DVD-Rezension: „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“

polypIm kalifornischen Solana Beach verschwindet erst ein Baby nahe des Wassers, dann ein alter Segler, dessen entstellte Leiche von einem jungen Pärchen gefunden wird. Der Journalist Ned Turner (John Huston) geht der Sache nach und findet heraus, dass der Bau eines Unterwassertunnels durch die Firma Trojan, die dem einflussreichen Mr. Whitehead (Henry Fonda) gehört, ein gigantischer Oktopus aufgestört hat, der nun Jagd auf Schwimmer und Boote macht. Turner überredet daraufhin den Meeresforscher Will Gleason (Bo Hopkins) sich auf die Suche nach dem Riesenoktopus zu machen…

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Das waren noch Zeiten, als sich die Italiener mit Leidenschaft und einer Portion Dreistigkeit daran machten, erfolgreiche Hollywood-Produktionen zu kopieren, und dabei zu etwas ganz eigenem umzubiegen. Natürlich lag 1977 nichts näher auf der Hand, als auf den großen Killerfisch-Hype aufzuspringen, der durch Steven Spielbergs enorm erfolg- wie ein einflussreichen „Der weiße Hai“ losgetreten wurde. Statt eines großen weißen Hais, entschied sich Produzent und Regisseur Ovidio G. Assonitis (der zuvor auch schon mit eine erfolgreich „Exorzist“-Variante geschaffen hatte) für einen gewaltigen Oktopus, der seinen Opfern das Rückenmark aussaugt. Hier findet sich leider auch gleich das Hauptproblem von „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen„: Man sieht diesen Oktopus nicht wirklich. Und wenn, ist er bei unter Wasseraufnahmen deutlich als Aquariumaufnahme eines echten, normal großen Tieres zu erkennen. Über Wasser wiederum sieht man irgendwann mal kurz zwei Augen auf einem Plastikkopf. Aber das war es dann auch. Nie kommt es zu einer grafischen Attacke. Die Leute verschwinden einfach oder werden maximal noch unter Wasser gezogen. Zu keiner Zeit sieht man, was passiert und auch das furchtbare Knochenmark-Aussaugen wird einmal behauptet und dann nie wieder aufgegriffen.

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Freunde von deftigem Tier-Horror kommen also nicht wirklich auf ihre Kosten, auch wenn Regisseur zwei durchaus spannende und gruselige Angriffssequenzen inszeniert hat. Diese zeigen dann auch, dass die Idee vom Riesenoktopus durchaus gruseliges Potential hat, auch wenn man kein Geld zur Verfügung hat, um die Bestie und ihre Untaten in Szene zu setzen. Eine nächtliche Attacke auf ein Boot, sowie der verzweifelte Fluchtversuch der einzigen Überlebenden ist einigermaßen aufregend und unheimlich in Szene gesetzt. Auch die Kinder-Regatta, in deren Mitte plötzlich der Oktopus auf Jagd geht (eine Szene, die so auch fast 1:1 in dem erst ein Jahr später in die Kinos gekommenen „Der weiße Hai“-Sequel vorkommt) sorgt zunächst für Suspense. Doch dann kommt der coitus interuptus. Gerade wenn die gewaltige Silhouette des Oktopus unter dem Boot der Kinder auftaucht, wird abgeblendet und auf die im Hafen auf die Geretteten Wartenden geschnitten. Da fühlt man sich dann irgendwie betrogen, wenn zusätzlich noch die unzähligen durch die angebliche, nie gezeigte Oktopus-Attacke gekenterten Boote gezeigt werden, streut das noch Salz in die Wunde.

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Ein anderer Kritikpunkt ist die etwas alberne Idee, dem Hauptdarsteller und Helden zwei freundliche Killerwale zur Seite zu stellen, die ihm im letzten Augenblick im Kampf gegen das Tentakelmonster beistehen. Das hat dann mehr wie „Flipper“ als von „Der weiße Hai“. Es zeigt aber auch, dass die Italiener keine Hemmungen hatten, verrückte und vollkommen abwegige Ideen in ihre Filme einzubringen. Und gerade dies macht ihre Filme so unverwechselbar und trotz aller Fehler dem „Gewollt-trashigen“-Blödsinn ala „Sharknado“ überlegen. Diese abstruse Idee wird einfach völlig ironiefrei und ohne Rücksicht auf Verluste knallhart durchgezogen. Leider ist der finale Kampf Oktopus gegen Killerwale (bei dem zwei Killerwalschatten – mehr erkennt man nicht – auf einen toten Oktopus losgelassen wurden) reichlich unübersichtlich geraten. Nur manchmal entschädigt der Film solch ein schwerwiegendes Manko mit dann doch auch gelungen und beunruhigenden Szenen, beispielsweise wenn zwei Taucher mit ihrem Mini-U-Boot durch einen Wald toter Fische fahren.

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Der Clou des Filmes ist überaus prominente Besetzung, bei der man sicherlich nicht erwartet hätte, sie in einem italienischen „Der weiße Hai“-Rip-Off anzutreffen. Henry Fonda hatte ja durchaus schon Erfahrungen in italienischen Filmen und ist hier trotz prominenter Platzierung nur in einer kleinen Nebenrolle zu sehen, die in knapp zwei Drehtagen abgehandelt wurde und für den Film eigentlich keine echte Bedeutung hat. Die unvergleichliche Shelley Winters spielt die etwas skurrile Alte mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. So wie sie es nach dem „Poseidon Inferno“ häufig tat. In „Der Polyp“ darf sie dafür zur Belohnung den größten Sombrero der Welt tragen. Sehr überraschend ist es auch, Regie-Legende John Huston in diesem Film zu sehen. Huston, der Klassiker wie „Asphalt Dschungel“ oder „Die Spur des Falken“ drehte, trat ab den 60er Jahren häufiger vor die Kamera (am prominentesten in „Chinatown“), doch in „Der Polyp“ hätte man ihn jetzt nicht unbedingt erwartet. Als Journalist Ned Turner hat er auch nicht besonders viel zu tun, und obwohl er der Protagonist der ersten Hälfte des Filmes ist, verschwindet er dann später, zusammen mit seiner Film-Schwester Shelley Winters, kommentarlos aus der Handlung. Der Stab wird dann an Bo Hopkins weitergegeben, der in den ersten 60 Minuten gerade mal eine erweiterte Nebenrolle inne hatte, nun aber zum Helden des Filmes gemacht wird. Hopkins, damals ein vielbeschäftigter Charakterdarsteller, schlafwandelt allerdings durch seine Rolle, und bemüht sich dabei nicht gerade zu verbergen, dass er das, wo er da hineingeraten ist, für ziemlichen Schrott und unter seiner Würde hält.

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Eine große Stärke des Filmes ist seine tolle Musik, für die sich Stelvio Cipriani verantwortlich zeichnet, der durch seine großartigen Scores für italienische Polizeifilme, die sogenannten Poliziotteschi, einen großen Fankreis besitzt. In „Der Polyp“ recycelt er sein grandiosen Titelthema aus „Der Tod trägt schwarzes Leder“, was zunächst einmal seltsam anmutet, sich aber spätestens bei der großen Regatta-Szene gut in den Film einfügt und auch einmal für zusätzliche Pulsschläge sorgt. Kameramann Roberto D’Ettorre Piazzoli ist ebenfalls kein Unbekannter im italienischen Genrefilm, sondern arbeitete regelmäßig mit Produzent und Regisseur Ovidio G. Assonitis zusammen. Unter anderem bei dessen bereits oben erwähnten, unfassbaren „Exorzist“-Variante „Vom Satan gezeugt“ oder James Camerons, von Assonitis produzierten, Regie-Debüt „Piranhas 2: Fliegende Killer“. Und trotz der amerikanischen Drehorte und Darsteller, bleibt „Der Polyp“ ein typisches – wenn auch etwas langweiliges – Produkt der italienischen Film-Küche. Denn nur dort kann es dann auch Szenen geben, in denen Babies und Kinder dem Monster zum Opfer fallen, und nette Killerwale den Flipper machen.

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Leider ist „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“ ein reichlich lahmer und unspektakulärer Vertreter des Tierhorror-Films geworden, der zu allem Überfluss auch fast gänzlich den Blick auf seinen Titelhelden verwehrt und auch dessen Attacken der Fantasie des Zuschauers überlässt. Immerhin kann Stelvio Ciprianis tolle Musik und die solide Kameraarbeit überzeugen. Nur ganz selten deutet „Der Polyp“ an, welches Potential hier eingeschlummert ist.

