DVD-Rezension: „Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere“

Von , 30. Januar 2015 21:22

sexabenteuer der drei musketiereNachdem der junge D’Artagnan (Peter Graf) seine ersten sexuellen Erfahrungen gemacht hat, macht er sich auf den Weg nach Paris, um seinen Kindheitstraum zu erfüllen: Er will Musketier werden. Auf dem Weg dorthin trifft er nicht nur die drei Musketiere, sondern auch einige Damen, die es auf seine Manneskraft abgesehen haben…

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Der Kniff, Sexfilme in einen Kostümfilm-Kontext zu setzen, gerne auch nach einer populären literarischen Vorlage, wird auch heute noch gerne im horizontalem Genre angewendet. Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand. Das Publikum freut sich auf frivole Dinge, die scheinbar in den Kontext einer bekannten Geschichte eingebettet sind und damit zumindest einen Hauch von Anspruch haben, und nicht im Hinterhof und Wohnzimmer des Produzenten entstanden sind. Kostüme und alte Schlösser erwecken zudem den Eindruck, dass hier eben etwas mehr Mühe und Sorgfalt aufgewandt wurde, weil ja ein höheres Budget dahinter zu stecken scheint. Darüber hinaus versprechen die bekannten literarischen Figuren eine freche Parodie und eben nicht improvisiertes Gerammel mit Anhalterin und Porsche-Fahrer. Zumindest war so meine Erwartungshaltung bei Erwin C. Dietrichs „Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere„. Schließlich ist Dietrich nicht nur ein Routinier in Sachen Sexfilm, sondern hatte im Vorjahr einen der schönsten deutschsprachigen Filme der frühen 70er gedreht – den bitteren Flower-Power-Abgesang „Ich – ein Groupie„, ebenfalls mit Ingrid Steeger, die auch bei den Musektieren als Star geführt wird. Doch „Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere“ erweist sich dann doch als ziemlich uninspirierter Fließband-Film, der sich gar nicht erst die Mühe macht, seine Armseligkeit zu verstecken, sondern sie – das immerhin nötigt Respekt ab – ganz offensiv präsentiert.

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Obwohl Ingrid Steeger das große Zugpferd des Filmes ist, be- bzw. entkleidet sie hier nur eine Nebenrolle und verschwindet nach knapp einer halben Stunde aus der Handlung. Davor besteht ihre einzige Aufgabe darin, sich in einem nicht näher definierten Kornfeld mit dem Darsteller des D’Artagnan im Getreide zu wälzen. Einmal darf sie immerhin barbusig den Degen ziehen und in dem einzigen erotischen Momente des Filmes entblättert sie gedankenverloren einen Maiskolben. Viel mehr darf sie hier nicht zeigen, wobei ihr komisches Talent sicherlich einer „echten“ Kostümfilm-Parodie sehr gut zu Gesicht gestanden hätte. Doch „Die Sexabenteuer der drei Musketiere“ ist eben keine Parodie, sondern nur ein platter Sexfilm. Zwar kündigt das Plakat schon an, dass es sich hier um einen Film handelt, der „sehr sehr frei nach Dumas“ gedreht wurde, doch tatsächlich nutzt er keine der Kernelemente der Vorlage, bis auf die Namen der Musketiere und die Tatsache, dass der junge D’Artagnan nach Paris möchte, um dort Musketier zu werden. Aber das war’s auch schon mit Dumas. Dabei hätten sich viele Szenen des berühmten Romans (und seiner vielen Verfilmungen) für eine freizügige Verballhornung angeboten. Hier aber treffen D’Artagnan und die Musketiere nur einmal nach gut nach der Hälfte der Spielzeit aufeinander. Statt aus diesem Zusammentreffen aber etwas zu machen, raten die Musketiere dem jungen D’Artagnan, seine Karriereplanung noch einmal zu überdenken und dann trennen sich die Wege wieder. Lustig ist das alles zu keinem Zeitpunkt.

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Befremdend ist es auch, wie wenig Sorgfalt bei dem Film an den Tag gelegt wurde. Selbst Peter Baumgartner, dessen Kamera so manche Dietrich-Produktion veredelte, scheint an dem Film und seinen Motiven gänzlich desinteressiert zu sein. Im Schnitt folgt ein Anschlussfehler nach dem anderen. In den Szenen, in denen die drei Musketiere hoch zu Pferde gezeigt werden, bemühen sich die Darsteller nur halbherzig einen sanften Trab zu simulieren. Dass sich dabei der immer gleiche Hintergrund keinen Millimeter bewegt, ist zunächst noch amüsant, doch der Scherz (?) hat sich spätestens bei dritten Mal erschöpft. Wenn dann noch aus der Distanz und von hinten echte Reiter gezeigt werden, diese überhaupt keine Ähnlichkeit mit den Musketieren haben, lockt dies nur noch ein müdes Lächeln hervor. Überhaupt scheinen einem aus den Kostümen unserer drei Freunde förmlich die Motten entgegen zu fliegen, und die übertriebenen Perücken erwecken auch zu keinem Zeitpunkt die Illusion, es könnte sich um echtes Haupthaar handeln. Auch D’Artagnans Kleidung macht keinen sonderlich gepflegten Eindruck, aber vielleicht war das ja so in der Zeit Louis XIII und Dietrich ist hier nur ein unerbittlicher Realist.

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In dem auf der DVD enthaltenen Interview mit Raphael Britten und Erwin C. Dietrich, verraten die beiden, dass es bei den Dietrich-Filmen zumeist kein Drehbuch gab und quasi jeden Tag auf’s Neue überlegt wurde, was man so filmt. Dies ist in „Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere“ ganz besonders evident, da sich nicht einmal die Mühe gemacht wird, so etwas wie eine Geschichte zu erzählen oder zumindest einen Spannungsbogen zu generieren. Fast eine Stunde lang besteht der Film aus Szenen, in der D’Artagnan es bei Tage mit der Steeger und in der Nacht mit einer unbekannten Dunkelhaarigen treibt, während die drei Musketiere in einem Lokal sitzen und sich Zoten erzählen. Diese drehen sich um irgendwelche Klosterbrüder und ihre neckischen Spiele, was aber nur mäßig amüsant ist. Später kommt es zu einer unangenehmen Szene, in der die drei Musketiere das Schloss des Grafen de Voyeur (haha) stürmen, den Grafen unter großem Gelächter umbringen und sich dann mit dessen Frau verlustigen, die das aber ganz toll findet, da ihre Ehemann aufgrund einer Verletzung seinen ehelichen Pflichten nicht mehr nachkommen konnte. Wie hier Mord und Vergewaltigung als fröhlicher Witz inszeniert werden, stößt doch etwas sauer auf.

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Außer Ingrid Steeger tauchen im Film keine bekannten Namen auf. Hauptdarsteller Peter Graf (nicht verwandt mit dem Steffi-Vater) verschwand nach dem Film spurlos von der Bildfläche. Warum sein D’Artagnan eine trotz des angeblich so jungen Alters bereits eine weiße Strähne im Haupthaar trägt, bleibt unbeantwortet. Dass Herr Graf untenherum allerdings sehr gut ausgestattet war, wird überraschenderweise in einigen Szenen sehr offensichtlich. Die Musketiere werden von Achim Hammer, Jürg Coray und Thomas Larisch gegeben, die ebenfalls keinen Eindruck hinterlassen. In einer Szene jedoch wird Achim Hammer von einer der Damen derartig der Rücken zerkratzt, dass man zumindest festhalten muss, dass er mit großem körperlichen Einsatz dabei war. Was die holde Weiblichkeit angeht so bleibt – bis auf die Steeger – auch niemand im positiv im Gedächtnis oder fällt durch besonders große Attraktivität auf. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

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„Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere“ ist ein ziemlich öder Film, ohne eine wirkliche Geschichte, Witz und erst recht nicht Erotik. Einziges Highlight bleiben die spärlichen Auftritte von Ingrid Steeger in der ersten Hälfte des Filmes. Auffällig ist insbesondere die lieblos-schludrige Art, mit der der Film hergestellt wurde. Leider eine Enttäuschung.

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Die in der „New Ingrid Steeger Collection“ erschienene DVD bietet ein fehlerfreies Bild, welches allerdings auch nicht mehr aus dem gräulich-blass wirkenden Filmmaterial herausholen kann. Der Film wirkt durch die Bank weg billig. Das Interessanteste an der DVD ist das Extra. Ein Interview mit Raphael Britten und Erwin C. Dietrich, in dem beide einige interessante Anekdoten zu den gemeinsamen Filmen zum Besten geben. Zudem beantwortet es auch eine Frage, die ich selber einmal für eine Einführung in den Film „Ich – ein Groupie“ erfolglos recherchiert habe: „Wer ist der Typ der die nackte Ingrid Steeger bei einer schwarzen Messe umbringt?“. Jetzt weiß ich es endlich, dass es Raphael Britten ist und freue mich, dass sich das andere Leute auch gefragt habe. Des weiteren gibt es noch eine Fotogalerie und es wurde ein italienisches Sexmagazin namens „Cinestop“ abgefilmt, in dem der Film als schwarz-weißer Foto-Comic erschienen war.

