Rezension: „The Canyons“

Von , 30. Januar 2014 21:46

the_canyons-dvdDie ehemalige Schauspielerin Tara (Lindsay Lohan) lebt mit dem Filmproduzent Christian (James Deen) zusammen. Beide bezieht ihren Kick daraus, dass Christian regelmäßig fremde Personen zum gemeinsamen Sex einlädt. Seit einiger Zeit hat Tara auch ein Verhältnis mit dem Schauspieler Ryan (Nolan Funk), der in Christians neustem Filmprojekt die Hauptrolle spielen soll. Als Christian, der immer und überall die Kontrolle behalten will, davon erfährt, gerät die Situation außer Kontrolle.

Es klingt wie ein großes Versprechen. Ein Film bei dem Paul Schrader Regie führt und Brett Easton Ellis das Drehbuch beisteuert. Kein Wunder also, dass sich genug Leute auf der Crowdfounding-Plattform kickstarter.com fanden, um dies möglich zu machen. Der erste Trailer, ganz im Stile eines alten, verschlissenen 35mm Trailers aus dem 70ern gehalten, sah dann schon ganz vielversprechend aus. Dann kamen die ersten desaströsen Kritiken und der Film wurde als „zu schlecht“ beim Sundance Festival abgelehnt. Linday Lohan wurde für die Goldene Himbeere als schlechteste Darstellerin nominiert und einen Kinostart bekam der Streifen auch nicht, sondern wurde hauptsächlich auf Download- und Streaming-Portalen verwertet. Was ist also dran an „The Canyons„? Triumphiert Schrader mit „The Canyons, weil „er ständig dazu bereit ist, zu scheitern“, wie Michael Kienzl auf critic.de schreibt? Oder steht „The Canyons“ in der „Filmografie aller Beteiligten (…) als Ausreißer nach unten (da), für den sie sich in ein paar Jahren schämen werden.“, wie Sebastian Moitzheim auf kino-zeit.de meint? Irgendwie beides und doch dazwischen. „The Canyons“ ist kein guter Film, obwohl er alle Zutaten dafür hätte, die einem schon beim Durchlesen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Aber irgendetwas ist beim Rezept durcheinander geraten, und die Suppe schmeckt zwar interessant, aber gleichzeitig auch enttäuschend.

the_canyons-3Paul Schrader ist nicht nur der Drehbuchautor von Martin Scorseses New-Hollywood-Monumenten „Taxi Driver“ und „Wie ein wilder Stier„, sondern hat auch dessen unterschätzten „Letzte Versuchung Christie“ und vor allem „Bringing Out the Dead“ verfasst und mit Filmen wie „Blue Collar„, „Ein Mann für gewisse Stunden“ und „Katzenmenschen“ selber Geschichte geschrieben. Nach seinem besten Film „Light Sleeper“ 1992 war es allerdings still um ihn geworden. Mit keinem seiner späteren Filme konnte er an den Erfolg seiner Anfangstage anknüpfen. Erst recht nicht mit dem verunglückten „Exorzist“-Prequel „Dominion„, welches ihm in der Post-Produktion aus den Händen gerissen und von Renny Harlin noch einmal komplett neu gedreht wurde. So vergingen dann auch zwischen seinem letzten Film „Adam Resurrected“ und „The Canyons“ ganze 5 Jahre. Brett Easton Ellis geht es ähnlich. An den großen Erfolg seiner ersten drei Romane („Unter Null“, „Einfach unwiderstehlich“ und „American Psycho“), die ihn zu einem DER Chronisten des Amerikas der 80er Jahre machten, konnte er mit ambitionierten Werken wie „Glamorama“ und „Lunar Park“ nicht mehr anknüpfen. Trotzdem sind beide Künstler noch wichtige Stimmen und Spezialisten für den Blick auf eine verrotteten Gesellschaft hinter der glamourösen Oberfläche. Eine Zusammenarbeit der Beiden erscheint also nicht nur spannend, sondern auch logisch.

the_canyons-9Ferner weckt die unorthodoxe Besetzung die Neugierde. Lindsay Lohan kennt man eigentlich nur noch aus den Schlagzeilen der Boulevardpresse und ihr Exzesse sind ja bereits legendär. Warum sie nicht einmal in ihrem eigentlich Job neben dem des skandalösen Partygirls fordern? Vielleicht verschmilzt ja bei ihr öffentliche Person und Figur ebenso kongenial wie z.B. bei Mickey Rourke in „The Wrestler„. Und dann noch einen Pornostar in der männlichen Hauptrolle zu casten, der in Titeln wie „Deep Anal Drilling 5“ sein Geld verdient und es auf über 1000 Pornos bringt? Warum nicht? Sasha Grey hat ja auch für Soderbergh gearbeitet und sich dabei nicht blamiert.

Das Problem mit den Beiden ist nur, das sie nicht sonderlich überzeugen können. Die Lohan gibt sich redlich Mühe, wirkt aber steif und unentspannt. Insbesondere ihre letzte Szene mit James Deen, die den emotionalen Höhepunkt des Filmes darstellen soll, ist ihr völlig missraten und reizt eher zum Lachen, als zur Empathie. Selten sah man jemanden so künstlich weinen, wie hier. James Deen wiederum spielt etwas zu entspannt. Er schlafwandelt mit einem Gesichtsausdruck durch den Film, als ob ihn das alles nicht sonderlich interessiert. Allein seine markante Stimme, verleiht seinem Christian Präsenz und auch etwas Gefährlichkeit. Aber diese subtile Bedrohung, die seine Figur ausstrahlen soll, kann er physisch nicht umsetzen. Dazu fehlt ihm einfach richtige Haltung. Nur in seinen Augen blitzt es ab und zu psychotisch. Die anderen Darsteller bleiben blass und austauschbar. Vor allem Nolan Funk als schönem Ryan fehlt, jenseits seines perfekten Modellaussehens, jegliche Ausstrahlung. Und auch Tenille Houston in der nicht unwichtigen Rolle der Cynthia hat man schnell vergessen. Amanda Brooks scheint noch während des Filmes aufzulösen. Seltsamerweise hat man aber ständig das Gefühl, den Schauspielern bei den Proben und nicht dem fertigen Film zuzusehen. Einzig Chris Zeischegg als schwuler Produzent Reed bleibt im Gedächtnis, hat allerdings nur eine sehr kleine Nebenrolle. Was auch schade ist, da sein Charakter durchaus interessant ist und einen längeren Filmauftritt verdient hätte.

the_canyons-12Wo „The Canyons“ punkten kann, ist bei der visuellen Gestaltung. Zumindest zum größten Teil. Die wunderbaren Bilder verfallener Kinos am Anfang beschwört eine trist-melancholische Stimmung herauf, die dann allerdings nicht wieder aufgenommen wird. Oftmals weiß die Kameraarbeit von John DeFazio, der zuvor fast ausschließlich Kurzfilme gemacht hat, interessante Kompositionen zu gestalten. Auch das Produktionsdesign ist rundheraus gelungen. Sei es das futuristische Haus in den Bergen, in dem Christian und Tara leben, Cynthias Garten mit den riesigen Sitzgelegenheiten oder das Diner mit den großen Fensterfassaden, wo es immer so aussieht, als ob die Autos gleich über den Tisch fahren würden. Generell erinnert hier alles an die Filme der frühen 80er Jahre, die das gerade aufkommende Yuppietum und den Geld-Chic eingefangen haben. Insbesondere Schraders eigener „Ein Mann für gewissen Stunden“ stand hierfür wohl Pate. Generell gibt es in beiden Filmen auch eine ähnlich trostlos-oberflächliche Stimmung. Nur, dass „Ein Mann für gewisse Stunden“ die besseren Schauspieler und die weitaus interessanteren, lebendigeren Figuren hatte.

the_canyons-21„The Canyons“ wirkt merkwürdig schizophren, wenn es um die Darstellung von Sex geht. Manchmal wird geradezu verschämt weg geschaut, dann wieder voll drauf gehalten. Doch auch bei den „Schockszenen“, in denen man einen nackten Mann masturbieren sieht oder ein anderer von einem Mann einen Blowjob bekommt, wirken angestrengt. Als ob jemand im Nachhinein gesagt hätte, „Lindsay Lohans nackte Brüste locken niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, wir müssen da jetzt mal noch etwas mehr rein bringen“ und eigentlich niemand darauf Lust gehabt hatte. Es fehlt hier alles leichte, schmuddelige, lebensfrohe. Es wirkt erzwungen, mechanisch und kalt. Vielleicht ist das ja auch eine Aussage des Filmes, dass die Figuren keine wahre Freude am Sex empfinden können und solche Exzesse mit fremden Pärchen brauchen, um überhaupt noch irgendwie Befriedigung zu erfahren.

