Das Bloggen der Anderen (22-08-16)

bartonfink_type2– Kaum ein Film wird so leidenschaftlich kontrovers diskutiert, wie Winding Refns „Neon Demon“, gerade kam es wieder in meinem Lieblingsforum zu eine ziemlich heftigen Diskussion über den Film. Auf Daumenkino findet man vier längere Auseinandersetzungen mit dem Film, welche jeweils von einer Filmkritikerin verfasst wurden.

– Mehr Konsens gibt es überall bei „Toni Erdmann“. Alex Matzkeit von real virtuality verrät, was für ihn das Interessanteste an „Toni Erdmann“ ist und bindet auch kritische Stimmen mit ein.

– Patrick Holzapfel befasst sich auf Jugend ohne Film mit Jaques Tati und dem Staunen.

– Auf B-Roll schreibt Patrick dann darüber, in wie weit das heutige Kino auch die heute Zeit reflektiert und ob es das überhaupt muss. Sonja Hartl denkt darüber nach, warum das Genre des Krimis im deutschen Kinofilm kaum noch eine Rolle spielt, während man im TV davon bombardiert wird. Und Lucas Barwenczik wundert sich darüber, wie manche Fans ihre Lieblingsfilme mit allen Mitteln gegen Kritik verteidigen.

– Kilian Kleinbauer hat für cereality Thomas Vinterberg über dessen aktuellen Film „Die Kommune“ befragt. Christian Witte bespricht den Hai-Thriller „The Shallows“, dessen Trailer bei mir große Erwartungen geweckt hat. Laut Christian werden diese aber nur bedingt erfüllt.

– Auch Oliver Armknecht von film-rezensionen.de hat „The Shallows“ gesehen und war nur mittelmäßig überzeugt. Dafür empfiehlt er ausdrücklich den Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests: „Swiss Army Man“.

– Robert Redford wird 80. Ein willkommener Anlass für Duoscope seine Filmkarriere einmal im Detail Revue passieren zu lassen. Der erste Teil behandelt seine ersten schauspielerischen Gehversuche bis zum Anfang der 80er Jahre.

– Robert Redford ist auch ein gutes Stichwort für Andrea David, um auf filmtourismus.de einige Drehorte seiner bekannten Filme vorzustellen. Neu war mir dabei, dass Herr Redford eine Hamburgerin ehelichte und eben dieses auch in der benachbarten Hansestadt tat.

– Juli erklärt auf ihrem Blog Pieces of Emotion, wie sehr sie Disney-Filme liebt und woher diese große Leidenschaft kommt.

– Demnächst kommt eine neue Langfassung des Klassikers „Die Blues Brothers“ heraus. War mir bisher unbekannt. Für Sebastian von Nischenkino eine willkommene Gelegenheit sich mal wieder dem Film zu widmen, auch wenn das Wiedersehen für ihn eher ernüchternd war. Bluntwolf ist von Cronenbergs „Die Brut“ und der brandneuen Veröffentlichung von Wicked-Vision-Media begeistert. Auf Beides geht er in seiner Review ausführlich ein.

Einen sehr interessanten Dokumentarfilm hat Flo Lieb auf symparanekronemoi entdeckt: „Weiner“ über den demokratische Bürgermeisterkandidat Anthony Weiner, der Bürgermeister von New York werden wollte, aber zweimal über einen Skandal stolperte.

– Zum 10. und leider wahrscheinlich letzten Mal präsentiert gabelinger auf Hauptsache (Stumm)Film sein „Movie Magazin“. Diesmal mit Bette Davis in „Die kleinen Füchse“ und Peter Weirs erstem Hollywood-Film „Der einzige Zeuge“.

– Oliver Nöding war mit seiner Tochter im Kino und hat Steven Spielbergs Roald-Dahl-Verfilmung „BFG“ gesehen… und bricht dafür mit seinem Vorsatz auf Remember it For Later niemals über Kinderfilme zu schreiben. Ausserdem mochte er Ridley Scotts „Black Hawk Down“, was auf Facebook zu einer sehr langen und sehr hitzigen Diskussion geführt hat – die sich aber leider nicht in den Kommentaren des Blogs wiederfindet, weshalb diese Diskussion wohl mal wieder für immer bei Facebook vergraben bleibt. Schade, aber eben de rFluch des Social Networks. Nichts ist für die Ewigkeit – oder zumindest eine Woche.

– Schlombie lotet auf Schlombies Filmbesprechungen (wieder mit neuem Design, welches ich sehr gelungen finde) weiterhin die Untiefen des preisgünstigen japanischen DTV-Splatter-Genres aus und empfiehlt diesmal „Meatball Machine“ und „Gothic and Lolita Psycho“.

– Michael Schleeh hat für Schneeland S.S. Rajamoulis Fantasy-Filmfest-Hit „Makkhi“ nachgeholt und zeigt sich sehr gut unterhalten.

– Nach Frankreich geht es bei den Seltsamen Filmen des Herrn Nolte. Sascha hat sich das finstere Rache-Drama „Am Rande der Nacht“ von 1983 mit dem damaligen französischen Comedy-Superstar Coluche angesehen und war tief beeindruckt von diesem deprimierenden Meisterwerk.

– Ebenfalls stark beeindruckt ist Cameron von den Drei Cineasten. Er hat Chantal Akermans „Je tu il elle“ gesehen und kommt zu dem Fazit: „Ich habe „Jeanne Dielman“ und viele andere Filme Akermans noch nicht gesehen, doch hätte sie nur „Je tu il elle“ gedreht, sie hätte die Filmlandschaft für mich verändert, mein Kino neu erfunden.“

– Wo wir gerade bei Meisterwerken sind: Totalschaden bespricht auf Splattertrash „Suspiria“. Wenn es noch Leute geben sollte, die Argentos wundersamen Rausch noch nicht kennen, hier können sie sich Appetit holen.

– Mauritia Mayer verschlägt es auf Schattenlichter nach Mexiko und zu 1000 Katzen. „Stiglitz“ – „Gesundheit!“

Funxton hat Francesco Rosis „Die Macht und ihr Preis“ mit dem großen Lino Ventura gesehen und legt seinen Lesern diesen sehr ans Herz. Auf der etwas trivialeren Seite macht Maurizio Merli als harter Cop in „Hunted City“ von Stelvio Massi die Stadt (un)sicher.

– Viel habe ich schon drüber gehört und irgendwo liegt noch eine uralte VHS-Kopie der x-ten Generation herum, die ich allerdings nie gesehen habe, da die Bildqualität das Schauen doch sehr – herausfordernd machte. Die Rede ist von Eloy de la Iglesias seltsamen „Murder in a Blue World“ aka „Clockwork Terror“. David von Whoknows presents hat ihn gesehen und widmet dem Film und dem Regisseur einen langen, höchst informativen Artikel.

– Lukas Foerster vergleicht auf Dirty LaundyMädchen in Uniform“ einmal in der Version von Leontine Sagan, 1931, und einmal in der von 1958 von Geza von Radvanyi.

