Originalfassungen in Bremen: 01.08.13 – 07.08.13

Von , 31. Juli 2013 21:29

Schauburg und Gondel sind in dieser Woche sehr aktiv, was erfreulich ist. Das Cinemaxx zeigt alte Bekannte und zwei Neuzugänge. Das sieht doch eigentlich alles ganz abwechslungsreich aus.

Conjuring – Die Heimsuchung – Cinemaxx, Do.-Mi. 22:45, Do./So. auch 20:00 – Haunted-House-Gruseler von „Saw“ und „Insidious„-Macher James Wan. Angeblich nach einer wahren Geschichte, erzählt der 1971 spielende Film von einer Familie, die in ein Spukhaus zieht. Die Kritiken waren recht gut (siehe letztes „Bloggen der Anderen“) und in den USA war der Film ein Überraschungserfolg.

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Die Schlümpfe 2 (3D) – Cinemaxx, Do., 1.8. um 17:45 – Das schlumpft im Cinemaxx. Schlumpfige Realverschlumpfung mit vielen Computer-Schlümpfen.

Pacific Rim (3D) – Cinemaxx, So./Mo. um 19:45 – Die Story in einem Satz: “Riesen-Roboter gegen Riesen-Monster”. Klingt einerseits nett, wenn man ein Herz für japanische Monsterfilme hat, andererseits fürchterlich, wenn man bedenkt, das Hollywood gerne aus solche einer Prämisse gerne mal ultra-patriotische, seelenlose CGI-Spektakel macht. Aber es besteht Hoffnung, denn der Regisseur heißt Guillermo del Toro und der hat mit “Pans Labyrinth” bewiesen, dass er ein toller Filmemacher ist und mit “Hellboy“, dass er auch mit großer Lust und viel Spaß triviale Comic-Filme inszenieren kann. Und da der talentierte Herr del Toro ein ausgewiesener Fan von “kaiju” (so heißen Godzilla, Mothra und Co. in Japan) ist, darf man wohl etwas auf die überraschend positiven Kritiken geben. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mal ein Auge zu riskieren.

Wolverine: Der Weg des Kriegers – Cinemaxx, Mi./Fr./Sa./Di./Mi. immer 19:45 – Cinemaxx, Do. um 20:45 und Fr.-So./Di.-Mi. um 19:45 – Nun schon zum sechste Mal verkörpert Hugh Jackman den kleinen X-Man mit der großen Wut im Bauch. Diesmal verschlägt es Wolverine nach Japan. Regie führt James Mangold, de einst Stallone zu einer seiner besten Leistungen antrieb (“Cop Land“) und mit “Walk the Line” Oscar-Material ablieferte.

Frances Ha – Schauburg, Mi. 7.8. um 21:00 – US-Indie-Streifen (natürlich in schwarz-weiß, wie es dort gerne mal Mode ist) mit Greta Gerwig als Tänzerin, die nicht wirklich erwachsen ist und lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Ich muss sagen, dass ich 90% des typischen „US-Sundance-Indie-Kinos“ nicht mag, daher beurteile ich den Film mal nicht und lasse allein den Trailer sprechen.

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Only God Forgives – Schauburg, So., 4.8. um 17:30 – Tjaaaa…. Ich freue mich ja schon ziemlich drauf, aber die bisherigen Meinungen sind so extrem gespalten, wie ich es in letzter Zeit bei keinem Film gesehen habe. In Cannes einmündig zerrissen und auch danach häufig von harscher Kritik überzogen, mehren sich zur Zeit auch die Stimmen derer, die ihn vehement verteidigen. Scheinbar gibt es hier nur Gut und Böse und nichts dazwischen.

Die Möbius-Affäre – Schauburg, So., 4.8. um 21:30 und Gondel, Mo. 5.8. um 17:15 – Französischer Agententhriller mit „The Artist„-Star Jean Dujardin als russischer Top-Agent, der hinter dem Kopf einer skrupellosen Geldwäscherbande her ist. Neben Dujardin spielen Tim Roth als Oligarch und eine der – wie ich finde – schönsten Frauen der Welt mit: Cécile de France.

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La grande Bellezza – Die große Schönheit – Gondel, So., 4.8. um 21:00 – Mehr als 50 Jahre nach Fellinis “La Dolce Vita“, lässt Regisseur Paolo Sorrentino einen alternden Schriftsteller, der noch immer vom Ruhm seines Debütromans zerrt, durch Rom wandeln. Wie einst Marcello Mastroianni blickt auch er hinter die Kulissen der dekadenten und hohlen Oberschicht.

Before Midnight – City 46, Do.-Mo.+Mi. um 20:00 – Zum dritten Mal nach “Before Sunrise” und “Before Sunset” hat Richard Linklater seine beiden Stars Ethan Hawke und Julie Delpy vor die Kamera geholt, um die Geschichte von Celine und Jesse weiter zu spinnen.

Woodstock in Timbuktuu – Die Kunst des Widerstands – City 46, Do.-Mi. um 20:30 – Doku über das sagenumwobene »Festival au Désert« in Mali, bei dem sich Touareg-Musikern mit E-Gitarren und Texten gegen die Diskriminierungen des Volkes der Kel Tamaschek wenden.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 05.08. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 05.08. um 21:45

Das Bloggen der Anderen (29-07-13)

Von , 29. Juli 2013 21:09

bartonfink_type2– Michel berichtet auf cieenit.de in zwei Teilen über das 31. Filmfest München. An seinen ersten vier Tagen hat ihm, neben “Only God Forgives“, vor allem die spanische Schneewittchen-Variante „Blancanieves“, die im Gewand eines Stummfilms das Märchen in die Welt des Stierkampfs verlegt, und die Shakespeare-Verfilmung „Much Ado About Nothing“ von Joss Whedon (ja, DEM Joss „The Avengers“ Whedon) gefallen. Die letzten vier Tage waren noch gewinnbringender und haben mit dem Cannes-Gewinner „Blue is the warmest color“ dann auch seinen Favoriten dabei.

Grün ist die Heide hat sich ja dem deutschen Film zwischen 1940 und 1970 verschrieben, und welcher Schauspieler hat diese Jahre mehr geprägt als Heinz Rühmann? Darum hat ihm Udo Rotenberg ein ausführliches Portrait gewidmet. Schade, dass es dann konsequenterweise 1970 abbricht. Interessante und ungewöhnliche Rollne spielte Rühmann ja auch in den 70ern. Wie z.B. in Michael Verhovens tollem „Gefundenes Fressen“.

– Auf seinem anderen Blog, L’amore in città, der sich mit dem italienischen Film 1940-1980 beschäftigt, porträtiert Udo Rotenberg dann einen der einprägsamsten, wuchtigsten und vielseitigsten Darsteller des italienischen Films. Den, wie übrigens auch Rühmann, 1994 verstorbenen, unvergleichlichen Gian Maria Volonté.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film ein sehr interessantes Essay über das „Kino der Deformation“ geschrieben. Einen Begriff, den er von Bruno Dumont übernommen hat. Danach „ (nimmt man) einen naturalistischen Gegenstand/Schauspieler, setzt ihn in ein naturalistisches Setting und sorgt dann für kleinere oder größere Deformierungen. Somit wird die menschliche Existenz hinterfragt oder die Natur als ganze und der Zuseher kommt in einen Denkprozess.“

– Zur Zeit ist sie im Atlantis noch in ihrem neusten Film „Paulette“ zu sehen: Bernadette Lafont. Leider wird dies ihr letzter Film bleiben, denn wie Französischer Film.de berichten muss, starb sie am 25. Juli im Alter von 74.

