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Blu-ray-Rezension: „Im Sumpf des Grauens“

Von , 28. Januar 2017 10:19

Die Krankenschwester Jane Marvin (Beverly Garland) hat die Erinnerung an ihr altes Leben verloren. Unter Hypnose offenbart sie aber zwei Psychiatern eine schier unglaubliche Geschichte. In Wirklichkeit heißt sie Joyce Webster und war mit Paul Webster (Richard Crane) verheiratet. Dieser verschwand jedoch auf der Hochzeitsreise, nachdem er ein geheimnisvolles Telegramm erhalten hatte. Joyce macht sich daraufhin auf die Suche nach ihm. Diese führte sie in die kleine Stadt Bayou Landing, mitten im Sumpfgebiet von Louisiana. Hier kommt sie bald hinter die unheimliche Tragödie, welche Paul dazu zwang, unterzutauchen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Mit fast 60 Jahren Verspätung haben es die „Alligator People“ (so der Originaltitel von „Im Sumpf des Grauens“) endlich nach Deutschland geschafft. Im Rahmen der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ wurde dem Film extra eine deutsche Synchronisation spendiert, die sich durchaus hören lassen kann und weit entfernt ist von diversen Schnellschüssen anderer Labels. Für Qualität spricht hier schon der Name des für die Synchronisation zuständigen Autors. Bodo Traber ist nicht nur durch zahlreiche Texte zum Film (wie beispielsweise in der legendären „Splatting Image“), Booklets und Audiokommentare aufgefallen, sondern auch Autor vieler absolut hörenswerter Hörspiele für den WDR. Wer sich beeilt, kann sich noch immer kostenlos seine Co-Produktion mit Jörg Buttgereit, „Fungus – Pilz des Grauens“ legal aus dem WDR-Hörspielspeicher laden. Soviel Liebe und Mühe seitens des veröffentlichenden Labels kann gar nicht genug gelobt werden. Rechtfertigt es aber auch der Film?

Bei „Im Sumpf des Grauens“ handelt es sich um ein klassisches B-Movie, welches bei der Erstaufführung mit „Die Rückkehr der Fliege“ zusammengekoppelt wurde. Ungewöhnlich ist hierbei das Bildformat. „Im Sumpf des Grauens“ wurde in wundervollem Cinemascope gefilmt und erweckt so einen sehr viel „wertigeren“ (schlimmes Marketing-Wort, welches hier aber durchaus passt) Anschein, als ähnlich gelagerte Produktionen. Von der Handlung her orientiert sich „Im Sumpf des Grauens“ dann auch weniger an den preisgünstigen Horrorschockern, sondern ist mehr im Melodram beheimatet. Wenn auch dieses kräftig mit Science Fiction und dem generell zur Schwermut neigenden Monsterfilm durchmischt wird. So ist der nominelle Bösewicht hier auch mitnichten der zum „Alligator Menschen“ mutierende Paul Webster, sondern vielmehr der halb irre Manon, der an einen Sumpf-Ahab erinnert, einen unbändige Hass auf Alligatoren aller Art hegt, seitdem diese ihn seiner Hand beraubten. Doch nicht nur mit Alligatoren hat Manon so seine Probleme, auch sein überschäumendes Libido lässt ihn schon mal die Kontrolle über die guten Manieren verlieren. Demgegenüber ist der Mad Scientist – in reißerischen Filmen vielleicht ein Irrer mit Gottkomplex – hier ein herzensguter Kerl, der seinen Fehler wieder gut machen möchte.

Auch die anderen Figuren entpuppen sich nach und nach als Menschen, die sich umeinander sorgen und nur das Beste wollen. Frieda Inescorts Auftritt als Mrs. Lavinia Hawthorne wird zwar unheilvoll eingeleitet, aber bald schon stellt man fest, dass hier keine dunkle Seele am Werk ist, sondern ein starkes Mutterherz schlägt. Dementsprechend ist auch das „Monster“ ein lieber, fürsorglicher Ehemann, der seine geliebten Ehefrau den Schrecken der Wahrheit ersparen will. Der „Alligator-Mann“ wird von Richard Crane gespielt. Wirkt er in rein menschlicher Gestalt etwas zu grobschlächtig für seine zarte Mitspielerin Beverly Garland, so ist er doch die ideale Wahl für die Mensch-Alligator-Mutation im mittleren Stadium. Die brillante Maske, für die Dick Smith (der berühmt wurde mit seiner Arbeit für „Der Pate“ und „Taxi Driver“ und später einen Oscar für „Amadeus“ erhielt) verantwortlich zeichnet, passt ausgezeichnet zu seiner kantigen Gesichtsphysiognomie. Es ist nicht ganz klar, ob Richard Crane ein großer Schauspieler war, oder ob ihn seine Maske behindert hat. Aber seine Bewegungen haben etwas unbeholfen-schweres, was seine tragische Verwandlung glaubwürdig wirken lässt. Seine Auftritte sind das Highlight des Filmes, auch weil man sich an dem überzeugenden Aussehen des Alligator-Mannes kaum sattsehen kann. Diese stellen sogar noch Lon Chaney Jr.s euphorische Darstellung des Manon leicht in den Schatten.

In der Rolle der Joyce Webster zeigt Beverly Garland eine solide Darbietung. Sie sticht zwar nicht aus den unzähligen, ähnlich gelagerten Protagonistinnen der 50er-Jahre-B-Film-Heldinnen heraus, aber fällt auch nicht negativ aus. Einzig, dass sie für die Rolle etwas zu viel Hollywood-Charme mitbringt, kann ihr angelastet werden. Regisseur-Veteran Roy Del Ruth begann seine lange Karriere bereits 1920 mit komödiantischen Kurzfilmen mit dem heutzutage vergessenen Jack Cooper. „Im Sumpf des Grauens“ war 39 Jahre später sein vorletzter Kinofilm. Er verstarb zwei Jahre später im Alter von nur 67 Jahren an einem Herzinfarkt. Letzteren muss der Zuschauer bei „Im Sumpf des Grauens“ nicht befürchten. Del Ruth lässt ihn ganz unaufgeregt durch seinen Film gleiten, gibt ihm Zeit die schöne und atmosphärische Kameraarbeit von Karl Struss (auch seit 1920 im Geschäft) zu bewundern, und sich von der traumwandlerischen Stimmung tragen zu lassen. Erst zum Schluss gönnt sich Del Ruth ein dramatisches Feuerwerk und einen echten, fertig mutierten Alligator-Mann, der trotz aller Bizarrerie zu keiner Sekunde glaubhaft wirkt. Dieser sieht dann wirklich aus, wie ein Mann im zu engen Overall, was allerdings auch seinen eigenen, dem Film durchaus angemessenen Charme hat.

„Im Sumpf des Grauens“ ist ein kleines, durchaus charmantes B-Filmchen, welches seinen Fokus weniger auf Horror, als auf Melodram legt. Trotzdem werden auch Monsterfilm-Fans ihre Freude an dem sehr solide erzählten Werk haben, denn neben einem sehr präsenten Lon Chaney Jr., ist es besonders das Make Up des langsam immer mehr mutierenden „Alligator-Mannes“, welches im Gedächtnis bleibt und vollends für das eher lustige Aussehen des fertigen Alligatorenmenschen entschädigt.

Die Nummer 5 der „Rache der Galerie des Grauens“ steht seinen Vorgängern in nichts nach. Wieder merkt man die große Mühe, die sich alle Verantwortlichen gegeben haben. Das fängt mit der eingangs erwähnten, sehr gelungenen Synchronisation an (wobei der ebenfalls sehr klare Originalton etwas weniger steril wirkt), und geht mit dem zweifachen Audiokommentar weiter. Den ersten bestreiten Bodo Traber, Ingo Strecker und Alex Iffländer, die auch noch einmal eingehend auf die Synchronisation eingehen. Der zweite wurde – wie bei der Reihe schon Usus – von den Experten Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, sowie Anolis-Chef Ivo Scheloske eingesprochen. Ferner gibt es noch ein schönes 16-seitiges Booklet mit einem informativen Text von Ingo Strecker. Ansonsten gibt es an Extras noch den amerikanischen Trailer und eine Bildgalerie. Apropos Bild: Das Bild der Blu-ray ist für einen 60 Jahre alten Film schlichtweg atemberaubend. Sehr scharf, mit sehr guten Schwarzwerten, einem tollen Kontrast und dabei kein bisschen künstlich aussehend.

