Das Bloggen der Anderen (13-04-15)

bartonfink_type2– Aufgrund der Osterfeiertage fiel „Das Bloggen der Anderen“ in der letzten Woche aus. Nun hatte ich irgendwann einmal zwei Wochen in einem Rutsch nachgeholt und erinnere mich mit Schaudern daran, wie aufwändig das war. Daher beginnt meine „Blogger“-Woche auch schön am letzten Montag und nicht schon davor. Wobei ich zwei Ausnahmen mache. Die erste ist die Review des Filmes „Cordelias Kinder“ von Ronny Dombrowski auf cineastic. Warum? Weil mir der sehr sympathische Filmemacher Lars Kokemüller persönlich bekannt ist, ich seinen „Warum Hans Wagner den Sternenhimmel hasst“ mag und ich mich sehr darüber freue, dass sein nunmehr dritter Lowlow-Budgetfilm eine so positive Kritik bekommen hat.

– Die zweite Ausnahme ist Mauritia Meyer auf Schattenlichter, die bei einer Veranstaltung zugegen war, auf der ich gerne gewesen wäre, die ich wegen der räumliche Distanz  und chronischem Zeitmangel aufgrund der Familie wieder nicht geschafft habe:  „TERZA VISIONE – 2. FESTIVAL DES ITALIENISCHEN GENREFILMS“ in Nürnberg. Hier ihr Bericht. Und wo wir gerade dabei sind: Mario Bavas wunderbaren „Blutige Seide“ hat sie auch noch besprochen.

– Mit Mario Bava hat es auch yzordderrexxiii beschäftigt. Leider kann er dem – wie ich finde sehr unterhaltsamen und fantasievollen – „Vampire gegen Herkules“ nichts abgewinnen.

– Es freut mich, dass bullion von Tonight Is Gonna Be A Large One aufgrund meiner Review neugierig auf den Film „Odd Thomas“ geworden ist. Umso mehr, als dass er meine Meinung zum Film durchaus teilt.

Der Kinogänger bringt eine große Vorschau auf den Kino-Sommer 2015.

– Alexander Matzkeit hält auf real virtuality ein Plädoyer für das Tanzen auf der Straße – und hat auch gleich die passenden Filmvorbilder parat.

– Frank Stegemann erklärt auf Hard Sensations, warum „Rivalen im Sattel“ von Budd Böttcher vielleicht kein wichtiger Film ist, für Boetticher-Fans aber trotzdem unverzichtbar.

– Eine ausgesprochen positive Kritik gibt es für Christian Keßlers – auch von mir sehr gelobten –Buch „Wurmparade auf dem Zombiehof“ von Andreas Köhnemann auf B-Roll. Dort hat auch Lucas Barwenczik einen sehr langen und informativen Text über Netflix und andere VOD-Portale und deren Einfluss auf die Zukunft wie wir Filme sehen und auswählen geschrieben. Empfehlung!

– Lukas Foerster schreibt auf Dirty Laundry über einige aktuelle Filme aus China. Auf Englisch.

– Auf Schneeland empfiehlt Michael Schleeh den japanischen Film „The Kirishima Thing“ von  Daihachi Yoshida. „Ein großartiger Film, der leider, abgesehen von einigen Festivalauswertungen, zumindest in unseren Breiten etwas untergegangen ist.“

– Patrick Holzapfel analysiert auf Jugend ohne Film Rainer Werner Fassbinders „Ein Jahr mit 13 Monden“ und spricht über das Meer bei Šarūnas Bartas und bei Jean Epstein.

– Christian Genzel und Don Arrigone treffen sich auf Wilsons Dachboden, um über einen Film mit dem unglaublichen Titel „Nabonga, der Riesenaffee“ zu reden.  Der ist immerhin mit Buster „Buck Rogers“ Crabbe.

– Kürzlich sah ich Clive Barkers heute recht vergessenen „Lord of Illusions“ wieder und fragte mich, was ich wohl heutzutage von seinem zweiten Spielfilm „Cabal“ halten würde. Damals fand ich den faszinierend, aber kalt. Sascha Nolte hat ihn sich als Director’s Cut auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte angesehen und war begeistert.

– Witzigerweise unterhielt ich mich erst vor ein paar Tagen mit jemand über Uli Edels Klassiker „Christian F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und dachte bei mir, dass ich den nach vielen Jahren mal wieder ansehen sollte. Da kommt schon totalschaden von Splattertrash um die Ecke und hat genau dies getan.

– Oliver Nöding auf Remember It For Later über den damals wie ein Stein untergegangenen Mega-Flop „Die Piratenbraut“, der gleich mehrere Karrieren ins Nichts riss. Und über den Boney-M.-Film „Bienenstich und Discofieber“, dessen Besprechung sicherlich vergnüglicher klingt, als der Film tatsächlich ist – zumindest, wenn man ihn im nichtalkoholisierten Zustand allein im stillen Kämmerlein schaut.

Schlombies Filmbesprechungen präsentiert mal wieder eine neue Folge „Die Besprechungen der Anderen“.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

Blu-ray-Rezension: “V/H/S – Viral”

vhsviral1. Kevin ist süchtig danach, seine Freundin Iris zu filmen. Als eines Abends direkt vor seinem Haus die Polizei einen geheimnisvollen Eisverkäufer-Wagen verfolgt, sieht er seine Chance gekommen, ein YouTube-Star zu werden. Doch als er auf die Straße tritt, um die Jagd zu filmen, wird Iris von dem Wagen entführt. 2. Dante, ein erfolgloser Zauberer, kommt in den Besitz des Umhangs des Magiers Houdini, welcher über dämonische Kräfte verfügt. 3. Der Erfinder Alfonso hat im Keller seines Hauses ein Tor in eine parallele Dimension errichtet. Als es ihm gelingt dies zu öffnen, steht er seinem Doppelgänger aus der Parallelwelt gegenüber. Beide beschließen für 15 Minuten jeweils die Welt des Anderen zu erkunden. 4. Drei Skateboarder, die ihre gefährlichen Stunts filmen und ins Netz stellen, verschlägt es nach Mexiko, wo sie auf einem abgelegenen Areal durch einen dummen Zufall die Toten zum Leben erwecken.

Mittlerweile gehört das sogenannte „Found-Footage“ zu der ausgelutschtesten und auserzähltesten Filmprämisse überhaupt. Filmemacher, die mit dieser Form der pseudo-realen Filmerei etwas anzufangen wissen und ihr neue Aspekte abgewinnen, sind sehr rar gesät. Zumeist wird sich auf darauf verlassen, dass die scheinbar „echten“ Aufnahmen so stark verwackelt sind, dass filmische Unzulänglichkeiten nicht weiter auffallen. Man kann ja schließlich von einem Filmamateur, der seine neue Videokamera ausprobiert keine Kamerafahrten ala Kubrick erwarten. Oder doch? So inkompetent, wie diese Filme die Leute hinter der Kamera darstellen, führen sich in der Regel noch nicht einmal Vierjährige auf. Dies verärgert in der Regel sogar noch mehr, als der merkwürdige Hang der angeblich realen Kameramänner, das Grauen stets bis zum letzten Augenblick filmen zu wollen, anstatt sich in Sicherheit zu bringen. Doch solange die Ausrede „Found Footage“ es untalentierten Regisseuren ermöglicht, für wenig Geld ihre Machwerke runter zu kurbeln, wird das Genre wohl nicht aussterben. Es gibt aber auch immer wieder Ausnahmen von der Regel. Wenn sich z.B. kompetente Filmemacher darüber Gedanken machen, wie und warum sie „Found Footage“ einsetzen und in wie weit dieser Kniff ihre Geschichte unterstützt.