– Nachdem schon das Filmfest München gezeigt hat, wie heutzutage mit dem Filmerbe umgegangen wird (indem sie ihre Retrospektive von BluRay und DVD zeigten), hat Thomas Groh auf filmtagebuch noch mehr skandalöse Dinge zu berichten. Für die groß angekündigte „Zur Sache, Schätzchen“-DVD (immerhin wurde die Restauration mit staatlichen Geldern durchgeführt), wurde das originale 1:1,33-Format auf „heutige Sehgewohnheiten“ zurecht geschnitten, so dass man jetzt 16:9, aber oben und unten fehlende Bildinformationen hat. Zum Kotzen.

– Silvia Szymanski stellt auf Hard Sensations einen weiteren ihrer Lieblingsfilme vor. Den mir völlig unbekannten „Gisela“, welchen Isabelle Stever 2005 drehte. Wahrscheinlich wird er mir auch unbekannt bleiben, jedoch ist Silvias schön geschriebener Text für mich mal wieder ein Quell der Freude.

– Ich wusste gar nicht, dass Kevin Smith nach dem, wie ich finde ganz vorzüglichen, „Red State“, die Filmerei an den Nagel hängen wollte. Sir Donnerbolds Bagatellen weiß nun aber zu berichten, dass Smith doch noch einen weiteren Film plant. Die Story über einen Walrossliebhaber, der seine Untermieter zwingt zwei Stunden täglich ein überzeugendes Walross zu geben, klingt hübsch und angeblich sollen Michael Parks und Quentin Tarantino mitspielen. Hoffentlich ist das jetzt kein verspäteter Aprilscherz.

– Michael Schleeh stellt auf Schneeland zwei Filme vor. Einmal einen Tiefschlag namens „Serial Rapist“ von Kôji Wakamatsu und dann einen Film, der ihn schlichtweg überwältigt hat. Das Drama „Last Words“ von Ryuichi Hiroki.

– totalschaden bespricht auf Splattertrash zwei Filme, die ich sehr, sehr mag. Sergio Corbuccis „Django“ und David Cronenbergs „Videodrome“.

– Annika Stelter ist bei Die Filme, die ich rief  im Jahr 1935 angekommen und sieht erstmals einen Film aus Alfred Hitchcocks britischer Phase. Zwar ist kein „früher“ Film, wie sie schreibt – „39 Steps“ läutete schon den letzten Abschnitt dieser Phase ein – aber ich finde es schön, wie sie den „britischen“ Hitchcock für sich entdeckt und freue mich immer, wenn jemand auch auf diese unbekannteren Meisterwerke hinweist.

– Keinen Film habe ich häufiger gesehen als „Terminator“. Mitte der 80er haben wir den im Kreise der Schulfreunde bestimmt jedes Wochenende geguckt. Man hatte ja auch nicht so viel. Allein schon aus nostalgischen Gründen muss ich hier also auf Oliver Nödings Besprechung auf Remember it for later hinweisen.

– Klaus Wiesmüller gibt auf Japankino.de bekannt, dass sein Akira-Kurosawa-Buch nun als eBook bezogen werden kann und auch eine Print-Ausgabe geplant ist.

– Der Gruselfilm „Conjuring – Die Heimsuchung“ von „Saw“-Miterfinder James Wan war ein Überraschungserfolg in den USA. Zurecht meinen sowohl Martin Beck von Reihe Sieben, als auch Ronny Dombrowski von cinetastic.de

DVD-Rezension: „Himizu – Dein Schicksal ist vorbestimmt“

Von , 26. Juli 2013 22:49

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Der 14-jährige Yuichi (Shôta Sometani) möchte nur ein ganz gewöhnliches Leben führen. Nachdem ihn seine spielsüchtige Mutter für einen Liebhaber verlassen hat, kümmert er sich um den kleinen Bootsverleih der Eltern. Sein alkoholkranker Vater schaut nur vorbei, um ihm sein letztes Geld abzunehmen und ihn zu beschimpfen. Nur die Tsunamiflüchtlinge, denen er erlaubt auf seinem Grundstück zu leben, unterstützen ihn, so gut sie können. Und da ist noch seine Mitschülerin Keiko (Fumi Nikaidô), die völlig von ihm besessen ist, und darum nicht von seiner Seite weichen will. Eines Tages tauchen zwei Yakuza auf, die die hohen Schulden seines Vaters eintreiben wollen und Yuichi verprügeln und demütigen. Der Zorn in Yuichi wächst…

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Das ist er also: Mein erster Sono. Bisher waren die Werke dieses japanische Regisseurs Shion Sono, dessen Filme extrem gespaltene Reaktionen bei Kritik und Publikum auslösen, immer wieder an mir vorbei gegangen. Wobei mir der Name Sono natürlich geläufig war. Man hörte von der berühmten Szene aus „Suicide Circle“ in der eine Gruppe Schulkinder kollektiven Selbstmord begeht, indem sie sich vor eine fahrende U-Bahn stürzen. Auch hörte ich, dass seine Werke überlang und mit etwas zu viel Kunstwillen ausgestattet sein sollten. Und natürlich von der Gewalt, die er gerne zelebriert. Bisher war es mir aber, wie gesagt, nicht vergönnt, mir selber ein Bild von Shion Sono zu machen. Somit war ich sehr gespannt auf „Himizu“, der nun bei Splendid als Teil der Amasia-Reihe erscheinen ist. Ein merkwürdiges Umfeld, finden sich hier doch vor allem Martial-Arts-Filme oder Heroic Bloodshed-Epen. „Himizu“ scheint mir da eher klassisches Material für Rapid Eye Movies zu sein, die ja auch Sonos andere Film in Deutschland veröffentlicht haben.

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„Himizu“ entstand zunächst als Adaption des 2001 erschienenen, gleichnamigen Mangas von Minoru Furuya. Doch während der Dreharbeiten ereignete sich die Katastrophe von Fukushima, woraufhin Shion Sono sein Drehbuch umschrieb und sich mit seiner Crew in die Miyagi-Region aufmachte, um vor dem Hintergrund der schrecklichen Verwüstung, einige Szenen zu drehen, die als Rückblicke und Traumsequenzen Eingang in den finalen Film fanden. Sieht man „Himizu“ jetzt, mag man fast gar nicht glauben, dass diese Elemente erst nachträglich eingefügt wurden. Zu perfekt passen sie in diese Allegorie auf den heutigen Zustand Japans. Eine zerstörte Nation, die vor den Trümmern ihrer Werte steht. Vernichtet von Gier, menschlicher Kälte und Sorglosigkeit. Die Hoffnung ruht auf der nächsten Generation, doch diese irrt orientierungslos durch die Trümmerlandschaft, die einst ihr Zuhause war. Die Frage ist, besteht noch Hoffnung? Wird die nächste Generation sich daran machen, den Schutt beiseite zu räumen und neu anzufangen? Gönnt Sono seinen Landsleuten diesen kleinen Lichtblick oder löst dieser sich auf, wie ein Kopf, durch den eine Kugel gejagt wird?