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Buch-Rezension: Terry Gilliam “Gilliameseque: Meine Prä-posthumen Memoiren“

gilliamesqueDass Terry Gilliam seine Karriere als Zeichner und Animator begann, spürt man auf jeder Seite dieses schön aufgemachten und reichlich bebilderten Buches. „Gilliameseque: Meine Prä-posthumen Memoiren“ ist ein wahres Füllhorn an Fotos, Illustrationen und Collagen. Ganz so, wie man es sich bei einem Buch von Terry Gilliam erhofft. Ausführlich geht Gilliam dann auch auf seine Anfänge, die ersten Jobs (u.a. für den legendären Harvey Kurtzmann, dem berühmten Chefredakteur des MAD-Magazin), die Reisen nach Europa und seine Ankunft in England ein. Alles in einem abgeklärten, manchmal schon etwas zynisch klingenden Tonfall. Man merkt, wie wichtig Gilliam diese Zeit in seinem Leben ist, über die die Meisten bisher noch sehr wenig bis nichts wissen. Wer allerdings mehr zu seiner Zusammenarbeit mit den Pythons oder seine Filme erfahren möchte, der muss sich zunächst einmal in Geduld üben.

Die Hälfte des Buches vergeht, bis Gilliam auf die restlichen Pythons trifft. Und auch dann bleibt er sehr zurückhaltend, verweist lieber auf die Bücher der Kollegen und beschränkt sich auf das Nötigste, was zum Verständnis seiner eigenen Biographie von Nöten ist. Die anderen Pythons bleiben einem fremd und werden von Gilliam auch nicht sonderlich sympathisch gezeichnet. Graham Chapman wird fast gar nicht erwähnt, John Cleese etwas mehr, aber nicht unbedingt im positiven Licht. Eric Idle wird als eitler Geck gezeichnet, mit dem neurotischen Hang unbedingt zur Prominenz gehören zu wollen. Lediglich Terry Jones und vor allem Michael Palin tauchen häufiger auf. Letzterem lässt Gilliam dann auch einige nette Worte zukommen. Möglicherweise handelt es sich bei Gilliams harschen Umgang mit den Ex-Kollegen um einen „Insiderwitz“, bei dem der wilde Amerikaner seine eitlen und gebildeten, englischen Mitstreitern immer feste eins drauf gibt. Ansonsten wirken Gilliams Sticheleien manchmal etwas befremdlich.

Auch wer sich mehr Hintergrundinformationen über Gilliams Filme wünscht, wird enttäuscht. Gilliam überfliegt seine 13 Spielfilme in der zweiten Hälfte des Buches mehr, als dass er näher auf sie eingeht. Lediglich „Jabbawocky“, seine erste Solo-Regiearbeit, und „Brazil“ bekommen etwas mehr Aufmerksamkeit. Allerdings erfährt man auch hier weniger, als man beispielsweise in den entsprechenden Wikipedia-Einträgen nachlesen könnte. Manche Filme, wie der ungewöhnliche und stark unterschätzte „Tideland“, werden mit ein-zwei Sätzen abgespeist. Bei „12 Monkeys“ und den abgebrochenen „Don Quichote“-Film verweist Gilliam auf die Dokumentarfilme des Duos Keith Fulton and Louis Pepe, welche in Spielfilmlänge von den Dreharbeiten berichten. Selbst dramatischer Momente, wie der Tod seines Hauptdarstellers Heath Ledger während des Drehs von „Das Imaginarium des Doctor Parnassus“, werden eher beiläufig erwähnt. Viel mehr konzentriert sich Gilliam auf seine Auseinandersetzungen mit diversen Produzenten, aber auch hier geht er nicht allzu sehr ins Detail. So hat man als Leser zwar das Gefühl, über die wichtigsten Stationen in Gilliams Leben informiert zu sein, aber es fehlt am Ende dann doch das Fleisch auf den Rippen. Man möchte mehr über die Filme und über die Arbeit mit den Pythons hören und ist enttäuscht, wenn nach wenigen Sätzen zum nächsten Thema gesprungen wird. Dabei macht das Buch allerdings keinen gehetzten Eindruck, es ist eher so, als wenn man dem gemütlichen Redefluss eines älteren Herrn zuhört, und dabei zu höflich ist, um ihn zu unterbrechen, obwohl man hier und dort gerne nochmal nachhaken würde. Möchte man mehr über Gilliams Filme und seine Filmarbeit erfahren, ist man besser beraten, sich ein Interview mit ihm zu suchen.

In „Gilliamesque“ erfährt man vor allem viel Neues über Gilliams frühen Jahre und seine Anfänge als Zeichner und Animator, über die Cartoon-Szene in den späten 50er und den 60er Jahren, als anarchistische Satirehefte wie „Help!“ oder „MAD“ noch Gewicht hatten. Auch die Atmosphäre im Amerika der 40er und frühen 50er fängt Gilliam gut ein, und man darf darüber staunen, dass der junge Terry damals nicht nur bei den Pfadfindern, sondern auch ein erfolgreicher Cheerleader war. Und natürlich sind da die vielen Illustrationen, die Terry Gilliam für dieses Buch-Projekt vom Dachboden geholt hat. Für seine Fans ein Muss. Aber gerade für diese dürfte die zweite Hälfte des Buches eine kleine Enttäuschung sein. Ist doch das Wenige, welches Gilliam von seinen Filmen berichtet, bekannt und fügt dem Allgemeinwissen des Fans keine neue Facetten hinzu.

Terry Gilliam „Gilliameseque: Meine Prä-posthumen Memoiren“, Heyne Hardcore, 308 Seiten, € 26,99

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23. Internationales Filmfest Oldenburg: Die ersten Filme und Retrospektive

In vier Wochen startet das 23. Internationale Filmfest Oldenburg, und nach und nach trudeln auch die Infos zum Programm ein. Nach den wunderbaren Retrospektiven 2014 und 2015, die mir die Herren Philippe Mora und George Armitage ans Herz wachsen ließen (deren Schaffen ich mittlerweile per Heimkino-Veröffentlichungen für eine ganz private Retrospektive zusammen sammle), war ich ganz besonders auf die diesjährige Retrospektive gespannt.

Der in diesem Jahr geehrte Filmschaffende Christophe Honoré ist mir bisher – zumindest bewusst – nicht weiter bekannt. Doch nach den Volltreffern, die Festivalleiter Torsten Neumann und sein Team in den vergangenen Jahren an die Ems lockten, bin ich voller Zuversicht, dass auch Herr Honoré eine Entdeckung wert ist. Laut Pressemitteilung hat Christophe Honoré fünf Jahre für die Cahiers du Cinema geschrieben, bevor er mit „17 fois Cecilé Cassard“ 2002 sein Regiedebüt gab. Inzwischen hat er mit allen Großen des französischen Kinos gearbeitet, Catherine Deneuve und Isabelle Huppert standen vor seiner Kamera, bevor er etwa in seiner Ovid Adaption „Métamorphoses“ (2014) wieder auf ein Cast aus komplett Unbekannten zurückgriff. Diese, ebenso wie sein jüngster Film „Les malheurs de Sophie“ (2016), werden in Oldenburg als internationale Premiere zu sehen sein.

Auch die weiteren, bereits angekündigten Filme klingen ausgesprochen spannend. Ich habe hier einmal eine Top 10 der Filme erstellt, die mich am Meisten interessieren. Die Texte habe ich aus den Pressemitteilungen übernommen. Die Superlativen und vollmundigen Vergleiche stammen also nicht von mir, und für die Richtigkeit der Inhaltsangaben übernehme ich – nach leidvollen Festivalserfahrungen – auch keine Garantie.