Positiv herausstellen sollte man noch den gelungenen Soundtrack, der – ähnlich wie der geniale „Drive„-Soundtrack – die 80er Jahre wieder zum Leben erweckt, ohne dabei irgendwie altbacken oder unmodern zu wirken. Komponiert hat ihn Brendan Canning, Gründer der Band „Broken Social Scene“, und man möchte sich gerne die CD ins Regal stellen. Allerdings kann auch die tolle Musik die größte Schwäche des Filmes nicht übertünchen. Die große Geschwätzigkeit des Drehbuchs. Der Schriftsteller Ellis scheint die Funktion des „allwissenden Erzählers“ zu vermissen, und ersetzt sie auf eine denkbar unfilmische Art und Weise. Er verlegt sie einfach auf die Dialoge. Und so müssen die Figuren stundenlang erklären wer wann wo mit wem und weshalb. Was eine ziemlich ermüdende Wirkung hat und den Film oftmals träge wie Blei werden the_canyons-8lässt. So bleibt „The Canyons“ ein Versprechen, welches letztendlich nicht eingelöst wird. In der Rückschau bleibt der Film vielleicht in einer besseren Erinnerung als er eigentlich war, weil man die Zutaten ja eigentlich spannend findet. Und weil man sich so sehr einen besseren Film gewünscht hatte, fügt man sie im Nachhinein im Kopf zu einem interessanteren Film neu zusammen.

Leider lag mir zur Rezension keine richtige DVD, sondern nur ein minderwertiger Screener mit riesigem Wasserzeichen mitten im Bild vor. Daher kann ich in Bezug auf Bild, Ton und Extras leider keine Aussagen treffen. Wer sich selber ein Bild machen möchte: Am 17. März erscheint der Film bei NewKSM auf DVD und Blu-ray.

Originalfassungen in Bremen: 30.01.14 – 05.02.14

Von , 29. Januar 2014 20:56

Ruhigen Gewissens kann ich eigentlich keinen von den in dieser Woche neu ins Kino gekommenen Filmen im O-Ton hervorheben. Mein Interesse treffen sie alle nicht unbedingt. Darum sucht Euch selber Euren Favoriten aus.

Mandela: Der lange Weg zur Freiheit – Cinemaxx, Fr., 31.1. um 19:00 – Laut Filmplakat, die „einzige von Mandela selbst autorisierte Filmbiographie“. D.h. dann vermutlich auch recht distanzlos.

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The Wolf of Wall Street  – Cinemaxx, Do., Sa., So., Di., Mi. immer 19:00 – Der aktuelle Film von Regie-Altmeister Martin Scorsese basiert auf einer wahren Geschichte und erzählt von geldgierigen Börsenmaklern, Koks und Sex. Die Hauptrolle spielt der überaus talentierte Herr DiCaprio.

Eyyvah Eyvah 3 – Cinemaxx, Do.-Mi. 17:20, 21:15 und 23:10 – Dritter Teil der türkischen Komödien-Reihe.

Le Weekend – Schauburg, Mi., 5.2. um 19:15 – Britische Dramödie um ein älteres Ehepaar, welches ein Wochenende in Paris verbringt, um ihre eingefahrene Ehe aufzufrsichen. Aber dort läuft alles anders, als sie denken. Mit Jim Broadbent, Lindsay Duncan, und (lange nicht gesehen) Jeff Goldblum.

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12 Years a Slave – Schauburg, 2.2. um 21:15 & Gondel, 4.2. um 18:45 – Nach “Hunger” und “Shame” der dritte Spielfilm von Steve McQueen. Wieder mit Michael Fassbender in einer der Hauptrollen. Der film spielt 1841 und handelt von dem freien Afroamerikaner Solomon Northup, der aus New York entführt und im Süden der USA 12 Jahre lang als Sklave gefangen gehalten wird. Die Hauptrolle spielt Chiwetel Ejiofor. Ferner mit Brad Pitt, Paul Dano und Benedict Cumberbatch.

An ihrer Seite – City 46, Do.-Sa. um 20:30 und So.-Di. um 18:00 – Kanadisches Drama um einen Mann, der lernen muss mit der schweren Alzheimererkrankung seiner Ehefrau zu leben. Basiert auf einer Kurzgeschichte von Alice Munro, der Literaturnobelpreisträgerin 2013. Mit Julie Christie.

Karnaval – City 46, Do.-Sa. um 18:00 und So.-Mi. um 20:30 – Französisch-belgischer Spielfilm über den Karneval in Dünkirchen und einen Algerier, der sich in die Ehefrau eines der Feierwütigen verliebt und nun selber mitmacht. Mit der Trägerin des Bremer Filmpreises 2014: Sylvie Testud.

La brunante – City 46, Fr., 31.1. um 20:30 – Franco-kanadischer Spielfilm um eine Frau, bei der Alzheimer diagnostiziert wird, und die sich noch einmal auf eine große Reise zu einem ihrer Lieblingsorte begibt.

Der zerbrochene Klang – City 46, Di., 4.2. um 20:00 – Doku über das osteuropäische Bessarabien, wo bis Anfang des 20. Jahrhunderts jüdische und Roma-Musikerfamilien zusammen lebten, untereinander heirateten und gemeinsam musizierten.

Stein der Geduld – City 46, Do.-Mo. und Mi. um 20:00 – Französisch-afghanischer Spielfilm um eine junge Mutter, die ihren im Krieg schwer verletzten Mann pflegt.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 03.02. um 19:30 Uhr

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 03.02. um 21:45 Uhr

Das Bloggen der Anderen (27-01-14)

Von , 27. Januar 2014 21:36

bartonfink_type2– Wenn die meisten Leute das hier lesen, weiß man sicherlich schon mehr darüber, wie es mit der Deutschen Filmförderung weitergeht. Denn morgen tagt das Bundesverfassungsgericht in dieser Sache. Dazu gibt es auf critic.de ein spannendes und sehr aufschlussreiches zweiteiliges Gespräch zwischen Festivalleiter Lars Henrik Gass, Produzent Martin Hagemann und Frédéric Jaeger über den momentanen Status Quo. Unbedingt lesenswert! Teil 1 hier und Teil 2 hier. Und Nino Klingler ist zur Zeit auf dem Filmfestival in Rotterdam und führt dort ein Sehtagebuch.

– Einen schönen Beitrag über die Rolle (auch die eigene) des Kritikers hat Joachim Kurz für B-Roll verfasst. Ferner findet man dort auch ein Interview mit Marina Anna Eich über den neusten Film aus der Roland Reber-Factory: „Illusion“.

– Einen sehr gelungen Text über Jess Francos „Der Teufel kam aus Akasava“ hat Oliver Nöding für Remember It for Later verfasst. Darin merkt man deutlich die zwiespältigen Gefühle, die man einem Werk des spanischen Kultregisseurs entgegen bringen kann. Zwischen unerklärbarer Faszination und Hand gegen die Stirn schlagen. Darin dürfte sich so mancher dann auch wiedererkennen.

– Peter Stricklands Regie-Debüt „Katalin Varga“ muss ich mir auch noch anschauen. „Berberian Sound Studio“ hat mich zwar schwer enttäuscht, aber trotzdem hatte der Film etwas. Und „Katalin Varga“ klingt in der Kritik von Robin Schröder auf Mise en cinema auch sehr interessant.

– Vor Kurzem habe ich hier ja Alain Robbe-Grillets „Eden und danach“ besprochen und mich dafür intensiv mit diesem Regisseur beschäftigt. Sehr erfreulich, dass Sebastian Schubert auf Das Magazin des Glücks eine kleine Werkschau veranstaltet.

– Auf cargo findet man das Sehtagebuch von Ekkehard Knörer , der zwei sehr spannende – und einen scheinbar eher mittelmäßigen – Filme aus Indien bespricht.

