Bericht vom 22. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

MatratzeDer zweite Tag in Oldenburg begann naturgemäß sehr viel entspannter, als der chaotische erste Tag. In netter Begleitung meines „Weird Xperience“-Kompagnons Stefan und seiner reizenden Frau ging es zunächst wieder in den Theaterhof, wo uns der serbische „Travelator“ erwartete, den ich am Vortag für den guten „Dixieland“ hatte sausen lassen.

Travelator: Slav, ein junger serbischer Mann, der Champion in Ego-Shooter-Wettbewerben ist, wird nach Las Vegas geschickt, wo er einen echten Tötungsauftrag ausführen soll. Hier lebt ein korrupter serbischer Politiker im Zeugenschutzprogramm. Der junge Attentäter verliert sich zunächst in der Glitzerstadt und beginnt eine Liebesaffäre mit einer Prostituierten. Doch dann schreitet er doch noch zur Tat…

Der Film war im Vorberichterstattung des Festivals mehrmals positiv erwähnt worden und im Programmheft als „Taxi Driver meets Blade Runner“ angekündigt worden. Bei der anschließenden Q&A hätte ich den anwesenden Regisseur gerne mal gefragt, was er denkt, wenn er solch einen Quatsch liest. Ich habe es dann aber gelassen. Die Frage ist allerdings berechtigt, denn der Film hat weder mit „Taxi Driver“ (mit sehr viel gutem Willen kann man das abschließende Massaker als Parallele sehen, aber dazu gehört schon viel Fantasie), noch mit „Blade Runner“ (Las Vegas als futuristischer Moloch?) etwas zu tun. Davon einmal abgesehen ist „Travelator“ ein Film mit viel Licht und leider auch viel Schatten.

Zunächst der Schatten: Die Bilder sind zwar schön, aber Weiterlesen

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Bericht vom 22. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

HerzWie mittlerweile gut eingeübt, begann das diesjährige Internationale Filmfest Oldenburg für mich wieder erst am 3. Tag, dem Freitag. Doch im Gegensatz zu den Vorjahren, sollte der Beginn nicht nur hektisch, sondern auch recht frustrierend werden. An meiner Planung lag es nicht, dass ich in Oldenburg ziemlich ins Schwitzen geriet. Ich hatte mir genug Zeit eingeplant, um gemütlich meine Akkreditierung abzuholen, kurz mal zu Schauen, wer den so von den bekannten Gesichtern alles da ist, um dann entspannt ins Kino zu schlurfen. Ausgesucht hatte ich mir den äthiopischen Endzeitfilm „Crumbs“, der nicht nur zentral gelegen im CineK in der Kulturetage lief, sondern mit 68 Minuten auch so angenehm kurz war, dass man danach noch genug Zeit gehabt hätte, um in der Oldenburger Innenstadt eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Zudem war mir der Film auch sehr ans Herz gelegt worden, weshalb ich mich schon sehr auf diesen Auftakt gefreut hatte.

Ein Parkplatz direkt vor der Kulturetage machte das Glück zunächst perfekt, doch dann… Als ich in die Kulturetage kam, fiel mir auf, dass es nirgendwo Hinweisschilder bezüglich des Festivalbüros gab. Also habe ich erst einmal brav in der Schlange vor der Kasse gewartet, um zu fragen, wo sich dieses denn in diesem Jahr befände. Antwort: Weit weg am Pferdemarkt. Zu Fuß nicht machbar und auch mit dem Auto würde es knapp werden, Weiterlesen

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Das Bloggen der Anderen (12-10-15)

bartonfink_type2–  In der vergangenen Woche verstarb die belgische Filmemacherin Chantal Akerman. Ihr zu Ehren haben Patrick Holzapfel auf B-Roll und Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog jeweils einen ausführlichen Nachruf veröffentlicht.

– Letzte Woche fand auch das Filmfest Hamburg statt. Aus diversen Gründen war ich dort seit vielen Jahren nicht mehr, freue mich aber über die interessanten Berichte, die Till Kadritzke auf critic.de, die Bloggerin von Zeilenkino, Patrick Holzapfel/Rainer Kienböck von Jugend ohne Film  hinterlassen haben.

– Rochus Wolff macht sich auf B-Roll Gedanken über die Sehgewohnheiten heutiger Kinder und wie dies den Kinderfilm beeinflusst – oder andersherum.

– Frédéric Jaeger schreibt auf critic.de über den Kino- und Kulturabbau bei der hessischen Filmförderung.

– Auf filmgazette führt Wolfgang Nierlin ein Gespräch mit Regisseur Lars Kraume über dessen „Der Staat gegen Fritz Bauer“, dann verreißt Dietrich Kuhlbrodt den Film.

– Super. Dank dem US-„Godzilla“ werden auch in Japan wieder Monsterfilme gedreht. Martin Beck auf Reihe Sieben mit ersten Infos zu „Gamera 2016“.

– Einer der Gründe für meine längere Internet-Abstinenz war das wieder ganz wundervolle Deliria-Italiano-Forentreffen, welches diesmal in Wien stattfand und wo wir u.a. den schönen „Top Job“ sahen. Udo Rotenberg von L’amore in cittá war auch dabei und stellt den Film vor.

– Auch in Wien dabei war Mauritia Mayer, die auf ihrem Blog Schattenlichter den unterhaltsamen „Die Insel der neuen Monster“ von Sergio Martino bespricht.

– Auf seinem Blog Grün ist die Heide vergleicht Udo die beiden Versionen von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Einmal mit die von 1954 mit Hans Albers, und dann Rolf Olsens Exploitation-Variante mit Curd Jürgens von 1969.

– Lukas Foerster hat für Dirty Laundry „Zirkus Renz“ von Arthur Maria Rabenalt aus dem Jahre 1943 gesehen.

