Endlich Urlaub…

Von , 29. August 2012 23:48

Nach langer Zeit gönne ich mir endlich mal wieder einen etwas längeren Urlaub.

D.h. die Rubriken „Originalfassungen in Bremen“ und „Das Bloggen der Anderen“ machen in der Zeit Pause.

Ich bin dann pünktlich zum 19. Internationalen Filmfest in Oldenburg wieder da und werde fleißig davon berichten.

Bis dahin wünsche ich all meinen Lesern eine schöne Zeit!

19. Internationales Filmfest Oldenburg: Die „German Independence Award“-Jury

Von , 29. August 2012 16:55

Mira Sorvino

Eine letzte Meldung noch zum 19. Internationalen Filmfest in Oldenburg, bevor es dann in zwei Wochen losgeht. Die Jury für den „German Independence Award – Bester Deutscher Film“ wurde bekanntgegeben. Dabei gibt es drei Überraschungen: Hollywood-Star Mira Sorvino übernimmt den Vorsitz, die Jury besteht ausschließlich aus Frauen, und Horror-Stern Debbie Rochon ist mit von der Partie.

Debbie Rochon

Aber der Reihe nach. Mira Sorvino, Tochter des Gangster-Darstellers Paul Sorvino, gewann für ihre Rolle in Woody Allens „Mighty Aphrodite“ (dt. Geliebte Aphrodite) den Oscar und hat u.a. in Chow Yun-Fats erstem Hollywoodfilm „The Replacement Killers“ und in Guillermo del Toros „Mimic“ Hauptrollen gespielt. In der Damen-Jury sitzt außerdem noch Tamar Simon Hoffs (noch ein Oldenburg-Maskottchen), die mir nicht näher bekannte kanadische TV-Schauspielerin Gabrielle Miller und die mir ebenfalls unbekannte Produzentin und Hollywood-Historikerin Lana Morgan.

Die größte Überraschung ist Debbie Rochon, die in Dutzenden Low-Budget-Horrorfilmen und vor allem zahlreichen Produkten aus dem Hause Troma mitgewirkt hat. Also die „Tromeo & Juliet„-DVD unter den Arm geklemmt und ab nach Oldenburg.

Originalfassungen in Bremen: 30.08.12 – 05.09.12

Von , 29. August 2012 15:49

Vielen Dank, liebe Schauburg. Endlich läuft wieder ein neuer Woody Allen in Bremen und das auch gleich in O-Ton. Meiner Meinung nach eh die einzige Möglichkeit, wie man einen „Woody“ genießen sollte. Aber auch sonst sieht es nicht so schlecht aus. Ich denke mit der Auswahl in dieser Woche kann man durchaus zufrieden sein. Egal, ob man es krachig oder eher leise mag.

The Expendables 2 – Cinemaxx, Do., Sa/So, Di/Mi. immer um 19:50 – Die 80er sind zurück. Nicht nur in Gestalt von Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis, sondern auch Dolph Lundgren, Jean-Claude Van Damme und.. CHUCK NORRIS! Für hemmungslose Action-Nostalgiker ein feuchter Traum.

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Total Recall – Cinemaxx, Freitag, 31.8. um 19:50 – Remake des Paul-Verhoeven-Klassikers mit Arnold Schwarzenegger. Diesmal mit Colin Farrell in der Hauptrolle, aber die Trailer sehen dem Arnold-Film schon verdammt ähnlich. Regie führt Len Wiseman, der für die “Underworld“-Serie verantwortlich ist und den vierten “Stirb langsam”-Teil in den Sand gesetzt hat (zumindest mir hat es gar nicht gefallen). Die Kritiken sind… dürftig. Schade, da ich ein großer Philip-K.-Dick-Fan bin und eigentlich jeder Verfilmung entgegenfiebere – um in 80% der Fälle enttäuscht zu werden.

Prometheus – Dunkle Zeichen 3D – Cinemaxx, Sonntag, 2.9. um 19:50 -Einer der am meisten erwarteten Filme 2012. Ridley Scotts Rückkehr zum Science-Fiction-Film und ins Alien-Universum. Bilder und Design sind beeindruckend, aus der Geschichte hätte man mehr rausholen können. Indem man z.B. auf einige zu offensichtliche Unplausibilitäten verzichtet hätte.

The Dark Knight Rises  – Cinemaxx, Freitag, 31.8. um 22:30 – Hat mir gefallen. Meine Review gibt es hier.