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Diese Allegorien auf die momentane Situation in Japan sind so überdeutlich, dass man schon etwas genervt sein kann, weil Shion Sono einen immer wieder mit der Nase drauf stößt. Die Jugend, ist von ihren kaltherzigen, nur dem eigenen Wohlbefinden verpflichteten, Eltern nicht nur allein gelassen. Mehr noch – sie sind ihnen ein lästiger Klotz am Bein, den es gilt, zu beseitigen. So kann keine Liebe entstehen und die Hauptfigur Yuichi muss im Laufe des Filmes erst lernen, anderen zu vertrauen, und so etwas wie Mitgefühl zuzulassen. Auf diesem Weg begleitet ihn Keiko, die quasi das andere Extrem darstellt. Ihre Sehnsucht nach Liebe ist so groß, dass Yuichi für sie zur fixen Idee wird und psychotische Züge annimmt. In „Himizu“ ist Japans Jugend emotional verkrüppelt. Erst die Tabula Rasa des Tsunami, der alle alten Lasten hinweggefegt hat, kann einen Neuanfang versprechen. Doch bis dahin ist es ein weiter und unsicherer Weg. Und immer wieder lockt das Angebot, dass alles einfach durch eine kurzes Durchziehen des Abzugs zu beenden, statt den steinigen Weg zu beschreiten.

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Yuichi sehnt sich danach ein einfaches Leben zu führen. Nicht aufzufallen, sondern einen ruhigen Platz für sich zu finden und ein guter Mensch zu sein. Doch seine Umwelt lässt das nicht zu. Da gibt es den Lehrer, der seine Schüler mit hohlen Durchhalteparolen traktiert – ebenso, wie es die Politiker nach Fukushima getan haben. Der Vater, der einst lieber die Versicherungssumme für den Tod Yuichis kassiert hätte und diesem noch heute vorwirft, einen Schwimmunfall überlebt und ihn damit um sein Geld gebracht zu haben. Dann gibt es die skrupellosen Yakuza, die allein für ihren Profit leben und für die Menschenleben nichts zählen. Die Mutter, die ihren Sohn bei der erstbesten Gelegenheit allein zurücklässt und die Eltern, die ihrer Tochter einen Galgen bauen, in der Hoffnung sie bringt sich um. Mehr als einmal werden die Kinder beschimpft, sie wären nur wertloser Ballast. Manche von ihnen resignieren, anderen werden wahnsinnig und ziehen mordend durch das Land, um etwas zu ändern. Auch Yuichi droht dieses Schicksal. Auch er weiß nicht, wie er die Umstände sonst ändern könnte. Ohne Gewalt. Ohne die Verhältnisse zu vernichten. Nur Liebe und Mitgefühl kann ihn retten.

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Allein die obdachlosen Opfer des Tsunami werden positiv dargestellt. Aber auch der einzige Charakter, der aus dieser Gruppe deutlicher hervorgehoben wird, ein von Tetsu Watanabe gespielter, liebenswert-verwirrter Mann, der im Tsunami alles verlor, wird zum Mörder. Obwohl er nur Gutes tun und Japan – in Gestalt des jungen Yuichi – eine Zukunft geben will, lädt er mörderische Schuld auf sich. Bedauerlicherweise sind aber, bis Yuichi und Keiko, alle Figuren stark überzeichnet und übertreten manchmal sogar die Grenze zur Parodie.

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Bei Shion Sono wird immer viel über Gewaltdarstellungen geschrieben. In „Himizu“ sind diese nicht besonders grafisch, aber die Brutalität ist trotzdem allgegenwärtig und drückt sich auch in dem gefühlskalten Umgang der Figuren untereinander aus. Besonders wenn Yuichi immer wieder auf Keiko einschlägt, ist dies nur schwer hinzunehmen. Generell wechselt der Film beständig zwischen einem rauen Ton, der sich auch in den schroffen Bildern ausdrückt, und einem beinahe liebeswürdigen, mit dem – gerade zum Finale hin – wunderbar durchkomponierten Bildern einhergeht. Der ganze Film wirkt mit seinen über zwei Stunden sehr überladen. Es werden viele Charaktere vorgestellt und ihre ganz persönlichen Geschichten zu Nebenhandlungen verarbeitet. Doch diese werden größtenteils nur kurz angerissen und nicht auserzählt. Man kann diese Vignetten zwar auch selber im eigenen Kopf weitererzählen, denn Sono liefert hierfür genug Futter. Manchmal allerdings, wünschte man sich mehr hören. Und manchmal wäre es vielleicht besser, Sono hätte diesen oder jeden Strang aus seinem Film heraus gekürzt. Generell entsteht bei „Himizu“ ein Gefühl der Unfertigkeit. Als ob hier noch etwas fehlen würde, oder dort etwas ganz unnütz aus der Geschichte herausragen würde.

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Herausragend sind die beiden Hauptdarsteller, Shôta Sometani und Fumi Nikaidô, die die schwierige Aufgabe meistern, den Zuschauer mit ihren, im Grunde doch eher unsympathischen, Figuren mitleiden zu lassen. Gerade der von Shôta Sometani gespielte Yuichi macht es einem nicht leicht, wenn er immer wieder auf die ihn anhimmelnde Keiko einschlägt oder griesgrämig jegliche Hilfe und alles Mitgefühl abblockt. Trotzdem erinnert er in seiner intensiven, sehr physischen Darstellung ein wenig an den „Rebellen ohne Ziel“ James Dean. Fumi Nikaidôs Keiko hat großes Potential zur Nervensäge zu werden, durch ihre sensible Darstellung empfindet man aber mehr Mitleid als Genervtheit. Völlig zu Recht wurden beide bei den 67. Filmfestspielen in Cannes gemeinsam mit dem Marcello-Mastroianni-Preis für die besten Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet.

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Wie bereits eingangs geschrieben, ist dies meine erste Begegnung mit Shion Sono. Liest man die Kritiken im Netz, wird oft die Beschwerde hervorgebracht, Sono würde sich in „Himizu“ zu oft selbst zitieren und seinen vorherigen Werken nicht viel Neues hinzufügen. Für mich war mein erster Sono zwar nicht gänzlich perfekt, aber doch so interessant, dass er mich dazu angeregt, mich eingehender mit diesem Regisseur zu beschäftigen. Vielleicht werde ich demnächst mal seinen 4-stündigen „Love Exposure“ probieren, der vielerorts als sein Meisterwerk angepriesen wird.

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Das Coming-of-Age-Drama „Himizu“ ist ein Gleichnis auf die japanische Gesellschaft heute. Seine interessante Geschichte wirkt durch zu viele Nebenstränge etwas unfertig und überladen. Dank der intensiven Darstellung seiner beiden Hauptdarsteller, verliert man aber nie das Interesse am Schicksal der Figuren. Daneben wirken alle anderen Charaktere allerdings völlig überzeichnet. Der hastig eingefügte Fukushima-Hintergrund stört nicht und visualisiert noch einmal sehr deutlich die Aussage des Filmes, dass die japanische Gesellschaft und ihre Werte, wie Familie und Mitgefühl, in Trümmern liegen.

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Die Splendid DVD hat wieder einmal ein hervorragendes Bild, was besonders in den Szenen zur Geltung kommt, in denen Sono auf eine elegante Bildgestaltung wert legt. In anderen Szenen, die mit Handkamera gefilmt werden, wirkt das Bild rauer. Wie immer bei japanischen Filmen ist die Originaltonspur absolut vorzuziehen, da sie die Stimmung des Filmes und die Charaktere unterstützt. Die solide deutsche Synchronisation sollte nur eine Notlösung sein. In einem ca. 80-minütigen „Making Of“, welches als Drehtagebuch daher kommt, erhält man zahlreiche Einblicke in die Dreharbeiten und einige Interviews mit Shion Sono.

Originalfassungen in Bremen: 25.07.13 – 31.07.13

Von , 24. Juli 2013 22:09

Auch wenn die Liste auf den ersten Blick recht mager aussieht, so kommt der O-Ton-Fan diese Woche, dank einer guten Auswahl, doch auf seine Kosten. Und mit dem sehr schönen „Searching for Sugarman“ läuft sogar einer meiner Favoriten aus dem letzten Jahr.