– Oliver Nöding von Remember It For Later sah den Film “Stridulum” aus dem „Beyond-Belief-Bereich“, der ihn allerdings nicht ganz so überzeugte. Dafür hat er sich in Michael Winners „Hannibal Brooks“ mit Oliver Reed verliebt und erklärt „Drei Schwedinnen in Oberbayern“ von Siggi Götz zum Meisterwerk.

– Auf Nischenkino schreibt Sebastian zunächst über „Die Rache der Cammora“, um dann an den jungen Mickey Rourke und „Auf den Schwingen des Todes“ zu erinnern.

– Der steht auch noch auf meiner „To-Do-Liste“: Der britische Horrorfilm „Raw Meat“ alias „Tunnel der lebenden Leiche“. Sebastian von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte hat ihn gesehen.

– Ebenfalls lange von mir gesucht: Der Lowlow-Budget Horrorstreifen „Death Bed“ aus den späten 70ern, der von Peter Schneider auf Mostly Movies vorgestellt wird.

– Von Ben Wheatley hört man ja (fast) nur Gutes. Bisher liegt nur sein „Sightseers“ (leider noch verpackt) hier. Nach der Appetit machenden „Kill List“-Besprechung auf Mise en cinéma muss ich mir den Herrn wohl mal genauer vornehmen.

– Zu meinen erklärten Lieblingen gehört ja auch die „Wundertüte“ Takashi Miike, dessen neuster Streich „Yakuza Apocalypse“ von Andrey Arnold auf Jugend ohne Film vorgestellt wird. Auch er mag Miike und zeigt sich begeistert.

– Michael Schleeh empfiehlt auf Hard Sensations „The Club“ von Pablo Larraín, der bei der Berlinale 2015 den Silbernen Bären gewonnen hat.

– Auf seinem eigenen Blog Schneeland, legt er seinen Lesern das japanische Drama „100 Yen Love“ ans Herz und findet den Actioner „Skin Trade“ mit der unglaublichen Paarung Dolph Lundgren und Tony Jaa sehr unterhaltsam.

– Auf Deep Red Radio wird auf die erste deutsche Werkschau zu H.P.Lovecraft hingewiesen, die zwischen dem 3. Und 7. November in Braunschweig stattfindet.

Rüdiger Suchsland im Gespräch mit Jutta Hagedorn für die Mittelbadische Zeitung über seinen Film „Von Caligari zu Hitler“. Nachzulesen auf Negativ.

– Noch ein Laurel&Hardy-Nachklapp auf Die Nacht der lebenden Texte: Diesmal „Auf hoher See“. Außerdem hat sich Volker mit dem Asylum-Trasher „3-Headed Shark Attack“ beschäftigt, der beweist, dass sich Danny Trejo mittlerweile für nichts mehr zu schade ist.

Going to the movies ist begeistert von der Horror-Romanze „Spring“.

– YP und PD diskutieren auf Film im Dialog den Film „Everest“, des isländischen Regisseurs Baltasar Kormákur, der seit geraumer Zeit in Hollywood filmt.

– Die Retros auf Cereality gehen weiter: Hans W. Geißendörfers bislang letzter Film „In der Welt habt ihr Angst“ und David Cronenbergs „Die Fliege“.

Schlombies Filmbesprechungen bringt eine neue Ausgabe seiner Link-Sammlung „Die Besprechungen der Anderen“.

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In eigener Sache: Kurze Sendepause

Sicherlich hat sich der eine oder andere Stammleser schon gewundert, weshalb letzte Woche „Das Bloggen der Anderen“ noch einmal ausfiel, und der letzte Blogeintrag auch schon wieder etwas länger her ist. Die Antwort ist so einfach, wie schmerzhaft: Es fehlt mir einerseits an der Zeit, andererseits bin ich zurzeit einfach platt. Das Bloggen ist ja (leider, muss ich sagen – auch in Anbetracht der Zeit, Mühe und Liebe, die ich in das Filmforum Bremen stecke und die Freude, die es mir macht) nicht mein Beruf.  Und da Letzterer momentan auf unterschiedlichen Ebenen sehr belastend ist, fehlte mir oftmals die Kraft, mich abends oder auf der Heimfahrt im Zug noch zu einem Text aufzuraffen. An meiner Kritik zu „Love Exposure“ zum Beispiel sitze ich nun schon seit zwei Wochen. Das hat nichts damit zu tun, dass mir das Bloggen keinen Spaß mehr machen würde. Im Gegenteil, ärgert es mich ziemlich, dass ich in den letzten zwei Wochen nicht hier nicht so aktiv sein konnte, wie ich es sein möchte. Aber es hilft nichts. Ich muss mir eingestehen, dass ich dringend eine Pause brauche, denn ich fühle mich vollkommen ausgelaugt und muss jetzt erst einmal tief durchatmen. Dabei hilft es ungemein, dass ich jetzt erst einmal fast drei Wochen Urlaub habe. Die ersten Urlaubstage habe ich schon auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg verbracht, morgen geht es mit der Familie an die Nordsee. Und dann steht am 2. und 3. Oktober noch das Deliria-Italiano-Forentreffen in Wien an, auf welches ich mich sehr freue. Dann habe ich noch ein, zwei Tage Ruhe bis es wieder zurück ins Büro geht. Ich denke bis dahin habe ich dann auch den Kopf frei bekommen und neue Kräfte gesammelt. Ich werde in der Zwischenzeit aber nicht völlig untätig sein, endlich meine „Love Exposure“-Besprechung beenden und vielleicht noch zwei andere, die ich in der Pipeline habe. Dann kommt natürlich noch der Bericht aus Oldenburg und eventuell zwei Buchbesprechungen. Aber da lasse ich mir Zeit und schreibe erst daran, wenn mir danach ist. Die nächsten drei Wochen gehören jetzt erst einmal nur mir und meiner Familie.

