Das Bloggen der Anderen (13-06-16)

bartonfink_type2– Alexander Matzkeit hat sich auf real virtuality einige sehr kluge und sicherlich auch zur Diskussion anregende Gedanken darüber gemacht, wie sich Filme und „Franchise“-Filme selbst zerstören, indem sie zu sehr den Fans das Ruder überlassen.

– Manfred Polak hat auf Whoknows presents eine interessante Geschichte aus den 40er Jahren zu erzählen, als das US-Außenministerium eine Wanderaufstellung mit Moderner Amerikanischen Kunst auf die Reise schicken wollte – und dabei an der Borniertheit des Publikums scheiterte. Das ist zwar kein direkter Filmbezug aber Kunst ist Kunst.

– Rainer Kienböck stellt auf Jugend ohne Film die wunderbaren Quay-Brothers und grandios-bizarren Animationsfilme vor. Wer die Quay-Zwillinge noch nicht kennt, dem sei an dieser Stelle die schöne DVD-Anthologie ans Herz gelegt, die vor einigen Jahren bei absolut Medien herausgekommen ist und mittlerweile für schmales Geld zu haben ist. Ein Pflichtkauf.

– Harald Mühlbeyer und Urs Spörri setzten auf B-Roll ihre sehr lesenswerte Reihe über den Deutschen Film fort und nehmen diesmal die permanente Selbstausbeutung und das Leben am Existenzminimum unter die Lupe, die viele talentierte Protagonisten des deutschen Filmes heute plagen.

– Mauritia Meyer von Schattenlichter war bei der zweiten Kultkino-Veranstaltung im kleinen Dillingen und weiß schöne Dinge von dort zu berichten.

– Sehr verspätet reicht Alex Klotz auf Hypnosemaschinen noch seinen dritten Teil seines Berichts vom Terza Visione #3 in Nürnberg nach.

– Italienisch geht es natürlich auch wieder auf L’amore in città zu. Diesmal stellt Udo Rotenberg den 1965 von Mario Monicelli gedrehten „Casanova ’70“ vor, in dem (fast möchte man sagen: natürlich) Marcello Mastroianni die Hauptrolle spielt.

– Das neue Konzept von Hauptsache (Stumm)Film spricht mich wirklich sehr an. Diesmal im Mittelpunkt des „Movie Magazins“: Der Edward G. Robinson-Film „The Last Gangster“.

– Maren Ades Film „Toni Erdmann“ wird wirklich von allen Seiten her hoch gelobt. Diesmal auch von Ronny Dombrowski auf cinetastic und Thorsten Krüger auf Komm&Sieh.

– Ich mochte Adrián Garcia Boglianos „Here Comes the Devil“ trotz einiger Schwächen unterm Strich doch sehr gerne und freue mich, dass es Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen ebenso geht.

– Auf Die Nacht der lebenden Texte wird die Brian-de-Palma Retrospektive u.a. von Simon Kyprianou mit einem Text über das Meisterwerk „Blow Out“ weitergeführt.

Short Cuts Totale beschäftigt sich weiterhin mit dem Frühwerk Ingmar Bergmans und ist bei dessen dritten Film „Schiff nach Indialand“ von 1947.

– Oliver Nöding von Remember It For Later mochte Quentin Tarantinos „Hateful 8“ und nimmt sogar das Wort „Meisterwerk“ in den Mund.

Der Kinogänger hat den zweiten Teil seiner Kino-Sommervorschau veröffentlicht.

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Das Bloggen der Anderen (06-06-16)

bartonfink_type2– Ich glaube, es ist schon an die drei Jahre her, dass ich hier verkündet habe, mal meine Meinung zum sogenannten Dilemma des deutschen Films kundzutun. Aber wie man sieht, die mir fehlte bis heute Zeit und Muße für eine gute Recherche. Vielleicht ist das auch gar nicht mehr nötig, denn Harald Mühlbeyer und Urs Spörri nehmen im zweiten Teil ihrer sehr empfehlenswerten Reihe zum Deutschen Film auf B-Roll meine zentrale These auf: Wenn etwas über Jahre permanent schlechtgeredet wird – auch von Leuten, die es eigentlich gut meinen – wird das irgendwann zur selbsterfüllenden Prophezeiung und niemand möchte mehr einen Film sehen, wenn diese aus Deutschland kommt. Gal, wie gut der tatsächlich ist. Eine Lektion, die sich auch die Leute hinter dem „neuen deutschen Genrefilm“ hinter die Ohren schreiben können. Wer jeden Satz mit „die Deutschen können nur Schweiger/Schweighöfer-Komödien und Betroffenheitskino“ (was eh nicht stimmt) beginnt, der muss sich nicht wundern, wenn sich die Leute letztendlich nur die simple Gleichung „deutscher Film = Schrott“ merken und die eigenen Produktionen darunter leiden. „Ich bin kein Hollywoodstar“ behauptet die göttliche Cate Blanchett in einem Interview mit Anna Wollner. Ferner stellt Lucas Barwenczik ausgiebig den japanischen Regisseur Sion Sono und dessen Werk vor. Sion steht auf meiner „To-Do“-Liste mittlerweile auch ganz oben und wird demnächst ausgiebig geschaut.

– Apropos Sion. Dieser fällt derzeit durch eine fast schon unheimliche Produktivität auf. Sein „Why Don’t You Play in Hell?“, der jetzt auf den Japan Filmfest in Hamburg gezeigt wird, ist da – obwohl 2013 gedreht – auch schon wieder ein ganz alter Hut. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de hat ihn gesehen.

– Weiter mit Japan. Okari hat auf der Nippon Connection „Lowlife Love“ gesehen und findet: „hinter der zynischen Fassade von LOWLIFE LOVE (steckt) dann aber doch auch noch etwas anderes: Eine wunderbar eigensinnige Liebeserklärung nämlich – ans Kino und an den Traum vom Filmemachen.“

– Noch mal Japan. Ebenfalls auf der Nippon Connection sah Michael Schleeh von Schneeland „Ken and Kazu“ von Hiroshi Shoji, den er toll fand und meint, es lohnt sich, nach dem Film die Augen offenzuhalten.

Daumenkino fasst noch einmal die dort besprochenen Filme des DOK Leipzig Festivals zusammen.