– Ich liebe Bill Plympton seit den frühen MTV-Tagen, als seine surreal-absurden Animationen als Pausenfüller und Übergänge genutzt wurden (oh, was waren das noch für glückliche Zeiten). Umso beschämender, dass ich keines seiner Werke im Regal stehen habe. Das muss geändert werden! Gerade auch nach Sano Cestniks aufschlussreichen Essay auf Eskalierende Träume.

– Sir Donnerbold macht sich auf Sir Donnerbolds Bagatellen Gedanken über das abgelaufene Kinojahr 2013.

– Nochmal 2013. Filmgazette hat die Kritiken und Punkte all seiner Mitarbeiter ausgewertet und hat daraus eine ultimative Gesamtliste erstellt. Platz 1 mit weitem Abstand: „Spring Breakers“.

– Noch mehr Rückschau. La vié cinephilie mit seiner Bestenliste für 2013. Platz 1 hier: „L’image manquante“.

– Und nun die Vorschau auf 2014. Filme Welt freut sich auf diese fünf Produktionen. Not my cup of tea, aber bitte.

– Ich hatte ja „Psychomania“ auch schon mal rezensiert. Hier Alex Klotz‘ Meinung zu diesem britischen „Zombie-Biker-Kult-Film“ auf Hard Sensations.  Nochmal „The Wolf of Wall Street“: Diesmal einige Gedanken von Jamal Tuschick.

Splattertrash hat einen zu unrecht vergessenen Klassiker am Wickel: „The Bronx“. Immerhin mit Paul Newman und Ken Wal. Da erinnere ich mich sogar noch an das Filmplakat, das damals in einem der Bremer Kinos hing.

– Wenn es um Hongkong-Filme aus den 70ern und frühen 80ern kommt, denkt man zu allererste an die Kung-Fu-Epen der Shaw Brothers. Aber jenseits davon gibt es eine wahnsinnig interessante Welt, in der auch die Shaws ihre Finger im Spiel hatten: Den Horrorfilm. Vor einige Jahren habe ich da auch alles gesammelt, was mir in die Finger gekommen ist, denn die Filme waren sowohl exotisch als auch faszinierend radikal und durchgeknallt. Ob „The Boxer’s Omen“ damals dabei war, weiß ich gar nicht mehr. Vielversprechend klingt er auf jeden Fall auch, wie man auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte nachlesen kann.

– Auf Schneeland liest man eigentlich immer etwas aus der Welt des asiatischen Films. Diesmal aber wird ein deutscher Kurzfilm vorgestellt: „Hermann“ von „Splatting Image“-Autor Gerd Reda. Das passt aber trotzdem in Michael Schleehs Blog, denn hier gibt es auch einen Verweis nach Japan. Welchen? Lesen.

– Eine recht interessanten Blick auf „Die Nacht der reitenden Leichen“ hat Yzordderrexxiii.

. Etwas unbemerkt ist Louis Malles Meisterwerk „Herzflimmern“ endlich in Deutschland auf DVD erschienen, womit eine weitere Lücke geschlossen wird. Herausgekommen ist der Film bei CMV und jogiwan hat ihn auf project-equinox besprochen.

– Hups. Spike Jonesz hat einen neuen Film draußen? Habe ich gar nicht mitbekommen. Leider stammt das Drehbuch zu „Her“ nicht von Charlie Kaufman, aber na ja. Rainer Kienböck hat ihn für Jugend ohne Film gesehen. Der Film gefiel ihm, haut ihn aber auch nicht völlig vom Hocker. Patrick Holzapfel macht sich einige kluge Gedanken zum Thema Filmende.

– Miriam Eck ist auf Daumenkino begeistert von der Allen-Ginsberg-Biographie „Kill Your Darlings“ und Daniel Radcliffes Darstellung des Beat-Dichters.

– Der chilenische Filmemachers Raoul Ruiz war mir bisher vollkommen unbekannt. Daher geht mein Dank an Michael Brodski von Negativ, der diesen „erklärten Feind des klassischen Erzählkinos“ – der es immerhin auf über 100 Filme brachte – und seinen Kurzfilm „Colloque des chiens“ vorstellt.

Screen/read wirft einen vergleichenden Blick auf die beiden modernen Frankenstein-Variationen „Frankenstein’s Army“ und „I, Frankenstein“. Ersteren finde ich ja um einiges fürchterlicher als der Autor hier (siehe meine Review). Von letzterem habe ich bisher nur vernichtende Kritiken gelesen und auch hier kommt er nicht besonders gut weg.

The Hooded Justice ist sehr begeistert von Winding Refns „Drive“. Ich ja auch.

– Steht auch schon seit ewiger Zeit auf meiner „Muss-ich-gucken“-Liste: Der japanische Anime-Thriller „Perfect Blue“. Den sollte man wohl gehen haben, findet auch Flo Lieb auf symparanekronemoi.

– Wer wissen möchte, was es Neues aus Hollywood gibt, schaut am besten einmal bei Der Kinogänger vorbei.

– Als ich den Trailer zu „47 Ronins“ mit Keanu Reeves (Was macht der da?) sah, passten die Bilder nicht im Geringsten zu der vielverfilmten Legende, die ich kenne. Laut Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de hat der Film das auch nicht und ist zudem auch eher mäßig umgesetzt.

– Manfred Polak stellt auf Whoknows presents eine DVD mit lateinamerikanischen Avantgardefilmen von 1933 bis 2008 vor und bespricht die darauf enthaltenen Filmen in Detail. Hochinteressant! Diese DVD würde mich auch sehr reizen.

– Mal etwas „Nicht-filmisches“: Heute Abend um 23:05 läuft auf WDR3 das neue Hörspiel von Jörg Buttgereit „Das Märchen vom unglaublichen Super-Kim aus Pyöngyang“. Thomas Groh hat es schon gehört und auf filmtagebuch besprochen.

– Zu guter Letzt: Da will ich demnächst auch noch was zu schreiben und PewPewPew hat schon mal vorgelegt. Der neue Film von Huan Vu seht in den Startlöchern. Die Lovecraft-Verfilmung „Die Traumlande“.

DVD-Rezension: “Die teuflischen Schwestern”

Von , 26. Januar 2014 21:34

Die-teuflischen-SchwesternIn einem Nachtclub wird Edie (Kurt Meinicke) von der schönen Edna (Pamela Stanford) aufgegabelt und mit nach Hause genommen. Dort soll er allerdings nicht die Dame des Hauses, sondern deren Schwester Millie (Karine Gambier) beglücken, die in einem goldenen Käfig gefangen gehalten wird. Millie leidet nämlich scheinbar unter deiner besonders krankhaften Form der Nymphomanie. Edie und Millie verlieben sich, doch am nächsten Tag wacht Edie allein am in seinem Auto auf, ohne Erinnerung daran, wo er Millie finden kann. Derweilen schmiedet Edna zusammen mit dem angeblichen Arzt Dr. Barnes (Jack Taylor) einen sinisteren Plan. Sie wollen Millie in den Wahnsinn treiben, um an das Erbe zu kommen, welches sie an ihrem 21. Geburtstag ausgehändigt bekommen soll.

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Es ist 1977 und die Dietrich/Franco-Connection läuft auf Hochtouren. Ganze sieben Filme sollen die beiden in diesem Jahr zusammen machen. Die Rollenverteilung ist dabei immer die gleiche. Dietrich produziert und liefert unter dem Pseudonym Manfred Gregor das Drehbuch, Jess Fraco inszeniert in ein paar Tagen für wenig Geld. Wobei die Frage ist, in wie weit „Manfred Gregor“ wirklich am Drehbuch beteiligt war und ob das Pseudonym nicht auch von Franco genutzt wurde. Zumindest legt dies das de Sade’sche Element, welches auch in Francos andere Arbeiten seit den 60ern zu finden ist. Besonders deutlich tritt es in „Die teuflischen Schwestern“ wieder einmal zutage. Die „Gute“, die von der „Bösen“ verführt. gedemütigt und verdorben wird. Entfernt eine „Justine/&Juliette“-Geschichte, die Franco ja neben der Euginé-Figur aus „Die Philosophie im Boudoir“ gerne für seine Filme verwendete. Am sicherlich prominentesten in der Verfilmung „Justine“ von 1969 mit Romina Power in der Hauptrolle. Hier wird die Justine-Figur von Karine Gambier gespielt. Deren Charakter „Millie“ ist zwar hoffnungslos nymphoman, doch – wie man im weiteren Verlauf der Handlung erfährt – nur deswegen, weil die „böse Schwester“ (also die Juliette-Figur) sie unter Drogen hält und langsam in den Wahnsinn treibt. Innerlich ist Millie aber eine reine Seele geblieben, was dadurch hervorgehoben wird, dass sie sich sogleich aufrichtig verliebt, sobald der Richtige an ihre – ähem – Pforte klopft. Die böse Edna hingegen, versteckt hinter der Maske der fürsorglichen Schwester in Wahrheit eine eiskalt kalkulierende und nur ihre sexuelle und materielle Befriedigung gehorchende Intrigantin, die sich an den Leiden ihrer Schwester ergötzt und sexuell erregt.