To Rome with Love – Schauburg, So. und Mi. jeweils 21:30 – Der neue Woody Allen. Der Meister setzt seine „Europa-Tournee“ fort und filmt nach London, Barcelona und Paris jetzt in der ewigen Stadt. In vier Episoden bekommen wir Penélope Cruz, Jesse Eisenberg, Alec Baldwin, Ellen Page, Roberto Benigni und Herrn Allen persönlich (sollte „Scoop“ nicht sein Abschied von der Leinwand gewesen sein?) zu sehen.

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Attenberg – City 46, Do. um 21:00, sonst Fr.-Di. immer um 20:00 – Neues griechisches Kino. Regisseurin Athina Rachel Tsangari erzählt in dem von der Kritik hochgelobten Film die Geschichte zweier Freundinnen, von der die eine, der anderen beibringt, wirklich zu leben.

Ziemlich beste Freunde – City 46, Do./Fr. um 21:30 und Sa.-Di. um 20:30 – Und er läuft und läuft und läuft. Der erfolgreichste französische Film aller Zeiten, der auch in Deutschland Stammgast auf den Leinwänden ist. Wer ihn noch einmal im Original genießen möchte, hat jetzt im City 46 die Gelegenheit dazu.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 03.9. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 03.9. um 21:45

DVD-Rezension: „Die Totengruft des Dr. Jekyll“

Von , 26. August 2012 00:34

Die junge Janet Smith kehrt mit ihrem Verlobten George Hastings in das Haus zurück, in dem sie aufgewachsen ist. Hier hat ihr väterlicher Freund Dr. Lomas zwei Neuigkeiten für sie: Das Anwesen gehört eigentlich ihr, und sie ist die Tochter der berüchtigten Dr. Jekyll. Davon geschockt beginnt Janet, böse Träume zu haben, in denen sie sich in ein Ungeheuer verwandelt. Leider muss sie feststellen, dass diese Träume scheinbar einen sehr realen Ursprung haben.

In der Reihe „Rückkehr der Galerie des Grauens“ präsentiert Anolis als dritte Veröffentlichung den Horrorfilm „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ von 1957. Dabei handelt es sich hierbei nicht unbedingt um einen Klassiker des Genres. Im Gegenteil, wenn „The Daughter of Dr. Jekyll“ in einschlägiger Literatur erwähnt wird, dann nur deshalb, weil ein recht berühmter Mann auf dem Regiestuhl saß: Edgar G. Ulmer.

Ulmer stammt aus Österreich. Zunächst arbeite er als Kulissendesigner für den großen Theaterregisseur Max Reinhardt, später half er in selber Funktion bei Fritz Langs „Die Nibelungen“ und  Friedrich Wilhelm Murnaus „Der letzte Mann“. Bei Murnaus US-Debüt „Sunrise“ wird er als „Art Director“ aufgeführt. Ferner inszenierte er zusammen mit Billy Wilder, Fred Zinnemann und Curt & Robert Siodmak 1929 den legendären Stummfilm „Menschen am Sonntag“.

1932 emigrierte er  in die USA, wo er bald bei Universal unter Vertrag stand. Mit seinem „deutschen“ Hintergrund erging es ihm wie vielen deutschsprachigen Immigranten, und er arbeitete zunächst einmal im Horrorgenre. Mit dem großartigen „The Black Cat“, für den er die beiden Horrorikonen Boris Karloff und Bela Lugosi erstmals gemeinsam vor die Kamera holte, erzielte er für seine Produktionsgesellschaft Universal einen großen Erfolg. Der Film wurde nicht nur durch seine – für die damalige Zeit – expliziten Grausamkeiten (die für den fertigen Film stark zensiert werden mussten) berühmt, sondern vor allem für sein brillantes Design und die beeindruckenden Bauten, zwischen Expressionismus und Science Fiction. Dann aber ließ er sich auf eine Affäre mit der Frau des einflussreichen und gut vernetzten Produzenten Max Alexander – dem Neffen des Universal-Bosses Carl Laemmle – ein, was ihn prompt auf eine schwarze Liste katapultierte und dafür sorgte, dass er in den folgenden Jahren ausschließlich für den Billig-Produzenten PRC tätig war. Immerhin aber inszenierte er dort ein kleines Film-Noir-Meisterwerk: „Detour“. Und ein Happy End gab es auch für Ulmer. Er heiratete die ehemalige Frau Alexander, Shirley Castle, und lebt bis zu seinem Lebensende 1972 mit ihr zusammen.