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Der in der „Creature Feature“-Reihe des Hauses Koch Media als Nummer 4 erschienene Films wird im Widescreen-Format von 2,35:1 präsentiert. Über kleinere Macken und Verschmutzungen kann man getrost hinwegsehen, da das Bild an sich sehr scharf ist. Der Ton liegt zwar in der deutschen und auch englischen Fassung vor, nicht jedoch in der italienischen. Beide Fassungen gehen von der Qualität her in Ordnung. und ist dem Alter entsprechend ebenfalls in Ordnung. Als Extras gibt es zwei deutsche und einen englischen Trailer zum Film, einen englischen Radio-Werbespot und eine umfangreiche Bildergalerie.

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Das Bloggen der Anderen (02-05-16)

bartonfink_type2– Prince ist tot. Trotz drei von ihm konzipierter Filmen fand ich in der Filmblog-Szene keinen Nachruf auf den großen, kleinen Mann. Bevor ich nun in die aktuelle Ausgabe des „Bloggen der Anderen“ einsteige, hier mein Posting auf Facebook, kurz nachdem ich von seinem Tod erfahren habe. Auch wenn das mehr mit mir und mit Musik als mit Film zu tun hat: „Die Nachricht des plötzlichen und unerwarteten Todes eines meiner großen Musik-Heroen, Mr. Prince Rogers Nelson, hat mir einen gehörigen Schlag über den Schädel verpasst. Ich bin seit 24 Jahren ein großer Verehrer seiner Musik, die mich durch viele Phasen meines Lebens begleitet hat. Ich erinnere mich noch ganz genau an mein Aha-Erlebnis, den Moment in dem es „Klick“ gemacht hat. Natürlich kannte ich Prince seit Anfang der 80er, doch das „Klick“ kam erst 1992, als ich zu vorgerückten Stunde in einer besonderen, wein-seligen Stimmung „Temptation“ vom „Around the World in a Day“-Album hörte. Ab da war es um mich geschehen. Kurz darauf verlor ich mich im „Lovesexy“-Album und lernte zwischen den Hauptmelodien die kleinen versteckten Miniaturen zu erkundete, die oftmals dann später in anderen Songs wieder aufgenommen und fortgeführt wurden. Besonders in der schwierigen Zeit mit „The Gold Experience“ und „Come“ gab es so viel zu entdecken. Prince ist einer der Künstler, die ich auch nie aus den Augen verlor, bei denen ich nicht nur jedes Album sofort kaufte – egal wie obskur – sondern auch das Netz nach Bootlegs und unveröffentlichtem Material durchforstete, mir seine vielen Neben-Projekte einverleibte und durch die halbe Stadt rannte, um noch irgendwo das Rolling-Stone-Magazin mit seiner neuer Scheibe zu ergattern. Gerade hatte ich – mit etwas Verspätung – seine innerhalb kürzester Zeit erscheinen drei neuen Platten gekauft. Mit „Hit ’n Run Phase 1“ wurde ich erst noch nicht warm, doch irgendwie konnte ich auch nicht davon lassen und tatsächlich – mit jedem Durchgang wuchs die Liebe. Und ich freute mich schon auf „Phase 2“ und all die anderen neuen, aufregenden Dinge für die Prince immer gut war. Ich bin ihm gerne auf seinen musikalischen Wegen gefolgt. Nun ist dieser Weg zu Ende und das macht mich sehr, sehr traurig. Da tröstet mich auch nicht, dass es in seinem Archiv wahrscheinlich noch tausende unveröffentlichter Songs gibt. Der kleine Mann aus Minneapolis fehlt mir schon jetzt. Ruhen Sie in Frieden, Mr. Nelson.“ Ein weiteren sehr schönen Nachruf hat Oliver Nöding auf Remember It For Later in Form einer Rezension des Films „Purple Rain“ geschrieben.

– Rainer Kienböck bespricht auf dem Blog Jugend ohne Film ausführlich den leider viel zu unbekannten Film „Moonlightning“ des großen Jerzy Skolimowski, den dieser 1982 mit Jeremy Irons in der Hauptrolle in England realisierte. Patrick Holzapfel beschäftigt sich mit Anthony Mann und der Bedeutung der Grenze in dessen Werk.

– Auf B-Roll hat Patrick anlässlich ihres ihren 70. (oder 68.) Geburtstags ein Portrait der französischen Regisseurin Claire Denis veröffentlicht, sowie Lars von Trier zu dessen 60. ein Bildgedicht gewidmet. Martin Beck echauffiert sich über das miserable Horror-Angebot bei den Streaming-Riesen (wobei ich gerne ergänze, dass dies nicht nur ein Problem des Horror-, sondern des älteren – 10 Jahr plus – Films im allgemeinen ist). Sonja Hartl beschäftigt sich im vierten Teil ihrer wundervollen Film Noir-Betrachtung mit „Entwicklungen und Abweichungen“.

– „Deutsches Kino, wir müssen reden!“ ruft Rochus Wolff auf Kinderfilmblog angesichts der erschreckend schwachen Kinderfilme „Made in Germany“.

– Filmfestivalberichte auf critic.de. Gabriela Seidel-Hollaender war beim „Crossing Europe“ in Linz und Till Kadritzke beim Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|Köln.

– Alex Klotz setzt auf Hypnosemaschinen seinen Bericht vom Terza Visione #3 mit Tag 2 fort.

– Während ihres Abruzzen-Urlaubs im Jahr 2012, machte Mauritia Mayer auch einen Abstecher in die umbrische Hauptstadt Perugia wo sie die Drehorte von Sergio Martinos „Säge des Teufels“ aufsuchte. Dokumentiert hat sie dies auf Schattenlichter.

– Udo Rotenberg schreibt auf L’amore in città über Stenos Komödie „Nachtwächter, Dieb und Dienstmädchen“ von 1958, bei der auch Lucio Fulci die Hand im Spiel hatte.

– Wenn Sebastian von Nischenkino sich etwas wünschen könnte, dann wäre darunter eine anständige, deutsche Veröffentlichung des Frühwerks des Action-Maestro John Woo, dessen bahnbrechende Werke fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Darum stellt Sebastian sie noch einmal vor.

– Letzte Woche war Disneys Zeichentrick-Klassiker „Das Dschungelbuch“ schon Thema bei Film im Dialog, jetzt hat Marco von Duoscope dem Film ein langes, interessantes Essay gewidmet, welches viele – mir zumindest – bisher unbekannte Fakten zum Vorschein bringt.

– Während Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen vom ersten Teil der „Unna-Trilogie“ des deutschen Filmemachers Peter Thorwarth noch (wie ich finde zu Recht) begeistert ist, kann ihn der dritte Teil, „Goldene Zeiten“, dann gar nicht mehr überzeugen.

Short Cuts Totale schaut sich weiter durch Ingmar Bergmanns Frühwerk. „Es regnet auf unsere Liebe“ findet er aber nur ganz nett.

– Cameron schreibt auf Drei Cineasten über Dreyers wunderbaren „Michael“.

– Ich mag die Musical-Version von „Little Shop of Horrors“ sehr gerne und wusste gar nicht, dass es da einen Director’s Cut gibt. Flo Lieb von symparanekronemoi klärte mich darüber auf.

– Ansgar Skulme ist auf seiner Reise durch die Filmwelt Robert Siodmaks auf Die Nacht der lebenden Texte nun bei dem grandiosen „Der rote Korsar“ angekommen.

– Filme für die ich eine kleine Schwäche habe: Die „Blood Island“-Filme von Eddie Romero. Totalschaden von Splattertrash wohl auch, wenn ich seine „Brides of Blood“-Besprechung richtig lese.

– Und zum Abschluss noch einer meiner liebsten Filme: „Messias des Bösen“ aka „Blood Busters“., der meine Träume schon seit den späten 80ern durchpflügt, seit ich ihn in halbwachem Zustand im Dämmerlicht nach einer Silvester-Party sah. Yzordderrexxiii hat ihn jetzt auch für sich entdeckt.

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„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 14 erhältlich

35MM-14Bei der aktuellen Ausgabe konnte ich bis auf eine DVD-Rezension von „Heiße Grenze“ (obwohl leider nicht mein Kürzel drunter steht) leider nichts beitragen. Die Redaktionskollegen hatten bereits alle Themen besetzt, als ich noch darüber nachgegrübelte, ob ich jetzt lieber über dies oder über jenes schreiben möchte. Aber auch so ist es wieder ein sehr schönes Heft geworden, welches ich den Lesern meines Blogs doch auch sehr gerne wieder ans Herz lege. Derweilen bastle ich schon mal an meinen Artikeln zur Nummer 15, die dann „Classic Beauties“ als Titelthema hat.