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Als Schwestern castete Franco zwei absolut gegensätzliche Typen. Die wasserstoffblonde und dralle Karine Gambier spielt die Millie, während die brünette, sehnige Pamela Stanford ihre böse Edna spielt. Die Gambier war zu der Zeit ein gefragter Pornostar und so etwas wie die vulgärere Version von Brigitte Lahaie. Zudem spielte sie in einigen Softcore-Produktionen, wie z.B. dem 11. Teil der berühmten „Schulmädchen-Report“-Filmen mit und war bei den Dietrich/Franco-Produktionen „Ruf der blonden Göttin“ und vor allem beim extrem misanthropischen „Frauen für Zellblock 9“ dabei. 1981 beendete sie ihre Karriere nach nur 5 Jahren und ist seitdem vom Erdboden verschwunden. Die interessant aussehende Pamela Stanford alias Monique Delaunay war eine ehemalige Tänzerin im Folies Bergère und späteres Nacktmodel für diverse Herrenmagazine. Sie begann ihre Filmkarriere 1969 und spielte 1973 das erste Mal unter Jess Franco in „Les exploits érotiques de Maciste dans l’Atlantide„. Danach gehörte sie zu Francos Stammpersonal, zunächst in Minirollen, dann in „Lorna, l’exorciste“ erstmals in einer Hauptrolle. Nach einigen Sexfilmen für andere Regisseure, sowie einigen sehr billigen Naziploitationfilmen aus dem Hause Eurociné, verschwand sie dann 1983 nach einer letzten Zusammenarbeit mit Jess Franco („Claire„) von der Bildfläche. Unter den Herren sticht zunächst einmal der amerikanische Europloition-Star Jack Taylor hervor, der in vielen spanischen und französischen Horrorfilmen („Geisterschiff der schwimmenden Leichen„, „Dr. Jekyll vs. the Werewolf„) dabei war, ebenfalls häufig mit Franco zusammenarbeitete und hier überraschend blank zieht. Taylor ist heute noch aktiv und trat in Arthouse-Filmen wie Polanskis „Die neun Pforten“ und Milos Formans „Goyas Geister“ auf. Kurt Meinicke hüpfte in diversen Dietrich-Filmen, aber auch Alois-Brummer-Hardcore-Produktionen durch das Bild, Eric Falk gehörte in vielen legendären Dietrich- und Franco-Produktionen zum Inventar.

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Was den Zuschauer bei den „Teuflischen Schwestern“ erwartet, ist erst einmal viel nacktes Fleisch und ausschweifende Sexszenen, die immer knapp an der Grenze zur Pornographie entlang schrammen. Wer von den vielen nackten Brüsten nicht völlig abgelenkt ist, kann aber viele schöne Details entdecken. Wie z.B. die unzähligen Katzenportraits, die die Wände der Villa zieren. Wobei die Zimmer für eine angeblich große Villa doch arg eng und wahrscheinlich nur schnöden Hotelzimmer sind. Franco-Liebhaber entdecken auch das Schild der Praxis von „Dr. Milton Arcos“ wieder, welches dann in „Frauen ohne Unschuld“ (Review hier) wieder auftaucht. Auch der Käfig in dem sich Karine Gambier vor Lust windet, ist ein schönes Ausstellungsstück, welches ein wenig an „Das Blutgericht der gequälten Frauen“ erinnert. Und natürlich lässt es sich Franco nicht entgehen, eine seiner typischen Nachtclub-Szenen komplett mit frivol-mysteriöser Bühnenshow und ein Zitat aus Henri-Georges Clouzots „Die Teuflischen“ (ist die titelähnlichkeit wirklich Zufall?) einzubauen. Wer allerdings für diese kleinen Mosaiksteinchen und Verweise in das Jess-Franco-Universums keinen Sinn hat, die vielen Sexszenen langweilig findet und den das unspektakulär-abrupte Ende (welches in der Tat plötzlich die gesamte Luft aus dem Film entweichen lässt) frustriert zurück lässt, dem sei hier gründlich abgeraten. Wer Franco und seine Welt im Herzen trägt, dem werden auch „Die teuflischen Schwestern“ ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Als Einsteigerfilm in diese Welt ist der Film allerdings etwas problematisch.

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Billig-Produktion aus der Dietrich/Franco-Ära mit allen typischen Franco-Ingredienzien. Was für die einen ein Grund zur Freude, für die anderen zur Flucht ist. Für Einsteiger in den Jess-Franco-Kosmos nicht unbedingt geeignet. Für diejenigen, die bereits infiziert sind, aber natürlich ein Muss.

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Das Bild der DVD aus der „Jess Franco Golden Goya Collection“ ist den Umständen entsprechend sehr gut. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich hier um eine Billig-Produktion aus den 70er Jahren handelt, bei der auf die Qualität des Filmmaterials nicht viel Rücksicht genommen wurde. Der Ton liegt nur in Deutsch vor – welches auch die Originalsprache ist. Wie üblich wurde stumm gedreht und dann später mit professionellen Sprechern nachsynchronisert. Das Resultat ist ausgesprochen zottig und derb ausgefallen, was durchaus ein Markenzeichen der Dietrich/Franco-Filme ist. Als Extras liegen nur Trailer für andere DVDs der „Jess Franco Golden Goya Collection“ bei. Als Kuriosum sei noch erwähnt, dass die DVD japanische Untertitel mit an Bord sind.

Veranstaltungstipp: Weird Xperience zeigt Argentos „Horror Infernal“

Von , 24. Januar 2014 23:43

horror_infernalMit ganz besonderem Stolz präsentieren wir in unserer Reihe „Weird Xperience„, am kommenden Sonntag, den 26. Januar um 18:00 Uhr im großen Saal des Kommunalkinos City 46 auf 35mm, ein Juwel des europäischen Genrekinos: Dario Argentos „Horror Infernal“.

Dario Argento gehört zu den ganz Großen des italienischen Horror- und Thrillerkinos und genießt eine fast kultische Verehrung. Zumindest für seine Film, die er in den 70ern und 80ern gedreht hat. Über seinen späteren Output wird in Fankreisen durchaus kontrovers diskutiert. Zu der Zeit als er „Horror Infernal“ drehte, hatte er den Höhepunkt seiner schöpferischen Kraft erreicht. Gerade hatte er mit „Profondo Rosso“ (aka „Deep Red“) den „Citizen Kane des Giallo“ gedreht und mit „Suspiria“ den Horrorfilm in bisher kaum gekannte, delirierenden Höhe gehoben. Mit „Horror Infernal“ setzte er dann seine Trilogie der drei Mütter, die er mit „Suspiria“ begann, fort.

inferno4Einst entwarf der Architekt Varell drei Häuser, die den drei Müttern Mater Suspiriorum, Mater Tenebrarum und Mater Lacrimarum als Tor zur Hölle dienen. Eines steht in Freiburg, eins in New York und das letzte in Rom. Die junge New Yorkerin Rose Elliot liest in einem alten Buch darüber und hegt den Verdacht, selber im Hause der Mater Tenebrarum – der Mutter der Finsternis – zu leben. Sie schreibt darüber ihrem Bruder Mark, der in Rom studiert, und macht sich auf die Suche nach Beweisen für ihre Theorie. Mark kehrt nach New York zurück, doch Rose ist verschwunden und jeder, den er nach dem Verbleiben seiner Schwester und dem Geheimnis des Hauses befragen, stirbt einen grausamen Tod…

inferno3Mit hypnotischen, surreal-psychedelischen Bildern verabschiedet sich Argento vom traditionellen Erzählkino und kreiert eine dichte Atmosphäre des Grauens. Das Böse lauert buchstäblich in allen Dingen, immer bereit zuzuschlagen und zu vernichten. Für sein Opus des Schreckens sicherte sich Argento der Hilfe seines großen Vorbildes und genialen Meisters des Horrorfilms, Mario Bava. Dieser half bei den Effekten und inszenierte die berühmte Szene im überschwemmten Keller des Hauses. Für den eindrucksvollen Soundtrack waren diesmal nicht Argentos Stammmusiker von der Band „Goblin“, sondern Keith Emerson zuständig. Emerson hatte 1970 die supergruppe „Emerson, Lake & Palmer“ gegründet, eine der populärsten und erfolgreichsten Progressive-Rock-Bands.