„Daughter of Dr. Jekyll“ ist eine dieser Billigproduktionen, die er für PRC ablieferte. Und leider auch nicht seine beste. Das fehlende Geld sieht man an allen Ecken und Enden. Das große Herrenhaus ist ein – als ebensolches deutlich zu erkennendes – Puppenhaus, und obwohl die Handlung scheinbar um die Jahrhundertwende spielen soll, sehen nicht nur die Zimmer der Villa aus wie 50er-Jahre-Apartments, sondern auch die Kleidung des Helden stammt eindeutig aus dieser Dekade. Um zu kaschieren, dass alle Außenszenen im Studio gedreht wurden, pumpte Ulmer hektoliterweise künstlichen Nebel vor die Kamera. Dies hat einerseits zur Folge, dass man von den handelnden Personen fast gar nichts mehr erkennt, andererseits zaubert er dadurch aber auch eine Optik, die in ihren besten Momenten an die irreale Stimmung in Dreyers Meisterwerk „Vampyr“ (manchmal jedoch auch an eine verdreckte Kameralinse) erinnert.

Die Darsteller agieren eher unauffällig. John Agar spielt wie so häufig einfach John Agar. D.h. er steht in der Gegend herum und macht eine gute Figur. Dr. Lomas wird von Arthur Shields gespielt, der seinen Part teilweise sehr glaubwürdig, wenn es die Rolle später verlangt, aber auch ziemlich überzogen darstellt. Interessant ist Gloria Talbott als Janet Smith. Bei ihr kann man zwar nicht unbedingt von einer klassischen Schönheit sprechen, aber ihr merkwürdig breites, ja fast schon grobschlächtiges Gesicht passt recht gut zu ihrer Figur. Einen besonders schönen Trick wendet Ulmer an, wenn sie sich scheinbar transformiert. Das Bild wird bewusst unscharf gehalten oder ist durch den Nebel schwer zu durchschauen. Man erahnt ihr verwandeltes Aussehen mehr, als dass man es wirklich sieht. Das macht diese Szenen dann wirklich gruselig und effektiv. Schade, dass der Film daraus nicht mehr macht. Generell kann man Ulmer nicht den Vorwurf machen, er hätte nicht versucht, das Maximum aus den gegebenen geringen Mitteln herauszuholen. Wenn er die Gelegenheit dazu erhält, schafft er erinnungswürdige Augenblicke. Zum Beispiel, wenn das Monster einem hübschen, blonden Opfer zunächst dabei zuschaut, wie es langsam seine Nylonstrümpfe auszieht.

Leider werden solche gelungenen Szenen durch lange Dialoge zusammengehalten, in denen langatmig rekapituliert wird, was der Zuschauer schon weiß. Auch schlingert das stark von „She-Wolf of London“ inspirierte Drehbuch ständig um die Themen Dr. Jekyll und Werwolf herum, ohne dass es aus dem einen oder dem anderen wirklich etwas macht. Zwar findet man das geheime Laboratorium des Dr. Jekyll, aber Mr. Hyde wird so wild mit einer Werwolf-Legende vermischt, dass einem schwindelig wird. Mit gerade einmal 66 Minuten Laufzeit ist „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ aber angenehm kurz, so dass man, trotz Längen und Peinlichkeiten sehr zügig unterhalten wird und am Ende wahrscheinlich mehr die paar guten, als die vielen weniger gelungen Szenen im Gedächtnis behalten wird.

Die deutsche Kinofassung (auf der DVD enthalten) unterscheidet sich in einem Punkt sehr deutlich von der Originalfassung. Während es in der amerikanischen Fassung einen kurzen Pro- und Epilog mit Mr. Hyde (und viel Nebel) gibt – der leider, noch bevor der Film beginnt, für den aufmerksamen Zuschauer die finale Plotwendung verrät – ist dies in der deutschen Kinofassung herausgeschnitten und durch eine selbstgedrehte Rahmenhandlung ersetzt worden. Hier flüchtet ein Mann unter einer Peter-Thomas-artigen Beatmusik und von der Edgar-Wallace-Serie inspirierten Titeln aus einem Herrenhaus, um sich mit einem Freund in einer Kaschemme irgendwo im Nichts zu treffen. Seinem Freund berichtetet er aufgeregt, sein Arbeitgeber wäre ein Nachfahre des berühmten Dr. Jeykll und er fürchte nun um sein Leben, nachdem er die Familiengeschichte der Jekylls entdeckt hätte. Diese Familiengeschichte ist natürlich „The Daughter of Dr. Jekyll“ und nun läuft der eigentliche Film an. Diese Rahmenhandlung wird nach dem Ende des Films wieder aufgenommen, wobei ich das eher unspektakuläre Ende nicht verraten möchte.