Originalfassungen in Bremen: 29.01.15 – 04.02.15

Von , 28. Januar 2015 20:53

Die Originalfassungen stehen auch in dieser Woche ganz im Zeichen der Oscars. Es laufen gleich vier Filme, die sich Hoffnungen auf die wichtigsten Auszeichnungen machen.

John Wick – Cinemaxx, Fr. um 22:40 und So./Di. um 19:50 – US-Actionfilm mit Keanu Reeves als ehemaliger Auftragskiller, der für einen persönlichen Rachefeldzug gegen die russische Mafia aus dem Ruhestand zurückkehrt.

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Ask Sana Benzer – Cinemaxx, Do.-Mi. diverse Zeiten – Türkischer Liebesfilm um einen jungen Mann, der sich in einem kleinen Fischerdorf in eine fremde Frau verliebt.

Mucize – Wunder – Cinemaxx, Do., Sa.-Mi. immer 22:50 – Türkisches Drama um einen Lehrer, der 1961 in einem Dorf im äußersten Osten des Landes durchsetzten will, dass die Mädchen und ein Behinderter zur Schule gehen dürfen.

Fatih’in Fedaisi Kara Murat – Cinemaxx, Fr., 30.1. um 23:15 – Türkischer Historienfilm um den Helden Kara Murat, der im Krieg zwischen dem osmanischen und dem byzantinischen Reich kämpft.

Foxcatcher – Atlantis, So., 1.2. um 20:00 & Schauburg, Mo., 2.2. um 12:00 – Auf Tatsachen beruhendes US-Drama mit Steve Carell, Channing Tatum und Mark Ruffalo um einen Multimillionär, der einen ehemaligen Olympiasieger im Ringen engagiert, um bei ihm zu wohnen und ein Leistungs-Camp für die besten Ringer des Landes zu eröffnen. Nominiert für fünf Oscars,  u.a. für Steve Carell und Mark Ruffalo.

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Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) – Schauburg, Mi., 4.2. um 20:45 – Der neue und in Vendig und den Golden Globes gefeierte Film von Alejandro González Iñárritu, in dem Michael Keaton einen ehemaligen Filmstar spielt, der in einem experimentellen Theaterstück seine angeschlagene Karriere wiederbeleben will. Ein großer Oscar-Favorit.

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben – Schauburg, So., 1.2. um 21:00 & CineStar, so., 1.2. um 19:20 – Dramatische Biographie des britischen Genies Alan Turing, der im zweiten Weltkrieg den deutschen Enigma-Code entschlüsseln soll. Mit Benedict Cumberbatch, der ebenfalls als heißer Oscar-Favorit gehandelt wird.

Wild Tales – Jeder dreht mal durch! – Cinema Ostertor, So. 1.2. um 20:15 – Argentinisch-Spanischer Episodenfilm in dem die handelnden Personen ihrer aufgestauten Wut freien Lauf lassen. Produziert von Pedro Almodóvar und für den Oscar nominiert.

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Auch wenn ich nicht mehr bin – City 46, Mo./Mi. 20:30 – Dokumentation über eine Schulleiterin, die im August 1966, am Beginn der Kulturrevolution, von ihren Schülerinnen zu Tode prügelten wurde und ihren Mann, der die Ereignisse nicht vergessen kann. Mit Einführung und anschl. Diskussion: Prof. Dr. Susanne Weigelin-Schwiedrzik, Professorin für Sinologie am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien

N – Der Wahn der Vernunft – City 46, Do. um 20:30 und Sa./So. um 18:00 – Dokumentation über den Schmetterlingsforscher, Abenteurer und Musiker Raymond Borremans, der in der Elfenbeinküste seine zweite Heimat fand und dort ein Lexikon schrieb.

Tanja – Life in Movement – City 46, Do./Mo.-Mi. immer 18:00, So. um 20:30 – Australische Dokumentation über die früh verstorbene deutsche Tänzerin und Choreografin Tanja Liedtke.

The Pin – City 46, Do./Fr. um 18:00 und Di. um 20:30 – Kanadischer Spielfilm in jiddischer Sprache, über zwei junge, jüdische Mensche in Litauen während des zweiten Weltkrieges, die sich heimlich ineinander verlieben. Am Dienstag zu Gast: Regisseurin Naomi Jaye

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 02.02. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 02.02. um 21:45

DVD-Rezension: “Young Ones“

Von , 27. Januar 2015 21:24

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In der Zukunft. Nachdem es jahrelang nicht mehr geregnet hat, ist der Boden ausgedörrt und Wasser zu einem kostbaren Gut geworden. Trotz der widrigen Bedingungen hat Ernest Holm (Michael Shannon) sein einstmals fruchtbares Land, welches nun nur noch Staub ist, nicht aufgegeben. Er betreibt einen kleinen Handel mit den den Arbeitern, die eine Wasserleitung durch das Land legen und hofft, dass es ihm gelingt die Männer zu überzeugen auch seinen Boden zu bewässern. Seine Tochter Mary (Elle Fanning) ist in den junge Flem Lever (Nicholas Hoult) verliebt, der Ernest ein Dorn im Auge ist. Anders als Ernest ist Flem weitaus rücksichtsloser, wenn es darum geht, sein Recht zu bekommen, wodurch die beiden Männer immer wieder aneinander geraten…

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Manchmal fragt man sich ernsthaft, was in den Köpfen derer vor sich geht, die die markigen Werbesprüche auf den DVD-Covern texten. Gut, Klappern gehört zum Handwerk, aber in der heutigen Zeit, wo Filme beispielsweise auf Amazon gleich von den Käufern bewertet werden, sollte man doch ehrlich sein und nicht Erwartungen schüren, die so gar nicht in der Intention des Filmemachers liegen. Um es kurz zu machen :“Mad Max trifft The Road“ ist hanebüchener Quatsch. Aus „Mad Max“ (zweiter Teil) mag die Thematik mit dem knappen Wasser und das Wüstenszenario entfernt etwas mit „Young Ones“ zu tun haben, bei „The Road“ versagt auch bei mir die Vorstellungskraft, außer dass hier zunächst ein Vater im Mittelpunkt steht und sein Sohn von Kodi Smit-McPhee gespielt wird, der – einige Jahre jünger – auch Viggo Mortensens Sohn in eben „The Road“ spielte. Doch natürlich soll der Vergleich beim Käufer assoziieren, dass man es hier mit handfester Action und einem finster-bedrohlichen Endzeitszenario zu tun hat. Dazu noch einige martialische Screenshots auf die Hülle geknallt und schon verkauft sich das Ding wie geschnitten Brot. Tatsächlich aber sorgt dies eher für miese Bewertungen enttäuschter Käufer, wie man auf Amazon gut nachlesen kann.

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Nein, Endzeit-Action sucht man hier vergeblich. Regisseur Jake Paltrow, der jüngere Bruder der berühmteren Gwyneth, hatte eine zeitlose Familiengeschichte im Sinn. Diese könnte ebenso im Wilden Westen, wie in den 20er oder 50er Jahren spielen. Es geht um den Kampf ums Ackerland und um Väter und Söhne. Es geht darum, wie die alte Generation von einer neuen abgelöst wird, die ihre Werte nicht mehr teilt. Dass der Film tatsächlich in der Zukunft spielt, ist eher zweitrangig. Die Science-Fiction-Elemente werden auch nur dezent eingesetzt, denn nicht die Technik ist wichtig, sondern die Menschen und ihre Beziehungen untereinander. So beschränken sich diese dann auch auf ein Roboter-Maultier, die Technologie, welche scheinbar die Mutter in einem Hospital am Leben erhält und eben die Tatsache, dass kein Regen mehr fällt, was Wasser zu einem kostbaren Gut macht. Tauscht man diese futuristischen Elemente gegen ein echtes Maultier, lebenserhaltende Systeme und eine große Dürre aus, könnte der Film auch im Hier und Jetzt spielen.

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Die große Stärke – oder Schwäche, das kommt auf dem Standpunkt an – des Filmes sind seine Auslassungen. Zwar entwirft Paltrow, der auch das Drehbuch schrieb, eine scheinbar komplexe Dystopie, doch er malt diese nicht aus. Tatsächlich serviert er dem Zuschauer Puzzlestücke, die dieser zu einem größeren Bild zusammenfügen kann, aber nicht muss. So stellt sich die Frage, wieso in dem Staat, in dem Holm mit seiner Familie lebt, scheinbar Anarchie herrscht. Hier kommt es zu mehreren Übergriffen, gleich am Anfang erschießt Holms beispielsweise zwei Wasserdiebe, doch Konsequenzen haben diese Taten nicht. Eine ordnende Hand scheint vollkommen abwesend. Demgegenüber steht der Nachbarstaat, in dem es scheinbar Wasser im Überfluss und eine funktionierende Polizeigewalt gibt. Warum dem so ist und in welcher Beziehung beide Staaten zueinander stehen, wird nicht erklärt. Ebenso scheint es so, als ob es eine Vorgeschichte gäbe, die dem Zuschauer verborgen bleibt. So wird nie ausgesprochenen, was Holms Frau passiert ist (scheinbar ein durch Holms Trunksucht verursachter Unfall). Auch zum Vater des jungen Flem scheint Holms eine besondere Beziehung zu haben, die seine Abneigung dem Sohn gegenüber erklären könnte. Diese Vorgeschichte ist aber aus dem Skript herausgeschnitten worden, ähnlich wie der erste Teil von John Steinbecks Buch „Jenseits von Eden“, welcher in der berühmten Verfilmung nur noch als literarischer Geist gegenwärtig ist. Wie dort Adam Trask seinen Sohn Cal nicht lieben kann, weil er ihn an seinen Bruder Charles erinnert, so scheint es hier ebenfalls eine Geschichte vor der Geschichte zu geben, die zwar auf die Ereignisse in „Young Ones“ einwirkt, aber nie angesprochen wird.

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Paltrow hält seinen Film in einem sonnen-ausgeblichen Ton, der an die Wüstenszenen in „Krieg der Sterne“ erinnert. Eine interessanter Kniff ist es, den Film zu dreiteilen. Während der erste Teil ganz dem von einem wie immer überzeugenden Michael Shannon gespielten Ernest Holm gehört, wechselt die Perspektive im zweiten Teil, in dessen Mittelpunkt der vermeintlich negative Charakter Flem Lever steht, dessen Motive und Einstellungen einem hier näher gebracht werden, wodurch ein ambivalentes Bild entsteht. Insbesondere im dritten Teil, der dann aus Sicht von Ernests Sohn Jerome erzählt wird. Dieser wird von Kodi Smit-McPhee gespielt, der die größte Überraschung dieses Filmes ist, denn er macht im Laufe der Spielzeit eine überzeugende Wandlung durch. Albert er am Anfang noch kindlich mit seinem Vater herum und wirkt in seinen zu kurzen Hosen und dem eher weibischen Gehabe weich und lächerlich, wandelt er sich gerade in der letzten Hälfte zu einem Menschen, der ohne Rücksicht auf die Gefühle seiner Schwester und seines noch ungeborenen Neffen, konsequent seine Idee von Gerechtigkeit durchsetzt. Im letzten Bild wirkt sein Gesicht dann gar nicht mehr kindlich, sondern hart und unerbittlich, wenn es um Prinzipien geht. Im Vergleich zu den ihren männlichen Kollegen, ist die von mir seit „Somewhere“ geschätzte Elle Fanning leider ein Totalausfall. Sie agiert in fast jeder ihrer Szenen derartig übertrieben und hysterisch, dass man ihr am liebsten eine Ohrfeige verpassen würde, wenn man nicht so gut erzogen wäre.

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Auch wenn das DVD-Cover etwas anderes verspricht, „Young Ones“ ist eine eher stille Dystopie und in erster Linie eine Familiendrama. Bis auf eine hysterische Elle Fanning sind alle Darsteller gut besetzt und glaubwürdig. In diesem Drama geht es weniger um futuristische Visionen, als vielmehr um uralte Generationenkonflikte, was die Geschichte zeitlos macht.

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Die Ascot Elite DVD bietet ein gewohnt sehr gutes Bild. Die Farben sind zwar stark ausgebleicht, doch dies ist ein Stilmittel des Regisseurs und keine Schwäche der DVD. Der Ton ist klar und kräftig. Als Extras gibt es neben dem Trailer nur ein ca. 8-minütiges Special, welches während der Dreharbeiten in Südafrika entstand und in dem Nicholas Hoult, Elle Fanning und Kodi Smit-McPhee kurze Statements abgeben und bedauern, dass sie nur wenig Zeit mit Michael Shannon verbringen konnten.

Das Bloggen der Anderen (26-01-15)

Von , 26. Januar 2015 21:12

bartonfink_type2– Letzte Woche war filmtourismus.de noch in den USA unterwegs, in dieser Woche stellt Herbert Schabel einen Sehnsuchtsort von mir vor: Die Cinecittà-Studios in Rom, die aber scheinbar gar nicht so prunkvoll sind, wie ich mir das in meinen Träumen vorgestellt habe.

– Bleiben wir in Italien: Mauritia Mayer schreibt auf Schattenlichter über einen wichtigen Film der italienischen Kinogeschichte: Mario Bavas Krimi-Komödie „The Girl Who Knew Too Much“, der häufig „der erste Giallo“ genannt wird.

– Totalschaden von Splattertrash wiederum empfiehlt Sergio Solimas unterhaltsames Freibeuter-Abenteuer „Der schwarze Korsar“.

– Udo Rotenberg bespricht den frühen Mondo-Film „La donna die notte“, der auf deutsch den etwas irreführenden Titel „Käufliche Nächte“ trägt, auf L’amore in città.

– Wer sich für italienische Filmgeschichte interessiert, für den hat Harald Steinwender auf Themroc einen Lese-Tipp: “The History of Italian Cinema. A Guide to Italian Film from Its Origins to the Twenty-First Century” von Gian Piero Brunetta. Weniger begeistert ist er von Uwe Killings „Dreckige Spaghetti“, dem er immerhin einen wunderbares Bildmaterial attestiert. Mit gemischten Gefühlen, wenn auch unter dem Strich positiv beurteilt er „Actionkino – Moderne Klassiker des populären Films“, den ich hier ebenfalls besprochen habe.

– Das Filmfestival in Rotterdam ist mir aus berufenen Munde schon mehrmals ans Herz gelegt worden. Da ein Freund nun in die holländische Hafenstadt gezogen ist, hoffe ich, in den nächsten Jahren dort einmal mein Quartier aufschlagen zu können. Was Beatrice Behn auf B-Roll hier, hier und hier über das Festival schreibt, macht auf jeden Fall Lust darauf.   Auf jeden Fall LUST (ja, großgeschrieben) macht auch Silvia Szymanskis wunderbarer Bericht über den 14. Hofbauer-Kongress und die Geschichte dieses außergewöhnlichen Events.

– Udo Rotenberg hat sich auf seinem zweiten Blog Grün ist die Heide eingehend mit Heinrich George und dem Film „Schleppzug M 17“ beschäftigt, welchen er auf dem Hofbauer-Kongress sah.

– Oliver Nöding setzt auf Remember It For Later seine persönliche Bond-Retrospektive weiter fort und ist nun bei der Roger-Moore-Phase angekommen, die er von „Leben und Sterben lassen“ über meinen Favoriten und „ersten Bond im Kino“ „In tödlicher Mission“ (der ihn eher kalt gelassen hat) bis „Im Angesicht des Todes“ genau unter die Lupe nimmt.

Keine guten Worte findet Joris Julius-Sabinus auf Hard Sensations für David Ayers „Herz aus Stahl“, wie er generell Kriegsfilme „die verkrüppelte Zierkirsche im Portfolio eines Regisseurs“ nennt.  Michael Schleeh stellt die beiden Kurzfilme „The Minions“ und „The Days God Slept“ des Amerikaners Jeremiah Kipp vor.

– Auf seinem eigenen Blog Schneeland schreibt Michael Schleeh über Kim Ki-Duks verstörenden „Moebius“.

– Auf Okaeri bespricht Sascha Schmidt Oshima Nagisas 1968 entstanden „Death By Hanging“ und fasst zusammen: „Radikal ist sein Aufschrei gegen die imaginierte moralische Vormacht der Mehrheit gegenüber ihren Minderheiten und damit heute aktueller denn je“.

Ausnahmsweise mal ein Hinweis auf einen Podcast. Auf Deep Red Radio macht Tobe auf seine Sendung „The Sounds of Fear“ aufmerksam, wo auch mein alter Bekannter Alex Wank von Cineploit zu Wort kommt. Und das rechtfertigt für mich nicht nur diese Ausnahme von der Regel, sondern ich werde mir den auch gleich mal runterladen. Eine Ehre, die sonst nur der Podcast von „El Diabolik“ hat.

– Auf Jugend ohne Film analysiert Rainer Kienböck Vittorio De Sicas Film „I Sequestrati di Altona“ mit Frederic March, der in Hamburg entstand (logisch, bei dem Titel) und auf Jean-Paul Sartres Theaterstück „Les Séquestrés d’Altona“ beruht.

– Bring back the 80s: Annika Stelter nimmt sich auf Die Filme, die ich rief den 80er-Action-Spaß „The Running Man“ vor. So ein Kultfilm aus meiner Schulzeit, den ich seit damals, glaube ich, nicht wieder gesehen habe, nun aber gerade Appetiet drauf bekomme.

-80s und Kult ist auch John Carpenter. Martin Beck weist auf Reihe Sieben darauf hin, dass man dessen Musikalbum „Lost Themes“ im Netz legal probehören kann.

-Von den 80ern zu den 70ern. Der Außenseiter hat auf Final Frontier Film einen Film ausgegraben, in dem ein Bruce-Lee-Klon gegen einen Bud-Spencer-Klon antritt. Weird.

-Und nun zu den 60ern. Sebastian nimmt sich auf Das Magazin des Glücks die fünf Spielfilme vor, die Alfred Hitchcock in den 60er Jahren gedreht hat.

– Michael Kienzl stellt auf critic.de den amerikanischen Dokumentaristen Alfred Guzzetti vor, dem das Berliner Festival Unknown Pleasures eine Werkschau gewidmet hat. Und Michael Fleig empfiehlt eindringlich den Film „The House at the End of Time“ (La casa del fin de los tiempos), der auf dem Fantasy Film Fest lief und bisher noch keine andere Auswertung erfahren hat.

– Auf Schlombies Filmbesprechungen findet man wieder eine Sammlung an aktuellen Filmreviews.

Vorstellung: “Wicked Vision – Das Magazin für den phantastischen Film”

Von , 23. Januar 2015 16:54

WV1Der jederzeit verfügbare Online-Zugriff auf Blogs und Online-Magazine ist praktisch und gut. Doch so manch einer vermisst das Haptische, das gute, alte Papier, welches man Sammeln, liebevoll in Ordnern ablegen und bei Bedarf herausziehen und drin schmökern kann. Gerade bei Freunden des Nicht-Mainstreamfilms scheint diese Tendenz besonders ausgeprägt zu sein. Wucherte hier doch in der Vergangenheit – nur noch übertroffen von den Musikmagazinen – der Sumpf der Fanzines besonders üppig. Leider erscheint dieser Sumpf schon seit vielen Jahren ausgetrocknet. Viele, die in früheren, internetlosen Zeiten ihre Energie in ein Fanzine gesteckt hätten, benutzen heute WordPress oder ähnliche Software, um ihre Gedanken ins Internet zu tragen. Doch im nur scheinbar verdorrten Boden steckt eine Saat, die nun langsam aufs Neue zu Blühen scheint.

Im letztes Jahr stellte ich an dieser Stelle die Zeitschrift „35 Millimeter“ vor und verwies damals schon auf ähnliche Projekte, wie beispielsweise „Der Zombie“. Auffällig ist der hohe Grad an Eigeninitiative und Enthusiasmus für die Sache, welche die Macher hier an den Tag legen. Hinter den Publikationen steckt keine Marketing-Maschine, beworben werden sie vor allem in den sozialen Netzwerken. Auch der Vertrieb wird selber organisiert, von Druck und Layout ganz zu schweigen. Bedenkt man dann, dass diese Hefte kaum Werbung (und wenn, dann zumeist von Nischenlabels, die ebenfalls kein hohes Werbebudget besitzen) beinhalten, dann kann man vor zwei Dingen nur den Hut ziehen: Statt eines zusammen getackerten Fanzines auf Recylingpapier erhält man ein hochwertiges, professionell anmutendes Heft, zu – und das ist das noch größere Wunder – einem sehr humanen Preis. Nehmen wir beispielsweise die neue Veröffentlichung, um dies es hier gehen soll: Das „Wicked Vison Magazin“. Dieses kostet 6,50 Euro. Dafür erhält der Käufer dann ein Heft im DIN-A4-Format, 88 Seiten in Farbe, viel Text und interessante Bilder, die eben nicht – wie bei den „Profis“ – den Eindruck machen, hier soll Platz auf Kosten des Inhalts geschindet werden. Dabei nur ein absolutes Minimum an Werbung und keine mit großformatigen Anzeigen zugekleisterten Seiten. Da nimmt sich der Verkaufspreis beinahe schon läppisch aus.

„Wicked Vision Magazin“ ist der gerade erschienene Print-Ableger der gleichnamigen Internet-Seite, die – laut Eigenangabe – zu „den führenden und ältesten Online-Magazinen im Bereich des phantastischen und unterschlagenen Films“ gehört und seit knapp 15 Jahren „News, Filmberichte, Interviews, Bildvergleiche, Specials und umfangreiche Reviews“ anbietet. Hinter der Online-Seite „Wicked Vision“ steckt Daniel Pereé, der auch für das von Lisa Schmidt herausgegebene Magazin eine Vielzahl von Texten beigesteuert hat. Eine Zeitschrift zu verlegen ist schon recht tollkühn, diese dann aber über drei komplette Ausgabe hinweg nur einem Thema zu widmen, ausgesprochen waghalsig. „Wicked Vision Magazin“ aber geht das Risiko mit Freuden ein. Das Thema der ersten, und der geplanten folgenden zwei Ausgaben lautet H.P. Lovecraft. Zwar berufen sich heutzutage mehr Filme auf den Schriftsteller aus Providence, als auf sein großes Vorbild Poe, doch ich erinnere mich noch gut, dass Lovecraft lange Zeit so etwas wie ein gut gehüteter – wenn auch sehr einflussreicher – Geheimtipp für die Freunde der phantastischen Literatur war. Trotz Filmen wie „From Beyond“ und „Re-Animator“.

Ich kam 1992 erstmals mit Lovecraft in Berührung. Auf den Namen war ich das erste Mal in Stephen Kings von mir förmlich kaputt-gelesenen Sachbuch „Danse Macabre“ aufmerksam geworden. Und als ich im Bremer Bahnhofsbuchhandel das im Suhrkamp-Verlag erschienene Buch „Stadt ohne Namen“ (ich weiß noch genau, wo es stand) entdeckte, war es um mich geschehen. In der Folgezeit klapperte ich mit Wonne alle möglichen Buchläden und Antiquariate ab, um peu a peu alle im Suhrkamp-Verlag erhältlichen Bücher, inklusive der Fragmente, der von Lovecraft überarbeiteten Arbeiten Anderer und den von August Derleth auf Basis von Lovecrafts Notizen entstandenen Geschichten, zusammen zu sammeln. Was einige Zeit in Anspruch nahm. Damals gab es ja noch kein Amazon und die Bücher einfach im Handel zu bestellen, erschien mir zu einfach und Lovecraft nicht angemessen. Auch die Biographie „Der Einsiedler von Providence“ und die Essay-Sammlung „Über Lovecraft“ verleibte ich meiner Sammlung ein und wage zu behaupten, dass ich damals durchaus ein Experte in Sachen Howard Phillips Lovecraft war. Noch heute läuft mir ein wohliger Schauer den Rücken herunter, wenn ich die dunkelrosa und violetten Bücher im Regal stehen sehe. Daher war ich natürlich sehr erfreut, als ich das erste Mal von dem Vorhaben lass, ein Magazin auf den Markt zu bringen, welches sich ausschließlich mit Lovecraft, seinem Werk, den Verfilmungen und den Einfluss Lovecrafts auf die populäre Kultur und Kunst beschäftigte.

Kann das „Wicked Vision Magazin“ meine hohen Erwartungen erfüllen? In einem Wort: Ja. Das Magazin nähert sich dem Phänomen Lovecraft von mehreren Seite und geht dabei weit über ein „normales“ Filmmagazin hinaus, wobei die Verfilmungen selbstverständlich den Schwerpunkt ausmachen. So beginnt das Heft mit einer ausführlichen Biographie Lovecrafts, die auf mehrere Teile angelegt wird. Im ersten Teil beschäftigt sich Jörg Kopetz sehr kompetent mit Lovecrafts Jugend und ersten schriftstellerischen Gehversuche. Später im Heft wird Kopetz dann noch darauf eingehen, warum „Tanz der Teufel“ eben gerade kein Lovecraft-Film ist. Daniel Perée gibt einen kurzen Überblick darüber, was Lovecraft selbst vom Kino hielt, bevor der von zahlreichen Booklets bekannte Pelle Felsch, sich mit der ersten Lovecraft-Verfilmung auseinandersetzt. Dies war 1963 Roger Cormans „Die Folterkammer des Hexenjägers“, der zwar dann Edgar Allan Poe zugeschlagen wurde, tatsächlich aber Lovecrafts „Der Fall Charles Dexter Ward“ in Bilder umsetzte. In Anschluss an den Artikel folgt – und das hätte ich in der Tat nicht erwartet – ein Interview mit dem König der B-Filme höchstselbst: Roger Corman. Dieses dreht sich dann in erster Linie um „Die Folterkammer des Hexenjägers“, aber auch Cormans Einstellung zu Lovecraft.

Überhaupt ist es beeindruckend, dass nicht nur Corman für ein Interview gewonnen werden konnte, sondern auch solche Größen wie Stuart Gordon und Brian Yuzna dem „Wicked Vison Magazin“ Rede und Antwort standen. Dies nötigt mir einigen Respekt ab. Kernstück des Heftes ist eine ausführliche, 11-seitige Besprechung des Filmes „From Beyond“, verfasst von Daniel Perée. Daran anschließend stellt er knapp den mir vollkommen unbekannten Animationsfilm „The Dream-Quest of Unknown Kadath“ vor. Oliver Nöding bespricht die beiden Teile von „The Unnamable“, wobei überraschenderweise gerade ihm ein kleiner Faux-pas unterläuft, wenn er Lovecrafts Kurzgeschichte „The Unnamable“ mit „The Outsider“ (Inspiration für Stuart Gordons „Castle Freak“) verwechselt. Daniel Perée geht dann noch einmal auf die wohl bekannteste Lovecraft-Verfilmung („Re-Animator“) ein, bevor er noch einen kurzen Verriss von Ivan Zuccons Low-Budget-C-Film „The Darkness Beyond“ folgen lässt. Merkur Schröder vom Blog „Intergalaktische Filmreisen“ schließt mit dem Low-Budget-Trash-Filmchen „The Call-Girl of Cthulhu“ den Filmteil ab.

Es folgt ein Abdruck von Lovecrafts Kurzgeschichte „From Beyond“, die mit Illustrationen des niederländischen Comiczeichners Erik Kriek bebildert wird. Markus Koppers schreibt über Krieks Comic-Adaptionen einiger Lovecraft-Geschichten, während Daniel Perée ein Interview mit dem Künstler führt. Die folgenden Artikel waren für mich dann von geringerem Interesse. Lisa Schmidt schreibt über den Einfluss Lovecrafts auf die Musik. Der Artikel ist dann – dem Thema bedingt – sehr Heavy-Metal-lastig, was zur Folge hat, dass ich ca. 80% der dort vorgestellten Bands weder kenne, noch unbedingt kennenlernen möchte. Zwar habe ich bis Ende der 90er selber viel diese Musikrichtung gehört, jedoch in den letzten 15 Jahren das Interesse daran weitgehend verloren. Ähnliches gilt für das Interview mit dem Tattoo-Künstler Tommy Lee Wendtner, dessen Kunst mich ebenfalls eher weniger anspricht. Doch dies liegt eben im Auge des Betrachters und insgesamt ist es sehr zu begrüßen, dass auch diese „Nischen“ hier bedient werden. Sehr spannend fand ich dann das abschließende Gespräch zwischen Dr. Marcus Stiglegger und Kai Naumann, die sich über ihre Faszination für Lovecraft unterhalten.

Trotz des beeindruckenden Umfangs mit der sich die erste Ausgabe des „Wicked Vision Magazin“ dem Thema Lovecraft widmet, habe ich noch einige Themen vermisst. Doch wie die Vorschau auf die zweite Ausgabe ankündigt, werden diese bereits in der nächsten Ausgabe nachgeholt, wo dann u.a. der grandiose „The Whisperer in Darkness“ besprochen wird. Und bestimmt findet sich in der dritten Ausgabe noch ein persönlicher Favorit von mir: Huan Vus deutscher Lovecraft-Film „Die Farbe“. Ich bin auf jeden Fall freudig gespannt auf die nächsten Hefte und drücke dem „Wicked Vision Magazin“-Team fest die Daumen, dass sich ihre Mühe und ihr Enthusiasmus auszahlt und noch viele weitere Hefte folgen werden.

Beziehen kann man das Heft direkt auf wicked-vision.com oder im Online-Shop der Zeitschrift „35 Millimeter“.

Samstag: “Wir sind jung. Wir sind stark” mit Regisseur Burhan Qurbani in der Schauburg

Von , 22. Januar 2015 16:27

jung_starkAm Samstag, 24. Januar um 21:15 Uhr wird Regisseur Burhan Qurbani in der Schauburg seinen Film „Wir sind jung. Wir sind stark“ persönlich vorstellen. Der Film basiert auf Tatsachen und behandelt die Hintergründe des Angriffs auf das Asylbewerberheim in Rostock-Lichterhagen im jahre 1992.

Rostock 1992. Stefan hat sich schon lange von seinem Vater, einem SPD-Politiker abgewandt. Er hängt mit seiner Clique herum, darunter ein Rechtsradikaler, der die Gruppe unter Kuratel hält. Die Vietnamesin Lien hat nach der Wende einen Job gefunden und will im Gegensatz zu ihrem Bruder und dessen schwangerer Frau in Deutschland bleiben. Am Abend des 24. August 1992 macht ein brauner Mob im Ortsteil Lichtenhagen Jagd auf Ausländer und wirft Brandsätze ins sogenannte Sonnenblumenhaus, wo Asylbewerber untergebracht sind.

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Originalfassungen in Bremen: 22.01.15 – 28.01.15

Von , 22. Januar 2015 16:15

Diese Woche gibt es vor allem türkische Filme und Musikdokus zu sehen. Allerdings auch den neuen Film von Alejandro González Iñárritu, der ebenso wie der ebenfalls im O-Ton laufende „The Imitation Game“ mit Benedict Cumberbatch als heißer Oscar-Kandidat gilt. Und auch eine Komödie mit Johnny Depp läuft. Viel Auswahl also und eigentlich für jeden etwas dabei.

Baymax – Riesiges Robowabohu – Cinemaxx, Fr., 17:40 und Mi., 20:20 – Animationsfilm aus den Disney Studios über einen technikbegeisterten Jungen und seinen besten Freund, einen Roboter.

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Der große Trip – Wild – Cinemaxx, Do., 22.1. um 19:50 – US-Spielfilm mit Reese Witherspoon über eine heroinabhängige Frau, die zur Selbstfindung den Pacific Crest Trail entlang wandert – 4.240 Kilometer entlang der Westküste der USA, von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze.

Fatih’in Fedaisi Kara Murat – Cinemaxx, Do./Sa./Mo./Mi. immer 23:00 – Türkischer Historienfilm um den Helden Kara Murat, der im Krieg zwischen dem osmanischen und dem byzantinischen Reich kämpft.

Ask Sana Benzer – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 23:00 – Türkischer Liebesfilm um einen jungen Mann, der sich in einem kleinen Fischerdorf in eine fremde Frau verliebt.

Bana Masal Anlatma – Erzähl mir keine Märchen! – Cinemaxx, Di., 27.1. um 23:00 – Türkische Komödie um einen schüchternen Mann in den sich das begehrteste Mädchen des Dorfes verliebt.

Mucize – Wunder – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:50 und 22:50 – Türkisches Drama um einen Lehrer, der 1961 in einem Dorf im äußersten Osten des Landes durchsetzten will, dass die Mädchen und ein Behinderter zur Schule gehen dürfen.

Mortdecai – Der Teilzeitgauner – Cinemaxx, Sa., 24.1. um 17:40 & CineStar, So., 25.1. um 20:00 – US-Komödie um einen Kunsthändler und Lebemann, der sich auf die spur einen gestohlenen Goya-Gemäldes macht, um mit der Belohnung seine zahlreichen Schulden zu begleichen. Mit Johnny Depp, Paul Bettany und Gywneth Paltrow.

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben – Cinemaxx, Di., 27.1. um 19:45 & Schauburg, So. und Mi. um 21:00 – Dramatische Biographie des britischen Genies Alan Turing, der im zweiten Weltkrieg den deutschen Enigma-Code entschlüsseln soll. Mit Benedict Cumberbatch, der als heißer Oscar-Favorit gehandelt wird.

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Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) – Schauburg, Mo., 26.1. um 12:00 & Atlantis, So., 25.1. um 20:00 – Der neue und in Vendig und den Golden Globes gefeierte Film von Alejandro González Iñárritu, in dem Michael Keaton einen ehemaligen Filmstar spielt, der in einem experimentellen Theaterstück seine angeschlagene Karriere wiederbeleben will. Noch ein großer Oscar-Favorit.

