Das Bloggen der Anderen (07-08-17)

Der Kinogänger gedenkt den Verstorben der letzten Woche: Sam Shepard und Jeanne Moreau. Im Andenken an die große Schauspielerin erinnert Sebastian vom Magazin des Glücks noch einmal an zwei ihrer Filme: „Mademoiselle“ und den unbekannteren „The Sailor from Gibraltar“.

– Weiterhin findet das Fimfest in Locarno statt, worüber sowohl bei Sennhausers Filmblog, als auch B-Roll berichtet wird. Thomas Sennhauser bespricht u.a. den sehr interessant klingenden „Madame Hyde“ mit Isabelle Huppert, „Good Manners“ von Juliana Rojas und Marco Dutra und „Gemini“ von Aaron Katz. Für B-Roll ist Patrick Holzapfel auf dem Festival, hat u.a. „Freiheit“ von Jan Speckenbach, der ihm nicht besonders gefiel, und führt ein Festivaltagebuch.

– Mein Lieblingsartikel in dieser Woche kommt einmal mehr von Whoknows presents, wo Manfred Polak vordergründig über den Ersten Internationale Kongress des Unabhängigen Films, der 1929 in der Schweiz stattfand und unter dessen Teilnehmern Sergej Eisenstein und Hans Richter waren. Tatsächlich aber eröffnet uns Manfred die weite Welt des Avantgarde-Films der 20er Jahre. Großartiger Lesestoff!

– Viktor Sommerfeld ist eine der neuen Stimmen auf Jugend ohne Film. Er beschäftigt sich mit „Le Pornographe“ von Bertrand Bonello.

– Sehr ausführlich setzt sich Filmlichtung mit Sergio Leones „Für eine Handvoll Dollar“ auseinander.

– Noch mehr Italien gibt es bei funxton. Er schreibt über den sehr merkwürdigen „Giallo“: „Die Falle“, der international den schönen Titel „Death Laid an Egg“ (die Übersetzung des italienischen Originaltitels) trägt.

– Volker Schönenberger schreibt auf Die Nacht der lebenden Texte im Zusammenhang mit der Blu-ray-veröffentlichung von Francos „Nacht der offenen Särge“: „Nicht-Fans von Franco könne man den Film wohl nur als trashiges Kuriosum empfehlen. Für Fans jedoch sei er eine kleine Offenbarung. Mir hat sich die Verehrung nie erschlossen, die Fans des spanischen Vielfilmers motiviert, Franco und sein Schaffen erbittert zu verteidigen. Aber immerhin war der Gute sympathisch und mit Leidenschaft bei der Sache.“ Letzteres stimmt natürlich. Und Franco ist immer eine Entdeckung wert und darf zu Recht mit Leidenschaft – nicht verteidigt, sondern angepriesen werden.

– Christian hat auf Schlombies Filmbesprechungen jetzt auch den vierten und fünften „Nightmare on Elm Street“ besprochen.

Kitsch-kult-klassik stellt Philippe Moras wichtige Dokumentation „Swastika“ vor. Und muss sich erst einmal von einem Trip zu den „Mystics of Bali“ erholen.

– Ebenfalls in Asien ist auch Oliver Nöding von Remember It For Later unterwegs, wobei ihm Ho Meng-Huas legendärer „Black Magic 2“ nicht wirklich überzeugt hat.

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Das Bloggen der Anderen (31-07-17)

– Heute machte die traurige Nachricht die Runde, dass die große Jeanne Moreau im stattlichen Alter von 89 Jahren verstorben ist. Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film hat gleich reagiert und der wunderbaren Actrisse einen Liebesbrief geschrieben. Neu im Jugend-ohne-Film-Team: Simon Wiener. Er schreibt darüber, was das sein könnte – „Film verstehen“.

– Einen sehr treffenden Text über das Verschwinden des Vorfilms und welche Chancen er dem „Ereignis“ Kino bieten kann hat Lucas Barwenczik auf B-Roll geschrieben. Und Alexander Matzkeit fragt sich, ob es im Zeitalter der Performance Capture nicht bald an der Zeit sein sollte, dass Darsteller wie Andy Serkis für einen Oscar als bester Schauspieler nominiert werden.

– Sebastian vom Magazin des Glücks folgt der Farbe Rot durch fünf Filme von Nicolas Roeg.

– Oliver Nöding stürzt sich auf Remember It For Later in die wilde Welt Hongkong-Horrors und von „The Boxer’s Omen“ förmlich weggeblasen. Aber auch „Das Omen des Bösen“ hat es ihn angetan. Allein „Centipede Horror“ konnte ihn nicht so wirklich überzeugen.

– Harald Mühlbeyer von Screenshot war mal wieder bei einem Grindhouse-Triple-Feature, wo er den Überfilm „Blutiger Freitag“, den Giallo „Neun Gäste für den Tod“ von Ferdinando Baldi und den unterirdischen „Samurai Cop“ von einem Mann namens Amir Shervan sah.

– Sebastian von Nischenkino bespricht „Two-Lane Blacktop“, den er zwar mochte, mit dem er aber auch nicht so richtig warm wurde. Bluntwolf wiederum nimmt sich Mario Bavas „Der Dämon und die Jungfrau“ vor, der meiner Meinung nach einer der besten Filme des Maestros ist. Diese Euphorie teilt Bluntwolf zwar nicht – für einen sehr guten Film hält er dieses kleine Meisterwerk aber trotzdem.

– Noch ein kleines, großes Meisterwerk: „The Wicker Man“, den Volker Schönenberger auf Die Nacht der lebenden Texte würdigt.

– Christian von Schlombies Filmbesprechungen macht mit seiner „Nightmare“-Retro weiter. Der dritte Teil sagt ihm dabei überraschenderweise weniger zu als der oftmals gescholtene zweite Teil.

„Shock Waves“ – eigentlich ein langweiliger Krauchfilm, aber auch irgendwo ganz liebenswürdig. So ähnlich meint es auch funxton.

Filmlichter hat sich intensiv mit Lubitsch Meisterwerk „Sein oder nicht sein“ auseinandergesetzt.

