Crowdfunding-Projekt: “Cordelias Kinder” von Lars Kokemüller

Es ist mir ja schon ein wenig unangenehm, so kurz nach dem Crowdfunding-Aufruf für „Die Traumlande“ schon wieder mit einem Crowdfunding-Projekt um die Ecke zu kommen. Aber a) beruht dieser hier auf einer persönlichen Empfehlung aus berufenem Munde und b) müssen Hanseaten ja zusammenhalten.

„Cordelias Kinder“ heißt das Projekt, welches als Sex, Crime & Cthulu beworben wird. Dahinter steckt die Hamburger Underground-Filmcrew „Radikal & Arrogant“. Das ist zwar ein, wie ich persönlich finde, etwas unglücklicher Name, da zumindest ich lieber in Deckung gehe, wenn sich jemand arrogant nennt und das auch noch gut findet. Aber dahinter – so wurde mir sehr glaubhaft versichert – steckt eine unheimlich sympathische, junge Gruppe, die bereits erste Erfolge feiern konnte. So wird der erste R&A-Film, „Warum Hans Wagner den Sternenhimmel hasst“, von dem Verleih „Drop Out Cinema“ (der in seiner bisherigen Filmauswahl einen ausgezeichneten Geschmack bewies – siehe „Across the River“ und „Blutgletscher“) ins Kino gebracht und die Filmzeitschrift Deadline nannte ihn „ein Film der auf den deutschen Film-Nachwuchs hoffen lässt“. Der zweite Film „Emma hat Flügel“ ist noch unveröffentlicht, wurde vom bekannten Filmkritiker Dietrich Kuhlbrodt aber bereits als „ganz großer Film“ bezeichnet.

Worum geht’s? Ich zitiere mal:

Es geht darin um Cordelia, die ihr Geld mit einer kriminellen Scheinfirma durch Schutzgelderpressung, Vermittlung von Prostituierten und Auftragskillern verdient. Nun ist sie aber zu weit gegangen: Als sie ihren Mann umbringt zieht sie den Hass ihrer jugendlichen Tochter Julia, einer eiskalten Auftragskillerin, auf sich. Auch die polizeilichen Ermittlungen bringen Cordelia in Bedrängnis.
Cordelias 15-jährigen Sohn interessiert das alles derweil gar nicht. Er ist zum ersten Mal so richtig verliebt (in einen der Stricher die für seine Mutter arbeiten). Außerdem findet er im Keller des Hauses eine Tür in eine andere Dimension. Als er sie öffnet nimmt der Schrecken seinen Lauf.

Mit dabei sind: Ulrich Bähnk (Boy-Gobert-Preisträger, „Tatort“, „Neue Vahr Süd“, „Der Landarzt“), Andy Strauß (einziger Star der Poetry-Slam-Szene), Dietrich Kuhlbrodt (bekannt aus fast allen Filmen von Christoph Schlingensief, „Europa“ von Lars von Trier und als „opa16“ Teil der Band „hGich.T“), Anna Berg (R&A Mitbegründerin, in sämtlichen bisherigen Filmen dabei, Hauptrolle in „Emma hat Flügel“), Peter Ohrt (Leiter der renommierten Schauspielschule „Bühnenstudio“) und viele weitere.

Regisseur Lars Kokemüller braucht noch € 3.300,- um richtig loslegen zu können. Bisher sind aber nur €325,- zusammengekommen. Und die Aktion läuft nur noch 21 Tage, es besteht also dringender Handlungsbedarf. Wer Lars unterstützten und mehr über das Projekt erfahren möchte, der klicke nun hier: http://www.startnext.de/cordelias-kinder-spielfilm

Hier noch das Crowdfunding-Video:

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=ph8YTDwWaN0[/youtube]

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Film | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Blu-ray-Rezension: “Cold War”

Cold_War_BDIn Hongkong verschwinden ein mit modernster Technik ausgestatteter Einsatzwagen und fünf Beamte spurlos. Bald schon stellt sich heraus, dass es sich hierbei um eine Entführung handelt und die Polizei erpresst werden soll. Da der Polizeichef auf einer Konferenz in Kopenhagen weilt, hat sein Stellvertreter Lee (Tony Leung Ka Fai), der designierter Nachfolger des Polizeichef ist das Sagen. Lee geht in die Offensive und greift mit harter Hand durch. Der jüngere Lau (Aaron Kwok), ebenfalls Stellvertreter des Polizeichefs und scharf auf dessen Posten, versucht wiederum seine eigene, vorsichtigere Strategie durchzusetzen. Er unterstellt Lee persönliche Motive, da sich dessen Sohn unter den Entführten befindet, und kann so die Macht über den Polizeiapparat gewinnen. Am Ende werden die Geiseln freigelassen, doch das Lösegeld verschwindet und Lau muss viele Verluste hinnehmen. Kurze Zeit später schaltet sich die Interne Ermittlung der Polizei ein und untersucht, ob bei dem Fall alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Sowohl Lee als auch Lau geraten dabei unter Druck…

ColdWar_2896In Hongkong war „Cold War“ der erfolgreichste Film des vergangenen Jahres und räumte bei den Hong Kong Film Awards gleich neun Mal den Hauptpreis ab. In dem leider spärlichen Bonusmaterial der Blu-ray, welches mehr den Charakter von Werbematerial hat, schwärmen die Beteiligten, dass „Cold War“ die Rückkehr zu dem großen Hongkong-Kino der 90er Jahre markieren würde. Nun, das mag dann doch etwas übertrieben sein, allein schon, weil das großen Hongkong-Kino dank Leuten wie Johnnie To auch nie wirklich tot war. An dessen ebenfalls kürzlich in Deutschland erschienenen Film „Drug War“ (Review hier) erinnert „Cold War“ dann auch entfernt. Doch während To seine Protagonisten als Getriebene, als Maschinen ohne familiären Hintergrund zeigt, gehen die beiden Regie-Debütanten Lok Man Leung und Kim-ching Luk (die auch für das Drehbuch verantwortlich sind) etwas andere Wege. Das Familiäre wird zwar auch für die meiste Zeit ausgespart – Hauptdarsteller Aaron Kwok wird alibimäßig eine kurze Szene mit Frau und Tochter gegönnt, Toni Leung ein Sohn zur Seite gestellt – , spielt aber eine nicht ganz unwichtige Rolle. Die Protagonisten gehören auch nicht zum Räderwerk, welches mit tödlicher Präzision ineinander greift, sondern sitzen an den Hebeln, die es in Gang bringen. Die Welt in „Cold War“ ist vor allem die Welt der Büros, der Intrigen und der Machtspiele.

ColdWar_8851Auf Actionszenen muss der Zuschauer deswegen aber nicht verzichten. Diese werden punktuell gesetzt und weisen eine recht unterschiedliche Güte auf. Szenen wie der spektakuläre Unfall zu Beginn des Filmes oder die Explosion der obersten Etagen eines Hochhauses, sind so offensichtlich mit CGI getrickst, dass man sich fragt, ob bei dem sicherlich nicht geringen Budget nicht eine überzeugendere Arbeit möglich gewesen wäre. Auf der anderen Seite gibt es einen Polizeizugriff auf ein Schiff mit Illegalen und vor allem eine rasante Verfolgungsjagd mit anschließender Schießerei in der Mitte des Filmes. Beide Szenen kommen zwar nicht ganz an die Intensität eines Johnnie-To-Films heran, kommen aber durchaus beeindruckend daher. Ansonsten hält sich der Film zurück und lässt die Kamera lieber elegant über Hongkong und die Fassaden der Hochhäuser gleiten. Die Duelle sind dann auch vor allem taktischer Natur. Keiner der Charaktere legt seine wahren Ziele offen, ständig werden Allianzen geschmiedet, gezielte Indiskretionen gestreut und Material gegen den Gegner gesammelt. Die Entführung des Einsatzwagens samt Besatzung und die Übergabe des Lösegelds gerät da schon mal in den Hintergrund und werden von den beiden Hauptkontrahenten als reines Mittel verwendet, um ihre Interessen durchzusetzen.

Folgerichtig wird dieser Plot dann nach der Hälfte des Filmes abgeschlossen und die Handlung konzentriert sich auf die Folgen des Einsatzes. Dass es dabei neben einem geheimnisvollen Informanten, auch noch einen Attentäter gibt, der die Spuren der Täter mit viel Krawum beseitigt, erhöht zwar das Unterhaltungspotential des Filmes, verwässert aber auch die ursprüngliche Intention, auf recht realistische Weise das Funktionieren innerhalb eines Machtapparats zu zeigen. Hier hätte es dem Film sicherlich gut getan, auf spektakuläre Action zu verzichten, und sich weiterhin auf den „kalten Krieg“ im Polizeihauptquartier zu konzentrieren. Auch ist die Auflösung des Ganzen ein wenig enttäuschend. Statt eines überraschenden Knalls, wirkt es am Ende so, als würde man die Luft aus einem übergroßen Luftballon lassen.