– Gerold Marks schlägt auf Digitale Leinwand vor, was einen erfolgreichen Schauspieler ausmacht und macht sich Gedanken über die Besucherzahlen des deutschen Films „Der Nachtmahr“. Schade, das sich die interessante und teilweise hitzige Diskussion darüber auf dem vergänglichen Facebook entsponnen hat und nicht in den Kommentaren unter dem Artikel, wo sie jetzt auch Blog-Besuchern zur Verfügung gestanden hätten. Auf Facebook wird sie ja leider niemand wiederfinden. Schade darum.

– 1966 inszenierte Samuel Beckett eines seiner Stücke als TV-Film für den Süddeutschen Rundfunk (Wahnsinn, was damals im jungen Medium noch möglich war). Sven Safarow erinnert daran auf Eskalierende Träume.

– Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide über Freddy Quinn: „Coolness war 1960 noch kein stehender Begriff für einen souveränen Charakter, der nie die Nerven verliert. Und Freddy Quinn, der Schlagersänger und „Junge von St.Pauli“, gehört aus heutiger Sicht kaum zu den üblichen Verdächtigen dieser Spezies, aber genau das war er in seinen Rollen – cool bis zum Abwinken“. Nachzuprüfen anhand von „Freddy und die Melodie der Nacht“.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen verteidigt den durch das Goldmann-Buch „Die Edgar-Wallace-Filme“ übel beleumundeten „Der Gorilla von Soho“ und zeigt sich von dem wunderbaren „Ich sehr, ich sehr“ sehr angetan.

– Das ist Dienst am Kunden bzw. Leser. Neben einen schönen Besprechung von Harald Reinls starbesetzten „Die Schlangengrube und das Pendel“ gibt es von Mauritia Mayer auf Schattenlichter noch ein schönes Drehort-Special.

– Drei Stühle, drei Meinungen. Marco von Duoscope fand Jeremy Saulniers Punker-gegen-Nazis-Schocker „Green Room“ ganz furchtbar, stu von den Drei Muscheln fand ihn ganz in Ordnung und Simon Kyprianou von Die Nacht der lebenden Texte ist begeistert.

– Kontrovers aufgenommen wird auch Nicolas Winding Refns „The Neon Demon“. Sebastian Selig nennt ihn auf Hard Sensations schwärmerisch „Magisches Gift“. Ich freue mich drauf!

– Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film über Fassaden und Türen in Lubitschs Film „Angel“.

– Rainer Knepperges auf new filmkritik über München im März 1969.

– Gabelingeber hat seinen Blog Hauptsache (Stumm)Film umgearbeitet und schreibt jetzt seine Blog-Beiträge in Form eines „Movie Magazins“. Dieses beinhaltet jeweils einen Hauptartikel, in welchem stets ein klassischer englischsprachiger Film vorgestellt wird – dazu möglichst einer, der wenig bekannt ist. Mich interessieren die vergessenen Filme derzeit brennend, es gibt da wirklich erstaunliche Entdeckungen zu machen! Und über die bekannten Klassiker (Casablanca & Co.) ist ja schon genug geschrieben worden. (Was allerdings nicht heisst, dass ich nicht trotzdem mal einen vorstellen werde!) Auf den Hauptartikel folgen dann die „Film-Schnipsel“ mit Kurzkritiken über Filme neueren Datums, der Rubrik „Augenfutter“, wo möglichst regelmäßig Filme, die er in den vergangenen Jahre besprochen hatte, angeschaut werden können, und mit einer Umschau zu anderen Blogs, welche in der vergangenen Woche Filmklassiker besprochen hatten. Interessantes Konzept.

– Schwanenmeister kommentiert auf Negative Space das New-Beverly-Programm im Juni 2016. Das „New Beverly“ gehört Quentin Tarantino.

– Schönes Fazit von totalschaden auf Splattertrash über Jess Francos „Das Geheimnis des Dr. Z“: „Äußerst stimmiges Franco-Frühwerk, welches seine solide Story in wundervollen Bildern vorträg“

– Sebastian empfiehlt auf Nischenkino Sam Peckinpahs gerade neu erschienenen „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“.

– Funxton zeigt vollkommen hingerissen von William Peter Blattys „The Ninth Configuration“ , vergibt 10/10 Punkten und nennt ihn „Vielleicht ein künftiger Lieblingsfilm“. Und mit „Die sieben glorreichen Gladiatoren“ des Dou-Infernale Bruno Mattei/Claudio Fragasso hatte er auch eine Menge Spaß.

– Oliver Nöding von Remember It For Later war von „Public Enemies“ sehr enttäuscht und freut sich jetzt umso mehr, dass „Blackhat“ für Michael Mann eine Rückkehr zu alter Form geworden ist.

– Nachklapp zum Top-Thema der letzten Woche: Sebastian Schwittay schreibt über „The Witch“ auf odd&excluded: „Die realistische, historisch exakte und mit wohldosiertem surrealem Schockmoment versehene Studie über die psychologischen Mechanismen religiöser Hysterie hat das Zeug zum Klassiker“.

– Real Virtualinks bei real virtuality.

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Open-Air-Kino in Bremen 2016 – Schlachthof & Co.

OpenAir15Wie schon im letzten Jahr, findet auch diesmal wieder ein großes Open Air Kino Event in der Arena am Schlachthof statt. Organisiert von der Schlachthofkneipe.

Gestartet wird am 8. Juni mit der „Rocky Horror Picture Show„. Weiter geht’s – EM bedingt – am 23. Juni. Dann sind Stefan und ich zu Gast und stellen ein Double-Feature im Rahmen unserer Filmreihe Weird Xperience vor: „Return of the Living Dead“ und „Street Trash“. Beides feiner Splatter-Fun aus den 80ern. Und am 12. Juli sind wir dann noch einmal dabei und haben wieder etwas ganz Besonderes im Gepäck: „Invasion aus dem Inneren der Erde“ aus der Schmiede der legendären Shaw Brothers Studios. Auch bekannt als „Infra Superman“. Urwesen aus dem Inneren der Erde bedrohen unseren Planeten. Die modernste Technik des Atom-Zeitalters ist ohnmächtig gegen die elementaren Urgewalten. Da entwickelt ein Wissenschaftler eine Geheimwaffe: den “Infra Superman”. Außerdem: “Die Todesgöttin des Liebescamps“ von und mit Christian Anders (ja, DER „Fährt ein Zug nach Nirgendwo“ Anders), der sich Ende der 70er/Anfang der 80er als Filmemacher und deutscher Bruce Lee (!) zu etablieren versuchte. Hier spielt er an der Seite der Sexploitation-Ikone Laura Gemser. Weitere Highlights des Open-Air-Kino-Sommers sind “Das brandneue Testament” (24.6.) , “Flash Gordon“ (5.7.), „The Doors“ (14.7.) und “Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft” (24.7.). Für das mehr Mainstream-orientierte Publikum sind u.a. „Ich bin dann mal weg“ (15.7.), „Er ist wieder da“ (16.7.) und „Ein Hologramm für den König“ (22.7.) dabei.