In der Horror-Anthologie „V/H/S“ (Kritik hier) hatten sich die Stars des Mumblecore – in der Definition von Wikipedia sind dies Filme mit einem kleinem bis sehr kleinem Produktionsbudget, improvisierten Dialogen, der Nutzung von Innenräumen, Auftritten von Laienschauspielern und generell einer Do-it-yourself-Ästhetik – versammelt, um gemeinsam einen kostengünstigen Horrorfilm herzustellen. Das Resultat war nicht an allen Stellen überzeugend (gerade der bekannteste Name – Ti West -lieferte das langweiligste Segment ab), aber der Film wirkte frisch und mit ebenso großen Enthusiasmus, wie Experimentierwillen gemacht. Zudem war er stellenweise kreuzunheimlich. Die Fortsetzung „S-VHS“ konnte ich bisher leider noch nicht sehen. Da sie in Deutschland nur gekürzt gezeigt werden durfte, nehme ich an, dass hier in Punkto Härte noch eine Schippe draufgelegt wurde. Die Kritiken im Netz sind überwiegend wohlgesonnen und bestätigen meine Vermutung. Gerade der zweite Teil konnte mit einigermaßen bekannten Namen aufwarten, wie Eduardo Sánchez, der einst mit „Blair Witch Project“ die ganze Lawine an billigen Nachahmern lostrat und Gareth Evans, der mit seinen ultraharten „The Raid“-Actionfilmen für Furore sorgte. Bei „V/H/S – Viral“ fehlt es an solchen Namen. Allein Nacho Vigalondo kennt man etwas besser, da er den ganz wunderbaren und leider viel zu wenig bekannten „Time Crimes“ gedreht hat und gerade sein Mystery-Thriller „Open Windows“ mit Elijah Woods auf den Markt kam.

„V/H/S – Viral“ dehnt die Vorgaben des „Found Footage“ teilweise so weit, dass man sich fragt, weshalb gerade dieses Format für die Geschichten verwendet wurde. In der Rahmenhandlung wird das Thema „gefundenes Videomaterial“ zwar aufgenommen, doch in keinen unbedingt zwingenden Zusammenhang gebracht. Da wird Videomaterial verwendet, durch das immer wieder alte „Bildreste“ durchscheinen, obwohl die Handlung mit einer Digitalkamera gefilmt wird. Aber auch dies ist nicht konsequent umgesetzt, da immer wieder aus anderen Perspektiven gefilmt wird. Von wem? Und wer hat das Material zusammengetragen und geschnitten? Vielleicht der geheimnisvolle Eisverkäufer-Wagen, der hier von allen möglichen videohungrigen und YouTube-geilen Leuten gejagt wird? Das stark an „Videodrome“ erinnerndes Ende deutet darauf hin, kommt aber nicht einmal auf Steinwurf an Cronenbergs Meisterwerk heran. Überhaupt leidet die von Marcel Sarmiento gedrehte Episode „Vicious Circles“ sehr an seiner hektischen Machart, die es dem Zuschauer über weite Strecken unmöglich macht, nachzuvollziehen, was überhaupt vor sich geht. Dadurch wird einem die Handlung egal und von Grusel oder Shock fehlt hier jede Spur. Man fühlt sich einfach nur genervt. Dass diese Rahmenhandlung weniger in die Geschichten einführt, als vielmehr eine ganz eigenständige, allerdings immer wieder durch die anderen Erzählungen unterbrochene, Geschichte darstellt, hilft auch nicht wirklich weiter.

Die zweite Geschichte, „Dante the Great“ von Gregg Bishop, um einen kleinen Zauberer, der den magischen Umhang Houdinis entdeckt und durch einen darin lebenden Dämon zu echten Zauberkräften kommt, ist nett, aber nicht mehr. Auch hier wird der „klassische“ Found Footage aufgehoben und „Dante the Great“ als Fake-Dokumentation präsentiert. Das wirkt dann alles etwas unbeholfen und gezwungen, ist aber immerhin unterhaltsam und mit Tempo inszeniert. Auch wenn man die Geschichte um den dämonischen Zauberumhang schnell vergisst, zählt sie zu den stärkeren Momenten von „V/H/S – Viral“. Die überzeugendste Arbeit liefert der Spanier Nacho Vigalondo ab, der einerseits das Found-Footage-Motiv konsequent und nachvollziehbar durchzieht, andererseits aber auch eine interessant-merkwürdige und in der Tat unangenehm gruselige Parallelwelt erschafft. Eine weitere Expedition in diese seltsame Welt könnte man sich durchaus auch in Spielfilmlänge vorstellen. Selbst wenn das Ende dann doch eher enttäuschend ausfällt und durch merkwürdig lächerliche Effekte an Wirkung einbüßt. Trotzdem ist „Parallel Monsters“ der einzige Grund, sich „V/H/S – Viral“ zuzulegen. Denn bereits die nächste Geschichte, „Bonestorm“ von Justin Benson und Aaron Moorhead, stellt den absoluten Bodensatz dieser einst so vielversprechenden Serie dar. Drei hochgradig unsympathische, zum Kotzen coole Skater-Boys gegen mexikanische Zombies, die an die „reitenden Leichen“ erinnern. Das alles so billig und ohne jegliches Gefühl für Timing und Horror abgefilmt, dass man zwangsläufig an einschlägige Amateur-Horrorfilme denken muss, deren Protagonisten oftmals ähnlich „realistische Sympathieträger“ sind, und in denen „geiler Splatter“ über einem vernünftigen Drehbuch stehen. Absolut verzichtbar.

Die auffällig kurze Laufzeit von 80 Minuten ist der Tatsache geschuldet, dass ursprünglich noch eine fünfte Episode zum Film gehören sollte: „Gorgeous Vortex“ von Todd Lincoln. In letzter Sekunde wurde diese allerdings aus den fertigen Film geworfen, da sie sich angeblich nicht ins Gesamtkonzept einfügen wollte. Da ich kein Konzept erkennen kann, denke ich aber, dass irgendwelche anderen Gründe den Ausschlag gaben. Da „V/H/S – Viral“ zur allgemeinen Überraschung eine FSK 16 bekommen hat, könnte ich mir vorstellen, dass die Produzenten in den USA die Episode auch aus Freigabe-Gründen gestrichen haben. Da ich „Gorgeous Vortex“ aber nicht kenne, bleibt dies erst einmal Spekulation. Die 2-Disc-Limited Edition, die OFDb Filmworks ebenfalls herausbracht hat, enthält die Episode als Extra und ist nicht FSK geprüft. Ob aber gerade „Gorgeous Vortex“ den Kauf des deutlich teureren Mediabooks zwingend erforderlich macht, kann ich wie gesagt nicht beurteilen.

„V/H/S – Viral“ kann leider zu keinem Moment an den ersten Teil der Serie anknüpfen. Obwohl Nacho Vigalondo eine sehr interessante Episode abgeliefert hat, von der man gerne mehr gesehen hätte, kann lediglich die Pseudo-Doku „Dante the Great“ für solide Unterhaltung sorgen. Die beiden anderen Episoden, insbesondere „Bonestorm“, können noch nicht einmal als Fingerübungen durchgehen und enttäuschen auf ganzer Linie.