ColdWar_8160Auf Seiten der Schauspieler gibt es ein großes Wiedersehen mit den Stars des 90er-Jahre Hongkong-Kinos. Besonders überzeugend, als aalglatter Karrieremensch und Schreibtischtäter ist Aaron Kwok, der seine erste große Rolle in Corey Yuens Fantasyfilm „Silver Fox“ neben Anita Mui und Andy Lau hatte. Eben jener Andy Lau hat in „Cold War“ eine kleine, aber wichtige Rolle als Innenminister. Und an ihm merkt man am Deutlichsten, wie viel Zeit seit der goldenen Ära des Hongkong-Kinos vergangen ist, als er sich in Wong Kar-Wais „As Tears Go By“ oder „Days of Being Wild“ seine Sporen verdiente. Er ist sichtlich gealtert und abgemagert. Trotzdem versprüht er noch immer sein strahlendes Charisma. Ebenso ergeht es Toni Leung, einst der schöne „Chinaman“ in Jean-Jacques Annauds „Der Liebhaber„. Hier ist er als alter Fuchs und stellvertretender Polizeipräsident kaum wieder zu erkennen. Seine Auftritte sind aber noch immer von einer großen Autorität begleitet. Das macht Kwok und Leung zu den idealen Gegenspielern in einer knallharten Machtwelt, in der nur derjenige bestehen kann, der seine Interesse am besten zu verschleiern und durchzusetzen versteht. Leungs Charakter heißt übrigens Waise Lee. Eine Verbeugung vor dem Schauspieler, der in den 80ern und 90ern häufig leitende Polizeibeamte spielte?

„Cold War“ ist eine großbudgetierte Prestige-Produktion, die ihren Schwerpunkt weniger auf furiose Action, als vielmehr eine dichte und verschlungene Handlung legt. Dementsprechend fesseln die Intrigen und Machtspielchen zwischen den beiden Protagonisten mehr, als die Actionszenen mit z.T. für eine solch große Produktion merkwürdig schlampigen CGI. Die Hauptdarsteller Tony Leung und Aaron Kwok sind hervorragend besetzt und liefern sich ein spannendes Duell. Ebenfalls lobend zu erwähnen ist die überaus elegante Kameraarbeit.

Die Blu-ray von OFDb FILMWORKS hat eine hervorragendes Bild und einen glasklaren Ton, bei dem die Soundeffekte gut über die Lautsprecher verteilt sind. Die Extras sind etwas enttäuschend, den hier handelt es sich um kurze Statement-Schnippsel, die zudem von den immer gleichen Ausschnitten eingeleitet werden. Dabei wissen die Interviewten auch nichts wirklich Interessantes über den Film zu erzählen, außer, dass er natürlich ganz, ganz toll ist und eine Ehre in solch einem wunderbaren Film mitzuspielen.

Der Film erscheint auf Blu-ray und DVD am 13. Mai.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Das Bloggen der Anderen (05-05-14)

bartonfink_type2– Dass Animes häufig noch unter dem Vorurteil zu leiden haben, immer nur SF und Fantasy zu verarbeiten, zeigt sich daran, dass uns vom Kino „Der Mohnbumenberg“ für unser „Phantastival“ vorgeschlagen wurde. „Der Mohnblumenberg“ hat nun aber überhaupt nichts mir Phantastik zu tun, sondern ist ein ein laut Oliver Armknecht von film-rezensionen.de eine schöne Coming-Of-Age-Geschichte, die in den 60er Jahren spielt.

– Das polnische Kino liegt mir nah am Herzen, allerdings habe ich es in den letzten beiden Jahren aus den Augen verloren. Darum freut es mich, dass Nina Linkel für critic.de vom filmPOLSKA Festival berichtet.  Und Michael Kienzl führt weiterhin sein Sehtagebuch vom Far East Film Udine 2014. Teil 2 und 3 warten wieder mit einigen Empfehlungen auf.

– Apropos Polen. Neulich habe ich für ein Filmforum eine Liste mit den besten Filmen der 80er Jahren zusammengestellt. Darunter war auch der polnische Film „Wie soll man leben?“von Marcel Lozinski. Dieser wird auch gerade von Bert Rebhandl bei cargo anlässlich einer Aufführung in Berlin, vorgestellt.

– Letzten Dienstag verstarb der großartige britische Schauspieler Bob Hoskins. Der Kinogänger widmet ihm einen Nachruf.

– Im März schrieb Beatrice Behn auf B-Roll einen ganz wunderbaren Artikel über die Freuden des Kinobesuchs. Jetzt holt Martin Beck zum Gegenschlag aus und schreibt darüber, warum es seiner Meinung nach keine Freude ist, ins Kino zu gehen.

– Und auf seinem eigenen Blog, Reihe Sieben, stellt Martin Beck die Dokumentation „Jodorowsky’s Dune“ vor.

– reda stellt auf Der breite Grat die japanische Pinky-Violence-Serie „Girl Boss Blues“ vor, bei der Norifumi Suzuki Regie führte. Den ersten Teil „Queen Bee’s Counterattack“ mochte er ganz gerne, aber der zweite Teil „Queen Bee’s Challenge“ fällt demgegenüber schon ziemlich ab.

– Ein Thema, das scheinbar in Fankreisen zu massiven Aufregungen geführt hat, mich allerdings weniger tangiert (wie wahrscheinlich die Meisten): Das „Star Wars Expended Universe“ wurde mit Ankündigung der neuen Trilogie für tot erklärt. Darüber führen Sascha von PewPewPew und Alexander Matzkeit von real virtuality ein langes und für den in der Komplixität des „EU“ nicht bewanderten recht interessantes Gespräch. Dies wurde sowohl auf PewPewPew als auch auf real virtuality gepostet.

– Jean-Pierre Jeunet hat einen neuen Film gedreht. „Die Karte meiner Träume“ ist eine märchenhafte Kinderbuchverfilmung und Ronny Dombrowki von cineastic.de hat sie gefallen.

– Lukas Foerster hat für Dirty Laundry den Jerry-Cotton-Film „Die Rechnung – Eiskalt serviert“ gesehen und nennt ihn einen „untoten, bundesdeutschen Fiebertraum von Amerika“. Und im Flugzeug sah er eine „ägyptische Ganster-Martial-Arts-Familienmelo-soap-opera“ namens „Abdu Mouta“.

– Fünf Jahre gibt es nun schon Gerold Marks‘ Blog Digitale Leinwand. Eine Bestandsaufnahme.

– 2007 schrieb die Eule ihre erste Filmkritik, die sie nun auf ihrem Filmtagebuch der Eule noch einmal veröffentlicht. Thema: „The Toolbox Murders“. Zusätzlich gibt es noch ein Stuart-Gordon-Triple-Feature und ausführlich Reviews zu so unterschiedlichen Filmen wie „Glen or Glenda“ und Shin’ya Tsukamoto neustem Werk „Kotoko“.

– Zum 90.Geburtstag von Ruth Leuwerik schreibt Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide über „Ein Herz spielt falsch“.

– Alex Klotz macht einem auf hyponosemaschinen mal wieder mit einer spanischen Obskurität den Mund wässrig. Seine Vorstellung von „Las melancólicas“ alias „House of Insane Women“ ist auch hübsch bebildert.

– Eine private Geschichte vorab. Meinen 40. Geburtstag verbrachte ich in Kopenhagen. Und für das runde Lebensjubiläum hatte ich geplant, das „Filmhuset“, die dänische Cinematheque, zu besuchen. Darauf hatte ich mich schon die ganzen Tage vorher gefreut und es sollte in Highlight dieser Reise sein. Leider musste ich am „Filmhuset“ angekommen feststellten, dass dieses im Juli geschlossen hat. Enttäuscht setzte ich mich auf die Stufen vor der Eingangstür und das war’s dann. Dort ereilte mich ein übler Hexenschuss, der den Rest meines Ehrentages zur Qual machte und am Abend statt mit einem Kinobesuch mit einer Arzt-Visite endete. Seitdem ist das Filmhuset für mich zu fixen Idee geworden und diesen September starte ich einen zweiten Versuch. Nun war Rainer von Jugend ohne Film gerade dort und hat einen Bericht geschrieben, der mit allerdings zeigt, dass ich wohl doch nicht soviel verpasst habe, wie ich damals dachte. Patrick Holzapfel befindet sich zur Zeit auf dem Crossing Europe-Festival, wo er nicht nur „Abus de faiblesse“ von Catherine Breillat gesehen hat, sondern sich auch Dario Argentos „Dracula 3D“ gegeben hat. Da er mit dem Genre sowieso nichts anfangen kann, ist gerade dieser Film natürlich nicht unbedingt dazu angetan, dies zu ändern.