Das vollständige Programm kann man hier einsehen: http://schlachthofkneipe.de/open-air-kino/#programm
Die Filme starten für gewöhnlich um 19:45 Uhr und Tickets gibt es für 5 Euro.

Dann noch zwei Vorschauen: Am 5. und 6. August gibt es in Bremerhaven wieder das „Kino im Hafen“ und am 16. September das Open Air Kino in Mahndorf. Für beide Termine stehen die Filme bisher noch nicht fest.

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04.06: “Vor der Morgenröte” mit Regisseurin Maria Schrader in der Gondel

vor-der-morgenrteAm Samstag, den 4. Juni um 19:00 Uhr ist die wunderbare Maria Schrader in der Gondel zu Gast, um ihren neuen Film „Vor der Morgenröte“ vorzustellen. Der Film erzählt die wahre Geschichte des berühmten österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig, der im Zuge des Nationalsozialismus aus seiner Heimat Österreich flieht. Die Hauptrollen spielen der österreichische Kabarettist und Kult-Schauspieler Josef Hader und die Bremerin Barbara Sukowa.

Im Februar 1934 wird die Lage für Stefan Zweig (Josef Hader) bitterernst. Als jüdischer Schriftsteller muss er die Verfolgung der Nazis fürchten und beschließt, seine Heimat Österreich zu verlassen, nachdem vier Polizisten sein Haus durchsuchen. Zweig kommt zu dem Schluss, dass dies erst der Anfang einer größeren, gefährlichen Entwicklung ist. Ohne seine Frau Friderike (Barbara Sukowa) steigt Zweig in den Zug und emigriert in die britische Hauptstadt, London. Doch mit der Flucht des erklärten Pazifisten haben sich nicht alle Probleme in Rauch aufgelöst. So werden die literarischen Werke Zweigs im deutschsprachigen Raum zunehmend zensiert und verboten. Davon abgesehen, fällt es dem Autoren nicht leicht, sich plötzlich in einer neuen Kultur einzuleben. Auch deshalb, weil die Beziehung zu seiner Frau nicht mehr jene ist, die sie einmal war, seit sie weit weg in Salzburg lebt. Doch obwohl Zweig vor dem Schrecken fliehen konnte, verfolgt er ihn immer noch.

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Blu-ray Rezension: „Hatchet for the Honeymoon“

Hatchet-for-the-HoneymoonJohn Harrington (Stephen Forsyth) ist der Besitzer eines Brautmodegeschäfts. Er ist mit Mildred (Laura Betti) verheiratet, deren Eifersucht und Besitzanspruch ihm das Leben zur Hölle macht. John führt ein Doppelleben, denn wenn immer sich die Gelegenheit ergibt, tötet er mit einem Beil junge Frauen, die Brautkleider tragen. Mit jedem Mord hofft er, ein Puzzlestück zu einer in seinem Kopf eingesperten Erinnerung zu erhalten: Wer tötete einst seine Mutter? Als Mildred ihn wieder einmal verhöhnt bringt er auch sie um. Allerdings kehrt sein Opfer umgehend als Geist zurück…

Endlich erblickt das Werk Mario Bavas auch in Deutschland das HD-Licht der Welt. „Hatchet for the Honeymoon“ war zwar schon in einer schon lange nicht mehr erhältlichen DVD-Edition aus dem Hause Koch Media erhältlich, doch die HD-Bearbeitung durch das junge Label Wicked Vision Media lässt einen mit der Zunge schnalzen und fügt dem Film aufgrund der kräftigen Farben und dem klaren Bild noch zusätzliche Reize hinzu. „Hatchet for the Honeymoon“ wurde viele Jahre von den Bava-Fans eher stiefmütterlich behandelt. Zu mächtig waren die großen Meisterwerke wie „Blutige Seide“, „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ oder „Drei Gesichter der Furcht“. „Hatchet for the Honeymoon“ erschien mehr als Nebenwerk. Sieht man den Film heute nochmals in all seiner visuellen Pracht, bleibt die Einschätzung rätselhaft. Vielleicht liegt es auch daran, dass die bisherigen Heimkino-Umsetzungen eher suboptimal waren. So zeichnete sich die die US-DVD von Image Entertainment – lange Zeit die einfachste Möglichkeit an den Film zu kommen – durch ein eher blasses Bild und einen fürchterlichen, englischen Ton aus. Vielleicht war es aber auch Bavas ungewöhnlicher Ansatz, einen wahnsinnigen Serienmörder zum Helden und Identifikationsfigur seines Filmes zu machen.

In Zeiten, in denen ein Hannibal Lector eine eigene TV-Serie hat und ein Patrick Bateman zu einer Ikone der 80er wurde, fällt dieser Kniff allerdings weniger schwer zu verdauen aus, wie noch 1970. Zumal der Killer John Harrington sehr charmant vom gutaussehenden Stephen Forsyth gespielt wird. Dieser durchbricht gleich in der ersten Szene die vierte Wand und stellt sich dem Publikum als wahnsinniger Mörder vor, der seinen Wahnsinn auch noch in vollen Zügen genießt. Immer wieder taucht Bava in den Kopf seines Protagonisten ein und zeigt die Welt durch seine Augen. Dies nutzt Bava, der als gelernter Kameramann hier auch wieder selber für die Fotografie zuständig war, um gehörig mit seiner Kamera zu experimentieren. Er lässt dramatische Details des Bildes bis fast zu Unkenntlichkeit verschwimmen, so dass man nie sicher sein kann, ob das, was man da glaubt zu sehen, real ist oder Johns fiebrigen Wahrnehmung entspringt. Bava sucht die besondere Einstellung, die ungewöhnliche Bildkomposition, das Spiel mit Vorder- und Hintergrund. Die extreme Farbkomposition, die seine vorangegangenen Werke auszeichnete, fährt Bava hier stark zurück. Er achtet jedoch darauf, dass ein kräftiges Rot zum rechten Augenblick einen packenden Effekt hervorzaubert.