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“Weird Xperience”: Morgen im Lagerhaus/etage3 – ein Herschell-Gordon-Lewis-Double-Feature

Wie die meisten sicherlich wissen, organisiere ich seit einigen Jahren zusammen mit meinem Kollegen Stefan die Kino-Reihe „Weird Xperience“. Am 11. September feiern wir Premiere in unserer neuen Spielstätte, der etage3 im Kulturzentrum Lagerhaus. Für das erste Mal haben wir, zusammen mit unserem neuen Gang-Mitglied Andreas, etwas besonderes im Programm: Ein Herschell-Gordon-Lewis-Double-Feature.

Herschell Gordon Lewis ist nicht nur der „Erfinder“ des Gore-Films, sondern für den Papst des schlechten Geschmacks, John Waters, einer der beiden größten Regisseure der USA. Der andere ist Russ Meyer, mit dessen „Faster Pussycat, kill, kill..“ wir unsere Reihe vor vier Jahren im City 46 begannen. Da ist es nur logisch, wenn die erste Vorstellung in der etage3 sich nun dem Herrn Lewis widmet.

two-thousand-maniacsWir starten mit einem seiner bekanntesten Film: „Two Thousand Maniacs!“, den er selber als seinen gelungensten Film ansieht. Hier geht es um eine Gruppe Touristen aus dem Norden der USA, die es in die kleine Stadt Pleasant Valley im tiefsten Redneck-Süden verschlägt. Dort sollen sie die Ehrengäste einer großen Feier sein, die dem 100sten Jahrestag der Zerstörung der Stadt durch Yankee-Truppen gedenkt. Mit größter Freundlichkeit und Zuvorkommen werden die Gäste von den Bewohnern des Städtchens Pleasant Valley empfangen. Da wir uns aber in einem von Herschell Gordon Lewis Gorefilmen befinden und dieser auch noch „Two Thousand Maniacs!“ (mit Ausrufezeichen) befinden, kann man sich denken, dass hinter der südstaatlichen Gastfreundschaft ein blutiges Geheimnis steckt…

Mit „She-Devils On Wheels“ drehte Lewis 1968 einen hierzulande wenig bekannten Beitrag zum weiblichen Biker-Gang-Film. Die Regeln der female Outlaw Gang The Man Eaters sind einfach: Die schnellste Bikerin sucht sich einen Mann aus für eine Nacht aus und verlieben ist nicht. Als Neuzugang Karen letztere Regel bricht, bekommt das ihrem Favoriten schlecht und sie muss ihre Loyalität beweisen. Die Lage spitzt sich weiter zu, als plötzlich eine männliche Biker Gang auftaucht und den Man Eaters ihr Territorium streitig macht. Herschell Gordon Lewis mischt in diesem Film she-devils-on-wheelstypische Juvenile-Delinquency-Elemente mit Horror und Gewalt und lässt dies alles in ein großartiges Finale münden.

Nachdem Herr Lewis seine Karriere mit einer Reihe Nudisten-Filme begann und dann mit seinem frühen Splatterfilmen Kultstatus erlangte, wandte er sich Ende der 60er auch „sozial relevanten“ Themen zu. Allerdings in der ihm eigenen Art. D.h. viel Exploitation und wenig Geld. Neben Jugendkriminalität, Geburtenkontrolle, Frauentausch oder der Musikindustrie, eben auch den populären Bikerfilmen. Nebenbei inszenierte er noch Kinderfilme (!), bevor er 1970 wieder zum Geschmatter zurückkehrte. Nach einer langen Pause in den 80er und 90er Jahren, war er im neuen Jahrtausend mit der Fortsetzung seines ersten Hits „Blood Feast“ und der splatterigen „Uh! Oh! Show“ wieder zurück auf dem Regiestuhl.

Einlass ist am Freitag, den 11. September ab 20:00. Die Show beginnt um 20:30 Uhr. Natürlich gibt es von Stefan und mir vorweg wieder eine kleine Einführung und nach dem zweiten Film haut Euch Andreas alias DJ Wolfinger die passenden Töne um die Ohren. Wer noch Lust hat zu bleiben, kann das Tanzbein schwingen oder sich gemütlich niederlassen, um bei einem süffigen Getränk ein wenig zu

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Das Bloggen der Anderen (07-09-15)

bartonfink_type2– Wie der eine oder andere vielleicht gemerkt hat, fiel „Das Bloggen der Anderen“ in der letzten Woche aus. Grund hierfür ist, dass ich momentan beruflich und privat so stark eingespannt bin, dass ich zeitnahe Artikel oftmals nicht mehr zustande bringe. D.h. ich muss mich auf Postings konzentrieren, die ich – wann immer es die Zeit erlaubt – vorschreiben und mit einem gewissen zeitlichen Verzug veröffentlichen kann. Darunter leidet zurzeit die Tagesaktualität, zu der ich neben „Das Bloggen der Anderen“ und der O-Ton-Übersicht auch die Nachrufe zähle. Besonders weh getan hat mir in diesem Zusammenhang, dass ich nichts zum Tode von Wes Craven geschrieben habe, obwohl mich dieser getroffen hat. Dafür waren aber die Kollegen sehr rege. Hier die gesammelten Nachrufe auf Wes Craven aus den deutschsprachigen Blogs: Rajko Burchardt auf Fünf FilmfreundeAndreas Köhnemann auf B-Roll. souli auf Die drei Muscheln. Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog.

– Michael Sennhauser ist mit Sennhausers Filmblog zurzeit in Venedig auf den dortigen Filmfestspielen. Dort hat er „The Danish Girl“, den er schön, aber konventionell findet und „Everest“ gesehen. Zu letzterem schreibt er: „Das ist grosses Bergkino, unglaublich dramatisch und spannend, nie aber beherrscht von zu viel hollywoodscher Dramatik.“

– In Venedig befindet sich auch Rüdiger Suchsland für Negativ. Er findet Venedig in den bisher zwei Folgen seines Sehtagebuchs vor allem extrem lässig.

– Ein Sehtagebuch betreibt auch Nina Linkel, die für critic.de auf dem 13. Internationalen Festival für Animationsfilm in Baden unterwegs ist und dort u.a den neuen Film von Bill Plympton gesehen hat. Michael Kienzl schreibt über eine Retrospektive, die dem Neuen Jugoslawischen Film gewidmet ist. h Und Silvia Szymanski berichtet in einem wunderbaren Text über ihre Erlebnisse in einem Pornokino in Brüssel.

