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DVD-Rezension: “Shaw Brothers Collection Vol. 2″

Von , 4. Mai 2013 20:46

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Vor kurzem hat Koch Media die Fortsetzung ihrer erfolgreichen „Shaw Brothers Collection“ veröffentlicht. In der „Shaw Brothers Collection Vol. 2“ befinden sich fünf Filme aus der goldenen Zeit der legendären Shaw Brother Studios, die in den 70er Jahren die Filmindustrie in Hongkong beherrschten. Auch in Deutschland waren die Filme aus der Shaw-Brothers-Schmiede höchst erfolgreich. Zunächst in den Bahnhofskinos, dann auf den ersten Videokassetten.

Lange Zeit hielten die Shaw Brothers ihre Archive geschlossen, so dass die Filme erst sehr spät ihren Weg ins digitale Zeitalter fanden. Erst 2002 erschienen die ersten Titel in Hongkong bei Celestial Pictures auf DVD. In Deutschland wurden einige Titel aus dem Celestial-Fundus um 2005 herum bei MiB veröffentlicht. Allerdings mit einer neuen deutschen Synchronisation, da die Rechte für die alte Kino-Synchro scheinbar nicht vorlagen. Die billige neue Synchronisation bot den Fans dann auch guten Grund zur Klage. Koch Media bedient sich ebenfalls bei Celestial, was nicht schlecht ist, denn die von Celestial restaurierten Filme weisen allesamt eine hohe Bildqualität auf. Zudem ist nun die alte deutsche Kino-Synchro mit an Bord. Da es in den 70ern Praxis war, die „minderwertigen“ Kung-Fu-Filme auf bequeme 80 Minuten runter zu schneiden, fehlt gegenüber den Originalfassungen eine ganze Menge und hierfür gibt es auch keine deutsche Synchro. Dies gleicht Koch Media dadurch aus, dass für die „Leerstellen“ eine neue, professionelle Synchronisation erstellt wurde. Nun haben die Darsteller zwar zwei unterschiedliche Stimmen, doch es wurde darauf geachtet, dass die Unterschiede nicht allzu gravierend sind.

Als sechste DVD liegt der Box ein ganz besonderes Schmankerl bei. Dort finden sich alte Trailer zu 51 Shaw Brothers Titeln. Diese stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen. Mal 16:9 von 35mm Kopien, mal 4:3 von VHS-Kassetten. Dementsprechend variiert auch die Qualität erheblich (einige 35mm Kopien haben schon ein bewegtes Leben hinter sich oder sind sehr rotstichig), was dem Spaß aber keinen Abbruch tut.

Leider kann ich hier nur 4 der 5 Filme in der Box besprechen, da bei Koch Media (mal wieder) etwas beim zuschicken des Rezensionsexemplars schief gegangen ist und sich dort statt „Der Todesspeer der Shaolin“ der französische Thriller „Point Blank – Bedrohung im Schatten“ befand. Trotz mehrmaligen Anschreibens, konnte mir leider nicht die richtige DVD mit dem „Todesspeer“ zugeschickt werden, weshalb gerade dieser- bisher nicht in Deutschland veröffentlichte und von Koch Media daher komplett synchronisierte – Film in der Besprechung fehlt. Sehr ärgerlich, aber ich wollte Euch jetzt nicht deswegen die Review der Box komplett vorenthalten.

 

Marco Polo – Im Reiche des Kublai Khan (1975)

Im Jahre 1275 wird China von den Mongolen beherrscht. Der Venezianer Marco Polo (Richard Harrison) kommt an den Hof des Herrschers Kublai Khan (Li Tung-chuen), der das Erbe seines Großvaters Dschingis Khan verwaltet hat und China mit eiserner Faust beherrscht. Marco Polo gewinnt Kublais Vertrauen und wird von ihm in die Provinz Yangzhou geschickt, wo es noch einige chinesische Rebellen geben soll. Tatsächlich Weiter lesen 'DVD-Rezension: “Shaw Brothers Collection Vol. 2″'»

DVD-Rezension: “The Four”

Von , 9. Februar 2013 17:41

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China zur Zeit der Song-Dynastie. Der Prinz (Waise Lee) beauftragt zwei Polizeieinheiten mit der Aufklärung eines Falschgeldfalles. Da sind einmal die Eliteeinheit „Abteilung 6“, sowie die von Zhu Zhengwo (Anthony Wong) gegründete Göttliche Division. Diese im Geheimen operierende Gruppe, besteht aus Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Neben der Telepathin Emotionless (Liu Yifei), und dem Kämpfer und Erfinder Iron Hand (Collin Chou), sind seit Kurzem auch der Kopfgeldjäger Life Snatcher (Ronald Cheng) und der bei Wölfen aufgezogene Coldblood (Deng Chao) dabei. Bald schon entdeckt die „Göttliche Divison“, dass hinter dem Falschgeld-Fall mehr steckt und eine Verschwörung in Gange ist, die eine große Gefahr für das Land und den Prinzen darstellt.

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Hat man die ersten 15 Minuten überstanden, kann man sich gratulieren. Denn diese bestehen aus einem Gewimmel an Menschen, von denen man keine Ahnung hat, wer sie sind und was sie eigentlich wollen. Aus grottenschlechter CGI und einem Schnittgewitter, welches “Ein Quantum Trost” wie einen Film von Tarkowski aussehen lässt. Die schlechten CGI verbessern sich auch im Laufe des Filmes nicht, dafür wird die Kamera aber ruhiger und man hat tatsächlich die Chance, die Protagonisten kennenzulernen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Film “The Four” immer dann punkten kann, wenn er mal etwas zur Ruhe kommt und sich Zeit nimmt, eine Geschichte zu erzählen und die durchaus sympathischen Hauptdarsteller in den Vordergrund zu rücken.

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Der Film beruht auf einer Reihe von Romanen, die in den 70er Jahren ein großer Erfolg waren. Es gibt auch eine TV-Serie von 2008, die diese Romane adaptierte. Für diesen Film wurde allerdings eine tiefgreifende Änderung vorgenommen, Herzlos, die in diesem Film zarte Liebesbande mit Leng Lingqi (Chao Deng) knüpft, ist in den Romanen bzw. der TV-Serie noch der männliche (!) Held der Geschichte. “The Four” ist nun der Auftakt zu einer neuen Filmserie. Zurzeit wird an zwei Sequels gearbeitet, die das Ganze zu einer Trilogie aufblasen werden. Möglichkeiten hierfür bietet die Geschichte um die „Göttliche Divison“ auf jeden Fall.