 

polednice1. The Noonday Witch / Polednice, CZE 2016, von Jiri Sadek

2014 gewannen sie für „Hany“ den German Independence Award in Oldenburg – jetzt tun sich Matej Chlupacek und Michal Samir mit Regiedebütanten Jiri Sadek zusammen, um eine alte slavische Sage neu zu interpretieren und präsentieren ein gespenstisches Drama mit Gänsehautgarantie. Um ihre Tochter vor der Wahrheit über ihren Vater zu schützen, zieht Eliska in ein kleines Dorf, in dem die heiße Mittagssonne über den goldenen Kornfeldern brennt. Die tschechische Star-Schauspielerin Ana Geislerova übernimmt die Hauptrolle in dieser phantastischen Fabel um verborgene Ängste und den Umgang mit Trauer und Leid. INTERNTIONALE PREMIERE

 

weareflesh2. We Are The Flesh / Tenemos la Carne, MEX 2016, von Emiliano Rocha Minter

Ohne Zweifel ist dieser mexikanische Film eines der aufregendsten Regiedebüts der letzten Jahre. Die mexikanischen Star-Regisseure Alejandro Iñárritu und Alphonso Cuarón sind begeisterte Unterstützer der Arbeit von Emiliano Rocha Minter, dessen polarisierende Story um einen alten Mann, der von der Idee besessen ist, seine Wohnung in eine mutterleibartige Höhle zu verwandeln, ein apokalyptisches Bild von Mexico entwirft. Als die Geschwister Lucio und Fauna den bizarren Unterschlupf entdecken und den Mann bitten, sie aufzunehmen, dringt der Film ein in eine bizarre Welt voller seltsamer Rituale, verstörenden sexuellen Beziehungen und einer Dynamik, aus der dunkle und destruktive Instinkte hervorgehen. – LÄUFT DIESES JAHR AUCH NOCH BEI WEIRD XPERIENCE!

handmaiden3. The Handmaiden / Ah-ga-ssi, KOR 2016, von Chan-wook Park

Der Regisseur Chan-wook Park ist ein Virtuose verwobener Geschichten und radikaler Thriller, wie “Old Boy“ und “Sympathy for Lady Vengeance”. In der Adaption des Romans “Fingersmith” von der walisischen Autorin Sarah Waters entführt er uns erneut in sein verstörendes Universum der Unbarmherzigkeit. In drei Teilen und von verschiedenen Standpunkten aus erzählt der Film die Geschichte von dem Taschendieb Sook-Hee im Korea der 30er Jahre, der mit dem Plan angeheuert wird, das Vertrauen einer reichen und einsamen Erbin zu gewinnen, um ihr Geld zu rauben.

 

In A Valley Of Violence4. In A Valley of Violence, USA 2016, von Ti West

Der als Genreregisseur längst als einer der jungen Wilden verehrte Ti West gibt mit diesem Western sein Debüt außerhalb des Horrorgenres und wartet gleich mit einer Besetzung der Sonderklasse auf. Ethan Hawke und John Travolta sind die Gegenspieler in dieser klassischen Story um einen Fremden, der in eine Stadt kommt, die unter dem harten Regiment des Sheriffs zu einem gefürchteten Kaff geworden ist, in dem so einige dunkle Geheimnisse schlummern. Ohne die großen technischen Mätzchen der Studioproduktionen erzählt West seinen Western mit viel Freude an den verschrobenen Hauptfiguren, sicherer Hand für Action und einem guten Schuss Coolness. Cheers! INTERNATIONALE PREMIERE

 

allergiccats5. She’s allergic to cats, USA 2016, von Michael Reich

Micheal, ein einsamer Hundefrisör, der in einer rattenverseuchten Wohnung in Hollywood lebt und sich nach einem größeren, bedeutenden Leben als Künstler sehnt, trifft bei der Arbeit seine Traumfrau Cora, verkörpert von Sonja Kinski. Ihr erstes Rendezvous steht an und Micheal kriegt die neue Romanze nicht aus dem Kopf. Doch mit dem ersten Date kommen nicht nur große Hoffnungen, sondern auch seine schlimmsten Albträume zum Vorschein. Der düstere Pfad, den die beiden miteinander einschlagen, führt geradewegs ins Chaos. Das surreale Regiedebüt von Michael Reich, selbst Ex-Hundefriseur und Insider der LA Underground Punk Szene, ist so ungewöhnlich wie faszinierend. INTERNATIONALE PREMIERE

white rage6. White Rage / Valkoinen raivo, FIN 2015, von Arto Halonen

Arto Halonen ist einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Dokumentarfilmer Europas. In seinem neuen Film begleitet er Lauri, ein traumatisiertes Opfer von Mobbing in der Schule, der, nachdem eine ebenso zufällige wie glückliche Fügung ihn vor einem geplanten Schulmassaker bewahrte, eine Laufbahn als Soziologe einschlug. Nun analysiert sich Lauri selbst und teilt mit dem Zuschauern gleichermaßen bedrückende und erhellende Erkenntnisse über ein zunehmend bedrohliches gesellschaftlichen Phänomens, das unterdrückte Seelen dazu bringt, unaussprechliche Akte der Gewalt zu begehen. DEUTSCHLANDPREMIERE

 

chosen7. Chosen, UK 2016, von Jasmin Dizdar

Basierend auf wahren Begebenheiten, verfilmt Regisseur Jasmin Dizdar in seinem 2. Weltkriegs-Drama die abenteuerliche Reise von Sonson, einem ungarischen Juden, der versucht das Versprechen, dass er seine Frau auf dem Sterbebett gab, einzuhalten. Im Winter 1943 wagt sich Sanson auf eine Mission ins Warschauer Ghetto um dort seine Schwägerin vor der Deportation nach Ausschwitz zu retten. Dizdars sensible Rahmengeschichte wird mit einer komplexen und bewegenden Performance von Harvey Keitel unterstützt. EUROPAPREMIERE

 

somebeasts8. Some Beasts, USA 2015, von Cameron Bruce Nelson

Drehbuchautor und Regisseur Cameron Nelson ließ sich von seinen eigenen Erfahrungen in der Einsamkeit der Appalachen zu seinem cineastischen Juwel inspirieren. Sal bewirtschaftet ein riesiges Stück Land in der abgeschiedenen Welt der Appalachen. Ein plötzlicher Todesfall und die Entdeckung eines verwilderten Kindes reißen ihn jäh aus seiner Routine. Nelson’s Erstling wagt etwas sehr seltenes im amerikanischen Independent Kino. Er erzählt seine Geschichte um einen Aussteiger in einer atemberaubenden Langsamkeit, entwirft dabei Momente von Mensch und Natur, die in ihrer Größe und visuellen Kraft an Mallick oder gar an Tarkovsky erinnern und findet in Frank Mosely und Lindsay Burdge zwei fantastische Hauptdarsteller, die sich ganz intuitiv in diese Welt begeben. INTERNATIONALE PREMIERE

westfjord9. Der Tote im Westfjord, GER 2016, von Till Endemann

Franke Potentes Rückkehr nach Deutschland ist eigentlich ein Stoppover in der rauhen Natur Islands. In der Regie von Till Endemann spielt sie die ebenso coole wie verletzliche Krimiautorin Solveig Karlsdottir, die auf einem Besuch in ihrer alten Heimat nicht nur mit ihre eigenen, längst überwunden geglaubten Vergangenheit konfrontiert wird, sondern in ein Verbrechen stolpert, das scheinbar keinen der Einwohner interessiert. In einer wilden und kraftvollen Naturkulisse sieht sie sich Menschen gegenüber, die ihre eigenen Gefühle so sehr unterdrücken, dass es nur zwangsläufig scheint, dass sie wie die Geysire Islands irgendwann in unkontrollierter Energie ausbrechen. WELTPREMIERE

abteil10. Das letzte Abteil, Deutschland 2016, von Andreas Schaap

Das Mystery – Drama DAS LETZTE ABTEIL ist weit mehr als die Geschichte einer Gruppe Menschen, die bei einem Lawinenunglück samt Zugabteil verschüttet werden. Ein Kammerspiel, das sich gekonnt klassischer Thriller und Horrormotive annimmt und den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten lockt. Andy Schaaps dritter Spielfilm ist sein persönlichster Film, seine Wendungen legen eine Story frei, die sich ganz einem Thema widmet, dass mit Genrekino im Grunde nichts am Hut hat. Ein Drama um Menschlichkeit, ein traumwandlerischer Film über Menschen am Scheideweg zwischen Leben und Tod. WELTPREMIERE