– Urs Spörri hält auf B-Roll ein Plädoyer für den mittellangen Film (20 Minuten bis eine Stunde), der auf Festivals aufgrund des ungewöhnlichen Formats fast nie eine Chance hat. Lucas Barwenczik hat viel Lesenswertes über Alexei German und seinen letzten Film „Es ist schwer ein Gott zu sein“ zusammengetragen.

– Juli empfiehlt auf ihrem Blog Pieces of Emotion die aktuelle Tim-Burton-Ausstellung in Brühl.

– Sven Safarow schreibt über: Das merkwürdige Merchandise-Produkt „Buch zum Film„.

Warum hab‘ ich bloß 2 x ja gesagt? Fragte sich der italienische Komiker Lando Buzzanca 1969 in einem Film von Franz Antel. Udo Rotenberg stellt diese deutsch-italienische-Produktion in der u.a. Willy Millowitsch als italienischer Minister und Heinz Erhart auftreten, auf Grün ist die Heide vor.

– In der Regel weise ich nicht darauf hin, dass andere auf irgendwelche YouTube-videos hinweisen. Bei den Fünf Filmfreunden mache ich eine Ausnahme, weil das empfohlene Mash-up-Video „Hell’s Club“ wirklich gelungen ist.

– Himmel! Von „Sharknado“ gibt es schon Teil 3? Und 4 ist in der Mache. Da lese ich kurz Volker Schönenbergers Kritik auf Die Nacht der lebenden Texte und weiß, warum ich mir den nicht ansehe.  Dann doch lieber zum x-ten Mal das Meisterwerk „Die Marx Brothers im Krieg“!

– Oder den großartigen Lieblingsfilm „Spider Baby or The Maddest Story Ever Told“, den Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte bespricht.

– Nach einer Begegnung mit dem Filmemacher Pedro Costa unterhalten sich Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film und Michael Guarneri über die Filme, die Herr Costas empfohlen oder nur erwähnt hatte (auf Englisch). Patrick nochmal über die Simenon-Verfilmung „La Nuit du carrefour“ von Jean Renoir.

– Auf Film im Dialog unterhalten sich YP und PD über Apichatpong Weerasethakul und seinen Film „Mekong Hotel“.

– Florian Krautkrämer hat auf Daumenkino so seine Probleme mit Terrence Malicks „The Knight of Cups“.

– Bluntwolf hält „Das schwarze Reptil“ zwar nicht für den großen Wurf (was ich nicht unterschreiben würde), empfiehlt den ungewöhnlichen Hammer-Film aber trotzdem auf Nischenkino (was ich wiederum unterschreiben würde).

– Totalschaden von Splattertrash hat sich dem spektakulär betitelten „Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“ angenommen, dessen O-Titel „La settima donna“ die Sache eher trifft.

– Nach dem sehr ungewöhnlichen und obskuren Steve-McQueen-Film „An Enemy oft he People“ nach Ibsen, hat sich Oliver Nöding auf Remember It For Later einigen Filmen von John Carpenter angenommen. Neben dem explosiven Meisterwerk „Das Ende“ auch die unterschätzten „Elvis“ und „Starman“.

– Apropos Ibsen: In der empfehlenswerten Hans W. Geißendörfer-Retro auf Cereality wird dessen Ibsen-Adaption „Die Wildente“ besprochen. Ansonsten machen die Besprechungen dieses Filmes und auch von „Die gläserne Zelle“ nach Highsmith Lust, sich näher mit Geißendörfers Werk zu beschäftigen.  Zu dem meisterhaften „Crash“ von Cronenberg wird übrigens auch etwas geschrieben. h

– Oliver Armknecht empfiehlt auf film-rezensionen.de den Anime „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“.

– Und Mise en cinéma legt seinen Lesern den stillen koreanischen SF-Film „Nabi“ ans Herz.

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Blu-ray-Rezension: “Das Omen des Bösen”

omendesboesenXu Nuo (Ti Lung) ist Vorarbeiter einer großen Baufirma. Diese gehört der jungen, attraktiven Witwe Luo Yin (Lily Li), die mehr als ein Auge auf Xu Nuo geworfen hat. Zu ihrem großen Verdruss, steht dieser aber treu zu seiner Verlobten Quming (Tien Ni). Luo Yin selber wird von dem schmierigen Jiajie (Lo Lieh) umworben, der es auf ihr Vermögen abgesehen hat. Als Jiajie trotz aller Bemühungen von Luo Yin herausgeworfen wird, wendet er sich an den Schwarzmagier Shian Mei (Ku Feng). Dieser versorgt Jiajie mit einem Liebestrank und tatsächlich scheint Jiajies Plan zunächst aufzugehen. Doch Luo Yin kommt schnell hinter seine List. Nun will sie selber Shian Meis Dienste in Anspruch nehmen, um an einen Zauber zu kommen, der Xu Nuo für immer an sie binden soll…

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Allgemein werden die Filme des legendären Shaw Brothers Studio immer gleich dem Genre des „Kung-Fu-Films“ zugerechnet. Aber natürlich waren sie auch in anderen Bereichen tätig, wie dem Musical oder der romantischen Komödie. Unter Fans genießen auch die von den Shaw Brothers produzierten Horrorfilme einen hohen Stellenwert. Einer der Wegbereiter dieses Genres war der 1975 entstandenen „Das Omen des Bösen“. Dieser fällt noch relativ harmlos aus, bedenkt man die herben Geschmacklosigkeiten, die in späteren Horror-Filmen der Shaws noch folgen sollten. Bei allzu zarten Gemütern mit Gewürm-Aversion dürfte jedoch auch „Das Omen des Bösen“ seine Wirkung nicht verfehlen. Denn hier kriecht und krabbelt es an allen Ecken und Enden. Gerne auch mal unter der Haut eines armen Opfers. Und die Anfangssequenz, in der ein böser Zauberer als Zutaten für seine Beschwörung den Kopf und die Bauchdecke einer gut abgehangenen Leiche nutzt, hat man so zur damaligen Zeit auch noch nicht oft gesehen. Daher dürfte „Das Omen des Bösen“ zur Zeit seiner Entstehung durchaus Ekel- und Skandalpotential gehabt haben.