Die Hauptrollen in dieser – billig hergestellten und eher amateurhaft wirkenden Rahmenhandlung, die den 66-minütigen Film für seinen deutschen Kinostart 1964  auf 74 Minuten aufbläst – spielen Werner Uschkurath und zwei weitere, namentlich nicht bekannte Darsteller. Interessanterweise wurde „The Daughter of Dr. Jeykll“ für Wiederaufführungen in den USA ähnlich verlängert. Hier, indem man Szenen aus „Frankenstein 1970“ hineinschnitt.

Das Bild des Filmes ist leider nicht optimal, sondern leicht verschwommen. Dies scheint aber am Filmmaterial selbst zu liegen, denn der Hauptfilm ist sowohl in der amerikanischen als auch in der deutschen Kinofassung mit Schwächen behaftet, während die deutsche Rahmenhandlung gestochen scharf ist. Was Extras angeht, wird bei Anolis wieder geklotzt, dass einem das Herz aufgeht. Wie schon erwähnt, befindet sich auf der DVD neben der amerikanischen, auch die längere deutsche Kinofassung. Zudem wurde ein Audiokommentar mit dem amerikanischen Regisseur Mick Garris (unzählige Stephen-King-Adaptionen) und Ivo Scheloske eingespielt. Trailer (u.a. aus der „Trailers from Hell“-Internet-Reihe) und ein informatives 12-seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker runden das gute Bild ab. Als nächstes steht in der „Rückkehr der Galerie des Grauens“ wohl der legendäre „The Mole People“ auf dem Programm, auf den ich mich schon sehr freue.

DVD-Rezension: „Picknick am Valentinstag“

Von , 25. August 2012 19:14

Australien 1900: Am Valentinstag unternimmt eine Gruppe Mädchen aus einem nahegelegenen Internat einen Ausflug zum Hanging Rock, um dort ein Picknick zu veranstalten. Als vier der Mädchen einen Spaziergang machen, verschwinden sie plötzlich ohne eine Spur zu hinterlassen. Auch eine der Lehrerinnen ist unauffindbar. Suchexpeditionen bleiben erfolglos. Dann taucht plötzlich eines der Mädchen wieder auf, doch sie kann sich an nichts erinnern…

Zu meiner großen Schande muss ich gestehen, dass Peter Weirs großer Klassiker „Picknick am Valentinstag“ bisher immer an mir vorbeigegangen ist. Natürlich hatte ich schon eine Menge über den Film gehört und gelesen, trotzdem traf er mich nun recht unvorbereitet. Obwohl kein Horrorfilm, ist „Picknick am Valentinstag“ einer der gruseligsten Filme, die ich bisher gesehen habe. Wobei es für mich gewiss von Vorteil war, dass ich der hartnäckigen Legende aufgesessen war, dass es sich hier um die Verfilmung realer Geschehnisse handeln würde („Blair Witch Project“ lässt grüßen). Das ist leider unwahr. Der Film beruht auf dem Roman von Joan Lindsay, welcher pure Fiktion ist und auch nicht von irgendwelchen Ereignissen inspiriert.

Aber auch mit diesem Wissen ist „Picknick am Valentinstag“ ein wahrhaft unheimlicher Film, eine ganz eigene, dichte Stimmung durchzieht den Film und legt sich auf das Bewusstsein des Zuschauers. Und dann ist da auch diese drängende, sexuelle Aufladung. Aus jeder Handlung der jungen Mädchen drückt sich die Entdeckung der eigenen Sexualität aus und der gewaltige Druck der Institution, diese möglichst zu unterdrücken. Bezeichnend hierfür ist die Szene, die den Beginn des Ausfluges zum Hanging Rock zeigt. In dieser wird den Mädchen verboten, vor Verlassen der Stadt ihre Handschuhe auszuziehen. Kaum ist die Stadtgrenze passiert, beginnen die Mädchen eilig und unter großem Lachen sich der Handschuhe zu entledigen. Mehr zeigt die Szene nicht, aber man spürt unter der Oberfläche die sexuelle Spannung. Ähnliches gilt später, wenn drei der vier Mädchen, die den Hanging Rock erkunden, sich ihrer Strümpfe und Schuhe entledigen. Auch hier passiert nichts Explizites, aber man hat das Gefühl, als würden sie sich nackt ausziehen und sich gegenseitig ihre Blöße präsentieren. Selbst in der frühen Begegnung zwischen dem reichen jungen Michael und dem einheimischen Bediensteten Albert liegt eine gewisse homoerotische Spannung, die nie ausgesprochen oder direkt gezeigt wird, aber trotzdem deutlich spürbar ist. Dieser Subtext durchdringt den ganzen Film. Und sein großer Verdienst ist es, dies fühlbar zu machen, ohne irgendwas zu zeigen.