Mal schauen, wie viele dieser Filme ich auch wirklich anschauen kann und welche Überraschungen sich aufgrund des Programmplans noch ergeben. Schön, dass dieses Jahr auch die Exzerzierhalle wieder unter den Spielstätten ist. Die seelenlose und viel zu weit abseits gelegene Alte Fleiwa werde ich auch dieses Jahr wieder so gut es geht meiden. Meine Lieblingsspielstätten bleiben eh das schöne Casablanca und das gemütliche cine K.

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Das Bloggen der Anderen (15-08-16)

bartonfink_type2Der Umzug hat jetzt doch mehr Zeit und Nerven gekostet als erwartet, darum war es hier auch länger still als geplant. Viel in Sachen Film habe ich in der Zeit auch nicht unternommen. Die geschauten Filme lassen sich gerade Mal an einer Hand abzählen und bis auf die Einführung bei der letzten Weird Xperience-Vorstellung war ich auch nicht unterwegs. Dafür habe ich in der Zeit aber mal eine Liste durchgearbeitet, auf der sich – so zumindest der Anspruch- alle deutschsprachigen Filmblogs finden sollten. Das Ergebnis war etwas ernüchternd. Gerade mal drei interessante Blogs habe ich gefunden, die ich nun unter Beobachtung genommen habe. Der Rest war mir entweder bekannt, verwaist oder es waren die üblichen Trailer/Gewinnspiel/“Hot News“-Seiten ohne große Substanz. Und auf kommentarlose Auflistungen gesehener Filme mit Punkte-Bewertungen kann ich auch verzichten. Schade.

– Lorcano! Alle größeren Blogs haben ihre Leute in die Schweiz geschickt, um beim großen „A-Festival“ dabei zu sein. Wer gleich mal wissen möchte, wer die wichtigsten Preise gewonnen hat, der schaut bei Michael Sennhausers Filmblog rein. Michael Sennhauser bespricht auch viele der Filme, u.a. den *Spoiler* Gewinner „Godless“ der Bulgarin Ralitza Petrova, „Bangkok Nites“ des Japaners Katsuya Tomita und – aus Bremer Sicht interessant – das Paula Becker-Modersohn-Biopic „Paula“ von Christian Schwochow, der ihm sehr gut gefallen hat. Ganz im Gegensatz zu Sonja Hartl, die „Paula“ auf B-Roll vor allem als ärgerlich und als vertane Chance wahrgenommen hat.  Beatrice Behn bespricht den koreanischen „The Tunnel“ von Kim Seong-hun, der sich sehr interessant anhört. Gemeinsam schreiben Beatrice Behn und Sonja Hartl über die Retrospektive in Lorcano, die sich unter dem Titel „Geliebt und verdrängt“ mit dem Kino der jungen Bundesrepublik Deutschland 1949-1963 beschäftigt. Hier Teil 2, 3 und der finale Teil 4. Hier besonders spannend: Die Video-Interviews mit Olaf Möller, dem Kurator der Locarno-Retrospektive.  Auch Frédéric Jaeger von critic.de ist in Lorcano. Seine berichtet findet man u.a. hier und hier (mit ebenfalls einem „Paula“-Verriss). Und Hannes Brühwiler fasst das Festival hier noch einmal zusammen.

– Sascha Schmidt interviewt auf Okaeri den Briten Adam Torel, Kopf hinter dem englischen DVD-Label „Third Window Films“, die vor allem japanische Filme veröffentlichen, und in letzter Zeit häufiger auch Produzent japanischer Filme, wie z.B. dem Nippon-Connection-Liebling „Lowlife Love“.

– Peter Hartig schreibt auf out takes über die Dreharbeiten zu Florian Henckel von Donnersmarcks neuem Film „Werk ohne Autor“ und die dabei entstandenen Konflikte zwischen Anspruch des Regisseurs und den gewerkschaftlichen Rechten der Crew. Ein interessanter Blick hinter die Kulissen.

– Warum Teaser die besseren Trailer sind und man letztere meiden sollte, erklärt Alex Matzkeit auf real virtuality.

– Irgendwie scheint mit Jim Jarmusch – der einstige Liebling des US-Independent-Kinos und nach „Broken Flowers“ umjubelter Arthaus-Regisseur – in den letzten Jahren, in denen er es auf gerade einmal zwei Filme in 12 Jahren gebracht hat, vergessen worden zu sein. Timo Kießling hat ihm nun auf cereality ein umfassendes Portrait gewidmet. Christian Witte hat eine recht positive Kritik zur „Extended Version“ des nach dem Kinostart in der Regel recht harsch verrissenen „Superman Vs. Batman“ verfasst.

– Diese Version hat auch Oliver Nöding gesehen und stellt den Film auf Remember It For Later u.a. auch seinen Marvel-Kollegen gegenüber. Einen Vergleich, den „Batman Vs. Sueprman“ bei Oliver um Längen für sich entscheiden kann. Dann  schließt Oliver seine „Police Academy“-Retro mit Teil 7 ab, der für ihn einer der schlechtesten Filme ist, die er je gesehen hat, und hat viele lobende Worte für Roger Fitz‘ „Mädchen mit Gewalt“, der vor Kurzem durch die guten Leute von Subkultur wiederentdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

– Sebastian Schwittay schreibt auf odd & excluded über Ulli Lommels „Wachtmeister Rahn“, den dieser unmittelbar nach „Zärtlichkeit der Wölfe“ für einen Bruchteil des Budgets und vorwiegend mit Laien-Darsteller drehte. Ein Film, den es ebenfalls bald wiederzuentdecken gilt.

– Sven Safarow rehabilitiert auf Eskalierende Träume Giorgio Moroders 84er-Version von „Metropolis“.

– Auf Hard Sensations nimmt sich  Jamal Tuschick zweier aktueller Filme ein. Sein Text zu  Ben Wheatleys „High-Rise“ macht Lust auf den Film, der zu Paul Greengrass‘ „Jason Bourne“ schreckt ab.

– Ein Film, den ich unbedingt irgendwann mal sehen muss: „Perfect Blue“, der Thriller-Animee mit Lynch- und Argento-Einflüssen vom 2010 verstorbenen Satoshi Kon. Hier eine Review von Bluntwolf auf Nischenkino.

