Das Bloggen der Anderen (14-03-16)

bartonfink_type2– Letzte Woche verstarb der große und immens einflussreiche Set-Designer Ken Adams, der mit seinen James-bond-Bauten und dem Kubrickschen „War Room“ Ikonen für die Ewigkeit schuf. Sebastian widmet ihm auf Magazin des Glücks einen Nachruf. Ferner stellt Sebastian noch fünf Kurzfilme des sowjetischen Regisseurs Michail Kobachidse vor.

– Wieder Festivalzeit! Diesmal wird sich auf der Diagonale in Graz herumgetummelt. Joachim Kurz und Patrick Holzapfel berichten für B-Roll, Patrick schreibt zusätzlich noch zusammen mit Rainer Kienböck für Jugend ohne Film.  Und auch Karsten Munt von critic.de ist dabei.

– Ebenfalls bei critic.de schwärmt Till Kadritzke vom tollen Besonders Wertlos 2016: 18. Festival des deutschen psychotronischen Films.

– Nochmal Patrick Holzapfel. Auf B-Roll macht er sich kontroverse Gedanken darüber wie der Schrecken des Holocausts im Film dargestellt wird und verweist dabei kritisch auf Oscar-Gewinner „Son of Saul“.  Mit einem schöneren Thema beschäftigt sich Urs Spörri, nämlich der „Neuen Deutschen Sinnlichkeit“.

– Als Abschluss seiner letztwöchigen „Aliens“-Retrospektive, stellt Heinrich Lenhardt als Gastautor auf Wilsons Dachboden noch die beiden PC-Spiel-Umsetzungen von „Aliens“ vor. Für Nostalgiker.

Screen/read hat ein Interview mit (Zitat:) „Kanadas spannendstem Horror-Nachwuchs“, Gigi Saul Guerrero, Luke Bramley and Raynor Shima, geführt.

– Gregor Torinus widmet sich auf Hard Sensations der „Human Centipede“-Trilogie. Vom vielversprechenden und unterschätzen Erstling bis zum vollkommen in sich implodierten Abschluss.

– Volker Schönenberger stellt auf Die Nacht der lebenden Texte Fritz Langs Meisterwerk „Der müde Tod“ vor.

– Auf geht’s nach Italien! Nachdem ihn letzte Woche „Spuren auf dem Mond“ nicht vollends begeistern konnte, ist Sebastian von Nischenkino von Luigi Bazzonis Erstling „La Donna del Largo“ hingerissen.

Yzordderrexxiii schreibt begeistert über Lucio Fulcis wunderschönen „Nackt über Leichen“.

– Roberto Bianchi Monteros Giallo „Schön, nackt und liebestoll“ (was für ein Titel!) hat totalschaden von Splattertrash sehr viel Spaß gemacht.

Einen interessanten Mischmasch hat Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide anzubieten. Einen Film, den der großartige Rolf Olsen 1963 begann und der spätere Großmeister des deutschen Pornofilms Hans Billian 1966 vollendete. „Das Spukschloss im Salzkammergut“ mit Udo Jürgens und Hannelore Auer.

– Oliver Nöding von Remember It For Later hat einen Film gesehen, den die Öffentlichkeit nie zu sehen bekommen sollte. Oder konnte. Oder wie auch immer. Wer den „legendären“ Titel errät, der kriegt mit etwas Pech einen großen Bruder. In eine ähnliche Kerbe (aber nicht im Giftschrank verschwunden) ist „Xanadu“, der „angeblich als Inspiration für den berühmt-berüchtigten Razzie Award, den Anti-Oscar, der hierzulande als “Goldene Himbeere” bezeichnet wird“. Da tut es doch gut, wenn Oliver „Straßen in Flammen“ mit den Worten bespricht: „STREETS OF FIRE ist ein Meisterwerk, einer jener Filme, die die Ästhetik ihres Jahrzehnts nicht nur in Reinkultur verkörpern, sondern sie transzendieren, totales Kino, ein Werk formgewordener Emotion, ein Traum in Bild und Ton“.

– Michael Schleeh schreibt auf Schneeland über den Dokumentarfilm „Nuclear Nation“ von Atsushi Funahashi und hat eine Liste mit japanischen Filmen zusammengestellt, die sich mit dem Thema Fukushima auseinandersetzen.

– Für mich eine wertvolle Auflistung (nach empfohlenem Alter sortiert): Kinderfilme mit starken Mädchen-Figuren von Rochus Wolff auf dem Kinderfilmblog.

– YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog über den Oscar-Gewinner für den besten Film: „Spotlight“.

– Und 35-Millimeter-Redakteur Ansgar Skulme stellen in einem Gastbeitrag auf Duoscope einen der großen (zu Unrecht) Vergessenen vor: Die Horrorikone Lionel Atwill.

– Eine Liebeserklärung von david auf Whoknows presents an Howard Hawks „Ein Goldfisch an der Leine“. Damit steht er nicht allein: „Jean-Luc Godard als individueller Kritiker wie auch die gesamte Redaktion der cahiers du cinéma kürten MAN‘S FAVORITE SPORT? zu einem der 10 besten Filme des Jahres. Der britische Filmjournalist Phil Hardy ging in einem kurzen Review noch weiter, als er MAN‘S FAVORITE SPORT? als „the quintessential Hollywood auteur movie“ bezeichnete.“

– Mauritia Mayer gesteht auf Schattenlichter, Tobe Hoopers Stephen-King-Verfilmung „Salem’s Lot“, „einfach hoffnungslos und bedingungslos“ zu sein und hat dem Film einen schönen Text gewidmet. Ich mag den Film ja auch – möglicherweise, weil „Brennen muss Salem“ mein erstes Stephen-King-Buch war.

– Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen eine schöne und wahre Kritik zu Romeros „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“ geschrieben.

Funxton macht sich für die Wiederentdeckung von Robert Zemeckis frühen Spielfilm „Used Cars“ stark: “Ein kleines Schätzchen, das bei uns bei Weitem nicht das Renommee genießt, das ihm in seinem Entstehungsland zukommt. Das ist schade und wird sich vielleicht eines Tages nochmal ändern.“

– Alex hat neue Real Virtualinks auf real virtuality.

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DVD-Rezension: „Die Leiche der Anna Fritz“

leicheannafritzDie Leiche der wunderschönen, weltberühmten Schauspielerin Anna Fritz (Alba Ribas) wird ins Leichenhaus eingeliefert. Der dort arbeitende Pau (Albert Carbó) gibt vor seinen beiden Kumpels Javi (Bernat Saumell) und Iván (Cristian Valencia), die sich koksend und saufend auf dem Weg zu einer Party befinden, damit an und schon stehen alle Drei vor der toten Anna, um sie zu begaffen und begrabschen. Und weil man schon mal so nett beisammen ist, wird dann auch gleich mal die kalte Anna bestiegen. Doch da passiert ist: Die Totgeglaubte erwacht. Was nun? Für zwei der drei ist es klar: Um nicht wegen Vergewaltigung angeklagt zu werden, und vor aller Welt nekrophile Handlungen zugeben zu müssen, muss die Zeugin wieder ins Reich der Toten verschwinden. Schließlich ist sie ja auch offiziell tot.

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Spanischer Thriller „Die Leiche der Anna Fritz“ ist das Spielfilm-Debüt des Regisseurs Hèctor Hernández Vicens, der bisher als Drehbuchautor seine Brötchen verdiente. Sein Film wartet mit einer sehr interessanten Ausgangssituation auf, aus der man nun sehr viel machen könnte. So besitzt die Geschichte das Potential, ein intellektuell anspruchsvolles und philosophisches Kammerspiel über Moral, Tabus und Gewissen zu sein, welches unangenehme Fragen für den Zuschauer aufwirft. Oder aber nur ein spannender Thriller. Doch Regisseur Hèctor Hernández Vicens kann sich aber weder für das eine, noch das andere richtig entscheiden, wodurch der Film lauwarm wirkt. Zwar kommt in der angenehm knackigen Spielzeit von gerade mal 70 Minuten keine Langeweile auf, doch man hat auch ständig das Gefühl, bei dieser Geschichte wäre weitaus mehr drin gewesen.