Blu-ray-Rezension: „Das Grauen aus der Tiefe“

Von , 11. Januar 2017 20:49

das-grauen-aus-der-tiefeIn dem beschaulichen Fischerdorf Noyo an der Westküste der USA passieren merkwürdige Dinge. Ein Boot fliegt scheinbar ohne Grund in die Luft und unschuldige Hunde werden bestialisch abgeschlachtet. Schließlich verschwinden noch einige junge Menschen. Der Mob der Stadt unter Führung des rassistischen Hank Slattery (Vic Morrow) machen Johnny Eagle (Anthony Pena), einen Indianer, für die Vorfälle verantwortlich. Johnny behauptet jedoch, ein fischähnliches Monster gesehen zu haben. Bald schon macht er sich zusammen mit Dr. Susan Drake (Ann Turkel) und seinem Freund Jim Hill (Doug McClure) auf die Suche, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Schnell werden sie fündig und bekommen heraus, dass die Fischmonster genmanipulierte Lachse gegessen haben und zu menschenähnlichen Wesen mutiert sind, die sich fortpflanzen wollen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Die 80er Jahre haben viel hervorgebracht, was in den ach so coolen 90ern verlacht wurde, sich heute aber wieder seinen Platz in den Herzen der Filmfreunde zurückerobert. Insbesondere der B-Film der frühen 80er erfreut sich wieder einer großen Beliebtheit. Und ein hervorragendes Beispiel für eben diese B-Filme ist der unglaubliche „Das Grauen aus der Tiefe“, dessen Originaltitel „Humanoids from the Deep“ wie ein Misfits-Song klingt. Produziert wurde dieser kleine Kultfilm von der Legende Roger Corman für seine damalige Produktionsgesellschaft New World Pictures. Die Regie übernahm überraschenderweise eine Frau – zumindest offiziell, dazu später mehr – und die Darstellerriege wird vom alten Cowboy Doug McClure angeführt, dessen besten Jahre damals auch schon etwas zurücklagen. Und es geht um Fischmonster aus dem Meer, die an Land junge, hübsche Mädchen jagen und vergewaltigen. Also ein Stoff, aus dem Exploitation-Träume sind. Dementsprechend erfolgreich war der Film dann auch. So erfolgreich, dass 1996 sogar ein Remake folgte.

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Zunächst einmal klaut sich „Das Grauen aus der Tiefe“ durch die Filmgeschichte. Gleich der Anfang erinnert mit seinen Kameraeinstellungen und der Musik frappierend an „Der weiße Hai“, die frauenverrückten Fischwesen sind natürlich Verwandte des „Schreckens vom Amazonas“, die Umweltproblematik hat man schon in „Piranhas“ und „Die Prophezeiung“ gehabt, die Hinterwäldler kennt man aus Filmen von „Wer Gewalt säht“ bis „Beim Sterben ist jeder der Erste“ und am Ende guckt noch das „Alien“ vorbei. Aber das stört alles nicht, sondern macht ganz im Gegenteil den Charme dieses kleinen, schmutzigen B-Films aus, der vor allem auf ein setzt: Blut und Titten. Letzteres dürfte aber nicht auf dem Mist seiner Regisseurin Barbara Peeters gewachsen sein. Wenn man den Ausführungen der Beteiligten in den Making-Ofs Glauben schenkt, ist „Das Grauen aus der Tiefe“ ein Fall von Zwei-Filmen-in-Einem. Während Peeters einen sehr straighten und düsteren Monsterfilm mit dem Titel „Beneath the Darkness“ drehte, schickte Corman ein zweites Team unter der Führung von Jimmy T. Murakami los, welchen einen komplett anderen Film dreht, der sehr viel mehr mit hemmungsloser Exploitation zu tun hatte. Als Barbara Peeters das Ergebnis sah, welches Cutter Mark Goldblatt (später Regisseur des Lundgren’schen „Punisher“) aus den beiden Elementen zusammengefrickelt hatte, war sie entsetzt. Neben den extrem blutiger Monster-Angriffen im Schutze der Nacht, gab es jetzt auch plötzlich noch Szenen, in denen die Fischmonster am helllichten Tag ihren knackigen, jungen, weiblichen Opfern den Bikini vom Leib rissen und sich um die Fortpflanzung kümmerten. So wild das Ergebnis dies Mash-Ups auch war, Corman landet damit einen Hit.

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Für einen jungen James Horner, der sich später zu einem der größten Filmkomponisten Hollywoods mauserte und für „Titanic“ den Oscar gewann, war „Das Grauen aus der Tiefe“ die erste größere Arbeit. Seine Musik verlieht dem Geschehen eine epische Ernsthaftigkeit, die fast gar nicht zu dem Geschehen auf der Leinwand passen will, dieser aber auch nach weit mehr aussehen lässt. Geschickt verwendet Horner auch Motive aus den Vorbildern bei denen sich „Das Grauen aus der Tiefe“ bedient. Geschäftsmann der er ist, verwendete Corman Teile des edlen Scores dann auch in späteren Produktionen. Was auch für einige Action- und Monsterszenen gilt, die dann teilweise in „Der Vampir aus dem All“ auftauchen. Mit seinen gerade Mal 80 Minuten lässt „Das Grauen aus der Tiefe“ auch keine Langweile aufkommen. Ständig ist was los. Es gibt Schlägereien, fiese Brandanschläge, es wird sich beim Slasherfilm bedient und wenn schließlich die Monster beim großen „Lachsfest“ zuschlagen, sorgt Daniel Lacambres gute Kamera und Mark Goldblatts Talent als Cutter dafür, dass die drei Männer in Gummikostümen aussehen wie eine Armee Fischmenschen.

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„Das Grauen aus der Tiefe“ ist ein 80er-Jahre-B-Film at it’s best. Eine abstruse Handlung, die ordentlich aus anderen Filmen zusammen klaut, viel Sex, deftige, handgemachte Effekte und das alles sauber mit einigen Veteranen in den Hauptrollen inszeniert. Das macht Spaß und weckt nostalgische Gefühle.

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Die Luxus-Ausstattung, die OFDb Filmworks diesem Film angedeihen ließ, ist fast schon zu edel für dieses kleine, aber feine B-Filmchen. Auf drei Scheiben finden sich neben dem Film auf Blu-ray und DVD zahlreiche Extras. Der Film selber hat gleich zwei Audiokommentare spendiert bekommen. Einen vom Cutter Mark Goldblatt und einen vom bewährte Team Kai Naumann & Marcus Stiglegger. Ein sehr informatives „Making Of“ strotzt nur so vor Anekdoten und bringt in seinen nur 23 Minuten ein Maximum an Wissenswertem unter. Ferner gibt es noch zwei Featurettes mit Sound Designer David Lewis Yewdall (15 Min.) und Creature Effects Artist Steve Johnson (22 Min.), die beide auf sehr unterhaltsame Weise nicht nur ihre Spezialbereiche näher beleuchten, sondern auch etwas über ihren Werdegang und die ihre Arbeit an sich erzählen. Wie schon bei „Thief“ hat sich OFDb Filmworks auch hier eine einstündige Episode der Reihe „The Directors“ gesichert. Diesmal handelt sie von Roger Corman. Neben einem sehr kurzem Interview von Leonard Maltin mit Roger Corman (knapp vier Minuten), gibt es noch Trailer, TV-Spots und sonstiges Werbematerial. Des weiteren liegt noch ein 16seitiges Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch bei, der sich allerdings weniger um den Film als vielmehr um die „Beach Party“-Serie aus den 60ern dreht. Auch wenn „Horror of Beach Party“ an einigen Stellen immer wieder als Vorbild für „Das Grauen aus der Tiefe“ genannt wird, halte ich diese Verbindung und vor allem die Beschäftigung mit der Serie für etwas weit hergeholt. Kann man aber machen. Bild und Ton lassen keine Wünsche übrig. Das Bild hat einen sehr hübschen 80er-Look, wie man es von den preisgünstigen Produktionen bis zum Mitte des Jahrzehnts kennt. D.h. das Bild ist etwas dunkel und körnig, hat aber satte, wenn auch etwas dunklere Farben. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor, ist gut zu verstehen und in orignialen 2.0 Stereo belassen. D.h. er kommt nur von vorne.

DVD-Rezension: „Ausgeburt der Hölle“

Von , 10. November 2016 20:38

ausgeburtEine außerirdische Intelligenz will im Alleingang die Erde erobern. Dazu will es zunächst die Gedanken der Tiere und der nicht ganz so klugen Menschen kontrollieren. Sein Raumschiff geht in der Ödnis der kalifornischen Wüste nieder. Dort hält sich die Familie Kelley gerade so mit ihrer Dattelplantage über Wasser. Besonders die Frau des Hauses, Carol (Lorna Thayer) leidet unter der schlechten Lage und der Einsamkeit so weit draußen. Ihr Frust entlädt dabei sich immer wieder an der Tochter Sandra (Dona Cole). Und dann gibt es noch „Er“, ein stummer Farmarbeiter (Leonard Tarver) der in einem Schuppen lebt. Bald schon kommt es zu unerklärlichen Vorfällen: Die Tieren greifen die Menschen an! Als der Nachbar der Kelleys seiner Kuh zum Opfer fällt, versucht Familienvater Allan Kelley (Paul Birch) Hilfe zu holen…

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Ausgeburt der Hölle“ ist eine jener 50er-Jahre-Billig(st)-Produktionen, die Roger Cormans Ruf als einfallsreicher und effizienter Produzent festigten. Der Film macht große Versprechungen – laut Originaltitel soll er von einer „Bestie mit einer Million Augen“ handeln – die natürlich nie eingehalten werden. Die titelgebende „Ausgeburt der Hölle“ stellt sich als niedliche Puppe heraus, die keine 50cm groß ist. Die „Millionen Augen“ als telepathische Fähigkeiten, die sich aber nur auf Tiere und geistesschwache Menschen anwenden lässt. So fällt „Ausgeburt der Hölle“ dann prinzipiell mehr in die Rubrik Tierhorror, auch wenn hier nur Vögel (fast immer offscreen), eine Kuh, ein Hund und der merkwürdige Typ im Schuppen unter den Einfluss einer teuflischen, außerirdischen Intelligenz fallen. Dabei kann man dann erleben, dass Kühe sich wahrlich nicht besonderes für Grusel und Schrecken eignen. Ebenso wenig wie Hunde, die freudig mit dem Schwanz wedeln, wenn sie angeblich Menschen bedrohen.