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Schauspielerischen Glanzleistungen sollte man (ausgenommen der wie immer souveräne Anthony Wong) allerdings hier nicht erwarten. Gerade Yifei Liu als auf den Rollstuhl angewiesene Telepathin macht einen eher apathischen Eindruck, während der von Chao Deng gespielte Held auch nicht wirklich durch eine ausgefeilte Mimik glänzt. Dafür besitzen ihre beiden Teamkameraden aus der zweiten Reihe (Ronald Cheng und Collin Chou) genügend Präsenz, damit der Film hier nicht in ein schauspielerisches Vakuum fällt. Deutlich besser besetzt ist die Seite der Bösen, wo Xiu Bo Wu einen bunten Bösewicht mit Schwäche für das weibliche Geschlecht gibt. Am Interessantesten ist aber die Rolle von Yi Yan Jiang ausgefallen, die eine mysteriöse Schönheit gibt, die eine doppelbödiges Spiel betreibt.

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Die Geschichte um die “Göttliche Division” und ihrem Konkurrenzkampf mit der “Abteilung 6″ hat dann auch eine Menge Potential, welches leider nicht gänzlich ausgeschöpft wird. Gute Einfälle werden allzu häufig unter steinzeitlichen Spezial Effekten, allzu künstlichen Computerlandschaften und wirren Schnitten begraben. In vielen Reviews wird bemängelt, dass die Charaktere nicht ausgearbeitet und damit lediglich Staffage seien. Das kann ich so nicht bestätigen. Mir gefielen diese sehr gut und gerade das Gespann Ronald Cheng/ Collin Chou besitzen eine sehr sympathische Ausstrahlung. Im Gegensatz zu Filmen wie “Wild Seven” wird sich auch Zeit gelassen, die Nebenfiguren vernünftig vorzustellen und einen eigenständigen Charakter zu verleihen. Allerdings reichen die knapp zwei Stunden Spielzeit nicht aus, jeder Figur gleich viel Hintergrund zuzugestehen. Insbesondere Collin Chou als volltätowierter Schmied Eisenfaust wirkt etwas alleingelassen. Vieles wird eher angedeutet, als erklärt. Vielleicht ist das Format einer TV-Serie für “The Four” doch angemessener als ein Spielfilm. Vielleicht wird dieses Manko aber auch in den bereits angekündigten Sequels besser gelöst.

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Besonders die Ausstattung des Filmes weiß zu gefallen, denn sie gibt dem Ganzen eine mysteriöse Ausstrahlung. Ebenso kann der Soundtrack lobend erwähnt werden. Wenn der Film einen deutlichen Schlag ins Fantastische bekommt und neben mit einer Art Werwolf auch noch mit einer Armee Untoter aufwartet, fallen die fürchterlich schlechten und aufdringlichen Spezial-Effekte nicht mehr ganz so negativ ins Gewicht, da zu diesem Zeitpunkt die Actionszenen sowieso an alte PC-Spiele erinnern und der Film jeglichen Realismus verloren hat. Was wiederum etwas schade ist, denn gerade die klassische Detektivgeschichte, die ja eigentlich Grundlage des Films bildet, wird dabei immer mehr außer Acht gelassen, um am Ende in einem merkwürdig unspektakulären Ende (welches die Fortsetzung andeutet) zu verpuffen.

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“The Four” leidet an zu vielen billigen Computereffekten und schlecht ausgeführten Actionszenen. Auf der Habenseite kann der Film aber mit einer gemütlich, klassischen Detektivgeschichte, überwiegend sympathischen Charakteren und überzeugenden Schurken punkten. Insgesamt ist “The Four” aber nur eine weniger gelungene Pilotfolge zu einer Serie.

Bild und Ton der Splendid-DVD sind mal wieder tadellos. Extras gibt es allerdings keine.

DVD-Rezension: “The Viral Factor”

Von , 23. September 2012 13:45

Bei einer geheimen Operation in Jordanien wird eine chinesische Elite-Gruppe durch einen Verräter (Andy On) in eigenen Reihen in einen Hinterhalt gelockt. Dabei wird ein tödliches Virus gestohlen und das halbe Team erschossen. Der Polizist Jon (Jay Chou) wird dabei von einer Kugel in den Kopf getroffen. Diese soll, laut Ärzten, in den nächsten paar Tagen zu einer kompletten Lähmung und dadurch schließlich zum Tod Jons führen. Jon zieht sich aus dem aktiven Dienst zurück und besucht seine Mutter in Beijing. Dort erfährt er ein lange gehütetes Geheimnis: Jon hat einen Bruder, der bei seinem Vater in Malaysia lebt. Daraufhin reist Jon nach Kuala Lumpur, um dort seine Familie aufzuspüren. Kaum ist er in Kuala Lumpur angekommen, wird die Medizinerin Rachel (Lin Peng) – mit der er sich auf dem Flug befreundet hatte – vor seinen Augen entführt. Und der Anführer der Kidnapper ist ausgerechnet sein älterer Bruder Yeung (Nicholas Tse). Jon findet schnell heraus, dass das alles mit dem in Jordanien gestohlenen Virus zusammenhängt und die Zeit tickt…

Dante Lam wurde in den letzten Jahren als Zukunft des Hongkong-Chinesischen Actionkinos gehypt. Seine Filme „The Stool Pigeon“ und „Beast Stalker“ stehen sehr hoch in der Fangunst. Nun hat er von seinem Produzenten ein, für Hongkong-Verhältnisse, sehr hohes Budget in die Hand gedrückt gekommen und damit den Auftrag, einen Mega-Action-Blockbuster zu drehen. War er damit erfolgreich? Schaut man auf die beeindruckenden Actionszenen und den hohen Aufwand, müsste man sagen: Ja.

The Viral Factor“ kann es locker mit Hollywood-Produktionen, vor allem denen aus der Michael-Bay-Schmiede aufnehmen. Die Kameraführung ist elegant, die Actionszenen rasant und atemberaubend umgesetzt. Ständig hämmert ein bombastischer Soundtrack, der sich stark nach Hans-Zimmer-Hollywood anhört. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert und das sieht man dem Film auch an.

Besonders angenehm fällt dabei ins Auge, dass relativ wenig CGI, und wenn eher unauffällig, eingesetzt wurde. Wenn sich Autos überschlagen, dann tun sie das wirklich. Jagen sich Hubschrauber durch ein Labyrinth von Wolkenkratzern, dann hat man nicht das Gefühl, dass das alles aus dem Rechner stammen würde. „The Viral Factor“ ist bigger-than-life und ständig drängt der Film nach vorne, so dass er – trotz seiner Spielzeit von 117 (nicht wie auf dem Cover angegeben 123) Minuten – förmlich am Zuschauer vorbeifliegt.