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Für letzteres sorgt der überraschend deutliche Umgang mit der Sexualität. Dass es bei den Begehrlichkeiten der „Fluch-Besteller“ vor allem um die Befriedigung fleischlicher Gelüste geht, daran besteht nie ein Zweifel. Dies gilt auch für den bösen Zauberer Shian Mei, der von Ku Feng, trotz der Tatsache, dass er in einer Holzhütte im Wald lebt, durchaus weltmännisch dargestellt wird. Ku Feng spielt ihn mehr als alternativen Arzt, denn als waldschratiger Hexenmeister. Aber auch die respektabel erscheinende Fassade, kann Shian Meis wahre Gelüste nicht verbergen. Mit großen, gierigen Augen melkt er die Brüste der Frauen und steigt mit seiner Klientin nach einem Liebeszauber gleich höchst selbst ins Bett. Dem schmierigen Jiajie geht es zwar in erster Linie ums Geld, aber dass für ihn der Sex mit der reichen und attraktiven Luo Yin mit zum Gesamtpaket gehört, ist von vornherein klar. Luo Yin selber geht für einen gut aussehenden Liebessklaven sowieso sprichwörtlich über Leichen.

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Demgegenüber hängen die positiven Figuren der Geschichte Idee von Romantik und Liebe nach, sind aber gleichzeitig schrecklich langweilig und fade. Gegen die von Lily Li gespielte Schlange Luo Yin, kann die doch sehr bieder daherkommende Quming keinen Stich machen, selbst wenn sie von der gut aussehenden Tien Ni gespielt wird. Auch Ti Lung als Xu Nuo wirkt seltsam asexuell. Während er in seinen Martial-Arts-Rollen unter Chang Cheh und Chu Yuan immer eine Menge männliche Erotik mitbrachte, wirkt er hier leb- und lustlos wie Gummipuppe. Natürlich wird er unter dem Einfluss des Liebeszaubers zum willenlosen Sexsklaven, doch selbst hier wirkt er hölzern und von seinem sonstigen Charisma fehlt hier jede Spur. Entweder ist sein Xu Nuo lieb wie ein Teddy oder wird fluchbeladen zum steifen Zombie. Die einzige Figur auf Seiten der Guten, die so etwas wie eine Identifikationsfigur darstellt ist der gute Zauberer, der wie eine Mischung aus gutem Onkel und Weihnachtsmann daherkommt. Dass er den Bösen dann aber gleich haushoch überlegen ist, trägt zur Spannung der Geschichte allerdings nicht viel bei.

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In Szene gesetzt wurde „Das Omen des Bösen“ von Ho Meng Hua, eines der interessantesten Talente bei den Shaw Brothers. Als er in den 70ern anfing, für die Shaws die unglaublichsten Filme zu inszenieren, war er schon 50 und hatte seit 1958 unzählige Filme in den unterschiedlichsten Genres gedreht. Nun konzentrierte er sich zunächst auf Martial-Arts-Film, ließ hier aber schon seinen Sinn für das Ungewöhnliche, das seltsam Bizarre und die Extraportion Grausamkeit einfließen. Wie in „The Flying Guillotine“, den er 1975 drehte. Nach „Das Omen des Bösen“ stieg er rasch zu einem der führenden Horror-Regisseur der Shaw Brothers auf und lieferte mit dem unglaublichen „Black Magic 2“ – der bisher leider nicht in Deutschland erschienen ist – mit der gleichen Besetzung eine Fortsetzung ab, die das Original an Obskurität, Hysterie und Unappetitlichkeit klar in den Schatten stellt. Auch sein „Oily Maniac“ und die King-Kong-Variante „Der Koloss von Konga“ (mit Evelyne Kraft) fallen unter die Rubrik: Muss man gesehen haben, um es zu glauben. Was auch für sein 1984 entstandenes Spätwerk „The Rape After“ gilt.

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Der erste Film einer langen Reihe von „Black Magic“-inspirierten Filmen fällt vergleichsweise harmlos aus, bedenkt man, was da noch kommen sollte. Obwohl die Geschichte sehr vorhersehbar ist und sich die Helden als recht fade erweisen, können die Darstellungen auf Seiten der Bösen, sowie einige unangenehme Ekeleffekte den Film ohne große Langweile über die Zeit bringen.

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„Das Omen des Bösen“ ist der dritte Titel, den filmArt innerhalb ihrer Shaw-Brothers-Collection herausgebracht hat. Wieder in einer Blu-ray-/DVD-Kombo. Erfrischend, dass unter dem Logo der Shaw-Brothers einmal nicht das zu erwartende Kung-Fu-Epos, sondern auch einmal ein Film aus einem anderen Genre veröffentlicht wurde. Da gibt es ja noch eine ganze Menge zu entdecken, auch wenn die wenigsten dieser Filme es irgendwann einmal nach Deutschland geschafft hatten. Die Bildqualität ist wie gewohnt vom Feinsten. Es liegt die gute alte Kinosynchronisation (einmal gefiltert, einmal ungefiltert) vor, die sich zwar ab und zu in zeittypischen Schnoddrigkeiten verliert, ansonsten aber sehr angenehm zu hören ist. Des Weiteren ist auch die Mandarin-Tonspur mit dabei. Extras gibt es bis auf Trailer leider keine, dafür liegt ein nett anzusehendes Booklet mit dem kompletten Aushangfoto-Satz vor. Laut OFDb gibt es aber noch die VHS-Fassung (96:38 min) als Hidden Feature.