– Michael Brandtner setzt sich auf Freude am Film mit dem Anti-Kriegsfilm-Klassiker „Im Westen nichts Neues“ auseinander und findet durchaus nicht nur lobende Worte.

– Kommt nicht ganz so oft vor: Schlombie findet auf Schlombies Filmbesprechungen in seiner „Machine Girl“-Kritik, genau die Worte, die ich auch über den japanischen Billig-Splatter-Irrsinn im Allgemeinen finden würde. Und bei Alfred Vohrers „Der Hexer“ sind wir auch ganz nah beieinander. Den fand ich beim ersten Sehen auch enttäuschend und habe erst später seine Qualitäten für mich entdeckt.

– Im Gegensatz zu allem, was ich bisher über den Film gelesen habe, ist funxtons Urteil über Tom Six‘ „Human Centipede III“ recht positiv ausgefallen. Ich bin überrascht. Des Weiteren schreibt er voller Liebe über zwei Italo-Filmen aus den goldenen 70ern. Dem erst kürzlich erstmal in Deutschland erschienenen „Das Parfüm der Dame in Schwarz“ und den brillanten Gangster-Drama „Revolver“.

– Erst vor einigen Wochen lief „7 Göttinnen“ auch in Bremen, begleitet von den Hauptdarstellerinnen. Auf Daumenkino schreiben drei Kritikerinnen über ihre Sicht auf den Film.

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Sommerpause

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So, es ist wieder soweit. Ich verabschiede mich für ein paar Wochen in die Sommerpause.

Das klingt jetzt erholsamer als es ist. Die meisten Tage (und Nerven) werden für meinen großen Umzug draufgehen.

Dann habe ich noch ein paar aufwendige und zeitintensive Schreibarbeiten außerhalb des Blogs zu erledigen, und irgendwann möchte ich mich ja auch von den Strapazen des letzten halben Jahres erholen.

Ich werde – wenn alles nach Plan läuft – am 8. August wieder da sein.

Bis dahin alles Gute.

Euer,

Marco

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DVD-Rezension: „Casbah – Verbotene Gassen“

casbahIm Schutze der Casbah und ihren engen, verwinkelten Gassen, lebt der berüchtigten Juwelendieb Pepe Le Moko (Tony Martin). Für die Bewohner der Casbah ist er ein Held, für den neue Polizeichef von Algiers (Thomas Gomez) ein Stachel im Fleisch, den er lieber heute als morgen verhaften und seinen Vorgesetzten in Paris präsentieren möchte. Dabei gerät er immer wieder mit seinem Inspektor Silmane (Peter Lorre) aneinander, der ebenfalls schon lange versucht, Pepe Le Moko dingfest zu machen. Doch Silmane weiß, dass dies nur mit Geduld und List möglich ist. Als sich Pepe in die wunderschöne Touristin (Marta Toren) verliebt, scheint für Silmane die rechte Zeit gekommen…

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Gleich zu Beginn des Filmes wird der Begriff „Casbah“ erklärt. Es ist eine große Festung, durchzogen mit „verboten Gassen“, voll von Händlern, Dieben, zwielichtigen Gestalten und neugierigen Touristen. Ein Staat im Staat mit seinen eigenen Gesetzten und einem eigenen König: Pepe Le Moko. Pepe ist eine ebenso charismatische, wie tragische Gestalt. Innerhalb der Casbah ist er der uneingeschränkte Herrscher und weiß die Bewohner der Festung hinter sich. Doch er kann sein Königreich nicht verlassen. Denn nur hier ist er vor dem Zugriff der Staatsmacht sicher. So sitzt er denn in seinem goldenen Käfig. Die Zeit vertreibt er sich mit Gaunereien, der schönen Barbesitzerin Inez und seinen willfährigen Freunden. Ein besonderes Gegenüber ist der Polizist Slimane. Dieser hat sich zur Aufgabe gemacht, Pepe Le Moko zu schnappen. Doch Slimane kennt die Casbah und weiß um die Vorteile, die Pepe im gegenüber ausspielen kann. Statt in blinden Aktionismus zu verfallen, begreift Slimane das Ganze als Schachspiel. Geduldig wartet er auf den richtigen Augenblick, jederzeit bereit, wie ein Schlange die tödlichen Fänge in Pepe Le Moko zu schlagen.

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Slimane ist eine Paraderolle für Peter Lorre. Ihm zuzusehen, wie er ganz cool, manchmal etwas lethargisch, aber hinter jedem Zwinkern jederzeit auch Gefährlichkeit ausstrahlend seine Kreise um Pepe Le Moko zieht, ist ein großartiges Vergnügen. Slimane gleicht einem Hai, der ein potentielles Opfer an der Wasseroberfläche erspäht hat und nun unter diesem gleichmäßig seine Bahnen zieht, immer enger und enger… bis er zupackt. „Cashbah“ zeigt wieder einmal, wie weit Lorre seiner Zeit voraus war, wenn es um seine Art des Schauspiels geht. Hier verschluckt er mal einen Satz, dort nuschelt er gedankenverloren vor sich hin, bricht Sätze einfach ab. Dies verleiht seiner Figur eine Wahrhaftigkeit, die sich stark von der glatten Theaterhaftigkeit des Hauptdarstellers Tony Martin oder den pompösen Auftritten eines Thomas Gomez als Polizeichef Louvain unterscheidet. Und über allem schwebt eine schwere Melancholie, die Slimane in jeder Szene ausströmt. Er weiß, dass er Pepe Le Moko fangen wird, und dies das Ende seines Gegenspielers sein wird. Damit wird auch ein Teil seines Lebens, seiner Persönlichkeit verschwinden. Doch er weiß auch, dass es für ihn hier keine andere Alternative gibt.

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„Casbah“ ist bereits die dritte Verfilmung des Stoffes, Der Roman erschien 1931 und wurde von Henri La Barthe unter dem Pseudonym Détective Ashelbé (H-L-B) geschrieben. Die erste Verfilmung fand in Frankreich statt und die Rolle des Pepe Le Moko im gleichnamigen Film zementierte den Star-Staus des jungen Jean Gabin. Im ersten amerikanischen Remake übernahm sein Landsmann Charles Boyer die Rolle des herzenbrechenden Gauners und startete damit seine Hollywood-Karriere. Die Figur des Pepe Le Moko war so populär, dass es nicht nur Parodien gab, sondern auch das französische Stinktier Pepe Le Pew in den Warner-Brother-Cartoons seinen Namen wegen des anderen Pepe erhielt. In „Casbah“ wird Pepe Le Moko von Tony Martin gespielt, und hier liegt das Problem. Tony Martin ist ein schauspielender Sänger oder singender Schauspieler. Diese wurden in den 40er Jahren gerne eingesetzt, um die Handlung eines Filmes aufzulockern und daraus einen Familienfilm mit Massenappeal zu machen. Man denke nur an die reichhaltigen Gesangsnummern zwischen verliebten Pärchen in den Laurel&Hardy-Langfilmen oder in den späteren Marx-Brothers-Komödien, wie z.B. „Die Marx Brothers im Kaufhaus“, in dem ebenfalls Tony Martin für Romantik und Gesang zuständig war. Obwohl Martin ein durchaus vorhandenes Charisma nicht abzusprechen ist, zerstören seine Gesangsnummern die mühevoll aufgebaute Atmosphäre, und lassen Martin wie einen Operetten-Banditen und weniger wie einen gerissen und unter der anziehenden Oberfläche gefährlichen Gangster wirken. Dies arbeitet dann leider kräftig gegen den Film.

