisse recht teure Produktion handelte, wurde Serling von seinem Produzenten oftmals genötigt, Geld zu sparen, was dazu führte, dass sechs Episoden dieser Staffel auf billigem Videotape statt auf echtem Film aufgenommen wurden.

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Die zweite Staffel besteht aus 29 Folgen, darunter auch zwei der populärsten „Twilight Zone“-Folgen. „Eye of the Beholder“ und „The Invaders“ und einige weitere, die in der Gunst der Fans ganz weit oben stehen.

Eye of the Beholder“ (Fluch der Schönheit, Folge 42) ist eine klassische Rod-Serling-Episode, in der er seine Lieblingsthemen wie Toleranz und Gleichberechtigung behandelt. Die Folge ist sehr stimmungsvoll gefilmt, lebt von seinen Schattenspielen und natürlich der markanten Stimme von Maxine Stuart, welche die unter Bandagen unkenntliche Hauptperson spielt. Sind die Bandagen dann weg, wird diese von Donna Douglas gespielt. Die Szene in der ihr die Bandagen abgenommen werden ist ausgesprochen stimmungsvoll und unheimlich in Szene gesetzt und wurde später häufig parodiert, z.B. in den „Simpsons“ oder „Family Guy“. Insgesamt fällt diese Episode durch einen sehr gradlinigen und effektiven Ablauf auf, der das scheinbar offensichtliche Geschehen langsam immer mehr verfremdet bis es zu der überraschenden Auflösung kommt. Kennt man allerdings die Pointe, sind die Versuche, diese zu verschleiern, recht auffällig und lenken eher von der eigentlichen Geschichte ab.

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Auch „The Invaders“ (Invasion der Zwerge, Folge 51) handelt von einer Perspektivenverschiebung, ist aber in erster Linie eine grandiose One-Woman-Show von Agnes Moorehead, die hier ganz allein und ohne Dialog agiert. Ihr Kampf gegen die merkwürdigen, kleinen Gestalten, die mit einem UFO auf ihrem Dach gelandet sind, ist einfallsreich und spannend inszeniert. Wieder wird auch auf eine sehr atmosphärische Inszenierung gesetzt, die an den expressionistischen Stummfilm erinnert – wie auch der fast völlig Verzicht auf Sprache. Bedenkt man dann noch, dass die ganze Geschichte in einer räumlich stark begrenzten Szenerie spielt, ist es umso bemerkenswerter, wie kurzweilig dieses formidable Ein-Personen-Stück gelungen ist.

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Sowohl „Eye of the Beholder“ als auch „The Invaders“ wurden von Douglas Heyes in Szene gesetzt. Dieser merkwürdigerweise Zeit seines Lebens nur für das Fernsehen gearbeitet, bis auf eine Ausnahme 1966 als er eine eher bedeutungslose „Beau Gest“-Verfilmung inszenierte. Was schade ist, denn gerade seine „Twilight Zone“-Beiträge zeigen ihn als sehr talentierten Regisseur mit einer Vorliebe für das Kreieren stimmungsvoller, mit ihren Licht- und Schattenspielen an die Klassiker des Film Noir oder der frühen Universal-Horrorfilme gemahnenden, Kabinettstücken. Seine Meisterschaft darin, kommt auch bei „The Howling Man“ (Der Mann in der Zelle, Folge 41) deutlich zum Vorschein. Hier flackern die Fackeln, die Kamera zoomt in verschwitzte Gesichter und kippt gerne mal nach links oder rechts, was den verkanteten Bildern eine traumgleiche Atmosphäre gibt. Genrestar John Carradine gibt sich hier als Bruder Jerome die Ehre und erinnert ein wenig an Ian McKellens Gandalf aus „Der Herr der Ringe“. Auch Robin Hughes als mysteriöser, scheinbar unschuldig eingekerkerte „Howling Man“ weiß mit einer ausbalancierten Darstellung zu gefallen, während Hauptdarsteller H.M. Wynant ein wenig zu sehr Gas gibt. Die hübsche Auflösung – statt Gutes zu tun und jemanden zu retten, wird das Böse über die Welt gebracht – nimmt dann schon ein wenig das Ende von Polanskis „Tanz der Vampire“ vorweg.

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„The Howling Man“ war die erste Episode der zweiten Staffel, die nicht von Rod Serling, sondern von Charles Beaumont geschrieben wurde. Der leider viel zu früh gestorbene Kurzgeschichtenautor zeigt sich auch für die meiner Meinung nach schönste Episode der zweiten Staffel, dem wunderbaren „Long Distance Call“ (Das Spielzeugtelefon, Folge 58), verantwortlich. Hierbei handelt es sich um eine nette, kleine Geschichte über einen Jungen, der mit einem Spielzeugtelefon Kontakt mit seiner toten Großmutter aufnimmt, die ihn gerne bei sich hätte. Die Folge ist ausgezeichnet gespielt. Patricia Smith und vor allem Philip Abbott spielen die besorgten Eltern sehr eindringlich, und Abbotts verzweifeltet Monolog am Spielzeugtelefon bleibt noch lange im Gedächtnis. Ihr kleiner Sohn wird von Bill Mumy verkörpert, der dem heutigen Publikum wahrscheinlich als Lennier in „Babylon 5“ in Erinnerung ist, und im selben Jahr wie „Long Distance Call“ in Alfred Hitchcocks „Bang! You’re Dead“ aus der Reihe „Alfred Hitchcock presents“ ebenfalls einen Jungen mit einem gefährlichen Geburtstagsgeschenk gespielt hatte. Tatsächlich bekommt Mumy hier von seinen Eltern zunächst – wie in dem kurzen Hitchcock-Film – einen Spielzeugrevolver, bevor er dann das Spielzeugtelefon von seiner Großmutter erhält.

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„Long Distance Call“ ist eine von sechs Episoden, die aus Kostengründen in der zweiten Staffel auf billigem Videotape, statt auf Film gedreht wurden. Was man heutzutage leider an der bescheidenen Bildqualität merkt. Eine andere Episode war „Twenty-Two“ (Nummer 22, Folge 53) in der es um einen immer wiederkehrenden Albtraum gibt. Dieser wurde hübsch surreal und gespenstisch in Szene gesetzt. Ebenso wie die recht beachtliche Oberweite der Hauptdarstellerin Barbara Nichols. Der Albtraum, in der die Hauptdarstellerin einer geheimnisvollen Person in den Keller einer Klinik folgt, wo sie plötzlich einer unheimlichen Krankenschwester gegenüber steht, scheint fast eine Blaupause für ähnliche Träume in Wes Cravens Horrorklassiker „Nightmare – Mörderische Träume“ zu sein.

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Wie schon die Box der ersten Staffel, ist auch die bei Koch Media erschienene zweite Staffel eine perfekte Veröffentlichung und ein wahres Füllhorn an Infos und Extras. Nicht nur, dass fast alle Folgen von manchmal mehr als einem Audiokommentar begleitet werden und man sich die Musikspuren auch isoliert anhören kann, auf einer sechsten DVD befinden sich Radiohörspiele einiger Episoden, Interviews mit Beteiligten, zeitgenössische Werbung und eine komplette Folge der Game-Show „Liar’s Club“, die 1969 von Rod Serling moderiert wurde, sowie eine Folge der Serie „Suspense“ von 1953, für die Serling das Drehbuch schrieb.

Die Bildqualität der Folgen ist exzellent, nur die sechs auf Video aufgenommen Folgen fallen hier sehr deutlich ab. Was aber nicht dieser Veröffentlichung, sondern dem Ursprungsmaterial geschuldet ist. Vorbildlich!

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