So geht er auch mit dem Horror um. Nie sieht man, was mit den Mädchen geschieht oder warum ihre Retter sich verletzen. Auch die unheimlichste Szene – die sich um die altjüngferliche Lehrerin und eine rote Wolke dreht – wird nicht gezeigt, sondern nur erzählt. Das Mysterium bietet keine logische Erklärung. Alle Versuche, das Schicksal der drei Mädchen und der Lehrerin zu erklären, verlaufen im Sand. Und gerade das Unerklärbare ist es, was den wahren Horror verbreitet. Wüsste man, dass hinter all dem ein unheimlicher Maskenmann mit Machete oder ein rächender Geist stecken würde, so wäre man doch irgendwie beruhigt. Dies wäre zwar auch unheimlich, aber „erklärbar“ und man könnte damit umgehen. „Picknick am Valentinstag“ verweigert sich aber jeder Erklärung, liefert noch nicht einmal Indizien, auf die man eine eigene Theorie stützen könnte. Diese Hilflosigkeit ist es, die einen fertig macht.

Aber der Film bietet noch viel mehr Themen, die einen beschäftigen können. Da ist die feine britische Gesellschaft, die versucht, im wilden und ungebändigten Australien ihre Rituale und Standesspielchen aufrecht zu erhalten. Rächt sich hier die Natur für den Einfall der Snobs? Oder sind es die Eingeborenen, die hier – bis auf einen kurz ins Bild gerückten Fährtenleser – sonst keine Rolle spielen? Sind es die steifen Riten der besseren Gesellschaft, die die Mädchen einschnüren (sogar wörtlich, denn mehr als einmal spielen die Korsetts der jungen Damen eine Rolle) und ihnen die Luft zum Atmen nehmen? Einer Gesellschaft, in der die Zeit stehengeblieben ist. Ist es nicht so, dass am Hanging Rock plötzlich die Uhren stehen bleiben, woraufhin die Mädchen sich aufmachen, neues Land zu erkunden und dabei für immer verschwinden?

Das Verschwinden der Mädchen beeinflusst das Leben aller und führt bei den einen zum Untergang, und bei den anderen zur Befreiung.  Klassengegensätze, sexuelle Unterdrückung, die Gefangenschaft in starren Ritualen. All dies wird in diesem mysteriösen, unheimlichen Film zusammengefasst. Dazu findet Peter Weir wahrhaft traumhafte Bilder, die zum Teil wirken, als hätte jemand einen schwülen Sommertraum auf Leinwand gemalt. Aber die schönen Bilder wirken auch extrem verstörend. Es erinnert an die Anfangsszene in David Lynchs „Blue Velvet“, wo eine klischeehaft, kitschige Vorstadtidylle gezeigt wird und dann der Schwenk auf den Boden eine unheimliche, bedrohliche Welt voller Insekten zeigt. In „Picknick am Valentinstag“ sieht man die Insekten nicht, aber man spürt sie.

Der Film wird unterstützt von einem fantastischen Soundtrack (bei dem u.a. Gheorghe Zamfirs Pan-Flöte für die rechte Stimmung sorgt) und so entsteht so eine geheimnisvolle Welt zwischen Traum und Wachen, zwischen altem England und archaischem Australien, die den Zuschauer ins Bild hineinzieht.

Koch Media hat den Film in zwei Varianten veröffentlicht. Für diese Review stand mir die einfache Ausführung zur Verfügung. Diese enthält den „Director’s Cut“, den Peter Weir einige Jahre nach der Kinoaufführung anfertigte und an einigen Stellen straffte. Das Bild ist dem Alter des Filmes entsprechend gut. Für Fans des Streifens empfehlenswerter (wenn auch ungleich teurer) ist das 3-Disc-Media-Book. Dieses beinhaltet auf DVD und BluRay den Director’s Cut, sowie nur auf DVD die ursprüngliche Kinofassung. Zudem wurden die umfangreichen Extras der amerikanischen Criterion-Fassung übernommen, darunter die fast zweistündige Dokumentation „Ein Traum in einem Traum“, eine erste Kurzfilmadaption des Romans , zahlreiche Interviews, entfallene Szenen und eine weitere 25-minütige Doku namens „Erinnerungen: Hanging Rock 1900“.