Wie immer bei Filmen, die vorgeben sich aus gefundenen Videomaterial zu speisen, kann man über die Bildqualität keine wirklichen Aussagen machen, da eine nicht optimale Wiedergabe hier zum Konzept gehört. Der Ton ist überzeugend und irritiert hübsch durch einige Effekte. Die Extras sind nicht unbedingt erwähnenswert, aber schön, dass die Scheibe nicht „bare bones“ daherkommt. Es gibt ein 8-minütiges Making of von „Dante the Great“ und ein 5-minütiges der katastrophalen Episode „Bonestorm“.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

DVD-Rezenion „Foxtrot – Tödliches Inselparadies“

FoxtrotDer rumänische Graf Liviu (Peter O’Toole) flüchtet zusammen mit seiner Frau Julia (Charlotte Rampling), seinem Diener Eusebio (Jorge Luke) und seinem Freund und ehemaligen Militär-Ausbilder Larsen vor den langsam am Horizont aufziehenden Zweiten Weltkrieg. Liviu hat sich eine unbewohnte Insel in der Südsee gekauft, wo er den gewohnten Status Quo in Ruhe weiterführen will. Dazu wird am Strand ein großes Zelt erreichtet, indem Liviu und seine Frau residieren, während in einigem Abstand in kleineren Zelten Eusebio und Larsen wohnen. Eines Tages erhalten die vier Besuch von einem mit Liviu befreundeten Waffenhändler (Claudio Brook), der mit einer schieß- und feierwütigen Gesellschaft auf der Insel einfällt. Als sie wieder abreisen, schenkt er Liviu ein Gewehr. Bald schon kommt es zu Spannungen zwischen Liviu und seiner Frau auf der einen, und Larsen und Eusebio auf der anderen. Larsen stellt fest, dass nun „alles allen gehört“ . Als Julia Liviu offenbart, dass Larsen sie vergewaltigt hätte, greift dieser zum Gewehr…

vlcsnap-00313vlcsnap-00319

Der mexikanische Regisseur Arturo Ripstein begann seine Karriere als Assistent von Luis Buñuel bei dessen Film „Der Würgeengel“. Ab 1966 drehte er selber Spielfilme, bei denen er häufig mit berühmten lateinamerikanischen Schriftstellern zusammenarbeite. Bei seinem Debüt „Tiempo de morir“ schrieben beispielsweise Carlos Fuentes und Nobelpreisträger Gabriel García Márquez das Drehbuch. Ripstein gilt als kompromissloser Filmemacher, der sich ganz seiner Vision und nicht irgendeinem Publikumsgeschmack verpflichtet fühlt.Vielleicht liegt hier der Grund dafür, dass sein eigenwilliges Werk bis auf ganz wenige Ausnahmen, nie den Weg nach Deutschland fand. Eine dieser Ausnahmen ist „Foxtrot“, der mit Peter O’Toole, Max von Sydow und Charlotte Rampling gleich mit drei hochkarätige Stars in den Hauptrollen aufwarten kann. In den USA wurde der Film von Roger Corman vertrieben, in Deutschland erlebte er seine Premiere auf Video und erhielt dort neben einem martialischen Coverbild noch den Untertitel „Tödliches Inselparadies“. Die Corman-Verbindung verwundert etwas, da der Film nicht das exploitive Material liefert, welches man vom „King of the B’s“ erwartet. Vermutlich wurde er in den USA als harter Revenge-Thriller vermarktet.

vlcsnap-00323vlcsnap-00324

Aber mit Exploitation hat Ripstein nichts am Hut. Sein sehr langsam erzählter, oftmals traumwandlerisch wirkender Film, ist vielmehr als Allegorie auf alte Machtstrukturen gerade in Ripsteins Heimatland Mexiko zu verstehen. Die vier Personen, die sich auf der einsamen Insel einfinden, sind ganz klare Rollen zugeordnet. Der lethargische Adel, der allein aufgrund seines Reichtums die Legitimation erhält, über die anderen zu bestimmen. Der Militär, der sich einschmeichelt, vorgibt jede Seite zu unterstützen, aber im Hintergrund intrigiert, um still und heimlich seine Machtübernahme vorzubereiten. Das Proletariat, welches in seiner Unmündigkeit zum Spielball fremder Interessen wird und sowohl vom Adel als auch vom Militär zu deren Zwecken instrumentalisiert wird. Und zu guter Letzt ist da die Frau. Das fleischgewordene Begehren. Jeder der drei Parteien will sie besitzen. Der Adel zwingt sie in finanzielle Abhängigkeit, das Militär nimmt sie sich mit Gewalt und für das Proletariat bleibt sie der unerreichbare Traum, den es anschmachtet. Um diese Konstellation herum strickt Ripstein seine Geschichte.

vlcsnap-00332vlcsnap-00327

Angereichert wird „Foxtrot“ mit einem guten Schuss Sozialkritik. Nicht umsonst flieht Graf Liviu aus dem vom Krieg bedrohten Europa, in denen die alten Strukturen nicht mehr länger bestand haben werden, nur um auf einer abgelegenen Insel eben jene Strukturen en minatur neu zu etablieren. Allerdings fehlt ihm der Antrieb, um aktiv für den Erhalt seiner Macht zu kämpfen. Er herrscht, weil es sich in seiner Welt so gehört und allein sein Titel ihn dazu legitimiert. Dieser schwache Adel ist ein leichtes Opfer für das Militär, welches diese Schwäche ebenso skrupellos ausnutzt, wie die Unwissenheit und unentschlossene Angst des Proletariats. Larsen wäre es ein leichtes, die Kontrolle über die Insel zu bekommen und sich das zu nehmen, was er begehrt, nämlich die schöne Julia. Allein das Gewehr, welches Liviu von einem seiner dekadenten Freunde überreicht bekam, hindert ihn daran. So wird die Waffe am Ende das einzige Instrument zur Ausübung von Macht, welches Liviu bleibt. Eventueller Respekt ist spätestens bei dem albernen Fang-die Mütze-Spiel zerbrochen, welches seine ganze Ohnmacht offenbart. Doch die Waffe wird nicht nur Livius Status wieder herstellen, sondern auch gleichzeitig seinen Untergang und die der Mini-Gesellschaft auf der Insel einleiten.

vlcsnap-00341vlcsnap-00342

Mit dem kraftlosen O’Toole hat Ripstein die ideale Besetzung gefunden. O’Toole wirkt wie eine lebende Leiche, sitzt oftmals teilnahmslos herum und jede Konfrontation mit Larsen scheint ihm unendlich viel Kraft zu kosten. Das einst so schöne Gesicht ist hier bereits vom Alkohol gezeichnet und gleich in einer der ersten Szenen lässt er gedankenverloren die Asche seiner Zigarre auf eine wichtige Seekarte fallen, was der Kapitän mit einem perplexen Blick quittiert. Hier hat man nicht unbedingt das Gefühl, dass die Szene so geplant war, sondern sich eine Panne bei den Dreharbeiten zum Sinnbild für die Gedankenlosigkeit Livius verselbständigte. Ihm gegenüber steht der virile Max von Sydow als Larsen, der Liviu an Kraft und Größe deutlich überlegen ist, den direkten Kampf allerdings scheut. Stattdessen gibt er Liviu das Gefühl, weiterhin am Schalthebel der Macht zu sitzen. Dabei hat er für sich schon lange beschlossen, den Spieß gründlich umzudrehen. Demgegenüber wirkt der vom mexikanischen Schauspieler Jorge Luke gespielte Eusebio fast schon ängstlich und stets unauffällig bis hin zur Unsichtbarkeit. Er wird von allen nur benutzt und manipuliert, um am Ende dann selbst nicht mehr zu wissen, was er eigentlich will. Am Liebsten würde er da den Status Quo wieder herstellen. Die wunderschöne Charlotte Rampling spielt die Julia in der ihr eigenen heiß-kalten Art und lässt den Zuschauer in den eisigen Gebirgsseen ihrer Augen versinken. Dabei wird nie ganz klar, zu welcher Seite sie hält, warum sie bei Liviu ist und ob sie am Ende tatsächlich von Larsen vergewaltigt wurde oder mit dieser Behauptung ihre eigene Agenda verfolgt. Ein Mysterium, welches Arturo Ripstein auch verweigert aufzuklären.

vlcsnap-00346vlcsnap-00351

Arturo Ripstein inszeniert seinen Film sehr langsam und optisch leider recht unspektakulär. Tatsächlich wirkt der Film eher wie eine preisgünstige TV-Produktion und weniger wie großes Kino. Zwar wird die Schönheit der Insel (in Wirklichkeit die mexikanische Küste) von seinen Kameras eingefangen, doch statt Weite zu suggerieren, wirkt die Insel eng und muffig. Sicherlich ein gewollter Effekt. Dazu trägt auch bei, dass Ripstein seinen Film wie durch eine Gazeschleier gefilmt hat, was teilweise an David Hamiltons schwülen Erotikfilme denken lässt, und eine einlullende, gedämpfte Stimmung hervorruft. Das träge Tempo wird auch im unspektakulären Finale nicht gebrochen, scheinbare Höhepunkte bewusst klein gehalten. Kein vordergründiger Effekt sollen offenbar von der Allegorie ablenken, was auf den Zuschauer eine zunehmend einschläfernde Wirkung hat. Dazu passt das minimalistische Spiel der Darsteller ebenso, wie der weitgehende Verzicht auf Filmmusik und handfeste Aktionen.