– Oliver Armknecht schreibt auf film-rezensionen.de: „Der koreanische Animationsfilm (The Fake) ist inhaltlich wie optisch hässlich, nimmt einem den letzten Glauben an das Gute im Menschen und lässt einen als Zuschauer entsetzt und verzweifelt zurück“. Das klingt doch sehr vielversprechend.

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Blu-ray-Rezension: „Die Weibchen“

Nach einer unglücklichen Affäre mit ihrem Chef ist die junge Eve (Uschi Glas) einem Nervenzusammenbruch nahe und reist zu einer sechswöchigen Kur nach Bad Marein. Dort begibt sie sich in das Sanatorium von Dr. Barbara (Gisela Fischer). Seltsamerweise scheint es in Bad Marein außer dem unheimlichen Gärtner des Sanatoriums und einem halb verrückten Kommissar nur Frauen zu geben. Eines Tages hat eine dreiköpfige Männergruppe im Ort eine Reifenpanne. Die drei Männer nutzen die Gunst der Stunde, um mit den Damen im Sanatorium zu flirten. Doch bereits in der ersten Nacht entdeckt Eve einen der Männer mit einem Messer im Rücken in einem Schrank liegend und bricht zusammen. Am nächsten Tag ist von der Leiche nichts mehr zu entdecken. Auch der schmierigen Tommy (Giorgio Ardisson) und sein Kumpel Leo (Klaus Dahlen) machen sich keine Sorgen um ihren Freund. Der wäre wohl nach Hause zu Frau und Kindern. Eve macht sich – unterstützt von dem ebenfalls in Bad Marein gestrandeten, gutaussehenden Johnny (Alain Noury) daran, das Geheimnis des Sanatoriums und des Städtchens aufzudecken…

Zbyněk Brynych als „Geheimtipp“ oder „Vergessenen“ zu bezeichnen, ist in den jetzigen Zeiten nicht mehr ganz richtig. Dank der unermüdlichen Arbeit von Cinephilen wie Rainer Knepperges oder dem Regisseur Dominik Graf, ist Zbyněk Brynych mittlerweile (endlich!) ins kollektive Filmgedächtnis der Kino-Republik vorgedrungen. Dort nimmt er nun den Platz ein, der ihm gebührt. Den eines Meisters seiner Zunft. Eines Mannes, der in den frühen 70ern in Deutschland Kino wie kein anderer machte, der TV-Krimiserien wie „Der Kommissar“, „Derrick“ oder „Der Alte“ auf heute unfassbare Höhen trieb. Der sich über den Umweg der Krimiserie austoben konnte und zeigte, dass auch „Routineprodukte“ Raum für große Kunst bieten – wenn man es nur will und die Freiheit genießt, seine Vision umzusetzen. Etwas, das vor 30-40 Jahren noch möglich war und heute fast unglaublich erscheint. Gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, widmet das Zeughauskino und das Tschechische Zentrum in Berlin Zbyněk Brynych eine umfangreiche Retrospektive. Ich selbst kam 1999 erstmals mit dem Tschechen in Kontakt, als ich in der leider viel, viel zu kurzlebigen Fanzine „Absurd 3000“ über seinen großartigen Film „Engel, die ihre Flügel verbrennen“ lesen konnte. Leider ist dieser Film, den ich persönlich sogar noch knapp dem hier zu besprechenden „Die Weibchen“ überlegen finde, bisher nur auf VHS erschienen. Eine digitale Heimkinoumsetzung (am Besten auf Bluray) steht hier ebenso aus, wie bei dem ersten Film seiner deutschen Kino-Trilogie :“O Happy Day“.

Es treibt einem die Tränen in die Augen, wenn man daran denkt, wie stiefmütterlich dieser großartige Filmzauberer hierzulande noch immer behandelt wird. Von seinen tschechischen Filmen haben es gerade mal zwei auf preisgünstige DVD-Veröffentlichungen geschafft. Dann gibt es nur noch seinen TV-Dreiteiler „Die Nacht von Lissabon“ und seine TV-Krimi-Episoden (neben den oben erwähnten noch gut die Hälfte aller „Polizeiinspektion 1“-Folgen). Umso mehr Anlass zur Freude und großem Applaus liefert die hier vorgestellte, liebevolle Veröffentlichung von „Die Weibchen“ durch das wundervolle Label „Bildstörung“. Dieses hat den Film in perfekter Qualität und mit vielen aufschlussreichen Extras, sowie einer bisher unbekannten Langfassung, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, die weder die VHS besitzen, noch die Möglichkeit hatten, den Film irgendwo auf in einer 35mm-Vorführung zu sehen. Und im TV findet deutscher Film aus den vergangenen Jahrzehnten ja eh so gut wie nicht mehr statt.

In „Die Weibchen“ feuert Zbyněk Brynych mithilfe seines kongenialen Kameramannes Charly Steinberger (der u.a. auch den ganz wundervollen „Deep End“ von Jerzy Skolimowksi fotografierte) aus vollen Rohren. Schon die grandiose Fischaugenfahrt ganz am Anfang des Filmes zeigt, wohin die Reise führt. In ein merkwürdiges, surreales Land des Wahnsinns. Immer wieder schauen Personen direkt in die Kamera und irritieren dadurch den Zuschauer. Seien es von der Kamera scheinbar zufällig eingefangene Passantinnen, die durch das Städtchen Bad Marein flanieren oder harmlos auf Bänken sitzende Gruppen von Frauen jeden Alters, die wie Geheimpolizisten wirken. Immer wieder verleiht ein ungewöhnlicher, fremder Winkel der Kamera ganz normalen Gesten, wie dem Reichen der Hand, eine unheimlich-bedrohliche Qualität. Brynych entreißt Steinbergers Kamera jeglichen Fesseln. Da gibt es lange Plansequenzen mit der Handkamera, es wird wie irre im Kreis gewirbelt und durch kleine Tricks die Grenze von Realität und Traum verschoben. Nie kann man sich sich bei Brynych sicher sein, ob der Boden auf dem sich seine Figuren bewegen, nicht schwankt und gleich das ganze Szenario mit einem Haps verschluckt. Dazu knallt Peter Thomas unglaublich fetzige Musik aus den Lautsprechern und vernebelt einem noch zusätzlich die Sinne. Wobei es nicht fair wäre, Thomas‘ Beitrag ganz auf die direkt vom Ohr über das Hirn in die Beine schießende Mucke zu reduzieren. Denn wer genau hinhört, der bemerkt auch die leisen-bedrohlichen Zwischentöne.