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Das fehlende Budget merkt man an allen Ecken und Enden. Dass der sinistere Außerirdische als Ausgangspunkt für seine Invasion keine Großstadt, sondern ein gottvergessenes Fleckchen Erde irgendwo im Niemandsland wählt, ermöglicht es Corman und seinen „Einmal und nie wieder“-Regisseur David Kramarsky – von Haus aus eigentlich Produzent – das Ganze als Kammerspiel mit sehr reduziertem Personal zu drehen. Die Darsteller bemühen sich dann auch redlich, die dünne Geschichte und die teilweise haarsträubenden Dialoge mit einem souveränen Ernst zu füllen. Allerdings lässt sie dabei das von Tom Filer verfasste Drehbuch ein ums andere Mal im Stich. So wird die Mutter zunächst als frustrierte Ehefrau mit eifersüchtigem Hass auf die Tochter eingeführt, nur um diesen potentiell spannenden Konflikt schnell wieder zu vergessen. Der Vater darf das Hohelied auf die amerikanischen Familienwerte anstimmen und dass er seine Frau und Tochter allein mit einem unheimlichen Kerl, der der Tochter heimlich nachstellt und in seinem Schuppen unzählige Pin-Up-Poster anstarrt, zurücklässt, ist auch weniger glaubhaft.

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Doch um Glaubhaftigkeit geht es hier auch gar nicht, sondern um Ökonomie. Und wie hier mit den nicht vorhandenen Mitteln umgegangen wird, nötigt einem doch einigen Respekt ab. Auch wenn das Resultat eher komisch als gruselig geraten ist. Die schönste Innovation ist es da sicherlich, dass das unheimliche Funkeln in den Augen der unter Einfluss stehenden Tiere, durch einfaches Zerkratzen des Filmmaterials entstand. Und dass der Höhepunkt der außerirdischen Bedrohungsszenarien – ein Angriff tausender Vögel auf einen Pick-Up-Truck – einfach nur erzählt, aber nicht gezeigt wird. Das muss man sich auch erst einmal trauen. Trotz seiner kurzen Spielzeit von nur 75 Minuten muss man „Ausgeburt der Hölle“ allerdings auch einige Längen attestieren, die daraus resultieren, dass man die Zeit mit Elementen des Familiendramas strecken wollte, was leider gar nicht funktioniert.

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Mehr ein faszinierendes Stück Filmgeschichte als ein wirklich guter Film. „Ausgeburt des Bösen“ ist ein Paradebeispiel für die Ultra-Low-Budget Filme der 50er, für das Schüren von falschen Erwartungen durch Titel und Werbung, sowie der Kunst ohne Geld doch irgendwie einen Film auf die Beine zu stellen. Für den geneigten Filmfreund daher durchaus interessant.

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Der Film ist als Nummer 4 in der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ erschienen. Die Bildqualität ist erstaunlich gut. Viel besser, als es der Film eigentlich verdient. Was die Extras angeht, so hat Anolis dem Film gleich zwei Audiokommentare spendiert. Einen mit Wicked-Vision-Chef Daniel Peree und Ingo Strecker. Und der zweite mit Dr. Rolf Giesen. Neben der deutschen Kinofassung ist noch die amerikanische Kinofassung enthalten, die sich beide minimal voneinander unterscheiden. Der „Bonus“ der deutschen Fassung ist es vor allem, dass sich hier die leuchtenden Augen der besessenen Tiere finden, welche durch ein zerkratztes Negativ entstanden. Ferner gehören zu den Extras noch eine animierte Bildergalerie mit seltenem Fotomaterial, sowie der deutsche und der amerikanische Trailer zum Film. Ein 16-seitiges Booklet von Ingo Strecker mit vielen Abbildungen und interessanten Hintergrundinformationen runden die Veröffentlichung ab.

Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

Von , 26. Oktober 2016 20:13

ol16_bAm zweiten Tag in Oldenburg stieß mein Weird-Xperience-Kollege Stefan zu mir und unser ähnlicher Filmgeschmack sorgte dafür, dass wir größtenteils dieselben Vorstellungen besuchten. Den Anfang machte ein walisischer Film im „Studio“. Ein Kino, welches ich bisher nicht kannte, und das seit diesem Jahr in der Kulturetage, gleich neben dem cineK, zu finden ist. Dafür wurde der Raum, in dem sich vor zwei Jahren noch die VIP-Lounge des Filmfestes befand, umgebaut. Man merkt deutlich, dass der sehr geräumige Raum ursprünglich nicht als Kino gedacht war, denn das Kino macht einen ähnlich „improvisierten“ Eindruck wie die Spielstätte im Theaterhof oder in der Exzerzierhalle. Aber die gerade im Gegensatz zur Exzerzierhalle sehr intelligent angebrachten Sitzreihen erlauben nicht nur einen hervorragenden Blick auf die große Leinwand, sondern sind auch sehr bequem. Etwas, was man durchaus zu schätzen weiß, wenn man im „Studio“ drei Filme hintereinander anschaut.

Regisseur Euros Lyn hat mit The Library Suicides seinen ersten Kinofilm realisiert. Vorher hatte er eine „Sherlock„- und diverse „Dr. Who“- und „Daredevil„-Episoden inszeniert. Das merkt man dann auch, da dem Film eine eigene Handschrift fehlt, und er tatsächlich auch stark an eine Folge einer ambitionierten TV-Serie erinnert. Das ist alles sehr professionell gemacht und schön fotografiert, aber sticht dabei nicht wesentlich aus ähnlich gelagerten, kompetent gefilmten Thrillern hervor. Punkten kann „The Library Suicides“ aber mit seinen wirklich lebendigen und liebenswerten Charakteren. Insbesondere Catrin Stewart spielt die optischen identischen, aber charakterlich sehr unterschiedlichen Zwillinge einfach sensationell gut. Aber auch Dyfan Dwyfor als sympathischer, etwas chaotischer Nachtwächter ist absolut liebenswert und lädt den Zuschauer ein, mit ihm mitzufiebern.

Der Film handelt von Weiter lesen 'Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2'»

Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Von , 25. Oktober 2016 20:37

ol16_aWie jedes Jahr, zog es mich auch in diesem September wieder in das schöne Oldenburg. Das mittlerweile 23. Internationale Filmfest rief, und ich folgte dem Ruf nur allzu gerne. Und der Ruf war in diesem Jahr ungewöhnlich laut. Festivalleiter Torsten Neumann war ein schier sensationeller Coup gelungen. Ließen die bisherigen Stargäste des Festivals vor allem cineastisch interessierte Besuchern das Wasser im Munde zusammenlaufen, hatte er diesmal einen absoluten Megastar an die Ems locken können: Nicolas Cage. Böse Zungen werden nun behaupten, dass Herr Cage seine glanzvolle Zeit schon lange hinter sich hätte und nun mit billigen, direkt für das Heimkino produzierten Filmchen seine Brötchen verdienen muss. Diejenigen vergessen allerdings, dass Nicolas Cage mit dem richtigen Regisseur und einem guten Drehbuch noch immer ein grandioser Schauspieler ist. Und die Filme, in denen er dem Affen ordentlich Zucker gibt, sind gerade auch wegen ihm immer noch unterhaltsam. Dieser sehr schöne Text von Thorsten Bruns bringt es gut auf den Punkt. Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Auf jeden Fall sorgte Cage sowohl für positive, wie auch zumindest diskutierbare Begleiterscheinungen. Positiv sind auf jeden Fall die Schlagzeilen, die das Filmfestival Oldenburg damit auch überregional machte und der daraus resultierende, gewaltige Enthusiasmus in der Stadt. Überall hörte man die Menschen über Cage sprechen, und natürlich machten auch die Filmemacher in den Frage-und-Antwort-Runden immer wieder Bemerkungen über den Superstar. Und vor allem: Die Leute strömten ins Kino! Die Filme mit Nicolas-Cage-Beteiligung waren im Nu ausverkauft. Und das färbte auch auf das restliche Programm ab. Erstmals passierte es mir, dass mein sorgsam zusammengestellter „Guck-Plan“ in sich zusammenbrach, weil die Karten im Vorverkauf alle weg waren. Das war für mich persönlich zwar in diesem Fall negativ, aber für das Filmfest natürlich klasse. Und da ich hier einmal an der Abendkasse noch erfolgreich war und dort auf interessante Alternativen ausweichen konnte, war es am Ende auch gar nicht so schlimm.