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Dass Vicens eher Drehbuchautor als Regisseur ist, merkt man auch daran, dass ihm visuell nicht viel einfällt, um seine Geschichte in aufregende Bilder umzusetzen. Zwar tränkt er seine Bilder in ein farbentsättigtes, krank aussehendes Grün-Blau, doch dies ist ebenso vorhersehbar, wie die zwar routinierte, aber angesichts des delikaten Sujets überraschend harmlose Inszenierung. Auch die Suspense-Szenen wollen ihm nicht so recht gelingen. So flüchtet das Opfer in einer Szene minutenlang durch leere Gänge ohne, dass man weiß, wo sich der Verfolger aufhält. Wenn dieser dann natürlich) in allerletzter Sekunde auftaucht, erschreckt man sich zwar, aber dieser Effekt geht dann auf Kosten einer minutenlanger Anspannung. Dafür liegt Vicens Stärke in den Figuren. Insbesondere die titelgebende Anna Fritz ist vielschichtig gezeichnet und nicht nur das arme Opfer. So versucht sie durch Lügen und Bluffs ihre Peiniger gegeneinander auszuspielen. Mit Alba Ribas wurde auch eine Schauspielerin gecastet, die sowohl ein süßes Aussehen, wie auch eine gewisse Härte mitbringt.

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Auch die Darsteller der drei Freunde sind gut gewählt und hier sticht der unsympathische Egozentriker Ivan hervor, den Cristian Valencia so spielt, dass man zwar keinerlei Sympathien für dieses Riesenarschloch hegt, aber merkwürdigerweise seine Handlungen jederzeit auf eine perverse Weise nachvollziehbar bleiben. Trotzdem muss man auch hier kritisch anmerken, dass alle drei männlichen Darsteller typischen Rollenklischees entsprechen. Neben dem unausstehlichen Ivan, gibt es da noch den netten Typen, der irgendwie da hinein geraten ist und die labile Heulsuse, die sich nur zu gerne manipulieren lässt und sich ständig selbst wegen des Mist bemitleidet, die sie sich selbst eingebrockt hat. Von Anfang an sind die drei hochgradig abstoßend, auch wenn sich Javi recht schnell vom Saulus zum Paulus wandelt. Hier wäre ein wenig mehr Vielschichtigkeit von Vorteil gewesen, falls Vicens wirklich ein philosophisches Spiel um Schuld und Moral angepeilt und sich weniger auf das reine Thriller-Terrain begeben hätte. Trotzdem muss man Hèctor Hernández Vicens bescheiden, dass er einen soliden Spannungsfilm mit einer interessanten Geschichte gedreht hat, welcher dankenswerterweise auch mit einem konsequenten Ende aufwartet.

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Drehbuchautor Hèctor Hernández Vicens hat bei seinem Regie-Debüt einen sehr interessanten Film in Szene gesetzt, der sein kontroverses Thema sehr nüchtern angeht und den Zuschauer mit einigen spannende Gedankenspiele konfrontiert. Obwohl Vicens aus dem geringen Budget und begrenzten Raum ein Maximum herausholt, hat man doch das Gefühl, hier wäre noch mehr drin gewesen.

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Die DVD aus dem Hause Capelight bietet ein sehr gutes, scharfes Bild, welches nur in den nächtlichen Außenaufnahmen etwas schwächelt. Auch der Ton ist sehr klar und räumlich. Die deutsche Synchronisation ist die typische preisgünstige Videobearbeitung mit den üblichen Sprechern. Leider befinden sich auf der DVD bis auf Trailer keinerlei Extras, was besonders schade ist, da mich sehr interessiert hätte, wie Vicens auf die Idee zu seinem Film gekommen ist und vor allem, wie die Darsteller mit ihren nicht gerade sympathischen Figuren umgegangen sind. Sehr schade.

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“Weird Xperience”: Freitag 11.3. im Lagerhaus/etage3 – DER BUNKER

Am morgigen Freitag, den 11. März wie immer um 20:30 Uhr (Einlass: 20:00 Uhr) haben Stefan und ich bei Weird Xperience in der etage3/Lagerhaus ein echtes Highlight zu bieten.

Wir sind sehr stolz darauf, die Bremen-Premiere eines in den letzten Monaten allerorten enthusiastisch gefeierten deutschsprachigen Genre-Highlight zu präsentieren. Die Rede ist von „Der Bunker“.

Thomas Groh schrieb in der taz: „Einer der derzeit aufregendsten deutschen Filme … ein vorbildlich bizarres Meisterstück des sonderbaren Kinos. Gerade so als hätten Wenzel Storch und Helge Schneider gemeinsam mit David Lynch exzessiv am Kleber geschnüffelt und sich dabei „Ekel Alfred” in Endlosschleife reingepfiffen.“

Ganz ähnlich formuliert es auch der Spiegel: „Als ob David Lynch ein Drehbuch von Helge Schneider verfilmt hätte. Ein stilsicheres, düsterabsurdes Kammerspiel.“

Das bizarre Meisterstück ist wie gemacht für unsere Reihe und hat nach seiner Premiere auf der letztjährigen Berlinale nicht nur bereits auf vielen Festivals abgeräumt, sondern steht auch in der Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2016! Co-produziert wurde der Film übrigens von „Lindenstraße“-Erfinder Hans W. Geißendörfer, der bereits mit der Produktion des Cannes-Gewinners „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“ und Peter Stricklands „Berberian Sound Studio“ sein gutes Näschen für ungewöhnliche Stoffe bewies.

Worum geht es? Der 8jährige Klaus wird von seinen Eltern zu Hause unterrichtet. Meist hält er sich in dem unterirdischen Bunker auf. Ein junger Student (der großartige Pit Bukowski, der schon in der Titelrolle des ebenfalls sehr empfehlenswerten „Der Samurai“ auf sich aufmerksam machte) mietet sich bei der Familie ein, um sich in Ruhe auf seine Abschlussarbeit vorzubereiten und wird von den Eltern als Hauslehrer eingespannt. Mehr kann man von der Handlung eigentlich nicht verraten, nicht nur, weil man dann zu viel spoilern würde, sondern auch weil es so unglaublich und unbeschreiblich ist. Das gesamte schwierige neurotische Beziehungsgeflecht purzelt munter durcheinander.

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DVD-Rezension: „Francesca“

francescaEin brutaler Serienkiller hält eine ganze Stadt in Atem. Seine Opfer haben irgendwie Dreck am Stecken und scheinen für ihre Sünden bestraft zu werden. Stets werden den Opfern auch zwei Münzen auf die Augen gelegt. Die Polizeibeamten Moretti (Luis Emilio Rodriguez) und Succo (Gustavo Dalessanro) werden bei ihren Ermittlungen auf den seltsamen Fall des Mädchens Francesca aufmerksam, die vor 15 Jahren spurlos verschwand. Offenbar hängen die beiden Fälle zusammen…

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In den letzten Jahren entdeckten zahlreiche Genre-Fans den Giallo wieder. Eigentlich war er nie weg, denn die Fans dieses ur-italienischen Thrillergenres war schon immer zahlreich vorhanden. Nur hatten bisher die wenigstens selber zur Kamera gegriffen und den Versuch unternommen, dieses seit Mitte der 80er ziemlich brach liegende Terrain wiederzubeleben. Doch in letzter Zeit tut eine junge Generation genau dies. Dabei gibt es zwei Fraktionen: Diejenigen, die sich typische Stilelemente borgen, um daraus etwas Neues zu erschaffen, wie das Ehepaar Hélène Cattet und Bruno Forzani aus Belgien, die gerade bei ihrem zweiten Werk „Der Tod weint rote Tränen“ gezeigt haben, wie man aus fremden Puzzlestücken ein faszinierendes, neues Bild erschaffen kann. Und dann gibt es diejenigen, die sklavisch die großen Vorbilder nacherzählen, ohne dabei neue oder zumindest eigenständige Komponenten einzubringen. Hier wird allenfalls am Sex und Gewalt-Level geschraubt, was den Filmen selten gut tun. Das Brüderpaar Luciano und Nicolás Onetti gehört eher zur zweiten Gruppe. Im Gegensatz zu ihren Kollegen, die den Giallo nur als Vorwand nehmen, kräftig Gore und die nackte Haut unterzubringen, muss man ihnen aber bescheinigen, das Genre aufrichtig zu lieben.