Gewisse Abstriche müssen beim Drehbuch gemacht werden, welches sich zwar bemüht, den kranken John Harrington und seine gestörte Welt möglichst exakt zu porträtieren, dabei aber die Spannung vollkommen vernachlässigt. Das finstere Geheimnis, welches John durch seine Braut-Morde aus seinem Gedächtnis zu lösen versucht, dürfte jedem Zuschauer, der mehr als drei solcher Filme gesehen hat, schon nach der ersten Szene bekannt sein. Sträflich ist der Umgang Bavas mit einzelnen Szenen, die das Potential für nervenzerfetzende Spannung hätten, hier aber verpuffen. Ein Beispiel hierfür wäre jener Augenblick, in dem John versucht, die Polizei aus seinem Haus zu bekommen, während über ihm und seinen Häschern eine Leiche von der Treppe herunter blutet. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, was Hitchcock aus dieser Ausgangssituation gemacht hätte. Bava – der auch für das Drehbuch mit verantwortlich war – scheint dies aber gar nicht zu interessieren. Ihm war scheinbar das psychologische Drama weitaus wichtiger als die Thriller-Elemente.

Auch die Morde des John Harrington sind weitaus unspektakulärer als in vergleichbaren Bava-Filmen ausgefallen. Ja, sie sind fast schon ein Anti-Klimax. Mehr Sorgfalt verwendet Bava darauf, eine generell merkwürdig-krankhafte Eigenwelt zu kreieren, in dem sein Hauptdarsteller frei agieren kann. Die Szenen in denen sich John Harrington in einen Raum mit unzähligen in Brautkleidern gewandten Kleiderpuppen zurückzieht, nimmt bereits William Lustigs berüchtigten „Maniac“ (und mehr noch dessen gelungenes Remake) vorweg, in dem es eine ganz ähnliche Sequenz gibt. Überhaupt erinnert vieles in „Hatchet for the Honeymoon“ an diesen 80er Jahre Klassiker des verstörenden Films. Die Konzentration auf die kranke Hauptfigur, seine Paranoia (hier repräsentiert die ständig auftauchende und anklagende tote Ehefrau), das Kindheitstrauma und die zärtliche Liebesbande zu einer jungen Frau. All dies findet sich 10 Jahre später auch in „Maniac“ wieder.

Sehr viel Wert legt Bava auch auf die Ausstattung. Das Haus Harringtons, in dem weite Strecken des Filme spielen, ist eine gewaltige Villa, voller merkwürdiger Bilder, erdrückender Architektur und geheimnisvollen Wegen. Wer hier lebt, muss zwangsläufig verrückt werden. Dazu passt es dann auch, dass die Villa einst dem spanischen Gerneralissimo Franco gehört haben soll. Ein ganz besonderer Hingucker sind auch die Kostüme. Nicht nur die Kleider der Damen, sondern vor allem auch das unglaubliche Outfit Stephen Forsyths lässt Fans des wilden Übergangs zwischen 1969 und 1970 die Herzen höher schlagen. Erwähnt werden muss aber auch die interessante Filmmusik, welche von Sante Maria Romitelli komponiert wurde und sich erst zuckersüß in den Gehörgang schmeichelt, um den unvorbereiteten Zuschauer dann mit experimentellen Tönen zu verstören.

Für Hauptdarsteller Stephen Forsyth war „Hatchet for the Honeymoon“ leider sein letzter Filmauftritt. Der Kanadier zog nach Beendigung der Dreharbeiten nach New York, wo er eine erfolgreiche Karriere als Komponist, Sänger, Fotograf und Videokünstler begann. In „Hatchet for the Honeymoon“ erinnert Forsyth stark an eine attraktivere Version des Italo-Westernhelden Anthony Steffen, der ja eine ganz ähnliche Rolle in „Grotte der vergessenen Leiche“ spielte. Beide vereint auch eine knarzige Hölzernheit. Überhaupt nicht hölzern, sonder sehr flexibel ist die wunderbare Dagmar Lassander, die hier allerdings keine große Aufgabe zu erfüllen hat. Diese kommt der großartigen Laura Betti, einer Stammschauspielerin Passolinis, zu, welche die bösartige Ehefrau und späteren Rachegeist spielt. Die Betti lässt den Zuschauer bei ihrer Interpretation der Mildred Harrington zwischen Abscheu, aber auch ein wenig Mitleid schwanken und ist als Geist tatsächlich gruselig.

Diese Geistergeschichte ist es dann auch, welche den Film aus dem Gleichgewicht bringt. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Geschichte um den Geist von Johns ermordeter Ehefrau ursprünglich ambivalenter geplant war und es dem Zuschauer überlassen bleiben sollte, ob der Spuk nun real oder nur eine Ausgeburt von Johns Wahnsinn ist. Im finalen Film jedenfalls fehlt diese Zweideutigkeit, und der Geist erscheint als eben solcher und nicht als paranoide Fantasie. Dadurch wird dem Psychogramm eines Serienkillers etwas die Spitze genommen, da der Film hier ins Fantastische abgleitet. Hätte Bava auf diese Geistergeschichte verzichtet, wäre es dem Film vielleicht zugute gekommen. Andererseits wäre die Filmwelt um die beängstigende Darstellung der famosen Laura Betti ärmer.

Die Blu-ray von Wicked Vision Meda lässt, wie eingangs bereits erwähnt, keine Wünsche offen. Der Film wurde vom 35mm-Kamera-Negativ neu abgetastet und restauriert. Sowohl die Farben, als auch das Schwarz kommen dadurch sehr kraftvoll zur Geltung. Im Gegensatz zu älteren Ausgaben (insbesondere der US-Version) ist der als dts-HD-Mono vorliegende Ton hier endlich makellos. Auch an interessanten Extras wurde nicht gespart. Es gibt einen Audiokommentar von Pelle Felsch Für ein Vorwort wurde Dagmar Lassander gewonnen, die den Zuschauer einmal auf deutsch und einmal auf englisch einlädt, sich den Film anzusehen. Mit „A Hatchet for Dagmar“ ist auch ein neues, von Uwe Huber geführtes Interview mit ihr dabei, indem sie in 25 Minuten auf ihre lange Karriere Bezug nimmt und sich dabei auch kritisch äußert. In „My Dying Bride“ sieht man Marcus Stiglegger, der in knapp zehn Minuten viele interessante Hintergründe des Filmes zusammenfasst. Ferner sind noch die deutschen und italienischen Titel- und Endsequenzen dabei, allerdings in schlechter Qualität. Nette Beigabe: Der spanischen Werberatschlag, der italienische Foto-Aushang, und eine Artwork-Galerie. Weiter so, Wicked Vision Media!