Wolverine: Der Weg des Kriegers (3D) – Cinemaxx, Do. um 20:45 und Fr.-So./Di.-Mi. um 19:45 – Nun schon zum sechste Mal verkörpert Hugh Jackman den kleinen X-Man mit der großen Wut im Bauch. Diesmal verschlägt es Wolverine nach Japan. Regie führt James Mangold, de einst Stallone zu einer seiner besten Leistungen antrieb („Cop Land„) und mit „Walk the Line“ Oscar-Material ablieferte.

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Pacific Rim – Cinemaxx, Fr.+Di. um 19:30 – Die Story in einem Satz: “Riesen-Roboter gegen Riesen-Monster”. Klingt einerseits nett, wenn man ein Herz für japanische Monsterfilme hat, andererseits fürchterlich, wenn man bedenkt, das Hollywood gerne aus solche einer Prämisse gerne mal ultra-patriotische, seelenlose CGI-Spektakel macht. Aber es besteht Hoffnung, denn der Regisseur heißt Guillermo del Toro und der hat mit “Pans Labyrinth” bewiesen, dass er ein toller Filmemacher ist und mit “Hellboy“, dass er auch mit großer Lust und viel Spaß triviale Comic-Filme inszenieren kann. Und da der talentierte Herr del Toro ein ausgewiesener Fan von “kaiju” (so heißen Godzilla, Mothra und Co. in Japan) ist, darf man wohl etwas auf die überraschend positiven Kritiken geben. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mal ein Auge zu riskieren.

The Company You Keep – Die Akte Grant – Cinemaxx, So., Mo. Und Mi. immer 19:40 & Schauburg, So., 28.7. um 21:30 – Robert Redford hat wieder einen Politthriller gedreht und dabei gleich selber die Hauptrolle übernommen. Er spielt einen Anwalt, der einst zu einer militanten linken Gruppe gehört und nun seit 30 Jahren unter falschem Namen lebt. Als seine ehemalige Kameradin (Susan Sarandon) festgenommen wird und ein nerviger Reporter (Shia LaBoeuf) hinter die Story kommt, muss er durch die USA flüchten, um seinen Namen reinzuwaschen.

Only God Forgives – Schauburg, Mi., 31.7. um 21:00 – Tjaaaa…. Ich freue mich ja schon ziemlich drauf, aber die bisherigen Meinungen sind so extrem gespalten, wie ich es in letzter Zeit bei keinem Film gesehen habe. In Cannes einmündig zerrissen und auch danach häufig von harscher Kritik überzogen, mehren sich zur Zeit auch die Stimmen derer, die ihn vehement verteidigen. Scheinbar gibt es hier nur Gut und Böse und nichts dazwischen.

La grande Bellezza – Die große Schönheit – Gondel, So. 20:30 und Mo. 17:30 – Mehr als 50 Jahre nach Fellinis „La Dolce Vita„, lässt Regisseur Paolo Sorrentino einen alternden Schriftsteller, der noch immer vom Ruhm seines Debütromans zerrt, durch Rom wandeln. Wie einst Marcello Mastroianni blickt auch er hinter die Kulissen der dekadenten und hohlen Oberschicht.

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Searching for Sugarman – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – Je weniger man über diese wunderbare Doku weiß, umso besser. Für mich war der Film 2012 das „Feel-Good-Movie-Of-The-Year“. Was dann auch in diesem Frühling mit einem Oscar belohnt wurde.

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On the Road – City 46, do.-Mi. immer 20:30 – Walter Salles‘ Jack Kerouac-Verfilmung  mit Sam Riley, Garrett Hedlund und Kirsten Dunst. Siehe auch Jan-Wilhelms Anmerkung in den Kommentaren.

Französische Sneak Preview – Atlantis und Gondel, beide Mi., 31.07. um 21:00

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 29.07. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 29.07. um 21:45

DVD-Rezension: “Afterparty – Feiern bis der Tod kommt”

Von , 23. Juli 2013 20:37

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Der Schauspieler und Rockstar Carlos (Luis Fernandez), genannt „El Capi“, ist im ganzen Land (und vor allem bei den Damen) ausgeprochen beliebt. Und dies nutzt er auch weidlich aus. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, will er sich aber aus seiner populären TV-Horror-Serie „Campamento Misterio“ absetzt, um nach Amerika zu entschwinden. Dort erwartet ihn ein lukratives Filmangebot. Vorher besucht er aber noch eine exzessive Party in einem festungsähnlichen Gebäude. Als er am nächsten Tag mit einem ordentlichen Kater neben seiner letzten Eroberung aufwacht, muss er feststellen, dass das Gebäude verrammelt und verriegelt ist. Er trifft noch zwei weitere Mädchen und einen jungen Mann. Diese sind ebenfalls von der Party übriggeblieben. Gemeinsam suchen sie vergeblich nach einem Ausgang und müssen erkennen, dass sie doch nicht ganz allein im Gebäude sind. Eine geheimnisvolle Figur, die gekleidet ist wie der Killer aus Luis‘ Serie, schickt ihnen Videobotschaften auf das Handy und beginnt die Eingeschlossenen, einen nach dem anderen zu dezimieren.

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Die Schlagzeile „Scream trifft Hangover“, mit der für diesen Film geworben wird, trifft es mit etwas Fantasie ganz gut. Aus „Scream“ wurde die Maskierung des unheimlichen Killers übernommen und aus „Hangover“ die Prämisse, nach einer durchzechten Nacht herauszufinden, was eigentlich los ist. Da enden aber auch schon die Ähnlichkeiten. Weder kann „Afterparty“ Wes Cravens postmodernen Slasher das Wasser reichen, noch begibt er sich in Komödiengefilde. Das spanische Genrekino hat gerade in den letzten Jahren immer wieder auf sich Aufmerksam gemacht, sei es mit stillem Grusel wie „Das Waisenhaus“ oder handfestem Horror, wie die [rec]-Reihe. „Afterparty“ kann an diese Großtaten leider in keiner Form anknüpfen. Zu stolz ist der Film auf seine, vermeintlich doch so überraschende, Wendung nach zwei Dritteln des Filmes. Vor lauter Vorfreude stößt er den Zuschauer ständig mit der Nase drauf . Doch wer schon mehr als drei solcher Filme gesehen hat, hat dafür nur noch ein Gähnen übrig.

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Was bis dahin geschieht ist recht unspektakulär und stereotyp umgesetzt. Sei es die ausschweifende Party, die wirklich kein Klischee auslässt, oder eben die lahmen Spielchen, die der stumme Killer mit seinen Opfern spielt. Zudem sind die Protagonisten allesamt dermaßen unsympathisch gezeichnet, dass man keinerlei Empathie für sie empfinden kann. Dementsprechend wartet man geradezu sehnsüchtig darauf, dass der Killer diese selbstverliebten Egozentriker um die Ecke bringt. Was er dann auch recht unspektakulär tut. Man fühlt sich dabei in die 80er Jahre zurückversetzt, in denen sich die „Güte“ eines Filmes vorwiegend über die möglichst kreative Art mit der nervige Teenies ins Jenseits befördert werden definierte. Kreativ ist hier aber erst einmal gar nichts. Wer sich aufgrund des dicken „FSK 18“-Aufklebers und dem Versprechen „100% Uncut“ Gegenteiliges erhofft hat, wird enttäuscht werden. Wer eine spannende Story mit nachvollziehbaren Figuren erwartete, aber leider auch.