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Gastrezension: „Ex Machina“

Kaum konnte ich hier die erste Gastrezenison verkünden, schon folgt der zweite Streich. Diesmal hat Simon Kyprianou – der auch Gastautor bei „Die Nacht der lebenden Texte“ und Autor bei „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ ist – einen Beitrag verfasst. Ich hoffe, er gefällt Euch.

Ex Machina – Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Gastrezenion von Simon Kyprianou

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Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt in seiner Firma an einem Gewinnspiel, das es dem 26-Jährigen ermöglicht, eine Woche mit dem öffentlichkeitsscheuen, allseits bewunderten Konzernchef Nathan (Oscar Isaac) zu verbringen. Ein Hubschrauber setzt Caleb inmitten wilder Natur ab. Das riesige Areal befindet sich in Nathans Besitz, völlig abgeschieden steht dort sein hochmodernes Anwesen. In dieser Einöde also werden Caleb und Nathan eine Woche miteinander verbringen.

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Der zurückhaltende Caleb …

Bald schon offenbart Nathan, dass nicht das Gewinnspiel der Grund für Calebs Anwesenheit ist, sondern ein ganz anderer: Obwohl er sich immer mehr als cholerischer Alkoholiker entpuppt, ist es Nathan gelungen, die perfekte künstliche Intelligenz herzustellen: in Gestalt des Androiden Ava (Alicia Vikander) – eines mechanischen Skeletts, überzogen mit hautähnlicher Substanz, das in einer Zelle im Kellergewölbe des Hauses untergebracht ist.

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… kommt in das Haus in der Einöde …

Caleb soll mit dem Turing-Test die Vollkommenheit des Androiden bestätigen. Doch während er mit Ava Gespräche führt, wachsen in der Einöde die Spannungen: zwischen Ava und den Menschen, aber auch zwischen Caleb und Nathan. Caleb entdeckt, dass Nathan schon einige Vorgängermodelle gebaut hat, weniger intelligent, die er als Sexsklavinnen hält. Ava ihrerseits versucht, Caleb zu verführen, um ihre Flucht zu ermöglichen.

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… wo Nathan ihm seine neuesten Forschungsergebnisse zeigt

„Ex Machina“ ist ein kluger Film über künstliche Intelligenz, der erste kluge Film über dieses Thema seit Langem. In seiner ersten Regiearbeit vermeidet es der britische Autor Alex Garland („The Beach“, „28 Days Later“), die Thematik zu vereinfachen. Er fürchtet sich nicht vor ihrer Komplexität und versucht gar nicht erst, Antworten zu finden, sondern stellt Fragen und eröffnet Denkräume: Die allumfassende Überwachung, die derzeit so heiß diskutiert wird, ist Grundlage für das Gehirn der Androiden. Nathan arbeitet mit einer Telefonfirma zusammen, um Daten illegal zu sammeln und zusammenzuführen.

 

Sind Androiden unser Untergang?

Wenn die Androiden sklavenähnlich ausgebeutet werden, liegen Bezüge zum Umgang zwischen Menschen nahe. Die Androiden werden aber auch als potenzieller selbsterschaffener Untergang dargestellt, obwohl Garland ihr Potenzial niemals verleugnet. Er macht es sich also nicht so einfach wie Neill Blomkamp in „Chappie“, – sie sind bei Garland keineswegs Alternative zum Menschen.

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Kann Android Ava lieben?

„Ex Machina“ ist wunderbar präzise geschrieben und inszeniert. Die Isolation und die langsam fortschreitende Eskalation beobachtet Garland mit bedrohlicher Langsamkeit. Und wenn es am Ende im labyrinthischen Kellergewölbe zur Katastrophe kommt, dessen in rotes Licht getauchte Gänge Garland filmt wie Stanley Kubrick die Hotelgänge in „Shining“, dann ist „Ex Machina“ längst kein Science-Fiction-Film mehr, sondern ein reinrassiger, furchteinflößender Horrorfilm.

Veröffentlichung: 3. September 2015 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Ex Machina
GB 2015
Regie: Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
Besetzung: Alicia Vikander, Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Corey Johnson, Sonoya Mizuno, Claire Selby, Symara A. Templeman, Tiffany Pisani, Gana Bayarsaikhan, Elina Alminas
Zusatzmaterial: Die Handlung, Die Besetzung, Das Design, Die Entstehung von AVA, Der Turing Test
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Fotos & Packshot: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

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Blu-ray-Rezension: „“The Twilight Zone – Die gesamte vierte Staffel”

twilightzone4Das vierte Jahr sollte für die „Twilight Zone“ ein schwieriges werden. Ein letztes Mal wurde das berühmte Intro geändert, welches ab jetzt lautete: „You unlock this door with the key of imagination. Beyond it is another dimension: a dimension of sound, a dimension of sight, a dimension of mind. You’re moving into a land of both shadow and substance, of things and ideas; you’ve just crossed over into the Twilight Zone.“ Der produzierende Sender CBS beschloss, die vierte Staffel als Ersatz für die Comedy-Serie „Fair Exchange“ zu nutzen. Diese lief allerdings eine Stunde (inklusive Werbung), als doppelt so lang wie eine „Twilight Zone“-Folge. Dies hatte zwei Konsequenzen: Es wurden nur 18 statt wie sonst über 30 Folgen produziert. Und auch die „Twilight Zone“ hatte nun eine Stunde zu laufen, um den freiwerdenden Sendeplatz auszufüllen. Eine Entscheidung, die beim Schöpfer, Moderator und Hauptautoren der Sendung gar nicht gut ankam. Schon früh beschwerte er sich darüber, dass die einzelnen Folgen nun mit „Seifenopern-Elementen“ auf Länge gebracht werden müssten, und der Zuschauer in der ersten Viertelstunde gar nicht wüsste, ober nun die „Twilight Zone“ oder eine populäre Drama-Serie sehen würde. Und tatsächlich bekam die längere Laufzeit der Sendung nicht besonders. Dies ist vor allem in den ersten Folgen der vierten Staffel sehr offensichtlich. Während sich die erste Folge noch gut schlägt, leiden insbesondere die beiden folgenden Episoden sehr unter zu viel Laufzeit.