Diskutierbar ist die übermächtige Strahlkraft eines Nicolas Cage, die beispielspielweise die nicht minder großartige Amanda Plummer (die eigentlich nirgendwo in der Berichterstattung mehr auftauchte) vollkommen in den Schatten stellte. Und auch der junge französische Filmemacher Christophe Honoré, dem die Retrospektive gewidmet war, bekam dadurch nicht die Plattform, die er verdient hätte. Das ist schade, aber am Ende dürfte die Freude über die gelungene Werbung und die Zuschauerzahlen überwiegen. Wie immer, war ich nur zwei volle Tage anwesend. Freitag und Samstag. Ersteren musste ich noch ganz allein bestreiten, da mein Weird-Xperience-Kompagnon erst am Samstag dazustoßen sollte, und ich am Freitag leider auch sonst kein bekanntes Gesicht erblicken konnte. Also stürzte ich mich zunächst allein ins Getümmel und machte mich auf Richtung Casablanca.

The Noonday Witch von Jiri Sádek ist eine tschechische Psychodrama-Horrorfilm-Melange. Eine alleinstehende Mutter zieht mit ihrer kleinen Tochter in jenes Dorf, aus der ihr Ehemann stammt. Wo sich dieser aufhält, erfährt man zunächst nicht. Die Mutter behauptet ihrer kleinen Tochter gegenüber, er würde zu Ostern zurück kommen. Doch man kann rasch erahnen, dass dies nicht stimmt. Tatsächlich Weiter lesen 'Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1'»

Blu-ray-Rezension: „Der Pate von Greenwich Village“

Von , 1. Oktober 2016 18:44

pate__greenwichCharlie (Mickey Rourke) und sein Cousin Paulie (Eric Roberts) leben im New Yorker Stadtteil Greenwich Village, wo sie sich recht und schlecht durchschlagen. Der coole und vernünftige Charlie träumt davon, zusammen mit seiner Freundin Diana (Daryl Hannah) im ländlichen Maine ein Restaurant zu eröffnen. Der hitzköpfige und vollkommen nichtsnutzige Paulie träumt von einem erfolgreichen Leben im Luxus und Exzess. Als Charlie wegen Paulie seinen Job als Restaurant-Manager verliert, macht Paulie ihm einen Vorschlag. Er will in ein Rennpferd investieren, welches das „Sieger-Gen“ besitzt. Dafür fehlen ihm allerdings 150.000 Dollar, die er sich mit einem Einbruch in Lagerhaus verdienen will. Dort steht nämlich ein Tresor voller Geld. Charlie und der alte Uhrmacher und Ex-Safeknacker Barney (Kenneth McMillan) lassen sich überreden mitzumachen. Doch der Coup geht schief. Nicht nur kommt dabei ein Polizist ums Leben, sondern der Tresor gehört auch noch dem lokalen Mafiaboss „Bed Bug“ Eddie (Burt Young)…

Es tut fast schon weh, den jungen Mickey Rouke auf der Höhe seines Ruhms zu sehen. Damals schon war er zum „James Dean der 80er“ hoch geschrieben worden. Ein Vergleich, der durchaus Sinn ergibt. Mickey Rouke war ein fantastischer Schauspieler, der leicht und lässig durch seine Rollen spazierte. Der dabei mit einer kleinen Geste der Hand mehr ausdrücken konnte, als viele seiner Kollegen mit aller Kraft ihres mehrjährigen Schauspielstudiums. Und dabei ist er immer so atemberaubend cool und so unverschämt gutaussehend. Den jungen Mickey Rouke zu sehen, lässt das Herz schneller schlagen. Wenn man weiß, was aus seiner so vielversprechenden Karriere wurde, möchte man fast um all die schönen Filme weinen, die er in den 90ern noch hätte drehen können. Und um dieses schöne Gesicht, welches durch seinen Ausflug ins Profi-Boxen und schiefgegangene Schönheitsoperationen zerstört wurde. Klar ist Mickey Rourke mittlerweile wieder da. Und ja, er ist immer noch ein toller Schauspieler. Seine Darstellung des Randy in „The Wrestler“ bricht einem das Herz. Doch vergleicht man Mickey Rourke heute und damals, dann sind das zwei ganz unterschiedliche Figuren. Und man mag nicht glauben, dass dahinter ein und der selbe Mensch stecken.

Der Pate von Greenwich Village“ beginnt mit dem jungen Mickey Rourke, der sich für seinen Job als Restaurant-Manager in seine elegante, geschmackvolle Schale wirft. Dazu singt Sinatra „Summer Wind“. Eine Szene zum Verlieben. Mit kleinen Gesten, mit seinem Gang zwischen Gene Kelly und einer Katze, zeigt er gleich, wer hier der coolste Typ in der Nachbarschaft ist. Selbstsicher, charismatisch. Dass Mickey Rourke in den Credits nur an zweiter hinter Eric Roberts aufgeführt wird, mag daran liegen, dass Roberts damals etwas bekannter war. Oder dass sein Nachname im Alphabet vor Rourke kommt. Der Star des Filmes ist aber eindeutig Rourke. Er füllt jede Szene aus in der er zu sehen ist und würde die Leinwand mit seiner ungeheuren Präsenz zum Bersten bringen, wenn er dafür nicht zu lässig wäre. Im Restaurant trifft der von Rourke gespielte Charlie auf sein Cousin Paulie. Eric Roberts spielt ihn als Antithese zu Rourke. Tritt dieser in feinem, geschmackssicheren Zwirn auf, so sorgt bei Paulie bereits der unglaubliche Lockenkopf für große Augen. Dazu kleidet er sich, wie die Jungs aus dem Ghetto. Mit einer Vorliebe für protzige Ketten und zu engen Jeans. Ständig in Bewegung, hibbelig und mit einer Klappe, die nie still zu stehen scheint, ist Paulie eine weiße Parodie auf die schwarzen Ghetto-Jungs, die man aus Filmen wie „Menace II Society“ kennt. Nur gibt es in dem provinziellen Greewich Village keine Schwarzen. Ja, die Einwohnerschaft scheint nur aus Italienern und Iren zu bestehen. Einmal sieht man zwei Asiaten in einer Bar, die von den anderen Besuchern wie Exoten beäugt werden.

Regisseur Stuart Rosenberg inszeniert „Der Pater von Greenwich Village“ mit leichter und sicherer Hand. Der feine Humor ist nie zum Schenkelklopfen, die dramatischen Szenen nie pathetisch. Das Äquivalent zu Rosenbergs Inszenierung wäre der leichter Sommerwind aus dem Sinatra-Song. Zudem offenbart er einen scharfen Blick für den Lokalkolorit des kleinen Greenwich Village mit seinen Bars, den alteingesessenen Typen und das Kleinstädtische. Der von Burt Young eindrucksvoll, wenn auch manchmal an der Grenze zur Parodie, gespielte Gangsterboss „Bedbug Eddie“ ist hier zwar König, in der Mafiahierarchie aber eben nur ein kleiner Landesfürst. Trotzdem sollte man sich besser nicht mit ihm anlegen, wie Paulie in einer der schmerzhaftesten Szenen des Filmes erfahren muss. Wobei „Der Pate von Greenwich Village“ allzu große Gewalttätigkeiten vermeidet. Seine Stärken liegen im Dialog, den glaubhaften Figuren und der genauen Zeichnung des Milieus. Der einzige Haken an der Sache ist die Beziehung zwischen Charlie und Paulie. Man mag es kaum glauben, dass ein so scharfsinniger Bursche wie Charlie immer wieder seinem Cousin aus der Patsche hilft und ihn auch noch vor allen Anderen verteidigt. Ja, da ist eine große, brüderliche Liebe zwischen den beiden so unterschiedlichen Typen. Doch wenn der schwächliche Paulie das x-te Mal Charlie tief in die Scheiße reitet, möchte man ihn am Liebsten persönlich mit seiner großen Klappe in die Wüste jagen. Aber solch eine „Paulie“-Figur gehört ja zur Standardausstattung eines Gangsterfilms. Siehe auch „Sugar Hill“, der eine ganz ähnliche Struktur aufweist. Nur Michael Corleones Geduld mit seinem ähnlich anlegten Bruder Fredo in „Der Pate – Teil 2“ hatte irgendwann seine Grenzen.

Doch Charlie ist eben auch kein Profi. Kein knallharter Typ wie ein Michael Corleone. Er schlägt sich durchs Leben, versucht auf irgendeine Art und Weise etwas zu werden. Sein Traum ist nicht die Macht über sein Viertel, sondern genug Geld für ein eigenes Restaurant zu haben. Dass er immer wieder auf der falschen Seite landet, ist größtenteils auch seinem unzuverlässigen Cousin Paulie zu verdanken. In der Rolle seiner attraktiven Freundin sieht man eine blutjunge und wunderhübsche Daryl Hannah, die leider nur schmückendes Beiwerk bleibt. Frauen haben in dieser Welt nämlich keinen Platz und spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die einzige Ausnahme bildet die von Geraldine Page gespielte Mutter eines auf tragische Weise ums Leben gekommenen Polizisten. Sie hat nur zwei kurze, aber großartige Auftritte in diesem Film, aber diese reichten aus, um ihr eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin einzubringen. Ansonsten ist es a man’s world.