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Der Film beginnt mit einer Szene, die wie eine Mischung aus „Scream“ und „Freitag, der 13.“ daherkommt und etwas holprig gefilmt ist. Man ahnt schon schlimmes, dann stellt sich aber heraus, dass sie zu einem Film im Film gehört. Hauptcharakter „El Capi“ ist nämlich nicht nur Rockstar, sondern auch umschwärmter Star einer TV-Serie namens „Campamento Misterio“. Tatsächlich ist Hauptdarsteller Luis Fernandez zunächst unter dem Namen „Perla“ als Teil eines Rap-Dous bekannt geworden, bevor er für eine erfolgreiche spanische TV-Serie entdeckt wurde. Der Filmcharakter scheint also durchaus von ihm inspiriert zu sein. Bleibt zu hoffen, dass Herr Fernandez privat nicht so ein Kotzbrocken, wie sein Alter-Ego „El Capi“ ist.

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Dummerweise ändert sich der Stil des Filmes nach der oben erwähnten Eingangsszene nur geringfügig. Die Szenen auf der Party werden im flashigen Musikvideo-Stil gefilmt, später wird dann gerne mal die Handkamera eingesetzt. Doch Inszenierung und Dramaturgie bleiben holprig. Man folgt dem Geschehen eher lustlos. Schuld daran trägt auch der Killer, dem weder irgendeine Form von Persönlichkeit, noch Bedrohlichkeit gegönnt wird. Die dezent gefilmten Mordszenen helfen da auch nicht viel weiter. Ein talentierterer Regisseur hätte sicherlich aus dem schwachen Drehbuch auch trotz des Fehlens blutrünstige Szenen,  Spannung ziehen können. Eine unheimlich-bedrohliche Atmosphäre und eine etwas liebenswerter Zeichnung der potentiellen hätten da schon geholfen. Miguel Larraya verfügt nicht über solches Talent und ist von daher eigentlich auf spektakuläre Schauwerte angewiesen, die dann aber ausbleiben.

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Dass sie ausbleiben, hat seinen Grund. Und dieser ist ebenso vorhersehbar, wie an den Haaren herbeigezogen. Immerhin scheint es Larraya zu helfen, wenn endlich die Karten offen auf dem Tisch liegen. Ab hier wird die Spannungsschraube deutlich angezogen und Larraya schafft es auf einmal, aufregende und – im positiven Sinne – nervenaufreibende Szenen zu gestalten. Auch gelingen ihm durchaus visuell ansprechende Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Man wünscht sich, Larraya hätte von vornherein auf seine, ach so raffinierte, Pointe verzichten und gleich von Anfang an seine, scheinbar doch irgendwo vorhandenen, Qualitäten eingesetzt. Gekrönt wird dieses, dann doch recht ansprechende, letzte Drittel durch einen bitterböse und zynischen Schlusspunkt, welcher durchaus passend, sowie in seiner Konsequenz dann doch etwas überraschend ist.

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Das letzten Drittel, in dem der Film endlich etwas Tempo und Spannung aufweist, sowie das zynische Ende, retten „Afterparty“ knapp ins untere Mittelfeld des Genres. Bis dahin leidet er aber an seiner spannungsarmen, unspektakulär inszenierten Geschichte und den unausdifferenzierten, höchst unsympathischen Charakteren. „Afterparty“ ist kein Ruhmesblatt für den spanischen Genrefilm, der doch in den letzten Jahren immer wieder mit zahlreichen Höhepunkten auftrumpfen konnte. Bei einer Länge von knackigen 75 Minuten, stiehlt er einem aber auch nicht allzu viel Lebenszeit.

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Die DVD aus dem Hause Splendid hat ein gutes Bild. Der Ton liegt in einer soliden deutschen Synchro und der spanischen Originalfassung mit ausblendbaren deutschen Untertiteln vor. Extras gibt es keine.

Das Bloggen der Anderen (22-07-13)

Von , 22. Juli 2013 21:27

bartonfink_type2– Auf PewPewPew stellt Sascha den dritten Teil seiner SciFi Kurzfilmparade vor. Wieder hat er einige Filmchen im Gepäck, die sich auf unserem Phantastival im November vielleicht nicht schlecht machen würden. Ferner gibt es eine kleine, aber leider bezeichnende, Geschichte darüber, wie Hollywood – am Beispiel von Max Landis und „Chronical 2“- mit seinen Drehbuchautoren und vor allem mit seinen potentiellen Franchises umgeht.

– Lange habe ich drauf gewartet, nun endlich bietet sich auch die Gelegenheit auf Schlombies Filmbesprechungen hinzuweisen. Schlombie schreibt so wahnsinnig viel, dass es mir in der Regel immer schwer fällt eine Review herauszugreifen. „Das Geisterschiff des schwimmenden Leichen“ bietet sich aber jetzt mal an, da ich diesen schön gemütlichen Film im Frühjahr bei „Monster machen mobil“ in Hamburg sah. Eine tolle Veranstaltung, auf die ich hier gerne ebenfalls hinweise. So hart wie Schlombie würde ich mit dem „Geisterschiff“, und vor allem seinem Regisseur, jetzt nicht umgehen. „Sympathisch schlecht“ ist aber eine Wertung, die ich gut akzeptieren kann.

Freude am Film führt nach einer längeren Pause seine Stanley-Kubrick-Werkschau zu Ende.

– Ein Highlight der Woche liefert L’Amore in città mit einem ausführlichen Portrait des italienischen Regisseurs Umberto Lenzi ab. Lenzi gehört ja zu meinen ausgesprochenen Lieblingen und wird unfairer Weise häufig auf seine Kannibalenfilme und den Schrott, den er in den 90er inszenierte, reduziert. Was nicht nur eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, sondern auch schlichtweg dumm ist. Denn Lenzi schuf nicht nur einige der schönsten, frühen Gialli, sondern war der Meister des „Poliziesco“, des italienischen Polizeifilms. Ein Genre, in dem er in einer beeindruckenden Serie von Filmen ein packendes Highlight nach dem anderen schuf. Höchste Zeit also, dem Mann Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.  Passenderweise gibt es dann gleich noch die Besprechung eines Eurospy-Filmes aus der frühen Phase seiner Karriere noch obendrauf: „Höllenhunde des Secret Service“ von 1965.

– Noch ein Meister, der viel zu wenig besungen wird. Oliver Nöding hat sich auf Remember it for later den beiden letzten Filmen des im letzten Jahr leider verstorbenen Tony Scott angenommen. „The Taking of Pelham 123“ und „Unstoppable“.

– Irgendwann muss ich dem Film wohl eine zweite Chance geben. Als wir „Berberian Sound Studio“ letztes Jahr auf dem Phantastival gezeigt haben, waren die Reaktionen verhalten bis vernichtend. Auch Stefan und ich (die Organisatoren) waren mehr als enttäuscht, hatten wir den Film doch – dank der Vorabberichterstattung – als spannende Giallo-Hommage angekündigt. Beides war er nicht. Zudem irritierte ein ziemlich bedeutungswütige Finale. Mittlerweile mehren sich aber die Lobeshymnen und vielleicht gewinnt der Film, wenn man nicht mit falschen Erwartungen ran geht. Herr Nolte von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte reiht sich jedenfalls in die Bewunderer ein.

– Edit 23.07.: Wie mir die Eule in den Kommentaren flüsterte, hat auch Mise en cinéma in dieser Woche den Film besprochen, worauf ich hier gerne noch einmal mit etwas Verspätung hinweise. Auch Robin Schröder findet lobende Worte für „Berberian Sound Studio“.