– „Der Fluss war einst ein Mensch“ wollte ich mir bei seiner Kinoauswertung sogar auf der großen Leinwand anschauen, bin aber mal wieder nicht dazu gekommen. Hätte ich aber ruhig mal tun sollen, wenn ich Robin Schröders Besprechung auf Mise en Cinéma lese. Ferner wird der deutsche Kurzfilm „Deconstruction of Silence“ von Jakob Gisik vorgestellt, der Robin sehr begeistert hat.

– Berliner-Schule-Regisseur Christoph Hochhäusler schreibt auf seinem Blog Parallel Film über den unbekannten Bogart-Film „Deadline U.S.A.“, der immerhin von Richard Brooks stammt und demnächst bei Pidax erscheint.

– Das war vorhersehbar. Nach Cotton, Wallace und May nimmt sich Oliver Nöding auf Remember It For Later nun die nächste bundesrepublikanische Erfolgsreihe vor: Dr. Mabuse. Es geht los mit „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, den Fritz Lang persönlich inszenierte.

– Remember Magdeburg. Dort fand das 4. Offizielle delirio-italiano.de-Forentreffen statt. Gezeigt wurde auf 35mm das infernalische Dou „Hölle der lebenden Toten“ und „Riffs 3 – Die Ratten von Manhattan“. Gerade letzterer war ein echter Gewinner in dieser Runde. Wie sehr eine positive Umgebung Einfluss auf ein Filmerlebnis hat, wird wieder deutlich, wenn man totalschadens weitaus nüchternere Besprechung dieses Filmes auf Splattertrash liest.

– Wie bleiben in Italien. Bluntwolf erklärt auf Nischenkino ausführlich, was eigentlich ein Poliziotteschi ist.

The Wayward Cloud interviewt die spanische Filmwissenschaftlerin Cristina Álvarez López und den australischen Filmwissenschaftler Adrian Martin, die im Rahmen einer Retrospektive der Filme von Brian De Palma im Hamburger Metropolis-Kino einen Vortrag hielten und als Weltpremiere den 15-minütigen audiovisuellen Essay „De Palma’s Vision“ (Arbeitstitel: „Count It Out“) zu Strukturen und Motiven im Werk des Regisseurs präsentierten.

– Sascha Nolte stellt auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte Thomas Schamonis „Ein grosser blaugrauer Vogel“ vor, der bei Zweitausendeins auf DVD erschienen ist und nach dieser Review sicherlich demnächst in meinem Einkaufskorb landet.

– Wer anläßlich des neuen, amerikanischen „Godzilla“-Films Lust auf das Original hat, kann auf Yzordderrexxiii etwas über die ersten beiden „Millenium“-Godzillas lesen.

Going to the Movies hat „Transcendence“ gesehen und ist maßlos enttäuscht.

– Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen eine neue Folge „Die Besprechungen der Anderen“ am Start. An dieser Stelle Danke für die Erwähnung meiner „In den Klauen der Tiefe“- und „Jin-Roh“-Reviews.

– Aufreger der Woche: Senator wird Jonathan Glazers „Under the Skin“ nicht ins Kino bringen, sondern direkt für das Heimkino auswerten. Mehr darüber von Rochus Wolff auf B-Roll.

– Wichtig: Das „FLUGBLATT FÜR AKTIVISTISCHE FILMKRITIK“, welches Dennis Vetter als einer der Unterzeichner auf Negativ online gestellt hat.

– Zum Abschluss: Auf new filmkritik poetische Texte zu Filmen, von Robert Desnos zwischen 1923 und 1930 veröffentlicht.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Rezension: „Ende“

endeNach 20 Jahren trifft sich eine Gruppe von Jugendfreunden zusammen mit ihren Partnern in einem abgelegenen Haus im Wald wieder. Am Abend brechen alte Ressentiments wieder hervor und es wird sich an einen Vorfall erinnert, der das letzte Treffen in eine Katastrophe verwandelte. In der Nacht kommt es zu einem merkwürdigen Spektakel am Himmel und am nächsten Tag funktionieren die elektrischen Geräte nicht mehr. Zudem ist einer aus der Gruppe verschwunden. Die Gruppe macht sich zu Fuß auf den Weg ins nächste Dorf und muss dabei feststellen, dass sie scheinbar die einzigen noch verblieben Menschen auf der Erde sind…

vlcsnap-00002vlcsnap-00005

Ob man den spanischen Film „Ende“ nun mag oder nach Sichtung am liebsten vor lauter Wut seine Fernbedienung in den Fernseher pfeffern möchte, liegt stark an der Erwartungshaltung. Um also böse Überraschungen zu vermeiden, erzähle ich in diesem ersten Absatz etwas mehr über den Ausgang des Filmes, als ich es allgemein tue. Personen, die dies nicht lesen möchten, rate ich, genau jetzt zum nächsten Absatz zu springen. Allen anderen möchte ich hier schon verraten, dass es in „Ende“ keine Auflösung der mysteriösen Vorgänge gibt. Welche Katastrophe warum eingetreten ist, bleibt ebenso im Dunkeln, wie die Frage, weshalb gerade die Gruppe von alten Jugendfreunden zunächst noch nicht verschwunden ist. Da der Film das Geheimnisvolle recht stark betont, werden die allermeisten natürlich der Erklärung für all dem entgegenfiebern. Welche Rolle spielt hier der „Philosoph“ genannte Angel? Wo sind all die Menschen hin verschwunden? Was ist mit dem Sternenhimmel und wieso laufen überall wilde Tiere herum? Da dem Zuschauer aber jegliche Erklärung konsequent verweigert wird, dürfte es hier und dort zu einigen der oben beschriebenen Frustreaktionen kommen, und dies dürfte auch die überrascht niedrige Wertung in der IMDb erklären. Wer aber damit leben kann, dass man den Film auch als reine Metapher für das Verschwinden von Menschen aus Beziehungen und dem Leben anderer zu sehen ist, der kann auch Freude finden an den wunderbaren Bildern, der rätselhaften Atmosphäre und der Herausforderung, sich auf das alles selber einen Reim zu machen.

vlcsnap-00007vlcsnap-00009

In „Ende“ geht es gar nicht in erster Linie um die Katastrophe und das Verschwinden der Menschheit. Vielmehr ist dies die äußere Visualisierung der inneren Zustände der Protagonisten und ihrer Beziehung zueinander. Wie die Gruppe in der menschenleeren Welt nach der Katastrophe, ist auch jeder dieser Menschen in seinem Leben allein. Felix bezahlt ein junges Mädchen, damit sie als seine Freundin auftritt. Er will um keinen Preis vor den Anderen zugeben müssen, dass er keine Bindung gefunden hat. Raffa hat seine Firma verloren und ist in erster Linie mit sich selbst beschäftigt, Hector ein selbstsüchtiges Arschloch, welches zu echten Gefühlen unfähig ist. Seine Frau Coza lebt neben ihm her, statt mit ihm. Und Sara steht die Einsamkeit ins Gesicht geschrieben. Auch verbindet die ehemaligen Freunde nichts mehr miteinander, als nur die Erinnerung. Verlischt diese, so lösen sich auch die Beziehungen der Menschen untereinander auf und jeder bleibt allein zurück.

vlcsnap-00016vlcsnap-00015

Regisseur Jorge Torregrossa, der zunächst fast ausschließlich mit TV-Serien in Erscheinung getreten ist, gelingt es zusammen mit seinem Kameramann José David Montero starke, visuell betörende Bilder für eine von den Menschen gereinigte Welt, nach der geheimnisvollen Apokalypse zu finden. Die felsige Landschaft, die leeren Häuser und die mit verlassenen Autos gesäumte Straße. Die unendlichen Kornfelder und schlussendlich die verlassene Hafenstadt, verströmen eine ganz spezielle, unbehagliche Stimmung und sind doch zugleich wunderschön. Insbesondere die leeren Gassen der Hafenstadt, die im Mondschein noch verlassener und bedrohlicher aussehen, wecken ungute Erinnerungen an den ebenfalls spanischen „Ein Kind zu töten“ oder die griechische Insel in D’Amatos „Man-Eater“. Da bedarf es dann auch keiner blutigen Details oder pulstreibener Actionsequenzen, um den Zuschauer an seinen Sessel zu fesseln. Ein Löwe, der in einer beinahe surreal anmutenden Szene unvermittelt durch das entvölkerte Städtchen streift, erinnert daran, dass die Zeit des Menschen als Herrscher der Welt abgelaufen ist. Jetzt herrscht wieder die Natur und deren König hat sein Reich zurückerhalten.