Das Bloggen der Anderen (24-08-12)

Von , 24. August 2012 11:51

– Das große Thema der vergangenen Woche war natürlich der Tod von Tony Scott. Viele Blogs (wie ja auch das Filmforum Bremen) haben sich damit beschäftigt, wenn auch – zumindest in Deutschland – die Beiträge eher kurz ausfielen und sich zumeist auf seinen „Top Gun“-Ruhm beschränkten. Auf „the-gaffer.de“ hat Jenny Jecke einige interessante Links zusammengetragen und auf „moviepilot.de“ auch einen Nachruf mit sieben exemplarischen Filmen verfasst.

– Ebenfalls noch Gesprächsthema: Die Top 10 Liste von „Sight & Sounds“. Dazu hat sich das „Hofbauer- Kommando“ auf „Eskalierende Träume“ mal Gedanken gemacht und eine…  etwas andere Liste erstellt. Gefällt mir 🙂

– Oliver Nöding hat sich in gefährliche Gewässer begeben und berichtet auf „Hard Sensations“ über vier aktuelle Sharxploitation-Filme.

– Auf „hypnosemaschine“ wird der rare – und mir bis dato vollkommen unbekannte – spanische Film „Morbo“ von 1972 empfohlen.

– Das „Magazin des Glücks“ stellt diesmal vier Science-Fiction-Filme der DEFA vor. Sehr interessant.

– Einen lesenswerten Veriss des „Total Recall“-Remakes schreibt Ulrich Kriest in der „filmgazette„.

– Stefan hat für seinen Blog „Equilibrium“ den Teaser-Trailer des neuen Brian-de-Palma-Thrillers „Passion“ entdeckt. Endlich wieder ein Lebenszeichen eines meiner Lieblingsregisseure. Und eine kritische Review über – den scheinbar recht missratenen – „Bad Ass“ mit Danny Trejo, gibt es auch noch zu lesen.

– Und zum Abschluss etwas lustiges. Auf „Fünf Filmfreunde“ findet man einen sogenannten „Supercut“ der schönsten Wutausbrüche der Filmgeschichte.

 

19. Internationales Filmfest Oldenburg: Werkschau und neue Bremen-Gerüchte

Von , 22. August 2012 20:19

Zunächst ein kurzer Hinweis auf die diesjährige Werkschau beim Internationalen Filmfest Oldenburg. Diese ist dem amerikanischen Kameramann und Regisseur Phedon Papamichael gewidmet.

Phedon Papamichael

Ich gebe zu, mir sagte der Name Phedon Papamichael vorher absolut gar nichts. Dabei handelt es sich bei ihm tatsächlich um einen der meist geschätzten Kameramänner des zeitgenössischen amerikanischen Films. Neben seinen eigenen Regiearbeiten stand er bei zahlreichen, zum Teil preisgekrönten, Arbeiten hinter der Kamera. U.a. arbeitete er mit so unterschiedlichen Regisseuren wie John Turtletaub, Judd Apatow, Nick Cassavetes, George Clooney und Alexander Payne (sowohl bei „Sideways“, als auch „The Descendents“) zusammen.

Der in Griechenland geborene Neffe von John Cassavetes ist Absolvent der Münchner Universität und zog mit 21 Jahren nach New York, um dort seine Karriere als Fotojournalist fortzusetzen und sich im Filmgeschäft zu etablieren. Angefangen hat er – wie so viele – bei  Roger Corman.

Leider werden diese Frühwerke aus der Film-Schmiede des legendären B-Film-Produzenten nicht innerhalb der Retrospektive gezeigt. Dafür aber Wim Wenders „The Million Dollar Hotel“, der 2000 die Berlinale eröffnete und einen Silbernen Bären gewann. Weitere Werke, die im Rahmen der Retrospektive gezeigt werden, sind seine dritte Regiearbeit „From Within“, ein psychologischer Horrorfilm, der beim Tribeca Festival 2008 Premiere hatte und mehrfach auf Festivals ausgezeichnet wurde. Diane Keatons Regiedebüt von 1995 „Unstrung Heroes“, mit Andie MacDowell, ist eine weitere Kamera-Arbeit Papamichaels, die in Cannes Premiere feierte. Zwei seiner vier Arbeiten mit Regisseur James Mangold – „Walk the Line“ mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon und „3:10 to Yuma“ mit Russell Crowe und Christian Bale – runden die Retrospektive ab.

Phedon Papamichael wird vom 12. bis zum 16. September zu Gast in Oldenburg sein und seine Filme dem Publikum präsentieren.