Zbyněk Brynych füllt seinen Film mit unzähligen, wunderbar absurden Details. Sei es das markante, schreiend gelbe Buch „S.C.U.M – Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“ von Valerie Solanas (nebenbei die Frau, die 1968 auf Andy Warhol schoss), welches überall auftaucht. Oder die Gottesbeterinnen-Analogie. Die hohlen Männergestalten, die vor lauter Potenz-Geprotze es gar nicht merkwürdig finden, dass ihre Kumpels plötzlich ohne jede Nachricht verschwinden. Der verrückte Kommissar, dessen offensichtlich nicht wirklich gesunder Geisteszustand niemanden wundert und den Brynych mit einem schmucken Pastorenkragen ausstaffiert hat. Nein, hier sind wir nicht mehr in dieser Welt, sondern in einer bizarren Parodie des muffigen Deutschlands, eine hysterischen Welt des Überfeminismus und der holzköpfigen Männer. Bei Brynych sind es keine Menschen, die durch diesen fremdartigen Ort stolpern, sondern hohle Figuren, die ganz ihrer Funktion untergeordnet sind. Und deren Unfähigkeit (Eve) oder Unwille (Johnny) aus dieser reinen Funktion auszubrechen, letztendlich dazu führt, dass sie von der Geschichte verschlungen werden. Psychisch (wie Eve), oder physisch (wie die Männer). Man kann darüber streiten, ob „Die Weibchen“ nun ein radikal feministischer Film ist, in dem alle Männer als Trottel dargestellt und deren Vernichtung auf Gottesanbeterinnen Art als einziger Weg dargestellt wird, die perfekte Gesellschaft zu erschaffen. In dem die Frauen weitaus intelligenter und raffinierter sind als die triebgesteuerten, arroganten, sich ständig selbst überschätzenden Kerle. Typen, die das andere Geschlecht weder für voll nehmen, noch ihm einen eigenen Willen zugestehen, Oder ist er „Die Weibchen“ das genaue Gegenteil? Ein Film, der durch seinen auf die Spitze getriebenen Feminismus eben jenen einen albernen (oder schlimmer noch bedrohlichen) Anstrich gibt? Der andeutet, dass zu viel Freiheit die Frauen in blutrünstige Bestien verwandelt? Brynychs Film lässt durchaus beide Deutungen zu.

Mit „Die Weibchen“ setzt Bildstörung seine Reihe hervorragender Veröffentlichungen nahtlos fort. Das Bild ist mal wieder makellos und besitzt eine angenehme Kinoanmutung. Ist klar, scharf – aber nicht zu Tode gefiltert. So sollen Veröffentlichungen von über 40 Jahre alten Filmen aussehen. Dass das Bild so gut geworden ist, kann man durchaus als kleines (oder gerne auch größeres) Wunder bezeichnen. Da kein Negativ mehr vorlag, mussten 35mm-Vorführkopien abgetastet werden. Diese hatten aber über die Jahre ziemlich gelitten, wie ein Vorher-Nachher-Ausschnitt im bonusbereich zeigt. Laufstreifen, Filmrisse, Kratzer und Farbstiche mussten mühevoll entfernt werden. Das Resultat kann sich mehr als sehen lassen und dürfte – solange kein verschollenes Negativ mehr auftaucht – die bestemögliche Fassung bleiben. Auch am Ton gibt es nichts zu mäkeln. Dieser liegt nur im Original (also Deutsch) ohne Untertitel vor. Auch die Extras wissen zu überzeugen. Hier gibt es Interviews mit Charly Steinberger (13 Minuten), der sich allerdings nicht ganz wohl vor der Kamera zu fühlen scheint, sowie Hauptdarstellerin Uschi Glas (15 Minuten), die hier überraschend sympathisch rüber kommt und recht stolz auf den Film ist. Überhaupt redet sie gerne über ihre alten Filme – und hiermit ist nicht nur „Zur Sache, Schätzchen“ gemeint. Also besonders interessant entpuppt sich auch ein Feature, in dem Domik Graf, Olaf Möller und Rainer Knepperges 40 Minuten lang den „wundersam fröhlichen tschechischen Herrn“ Zbyněk Brynych vorstellen. Ein ganz besodnerer Bonus ist eine bisher unbekannte Langfassung des Filmes, die fast 15 Minuten länger läuft. Ferner gibt es ausser den obligatorischen Bildergalerien, dem Kinotrailer und dem italiensichen Vorspann noch einen Audiokommentar mit Gerd Naumann, Bodo Traber, Christopher Klaese und Matthias Künnecke, sowie ein 32-seitiges Booklet mit einem Text von Frank Noack und einem Interview mit Zbynek Brynych. Jetzt kann man nur noch darauf hoffen, dass sich Bildstörung auch irgendwann der beiden anderen Brynych-Film „O Happy Day“ und „Engel, die ihre Flügel verbrennen“ annimmt. Das wäre dann wie Weihnachten und Ostern an einem Tag.

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Das Bloggen der Anderen (24-07-17)

– Frédéric Jaeger macht sich auf out takes sehr interessante Gedanken darüber in welche Zukunft der deutsche Film blickt. Und mit dem Satz: „Wenn sich aber Zuschauer von hiesigen Filmen abwenden, dann doch nicht, weil sie zu wenig Klein-Hollywood sind. Sondern, weil sie ihre Eigenheiten zu selten pflegen. Weil sie verwechselbar, wenn nicht sogar austauschbar sind“ spricht er mir aus der tiefsten Seele. Das sollten sich auch mal die Freunde vom „neuen deutschen Genrefilm“ durch den Kopf gehen lassen.