ZUR LAGE DES DEUTSCHEN STUMMFILMS – Interview mit Klaus Kreimeier

MITMACHKINO DER 20ER – Hüpfende Bälle und singende Zuschauer

MANIFEST ZUM STUMMFILM – Zur Schwerfälligkeit des tönenden Films

WIE DER FILM ZUR MUSIK KAM – Arrangieren, Kompilieren und Komponieren: Filmmusikpraxis in den 1920er Jahren

THE SOUND OF SILENCE – Die Anfänge der Filmmusik

DIE VERLORENE WELT – Als die Dinos laufen lernten

MEISTERWERKE IN BLECHBÜCHSEN – Beispiele fast vergessener Filme, die man leider nur schwer zu sehen bekommt

TORSO FILMERBE – Warum kaum ein Stummfilm mehr in seiner Original­fassung existiert

STUMMFILMARCHITEKTUR – Stille Monumentalität im Hintergrund

DER MÜDE TOD – Neu auf DVD

FRITZ LANG – Über Imitation und Biographie

KLASSIKER SEHEN – FILME VERSTEHEN – Filmgeschichte als Schulfach

ABENTEUER IN DER SÜDSEE – Hollywoods Garten Eden – Teil 2

Rubrik: Original & Remake – Kap der Angst

CONQUEST OF PARADISE – Hollywood-Expeditionen in der „Neuen Welt“

DEUTSCHE SYNCHRONSPRECHER – Margot Leonard

FILM AUF DEUTSCH – Besondere Synchronfassungen

MAYA DEREN – Symbolik und Surrealismus

Kolumne: QUOD ERAT MONSTER! – Sindbads 7. Reise

DIE RACHE DER GALERIE DES GRAUENS – Der Fluch des Dämonen & Planet der toten Seelen

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Mikio Naruse – Teil 4

Kolumne: Lichtblicke mit braunem Ton – Zwischen Kunst und Ideologie – Teil 8 – Peter Voss, der Millionendieb

Kolumne: CINEMAZZURRO – CALTIKI

Kolumne: DER VERGESSENE FILM – The War at Sea from Hawaii to Malaya

 

Heft #14 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

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DVD-Rezension: “King-Kong – Dämonen aus dem Weltall“

daemonen_aus_dem_weltallDurch die Atombombentests der Menschen fühlt sich das Unterwasserreich Seetopia bedroht. Um die Menschen zur Beendigung der Tests zu zwingen, beschwören sie das Monster Megalon. Zudem bemächtigen sie sich der neueste Erfindung des Erfinders Goro Ibuki (Katsuhiko Sasaki), des Roboters King Kong, und programmieren diesen so um, dass er Megalon zu den Menschen führt. Doch Goro gelingt es „King Kong wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dieser fliegt zu daraufhin auf die Monsterinsel, um Godzilla um Hilfe zu bitten. Dieser nimmt zusammen mit „King Kong“ den Kampf gegen Megalon auf, welcher allerdings Verstärkung vom Weltraum-Monster Gigan bekommt…

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King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ gilt gemeinhin als einer der schlechtesten Godzilla-Filme der ersten Staffel, die von 1954 bis 1975 dauerte. Meines Erachtens zu unrecht. Gut, dem Film wurde gewaltsam jegliche Ernsthaftigkeit ausgetrieben und aus Godzilla ein hüpfendes, Kung-Fu-kämpfendes, nettes Monster von Nebenan gemacht. Zudem griff man auch wieder auf eine nervige Kinderfigur zurück. Doch „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ versucht dabei erst gar nichts anderes zu sein, als quitschbunte und naive Unterhaltung, an der sowohl Kinder, als auch Kind gebliebene Erwachsene ihren Spaß haben können. „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ vereint und bestätigt eigentlich alle Vorurteile in sich, die der Laie landläufig Godzilla-Filmen gegenüber hat. Doch gerade dadurch wird er fast schon zum essentiellen Godzilla-Film. „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ ist genau diese bestimmte, fast schon verschüttete Erinnerung, die man an die nachmittäglichen Godzilla-Filme hatte. „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ strahlt diese kindliche Freude an bizarr-lustig aussehende Monster und deren stundenlanges Gekloppe aus.

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Gleichzeitig ist er der Höhepunkt des von Regisseur Jun Fukuda eingeschlagenen Weges, der die Reihe immer weiter in Richtung bunte Kinderunterhaltung drückte und aus Godzilla den Kumpeltyp machte, der immer dann auftaucht, wenn es gilt die Menschheit vor griesgrämigen Monstern zu retten. Da darf er schon mal einen kleinen Freudentanz aufführen oder in Kung-Fu-Postion gehen. Godzilla ist bei Fukuda nicht mehr die Urkraft, welche vernichten will, sondern der nette grüne Riese, mit dem man Spaß haben kann, und der einem Menschen nie ein Haar krümmen würde. Das hat dann zwar überhaupt nichts mehr mit dem ursprünglichen Godzilla zu tun – und noch weniger mit seiner Reinkaration aus den 80er, 90er und 00er Jahren – aber sehr viel mit dem Bild, welches man heute noch immer von Godzilla hat, wenn man früher nur ein paar Filme aus den späten 60ern und den 70ern im Nachmittagsprogramm der Privaten genossen hat.

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Neben der ausgelassenen Albernheit dürfte den Godzilla-Puristen auch die sehr limitierte Rolle ihres Lieblings sauer aufstoßen. Ursprünglich war der Film als Vehikel für den neuen Helden Jet Jaguar, einem flotten Roboter (statt King Kong hätte ihn die deutsche Synchro vielleicht besser Kling Klong nennen sollen), der seine eine Größe verändern kann, geplant. Doch allein auf Jet Jaguar wollte man sich dann doch nicht verlassen, weshalb dann doch noch der populäre Godzilla in den Film gepackt wurde. Ein weiterer Kritikpunkt wären auch – wie beim Vorgänger – die vielen Archivaufnahmen aus älteren Filmen, die die Kosten für die Kämpfe und Zerstörung nach unten drücken sollten. Auch mit dem Design des neuen Monsters Megalon, welches anscheinend von einer Küchenschabe inspiriert und mit ein seltsames Kreuz auf dem Kopf verziert wurde, hat sich die Toho nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Dafür wurde dem aus dem Vorgängerfilm bekannten Kampfhuhn Gigan ein neues, cooleres Aussehen verpasst. Der Film läuft dann auch zielstrebig und ohne größere Höhepunkte seinem fast halbstündigen Endkampf entgegen. Der Anteil der „menschlichen Handlung“ ist dementsprechend oberflächlich und schnell abgehakt.

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Im Grunde erzählt der Film nur wie die mittlerweile altbekannte Geschichte der Außerirdischen (hier zur Abwechslung mal Bewohner eines im Meer versunkenen Kontinents), die mit Hilfe einiger Monster die Kontrolle über die Erde erlangen wollen und schließlich aufgeben müssen, wenn Godzilla ihre monströse Super-Waffe verprügelt hat. Leider wurden die Untersee-Bewohner nicht besonders liebevoll gestaltet. Ein grobschlächtiger Amerikaner mit Seemanns-Tattoo spielt ihren Anführer und darf einmal von einigen Schönheiten umtanzen lassen. Dies übrigens die einzigen weiblichen Figuren in diesem Film, was noch einmal beweist, dass das Zielpublikum präpubertäre Jungs waren, die Monster eben geiler als Mädels finden. Das alles wirkt aber leider auch auffällig billig und lieblos. Auch bei anderen Szenen wurde sich nicht besonders viel Mühe gegeben. Gleich in der Eröffnungsszene wird vergessen, ein Erdbeben durch Wackeln der Kamera zu simulieren, so dass die armen Darsteller scheinbar ohne Grund hin und her stolpern. Doch gerade diese Unzulänglichkeiten, tragen auch zu dem besonderen Charme dieses Filmes bei. „King Kong – Dämonen aus dem Weltraum“ kann man entweder als buntes Spektakel für große Kinder oder peinlichen Tiefpunkt der mit einigem Ernst gestartet Godzilla-Reihe sehen. Nach „King Kong“ durfte der für die Infantilisierung der Reihe hauptsächlich verantwortliche Jun Fukuda noch „.King Kong gegen Godzilla“ inszenieren, bevor „Godzilla“-Vater Ishirō Honda die sogenannten Shōwa-Staffel mit „Die Brut des Teufels“ zu Grabe trug.

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Zugegeben, „King-Kong – Dämonen aus dem Weltall“ ist ein sehr infantiler und recht alberner Vertreter seines Genres. Zudem wurde aus Kostengründen wieder viel altes Material recycelt und die ganze Angelegenheit auf „kinderfreundlich“ inklusive nervigem Göre gebürstet. Trotzdem macht dieser simpel gestrickte Film mit seinem schier endlosen Monster-Gekloppe mit all seinem kindlichen Charme Spaß. Man sollte ihn nur nicht mit den früheren, grimmigeren Einträgen der Serie vergleichen. Das hier ist kunterbunter Kindergeburtstag.  Nicht mehr, nicht weniger. Das kann man mögen oder hassen.