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Luciano Onetti, der hier als Regisseur und zusammen mit seinem Bruder Nicolás auch als Co-Drehbuchautor fungiert, gibt sich alle Mühe, den Eindruck zu vermitteln, „Francesca“ würde tatsächlich aus den 70ern stammen. Der Zeit, in welcher der Giallo seine größten Triumphe feierte. Mit einem guten Blick für Kleinigkeiten und einem stark bearbeitetem, digitalem Bild, welches kräftig auf „benutzter 35-Millimeter-Look“ getrimmt wurde, gelingt es ihm ab und an, diese Illusion tatsächlich aufrecht zu erhalten. Auch beim stampfenden Synthie-Soundtrack gibt er sich Mühe, auch wenn dieser mehr nach 80er als nach 70er klingt. Ausstattung und Settings machen ebenfalls einen authentischen Eindruck. Und auch die kleinen Details, wie der Font, der für die Titelsequenz benutzt wurde, oder die ins Bild geschobenen J&B-Flaschen stimmen. Leider muss man aber festhalten, dass Luciano Onetti so viel Wert auf eben dieses Drumherum gelegt hat, dass ihm der Blick für das große Ganze abhanden gekommen ist. Nun zeichneten sich die Original-Gialli auch nicht gerade durch großartig kniffelige und intelligente Drehbücher aus, aber etwas mehr hätte es hier schon sein dürfen. So hängt der Film dann auch ein ums andere Mal durch und wirkt trotz seiner knackigen Laufzeit von nur 70 Minuten deutlich länger.

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Noch mehr ins Gewicht fällt da die Unentschlossenheit mit der Luciano Onetti zu Werke geht. Während der erste Mord noch recht blutig und vor allem filmisch ausgefallen ist, sind die restlichen Taten deutlich mit angezogener Handbremse inszeniert. So, als wolle Onetti niemanden zu sehr auf den Fuß steigen. Bei einem Film, der seine Morde als kleine Kabinettstückchen in den Vordergrund stellt, führt diese „Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass“-Vorgehensweise natürlich dazu, dass das Konstrukt immer wieder in sich zusammenfällt. Der mangelnde Erotik-Faktor (Obwohl Erotik bei den Originalen aus den 70ern immer eine große Rolle spielte) und vor allem die hölzerne Schauspielerei der Darsteller enttäuschen ebenfalls. Die unbekannten Darsteller wirken wie aus dem Freundeskreis und der Nachbarschaft gecastet (was wahrscheinlich auch der Fall ist). Sie dann auch noch ohne große Not (von dem Authentizität-Fetisch abgesehen) in italienischer Sprache zu synchronisieren, hilft nicht wirklich. Da kann sich die Kamera in einigen Fällen noch so um einen agilen Eindruck bemühen, es sieht einfach wie eine Amateur-Produktion aus. Mit Liebe gemacht, aber leider ohne Fantasie.

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Luciano Onetti rekreiert fast schon sklavisch seine großen Giallo-Vorbilder der 70er Jahre. Dies gelingt ihn bis hinein in kleinen Details auch sehr gut. Leider vergisst Onetti dabei, eine Geschichte zu erzählen oder originäre, phantasievolle Bilder zu finden.

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Die bei Mad Dimension erschienene DVD ist ungekürzt ab 18 freigeben. Ein FSK 16 hätte aber auch gereicht, da die Morde bis auf den Ersten, nicht sonderlich blutig oder spektakulär ausgefallen sind. Das digitale Bild versucht mit massivem Computer-Einsatz den Look einer alten 35-Millimeter-Kopie zu imitieren, was nur bedingt gelingt und es schwer macht, die Bildqualität zu bewerten. Der argentinische Film wurde bereits in der Originalfassung auf italienisch nachsynchronisiert. Dadurch wirkt die Sprache etwas gekünstelt und nicht besonders authentisch. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls von der eher preisgünstigen Natur und deutlich dünner als der Originalton. Die Käufer der Blu-ray dürfen sich an einem Interview mit Regisseur Luciano Onetti und seinem Bruder und Produzenten Nicolas, sowie einem Behind the Scene, einer entfernten und einer versteckte Szene erfreuen. Die mir vorliegende DVD verzichtet leider auf jegliches Bonusmaterial.

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Das Bloggen der Anderen (07-03-16)

Eine persönliche Bemerkung vorab. Vielleicht hat sich der ein oder andere gewundert, dass hier die letzten zwei Wochen Funkstille herrschte. Ich habe lange überlegt, ob ich das an dieser Stelle schon wieder thematisiere. Ich versuche, mich mal kurz zu fassen: Als das Bloggen der Anderen vor zwei Wochen anstand, hatte ich schon das ganze Wochenende über alles vorbereitet, aber dann nahm mich mein Job am Montag so stark in Anspruch, dass ich irgendwann merkte, dass ich für eine pünktliche „Lieferung“ noch bis nach Mitternacht vor dem Rechner sitzen müsste. Das wollte und konnte ich nicht, also verschob ich die Veröffentlichung auf Dienstag. Leider spielte sich am Dienstag dasselbe Lied ab. Ich war sehr spät von der Arbeit Zuhause und zu erschöpft, um noch eine Zeile in die Tastatur zu hämmern. Da ich in mir auch einen starken Widerwillen gegen jede Art von Posting spürte, wusste ich, dass es wieder Zeit war eine (unkommentierte) Auszeit zu nehmen. Und so werde ich es in Zukunft auch weiter halten. Wenn ich merke, dass das Bloggen dieser Rubrik zu einer spürbaren Last wird, werde ich nichts posten. Momentan geht es nach zwei Wochen Pause auch wieder besser, und im Job hat sich auch einiges zum Besseren gewendet. Daher hoffe ich, dass mir das Schreiben jetzt wieder auf Dauer Spaß macht.

bartonfink_type2– Patrick Holzapfel widmet sich auf B-Roll zunächst Friedrich Wilhelm Murnau, der vor 85. bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Er nimmt dabei dem „Skandal“ um Murnaus verschwunden Kopf zum Anlass, dem Meisterregisseur drei Briefe zu schreiben. Ferner widmet sich Patrick anlässlich der Jim-Jarmusch-Retrospektive im Filmmuseum München dem Thema: „Jim Jarmusch und der Tod von Popkultur im Film“.

– Auf Patricks Blog Jugend ohne Film berichtet Rainer Kienböck von einem Besuch im Museo Nazionale di Cinema in Turin. Andrey Arnold schreibt ein (Bild-)Gedicht namens Paranoia.

– Auf critic.de führt Martin Gobbin ein Gespräch mit dem französischen Filmemacher Philippe Grandrieux.

Der Kinogänger berichtet wieder, was es Neues aus Hollywood gibt.

– Auf Die Nacht der lebenden Texte beginnt Volker Schönenberger mit „Stalag 17“ eine Bily-Wilder-Retrospektive. Und Dirk Ottelübbert erinnert an den wunderbaren Thriller „Ein Köder für die Bestie“.

– In seiner Reihe „Class of 1986“ hat sich Christian Genzel auf Wilsons Dachboden wieder ein Werk aus diesem Jahr vorgenommen und detailliert besprochen: „Aliens“ von James Cameron. Auch die Musik für den Film, die für Komponist James Horner in mehrfacher Hinsicht ein Albtraum war, wird eingehend vorgestellt. Ebenfalls sehr interessant :Christians Beobachtungen zum langsamen Verschwinden des Bonus-Materials bei aktuellen Heimkino-Veröffentlichungen.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality neue Real Virtualinks am Start.