– In der letzten Woche war leider wieder einmal zwei Todesfälle zu beklagen. Zum einen verstarb der große Schauspieler Martin Landau, zum anderen der von vielen hochverehrte Modernisierer des Horrorfilms: George A. Romero. Der Kinogänger hat sowohl für Landau, als auch Romero einen Nachruf verfasst. Einen weiteren Romero-Nachruf gibt es auf dem neuen Filmblog von Robert Zion. Über George A. Romero und seine Bedeutung hat auch Oliver Nöding auf critic.de einen schönen Text verfasst. 

– Auf seinem Blog Remember It For Later bespricht Oliver zwei Filme, die mir sehr am Herzen liegen, da sie mich mit ihrer sehr merkwürdigen, dichten und im wahrsten Sinne des Wortes „traumhafte“ Stimmung immer wieder faszinieren: Lucio Fulcis „Das Haus an der Friedhofsmauer“ und Mario Bavas „Lisa und der Teufel“. Zu meiner Schande muss ich übrigens gestehen, dass mir „Shining“-Referenzen bei „Haus“ bisher gar nicht so aufgefallen sind, obwohl sie so offensichtlich sind. Spannend.

– Weiter geht es mit Italien: Gerade ist hierzulande der Giallo „Haus der tödlichen Sünden“ erschienen, den Mauritia Mayer auf Schattenlichter sehr positiv bespricht.

– Und nochmal: Funxton ist von dem überraschend tolle Giallo „La Ragazza Dal Pigiama Giallo“, der hier unter dem irreführenden Titel „Blutiger Zahltag“ erschien, ebenso begeistert, wie ich es war.

– Rainer Kienböck hat auf Jugend ohne Film einen Vortrag online gestellt, den er anlässlich einer Vorführung hielt, die den Brüdern Auguste und Louis Lumière gewidmet war.

– Eine wahnsinnig interessante Geschichte, hat Manfred Polak auf Whoknows presents zu erzählen. Bei Planierarbeiten für ein neues Freizeitzentrum 1978 kamen in Dawson City, ganz im Nordwesten Kanadas, völlig unerwartet Filmdosen und Filmrollen ans Tageslicht. Die Bauarbeiten wurden vorübergehend unterbrochen, und eine erste Sichtung der Rollen ergab, dass es sich um Stummfilme handelte, die offenbar seit Jahrzehnten dort im Boden lagen, der die meiste Zeit des Jahres gefroren ist. Bill Morrison hat daraus einen Dokumentarfilm gemacht, den Manfred seinen Lesern sehr ans Herz legt. Der Film lief auch schon mal Mitten in der Nacht auf Arte, wo ich ihn leider verpasst habe.

Die drei Cineasten schreiben über die frühen Western “The Lawless Nineties“ und „King of the Pecos“, beide von 1936, beide von Regisseur und Citizen John Kane und mit John Wayne als heldenhaften Hauptdarsteller, die sie für die Entwicklung des Genres für wichtig erachten.

Filmlichter teilt meine Begeisterung für den Klassiker „Der dritte Mann“, daher hat er diesem Film einen längeren Text gewidmet.

Bong Joon-hos „OKJA“, der derzeit exklusiv auf Netflix läuft, ist in aller Munde (kein Wortspiel). Michael Schleeh von Schneeland hat ihn gesehen und recht angetan von dem Film, in dem die Liebe eines Mädchens zu seinem Hausschwein eine kleine Welt rettet.

– Christian schreibt auf Schlombies Filmbesprechungen über die ersten beiden „Nightmare on Elm Street“-Filme. Beide gefallen ihm ausgesprochen gut. Beim zweiten hat er auch eine etwas andere Deutung als bei der Mehrheit der Fall ist.

– Wo wir gerade bei Horror-Klassikern sind: Volker Schönenberger bespricht auf Die Nacht der lebenden Texte Sam Raimis „Tanz der Teufel 2“.

– Und zum Abschluss noch ein kleines Highlight: Marco Mewes hat auf Duoscope einmal die großen, epischen Kriegs- und Schlachtenfilme, in denen Hollywood zwischen 1951 und 1980 den Zweiten Weltkrieg unter enormen Kosten und ebenso enormer Publikumsbeteiligung filmisch aufgearbeitet hat, angesehen.

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Schauburg: „Sie nannten ihn Spencer“ mit Regisseur Karl-Martin Pold

Am nächsten Mittwoch, dem 26. Juli, feiert um 21:00 Uhr die Mischung aus Roadmovie und Dokumentarfilm „Sie nannten ihn Spencerin der Schauburg Vorpremiere. Mit dabei ist Regisseur Karl-Martin Pold.

„Sie nannten ihn Spencer“ handelt von zwei riesigen Bud-Spencer-Fans, die sich ihren Lebenstraum erfüllen wollen: Einmal ihr Idol persönlich kennenlernen. Dazu unternehmen die Beiden eine Reise quer durch Europa, bei der sie zahlreiche Weggefährten von Carlo Pedersoli, wie Spencer mit bürgerlichem Namen heißt, treffen, darunter dessen kongenialen Leinwandpartner Terrence Hill oder Hills deutschen Synchronsprecher Thomas Danneberg.

Der knapp über zweistündige Film erscheint fast genau ein Jahr nach dem Bud Spencers Tod, was sich erst einmal nach einem schnellen cash in anhört. Tatsächlich aber arbeitete Regisseur Karl-Martin Pold insgesamt acht Jahre intensiv an seinem Film, der letztendlich nur durch ein sehr erfolgreiches Crowdfunding und die Unterstützung zahlreicher Bud-Spencer-Fans realisiert werden konnte.

Ich möchte hier nicht verschweigen, dass ich über den Film bisher sehr gemischte Kritiken gelesen habe, die von absoluter Begeisterung bis zu sehr enttäuschten Verrissen reichen. Am nächsten Mittwoch kann sich aber ja jeder Interessierte in der Schauburg selbst ein Bild von dem Film machen und den anwesenden Regisseur mit Fragen bombardieren.