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„King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ ist nun schon die dreizehnte Folge der wundervollen Kaiju Classics, die von Anolis wieder in einem schicken Metal-Pack und in gewohnt reichhaltiger Ausstattung veröffentlicht wurde. Neben dem höchst informativen und umfangreiches Booklet von Ingo Strecker, hat Anolis wieder zwei Versionen des Filmes in die Veröffentlichung gepackt. Auf DVD 1 befindet sich die japanische Fassung des Filmes mit einem Audiokommentar des bewährten Teams Jörg Buttgereit und Bodo Traber, sowie japanischer Trailer und US Trailer, ein spanischer Werberatschlag und eine Bildergalerie mit japanisch und internationalen Motiven. DVD 2 enthält die deutsche Kinofassung mit einem Audiokommentar von Florian Bahr. Ferner finde man hier den deutschen Trailer, die deutsche Super-8 Fassung, ein Scan des Filmprogramms und eine deutsche Bildergalerie. Das Bild beider Film-Fassungen bietet keinen Anlass zur Kritik und auch der Ton ist – trotz seines Alters – absolut sauber. Wieder eine tolle Veröffentlichung. Nummer 14 kann kommen.

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Das Bloggen der Anderen (25-04-16)

bartonfink_type2– Manfred Polak hat sich auf Whoknows presents mit einer Box beschäftigt, die von der Königlich Belgische Cinematek herausgegeben wurde und wichtige Werke der belgischen Avantgarde 1927-1937 präsentiert. Sehr spannend und ich merke wieder, dass ich meine Beschäftigung mit diesen Themen in letzter Zeit arg vernachlässigt habe. Aber da muss ich – aus anderen Gründen – demnächst eh noch mal ran. Warum nicht mit dieser Box? An der Cinematek in Brüssel bin ich sogar einmal vorbei gekommen und wollte ihr einen Besuch abstatten. Aber wie eigentlich immer – sie hatte geschlossen. Dieses „Glück“ verfolgt mich ja…

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film einen etwas erweiterten Text einer Einführung zu einem Screening von Manoel de Oliveiras „Visita ou Memórias e Confissões“ und Javier Oliveras „La sombra“ online gestellt, die er im Filmmuseum München hielt.

– Lukas Foerster schreibt auf Dirty LaundyVermischtes zu vier Filmen von Gérard Blain„.

– Unzählige Male habe ich auf diesem Blog schon auf den erschütternden Dokumentarfilm „The Act of Killing“ von Joshua Oppenheimer hingewiesen. Sebastian von Nischenkino bespricht diesen noch einmal zusammen mit dem (von mir leider noch nicht gesehenen) Nachfolger „The Look of Silence“.

– Beim Kinogänger gibt es eine Vorschau auf den Kinosommer 2016.

– Deutscher, semi-professioneller Horror, der auf Englisch gedreht wurde und auch einen „flotten“ englischen Titel hat? Da bin ich immer sehr, sehr skeptisch. Klingt doch, als ob jemand mit wenige Euro auf großes Hollywood machen will und statt eigener Ideen, die US-vorbilder nachäfft. Volker Schönenberger von Die Nacht der lebenden Texte fand „Beyond the Bridge“ allerdings recht gelungen und fordert „Ob Lichtspielhaus oder Puschenkino – gebt ihm eine Chance!“

– Sonja Hartl hat auf B-Roll den dritten Teil ihrer tollen Reihe über den Film Noir veröffentlicht. Christopher Diekhaus nimmt den aktuellen Film „Der Schamane und die Schlange“ zum Anlass, um sich Gedanken über Kolonialismus im Film zu machen. Ein wunderbarer Text von Rajko Burchardt über den „einsamen Kinobesuch“. Viele, viele wahre Worte. Früher habe ich tatsächlich auch Filme verpasst, weil ich keine Begleitung gefunden habe. Gott sei Dank, bin ich – gestählt von durch zahlreiche Festivalbesuche – von diesem Blödsinn geheilt worden.

– Sehr viel Gutes und Vielversprechendes habe ich bereits über „The Witch“ gehört, der auf meiner „Guck-Liste“ auch weit oben besteht. Die sehr positive Besprechung von Pat bei Die drei Muscheln unterstreicht dies auch noch einmal.

– Demnächst erscheint ein CGI-Realfilm-Remake (tatsächlich Remake und keine Neuverfilmung des Buches) des Zeichentrickklassikers „Das Dschungelbuch“. Auch eine meiner ersten Kinoerfahrungen. Letzteren haben sich YP und PD bei Film im Dialog dann auch noch einmal vorgenommen. Wobei es für YP sogar eine Premiere war.

– Sascha Schmidt schreibt auf Okaeri über die Zusammenarbeit des Komponisten Joe Hisaishi und dem Filmemacher Kitano Takeshi.

– Michael Schleeh hat für Schneeland das japanische Jugenddrama „Wakaranai: Where Are You?“ gesehen, welches er für einen „viel zu wenig beachteten Film“ hält.

– Udo Rotenberg stellt auf Grün ist die Heide die deutsch-französische Heimatfilmproduktion „Marianne“ von Julien Duvivier, die er wunderschön findet.

– Auf seinem zweiten Blog L’amore in città denkt er nochmal an die Terza Visione 3 in Nürnberg Revue zurück und lässt sein schönstes Filmerlebnis dort Revue passieren: „Cristiana monaca indemoniata“ von Sergio Bergonzelli.

– Nochmal Lukas Foerster: Für critic.de hat er eine Besprechung zu Lamberto Bavas Spät-Giallo-Glamour-Stück „Le foto di Gioia“ verfasst.

– Mauritia Mayer schreibt auf Schattenlichter über Sergio Martinos etwas unterschätzten „Die Säge des Teufels“ aka „Torso“ (so heißt zumindest meine US-DVD).: „“Torso“ ist durch die überspitzte Inszenierung etwas radikaler und morbider als andere Gialli aus dieser Ära, steckt aber gleichzeitig voller stilistischer Feinheiten und verzückt durch bemerkenswert ästhetische Aufnahmen. Mir bereitet es bei jedem Ansehen ein Vergnügen, neue interessante Aspekte dieses richtungsweisenden Werkes aus dem Jahr 1973 zu entdecken.“ Kann ich so unterschreiben.

– Extrem unterschätzt und für die völlig falschen Dinge berühmt-berüchtigt halte ich ja auch Joe D’Amatos „Anthrophagus“ aka „Man-Eater“, den ich einst in einer wundervollen 35mm Kopie in einem Hamburger Kino sehen durfte. Auch funxton kann dem Film viel abgewinnen. Auch hier würde ich eine Signatur hinterlassen.

– Harald Mühlbeyer konnte anlässlich der Grindhouse-Nacht im Cinema Quadrat in Mannheim seine alte negative Meinung zu Fulcis wunderbaren (und wie ich finde kreuzunheimlichen) „Das Haus an der Friedhofsmauer“ grundlegend revidieren, wie er auf Screenshot berichtet.

– Auch Oliver Nöding hat auf Remember It For Later einen Italiener am Start: „I lunghi capelli della morte“ von Antonio Margheriti. Sehr viel Spaß hatte er mit dem 87er Actioner „Order of the Black Eagle“ über den er schreibt, es wäre einer der „spaßigsten und buntesten Filme, die ich in letzter Zeit zu Gesicht bekommen habe“.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hat zwei amerikanische Vampir-Filme von Paul Landres aus den späten 50er Jahren gesehen, die ihm unterschiedlich gefielen. „The Vampire“ fand er sehr unterhaltsam, „Return of Dracula“ eher weniger.

– René Laloux‘ „Der wilde Planet“ ist ein tolles Meisterwerk, seinen zweiten Film „Die Herrscher der Zeit“ habe ich leider bisher noch nicht gesehen. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de findet, dass auch dieses Werk eine „faszinierende Erfahrung“ ist.

– Gabelinger hat auf seinem Blog Hauptsache (Stumm)Film mit „The Halfnaked Truth“ von 1932 wieder einen unbekannten Film ausgegraben, der im deutschsprachigen Raum weder in die Kinos kam, noch im Fernsehen gezeigt wurde.

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Ab 27. April: Das 21. Internationale Bremer Symposium zum Film zu „Kino und Kindheit“

symp_postcard_2016Das seit 1995 jährlich stattfindende Bremer Filmsymposium ist eine Kooperation des CITY 46 / Kommunalkino Bremen e.V. und der Universität Bremen. Seit 2002 unterstützt die nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH das Projekt. Das diesjährige Konzept entstand im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts zu „Filmästhetik und Kindheit“.