inferno2„Inferno ist ein Manifest des filmischen Antirealismus und eine perfekte Vorlage für das moderne Blockbusterkino, das allerdings bis heute nie auch nur halb so weit gegangen ist wie der Meister. Argento spielt mit offenen Karten – und gewinnt trotzdem mit Leichtigkeit.“ – Lukas Foerster, Dirty Laundry

„INFERNO ist nur noch Stimmung, reines Kino, das man nicht hermeneutisch entschlüsseln muss, um der dahinterliegenden “echten” Bedeutung auf den Grund zu gehen.“ – Oliver Nöding, Remember It For Later

Ein Gruselstück, das in Spannungsaufbau und Kameraführung Könnerschaft verrät, aber mit seinen Blut- und Mordorgien abstößt. –Katholischer Filmdienst

inferno8Die Weird-Xperience-Vorstellung am Sonntag ist dann auch die letzte in alter Form. Aber keine Angst, ab März geht es weiter. Dann wird das dynamische Duo, besteht aus Stefan und mir, allerdings zu einer 5-köpfigen Arbeitsgruppe mit geballter Frauen-Power erweitert, die ein neues Konzept für die Reihe erarbeiten soll. Ausserdem bekommt die Reihe einen neuen „Sendeplatz“ und zwar ab dann immer jeden vierten Donnerstag im Monat um 20:30 Uhr. Der erste Filme auf dem neuen Termin steht auch schon fest. Welcher das sein wird, verraten wir dann an diesem Sonntag.

Wir würden uns sehr freuen, wenn zur letzten Vorstellung in alter Form möglichst viele interessierte Zuschauer erscheinen. Stefan und ich werden auch, wie gewohnt, wieder die Einführung in den Film machen.

Am 27.01. im Cinema: Lars Kraume stellt seinen Film “Meine Schwestern” vor

Von , 24. Januar 2014 20:30

Meine SchwesternAm Montag, den 27.01. um 18:45 Uhr stellt Regisseur Lars Kraume im Cinema Ostertor als Vorpremiere seinen neuen Spielfilm „Meine Schwestern“ vor.

Lars Kraume kennt man als Regisseur des episch angelegten SF-Film „Die kommenden Tage“ und vor allem als TV-Regisseur. Er hat zahlreiche „Tatort“-Episoden inszeniert, u.a. „Borowski und der brennende Mann“ und die Frankfurt-Tatporte mit Joachim Król und Nina Kunzendorf. Nina Kunzendorf spielt auch eine der Hauptrollen in „Meine Schwestern“. Ebenso wie Jördis Triebel, mit der Kraume bei der hochgelobten Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“ zusammenarbeitete. Jördis Triebel wird auch gemeinsam mit Lars Kraume am Montag anwesend sein, um über „Meine Schwestern“ zu sprechen.

Ein Wiedersehen gibt es in „Meine Schwestern“ auch mit der französischen Schauspielerin Béatrice Dalle.

Seit ihrer Geburt litt Linda unter einem schweren Herzfehler, der sie zum Sorgenkind ihrer Familie und Dauer-Patient im Krankenhaus erkor. Die jüngste OP hat die gerade 30-Jährige nicht überlebt und blickt von der Bahre aus auf die letzten gemeinsamen Tage mit ihren beiden Schwestern zurück. Mit diesen, der älteren, taffen Katharina und der jüngeren, zerbrechlichen Clara, ist sie zu einem spontanen Wochenendausflug aufgebrochen, in Vorahnung ihres drohenden Todes. Nach der Fahrt zur deutschen Küste überredet sie beide noch zu einem Paris-Besuch bei Verwandten.

Der reguläre Kinostart erfolgt dann am 6. Februar.

DVD-Rezension: “Drug War”

Von , 23. Januar 2014 20:27

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Nach einer fatalen Explosion in seinem Drogenlabor, wird der Drogenproduzent Timmy Choi Tin-ming (Louis Koo) schwer verletzt von der Polizei festgenommen. Da ihm in China wegen Drogenhandels die Todesstrafe droht, bietet er an, mit der Polizei zu kooperieren. Zusammen mit dem eiskalten Polizisten Zhang (Sun Honglei), macht er sich daran, seine Partner in eine Falle der Polizei zu locken…

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Ende der 90er hatte Johnnie To zusammen mit seiner Produktionsfirma Milkyway einen unglaublichen Lauf. Hintereinander weg wurde ein Meisterwerk nach dem anderen produziert. „The Longest Nite„, „Expect the Unexpected„, „A Hero Never Dies„, „Where A Good Man Goes„, „Running Out Of Time„, „The Mission„. Einige davon von Johnnie To, der zuvor mit seinen beiden „Heroic Trio„-Filmen bereits sehr positiv aufgefallen war, persönlich inszeniert. Johnnie To und Milkyway wurden kurzzeitig zum Synonym für intelligente, hochspannende Actionfilme. In einer Zeit, in der gerade die Großen der alten Garde – wie John Woo, Tsui Hark oder Ringo Lam – nach Hollywood ausgewandert waren, stand Milkyway für die Zukunft des Hongkong-Actionkinos. Auch heute noch ist das Studio für großartige, konzentrierte Actionfilme, aber noch mehr für romantische Komödien (die schon immer das zweite und stetig kräftiger werdende Standbein waren) bekannt. Doch der Action-Output fing an, nicht immer von vornherein eine sichere Sache zu sein. Zwar inszenierte To mit „PTU„, „Breaking News“ und „Election“ weiterhin Klassiker, aber mit „Fulltime Killer“ auch ein Werk, welches mit seiner „Best-Of“-Attitüde etwas hinter dem gewohnten hohen Milkyway-Standard hinterher hinkte. Und mit „Vengenace“ fabrizierte To einen echten Stinker. „Vengeance“ lief 2009 auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg, und zählt dort für mich zu den ganz großen Enttäuschungen. Der Film war albern, dramatisch am Rande der Parodie und mit Johnny Hallyday schrecklich fehl besetzt. Mit „Drug War“ hat Johnnie To nun aber wieder einmal gezeigt, dass man ihn besser nicht abschreiben sollte.

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„Drug War“ ist der erste Action-Film (vorher hatte er dort schon die romantische Komödie „Romancing in Thin Air“ gedreht), den To außerhalb Hongkongs in China drehte. Wo er dann auch prompt Probleme mit der staatlichen Zensur bekam. Einige Szenen wurden in zwei Versionen gedreht, so dass mindestens eine bei einem staatlichen Eingriff „gerettet“ werden könnte (1). Auch das Ende war so nicht vorgesehen, aber mit dem ursprünglich intendierten wäre Johnnie To nie durchgekommen, und so wurde es schon früh verworfen (2). Überhaupt ist das Drehbuch schon mit dem Blick auf die chinesische Zensur verfasst worden. Ganz bewusst blendete man sämtliche Hintergrundgeschichten und das Privatleben der Polizisten konsequent aus, was dem Film aber durchaus zum Vorteil gereicht. So zeigt er konzentriert und ohne irgendwelche Ablenkungen die Arbeit des Polizeiapparats, der wie eine gut geölte Maschine funktioniert. Zwar ist es nicht möglich, sich mangels ausführlicher Charakterisierung mit einem der Beamten zu identifizieren, und oftmals fällt es sogar schwer, sie auseinanderzuhalten, aber gerade dadurch, dass die Polizei als anonyme Masse dargestellt wird, ist die Handlung ganz auf das Wesentliche reduziert. Den Drogen-Krieg zwischen Polizei und Gangstern.