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Abgesehen von dieser künstlerischen Fehlentscheidung ist der Film superb besetzt. Die als Star angekündigte, atemberaubende Yvonne de Carlo tritt zwar nur in einer kleineren Rolle in Erscheinung, schmeichelt den Augen der Zuschauer als exotische Barbesitzerin aber ungemein. Einen größeren Part übernimmt die Schwedin Märta Torén – hier als Marta Toren aufgeführt. Sie spielt die Frau, für die Pepe Le Moko Kopf und Kragen riskiert. Und man kann ihn verstehen. Die damals gerade 21jährige wurde bereits als The Next Ingrid Berman gefeiert. Die Torén bringt eine natürliche, unaufgeregte Schönheit mit, ein unbefangenes Strahlen. Auch wenn ihr der Part der Gaby nicht viel abverlangt, schafft sie es in jeder ihrer Szenen ganz von selbst im Mittelpunkt zu stehen. Märta Torén hätte ein großer Star werden können, wenn es das Schicksal nicht böse mit ihr gemeint hätte. Gelangweilt von Hollywood suchte sie in Italien größere schauspielerische Herausforderungen. Dort lernte sie Regisseur Leonardo Bercovici kennen und brachte eine gemeinsame Tochter zur Welt. Doch das Glück währte nur kurz. Mit nur 31 Jahren starb sie an einem Gehirnschlag. Sieht man „Casbah“, weiß man, was der Filmwelt da für ein hell glänzender Stern verloren gegangen ist.

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„Casbah“ ist bereits die dritte Verfilmung des populären Stoffes um „Pepe Le Moko“. Vor allem funktioniert der Film als Vehikel für einen grandiosen Peter Lorre, doch auch die Damen können hier glänzen. Hauptdarsteller Tony Martin bringt zwar das nötige Charisma für die Hauptrolle mit, allerdings leidet der Film unter dem Versuch der Produzenten ihn durch zahlreiche Gesangsnummern in Richtung exotisches Musical zu drücken. Durch diese Einlagen, sowie die recht konventionelle Inszenierung durch John Berry, bleibt der Film trotz des wunderbar aufgelegten Peter Lorre und der betörenden Schönheit des Duos Yvonne de Carlo/Marta Toren hinter den beiden Vorgängern zurück.

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Die Nummer 23 der Koch Media „Film Noir Collection“ hat ein etwas weiches Bild, welches ansonsten aber ohne weitere Makel ist. Auch der englische Ton ist sauber und angenehm zu hören. Die deutsche Synchro ist zeitgenössisch und sehr schön anzuhören. Die DVD enthält sowohl die kürzere deutsche Kinofassung, als auch die sieben Minuten längere amerikanische Fassung, die 7 Minuten länger läuft. Leider ist der Extras-Bereich ausgesprochen mau ausgefallen. Gerade mal eine Bildgalerie hat es auf die Scheibe geschafft. Empfehlenswert ist aber wieder einmal das informative, 12-seitige Booklet von Frank Arnold.

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Freitag: Regisseurin Maren Ade stellt „Toni Erdmann“ in der Schauburg vor

Toni_ErdmannEin kurzfristiger Hinweis für morgen, Freitag, den 15. Juli.

Die deutsche Tragikomödie „Toni Erdmann“ von Maren Ade wurde in Cannes gefeiert, und dass keine Goldene Palme drin war, ist eins der großen Mysterien des diesjährigen Jahrgangs. „Toni Erdmann“ ist einer der wenigen Filme auf die sich alle einigen können, und der bereits als große Hoffnung des deutschen Films hochgeschrieben wird.

Am morgigen Freitag um 19:30 Uhr, wird die Regisseurin ihren neuen Film persönlich in der Schauburg vorstellen und im Anschluss Publikumsfragen beantworten.

TONI ERDMANN erzählt die Geschichte von Winfried (Peter Simonischek), einem Musiklehrer mit einem ausgeprägtem Hang zum Scherzen, und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller), einer Karrierefrau, die um die Welt reist, um Firmen zu optimieren. Da Winfried zu Hause nicht viel von seiner Tochter sieht, beschließt er, sie spontan bei ihrem großem Outsourcing-Projekt in Rumänien zu besuchen.

Statt sich anzukündigen, überrascht er sie mit Scherzgebiss und Sonnenbrille in der Lobby ihrer Firma. Ines bemüht sich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und schleppt ihren Vater in seinen alten Jeans mit zu Businessempfängen und Massageterminen. Der Besuch führt jedoch nicht zu einer Annäherung. Winfried nervt seine Tochter mit lauen Witzen und unterschwelliger Kritik an ihrem leistungsorientierten Leben zwischen Meetings, Hotelbars und unzähligen E-Mails. Es kommt zum Eklat zwischen den beiden.

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„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 15 erhältlich

35mm-15Und wieder ist eine neue Ausgabe des „35 Millimeter“-Magazins fertig. Und es ist, wie ich finde, diesmal eine besonders schöne Ausgabe geworden. Nicht nur wegen des entsprechenden Titelthemas. Ich habe diesmal drei Artikel am Start: Zunächst geht es um die beiden düsteren Psycho-Thriller „Lady in a Cage“ und „Wiegenlied für eine Leiche“ in denen Olivia de Havilland die Hauptrolle spielt. Daran schließt sich dann ein ausführliches Portrait der ehrenwerten Dame an, die mit 100 Jahren nun der älteste, noch lebende Star aus Hollywoods goldenem Zeitalter ist. Ferner habe ich mir noch die platinblonde Sexbombe Jean Harlow vorgenommen. Ein Artikel, auf den ich schon so ein kleines bisschen stolz bin. Die Kollegen war aber auch wieder gut drauf, und darum kann ich das Heft aus vollstem Herzen empfehlen.

TITELSTORY: CLASSIC BEAUTIES
GENE TIERNEY – Zum 25. Todestag – A Shattered Life?
TANZ AUF DEM NOIR-VULKAN – Zum 105. Geburtstag – Ginger Rogers im sozialen Sumpf
MARILYN MONROE – Zum 90. Geburtstag – Ein Interview mit Filmhistoriker Peter Schnug
JEAN HARLOW – Zum 105. Geburtstag – Die platinblonde Sexbombe
OLIVIA DE HAVILLAND – In Lady in a Cage und Wiegenlied für eine Leiche
OLIVIA DE HAVILLAND – Zum 100. Geburtstag – Sanfte Augen, starker Wille
OLIVE THOMAS – Zum 100jährigen Filmdebüt – Eine Moritat aus den frühen Tagen Hollywoods – Teil 1: Aus Lumpen zum Glamour
BETTY GRABLE – Zum 100. Geburtstag – The Girl with the Million-Dollar Legs
MARLENE DIETRICH – Zum 115. Geburtstag – Die blonde Venusfalle
LOUISE BROOKS – Zum 110. Geburtstag – Die Rebellin Hollywoods
ALLA NAZIMOVA – Zum 100jährigen Filmdebüt – The fallen „Star without a Rival“

RUBRIK: ORIGINAL & REMAKE „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ (1933)/ „Das Kabinett des Professor Bondi“ (1953)/ „House of Wax“ (2005)

LOVERS ON THE RUN – Das kriminelle Unterwegssein in Road-Movies

DEUTSCHE SYNCHRONSPRECHER TEIL 5 – Heinz Engelmann

KOLUMNE: QUOD ERAT MONSTER! – Die Mumie (1932)