FranzösischerFilm.de führte ein interessantes Interview mit “Paulette”-Regisseur Jérôme Enrico.

– Der Intergalactic Ape-Man macht sich in seinem Blog Intergalaktische Filmreisen darüber Gedanken „Warum Blu-rays nur super sein könnten… und warum ich immer noch DVDs kaufe.“ Viele teile ich, einige nicht. Lesenswert ist es auf jeden Fall.

– Alexander Gajic schreibt auf seinem Blog real virtuality einen Text über „Die zwei Seiten der digitalen Archivierungslogik„, dessen Kernthesen ich nicht im Geringsten teile. Alexander schreibt: „Obwohl ich (…) nicht dafür sein kann, dass stoffliche Dinge ständig veralten und entsorgt werden (…), so will ich doch dafür einstehen, dass es okay ist, wenn kulturelle Erzeugnisse teilweise in Vergessenheit geraten. Die kulturelle Ausnahme auch hier, sozusagen. Wir müssen lernen, Kultur (zum Teil) wegzuwerfen und nicht zu archivieren.“. Ich gebe zu, wenn ich das lese, dreht sich mir der Magen um. Allerdings bringt es mich zum Nachdenken darüber, ob meine zutiefst ablehnende Haltung gegenüber dieser Einstellung tatsächlich objektiv ist (mir fallen spontan zahlreiche Gegenargumente ein), oder ihre wahren Ursprung doch in mir selber, und meiner eigenen Lust und Freude am Archivieren und in Archiven wühlen, hat. Auf jeden Fall ist der Text eine fruchtbare Diskussionsgrundlage.

– Sehr einverstanden bin dann wieder mit einem weiteren Text aus der Reihe „Forced Entry“ auf Hard Sensations, in dem sich Silvia Szymanski & Maria Wildeisen diesmal den russischen Film „The Day of Love“ vornehmen, „der authentisch nach Benzin, billigem Parfüm, Polyester und Schweiß riecht“.

– Bleiben wir beim Thema. Wie ich bereits an anderer Stelle einige Mal anfügte, ist ein Traum von mir, einmal am sagenumwobenen „Hofbauer Kongress“, einer geschlossenen Veranstaltung für geladene Gäste, teilzunehmen. Dieses Jahr hätte ich mich vielleicht sogar reinmogeln können, allerdings lässt mein Privatleben zurzeit lange Reisen nach Nürnberg nicht zu. Solange vergnüge ich mich dann halt mit dem lebhaften Bericht, den Ciprian David auf Negativ verfasst hat.  Weitere Artikel auf Negativ: Zwei Artikel von Elisabeth Maurer. Einmal über Sam Raimis Prequel zu „Der Zauberer von Oz“ und dann über Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (den ich gestern im Kino sehen wollte, leider bin ich vorher Zuhause auf dem Sofa eingeschlafen).

– Apropos „Only God Forgives“: Zwar kein Blog-Entrag, aber trotzdem interessant. Christian Fuchs hat für den ORF die Blogger Sebastian Selig (Hard Sensations, Negativ, Splatting Image) und Ciprian David (Negativ) eingeladen, mit ihm über den Film zu sprechen.

– Alex Klotz hat auf hypnosemaschinen wieder etwas feines ausgegraben. Finnisches Kino kenne ich eigentlich nur von den Kaurismäki-Brüdern und die Filmgeschichte Finnlands ist ein weißer Fleck für mich. Mit dem Gruselfilm „The Witch“ von 1954, könnte dieser etwas eingefärbt werden.

– Von vielen Seiten wurde mir schon der österreichische Film „Angst“, den Geralds Kargl 1983 drehte, sehr ans Herz gelegt. Im Gegensatz zu vielen anderen Stimmen, die ihn als sehr intensiv und furchterregend empfanden, sieht Stubenhockerei darin eher komische Seiten. Die Verlinkung zum vollständigen Film auf YouTube gibt es gratis dazu.

– Da ich den Blognamen nicht auf Kyrillisch schreiben kann, übernehme ich mal den Titel aus der URL. Auf symparanekronemoi gibt es einen tollen, informativen Text von Flo Lieb über einen meiner Lieblinge, der mir gründlich den Spaß am Baden im offenen Meer verdorben hat: „Der weiße Hai“.

Okaeri macht auf einige anstehende Veröffentlichungen von Suzuki-Seijun-Filmen aufmerksam, die demnächst bei Subkultur erscheinen sollen.

– Letzte Woche war ein großes Thema in den Blogs, wie Hollywood die „überraschenden“ Drehungen und Wendungen in Filmen immer mehr überstrapaziert. Als besonders negatives Beispiel wurde dort „Know You See Me – Die Unfassbaren“ angeführt. In dieser Woche wird das Thema noch einmal vom Drama Blog aufgegriffen.

– Letztes Jahr hatte ich das Vergnügen, vor einem großen Publikum einige einführende Worte zu einer „Stummfilm +2“-Veranstaltung im City 46 sprechen zu dürfen. Der Film, der damals gezeigt wurde war „Der Golem, wie er in die Welt kam“. Ebenfalls einige Worte findet auch Hoffman in der Reihe „Klassiker der Extraklasse“ auf Drei Cineasten.

– Thomas Groh ist sehr angetan von Joshua Oppenheimers Film „The Act of Killing“ und hat auf seinem filmtagebuch einige Texte zu dieser Dokumentation zusammengesucht.

Interessanter taz-Artikel über Ezzat Nashashibi

Von , 19. Juli 2013 14:03

Auf taz.de findet man einen schönen Artikel über den „Haus- und Hofmusiker“ des Bremer Kommunalkinos City 46: Ezzat Nashashibi.

Ezzat Nashashibi begleitet nun schon seit vielen Jahren regelmäßig Stummfilme im City 46. Letztes Jahr hatte er die spannende und gut besuchte Reihe „Stummfilm +2“ ins Leben gerufen, in der er immer zusammen mit einem Gastmusiker die Musik zu einem ausgewählten Stummfilm konzeptionierte und aufführte.

Auch dieses Jahr hat er bereits einige Stummfilme zum Klingen gebracht und wird demnächt auch beim großen Charlie-Chaplin-Festival eine wichtige Rolle spielen.

Wer etwas mehr über Ezzat Nashashibi und seine Art Musik zu gestalten erfahren möchte, dem sei also der taz-Artikel von Wilfried Hippen ans Herz gelegt.

Open-Air-Kino 2013: “Kino im Hafen” in Bremerhaven und Schlachthof Bremen

Von , 17. Juli 2013 15:54

Lange hat es gedauert und umso froher bin ich, endlich ein paar Daten für die diesjährige Open-Air-Kino-Saison rausgeben zu können.

Los geht es am 02. und 03. August in unserer Schwesterstadt Bremerhaven, wo traditionell an zwei Abenden Open-Air-Kino im Fischereihafen stattfindet.

Die Veranstaltungen beginnen um 21 Uhr mit einem Vorprogramm. Bei Einbruch der Dunkelheit (ca. 22 Uhr) werden die Filme auf die 200 Quadratmeter große Leinwand im Schaufenster Fischereihafen projiziert. Und das Beste: An beiden Tagen gibt es das Open-Air-Event gratis.

Gezeigt wird zunächst am 02. August die französische Erfolgskomödie „Ziemlich beste Freunde„. Das Highlight (jedenfalls für mich) ist aber der Film, der am 03. August läuft: „20.000 Meilen unter dem Meer„! Der Film mit der (dem?) Krake! Gerade habe ich bei „Monster machen mobil“ in Hamburg einen Ausschnitt aus diesem sehr unterhaltsamen Abenteuerfilm von 1954 gesehen, der so unwahrscheinlich viel Spaß und Appetit gemacht hat, dass ich gerne nach Bremerhaven fahren würde, um ihn in passender Umgebung zu schauen.