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Nur die beiden Protagonisten werden als Individuen gezeigt. Wobei Honglei Sun als Polizist Zhang Lei keinerlei Vorgeschichte oder überhaupt irgendwelche privaten Gefühl zugestanden wird. Zhang Lei bekommt dadurch etwas maschinenhaftes. Seine einzigen Gefühlsausbrüche gönnt er sich, wenn er als Undercover-Cop in eine Rolle schlüpft. Wenn er wieder in sein wahres Selbst zurückkehrt, erstarrt er förmlich und seine Mine wird mit einem Schlag undurchdringlich. So hat es fast etwas unheimliches, wenn Zhang Lei gute Laune simuliert, denn man spürt dahinter immer noch den eiskalten Profi, der sich keine Emotionen leistet. Der interessanteste Charakter ist allerdings der von Louis Koo gespielte Timmy Choi Tin-ming. Wobei auch Timmy Choi allein auf eine Sache fokussiert ist: Seinen eigenen Vorteil. Dafür passt er sich chamäleongleich seiner Umgebung an und ähnelt dabei seinem Gegenüber, dem Polizisten Zhang Lei. Timmy Choi versteht es zu jammern, wenn es ihn weiterbringt oder skrupellos seine ehemaligen Freunde zu verraten, wenn er dadurch mit dem Leben davon kommt. Als er Zhang Lei anbietet, mit ihm zusammenzuarbeiten, wenn er dadurch der Todesstrafe entgehen kann, würde sich in einem amerikanischen Film sicherlich eine Katze-Hund-Freundschaft zwischen den Beiden entwickeln. Ähnliche Fälle gab es ja in Walter Hills „Nur 48 Stunden“ und seinen Epigonen. Doch hier nicht. Zwar tanzt Timmy Choi scheinbar unterwürfig nach Zhang Leis Pfeife, doch sein eiserner Wille und seine unbedingte Skrupellosigkeit, den eigenen Vorteil durchzusetzen, bleibt sets spürbar. Im Gegensatz zu Zhang Lei, wird Timmy Choi mit etwas spärlichen Hintergrund ausgestattet und darf sogar einmal seine Ehefrau beweinen. Wobei auch hier die Frage bleibt, ob die Tränen echt sind oder doch nur dazu dienen, sein Umfeld zu manipulieren.

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Interessanterweise – und, wie Johnnie To in einem Interview (3) betont, ganz bewusst, um die Zensoren milde zu stimmen – werden alle guten Charaktere von Chinesen gespielt, während die Bösen allesamt von Schauspielern aus Hongkong gegeben werden. Dies führt am Ende des Filmes dazu, dass eine eine Vielzahl von Tos Stammschauspielern aus Hongkong-Tagen aufmarschieren. U.a. Suet Lam und Michelle Ye. Ebenfalls ist bei Tos „chinesischem“ Film auffällig, wie kalt er das Festland in Szene setzt. Die Bilder sind in einem blass-blauen Ton gehalten, wirken farblos und ungemütlich. Kein Vergleich zu den warmen, farbenreichen Bildern, die man aus Tos Hongkong-Filmen kannte. Die kühle Emotionslosigkeit der Handelnden wird dadurch visuell noch verstärkt. So wirkt es dann bezeichnend, dass der Ort, in dem dann doch warme, kräftige Farben eingesetzt werden, ausgerechnet ein Nachtclub ist, in dem sich die Leute aus Hongkong treffen.

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Beim Einsatz von Action-Sequenzen und Brutalitäten ist To relativ zurückhaltend. Aber wie schon bei „The Mission“, wirken die gewalttätigen Eruptionen dadurch nur noch intensiver. In der Tat gibt es im Film nur zwei große Shoot-Outs, die aber mit einer großen Kraft und inszenatorischen Finesse umgesetzt wurden. Und beide sind in der Konsequenz drastisch. Gewalt ist kein Spaß, sondern vernichtet Leben. Und so geht – wie so häufig in seinen Actionfilmen – bei To dann auch die Welt in einem unglaublichen Kugelhagel unter. In Tos Welt gibt es keine Platz für Gewinner. Das Ende hätte noch zynischer ausfallen sollen, doch aufgrund der Zensoren ist nun noch eine „Verbrechen lohnt sich nicht“-Botschaft mit angeklatscht, die allerdings nicht besonders störend wirkt und sich in das Gesamtbild einfügt.

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Mit „Drug War“ hat Johnnie To einen minimierten, ganz auf die Konfrontation Polizei-Gangster reduzierten, Actionfilm geschaffen, der über weite Strecken auf Gewalt verzichtet, um diese dann umso intensiver auf den Zuschauer einprasseln zu lassen. „Drug War“ ist spannend und wie eine unaufhaltsame Maschine in Szene gesetzt. Tiefergehende Charakterzeichnungen werden dabei jedoch außen vor gelassen, so dass, bis auf die beiden Protagonisten, die meisten Figuren eigenschaftslos bleiben.

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Das Bild der Koch-Media-DVD ist gut, aber nicht ausgezeichnet. Die Schwarztöne wirken etwas zu blass. Der Ton ist sehr gut und liegt auf Mandarin mit deutschen Untertiteln und deutsch synchronisiert vor. Als mageres Extra befindet sich ein gerade mal 3,5 Minütiges „Making Of“ auf der Scheibe, welches allerdings ein mit Filmausschnitten gespickter Werbe-Clip ist.

(1) http://www.hollywoodreporter.com/news/cannes-johnnie-anxiety-censors-challenges-523270
(2)+(3) http://www.film.com/movies/johnnie-to-interview-drug-war

Originalfassungen in Bremen: 23.01.14 – 29.01.14

Von , 22. Januar 2014 20:49

Die O-Ton-Liste in dieser Woche sieht wirklich sehr traurig aus. Zwei Neuzugänge, der klägliche Rest Wiederholungen. Mal schauen, was die nächsten Wochen so bringen. Ansonsten bleibt mir nicht viel mehr, als auf einen der Oscar-Favoriten, „12 Years a Slave“, hinzuweisen. Ach so, und die französische Sneak Preview scheint es jetzt nur noch in der Gondel, und nicht wie früher auch noch im Atlantis, zu geben.

The Wolf of Wall Street – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:15 – Der aktuelle Film von Regie-Altmeister Martin Scorsese basiert auf einer wahren Geschichte und erzählt von geldgierigen Börsenmaklern, Koks und Sex. Die Hauptrolle spielt der überaus talentierte Herr DiCaprio.

Dügün Dernek – Der Hochzeitsverein – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 23:00 – Türkische Komödie um einen Drehbuchautor, der beim Schreiben einer romantischen Komödie eine Schreibblockade erleidet und dann selber in eine Liebesgeschichte stolpert.

Only Lovers Left Alive – Schauburg, So./Mi. 21:15 – Jim Jarmusch erster Spielfilm nach vier Jahren spaltet die Gemüter. Scheinbar gibt es bei diesem Vampir-Drama mit der großartigen Tilda Swinton und Tom “Loki” Hiddleston nur zwei Fraktionen: Die einen sind von ihm entsetzt, die anderen lieben ihn.

12 Years a Slave – Schauburg, So./Mi. um 18:45 & Gondel, Do./Mo. um 12:00 – Nach „Hunger“ und „Shame“ der dritte Spielfilm von Steve McQueen. Wieder mit Michael Fassbender in einer der Hauptrollen. Der film spielt 1841 und handelt von dem freien Afroamerikaner Solomon Northup, der aus New York entführt und im Süden der USA 12 Jahre lang als Sklave gefangen gehalten wird. Die Hauptrolle spielt Chiwetel Ejiofor. Ferner mit Brad Pitt, Paul Dano und Benedict Cumberbatch.

