Blu-ray Rezension: „Schrei, wenn der Tingler kommt“

tinglerDer Pathologe Dr. Warren Chapin (Vincent Price) entdeckt, dass im Rückgrat eines jeden Menschen eine Wesen existiert, welches von der Angst seines Wirtes lebt. Gelingt es dem Wirt nicht, vor Angst zu schreien, so wächst das Wesen – den Chapin „Tingler“ nennt – heran und bricht ihm die Wirbelsäule. Fasziniert von Tingler versucht Dr. Chapin zusammen mit seinem Assistenten David Morris (Darryl Hickman) alles, um das geheimnisvolle Wesen näher zu untersuchen. Sogar vor einem gefährlichen Selbstversuch schreckt er nicht zurück. Erst die Leiche einer taubstummen Frau bringt ihm den Durchbruch. Doch nun ist der Tingler frei…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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William Castle war ein hervorragender Showman. Einer, der Kino als Spektakel begriff und den Zuschauern eben dieses bieten wollte. Jemand, der erkannt hatte, dass das Kino ein besonderes Erlebnis sein musste, um der Tendenz der Menschen, sich Zuhause vor dem Fernseher einzuigeln, entgegen zu wirken. Der wusste, das Kino dazu etwas bieten musste, was der Fernseher nicht liefern konnte: Ein großartiges, gemeinsames Erleben. Daher spickte er seine Filme mit Gimmicks, die dieses Gemeinschaftsgefühl befeuerten, den Kinopalast zu einem echten Erlebnisort machten. Wenn heute über Kinokrisen und die Generation-Download gesprochen wird, dann liegt der Gedanke nahe, dass so jemand wie Castle fehlt. Der derzeitige 3D-Hype könnte auf seinem Mist gewachsen sein. Wobei er wohl noch Steinchen auf die Zuschauer geworfen hätte, um das dreidimensionale Spektakel noch zu steigern und den Zuschauern etwas zu bieten, was über den Film hinausgeht.

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Nachdem Castle bei seinem Film „Das Haus auf dem Geisterhügel“ noch Skelette durch den Kinosaal ziehen lies, ging er bei „Schrei, wenn der Tingler kommt“ noch einen Schritt weiter. Er ließ in einigen Kinos kleine Elektroschocker an die Kinosessel einbauen. Wenn dann im Film der Tingler in ein Kino eindrang, drehte seinen Hauptdarsteller Vincent Price auf der Leinwand das Licht aus und forderte die Zuschauer auf, so laut wie möglich zu schreien, um den Tingler zu verschrecken. Dies muss damals ein wunderbares Schauspiel gegeben haben. Schade, dass diese Erfahrung bei Sichtung der Blu-ray natürlich auf der Strecke bleibt. Doch auch jenseits dieser Gimmicks, hat „Schrei, wenn der Tingler kommt“ so einiges zu bieten, was sich auch heute noch im heimischen Wohnzimmer lohnt, anzusehen. Vor allem die schauspielerischen Leistungen. Natürlich ist die Geschichte, die der Film erzählt, ziemlich hanebüchen und ganz darauf ausgerichtet, in den oben beschrieben Passagen das Publikum zum Mitmachen anzuregen. Doch statt daraus ironischen Trash zu machen, wie es heute wohl – leider – der Fall wäre, nimmt der Film seine unwahrscheinliche Geschichte durchaus ernst.

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Vincent Price spielt den Wissenschaftler Dr. Warren Chapin als leidenschaftlichen, aber nicht verbohrten oder gar wahnsinnigen Forscher. Im Gegenteil, auch wenn das Drehbuch ihn in zwei Wendungen als eiskalten Bösewicht darstellt, so ist er doch das genau Gegenteil. Er leidet unter der Untreue und der herablassenden Arroganz seiner Ehefrau. Wenn er ihr dies dann heimzahlt, kann der Zuschauer großes Verständnis für Dr. Chapins Tat aufbringen. Dass sich diese dann nur als Finte entpuppt, spricht für die Warmherzigkeit, mit der Vincent Price seine Rolle anlegt. Auch seine fast schon kindliche Begeisterung, wenn er den Tingler entdeckt, bringt man nicht unbedingt mit dem Bild eines mad scientist in Verbindung. Price spielt sympathisch, einnehmend und vor allem mit ausgesuchter Eleganz. Es macht einfach Freude ihm zuzusehen und zu lauschen, wie er die verrücktesten Sätze völlig ohne camp oder Theatralik spricht. Aber auch Philip Coolidge in der Nebenrolle des kleinen, unscheinbaren und doch ganz und gar nicht unwichtigen Olli Higgins spielt sehr fokussiert und lebensecht. Keine Spur von Übertreibung, die man in einem B-Film über einen zu groß geratenen Ohrenkneifer eigentlich erwarten könnte.

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Denn der Tingler selber ist da fast schon ein Schwachpunkt des Filmes. Obwohl sein Name durchaus eine sexuelle Konnotation erwarten lässt, ist das Vieh einfach nur hässlich und erinnert in der Tat fatal an einen Dermaptera. Warum der Tingler seinen Wirtskörper (oder überhaupt irgendjemanden) töten will, bleibt natürlich auch ungeklärt. Aber ohne diesen Kniff gäbe es eben keine gruselige Geschichte. Daher sollte man die Natur und die Motive des Tinglers nicht allzu sehr hinterfragen. Dafür gibt es auch viel zu viele andere schöne Momenten in „Schrei, wenn der Tingler kommt“, die nichts mit dem titelgebenden Untier zu tun haben. Beispielsweise eine spektakuläre Sequenz, in der eine Figur zu Tode geängstigt wird und plötzlich rotes Blut in das schwarz-weiß-Bild schwappt. Oder Dr. Chapins LSD-Trip. Der erste überhaupt in einem Mainstream-Film. Soweit man Castles Werk überhaupt dem Mainstream zuordnen will. Ganz bezaubernd ist natürlich auch die Idee, dass die taubstumme Ehefrau von Olli Higgins ein Kino leitet, in dem ausschließlich Stummfilme gezeigt werden. Allein dafür muss man „Schrei, wenn der Tingler kommt“ lieben.

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Auch die Interaktion zwischen Vincent Price und der schönen Patricia Cutts als Chapins bösartige Gattin Iabel sorgt für wohlige Höhepunkte. Neben der Cutts als durchtriebenes Luder verblasst die „gute“ Pamela Lincoln und auch der ehemalige Kinderstar Darryl Hickman als jugendlicher Held bleibt arg farblos. In der interessanten Begleit-Doku „Scream For Your Life“ erfährt man, dass der (zu) junge Hickman nur besetzt wurde, weil er zu diesem Zeitpunkt mit Newcomerin Lincoln verheiratet war, und man ihm weiß machte, seine Anwesenheit sei dringend erforderlich, um dem Neuling Sicherheit zu geben. Am Ende spielte Hickman dann ohne Gage mit. Des weiteren muss man noch Judith Evelyn erwähnen, die die taubstumme Kinobesitzerin mit großen, expressionistischen Gesten spielt. Evelyn hat mit Vincent Price in einige Stücken am Broadway gespielt und wurde auf dessen speziellen Wunsch hin gecastet. Zwar hebt sie sich durch ihren bedingungslosen Einsatz von dem Rest der doch eher ruhig-souverän agierenden Schauspieler ab, doch vergegenwärtigt man sich, dass die von ihr gespielte Dame eine großer Freund des Stummfilms ist, passt das dann doch wieder ausgezeichnet. Evelyns bekannteste Rolle ist übrigens auch stumm. Sie spielt die selbstmordgefährtete „Miss Loneyhearts“ in Hitchcocks Meisterwerk „Das Fenster zum Hof“.