Das diesjährige 21. Internationale Bremer Symposium zum Film, welches von Mittwoch, dem 27. April bis Sonntag, dem 1. Mai stattfindet, befasst sich mit dem Verhältnis von Kino und Kindheit. #dabei werden verschiedene Filme zum Thema gezeigt (wobei mir persönlich statt „Pierro le Fou“ lieber Truffauts „Taschengeld“ oder  Malles „Herzflimmern“, statt „E.T.“ lieber Reiners „Stand By Me“ oder gernell Hirokazu Koreedas grandioser „Nobody Knows“ oder Elem Klimov niederschmetternden „Komm und Sieh“ gewünscht . Und für den Stummfilm-Beitrag hätte ich, statt des zu Tode gespielten und sehr offensichtlichen „The Kid“, lieber etwas aus der „Little Rascals“-Reihe genommen. Aber gut, das sind persönliche Präferenzen. Im Symposium-begleitenden Filmprogramm findet man natürlich auch zahlreiche interessante Titel, wie Jacques Feyders „Kindergesichter“, Michail Kaliks „Der Sonne entgegen“ oder Edgar Reiz‘ „Das goldene Ding“.

Kindheit ist – neben Liebe und Tod – eines der universellen Themen des Kinos. Schon früh wurden Kinder als attraktive Filmprotagonisten entdeckt und zugleich über die Verwandtschaft des Films mit der Kindheit nachgedacht. Filme sind Ausdruck von Kindheitserinnerungen und prägen den Blick auf die Kindheit. Sie entwerfen Bilder von Kindern und bieten Kindern andererseits auch die Möglichkeit, sich selbst mittels einer Kamera darzustellen.

17 internationale Fachleute aus Wissenschaft, Vermittlung und Produktion diskutieren mit dem Publikum, wie Kinder und Kindheit in der filmischen Ästhetik und Kulturgeschichte vermittelt werden. Zu den Gästen zählen die vielfach preisgekrönte brasilianische Regisseurin Sandra Kogut, Matthias Müller, der in seinen Experimentalfilmen und Video-Installationen zu Kino- und Filmerfahrung gearbeitet hat; die englische Filmwissenschaftlerin Karen Lury, die international einschlägige Bücher zum Thema publiziert hat, und der französische Autor und Kurator Alain Bergala, der 2006 mit seinem Essay zur Filmvermittlung Kino als Kunst in Deutschland bekannt wurde. Flankiert werden die Vorträge, Gespräche und Diskussionen durch ein ausgewähltes Filmprogramm, das ein Kaleidoskop an Kindheiten zeigt – vom Beginn der Filmgeschichte bis in die Gegenwart, von allen Kontinenten und in verschiedenen Formen, experimentell, dokumentarisch und fiktional. Mit dieser Mischung aus Forschung und Filmkultur spricht die Konferenz sowohl Fachbesucher als auch das Kinopublikum an.

Zum Auftakt am Mittwochabend lädt der Essayfilm A Story of Children and Film (GB 2013) des britischen Journalisten und Filmemachers Mark Cousins zu einer Reise durch die Geschichte der Kindheit im Film ein. Bettina Henzler (Universität Bremen) wird in ihrem Vortrag am Donnerstag eine Einführung in die vielfältigen Bezüge von Kindheit und Film geben und die thematischen Schwerpunkte des Symposiums vorstellen, die neue Wege in der Forschung weisen.

Fokus 1 – Das Kind als Figur und Schauspieler

Der erste Fokus widmet sich Kinderfiguren und Kinderbildern. Zum einen geht es um die Frage, welche Bilder von Kindern und Kindheit in Filmen konstruiert werden: im Disney-Animationsfilm, im russischen Kino der Stalinzeit oder auch in dokumentarischen Filmen wie Beppie (NL 1965, R: Johan van der Keuken). Zum anderen wird analysiert, wie Kinder als Schauspieler ihre Filmfiguren gestalten. Untersucht werden die Darstellungen von Kindern in Filmen wie dem iranischen, semidokumentarischen The Apple (IRN 1998, R: Samira Makhmalbaf) oder im chinesischen Internatsfilm Little Red Flowers (CHN 2006, R: Zhang Yuan), die vom Freiheitsdrang von in der Familie oder in Institutionen „gefangenen“ Kinder erzählen. Die britische Filmwissenschaftlerin Karen Lury (Glasgow) wird sich in ihrem Vortrag zu Little Red Flowers der Frage widmen, ob Kinder in Filmen schauspielern oder nicht und wie Erwachsene dies wahrnehmen. Im Gespräch mit Sandra Kogut wird auch über die praktische Seite der Arbeit mit Kindern als Laiendarstellern diskutiert. Sie stellt ihren Film Mutum (BRA/F 2007, R: Sandra Kogut) erstmals in Bremen vor, der das brasilianische Landleben aus der Perspektive eines Kindes erzählt.

Fokus 2 – Kindheit als Zuschauererfahrung und Perspektive

Zum Zweiten geht es um Kindheit als Zuschauererfahrung und Perspektive. Von der Stummfilmzeit über den italienischen Neorealismus bis hin zu Avantgardefilmen von Stan Brakhage werden Filme diskutiert, die die Wahrnehmung und Perspektive von Kindern widerspiegeln und konstruieren. Dabei geht es auch um die Frage, inwiefern sich filmästhetische Theorien auf den Begriff der Kindheit beziehen. Film-Highlights sind Little Fugitive (USA 1953, R: Morris Engel), der in der Ästhetik der Dokumentarfotografie einen kleinen Ausreißer im New Yorker Vergnügungspark Coney Island begleitet, und Visages d‘enfants (CH 1925, R: Jacques Feyder), einem der ersten Filme, der eine Geschichte aus der kindlichen Perspektive erzählt – live begleitet von Joachim Bärenz (Bochum).

Fokus 3 – Kindheit und Regie

Drittens steht das Filmschaffen auf dem Programm. Die Aufmerksamkeit gilt einerseits den Kindern als Zuschauern und Filmschaffenden: Auf welche Weise wird das Kino in den zeitgenössischen digitalen Praktiken von Kindern neu erfunden, die das Sehen, Programmieren und Machen von Filmen verbinden? Welche Bildungsprozesse zeigen sich in von Kindern gedrehten Filmen? Zudem geht es um die Rolle der Kindheit in der Praxis erwachsener Filmschaffender: Der renommierte Godard-Experte Alain Bergala (Paris) wird die Ästhetik des Spiels in Jean-Luc Godards Klassiker Pierrot le fou (F 1965) untersuchen und die Frage diskutieren, ob es Kindheit auch in Filmen auch ohne Kinder als Protagonisten geben kann. Der Filmschaffende Matthias Müller (Köln) präsentiert ein Programm mit Experimentalfilmen zu Biografie und Kindheit.

Der Sonntag steht ganz im Zeichen des Kinos: In Der Sonne nach (UdSSR 1961, R: Michail Kalik) begleitet die Kamera in poetischen Bildern einen kleinen Jungen auf seiner Reise um die Welt. In Das goldene Ding (BRD 1972, R: Edgar Reitz, Ula Stöckl) geht eine Gruppe Kinder als Argonauten auf die Suche nach dem Goldenen Vlies. Schlusspunkt ist ein Stummfilm für die ganze Familie: Charles Chaplin trifft auf The Kid (USA 1921), live begleitet von Ezzat Nashashibi (Bremen).

Infos zu den einzelnen Filmen findet man hier: http://www.city46.de/

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DVD-Rezension: „Die weisse Mafia“

weissemafiaProfessor Daniele Vallotti (Gabriele Ferzetti) gehört zu den angesehensten und reichsten Medizinern des Landes. In seiner Klinik sind nicht nur die Reichen und Schönen Kunden, sondern auch arme Arbeiter, die sich eine Behandlung nicht leisten können. Dass Vallotti sie trotzdem für wenig Geld behandelt, nährt seinen Ruf, der beinahe schon dem eines Heiligen gleicht. Tatsächlich aber bedient sich Vallotti skrupelloser Methoden, um Reputation und Vermögen zu mehren. Da werden todkranke Patienten kurzfristig „gesundgespritzt“ und entlassen, damit sie nicht in der Klinik sterben. Bereitwillig lässt er sich von zwielichtigen Pharmafirmen gefährliche Medikamente unterschieben, Kunstfehler seiner minderbegabten „Professoren“ führen immer wieder zu vermeidbaren Todesfällen. Lediglich sein alkoholkranker Mitarbeiter Dr. Giordani (Enrico Maria Salerno) und die Krankenschwester Maria (Senta Berger) versuchen die Patienten vor den Machenschaften Vallottis zu schützen. Doch auch sie scheinen auf verlorenem Posten zu stehen…