CAMERA BESTIARIUS – TIERDARSTELLUNG IM FRÜHEN FILM TEIL 1: Von der Bühne in das Kino der Attraktionen – Die ersten auf Celluloid gebannten Tiere

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Friedrich Wilhelm Murnau – Teil 1: Vom Suchen und (nicht) Finden

KOLUMNE: LICHTBLICKE MIT BRAUNEM TON TEIL 9 – Zwischen Kunst und Ideologie : Der Mann, dem man den Namen stahl (1945)

KOLUMNE: DER VERGESSENE FILM – The Return of the Vampire (1943)

 

Heft #15 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

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Das Bloggen der Anderen (11-07-16)

bartonfink_type2– Michael Sennhauser hat sich auf dem Neuchâtal International Fantastic Filmfestvial getummelt. Wie in den Vorjahren berichtet er auf Sennhausers Filmblog wieder über zahlreiche interessante Genrefilme, die Stück für Stück auf meine „Watchlist“ wandern. Irgendwann muss ich da auch mal hin. Besprochene Filme sind u.a. Agnieszka Smoczynska Meerjungfrauen-Horror-Musical „The Lure“, Michael O’Sheas trauriger Coming-of-Age-Film „The Transfiguration“,Babak Anvaris “Under the Shadows”, der in Teheran spielt und die Luftangriffe im Iran-Irak-Krieg 1988 aus der Sicht eines kleinen Mädchens zeigen, und Christian Tafdrups Film „Parents“ um eine rätselhafte Verjüngung und deren familiäre Folgen.

– Lukas Stern führt auf critic.de ein umfassendes Interview mit „Tony Erdmann“-Regisseurin Maren Ade. Michael Kienzl berichtet vom Il Cinema Ritrovato in Bologna, wo Produzent Carl Laemmle Jr. eine retrospektive spendiert wurde. Er ist dabei erstaunt, was unter diesem Produzenten im ohnehin schon freizügigen Pre-Code-Kino alles möglich war.

– Beim vom Il Cinema Ritrovato war auch das Team von Jugend ohne Film und hat seine Erlebnisse noch einmal zusammengefasst.

– Jugend ohne Film-Gründer Patrick Holzapfel beginnt auf B-Roll eine neue Reihe über den Stand des Kinos heute. Im ersten Teil schreibt er über das große Kinosterben und wie sich die Kinolandschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Andreas Köhnemann hat einen interessanten Artikel über Religion im US-Kino verfasst.

– Bei uns in Bremen lief „The Neon Demon“ nur eine Woche. Und natürlich habe ich es in der kurzen Zeit nichtgeschafft, ihn im Kino zu sehen. Wenn ich Mauritia Mayers enthusiastische Kritik zum Film auf Schattenlichter lese, kommen mir da schon etwas die Tränen. Ich hoffe mal, das Kommunalkino schießt irgendwann noch mal eine Vorstellung nach.

– Oliver Nöding hat sich auf Remember It for Later in den selbst in Fankreisen eher unbekannten Giallo „Un sussurro nel buio“ von Marcello Aliprandi verliebt.

– Udo Rotenberg erinnert auf Grün ist die Heide am Beispiel von William Dieterles „Die Fastnachtsbeichte“ noch einmal daran, was für ein umwerfender Schauspieler Götz George schon in jungen Jahren war.

– Ronny Dombrowski auf Cinetastic.de über den Anime „Belladonna of Sadness“: „ So ungewöhnlich diese Bilderflut des Experimentalkinos auch ist, mit seinem Plädoyer gegen die Ausbeutung von Frauen ist dieser Film auch heute noch brandaktuell.“

– Ein treffendes Statement triff auf funxton, wenn er über „Scarletto – Schloss des Blutes“ schreibt: „(man) wähnt (..) sich unversehens im Olymp psychotronischer Filmkunst. Oder, vielmehr: man wähnt sich nicht, man ist!“ Umgehauen hat ihn auch Bernard Roses „Candyman“, wobei er einen Großteil der Wirkung dem Soundtrack des großartigen Philipp Glas (ein persönlicher Favorit von mir) zuschreibt.

– Bastian Quednau zeigt sich auf film-rezensionen.de begeistert von der „Rocky“-Fortsetzung „Creed“. Da ich solche Lobeshymnen nun schon öfter gehört habe, wandert der Film umgehend auf meinen Wunschzettel. Das Gegenteil von begeistert ist Oliver Armknecht vom deutschen Amateurfilm „ABC of Superheroes“.

– Christian Genzel erinnert auf Wilsons Dachboden anlässlich des Dokumentarfilms „Bad Boy Kimmer“ noch einmal an den Skandal, als der Schweizer Kummer von Los Angeles aus, namhafte deutsche Publikationen mit gefakten Hollywood-Interviews versorgte.

– Walter Hills wundervoll seltsamer „Straßen in Flammen“. Totalschaden schreibt auf Splattertrash: „Musik, Optik, Darsteller; all das wird in diesem Meisterwerk zu einem rauschhaften Vergnügen, welches jegliche Kritik an der flachen Geschichte oder den stereotypen Rollen einfach in einer Welle als Neonlicht, Gitarrenriffs und Großstadtschluchten hinwegspült.“ Yeah!

– Bald kommt die Forstsetzung von Roland Emmerichs „Independence Day“ in die Kinos. Grund für Marco Mewes von Duoscope, noch einmal einen intensiven Blick auf den Film von 1996 zu werfen.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality wieder real virtualinks.

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Blu-ray Rezension: „Der gläserne Schlüssel“

schluessel_brFrüher war Paul Madvig (Brian Donlevy) ein Krimineller, heute ist er ein korrupter, aber auch erfolgreicher Politiker. Während er im Vordergrund den charismatischen Bürgerfreund gibt, hält im Hintergrund seine rechte Hand Ed Beaumont (Alan Ladd) die Fäden zusammen. Nachdem sie ihn in aller Öffentlichkeit geohrfeigt hat, setzt sich Madvig in den Kopf, Janet Henry (Veronica Lake), die Tochter des ehrenwerten Senators Ralph Henry (Moroni Olsen) zu heiraten. Um sich bei Henry einzuschmeicheln, lässt Madvig den Nachtclub des Gangster Nick Vama (Joseph Calleia) ausheben, mit welchem er zuvor gemeinsame Sache gemacht hat. Vama sinnt auf Rache. Zeitgleich unterält Madvigs kleine Schwester Opal (Bonita Granville) ein Verhältnis mit Janets Bruder Taylor (Richard Denning). Einem Spieler, der bei Vama große Schulden hat. Als Taylor ermordet wird, fällt der Verdacht auf Madvig. Ed Beaumont hat nun alle Hände voll zu tun, um seinem Chef den Kopf zu retten…

Dashiel Hammett ist einer der ganz großen Wegbereiter der amerikanischen Krimi-Literatur. Als einer der Väter des „Hard-boiled“-Romans, ist sein Schaffen bis heute enorm einflussreich. Wim Wenders hat während seines missglückten Hollywood-Ausflugs versucht, Hammett mit seinem gleichnamigen Film ein Denkmal zu setzen. Aber auch für den amerikanischen Filmgeschichte war Hammett immens wichtig. Seine Romane wurden früh und mehrfach verfilmt. Am Bekanntesten ist sicherlich „Die Spur des Falken“, der Film, welcher Humphrey Bogart zum Star machte. Doch dies war bereits die dritte Verfilmung des Romans. Auch „Der gläserne Schlüssel“ war bereits die zweite Adaption des gleichnamigen Romans. Sieben Jahre zuvor war der Stoff bereits von Frank Tuttle mit George Raft und Edward Arnold in den Hauptrollen verfilmt worden. Ferner schuf Hammett das Screwball-Amateuerdetektiv-Duo Nick und Nora Charles aus den „Der dünne Mann“-Filmen. Und sein Debütroman „Red Harvest“ war Inspiration für Akira Kurosawas „Jojimbo“ (was Kurosawa allerdings bestritt), der wiederum als „Für eine Handvoll Dollar“ und „Last Man Standing“ neu in Szene gesetzt wurde.