vlcsnap-00022vlcsnap-00021

Torregrossa setzt auf eher unbekanntere Gesichter. Der international bekannteste Name ist Maribel Verdú, die in „Pans Labyrinth“ und „Blancanieves“ größere Rollen hatte. Die anderen Schauspieler, wie Hauptdarsteller Daniel Grao, stammen vor allem aus dem spanischen Fernsehen. Für das männliche Top-Model Andrés Velencoso, der den schönen Hugo spielt und dabei ein hübscher Zwillingsbruder von Florian David Fitz aussieht, ist es sogar der erste Film überhaupt. Aber wie alle Darsteller (außer vielleicht Carmen Ruiz, die am Ende dann doch etwas übertreibt) macht er seine Sache sehr gut und die für den Film sehr wichtige Gruppendynamik funktioniert. Man hätte sich allerdings gewünscht, dass der Film nicht so deutlich dem Muster eines Slasher-Filmes folgt. So ist die Reihenfolge des Verschwindens doch recht vorhersehbar, aber wie eingangs erläutert spielen solche Dinge für den Kern des Filmes keine große Rolle und dienen eher dazu den Zuschauer auf eine bewusst falsche Fährte zu locken, auf was dieser aber auch mit einer großen Ablehnung reagieren kann. Deshalb muss man die Frage stellen, ob sich der Film damit ein Gefallen tut, ein so perfektes Spannungsszenario aufzubauen, wenn es ihm doch eigentlich um etwas ganz anderes geht.

vlcsnap-00029vlcsnap-00031

„Ende“ wird die Zuschauer spalten. Während die einen ihn abgrundtief hassen werden, weil er ihnen das Versprochene vorenthält, können die anderen ihn für seine wunderbaren Bilder und philosophischen Fragen mögen. So ist es durchaus möglich, dass gerade die sehr souveräne Regie, die nicht nur eine geheimnisvolle und unheilschwangere Kulisse aufbaut, sondern auch effektiv an der Spannungsschraube dreht, gerade dadurch gegen einen Erfolg beim Publikum arbeitet, weil dadurch eine Erwartungshaltung aufgebaut wird, die das Thema des Filmes verfehlt.

vlcsnap-00035vlcsnap-00037

Leider ist es mir nicht möglich, die DVD selber zu rezensieren, da mit von Pierrot Le Fou lediglich eine Presse-DVD mit Wasserzeichen (siehe Screenshots) und ohne deutsche Tonspur/Extras zur Verfügung gestellt wurde. Laut OFDb soll aber ein „Making Of“ und der Trailer mit an Bord sein.

Veröffentlicht unter Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

DVD-Rezension: „Jin-Roh“

jin-roh10 Jahre nach dem 2. Weltkrieg hat Japan einen unglaublichen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Doch dies hat auch seinen Preis: Immer mehr Menschen ziehen in die Städte und in den Elendsvierteln ist die normale Polizei bald nicht mehr Herr der Lage. In dieser Situation wird eine Spezial-Einheit gegründet: Die „Wolfsbrigade“. Sie räumt in den Elendsviertel mit harter Hand und umfassenden Befugnissen ausgestattet auf. Es kommt zu immer brutaler werdenden Schlachten zwischen „Wolfsbrigade“ – die sich auch innenpolitisch viele Feinde macht – und Aufständischen, die sich „Die Sekte“ nennen. Bei einem dieser Zusammenstöße, wird der Elite-Polizist Fuse Zeuge, wie sich ein junges Mädchen, die als sogenanntes „Rotkäppchen“ die Sekte mit Bomben versorgt, sich vor ihm in die Luft sprengt. Fuse überlebt leicht verletzt, doch das Ereignis scheint etwas in ihm ausgelöst zu haben…

vlcsnap-00005vlcsnap-00006

Als die Anime-Welle Mitte der 90er zunächst zaghaft nach Deutschland schwappte, war ich fasziniert von den japanischen Zeichentrickfilmen, die so ganz anders waren, als das, was ich aus meiner Disney-beeinflussten Kindheit kannte. Ich kaufte mir die damals für teures Geld die in schmalen Bändchen erschienene „Crying Freeman“-Reihe und und besorgte mir aus England importierte Videos, wie den „berüchtigten“ „Legend of the Overfiend„. Bald schon entdeckte ich eine Videothek in der Neustadt, die massenhaft Animes im Keller hortete und zog mir die ganzen – damals dort erhältlichen – Klassiker wie „Appleseed„, „Ninja Scroll„, „Wicked City“ uvm. rein. Als dann der Markt mit Mangas und Animes überschwemmt wurde und sich plötzlich jeder für die japanischen Comics interessierte, erlahmte mein Interesse so plötzlich, wie es gekommen war. Ob ich einfach übersättigt oder ein wenig snobistisch war, möchte ich jetzt nicht näher ergründen. Ab und zu lief mir noch einmal ein Anime über den Weg, letztmalig beim Japanischen Filmfest in Hamburg 2006, wo ich „Paprika“ von Satoshi Kon (an dem übrigens auch „Jin-Roh“-Regisseur Hiroyuki Okiura als Animator mitarbeitete) sah, der mir zwar sehr gut gefiel, mich aber nicht wieder mit dem Anime-Virus infizierte. Selbst bei unserem „Phantastival„, welches zum Abschluss immer Animes zeigte, nutzte ich diesen Programmpunkt, um mich vorzeitig zu verabschieden, und mich nach langen Festivaltagen wieder um meine Familie zu kümmern. Nun habe ich also mal wieder einen Anime gesehen und mir dazu einen echten Klassiker ausgesucht :“Ji-Roh“ von Hiroyuki Okiura, nach einem Drehbuch von Mamoru Oshii. Und dieser hat es geschafft, mich wieder für das Genre zu begeistern.

vlcsnap-00007vlcsnap-00003

Mamoru Oshii ist eine legendäre Gestalt im Anime-Bereich. Sein bekanntester Film dürfte der immens einflussreiche „Ghost in the Shell“ sein. Dabei lernte er Hiroyuki Okiura kennen, der dort als als Animator, Character Designer und Key Animation Supervisor arbeitete. Oshii war so begeistert von der Arbeit, des scheinbar nicht gerade einfachen und dickköpfigen Okiura, dass er ihm die Regie für sein nächsten Projekt, eben „Jin-Roh“, übertrug. Dieser beruht auf zwei Realfilmen, die Oshii Ende der 80er und Anfang der 90er gedreht hatte: „The Red Specticals“ und „Stray Dog„. Beide handeln von einer schwer gepanzerten Eliteeinheit der Polizei, die aber wegen ihrer Brutalität aufgelöst wird und deren Mitglieder eingesperrt oder aus dem Land gejagt werden. Okiura nahm an, aber nur unter der Bedingung, dass auf Basis der beiden Realfilme eine völlig neue Geschichte erzählt wird. So entstand „Jin-Roh“ und aus der Kerberos-Einheit der beiden Vorgänger wurde die „Wolfs-Brigade“, die sich ebenfalls nicht gerade durch Zimperlichkeit hervortut. Zudem wurden „Rotkäppchen“- und „Wolf in Menschengestalt“-Metaphern eingebaut. Die zentrale Frage lautet nun: Was macht einen Mensch zum Menschen?

vlcsnap-00009vlcsnap-00010

Das Drehbuch schlägt dabei immer wieder Haken. Zahlreiche Fraktionen treten auf und arbeiten gegeneinander. Intrigen und Täuschungen prägen das Bild. Bald weiß man nicht mehr, wer auf wessen Seite steht, wer für wen arbeitet und welche geheime Agenda die einzelnen Charaktere verfolgen. Vor allem aber ist nicht klar, wer ist Wolf und wer ist Mensch. Beziehungsweise, kann ein Wolf wieder zum Menschen werden? Hier kommt das „Rotkäppchen“ ins Spiel, welches möglicherweise vom Wolf in die Falle gelockt wird und nicht erkennt, dass es nicht die Großmutter, sondern ihren Killer vor Augen hat. Oder kann der Wolf am Ende Mitleid für das Rotkäppchen empfinden und gegen seine Natur angehen? Mit fortschreitender Handlung wird diese Frage immer wichtiger und sorgt für die große Spannung, die „Jin-Roh“ inne wohnt. Wenn dann am Ende alle Masken gefallen sind, kann die Antwort nur eine zutiefst erschütternde sein. Trotz seiner beeindruckenden Action-Sequenzen und dem großen Blutbad, in dem der Film am Ende versinkt, ist „Jin-Roh“ nämlich ein sehr melancholischer und zutiefst trauriger Film, um den bösen Wolf, der nicht aus seiner Haut kann und dem kleinen Mädchen, das trotzdem noch an das Gute in jedem Lebewesen glaubt.