Die sehr genaue Figuren- und Milleuzeichnung, die überzeugenden Darsteller – allen vorweg ein unglaublich guter und charismatischer Mickey Rourke – und die locker-leichte Inszenierung Stuart Rosenbergs machen „Der Pate von Greenwich Village“ zu einem kleinen Klassiker, dem man auch kleinere Schwächen mit einem Lächeln verzeiht.

FilmArt hat dieses kleine Juwel außerhalb seiner bekannten Reihen veröffentlicht, ob es gut in die CineSelection gepasst hätte. Die Blu-ray ist auf 1000 Stück limitiert und weißt ein gutes, sehr „kinohaftes“ Bild auf, welches Ecken und Kanten haben darf und nicht vollkommen steril gefiltert wurde. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch als DTS-HD Master Audio Mono) vor. Im Bonusbereich sieht es bis auf den Originaltrailer ziemlich mau aus. Dafür wurde ein 8-seitiges Booklet mit spanischen (?) Aushangfotos beigelegt.

Blu-ray Rezension: „Schrei, wenn der Tingler kommt“

Von , 7. September 2016 21:27

tinglerDer Pathologe Dr. Warren Chapin (Vincent Price) entdeckt, dass im Rückgrat eines jeden Menschen eine Wesen existiert, welches von der Angst seines Wirtes lebt. Gelingt es dem Wirt nicht, vor Angst zu schreien, so wächst das Wesen – den Chapin „Tingler“ nennt – heran und bricht ihm die Wirbelsäule. Fasziniert von Tingler versucht Dr. Chapin zusammen mit seinem Assistenten David Morris (Darryl Hickman) alles, um das geheimnisvolle Wesen näher zu untersuchen. Sogar vor einem gefährlichen Selbstversuch schreckt er nicht zurück. Erst die Leiche einer taubstummen Frau bringt ihm den Durchbruch. Doch nun ist der Tingler frei…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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William Castle war ein hervorragender Showman. Einer, der Kino als Spektakel begriff und den Zuschauern eben dieses bieten wollte. Jemand, der erkannt hatte, dass das Kino ein besonderes Erlebnis sein musste, um der Tendenz der Menschen, sich Zuhause vor dem Fernseher einzuigeln, entgegen zu wirken. Der wusste, das Kino dazu etwas bieten musste, was der Fernseher nicht liefern konnte: Ein großartiges, gemeinsames Erleben. Daher spickte er seine Filme mit Gimmicks, die dieses Gemeinschaftsgefühl befeuerten, den Kinopalast zu einem echten Erlebnisort machten. Wenn heute über Kinokrisen und die Generation-Download gesprochen wird, dann liegt der Gedanke nahe, dass so jemand wie Castle fehlt. Der derzeitige 3D-Hype könnte auf seinem Mist gewachsen sein. Wobei er wohl noch Steinchen auf die Zuschauer geworfen hätte, um das dreidimensionale Spektakel noch zu steigern und den Zuschauern etwas zu bieten, was über den Film hinausgeht.

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Nachdem Castle bei seinem Film „Das Haus auf dem Geisterhügel“ noch Skelette durch den Kinosaal ziehen lies, ging er bei „Schrei, wenn der Tingler kommt“ noch einen Schritt weiter. Er ließ in einigen Kinos kleine Elektroschocker an die Kinosessel einbauen. Wenn dann im Film der Tingler in ein Kino eindrang, drehte seinen Hauptdarsteller Vincent Price auf der Leinwand das Licht aus und forderte die Zuschauer auf, so laut wie möglich zu schreien, um den Tingler zu verschrecken. Dies muss damals ein wunderbares Schauspiel gegeben haben. Schade, dass diese Erfahrung bei Sichtung der Blu-ray natürlich auf der Strecke bleibt. Doch auch jenseits dieser Gimmicks, hat „Schrei, wenn der Tingler kommt“ so einiges zu bieten, was sich auch heute noch im heimischen Wohnzimmer lohnt, anzusehen. Vor allem die schauspielerischen Leistungen. Natürlich ist die Geschichte, die der Film erzählt, ziemlich hanebüchen und ganz darauf ausgerichtet, in den oben beschrieben Passagen das Publikum zum Mitmachen anzuregen. Doch statt daraus ironischen Trash zu machen, wie es heute wohl – leider – der Fall wäre, nimmt der Film seine unwahrscheinliche Geschichte durchaus ernst.

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Vincent Price spielt den Wissenschaftler Dr. Warren Chapin als leidenschaftlichen, aber nicht verbohrten oder gar wahnsinnigen Forscher. Im Gegenteil, auch wenn das Drehbuch ihn in zwei Wendungen als eiskalten Bösewicht darstellt, so ist er doch das genau Gegenteil. Er leidet unter der Untreue und der herablassenden Arroganz seiner Ehefrau. Wenn er ihr dies dann heimzahlt, kann der Zuschauer großes Verständnis für Dr. Chapins Tat aufbringen. Dass sich diese dann nur als Finte entpuppt, spricht für die Warmherzigkeit, mit der Vincent Price seine Rolle anlegt. Auch seine fast schon kindliche Begeisterung, wenn er den Tingler entdeckt, bringt man nicht unbedingt mit dem Bild eines mad scientist in Verbindung. Price spielt sympathisch, einnehmend und vor allem mit ausgesuchter Eleganz. Es macht einfach Freude ihm zuzusehen und zu lauschen, wie er die verrücktesten Sätze völlig ohne camp oder Theatralik spricht. Aber auch Philip Coolidge in der Nebenrolle des kleinen, unscheinbaren und doch ganz und gar nicht unwichtigen Olli Higgins spielt sehr fokussiert und lebensecht. Keine Spur von Übertreibung, die man in einem B-Film über einen zu groß geratenen Ohrenkneifer eigentlich erwarten könnte.

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Denn der Tingler selber ist da fast schon ein Schwachpunkt des Filmes. Obwohl sein Name durchaus eine sexuelle Konnotation erwarten lässt, ist das Vieh einfach nur hässlich und erinnert in der Tat fatal an einen Dermaptera. Warum der Tingler seinen Wirtskörper (oder überhaupt irgendjemanden) töten will, bleibt natürlich auch ungeklärt. Aber ohne diesen Kniff gäbe es eben keine gruselige Geschichte. Daher sollte man die Natur und die Motive des Tinglers nicht allzu sehr hinterfragen. Dafür gibt es auch viel zu viele andere schöne Momenten in „Schrei, wenn der Tingler kommt“, die nichts mit dem titelgebenden Untier zu tun haben. Beispielsweise eine spektakuläre Sequenz, in der eine Figur zu Tode geängstigt wird und plötzlich rotes Blut in das schwarz-weiß-Bild schwappt. Oder Dr. Chapins LSD-Trip. Der erste überhaupt in einem Mainstream-Film. Soweit man Castles Werk überhaupt dem Mainstream zuordnen will. Ganz bezaubernd ist natürlich auch die Idee, dass die taubstumme Ehefrau von Olli Higgins ein Kino leitet, in dem ausschließlich Stummfilme gezeigt werden. Allein dafür muss man „Schrei, wenn der Tingler kommt“ lieben.

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Auch die Interaktion zwischen Vincent Price und der schönen Patricia Cutts als Chapins bösartige Gattin Iabel sorgt für wohlige Höhepunkte. Neben der Cutts als durchtriebenes Luder verblasst die „gute“ Pamela Lincoln und auch der ehemalige Kinderstar Darryl Hickman als jugendlicher Held bleibt arg farblos. In der interessanten Begleit-Doku „Scream For Your Life“ erfährt man, dass der (zu) junge Hickman nur besetzt wurde, weil er zu diesem Zeitpunkt mit Newcomerin Lincoln verheiratet war, und man ihm weiß machte, seine Anwesenheit sei dringend erforderlich, um dem Neuling Sicherheit zu geben. Am Ende spielte Hickman dann ohne Gage mit. Des weiteren muss man noch Judith Evelyn erwähnen, die die taubstumme Kinobesitzerin mit großen, expressionistischen Gesten spielt. Evelyn hat mit Vincent Price in einige Stücken am Broadway gespielt und wurde auf dessen speziellen Wunsch hin gecastet. Zwar hebt sie sich durch ihren bedingungslosen Einsatz von dem Rest der doch eher ruhig-souverän agierenden Schauspieler ab, doch vergegenwärtigt man sich, dass die von ihr gespielte Dame eine großer Freund des Stummfilms ist, passt das dann doch wieder ausgezeichnet. Evelyns bekannteste Rolle ist übrigens auch stumm. Sie spielt die selbstmordgefährtete „Miss Loneyhearts“ in Hitchcocks Meisterwerk „Das Fenster zum Hof“.

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Auch ohne seine Gimmicks ist William Castles „Schrei, wenn der Tingler kommt“ ein charmantes Stück Gruselkino mit viel Zeitkolorit und einer gut aufgelegten Besetzung. An dieser Stelle soll auch noch einmal auf den ausgezeichneten und sehr modern klingende Soundtrack von Von Dexter gelobt werde. Da macht es auch nicht viel aus, wenn das titelgebende Monster nicht ganz so überzeugend ausgefallen ist.

