DVD-Rezension: “Odd Thomas”

Odd-ThomasOdd Thomas (Anton Yelchin) ist ein junger Mann, der als Schnellimbiss-Koch arbeitet und außerdem über übersinnliche Kräfte verfügt. So kann er mit den Toten sprechen, in die Zukunft schauen und die sogenannten „Bodachs“ sehen. Dies sind unsichtbare Monster, die sich vom Leid der Menschen ernähren und deshalb immer dann auftauchen, wenn eine große Katastrophe bevorsteht. Eines Tages tauchen in seiner Heimatstadt Pico Mundo eine große Anzahl der „Bodachs“ auf, zusammen mit einem mysteriösen Fremden. Odd Thomas spürt, dass ein gewaltiges Unglück bevorsteht und der Fremde dabei eine wichtige Rolle spielt. Zusammen mit seiner Freundin Stormy (Addison Timlin) macht sich Odd daran, herauszufinden, was in Pico Mundo vor sich geht und was in einigen Tagen dort Schreckliches passieren wird…

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Stephen Sommers Meeresmonster-Spektakel „Octalus“ war 1998 eine der schönsten Überraschungen auf dem deutschen Videomarkt. Mit einem moderaten Budget ausgestattet, gelang es Sommers nicht nur, ein überzeugendes Monster zu erschaffen, sondern er beherzigte auch die Regel, das Monster bloß nicht zu früh zu zeigen, und mangelndes Budget mit einer spannenden Handlung ausgleichen. Und so lebte der Film nicht so sehr von seinem CGI-Monster, sondern vor allem von seinen sympathischen Charakteren, um die man tatsächlich bangen konnte. Ein Jahr später wiederholte er das Kunststück mit einem weitaus größeren Budget. Da ließ er „Die Mumie“ los und stellte uns mit Brendan Fraser einen netten Indiana-Jones-Verschnitt und mit Rachel Weisz einen liebenswerte Heldin zur Seite. Zwar waren hier die Effekte weitaus ausgeklügelter, aber im Zentrum standen immer noch die Helden und nicht der Computer. Bei „Die Mumie kehrt zurück„, einem einfallslosen Quasi-Remake des Vorgängers, gelang Sommers diese Balance schon nicht mehr so gut, und sein fürchterlich seelenloser „Van Helsing“ ließ dann alle Tugenden vermissen, die „Octalus“ noch ausgezeichnet hatten. Völlig zu recht floppte der Film an der Kinokasse. Fünf Jahre verschwand Sommers daraufhin in der Versenkung und kehrte 2009 mit dem ersten „G.I . Joe„-Film zurück, der seiner Reputation aber auch keine neuen Schwung gab. Nun, wiederum vier Jahre später, probiert er sich an der Verfilmung eines Romans von Dean Koontz: „Odd Thomas„. Und siehe da, er hat über die Jahre nicht alles verlernt und knüpft erfreulicherweise dort an, wo er nach „Die Mumie“ aufgehört hatte.

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Natürlich strotzt auch „Odd Thomas“ nur so vor Computer-Effekten, was auch offensiv auf dem Cover der DVD beworben wird. Diese sind auch größtenteils sauber ausgeführt und eine Peinlichkeit wie der animierte „Scorpion King“ aus „Die Mumie kehrt zurück“, bleibt einem erspart. Doch trotz des digitalen Aufwandes, ist Sommers Film wunderbar „analog“. Er stellt nicht seine Schauwerte, sondern seine Figuren in den Mittelpunkt der Geschichte. Und es macht Freude, diesen sympathischen Gestalten dabei zuzusehen, wie sie sich gemeinsam dem Bösen entgegenstellen, als sei es das Normalste von der Welt. Vor allem Hauptdarsteller Anton Yelchin ist eine gelungene Wahl. Der gebürtige Russe ist vor allem als Chekov im „Star Trek“-Reboot einem größeren Publikum bekannt geworden. Als Odd Thomas hilft ihm schon seine große Ähnlichkeit mit einem jungen Brad Dourif, den Odd gleichzeitig etwas seltsam, und wie der nette Kumpel von nebenan wirken zu lassen. Auch wenn die Eröffnungsequenz zunächst etwas zu physisch inszeniert wird, und Odd Thomas dadurch mehr wie ein klassischer, testosterongesteuerter Actionheld, statt ein normaler Junge in einer ungewöhnlichen Situation wirkt. Aber dieser Ansatz wird recht schnell fallengelassen und Odd als netter Hamburger-Brater vorgestellt, der aufgrund seiner Gabe auf andere etwas „odd“, also seltsam, wirkt. Trotzdem wird auf ausgelutschte Story-Mätzchen wie „Aussenseiter-verliebt-sich-in hübsches-Mädchen“ oder quälerische Selbstzweifel dankenswerterweise verzichtet. Odd ist bereits mit der bildhübschen Stormy Llewellyn zusammen, die perfekt mit ihm harmoniert harmoniert. Newcomerin Addison Timlin spielt diese Rolle mit einem unbeschwerten, liebenswerten Charme und trockenen Humor. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt und die beiden spielen sich die Bälle wie in einer gelungenen Sitcom zu.