Für die beiden Hauptrollen wurden wieder, in ihrem Heimatland populäre, Canton-Pop-Sänger gewonnen. Dante Lams Lieblingshauptdarsteller Nicholas Tse als böser Bruder macht seine Sache dabei wirklich gut und entwickelt ein ganz eigenes Charisma. Was man vom hamstergesichtigen Jay Chou leider nicht behaupten kann. Er bleibt blass und unglaubwürdig. Viel zu wenig bekommt man leider vom Schurken des Stückes zu sehen, der von Andy On mit einem guten Gespür für schmierige Gefährlichkeit gegeben wird.

Probleme stellen sich aber ein, wenn man ein Blick auf das Drehbuch wirft, welches sich vor allem aus den ältesten Klischees des Heroic-Bloodshed-Genres bedient. Der gute Gute und der gute Böse, – hier Brüder – die nicht ohne einander können. Das kennt man aus der Hochzeit eines John Woo (z.B. in „The Killer“) oder Ringo Lam („Full Contact“). Schwerer wiegt es allerdings, dass sich das Drehbuch einmal zu oft auf haarsträubende Zufälle verlässt. Da fährt z.B. der Hauptschurke zufällig in Kuala Lumpur an der Nase des Helden vorbei oder ist der erste Mensch, dem der Held begegnet, gleich sein Bruder, den er zuvor noch nie gesehen hat. Und wenn die beiden miteinander kämpfen, fällt zufällig die Brieftasche des einen so aus der Tasche, dass der andere, kurz vorm Durchziehen des Abzugs, ein kleines Familienfoto sieht. Das ist einfach ärgerlich, könnte man aber vielleicht noch verzeihen, wenn das Drehbuch sein Potential ausschöpfen würde. Aber wichtige Plotelemente werden während des Filmes einfach vergessen (die Wissenschaftlerin, die gleichzeitig love interest des Helden ist, verschwindet z.B. für einige Zeit einfach aus der Handlung) und dramatische Elemente einfach links liegen gelassen.

Zunächst wird ein großes Bohei darum gemacht, dass  Jon eine Kugel im Kopf hat, die kontinuierlich seine Motorik lähmen und dadurch schließlich innerhalb weniger Tage töten soll. Wie so etwas richtig gemacht wird, weiß man spätestens, seit Howard Hawks dem alten Cowboy John Wayne in dem Meisterwerk „El Dorado“ ein ähnliches Schicksal zumutete. Während der Cowboy dadurch in wichtigen Augenblicken gehandikapt ist und dies der Handlung eine zusätzliche Dramatik beschwert, kümmert sich Jon kein Stück um seinen nahen Tod. Im Gegenteil, er kämpft, sprintet und schießt, als ob er niemals von dieser Kugel getroffen worden wäre. Sogar im großen Finale spielt dieser Aspekt keine Rolle. Obwohl seit der tödlichen Diagnose bereits Tage vergangen sind – und er bereits unter zahlreichen Ausfallerscheinungen leiden sollte – benimmt sich Jon wie ein Fisch im Wasser und kann es problemlos mit Heerscharen von Gegnern aufnehmen. Was nicht unbedingt stören würde, wäre dieses Element nicht zu Anfang so groß aufgebaut worden.

Aber so geht es mit vielen Details. Dass der Schurke einst Jons Kollege war und dessen Freundin auf dem Gewissen hat, ist in der weiteren Geschichte genauso irrelevant, wie die Tatsache, dass sein Bruder zuvor wie ein Mähdrescher durch unschuldige Personen gepflügt ist, bis er sich plötzlich vom Saulus zum Paulus wandelte.

Im Drehbuch ist somit durchaus das  Potential für große, dramatische Effekte angelegt, es wird aber überhaupt nicht genutzt. So bleibt „Viral Factor“, unter seiner wirklich beeindruckenden Oberfläche, leider doch flach und trashig.

Die DVD von Splendid überzeugt mal wieder mit einem guten Bild und dynamischem Ton. Die Synchronisation ist zwar nur mittelmäßig, stört aber nicht allzu sehr. Zumal auch der O-Ton mit guten Untertiteln an Bord ist. Als Extras wird ein in sechs Segmente aufgeteiltes, 12-minütiges Making-Of angeboten, welches nicht viel Aussagekraft hat und neben den üblichen Interviews – die erzählen, wie toll der Film ist und wie herausfordernd die Rollen – einige Einblicke in die Dreharbeiten gibt.

DVD-Rezension: “14 Schwerter”

Von , 16. Juli 2012 15:04

China im 11. Jahrhundert. Der Yang-Clan beschützt seit Jahrhunderten das Land vor Feinden. Als Yang Zongbao, der Anführer der Yangs, im Kampf gegen die feindlichen Xia fällt, machen sich die Witwen des Yang-Clans auf, den Xiao gegenüberzutreten.

Jackie Chan produziert das Remake eines Shaw-Brothers-Klassikers.  Und dann noch eines des sehr beliebten „14 Amazons“ aka „Die Rache der Gelben Tiger“. Garniert wird das Ganze mit vielen wunderschönen Frauen und der große alte Dame des Martial-Arts-Kinos, „Golden Swallow“ herself, Cheng Pei-Pei. Was soll da schon großartig schief gehen? Die Antwort lautet leider: Alles.

Regisseur Frankie Chan scheint von allen guten Geistern verlassen gewesen sein, als er „14 Schwerter“ drehte.  Mit dem vielen Geld, das er zur Hand hatte, weiß er rein gar nichts anzufangen. Sein Film sieht trotzdem aus wie eine Low-Budget-Laienspielvorführung. Und in Sachen Schauspielführung muss Herr Chan ebenfalls noch kräftig lernen. Wenn in „14 Schwerter“ jemand stirbt, gibt er gleich den sterbenden Schwan. Auch sonst ist viel zu viel Enthusiasmus in den Darstellungen vorhanden. Vom technischen Standpunkt aus gesehen muss man leider konstatieren, dass „14 Schwerter“  auch hier einen eher amateurhaften Eindruck macht. Das fängt bei den grottenschlechten CGI-Effekten an, die beinah schon an selige C64-Zeiten erinnern, und geht über die Kampfchoreographie weiter, die noch nicht einmal den Anschein erwecken möchte, als würden hier reale Menschen reale Kämpfe durchführen. Sofern man bei den schnellen Schnitten, Computergrafiken und an Seilen hängenden Darstellern überhaupt noch von so etwas wie Choreographie sprechen mag.