– “Das Geheimnis der grünen Stecknadel” wurde in Deutschland als Teil der Edgar-Wallace-Serie vermarktet und ist im Rest der Welt unter dem Titel „What have you done to Solange“ bekannt. In Deutschland floppte er damals, ist heute aber als einer der besten Gialli beliebt. Völlig zu Recht meint auch Mauritia Mayer von Schattenlichter.

– Das sieht man auch nicht alle Tage: Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen vergibt an Mario Bavas großartigen „Planet der Vampire“ eiskalt 2 von 5 Punkte.

– Und noch eine Überraschung: Sebastian vom Nischenkino ist nicht gerade begeistert von Luigi Bazzonis „Spuren auf dem Mond“, der sonst – wie ich finde zu Recht – in diversen Blogs und Foren gefeiert wurde.

– Oliver Nöding schreibt auf Remember It For Later über „Roar“. Ein Film von dem ich eine Menge gehört habe und mich noch dunkel an die Werbekampagne damals erinnern kann. Zugleich einer der größten Flops der Filmgeschichte und „Es wird oft geschrieben, aber hier passt es wie die Faust aufs Auge: Has to be seen to be believed.“ Jetzt würde ich den ja wirklich gerne sehen. Ferner beschäftigt er sich mit Kurt Nachmans seltsamen, aber wunderbar anzuschauenden „Die nackte Gräfin“ mit der tollen Musik von Gerhard Heinz. Zu letzterem ein kurzer Hinweis. In dem Franco-Film „Lolita am Scheideweg“, der in der deutschen Fassung ebenfalls von Heinz gescored wurde, kommen ein paar Noten vor, die ich als „bei „Jaws“ geklaut“ abgehakt hatte. Tatsächlich ist das aber der Beginn des Schlagers „Die sieben Todsünden“ – ebenfalls von Heinz, aus „Die nackte Gräfin“ und weit vor „Jaws“ entstanden.

– Weiter geht’s mit deutschem Filmgut: totalschaden von Splattertrash empfiehlt Rolf Olsons „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“ mit den Worten „Flott erzählt, trefflich besetzt und nie um eine plakative Zurschaustellung von Drogen, Sex und Gewalt verlegen“.

– Immer noch Deutschland: Auf Grün ist die Heide schreibt Udo Rotenberg über „Perle der Karibik“, den Manfred Stelzer 1981 inszenierte und den Udo beim letzten Hofbauer-Kongress sah.

– Cameron ist auf Drei Cineasten schwer von Jacques Tourneurs erstem Farbfilm „Canyon Passage“ begeistert und belegt dies mit einigen schönen Screenshots.

– Auf Short Cut wird Ingmar Bergmans letzter Film „Sarabande“ eingehend analysiert.

– Kemal Karabacak und Oliver Schmidt nehmen sich auf Daumenkino Sion Sonos „Tokyo Tribe“ vor und kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen.

– YD und PD halten beide „Hail, Caesar“ nicht für den besten Film der Coen-Brothers, sind in Ihrer Einschätzung auf Film im Dialog aber unterschiedlich streng.

Mise en cinéma schreibt über „Mustang“: „Ergüvens Spielfilmdebüt ist ein kraftvolles Drama und ein großes Ausrufezeichen für den türkischen Film.“

– Der Horrorfilm „Clown“ wurde mir vor kurzem auch angeboten. Klang nach billiger Standardware und als ich lass, dass Eli Roth da seine Finger drin hatte, habe ich ablehnte. Doch nach den sehr positiven Reaktionen von funxton und screen/read war das wohl ein Fehler.

– Mittlerweile sagen mir die Namen Isaac Florentine und Scott Adkins auch etwas. Martin Beck widmet dem neusten Werk des Action-Duos, „Close Range“, auf Reihe Sieben ein paar Worte.

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Nachruf: Andrzej Żuławski (1940-2016)

Heute morgen begann mein Tag damit, dass ich – wie fast jeden Morgen – beim eiligen Frühstück auf Facebook herum surfte. Dort zitierte Tim Lucas ein Posting, in dem Andrzej Żuławskis Sohn Xawery geschrieben hatte, dass sein Vater im Krankenhaus sei und an unheilbaren Krebs leide. Das traf mich ziemlich unvorbereitet in die Magengrube. Doch wie das Leben so ist. Die Hektik und tiefe Müdigkeit am Morgen vertrieben die Gedanken an Żuławski, der zu meinen großen Helden gehört. Da der ganze Tag dann auch unter die Rubrik: „Wäre ich doch im Bett geblieben“ fiel, und mir der Arbeitsstress die Synapsen klingeln ließ, vergaß ich, was ich da am Morgen gelesen hatte. Überstunden taten dann noch ihr übriges dazu. Wider Erwarten schaffte ich es doch noch irgendwie, meine Jobs zu erledigen, und sass dann, von der den ganzen Tag über anhaltenden Hektik leicht zitternd, in der U-Bahn Richtung Hauptbahnhof. Zur Ablenkung klappte ich mein Smartphone auf (was ich im Grunde hasse) und begab mich heute zum zweiten Mal auf Facebook. Dort sprang mir gleich ein neues Posting ins Auge. Diesmal von Thomas Groh, der mitteilte, dass Żuławski heute morgen gestorben sei. Da kam alles zurück, was ich den ganzen Tag über verdrängt habe. Und in meinem Kopf schwirrt augenblicklich ein Lied herum, welches noch immer, während ich dies schreibe, in meinem Kopf widerhallt: „Blackstar“ von David Bowie.

Dessen Tod am 11. Januar hatte mich ebenfalls ziemlich aus der Kurve getragen. Und wie bei Żuławski frage ich mich, warum der Tod dieses Menschen so einen großen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ja, ich habe Bowie immer bewundert, seine Musik geliebt und ihn als Person – sofern man dies anhand von Dokumentationen und Artikeln beurteilen kann – respektiert und gemocht. Bowie war jemand, der mich lange Zeit mit seiner Musik begleitet hat, der immer irgendwie da war und von dem man glaubte, er würde ewig leben. Aber ich kannte ihn (natürlich) nicht persönlich. Trotzdem war es, als ob ein Verwandter gestorben wäre Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass sein Tod aus dem Nichts kam. Nichts hatte einen darauf vorbereitet. Im Gegenteil. Nach langen Jahren der Stille, war er erst kürzlich mit einem neuen Album zurückgekehrt, welches grandios ausgefallen war. Und dann hört man hier und dort Stückchen von dem, was sein nächstes Album werden sollte. Ungewöhnliche, interessante Musik. Ich habe selten einer Album-Veröffentlichung so entgegen gefiebert, wie der von „Blackstar“. Und vor allem war ich sehr aufgeregt, wenn ich daran dachte, was da noch alles kommen würde. Bowie schien sich mal wieder neu erfunden zu haben, und es war aufregend darüber zu spekulieren, in welche Richtung sich das alles noch entwickeln würde. Und dann die Nachricht: Bowie ist tot. Einfach so. Scheiß Krebs. Das hat mir etwas den Boden unter den Füssen weggezogen, und nachdem ich danach zwei Wochen lang nur noch seine Musik gehört und über ihn und seine letzten Jahre gelesen hatte, war die Trauer umso größer. Beim Video zu „Lazarus“ habe ich geweint.