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Auch ohne seine Gimmicks ist William Castles „Schrei, wenn der Tingler kommt“ ein charmantes Stück Gruselkino mit viel Zeitkolorit und einer gut aufgelegten Besetzung. An dieser Stelle soll auch noch einmal auf den ausgezeichneten und sehr modern klingende Soundtrack von Von Dexter gelobt werde. Da macht es auch nicht viel aus, wenn das titelgebende Monster nicht ganz so überzeugend ausgefallen ist.

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Mit dem dritten Teil seiner Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ ist Anolis mal wieder ein Volltreffer gelungen, welcher das Herz aller Freunde klassischen 50er-Jahre-B-Horrors höher schlagen lässt. Lange musste man warten, bis der legendäre „Tingler“ auch hierzulande die heimischen Bildschirme unsicher macht. Das Warten hat sich gelohnt, denn die Blu-ray (eine DVD ist auch noch mit dabei) besticht durch ein sehr scharfes Bild. So scharf, dass man leider auch deutlich die Fäden erkennen kann, an denen der Tingler fortbewegt wird. Zudem ist nun der Kontrast zwischen dem „normalen“ Bild und der Szene mit der Badewanne voller rotem Blut ausgesprochen stark. Dies irritiert zunächst, ist jedoch aufgrund des Verfahrens, mit dem Castle diese Schock-Szene realisierte, wohl nicht anders machbar. Laut Wikipedia hat Castle die Szene auf Farbfilm gedreht und dafür das Set und seine Schauspielerin schwarz-weiß streichen lassen. Dies gehört aber wohl ins Reich der Fabeln, da die Szene eher so wirkt, als ob der farbige Teil des Bildes vor einer Leinwand gestanden hätte, auf dem der schwarz-weiße Film abläuft. Dies war zumindest meine erste Assoziation. Der Ton liegt in einer guten, zeitgenössischen Synchronisation und auf Englisch vor. Wie bei jedem Film mit Vincent „The Voice“ Price ist letzteres natürlich vorzuziehen. Auf der Extras-Seite wird man auch glücklich. Herzstück ist die oben bereits erwähnte Doku „Scream For Your Life“. Zudem gibt es noch gleich Audiokommentare. Der erste wurde von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad eingesprochen, der zweite von Ingo Strecker und Robert Zion. Neben diversen Trailern und einer alternativen Fassung der „Scream!“-Kinoszene für Autokinos, wurde noch die deutsche Kinofassung mit auf die Blu-ray gepackt. Diese ist knapp eine Minute kürzer als die Blu-ray-Fassung, wobei mir aber – bis auf die deutschen Titel – keine großen Unterschiede aufgefallen sind. Ein Booklet mit einem Text von Dr. Rolf Giesen rundet diese feine Ausgabe ab.

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23. Internationales Filmfest Oldenburg: Das Programm steht

intol3So, die letzten Titel für das Internationale Filmfestival in Oldenburg sind nun veröffentlicht worden. Hier die Kurzbeschreibungen aus der Pressemitteilung. Ich muss sagen, ich bin recht beeindruckt vom diesjährigen Jahrgang. So viele Filme habe ich in den vergangenen Jahren nicht dabei gehabt, bei denen ich auf Anhieb sage: Den würde ich gerne sehen. Was naturgemäß ja auch gar nicht machbar ist. Besonders wenn man sich, wie ich, nur auf zwei Tage beschränkt.

 

From Nowhere, USA 2016, von Matthew Newton
Drei nicht registrierte Teenager aus der Bronx und die Angst von den Behörden oder Mitschülern entdeckt zu werden.
DEUTSCHLANDPREMIERE

I Am Not A Serial Killer, UK / IR 2016, von Billy O’Brien
Ein fesselndes Katz-und Mausspiel und ein grandioses Wiedersehen mit dem Helden unserer Jungend, Doc Brown. Christopher Lloyd überzeugt in einem Thriller der besonderen Art.
DEUTSCHLANDPREMIERE

Jules and Dolores, BRA 2016, von Caito Ortiz
Zwei Jungs aus Rio klauen den Fußball-WM-Pokal und werden vom ganzen Land gejagt. Turbulente Komödie im Sambarhythmus.
EUROPAPRIEMERE

One Week and a Day, ISR 2016, von Asaph Polonsky
Nach dem Tod seines Sohnes muss Eyal erst wieder lernen, das Leben zu lieben. Er freundet sich mit dem Stoner-Sohn des Nachbarn an und lernt dabei nicht nur, wie man Joints dreht. Eine Geschichte, die einen im selben Moment traurig macht und zum Lachen bringt.
DEUTSCHLANDPREMIERE

Problemski Hotel, BE 2015, von Manu Riche
Regisseur Manu Riche führt uns durch die Korridore dieser einzigartigen dramatischen Flüchtlingskomödie. Eine erfundene Geschichte, deren Wurzeln tief in der harschen Wirklichkeit verankert sind.
DEUTSCHLANDPREMIERE

The Apprentice, TUR 2015, von Emre Konuk
Lynch meets Kafka in diesem eng gewebten Netz aus Paranoia und Todesangst um einen Schneiderlehrling in Istanbul. In seinem Regiedebüt zeigt sich Emre Konuk als hochtalentierter Lehrling des Kinos von Lynch, Kubrick oder Welles und schickt sich an, selbst ein Meister zu werden.
DEUTSCHLANDPREMIERE

The Library Suicides, UK 2016, von Euros Lyn
Identische Zwillinge, ein dunkles Geheimnis und die Katakomben der beeindruckenden Nationalbibliothek von Wales sind die Zutaten in Euros Lyns doppelbödigem Thriller.
INTERNATIONALE PREMIERE

The Love Witch, USA 2016, von Anna Biller
Mit schriller Technicolor Ästhetik verzaubert Anna Biller zwischen männlichen Ängsten und weiblichen Fantasien die Leinwand.
DEUTSCHLANDPREMIERE

Tower, USA 2016, von Keith Maitland
Fiktion und Dokumentation verschmelzen zu einem Film, der einem den Atem stocken lässt. Maitland lässt uns an den schrecklichen Geschehnissen des August 1966 teilhaben, als Amerikas erster Schul-Amoklauf eine Nation in Schockzustand versetzte.
DEUTSCHLANDPREMIERE

Meinen ganz persönlichen „Was-guck-ich-wann“-Plan habe ich mir schon zusammengestellt. Wer es mir gleichtun möchte, findet jetzt etwas versteckt unter http://www.filmfest-oldenburg.de/programm/programmheft/ den Timetable des Festivals und einen Scan des Programmheftes. Hier noch eine kritische Anmerkung: Die Homepage des Festivals muss DRINGEND mal überarbeitet werden. Es ist schon sehr irritierend, wenn auf der Startseite nur „News“ aus dem letzten Jahr aufgeführt sind. Und solche Highlights wie die Ankündigung der Filme, der Retro und vor allem der Gästen Nicolas Cage und Amanda Plummer nur über den Umweg „Pressemitteilungen“ gefunden werden können. Die Homepage, die auch die Visitenkarte ist, muss da wirklich schnellstens auf den aktuellen Stand gebracht werden.

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Das Bloggen der Anderen (05-09-16)

bartonfink_type2– Meine sehnlichst erwartete Scheibe ist heute nach einer vollkommen absurden Hermes-Odyssee ist (diese höchst merkwürdige Geschichte wäre allein hier schon ein Blog-Eintrag wert. Danke an dieser Stelle an Forgotten Film Entertainment, die sich da ordentlich hinter geklemmt haben) endlich in meine Hände gelangt. Anderen Crowdfounder konnten ihre Ausgabe von „Der Perser und die Schwedin“ schon vor einer Woche genießen. In den Filmblogs wird auch schon kräftig berichtet. Hervorzuheben sind hier zwei Blogs, nämlich Safarow schreibt und Whoknows presents. Sven Safarow beschreibt auf seinem Blog, wie es dazu kam, dass er für „Der Perser und die Schwedin“ seinen ersten Audiokommentar einsprechen konnte und auf Whoknows presents befasst sich Manfred Polak ausführlich mit den Vorzügen der Internationalen Fassung des Filmes gegenüber der Deutschen. Beide sind übrigens auf der Scheibe enthalten.