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Mit dem dritten Teil seiner Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ ist Anolis mal wieder ein Volltreffer gelungen, welcher das Herz aller Freunde klassischen 50er-Jahre-B-Horrors höher schlagen lässt. Lange musste man warten, bis der legendäre „Tingler“ auch hierzulande die heimischen Bildschirme unsicher macht. Das Warten hat sich gelohnt, denn die Blu-ray (eine DVD ist auch noch mit dabei) besticht durch ein sehr scharfes Bild. So scharf, dass man leider auch deutlich die Fäden erkennen kann, an denen der Tingler fortbewegt wird. Zudem ist nun der Kontrast zwischen dem „normalen“ Bild und der Szene mit der Badewanne voller rotem Blut ausgesprochen stark. Dies irritiert zunächst, ist jedoch aufgrund des Verfahrens, mit dem Castle diese Schock-Szene realisierte, wohl nicht anders machbar. Laut Wikipedia hat Castle die Szene auf Farbfilm gedreht und dafür das Set und seine Schauspielerin schwarz-weiß streichen lassen. Dies gehört aber wohl ins Reich der Fabeln, da die Szene eher so wirkt, als ob der farbige Teil des Bildes vor einer Leinwand gestanden hätte, auf dem der schwarz-weiße Film abläuft. Dies war zumindest meine erste Assoziation. Der Ton liegt in einer guten, zeitgenössischen Synchronisation und auf Englisch vor. Wie bei jedem Film mit Vincent „The Voice“ Price ist letzteres natürlich vorzuziehen. Auf der Extras-Seite wird man auch glücklich. Herzstück ist die oben bereits erwähnte Doku „Scream For Your Life“. Zudem gibt es noch gleich Audiokommentare. Der erste wurde von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad eingesprochen, der zweite von Ingo Strecker und Robert Zion. Neben diversen Trailern und einer alternativen Fassung der „Scream!“-Kinoszene für Autokinos, wurde noch die deutsche Kinofassung mit auf die Blu-ray gepackt. Diese ist knapp eine Minute kürzer als die Blu-ray-Fassung, wobei mir aber – bis auf die deutschen Titel – keine großen Unterschiede aufgefallen sind. Ein Booklet mit einem Text von Dr. Rolf Giesen rundet diese feine Ausgabe ab.

DVD-Rezension: „Casbah – Verbotene Gassen“

Von , 16. Juli 2016 20:47

casbahIm Schutze der Casbah und ihren engen, verwinkelten Gassen, lebt der berüchtigten Juwelendieb Pepe Le Moko (Tony Martin). Für die Bewohner der Casbah ist er ein Held, für den neue Polizeichef von Algiers (Thomas Gomez) ein Stachel im Fleisch, den er lieber heute als morgen verhaften und seinen Vorgesetzten in Paris präsentieren möchte. Dabei gerät er immer wieder mit seinem Inspektor Silmane (Peter Lorre) aneinander, der ebenfalls schon lange versucht, Pepe Le Moko dingfest zu machen. Doch Silmane weiß, dass dies nur mit Geduld und List möglich ist. Als sich Pepe in die wunderschöne Touristin (Marta Toren) verliebt, scheint für Silmane die rechte Zeit gekommen…

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Gleich zu Beginn des Filmes wird der Begriff „Casbah“ erklärt. Es ist eine große Festung, durchzogen mit „verboten Gassen“, voll von Händlern, Dieben, zwielichtigen Gestalten und neugierigen Touristen. Ein Staat im Staat mit seinen eigenen Gesetzten und einem eigenen König: Pepe Le Moko. Pepe ist eine ebenso charismatische, wie tragische Gestalt. Innerhalb der Casbah ist er der uneingeschränkte Herrscher und weiß die Bewohner der Festung hinter sich. Doch er kann sein Königreich nicht verlassen. Denn nur hier ist er vor dem Zugriff der Staatsmacht sicher. So sitzt er denn in seinem goldenen Käfig. Die Zeit vertreibt er sich mit Gaunereien, der schönen Barbesitzerin Inez und seinen willfährigen Freunden. Ein besonderes Gegenüber ist der Polizist Slimane. Dieser hat sich zur Aufgabe gemacht, Pepe Le Moko zu schnappen. Doch Slimane kennt die Casbah und weiß um die Vorteile, die Pepe im gegenüber ausspielen kann. Statt in blinden Aktionismus zu verfallen, begreift Slimane das Ganze als Schachspiel. Geduldig wartet er auf den richtigen Augenblick, jederzeit bereit, wie ein Schlange die tödlichen Fänge in Pepe Le Moko zu schlagen.

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Slimane ist eine Paraderolle für Peter Lorre. Ihm zuzusehen, wie er ganz cool, manchmal etwas lethargisch, aber hinter jedem Zwinkern jederzeit auch Gefährlichkeit ausstrahlend seine Kreise um Pepe Le Moko zieht, ist ein großartiges Vergnügen. Slimane gleicht einem Hai, der ein potentielles Opfer an der Wasseroberfläche erspäht hat und nun unter diesem gleichmäßig seine Bahnen zieht, immer enger und enger… bis er zupackt. „Cashbah“ zeigt wieder einmal, wie weit Lorre seiner Zeit voraus war, wenn es um seine Art des Schauspiels geht. Hier verschluckt er mal einen Satz, dort nuschelt er gedankenverloren vor sich hin, bricht Sätze einfach ab. Dies verleiht seiner Figur eine Wahrhaftigkeit, die sich stark von der glatten Theaterhaftigkeit des Hauptdarstellers Tony Martin oder den pompösen Auftritten eines Thomas Gomez als Polizeichef Louvain unterscheidet. Und über allem schwebt eine schwere Melancholie, die Slimane in jeder Szene ausströmt. Er weiß, dass er Pepe Le Moko fangen wird, und dies das Ende seines Gegenspielers sein wird. Damit wird auch ein Teil seines Lebens, seiner Persönlichkeit verschwinden. Doch er weiß auch, dass es für ihn hier keine andere Alternative gibt.

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„Casbah“ ist bereits die dritte Verfilmung des Stoffes, Der Roman erschien 1931 und wurde von Henri La Barthe unter dem Pseudonym Détective Ashelbé (H-L-B) geschrieben. Die erste Verfilmung fand in Frankreich statt und die Rolle des Pepe Le Moko im gleichnamigen Film zementierte den Star-Staus des jungen Jean Gabin. Im ersten amerikanischen Remake übernahm sein Landsmann Charles Boyer die Rolle des herzenbrechenden Gauners und startete damit seine Hollywood-Karriere. Die Figur des Pepe Le Moko war so populär, dass es nicht nur Parodien gab, sondern auch das französische Stinktier Pepe Le Pew in den Warner-Brother-Cartoons seinen Namen wegen des anderen Pepe erhielt. In „Casbah“ wird Pepe Le Moko von Tony Martin gespielt, und hier liegt das Problem. Tony Martin ist ein schauspielender Sänger oder singender Schauspieler. Diese wurden in den 40er Jahren gerne eingesetzt, um die Handlung eines Filmes aufzulockern und daraus einen Familienfilm mit Massenappeal zu machen. Man denke nur an die reichhaltigen Gesangsnummern zwischen verliebten Pärchen in den Laurel&Hardy-Langfilmen oder in den späteren Marx-Brothers-Komödien, wie z.B. „Die Marx Brothers im Kaufhaus“, in dem ebenfalls Tony Martin für Romantik und Gesang zuständig war. Obwohl Martin ein durchaus vorhandenes Charisma nicht abzusprechen ist, zerstören seine Gesangsnummern die mühevoll aufgebaute Atmosphäre, und lassen Martin wie einen Operetten-Banditen und weniger wie einen gerissen und unter der anziehenden Oberfläche gefährlichen Gangster wirken. Dies arbeitet dann leider kräftig gegen den Film.

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Abgesehen von dieser künstlerischen Fehlentscheidung ist der Film superb besetzt. Die als Star angekündigte, atemberaubende Yvonne de Carlo tritt zwar nur in einer kleineren Rolle in Erscheinung, schmeichelt den Augen der Zuschauer als exotische Barbesitzerin aber ungemein. Einen größeren Part übernimmt die Schwedin Märta Torén – hier als Marta Toren aufgeführt. Sie spielt die Frau, für die Pepe Le Moko Kopf und Kragen riskiert. Und man kann ihn verstehen. Die damals gerade 21jährige wurde bereits als The Next Ingrid Berman gefeiert. Die Torén bringt eine natürliche, unaufgeregte Schönheit mit, ein unbefangenes Strahlen. Auch wenn ihr der Part der Gaby nicht viel abverlangt, schafft sie es in jeder ihrer Szenen ganz von selbst im Mittelpunkt zu stehen. Märta Torén hätte ein großer Star werden können, wenn es das Schicksal nicht böse mit ihr gemeint hätte. Gelangweilt von Hollywood suchte sie in Italien größere schauspielerische Herausforderungen. Dort lernte sie Regisseur Leonardo Bercovici kennen und brachte eine gemeinsame Tochter zur Welt. Doch das Glück währte nur kurz. Mit nur 31 Jahren starb sie an einem Gehirnschlag. Sieht man „Casbah“, weiß man, was der Filmwelt da für ein hell glänzender Stern verloren gegangen ist.