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Das Bloggen der Anderen (30-05-16)

bartonfink_type2– Wer sagt, dass deutsche Kino wäre tot? Im Moment fühlt es sich sehr lebendig an. Gerade durch mutige Produktionen abseits von Förderung und TV-Geldern. Das schönste Beispiel derzeit ist „Der Nachtmahr“, der in den Blogs enthusiastisch besprochen wird. So von Oliver Nöding auf critic.de, Christian Witte auf cereality und Sebastian Selig auf Hard Sensations. Dazu passend gibt es auf B-Roll noch ein Interview von Joachim Kurz mit dem Regisseur AKIZ.

– Der deutsche Film steht auch sonst bei B-Roll im Zentrum, wo gerade eine auf sechs Teile angelegte Reihe zum Thema „Deutscher Film“ von Harald Mühlbeyer und Urs Spörri gestartet ist. Und Rochus Wolff schreibt über die Beziehungen von Kindern zu Monstern. Ein ganz wunderbarer Artikel, der mich nicht nur als Vater sehr interessiert hat, sondern natürlich auch als jemand, der einmal selber Kind war und sich den Monstern gestellt hat. Dazu eine kleine Anekdote, die hier sehr gut passt, da Rochus sie ebenfalls an den Anfang seines Textes stellt. Neulich standen wir nach einer Weird-Xperience-Vorstellung noch nett beieinander und da kam das Gespräch auf „Tanz der Vampire“ – und drei Leute erzählten gleichzeitig, wie sie von diesem Film als Kind traumatisiert wurden, als er einst im ZDF lief. Vom Alter her müssen wir damals alle dieselbe TV-Ausstrahlung (laut meinen Recherchen am 8. April 1983) gesehen haben und vermute Rochus Wolff wurde auch dessen „Opfer“.

– Frédéric Jaeger lässt auf critic.de noch einmal den diesjährigen Cannes-Jahrgang Revue passieren. Michael Kienzl erinnert anlässlich einer Retrospektive im Berliner Zeughauskino an den in Vergessenheit geratenen Regisseurs Sohrab Shahid Saless.

– Sebastian Schwittay schreibt auf odd&excluded über die Dokumentarfilm-Arbeiten von Elfi Mikesch und nimmt sich diesmal „Was soll’n wir denn machen ohne den Tod“ von 1980 vor.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen widmet sich der späten Phase der legendären Edgar-Wallace-Reihe, was ich toll finde, da diese nur selten näher beleuchtet wird und ich gerade diese Filme für sehr spannend halte. Wahrscheinlich, weil ich sie erst sehr, sehr spät gesehen habe (sie liefen ja im Gegensatz zu den älteren filmen der Reihe so gut wie nie im TV) und nur die Verrisse aus dem Goldmann-Buch „Die Edgar-Wallace-Filme“ kannte. „Der Mann mit dem Glasauge“ hat Schlombie dabei besonders gut gefallen. Zu Recht!

– Witte schreibt auf Die drei Muscheln darüber, warum Maren Ades „Tone Erdmann“ so toll ist.

– Von Deutschland nun nach Italien: totalschaden empfiehlt auf Splattertrash den Italo-Western „Vier für ein Ave Maria“ aus der Zeit, als Spencer/Hill noch nicht für Komödien standen und „Sieben goldene Männer“, den er so beschreibt: „Wundervoll inszeniert, begnadet besetzt und stets mit einem zwinkernden Auge bewaffnet, liefert der obendrein toll ausgestattete und vertonte Streifen wundervolle Unterhaltung.“

– Udo Rotenberg widmet sich auf L’amore in città weiter dem italienischen Episodenfilm der 60er Jahre. Diesmal: „Le bambole“ (Die Puppen), der Anfang 1965 in die Kinos kam.

– Jetzt Frankreich. Michel Gondry hat einen neuen Film gedreht, was mich immer wieder sehr freut. Über seinen Coming-of-Age-Film „Mikro & Sprit“ habe ich jetzt das erste Mal von Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de gehört. Oliver ist von dem Film restlos begeistert und verteilt die bei ihm sehr seltene 9 von 10.

– Sebastian auf Magazin des Glücks über den aktuellen französischen Zeichentrickfilm „April und die außergewöhnliche Welt“: „Comic-Künstler Jacques Tardi (…) (re-)mixt für das visuelle Universum seiner Steampunk-Uchronie – detailfreudig, ironisch und ohne dabei den ureigenen Stil zu verlieren – magischen Realismus, ökologische Dystopie und vergangene Zukunftsträume, die kristallklare Düsternis von Feuillade, die alptraumhaften Märchenwelten von Miyazaki und die expressiven Science-Fiction-Visionen von Fritz Lang zu einem eklektizistischen Grafiktrip der Extraklasse.“ Muss ich sehen.

– Japan. Schneeland. Michael Schleeh ist begeistert von Takashi Ishiis „Gonin Saga“, den er auf der Nippon Connection 2016 sah.

– Nicolai Bühnemann hat auf filmgazette ein sehr langes und interessantes Essay über den spanischen Regisseur Eloy de la Iglesia veröffentlicht, den man hierzulande leider bisher nur von seinem Film „Cannibal Man“ her kennt., der aber so viel mehr zu bieten hat.

– „Preisfrage: Was verbindet Josef von Sternbergs AN AMERICAN TRAGEDY und Luis Trenkers DER KAISER VON KALIFORNIEN? Ganz einfach: Beide Filme wurden nicht von Sergej Eisenstein inszeniert.“ So beginnt Manfred Polaks ebenfalls sehr langes und lesenswertes Essay auf Whoknows presents über die Hollywood-Jahre eines Genies.