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Nachruf: George A. Romero (1940-2017)

Einem Feuersturm gleich rauschte am Sonntagabend die Nachricht durch meine sozialen Netzwerke, dass George A. Romero gestorben ist. Dass diese traurige Nachricht in Windeseile meine Timeline auf Facebook füllte, zeigte mir einerseits, dass ich dort mit den richtigen Leuten verbunden bin, und andererseits, wie viel George A. Romero so vielen Menschen bedeutet hat.

In den Feuilletons war gestern immer wieder die Rede vom „Vater des modernen Horrorfilms“. Das mag stimmen, engt aber die Wahrnehmung etwas zu stark ein. Ja, natürlich ist Romero in erster Linie für seine Zombiefilme bekannt. Für „Night of the Living Dead“, der in der Tat der Anfang einer neuen Geschichtsschreibung im Horrorfilm war. Für den vielgeliebten „Dawn of the Dead“, der erst recht seinen Kultstatus untermauerte – auch wenn viele Leute hierzulande nur die von Mit-Produzent Dario Argento angefertigte, sehr viel rasanteren Schnittfassung kennen – und nicht die längere, langsamere – aber auch böserer und mit hintersinnigem, schwarzen Humor angereicherte US-Schnittfassung (von dem später entstandenen Director’s Cut mal ganz zu schweigen). „Day of the Dead“ war schließlich lange Zeit der etwas unbeliebtere Nachzügler (ein Kompromiss-Produkt, da Romero seine ursprünglich sehr viel größere Vision finanziell nicht realisieren konnte), dessen Qualitäten erst mit den Jahren entdeckt wurden.

Dabei fallen seine Versuche aus dem Ghetto des „Zombie-Opas“ auszubrechen leider allzu häufig unter den Tisch. Wie sein vielleicht reifster Film „Martin“, der den Vampirmythos dekonstruiert und offen lässt, ob sein durch die heruntergekommene Stahlstadt Pittsburgh wandernder Protagonist nun wirklich ein Vampir ist oder nicht. „The Crazies“ und die Horror-Comic-Verfilmung „Creepshow“, die er mit seinem guten Freund Stephen King realisierte, sind noch sehr beliebt, aber wer kennt „Season of the Witch“ – den er trotz des eines okkulten Themas selber nicht als Horrorfilm bezeichnete – und seine romantische Komödie „There Is Always Vanilla“ (die er zugegebenermaßen selber nicht mochte)? Tatsächlich hat sich Romero vor allem mit seinen Zombiefilmen ein Denkmal gesetzt – und ein Gefängnis gebaut. Denn in den späteren Jahren und nach dem immensen Flop seines Filmes „Bruiser“ dauerte es ein halbes Jahrzehnt bis er wieder einen Film finanziert bekam. Und dies auch nur, da nach dem extrem erfolgreichen Remake seines eigenen „Dawn of the Dead“ durch Zack Snyder (an dem er nicht beteiligt war) Zombiefilme wieder schwer en vogue waren.

So konnte Romero noch einmal mit „Land of..“, „Diary of…“ und „Survival of the Dead“ eine Folgetrilogie realisieren, die nicht überall auf Applaus stieß. Gerade „Diary“, der zudem das preisgünstige, aber auch 2007 schon inflationären Found-Footage-Genre zugeordnet werden kann, musste viel Kritik einstecken. Auch „Survival“ wurde nicht von jedem positiv aufgenommen. Ein häufiger Vorwurf war, dass sich Romero wiederholen und seine sozialkritische Botschaft zu dick auftragen würde. Dabei war es gerade dieser doppelte Boden, der ihn von anderen Filmemachern, die sich im Horrorgenre versuchten, abhob.

In Romeros Filmen gab es immer diese zweite Ebene, die der Gesellschaft mit viel schwarzem Humor einen Spiegel vorhielt. In Romeros Filmen scheitert der Mensch nie an den Untoten oder den übernatürlichen Feinden – sondern immer an sich selbst. Dem Egoismus, der grenzenlosen Gedankenlosigkeit, den Vorurteilen und der Unfähigkeit auch unter Druck zusammenzuarbeiten. So war beispielsweise die Stephen-King-Verfilmung „Stark – The Dark Half“ ein perfekter Romero-Film. Am Ende muss der Held gegen seine eigene, dunkle Seiten kämpfen. Kein übernatürlicher Killer der irgendwo aus dem Nichts gekommen ist, sondern ein Teil seiner selbst. Gerade dieser Subtext sprach vielen seiner Fans aus der Seele.

Romeros Horrorfilme waren immer etwas mehr. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Menschen und der Gesellschaft, die er erschaffen hat. Und dies ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Romeros letztes vollendetes Projekt war wieder eine Zombie-Geschichte: Die Comic-Reihe „Empire of the Dead“. Obwohl diese aufgrund der schieren Masse der Themen, die hier verarbeitet wurden, gescheitert ist, blieb sich Romero doch auch hier immer treu.

George A. Romero starb am  16. Juli 2017 in Toronto mit nur 77 Jahren nach einem  kurzen, aber intensiven Kampf an Lungenkrebs. Er ist friedlich eingeschlafen, zur Musik seines Lieblingsfilmes: „Der Sieger“ von John Ford. Er wird fehlen.

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Das Bloggen der Anderen (17-07-17)

– Gestern Abend verbreitete es sich wie ein Lauffeuer durch die sozialen Medien – und auch heute mag meine Facebook-Timeline voll von persönlichen Erinnerungen  an  einen großen Meister. George A. Romero ist von uns gegangen und auch zwei Blogs haben schon Nachrufe verfasst. Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog und Oliver Lysiak von den Fünf Filmfreunden.

– Sehr interessant. Filmlichter spricht mit dem „Spieleforscher“ Dr. Christian Roth, Forscher und Dozent am Lektorat für Interaktives Narratives Design der University of the Arts Utrecht, über den scheinbaren Antagonismus und die symbiotischen Möglichkeiten von Film und Interaktivität.

– Noch ein schöner, ausführlicher Rückblick auf das Bologneser Retrospektiven-Festival „Il Cinema Ritrovato 2017“ von Michael Kienzl auf critic.de

– Birte Carolin Sebastian hat Olivier Assays für den Revolver-Blog interviewt.