In „In His Image“ (Wie ein Spiegelbild, Folge 103), der ersten Folge der vierten Staffel geht es um ein typisches „Twilight Zone“-Thema. Ein Mann kehrt mit seiner Verlobten in seine Heimatstadt zurück. Dort scheint nicht nur die Zeit plötzlich 20 Jahre nach vorne gesprungen zu sein, es erinnert sich auch niemand mehr an ihn. Im Haus seiner Tante wohnt ein fremder Mann und die Gräber seiner Eltern sind auf dem Friedhof verschwunden. Um die Nettospielzeit von knapp über 50 Minuten zu füllen,wird dies alles sehr ausführlich erzählt. Ein guter Plot-Twist im letzten Drittel bringt aber wieder Tempo in die Geschichte und ermöglicht es dem fantastischen Hauptdarsteller George Grizzard noch einmal sein ganzes Können zu zeigen. Sieht man seine charismatische und fesselnde Darstellung in „Wie ein Spiegelbild., fragt man sich, warum George Grizzard kein Name ist, den man heute noch kennt.

In der zweiten Folge „The Thirty-Fathom Grave“ (Die Tiefe, Folge 104) können die Auswirkungen der längeren Laufzeit nicht mehr verdeckt werden. Die Geschichte um ein Kriegsschiff, welches mitten auf dem Atlantik plötzlich Kopfzeichen aus einem lange versunkenen U-Boot vernimmt, ist nett und perfekt für 25 Minuten. Gestreckt auf eine Stunde fängt die Geschichte, trotz einiger guten Szenen und Einfälle, an zu nerven. Denn die Auflösung liegt spätestens der Hälfte klar auf der Hand und es erstaunt, weshalb niemand von den handelnden Personen schon viel früher darauf kommt. So ist die „Überraschung“ am Ende nur noch die lange herbeigesehnte Bestätigung dessen, was man eh schon weiß. Ähnlich verhält es sich mit „Valley of the Shadow“ (Das Tal der Schatten, Folge 105), die wieder eine altbekannte Geschichte – Mann verirrt sich in ein geheimnisvolles Dorf in dem jeder Bewohner Teil eines großen Geheimnisses zu sein scheint – nur eben in der doppelten Zeit wie zuvor. Trotz wiederum guter Einfälle und Schauspieler, dauert es viel zu lange, bis die Geschichte endlich auf den Punkt kommt und sie enthält auch viel zu viele genaue Erklärungen, was in der merkwürdigen Stadt los ist.

Erst mit der vierten Folge, „He’s Alive„( Er ist zurück, Folge 106), scheint sich die vierte Staffel gefunden zu haben. Die Handlung um einen jungen Mann mit Minderwertigkeitskomplexen, der alles versucht, um sich an die Spitze einer kleinen Nazi-Gruppe in einer amerikanischen Stadt zu setzen, nutzt das mehr an Spielzeit effektiv, um die Geschichte langsam und nachvollziehbar aufzubauen, und den einzelnen Figuren Tiefe zu verleihen. Dabei profitiert „He’s Alive“ von der intensiven Darstellung eines blutjungen Dennis Hopper, der den jungen Nazi spielt. Zudem verzichtet Serling in dieser Episode, die im scheinbar sehr am Herzen lag, weitgehend auf phantastische Elemente. Diese kommen eher allegorisch zum Tragen.

In der vierten Staffel gab es keine Klassiker, an die man sich besonders erinnert oder die auf den Bestenlisten der Fans auftauchen. Dabei hätte dort durchaus die Folge „On Thursday We Leave for Home“ (Gestrandet, Folge 118) hingehört. Ein großartiger James Whitmore spielt „Captain“ Benteen, den Anführer einer Gruppe von Erd-Aussiedlern, die vor 30 Jahren der Erde den Rücken gekehrt haben, um auf einem anderen Planeten eine neue, bessere Welt zu schaffen. Dummerweise sind sie auf einem extrem unwirtlichen Planeten gelandet. Als nach 30 Jahren tatsächlich das von allen ersehnte Raumschiff kommt, um sie wieder zur Erde holen, merkt Benteen schnell, dass seine über die Jahre aufgebaute Autorität und sein fast gottgleicher Status rasch schwinden. Verzweifelt versucht er, seine Leute davon zu überzeugen, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Der „Diktator“ wird hier nicht als Unhold gezeichnet und man kann seine Gefühle nachvollziehen, ohne seine Einstellungen gut zu heißen. Autor Rod Serling hielt „On Thursday We Leave For Home“ für die effektvollste Folge der vierten Staffel, und man kann ihm da recht geben.

Die letzte Folge der vierten Staffel , „The Bard“ (Der Barde, Folge 120) ist dann eine satirische Abrechnung Serlings mit dem TV-Betrieb. Ein hoffnungslos untalentierter Autor versucht hartnäckig, seine immer gleichen Drehbücher an den Mann zu bringen. Eines Tages gelingt es ihm mithilfe schwarzer Magie, Wilhelm Shakespeare ins Leben zurückzuholen und diesen als wortwörtlichen „Ghostwriter“ zu nutzen. Tatsächlich wird sein neues Drehbuch ein Erfolg, auch wenn der Sponsor der Fernsehsendung zahlreiche Änderungen vornehmen lässt. Vor den überzogenen Forderungen der Geldgeber ist nämlich selbst ein Shakespeare nicht gefeit. Serling legt diese letzte Episode der vierten Staffel ganz klar als überdrehten Klamauk an. Immer wieder werden die Taten der handelnden Personen über die slapstickhafte Musik kommentiert. Jack Weston gibt eine gnadenlos überzogene Darstellung des großmäuligen Verlierers Julius Moomer und Burt Reynolds taucht kurz auf, um eine solch bösartige Parodie auf Marlon Brando abzuliefern, dass man das „Original“ beinah wutschnaubend vor dem Fernseher sitzen sehen kann. Allein Hitchcock-Stammschauspieler John Williams behält als wiederauferstandener William Shakespeare seine Würde und würzt seinen Auftritt mit feiner Ironie.