„Der gläserne Schlüssel“ erzählt eine komplexe Geschichte, ohne sich dabei in den zahlreichen Handlungsfäden und Nebenfiguren zu verlieren. Nomineller Hauptdarsteller ist der wie immer zuverlässige Brian Donlevy, der den bulligen Politiker Paul Madvig spielt. Madvig kokettiert gerne mit seiner nicht ganz sauberen Vergangenheit und seine Nähe zum Mob. Da ist es nur folgerichtig, wenn Donlevy ihn auch wie einen – durchaus sympathischen – Gangster anlegt. Tatsächlich macht der Film keinen Hehl aus der Korruptheit seines Helden, der auch gerne mal von den Fäusten Gebrauch macht, um seine Meinung durchzuboxen. Man wundert sich, wie der Film durch die engen Maschen des Hays Office geschlüpft ist. Der andere hier auftauchende Politiker ist ein Waschlappen, der sich gerne dorthin neigt, woher der Wind weht. Der Staatsanwalt ist eine lächerliche Gestalt ohne eigenen Willen und ein Zeitungsverleger in der Hand der Mafia. Es ist kein besonders positives Bild, welches Regisseur Stuart Heisler da von Amerika und seinen Würdenträgern zeichnet.

Auch die eigentliche Hauptfigur, Madvigs rechte Hand Ed Beaumont, wird ihn kein positives Licht gestellt. Ed handelt als willfähriges Werkzeug seines Meisters Madvig. Um dessen Unschuld zu beweisen, ist ihm kein Trick zu schmutzig. Er lässt sich auch lieber halb tot prügeln, als gegen die Interessen seines Auftraggebers zu handeln. Woher diese verbissene Loyalität kommt, wird im Film nicht ganz klar. Madvig hat Ed wohl mal aus der Klemme geholfen. Eds bedingungslose Treue, lädt aber diverse Kommentatoren im Netz dazu sein, über eine Liebesbeziehung zwischen Ed und Madvig zu spekulieren. Ein Aspekt, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Auch in Eds Beziehung zu dem, von dem großartigen William Bendix verkörperten, Schläger Jeff spielt eine homoerotischer Unterton eine tragende Rolle. Jeff behandelt Ed fast zärtlich, gibt ihm Kosenamen, bevor er ihn mit aller Brutalität und Körperlichkeit als Punching Bag benutzt. Bei ihrem letzten Zusammentreffen lädt Jeff Ed zunächst auf eine Flasche Whiskey ein und umarmt ihn liebevoll, während er voller Vorfreude davon spricht, dass er ihn gleich totprügeln wird. Interessantes, wenn auch irrelevantes Detail am Rande: Während der Dreharbeiten freundeten sich Alan Ladd und William Bendix an, und es entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft zwischen Beiden.

Eine spannende Rolle spielen auch die eigensinnigen und selbstbestimmten Frauen in diesem Film. Sei es Madvigs kleine Schwester, die durch ihre starrköpfige Liebe zum spielsüchtigen Taylor eine Katastrophe hinauf beschwört. Oder die Ehefrau des Zeitungsverlegers, die sich sobald sie vom Bankrott ihres Mannes erfährt, vor dessen Augen sofort Ed Beaumont an den Hals wirft. Im Mittelpunkt steht aber natürlich die wundervolle Veronica Lake. Hier empfiehlt es sich auch, den Film im Original zu schauen, um die rauchig-verruchte Stimme der Lake genießen zu können. Diese vermutet man bei einem so zierlichen Persönchen gar nicht, aber sie passt hervorragend zu ihrer forschen, fordernden Rolle. Veronica Lake besitzt diesen belustigten, zynischen Unterton in ihrem erotischen Timbre. Das macht sie, neben ihrem wunderschönen und unverwechselbaren Äußeren, zur perfekten Femme Fatale. Ihre Janet Henry ist eine interessante Rolle, denn sie hält selbstbestimmt die Fäden in der Hand und lässt sich nicht vor fremde Karren spannen. Auch wenn Madvig damit prahlt, dass er sie erobert hätte, so ist es doch eher so, dass sie ihm erlaubt hat, in ihre Nähe zu kommen, um ihn in den Abgrund stürzen zu lassen. Mit Ed verbindet sie vor allem die Beziehung zu Madvig, auch wenn man eine unterschwellige, sexuelle Neugierde zwischen ihnen spürt. Dass Beiden dann ein geradezu lächerliches Happy End aufgebrummt wird, ist ausgesprochen ärgerlich. Denn diese Konzession an die Hollywood-Konventionen will so gar nicht zu dem Rest des Filmes passt, und schwächt diesen dadurch vollkommen unnötig.

Die Dashiell-Hammett-Verfilmung erstaunt durch einen hohen Grad an Brutalität und einer generell skeptischen Weltsicht. Das Paar Alan Ladd und Veronica Lake harmoniert perfekt miteinander, auch wenn sie sich eher wie Tiger umkreisen. Hervorgehoben müssen aber auch die Nebendarsteller werden. Allen voran der wie immer großartige William Bendix, der seiner im Grunde eindimensionalen Figur ungeahnte Untiefen verleiht. Allein das unglaubwürdige und auch vollkommen unpassende Ende trübt ein wenigen den ansonsten guten Eindruck.

„Der gläsernen Schlüssel“ ist die 22. Folge aus der „Film Noir Collection“ des Hauses Koch Media. Das Bild ist zwar nicht gerade brillant, macht aber auch nicht den Eindruck einer billigen „Public Domain“-Presse. Etwas körnig, dafür scharf und ohne Verschmutzungen. Der englische Ton ist für sein Alter klar und deutlich und definitiv der deutschen TV-Synchronisation vorzuziehen, da diese recht leblos und mit ihren nachträglich eingefügten Geräuschen sehr künstlich wirkt. Zudem kommt man nur so in den Genuss der wunderbaren Stimme von Frau Lake. Falls man mal etwas nicht versteht, kann man die englischen Untertitel zuschalten. Deutsche gibt es leider keine. Das Bonusmaterial ist lächerlich. Drei kurze Clips, die aus der US-Vorlage stammen und zusammen keine 9 Minuten gehen. Zudem wird hier vor allem oberflächlich auf die anderen Filme eingegangen, die in der amerikanischen „Film Noir Collection“ erschienen, aus der das Master dieser Veröffentlichung augenscheinlich stammt. Sehr viel informativer ist da das sehr gut geschriebene, 12-seitige Booklet von Frank Arnold. Ansonsten gibt es noch eine Bildergalerie und den Trailer.

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