– Nachdem die Gerüchte durch das Netz geisterten, dass Tarantinos nächstes Projekt mit den Manson-Morden zu tun haben soll, schlugen die Wellen hoch. Negative Space hat sich seine eigenen Gedanken gemacht und den Versuch unternommen, das enorme Feedback etwas zu sortieren.

– Auf B-Roll hat Sonja Hartl einen sehr lesenswerten Text über das Thriller-Genre in Deutschland geschrieben, den ich so unterschreiben kann. Und anlässlich der Netflix-Serie „Feud“ beschäftigt sich  Andreas Köhnemann mit den Karrieren zweier Grande Dames des klassischen Hollywoods: Bette Davis und Joan Crawford.

– Mauritia Mayer lässt uns auf Schattenlichter wieder an ihren Reisen an die Drehorte ihrer liebsten Filme teilhaben. Diesmal hat sie sich auf die Spuren von Argentos „Phenomena“ begeben.

– Es ist immer wieder erfrischend eine andere Meinung zu lesen, wenn sie gut begründet ist. Jamal Tuschick schreibt für Hard Sensations über Will Trempers „Playgirl“, den er  als didaktisch verlogen empfindet. Das ist gut nachvollziehbar, auch wenn ich den Fall etwas anders sehe.

– André Malberg stellt auf Eskalierende Träume Helmut Käutners Film „Ein Mädchen aus Flandern“ vor.

Funxton empfiehlt Robert Hosseins „Le Vampire de Düsseldorf“ und meint: „Unabhängig von den historischen Ungenauigkeiten ist „Le Vampire De Düsseldorf“ ein hervorragender Kriminal- und sogar ein brillanter Serienmörder-Film“.

– In ziemlich vielen Kommentaren und Besprechungen, die ich in letzter Zeit hier und da gelesen habe, kam Truffauts „Die amerikanische Nacht“ recht schlecht weg. Ich habe den Film bisher nur einmal und das vor vielen, vielen Jahren, gesehen, habe den aber als ganz angenehm in Erinnerung. Darum gibt es jetzt hier mal eine „Gegendarstellung“ von gebelingeber auf Hauptsache (Stumm)Film.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later einen sehr schönen und wie ich finde ausgesprochen treffenden Text über Jackie Chans Action-Klassiker „Police Story“ veröffentlicht.

– Auf dem 4. Iranischen Filmfestival München lief der Film „Janbal“ über den Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de schreibt. Das klingt sehr spannend und ich werde mich mal aktiv auf die Suche nach diesem Film machen, über den Oliver schreibt: „Mit einem narrativen Film hat Janbal wenig zu tun, rein dokumentarisch ist er aber auch nicht. Stattdessen würde man wohl am ehesten Experimentalfilm dazu sagen. Oder auch Kunstperformance.“

– Der Regisseur Christoph Hochhäusler hat um Empfehlungen in Sachen Gangster- Unterwelts- und Nachtfilme abseits des Kanons gebeten, und viele haben geantwortet. Die vielen Tipps hat er nun auf seinem Blog Parallel Film veröffentlicht.

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DVD-Rezension: „Die rote Schlinge“

Lieutenant Duke Halliday (Robert Mitchum) wurden von dem Betrüger Jim Fiske (Patric Knowles) 300.000 US-Dollar geraubt, die als Lohn für die Soldaten gedacht waren. Da Halliday von seinem Vorgesetzten Captain Blake (William Bendix) beschuldigt wird, sich das Geld selber unter den Nagel gerissen zu haben, reist Halliday nach Mexiko, um dort Fiske zu stellen und seinen Namen wieder reinzuwaschen. Dabei wird er von Blake verfolgt, der Halliday weiterhin für den Täter hält. In Vera Cruz begegnet er Joan Graham (Janet Greer), die auch noch ein Hühnchen mit Fiske zu rupfen hat…

Warum „The Big Steal“ in Deutschland den an Edgar Wallace gemahnenden Titel „Die rote Schlinge“ aufgedrückt bekam, will sich mir nicht partout erschließen. Eine Schlinge kommt hier jedenfalls nicht vor und eine rote erst recht nicht. Auch symbolisch wusste ich nicht, worauf eine „Rote Schlinge“ anspielen soll. Vielleicht fand der deutsche Titeltexter den Klang einfach toll. Der rasante Film ist auch kein Mystery-Krimi, sondern eine verwegene Mischung aus Action, Screwball-Elementen und Film Noir. Im Grunde erzählt „Die rote Schlinge“ in knackigen 71 Minuten von einer Verfolgungsjagd, die für gut die Hälfte der Laufzeit über in Autos ausgetragen wird. Regisseur Don Siegel nahm hier erst zum vierten Mal auf dem Regiestuhl Platz, aber sein Talent für straffe, punktgenaue Inszenierungen ist hier schon gut zu erkennen. Interessant ist auch sein gutes Gespür für Timing, was die Screwball-Elemente angeht. Die schnippischen und immer messerscharfen Bon Mots, die Janet Greer dem in von sich selbst seht überzeugten Robert Mitchum um die Ohren pfeffert, sitzen wie Boxhiebe, welche Mitchum immer wieder seine Deckung verlieren lassen. Das erinnert dann angenehm an solche Gespanne wie Hepburn/Tracy oder Gable/Colbert.

Mitchum und Greer harmonieren perfekt miteinander. Während Mitchum mit einer traumwandlerischen Coolness durch den Film flaniert, spielt Greer eine selbstsichere Frau, die jederzeit Herr über die Lage ist und weiß, dass sie auf keinen Mann angewiesen ist. Dass ihr Charakter dann am Ende doch romantisch veranlagt ist und sich nichts sehnlicher als ein (spieß)bürgerliches Leben mit ihrem Duke Halliday wünscht, ist ein kleiner, wieder dem Zeitgeist geschuldeter Verrat an der Rolle. Allerdings kann man mit etwas guten Willen das Schlussbild, bei dem eine mexikanische Familie mit unzähligen Kindern an dem frisch verliebten Paar vorbei prozessiert, auch als kleiner Triumph für Joan Graham verstanden werden. Da hat sie sich ihren Duke eingefangen und zwingt den Macho in eine Familienrolle, die dieser in seinem ursprünglichen Lebensentwurf sicherlich nicht für sich vorgesehen hat. Nur zwei Jahre zuvor stand das Dream-Team Greer/Mitchum schon einmal in dem brillanten „Über-Noir“ „Goldenes Gift“ als Paar vor der Kamera. Vergleicht man Greers Darstellung als Femme Fatale damals mit ihrer schlagfertigen „Kumpel“-Rolle in „Die rote Schlinge“, mag man kaum glauben, dass man hier dieselbe Schauspielerin vor sich hat. Und noch mehr wundert es einen, dass Greers trocken-komödiantisches Talent nicht in noch mehr Filmen genutzt wurde. Aber 1949 war die hohe Zeit der Screwball-Comedy ja leider auch schon wieder vorbei.