Bianca hat Hark Bohm getroffen und berichtet darüber auf Douscope, wo sie auch gleich die Gelegenheit ergreift, ein detailliertes und liebevolles Porträt des „Antagonisten des Neuen Deutschen Films“ – in „Gegenschuss – Aufbruch der Filmemacher“ kommt er ja wirklich schlecht weg – zu schreiben.

– In der letzten Woche verstarb Gene Wilder. Der Kinogänger widmet ihm einen Nachruf. Zugleich gibt es bei ihm eine Vorschau auf den Kino-Herbst.

– Uwe Boll hört auf. Er kehrt dem Filmemachen den Rücken zu und kümmert sich jetzt um sein Restaurant. Grund für Urs Spörri auf B-Roll eine Ehrenrettung des nicht ganz unumstrittenen Filmemachers zu veröffentlichen. Anlässlich von „The Shallows“ lässt Andreas Köhnemann noch einmal die Liebesbeziehung zwischen dem Kino und dem Hai Revue passieren. D.W. Griffiths „Intolerence“ wird 100. Patrick Holzapfel verbeugt sich.

– Ioana Florescu berichtet auf Jugend ohne Film vom “Anonimul International Independent Film Festival” in Rumänien.

– Auf Sennhausers Filmblog berichtet Brigitte Häring vom Filmfestival in Venedig, wo sie u.a. den neuen Film von Tom Ford, „Nocturnal Animals“ und „La La Land“ mit Emma Stone und Ryan Gosling gesehen hat.

– Anlässlich der Wiederaufführung von Eiichi Yamamotos „Belladonna of Sadness“ schreibt aufsmaulsuppe über die Faszination des Mittelalters.

– Die BBC hat letzte Woche die 100 besten Filme des 21. Jahrhunderts gekürt und Freude am Film hat daraufhin sein eignes Top 10 Ranking erstellt und lädt zum Diskutieren ein.

– Ansgar Skulme hat den klassischen Western „Auf verlorenem Posten“ gesehen und schreibt sich auf Die Nacht der lebenden Texte darüber, warum ihm Joel McCrea als Darsteller so gar nicht gefällt.

– Gabelinger hat auf Hauptsache (Stumm)Film die Komödie „Der Cowboy den es zweimal gab“ entdeckt, der zwar ein Lieblingsfilms eines Hauptdarstellers Howard Keel war, aber an der Kinokasse brutal floppte, und hierzulande weder auf DVD, Blu-ray noch auf VHS erschienen ist.

– Sascha hat Peter Medaks Guselschocker „The Changeling“ gesehen und auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte eine Liebeserklärung an diesen unheimlichen Klassiker verfasst.

– Mauritia Mayer schreibt auf Schattenlichter über den arg seltsamen Giallo „Die Grotte der vergessenen Leichen“.

– Heiko Hartman von Allesglotzer zieht es auch zum Gillo, nämlich den großen Übervater „Blutige Seide“.

Funxton wiederum ist von Michele Lupos Action-Komödie „La Pistola“ mit Lee van Cleef begeistert. Alberto De Martinos „Feuerstoß“ mit Stuart Whitman hat ihm demgegenüber nur durchschnittlich gefallen.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hätte sich mehr von Hans Christian Bergers deutschen Erotik-Thriller „After Eden“ erhofft und auch „Nick Knattertons Abenteuer“ (Held meiner Kindheit!) lassen ihn eher kalt.

– Auch wenn er am Ende meint, es sei mehr drin gewesen, so hat Abspannsitzenbleiber der deutsche Film „Im Spinnwebhaus“ mit seiner Mixtur aus Gegenwartsrealität und märchenhaften Elementen doch gut gefallen.

– Thorleiv Nicolai Klein von film-rezensionen.de ist von Fede Alvarez‘ „Don’t Breath“ hingerissen und meint: „Der Film ist nichts für schwache Nerven und Asthmatiker sollten sich ihren Kinobesuch zweimal überlegen.“ Sein Kollege Oliver Armknecht ist von der Heavy-Metal-Familie-trifft-den-Teufel-Geschichte „The Devil’s Candy“ sehr positiv überrascht.

– „Der City Hai“ habe ich damals im Kino gesehen und war begeistert. Danach gab es kaum noch Wiederbegegnungen. Totalschaden von Splattertrash hat sich das Schwarzenegger-Vehikel nochmal angeschaut und war auch eher ernüchtert. „Sexualrausch“ hat ihm da sehr viel mehr Spaß gemacht.

– Oliver Nöding schreibt auf Remember It For Later über Renny Harlins Regie-Debüt „Born American“. Dem teuersten finnischen Film aller Zeiten.

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23. Internationales Filmfest Oldenburg: Amanda Plummer und Nicolas Cage kommen!

Wow, wow, wow! Das Internationale Filmfest Oldenburg ist doch immer für eine Überraschung gut. Für die diesjährige Ausgabe kommen gleich zwei Gäste über den großen Teich, die einem das Herz schneller schlagen lassen. Ladies first: Die unglaubliche Amanda Plummer wird mit einem Film-Tribute geehrt.

In Oldenburg werden drei ihrer Filme im Rahmen des Tributes gezeigt. „Pulp Fiction“ wird in einer Sonderaufführung in der JVA Oldenburg zu sehen sein. Daneben werden auch „Butterfly Kiss“ von Michael Winterbottom und „The Fisher King“ von Terry Gilliam beim Festival gezeigt.

Amanda Plummer  wird vom 14. bis zum 18. September Gast des Festivals sein. Am 16. September wird sie im Rahmen der Festivalgala im Oldenburgischen Staatstheater mit dem German Independence Honorary Award geehrt.

Und wer ist das ideale Gegenstück zur explosiven Amanda Plummer? Da kommt nur einer in Frage: Der grandios in seinen larger-than-life Darstellungen stets am Rande des Wahnsinns torkelnde Nicolas Cage, bei dem man häufig vergisst, dass der „Acting Maniac“ auch die leisen Töne beherrscht – wenn man ihn denn mal lässt. Und auch er bekommt einen Film-Tribute und wird persönlich anwesend sein.

Mit über 80 Titeln in seiner Filmografie ist er einer der profiliertesten Schauspieler der Neuzeit. „Arizona Junior“ brachte ihm seine erste Nominierung für einen Filmpreis. Ein Oscar, 40 weitere Preise und 60 Nominierungen sollten folgen. Für einen Mann, der immer gern alles auf eine Karte setzte, ist es nur zu passend, dass er seinen ersten Oscar für seine Rolle in „Leaving Las Vegas” gewann – und nun die Möglichkeit hatte, sich quer durch alle Genres zu bewegen. Als Kind hatte er Sean Connery als James Bond verehrt – und spielte nun neben ihm in „The Rock“, was ihm einen Blockbuster Award und eine Karriere als internationaler Actionstar einbrachte. Für den Thriller „Face/Off” fand er Inspiration in den Filmen, die er als Fünfjähriger mit seinem Vater angeschaut hatte, wie „Das Kabinett des Doktor Caligari“, dessen expressionistischen Stil er in seine Rolle einfließen ließ – eine neue Definition des Actionstars als kunstübergreifender auteur.

In Oldenburg werden drei seiner Filme zu sehen sein. John Woos „Face/Off“, David Lynchs „Wild at Heart“, sowie im Rahmen der Festivalgala im Oldenburgischen Staatstheater Mike Figgis „Leaving Las Vegas“, für den er mit dem Oscar als bester Darsteller ausgezeichnet wurde.