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Mehr Informationen gibt es hier: http://www.kino-im-hafen.de/

 

Weiter geht es dann in Bremen am Schlachthof, wo auch dieses Jahr wieder die Arena für Freiluftkino geöffnet wird. Und das Schönste: Alle Vorführungen sind in 35mm und nicht von BluRay oder – noch schlimmer – DVD. Echtes Kinofeeling also.

Der erste Termin beißt sich leider mit dem „Kino im Hafen“, dürfte aber eh ein anderes Publikum ansprechen. Mit „Oh Boy“ wird am 03. August der große Abräumer beim diesjährigen Deutschen Filmpreis gezeigt, der ja auch schon letztes Jahr beim Internationalen Filmfest in Oldenburg für Furore sorgte und u.a. den Publikumspreis mitnahm. Tom Schilling treibt in diesem Schwarz-Weiß-Film ziellos durch Berlin und gerät in merkwürdige Situationen.

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Am 10. August schießt sich dann „Django Unchained“ aus der Sklaverei. Quentin Tarantinos oftmals als „Italo-Western“ missverstandener „Southern“ mit Jamie Foxx, Christoph Walz und Leonardo diCaprio. Mir hat der ja sehr gefallen, aber ich habe jetzt auch kein „Django“-Remake erwartet und war von daher nicht so enttäuscht, wie manch anderer.

Die Filme starten um 22:00 Uhr. Eintritt wird wohl € 4,00 sein.

Originalfassungen in Bremen: 18.07.13 – 24.07.13

Von , 17. Juli 2013 15:53

Mit „Pacific Rim“ wartet diese Woche ein richtig schwerer Kracher auf das O-Ton-Publikum. Die Trailer haben mich jetzt nicht umgehauen und deuteten auf viel zu viel seelenlose CGI hin. Aber die Kritiken sind doch durchweg positiv, und Guillermo del Toro mag ich eh ganz gerne. Ich bin gespannt. Ebenfalls neugierig bin ich auf „Only God Forgives“, über den ich letzte Woche schon was schrieb, und  auf „Tabu – Eine Geschichte von Liebe und Schuld“ im City 46.

Pacific Rim 3D – Do.+ Sa. um 19:45 – Die Story in einem Satz: „Riesen-Roboter gegen Riesen-Monster“. Klingt einerseits nett, wenn man ein Herz für japanische Monsterfilme hat, andererseits fürchterlich, wenn man bedenkt, das Hollywood gerne aus solche einer Prämisse gerne mal ultra-patriotische, seelenlose CGI-Spektakel macht. Aber es besteht Hoffnung, denn der Regisseur heißt Guillermo del Toro und der hat mit „Pans Labyrinth“ bewiesen, dass er ein toller Filmemacher ist und mit „Hellboy„, dass er auch mit großer Lust und viel Spaß triviale Comic-Filme inszenieren kann. Und da der talentierte Herr del Toro ein ausgewiesener Fan von „kaiju“ (so heißen Godzilla, Mothra und Co. in Japan) ist, darf man wohl etwas auf die überraschend positiven Kritiken geben. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mal ein Auge zu riskieren.

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Kindsköpfe 2 – Cinemaxx, Fr.+ Di. um 19:45 – Fortsetzung einer scheinbar recht erfolgreichen US-Mainstream-Komödie mit Adam Sandler und Kevin James.

Die Unfassbaren – Now You See Me – Cinemaxx, So., 21.7. um 19:45 – Vier Bühnenmagier (Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Isla Fisher, Dave Franco) tun sich als moderne Robin Hoods zusammen, um mit ihren Shows Geld zu stehlen und dieses dem Publikum zu geben. Ihnen auf den Fersen sind Mark Ruffalo und Morgan Freeman. die bisherigen Kritiken kann man nur als “lauwarm” bezeichnen und in der Schauburg-Sneak fiel der Film auch eher durch. Andererseits ist die IMDb-Bewertung mit 7.5 recht hoch. Regie führt Action-Spezialist Louis Leterrier.

Ich – Einfach unverbesserlich 2 – Cinemaxx, So., 21.7., 20:15 – Fortsetzung des recht erfolgreichen Animationsfilms aus dem Hause Universal. Ich habe den ersten Teil nicht gesehen, weiß aber, dass der so seine Fans hat.

Only God Forgives – Schauburg, So.+Mi. um 21:00 – Tjaaaa…. Ich freue mich ja schon ziemlich drauf, aber die bisherigen Meinungen sind so extrem gespalten, wie ich es in letzter Zeit bei keinem Film gesehen habe. In Cannes einmündig zerrissen und auch danach häufig von harscher Kritik überzogen, mehren sich zur Zeit auch die Stimmen derer, die ihn vehement verteidigen. Scheinbar gibt es hier nur Gut und Böse und nichts dazwischen. Ich bin gespannt.

Paulette – Gondel, Mo., 22.7. um 15:15 – Französische Krimikomödie um eine rüstige und streitbare alte Dame, die durch Zufall zur erfolgreichen Drogendealerin mutiert. Die Titelrolle spielt einer der schönsten und aufregendsten Frau der Nouvelle Vague, die wunderbare Bernadette Lafont (u.a. Truffauts „Ein schönes Mädchen wie ich„, Rivettes „Out 1„).

Tabu – Eine Geschichte von Liebe und Schuld – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – Portugiesisch-Brasilianischer Spielfilm. Als eine alte Frau im Sterben liegt, bittet sie ihre junge Nachbarin darum, ihren früheren Liebhaber zu finden. Dieser lebt nun in einem Altersheim ausfindig und kann die fünfzig Jahre zurückliegende Geschichte einer unerfüllter Liebe erzählen. Stilistisch dem Stummfilm und vor allem der Ästhetik Murnaus verpflicht, ist der Film Pflichtprogramm für mich. Wenn ich nur etwas mehr Zeit hätte…

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Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 22.07. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 22.07. um 21:45

 

DVD-Rezension: „Rurouni Kenshin“

Von , 16. Juli 2013 18:53

Rurouni Kenshin

Japan, Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach einer letzten blutigen Schlacht wird die Meiji-Ära eingeläutet. Nachdem das letzte Blut vergossen ist, schwört Himura Kenshin (Takeru Sato), der bis dahin unter dem Kampfnamen „ Battosai“ ein gefürchteter Killer war, dem Töten ab. 10 Jahre lang zieht der herrenlose Samurai durch das Land. Da erfährt er eines Tages von einem Mörder, der unter seinem alten Namen Furcht und Schrecken verbreitet und die junge Kaoru (Emi Takei) bedroht. Hiruma Kenshin springt der jungen Frau zur Seite und hilft ihr, ihre Kampfsportschule gegen herum streunende Ex-Samurai zu verteidigen. Dabei fällt er dem Polizisten Saito (Yôsuke Eguchi) auf, der ihn noch von früher kennt. Saito bittet Kenshin, ihm im Kampf gegen den Drogenbaron Kanryuu (Teruyuki Kagawa) zu helfen, der das Volk mit Opium gefügig machen will. Zunächst lehnt Kenshin ab, doch dann wird er immer tiefer in den Konflikt hineingezogen, denn auch der geheimnisvolle „Battosai“ scheint mit Kanryuu unter einer Decke zu stecken…