Bemerkenswerterweise konnte Don Siegel seinen Film tatsächlich vor Ort in Mexiko drehen, was der „Roten Schlinge“ eine sonnige Authentizität verleiht, die den finsteren, oftmals im Studio entstandenen Noir-Kollegen oftmals abgeht. Auch wenn die Szenen mit den Hauptdarstellern am Steuer mithilfe von Rückprojektion im Studio zustande kamen, so konnte Siegel für die wilde Jagd doch echte Wagen mit Hochgeschwindigkeit durch die staubige mexikanische Landschaft rasen lassen, was zu vielen „echten“ und damit aufregenden Szenen führt. Ferner behandelt Siegel die Mexikaner hier mit Respekt und denunziert sie nicht als lustige Dritte-Welt-Menschen. Die einzige Person, die in dem ganzen Durcheinander den Überblick behält und allen anderen Figuren immer einen Schritt voraus ist, ist der mexikanische Inspektor General Ortega, der sich sichtlich über die Gringos amüsiert, die ohne Sprachkenntnisse und mit einer gewissen Beherrscher-Mentalität in sein Land kommen, sich dort aufführen, wie die Axt im Wald und sich letztendlich doch nur immer wieder selber aufs Kreuz legen. Dieser ebenso charmante, wie clevere Ortega erinnert ein wenig an Peter Lorres Rolle in dem ein jahr zuvor entstandenen „Casbah – Verbotene Gassen“. Gespielt wird er von einem guten, alten Bekannten: Ramón Novarro, der einst als Ben-Hur in Fred Niblos spektakulären Erstverfilmung von Lewis Wallaces Roman die Herzen reihenweise brach und in den 20er Jahren ein bedeutender Stummfilm-Star und fantastisch aussehender (Leinwand-)Frauenheld war. Leider verlief seine Karriere nach dem Ende der Stummfilmzeit nicht besonders gut. Wozu nicht nur sein starker mexikanischer Akzent beitrug, sondern auch, dass sein Typ nicht mehr besonders gefragt war. Mit seiner Alkoholsucht ruinierte er sich seinen Ruf und sein gutes Aussehen. 1968 endete sein Leben tragisch, als er von jungen Brüderpaar, die sich unter dem Vorwand Novarro sexuelle Dienste anbieten zu wollen, brutal erschlagen wurde.

Don Siegel verbindet in seinem vierten Spielfilm auf rasante Weise Action mit Screwball-Comedy und Film Noir. Unterstützt wird er dabei von seinen hervorragenden Darstellern, die sichtlich Freude an ihren Rollen haben. Bei knackigen 71 Minuten kommt in der episodenhaften Geschichte keine Langweile auf.

„Die rote Schlinge“ ist die Jubiläumsnummer 25 der Film Noir-Reihe aus dem Hause Koch Media. Warum dieser und nicht der populärere „Die Narbenhand“ dafür gewählt wurde, erschließt sich mir nicht, aber wahrscheinlich wurde darüber auch gar nicht nachgedacht. Leider fällt die Qualität der DVD gegenüber anderen Scheiben leicht ab. Das Bild ist in Ordnung, mehr aber auch nicht. Passend zum Jubiläum ist der Extras-Segment diesmal weitaus üppiger als sonst. So gibt es neben einem Audiokommentar von Filmhistoriker B. Jewell noch eine kolorierte Fassung des Filmes als Bonus. Abgesehen von der allgemeinen Fragwürdigkeit der Kolorierung schwarz-weißer Filme, ist die Bildqualität dann aber auch im ganz unteren Bereich des gerade noch annehmbaren angesiedelt. Allerdings ist diese Fassung merkwürdigerweise fast drei Minuten länger als die Schwarz-Weiß-Version. Empfehlenswert ist jedoch das zwar nur viereinhalb-minütige, nichtsdestotrotz aber sehr interessante „Making of“. Da Koch Media nur nackte Check-DVDs für Rezensionen verschickt, kann ich leider wieder nichts zum Booklet von Frank Arnold schreiben.

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Content-Diebstahl: Wenn der eigene Blog geklaut wird – Ein Erfahrungsbericht

Letzten Mittwoch hatte ich diesen Text bereits auf meinem privaten Facebook-Profil gepostet. Da dieses aber nicht öffentlich ist, veröffentliche ich es auch noch einmal stark überarbeitet auf meinem Blog. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das, was mir da passiert ist – und vor allem die Lösung, wie man es unterbindet – auch für Andere interessant und hilfreich sein kann.

Wenn man denkt, man hätte schon alles erlebt. Letzte Woche machte mich ein guter Mensch – Sascha vom Okaeri-Blog – darauf aufmerksam, dass es meinen Blog zweimal im Netz gibt. Einmal natürlich das bekannte Filmforum Bremen hier – und dann eine mir bis dahin unbekannte Seite namens stunningfilm.com. Gleiches Aussehen, identischer Inhalt – nur eine andere URL und eine Autorin, von der ich noch nie gehört hatte, nebst einem (offensichtlich) gefälschtem Impressum. Und noch ein weiterer wichtiger Unterschied: Statt der Blogroll und dem Archiv war dort auf der rechten Seite Werbung platziert worden.