– „Pumkinhead“ ist einer der Lieblingsfilme von Oliver Nöding. Warum, dass erklärt er auf Remember It For Later.

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04.06: “Rockabilly Requiem” mit Regisseur und Konzert in der Schauburg

rockabillyrequiemDas in unserer schönen Hansestadt auch mal Kinofilme gedreht werden kommt ja eher selten vor. Umso schöner, dass nun einer in die Kinos kommt und bei seiner Premiere in Bremen dann auch groß auffährt.

Rockabilly Requiem“ von Till Müller-Edenborn wird am 4. Juni um 21:00 in Anwesenheit des Regisseurs und seiner Hauptdarsteller Sebastian Tiede, Ben Münchow und Ruby O. Fee in der „Schauburg“ gezeigt. Im Anschluss spielt die legendäre Bremer Rock n‘ Roll-Band „The Wild Black Jets“ (bei denen vor einigen Jahren noch der wunderbare Kai Stellmann von dem schmerzlich vermissten Buch- und Wunderladen „Pegasos“ trommelte), die in dem Film auch mitspielt ein einstündiges Konzert im Foyer.

Die beiden Freunde Sebastian (Sebastian Tiede) und Hubertus (Ben Münchow) haben beide unterschiedlich unter ihren Vätern zu leiden. Während Hubertus‘ Vater Norbert (Alexander Hauff) von der Idee besessen ist, dass sein Sohn die Offizierslaufbahn einschlägt, muss Sebastian fast gänzlich ohne Vater auskommen. Dieser lässt sich nur allzu selten blicken, was dazu führt, dass die beiden Freunde gleichermaßen auf der Suche nach Halt in ihrem Leben sind. Beides finden sie nur in ihrer Band “Rebels“, die im Stile der 1950er Jahre der Rockabilly-Musik Tribut zollt. Besonders Hubertus ist vom amerikanischen Traum und der scheinbar endlosen Freiheit begeistert, die ein Leben als Musiker mit sich bringt. Beide treffen eine Abmachung und beschließen, niemals wie ihre Väter werden zu wollen. Die Band und die Liebe zu Punkprinzessin Debbie (Ruby O’Fee) einen die beiden, und zu dritt beschließen sie, dem bürgerlichen, engstirnigen Leben den Rücken zu kehren. Für die Rebels ergibt sich dann die einmalige Chance, ihren ersten großen Auftritt zu landen, als die „Wild Black Jets“ eine Vorband suchen. Doch ihre Euphorie wird auch durch Nervosität gebremst, geht die Bühnenerfahrung der Rebels doch gegen Null. Hinzu kommt, dass vor allem Hubertus‘ Vater Norbert gegen die Ambitionen seines Sohnes aufbegehrt. Als tatsächlich eine Einladung zum Vorspielen ins Haus flattert, ist der Familienkrach vorprogrammiert, wobei die Lage zu eskalieren droht.

Ben Münchow gewann für seine Rolle in „Rockabilly Requiem“ auf dem Max-Ophüls-Festival den Darsteller-Preise. Außerdem wurde der Film in Bremen von Elke Peters (Neue Mira Filmproduktion GmbH) produziert und auch teilweise hier gedreht, u.a. im „Modernes“.

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02.06: “7 Göttinnen” mit Gästen in der Schauburg

sieben-goettinnenIch bin gar nicht auf dem Laufenden, ob der große Bollywood-Boom noch immer anhält. Ich bin 2006 erstmals mit Bollywood in Berührung gekommen und war begeistert von diesen „totalen Filmen“. Total, weil wirklich alles in die 3-4 Stunden Werke hineingepackt und dann auf gigantische Größe aufgeblasen wird. Alles ist hier soviel größer als im Leben: Die Gefühle, das Drama, die Tränen, die Freude. Dazu dann die buntesten Farben, die aufwändigsten Tanz-Choreographien, der treibensten Rhythmus der Musik und die sehnsuchtsvollsten Balladen. Und wenn sich Bollywood mal an Action versucht, dann knallt und fliegt es an allen Ecken und Enden. Und das Schönste: Völlig ironiefrei. Die meinen das alles ernst – und das ist gut so.Ich war verliebt. Aber dann habe ich Bollywood irgendwie aus den Augen verloren und weiß nicht, was es da momentan so alles gibt. In Deutschland war Bollywood, dank der Pionierarbeit von Rapid Eye Movies und der Dauerrotation auf RTL2 ungeheuer erfolgreich. Kein Wunder also, dass jetzt ein u.a. mit deutschen Geldern entstandener Bollywood-Film in die Kinos kommt und hierzulande mit großer Besetzung auf Kino-Tournee geht. Am 2. Juni um 20:30 Uhr kommen die Hauptdarstellerinnen Sarah Jane Dias (Miss India 2007), Anushka Manchanda, Pavleen Gujral und Rajshri Deshpande, sowie Produzent Gaurav Dhinga und der deutsche Co-Produzent Sol Bondy in die Schauburg, um den Film vorzustellen.

Freida (Sarah-Jane Dias) hat ihre besten Jugendfreundinnen zu sich nach Goa eingeladen. In der traumhaften Umgebung des indischen Küstenstaats will sie mit ihnen – zur großen Überraschung aller – ihre Hochzeit feiern. Die Hochzeitsgesellschaft könnte unterschiedlicher kaum sein: Suranjana (Sandhya Mridul) ist eine toughe Geschäftsfrau und Mutter, Joanna (Amrit Maghera) eine aufstrebende Schauspielerin, Mad (Anushka Manchanda) eine mit dem Erfolg ringende Musikerin, Nargis (Tannishtha Chatterjee) engagierte Umweltaktivistin, und die ehemalige Spitzenstudentin Pam (Pavleen Gujral) ist inzwischen Hausfrau. Umsorgt werden alle von Freidas Hausmädchen Laxmi (Rajshri Deshpande). Zwar verrät Freida ihren erstaunten Freundinnen noch nicht, wen sie heiraten wird, zum Feiern muss sie sie aber nicht überreden. Und während alle über die Identität des Bräutigams rätseln, beginnen die sieben jungen Frauen wild und ausgelassen über Gott und die Welt zu philosophieren – über Männer, Sex und ihre Karrieren, über ihre kleinen Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Je mehr sie dabei von sich offenbaren, desto klarer wird ihnen, dass sie alle vom Leben nicht das bekommen haben, was sie sich erhofft hatten. Eigentlich hatte ihnen die Welt offen gestanden, in einem Land, in dem Traditionen und Männer das Sagen haben, sind ihre Träume aber irgendwann auf der Strecke geblieben. Sieben Frauen, die wütend sind – und die gemeinsam Pläne schmieden, wie sie ihr bisheriges Leben ändern können. Doch sie ahnen nicht, dass ihre Gemeinschaft durch ein dramatisches Ereignis schon bald auf ganz andere Weise herausgefordert wird.