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„Casbah“ ist bereits die dritte Verfilmung des populären Stoffes um „Pepe Le Moko“. Vor allem funktioniert der Film als Vehikel für einen grandiosen Peter Lorre, doch auch die Damen können hier glänzen. Hauptdarsteller Tony Martin bringt zwar das nötige Charisma für die Hauptrolle mit, allerdings leidet der Film unter dem Versuch der Produzenten ihn durch zahlreiche Gesangsnummern in Richtung exotisches Musical zu drücken. Durch diese Einlagen, sowie die recht konventionelle Inszenierung durch John Berry, bleibt der Film trotz des wunderbar aufgelegten Peter Lorre und der betörenden Schönheit des Duos Yvonne de Carlo/Marta Toren hinter den beiden Vorgängern zurück.

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Die Nummer 23 der Koch Media „Film Noir Collection“ hat ein etwas weiches Bild, welches ansonsten aber ohne weitere Makel ist. Auch der englische Ton ist sauber und angenehm zu hören. Die deutsche Synchro ist zeitgenössisch und sehr schön anzuhören. Die DVD enthält sowohl die kürzere deutsche Kinofassung, als auch die sieben Minuten längere amerikanische Fassung, die 7 Minuten länger läuft. Leider ist der Extras-Bereich ausgesprochen mau ausgefallen. Gerade mal eine Bildgalerie hat es auf die Scheibe geschafft. Empfehlenswert ist aber wieder einmal das informative, 12-seitige Booklet von Frank Arnold.

Blu-ray Rezension: „Der gläserne Schlüssel“

Von , 6. Juli 2016 22:38

schluessel_brFrüher war Paul Madvig (Brian Donlevy) ein Krimineller, heute ist er ein korrupter, aber auch erfolgreicher Politiker. Während er im Vordergrund den charismatischen Bürgerfreund gibt, hält im Hintergrund seine rechte Hand Ed Beaumont (Alan Ladd) die Fäden zusammen. Nachdem sie ihn in aller Öffentlichkeit geohrfeigt hat, setzt sich Madvig in den Kopf, Janet Henry (Veronica Lake), die Tochter des ehrenwerten Senators Ralph Henry (Moroni Olsen) zu heiraten. Um sich bei Henry einzuschmeicheln, lässt Madvig den Nachtclub des Gangster Nick Vama (Joseph Calleia) ausheben, mit welchem er zuvor gemeinsame Sache gemacht hat. Vama sinnt auf Rache. Zeitgleich unterält Madvigs kleine Schwester Opal (Bonita Granville) ein Verhältnis mit Janets Bruder Taylor (Richard Denning). Einem Spieler, der bei Vama große Schulden hat. Als Taylor ermordet wird, fällt der Verdacht auf Madvig. Ed Beaumont hat nun alle Hände voll zu tun, um seinem Chef den Kopf zu retten…

Dashiel Hammett ist einer der ganz großen Wegbereiter der amerikanischen Krimi-Literatur. Als einer der Väter des „Hard-boiled“-Romans, ist sein Schaffen bis heute enorm einflussreich. Wim Wenders hat während seines missglückten Hollywood-Ausflugs versucht, Hammett mit seinem gleichnamigen Film ein Denkmal zu setzen. Aber auch für den amerikanischen Filmgeschichte war Hammett immens wichtig. Seine Romane wurden früh und mehrfach verfilmt. Am Bekanntesten ist sicherlich „Die Spur des Falken“, der Film, welcher Humphrey Bogart zum Star machte. Doch dies war bereits die dritte Verfilmung des Romans. Auch „Der gläserne Schlüssel“ war bereits die zweite Adaption des gleichnamigen Romans. Sieben Jahre zuvor war der Stoff bereits von Frank Tuttle mit George Raft und Edward Arnold in den Hauptrollen verfilmt worden. Ferner schuf Hammett das Screwball-Amateuerdetektiv-Duo Nick und Nora Charles aus den „Der dünne Mann“-Filmen. Und sein Debütroman „Red Harvest“ war Inspiration für Akira Kurosawas „Jojimbo“ (was Kurosawa allerdings bestritt), der wiederum als „Für eine Handvoll Dollar“ und „Last Man Standing“ neu in Szene gesetzt wurde.

„Der gläserne Schlüssel“ erzählt eine komplexe Geschichte, ohne sich dabei in den zahlreichen Handlungsfäden und Nebenfiguren zu verlieren. Nomineller Hauptdarsteller ist der wie immer zuverlässige Brian Donlevy, der den bulligen Politiker Paul Madvig spielt. Madvig kokettiert gerne mit seiner nicht ganz sauberen Vergangenheit und seine Nähe zum Mob. Da ist es nur folgerichtig, wenn Donlevy ihn auch wie einen – durchaus sympathischen – Gangster anlegt. Tatsächlich macht der Film keinen Hehl aus der Korruptheit seines Helden, der auch gerne mal von den Fäusten Gebrauch macht, um seine Meinung durchzuboxen. Man wundert sich, wie der Film durch die engen Maschen des Hays Office geschlüpft ist. Der andere hier auftauchende Politiker ist ein Waschlappen, der sich gerne dorthin neigt, woher der Wind weht. Der Staatsanwalt ist eine lächerliche Gestalt ohne eigenen Willen und ein Zeitungsverleger in der Hand der Mafia. Es ist kein besonders positives Bild, welches Regisseur Stuart Heisler da von Amerika und seinen Würdenträgern zeichnet.

Auch die eigentliche Hauptfigur, Madvigs rechte Hand Ed Beaumont, wird ihn kein positives Licht gestellt. Ed handelt als willfähriges Werkzeug seines Meisters Madvig. Um dessen Unschuld zu beweisen, ist ihm kein Trick zu schmutzig. Er lässt sich auch lieber halb tot prügeln, als gegen die Interessen seines Auftraggebers zu handeln. Woher diese verbissene Loyalität kommt, wird im Film nicht ganz klar. Madvig hat Ed wohl mal aus der Klemme geholfen. Eds bedingungslose Treue, lädt aber diverse Kommentatoren im Netz dazu sein, über eine Liebesbeziehung zwischen Ed und Madvig zu spekulieren. Ein Aspekt, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Auch in Eds Beziehung zu dem, von dem großartigen William Bendix verkörperten, Schläger Jeff spielt eine homoerotischer Unterton eine tragende Rolle. Jeff behandelt Ed fast zärtlich, gibt ihm Kosenamen, bevor er ihn mit aller Brutalität und Körperlichkeit als Punching Bag benutzt. Bei ihrem letzten Zusammentreffen lädt Jeff Ed zunächst auf eine Flasche Whiskey ein und umarmt ihn liebevoll, während er voller Vorfreude davon spricht, dass er ihn gleich totprügeln wird. Interessantes, wenn auch irrelevantes Detail am Rande: Während der Dreharbeiten freundeten sich Alan Ladd und William Bendix an, und es entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft zwischen Beiden.

Eine spannende Rolle spielen auch die eigensinnigen und selbstbestimmten Frauen in diesem Film. Sei es Madvigs kleine Schwester, die durch ihre starrköpfige Liebe zum spielsüchtigen Taylor eine Katastrophe hinauf beschwört. Oder die Ehefrau des Zeitungsverlegers, die sich sobald sie vom Bankrott ihres Mannes erfährt, vor dessen Augen sofort Ed Beaumont an den Hals wirft. Im Mittelpunkt steht aber natürlich die wundervolle Veronica Lake. Hier empfiehlt es sich auch, den Film im Original zu schauen, um die rauchig-verruchte Stimme der Lake genießen zu können. Diese vermutet man bei einem so zierlichen Persönchen gar nicht, aber sie passt hervorragend zu ihrer forschen, fordernden Rolle. Veronica Lake besitzt diesen belustigten, zynischen Unterton in ihrem erotischen Timbre. Das macht sie, neben ihrem wunderschönen und unverwechselbaren Äußeren, zur perfekten Femme Fatale. Ihre Janet Henry ist eine interessante Rolle, denn sie hält selbstbestimmt die Fäden in der Hand und lässt sich nicht vor fremde Karren spannen. Auch wenn Madvig damit prahlt, dass er sie erobert hätte, so ist es doch eher so, dass sie ihm erlaubt hat, in ihre Nähe zu kommen, um ihn in den Abgrund stürzen zu lassen. Mit Ed verbindet sie vor allem die Beziehung zu Madvig, auch wenn man eine unterschwellige, sexuelle Neugierde zwischen ihnen spürt. Dass Beiden dann ein geradezu lächerliches Happy End aufgebrummt wird, ist ausgesprochen ärgerlich. Denn diese Konzession an die Hollywood-Konventionen will so gar nicht zu dem Rest des Filmes passt, und schwächt diesen dadurch vollkommen unnötig.

Die Dashiell-Hammett-Verfilmung erstaunt durch einen hohen Grad an Brutalität und einer generell skeptischen Weltsicht. Das Paar Alan Ladd und Veronica Lake harmoniert perfekt miteinander, auch wenn sie sich eher wie Tiger umkreisen. Hervorgehoben müssen aber auch die Nebendarsteller werden. Allen voran der wie immer großartige William Bendix, der seiner im Grunde eindimensionalen Figur ungeahnte Untiefen verleiht. Allein das unglaubwürdige und auch vollkommen unpassende Ende trübt ein wenigen den ansonsten guten Eindruck.

„Der gläsernen Schlüssel“ ist die 22. Folge aus der „Film Noir Collection“ des Hauses Koch Media. Das Bild ist zwar nicht gerade brillant, macht aber auch nicht den Eindruck einer billigen „Public Domain“-Presse. Etwas körnig, dafür scharf und ohne Verschmutzungen. Der englische Ton ist für sein Alter klar und deutlich und definitiv der deutschen TV-Synchronisation vorzuziehen, da diese recht leblos und mit ihren nachträglich eingefügten Geräuschen sehr künstlich wirkt. Zudem kommt man nur so in den Genuss der wunderbaren Stimme von Frau Lake. Falls man mal etwas nicht versteht, kann man die englischen Untertitel zuschalten. Deutsche gibt es leider keine. Das Bonusmaterial ist lächerlich. Drei kurze Clips, die aus der US-Vorlage stammen und zusammen keine 9 Minuten gehen. Zudem wird hier vor allem oberflächlich auf die anderen Filme eingegangen, die in der amerikanischen „Film Noir Collection“ erschienen, aus der das Master dieser Veröffentlichung augenscheinlich stammt. Sehr viel informativer ist da das sehr gut geschriebene, 12-seitige Booklet von Frank Arnold. Ansonsten gibt es noch eine Bildergalerie und den Trailer.

DVD-Rezension: „The Blackout“

Von , 24. Mai 2016 21:19

theblackoutDer drogen- und alkoholabhängige Hollywood-Star Matty (Matthew Modine) reist nach Miami, um dort seine Geliebten Annie (Beatrice Dalle) zu treffen. Als diese ihm gesteht, ihr gemeinsames Kind abgetrieben zu haben, rastet Matty aus, obwohl er derjenige war, der Annie dazu getrieben hat. Als Annie ihn daraufhin verlässt, schmeißt er immer mehr Drogen ein, bis er schließlich im Beisein seines Freundes Mickey Wayne (Dennis Hopper) einen Blackout erlebt. 18 Monate später hat Matty einen Entzug hinter sich und lebt mit seiner neuen Freundin Susan (Claudia Schiffer) zusammen. Doch ihn quält der Verdacht, dass er während seines Blackouts eine fürchterliche Tat begangen hat. Als Susan für einige Tage beruflich verreist, macht sich Matty auf den Weg nach Miami, um Antworten und seine geliebte Annie zu finden…

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Nach zwei gefloppten Filmen für ein großes Hollywood-Studio kehrte Abel Ferrara 1995 zu seinen Wurzeln zurück und produzierte einige kleine Low-Budget-Produktionen. Mit „The Addiction“ und „The Funeral“ drehte er hintereinander weg zwei Kultfilme. Damit kehrte er in den Schoß jener unabhängigen Kult-Filmemacher zurück, bei denen die bekannten Hollywood-Namen beim Casting Schlange stehen, um für schmales Geld etwas für ihr Prestige zu tun. Bei „The Blackout“ sind es neben Dennis Hopper (der allerdings nie besonders anspruchsvoll in seiner Filmauswahl war, Hauptsache der Scheck stimmte) und Matthew Modine, der hier gegen sein Saubermann-Image anspielt, die Französin Beatrice Dalle und das deutsche Supermodel Claudia Schiffer. Die Dalle spielt die verführerisch kaputte Annie mit solch einer natürlich-lasziven Leck-mich-Attitüde, dass man meint, sie förmlich Alkohol und Koks ausschwitzen zu sehen. Sie spielt nicht, sie ist. Modine ist zwar ebenfalls sehr überzeugend als unsympathische Riesenarschloch, welches sehenden Auges sein eigenes Leben rücksichtslos auf die Reise ins Klo schickt. Doch Modine „spielt“. Das macht er gut, aber er spielt. Modine kokst, säuft, schreit, greint, starrt mit einer gewissen Penetranz. Hautnah wird jede Sucht am Beispiel Mattys durch dekliniert: Drogen, Alkohol, Sex, Narzissmus. Einem wird schon beim Zuschauen schwindelig und man möchte dem wehleidig-egomanischen Popanz ebenso ins Gesicht schlagen, wie es die Dalle tut, als Matty ihr die vehement die Abtreibung ihres Kindes vorwirft, zu der er sie selber gezwungen hat.

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Neben der drogenverkleisterten Promiwelt Miamis, porträtiert Ferrera auch seine eigene Branche, die einem hier wie ein Höllenschlund voller egozentrischer Psychopathen vorkommt. Alle sind im Drogenrausch, hemmungslos Ich-fixiert und im besten Falle nur vollkommen verrückt. Möglicherweise hat Ferrara die von Dennis Hopper gespielte Figur des Mickey Wayne als eine Art Selbstportrait angelegt. Erlebt man Ferrara in Interviews und weiß um seine eigene „wilde“ Zeit, ist dies zwar nicht unbedingt schmeichelhaft, aber sehr wahrscheinlich. Mickey Wayne ist ein Puppenspieler in allen Bedeutungen des Wortes. Der Nachtclub-Besitzer wäre gerne Filmemacher, inszeniert eine wilde Videoproduktion, mit der er Émile Zola Romans „Nana“ in seinem Nachtclub mit viel nackter Haut und dampfenden Sex verfilmt. Irgendwann sitzt er dann mit dem vollkommen abgewrackten Matty in einem Hotelzimmer und nimmt mit seiner allgegenwärtigen Videokamera zwei silikonverstärkte „Eskortdamen“ bei lesbischen Liebesspielen auf. Ganz im Sucher seiner kleinen Videokamera gefangen, beobachtend, inszenierend, ohne selber wirklich aktiv zu werden. Ein voyeuristischer Kontrollfreak. Leider spielt Hopper ihn in jenem stereotypen „Frank-Booth“-Stil, den er in den 90ern kultiviert hatte, und der mittlerweile wie ein Parodie auf seine Paraderolle wirkt.

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Die Einbindung der Dreharbeiten zu Mickey Waynes merkwürdigen „Nana“-Verfilmung nutzt Ferrea zu allerlei technischen Spielereien. Er mischt Film und Digitalook, kreiert damit visuell zwei Ebenen, um dann Film und Film-im-Film zu verwischen. Er spielt mit Überblendungen, kräftigen Farben und körnigem, ausgebleicht wirkendem Material, um die verschiedenen Stimmungen, dramatischen Ereignisse und vor allem das Innere seines zwischen Rausch und Kater, aufgekratzter Euphorie und depressiver Verzweiflung, plakativ dargestellter Selbstsicherheit und vor Selbstmitleid triefender Weinerlichkeit schwankenden Protagonisten zu illustrieren. Zusammen mit dem kongenialen Soundtrack beweist Ferrara hier seine technische und kreative Meisterschaft. Die Figuren bleiben einem dabei aber weiter fremd und zutiefst zuwider. Nur die klinisch reine Claudia Schiffer in ihrem Spielfilmdebüt, und natürlich die wunderbare Sarah Lassez können etwas Wärme und Menschlichkeit einbringen. Der Rest lässt sich ständig um sich selbst kreisend durch den Rausch der Partynächte in Miami treiben.

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Abel Ferrara verarbeitet in „The Blackout“ Themen, die ihn seine ganze Karriere begleiten. Die Korruption der Seele, die Leere eines oberflächlichen Lebens und der verzweifelte Versuch, diese mit Drogen, Sex und Selbstquälerei zu füllen. Matty ist darin dem „Bad Lieutenant“ nicht unähnlich, ohne allerdings dessen seelische Zerrissenheit zu transportieren. Bei Matty hat man eher das Gefühl, dass ihn allein seine grenzenlose Egozentrik in seine Lage gebracht hat. Technisch und stilistisch wie immer brillant von Ferrara inszeniert, krankt der Film als ernst gemeintes Psycho-Drama dann auch an seiner hohlen Hauptfigur. Wenn man ihn allerdings als bitterböse, sarkastische Abrechnung mit den aufgeblasenen Egos einiger Hollywood-Stars versteht, funktioniert er wiederum recht gut.

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Der Film ist als Nummer 4 in der CineSelection des Labels filmArt erschienen. Das Bild – soweit man dies anhand der vielen unterschiedlichen Materialien und Techniken beurteilen kann, ist sehr gut geworden. Auch der Stereo-Ton ist sowohl in der Original-, wie auch in der Synchron-Fassung sehr sauber und gut zu verstehen. Das Bonusmaterial besteht aus einer 4:3 Open Matte-Fassung und einem 12seitigen Booklet von Marcus Stiglegger, der weniger auf „The Blackout“ als solches eingeht, sondern vielmehr interessante Aspekte über die zentralen Motive im Werk Abel Ferraras hervorhebt. Sehr interessant.

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