Nach nur 18 Folgen endete die vierte Staffel und man hatte etwas gelernt: In der fünften und letzten Staffel kehrte man zu bekannten Halbstunden-Format zurück.

Die Qualität der Blu-rays beeindruckt wieder nachhaltig. Die schwarz-weiße Bilder wirken teilweise schon plastisch. Die 18 Folgen der vierten Staffel verteilen sich auf 6 Blu-rays. Die Folgen werden, wie in den Staffeln zuvor, wieder fast immer von einem oder gleich mehreren Audiokommentaren begleitet und man kann sich – seltsamerweise bis auf die letzten drei Folgen – die Musikspur isoliert anhören. Die sonstigen Extras befinden sich auf der sechsten Blu-ray und beinhalten Radiohörspiele nach Folgen der vierten Staffel, Interviews, Werbespots mit Rod Serling und einen Sketch aus „Saturday Night Live“ von 1979, in dem Dan Aykroyd eine perfekte Rod Serling-Imitation gibt. Da die vierte Staffel zuvor nie in Deutschland gezeigt wurde, gibt es auch keine Synchronisation. Alle Folgen liegen im Original mit deutschen (manchmal leider etwas fehlerhaften) Untertiteln vor.

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„24 Std. Filmfest Bremen“ am 4./5. September im Cinemaxx

105493Am vergangenen Sonntag kam ich zufällig an einem großen Plakat vorbei, auf dem „24 Stunden Filmfest Bremen“ stand. Ich gebe zu, da blieb mein Herz kurz stehen. Sollte sich hier tatsächlich ein Filmfest wie in Hamburg, Oldenburg, Osnabrück, Braunschweig, Lübeck oder Emden (um nur mal ein paar zu nennen, die im Gegensatz zu unserer geliebten Hansestadt ein Filmfest auf die Beine stellen) etablieren wollen? Und warum zur Hölle weiß ich da nichts von?

Zuhause wurde gleich mal die alte Tante Google angeworfen und siehe da, es gibt eine Homepage (www.filmfestbremen.de) auf der ein „Erstes Filmfest Bremen“ angekündigt wird, welches 24 Stunden vom 4. bis zum 5. September im Bremer Cinemaxx stattfindet. Mit den oben genannten Filmfesten hat dies aber eher wenig zu tun. Hier wird „BREMER“ groß geschrieben, weniger „Filmfest“. Dies spiegelt sich schon in der Beschreibung auf der Homepage wieder: „Das 1. Filmfest Bremen: der 24 Stunden-Filmmarathon. In Bremen. Über Bremen. Von Bremern. Für Bremer. Eine ganztägige Tour de Force durch das filmische Schaffen in der Hansestadt. Quer durch alle Genres und verschiedene Jahrzehnte. Gespickt mit bekannten Gästen. Mit Anekdoten über die lokale Filmhistorie. Und einem eigenen Kurzfilmwettbewerb. “. D.h., es werden „Spiel- und Dokumentarfilme, Genre- und Kurzfilme, ebenso wie aktuelle Produktionen für Kino und Fernsehen mit Klassikern der Bremischen Filmgeschichte und Nachwuchsarbeiten“ gezeigt.

Das klingt schon mal sehr spannend. Ein Blick auf den Spielplan relativiert die Aussage „Klassiker der Bremischen Filmgeschichte“ und „Quer durch verschiedene Jahrzehnte“. Große Produktionen wie der 1964 in Bremen gedrehte „Der Boss hat sich was ausgedacht“ mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg und Gert Fröbe fehlt hier genauso wie „Ich bin ein Elefant, Madame“ von Zadek, Fassbinders „Bremer Freiheit“, „Meines Vaters Pferde“ mit Curd Jürgens oder zumindest „Auf der anderen Seite“ von Fatih Akin.

Das Gros der Filme sind Dokumentarfilme mit Bezug zu Bremen, zumeist aus dem Themenbereich Musik. An Spielfilmen habe ich lediglich „Summertime Blues“ von 2009 entdeckt. In dem Film von Marie Reich geht es um einen Teenager, der nach der Scheidung seiner Eltern mit seiner Mutter nach England zieht. Immerhin eine Co-Produktion mit Bremedia. Ausserdem wird ein 45-minütiger Horrorfilm von Daniel Flügger gezeigt: „Dead Past“ von 2010. Außerdem gibt es noch eine „Lange Nacht der Künste“, die mit Arbeiten der Hochschule für Künste bestritten wird, ein „Talent Corner“ mit Nachwuchsarbeiten, Bremer Kurzfilme und einen Wettbewerb.

Bei diesem Wettbewerb müssen die Teilnehmer innerhalb von 48 Stunden Kurzfilme bis max. 5 Minuten Länge zu einem vorgegebenen Motto erstellen. Der Film muss auf jeden Falle einen Bezug zu Bremen haben. Sei es Drehort, Wohnsitz der Filmemacher oder Inhalt des Films. Alle Genres sind willkommen. Die Bekanntgabe des diesjährigen Mottos erfolgt am Donnerstag, den 03.09.2015 um 15 Uhr auf www.filmfestbremen.com. Die fertigen Filme werden am Samstagnachmittag (05.09.) im Festival-Kino uraufgeführt. Über die Gewinner entscheiden eine Fachjury und das Publikum per Abstimmung, sowohl im Kinosaal als später auch online. Anmelden kann man sich auf der oben genannten Homepage.

Insgesamt als eine gute Sache, wenn auch nicht das, was ich mir jetzt unter einem „Bremer Filmfest“ vorgestellt hätte. Trotzdem ist es sehr schön, dass hier überhaupt mal was passiert, und ich wünsche den Veranstaltern und allen Teilnehmern alles Gute und großen Zulauf.

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