Der Film ist Bollywood-untypisch nur 103 Minuten lang, und ob darin gesungen und getanzt wird, kann ich leider auch nicht sagen. Schön wäre es aber schon.

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DVD-Rezension: „The Blackout“

theblackoutDer drogen- und alkoholabhängige Hollywood-Star Matty (Matthew Modine) reist nach Miami, um dort seine Geliebten Annie (Beatrice Dalle) zu treffen. Als diese ihm gesteht, ihr gemeinsames Kind abgetrieben zu haben, rastet Matty aus, obwohl er derjenige war, der Annie dazu getrieben hat. Als Annie ihn daraufhin verlässt, schmeißt er immer mehr Drogen ein, bis er schließlich im Beisein seines Freundes Mickey Wayne (Dennis Hopper) einen Blackout erlebt. 18 Monate später hat Matty einen Entzug hinter sich und lebt mit seiner neuen Freundin Susan (Claudia Schiffer) zusammen. Doch ihn quält der Verdacht, dass er während seines Blackouts eine fürchterliche Tat begangen hat. Als Susan für einige Tage beruflich verreist, macht sich Matty auf den Weg nach Miami, um Antworten und seine geliebte Annie zu finden…

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Nach zwei gefloppten Filmen für ein großes Hollywood-Studio kehrte Abel Ferrara 1995 zu seinen Wurzeln zurück und produzierte einige kleine Low-Budget-Produktionen. Mit „The Addiction“ und „The Funeral“ drehte er hintereinander weg zwei Kultfilme. Damit kehrte er in den Schoß jener unabhängigen Kult-Filmemacher zurück, bei denen die bekannten Hollywood-Namen beim Casting Schlange stehen, um für schmales Geld etwas für ihr Prestige zu tun. Bei „The Blackout“ sind es neben Dennis Hopper (der allerdings nie besonders anspruchsvoll in seiner Filmauswahl war, Hauptsache der Scheck stimmte) und Matthew Modine, der hier gegen sein Saubermann-Image anspielt, die Französin Beatrice Dalle und das deutsche Supermodel Claudia Schiffer. Die Dalle spielt die verführerisch kaputte Annie mit solch einer natürlich-lasziven Leck-mich-Attitüde, dass man meint, sie förmlich Alkohol und Koks ausschwitzen zu sehen. Sie spielt nicht, sie ist. Modine ist zwar ebenfalls sehr überzeugend als unsympathische Riesenarschloch, welches sehenden Auges sein eigenes Leben rücksichtslos auf die Reise ins Klo schickt. Doch Modine „spielt“. Das macht er gut, aber er spielt. Modine kokst, säuft, schreit, greint, starrt mit einer gewissen Penetranz. Hautnah wird jede Sucht am Beispiel Mattys durch dekliniert: Drogen, Alkohol, Sex, Narzissmus. Einem wird schon beim Zuschauen schwindelig und man möchte dem wehleidig-egomanischen Popanz ebenso ins Gesicht schlagen, wie es die Dalle tut, als Matty ihr die vehement die Abtreibung ihres Kindes vorwirft, zu der er sie selber gezwungen hat.

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Neben der drogenverkleisterten Promiwelt Miamis, porträtiert Ferrera auch seine eigene Branche, die einem hier wie ein Höllenschlund voller egozentrischer Psychopathen vorkommt. Alle sind im Drogenrausch, hemmungslos Ich-fixiert und im besten Falle nur vollkommen verrückt. Möglicherweise hat Ferrara die von Dennis Hopper gespielte Figur des Mickey Wayne als eine Art Selbstportrait angelegt. Erlebt man Ferrara in Interviews und weiß um seine eigene „wilde“ Zeit, ist dies zwar nicht unbedingt schmeichelhaft, aber sehr wahrscheinlich. Mickey Wayne ist ein Puppenspieler in allen Bedeutungen des Wortes. Der Nachtclub-Besitzer wäre gerne Filmemacher, inszeniert eine wilde Videoproduktion, mit der er Émile Zola Romans „Nana“ in seinem Nachtclub mit viel nackter Haut und dampfenden Sex verfilmt. Irgendwann sitzt er dann mit dem vollkommen abgewrackten Matty in einem Hotelzimmer und nimmt mit seiner allgegenwärtigen Videokamera zwei silikonverstärkte „Eskortdamen“ bei lesbischen Liebesspielen auf. Ganz im Sucher seiner kleinen Videokamera gefangen, beobachtend, inszenierend, ohne selber wirklich aktiv zu werden. Ein voyeuristischer Kontrollfreak. Leider spielt Hopper ihn in jenem stereotypen „Frank-Booth“-Stil, den er in den 90ern kultiviert hatte, und der mittlerweile wie ein Parodie auf seine Paraderolle wirkt.

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Die Einbindung der Dreharbeiten zu Mickey Waynes merkwürdigen „Nana“-Verfilmung nutzt Ferrea zu allerlei technischen Spielereien. Er mischt Film und Digitalook, kreiert damit visuell zwei Ebenen, um dann Film und Film-im-Film zu verwischen. Er spielt mit Überblendungen, kräftigen Farben und körnigem, ausgebleicht wirkendem Material, um die verschiedenen Stimmungen, dramatischen Ereignisse und vor allem das Innere seines zwischen Rausch und Kater, aufgekratzter Euphorie und depressiver Verzweiflung, plakativ dargestellter Selbstsicherheit und vor Selbstmitleid triefender Weinerlichkeit schwankenden Protagonisten zu illustrieren. Zusammen mit dem kongenialen Soundtrack beweist Ferrara hier seine technische und kreative Meisterschaft. Die Figuren bleiben einem dabei aber weiter fremd und zutiefst zuwider. Nur die klinisch reine Claudia Schiffer in ihrem Spielfilmdebüt, und natürlich die wunderbare Sarah Lassez können etwas Wärme und Menschlichkeit einbringen. Der Rest lässt sich ständig um sich selbst kreisend durch den Rausch der Partynächte in Miami treiben.