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Nein, Menschen mit einer ausgeprägten Krankenhaus- oder Ärztephobie sollte man „Die weisse Mafia“ sicherlich nicht empfehlen. Die Situation ist ja auch schon albtraumhaft genug. Sich und sein Leben einem wildfremden Menschen auszuliefern und darauf vertrauen, dass er sein Handwerk schon beherrschen wird. Und dabei möglichst erfolgreich verdrängen, dass einem bei einfachen, tausendfache durchgeführten Tätigkeiten auf der Arbeit auch schon mal der eine oder andere Schnitzer unterlaufen kann, wenn man die Nacht zuvor zu lange unterwegs war, Ärger mit der besseren Hälfte hat oder einfach der Kaffee ungenießbar war. In „Die weisse Mafia“ kommt es immer wieder zu solchen Situationen,in denen sich Menschen voller Vertrauen in die Hände der Halbgötter in weiß begeben und nie wieder aus der Narkose aufwachen. Weil es eben wichtiger war, das Telefonat des Anwalts entgegenzunehmen, statt des berühmten Professors eben doch nur ungeschickte Arzt aus der zweiten Reihe operiert oder das lebenswichtige Gerät für einen schmutzigen Deal verhökert wurde. Nein, Menschen mit einer ausgeprägten Krankenhaus- oder Ärztephobie sollten von „Die weisse Mafia“ wahrlich Abstand nehmen.

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Allen Anderen sei Luigi Zampa 1973 entstandenes Werk aber sehr ans Herz gelegt. Gelingt Zampa doch seine wütende Anklage gegen das Krankenhaussystem in Italien mit einer überaus spannenden Handlung zu verbinden, die sich ganz um die dreckigen Geschäfte der „weissen Barone“ dreht. Jene etablierten, satten Ärzte, denen das Wohl der Patienten ganz egal ist, solange die Kasse stimmt. Die, welche versuchen, mittels Intrigen ihre Macht und ihr Reichtum zu vergrößern und dabei im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen. Um den Film vollends genießen zu können, lohnt es sich vorab das informative Booklet von Udo Rotenberg (dessen wundervollen Blog L’amore in città ich hier schon häufiger empfohlen habe) zu lesen, da er hier einige Information zum italienischen Gesundheitssystem der frühen 70er Jahre gibt. So gab es damals kein staatliches Gesundheitssystem, und die Ärzte wurden von den Patienten direkt bezahlt. Wodurch ein harter Verdrängungswettbewerb, um besonders gut versicherte Patienten begann. Ferner blockierten sie die jungen Absolventen der Universitäten, damit diese keine Chancen erhielten, um den reichen „Baronen“ die Pfründe streitig zu machen. Vor diesem Hintergrund spielt der Film „Die weisse Mafia“, dessen Titel nicht besser gewählt sein könnte.

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Getragen wird der Film von zwei fantastischen Schauspielern. Enrico Maria Salerno ist einer der heute völlig zu unrecht eher unbekannten Protagonisten des italienischen Films und Anfang der 70er das Gesicht des italienischen Polizeifilms, des Poliziotteschi. Hier gab er den alten, zynischen und doch in einer kaputten Welt noch immer aufrechten Polizisten, der sich gegen allen Widerstände und im Wissen, dass sein Einsatz am Ende wahrscheinlich nichts nutzen wird, gegen den Sumpf auflehnt. Sein Dr. Giordani ist eine ähnliche Gestalt. Die Korruption und Menschenverachtung um ihn herum, hat ihn zum zynischen Alkoholiker werden lassen. Von seinen Kollegen wird gemieden, bestenfalls belächelt. Zum Professor hat er es aufgrund seiner permanenten Auflehnung nicht geschafft. Auch weil er ständig die Krankenhäuser wechselte, in der immer wieder betrogenen Hoffnung, dass es am nächsten Arbeitsplatz besser sein würde. So muss er zusehen, wie weitaus weniger talentierte Ärzte zu Professoren gemacht werden. Stümper, die ihre Seele verkauft haben. Da bleibt dann nur die Flasche und die kleine Freude, wenn er den Mächtigen mal ans Bein pinkeln kann. All dies spiegelt sich in Salernos grauem, resignierten, angeekeltem Gesicht.

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Hauptdarsteller Gabriele Ferzetti gelingt das fast das fast Unmögliche. Einem Schauspieler wie Salerno, noch die Show zu stehlen. Sein Professor Vallotti ist eine der eindrucksvollsten Figuren, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Ein Täuscher und Blender. Stets gut gelaunt, einschmeichelnd und sympathisch. Der gute Onkel, dem man sein Kind anvertrauen würde. Was einige seiner Patienten dann auch wirklich tun, nicht immer mit glücklichem Ausgang. Vallotti ist so einnehmend, dass man ihn gar nicht zutrauen möchte, tief im Inneren eine solch selbstverliebter Egozentriker zu sein. Man atmet förmlich auf, wenn er seinen reichen, unsympathischen Patienten noch mal eine Million Lira mehr auf die Rechnung haut, um diese dann bei einer armen Familie wieder abzieht. Oder wenn er sich für eine Reform des Gesundheitssystems stark macht oder mit seinem Sohn herum tobt. Doch all dies trügt. Wie jeder Egozentriker, ist er auch getrieben von der Sucht geliebt zu werden. Jeder Gott braucht eben Gläubige, die ihn anbeten. In dieser Mischung aus mitreißender Persönlichkeit und gleichzeitig krankhafter Ich-Fixierung gleicht er sicherlich dem einen oder anderen Vorgesetzten aus der freien Wirtschaft. Ich kenne solche Menschen (leider) zu genüge.

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In einer Nebenrolle als Nonne, die in Vallottis Hopital als Krankenschwester arbeitet, ist die wunderschöne Senta Berger zu sehen. Bis zur Hälfte des Filmes gibt sie einen kongenialen Partner zu Salernos skeptischen Dr. Giordani. Es gibt wunderbare Szenen, in denen sie sich Blicke zuwerfen, die in vollkommener Übereinstimmung sagen: „Ja, ich sehe diesen Mist hier aus. Das darf so nicht weitergehen“. Gerade, dass sie gleichberechtigte Partner sind, die beide ihren Ekel und ihre Frustration nur mühsam verstecken können, macht diese Paarung so stark. Leider entschloss sich Zampa dann eine überflüssige Szene einzubauen, in der sich beide ihre Liebe gestehen und über die Unmöglichkeit dieser Liebe trauern. Dies nutzt Zampa zwar um den Charakter des Dr. Giordani tiefer zu beleuchten und zu erklären, doch hat auch zur Folge, dass die starke, professionelle Bindung der beiden in die Brüche geht und Senta Berger danach nur noch sporadisch auftritt und ihre Schwester Maria für die weitere Handlung keine Rolle mehr spielt. Eine bedauerliche Entscheidung. Hier hätte man auch andere Wege beschreiten können.

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Der ehemalige Neorealist Lugio Zampo prangert in „Die weisse Mafia“ kraftvoll und wütend die Missstände im italienischen Gesundheitssystem der frühen 70er Jahre an. Seine leidenschaftliche Anklage bindet er in eine spannende und großartige gespielte Geschichte ein, in der neben dem wie immer wundervollen Enrico Maria Salerno vor allem der großartige Gabriele Ferzetti als charismatischer Antagonist glänzen kann.

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Die Bildqualität dieser DVD aus dem Hause filmArt zeigt zwar recht deutlich, dass das vorhandene Material nicht das Frischeste war, doch es wurde ein Optimum herausgeholt und der manchmal etwas körnige Look passt hervorragend zu der grimmig-realistischen Geschichte. Der deutsche Ton klingt klingt im Vergleich zur italienische Originalfassung (die selbstverständlich mit guten deutschen Untertiteln genossen werden kann) manchmal etwas dünn, ist der ebenfalls enthaltenen englischen Synchronisation aber überlegen. Extras gibt es bis auf einen Trailer leider keine, dafür liegt das bereits im Text oben erwähnte Booklet von Udo Rotenberg bei, welches nicht nur gut geschrieben, sondern auch im höchsten Masse informativ ist.

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Das Bloggen der Anderen (18-04-16)

bartonfink_type2– Nicht nur aus familiären Gründen interessiere ich mich sehr für das polnische Kino. Daher wäre ich gerne auf filmPOLSKA-Festival, welches am Mittwoch in Berlin startet und auf dem innerhalb von nur einer Woche 45 Filme gezeigt werden, wie auf film-rezensionen.de berichtet wird. Mit „Anatomie des Bösen“ und „Sirenengesang“ hat Oliver Armknecht auch schon zwei interessante Produktionen besprochen, die nun auf meiner Kaufliste für den nächsten Warschau-Besuch schon ganz oben stehen.