Und noch Neues aus der Gerüchteküche. Wie ich ja bereits am 15. Juni gepostet habe, könnte Bremen tatsächlich eine Alternative für das Filmfest sein, falls die Zustände in Oldenburg weiterhin so schwierig bleiben. Neue Nahrung erhält dies Gerücht durch einen Bericht auf Seite 4 des heutigen „Bremer Anzeiger“. Dort wird diese Möglichkeit im Artikel „Endzeitstimmung auf dem roten Teppich“ noch einmal aufgegriffen. Festivalleiter Torsten Neumann wird mit den Worten zitiert: „Wir veranstalten ein Vorzeige-Kulturereignis, das Oldenburg einen guten Ruf beschert hat. Falls es sich hier nicht mehr realisieren lässt, muss man andere Wege finden“ und „Bremer Kulturschaffende und Politiker finden den Gedanken reizvoll“. Laut „Bremer Anzeiger“ sei das Thema beim Senator für Kultur bekannt und werde demnächst auch mit der Staatsrätin besprochen. Und aus der Senatskanzlei heißt es, dass es Gespräche gab und es sich lohne darüber nachzudenken, das angesehene Filmfestival in Richtung Metropolregion weiterzuentwickeln.

Originalfassungen in Bremen: 23.08.12 – 29.08.12

Von , 22. August 2012 19:44

Nach dem reichhaltigen Angebot der letzten Woche gibt es aktuell etwas weniger an O-Ton-Kost. Aber immerhin mehr als noch vor einigen Wochen. Da nahezu alle Filme auch schon mal in den letzten Wochen liefen, habe ich diesmal keine spezielle Empfehlung. Höchstens „Rubber“, aber da der in meiner eigenen Reihe „Weird Xperience“ läuft, verzichte ich hier mal auf die Schleichwerbung und mache lieber in den kommenden Tagen noch mal RICHTIGE Werbung 😉

Total Recall – Cinemaxx, Do.-Sa. und Mi. immer um 19:30 und Mo. um 22:50 – Remake des Paul-Verhoeven-Klassikers mit Arnold Schwarzenegger. Diesmal mit Colin Farrell in der Hauptrolle, aber die Trailer sehen dem Arnold-Film schon verdammt ähnlich. Regie führt Len Wiseman, der für die „Underworld„-Serie verantwortlich ist und den vierten „Stirb langsam“-Teil in den Sand gesetzt hat (zumindest mir hat es gar nicht gefallen). Die Kritiken sind… dürftig. Schade, da ich ein großer Philip-K.-Dick-Fan bin und eigentlich jeder Verfilmung entgegenfiebere – um in 80% der Fälle enttäuscht zu werden.

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Prometheus – Dunkle Zeichen 3D – Cinemaxx, So. und Di. um 19:30 – Einer der am meisten erwarteten Filme 2012. Ridley Scotts Rückkehr zum Science-Fiction-Film und ins Alien-Universum. Bilder und Design sind beeindruckend, aus der Geschichte hätte man mehr rausholen können. Indem man z.B. auf einige zu offensichtliche Unplausibilitäten verzichtet hätte.

Merida – Legende der Highlands 3D – Cinemaxx, Sa., 25.8.. um 17:00 –  Pixar ist zurück. Der neue Film „Merida“ (im Original „Brave“) kann zwar nicht an die früheren Meisterwerke wie “Toy Story 1-3″ oder „Oben“ anknüpfen, aber das ist immer noch Jammern auf hohem Niveau.

The Dark Knight Rises – Cinemaxx, Fr., 24.8. um 21:30 – Hat mir gefallen. Meine Review gibt es hier.

We need to talk about Kevin – Schauburg, So. 21:10 und Mi. 21:30 – Finsteres Psychodrama mit Tilda Swinton und John C. Reilly über eine Mutter, die mit ihrem scheinbar grundlos bösen Sohn nicht fertig wird. Purer Horror für angehende Eltern.

George Harrison: Living in the Material World – City 46, Do. und So.-Mi. um 21:30, Fr./Sa. um 20:00 – Martin Scorseses Dokumentation über den „stillen“ Beatle.

Rubber – City 46, Fr./Sa. um 21:30 – Film über einen serienmordenden Killer…. reifen?!?!?. Läuft in unserer Reihe „Weird Xperience“ und Freitag gibt es wieder eine Einführung in den Film von Stefan und mir.