Nicolas Cage wird vom 14. bis zum 17. September Gast des Festivals sein. Am 16. September wird er im Rahmen der Festivalgala im Oldenburgischen Staatstheater mit dem German Independence Honorary Award geehrt.

Ich freue mich! Dann muss ich wohl meine „Bad Lieutenant: Port of Calls“ und „Spiel auf Zeit“-DVDs und einen Stift mitnehmen. Ach Quatsch.. am Ende würde ich mich ja eh nicht trauen, den anzusprechen.

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„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 16 erhältlich

PAPAYA Nr 1 UmschlagSeit Kurzem ist die neue „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ erhältlich. Diesmal wird sich schwerpunktmäßig mit dem Thema „Avantgarde“ beschäftigt. Und da sind, wie ich finde, wieder einige sehr spannende Artikel zusammengekommen.

Ich selber durfte ein Portrait der großen – und leider noch immer viel zu unbekannten – Germaine Dulac beisteuern. Wer dem Hauptthema nicht so viel abgewinnen kann, für den bietet das neue Heft aber auch wieder reichlich weiteren Lesestoff. U.a. zu Themen aus Japan und Italien.

TITELSTORY: AVANTGARDE IM FILM

GERMAIN DULAC – Musik für die Augen
DZIGA VERTOV – Die Visualisierung ihrer Strukturen und die Digital Humanities & Enthusiasmus
BRUCE CONNER – Eine experimentelle Filmkollage
JEAN COCTEAU – Die Kunst filmisch zu Träumen
KENNETH ANGER – Hollywood Babylon – Das Frühwerk
ALAIN RESNAIS – Kino-Zeit und autonome Erinnerung
CHRIS MARKER – Die Konstruktion und Dekonstruktion von Zeit und Realität durch die Realität und die Zeit

OLIVE THOMAS – Eine Moritat aus den frühen Tagen Hollywoods – Teil 2: Das Flapper-It-Girl

ABENTEUER IN DER SÜDSEE TEIL 3 – Hollywoods Garten Eden

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN TEIL 2 – Friedrich Wilhelm Murnau

Rubrik: ORIGINAL & REMAKE:
The Maltese Falcon
Satan Met a Lady
The Maltese Falcon

Kolumne: QUOD ERAT MONSTER! – THE SHE-CREATURE

Rubrik: ON SET – GHOSTS & DEMONS – Die Retrospektive der Nippon Connection 2016

EARLY ANIME – Wie Japan seinen Trickfilmen Leben einhauchte

Kolumne: CINEMAZZURRO – THE LAST MAN ON EARTH

Rubrik: ON SET – PRE-CODE-HOLLYWOOD – SEX AND THE CITY INMITTEN WIENS

DEUTSCHE SYNCHRONSPRECHER – Ursula Krieg

Kolumne: DER VERGESSENE FILM – Jack Clifton – Mission Bloody Mary

Heft #16 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

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Das Bloggen der Anderen (29-08-16)

bartonfink_type2Die Hitze fordert ihren Tribut. Die Filmblogger haben wahrscheinlich besser Dinge zu tun gehabt, als in der überhitzenden Bude zu hocken – was ich sehr gut verstehen kann.

– Auf Duoscope geht das große Robert-Redford-Portrait anlässlich seines 80sten Geburtstages in die zweite und letzte Runde. Diesmal geht es von den 80ern bis heute.

– Rochus Wolff nimmt sich auf B-Roll eines wichtigen und doch auch sehr schwierigen Themas an. Wie wird der Holocaust in Kinderfilmen verarbeitet?

– Sven Safarow entdeckt auf Safarow schreibt die unglaublichen Wunder des afrikanischen Nollywood-Kinos.

– Bisher hatte ich noch nicht das Vergnügen einmal den bei mir als Spencer/Hill-Film abgespeicherten „Freibeuter der Meere“ zu sehen. Totalschaden von Splattertrash hat es getan und jetzt weiß ich, dass das Traum-Duo hier ausnahmsweise mal nicht mit, sondern gegeneinander spielt.

– Das ausgerechnet Eckhart Schmidt einmal für die Lisa-Film eine Bundeswehr-Klamotte namens „Die Kücken kommen“ gedreht hat, war mir auch nicht geläufig. Funxton hat sie gesehen und die Mischung Schmidt/Lisa scheint zwar nicht wirklich zu funktionieren, klingt aberin meinen Ohren trotzdem interessant. Auch wenn funxton sie als „so etwas wie eine vorsätzlich als solche arrangierte Antikomödie“ charakterisiert. Stattdessen empfiehlt er Vittorio Salernos Justiz-Thriller „Betrachten wir die Angelegenheit als abgeschlossen“.

– Das Magazin des Glücks stellt das Buch „Geliebt und verdrängt – Das Kino der jungen Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1963“ vor. Das Begleitbuch zu der von Olaf Möller zusammengestellten Retrospektive des bundesdeutschen Films der Ära Adenauer auf dem Filmfestival.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hat sich mal wieder an zwei Franco-Filme gewagt. Aber leider konnten ihn weder der schön pulpige „Das Frauenhaus“, noch viel mehr „Die nackten Augen der Nacht“ überzeugen.

Christian Witte empfiehlt auf Wittes wöchentliche Tipps diesmal Hark Bohms Jugenddrama „Moritz, lieber Moritz“ und Hitoshi Matsumotos für ihn recht ungewöhnlichen „Saya Samurai“.

– Flo Lieb stellt auf symparanekronemoi den sehr interessant klingen Animee „Bakemono no Ko – Der Junge und das Biest“ vor. http://symparanekronemoi.blogspot.de/2016/08/bakemono-no-ko.html

– Gabelinger hat sein „Movie Magazin“ auf Hauptsache (Stumm)Film leider (!) eingestellt und widmet sich nun wieder schwerpunktmäßig nur einem Film. Zum Auftakt: „Die Katze auf dem heissen Blechdach“, der mich als Kind stark beeindruckte, den ich aber seitdem nie wieder gesehen habe. Wird wohl mal Zeit, die Erinnerung aufzufrischen.

– Oliver Nöding führt auf Remember It For Later seine Retrospektive des frühen John Ford mit „Steamboat around the bend“ fort und rät: „Film anschauen und sich verzaubern lassen!“

– Lukas Foerster schreibt auf critic.de über den 2000 entstanden Film „The House of Mirth“ mit Gillian Anderson, Dan Akroyd und Eric Stolz. Dabei kommt er zu dem Schluss: „(…) So ziemlich alle Mitglieder des Casts (sind) um Längen besser als je zuvor oder nachher – nicht zuletzt Dan Aykroyd, der eine innere Finsternis offenbart, die man ihm nun wirklich nicht zugetraut hätte.“ Martin Gobbin hat sich Lucile Hadzihalilovics „Évolution“ angesehen. Ein verstörendes Werk über männliche Urängste, das es seit Kurzem als Import-DVD gibt.

– Das Fantasy Filmfest beginnt und Oliver Armknecht von film-rezensionen.de hat mit „Into the Forrest“ schon einen ersten Tipp. Der „Muppets-Weihnachtsgeschichte“, die einige Jahre zu meinem jährlichen Feiertagsritual gehörte, kann er leider nicht ganz so viel wie ich abgewinnen.

– „Spiel auf Zeit“ von Brian de Palma ist einer jener Filme, bei denen meine Liebe für ihn so gut wie nirgendwo geteilt wird. Auch Timo Kießling von cereality kann leider nicht vollends überzeugt werden.