vlcsnap-00352vlcsnap-00349

Der mexikanische Regisseur Arturo Ripstein inszeniert seine mit Weltstars besetzte, intelligente Allegorie auf verkrustete Machtstrukturen visuell leider auf TV-Niveau. Die sehr langsame, unspektakuläre Erzählweise fordert zudem den Durchhaltewillen des Zuschauers heraus.

vlcsnap-00356vlcsnap-00357

Die Bildqualität der bei Exclusive Media erschienenen DVD lässt sich schlecht beurteilen, da der Films scheinbar mit sehr starken Weichzeichnern gefilmt wurde, weshalb das Bild nicht nur sehr weich, sondern auch leicht verschwommen und an den Rändern ausfransend erscheint. Da dies aber offenbar eine künstlerische Entscheidung bei den Dreharbeiten war, kann man dies den Machern der DVD nicht vorwerfen. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch jeweils in Mono vor. Die deutsche Synchronisation wurde für die Videoveröffentlichung hergestellt und klingt trotz bekannter Synchronsprecher sehr steril. Demgegenüber ist die O-Ton-Spur recht dumpf und schlechter zu verstehen. Extras gibt es überhaupt keine. Nicht einmal ein Trailer wurde dieser Veröffentlichung spendiert.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Das Bloggen der Anderen (30-03-15)

bartonfink_type2– „Die Herren Dracula“ war ein Film, den ich schon lange kannte, bevor ich überhaupt eine Minute davon sah. Der Grund dafür war, dass mein Vater mir immer wieder von einzelnen Szenen erzählt hatte. Eigentlich sehr ungewöhnlich, denn normalerweise war Film nie ein Thema zwischen uns – vielleicht mit Ausnahme seines geliebten „Valdez kommt“. Als ich den Film dann endlich sah, fand ich ihn nett, aber nicht umwerfend. Jacko XL von den Drei Muscheln schreibt dann auch: „Zum Schluss baut der Film dann nur sichtlich ab“. Das mag stimmen, denn all die Sachen von denen mein Vater so lebhaft berichtete, finden gleich zu Beginn statt. Trotzdem würde ich ihn gerne mal wieder sehen.

– Annika Stelter wird auf Die Filme, die ich rief von Peter Greenaways „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ ziemlich umgeworfen und rät: „Nehmt euch eine Woche frei, sammelt Appetit auf Kunst, Essen und Skandale und schmeißt euch in die Party im „Les Hollandais“.“

– Tobef versucht sich auf Deep Red Radio an einer Liste mit den besten Horrorfilmen des 21. Jahrhunderts. Auch wenn das überhaupt nicht meine Liste wäre: Wer daran Spaß hat und sich inspirieren lassen möchte findet seine Titel hier. David bespricht den deutschen Kurzfilm „Au Pair“ und führt ein Interview mit Hauptdarstellerin Yvonne Yung Hee Bormann.

– Passend zum Thema des oben genannten Kurzfilms, hat sich Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen DES Klassikers des Kannibalen-Films angenommen: Ruggero Deodatos „Nackt & Zerfleischt“ und meint zu Recht: „„Nackt und zerfleischt“ ist ein anklagender, moralischer und kritischer Film.“

– Bleiben wir beim Horror. Oliver Armknecht schreibt für film-rezensionen.de über zwei Filme, die auch schon im Rahmen des „Cinema Obscure“-Festivals durch die Kinos getingelt sind: „Let Us Prey“ und „Housebound“. Während er den ersten gut, aber nicht überragend fand, hat „Housebound“ es ihm doch sehr angetan.

– Auf Eskalierende Träume macht sich Sven Safarow an Lamberto Bavas TV-Film „Il Maestro del Terrore“ und nutzt dies, um auf den Drehbuchautoren Dardano Sacchetti einzugehen.

– Alex Klotz ist auf Hypnosemaschinen hin und weg von dem jugoslawischen Spielfilm“ Jovana Lukina“. Ein „großer, magischer, atemberaubender Film“. Toll bebildert ist seine Liebeserklärung auch.

– Sascha Nolte bespricht auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte mit „Baba Yaga“ einen „einen kühlen, surrealen Erotikgrusler mit jeder Menge kurioser Ideen“.

Kino mal ganz anders. Cinekie.de berichtet über eine Truppe, die auf der Bühne Filme vorliest. Richtig, die Dialoge werden vorgelesen, dazu gespielt. Also quasi das legendäre Vollplayback-Theater mit Film statt Kassetten. Die „Krieg der Sterne“-„Lesung“ scheint ganz großartig zu sein, wie man hier nachlesen kann.

– Auch ein Kinoerlebnis und eins, welches ich selber leider noch nie erlebt habe (Delmenhorst wurde 1993 geschlossen) ist das Autokino. Andreas Köhnemann stellt auf B-Roll das älteste noch in Deutschland existierende Autokino Frankfurt Gravenbruch vor. Und kaum zu glauben: Der coolste Mann der Welt, Steve McQueen, wäre 85. Jahre geworden. Eine Hommage.

– Josef Lommer berichtet auf critic.de über die Diagonale 2015 in Wien, dem Festival des österreichischen Films.

– Natürlich waren auch die Jungs von Jugend ohne Film auf ihrem „Heimfestival“. So fragt sich Andrey Arnold: „Diagonale 2015: Was bleibt von einem Festival?“ und führt mit Rainer Kienböck einen interessanten „Diagonale-Abschlussdialog“.

– Dieses Wochenende fand in Nürnberg das tolle Terza Tisione – Festival des Italienischen Genrefilms zu zweiten Mal statt. Oliver Nöding war dabei und schreibt auf Remember It For Later über einige der Schätze, die er dort sehen durfte: Wie Lucio Fulcis „Don’t Torture a Duckling“ und Mario Bavas „Die toten Augen des Dr. Dracula“. Außerdem gibt es einen schönen Text über Eckhard Schmidts „Alpha City“, dessen Fazit „Ein beeindruckender Brocken, visuell herausragend und voller schüttelfrostiger Gänsehaut-Momente“, ich aus vollem Herzen unterschreiben kann. Und: Wolfgang Büld ist immer eine Erwähnung wert. Auch oder gerade sein „Ich gib Gas – Ich will Spaß“.

– Wo gerade Italien erwähnt wurde. Das Magazin des Glücks nimmt sich zweier Filme des Regisseurs Camillo Mastrocinque an. „Ein Toter hing am Glockenseil“ (mit Christopher Lee, nicht mit dem ebenfalls dort hängenden Zombie zu verwechseln) und „Ein Engel für den Teufel“ mit der Traumbesetzung Barbara Steele und Anthony Steffens.

– Nochmal Italien. Ich gebe es zu, mit der Figur des in elf (!) Filmen von Tomas Milian gespielten „Superbullen“ Nico Giraldi konnte ich noch nie viel anfangen. Nachdem Udo Rotenberg auf L’amore in città aber über den zweiten Giraldi-Film „Hippie Nico von der Kripo“ geschrieben hat, hätte ich Lust, denen noch einmal eine Chance einzuräumen.

– Ein Chance räume ich auch Going to the movies noch einmal ein, nachdem mich sein Geständnis geschockt hat, dass er wären des Filmeschauens Zuhause gerne nebenbei irgendwelche Spiele auf seinem iPad daddelt. Sakrileg! Aber seine schöne Kritik zum sehr tollen „Coherence“ hat mich wieder etwas versöhnt.