Und was, bitte schön, ist mit Frankie Chans Augen los? Sieht er denn nicht, dass seine Figuren in JEDER Actionszene viel zu schnell aufgenommen sind, und egal, ob sie nun durch die Wüste laufen, reiten oder kämpfen, sich wie Figuren in einem Stummfilm, der zu schnell abgespielt wird, bewegen? Was soll das? Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass sich alle Darsteller in den Kampfszenen sehr langsam bewegt haben müssen und jetzt mit Zeitraffer Tempo erzeugt werden soll. Das sieht einfach nur dämlich aus. Wie die Keystone-Cops auf Speed. Die These, dass Frankie Chan seines Augenlichts beraubt wurde, untermauert auch die Wahl seiner Darsteller. Der junge Yang Wenguang soll laut Geschichte 18 Jahre sein, sein Darsteller Xiao Ming Yu sieht aber aus wie Mitte 20 und damit fast so alt, wie die auf jung geschminkte, 32jährige Cecilia Cheung, die seine Mutter (!) spielt. Dem Fass den Boden ausgeschlagen wird aber mit der Besatzung der Großmutter von Yang Wenguang. Eine wunderschöne Dame, gewiss, aber sie sieht aus, wie gerade einmal um die 40.  Gänzlich verschwendet ist  Cheng Pei-Pei, als Urgroßmutter (!), die aussieht, wie ein unter einem Gummihelm gepresster Teletubby, und die zumeist nur dekorativ in der Gegend herumsitzen darf.

Überhaupt mal ein Wort zur Handlung: Verworren, zu lang und dann auch noch völlig ohne irgendwelche Empathie für einen der Charaktere. Manchmal bekommt man gar nicht mit, wer jetzt gerade gestorben ist und welche Funktion er oder sie in der Geschichte ausgeübt hat. Es ist einem auch egal. Von den dümmlichen und platten Dialogen spreche ich jetzt gar nicht erst. Interessanterweise soll der Film ja scheinbar zeigen, dass Frauen ebenso gut kämpfen können wie Männer. Dieser, na ja, nennen wir ihn mal wohlwollend „feministische“, Ansatz wird aber ad adsurdum geführt, weil sich durch die Bank ALLE Damen wie hysterische, kleine Teenie-Mädchen verhalten.

Regelrecht nervtötend  ist die monotone Art, mit der Frankie Chan Bedeutung und Action vorgaukelt. Die Einstellung beginnt immer irgendwo im Nichts und dann wird die Kamera dramatisch herumgerissen und mit einem schrecklich bedeutungsvollen WUUUUUMMMSSS auf eine Person gezoomt. Das mag beim ersten Mal, und wenn man noch nie einen Film gesehen hat, noch Wirkung erzielen. Aber auch der gutmütigste Zuschauer aller Zeiten dürfte dieser Mätzchen spätestens beim 10x überdrüssig sein.

Aber vielleicht hat Frankie Chan auch die ganze Sache missverstanden und glaubte, er solle eine Parodie drehen. Dies würde nicht nur das hemmungslose Overacting, sondern auch die, sagen wir mal „fantasievollen“, Kostüme erklären. Wenn dem so sein sollte, dann ist er allerdings auch mit diesem Versuch gescheitert, denn diese Ansammlung an Blödsinn und Inkompetenz lädt hier und dort zwar in der Tat zum Lachen ein, aber es ist ein freudloses, mittleidiges Lachen.

Ich gebe zu, ich habe es nicht geschafft, den Film in einem Rutsch zu gucken. Nach 45 Minuten war erst einmal Pause und Erholung angesagt. Zu den restlichen 100 Minuten konnte ich mich nur mit schier masochistischer Selbstüberwindung zwingen. Aber, was soll ich sagen? Es wurde nicht besser. Somit ist der Abspann am Ende noch das einzig Positive. Denn nicht nur ist der Film endlich aus, es werden auch, nach guter, alter Jackie-Chan-Manier, nette und lustige  Impressionen vom Dreh gezeigt.

Mehr lohnt es sich nicht, über dieses Desaster zu schreiben. Deshalb zum Abschluss nur noch ein paar kurze Worte zur DVD. Diese liegt in einer sehr ansprechenden Bild- und Tonqualität vor. Die Synchro ist okay. Als einziges Extra hat es der Trailer auf die Scheibe geschafft.

DVD-Rezension: “Ip Man Trilogy”

Von , 11. Juli 2012 17:30

Ip Man“ war, mit einem Einspielergebnis von 21 Millionen US$ weltweit, einer der größten internationalen Erfolge des Hongkong-Kinos in den letzten Jahren. Erzählt wird – SEHR frei – die Lebensgeschichte des berühmten Wing-Chun-Lehrers Yip Man, der im Westen vor allem dafür bekannt ist, dass Bruce Lee einer seiner letzten Schüler war.

Die Idee zu einem Ip-Man-Bio-Pic stammt bereits aus dem Jahre 1998, aber erst 2008 begannen die Dreharbeiten. Das Drehbuch hält sich allerdings nur sehr entfernt an das wirkliche Leben des großen Meisters. Die Dichtung dürfte hier mehr als 90% ausmachen.  Aufgrund des großen Erfolges wurde dann 2010 noch ein zweiter Teil hinterher geschoben, der direkt an den ersten anschließt. Hier dürfte aber, bis auf die Tatsache, dass Ip Man nach Hong Kong zog und dort eine Schule eröffnete, gar nichts mehr mit den historischen Tatsachen übereinstimmen.

Nichtsdestotrotz machen die „Ip Man“-Filme viel Spaß und erinnern angenehm an die goldene Zeit des Hongkong-Kinos Anfang der 90er Jahre, als Filme wie „Once Upon A Time in China“ und „Fist of Legend“ weltweit für Furore sorgten. Zwar merkt man bei „Ip Man“ zeitweise sehr deutlich, dass der Computer und Kabel den Kämpfern hier und dort etwas auf die Sprünge geholfen haben, aber beide Methoden werden nie so inflationär eingesetzt, dass einem der Spaß am Zusehen vergeht. Generell haben die vielen Kämpfe auch eine angenehm bodenständige Note.

Die Titelrolle ist mit Donnie Yen besetzt, der in den 80ern und 90ern seine größten Erfolge feierte und damals auch häufig als Bösewicht eingesetzt wurde.  2008 ist sein langes, hageres Pferdegesicht etwas rundlicher und seine Zähne scheinbar etwas größer geworden. Mit dem Alter strahlt er nun auch eine fast schon Dalai-Lama-artige Ruhe und Würde aus. Zwar werden seinem Ip Man einige kleine Laster zugestanden, wie die Lust am Kampf oder ein gutes Pfeifchen, aber davon abgesehen ruht er sehr in sich selbst und ist schon allein dadurch seinen, oftmals übereifrigen, Gegnern überlegen. Ursprünglich sollte noch ein dritter Teil gedreht werden, indem dann Ip Mans Schüler Bruce Lee eine Rolle spielt. Donnie Yen lehnte aber ab, noch einmal in Ip Mans Gewand zu schlüpfen, womit das Projekt  dann erst einmal gestorben war. Zurzeit nähren sich aber die Gerüchte, dass der Abschluss der Trilogie doch noch zustande kommt und Donnie Yen erneut die Rolle des Ip übernimmt.