vlcsnap-00014vlcsnap-00013

Die Geschichte wird visuell hervorragend umgesetzt. Andere Produktionen, die damals zeitgleich erschienen sind, mögen technisch brillanter und detailreicher sein, doch „Jin-Ro“ besticht gerade durch eine raue Dynamik seiner Bilder. Die Actionszenen sind von großer Kraft und lassen einen, auch durch die gelungene Montage, teilweise atemlos zurück. Nebenbei streut Okiura wiederholt fantasievolle Traumsequenzen ein, die immer wieder das Thema „Wolf/Mensch“ aufnehmen und die die Geheimnisse der Protagonisten und ihre späteren Schicksale bereits symbolisch vorweg nehmen.

vlcsnap-00016vlcsnap-00021

„Jin-Roh“ zählt zurecht zu den Klassikern des Anime-Genres. Die spannende, wendungsreiche Geschichte wird mit vielen philosophischen Fragen unterfüttert. Die gut umgesetzten Animationen erreichen vielleicht nicht ganz die Perfektion anderer Prestige-Produktionen, gleichen dies aber durch eine hohe Dynamik und Fantasie aus.

vlcsnap-00023vlcsnap-00026

Die DVD von Splendid hat ein gutes, aber nicht brillantes Bild. Die deutsche Synchronisation ist sehr professionell ausgefallen und man hört viele bekannte Sprecher. Zusätzlich ist aber auch die japanische Tonspur und Untertitel an Bord. Die Extras sind auf eine zweite DVD gepackt worden Dabei sind insbesondere die Statements des Autoren und Produzenten Mamoru Oshii und Regisseur Hiroyuki Okiura im 39-minütigen „Making-Of“ sehr interessant und aufschlussreich. Ferner sind enthalten ein 15-minütiges internationales Promo-Featurette, Trailer und TV-Spots, Originalskizzen und Animationsstudien.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 01.05.14 – 07.05.14

Nachdem in den letzten Wochen ja ganz ordentlich was los war, fahren die Kinos diesmal ihre O-Fassungen ganz deutlich runter. Andererseits steigt auch mal das CineStar in Sachen Originalfassung mit ein. Das finde ich gut.

Die Schadenfreundinnen – Cinemaxx, Fr.+So. immer 20:45 – US-Mainstreamkomödie mit Cameron Diaz. Klingt für mich wie ein Remake von „Club der Teufelinnen“, ist es aber scheinbar nicht. Drei Frauen üben Rache an ihrem untreuen Liebhaber. Regie führt Johns Sohn Nick Cassavetes.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=oDcaZ3StTfI[/youtube]

Transcendence – Cinemaxx, Di., 6.5. um 20:45 & CineStar, So., 4.5. um 20:20 – Regie-Debüt vom oscarprämierten Kameramann Wally Pfister. Johnny Depp spielt einen Wissenschaftler, dem es gelungen ist eine künstliche Intelligenz zu erschaffen. Als er selber bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt wird, wird sein Geist in einen gewaltigen Computer transferiert. Als er seine grenzlose Macht erkennt, werden die Dinge unschön.

Beziehungsweise New York – Schauburg, So., 4.5. um 21:45 – Französische Komödie und Fortsetzung der beiden “Auberge espagnole”-Filme. Die mittlerweile vierzigjährigen Protagonisten erleben Beziehungswirren in New York.

Nächster Halt: Fruitvale Station – Schauburg, Mi. 7.5. um 19:15 – US-Spielfilm über die letzten 24 Stunden im Leben von Oscar Grant, der in der Silvesternacht 2009 Opfer von mutmaßlich rassistisch motivierter Polizeigewalt wurde und in der U-Bahn-Station Fruitvale Station in Oakland, Kalifornien erschossen wurde.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=I2HuCRyVwx0[/youtube]

Nymphomaniac 2  – Schauburg, So., 4.5. um 21:00 – Der zweite Teil des Skandal-Epos des großen Lars von Trier. Mit seiner aktuellen Muse, der fantastischen Charlotte Gainsbourgh in der Hauptrolle. Pflichtprogramm!

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 5.5. um 20:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 5.5. um 21:45

Veröffentlicht unter Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreib einen Kommentar

OFDb FILMWORKS aus Bremen veröffentlicht neue Titel

Abteilung: Nachbarschaftshilfe.

Normalerweise berichte ich hier nicht über anstehende DVD/Blu-ray-Neuerscheinungen. Für die OFDb-FILMWORKS-Mannschaft mache ich diesmal aber mal eine Ausnahme, weil ich einerseits nett darum gebeten wurde, und ich andererseits natürlich einer Bremer Firma gerne behilflich bin. Die Leute aus Bremen-Hastedt bringen wieder einige nette Sachen auf den Markt.

Zunächst erscheint noch einmal „From Beyond“ auf DVD und Blu-ray. Jener wurde ja bereits als Collector’s-Edition veröffentlicht, aber nachdem der Titel vom Index gestrichen wurde, ist er nun überall auch (ungekürzt) als FSK-16-Ausgabe zu bekommen. Die Extras sind identisch mit der Erstausgabe. Meine Review der Erstveröffentlichung gibt es hier zu lesen. Das Ganze ist ab 13. Mai im Handel zu haben.

Cold_War_BD_Sleeve_3dAm 13. Mai kommt auch der Big-Budget-Hochglanz-Thriller „Cold War“ aus Hongkong in den Verkauf. Der Film räumte letztes Jahr ganz gewaltig bei den Hongkong Film Awards ab und war der erfolgreichste Film des Jahres. Eine Review folgt hier demnächst.

Hongkong gilt als Asiens sicherste Stadt und die Polizei scheint unantastbar. Doch dies ändert sich schlagartig, als ein Mannschaftswagen der Polizei samt fünf gut ausgebildeter Polizisten eines abends von Unbekannten entführt wird. Die Entführer, die der Polizei immer neue Forderungen stellen, sind bestens informiert und den Ermittlern stets einen Schritt voraus. Unter den leitenden Beamten, die mit der Operation “Cold War” zur Befreiung der Geiseln betraut worden sind, entbrennt ein Streit über die Zuständigkeiten und das weitere Vorgehen: Verhandeln und im Stillen nach den Entführten suchen oder aggressiv und mit aller Polizeigewalt vorgehen?

Extras: deutscher Trailer, kantonesischer Trailer, Interviews, Making-of. Review folgt in Kürze.

 

Coonskin_BD_Sleeve_3d_FSKAm 10. Juni erscheint ein eher unbekannterer Film von Ralph Bakshi. Nach „Fritz the Cat“ und „Heavy Traffic“ ist „Coonskin“ Bakshis dritter Animationsfilm für Erwachsene. Danach wand er sich dann dem Fantasy-Genre zu. „Coonskin“ ist eine sehr derber Blaxploitaion-Parodie im Stile seiner früheren Filme – mit den Stimmen von Barry White (!) und Scatman Crothers. Extras wird es außer zwei Trailern leider keine geben.

Der exzentrische Prediger “Preacherman” fährt mit seinem Freund Sampson zu einem Gefängnis, um dort dem gemeinsamen
Bekannten Randy zur Flucht zu verhelfen. Während Randy auf seine beiden Fluchthelfer wartet, erzählt ihm ein älterer
Mithäftling eine allegorische Geschichte von drei ähnlich gelagerten Typen: Bruder Hase, Bruder Bär und Prediger Fuchs. Jene drei hatten bisher ebenfalls nur wenig Glück und waren wenig erfolgreich in ihrem Bemühen, an Geld und Reichtum zu gelangen. In Harlem angekommen hoffen sie, daß sich ihr Traum vom großen Geld endlich erfüllen wird. Bruder Hase entwickelt sich zum umtriebigen Gangster und das Trio scheint seinem Ziel langsam näher zu kommen. Doch nicht nur innnere Spannungen sorgen für Probleme, auch von außen droht stets Gefahr, da man sich immer mehr Feinde in der Verbrecherszene macht…

 

BD_3D_The_BodyEbenfalls am 10. Juni erscheint ein Film, auf den ich mich sehr freue: Der spanische Thriller „The Body„, das Regie-Debüt des Drehbuchautoren von „Julias’s Eyes„.

Die Ermittlungen im Zusammenhang mit einem merkwürdigen Unfall führen Inspektor Jaime Peña zum örtlichen Leichenschauhaus. Dort stellt sich heraus, dass der Leichnam der kürzlich verstorbenen Geschäftsfrau MaykaVillaverde spurlos aus dem Kühlraum verschwunden ist. Schnell gerät ihr Ehemann unter Verdacht, in irgendeiner Form in den immer mysteriöser werdenden Fall verwickelt zu sein, ist er doch derjenige, der am meisten vom plötzlichen Dahinscheiden seiner mächtigen, wohlhabenden Ehefrau profitiert. Doch in diesem Fall ist nichts so wie es scheint, und je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto rätselhafter erscheinen die Zusammenhänge…

Als Extras sind Trailer, Making Of, Behind the Scenes, Alternativszenen mit an Bord.

Alle Titel erscheinen sowohl als Blu-ray, als auch DVD.