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Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Allen voran der immer zuverlässige Willem Dafoe. Dieser darf hier endlich einmal wieder eine durchweg sympathische Rolle spielen und verkörpert den verständnisvollen Polizeichef des Ortes. Normalerweise wäre diese Rolle dafür prädestiniert, so etwas wie der „gute Antagonist“ zu sein, der Odd nicht glaubt und ihm das Leben schwer macht. Auch dieses Klischee wurde weggelassen. Chief Wyatt Porter verhält sich klug und arbeitet mit Odd im Team. Auch der Running Gag, dass Porter dabei ständig bei einem Techtelmechtel gestört wird, wirkt nicht albern, sondern nett. Neben Dafoe schaut auch Patton Oswald (bekannt aus „King of Queens„) vorbei. Seine Rolle ist zwar winzig, aber scheinbar in Koontz‘ Roman-Serie sehr wichtig. Shuler Hensley gibt einen überzeugenden und wirklich creepy aussehenden Fungus Bob, und sogar der Mumie persönlich, Arnold Vosloo, wird von Sommers ein kleiner, humoriger Kurzauftritt gegönnt. Eine wichtige Rolle spielt auch die gitarrenlastige Filmmusik, die entfernt an ZZ Top erinnert und dem sommerlich, staubigen Pico Mundo den rechten Groove verleiht.

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Wie häufig bei Koontz‘ Romanen, lässt sich „Odd Thomas“ nicht richtig in ein Genre einordnen. Am Ehesten wird man ihm wohl mit der Bezeichnung „fantastischer Krimi“ gerecht, denn Odd muss herausfinden, wer wann welches Verbrechen begehen wird und sucht dafür wie ein guter Detektiv Spuren und Indizien. Der übernatürliche Anteil am Verbrechen spielt dann auch nur eine untergeordnete Rolle. Die Täter sind durchaus menschlich, und obwohl nur einmal wird kurz angedeutet wird, sie könnten besessen, scheinen sie doch eher nur gelangweilt zu sein. Das große Geheimnis hinter allem ist allerdings nicht besonders schwer zu enträtseln. Tatsächlich dürfte jeder halbwegs mit Krimi- und Thrillerkonventionen Vertrauter recht schnell herausfinden, wer der Drahtzieher ist. Auch erscheint das Finale etwas abrupt, und – für den Aufwand der im Film getrieben wird – relativ unspektakulär zu enden. Die schlecht animierte CGI-Explosion in der alles endet, hinterlässt ebenfalls keinen guten Eindruck. Andererseits sind die restlichen Effekte sehr gelungen und CGI-Spielereien spielen hier sowieso keine übermäßig wichtige Rolle. Besonders gelungen sind allerdings die fast transparenten „Bodachs“, die der Fantasie genug Freiraum lassen, um die Leerstellen auszufüllen.

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Koontz 2003 begonnene Romanreihe um „Odd Thomas“ ging letztes Jahr in die mittlerweile sechste Runde, und es sieht wohl so aus, als ob noch einige Romane um den jungen Mann folgen würden. Das würde man sich durchaus auch für diesen Film wünschen. Leider wurde „Odd Thomas“ durch einen Rechtsstreit der beteiligten Produktionsfirmen torpediert und konnte erst nach einiger Verzögerung ohne Kinoauswertung gestartet werden. Es bleibt aber zu hoffen, dass er im Heimkino genug Geld einfahren kann, dass über eine Fortsetzung nachgedacht wird. Gerne auch wieder mit Anton Yelchin in der Titelrolle und Sommers hinter der Kamera.

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„Odd Thomas“ ist ein Horror-Fantasy-Krimi-Hybrid, der durch eine lockere und unbeschwerte Inszenierung gefällt. Getragen wird er durch seine glänzend aufgelegten und sympathischen Hauptdarstellern, zwischen den die Chemie stimmt. Obwohl recht vorhersehbar und ohne großen Ansprüche, unterhält der Film trotzdem prächtig. Weitere „Odd-Thomas“-Verfilmungen mit dem selben Team wären durchaus wünschenswert.

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Die DVD verfügt über ein ausgezeichnetes Bild und einen sehr guten Ton. Als Extras werden dem Zuschauer ein eher nichtsagendes10-minütiges „Making Of“, sowie drei Interviews mit Addison Timlin (16 Min), Anton Yelchin (10 Min) und Willem Dafoe (12 Min) angeboten. Die Interviews haben aber eher Werbecharakter und die Interviewten erklären erst einmal lange, welche Rolle sie spielen.

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3 Antworten zu DVD-Rezension: “Odd Thomas”

  1. bullion sagt:

    Klingt toll! Erinnert mich von der Beschreibung etwas an „Donnie Darko“ und „The Frighteners“ – werde ich mir mal vormerken, da ich die alten Sommers-Filme („Deep Rising“ und „Die Mumie“) sehr unterhaltsam fand. Danke für den Tipp 🙂

  2. Marco Koch sagt:

    Mit „Donnie Darko“ würde ich den so nicht vergleichen, da er sehr viel unbeschwerter daher kommt, und von der Grundstimmung auch nicht düster-melancholisch ist. „Frighteners“ trifft es da schon besser. Bin schon gespannt, wie Du ihn findest.

  3. Pingback: Odd Thomas (2013) | Tonight is gonna be a large one.

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