Gar nicht versöhnen will sich Rochus Wolff mit dem französischen Kinderfilm „Der kleine Nick und die Ferien“. Warum erläutert er auf seinem Kinderfilmblog.

– Ich habe gerade das Werk Michael Verhoevens für mich entdeckt. Seinen Film „Verführungen“ kannte ich noch nicht, dafür jetzt Lukas Foersters Text darüber auf Dirty Laundry.

– Dafür kenne ich Khavn De La Cruz, dessen bemerkenswerten Wutschrei „Mondomanila“ wir hier in Bremen mal im Kino zeigten. Darum bin ich auch höchst gespannt auf seinen neuen Film „Ruined Heart“, auch wenn Stefanie Schneiders Kritik auf Cereality eher lauwarm ist.

– Stefan Borsos auf Schneeland über das südindische Mainstreamkino: „ Bunter, wilder, lauter, unterhaltsamer als all das, was der interessierte Laie außerhalb Indiens unter dem Etikett ,Bollywood‘ zu Gesicht bekommt. Ein Kino der Exzesse, ein Kino der Extreme; und ein Kino, dessen DarstellerInnen im Industrie- und Fanjargon gewöhnlich als HeldInnen firmieren.“ Als Bespiel dafür schreibt er über den Film „Bhajarangi“.

– Zwei Todesfälle gab es in der letzten Woche: Gene Saks (1921-2015) und Rik Battaglia (1927-2015). Der Kinogänger hat beiden Nachrufe gewidmet.

– Zwei Kritiken zu Ryan Goslings vielgeschmähtem Regie-Debüt „Lost River“. Während LZ auf screenread schreibt: „Goslings Debüt als Regisseur (und Autor) hat sicher seine Fehler, aber insgesamt besteht aller Grund, die Verdienste hinter der träumerischen Bilderwelt dieses dunklen Märchens zu würdigen anstatt sich über sie hinwegzusetzen“, ist Kollege Ronny Dombrowski auf cineastic sehr viel kritischer: „Ryan Gosling versucht in seinem Regiedebüt eine Vielzahl der großen Meister und dessen Ideen zu kopieren, lässt dabei aber eine klare Linie und ein gewisses Konzept vermissen“.

– Und zum Schluss: Totalschaden auf Splattertrash mit einem interessanten Artikel über meine Lieblings.-Guilty-Pleasure: „Flash Gordon“. Ich liebe diesen grandiosen camp.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

DVD-Rezension: „Die Gewalt bin ich“

gewaltbinichKaum ist „der Chinese“ (Tomas Milian) aus dem Gefängnis geflohen, lässt er umgehend den Mann exekutieren, der ihn einst hinter Gitter brachte: Den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli). Doch Tanzi überlebt den Mordanschlag. Offiziell für Tod erklärt, macht sich Tanzi auf eigene Faust daran, dem „Chinesen“ das Handwerk zu legen. Währenddessen hat dieser mit dem mächtigen Gangsterboss Di Maggio (John Saxon) einen Pakt geschlossen. Doch die Zusammenarbeiten zwischen den beiden läuft nicht reibungslos, und Tanzi gelingt es immer wieder, neuen Sand ins Getriebe zu streuen. Bald schon steuert Rom auf einen blutigen Bandenkrieg zu…

vlcsnap-00266vlcsnap-00269

Nach dem Erfolg von „Die Viper“ drehte Umberto Lenzi 1977 diese Quasi-Fortsetzung namens „Die Gewalt bin ich“. Maurizio Merli darf dabei wieder in die Rolle des Kommissar Tanzi schlüpfen, der hier allerdings den Dienst quittiert hat und nunmehr als Privatmann die Unterwelt aufmischt. Dabei ist er sich jedoch der Unterstützung seines alten, von Renzo Palmer gespielten, Kollegen Astalli sicher. Die Beiden liefern sich dabei Dialoge, als wäre Tanzi noch immer bei der Polizei. Astalli drückt auch schon mal beide Augen zu, wenn der wilde Ex-Cop durch die Reihen der Gangster pflügt. Merli ist für seine Stammrolle als zuschlagender und, trotz akkuratem Seitenscheitel und korrekt gestutzten Schnauzer, immer ziemlich prollig wirkender Verbrechensbekämpfer geboren. Auch hier lässt er gerne mal das üppige Brusthaar aus dem zu weit aufgeknöpften Hemd wallen und einen bedenklichen Faible für Goldkettchen zu Schau stellen. In den 80ern hätte er wohl auch einen Vokuhila getragen. In Interviews wird Merli von seinen Zeitgenossen häufig als sehr schüchtern und freundlich beschrieben. Da ist war eine Figur wie der Tanzi, der auch gerne mal saftige Backpfeifen an herumstehende Frauen verteilt, für ihn möglicherweise eine größere schauspielerische Herausforderung gewesen, als man bei der hier eher eindimensionalen mimischen Leistung denkt.

vlcsnap-00274vlcsnap-00273

Ebenfalls aus „Die Viper“ wurde Tomas Milian übernommen, der hier wie dort den Part des Bösewichts übernimmt. Zwar ist sein „Chinese“ nicht mit dem buckligen Vincenzo Moretto – der dann aber in Lenzis „Die Kröte“ wieder auftauchen sollte – identisch, doch die Ähnlichkeiten zwischen beiden Figuren sind unübersehbar. Beide stammen aus dem Proletariat, sind Charaktere, die sich von ganz unten hochgearbeitet haben, aber nicht in der Lage sind, sich in der gehobeneren Schicht wirklich anzupassen. Beide sind durchtrieben, skrupellos und mit einer großen Bauernschläue gesegnet. Den Respekt ihres Gegenüber gewinnen sie nie und das wissen sie. Also gleichen sie diesen Mangel mit einer gehörigen Portion Gefährlichkeit aus. Wenn man Milian dabei zusieht, wie er beim Besuch des über ihn stehenden Gangsterbosses herum lümmelt, blöde Sprüche reist und mit falscher Freundlichkeit agiert, vergisst man trotzdem zu keiner Sekunde, dass er eine entsicherte Waffe ist, die jeden Augenblick losgehen kann. Auch wenn die „Viper“ im Vorgängerfilm lediglich eine Erfindung der deutschen Titelschmiede ist und sich auf Merlis Tanzi bezieht, hier wäre dieser Spitzname für Luigi Maietto mehr als angebracht. Zumindest weitaus mehr als „der Chinese“, was im Film mit der Ähnlichkeit von Maiettos Hartnäckigkeit und der chinesischen Wasserfolter begründet wird.

vlcsnap-00293vlcsnap-00282

Neben Merli und Milian, ist Genre-Vertan John Saxon der Star des Filmes. Dieser heißt im italienischen Original übersetzt „Der Zyniker, die Ratte und die Faust“ – in Anlehnung an „Der Gute, der Schlechte und der Hässliche“, wieder der Originaltitel des Sergio-Leone-Klassikers „Zwei glorreiche Halunken“ lautet. Welcher Part dabei Saxon zukommt, ist nicht so ganz klar. Denn er ist sowohl zynisch, als auch eine fiese Ratte. Saxon konnte schon 1977 auf eine lange und ereignisreiche Karriere zurückblicken. So war er nicht nur im „ersten“ Giallo mit von der Partie, Mario Bavas „The Girl Who Knew Too Much“, sondern spielte auch den Hauptcharakter in „Der Mann mit der Todeskralle“. In den 70er Jahren tauchte er vermehrt in italienischen Polizeifilmen auf. 1980 war er bei Antonio Margheritis „Asphalt-Kannibalen“ dabei und ab 1984 in dem Horrorklassiker „A Nightmare on Elm Street“ nebst zwei der Sequels. In „Die Gewalt bin ich“ spielt er einen eleganten Gangsterboss, der auch schon mal selbst Hand anlegt, wenn er einen Verräter mit Golfschläge aus kurzer Distanz foltert. In einigen Szenen meint man, dass er sich einen Spaß daraus macht, Marlon Brandos „Paten“ zu parodieren.