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Abel Ferrara verarbeitet in „The Blackout“ Themen, die ihn seine ganze Karriere begleiten. Die Korruption der Seele, die Leere eines oberflächlichen Lebens und der verzweifelte Versuch, diese mit Drogen, Sex und Selbstquälerei zu füllen. Matty ist darin dem „Bad Lieutenant“ nicht unähnlich, ohne allerdings dessen seelische Zerrissenheit zu transportieren. Bei Matty hat man eher das Gefühl, dass ihn allein seine grenzenlose Egozentrik in seine Lage gebracht hat. Technisch und stilistisch wie immer brillant von Ferrara inszeniert, krankt der Film als ernst gemeintes Psycho-Drama dann auch an seiner hohlen Hauptfigur. Wenn man ihn allerdings als bitterböse, sarkastische Abrechnung mit den aufgeblasenen Egos einiger Hollywood-Stars versteht, funktioniert er wiederum recht gut.

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Der Film ist als Nummer 4 in der CineSelection des Labels filmArt erschienen. Das Bild – soweit man dies anhand der vielen unterschiedlichen Materialien und Techniken beurteilen kann, ist sehr gut geworden. Auch der Stereo-Ton ist sowohl in der Original-, wie auch in der Synchron-Fassung sehr sauber und gut zu verstehen. Das Bonusmaterial besteht aus einer 4:3 Open Matte-Fassung und einem 12seitigen Booklet von Marcus Stiglegger, der weniger auf „The Blackout“ als solches eingeht, sondern vielmehr interessante Aspekte über die zentralen Motive im Werk Abel Ferraras hervorhebt. Sehr interessant.

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Das Bloggen der Anderen (23-05-16)

bartonfink_type2– Wie der eine oder andere schon mitbekommen hat, schreibe ich regelmäßig für das Printmagazin „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“, welches sich mit dem Film von 1895 – 1965 beschäftigt. Douscope hat nun ein sehr langes und interessantes Gespräch mit „meinem“ Chefredakteur Jörg Mathieu geführt, bei denen einige Dinge zutage kamen, die auch ich noch nicht wusste.

– Cannes, Cannes, Cannes… jetzt ist das Festival an der Rivera schon wieder vorbei. In den Blogs der letzten Wochen war es aber natürlich noch Thema Nr. 1. So besprach Sennhausers Filmblog die neuen Filme von Paul Verhoeven (ich wusste gar nicht, dass der wieder gedreht hatte und die mit der Huppert), Nicolas Winding Refn, Brillante Mendoza, Pedro Almodóvar, Olivier Assayas und Jim Jarmusch.  Frédéric Jaeger von critic.de ist von der finalen Preisvergabe schwer enttäuscht.

– Hier mache ich einmal eine Ausnahme: Vom Zeitrahmen fällt der nächste Hinweis nicht mehr in die letzten Woche und es ist eher ein Podcast (die ich ja nicht verlinke, da ich keine Zeit habe sie mir anzuhören). Aber für Christian Genzels Interview auf Wilsons Dachboden mit Howard Ziehm mache ich da jetzt gerne diese Ausnahme.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film einen schönen, autobiographisch-poetischen – und auch irgendwie traurigen – Text über seine „Müdigkeit mit dem Kino“ verfasst.

– Ein Film der derzeit in aller Munde ist, ist „The Witch“ auf den ich ebenfalls sehr gespannt bin. Ines Meier hat ihm ein langes Essay auf B-Roll gewidmet, Maximilian Kosing von cereality findet ihn als Genrefilm überdurchschnittlich (was sich nicht ganz in seiner Sternchen-Vergabe widerspiegelt), ähnliches gilt für Drehli Robnik von der filmgazette.

– „The Whispering Star“ von Sion Sono läuft hier in Bremen gerade im Kommunalkino. Die begeisterten Besprechungen von Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de und auf Filme Welt machen neugierig. Ich muss mehr Sion gucken… unbedingt..

– Sehr spannend ist das, was LZ auf screen/read anlässlich des Filmes „The Stranger“ über das Genrekino in Chile und seine Verbindung zu Eli Roth schreibt.

– „Lawrence of Arabia“ ist für mich eine sehr lebendige Kindheitserinnerung, als mir dieser Film das erste Mal eine Idee von der visuellen Macht der Bilder mitgab. YP und PD gehören zu einer ganz anderen Generation und haben auf Film im Dialog David Leans Meisterwerk neu gesehen.

– Fünf Filme von Philippe de Broca mit Jean-Paul Belmondo. Präzise auf den Punkt gebracht von Sebastian auf Magazin des Glücks. http://magazin-des-gluecks.blogspot.de/2016/05/les-farceurs.html

– Volker Schönenberger erinnert mich auf Die Nacht der lebenden Texte dran, dass meine Filmbildung noch große Lücken aufweist, denn bisher habe ich es nicht geschafft „Themroc“ zu sehen. Wie ich die Alge auf dem Heimkinomarkt einschätze, wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben. Leider.

– Udo Rotenberg beschäftigt sich auf Grün ist die Heide sowohl mit dem St. Pauli-Film „Straßenbekanntschaften auf St. Pauli“ mit dem großartigen Günther Stoll, Synchron-Papst Rainer Brandt als Schauspieler und der hinreisenden Dagmar Lassander. Ferner stellt er auch Alfred Vohrers Debüt auf dem Regiestuhl, „Schmutziger Engel“ von 1958 vor, in dem Rex Gildo eine kleine Rolle spielt.

– „Das Haus im dem Folterkeller“ habe ich doch jetzt glatt mit „Don’t Go in the House“ verwechselt. Funxton belehrt mich eines besseren, denn es handelt sich bei „Mansion Of The Doomed“ um ein Remake von Georges Franjus „Les Yeux Sans Visage“. Und scheinbar ein Empfehlenswertes.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen mag „Der Totenchor der Knochenmänner“ von José Luis Merino mit Paul Naschy. Das finde ich gut.

Real Virtualinks auf real virtuality.

Neues aus Hollywood beim Kinogänger.

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