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Bonjour Sagan – City 46, Do., Sa.-Mi. immer 20:00 – Französisches Bio-Pic über das Leben von Françoise Sagan. In der Titelrolle: Die bezaubernde Trägerin des Bremer Filmpreises 2014,  Sylvie Testud.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 27.01. um 20:00 Uhr

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 27.01. um 21:45 Uhr

Französische Sneak Preview –  Gondel, Mi., 29.01. um 21:00

DVD-Rezension: “Odd Thomas”

Von , 21. Januar 2014 21:19

Odd-ThomasOdd Thomas (Anton Yelchin) ist ein junger Mann, der als Schnellimbiss-Koch arbeitet und außerdem über übersinnliche Kräfte verfügt. So kann er mit den Toten sprechen, in die Zukunft schauen und die sogenannten „Bodachs“ sehen. Dies sind unsichtbare Monster, die sich vom Leid der Menschen ernähren und deshalb immer dann auftauchen, wenn eine große Katastrophe bevorsteht. Eines Tages tauchen in seiner Heimatstadt Pico Mundo eine große Anzahl der „Bodachs“ auf, zusammen mit einem mysteriösen Fremden. Odd Thomas spürt, dass ein gewaltiges Unglück bevorsteht und der Fremde dabei eine wichtige Rolle spielt. Zusammen mit seiner Freundin Stormy (Addison Timlin) macht sich Odd daran, herauszufinden, was in Pico Mundo vor sich geht und was in einigen Tagen dort Schreckliches passieren wird…

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Stephen Sommers Meeresmonster-Spektakel „Octalus“ war 1998 eine der schönsten Überraschungen auf dem deutschen Videomarkt. Mit einem moderaten Budget ausgestattet, gelang es Sommers nicht nur, ein überzeugendes Monster zu erschaffen, sondern er beherzigte auch die Regel, das Monster bloß nicht zu früh zu zeigen, und mangelndes Budget mit einer spannenden Handlung ausgleichen. Und so lebte der Film nicht so sehr von seinem CGI-Monster, sondern vor allem von seinen sympathischen Charakteren, um die man tatsächlich bangen konnte. Ein Jahr später wiederholte er das Kunststück mit einem weitaus größeren Budget. Da ließ er „Die Mumie“ los und stellte uns mit Brendan Fraser einen netten Indiana-Jones-Verschnitt und mit Rachel Weisz einen liebenswerte Heldin zur Seite. Zwar waren hier die Effekte weitaus ausgeklügelter, aber im Zentrum standen immer noch die Helden und nicht der Computer. Bei „Die Mumie kehrt zurück„, einem einfallslosen Quasi-Remake des Vorgängers, gelang Sommers diese Balance schon nicht mehr so gut, und sein fürchterlich seelenloser „Van Helsing“ ließ dann alle Tugenden vermissen, die „Octalus“ noch ausgezeichnet hatten. Völlig zu recht floppte der Film an der Kinokasse. Fünf Jahre verschwand Sommers daraufhin in der Versenkung und kehrte 2009 mit dem ersten „G.I . Joe„-Film zurück, der seiner Reputation aber auch keine neuen Schwung gab. Nun, wiederum vier Jahre später, probiert er sich an der Verfilmung eines Romans von Dean Koontz: „Odd Thomas„. Und siehe da, er hat über die Jahre nicht alles verlernt und knüpft erfreulicherweise dort an, wo er nach „Die Mumie“ aufgehört hatte.

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Natürlich strotzt auch „Odd Thomas“ nur so vor Computer-Effekten, was auch offensiv auf dem Cover der DVD beworben wird. Diese sind auch größtenteils sauber ausgeführt und eine Peinlichkeit wie der animierte „Scorpion King“ aus „Die Mumie kehrt zurück“, bleibt einem erspart. Doch trotz des digitalen Aufwandes, ist Sommers Film wunderbar „analog“. Er stellt nicht seine Schauwerte, sondern seine Figuren in den Mittelpunkt der Geschichte. Und es macht Freude, diesen sympathischen Gestalten dabei zuzusehen, wie sie sich gemeinsam dem Bösen entgegenstellen, als sei es das Normalste von der Welt. Vor allem Hauptdarsteller Anton Yelchin ist eine gelungene Wahl. Der gebürtige Russe ist vor allem als Chekov im „Star Trek“-Reboot einem größeren Publikum bekannt geworden. Als Odd Thomas hilft ihm schon seine große Ähnlichkeit mit einem jungen Brad Dourif, den Odd gleichzeitig etwas seltsam, und wie der nette Kumpel von nebenan wirken zu lassen. Auch wenn die Eröffnungsequenz zunächst etwas zu physisch inszeniert wird, und Odd Thomas dadurch mehr wie ein klassischer, testosterongesteuerter Actionheld, statt ein normaler Junge in einer ungewöhnlichen Situation wirkt. Aber dieser Ansatz wird recht schnell fallengelassen und Odd als netter Hamburger-Brater vorgestellt, der aufgrund seiner Gabe auf andere etwas „odd“, also seltsam, wirkt. Trotzdem wird auf ausgelutschte Story-Mätzchen wie „Aussenseiter-verliebt-sich-in hübsches-Mädchen“ oder quälerische Selbstzweifel dankenswerterweise verzichtet. Odd ist bereits mit der bildhübschen Stormy Llewellyn zusammen, die perfekt mit ihm harmoniert harmoniert. Newcomerin Addison Timlin spielt diese Rolle mit einem unbeschwerten, liebenswerten Charme und trockenen Humor. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt und die beiden spielen sich die Bälle wie in einer gelungenen Sitcom zu.

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Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Allen voran der immer zuverlässige Willem Dafoe. Dieser darf hier endlich einmal wieder eine durchweg sympathische Rolle spielen und verkörpert den verständnisvollen Polizeichef des Ortes. Normalerweise wäre diese Rolle dafür prädestiniert, so etwas wie der „gute Antagonist“ zu sein, der Odd nicht glaubt und ihm das Leben schwer macht. Auch dieses Klischee wurde weggelassen. Chief Wyatt Porter verhält sich klug und arbeitet mit Odd im Team. Auch der Running Gag, dass Porter dabei ständig bei einem Techtelmechtel gestört wird, wirkt nicht albern, sondern nett. Neben Dafoe schaut auch Patton Oswald (bekannt aus „King of Queens„) vorbei. Seine Rolle ist zwar winzig, aber scheinbar in Koontz‘ Roman-Serie sehr wichtig. Shuler Hensley gibt einen überzeugenden und wirklich creepy aussehenden Fungus Bob, und sogar der Mumie persönlich, Arnold Vosloo, wird von Sommers ein kleiner, humoriger Kurzauftritt gegönnt. Eine wichtige Rolle spielt auch die gitarrenlastige Filmmusik, die entfernt an ZZ Top erinnert und dem sommerlich, staubigen Pico Mundo den rechten Groove verleiht.

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Wie häufig bei Koontz‘ Romanen, lässt sich „Odd Thomas“ nicht richtig in ein Genre einordnen. Am Ehesten wird man ihm wohl mit der Bezeichnung „fantastischer Krimi“ gerecht, denn Odd muss herausfinden, wer wann welches Verbrechen begehen wird und sucht dafür wie ein guter Detektiv Spuren und Indizien. Der übernatürliche Anteil am Verbrechen spielt dann auch nur eine untergeordnete Rolle. Die Täter sind durchaus menschlich, und obwohl nur einmal wird kurz angedeutet wird, sie könnten besessen, scheinen sie doch eher nur gelangweilt zu sein. Das große Geheimnis hinter allem ist allerdings nicht besonders schwer zu enträtseln. Tatsächlich dürfte jeder halbwegs mit Krimi- und Thrillerkonventionen Vertrauter recht schnell herausfinden, wer der Drahtzieher ist. Auch erscheint das Finale etwas abrupt, und – für den Aufwand der im Film getrieben wird – relativ unspektakulär zu enden. Die schlecht animierte CGI-Explosion in der alles endet, hinterlässt ebenfalls keinen guten Eindruck. Andererseits sind die restlichen Effekte sehr gelungen und CGI-Spielereien spielen hier sowieso keine übermäßig wichtige Rolle. Besonders gelungen sind allerdings die fast transparenten „Bodachs“, die der Fantasie genug Freiraum lassen, um die Leerstellen auszufüllen.

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Koontz 2003 begonnene Romanreihe um „Odd Thomas“ ging letztes Jahr in die mittlerweile sechste Runde, und es sieht wohl so aus, als ob noch einige Romane um den jungen Mann folgen würden. Das würde man sich durchaus auch für diesen Film wünschen. Leider wurde „Odd Thomas“ durch einen Rechtsstreit der beteiligten Produktionsfirmen torpediert und konnte erst nach einiger Verzögerung ohne Kinoauswertung gestartet werden. Es bleibt aber zu hoffen, dass er im Heimkino genug Geld einfahren kann, dass über eine Fortsetzung nachgedacht wird. Gerne auch wieder mit Anton Yelchin in der Titelrolle und Sommers hinter der Kamera.