vlcsnap-00303vlcsnap-00297

Am Drehbuch strickten die besten und bekanntesten Drehbuchautoren des italienischen Genre-Kinos: Dardano Sacchetti, der an fast jedem der großen Giallo-, Polizieschi- und Zombiefilmen von 1970 bis 1986 als Autor beteiligt war. Von Argentos „Die neunschwänzige Katze“ bis zu seiner Kollaboration mit Lucio Fulci, die 1977 mit „Sieben Noten in Schwarz“ begann und über fünf Jahre alle großen Klassiker hervorbrachte bis sie 1982 mit „New York Ripper“ endete. Ebenfalls beteiligt war Giallo-Spezialist Ernesto Gastaldi, der regelmäßig mit Sergio Martino zusammenarbeitete. Die Story stammt von Sauro Scavolini, der für seine Italo-Western-Drehbücher berühmt wurde und den wunderbaren „Liebe und Tod im Garten der Götter“ inszenierte. Auch Lenzi selber schrieb mit. Bei diesem Triumvirat an hochtalentierten Autoren scheint der Spruch von den vielen Köchen, die den Brei verderben, leider zu stimmen, denn das Drehbuch ist ein ziemliches Durcheinander. Da gibt es unerklärte Lücken in der Handlung, dann wird recht holprig eine lange heist-Sequenz eingebaut und Nebenfiguren eingeführt, die dann entweder schnell wieder beseitigt oder schlichtweg vergessen werden. Vor allem enttäuscht aber das doch recht unspektakulär ausgefallene Finale. In den Einzelteilen ist der Film sehr unterhaltsam, als großes Ganzes passen diese aber nicht richtig zusammen und es knirscht im Getriebe. Immerhin aber wird diese Geknirsche durch großartige Musik übertönt, für welche Franco Micalizzi verantwortlich ist.

vlcsnap-00300vlcsnap-00306
Mit Blick auf die Besetzungsliste und die Verantwortlichen hinter der Kamera, sollte man mindestens einen „Citizen Kane“ des Polizieschi erwarten. Leider bleibt „Die Gewalt bin ich“ durch ein lückenhaftes und episodenhaften Drehbuch hinter den hohen Erwartungen weit zurück. Löst man sich von diesen, so liefert Umberto Lenzi solide Action-Unterhaltung mit tollen Hauptdarstellern und perfekter Musikuntermalung.

vlcsnap-00309vlcsnap-00310

Nachdem „Die Gewalt bin ich“ schon 2012 in einer wunderschönen Edition bei filmArt erschien, wurde nun noch einmal eine preisgünstigere Variante hinterher geschoben. Dabei muss der geneigte Käufer allerdings auf so schöne Extras wie den Audiokommentar mit Christian Kessler und Pelle Felsch, sowie die Featurettes „Saxxon -Die Gewalt bin ich“ und „Franco Micalizzi – A Conversation“ verzichten. Das Design der DVD wurde der Polizieschi-Reihe angepasst und statt der Extras der ursprünglichen Edition, gibt es jetzt lediglich Trailer für eben diese Reihe, sowie zu der ebenfalls bei filmArt erscheinenden Giallo-Serie. Nichts geändert hat sich an der hervorragenden Bildqualität des Filmes und den Tonspuren. Diese liegen wieder auf Deutsch, Italienisch und Englisch vor. Unterstützt von deutschen und englischen Untertiteln. Wer den Film noch nicht in der Sammlung stehen hat und auf die Extras verzichten kann, ist hier also bestens bedient.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Filmbuch-Rezension: “Glorious Technicolor“

glorioustechnicolorDas Thema der diesjährigen Berlinale-Retrospektive hieß „Glorious Technicolor“ und genauso heißt auch der Begleitband, der bei Bertz+Fischer erschienen ist. Wie es sich für das Thema gehört, und man es auch von Bertz+Fischer gewohnt ist, ist der Band sehr treffend illustriert. Allerdings wären hier großflächige Fotos, welche die ganze Magie von Technicolor wiedergeben, wünschenswert gewesen. Da das Buch aber nur in einem kleineren Format von 21,5 x 22,5 cm erschien, wirken die Bilder nicht so beeindruckend, wie es bei einem opulenten Bildband der Fall gewesen wäre. Oftmals sind auch mehrere kleine Bilder über eine Seite verteilt. Aber „Glorious Technicolor“ hat auch nicht den Anspruch ein hübscher Bildband zu sein, sondern Informationen über die Geschichte des Technicolor-Verfahrens, und auch des Farbfilms als solchen zu liefern. Und hier punktet das Buch dann auch. Von der Gründung der Firma Technicolor über die ersten Experimente mit dem Farbfilm über den rasanten Aufstieg in den 30er Jahren, als Technicolor der Inbegriff für Hollywood-Farbfilme wurde, bis zu seinem langsamen Tod in den 50ern, als es von anderen Systemen abgelöst wurde.

Da viele unterschiedliche Autoren Essays zu diesem recht eng gesteckten Thema beitragen, finden sich in den Artikeln auch viele Wiederholungen. Immer wieder wird auf die ersten Versuche mit Farbe eingegangen, die technischen Hintergründe, die unterschiedlichen Modi und die ganz besondere Rolle von Natalie Kalmus, der Ex-Frau des Firmengründers Herbert T. Kalmus, die akribisch darüber wachte, dass die Filmemacher Technicolor optimal einsetzten. Sie griff dabei tief in die Dreharbeiten ein und gab bei der Verwendung von Technicolor vor, wie die Ausstattung, die Kleidung und das Make-Up der Darsteller auszusehen hatten. Eine faszinierende Person mit hohen ästhetischen Ansprüchen an das von ihr propagierte Farbverfahren und die Leute, die damit arbeiteten.

Barbara Flückiger gibt zunächst einen guten, manchmal sehr technisch geratenen Überblick über die Zeit der Firmengründung und den ersten von Technicolor entwickelten Farbfilmsysteme. Vom additiven Zwei-Fahren-Verfahren 1918, welches allerdings ein Reinfall war, über erste Erfolge mit Technicolor Nr. II ab 1922 , den Durchbruch mit Technicolor Nr. III 1927, welches allerdings noch immer eine Zwei-Farben-Verfahren war, den beiden Vorläufern aber weit überlegen. Scott Higgins schreibt über das darauf folgende Drei-Farben-System Technicolor Nr. IV, welches ab 1932 zum Einsatz kam und mit dem der Farbfilm perfektioniert wurde, die Freiheiten der Filmemacher allerdings auch durch die strengen Vorgaben Technicolors in Bezug auf Hintergrund, Kostüme und Maske etwas eingeschränkt wurden.

Technicolor wurde zunächst vor allem für Musicals eingesetzt, wie Susanne Marschall berichtet. Sie nimmt sich in ihrem Essay der Geschichte des Zeichentrickfilms der Disney-Studios, in denen mit Farbe experimentiert werden konnte, um sich dann den Muscials zu widmen, die durch ihre unglaubliche Farbintensität die Aushängeschilder für Technicolor waren. Am Beispiel von Rouben Mamoulians „Blood and Sand“ zeigt Christine N. Brinckman auf, wie die Möglichkeiten, die Technicolor bot, von den Regisseuren kreativ genutzt wurden um – wie in diesem Falle – die klassische Malerei nachzuahmen. Heather Hackman stellt die These auf, dass das Western-Genre eher seltener mit Technicolor in Verbindung gebracht wird, stellt dann aber dar, welch große Bereicherung Technicolor für den Western war und wie hier der sogenannten „restraint modus“, den Natalie Kalmus einst für diese Art von Filmen festlegte, perfektioniert wurde. Gerade im Werk des großen John Ford, dessen „Der Teufelshauptmann“ hier als Referenz herangezogen wird.