– Gerade zu ende gegangen sind die Fantasy Filmfest Nights. Sebastian war da und hat für Nischenkino die J.G.Ballard-Verfilmung „High-Rise“, Yorgos Lanthimos Hollywood-Debüt „Lobster“, sowie den südkoreanischen „Veteran“ und die Enttäuschung „Pandemic“.

– Vom 7. bis 10. Januar fand in Nürnberg wieder einmal der Hofbauer-Kongress statt. Nach drei Monaten hat nun Silvia Szymanski die Zeit gefunden, noch einmal in ihrer ganz unnachahmlichen und wundervollen Art auf alle gesehen Filme und das Drumherum einzugehen. Nachzulesen auf Hard Sensations. Ebenfalls dort zu lesen: Sebastian Seligs leidenschaftliche Hymne auf Nicolette Krebitz‘ „Wild“. Katrin Krause setzt sich sehr intensiv mit einem Film auseinander, den ich für eine der besten deutschsprachigen Produktionen der letzten Jahre halte: Benjamin Heisenbergs großartige „Der Räuber“.

– Sonja Hartl setzt auf B-Roll ihre Reise durch den amerikanischen Film Noir fort und berichtet von dessen Anfangszeit. Joachim Kurz äußert sich besorgt um Gegenwart und Zukunft des Films. Lucas Barwenczik hat einen sehr spannenden und diskussionswürdigen Artikel über die gerade hippe Faszination mit dem Kino der 80er Jahr verfasst. Prädikat: Sehr lesenswert. Und Patrick Holzapfel widmet sich Christian Petzolds filmischen Werk und erklärt, warum ihm im Ausland soviel mehr Aufmerksamkeit zuteil wird als hier.

– Auch Film im Dialog widmet sich diesmal ausgiebig dem Regisseur Christian Petzold.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen schaut weiter Gialli. Über seine Einschätzung von Fulcis meiner Meinung nach brillanten „Nackt über Leichen“ können wir noch einmal sprechen, bei „The Child – Eine Stadt wird zum Alptraum“ bin ich wieder ganz bei ihm. Ebenso bei meinem „guilty pleasure“ „Die Nacht der blanken Messer“, wobei ich eins korrigieren möchte: „Ein angedeuteter Analsex auf Zwang wird zu einer lustig gemeinten Täuschung, über die beide Sexualpartner nach der Aufdeckung dass er nur als Scherz gemeint war, herzlich lachen können.“ Die Szene geht noch einige Sekunden weiter und… na, schaut selber.

– Für Italophile und solche, die es werden wollen lief ja vom vom 01.-03.April die Terza Visione 3 in Nürnberg. Udo Rotenberg war da und schreibt auf L’amore in città über den dort gezeigten Italo-Western „Drei Pistolen gegen Cesare“.

– Weiter in Italien. Totalschaden von Splattertrash hat sich Dario Argentos zumeist von den Fans in der Luft zerrissenen „Phantom der Oper“ angeschaut, und seine sehr wohlwollende Besprechung macht – mir zumindest – noch einmal Lust, dem Film eine dritte oder vierte Chance zu geben.

– Oliver Nöding dringt auf Remember It For Later weiterhin tief in die seltsame Filmwelt ein, die Joe D’Amato in seinen Spät-80er Erotikfilmen schuf. Hier am Beispiel von „Dirty Love“ und „11 Days, 11 Nights 2“.  „Seriöser“ wird es dann mit einem der Großmeister und Olivers Kniefall vor John Fords „The Lost Patrol“.

– Bianca Mewes von „Duoscope“ geht fremd – und war bei Die Nacht der lebenden Texte, wo sie im vierten Teil der Billy-Wilder-Retrospektive über „Das verlorene Wochenende“ schreibt.

– Gabelinger hat für Hauptsache (Stumm)Film einen Film wiederentdeckt, von dem er schreibt: „The Human Comedy soll Louis B. Mayers absoluter Lieblingsfilm gewesen sein. Heute ist er, jedenfalls hierzulande, völlig vergessen, obwohl er damals auch in den deutschen Kinos lief. Interessant ist vor allem seine Entstehungsgeschichte – der Film selbst ist kaum der Rede wert.“ /

– Ich kann mich noch gut daran erinnern, als David Leans letztes Werk „Reise nach Indien“ in die deutschen Kinos kam und generell eher verhalten aufgenommen wurde. Für MacReady von Die drei Cineasten ist er allerdings „bisher der beste Film von David Lean, da er meisterlich den Spagat zwischen Leinwandmagie und kritischem Gerechtigkeitsdrama schafft.“

– Flo Lieb vergleicht auf symparanekronemoi anhand von „Stand By Me“ die Buchvorlage mit den Film.

– Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte über Alfred Vohrers „Sieben Tage Frist“, der mir schon häufig ans Herz gelegt worden ist und der jetzt so langsam ins Haus muss.

Der Kinogänger hat Neues aus Hollywood und Alex Matzkeit auf real virtuality wieder Real Virtualinks.

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„Sigi Götz Entertainment“ braucht Hilfe!

sgeIch weiß nicht, ob ich auf diesen Seiten schon einmal von dem wundervollen Druckerzeugnis „Sigi Götz Entertainment“ (kurz SGE) geschwärmt habe. Eine kleine, aber sehr feine Zeitschrift, die mich vier Mal im Jahr mit – wie ich es gerne nenne – „Nachrichten aus einer besseren Parallelwelt“ versorgt. Entstanden im Dunstkreis der Münchener Filmfreunde um das legendäre Werkstattkino, berichtet SGE auf fabulöse Weise über eine vergangene deutsche Filmwelt und Menschen, die in einer besseren Welt heute Allgemeinwissen wären. Die aber ihr Dasein in einem Schattenreich führen, welches nur einigen Eingeweihten bekannt ist. Und diese zerren dieses Wissen aber mit viel Liebe und Herz an die wärmende Sonne. Klar, dass sich damit zwar Respekt und Gegenliebe verdienen lassen, aber kein Geld. SGE ist und bleibt eine Herzensangelegenheit. Und dieses Herz droht nun von skrupellosen Geldgeiern herausgerissen zu werden. Stichwort: Abmahnmafia.

Vor einigen Tagen erreichte mich folgende Email:

Liebe SGE-Leser, Freunde und Förderer,

im vergangenen Monat mußte SigiGötz-Entertainment auf schmerzliche Weise Lehrgeld bezahlen: Eine Anwaltskanzlei hat uns darauf aufmerksam gemacht, daß wir mit einem Foto auf der SGE-Webseite das Urheberrecht eines ihrer Mandanten verletzt haben. Wir wurden genötigt, das Foto zu entfernen, eine Unterlassungserklärung abzugeben und anhand einer Aufstellung der Lizenz- und Rechtskosten aufgefordert, 1025 Euro zu zahlen, die wir schließlich auf 800 Euro runterhandeln konnten

Da wir mit SigiGötz-Entertainment leider immer noch kein gewinnbringendes Unternehmen geworden sind (man darf sich da von den bisweilen hochstaplerischen Äußerungen unseres Mitarbeiters Erich Lusmann nicht in die Irre führen lassen) und wir uns vor allem keine Kriegskasse angelegt haben, bringt uns dieser Rechtsstreit ganz schön in Schwierigkeiten, so daß wir in diesem Jahr voraussichtlich nur eine SGE-Ausgabe finanzieren können.

Aus diesem Grund starten wir mit dieser Rundmail die Initiative „Notopfer SGE“: Jeder Spender, der uns mit einem Beitrag aus dieser Bredouille hilft, wird auf der extra zu diesem Zweck eingerichteten SGE-Wall-Of-Compassion gewürdigt (die wir in der nächsten Ausgabe vorstellen). Kleinstspenden sind ausdrücklich willkommen.

Den Teil mit dem beanstandeten Foto und dem Namen des Klägers habe ich mal raus gekürzt, um nicht auch noch Scherereien zu bekommen. Kann man aber hier finden, ebenso wie den Kontakt für den SGE-Notgroschen.

Ohne SGE wäre die Welt noch ein Stückchen dunkler. Darum helft mit!