– „Drop-Out-Cinema“ (Kinoauswertung) und „Bildstörung“ (hoffentlich bald Heimkino) haben mit Rick Alversons „Entertainment“ wieder einmal einen höchst sehenswerten Film ausgegraben. Dies ist zumindest die Meinung von Mr.Depan von Die drei Muscheln, und ich sehe keinen Grund, daran zu zweifeln.

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Das Bloggen der Anderen (22-08-16)

bartonfink_type2– Kaum ein Film wird so leidenschaftlich kontrovers diskutiert, wie Winding Refns „Neon Demon“, gerade kam es wieder in meinem Lieblingsforum zu eine ziemlich heftigen Diskussion über den Film. Auf Daumenkino findet man vier längere Auseinandersetzungen mit dem Film, welche jeweils von einer Filmkritikerin verfasst wurden.

– Mehr Konsens gibt es überall bei „Toni Erdmann“. Alex Matzkeit von real virtuality verrät, was für ihn das Interessanteste an „Toni Erdmann“ ist und bindet auch kritische Stimmen mit ein.

– Patrick Holzapfel befasst sich auf Jugend ohne Film mit Jaques Tati und dem Staunen.

– Auf B-Roll schreibt Patrick dann darüber, in wie weit das heutige Kino auch die heute Zeit reflektiert und ob es das überhaupt muss. Sonja Hartl denkt darüber nach, warum das Genre des Krimis im deutschen Kinofilm kaum noch eine Rolle spielt, während man im TV davon bombardiert wird. Und Lucas Barwenczik wundert sich darüber, wie manche Fans ihre Lieblingsfilme mit allen Mitteln gegen Kritik verteidigen.

– Kilian Kleinbauer hat für cereality Thomas Vinterberg über dessen aktuellen Film „Die Kommune“ befragt. Christian Witte bespricht den Hai-Thriller „The Shallows“, dessen Trailer bei mir große Erwartungen geweckt hat. Laut Christian werden diese aber nur bedingt erfüllt.

– Auch Oliver Armknecht von film-rezensionen.de hat „The Shallows“ gesehen und war nur mittelmäßig überzeugt. Dafür empfiehlt er ausdrücklich den Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests: „Swiss Army Man“.

– Robert Redford wird 80. Ein willkommener Anlass für Duoscope seine Filmkarriere einmal im Detail Revue passieren zu lassen. Der erste Teil behandelt seine ersten schauspielerischen Gehversuche bis zum Anfang der 80er Jahre.

– Robert Redford ist auch ein gutes Stichwort für Andrea David, um auf filmtourismus.de einige Drehorte seiner bekannten Filme vorzustellen. Neu war mir dabei, dass Herr Redford eine Hamburgerin ehelichte und eben dieses auch in der benachbarten Hansestadt tat.

– Juli erklärt auf ihrem Blog Pieces of Emotion, wie sehr sie Disney-Filme liebt und woher diese große Leidenschaft kommt.

– Demnächst kommt eine neue Langfassung des Klassikers „Die Blues Brothers“ heraus. War mir bisher unbekannt. Für Sebastian von Nischenkino eine willkommene Gelegenheit sich mal wieder dem Film zu widmen, auch wenn das Wiedersehen für ihn eher ernüchternd war. Bluntwolf ist von Cronenbergs „Die Brut“ und der brandneuen Veröffentlichung von Wicked-Vision-Media begeistert. Auf Beides geht er in seiner Review ausführlich ein.

Einen sehr interessanten Dokumentarfilm hat Flo Lieb auf symparanekronemoi entdeckt: „Weiner“ über den demokratische Bürgermeisterkandidat Anthony Weiner, der Bürgermeister von New York werden wollte, aber zweimal über einen Skandal stolperte.

– Zum 10. und leider wahrscheinlich letzten Mal präsentiert gabelinger auf Hauptsache (Stumm)Film sein „Movie Magazin“. Diesmal mit Bette Davis in „Die kleinen Füchse“ und Peter Weirs erstem Hollywood-Film „Der einzige Zeuge“.

– Oliver Nöding war mit seiner Tochter im Kino und hat Steven Spielbergs Roald-Dahl-Verfilmung „BFG“ gesehen… und bricht dafür mit seinem Vorsatz auf Remember it For Later niemals über Kinderfilme zu schreiben. Ausserdem mochte er Ridley Scotts „Black Hawk Down“, was auf Facebook zu einer sehr langen und sehr hitzigen Diskussion geführt hat – die sich aber leider nicht in den Kommentaren des Blogs wiederfindet, weshalb diese Diskussion wohl mal wieder für immer bei Facebook vergraben bleibt. Schade, aber eben de rFluch des Social Networks. Nichts ist für die Ewigkeit – oder zumindest eine Woche.

– Schlombie lotet auf Schlombies Filmbesprechungen (wieder mit neuem Design, welches ich sehr gelungen finde) weiterhin die Untiefen des preisgünstigen japanischen DTV-Splatter-Genres aus und empfiehlt diesmal „Meatball Machine“ und „Gothic and Lolita Psycho“.

– Michael Schleeh hat für Schneeland S.S. Rajamoulis Fantasy-Filmfest-Hit „Makkhi“ nachgeholt und zeigt sich sehr gut unterhalten.

– Nach Frankreich geht es bei den Seltsamen Filmen des Herrn Nolte. Sascha hat sich das finstere Rache-Drama „Am Rande der Nacht“ von 1983 mit dem damaligen französischen Comedy-Superstar Coluche angesehen und war tief beeindruckt von diesem deprimierenden Meisterwerk.

– Ebenfalls stark beeindruckt ist Cameron von den Drei Cineasten. Er hat Chantal Akermans „Je tu il elle“ gesehen und kommt zu dem Fazit: „Ich habe „Jeanne Dielman“ und viele andere Filme Akermans noch nicht gesehen, doch hätte sie nur „Je tu il elle“ gedreht, sie hätte die Filmlandschaft für mich verändert, mein Kino neu erfunden.“

– Wo wir gerade bei Meisterwerken sind: Totalschaden bespricht auf Splattertrash „Suspiria“. Wenn es noch Leute geben sollte, die Argentos wundersamen Rausch noch nicht kennen, hier können sie sich Appetit holen.

– Mauritia Mayer verschlägt es auf Schattenlichter nach Mexiko und zu 1000 Katzen. „Stiglitz“ – „Gesundheit!“

Funxton hat Francesco Rosis „Die Macht und ihr Preis“ mit dem großen Lino Ventura gesehen und legt seinen Lesern diesen sehr ans Herz. Auf der etwas trivialeren Seite macht Maurizio Merli als harter Cop in „Hunted City“ von Stelvio Massi die Stadt (un)sicher.

– Viel habe ich schon drüber gehört und irgendwo liegt noch eine uralte VHS-Kopie der x-ten Generation herum, die ich allerdings nie gesehen habe, da die Bildqualität das Schauen doch sehr – herausfordernd machte. Die Rede ist von Eloy de la Iglesias seltsamen „Murder in a Blue World“ aka „Clockwork Terror“. David von Whoknows presents hat ihn gesehen und widmet dem Film und dem Regisseur einen langen, höchst informativen Artikel.

– Lukas Foerster vergleicht auf Dirty LaundyMädchen in Uniform“ einmal in der Version von Leontine Sagan, 1931, und einmal in der von 1958 von Geza von Radvanyi.