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Sneak Preview – Schauburg, Mo., 27.08., 21:45

Französische Sneak Preview, Mi., 29.05. um 18:00 Uhr in der Gondel und um 21:00 Uhr im Atlantis

„IMAX“ Bremen: Größe der Leinwand

Von , 21. August 2012 23:05

Gerade zur Premiere von „The Dark Knight Rises“ wurde mir vielfach die Frage gestellt: Wie groß ist eigentlich die Leinwand im Bremer „IMAX“? Ich habe mich einmal dahinter geklemmt und folgende Antwort erhalten (die Marketingfloskeln am Ende lasse ich mal drin):

Die IMAX-Leinwand im CinemaxX Bremen hat folgendes Format: ca. 9.09m x 16.90m (also 1:1.96). Bei The Dark Knight Rises werden die mit IMAX Kameras gedrehten Szenen nur im IMAX Kino vertikal auf dem Bildschirm ausgeweitet. Das heißt, das Bild im IMAX Kino ist 20% größer als in normalen Kinos – IMAX Kinos bieten daher durch glasklare, scharfe Bilder die optimale Qualität für den Film.

Nachruf: Tony Scott (1944-2012)

Von , 20. August 2012 15:01

Tony Scott ist tot. Die Nachricht traf mich heute morgen ziemlich. Tony war der kleine Bruder von Ridley Scott und stand – meiner Meinung nach völlig ungerechtfertigt – immer in dessen großem Schatten. Dabei war Tony eigentlich der zuverlässigere von beiden. Während Ridley mit großen und ambitionierten Projekten oftmals eine kommerzielle und künstlerische Bauchlandung („White Squall„, „Die Akte Jane„) hinlegte, waren Tonys Filme – wenn auch keine allgemein anerkannte Klassiker wie „Alien“ oder „Blade Runner“ darunter waren – von zumeist gleichbleibend hohem Niveau. Und sollte einer seiner Filme mal keinen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, unterhielten sie aber immer noch spannend und handwerklich sauber. Auch vor Experimenten schreckte Tony Scott nicht zurück und ließ 2004/2005 mit „Man on Fire“ und „Domino“ wahre Bildertornados mit schrägen Ideen auf das unvorbereitete Publikum los, welches diese Filme entweder mit Unverständnis oder großem Jubel (zur letzteren Fraktion gehörte ich) in die Arme schloss.

Schon mit seinem Spielfilmdebüt, der Vampir-Tragödie „Begierde“ von 1983, zeigte Tony Scott, dass er weit mehr war, als nur der „kleine Bruder“. Noch heute ist das, mit Catherine Deneuve, Susan Sarandon und David Bowie genial besetzte Werk, einer der schönsten Vampirfilme überhaupt. 1986 folgte der große Durchbruch in die A-Liga der Regisseure: „Top Gun“ wurde einer der Filme, welche das Lebensgefühl der 80er definierten. Scotts Stil inspirierte zahlreiche Nachahmer, die aber nie seine Perfektion erlangten. Mit „Beverly Hills Cop 2“ und „Tage des Donners“ lieferte er solide Ware ab und festigte seinen Ruf als Routinier.

Aber die Meisterwerke sollten noch folgen: Mit dem Neo-Noir „Last Boy Scout“ (1991, bis heute mein liebster Bruce-Willis-Film, noch vor „Stirb langsam„) brannte er ein Coolness-Feuerwerk sondergleichen ab und blieb trotzdem den Wurzeln des Film Noir treu. „True Romance“ (1993), nach dem Drehbuch des damals noch unbekannten Quentin Tarantino, ist voll mit unvergesslichen Szenen, für die sich Scott auch schon mal bei John Woo bediente, und war der erste waschechte Tarantino-Film – ohne dass Tarantino hinter der Kamera stand. Weiter ging es mit „Crimson Tide“ (1995), „Staatsfeind Nr.1“ (1998) und „Spy Game“ (2001).

Tony Scott war ein echter „Auteur“, der zwar nicht die Drehbücher seiner Filme verfasste, aber jedem Stoff seinen ganz eigenen Stempel aufdrückte. Einen Tony-Scott-Film erkennt man immer, er ist unverwechselbar. Die konsequente Farbgebung (das kalte Hellblau von „Staatsfeind Nr.1“ oder das kräftige Orange, welches seine frühen Filme prägte. Die innvovativen Schnitte und seine Hauptfiguren. Profis allesamt, die an die Hawks’schen Helden gemahnen.

Bei „Man on Fire“ hatte er dann „seinen“ Hauptdarsteller gefunden. Mit Denzel Washington sollte er seine letzten drei Filme drehen: „Deja Vu“ (2006), „Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3“ (2009) und „Unstoppable – Ausser Kontrolle“ (2010). Der am 21. Juni 1944 in Northcumberland geborene Tony Scott setzte seinem Leben gestern durch einen Sprung von der Vincent-Thomas-Brücke in San Pedro, Los Angeles, aus bisher unbekannten Gründen ein Ende. Er wird fehlen.

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