Veröffentlicht unter DVD, Film | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreib einen Kommentar

Das Bloggen der Anderen (28-04-14)

bartonfink_type2– Alex Klotz mach auf Hard Sensations einem ganz gehörig den Mund wässrig, denn er bespricht den gerade bei Camera Obscura erschienenen Giallo „Neun Gäste für den Tod“, der bisher keine deutsche Auswertung – weder im Kino noch auf Video – erfuhr. Ferner wird auf die „B-Film Basterds 2014“ in Nürnberg vom 9. -11. Mai hingewiesen, wo ich zumindest indirekt anwesend sein werde, denn mein Kurzfilm „Die Wildkatzen von St. Pauli“ wird am letzten Tag der Vorfilm zu „Rock Aliens“ sein.

– Auf Eskalierende Träume schließt Sven Safarow seinen Bericht vom goEast 2014 ab und richtet seinen Schwerpunkt wieder auf polnische Klassiker, was mir sehr gefällt.

– Rainer Kienböck beschäftigt sich auf Jugend ohne Film mit dem „Caligari“-Regisseur Robert Wiene. Der „Caligari“ steht dabei natürlich im Fokus, aber auch Wienes weiteres Werk wird gestreift. Jonathan Glazers „Under the Skin“ wird in Deutschland wahrscheinlich nur auf DVD/BD veröffentlicht und nicht ins Kino kommen. Was sehr schade ist, besonders wenn man Patrick Holzapfels Besprechung des Filmes liest.

– Damit es nicht soweit kommt und „Under the Skin“ doch noch auf die große Leinwand findet, gibt es bereits eine Initiative, von der Sascha auf PewPewPew berichtet.

– Da wäre ich auch gerne hingefahren und wäre ich noch flexibel und nicht durch familiäre Verpflichtungen die meiste Zeit an meine Heimatstadt gekettet, wäre ich auch dort gewesen. Terza Visone – Das erste Festival des italienischen Genrefilms in Nürnberg. Immerhin kann ich aber einerseits den schönen Bericht von Sebastian Selig auf Negativ lesen und anderseits habe ich schon eine ähnliche Veranstaltung in Nürnberg gebucht, die im Oktober stattfindet. Das lindert den Schmerz.

– Michael Kienzl war für critic.de in Udine auf dem Far East Film.

– Alida Warzecha ist auf Daumenkino ähnlich von Paul Schraders „The Canyons“ enttäuscht, wie ich es damals war (siehe hier).

– Udo Rotenberg geht fremd und schreibt auf project-equinox über Denis Villeneuves albtraumartigen „Enemy“, der – wie ich jetzt erst realisiere – auf einem Roman des großartigen Literaturnobelpreisträgers José Saramago beruht.

– Auf seinem eigenen Blog L’amore in cittá hat er wieder einen Belmondo am Wickel. Den großartigen „Angst über der Stadt“ von Henri Verneuil. Einer Mischung aus italienischem Polizeifilm und Giallo… aus Frankreich!

– Michael Schleeh begibt sich auf Schneeland ins Indien der 50er Jahre. Schon damals war Bollywood eine mächtige Filmindustrie und versorgte das Land mit zahlreichen Klassiker. Z.B. „Devdas“, einem immer und immer wieder verfilmten Stoff (die Version von 1955 ist schon die siebte!) und den Polizeifilm „C.I.D.“ von 1956. Spannend!

– Oliver Nöding beendet auf Remember It For Later seine Karl-May-Retrospektive mit dem endgültig letzten Film „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“. Ferner hat er mit „Insidious: Chapter 2“ einen echten Stinker und mit Fritz Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“ ein verehrungswürdiges Meisterwerk gesehen.

– Als er damals ins Kino kam, fand ich ihn einfach toll. Den Konkurrenz-Bond „Sag niemals nie“. Als ich ihn vielen Jahre später auf DVD wiedersah, war ich doch ziemlich enttäuscht. Sir Donnerbold geht auf Sir Donnerbolds Bagatellen ebenfalls hart mit dem Film ins Gericht.

– „Das Syndikat“ ist ein ebenso wichtiger, wie großartiger italienischer Polizeifilm, der darüber hinaus immanent wichtig für das Genre war. Totalschaden sieht das auf Splattertrash ebenso. Dafür kommen „Inferno unter heißer Sonne“ und leider auch Francos „Die sieben Frauen der Sumuru“ (der ungerechtfertigterweise innerhalb der Tele5-Reihe „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ lief) nicht ganz so gut weg.

– Auch „Kurzbesprechungen“ sind auf Whoknows presents sehr viel länger und gehaltvoller als auf anderen Seiten. Etwas, was Manfred Polak mit seiner Besprechung des Films „Die schönste Soiree meines Lebens“ von Ettore Scola gerade wieder beweist. Übrigens ist diese italienische Komödie eine Dürrematt-Verfilmung, was sich sehr bemerkenswert finde.

– Na na na, Frau Stelter. „Barry Lyndon“ zum Lieblingsfilm erklären und noch gar nicht vollständig gesehen haben? Das macht man aber nicht. Aber nun gut, dieser Umstand ist ja jetzt für Die Filme, die ich rief beseitigt worden.

– Letztes Jahr habe ich oft über den belgischen Film „Borgman“ gelesen, ihn dann aber wieder vergessen. Komm und sieh hat mich jetzt wieder daran erinnert, dass man sich den mal ansehen sollte. Was allerdings mangels deutscher Veröffentlichung schwer gemacht wird. Ebenfalls gerne sehen würde ich „Jodorowsky’s Dune“, der leider auch ohne deutschen Start ist. Bereits gesehen habe ich allerdings „Across the River“ – der letztes Jahr auf unserem „Phantastival“ in Bremen lief, dort leider nur sehr, sehr wenig Zuschauer hatte – aber uns nachhaltig begeisterte. Und wie ich lesen kann, waren nicht nur wir sehr erfreut über den Film.

– Für das „Phantastival“ hatten wir uns auch sehr bemüht „Bad Milo!“ zu bekommen, aber das war damals noch unmöglich. Jetzt hat der krude Film eine deutsche Veröffentlichung spendiert bekommen, die Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de bespricht. Ferner: Seine Meinung über Xan Cassavetes „Kiss of the Damned“, den ich letztes Jahr in Oldenburg mit zwiespältigen Gefühlen sah (siehe hier).

– „Ein Fest für Fans deftig, öliger Italo-Action der 70er.“ Wovon spricht Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte? Natürlich von Fernando di Leos tollem „Der Mafiaboss“.

– Ich hatte einmal eine Phase, in der ich mich intensiv mit dem „Cinema of Transgression“ auseinander gesetzt habe. Der Desinteressierte Schmock von Stubenhockerei steckt scheinbar gerade mitten drin und hat sich das Kino des Nick Zedd vorgenommen. Danach braucht man dann etwas komplett anderes und da eignet sich Tatis wunderbarer „Playtime“ doch dann bestens.

– Das Warten auf „Sin City: A Dame to Kill For“ hat sich Going To the Movies mit Frank Millers „The Spirit“ verkürzt. Scheinbar keine gute Idee.

– Alexander Matzkeit war fünf Tage lang für kino-zeit.de auf dem Internationale Trickfilmfestival Stuttgart. Auf seinem eigenen Blog real virtuality findet man die Links zu seinen Berichten.

– Rochus Wolff schreibt auf B-Roll über den doch sehr konservativen Kinderfilm, wo es in der Regel keinen Platz für alternative Lebensentwürfe gibt.

– PD und YP unterhalten sich auf Film im Dialog über Nick-Hornby-Verfilmungen.

– cutrin hat für filmsosophie einen Videoclip ausgegraben, der eine informative BBC-Sendung über Andrei Tarkovsky ausgegraben, die nur wenige Monate nach dessen Tod ausgestrahlt wurde.

– Russische Märchenfilme haben einen ganz eigenen Flair, den man schlecht beschreiben kann. Die Eule versucht es auf Filmtagebuch der Eule trotzdem und bespricht „Die steinerne Blume“ von 1946.