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Buch-Rezension: Terry Gilliam “Gilliameseque: Meine Prä-posthumen Memoiren“

gilliamesqueDass Terry Gilliam seine Karriere als Zeichner und Animator begann, spürt man auf jeder Seite dieses schön aufgemachten und reichlich bebilderten Buches. „Gilliameseque: Meine Prä-posthumen Memoiren“ ist ein wahres Füllhorn an Fotos, Illustrationen und Collagen. Ganz so, wie man es sich bei einem Buch von Terry Gilliam erhofft. Ausführlich geht Gilliam dann auch auf seine Anfänge, die ersten Jobs (u.a. für den legendären Harvey Kurtzmann, dem berühmten Chefredakteur des MAD-Magazin), die Reisen nach Europa und seine Ankunft in England ein. Alles in einem abgeklärten, manchmal schon etwas zynisch klingenden Tonfall. Man merkt, wie wichtig Gilliam diese Zeit in seinem Leben ist, über die die Meisten bisher noch sehr wenig bis nichts wissen. Wer allerdings mehr zu seiner Zusammenarbeit mit den Pythons oder seine Filme erfahren möchte, der muss sich zunächst einmal in Geduld üben.

Die Hälfte des Buches vergeht, bis Gilliam auf die restlichen Pythons trifft. Und auch dann bleibt er sehr zurückhaltend, verweist lieber auf die Bücher der Kollegen und beschränkt sich auf das Nötigste, was zum Verständnis seiner eigenen Biographie von Nöten ist. Die anderen Pythons bleiben einem fremd und werden von Gilliam auch nicht sonderlich sympathisch gezeichnet. Graham Chapman wird fast gar nicht erwähnt, John Cleese etwas mehr, aber nicht unbedingt im positiven Licht. Eric Idle wird als eitler Geck gezeichnet, mit dem neurotischen Hang unbedingt zur Prominenz gehören zu wollen. Lediglich Terry Jones und vor allem Michael Palin tauchen häufiger auf. Letzterem lässt Gilliam dann auch einige nette Worte zukommen. Möglicherweise handelt es sich bei Gilliams harschen Umgang mit den Ex-Kollegen um einen „Insiderwitz“, bei dem der wilde Amerikaner seine eitlen und gebildeten, englischen Mitstreitern immer feste eins drauf gibt. Ansonsten wirken Gilliams Sticheleien manchmal etwas befremdlich.

Auch wer sich mehr Hintergrundinformationen über Gilliams Filme wünscht, wird enttäuscht. Gilliam überfliegt seine 13 Spielfilme in der zweiten Hälfte des Buches mehr, als dass er näher auf sie eingeht. Lediglich „Jabbawocky“, seine erste Solo-Regiearbeit, und „Brazil“ bekommen etwas mehr Aufmerksamkeit. Allerdings erfährt man auch hier weniger, als man beispielsweise in den entsprechenden Wikipedia-Einträgen nachlesen könnte. Manche Filme, wie der ungewöhnliche und stark unterschätzte „Tideland“, werden mit ein-zwei Sätzen abgespeist. Bei „12 Monkeys“ und den abgebrochenen „Don Quichote“-Film verweist Gilliam auf die Dokumentarfilme des Duos Keith Fulton and Louis Pepe, welche in Spielfilmlänge von den Dreharbeiten berichten. Selbst dramatischer Momente, wie der Tod seines Hauptdarstellers Heath Ledger während des Drehs von „Das Imaginarium des Doctor Parnassus“, werden eher beiläufig erwähnt. Viel mehr konzentriert sich Gilliam auf seine Auseinandersetzungen mit diversen Produzenten, aber auch hier geht er nicht allzu sehr ins Detail. So hat man als Leser zwar das Gefühl, über die wichtigsten Stationen in Gilliams Leben informiert zu sein, aber es fehlt am Ende dann doch das Fleisch auf den Rippen. Man möchte mehr über die Filme und über die Arbeit mit den Pythons hören und ist enttäuscht, wenn nach wenigen Sätzen zum nächsten Thema gesprungen wird. Dabei macht das Buch allerdings keinen gehetzten Eindruck, es ist eher so, als wenn man dem gemütlichen Redefluss eines älteren Herrn zuhört, und dabei zu höflich ist, um ihn zu unterbrechen, obwohl man hier und dort gerne nochmal nachhaken würde. Möchte man mehr über Gilliams Filme und seine Filmarbeit erfahren, ist man besser beraten, sich ein Interview mit ihm zu suchen.

In „Gilliamesque“ erfährt man vor allem viel Neues über Gilliams frühen Jahre und seine Anfänge als Zeichner und Animator, über die Cartoon-Szene in den späten 50er und den 60er Jahren, als anarchistische Satirehefte wie „Help!“ oder „MAD“ noch Gewicht hatten. Auch die Atmosphäre im Amerika der 40er und frühen 50er fängt Gilliam gut ein, und man darf darüber staunen, dass der junge Terry damals nicht nur bei den Pfadfindern, sondern auch ein erfolgreicher Cheerleader war. Und natürlich sind da die vielen Illustrationen, die Terry Gilliam für dieses Buch-Projekt vom Dachboden geholt hat. Für seine Fans ein Muss. Aber gerade für diese dürfte die zweite Hälfte des Buches eine kleine Enttäuschung sein. Ist doch das Wenige, welches Gilliam von seinen Filmen berichtet, bekannt und fügt dem Allgemeinwissen des Fans keine neue Facetten hinzu.

Terry Gilliam „Gilliameseque: Meine Prä-posthumen Memoiren“, Heyne Hardcore, 308 Seiten, € 26,99

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23. Internationales Filmfest Oldenburg: Die ersten Filme und Retrospektive

In vier Wochen startet das 23. Internationale Filmfest Oldenburg, und nach und nach trudeln auch die Infos zum Programm ein. Nach den wunderbaren Retrospektiven 2014 und 2015, die mir die Herren Philippe Mora und George Armitage ans Herz wachsen ließen (deren Schaffen ich mittlerweile per Heimkino-Veröffentlichungen für eine ganz private Retrospektive zusammen sammle), war ich ganz besonders auf die diesjährige Retrospektive gespannt.

Der in diesem Jahr geehrte Filmschaffende Christophe Honoré ist mir bisher – zumindest bewusst – nicht weiter bekannt. Doch nach den Volltreffern, die Festivalleiter Torsten Neumann und sein Team in den vergangenen Jahren an die Ems lockten, bin ich voller Zuversicht, dass auch Herr Honoré eine Entdeckung wert ist. Laut Pressemitteilung hat Christophe Honoré fünf Jahre für die Cahiers du Cinema geschrieben, bevor er mit „17 fois Cecilé Cassard“ 2002 sein Regiedebüt gab. Inzwischen hat er mit allen Großen des französischen Kinos gearbeitet, Catherine Deneuve und Isabelle Huppert standen vor seiner Kamera, bevor er etwa in seiner Ovid Adaption „Métamorphoses“ (2014) wieder auf ein Cast aus komplett Unbekannten zurückgriff. Diese, ebenso wie sein jüngster Film „Les malheurs de Sophie“ (2016), werden in Oldenburg als internationale Premiere zu sehen sein.

Auch die weiteren, bereits angekündigten Filme klingen ausgesprochen spannend. Ich habe hier einmal eine Top 10 der Filme erstellt, die mich am Meisten interessieren. Die Texte habe ich aus den Pressemitteilungen übernommen. Die Superlativen und vollmundigen Vergleiche stammen also nicht von mir, und für die Richtigkeit der Inhaltsangaben übernehme ich – nach leidvollen Festivalserfahrungen – auch keine Garantie.

 

polednice1. The Noonday Witch / Polednice, CZE 2016, von Jiri Sadek

2014 gewannen sie für „Hany“ den German Independence Award in Oldenburg – jetzt tun sich Matej Chlupacek und Michal Samir mit Regiedebütanten Jiri Sadek zusammen, um eine alte slavische Sage neu zu interpretieren und präsentieren ein gespenstisches Drama mit Gänsehautgarantie. Um ihre Tochter vor der Wahrheit über ihren Vater zu schützen, zieht Eliska in ein kleines Dorf, in dem die heiße Mittagssonne über den goldenen Kornfeldern brennt. Die tschechische Star-Schauspielerin Ana Geislerova übernimmt die Hauptrolle in dieser phantastischen Fabel um verborgene Ängste und den Umgang mit Trauer und Leid. INTERNTIONALE PREMIERE

 

weareflesh2. We Are The Flesh / Tenemos la Carne, MEX 2016, von Emiliano Rocha Minter

Ohne Zweifel ist dieser mexikanische Film eines der aufregendsten Regiedebüts der letzten Jahre. Die mexikanischen Star-Regisseure Alejandro Iñárritu und Alphonso Cuarón sind begeisterte Unterstützer der Arbeit von Emiliano Rocha Minter, dessen polarisierende Story um einen alten Mann, der von der Idee besessen ist, seine Wohnung in eine mutterleibartige Höhle zu verwandeln, ein apokalyptisches Bild von Mexico entwirft. Als die Geschwister Lucio und Fauna den bizarren Unterschlupf entdecken und den Mann bitten, sie aufzunehmen, dringt der Film ein in eine bizarre Welt voller seltsamer Rituale, verstörenden sexuellen Beziehungen und einer Dynamik, aus der dunkle und destruktive Instinkte hervorgehen. – LÄUFT DIESES JAHR AUCH NOCH BEI WEIRD XPERIENCE!

handmaiden3. The Handmaiden / Ah-ga-ssi, KOR 2016, von Chan-wook Park

Der Regisseur Chan-wook Park ist ein Virtuose verwobener Geschichten und radikaler Thriller, wie “Old Boy“ und “Sympathy for Lady Vengeance”. In der Adaption des Romans “Fingersmith” von der walisischen Autorin Sarah Waters entführt er uns erneut in sein verstörendes Universum der Unbarmherzigkeit. In drei Teilen und von verschiedenen Standpunkten aus erzählt der Film die Geschichte von dem Taschendieb Sook-Hee im Korea der 30er Jahre, der mit dem Plan angeheuert wird, das Vertrauen einer reichen und einsamen Erbin zu gewinnen, um ihr Geld zu rauben.

 

In A Valley Of Violence4. In A Valley of Violence, USA 2016, von Ti West

Der als Genreregisseur längst als einer der jungen Wilden verehrte Ti West gibt mit diesem Western sein Debüt außerhalb des Horrorgenres und wartet gleich mit einer Besetzung der Sonderklasse auf. Ethan Hawke und John Travolta sind die Gegenspieler in dieser klassischen Story um einen Fremden, der in eine Stadt kommt, die unter dem harten Regiment des Sheriffs zu einem gefürchteten Kaff geworden ist, in dem so einige dunkle Geheimnisse schlummern. Ohne die großen technischen Mätzchen der Studioproduktionen erzählt West seinen Western mit viel Freude an den verschrobenen Hauptfiguren, sicherer Hand für Action und einem guten Schuss Coolness. Cheers! INTERNATIONALE PREMIERE

 

allergiccats5. She’s allergic to cats, USA 2016, von Michael Reich

Micheal, ein einsamer Hundefrisör, der in einer rattenverseuchten Wohnung in Hollywood lebt und sich nach einem größeren, bedeutenden Leben als Künstler sehnt, trifft bei der Arbeit seine Traumfrau Cora, verkörpert von Sonja Kinski. Ihr erstes Rendezvous steht an und Micheal kriegt die neue Romanze nicht aus dem Kopf. Doch mit dem ersten Date kommen nicht nur große Hoffnungen, sondern auch seine schlimmsten Albträume zum Vorschein. Der düstere Pfad, den die beiden miteinander einschlagen, führt geradewegs ins Chaos. Das surreale Regiedebüt von Michael Reich, selbst Ex-Hundefriseur und Insider der LA Underground Punk Szene, ist so ungewöhnlich wie faszinierend. INTERNATIONALE PREMIERE

white rage6. White Rage / Valkoinen raivo, FIN 2015, von Arto Halonen

Arto Halonen ist einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Dokumentarfilmer Europas. In seinem neuen Film begleitet er Lauri, ein traumatisiertes Opfer von Mobbing in der Schule, der, nachdem eine ebenso zufällige wie glückliche Fügung ihn vor einem geplanten Schulmassaker bewahrte, eine Laufbahn als Soziologe einschlug. Nun analysiert sich Lauri selbst und teilt mit dem Zuschauern gleichermaßen bedrückende und erhellende Erkenntnisse über ein zunehmend bedrohliches gesellschaftlichen Phänomens, das unterdrückte Seelen dazu bringt, unaussprechliche Akte der Gewalt zu begehen. DEUTSCHLANDPREMIERE

 

chosen7. Chosen, UK 2016, von Jasmin Dizdar

Basierend auf wahren Begebenheiten, verfilmt Regisseur Jasmin Dizdar in seinem 2. Weltkriegs-Drama die abenteuerliche Reise von Sonson, einem ungarischen Juden, der versucht das Versprechen, dass er seine Frau auf dem Sterbebett gab, einzuhalten. Im Winter 1943 wagt sich Sanson auf eine Mission ins Warschauer Ghetto um dort seine Schwägerin vor der Deportation nach Ausschwitz zu retten. Dizdars sensible Rahmengeschichte wird mit einer komplexen und bewegenden Performance von Harvey Keitel unterstützt. EUROPAPREMIERE

 

somebeasts8. Some Beasts, USA 2015, von Cameron Bruce Nelson

Drehbuchautor und Regisseur Cameron Nelson ließ sich von seinen eigenen Erfahrungen in der Einsamkeit der Appalachen zu seinem cineastischen Juwel inspirieren. Sal bewirtschaftet ein riesiges Stück Land in der abgeschiedenen Welt der Appalachen. Ein plötzlicher Todesfall und die Entdeckung eines verwilderten Kindes reißen ihn jäh aus seiner Routine. Nelson’s Erstling wagt etwas sehr seltenes im amerikanischen Independent Kino. Er erzählt seine Geschichte um einen Aussteiger in einer atemberaubenden Langsamkeit, entwirft dabei Momente von Mensch und Natur, die in ihrer Größe und visuellen Kraft an Mallick oder gar an Tarkovsky erinnern und findet in Frank Mosely und Lindsay Burdge zwei fantastische Hauptdarsteller, die sich ganz intuitiv in diese Welt begeben. INTERNATIONALE PREMIERE

westfjord9. Der Tote im Westfjord, GER 2016, von Till Endemann

Franke Potentes Rückkehr nach Deutschland ist eigentlich ein Stoppover in der rauhen Natur Islands. In der Regie von Till Endemann spielt sie die ebenso coole wie verletzliche Krimiautorin Solveig Karlsdottir, die auf einem Besuch in ihrer alten Heimat nicht nur mit ihre eigenen, längst überwunden geglaubten Vergangenheit konfrontiert wird, sondern in ein Verbrechen stolpert, das scheinbar keinen der Einwohner interessiert. In einer wilden und kraftvollen Naturkulisse sieht sie sich Menschen gegenüber, die ihre eigenen Gefühle so sehr unterdrücken, dass es nur zwangsläufig scheint, dass sie wie die Geysire Islands irgendwann in unkontrollierter Energie ausbrechen. WELTPREMIERE

abteil10. Das letzte Abteil, Deutschland 2016, von Andreas Schaap

Das Mystery – Drama DAS LETZTE ABTEIL ist weit mehr als die Geschichte einer Gruppe Menschen, die bei einem Lawinenunglück samt Zugabteil verschüttet werden. Ein Kammerspiel, das sich gekonnt klassischer Thriller und Horrormotive annimmt und den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten lockt. Andy Schaaps dritter Spielfilm ist sein persönlichster Film, seine Wendungen legen eine Story frei, die sich ganz einem Thema widmet, dass mit Genrekino im Grunde nichts am Hut hat. Ein Drama um Menschlichkeit, ein traumwandlerischer Film über Menschen am Scheideweg zwischen Leben und Tod. WELTPREMIERE

Mal schauen, wie viele dieser Filme ich auch wirklich anschauen kann und welche Überraschungen sich aufgrund des Programmplans noch ergeben. Schön, dass dieses Jahr auch die Exzerzierhalle wieder unter den Spielstätten ist. Die seelenlose und viel zu weit abseits gelegene Alte Fleiwa werde ich auch dieses Jahr wieder so gut es geht meiden. Meine Lieblingsspielstätten bleiben eh das schöne Casablanca und das gemütliche cine K.

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Das Bloggen der Anderen (15-08-16)

bartonfink_type2Der Umzug hat jetzt doch mehr Zeit und Nerven gekostet als erwartet, darum war es hier auch länger still als geplant. Viel in Sachen Film habe ich in der Zeit auch nicht unternommen. Die geschauten Filme lassen sich gerade Mal an einer Hand abzählen und bis auf die Einführung bei der letzten Weird Xperience-Vorstellung war ich auch nicht unterwegs. Dafür habe ich in der Zeit aber mal eine Liste durchgearbeitet, auf der sich – so zumindest der Anspruch- alle deutschsprachigen Filmblogs finden sollten. Das Ergebnis war etwas ernüchternd. Gerade mal drei interessante Blogs habe ich gefunden, die ich nun unter Beobachtung genommen habe. Der Rest war mir entweder bekannt, verwaist oder es waren die üblichen Trailer/Gewinnspiel/“Hot News“-Seiten ohne große Substanz. Und auf kommentarlose Auflistungen gesehener Filme mit Punkte-Bewertungen kann ich auch verzichten. Schade.

– Lorcano! Alle größeren Blogs haben ihre Leute in die Schweiz geschickt, um beim großen „A-Festival“ dabei zu sein. Wer gleich mal wissen möchte, wer die wichtigsten Preise gewonnen hat, der schaut bei Michael Sennhausers Filmblog rein. Michael Sennhauser bespricht auch viele der Filme, u.a. den *Spoiler* Gewinner „Godless“ der Bulgarin Ralitza Petrova, „Bangkok Nites“ des Japaners Katsuya Tomita und – aus Bremer Sicht interessant – das Paula Becker-Modersohn-Biopic „Paula“ von Christian Schwochow, der ihm sehr gut gefallen hat. Ganz im Gegensatz zu Sonja Hartl, die „Paula“ auf B-Roll vor allem als ärgerlich und als vertane Chance wahrgenommen hat.  Beatrice Behn bespricht den koreanischen „The Tunnel“ von Kim Seong-hun, der sich sehr interessant anhört. Gemeinsam schreiben Beatrice Behn und Sonja Hartl über die Retrospektive in Lorcano, die sich unter dem Titel „Geliebt und verdrängt“ mit dem Kino der jungen Bundesrepublik Deutschland 1949-1963 beschäftigt. Hier Teil 2, 3 und der finale Teil 4. Hier besonders spannend: Die Video-Interviews mit Olaf Möller, dem Kurator der Locarno-Retrospektive.  Auch Frédéric Jaeger von critic.de ist in Lorcano. Seine berichtet findet man u.a. hier und hier (mit ebenfalls einem „Paula“-Verriss). Und Hannes Brühwiler fasst das Festival hier noch einmal zusammen.

– Sascha Schmidt interviewt auf Okaeri den Briten Adam Torel, Kopf hinter dem englischen DVD-Label „Third Window Films“, die vor allem japanische Filme veröffentlichen, und in letzter Zeit häufiger auch Produzent japanischer Filme, wie z.B. dem Nippon-Connection-Liebling „Lowlife Love“.

– Peter Hartig schreibt auf out takes über die Dreharbeiten zu Florian Henckel von Donnersmarcks neuem Film „Werk ohne Autor“ und die dabei entstandenen Konflikte zwischen Anspruch des Regisseurs und den gewerkschaftlichen Rechten der Crew. Ein interessanter Blick hinter die Kulissen.

– Warum Teaser die besseren Trailer sind und man letztere meiden sollte, erklärt Alex Matzkeit auf real virtuality.

– Irgendwie scheint mit Jim Jarmusch – der einstige Liebling des US-Independent-Kinos und nach „Broken Flowers“ umjubelter Arthaus-Regisseur – in den letzten Jahren, in denen er es auf gerade einmal zwei Filme in 12 Jahren gebracht hat, vergessen worden zu sein. Timo Kießling hat ihm nun auf cereality ein umfassendes Portrait gewidmet. Christian Witte hat eine recht positive Kritik zur „Extended Version“ des nach dem Kinostart in der Regel recht harsch verrissenen „Superman Vs. Batman“ verfasst.

– Diese Version hat auch Oliver Nöding gesehen und stellt den Film auf Remember It For Later u.a. auch seinen Marvel-Kollegen gegenüber. Einen Vergleich, den „Batman Vs. Sueprman“ bei Oliver um Längen für sich entscheiden kann. Dann  schließt Oliver seine „Police Academy“-Retro mit Teil 7 ab, der für ihn einer der schlechtesten Filme ist, die er je gesehen hat, und hat viele lobende Worte für Roger Fitz‘ „Mädchen mit Gewalt“, der vor Kurzem durch die guten Leute von Subkultur wiederentdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

– Sebastian Schwittay schreibt auf odd & excluded über Ulli Lommels „Wachtmeister Rahn“, den dieser unmittelbar nach „Zärtlichkeit der Wölfe“ für einen Bruchteil des Budgets und vorwiegend mit Laien-Darsteller drehte. Ein Film, den es ebenfalls bald wiederzuentdecken gilt.

– Sven Safarow rehabilitiert auf Eskalierende Träume Giorgio Moroders 84er-Version von „Metropolis“.

– Auf Hard Sensations nimmt sich  Jamal Tuschick zweier aktueller Filme ein. Sein Text zu  Ben Wheatleys „High-Rise“ macht Lust auf den Film, der zu Paul Greengrass‘ „Jason Bourne“ schreckt ab.

– Ein Film, den ich unbedingt irgendwann mal sehen muss: „Perfect Blue“, der Thriller-Animee mit Lynch- und Argento-Einflüssen vom 2010 verstorbenen Satoshi Kon. Hier eine Review von Bluntwolf auf Nischenkino.

– Michael Brandtner setzt sich auf Freude am Film mit dem Anti-Kriegsfilm-Klassiker „Im Westen nichts Neues“ auseinander und findet durchaus nicht nur lobende Worte.

– Kommt nicht ganz so oft vor: Schlombie findet auf Schlombies Filmbesprechungen in seiner „Machine Girl“-Kritik, genau die Worte, die ich auch über den japanischen Billig-Splatter-Irrsinn im Allgemeinen finden würde. Und bei Alfred Vohrers „Der Hexer“ sind wir auch ganz nah beieinander. Den fand ich beim ersten Sehen auch enttäuschend und habe erst später seine Qualitäten für mich entdeckt.

– Im Gegensatz zu allem, was ich bisher über den Film gelesen habe, ist funxtons Urteil über Tom Six‘ „Human Centipede III“ recht positiv ausgefallen. Ich bin überrascht. Des Weiteren schreibt er voller Liebe über zwei Italo-Filmen aus den goldenen 70ern. Dem erst kürzlich erstmal in Deutschland erschienenen „Das Parfüm der Dame in Schwarz“ und den brillanten Gangster-Drama „Revolver“.

– Erst vor einigen Wochen lief „7 Göttinnen“ auch in Bremen, begleitet von den Hauptdarstellerinnen. Auf Daumenkino schreiben drei Kritikerinnen über ihre Sicht auf den Film.

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