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Einen Film wie „Rurouni Kenshin“ zu besprechen fällt mir etwas schwer. „Rurouni Kenshin“ basiert auf einer bekannten und erfolgreichen Manga-Reihe aus den 90er Jahren, welche bereits einige Anime-Adaptionen hinter sich hat. In der englischsprachigen Welt ist diese Reihe als „Samurai X“ bekannt und beliebt. Nun kenne ich weder das zugrunde liegende Manga, noch die Anime-Reihe. Weshalb ich die hier vorliegende Realverfilmung nicht vergleichen kann. Bei meinen Recherchen über die Reihe habe ich allerdings zwei Dinge gelernt: einiges, was ich an dem Film „Rurouni Kenshin“ auszusetzen habe, ist schon in der Quelle angelegt. Und daher ist es eigentlich unfair eine buchstabengetreue Literaturverfilmung auf Basis des zugrundeliegenden Buches zu kritisieren. Andererseits wäre durchaus Raum für Verbesserungen gewesen, was allerdings die Fans ziemlich verprellt hätte. Aber ist nicht ein Film als singuläres Werk zu sehen? Wie ich lass, war „Rurouni Kenshin“ auch gerade deshalb ein so großer Erfolg, weil er sich dicht und respektvoll an die Vorlage hielt. Für meine Review werde ich versuchen dies aber ausklammern und so tun, als sei „Rurouni Kenshin“ ein originäres Werk. In Japan war die Real-Verfilmung des Mangas übrigens ein großer Erfolg, weshalb Regisseur Keishi Ohtomo bereits gleich zwei Fortsetzungen vorbereitet.

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Nicht nur an seiner Länge von 125 Minuten merkt man „Rurouni Kenshin“ an, dass hier ein episches Werk entstehen sollte. Von den ersten Schlachtszenen bis hin zum finalen, 30 Minuten dauernden Showdown wird großer Wert auf Epik gelegt. Viele Nebenhandlungen, Rückblenden und Charaktere werden mit eingebaut. Aber gerade hier liegt die Krux. Um tatsächlich all dies mit Leben zu füllen, hätte noch locker eine Stunde dran gehängt werden müssen. So wirkt alles etwas atemlos und oberflächlich. Zwar wird der Hauptgeschichte um Himura Kenshin und Kaoru viel Zeit eingeräumt, aber alles um sie herum wirkt skizzenhaft. Einer der interessantesten Charakter ist ein Darth-Vader-ähnlicher Handlanger des Hauptschurken, der sein Gesicht hinter einer Dämonenmaske ala „Onibaba“ verbirgt. Doch mehr als im Hintergrund herumzustehen und am Ende in einem langen Kampf gegen Himura Kenshin anzutreten, wird ihm nicht vergönnt. Etwas mehr zu tun bekommt der Samurai Jine, der sich Himura Kenshin alten Kampfnamen „Battosai“ gegeben hat. Dieser wird zunächst eindrucksvoll als schier unbesiegbarer Antagonist aufgebaut. In einer eindrucksvollen – augenscheinlich durch „Terminator“ inspirierten Szene – metzelt er kurzerhand ein gesamtes Polizeirevier nieder. Nur um dann plötzlich im Hintergrund, und damit fast aus der Handlung zu verschwinden. Wenn er dann zum großen Finale wieder auftaucht, hat man ihn fast schon vergessen gehabt. Der Straßenschläger Sanosuke mit seinem überdimensionalen Schwert wird als lustiger Sidekick eingeführt, aber bis auf ein paar Kämpfe hat er eigentlich keine wirkliche Funktion.

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Das Hauptproblem, welches ich mit „Rurouni Kenshin“ habe ist der Hauptdarsteller Takeru Sato. der den Himura Kenshin spielt. Er wirkt in dieser Rolle viel zu jung und viel zu zart. Einen ehemalige Massenmörder, der nach seit letzten Schlacht , nun schon seit 10 Jahren ruhelos durch die Gegend zieht, stelle ich mir anders vor. Sato wirkt, als wäre er gerade 18 geworden und ist damit für meinen Geschmack viel zu jung für diese Rolle. Sein mädchenhaftes Äußere trägt noch seinen Teil dazu bei, dass Hintergrundgeschichte und äußeres Erscheinungsbild nicht in Einklang ringen zu können. Mir ist bewusst, dass das in den zugrundeliegenden Mangas ebenso war und Sato in der Tat der gezeichneten Figur sehr nahe kommt. Gewiss macht diese gewaltige Diskrepanz zwischen jugendlichem Aussehen und gnadenloser Vergangenheit auch seinen Reiz aus, aber der Film thematisiert dies leider nicht. Ich denke auch nicht, dass dieses Paradox als Plotelement beabsichtigt war. Vielmehr macht es den Anschein, dass „“Rurouni Kenshin“ ganz auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten ist, welches einen älteren Schauspieler nicht als Identifikationsfigur akzeptiert hätte. So wird dann auch die Liebesbeziehung zu Kaoru unschuldig-keusch gehalten und Kaoru ganz auf die Rolle des in Not geratenen kleinen Mädchens reduziert, deren Hauptaufgabe es ist, ständig gerettet zu werden.

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Die Action ist zeitgemäß mit viel CGI-Hilfe umgesetzt. Was zu merkwürdigen Effekten führt, wenn ein Kampf zunächst recht klassisch beginnt, nur damit sich die Kontrahenten recht bald von den Naturgesetzen verabschieden. Manchmal gaukeln rasante Schnitte Dynamik und Schwerbeherrschung vor, manchmal nimmt sich der Film aber auch Zeit die Kämpfe bodenständig zu inszenieren. An Kampfszenen herrscht auf jeden Fall kein Mangel und das langgezogene Finale brennt so manches Feuerwerk ab. Hauptschurke Kanryuu, ein schmierigen, höchst unsympathischen Kapitalisten, nimmt an den Kämpfen nicht aktiv teil. Dafür hat er seine Helfershelfer und eine gewaltiges Maschinengewehr. Schauspieler Teruyuki Kagawa legt diese Figur als Parodie an und übertreibt zum Teil maßlos, was im Kontrast zu zu seinen Mitspielern steht, die sich doch recht zurückhalten.

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„Rurouni Kenshin“ dürfte vor allem Fans des zugrundeliegenden Mangas bzw. Animes begeistern. Generell ist der Film eher auf die Bedürfnisse eines jüngeren Publikum zugeschnitten. Filmfreunde, die mit Samurai-Filmen eher Typen wie Toshirô Mifune, Shintarô Katsu oder Tomisaburô Wakayama verbinden, dürften etwas vor den Kopf gestoßen sein. Mit seiner Länge von 125 Minuten setzt sich „Rurouni Kenshin“ etwas zwischen die Stühle, da diese den zahlreichen Nebencharakteren und -handlungen nicht genug Zeit zu Entfaltung bietet. Hier hätte man sich lieber bei einer kürzeren Laufzeit ganz auf die Haupthandlung konzentrieren sollen.

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Das Bild der Splendid-DVD ist in der Schärfe tadellos, offenbart allerdings eine Schwäche in den Schwarztönen, die einen leichten Grauschleier aufweisen. Der Ton ist sehr dynamisch und die Synchronisation auf von Splendid gewohntem, soliden Niveau. Trotzdem empfiehlt es sich wie immer, auf die Originaltonspur zu wechseln, da die japanische Sprache und Melodie nicht wirklich gut übersetzt werden kann. Extras gibt es bis auf Trailer keine. „“Rurouni Kenshin“ gehört übrigens zu den „“50 Amazing Films, You’ve Probably Never Seen“, die ich hier am letzten Freitag vorgestellt hatte.

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