Meine Theorie: Jemand kapert massenhaft Blogs und vermietet Platz auf diesen Fakes dann an irgendwelche Werbefirmen, die dort Werbung für ihre Kunden platzieren. Und wenn mal jemand von diesen Kunden auf die Idee kommt nachzuschauen (oder die Werbefirmen es nachweisen müssen), ob seine Werbung auch effektiv auf „echten“ und aktiven Blogs platziert wurde, wird er kein Verdacht schöpfen, da die Inhalte der Fakes ja regelmäßig mit echtem Inhalt aktualisiert werden. Nämlich jedesmal dann, wenn der echte Blog einen neuen Artikel postet oder jemand auf dem echten Blog einen Artikel kommentiert. Das wird nämlich alles durch das Anzapfen des FTP-Servers in Echtzeit gespiegelt.

Nach Momenten der Hilflosigkeit habe ich den Rest des Abends und die frühe Nacht damit verbracht, im Internet herumzustöbern, was man da machen kann. Als erstes bin ich über eine Seite gestolpert, die empfahl, den Fake hier bei Google zu melden. Damit soll er dann aus den Suchergebnissen bei Google verschwinden (teilweise stand der Fake-Blog nämlich in der Trefferliste vor meinem Original). Das Formular mit den tausenden Hinweisen, was einem alles passieren kann, wenn man falsche Angaben macht, habe ich in meiner ersten Wut dann auch brav ausgefüllt. Ob es aber etwas bringt, kann ich noch nicht sagen. Google weist darauf hin, dass sie sich in der Angelegenheit nur melden, falls sie noch Fragen haben und ansonsten keine weiter Kommunikation stattfindet. Nach jetzt gut einer Woche taucht der Fake-Blog noch immer in den Suchergebnissen auf. Allerdings läuft die Google-Verlinkung ins Nichts, denn ich habe mittlerweile einen anderen Weg gefunden, dem Fake erst einmal den garaus zu machen.

Nach weiterer Recherche hatte ich nämlich zwei Dinge herausgefunden: 1. Das Ganze ist wohl eine ziemlich weit verbreitete Masche. Bei Facebook gibt es eine deutschsprachige Gruppe von betroffenen Bloggern, die allein schon 702 Mitglieder hat. 2. Die Seite spiegelt meinen Blog, indem sie irgendwie die Inhalte in Echtzeit direkt von meinem Server holt. Lösung des Problems: Die IP-Adresse rausfinden und diese in der .htaccess blocken. Eine sehr gute, einfach zu verstehende Anleitung wie man das macht, gibt es hier: http://www.seiten-wechsel.org/wordpress/content-diebe-unterwegs-massenhaft-deutsche-blogs-von-content-klau-betroffen/

Kurz vor 1 Uhr in der Nacht hatte ich mit Hilfe der Anleitung die Klau-Seite platt gemacht (natürlich funktioniert das nur so lange, wie diese nicht ihre IP ändert – daher muss ich auch weiterhin wachsam sein). Ohne den Tipp von Sascha wäre ich da nie darauf aufmerksam geworden. Wer googelt schon seine eigenen Blog-Inhalte? Darum sollten die Blog-Betreiber die dies hier lesen besser mal nachprüfen, ob sie nicht auch Opfer eines Content-Diebs geworden sind.

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Das Bloggen der Anderen (10-07-17)

– Auf Whoknows presents beschäftigt sich david überraschenderweise mit einem gerade aktuellen Film. Dazu noch einer, den ich mal unter Action-Mainstream verbuche würde (ohne ihn oder seinen Vorgänger gesehen zu haben). Immerhin lief er in den Multiplexen. Aber david entdeckt in „John Wick: Chapter 2“ überraschende Parallelen und Referenzen zum klassischen Slapstick (in der Tat, der Actionfilm der 10er und 20er Jahre). Das garantiert mal wieder eine spannende Lektüre.

– In Neuchâtel geht das NIFFF weiter und Sennhausers Filmblog berichtet in diesem Zuge über die Filme „Dave Made a Maze“ von Bill Watterson – der sich ausgesprochen spannend anhört – und „The Endless“ von und mit Justin Benson und Aaron Moorhead, die „Spring“ schon für einige Furore gesorgt haben.

– Das Team von Jugend ohne Film (Patrick Holzapfel, Rainer Kienböck, Ivana Miloš, Valerie Dirk, Sebastian Bobik und Andrey Arnold) blicken noch einmal ausführlich auf das Il Cinema Ritrovato 2017 zurück.

– Mauritia Mayer stellt auf Schattenlichter einen Film vor, der zu Recht als obskurer Kultfilm gehandelt werden kann. Trotz Remake mit Nic Cage und einiger guter Veröffentlichungen in letzter Zeit. Das unerreichte Original von „The Wicker Man“ von Robin Hardy ist einfach noch zu unbekannt. Mauritias begeisterte Besprechung ändert dies hoffentlich.

– Sebastian hat sich auf Nischenkino einen Klassiker des Blaxpoitation-Kinos vorgenommen: „Friday Foster“ mit der unvergleichbaren Pam Grier.

– Passend zu dem Weird Xperience-Screening von „Die Gewalt bin ich“ letzte Woche, hat Oliver Nöding auf Remember It for Later anhand von Lenzis „Camorra – Ein Bulle räumt auf“ einige sehr interessante Gedanken zu Maurizio Merli und dem von ihm dargestellten Typ Polizisten gemacht. Ferner erläutert er, warum „Harley Davidson and the Marlboro Man“ für ihn gar nicht funktioniert hat. https://funkhundd.wordpress.com/2017/07/05/napoli-violenta-umberto-lenzi-italien-1976/ – Eine schöne Review des sympathischen „The Void“ gibt es auf Allesglotzer.

Schlombies Filmbesprechungen empfehlen diesmal einen TV-Film. Fritz Umgelters Dürrenmatt-Bearbeitung von „Die Physiker“ hat Christian ausgesprochen gut gefallen. Was man von René Cardona Jr.s “Tintorera” mit “the sexist man alive” Hugo Stiglitz nicht unbedingt behaupten kann.

– Trotz einer 5/10-Wertung hat Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de einige neugierig machende Worte für den deutschen Actionfilm „The Immigration Game“ gefunden.

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