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„Odd Thomas“ ist ein Horror-Fantasy-Krimi-Hybrid, der durch eine lockere und unbeschwerte Inszenierung gefällt. Getragen wird er durch seine glänzend aufgelegten und sympathischen Hauptdarstellern, zwischen den die Chemie stimmt. Obwohl recht vorhersehbar und ohne großen Ansprüche, unterhält der Film trotzdem prächtig. Weitere „Odd-Thomas“-Verfilmungen mit dem selben Team wären durchaus wünschenswert.

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Die DVD verfügt über ein ausgezeichnetes Bild und einen sehr guten Ton. Als Extras werden dem Zuschauer ein eher nichtsagendes10-minütiges „Making Of“, sowie drei Interviews mit Addison Timlin (16 Min), Anton Yelchin (10 Min) und Willem Dafoe (12 Min) angeboten. Die Interviews haben aber eher Werbecharakter und die Interviewten erklären erst einmal lange, welche Rolle sie spielen.

Das Bloggen der Anderen (20-01-14)

Von , 20. Januar 2014 21:33

bartonfink_type2– Ein Jahr ist es nun her, dass Alexander Matzkeit auf real virtuality über die deutsche Filmblogosphäre, bzw. deren scheinbares nicht Vorhandensein geschrieben hat, was einige Wellen geschlagen hatte. Nach einem Jahr zieht er Bilanz, was bisher geschehen ist. Dabei schreibt er u.a., dass er sich jemanden wünschen würde, der die Blogs liest und eine Liste mit empfehlenswerten Artikeln zusammenstellen würde. Ähem…

– DAS große Thema in dieser Woche ist Martin Scorseses neuer Film „The Wolf of Wall Street“. Hierzu gibt es ein sehr spannendes Streitgespräch auf cargo, in dem Lukas Foerster (pro) und Ekkehard Knörer (contra) ihre gegenteiligen Meinungen zum Film verteidigen. Ebenfalls auf cargo gibt auch Simon Rothöhler seine Meinung zum Film kund, der den Film relativ positiv aufnimmt und intellektuell durchleuchtet.

– Gar nicht angetan vom „Wolf of Wall Street“ ist Sophie Charlotte Rieger auf B-Roll, die den Film vom feministischen Standpunkt aus, als überaus frauenfeindlich empfindet.

– Ganz anders Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film, der „The Wolf of Wall Street“, „ein großartiges Stück Kino“ nennt.  Ferner gibt es einen Gastbeitrag von Rainer Kienböck, der sich zwei Filme von Kon Ichikawa vorgenommen hat: „Biruma no Tategoto“ („Freunde bis zum letzten“),und „Nobi“ („Feuer im Grasland“). Und Patrick Holzapfel sinniert anhand von „12 Years A Slave“ über einen Satz “The worst is McQueen: he is the devil, an absolute devil, because he is making people believe he is making artistic films, and it’s bullshit.” des letztjährige Locarno Gewinner Albert Serra.

– Ein wunderschöner Film ist Jacques Demys „Les Parapluies de Cherbourg“, den Annika Stelter auf Die Filme, die ich rief für sich entdeckt hat.

– Kim Ki-Duk ist ein hervorragender, immer spannender Filmemacher, der nach einigen Arthouse-Crowdpleasern nun seit einiger Zeit zu seinem alten rebellisch, verstörenden Wesen zurückgefunden hat. Zuletzt mit extrem kontroversen „Moebius – Die Lust, das Messer“, über den Ronny Dombrowki auf cinetastic.de schreibt.

– Zwei völlig unterschiedliche deutsche Filme bespricht Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de. Einmal die harmlose, aber scheinbar recht unterhaltsame Komödie „Nicht mein Tag“ mit einem dünnen Axel Stein und Moritz Bleibtreu in einer dieser Rollen, die er im Schlaf spielt. Und dann das Resozialisierungs-Drama „Schuld sind immer die Anderen“, welches trotz einer gewissen Konstruiert- und Oberflächlichkeit recht intensiv sein soll.

– Oliver Nödings große Edgar-Wallace-Retrospektive auf Remember It For Later geht zu ende. Mit drei Filmen, die wie ich finde, immer etwas zu unrecht vergessen werden. Die erste Italo-Co-Produktion „Das Gesicht im Dunkeln“, dem wirklich tollen „Der Mann mit dem Glasauge“ von Alfred Vohrer und den meiner Meinung nach recht guten, aber fast völlig unbekannten Nachklapp „Die Tote aus der Themse“.

– Bei Hard Sensations setzen Silvia Szymanski & Maria Wildeisen ihre hochspannende Reihe „Forced Entry – Vergewaltigung im Film“ weiter fort. Diesmal mit einem Film, den ich gar nicht mochte (hauptsächlich aus den Gründen, die auch die beiden Damen ansprechen): „Twentynine Palms“ von Bruno Dumond. Dafür liebe ich aber Orson Welles „Im Zeichen des Bösen“ abgöttisch. Ebenso wie es scheinbar auch Jamal Tuschick tut. Michael Schleeh wiederum empfiehlt Jia Zhangkes „A Touch of Sin“ als „ganz klar unverzichtbar, (und) jetzt schon einer der ersten Höhepunkte im noch jungen Kinojahr 2014.“

– Udo Rotenberg stellt auf L’Amore in cità Joe D’Amatos ersten Spielfilm als Regisseur vor: „Sollazzevoli storie di mogli gaudenti e mariti penitenti – Decameron nº 69“ oder wie er in Deutschland kurz, aber treffend, hieß: “Hemmungslos der Lust verfallen“.

– Da ich letzte Woche ankündigte, dass ich nichts mehr über den Hofbauer-Kongress schreibe, verschweige ich jetzt mal ganz dreist, dass Alex Klotz auf hypnosemaschinen noch einen letzten Bericht getippt hat.

– Nachdem Ilsa schon eine deutsches Kriegsgefangenenlager geführt hat und bevor sie die Tigerin aus Sibirien wurde, war sie die Harmeswächterin der Ölscheichs. Wovon totalschaden auf Splattertrash zu berichten weiß.

– Lukas Foerster hat für Dirty Laundry einen Film gesehen, den es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte: Den DEFA-Film „Die Taube auf dem Dach“ von Iris Gusner. 1973 verboten und vernichtet, ist jetzt eine schwarz-weiße Arbeitskopie aufgetaucht, die in Berlin gezeigt wurde.

– Letztes Mal schon in einigen Blogs erwähnt und gelobt: Robert Redfords existentielle One-Man-Show „All is lost“, den auch Christian Gertz auf mehrfilm empfiehlt.

– Einen sehr schönen Text von Werner Sudendorf über deutsche Filmliteratur findet man auf new filmkritik.

– Neben Film waren auch Comics eine lange Zeit eine große Leidenschaft von mir in die viel, viel Geld floss. Aber die Zeiten ändern sich und das Portemonnaie ist heute schmaler, weshalb ich aufhörte Comics zu sammeln. Allerdings denke ich oft darüber nach, zwei Gebiete zu beackern, die damals in meiner Amerika-lastigen Sammlung etwas unterrepräsentiert war: Deutsche und franco-belgische Comics. Vielleicht inspiriert mich ja die Doku Tardi – Schwarz auf Weiß”, der eine Tardi-Ausstellung in Berlin begleitet und von franzöischerfilm.de vorgestellt wird.

– Ein wunderschönes Kinoerlebnis war es einmal Fritz Langs „Der müde Tod“ in der Kulturkirche St. Stephanie mit Musikbegleitung auf der Orgel zu sehen. Das hatte Schmock von Stubenhockerei sicherlich nicht, fand den Film aber trotzdem schön.

– Matthew McConaughey erlebt in letzter Zeit ein beeindruckendes Comeback als Charakterschauspieler. So auch im viel gelobten AIDS-Drama „Dallas Buyers Club“, das dennis für Filmosophie gesehen hat.

– Mal eine andere Meinung. Die Eule kann auf Filmtagebuch der Eule mit dem Goldene-Palme-prämierten und auf vielen Jahresbestenlisten zu findenden „Blau ist eine warme Farbe“ nicht viel anfangen und erklärt wieso.

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