Auch Andrzej Żuławski habe ich nicht persönlich gekannt. Ich hätte ihn vielleicht noch kennenlernen können, wenn er etwas länger gelebt hätte – aber das ist ist eine andere Geschichte und gehört hier nicht her. Ja, ich habe Żuławski immer bewundert, seine Filme geliebt und ihm als Person respektiert und gemocht. Es gibt in einem einstündigen Interview, welches sich auf der polnischen DVD von „Der silberne Planet“ befindet, eine wunderbare Szene, die mich über alle Maße entzückt hat. Da kommt während des Interviews seine damalige Lebensgefährtin Sophie Marceau, herein und fragt ihn, wie lange das denn noch dauern würde. Sie wollten doch mit den Kindern los. Das fand ich irgendwie großartig. Żuławski hat mich nicht so lange Zeit mit seinen Filmen begleitet hat, wie Bowie mit seiner Musik. Aber sie haben einen gewaltigen Eindruck bei mir hinterlassen, den ich kaum beschreiben kann. Seine Filme hatten eine unglaubliche Wucht. Einen Żuławski-Film erkennt man sofort. Die unglaublich energetische Kamera, das leidenschaftlich, beinah expressionistische Agieren seiner Figuren. Die Musik (Andrzej Korzyński!), die sich in den Gehörgang bohrt und sich zusammen mit den Bildern im Hirn verankert. Und was für Bilder fand Żuławski! Ich gebe zu, Filme wie „Der Teufel“ oder „Der silberne Planet“ nicht bis hinter die letzte Nachkommastelle verstanden zu haben. Aber muss man das? Nein, weil man seine Filme im besten Sinne des Wortes ERLEBT. Sie reißen einen mit, wirbeln einen herum und verändern einen. So wie Isabelle Adjani sich in seinem bekanntesten Film „Possession“ verändert. Wie bei Bowie herrschte auch bei Żuławski eine lange Zeit des Schweigens. Nach seinem letzten großen Film mit Sophie Marceau, „Die Treue der Frauen“ im Jahre 2000 kam nichts mehr. Bis zum letzten Jahr, als die Neuigkeit die Runde machte, dass Żuławski nach 15 Jahren wieder an einem neuem Film arbeitet. „Cosmos“ wurde nun in Berlin in der „Woche der Kritik“ (und unverschämterweise nicht auf der Berlinale) gezeigt. Ich habe mich bemüht, so wenig Kritiken wie möglich zu lesen, um mir die Freude des ersten Sehens zu bewahren. Doch was man so hörte klang danach, dass Żuławski wieder zurück gefunden hätte. Nein, dass der Film Żuławski zurückbekommen hätte. Ich malte mir schon aus, was man von Żuławski in der Zukunft noch erwarten könnte. In welche Richtung der neue Abschnitt in seinem filmischen Leben gehen würde. Und dann die Nachricht: Żuławski ist tot. Einfach so. Scheiß Krebs.

Żuławski hat mein Verständnis vom Film tief geprägt. Ich hätte ihn doch gerne kennengelernt.

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Das Bloggen der Anderen (15-02-16)

bartonfink_type2– Es ist wieder Berlinale. D.h. viele Filmbloggern tummeln sich in der Hauptstadt und füllen ihre Blogs mit hautnahen Berichten vom größten deutschen Filmfestival. Ich ziehe mir mal mehr oder weniger wahllos einige Reviews heraus. So hat Michael Sennhauser für Sennhausers Filmblog u.a. „Midnight Special“ von Jeff Nichols und „Europe She Loves“ von Jan Gassmann angesehen, die sich beide recht interessant anhört. Michael Kienzl berichtet auf critic.de über den japanischen 8mm-Film der 1970er und 80er Jahre, eine Szene in der auch Sogo Ishii, Shinya Tsukamoto und Sion Sono beheimatet waren und dem im Forum eine Reihe gewidmet ist. Michael Schleeh schaut sich für Schneeland selbstverständlich auch einen japanischen Film an. „Hee“ von Kaori Momoikann ihn aber nicht recht überzeugen. Die Daumenkino-Redaktion befindet sich komplett auf der 66. Berlinale und schreibt fleißig über die von ihnen gesehenen Filme. Für Jugend ohne Film ist Rainer Kienböck in Berlin am Start. Werner Sudendorf ärgert sich auf new filmkritik über eine angebliche „Weltpremiere“. Katrin Eissing schreibt auf Revolver über die begleitende/Gegen- Veranstaltung „Die Woche der Kritik“.

– David ist auch nach drei Jahren noch immer begeistert von dem serbischen Film „Rendezvous in Belgrad“ und erklärt auf Whoknows presents ganz genau warum.

– Unter dem Titel „Deadpool ist erst der Anfang des pubertären Superheldenkinos“ hat Alex Matzkeit einige sehr kluge und interessante Gedanken zum aktuellen Superheldenkino und den beiden aktuellen Filmen „Deadpool“ und „Suicide Squad“ und deren Folgen aufgeschrieben. Lesenswert! Außerdem gibt es wieder seine Real Virtualinks.

– Patrick Holzapfel zeigt sich auf Jugend ohne Film von dem Buch „Film-Konzepte 41: Pedro Costa“ alles andere als begeistert.

– Noch ein Filmbuch: Bluntwolf rezensiert auf Nischenkino sehr wohlwollend „Quentin Tarantino: Die blutige Wahrheit“. Allerdings macht mich sein Text da eher skeptisch.  Gar nicht skeptisch macht mich sein Text zu „Lady Snowblood“, der eh einer der tollsten japanischen Filme aller Zeiten ist.

– Oliver Nöding verteidigt auf Remember It For Later den vielgescholtenen, ehemaligen Fan-Liebling M. Night Shyamalan. Ferner hat er bei John und Bo Dereks „Tarzan“ ziemlich gestaunt und kommentiert meinen Lieblings-Franco: „Sie tötete in Ekstase“, den ich schon mal in Bremen als 35mm-Kopie zeigen konnte (vor 5 Zuschauern, eine zweite Vorstellung fiel aus, weil keiner kam).

– Udo Rotenberg empfiehlt auf seinem Blog Grün ist die Heide den recht unbekannten Widerstands-Film „Geheimaktion Schwarze Kapelle“, den Ralph Habib 1959 mit Peter van Eyck und Dawn Addams inszenierte.

– Mauritia Mayer resümiert auf ihrem Blog Schattenlichter nach der Sichtung des wundervollen „Spuren auf dem Mond“: „“Spuren auf dem Mond“ kommt auf leisen Sohlen, verbreitet Gefühle von Beklemmung und Unbehagen und hinterlässt seine Fußabdrücke auf unserer Seele.“

– Als ich „Basket Case“ vor ca. 25 Jahren das erste Mal sah, mochte ich den gar nicht. Nachdem ich den Film vor gut einem Jahr mal wieder sah, war ich von ihm ähnlich begeistert wie funxton. Wie die Zeit doch die Sicht auf Filme ändern kann.

– Nicht wirklich d’accord bin ich mit der Einschätzung, die YP und PD auf Film im Dialog dem Kathryn-Bigelow-Film „Point Break“ angedeihen lassen. Den fand ich doch um einiges besser. Ist allerdings auch schon lange her, dass ich den das letzte Mal gesehen habe.

– Von „Interrabang“, den Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte bespricht, habe ich – trotz großer Italo-Affinität – bisher noch nie etwas gehört. Klingt sehr interessant.

Interessant klingt auch die Doku, über die Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de schreibt. Darin geht es um einen Vater, der seine Söhne von der Außenwelt abschottet und sie das Leben nur via zweiter Hand – per Videos – erleben lässt.

– „Eine Perle des österreichischen Nachkriegskinos!“ So nennt totalschaden von Splattertrash Eddy Sallers „Geißel des Fleisches“, und dem schließe ich mich vorbehaltlos an.