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National Gallery – Gondel, Sa., 24.1. um 12:00 – 3-Stunden-Doku des legendären Frederick Wiseman über die National Gallery in London.

Der Pfad – City 46, Do., 22.1. um 20:00 – Eine 12-jährige will mit ihrem jüngeren Bruder vor ihrem Großvater aus Nicaragua nach Costa Rica zu ihrer Mutter fliehen.

Following the Ninth – Auf den Spuren von Beethovens letzter Symphonie – City 46, Sa./Mo. um 18:00 und Mi. um 20:30 – US-Doku über Geschichte und heutige Bedeutung der 9. Symphonie.

Mercedes Sosa, die Stimme Lateinamerikas – City 46, Do./Di. um 18:00 und Mo. Um 20:30 – Argentinische Doku über die Sängerin und Politaktivistin.

Sanctuary: Lisa Gerrard – City 46, So., 25.1. um 18:00 – Amerikanische Doku Lisa Gerrard, die den Soundtrack für „Gladiator“, „The Insider“ oder „Ali“ lieferte und in den 80ern die Band „Dead Can Dance“ hatte.

The Punk Singer – City 46, Fr., 23.1. um 20:30 – Amerikanische Doku über Kathleen Hanna, Sängerin und Frontfrau von „Le Tigre“ und „Bikini Kill“.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 26.01. um 21:20

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 26.01. um 21:45

Französische Sneak Preview – Gondel, Mi, den 28.01. um 21:00

Blu-ray-Rezension: “Die tödlichen Zwei”

Von , 20. Januar 2015 21:24

tödlichen zweiDie mongolischen Unterdrücker haben den chinesischen Prinzen Kang, ein Mitglied der Sung-Dynastie, in ihre Gewalt gebracht. Alle Versuche, den Prinzen zu befreien waren bisher zum Scheitern verurteilt. Da erfährt der Patriot Pao (Ti Lung), dass der Prinz in einer Festung gefangen gehalten wird, die nur über eine marode, schier unüberquerbare Brücke einzunehmen ist. Allein der zwielichtige Yian Luyan besäße die Fähigkeit, die Brücke unbeschadet zu überqueren. Doch dieser ist bereits einen Handel mit den Mongolen eingegangen. Zufällig kreuzen sich aber die Wege Baos mit denen von Pien (David Chiang), einem ehemaliger Schulkamerad Yians, der diesem nicht nur überlegen ist, sondern auch bereit ist, sich der guten Sache anzuschließen…

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Lange Zeit waren die Hunderte von Filmen, welche die legendären Shaw Brothers Studios ab Ende der 50er bis Mitte der 80er Jahre produziert haben, nicht mehr zugänglich. Da das Studio selber, sich nicht um sein Erbe kümmerte, waren die Fans lange Zeit auf alte VHS-Kassetten angewiesen, wo sie sich dann zwischen den teilweise massiv gekürzten deutschen Fassungen im korrekten Bildformat und den zwar vollständigen, aber ins brutalste Pan&Scan gezwängte Fassungen aus den Niederlanden entscheiden konnten. Erst ab 2002 trat eine deutliche Verbesserung der Lage ein, als Celestial Pictures die originalen Negative, die sie 2000 den Shaw Brothers Studios abgekauft hatten, restaurierten und als DVDs zugänglich machten. In Deutschland war das Billig-Label „M.I.B. – Medienvertrieb in Buchholz“ der erste Nutznießer der Celestial-Versionen. Allerdings musste aus Lizenzgründen auf die vertraute alte Synchronisation verzichtet werden. Stattdessen wurde eine eigene, preisgünstig produzierte deutsche Tonspur hinzugefügt. Als nächstes waren dann Koch Media an der Reihe. Das vorbildliche Label brachte unter dem Titel „Shaw Brothers Collection“ zwei wunderschöne Boxen mit jeweils vier Filmen auf den Markt. Nun kümmert sich auch filmArt um das Shaw-Brothers-Erbe in Deutschland und hat als ersten Titel einer neuen Reihe namens „Shaw Brothers Collector’s Edition“ den Film „Die tödlichen Zwei“ veröffentlicht.

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„Die tödlichen Zwei“ zählt sicher nicht zu den besten Shaw-Brothers-Filmen. Dazu fehlt ihm Tiefe, Dramatik und epischer Atmen. Doch er vereint all die Elemente, die das Studio in den 70ern bei den Fans fernöstlicher Kampfkunst-Kost so beliebt gemacht hat. Schön choreographierte Kämpfe, ebenso spektakuläre, wie exotische Waffen, routinierte Darsteller und ein Hauch Mystik. Da der Film mit seinen 82 Minuten für Shaw-Brothers-Verhältnisse eine relativ kurze Laufzeit besitzt, konzentriert er sich ganz auf das, was das Publikum in solch einer Produktion sehen will: Schauwerte, die sich über farbenprächtige Kostüme und brutaler Action ausdrücken. Die Geschichte um die Befreiung des Prinzen aus den Klauen der mongolischen Herrscher ist dünn gesponnen und gibt nur den Faden vor, an den dann die einzelnen Actionsequenzen gehangen werden. Diese zeichnen sich durch eine für das Jahr 1971 ungewöhnlich hohe Blutrünstigkeit aus. So besitzt der von David Chiang gespielte Held eine Waffe, die einen Dorn mit Widerhaken durch die Körper der Gegner bohrt, was beim wieder Herausreißen zu hässlichen Wunden führt. Generell werden häufig Körper explizit durchbohrt und Kehlen durchgeschnitten. Der rote Saft tropft sehr oft zu Boden. Sei es von Ti Lungs überdimensionaler Doppelaxt oder aus den Wunden der tödlich Verletzten.

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„Die tödlichen Zwei“ nimmt dabei schon eine Tendenz vorweg, die sich später noch – vor allem in den Filmen, die Chang Cheh Ende des Jahrzehnts und in den frühen 80ern drehen sollte, noch verstärken wird. Die fantasievollen Gegner,die mit skurril-übertriebenen Waffen und Fähigkeiten ausgestattet sind. Wie die legendären „Five Venoms„, die im gleichnamigen Film (deutsch: „Die unbesiegbaren 5“) die Eigenschaften unterschiedlicher, giftiger Tiere besitzen. Und noch deutlicher die „Super Ninjas„, die ihre Gegner aus Bäumen, vom Himmel und aus dem Boden angreifen. Auch die Handlanger der Bösen in „Die tödlichen Zwei“ sind beinahe übermenschliche Wesen. Jeder von ihnen für eines der chinesischen fünf Elemente: Da gibt es die, vom beliebten Filmbösewicht Bolo Yeung gespielte „Flussschlange“, der in einer erinnerungswürdigen Szenen, seine Gegner auf einem Floss und im Fluss erledigt (Wasser). Der „Maulwurf“ gräbt sich ein und springt dann überraschend vor seinen Gegner aus dem Versteck (Erde). der Feuerdrache verschießt explodierende Kugeln (Feuer), ein anderer kämpft mit etwas, was wie rasiermesserscharfe Salatschüsseln aussieht (Metall) und der fünfte versteckt sich mit Vorliebe in Baumstämmen (Holz). Die Choreographie der Kämpfe stammt im Übrigen u.a. von Lau Kar-Leung, dem Regisseur solcher Klassiker wie „Die 36 Kammern der Shaolin„, „Drunken Master II“ oder „Tiger on the Beat„.

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Trotz allem muss man aber auch festhalten, dass bei allem Unterhaltungswert, das Drehbuch von I Kuan, der für die Shaw Brothers weit über 200 Filme – darunter auch zahllose zeitlose Klassiker – geskriptet hat, mit der heißen Nadel gestrickt ist. Dass keine der Figuren einen wirklichen Hintergrund hat, mag man da noch verschmerzen. Ti Lung und David Chiang sind solche Archetypen und harmonieren so gut zusammen, dass man keine näheren Erklärungen braucht, um zu verstehen, wer sie sind und welche Charaktereigenschaften sie mitbringen. Alle anderen Figuren bleiben aber trotz aller Farbenfrohheit, blass. Sie sind lediglich die Abziehbilder bekannter Stereotypen. Zudem agieren sie teilweise idiotisch. Als fünf von Ti Lungs Männern (die sich zuvor im Kampf als tapfer und loyal erwiesen haben) auf ihn an einer – wie es heißt unpassierbaren – Brücke warten sollen, haben sie nichts Besseres zu tun, als einer nach dem anderen zu versuchen, über den Abgrund zu spazieren. Dass dabei – trotz angepriesener Talente – einer nach dem Anderen in den Abgrund stürzt, hält die Anderen nicht davon ab, es ebenfalls zu versuchen. So trifft Ti Lung dann später auf eine arg dezimierte Truppe. Wobei es daraufhin sein erster Gedanken ist, es ebenfalls blindlings zu versuchen, über die tödliche Brücke zu gelangen. Auch die Geschichte mit der Karte, die jemand einem Gefangenen mit dem Fingernagel auf den Rücken gekratzt hat, lässt einen die Stirn kräuseln. Zudem hat sich I Kuan – vielleicht um seinen Drehbuch eine Komplexität vorzugaukeln, die es gar nicht besitzt – entschlossen, die erste Hälfte des Filmen nicht immer chronologisch, sondern in zahlreichen, aber unnötigen Rückblenden zu erzählen.