– Ich mag es gar nicht zugeben, aber Sion Sono ist noch immer ein ziemlich unbeschriebenen Blatt in meinem persönlichen Filmbuch. Bis auf „Himizu“ (Kritik hier) habe ich da noch nichts gesehen. Und jetzt gibt es schon wieder ein neues Werk namens „Why don’t you play in hell?“, welches Robin Schröder auf Mise en cinéma rezensiert. Muss ich wohl doch mal ran…

– vannorden beschäftigt sich auf the-gaffer mit „Der zerrissene Vorhang“, der allgemein zu Hitchcocks schwächeren Werken gezählt wird. vannorden findet aber auch einige interessante Aspekte, jenseits der berühmten Mordszene.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | 4 Kommentare

Blu-ray Rezension: “In den Klauen der Tiefe“

Layout 1Während einer archäologischen Ausgrabung irgendwo in Asien, entdecken Dr. Roger Bentley (John Agar) und sein Team ein geheimnisvolles Artefakt, welches sie zu den Ruinen einer untergegangenen Zivilisation hoch in den Bergen führt. Durch ein Erdbeben entdecken sie zufällig einen Zugang zum Inneren des Berges, welcher tief hinab unter die Erdoberfläche führt. Dort treffen sie auf die Nachfahren der Sumerer, die einst vor einer großen Flut in die Berge flüchteten und nun schon seit vielen Jahrhunderten unter der Erde leben. Durch die lange Zeit ohne Sonne haben sie ihre Pigmente verloren und sind extrem lichtempfindlich geworden. Dies nutz Bentley aus, den mithilfe seiner Taschenlampe kann er ihnen vorgaukeln von ihrer Göttin Ishtar geschickt worden zu sein. Bald schon stellen Dr. Roger Bentley und seine Männer fest, dass noch ein anderes Volk hier lebt: Das unheimliche Maulwurf-Volk, welches von den Sumerern gnadenlos ausgebeutet wird…

Virgil W. Vogel war eigentlich bei Universal für den Schnitt verantwortlich, fühlte sich aber zu Höherem berufen und wurde 1956 tatsächlich das erste Mal mit der Regie eines Spielfilms betraut. „In den Klauen der Tiefe“ war ein kleiner B-Film, aber für Vogel durchaus der Start zu einer veritablen Karriere im Regie-Fach, wobei er sich hier schon bald auf das Fernsehen konzentrierte und bis 1996 bei zahlreichen TV-Serien, wie „Miami Vice„, „Magnum“ oder „Airwolf“ mitmischte. Auch der Drehbuchautor László Görög kam vom Fernsehen und arbeitete fast ausschließlich in diesem Medium. „In den Klauen der Tiefe“ war, wie auch der im folgenden Jahr – wieder mit Virgil W. Vogel auf dem Regiestuhl – entstandene „Der Flug zur Hölle“ und „Earth Vs. the Spider„, einer seiner sehr seltenen Spielfilm-Ausflüge. Interessanterweise erinnert „In den Klauen der Tiefe“ auch an eine TV-Serie. Konkret an „Raumschiff Enterprise„. Der von John Agar gespielte Dr. Roger Bentley könnte ein Vorfahre von Captain Kirk sein, sein von Hugh Beaumont gespielter Partner Dr. Jud Bellamin erinnert stark an Dr. McCoy. Auch die fremde, autoritäre Kultur, der demokratische, amerikanische Werte beigebracht werden müssen, erinnert an so manch vergleichbare Situation in der legendären SF-Serie. Und natürlich tragen die unwirklichen, als solche deutliche zu erkennenden, Matte-Paintings und Felsenkulissen zu diesem Gefühl bei.

Interessant ist es, wie „In den Klauen der Tiefe“ mit dem im englischen Original titelgebenden „Maulwurf-Volk“ umgeht. Dies wird zwar aufgrund seines Aussehens zunächst als Monster eingeführt, dann aber relativ bald als unglückliches Opfer der bösen Sumerer (die als Albinos übrigens weißer als weiß sind) offenbart. Die Art, wie das (schwarze) Maulwurf-Volk als Sklaven und Wesen zweiter Klasse gehalten wird, erinnert natürlich an das Schicksal der Afro-Amerikaner, was sicherlich auch so gewollt ist. Somit kann „In den Klauen der Tiefe“ zusammen mit seinen manchmal etwas pathetischen Helden-Monologen über Freiheit und Gleichheit, durchaus als Plädoyer gegen Rassismus und autoritäre Systeme verstanden werden. Also genau die Dinge, die auch Gene Roddenberry in „Raumschiff Enterprise“ predigte. Vor diesem Hintergrund ist es schwer zu verstehen, was man in der IMDb unter „Trivia“ zu diesem Film lesen kann. Dort steht, dass das Ende auf Druck der Produzenten abgeändert wurde, weil man vermeiden wollte, dass der Eindruck einer gemischt-rassigen Beziehung entstehen könnte. Da sieht man wieder einmal, wie weit die hehren amerikanischen Werte, die das alte Hollywood gerne predigte, und die amerikanische Wirklichkeit auseinander klafften.

Zwar merkt man „In den Klauen der Tiefe“ zu jeder Zeit seinen Status als preisgünstiger B-Film an, aber Virgil W. Vogel macht das Beste daraus und versucht gar nicht erst, diese Tatsache zu verschleiern. Stattdessen wird alles in den Film geworfen, was Unterhaltung und Extravaganzen verspricht. Angefangen mit einer herrlichen Szene, in der Dr. Frank C. Baxter allerlei Theorien über die Beschaffenheit des Erdinneren erläutert. Diese sind so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass sogar er hier und da heimlich schmunzeln muss. Baxter war ein Professor für die englische Sprache an der University of Southern California. Bekannt wurde er allerdings durch das Fernsehen, wo er ab 1956 als „Dr. Research“ in der „The Bell Laboratory Science“-Serie auftrat. Später werden im Film dann munter sumerische Legenden, Gottheiten, biblische Bezüge, ein vergessenes Volk unter der Erde und das unheimliche Maulwurf-Volk mit in den Topf mit einer unterhaltsamen Fantasy-Suppe geworfen.

Den Helden gibt der B-Film-Held John Agar. Agar hatte eine interessante Karriere gemacht. Bekannt wurde er als Ehemann von Shirley Temple. Agars Schwester war einen Klassenkameradin von Temple und so begleitete der damalige Soldat und Fitness-Trainer die Hollywood-Bekanntheit zu einer Party. Kurz darauf heirateten die Beiden und beherrschten die Schlagzeilen der Klatschblätter. Der Nicht-Schauspieler Agar wurde daraufhin zusammen mit seiner Ehefrau für eine größere Rolle in dem John-Wayne/John-Ford-Klassiker „Bis zum letzten Mann“ engagiert, wo er ihren Verehrer spielte. Fünf Jahre später wurde die Ehe geschieden. Grund war u.a. der schwere Alkoholismus Agars. Der gutaussehende Agar bekam sein Problem aber wieder in den Griff und blieb mit Hilfe seines Freundes John Wayne im Filmgeschäft. Ab Mitte der 50er Jahre wurde er in vielen B-Filmen in der Hauptrolle besetzt. Unter diesen Filmen waren u.a. „Tarantula“ und „Die Rache des Ungeheuers„. Aber auch in Western und Kriegsfilmen war häufig als Held besetzt. Sein sympathisches Motto dabei lautete: „I don’t resent being identified with B science fiction movies at all. Why should I? Even though they were not considered top of the line, for those people that like sci-fi, I guess they were fun. My whole feeling about working as an actor is, if I give anybody any enjoyment, I’m doing my job, and that’s what counts.“(1)

„In den Klauen der Tiefe“ ist ein kleiner Film mit billigen Kulissen und eher niedlichen Monstern der preisgünstigen Sorte. Auf die Suche nach zwingenden Logik sollte man sich hier auch nicht unbedingt begeben. Der einführende Monolog zeigt schon, in welche Richtung das Ganze geht. Nichtsdestotrotz ist der Film sehr unterhaltsam ausgefallen und versprüht mit seiner etwas holprigen „Demokratie und Freiheit“-Botschaft heutzutage einen naiv-nostalgischen Charme, wie man ihn von alten „Raumschiff Enterprise“-Folgen her kennt.

Das Bild der Blu-ray ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist das Bild sehr scharf, aber man hat an einigen Stellen das Gefühl, als würde ein feines Netz über dem Bild liegen. Neben dem englischen O-Ton wurde für die letztjährige DVD-Auswertung eine deutsche Synchronisation erstellt, die sich wirklich hören lassen kann. Neben bekannten Sprechern wurde auch darauf geachtet, dass sich der Ton „echt“ anhört und nicht so kalt-unnatürlich ohne echte Hintergrundgeräusche, wie man es z.B. bei den deutschen Vertonungen, die ARD und ZDF in den 80ern und 90ern einigen Klassikern verpasst hatten. Hier klingt alles sehr harmonisch. Kompliment. Schade ist allerdings, dass es die tollen Extras der DVD-Ausgabe nicht auf die Blu-ray geschafft haben. Hier findet man nun nur zwei Trailer. Dafür ist die Blu-ray aber auch günstiger als ihr DVD-Pendant.