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Blu-ray Rezension: „Die Todeskarten des Dr. Schreck“

todeskartenschreckFünf Männer (Christopher Lee, Donald Sutherland, Roy Castle, Alan Freeman und Neil McCallum) müssen sich bei ihrer Bahnfahrt von London nach Bradley ein Abteil teilen. Kurz vor der Abfahrt des Zuges steigt noch ein sechster Mann(Peter Cushing) hinzu. Dieser nennt sich „Dr. Schreck“ und bietet den fünf Männern an, ihnen mit Hilfe seiner Tarot-Karten die Zukunft vorherzusagen. Leider erweist sich diese für jeden der fünf Männer für wenig erstrebenswert, denn einer nach dem anderen bekommen sie es mit Werwölfen, mörderischen Pflanzen, Voodoo-Zauber, einer abgetrennten Hand mit Eigenleben oder Vampiren zu tun…

1965 war das Jahr, in dem den legendären Hammer-Studios ein Konkurrent in Sachen „House of Horror“ erwuchs. Die ebenfalls britischen Amicus Studios hatten zuvor leichte Musikfilme produziert und probierten nun ein Stück von dem großen Kuchen „Horror“ abzuschneiden, den in England zu dieser Zeit nur Hammer verspeiste. Dazu wurden die beiden größten Stars der Hammer-Studios eingekauft, Peter Cushing und Christopher Lee, sowie die Talente hinter der Kamera, wie hier Freddie Francis, zur Konkurrenz gelockt. Freddie Francis ist von Hause aus Kameramann, durfte sich aber bereits 1963 bei Hammer auf den Regiestuhl setzen und dreht dort nicht nur „Frankensteins Ungeheuer“ drehen, sondern auch eine Reihe dunkler Psycho-Thriller, wie „Haus des Grauens“ oder „Der Satan mit den langen Wimpern“. Bei seinen Regiearbeiten bewies Freddie Francis jedes Mal, dass er vor allem ein Augenmensch mit dem besonderen Blick für das Ungewöhnliche und die perfekte Einstellung ist. In „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ vertraut er hinter der Kamera auf das Talent von Alan Hume, dem Stammkameramann der „Carry On..“-Reihe, der zuvor aber auch Hammers „Der Kuss des Vampirs“ fotografiert hatte. Zurecht, denn „Die Todeskarten des Dr. Scheck“ sieht sehr gut aus. Nicht nur die stimmige Fotografie im engen Bahnabteil ist sehr gelungen, auch die düster-bunten Bilder vor allem aus der ersten und zweiten Episode wissen zu gefallen.

Für das Drehbuch zeichnete sich Produzent Milton Subotsky verantwortlich, der bereits in den 40er Jahren vor hatte, einen Anthologie-Film zu drehen. Für seine erste Horrorproduktion griff Subotsky also in die Schublade und fand dort fünf Kurzgeschichten, die mit dem Werwolf, dem Vampir, Voodoo, der tödlichen Pflanze und der gruseligen Hand aus dem Totenreich einige populäre Themen aufgriffen, die das Genre schon länger begleiten. Allerdings, auch dies muss gesagt werden, war Milton Subotsky kein begnadeter Geschichtenerzähler. Gerade hier kränkelt Francis‘ Film ziemlich. Die geheimnisvolle Bahnfahrt ist zwar eine hübsche Idee, doch wenn man darüber zu lange nachdenkt auch wieder sinnlos. Welche Zukunft sagt Dr. Schreck seinen Mitfahrern voraus? Jedenfalls nicht die, welche sie am Ende erwartet. Die Auflösung der ersten Episode ist derart verworren, dass ich auch beim zweiten Mal nicht begriffen habe, wie das alles mit den Werwölfen zusammenhängt. Auch in den weiteren Stories will das Eine nicht immer zum Anderen passen. Insbesondere bei der letzten Episode, die stark an eine „Twilight Zone“-Episode erinnert, macht das Verhalten der Protagonisten keinerlei Sinn und gerade Donald Sutherlands Charakter verhält derartig widersinnig, dass Spannung gar nicht erst aufkommen will. Aber da diese Episode sowieso als schwarze Komödie angelegt ist, möge man Sutherlands Figur ihre naive Dummheit verzeihen. („Ach, sie sagen meine geliebte Ehefrau ist ein Vampir? Na gut, wenn sie meinen. Dann mal her mit dem Holzpflock“.)

Die inhaltlichen Schwächen gleicht der Film durch die oben bereits erwähnte erlesene und sehr stimmungsvolle Fotografie wieder aus, die ein Maximum aus dem knappen Budget herausholt. Aber auch mit der Besetzung der „Körperlose Hand“-Geschichte, die das Highlight des Filmes darstellt, kann gepunktet werden. Christopher Lee ist hervorragend als eitler Kunstkritiker, und der wie immer exzellente Michael Gough gibt einen starken Gegenspieler. Zwischen verschmitzt-listig und zutiefst verzweifelt zeigt Gough alle Facetten seiner, leider immer im Schatten der Stars Cushing und Lee stehenden, Schauspielkunst. Eine sehr natürliche, schon mehr ans New Hollywood als traditionellem britischen Kino angelegte, Darstellung gibt auch der blutjunge Kanadier Donald Sutherland kurz vor dem Sprung zur Weltkarriere. Schade, dass gerade seine Rolle enttäuschend flach geschrieben ist. In den weiteren Filmen aus der Amicus-Schmiede, die dem großen Erfolg von „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ folgen sollten, gab Milton Subotsky dann auch die schreibende Tätigkeit an den bekannten US-Autoren Robert Bloch (der u.a. die literarische Vorlage zu „Psycho“ lieferte und gut mit H.P. Lovecraft befreundet war) ab.

Neben der „Körperlosen Hand“ ist die „Voodoo“-Episode der stärkste Teil des Filmes. Nicht nur, weil Francis zusammen mit seinem Kameramann Alan Hume für einige starke Szenen sorgen, sondern vor allem wegen des Soundtracks. In der Rolle des Bandleaders Biff Bailey wurde der Trompeter und Sänger Roy Castle angeheuert. Dieser bringt trotz offensichtlich mangelnder Erfahrung vor der Kamera, genau die richtige Mischung aus Unbedarftheit und Arroganz mit, um seine Rolle glaubhaft zu gestalten. Ferner wurde mit Tubby Hayes ein Jazz-Musiker für die zusätzliche Musik dieser Episode verpflichtet, der für einen akustischen Hochgenuss sorgt. Das Jazz-Arrangement, welches Hayes aus der unheimlichen Voodoo-Melodie geschaffen hat, ist mehr als gelungen und man wünschte sich eine Veröffentlichung auf CD. Tatsächlich soll es aber nur auf einer obskuren und heute sehr, sehr raren Vinyl-Scheibe aufgetaucht sein. Sehr schade. Bei allem Enthusiasmus über das „Voodoo“-Stück sollte man aber nicht vergessen, Elisabeth Lutyens zu erwähnen, die für den „normalen“ Score des Filmes verantwortlich war und hier – gerade in der ersten Geschichte – eine überzeugende Arbeit abgeliefert hat.

Obwohl inhaltlich nicht immer überzeugend, punktet „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ mit seinem wunderbaren old-school-Charme, der guten Lee/Gough-Episode, weit überdurchschnittlichem Handwerk und zeitweise brillanter Musikuntermalung.