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Trotz einer zunächst unnötig komplizierten Erzählstruktur, fehlender Tiefe und einigen Ungereimtheiten, weiß „Die tödliche Zwei“ vorzüglich zu unterhalten. Was einerseits an dem, wie immer höchst charismatischen, Duo Lung und Chiang liegt. Aber auch an den überzeugend und bunten Kampfszenen, sowie den fantasievoll gezeichneten Gegnern. Bei einer überraschend kurzen Laufzeit von 82 Minuten, kommt trotz der dünnen Geschichte zu keinem Zeitpunkt Langweile auf.

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filmArt hat „Die tödlichen Zwei“ als Mediabook mit Blu-ray und DVD herausgebracht. Die Bildqualität der Blu-ray ist schlichtweg umwerfend. So habe ich noch nie einen Shaw-Brothers-Film noch nie gesehen. Das Bild ist so scharf, dass man bei den Schauspielern genau die überschminkte Kante sieht, an der die Perücken anfangen. Der Ton liegt in der alten Kinosynchronisation und auf Mandarin vor.  Die deutschen Untertitel folgen dabei der Mandarin-Fassung, nicht der deutschen Synchro.  Extras gibt es bis auf zwei Trailer soweit keine. Dem Mediabook liegt ein 20-seitiges Booklet bei, welches das komplette deutsche Werbematerial aus den 70er Jahren enthält. Auf dem Cover hat sich leider ein Fehler bei der Laufzeitangabe eingeschichen. Hier wird der Film mit 86 (BR) bzw. 82 (DVD) Minuten angebenen. Tasächlich sind es aber 82 (BR) und 78 (DVD). Insgesamt ist die „Shaw Brothers Collector’s Edition“ auf 10 Teile angelegt. Nach „Die tödlichen Zwei“ sollen in 2015 noch vier weitere Titel folgen. Zunächst „Duell ohne Gnade“, dann „Der gnadenlose Vollstrecker“, „Der Mann mit der Tigerpranke“ und ein Titel, auf den ich mich ganz besonders freue: „Das Omen des Bösen“.

Die Screenshots stammen von der DVD.

Das Bloggen der Anderen (19-01-15)

Von , 19. Januar 2015 21:43

bartonfink_type2– Auf B-Roll präsentiert Lucas Barwenczik ein Portrait der „heiligen“ Angelina Jolie, die er „gerade wegen ihrer Fehlschläge“ eine „der faszinierendsten Figuren Hollywoods“ nennt. Joachim Kurz rechnet mit Till Schweiger und seinem Publikumserfolg „Honig im Kopf“ ab, den er – auch aus sehr privaten Gründen – unerträglich findet.

– schwanenmeister findet auf movies&sport mag Schweiger-Komödien zwar auch nicht gut, in Teilen hat er aber durchaus Respekt vor Schweiger und merkt an, „Paar-Beziehungen (mögen) durch seine rosarote Brille einseitig gefärbt sein – bei der Kinderperspektive auf diese zeigt sich Schweiger aber immer mal wieder als sensibler Beobachter.“

– PD und YP haben Jean-Luc Godards neuen Film „Adieu au langage“ gesehen und sind auf Film im Dialog zu ihrer eigenen Überraschung sehr begeistert.

– Thomas Rufin beschäftigt sich auf Jugend ohne Film mit der Verwendung von Richard Wagners „Walküren-Ritt“ im Film und entdeckt diesen – neben den bekannten – auch an ganz überraschenden Stellen. Patrick Holzapfel führt mit Andrey Arnold anlässlich der De-Sica-Retrospektive in Wien einen Dialog um die Frage nach den “echten Menschen” bei De Sica.

– Letzte Woche hatte Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film Tatjana Turanskys „Top Girl“ ziemlich abgewatscht. In dieser Woche melden sich andere Blogger, die für den Film ausgesprochen wohlwollende Worte finden. So wie der Intergalactic Ape-Man auf Intergalaktische Filmreisen, Ulrich Kriest auf filmgazette oder Jamal Tuschick auf Hard Sensations, der liebevoll einige Szenen des Filmes beschreiben.

– Am 10. Januar verstarb Francesco Rosi. Sven Safarow hat ihm auf Safarow schreibt einen kurzen Nachruf gewidmet.

– Und auch Udo Rotenberg lässt auf L’amore in città anhand des Filmes „Il momento della verità (Augenblick der Wahrheit)“ noch einmal Rosis Werk Revue passieren.

– Noch zweimal Hofbauer-Kongress. Zunächst berichtet Michael Kienzl auf critic.de über einige Highlights, die er in Nürnberg sehen konnte.

– Und auch Alex Klotz setzt seinen Hofbauer-Bericht auf hypnosemachinen mit Tag 2 fort.

– Oliver Nöding nimmt sich auf Remember It For Later weiterhin die Bond-Filme vor. Er rehabilitiert „Man lebt nur zweimal“ und schreibt eine einfühlsame Rezension zu meinem Lieblings-Bond „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“.

– Thomas Groh ist auf seinem filmtagebuch doch recht enttäuscht von dem neuen Terry-Gilliam-Film „The Zero Theorem“ und zeigt sich von Christoph Walz mittlerweile genervt.

– Apropos alte Meister: Der neue Film von Tim Burton, „Big Eyes“ kommt bei Stefanie Schneider auf Cereality auch gar nicht gut weg. Dafür mag ihre Kollegin Julia Weigl den Film, den ich nicht nur zu den schönsten Burton-, sondern gleich zu einem der schönsten Filme überhaupt zählen würde: „Big Fish“.

– Hoffmann widmet sich auf Drei Muscheln einem weiteren Liebling von mir: Roy Andersson. Hier bespricht er einen sehr frühen Spielfilm des Meisters, der heute unter die Rubrik „untypisch“ fallen würde. „Eine schwedische Liebesgeschichte“ von 1970.

– Mitte der 90er war ich im Anime-Fieber. Einer der Filme, die mich damals begeisterten, war „Wicked City“. Das Fieber liess schnell nach (warum kann ich gar nicht sagen). Robin Schröders Besprechung dieses Anime-Klassikers auf Mise en cinema reizt aber zu einer Wiedersichtung.

– Der scheinbar sehr obskure, sehr spezielle, israelische Film „Adam“, den Reda auf Der breite Grad ausgegraben hat, macht ebenfalls sehr neugierig.

– Wer mehr über den beliebten schwedischen TV-Kommissar Beck erfahren möchte, der kann bei Mauritia Mayer auf Schattenlichter etwas über eine frühe Verfilmung eines Beck-Romans des legendären Autoren-Duos Maj Sjöwall und Per Wahlöö lesen: „Der Mann auf dem Dach“.

– Sebastian hat sich auf Das Magazin des Glücks zweier Fritz-Lang-Filme angenommen, die thematisch und von der Besetzung her sehr nah beieinander liegen: Den wunderschönen „Gefährliche Begegnungen“ und dem mir bisher leider noch nicht gesichteten „Straße der Versuchung“.

– Dass Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen und ich mal bei einem Film einer Meinung sind, kommt recht selten vor und soll an dieser Stelle gebührend gefeiert werden… mit dem „Grünen Blut der Dämonen“.

– Lukas Foerster beschäftigt sich auf Dirty Laundry weiterhin mit dem amerikanischen Regisseur Phil Karlson und hat in dessen „Lorna Doone“ eine Sequenz gefunden, die ihn nicht losgelassen hat.

Zeilenkino macht auf die neue Filmreihe „Nordlichter – Neues skandinavisches Kino“ aufmerksam, die 2015 durch das Land tourt.