(1) IMDb

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “Die Rocker von der Boston-Street“

Die-Rocker-von-der-Boston-Street-Rough-Boys-Cover-A

Eine Rocker-Bande macht Station in einem kleinen Städchen irgendwo in den USA. Dort gibt es rasch Ärger mit den Bewohnern und vor allem der Polizei, die die Rocker aus dem Städtchen wirft und einen aus der Gang festnimmt und. Als dieser am nächsten Tag entlassen wird, kommt er jenseits der Stadtgrenze auf mysteriöse Weise ums Leben. Seine Freunde beerdigen ihn und schwören die Umstände seines Todes aufzudecken…

vlcsnap-00199vlcsnap-00200

Eine „Boston Street“ ist hier nirgendwo zu sehen und das Cover ziert Helmut Berger aus Massimo Dallamanos „Das Bildnis des Dorian Gray„. Im Original hat der Film dann auch den schönen Titel „Angels Die Hard„, später wurde daraus irgendwann auch einmal „Rough Boys“. Hinter diesem Titelwirrwarr steckt der erste Film, der von Rogers Cormans damals neu gegründete Firma New World Pictures produziert wurde. Corman gab hier viele junge Talente ihre erste Chance, wie z.B. Jonathan Demme, Jonathan Kaplan, Joe Dante oder auch Ron Howard und Martin Scorsese. „Die Rocker von der Boston Street“-Regisseur Richard Compton ist kein solch bekannter Name, kann aber auf eine sehr lange und erfolgreiche Karriere als TV-Regisseur zurückblicken, in deren Verlauf er bis zu seinem Tod 2007 zahlreiche Folge nahezu aller bekannten US-Serien inszenierte. „Die Rocker von der Boston Street“ hängt sich natürlich an den Erfolg der zahlreichen „Rocker“- und „Angels“-Filme, die Corman in den Jahren zuvor noch für AIP produziert und teilweise selbst inszeniert hatte. Ferner wird sich auch kräftig bei „Easy Rider“ bedient. So erinnert der gutbürgerlichen Leichenbestatter, der hier von Alan DeWitt als Witzfigur gespielt wird, an den Jack Nicholson-Charakter aus Dennis Hoppers Kultfilm.

vlcsnap-00207vlcsnap-00214

Diese krude Mischung aus dem freiheitsliebenden Hippie-Plädoyer „Easy Rider“ und den bösen Rockerfilmen ala „Die wilden Engel“, macht es dem Film allerdings auch schwer. Denn die „Rocker“ werden hier zwar zunächst als bedrohliche Gefahr und gefährliche Outlaws eingeführt, doch dann wandeln sie sich plötzlich in nette Typen, die doch nur in Ruhe gelassen und ihr freies Leben führen wollen. Nun ist es aber leider nicht etwa so, dass Regisseur Compton den Zuschauer zunächst bewusst durch die stereotype Vorurteile der „braven Bürger“ und bekannte Situationen aus einschlägigen Filmen in die Irren führen will, um ihm dann vielleicht durch einen Kunstgriff den Spiegel der eigenen Voreingenommenheit vor das Gesicht zu halten. Es scheint eher so, als ob er selber nicht genau wusste, wie er mit seiner Rocker-Bande umgehen sollte. Zu Beginn kommt es z.B. zu einer Vergewaltigung. Diese wird dann dadurch etwas abgemildert, dass dabei reichlich mit Spaghetti herumgeworfen wird, was dem ganzen eine seltsam slapstickartige Stimmung gibt. Trotzdem handeln die Rocker hier rücksichtslos und brutal.

vlcsnap-00218vlcsnap-00216

Wenn man später darauf wartet, dass sie den Tod eines ihrer Mitglieder rächen werden und über die Stadt herfallen, so wird man davon überrascht, dass außer viel Gerede nichts dabei herum kommt. Stattdessen wird der Spieß jetzt umgedreht und die Rednecks des Städtchens ganz klar als die Bösen identifiziert. Die Rocker hingegen werden auf einmal harmlose Hippies inszeniert, die mit viel Gras nette Happenings feiern. Als sie dann noch selbstlos und ganz selbstverständlich dabei helfen, einen in einer Mine eingeschlossenen Jungen zu retten, sind sie endgültig zu zwar wilden, aber aufrechten Außenseitern mutiert, die trotz der harten Schale das Herz am rechten Fleck haben. So wundert es dann auch nicht, dass sie im erstaunlich blutig geratenen Finale ihre Gefährlichkeit vollkommen eingebüßt haben.

vlcsnap-00224vlcsnap-00236

Aber nicht nur diese widersprüchliche Charakterisierung der Protagonisten arbeitet gegen den Film. Auch die vielen Szenen, in denen nichts anderes gezeigt wird, als Rocker, die stundenlang auf ihren Motorrädern durch die Gegend fahren (der Beginn, der ausschließlich solche Bilder zeigt, dauert zum Beispiel fast sieben Minuten), bremsen den Film immer wieder aus. Merkwürdige Einfälle, wie die Beerdigung indem dem Verstorbenen durch kollektives auf den Sarg pinkeln gehuldigt wird, sorgen eher für Erheiterung. Ebenso wie das maßlos überzogene Spiel des einzigen großen Namens im Cast: Dem Peckinpah-Veteranen und tragen nicht viel zur Stimmung bei. R.G. Armstrong, der hier mit sehr viel Hingabe und Energie das böse Redneck-Arschloch spielt, befindet sich in seiner Darstellung auch schon weit jenseits der Grenze zur Parodie.

vlcsnap-00231vlcsnap-00235

Ein weiterer bekannter Name taucht in den Credits auf: Dan Haggerty, besser bekannt als Grizzly Adams aus der Serie „Der Mann in den Bergen“. Haggerty hatte zu dieser Zeit in einigen Filmen Mitglieder von Rocker-Banden gegeben. Hier hat er zwar keine große Rolle, ist aber gut zu erkennen, da er mit seinem Vollbart und den langen Haaren schon exakt so aussieht, wie seine berühmte Fernsehfigur Jahre später. Als hübscher Blickfang ist Connie Nelson dabei, die her zwar als kommender Star in den Credits angekündigt wird, tatsächlich danach nur noch in Al Adamsons „Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein“ zu sehen war. Der charismatische Wilhelm Smith hingegen ist auch noch heute sehr aktiv und kann auf eine lange und arbeitsreiche Karriere als Darsteller in B-, C- und Z-Filmen zurückblicken, die nun schon über 70 (!) Jahre andauert.

vlcsnap-00233vlcsnap-00201

„Die Rocker von der Boston Street“ ist ein lupenreiner Grindhouse-Trasher von der Art, wie sie heute zwar häufig von jungen Filmemachern als „Hommage“ imitiert werden, an deren eigenartig raue, immer irgendwie amateurhaft wirkende, Mischung aus saftiger Exploitation und dezenter Langeweile, diese aber niemals heran reichen können. Ein Stück Zeitdokument aus der Ära der Drive-Ins und billigem Sensationskino.

vlcsnap-00243vlcsnap-00234

Das Bild der bei CMV in der Reihe „Trash Collection“ erschienen DVD, ist dann auch konsequenterweise im original Grindhouse-Look. D.h. offensichtlich von einer alten, nicht mehr ganz optimalen Filmkopie gezogen, was aber ganz hervorragend zu dieser Art Film passt. Nicht umsonst bemüht man sich heutzutage bei einschlägigen Produktionen ja, genau diesen Look durch allerlei technische Trickserien auf digital gedrehte Produkte zu bringen. Der englische Ton ist dumpf und schwer verstädnlich. Der deutsche Ton demgegenüber sehr viel klarer und mit bekannten stimmen besetzt. Bonus gibt es soweit nicht, aber der DVD liegt ein zweiter Spielfilm bei, der thematisch gut zu „Die Rocker von der Boston Street“ passt.

Waren „Die Rocker“ 70er-Jahre-Bahnhofskino, ist der Bonusfilm „Die Hyänen“ dann 80er-Videofutter pur. Allerdings, das muss man sagen, eher von der langweiligen Sorte. Obwohl mit Lance Henrikson in der Hauptrolle reizvoll und mit George Kennedy, Karen Black, William Forsythe und Richard Lynch durchaus prominent besetzt, merkt man leider allen Beteiligten an, dass sie nicht die geringste Lust auf den Film hatten. George Kennedy spielt seine Rolle im Rollstuhl und man hat das Gefühl, dies tut er nur, weil er zu faul, war aufzustehen. Karen Black wird von der Regie nicht davon abgehalten, völlig außer Rand und Band zu agieren und Lance Henriksen macht sich scheinbar einen Spaß daraus, sich möglichst seltsam zu bewegen. Wobei seine skurrilen Kampfszenen schon sehenswert sind. Obwohl die Story durchaus Potential für unterhaltsame Action-Gülle hat, kurbelt Regisseur Simon Nuchtern sie lustlos und konventionell runter. Schade um den guten Cast und die Story, die durchaus das Potential für mehr hatte. Warum der Film nur als Bonus-Beigabe verwendet wurde, ist recht schnell zu sehen. Die Bildqualität ist auf dem Niveau einer VHS-Kopie. Recht verschwommen und milchig.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Ein Kommentar