„Die Todeskarten des Dr. Schreck“ ist die erste Veröffentlichung des jungen Labels Wicked Vison Media, welches aus der Wicked-Vision-Homepage und dem Wicked Vicion Magazin hervorging. Und das Debüt kann sich mehr als sehen lassen. Als Grundlage der Blu-ray wurde ein 4K-Scan des Original-Kamera-Negativs verwendet, der alles aus dem Film herausholt, was möglich ist. Das Bild erstrahlt dadurch insbesondere bei den farbintensiven Episoden „Werwolf“ und „Voodoo“ in neuem Glanze. Auch beim Ton gibt es keinen Grund zum Meckern. Zwar merkt man der deutschen Tonspur ein wenig die Jahre an, die sie auf dem Buckel hat – die englische Tonspur erklingt jedoch makellos. In Punkte Extras schöpft Wicked Vision Media aus dem Vollen und lässt die Augen und Ohren leuchten. Nach einem nett gefilmten Intro, in dem Filmwissenschaftler Dr. Rolf Giesen für Experten keine neuen, für Einsteiger aber recht interessanten Kurz-Informationen zum Besten gibt, kann man sich aussuchen, ob man den Film vielleicht auch mit dem Audiokommentar des Regisseurs Freddie Francis oder lieber noch mit dem Audiokommentar des Duos Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad ansehen möchte. Ein Highlight der Veröffentlichung ist eine fast einstündige Doku des britischen Filmemachers Jake West, der zahlreiche Zeitzeugen zu „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ befragt. Wer die HD-Version damit vergleichen will, wie der Film bei uns im Kino aussah, für den ist noch eine Abtastung der deutschen 35mm-Fassung mit dabei. Weitere Extras beinhalten die deutsche Titel- und Endsequenz, den deutschen, englischen und italienischen Kinotrailer, die internationale Titel- und Endsequenzen, diverse Bildergalerien, Werberatschläge und Programm- und Pressehefte. Easter Eggs soll es auch geben, habe ich aber nicht nach gesucht. Ferner kann der Fan auf der Tonspur zwischen dem Originalton, der restaurierten deutschen Kinosynchro und der deutschen TV-Synchro wechseln. Toll. Noch toller ist allerdings die Ankündigung, dass Wicked Vision Media in diesem Jahr noch David Cronenbergs „Die Brut“, Mario Bavas „Hatchet for the Honeymoon“ und vor allen Dingen –*tusch* – eine Jean-Rollin-Reihe herausbringt. Wenn das kein Grund zu ekstatischer Freude ist…

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Das Bloggen der Anderen (09-02-16)

bartonfink_type2– Im Januar hat die Filmwelt sehr viele Künstler verloren. Wer uns alles fehlen wird, hat Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog zusammengetragen.

– Im Februar ging es leider gleich weiter. Screen/read erinnert an Haro Senft. Ausgesprochen interessant ist der Text über Jerry Lewis‘ „verlorenen“ Film „The Day, the Clown Cried“, zu dem es auch kürzlich eine Dokumentation in der ARD zu sehen gab – der aber leider nicht in der Mediathek zu finden ist.

– Rüdiger Suchskind trägt auf Out-takes einige interessante Gedanken zu Dieter Kosslick, Til Schweiger und dem Status Quo des deutschen Filmes zusammen.

– Ganz wunderbar geraten ist Rainer Knepperges‘ Text auf critic.de über das kommerzielle deutsche Kino des Jahres 1966, welches sich als Ergänzung und Gegenstück zum Thema der diesjährigen Berlinale versteht. Unbedingt lesenswert.

– Andreas Köhnemann beendet mit der 10. Folge seine Berichterstattung vom Sundance Festival auf B-Roll und zieht ein Fazit. „Jacques Rivette ist gestorben. Er wurde 87 Jahre alt. Wer seine Filme und Texte nicht kennt, hat wenig vom Kino verstanden.“ So beginnt Patrick Holzapfels langer und sehr liebevoller Nachruf auf den französischen Großmeister. Beatrice Behn schreibt höchst informativ über die „Vorbehaltsfilme“ und ihre Rolle im modernen Internetzeitalter.

– Noch einmal Patrick Holzapfel. Auf Jugend ohne Film beschreibt er, wie ein einzigartiges Screening des Films Hurlements en faveur de Sade von Guy Debord im Österreichischen Filmmuseum, unter anderen Umständen noch deutlich einzigartiger hätte sein können, wenn man Einzigartigkeit steigern könnte. Und für mich eines der Highlights der letzten Woche: Thomas Rufin über die Verbindung Tarkowski und Bach.

– Ebenfalls sehr gut hat mit Mauritia Mayers Reisebericht und Drehortvergleich auf Schattenlichter gefallen. Sie war auf Sardinien und hat sich dort auf die Spur einiger dort gedrehter Filme begeben. Sehr schön und für mich besonders reizvoll, da es auch schöne Erinnerungen an meine Hochzeitreise weckt.

Der wunderschöne „Spuren auf dem Mond“ wurde zwar nicht auf Sardinien, sondern wahrscheinlich in der Türkei, gedreht, aber trotzdem soll an dieser Stelle auf funxtons Besprechung dieses kleinen Meisterwerkes hingewiesen werden. Ebenso wie auf „Die weiße Mafia“, der demnächst auf DVD erscheint.

– In Erinnerung an den kürzlich verstorben Regisseur und Drehbuchautor Ettore Scola stellt Udo Rotenberg auf L’amore in città den Film „I nuovi mostri“ vor.

– Aus deutschen Landen stammt der großartige „Die Engel von St. Pauli“ von Jürgen Roland, der hier, ebenso wie seine Filmbesprechung auf Nischenkino, uneingeschränkt empfohlen werden soll.

– Sehr spannend klingt auch „Im Spinnwebhaus“, der bei der Berlinale der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ läuft. Ronny Dombrowski von Cinetastic ist jedenfalls sehr angetan.

– Wie gewohnt aus mehreren Blickwinkeln nähert sich das Team von Daumenkino dem vorerst letzten Film aus dem Hause Ghibli: Hiromasa Yonebayashis „Erinnerungen an Marnie“.

– Und auch YP und PD diskutieren wieder fröhlich auf Film im Dialog. Diesmal über den gerade im Kino laufenden Film „Brooklyn“. https://filmimdialog.wordpress.com/2016/02/05/brooklyn/

– Peter Greenaways neuer Film „Eisenstein in Guanajuato“ kommt bei Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de nicht so gut weg, macht mich aber trotzdem – oder gerade deshalb – ausgesprochen neugierig.

– Volker Schönenberger empfiehlt auf Die Nacht der lebenden Texte die neuseeländischen Splatter-Komödie „Deathgasm“. „In der Gewalt der Riesenameisen“ kann er zwar nicht mit gutem Gewissen empfehlen, Spaß gemacht hat er ihm trotzdem.

– Spaß hat auch yzordderrexxiii das Wiedersehen mit „A Nightmare on Elm Street 4“ gemacht auch wenn er bei der abschließenden Bewertung unentschlossen ist. Seine Argumente für und wider würde ich so unterschreiben.

– Ich gehe auch mit Schlombie von Schlombies Filmbsprechungen konform, wenn er „Hügel der blutigen Augen“ hui bespricht und dessen Fortsetzung „Im Todestal der Wölfe“ mit pfui bewertet.

– Bei Oliver Nöding auf Remember It For Later tummeln sich Joe D’Amato, Lucio Fulci und der gute Guillermo del Toro. Und ich freue mich, dass del Toros „Crimson Peak“ (den ich leider noch nicht gesehen habe) endlich mal positiv aufgenommen wird.

– Es ist nicht das, was jetzt ihr denkt. Michael Schleeh bespricht auf Schneeland Haider“.

– Alex Matzkeit präsentiert auf real virtuality wieder spannende Real Virtualinks.

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DVD-Rezension: “Frankensteins Höllenbrut“

hoellenbrutDer Comic-Zeichner Gengo (Hiroshi Ishikawa) kommt einem gewaltigen Komplott auf die Spur. Bei seinen zukünftigen Arbeitgeber vom Weltkinderland ist er zufällig an ein geheimes Tonband gekommen, welches die schöne Machiko (Tomoko Umeda) auf der Flucht vor seinem Chef in spé verloren hat. Mit Hilfe des Tonbandes findet er heraus, dass das Kinderland als Basis für außerirdischen Invasoren dient. Diese wollen die Menschheit mithilfe der beiden Monster King Ghidorah und Gigan vernichten, und sich die Welt für ihrer Rasse von Insekten-Wesen untertan machen. Höchste Zeit für Godzilla und seinen Kumpel Angilas einzuschreiten und die bösen Mächte aufzuhalten.