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Blu-ray-Rezension: „Thief“

thiefDer Ex-Sträfling Frank (James Caan) ist offiziell als Autohändler und Barbesitzer tätig, doch in Wirklichkeit verdient er sein Geld als professioneller Juwelendieb. Und als solcher gehört er zu den Besten seiner Zunft. Als nach einem erfolgreichen Beutezug sein Anteil in die Hände von Gangstern fällt, versucht er alles, um sein Geld zurückzubekommen. Dabei lernt er Leo (Robert Prosky) kennen, der Kopf der Gangsterbande. Leo will, dass Frank exklusiv für ihn arbeitet und macht ihm ein lukratives Angebot. Frank zögert zunächst, da ihm seine Unabhängigkeit über alles geht. Als Frank und seine Freundin Jessie (Tuesday Weld) ein Kind adoptieren wollen, und dies von den Behörden abgelehnt wird, verschafft Leo ihnen ein Kind vom Schwarzmarkt. Frank willigt ein, einen letzten großen Coup für Leo durchzuziehen, nicht ahnend, worauf er sich dabei einlässt.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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Michael Manns Kinofilmdebüt „Thief“ als Vorstudie zu seinem epochalem „Heat“ oder seinem Nachtstück „Collateral“ zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Mit „Thief“ gelang Mann aus dem Stand ein frühes Meisterwerk, dessen Echo sich zwar in den eben genannten, aber auch generell Manns bisherigem Schaffen wiederfindet, welches aber nicht in deren Schatten steht. Es ist erstaunlich welche Kunstfertigkeit der bis dahin lediglich als Drehbuchautor für TV-Serien aufgefallene Mann an den Tag legt, wenn es gilt wunderbare Bilder und packende Charakterzeichnungen miteinander zu verheiraten. Während viele seiner Kollegen einen „Style over substance“-Ansatz pflegen, benutzt Mann seine vollendet komponierten Bilder, um seinen Figuren einen Raum zu schaffen, in welchem sie existieren können. Und wie kaum ein anderer versteht es Mann, die urbane Nacht zu inszenieren. Ein natürliches Biotop gestrandeter Seelen, das nach Sonnenuntergang zu seinem Neon-Leben erwacht.

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Wenn man sich gewundert hat, woher viele der ästhetischen Entscheidungen stammen, die Nicolas Winding Refn für seinen Neo-Noir-Klassiker „Drive“ getroffen hat, der möge sich „Thief“ ansehen, um die Antwort zu erhalten. Beide Film versprühen gerade in den Fahrten durch den Großstadt-Dschungel das selbe ausserweltliche Gefühl, welches hier wie dort auch durch den nüchternen, gleichzeitig aber auch traumhaft-schwebenden Soundtrack hervorgerufen wird. Für den „Thief“-Soundtrack konnte Michael Mann die deutschen Elektro-Pioniere „Tangerine Dream“ gewinnen, für die dies nach Friedkins „Sorcerer“ der zweite große Soundtrack-Auftrag in den USA war. Dass nun ausgerechnet dieser wunderbare und atmosphärische Soundtrack in jenem Jahr bei dem Anti-Oscar, dem Razzie Award, als schlechtester Filmscore des Jahres nominiert war, spricht nicht unbedingt gegen ihn, sondern sagt viel mehr etwas über die Güte des Razzie aus, der oftmals noch engstirniger und trendverliebter ist, als sein großer Bruder, der Oscar genannte Academy Award.

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Die großartige Konversation zwischen James Caan und Tuesday Weld in einem nächtlichen Diner ist nicht nur eine der wundervollsten Dialogszenen der Filmgeschichte, sondern erinnert selbstverständlich auch frappierend an das mittlerweile legendäre Zusammentreffen von Al Pacino und Robert de Niro (bevor beide in seelenlosen und immer alberneren Fließbandproduktionen ihren guten guten Ruf verspielten), welches an selber Stelle in Michael Manns 14 Jahre später entstandenen „Heat“. Tatsächlich fühlt sich „Thief“ oftmals wie ein Prequel zum späteren Film an, indem der von DeNiro gespielte Neil McCauley davon spricht, dass einen nichts binden sollte und man innerhalb von 30 Sekunden alles zurücklassen können muss, if you feel the heat around the corner. Frank scheint ein junger McCauley zu sein, welcher diese Lektion erst noch schmerzhaft lernen muss. Der noch daran glaubt, diesem Leben, welches er führt, entfliehen zu können. Der sich wortwörtlich eine Traumwelt gebastelt hat, die er auf einer Postkarte geklebt immer mit sich führt. Das Ideal eines normalen, bürgerlichen Lebens, welches irgendwann zerknüllt auf einem dreckigen Parkplatz landet.

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Dies ist die große Traurigkeit des Filmes. Am Ende ist Frank all seiner Illusionen und Träume beraubt. Er hat erkannt, dass er in der Lage sein muss, alle Verbindungen innerhalb von wenigen Minuten zu kappen. Die Menschen, die er liebt zu verlassen, ohne ein Gefühl von Reue und Trauer zu empfinden. Zu verschwinden, wenn es nötig ist, und niemals wiederzukehren. Keine Verbindungen, keine Liebe, keine Gefühle. Ein Wolf unter Wölfen. Er muss zu McCauley werden, um in der Großstadt-Steppe zu überleben. Das Einzige, was man dem Film vorwerfen kann, ist dass er die von Tuesday Weld beeindruckend gespielte Jessie im letzten Drittel etwas vernachlässigt und der interessante Subplot mit der von Willie Nelson gespielten Vaterfigur Okla etwas unterentwickelt bleibt. Aber das sind nur kleine Kritikpunkte, die in keinster Weise an der Krone dieses großartigen Filmes kratzen können.

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Gleich mit seinem Kino-Debüt „Thief“ erreichte Michael Mann ein erstaunlich hohes Niveau und schuf einen Klassiker des modernen Film Noir, welcher bereits die großen Themen seiner späteren Filme behandelt. Manns grandiose Symbiose aus packender Charakterzeichnung und einer berauschenden Optik macht, im Zusammenspiel mit dem wundervollen Tangerine-Dream-Score und den furiosen Schauspielern, aus „Thief“ einen der großartigsten Filme der frühen 80er Jahre.

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Für diese „Ultimate Edition“ fällt mir wirklich nur noch das war „ultimativ“ ein. Hier hat sich OFDb filmworks selber übertroffen. Auf fünf Scheiben verteilt finden sich neben zahlreichen Extras gleich drei Versionen des Filmes. Wobei das Prunkstück natürlich der neue Director’s Cut ist, der nicht nur einen brandneuen 4K-Transfer spendiert bekommen hat, sondern auch von Regisseur Michael Mann noch einmal farblich überarbeitet wurde. Wer aber den Film sehen möchte, wie er einst im Kino lief, für den ist selbstverständlich noch die Original-Kinofassung dabei. Und als besonderen Bonus enthält die edel aufgemachte Edition noch einen „Special Director’s Cut“, welcher 1995 erstellt wurde. Letzterer liegt nur auf DVD vor, da die Qualität des Masters nicht für eine Bluray reichte. Die anderen beiden Fassungen sind jeweils als Bluray und DVD enthalten. Einziger Kritikpunkt: Die wunderbaren Extras sind über alle Discs verteilt, so dass man sie sich erst zusammen suchen muss, da keine Übersicht enthalten ist, wo welche Extras zu finden sind. Aber das ist Meckern auf ganz, ganz hohem Niveau.   Der neue Director’s Cut kommt mit zwei Audiokommentaren daher. Einmal von Regisseur und Drehbuchautor Michael Mann und Hauptdarsteller James Caan, der zweite von Prof. Dr. Marcus Stiglegger. Dazu kommt noch unter dem Titel „Stolen Dreams“ ein neues, viertelstündiges Interview mit James Caan. Auf der Kinofassungs-Disc gibt es eine isolierte Musik- und Effektspur, so die über eine stunde gehende Doku „The Art of the Heist – Ausführliche Analyse des Films mit Schriftsteller und Kritiker F.X. Feeney“.  Der „’special Director’s Cut von ’95 wird abgerundet von einer einstündigen Folge aus der TV-Reihe „The Directors“, die sich mit Michael Mann und seinen Filmen beschäftigt, sowie einer 23-minütigen-Episode der französischen TV-Serie „Ciné regards“ über den Schauspieler James Caan, die kurz nach Abschluss der Dreharbeiten des Films entstand. Ferner enthält die Ultimate Edition noch ein 14-seitiges Booklet mit dem Essay „Kool Killers and Violent Streets“ von Prof. Dr. Marcus Stiglegger und ein gefaltetes A4-Filmposter. Wow! Die Bildqualität ist ebenfalls umwerfend, insbesondere was den neuen Director’s Cut angeht. Aber auch die Kinofassung kann sich mehr als sehen lassen. Demgegenüber fällt der „Special Director’s Cut“ von 1995 stark ab, aber das ist mehr als zu verschmerzen. Der Originalton ist einwandfrei und liegt im Original 2.0, sowie einer 5.1. Abmischung vor. Bei der deutschen Synchronisation soll es zu einem Fehler gekommen sein, der mir aber nicht auffiel (ich habe den Film aber auch im Original geschaut und nur kurz mal die die deutsche Sprachfassung gehört). Hier sind die Tonhöhen zu tief. Ein Statement von OFDb filmworks liegt hierzu aber bereits vor.

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