Blu-ray-Rezension: “Der Teufel führt Regie”

Von , 17. Januar 2015 21:11

teufelfuehrtregieNick Lanzetta (Henry Silva) wurde vom Mafiosi Don Giuseppe D’Aniello (Claudio Nicastro) wie ein Sohn aufgezogen. In D’Aniellos Auftrag löscht Lanzetta eine rivalisierende Mafia-Familie aus. Doch ein Vertrauter der Familie, Cocchi (Pier Paolo Capponi) kann entkommen. Er ahnt, dass D’Aniello hinter dem Massaker steckt und entführt dessen Tochter Rina (Antonia Santilli). Obwohl vom D’Aniello großen Paten Don Corrasco (Richard Conte) verboten wird, sich einzumischen, nimmt dieser die Sache selber in die Hand und beauftragt Lanzetta seine Tochter aus den Klauen Cocchis zu befreien. Koste es, was es wolle. Damit wird ein blutiger Mafia-Krieg losgetreten und Lanzetta vom Jäger zum Gejagten…

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Der Teufel führt Regie“ ist der Abschluss der sogenannten „Mafia“-Trilogie des italienischen Regisseurs Fernando di Leo. Obwohl alle Filme unabhängig von einander sind und auch nicht aufeinander aufbauen, so besitzen sie doch inhaltliche Schnittpunkte, denn sie erzählen alle drei im Grunde die gleiche Geschichte. Die Geschichte eines Mannes, der sich innerhalb des System der Mafia bewegt, hier jedoch Opfer von Machtspielen und Intrigen wird. War Ugo Piazza aus „Milano Caliber 9“ dabei nur scheinbar ein Opfer, welches aber hinter der Fassade seiner ganz eigene Agenda verfolgte und dabei Freund und Feind betrog, so ist der Kleingangster Luca Canalli, der in „Der Mafiaboss“ von den mächtigen Bossen zum Freiwild erklärt wird, eine bemitleidenswerte Kreatur, die gar nicht weiß wie ihr geschieht, wenn sie zwischen die Mühlsteine der Intrigen und politischen Machtspiele der Bosse gerät. Lanzetta aus „Der Teufel führt Regie“ hingegen ist ein Mann, der durchaus weiß, wie der Hase läuft. Der im System des Verbrechens eiskalt agiert und reagiert. Der die Spielregeln verstanden hat und deshalb seinen Feinden einen Schritt voraus ist.

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Und die Spielregeln lauten: Keine Skrupel – kein Vertrauen. Jederzeit kann der Verbündete zum Feind werden. Zu jedem Zeitpunkt muss man damit rechnen, dass sich der Freund als schlimmster Feind entpuppt. Loyalität wechseln schneller als die Windrichtung. Selbst wenn man jemanden wie seinen eigenen Sohn aufgezogen hat, heißt es nicht, dass dieser einen nicht ohne zu zögern umbringt, wenn es für seine Ziele opportun ist. Traue niemanden. Baue keine emotionalen Bande auf. Sei immer auf der Hut und bereit, jeden zu töten, der dir im Weg steht. Die Welt, die di Leo hier zeichnet ist finster, zynisch und voller Gewalt. Keine seiner Figuren ist ohne emotionale Verkrüppelungen. Das Opfer einer Entführung entpuppt sich als nymphomane Drogensüchtige, die die sexuellen Übergriffe ihrer Entführer genießt, der alte Patriarch lässt seine Weggefährten mit einem Lächeln aus dem Weg räumen und kuscht doch selber vor den noch mächtigeren Bossen aus Rom. Der Polizist ist durch und durch korrupt und Lanzetta selber ein eiskalter Killer, der selbst seine Mutter ohne mit den Augen zu zwinkern über den Haufen schießen würde, wenn es ihm nützt. In seiner Erbarmungslosigkeit und Brutalität erinnert „Der Teufel führt Regie“ stark an die japanische „Battles without Honor und Humanity“-Reihe. Denn Ehre und Humanität sind auch hier völlig abstinent.

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„Der Teufel führt Regie“ war der erste Polizieschi, den ich einst vor vielen Jahren sah. Und er hat mich schon damals stark beeindruckt. Allein die Eröffnungsszene, in der Lanzetta in ein Kino schleicht, um aus dem Vorführraum heraus seine Sprengstoffgeschosse in den Saal zu feuern, blieb mir im Gedächtnis. Aber auch die rockige Musik, die rockig-treibende Musik von Luis Bacalov und die vielen rau inszenierten Mordszenen faszinierten mich. Das Wiedersehen hat diese frühen Eindrücke bestätigt.Dem in Brooklyn aufgewachsenen Henry Silva ist die Rolle des Lanzetta wie auf den Leib geschrieben. Seine durchdringenden Augen, die in einem nahezu unbewegten, kantigen Gesicht wie glühende Kohle lodern, machen schnell klar, dass hier jemand ist, mit dem man sich keine Späße erlaubt. Der aufrechte, katzenhafte Gang und der Sinn für Stil – Silva sah wahrscheinlich in keinem seiner Filme besser aus – lassen Schauspieler und Figur miteinander verschmelzen. Man braucht nicht viel über Lanzetta zu wissen. Silvas eiskalte, unerbittliche Aura erzählt bereits die ganze Geschichte.

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Neben Silva haben es die anderen Darsteller schwer, schaffen es aber, ihren Rollen einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Insbesondere Gianni Garko überrascht, spielt er doch gegen sein Typ. Zwar wirkt seine Darstellung zunächst befremdlich und aufgesetzt, wenn er mit den Händen in der Gegend herumfuchtelt, unterstreicht aber auch die Primitivität seines Commissario Torri , der gerne etwas Größeres darstellen möchte, als er ist. Der alte Westernheld Garko untergräbt in jeder seiner Szenen jedweden Respekt, den man vor Commissario Torri haben könnten. Einen aufgeblasenen Popanz, der so gerne ein cooler Bulle wäre. Letztendlich aber seine Karriere nur dem gut geschmierten System verdankt. Altstar Richard Conte bringt genug Ausstrahlung mit, um seinen Mafia-Paten mächtig und väterlich zu gestalten, lässt aber auch durchblicken, dass Don Corrasco ein schwacher Herrscher über das Reich des sizilianischen Verbrechens ist und am Ende dann doch auch an den Fäden anderer hängt. Dies ist eine weitere Gemeinsamkeit der Figuren in „Der Teufel führt Regie“. Alle überschätzen sich und ihre Möglichkeiten. Allein Lanzetta bildet hier eine Ausnahme. Positiv fällt auch Marino Masè – der einst die Hauptrolle in Jean-Luc Goddards „ Die Karabinieri“ spielte – in der Rolle des Pignataro auf. Ein kluger, gewiefter Taktiker und skrupelloser Killer, dem allerdings sein Stolz auf die eigene Cleverness zum Verhängnis wird.

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„Der Teufel führt Regie“ berichtet von einer Welt in der Niedertracht, Verrat und skrupellose Gewalt regieren. Ohne einen einzigen positiven Charakter dreht sich die Spirale der Gewalt immer schneller und reist alles mit sich, nur um am Ende wieder am Anfang anzukommen. Ein zutiefst pessimistisches Werk der Polizieschi-Legende Fernando di Leo mit einem beängstigenden Henry Silva in der Hauptrolle.

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FilmArt hat diesen Film in einem Media-Book, welches den Film sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD enthält, veröffentlicht. Das Bild der Blu-ray ist tadellos und verfügt über kräftige Farben und tiefe Schwarztöne. Bezüglich des Tons gab es im Vorfeld ein großes Problem. Der Film war vor der deutschen Kinoauswertung 1974 massiv gekürzt worden. Um diese Kürzungen zu kaschieren, wurde die Dialoge in der deutschen Synchronisation so hin gebogen, dass die fehlenden Teile nicht weiter auffielen. Wenn filmArt nun eine ungekürzte Fassung mit deutschen Ton anbietet, so passen die wieder eingefügten Teile nicht mehr zur deutschen Fassung. So entschied sich filmArt für die einzig sinnvolle Lösung: Die ungekürzte Fassung wird im italienischen Original mit deutschen Untertiteln– die gekürzte, ganz auf die Action fokussierte, deutsche Kinofassung mit Synchronisation angeboten. Vor Beginn des Filmes, wird der Filmfreund aufgefordert, sich für eine der beiden Fassungen zu entscheiden. Der DVD liegt ein umfangreiches und sehr informatives Booklet von Pelle Felsch bei. Einziger Kritikpunkt: Die deutschen Untertitel der italienischen Fassung sind ab und zu von irritierenden Rechtschreibfehlern geplagt. Laut OFDb soll es übrigens ein 83-minütiges Hidden Feature geben. Dieses habe ich allerdings nicht gefunden und glaube, das ist eine Ente. Falls jemand Näheres weiß, bitte in den Kommentaren posten.

Alle Screenshots stammen von der DVD-Version des Filmes.

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