Ausgesprochen spannend ist das Kapitel über die Technicolor-Filme aus Großbritannien, wo das Duo Michael Powell und Emeric Pressburger die Vorgaben Technicolors weit dehnen konnten und so eine ganz neue Art des Farbfilms schufen, die heute noch überwältigt und Vorbildcharakter hat.
Das Kapitel „Die Farben von Technicolor – Von der Entstehung zur Restaurierung“ von Ulrich Ruedel und Kieron Webb ist vor allem für die Leser interessant, die sich vor allem mit den technischen Aspekten im Detail auseinandersetzten möchten. Zum Schluss wirft Dirk Alt einen Blick auf Technicolor in Deutschland, wo es in der Filmherstellung so gut wie vollständig ignoriert wurde und in den 30er Jahren mit Agfacolor ein Konkurrenzprodukt entwickelt wurde.

„Gloroius Technicolor“ ist vor allem für Leser zu empfehlen, welche sich für die technische Seite der Filmgeschichte interessieren. Man hätte sich für dieses Thema eine großformatiger Aufmachung gewünscht. Die zahlreichen Redundanzen in den verschiedenen Artikeln lassen sich durch die Essay-Form wohl kaum vermeiden, da viele Erläuterungen und Erklärungen auf den selben Aspekten aufbauen. Es langweilt aber auf die Dauer etwas. Bezüglich der Geschichte von Technicolor und dessen Einfluss auf die Filmgeschichte lässt das Buch aber keine Fragen offen.

Connie Betz, Rainer Rother, Annika Schaefer, Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Hg.) “ Glorious Technicolor, Bertz+Fischer, 180 Seiten, 178 Fotos, € 25,00

Veröffentlicht unter Bücher, Film | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Stummfilm mit Live-Musik: Laurel & Hardy und Buster Keaton am Samstag

Big BusinessMorgen, Samstag, den 28.3., gibt es um 20:30 Uhr auf der großen Leinwand des Kommunalkinos City 46 wieder Stummfilm mit Live-Musikbegleitung. Gezeigt wird zunächst der brillante Kurzfilm „Big Business“ der Herren Laurel & Hardy, die als Weihnachtsbaum-Verkäufer in Kalifornien unterwegs sind und sich mit dem cholerischen James Finlayson anlegen. Danach darf im Hauptfilm der große Buster Keaton ran. In „Sherlock Jr.“ träumt er als Filmvorführer davon, ein großer Detektiv zu sein und studiert eifrig eine entsprechende Anleitung. Als er unschuldig eines Diebstahls bezichtigt und vom Vater seiner Angebeteten des Hauses verwiesen wird, scheint sich eine Gelegenheit zu ergeben, sich in diesem Beruf zu beweisen.sherlockjr

Zur Musikbegleitung schreibt Ezzat Nashashibi, Haus- und Hofmusiker des City 46: „In beiden Fällen begleite ich eher deskriptiv, bei Big Business noch mehr als bei Sherlock Junior. Allerdings lege ich die musikalischen Bögen im Keaton-Film größer an, d.h. ich wechsele die Musik langsamer, da das Innenleben des Helden zum Teil diese Zeit braucht. Bei Laurel und Hardy hingegen stehen die unmittelbaren (schnellen) Aktionen im Vordergrund.“

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 26.03.15 – 01.04.15

Interessantes und Uninteressantes, vor allem aber keine großen Highlights (außer vielleicht „A Most Violent Year“, der sich recht spannend anhört), dafür viele türkischsprachige Filme. Die Bilanz dieser Woche.

Fast & Furious 7 – Cinemaxx, Mi. 1.4. um 20:00 – Der mittlerweile siebte Teil der scheinbar ausgesprochen beliebten Auto-Stunt-Reihe um Vin Diesel und Kumpels. Als Bösewicht darf diesmal Jason Statham ran. Wer hätte bei ersten Teil vor 14 Jahren gedacht, dass es einmal so weit kommt?

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=yISKeT6sDOg[/youtube]

The Boy Next Door – Cinemaxx, So. um 20:30 und Di. um 16:15 –US-Thriller mit Jennifer Lopez. „Eine verhängnisvolle Affäre“ unter umgekehrten Vorzeichen. Nach einem One-Night-Stand mit einem sehr viel jüngeren Jungen wird eine alleinerziehende Mutter von eben jenem ONS „gestalkt“.

Chappie  – Cinemaxx, Mo. 30.3. um 23:15 – Der neue SF-Film von „District 9“-Regisseur Neil Blomkamp handelt nicht von Hundefutter – wie bei den meisten wohl die erste Assoziation sein wird – sondern von einem Roboter der als Erste die Fähigkeit hat, eigenständig zu denken und zu fühlen. Da das totalitäre  System ihn als Gefahr ansieht, wird gnadenlos Jagd auf Chappie gemacht.

Duchless 2 – Cinemaxx, So. 29.3. um 14:45 – Russische Verfilmung eines einheimischen Bestsellers. Ein  Topmanager will auf einer Insel in Südostasien ein neues Leben beginnen, ist aber gezwungen noch einmal in die Heimat zurückzukehren, um eine folgenschwere Entscheidung zu treffen.

Kocan Kadar Konus – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 20:40 und 23.15 – Türkische Komödie über eine dreißigjährige Frau, deren Familie sie zu einer optischen Veränderung überredet, um einen Ehemann zu finden.

Mandira Filozofu Istanbul – Der Philosoph aus der Molkerei – Cinemaxx, so., Mo., Mi. immer 22:45 – Türkische Parodie auf die materiellen Zwänge in Großstädten am Beispiel Istanbul.

Selam Bahara Yolculuk – Salam: Die Reise zum Frühling – Cinemaxx, Fr. 27.3. um 23:00 – Türkischer Spielfilm. Ein Lehrer reist mit seiner Frau nach Kirgisistan, um dort gegen alle Widerstände eine Schule zu eröffnen.

Son Mektup – Cinemaxx, Do.,So.-Di. immer 23:00, Fr./Sa. um 20:30 – Türkischer Kriegsfilm über Piloten im 1. Weltkrieg.

Die Bestimmung – Insurgent – CineStar, So. 29.3. um 19:45 – Fortsetzung der Verfilmung von Veronica Roths Jugendbestseller. Die Heldi Tris wird von einer machthungrigen Diktatorin gejagt, die immerhin von Kate Winslett dargestellt wird. Regie führt der Stuttgarter Robert Schwentke.

A Most Violent Year – Schauburg, so.+Mi. jeweils 21:15 – Der neue Film von J. C. Chandor erzählt im Stile des Film noir die Geschichte eines Immigranten im New York der 80er Jahre, der sich im Heizölgeschäft durchschlägt, aber von seinen skrupellosen und kriminellen Konkurrenten ebenso bedroht wird, wie von übereifrigen Justizbeamten. Mit Oscar Isaac und Jessica Chastain.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=ySWXwXlXlQU[/youtube]

Das blaue Zimmer – Schauburg, Mo. 30.3. um 12:00 & Atlantis, So., 29.3. um 20:00 – Französischer Thriller von und mit Mathieu Amalric nach einem Roman von Georges Simenon. Ein Mann wird für den Mord an seiner Frau verantwortlich gemacht, die er jahrelang mit einer Apothekerin betrogen hat.

[youtube width=“620″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=Dla8N6vY93Q[/youtube]

Die Wolken von Sils Maria – City 46, Do.-Sa., Mo., Mi . immer 18:00– Der neue Film von Olivier Assayas mit Juliette Binoche und Kristen Stewart. Eine erfolgreiche Schauspielerin soll noch einmal in dem Stück auftreten, welches sie vor 20 Jahren bekannt gemacht hat. Allerdings nicht in der rolle der jungen Protagonistin, sondern deren älteren Gegenspielerin.

Gett – Der Prozess der Viviane Amsalem – City 46, Do., Sa.-Mi. immer 20:00 – Französisch-Israelischer Spielfilm um eine Frau, die vor dem jüdisch-orthodoxen Rabbinatsgericht für die Scheidung von ihrem Mann kämpft.