Die Choreographie der Kampfszenen übernahm ein altes Schlachtross des Hongkong Kinos: Der große Sammo Hung. Sammo Hung bildet zusammen mit Jackie Chan und Yuen Biao die „Drei Musketiere des Kung Fu“. Alle drei hatten bei Meister Yu Jim Yuen gelernt. Sammo war der erste, der ins Filmgeschäft ging und dort später seinen “kleinen Brüdern“ den Weg ebnete. Für die Choreographie von „Ip Man“ wurde er mit dem „Golden Horse“-Award, dem Hongkong-Oscar, ausgezeichnet, und im zweiten Film spielt er eine tragende Rolle. In dem nicht zur Reihe gehörenden Prequel „Ip Man Zero“ gibt er Ip Mans ersten Meister und Yuen Biao dessen Nachfolger.

Splendid hat die beiden „Ip Man“-Filme mit Donnie Yen, sowie das von einer anderen Produktionsgesellschaft, mit Dennis To in der Titelrolle, produzierte Prequel, bereits zwischen 2009 und 2011 als Einzel-DVDs auf den Markt gebracht. Jetzt werden die drei Filme noch einmal unter dem Namen „Ip-Man-Trilogy“ in einem schönen Leinen-Schuber (in dem eine Amaray-Hülle steckt, um nicht zu sagen feststeckt, denn es ist ausgesprochen schwer, diese aus dem Schuber herauszubekommen) noch einmal gemeinsam veröffentlicht.

Ip Man (2008)

Der erste Ip-Man-Film ist ausgesprochen episodenhaft angelegt. Gezeigt wird Ip Mans Zeit in Foshan in den 30er Jahren. Dort muss er sich zunächst mit einem jungen Kämpfer aus dem Norden auseinandersetzen, der in Foshan eine Kung-Fu-Schule eröffnen will. Dann fallen japanische Truppen in Foshan ein und  Ip Man ist gezwungen, in einem Kohlebergwerk für die Japaner zu arbeiten. Der General der Japaner und sein sadistischer Adjutant lassen zu ihrer Belustigung Chinesen gegen japanische Karatekämpfer antreten. Als dabei ein Freund Ip Mans umkommt, stellt sich Ip Man zum Kampf. Währenddessen wird die Fabrik von Ip Mans Bruder von einer Bande Banditen bedroht. Ip Man lehrt den Angestellten Wing Chun, und hilft, die Banditen zu vertreiben. Am Ende muss er in einem öffentlichen Kampf gegen den japanischen General antreten.

Die episodische Struktur des Filmes zerreißt den Erzählstrang  des Filmes und geht zu Lasten der Spannung. Zudem wird dadurch eine Authentizität vorgegaukelt, die der Film gar nicht besitzt. Denn mit den historischen Fakten wird mehr als großzügig umgegangen.  Von diesen Mankos abgesehen unterhält „Ip Man“ ganz vorzüglich und lässt keine Langeweile aufkommen. Verantwortlich hierfür ist auch die überzeugende Choreographie der Kämpfe und natürlich die Präsenz Donnie Yens, der hier die Rolle seines Lebens gefunden zu haben scheint. Neben Donnie Yen hat hier auch Siu-Wong Fan seinen ersten Auftritt in der Reihe. Er spielt den explosiven Kämpfer Jin Shan Zhao, der zunächst in Foshan eine Kung-Fu-Schule eröffnen will und später Anführer der Banditen wird. Obwohl hier noch offiziell auf der Seite der Böse, schließt man Siu-Wong Fan durch seine enthusiastische Spielweise schnell ins Herz. Dafür darf sein Charakter dann in „Ip Man 2“ auch auf der Seite der Guten agieren. Ausdrücklich nicht ins Herz schließt man die Gegner auf japanischer Seite, bei denen vor allem der Adjutant des Generals einen widerlichen, schleimigen Auftritt hinlegt.  Erwähnt werden sollte noch Simon Yam als Ip Mans Bruder, der wie immer eine solide Darstellung hinlegt.

Ip Man 2 (2010)

Ip Man zieht mit seiner Familie nach Hongkong. Hier lebt er in Armut und versucht, sich mit der Eröffnung einer Wing-Chun-Schule über Wasser zu halten. Bald schon spricht sicher herum, dass Ip Man schier unbesiegbar ist und seine Schule erhält hohen Zulauf. Dies beschwört allerdings Konflikte mit den Lehrern der andern Schulen herauf.

Waren es im ersten Teil noch die Japaner, die die hassenswerten Feinde des chinesischen Volkes verkörperten, so sind es hier die britischen Kolonialherren. Und wurde zumindest dem japanischen General aus Teil 1 noch etwas Würde zugestanden, so sind die Briten hier allesamt hassenswerte, groteske Kreaturen. Am schlimmsten Darren Shahlavi  als britischer Boxer „Twister“. Dieser ist ein so unsympathischer Widerling, dass man am Liebsten ausspeien möchte, wenn er  die Szene betritt. Da ich einfach mal unterstelle, dass Darren Shahlavi charakterlich nicht auf einer Stufe mit seinem ekligen „Twister“ steht, kann man ihn für seine Darstellung durchaus loben. Inhaltlich ist „Ip Man 2“ weitaus stringenter als sein Vorgänger. Das episodenhafte wird zugunsten einer durchgängigen Handlung aufgegeben, wobei diese in der zweiten Hälfte in ein „Rocky 4“-Imitat umkippt. Insgesamt besticht „Ip Man 2“ durch noch mehr und noch spektakulärere Kämpfe, sowie eine in sich geschlossene Story. Zudem freut sich der Hongkong-Connaisseur über ein Wiedersehen mit dem großartigen Sammo Hung, der hier eine (ge)wichtige Rolle einnimmt.

Ip Man Zero (2010)

Der junge Ip Man und sein jüngerer Adoptivbruder Ip Tin-chi werden von ihrem Vater in die Schule des Meisters Chan Wah-shun  gebracht, um dort Wing Chun zu lernen. Dort lernen beide das Mädchen Lee Mei-wai kennen, welches sich in Ip Man verliebt, während es selber von Ip Tin-chi begehrt wird. Als sie erwachsen sind, zieht Ip Man für einige Jahre nach Hongkong, um am College zu studieren. Durch einen Zufall lernt er Leung Bik kennen, der einst zusammen mit Chan Wah-shun  studierte, wegen seines unorthodoxen Stiles aber immer ein Außenseiter blieb. Bei ihm vervollkommnet Ip Man seinen Stil und kehrt nach Foshan zurück. Dort scheint ein geheimnisvoller japanischer Kaufmann für mysteriöse Todesfälle verantwortlich zu sein und zudem einen unguten Einfluss auf Ip Mans Adoptivbruder zu haben.

Nach dem immensen Erfolg der beiden „Ip Man“-Teile aus dem Hause Mandarin Film, hängte sich schnell Mei Ah Entertainment an die Welle (was man noch allzu gut von der erfolgreichen  „Wong Fai Hong“-Reihe aus den 90ern kennt) und produzierte dieses Prequel. In die großen Fußstapfen von Donnie Yen tritt der junge Dennis To, der Yen nicht nur äußerlich ähnlich sieht, sondern dessen Art perfekt imitiert und auch in den Kampfszenen keine schlechte Figur abgibt. Ansonsten treten viele Bekannte aus den „Ip Man“-Filmen in anderen Rollen auf. So erlebt man Sammo Hung, in „Ip Man 2“ noch dessen Gegenspieler, hier als Ip Mans Lehrer.  Siu-Wong Fan, der bereits in den beiden „Ip Man“-Filmen eine feste Rolle als Bandit, bzw. ehemaliger Bandit Jin Shan Zhao hatte, spielt er hier, äußerlich stark  verändert und sehr zurückgenommen, Ip Mans Adoptivbruder, der ein düsteres und tragisches Geheimnis mit sicher herumträgt. Gerade Siu-Wong Fans Darstellung macht „Ip Man Zero“ sehenswert. Aber auch sonst ist das vermeintliche Rip-Off in vielen Belangen den beiden „Originalen“ überlegen. So erzählt „Ip Man Zero“ eine spannende und interessante Geschichte, die nicht nur – wie „Ip Man 1+2“ – auf pathetische und patriotische Elemente setzt, sondern echte Tragik. Generell wirkt „Ip Man Zero“ auch in der ganzen Inszenierung, im positiven Sinne des Wortes, traditioneller und mehr der Handlung als der Technik verpflichtet. Dementsprechend gibt es in „Ip Man Zero“ auch weitaus weniger Kämpfe als in „Ip Man 2“. So erinnert „Ip Man Zero“ angenehmerweise mehr an die Klassiker der goldenen Ära vor 20 Jahren, als an moderne, durch CGI aufgemotzte und rasant geschnittene  Martial-Arts-Filme der Gegenwart. Und man freut sich, dass neben Sammo Hung auch ein sichtlich gealterter Yuen Biao eine tragende Rolle spielen darf. Beide zusammen zu sehen ist dann fast so, wie in guten, alten Zeiten.

Die „Ip-Man-Trilogy“ enthält die Filme auf drei DVDs in einer Amaray-Box mit Wendecover. Extras gibt es bis auf ein Werbe-Making-Of für „Ip Man Zero“ keine. Das „Making Of“ verrät allerdings so gut wie alle Plotwendungen und enthält außer Impressionen vom Dreh und belanglose Interviews keinerlei Mehrwert. Dafür wurde aber noch ein kleinformatiges, 24-seitiges Booklet mit einigen Informationen zum historischen Ip Man, Wing Chun und die Filme beigelegt. Warum „Ip Man 1+2“ allerdings erst ab 18 freigeben sind, verstehe ich nicht so ganz. Das muss marketingtechnische Gründe haben.

DVD-Rezension: “White Vengeance”

Von , 12. Juni 2012 19:21

Ca. 200 vor Christi in China. Rebellen revoltieren gegen die Besetzung ihres Heimatlandes Chu durch den chinesischen Kaiser. Die einflussreichsten Revolutionäre sind der kriegerische Xiang Yu und der idealistische Liu Bang. Der Kaiser ersinnt eine List, um die beiden zu schwächen. Subtil hetzt er den einen gegen den anderen auf. Als dann auch noch eine Frau ins Spiel kommt, ist das Band zwischen Xiang Yu und Liu Bang endgültig zerschnitten. Aus beiden werden erbitterte Feinde…

Als ich früher im Freundeskreis das erste Mal asiatische Filme gezeigt habe, wurde gerne in den Raum geworfen, man könne die ganzen Asiaten nicht auseinander halten. Wer ist denn jetzt wer? Das  hat mich immer zutiefst verärgert, denn natürlich kann man auch als „Langnase“ Chow Yun-Fat prima von Tony Cheung unterscheiden. Als ich jetzt „White Vengeance“ sah, bekam ich das erste Mal eine Ahnung davon, warum sich mein Freundeskreis damals so schwer tat. Gleich in den ersten Szenen wird man mit einem ganzen Haufen Menschen konfrontiert, die nicht nur ähnliche Kleidung tragen, sondern auch nahezu identische Haar- und Barttracht. Da fällt die Unterscheidung der Protagonisten doch etwas schwer. Erschwerend kommt hinzu, dass der Zuschauer innerhalb kürzester Zeit mit unzähligen Namen und Ereignissen bombardiert wird, was ihn erst einmal ziemlich ratlos zurücklässt.

Vielleicht liegt es daran, dass der Film auf historischen Ereignissen beruht und Regisseur Daniel Lee diese als bekannt voraussetzt. Liu Bang und Xiang Yu gab es wirklich. Liu Bang lebte von 256 – 195 vor Christi und wurde unter dem Namen  Han Gaozu 202 v.Chr. Kaiser von China. Generell sind alle Ereignisse und viele der Nebenfiguren aus „White Vengeance“ historisch verbürgt. Für jemanden, der sich mit chinesischer Geschichte nicht auskennt, ist dies allerdings recht verwirrend. Insbesondere wenn zu Anfang von Han Gaozu die Rede ist und man nicht weiß, dass dieser mit Liu Bang identisch ist. Die Ereignisse um das „Hongmen Banquet“ gehören, soweit ich das recherchieren konnte, scheinbar zur Allgemeinbildung in China.  Dort ging es allerdings weniger um ein Go-Spiel, wie im Film, sondern  um einen Schwerttanz, bei dem ein Attentat auf Liu Bang ausgeübt werden sollte. Reste dieser Geschichte finden sich aber auch in der Filmhandlung.

Man muss sich also schon etwas konzentrieren, um die ganzen Personen, Orte und Zusammenhänge für sich einsortieren zu können. „White Vengeance“ ist ein großes historisches Drama, für das seine Laufzeit von 133 Minuten immer noch viel zu wenig ist. Immer wieder werden neue, für die Handlung wichtige, Charaktere eingeführt. Andere verschwinden physisch lange aus der Handlung, bleiben aber in Dialogen präsent. Zudem wird der Schwerpunkt der Geschichte mal auf den einen, mal auf den anderen Protagonisten gesetzt. Einmal werden sie auch zu Nebenfiguren und die Handlung konzentriert  sich auf die beiden Berater der beiden. Insgesamt hätte  etwas mehr Straffung und die Konzentration auf einige wenige Figuren, es dem unwissenden Zuschauer einfacher gemacht, in die Handlung hineinzufinden.

Es fällt dadurch auch sehr schwer, eine Beziehung zu einer der Hauptpersonen aufzubauen. Analog zum Go-Spiel, welches der Film immer wieder als Metapher für politische Intrigen einsetzt, sind sie nur Steine, die auf einem Spielfeld hin und her geschoben werden.  Darunter leidet natürlich die Spannung, und es ist frustrierend zu sehen, wie einige wirklich interessante Nebenfiguren nicht wirklich ausgefüllt werden. So wirkt der Film trotz seiner Laufzeit von über zwei Stunden gehetzt und unfertig.

Die romantische Rolle von Yifei Liu als Yu Ji wird es so aber nicht gegeben haben. Sie wirkt auch nicht wirklich in die Handlung integriert. Zwar wird unterstellt, dass sie eine wichtige Rolle in der Konkurrenz zwischen Xiang Yu und Liu Bang spielt, aber mehr als Behauptung bleibt dies nicht. Wem ihre Liebe gilt wird auch nicht richtig klar. Zwar scheint sie Xiang Yu zu lieben, lässt sich aber auch widerstandslos mit Liu Bang ein, nur um am Ende für ein  melodramatisches Finale zu Xiang Yu zurückzukehren. Hier soll wohl, aus Rücksicht auf Kinokonventionen, in die historischen Geschichte um politische Intrigen und Machthunger, noch schnell eine kleine Liebesgeschichte mit eingewoben werden. Das wirkt allerdings arg aufgesetzt. Zumal man weder zu  ihr, noch mit den Protagonisten, aus oben angeführten Gründen keine echte emotionale Beziehung aufbauen kann.

Unter den Kameraden Liu Bangs gibt es viele interessante Typen. Allen voran Qing Xiu als Xiao He. Leider wird niemandem der Raum gegeben, seine Figur wirklich zum Leben zu erwecken. Besonders schade ist dies bei der von Andy On gespielten Figur des General Han Xin, bei dem man deutlich spürt, dass seine Figur weitaus vielschichtiger und ambivalenter ist, als seine kurzen Auftritte im Film zeigen.

Die mit Abstand interessantesten Figuren in „White Vengeance“ sind aber die beiden Berater der Kontrahenten. Insbesondere Hanyu Zhang weiß als Zhang Liang sehr zu gefallen. Er erinnert irgendwo an einen der klassischen Meisterdetektive vom Schlage eines Sherlock Holmes, die anhand kleinster Indizien komplexe Vorgänge rekonstruieren. Genauso ist Zhang Liang in der Lage, allein durch Beobachtung und Zuhören die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Züge der Gegner vorherzusehen. Für ihn ist Politik und Kriegsführung nichts weiter als eine intellektuelle Herausforderung, und da ist es ihm schon fast egal, welchem Herrn er dient. Das Spiel ist wichtig. Das sich messen mit anderen. Und genau darin gleicht er dem vom großen Anthony Wong gespielten Fan Zeng, dem  Berater von Xiang Yu. Es ist ein cleverer Schachzug von Daniel Lee, dass er beim legendären „Hongmen-Banquet“ die historischen Vorgaben verlässt und ein Go-Spiel zwischen Zhang Liang und Fan Zeng erfindet. Dieses inszeniert er dann auch folgerichtig wie einen klassischen Kung-Fu-Kampf, inklusive Blutspucken bei einem besonders „tödlichen“ Zug des Gegners. Schade, dass Daniel Lee sich nicht öfter diese Freiheit nimmt, von den historischen Fakten abzuweichen.

Generell hat der Film etwas Zwitterhaftes.  Einerseits hält er sich fast sklavisch an historische Ereignisse und scheint das Ziel zu verfolgen, einen „seriösen“ Geschichtsfilm zu drehen. Aber dann lässt er wieder Figuren wild durch die Luft fliegen oder stattet sie mit übermenschlichen Fähigkeiten aus. So sitzt er permanent zwischen den Stühlen. Dem einen mag die rekonstruierende Herangehensweise zu trocken und verwirrend sein, dem anderen die „fantastischen“ Elemente  zu unrealistisch.

Es ist ebenfalls schade, dass Lee seinen Film mit einem Übermaß an kleinen Spielereien und technischen Tricks vollstopft. Ständig Zeitlupe, Zeitraffer, Hochgeschwindigkeit-Zooms und Jump-Cuts. Das ganze Arsenal an Postproduction-Tricks wird hier aufgefahren und nervt irgendwann. Dazu werden die Action-Szenen mit der Handkamera gefilmt, um ihnen noch mehr Dynamik zu geben. Es scheint fast so, als wollte sich Daniel Lee nicht auf die Kraft der Geschichte verlassen und deshalb der Meinung ist, solche Taschenspielereien nötig zu haben.

Das ist schade, denn das hat der Film eigentlich gar nicht nötig. Er ist zwar zum Teil verwirrend, aber nicht langweilig. Am Besten liest man sich vorher etwas Wissen über Xiang Yu und Liu Bang an. Es ist sehr schade, dass „White Vengeance“ sein volles Potential nicht ausschöpft. Als TV-Serie, oder zumindest als Zweiteiler, hätte er sicherlich mehr Kraft entwickeln können. Aber auch so bleibt ein Film, mit dem man sehr gut einmal etwas über zwei Stunden totschlagen kann.

Die DVD von Splendid weist ein sehr gutes Bild, aber außer dem Trailer keinerlei Extras auf. Durch das Wendecover kann man das riesige FSK-Logo verschwinden lassen. Die Synchronisation ist sehr solide. Wer – wie ich – den O-Ton bevorzugt, kann sich über eine Tonspur auf Mandarin mit optionalen deutschen Untertiteln erfreuen.

DVD-Rezension: “Revenge: Sympathy for the Devil”

Von , 8. Juni 2012 09:50

In Hongkong geht ein Serienmörder um. Er tötet schwangere Frauen, indem er ihnen das ungeborene Kind aus dem Leib schneidet. Diese Frauen haben alle eins gemeinsam: Ihre Ehemänner sind Polizisten. Schon bald wird ein Tatverdächtiger gefangen. Doch es stellt sich heraus, dass hinter den Taten noch mehr steckt. Eine tragische Liebesgeschichte und ein weiteres, brutales Verbrechen…

In meiner Schulzeit gab es für manche Filme das nicht ganz so schöne Kürzel GWS. Wer in den späten 80ern seine ersten Videothekengänge gemacht hat (endlich 18!), der wird sich bestimmt daran erinnern. Da lieh man sich den neusten Grusel-Schocker oder Actionfilm aus, saß wenig später mit gleichgesinnten Freunden Zuhause, bewaffnet mit reichlich Knabberkram und leicht alkoholischen Getränken, in freudiger Erwartung auf das, was das Videocover an Aufregungen versprach. Der Film begann und gleich die erste Szene, in der es zur Sache ging, sah merkwürdig abgehackt aus. Ein Schuss und tausend Tote. Ein kollektives Aufstöhnen ging durch den Raum, denn man wusste: Dieser Film ist GWS. Geschnitten wie Sau.

Anfang des neues Jahrtausends, und mit dem Aufkommen der DVD, schien sich die Lage etwas zu entspannen. Ja, klar. Es wurde immer noch gekürzt, aber lange nicht mehr so exzessiv, wie zu seligen VHS-Zeiten. Ehrlich gesagt, hatte ich schon ganz vergessen, wie es sich anfühlte, wenn man plötzlich einem verstümmelten Filmtorso gegenüber sitzt. Dank der netten Leute von i-on Media, weiß ich es nun wieder. Aber es ist eine Erinnerung, die ich lieber unterdrückt hätte.

Im Internet wird die Länge der asiatischen DVD von „Revenge: Sympathy for the Devil“ mit 91 Minuten angeben. Nach Deutschland haben es davon gerade mal 77 geschafft. D.h. ganze 14 Minuten (vierzehn!) sind der Schere zum Opfer gefallen. Zunächst fällt dies gar nicht so stark auf. Ja, man merkt, dass hier und da eine Szene länger gewesen sein könnte, aber man kann das Geschehen noch immer gut im Kopf ergänzen. Ärgerlich, aber immerhin ist es noch möglich der Handlung zu folgen. Nach ca. einer Stunde ändert sich das aber rapide. Wenn die Hauptperson Kit es mit einer ganzen Polizeieinheit aufnimmt, kann man noch nicht einmal mehr erahnen, was vor sich geht. Personen tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden plötzlich auf Nimmerwiedersehen. Andere Charaktere weisen ohne fremdes Zutun wie von Geisterhand zugefügte Wunden auf. Man weiß nicht, was mit wem, wann passiert. Daher ist der Schluss ebenso frustrierend, wie verwirrend. Vielleicht erfährt man in der ungekürzten Fassung auch nicht alles, das kann ich anhand der vorliegenden Stümmelfassung nicht beurteilen, aber bei der deutschen DVD erscheint einem nicht nur ein Fragezeichen über dem Kopf. Das FSK18 Siegel auf dem Cover und die reißerischen Werbesprüchen erscheinen im Nachhinein bestenfalls als Hohn, schlimmstenfalls als Verarschung. Auf diese Art von Nostalgie hätte ich gerne verzichtet

Zum Film selber kann man dementsprechend auch nicht viel sagen, da er durch die fehlenden 14 Minuten gar nicht objektiv bewertet werden kann. Ich will trotzdem versuchen, die geschnittene Fassung irgendwie zu besprechen. Vielleicht (oder ganz bestimmt sogar, man kennt ja den Markt) wird irgendwann ein überteuerte Uncut-Fassung hinterhergeworfen.

„Revenge: Sympathy for the Devil“ trägt im Original den Titel „Revenge: A Love Story“, was die Handlung genauer wiedergibt. Wobei das im „deutschen“ Titel eingeforderte Mitgefühl auch nicht so verkehrt ist. Allerdings ist es trotz der tragischen Hintergrundgeschichte schwer, Mitgefühl für Kit zu entwickeln. Zu grausam sind seine Morde und treffen zudem auch noch die Falschen. Warum er die unschuldigen Frauen und, schlimmer noch, die ungeborenen Babies tötet, wird nicht klar und scheint allein der etwas perversen Fantasie des Drehbuchautors geschuldet zu sein. Schade, denn weniger Provokation an dieser Stelle hätte die Geschichte schlüssiger und emotional packender gemacht. Natürlich hat man Mitleid mit dem armen Kit und mehr noch mit seiner geistig zurückgebliebenen Freundin Weng, die in die brutalen Hände skrupelloser Polizisten geraten. Ja, selbstverständlich wünscht man diesen Ungeheuern in Uniform die Pest an den Hals. Aber doch nicht so.

Irgendwie scheint der Film dann auch im Laufe der Zeit sein kontroversen Beginn zu vergessen. Aus den abscheulichen und überflüssigen Rache-Morden vom Anfang entwickelt sich im Finale ein eher klassischer Feldzug gegen die Peiniger. Die dörfliche Umgebung erinnert an „The Untold Story“, erreicht aber nie dessen perverse Intensität. Okay, zumindest in der extrem gekürzten deutschen Fassung. Es kann durchaus sein, dass die ungeschnittene Fassung da mehr bietet.

Ansonsten, CATIII wie seit vielen Jahren bekannt. Mit prügelnden Polizisten und expliziten Morden. Alles handwerklich sauber und nicht gänzlich unspannend. Erstaunlich aber, wie hier, in einem chinesischen Film, die Staatsmacht in Form der Polizei, als solch ein skrupelloser und moralisch verkommener Haufen gezeigt werden kann. Da scheint Hong Kong innerhalb der Volksrepublik doch noch eine Sonderrolle zu spielen. Die schauspielerischen Leistungen sind okay, verlangen den Darstellern aber auch nicht allzu viel ab. Hongkong-Popstar Juno Mak (der auch die Idee zum Film lieferte) verkörpert den stoisch-linkischen Kit, dessen Mangel an Mimik seinem Darsteller vielleicht entgegenkommt. Mit großen Augen darf der japanische Pornostar Sola Aoi die geistig behindert Wing geben. Was ihr ohne große Anstrengungen gut gelingt. Die restlichen Schauspieler spielen routiniert ihren Stiefel runter. Insgesamt ist der Film angenehm ruhig, wenn auch etwas kalt, inszeniert. Lediglich am Ende gibt er plötzlich ordentlich Gas, was aber in der deutschen Fassung allenfalls zu erahnen ist. Solide Kost für CAT-III-Fans, die in der vorliegenden Flicken-Fassung allerdings absolut ungenießbar ist.

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