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Nachdem der 11. Filme der Godzilla-Reihe, „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ an der Kinokasse durchgefallen und Regisseur Yoshimitsu Banno in die Wüste gejagt worden war, wandte man sich wieder einmal an Jun Fukuda der Ende der 60er den Staffelstab von Ishirō Honda übernommen hatte und schon einige preisgünstige, aber erfolgreiche Godzilla-Filme abgeliefert hatte. Eins war klar: Experimente wie bei den „Teufelsmonstern“ würde es nicht wieder geben. Was bedauerlich war, denn der psychedelisch-surreale „Teufelsmonster“ zählt für mich zu den interessantesten und liebsten Filmen der Reihe. Immerhin ließ man es sich nicht nehmen, auch noch einmal das Thema Umweltverschmutzung in seine Werk mit aufzunehmen, was mit zahlreichen Einstellungen aus dem Vorgängerfilm illustriert wurde. Überhaupt hatte man sich bei „Frankensteins Höllenbrut“ dazu entschlossen, kräftig am Budget zu sparen und zahlreiche Szenen aus älteren Filmen zu recyceln. Was aber zugegeben dem Laien nicht unbedingt gleich auffallen würde – nur wenn man genau hinschaut, bemerkt man, dass sich die Helligkeit der Szenen und Godzillas Aussehen hier und dort verändert.

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Da es ja in der Vergangenheit immer gut geklappt hat, wurde für „Frankensteins Höllenbrut“ das gute, alte Alien-Invasoren-Motiv reaktiviert. Wir ihre Vorgänger in „Befehl aus dem Dunkel“ geben sich die bösen Außerirdischen als Wohltäter der Menschheit aus, um dann die Filmmonster gegeneinander antreten zu lassen, die dabei quasi im Vorbeigehen Tokio zerstören. Dieser Plan gelingt ihnen auch recht gut und beschert dem Film einige schöne Monster-Fights (wenn auch aufgrund des oben erwähnten Recyclings mit einigem Wiedererkennungsfaktor) und auch ein neues Monster. Gigan sieht zwar aus wie ein überdimensionales Huhn, konnte aber eine solche Popularität erreichen, dass er im nächsten Film, „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ gleich wieder mit dabei ist. Da gerade in der zweiten Hälfte das immer weiter ausufernde Finale die eigentliche Handlung verdrängt, kommen die Freunde des zünftigen old-school Kaiju-Gekloppes voll auf ihre Kosten.

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Obwohl sich „Frankensteins Höllenbrut“ in erster Linie an ein kindliches Publikum wendet, ist er gleichzeitig der brutalste Godzilla-Film bis dahin. War in „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ schon ein Tabu gebrochen worden und die Opfer der Monsterattacken gezeigt worden, so spritzt hier erstmals bei den Monster-Kämpfen das Blut. Gigan schlägt Godzilla seine scharfen Klauen in den Schädel und der Monster-Igel Anguirus macht Bekanntschaft mit der Kreissäge, die in aus Gigans Bauch wächst. Gleichzeitig aber gefällt sich der Film auch in kindlichen Albereien. So unterhalten sich Godzilla und Anguirus in der Originalversion wortreich. Dies wird dadurch verdeutlicht, dass große Sprechblasen mit japanischen Schriftzeichen eingeblendet werden, die den Dialog – in dem Godzilla ziemlich autoritär auftritt – wiedergeben. In der deutschen Fassung fehlen die Sprechblasen zwar, aber Godzillas Gesten und Töne sind auch hier recht eindeutig als Kommandos an Anguirus zu verstehen. Ob man diese lustige Vermenschlichung der Monster gut findet oder nicht, ist wohl auch eine Frage des Alters.

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Ferner wird weiter an einem neuen Monster-Mythos gestrickt. Alle Monster leben – wie schon in „Frankenstein und die Monster aus dem All„– gemeinsam friedlich auf der Monsterinsel. Diese verlassen sie nur, wenn Not an Mann bzw. Monster ist und die Menschheit vor bösen Monstern geschützt werden muss. Godzilla & Co. sind also nicht mehr die furchterregenden Feinde, sondern so etwas wie eine Super-Eingreiftruppe, wenn der Menschheit Gefahr droht. Da ist es dann auch ganz selbstverständlich, wenn sich die Monster wie Superhelden agieren und sich mit einem fröhlich-energischen „Komm mit, es gibt etwas zu tun“ in die Fluten stürzen, um nach Tokio zu schwimmen. Sie sind also keine Naturgewalten mehr, die über Japan herfallen, sondern so etwas wie Naturgötter. Wobei dieser Ansatz erst in dem sehr viel später entstandenen „Godzilla, Mothra and King Ghidorah“ voll ausgespielt wurde. Die Menschen scheinen sich dessen bewusst und leben in friedlichen Co-Existenz mit den Monstern, was man daran erkennt, dass die Hauptattraktion eines Kinderfreizeitparks ausgerechnet ein „Godzilla-Turm“ ist.

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Den erwachsenen Zuschauer wird es freuen, dass diesmal auf einen nervigen Kinderdarsteller verzichtet wurde und auch die Hauptdarsteller sich nicht von der üblichen Hysterie anstecken lassen, sondern sympathisch und verhältnismäßig kompetent zu Werke gehen. Wer sich die deutsche Tonspur gönnt wird zudem mit einem Best-Of-Synchronsprecher bedient. Alles was in den 70ern hier Rang und Namen hatte, leiht hier den japanischen Schauspielern seine Stimme. Brückner, Danneberg, Martienzen, Chevalier – alle sind sie dabei. Da stört es dann auch nicht, dass Godzilla eines seiner schlimmsten Kostüme tragen muss, die ihn oftmals wie einen überdimensionierten Frosch aussehen lässt. In den vielen Schnippseln aus älteren Filmen sieht er dann ja auch deutlich besser aus. Ein optisches Highlight ist wieder einmal der goldene, dreiköpfige Drache King Ghidorah – überhaupt eines der bestaussehenden Monster des Toho’er kaijun-Universums. Schön auch die Idee, für die Darstellung der insektenförmigen Invasoren echte Kakerlaken in Großaufnahme zu verwenden. Auch dieses dürfte ein Novum in der langjährigen Kaiju-Geschichte sein.

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„Frankensteins Höllenbrut“ mag nicht zu den absoluten Highlights der Serie gehört und durch kostensparendes Recycling alter Filmschnipsel negativ auffallen. Dennoch kann der munterer Monster-Spaß all jenen ans Herz gelegt werden, die sich eine kindliche Freude an den japanischen „Männer in Monsterkostümen“ und ihren endlosen Keilereien bewahrt haben. Dass dabei auf allzu infantilen Humor und Kinder verzichtet wurde, weiß ebenfalls zu gefallen.

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Die in der Reihe „Kaiju Classics“ herausgekommene DVD reiht sich nahtlos in die wunderbaren Veröffentlichungen ein, mit der Anolis in den letzten Jahren die Monster-Fans erfreut hat. Wieder sind zwei Versionen auf zwei DVDs mit dabei. Die ungekürzte, japanische Fassung und die um viel Handlung und blutige Details im Finalkampf verzichtende deutsche Kinofassung. Und selbstverständlich haben wieder viele Experten mitgeholfen und wieder gleich drei Autokommentare eingesprochen. Das Trio Jörg Buttgereit, Alexander Iffländer und Bodo Traber übernehmen, ebenso wie Florian Bahr, die Kommentierung der japanischen Fassung auf Disc 1. Auf der zweiten Scheibe mit der deutschen Kinofassung kommt Torsten Rosemann zu Wort. Ferner im dem sich über beide Discs erstreckendem Bonusmaterial: Der japanische und der deutsche Trailer, eine Super-8-Fassung, Bildergalerien mit japanischen, internationalen und deutschem Material. Nicht zu vergessen, das informative 20-seitige Booklet von Ingo Strecker. Von der Bildqualität her, weiß die Veröffentlichung erwartungsgemäß auch wieder zu überzeugen. Sowohl die deutsche als auch die japanische Fassung erfreuen mit einem klaren Bild und guten Schwarzwerten, wobei die Japan-Fassung leicht die Nase vorne hat. Auch der Ton ist sauber und deutlich, wobei man der deutschen Synchro ihr Alter etwas anhört, wenn man nur genau genug die Ohren spitzt.

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