Marion Brown – See the Music – City 46, Mi. 1.4. um 20:00 – Portrait der Jazzsängerin, das der Journalist und Filmkritiker Theodor Kotulla 1971 drehte. Mit Einführung: Ed Kröger, Jazzmusiker

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 30.03. um 20:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 30.03. um 21:45

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Kurze Gedanken in eigener Sache

Wie einige vielleicht bemerkt haben, war hier die letzten Tage nichts los. Das hatte einen Grund. Einen sehr persönlichen. Manchmal hält die Welt kurz inne und dann fehlt jemand, von dem man dachte, er würde ewig da sein. Und auch wenn man glaubt, man könne jetzt trotzdem weitermachen, so ist das nicht so einfach möglich. In den letzten Tagen war es das Wichtigste für mich, Zeit für mich und meine Familie zu haben. Und auch, wenn ich etwas hätte posten wollen, so wäre ich nicht mit Freude dabei gewesen. Und ich habe wieder einmal gelernt, dass unsere kurze Zeit auf Erden zu kostbar ist, um sie mit Dingen zu füllen, die einem keinen Spaß machen. Mittlerweile geht das Leben wieder weiter, auch wenn ich die Lücke noch immer deutlich spüre. „Man sieht die Sonne untergehen und erschrickt dann doch, wenn es plötzlich dunkel ist“.

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

Das Bloggen der Anderen (16-03-15)

bartonfink_type2– Manfred Polak erzählt auf Whokows presents darüber, was passiert, wenn ein Blogger seinen eigenen Text plötzlich auf einem CDV-Cover entdeckt.

– Der Schweizer Filmpreis geht in diesem Jahr an Jean-Luc Godard. Grund für Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog Leben und Werk des Meisters noch einmal Revue passieren zu lassen.

– Auch Patrick Holzapfel hat sich mit dem alten Querkopf Godard beschäftigt und schreibt auf  Jugend ohne Film über dessen Frühwerk.

– Godard zum Dritten: Auf Die drei Cineasten schreibt über zwei Filme, die Godard 1964 fertigstellte: „Die Außenseiterbande“ und „Eine verheiratete Frau“.

– Ein tolles Filmfestival: Terza Visione in Nürnberg – 2. Festival des italienischen Genrefilms. Auf movies&sports kann man nachlesen, was einen erwartet.

– Till Kadritzke berichtet auf critic.de über eines der wichtigsten (keine Ironie!) Filmfestivals für den deutschen Film: Das „Besonders Wertlos: 17. Festival des deutschen psychotronischen Films“- Ich muss da auch unbedingt mal hin.

– Auch heutzutage werden noch viele gute deutsche Filme gedreht. „Victoria“ von  Sebastian Schipper wurde schon während der Berlinale gefeiert. Christian Witte von Cerality ist ebenfalls sehr angetan.  Abteilung Lieblingsfilme (1): „Letztes Jahr in Marienbad“. Kilian Kleinbauer gibt die volle Punktzahl. Richtig so!

– Abteilung Lieblingsfilme (2): Jamal Tuschick auf Hard Sensations über „Rocker“ – das unsterbliche Filmgranit von Klaus Lemke. Ferner schreibt er über „Von jetzt an kein zurück“ seinen, wie ich finde, bisher besten Text.  Oliver Nöding setzt nach drei Jahren seine Sequenzanalyse einer Verfolgungsjagd mit „The French Connection“ fort.

– Da passt dann auch, dass Oliver auf Remember It For Later eine Besprechung der Fortsetzung „The French Connection II“ online gestellt hat.  Ferner schwärmt er für „Berberian Sound Studio“, den wir einst als Deutschland-Premiere auf unserem Phantastival gezeigt hatten – und der bei mir noch immer einen schweren Stand hat. Muss ich eine zweite Chance geben.  Außerdem: Eine fette Empfehlung für den Südkoreaner „The Yellow Sea“.

– Auf Schneeland empfiehlt Stefan Borsos, Herausgeber des leider nicht mehr existenten CineAsia-Magazines, über einen weiteren Südkoreaner:  „Tazza: The Hidden Card“.

– Alex Klotz hat für hypnosemaschinen wieder etwas entdeckt: „The Orchard End Murder“ von 1980, der in England als Vorfilm zu „Dead & Buried“ lief.

– Oliver Armknecht hat auf film-rezensionen.de „In the Name of the Son“ besprochen und schreibt: „Und so bleibt einem selbst in den vielen verdammt lustigen Szenen das Lachen im Hals stecken. Ein bisschen schwierig ist dieser nihilistische Ansatz schon, denn über die Anklage hinaus, den lauten Schrei, bleibt nicht viel von In the Name of the Son übrig. Keine neue Erkenntnis, keine Moral, kein Ausweg.“  Was ich nicht unbedingt als negativ sehen würde, wie ich generell den Film ein wenig besser fand als er.  „Das ewige Leben“, den neuen „Brenner“-film mag er zwar, bemängelt aber die konstruierte Krimihandlung.

– Abteilung Lieblingsfilme (3): Sascha Nolte schreibt auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte über den fantastischen „Perrack“ von Alfred Vohrer mit Horst Tappert in der Titelrolle: „Perrak ein Hybrid aus Giallo und Poliottesco, noch bevor beide Genres ihren endgültigen Höhepunkt erreicht hatten.“

– Apropos Vohrer: Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen ist sehr begeistert von dessen „Siebe Tage Frist“.  Außerdem schreibt er über einen der Lieblingsfilme von Stephen King: „Tourist Trap“.

– Noch immer nicht gesehen, aber spätestens nach der Review von Mauritia Mayer auf Schattenlichter auf meinem Wunschzettel: „Un bianco vestito per Marialé“.

– Einen bisher ultrararen Giallo gibt es auf Nischenkino: „Yellow: le cugine / Die Mühle der Jungfrauen“.

– Themroc bespricht die empfehlenswerte erste Ausgabe der Koch Italowestern-Enzyklopädie und die Doku „Was heißt hier Ende? – Der Filmkritiker Michael Althen“ von Dominik Graf. Ferner hat er ein langes Essay über Robert Altman, der seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte, veröffentlicht.

– Auf B-Roll stellt Andreas Köhnemann das sich noch in der Planung befindliche, ungewöhnliche Kino „Wolf“ in Berlin-Neukölln vor.  Beatrice Behn hat einige sinnliche Kinomomente zusammengetragen und Patrick Holzapfel schreibt über die russische Diskussion über den Film „Leviathan“.

– Unter dem Titel „Precode Dieterle“ stellt Lukas Foerster auf Dirty Laundry in zwei Teilen einige Filme des Deutschen William Dieterle vor, die dieser 1932 bzw. 1933 vor Einführung des Hays-Codes in Hollywood gedreht hat. h

– Yzordderrexxiii hat eine Liebeserklärung an John Carpenters „The Fog“ verfasst.

– Totalschaden von Splattertrash über Doris Wishmans „Nude on the Moon“, den wir mal recht erfolgreich in unserer „Weird Xperience“-Reihe im Kommunalkino gezeigt haben. https://splattertrash.wordpress.com/2015/03/11/nude-on-the-moon/

– Thorsten Krüger spricht auf Komm & Sieh eine Empfehlung für Ryan Goslings Regiedebüt  „Lost River“ aus, einem expressionistischen Horrorfilm.

– Und Ronny Dombrowski legt auf cinetastic den Horrofans „Der Babadook“ ans Herz.

– Rochus Wolff ist auf seinem Kinderfilmblog gar nicht so begeistert vom neuen „Cinderella“. „Cinderella ist Swarovski für die Leinwand“.

– Wer wissen möchte, wo in Bangkok die Szenen für das James-Bond-Abenteuer „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gedreht wurden und wie es da heute aussieht ist bei filmtourismus.de richtig.

– Interessante Podcasts aus der deutschen Film-Podcast-Szene findet man wieder einmal auf Wiederaufführung.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar