Das Bloggen der Anderen (02-10-17)

– Vor zwei Wochen war ich auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg (Bericht folgt noch). Auf film-rezensionen.de habe ich ja jetzt einige Filme gefunden, die in Oldenburg liefen. Der tolle „Spit ’n‘ Split“ lief auch auf dem /slash-Filmdestival, „Winter Brothers“ auf dem Film Festival Colonge und „The Nile Hilton Affäre“ erhält demnächst einen deutschen Kinostart. Ferner empfiehlt Oliver Armknecht den österreichisch-deutschen Horrorfilm „Hagazussa“, der im 15. Jahrhundert spielt. Der ist schon mal vorgemerkt.

– Derzeit findet auch das Filmfestival San Sebastián statt, wo Andreas Köhnemann für B-Roll einige interessante Filme sehen konnte. U.a. den lang erwarteten „The Disaster Artist“ von und mit James Franco über die Dreharbeiten zum legendären „The Room“. Von dem sehr vielversprechend klingenden „Marrowbone“ von Sergio G. Sánchez, Barbara Albrechts „Licht“ und Robert Schwentkes Deutschland-Comeback „Der Hauptmann“ („ein kinematografisches Biest in Schwarz-Weiß“), ist Andreas Köhnemann ebenfalls sehr begeisterte. Lucas Barwenczik schreibt über Hollwoods ewige Krise, seine teuren Flops und wie sich die junge Talente für teure Blockbuster zu verpflichten, sich wieder umgekehrt hat.

– Sascha Schmidt stellt Okaeri das Ghibli Museum Tokio vor.

Filmlichtung hat einen Artikel über die Geschichte des „Filmen übers Filme“ geschrieben.

– Simon Wiener fragt auf Jugend ohne Film: „Mögen wir Filme nur dann, wenn wir uns selbst darin wiedererkennen? Gibt es überhaupt Filme, in denen wir uns nicht wiedererkennen?“

– Morgen Luft legt auf Cinematographic Tides dar, weshalb Ingmar Bergmans „Persona“ für sie ein ganz besonderer Film ist.

– Mauritia Mayers erste Sichtung von „The Vvitch“ stand unter keinem guten Stern. Beim zweiten Mal war es schon erfolgreicher und da erinnert sie der Film an Brunello Rondis „Il demonio“, wie sie auf Schattenlichter berichtet.

– DeDavid von den Drei Cineasten bespricht den Film „A Ghost Story“, dessen Trailer bereits meine Neugier geweckt hatte.

– Auf critic.de hat sich Michael Kienzl dem Film „Raw“ angenommen, über den ich auch schon anderswo gelesen hatte und der mir ein bisschen Angst macht.

– Achtung! Schmuddelalarm! Totalschaden schreibt auf Splattertrash über den zweiten Teil der „Lass jucken, Kumpel“-Saga und ist begeistert, wie „Das Bullenkloster“ mit „Bravour, Lokalkolorit und Schmuddelei zu einem schwungvollen Ganzen verbindet“.

– Bluntwolf bezeichnet auf Nischenkino den mir bisher unbekannten „König der Shaolin“ als „einen der besten Shaw Brothers-Filme“. „Spaßig, effizient in Punkto Tempo und letztlich höchst beeindruckend“. Meine Neugier ist geweckt.

– Oliver Nöding von Remember It For Later hat einen schönen Text über den ersten „Godzilla“-Film geschrieben. Dann ist er gleich in Japan geblieben und stellt das Kino Hisayasu Satōs vor.

– Eine kurze Geschichte noch. Ich habe ja nichts dagegen, wenn Blogs Werbung auf ihrer Seite platzieren, aber was ich diese Woche gesehen habe, das geht gar nicht. Ohne jetzt einen Namen zu nennen, muss ich mal eben Luft ablassen. Ein Filmblog, den ich regelmäßig beobachte und wohl bestimmt irgendwann mal verlinkt habe, machte mich mit einem Artikel über Videopiraterie und deren Einfluss auf die Filmwirtschaft neugierig. Nach einigem oberflächlichen Blah-blah-blah wurden ohne Übergang im zweiten Absatz plötzlich Online Casinos gelobt – inklusive Link natürlich – bevor es dann weiter mit irgendwelchem völlig belanglosen Krams bezüglich der Umsätze der Filmindustrie weiterging. Ziemlich offensichtlich hatte der Blogger hier von jenen Angeboten Gebrauch gemacht, die auch mir regelmäßig das Postfach verstopfen und dann umgehend gelöscht werden. Solche nämlich, die gegen Geld irgendwelche von einer Agentur geschriebenen Artikel inklusive Links zum Kunden bei einem platzieren wollen. Kann jeder halten wie er will, aber solche von irgendwelchen Agenturen schnell zusammen geschusterten Werbedinger dann als „echten“ Blogger-Artikel zu verkaufen, finde ich schlimm. Ich habe dann auf dem besagten Blog noch weiter geguckt und weitere Artikel gefunden, die nur scheinbar filmrelevant sind, dann aber doch (mehr oder weniger) versteckt für Online-Spielautomaten oder Pizza-Bringdienste warben. Ich habe den Blog jetzt von meiner Liste gestrichen und werde das in ähnlichen Fällen auch in Zukunft so halten. Wie gesagt: Nix gegen Werbung – aber das so etwas für mich in erster Linie grobes Verarschen der Leser.

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Filmbuch-Rezension: Robert Lorenz „Heartland. Der US-amerikanische Südwesten im Film“

Robert Lorenz führt die, mir bisher unbekannte, Seite Filmkuratorium.de, auf der sich zahlreiche Film- und Serienbesprechungen, aber auch „Movie-Walks“ – also Drehortbegehungen, finden. Jetzt hat Robert Lorenz auch ein Buch als Print-On-Demand veröffentlicht. Dieses besteht ebenfalls aus Filmbesprechungen, die allerdings durch eine gemeinsame Klammer zusammengehalten werden. Das Buch heißt „Heartland. Der US-amerikanische Südwesten im Film“, was die Eingrenzung der Besprechungen vorgibt. Es handelt sich hier ausnahmslos um Filme, die in den südwestlichen US-Bundesstaaten zwischen Mississippi und Kalifornien spielen. Den heißen, ländlichen Gebieten, wo Gottesfurcht, Armut und Patriotismus hoch im Kurs stehen. Wo Dinge noch „selber geregelt“ werden, und der Rassismus seine hässliche Fratze zeigt. Aber auch ein Sehnsuchtsland, welches das Bild vom „Wilden Westen“ und dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ebenso geprägt hat, wie den Mythos der Grenze. Und hier blühen einige der besten Geschichten, die das US-Kino zu bieten hat. Geschichten von Liebe, Rache, Verrat, Enttäuschung und Betrug.

Einige der großen und kleinen Filme, die in dieser mythischen Gegend spielen, hat Robert Lorenz in seinem sehr gut lesbaren Buch „Heartland“ versammelt. Insgesamt 30 Stück, die sich über 200 Seiten erstrecken, was für jeden Film vier bis acht Seiten bedeutet. Auf diesen Seiten stellt Lorenz den Film kurz vor, arbeitet heraus, was ihn so großartig und sehenswert macht, und spannt den großen Bogen zu dem einem Thema, welches alle Filme verbindet: Den Südwesten der USA. Dabei geht er chronologisch vor – was die Zeit angeht, in der die Filme spielen. Der erste von vier Teilen, in die das Buch gegliedert ist, beschäftigt sich mit dem „alten Westen“, die anderen Teile mit der Zeit der großen Depression, die „verspätete Moderne“ (den 50er-60er Jahren) und den „amerikanischen Träumen“ (die Zeit ab 1970). Dabei reicht die Bandbreite von dem Burt-Lancaster-Film „Apache“ von 1954 über Peckinpahs „Ballad of Cable Hogue“ und Walter Hills „Hard Times“ bis Peter Bogdanovics „Last Picture Show“ und „Der elektrische Reiter“ mit Robert Redford.

Wer tiefschürfende, psychologische, historische oder soziologische Analysen erwartet, der ist hier fehl am Platze. Darum geht es Lorenz auch gar nicht. In einem ausgesprochen angenehmen Plauderton schreibt er über die Filme, lobt hier und dort Crew und Schauspieler, arbeitet heraus, warum ihm dieser Film wichtig ist und wie er mit dem Thema Südwesten umgeht. Dies aber nie oberflächlich, sondern fundiert und jederzeit nachvollziehbar. Hat man erst einmal drei-vier dieser Besprechungen gelesen, fällt es einem schwer das Buch aus der Hand zu legen, sondern man ist versucht, den Band in einem Rutsch durchzulesen, was bei 224 Seiten auch nicht schwer fällt. Man hat das Gefühl, als ob einem in einer gemütlichen Bar ein netter und sympathischer Mensch gegenüber sitzt und bei einem kühlen Glas Bier von seinen liebsten Filmen erzählt. Da hört man gerne zu, nimmt hier und dort neue Information mit, schärft den Blick für das große Ganze und geht am Ende mit einer langen Liste von Filmen nach Hause, die man jetzt unbedingt mal sehen/wiedersehen möchte.

Bilder gibt es leider keine, das wäre bei Print-On-Demand auch kaum möglich. Es stört aber auch nicht. Abgerundet wird die Veröffentlichung mit einem Anhang, auf dem auf 20 Seiten noch Kurzbesprechungen aller vorgestellten Filme in alphabetischer Reihenfolge zu finden ist.

Robert Lorenz „Heartland. Der US-amerikanische Südwesten im Film“, epubli, 224 Seiten, € 12,80

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Blu-ray-Rezension: „Krieg im Weltenraum“

Auf der Erde geschehen seltsame Dinge. Eine Brücke schwebt in die Luft als gerade ein Zug angerauscht kommt, Venedig wird überflutet und eine Raumstation zerstört. Rasch stellt sich heraus, dass Außerirdische dahinterstecken und die Macht über die Erde übernehmen wollen. Die UN schickt daraufhin zwei Raumschiffe zum Versteck der Außerirdischen, welches sich auf dem Mond befindet…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Ishirō Honda ist nicht nur der „Vater“ von Godzilla, sondern hat in seiner langen Karriere auch zahlreiche andere Filme realisiert, die entweder den kaíju – den japanischen Monsterfilmen – oder dem Science-Fiction-Genre zugeordnet werden können. Während seine kaiju hierzulande recht bekannt sind und eine unglaubliche Fangemeinde hinter sich wissen, so laufen seine Science Fiction Filme bisher noch etwas unter dem Radar. Und dies obwohl in den 50er und 60er Jahren die meisten dieser Werke den Weg in den Westen und zumeist über den Umweg USA auch nach Deutschland fand. Trotzdem sind Filme wie „Weltraumbestien“ oder „UFOs zerstören die Erde“ trotz eines Kinostarts noch recht unbekannt. Anolis hat innerhalb seiner Reihe „Rache der Galerie des Grauens“ bereits Hondas „Das Grauen schleicht durch Tokyo“ veröffentlicht, nun folgt der zweite Schlag mit „Krieg im Weltenraum“. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftig auch weitere Filme aus Hondas eher unbekannteren Schaffen in solch liebevollen Editionen in Deutschland erscheinen.

Dass der Film nicht bekannter ist und kein großer Fankult um ihn herum entstanden ist, kann aus heutiger Sicht nur schwer nachvollzogen werden. Kinder und Jugendliche, die ihn 1959 im Kino gesehen haben, müssten eigentlich förmlich weggeblasen worden sein von den Spezialeffekten, die ihrer Zeit weit voraus waren. Zwar ist noch lange kein „2001“-Standard erreicht worden (der ja auch erst neun Jahre später mit weitaus größeren finanziellen Ressourcen entstand), vergleicht man „Krieg im Weltenraum“ aber mit zeitgleich entstandenen US-Produktionen oder den italienischen Science-Fiction-Filmen eines Antonio Margheriti (an die man stellenweise stark erinnert wird) aus den 60er Jahren, dann liegen dazwischen Welten. Bunt und einfallsreich geht es bei „Krieg im Weltenraum“ zu, und was man von Raumschiffen, Raumstationen und Mondbasen zu sehen bekommt, sieht einfach verdammt gut aus. Da sieht man keine Fäden im Bild hängen, keine Glühlämpchen die Sterne simulieren. Natürlich wirkt auch „Krieg im Weltenraum“ zu keinem Zeitpunkt übermäßig realistisch, aber so professionell und kompetent gemacht, dass es einfach eine große Freude ist, die wunderhübschen Modelle zu betrachten.

Ein Grund, weshalb „Krieg im Weltenraum“ nicht der vielgeliebte Klassiker wurde, den alle Welt kennt, mag an der Handlung liegen, die auf viele Personen verteilt wird, so dass man keinen eindeutigen Helden ausmachen kann, dem die ungeteilte Sympathie gilt. Auch wirken die Szenen, in der UNO-Mitglieder bei einer großen Konferenz in Tokio große Reden halten, im Gegensatz zu den Weltraumszenen eher unfreiwillig komisch. Auch das insbesondere in den späteren Godzilla-Filmen immer wieder auftauchende Motiv der außerirdischen Geisteskontrolle, kann nicht unbedingt überzeugen und wirkt eher bemüht, um etwas Schwung in den Mittelteil zu bekommen. Wie auch seltsame Szenen, in denen Crewmitglieder der Raumschiffe plötzlich anfangen durch das Schiff zu schweben, weil sie unachtsam mit der Schwerkraft waren (also ob man diese einfach besiegen kann, indem man sich vernünftig konzentriert) sorgt eher für hochgezogene Augenbrauen. Sind die irdischen Raketen aber erst einmal auf dem Mond gelandet, darf man all dies aber wieder vergessen, denn die Expedition auf dem Erdtrabanten ist wunderbare Science-Fiction, so wie sie Spaß macht. Da gibt es überall was zu entdecken, knallbunte, blinkende und leuchtende Raumbasen, überdimensionierte Strahlenwaffen und bizarre Außerirdische.

Sobald sich die Action dann wieder auf die Erde verlagert wird, geht dem Filmfreund erst recht das Herz auf.Dann dürfen sich Tohos Trickspezialisten so richtig austoben und ein Zerstörungsfeuerwerk abfackeln, gegen das Ray Harryhausens Arbeit an „Fliegende Untertassen greifen an“ fast schon unspektakulär wirkt. Mit großer Freude werden da Gebäude in die Luft gesprengt, die Freiheitsstatur zerpulvert und generell alle Sehenswürdigkeiten der Welt platt gemacht, während Raketen durch den Himmel sausen.Wer ein Herz für solch kindliche Zerstörungswut hat, der ist hier genau richtig. Untermalt wird dies alles mit einem typischen Akira-Ifukube-Soundtrack, der vor allem für seinen herrlichen „Godzilla“-Marsch und generell für die meisten Soundtracks der klassischen „Godzilla“-Reihe und zahlreiche andere kaijun-Klassiker verantwortlich war. Hier trifft seine immer leicht swingend klingende Militärmusik wieder einmal perfekt den Ton des Filmes.

„Krieg im Weltenraum“ ist ein knallbuntes, durchaus spektakuläres Science-Fiction-Abenteuer vom „Godzilla“-Vater Ishirō Honda, welches mit liebevollen Spezialeffekten und viel Toho-typischer Zerstörung aufwartet. Da drückt man gerne eine Auge zu, wenn die Zeichnung der Figuren recht oberflächlich geraten ist.

Der achte Teil der „Rache der Galerie des Grauens“ ist wieder ein Doppel-Disc-Set mit einer Blu-ray und einer DVD. Die Bildqualität der Blu-ray ist sehr gut, die Farben sehr kräftig, das Bild klar oder „klinisch“ auszusehen. So müssen Filme aus den 50er Jahren in HD aussehen. Dadurch sind die Trickeffekte natürlich einfach zu durchschauen, was sich aber nicht vermeiden lässt. Der Ton liegt in deutsch (mit einer wundervollen zeitgenössischen Kinosynchronisation), japanisch und englisch vor. Man kann zwischen der japanische Fassung, sowie amerikanische bzw. deutsche Kinofassung wählen. Als Extras sind wieder zwei Audiokommentare mit an Bord, einer mit Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner (der auch zusammen mit Jo Steinbeck das informative, schön bebilderte 20-seitige Booklet verfasste), und ein weiterer mit Steve Ryfle und Ed Godziszewski, die gemeinsam an der Dokumentation „Bringing Godzilla Down To Size: The Art Of Japanese Special Effects“ gearbeitet haben. Daneben gibt es Filmtrailer, eine etwa 8-minütige Super-8-Fassung, Werberatschläge, Filmprogramme und Bildergalerien.

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Am Sonntag: Weird Xperience zeigt „Opera“

Juchu! Am Sonntag, den 10. September starten Stefan und ich mit unserer Filmreihe Weird Xperience endlich wieder durch! Nach einem kurzen Zwischenspiel in der Schwankhalle und zwei wunderbaren Abenden beim Open-Air-Kino am Schlachthof, zieht es uns endlich wieder dorthin, wo wir uns am Wohlsten fühlen: In einen Kinosaal!

Ab September sind wir erst einmal für vier Vorstellungen (an jedem zweiten Sonntag des Monats zur besten Sendezeit um 20:45 Uhr) im Cinema Ostertor zu Gast und hoffen auf große Unterstützung, damit wir dort auch 2018 bleiben dürfen. Dafür haben wir ein feines Programm zusammengestellt, welches wir in Kürze vorstellen werden.

Beim ersten Film der „neuen Saison“ handelt es sich um Dario Argentos „Opera“, der einst bei uns in Deutschland nur auf VHS in einer fürchterlichen Vollbildversion und obendrein brutal geschnitten seine Premiere hatte. Wir zeigen ihn natürlich in seiner ganzen Breitwand-Pracht und selbstverständlich ungekürzt!

Die junge Opernsängerin Betty bekommt die weibliche Hauptrolle in einer Aufführung der Verdi Oper „Macbeth“, nachdem die ursprüngliche Hauptdarstellerin von einem Auto überfahren wurde. Die Oper wird von Marco, einem ehemaligen Horrorfilmregisseur inszeniert. Wie in seinen Filmen, wird die Oper auch hier zu einem Ort des Grauens. Ein unbekannter Verehrer Bettys entpuppt sich als mörderischer Psychopath, der seine grausigen Morde so arrangiert, dass die Sängerin dabei zusehen muss…

Der ebenso bildgewaltige, wie blutrünstige Psychothriller des italienischen Großmeisters Dario Argento zieht mit seinen eleganten Kamerafahrten und blutigen Morden den Zuschauer von Anfang an in seinen Bann. Andreas Köhnemann schreibt anlässlich der Wiederaufführung auf kino-zeit.de: „(Dieser) Giallo-Klassiker (…) ist ein filmisches Poem, das mindestens so viel Herz- wie Kunstblut aufbietet und daher bis heute nichts von seiner Wucht und seiner herrlich-obskuren Faszinationskraft verloren hat“. Und Prof. Markus Stiglegger bringt es auf den Punkt, wenn er in dem Standardwerk „Dario Argento: Anatomie der Angst“ schreibt: „Wenn letztlich nur ein Bild von Dario Argentos Kino bleiben sollte, dann müsste es dies sein: die in purem Terror aufgerissenen Augen von Cristina Marsillach, die in ‚Opera‘ durch Nadeln unter den Augenlidern gezwungen wird, der Ermordung ihres Liebhabers beizuwohnen – die Neugier zu sehen weicht dem Zwang zu sehen. Ein Entkommen ist unmöglich. Und ebenso ist es unmöglich, die Augen von Argentos Leinwand abzuwenden, so erschreckend seine Bilder auch sein mögen.“

Ein Film, gemacht für das Kino!

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„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 22 erhältlich

Die neue „35 Millimeter – Retro-Filmmagazin“ ist da! Mein Gott, d.h. ich bin jetzt schon seit Ausgabe 7 dabei und seit Ausgabe 11 – jetzt also genau der Hälfte aller Ausgaben – in der Redaktion! Wie rasend schnell die Zeit vergeht. Ich weiß noch genau, wie ich die Idee hatte, unseren Herausgeber Jörg Matthieu zu fragen, ob ein Artikel über Pola Negri für das Magazin interessant sei und im Hinterkopf natürlich immer ein mögliches „Nein“ grummelte. Seitdem ist viel passiert und die ganze Sache hat sich, wie ich finde, hervorragend entwickelt. Immer wieder ist es mir ein Genuß, durch unsere Zeitschrift zu blättern und zu schauen, was die Kollegen da wieder alles an faszinierendem Material beigetragen haben. In der Nummer 22 ist das große Titelthema „Filmpionierinnen“ und ich habe eine längeren Artikel über die großartige Doris Wishman beigesteuert, welche mir bei der Recherche sehr ins Herz gewachsen ist, sowie zwei DVD-Reviews. Ferner gibt es noch ein großes Affen-Special vom Kollegen Markus Nowak, besser bekannt als Doc Acula, Betreiber von badmovies.de. Aber auch die anderen Autoren und Autorinnen haben wieder tolle Texte geschrieben.

TITELSTORY: FILMPIONIERINNEN

TITELSTORY – LOIS WEBER – Missionarin des Lichts
TITELSTORY – ALICE GUY-BLACHÉ – „Erlauben Sie mir, Ihnen meinen ‚Traumprinzen‘ vorzustellen…“
TITELSTORY – LENI RIEFENSTAHL – Eine Filmpionierin unter Beschuss
TITELSTORY – MAYA DEREN – Die Macht des Amateurs
TITELSTORY – DORIS WISHMAN – Die wundersame Welt der Doris Wishman – „After I die, I will be making movies in hell!“
TITELSTORY – ALICE O’FREDERICKS – Farcen, Familie und Frauen
TITELSTORY – DOROTHY ARZNER – Von der Kellnerin zur Filmpionierin
TITELSTORY – HENNY PORTEN – Eine vom Film
TITELSTORY – SHIRLEY CLARKE – Der Kampf gegen die Konventionen
TITELSTORY – MARY PICKFORD – The First

KOLUMNE: QUOD ERAT MONSTER! – HOW TO MAKE A MONSTER

SPEZIAL – DER AFFENFILM – Der Siegeszug der Stop-Motion
SPEZIAL – DER AFFENFILM – GORILLAWOOD – Das große Buch der Hollywood-Gorillas + Interview mit Ingo Strecker
SPEZIAL – DER AFFENFILM – Ein kurzer Blick auf den Affenfilm
SPEZIAL – DER AFFENFILM – Da laust einen der Affe – Sieben Affen-Filme, die sie wahrscheinlich nicht kennen

REZI-SPEZIAL: ZEUGIN DER ANKLAGE

DER FREMDE BLICK – Michelangelo Antonioni und seine Filme – Teil 5: Meisterwerke

INDIA CINEMA – V. SHANTARAM – Ein indischer Pionier

KOLUMNE: CINEMAZZURRO – DIE DREI GESICHTER DER FURCHT

KOLUMNE: DER VERGESSENE FILM – SEARCH FOR BEAUTY (1934)

Heft #22 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

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Blu-ray-Rezension: “Die Blutsbrüder des gelben Drachen“

Die beiden Straßenräuber Chang Wen Hsiang (David Chiang) und Huang Chang (Chen Kuan-tai) versuchen eines Tages den durchreisenden Ma Xinyi (Ti Lung) um sein Hab und gut zu erleichtern. Doch bei Ma Xinyi sind sie an der falschen Adresse, denn dieser entpuppt sich als überlegener Kung-Fu-Kämpfer. Ma Xinyi ist allerdings von den Talenten der beiden Brüder derart beeindruckt, dass er sie prompt anheuert, mit ihm für den Kaiser zu kämpfen und eine eigene Armee aufzubauen. Mit der Zeit werden die drei zu Blutsbrüdern. Doch Ma Xinyi ist sehr ehrgeizig. Er bildet sich weiter und zieht an den kaiserlichen Hof, um dort Karriere zu machen. Sehr zur Trauer von Huang Changs Ehefrau Mi Lan (Ching Li), die sich in Ma Xinyi verliebt hat und deren Gefühle er erwidert. Jahre später hat Ma Xinyi die gewünschte Karriere gemacht und ist nun ein mächtiger General. Er lässt seine Blutsbrüder zusammen mit Mi Lan und der Guerilla-Armee zu seinem Hof bringen. Doch das Wiedersehen soll Verrat, Blut und Tod enden…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ gehört zu den beliebtesten klassischen Martial Arts Filme des legendären Shaw Brothers Studios (was man schon an den unzähligen Veröffentlichungen in Deutschland sieht) und gleichzeitig als einer der besten Filme seines legendären Regisseurs Chang Cheh. „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ erzählt eine ungewöhnlich komplexe und trotzdem stringente Geschichte, welche die häufig übliche Episodenhaftigkeit ähnlicher Filme zwar nicht gänzlich aufgibt, aber diese doch merklich zurückfährt, um sich ganz auf die Geschichte der drei Blutsbrüder zu konzentrieren. Dementsprechend sind die Kämpfe auch nicht die Höhepunkte des Filmes und für Chang Chehs Verhältnisse sogar relativ unblutig. Da ist man von ihm doch weitaus größere Blutbäder gewohnt. Stattdessen wird auf eine (melo)dramatische Geschichte gesetzt, welche die drei Superstars auch schauspielerisch fordert. Was im Falle von Ti Lung zur Folge hatte, dass er prompt bei den Golden Horse Awards (dem asiatischen Äquivalent zum amerikanischen Oscar) einen Spezialpreis für seine Darstellung erhielt. Aber auch David Chiang schlägt sich wacker und zeigt eine weitaus größere Bandbreite als sonst. Wenn sein übliches fröhlich-freches Grinsen sich nur leicht verzerrt, als er langsam erkennt, dass sein Freund Ma Xinyi zu einem Feind geworden ist, kann man seine widerstreben Gefühle deutlich in seinem Gesicht lesen. . Chang Wen Hsiang ist eine der besten schauspielerischen Leistungen dieses doch immer wieder auf den selben Typen festgelegten Chiang.

Dritter im Bunde ist Chen Kuan-tai, der hier leider weniger gefordert wird als seine beiden Partner und auch weniger im Fokus steht. Dabei ist doch gerade sein Charakter der Grund, der die Blutsbrüderschaft zerbrechen lässt. Chen Kuan-tai spielt den einfachen, naiven Huang Chang der bis zum bitteren Ende an Dinge wie Ehrlichkeit, Brüderlichkeit und Treue glaubt und dem nie in den Sinn kommen würde, dass ihn sein „Blutsbruder“ und seine Frau hintergehen. Diese Rolle steht in einem starken Kontrast zu den sonstigen Rollen, die Chen Kuan-tai für die Shaw Brothers spielte, und in denen er zumeist die zornigen jungen Männer spielte. Chen Kuan-tai wirkt aber auch hier sehr überzeugend. Nur schade, dass er seine überragenden Martial Arts Künste nur einmal wirklich zur Geltung bringen darf. Seine untreue Ehefrau Mi-lan wird von Ching Li gespielt, die in nur 25 Jahren in über 60 Filmen dabei war, und sehr häufig die weibliche Hauptrollen in den Shaw Brothers Filmen,spielte. Zwar ist Mi-lan auf den ersten Blick keine Sympathieträgerin. Viel zu enthusiastisch wirft sie sich Ma Xinyi an den Hals und zeigt unbändige Freude, wenn mal wieder ein Lebenszeichen von Ma Xinyi eintrifft. Einerseits kann einem der naive Huang Chang da durchaus Leid tun. Andererseits tut er aber auch nichts, um das Interesse seiner Frau an ihm hochzuhalten. Auch beachtet er sie nicht so sehr, als dass er merken würde, dass in ihrer Beziehung etwas nicht stimmt. Im Gegenteil, als einmal von Chang Wen Hsiang direkt darauf angesprochen wird, weshalb er sich lieber beim Spielen und Trinken amüsiert, statt bei seiner Frau zu sein, wischt er dies mit einer Geste zur Seite, die besagt: „Ach, die…“. Und sieht man den charismatischen, gutaussehenden und hochgebildeten Ma Xinyi kann man schon verstehen, weshalb er Mi-lan den Kopf verdreht.

Die Geschichte des Films beruht scheinbar auf wahren Geschehnissen. Zumindest gab es tatsächlich einen Ma Xinyi. der sehr jung aufgrund seiner herausragenden Leistungen an den verschiedenen Kaiserlichen Ausbildungsstätten die höchsten Ämter bekleidete und schließlich, nach einer militärischen Karriere, Vizekönig mehrerer Provinzen wurde. Ma Xinyi wurde 1870 ermordet, sein Mörder niemals gefangen. Diese Geschichte inspirierte neben den „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ auch noch den 2007 entstanden Film „The Warlords“ von Peter Chan Obwohl „The Warlords“ der Story von „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ relativ eng folgt, will Regisseur Peter Chan seinen Film nicht als Remake verstanden wissen, sondern fühlt sich eher von John Woos „A Better Tomorrow“ inspiriert. John Woo wiederum war – neben Godfrey Ho (der später mit billig zusammengeschnitten Ninja-Filmen so etwas wie eine Kultfigur wurde) bei „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ Chang Ches Regie-Assistent. So schließt sich der Kreis. Tatsächlich haben ja John Woos „Heroic Bloodshed“-Klassiker viel gemeinsam mit Chang Ches Martial-Arts-Epen, insbesondere was die Männerfreundschaften, Verrat und Opfer angeht. Tatsächlich würde die Geschichte von „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ auch hervorragend funktionieren, wenn sie im urbanen Hongkong der 90er Jahre angesiedelt würde und Ti Lung hier ein hohes Tier bei der Polizei wäre, David Chiang und Chen Kuan-tai seine Gangster-Freunde aus früheren Zeiten und statt Martial Arts praktiziert aus allen Rohren geballert würde. Vielleicht gibt es so einen Film auch. So gesehen sind Chang Ches Geschichten dann auch zeitloses Actionkino.

„Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ zählt zu den inhaltlich stärksten Werken des legendären Shaw-Brothers-Stammregisseur Chang Cheh. Der Schwerpunkt liegt deutlich auf dem tragisch-melodramatischen Aspekt, ohne dass dabei die kunstvoll choreographierten – hier allerdings weniger blutigen – Kämpfe vernachlässigt werden. Daher können die drei Stars hier auch einmal ihr schauspielerisches Talent beweisen.

Mit „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ hat filmArt nun schon den neunten Film in der Shaw-Brothers-Collector’s-Edition veröffentlicht. Und dies auf gleichbleibend hohem Niveau. Zwar geizt die reihe – mangels verfügbaren Materials – etwas an Extras (insbesondere, wenn man die letzten Veröffentlichungen in der „Polizeschi“-Reihe als Vergleich hinzuzieht), dafür strahlt das Bild der Blu-ray (eine DVD mit identischen Inhalt ist ebenfalls enthalten, mal wieder in tollen Farben und ist von einer einzigartigen Klarheit. Insbesondere wenn man bedenkt, dass das Filmmaterial mittlerweile auch schon 45 Jahre auf dem Buckel hat. Der Ton ist auf Deutsch und Mandarin vorhanden. Fehlstellen in der deutschen Synchronfassung (die alte deutsche Kinofassung war um ca. eine halbe Stunde gekürzt) werden durch den O-Ton mit deutschen Untertiteln ausgefüllt. Als Extras liegt der Blur-ay ein Artbook mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films bei, und auf der Scheibe findet man den Originaltrailer. Ferner kann man noch die original deutsche (gekürzte) Kino-Fassung in HD abspielen. Und zum ersten Mal habe ich bemerkt, dass die Veröffentlichung ein Wendecover mit einem anderen Motiv (dem alten deutschen Kinoplakat) hat.

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Das Bloggen der Anderen (04-09-17)

– Derzeit findet das Filmfestival in Venedig statt. Brigitte Häring ist vor Ort und hat für Sennhausers Filmblog bereits drei Filme gesehen, die sie hochgradig begeistert haben. Allen voran Guillermo del Toros „The Shape of Water“, der im internationalen Wettbewerb läuft. „Suburbicon“ von George Clooney nach einem frühen Drehbuch der Coen Brüder und „First Reformed“ von Paul Schrader.

– Auf Hard Sensations führt Alex Klotz ein Interview mit jemanden, der meiner Meinung nach für die „kleine“, aber engagierte Kinoszene in Deutschland unglaublich wichtig ist: Jörg van Bebber vom genossenschaftlichen Filmverleih Drop-Out. Ohne ihn wäre es z.B. für unsere Bremer Filmreihe Weird Xperience so nur sehr schwer zu realisieren.

– Noch ein Interview. Oliver Armknecht hat für film-rezensionen.de den Regisseur Arne Feldhusen (u.a. Stromberg und Tatortreiniger), sowie Detlev Buck zu ihrem neuen Film „Magical Mystery“ befragt, der ja auch einen kleinen Bremen-Bezug hat. Ganz interessant, nur eins hat mich gerade verwundert: Karl „Lehmann“???

– Manfred Polak berichtet auf Whoknows presents von einer drastischen Änderung bei der IMDb, die 99 Prozent der Benutzer zwar nicht betrifft und von diesen wahrscheinlich überhaupt bemerkt wird, für ihn und viele andere sind die Ankündigungen aber äußerst ärgerlich ist. Sehr spannend, denn scheinbar lieferte die IMDb eine Funktion, die mir vollkommen unbekannt war und meinen Wunsch, meine Silberlinge-Sammlung mal vernünftig zu katalogisieren geholfen hätte.

– Noch mehr technischer Krams. Jörn Schumacher schreibt auf Negative Space über Computerprogramme, die den Erfolg von Drehbüchern vorhersagen können.

– Das Berliner Arsenal zeigt im September die zwölf Langfilme von Tsai Ming-Liang. Michael Kienzl stellt den malaysisch-taiwanesischen Regisseur auf critic.de vor.

– Sven beschäftigt sich auf Safarow schreibt mit Phil „Robot Monster“ Tuckers „Broadway Jungle“: „Verkommene Mobster, eitle Manipulatoren, blonde Dummchen und andere Lebenskünstler, die durch sein klaustrophobisches Setting geistern, das aus kalten Gebäudefassaden, anonymen Straßen und kargen Zimmern besteht“.

– Max Bergmann hat auf blick/abtausch sehr ausführlich und lesenswert Ciro Guerras „Der Schamane und die Schlange“ analysiert.

– Patrick Holzapfel verbindet auf Jugend ohne Film Wang Bings „Mrs. Fang“ (Gewinner des goldenen Leoparden in Locarno) mit anderen Filmen über das Sterben.

Der Kinogänger berichtet in „Neues aus Hollywood“ vom neuen Jason-Reitman-Film und dem „Hellboy“-Reboot.

– Nachdem ihm der direkte Vorgänger (und überhaupt die X-Men-Reihe) nicht sonderlich zusagte, konnte sich Oliver Nöding nun überraschend stark für „Logan“ erwärmen. Nachzulesen auf Remember It For Later.

– Über den Neo-Giallo “Tulpa“ habe ich bisher überwiegend Gutes gelesen. Bluntwolf von Nischenkino hat der Film allerdings nicht besonders gefallen.

– Noch ein Klassiker: Christian schreibt auf Schlombies Filmbesprechungen über Mark L. Lesters „Die Klasse von 1984“.

– Einer der schönsten Filmtitel ist immer noch „Ich, die Nonne und die Schweinehunde“. Totalschaden hat Ernst R. von Theumers Film angeschaut und war gut unterhalten, wie er auf Splattertrash berichtet.

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24. Internationales Filmfest Oldenburg: Noch mehr Filme und Lou Diamond Philipps kommt!

Noch knapp zwei Wochen bis es losgeht in Oldenburg. Noch steht der Programmplan nicht, aber es wurden bereit weitere Filme angekündigt, die sich ebenfalls sehr vielversprechend anhören. Highlight ist dabei natürlich der neue Kitano. „Midnighters“ und „Never Here“ klingen aber auch nicht schlecht.

Zudem wurde wieder ein Hollywood-Star angekündigt. Zumindest ein ehemaliger. Lou Diamond Philipps wird nach Oldenburg kommen, um gemeinsam mit Regisseur Santiago Rizzo seinen neuesten Film „Quest“ als Weltpremiere zu präsentieren. Der Junge war Ende der 80er/Anfang der 90er eine echt Hausnummer. Eigentlich schade, dass man im neuen Jahrtausend kaum noch was von ihm gehört hat. Berühmt geworden ist er mit der Hauptrolle im Ritchie-Valens-Biopic „La Bamba“(der auch in Oldenburg gezeigt wird). Danach gehörte er um die junge Gang aufstrebender Schauspieler wie Kiefer Sutherland und Emilio Estevez. Irgendwie habe ich das Gefühl, in den frühen 90ern konnte man nicht in eine Videothek gehen, ohne sein Gesicht auf einer VHS-Hülle zu sehen. 1996 zog er sich dann mehr auf die Theaterbühne zurück. In den folgenden Jahren spielte er in einigen TV-Serien und gewann 2009 die US-amerikanische Version von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“.

Hier nun noch – Text frech aus der Pressemitteilung kopiert – die weiteren Filme.

Alte Jungs, LUX 2016, von Andy Bausch
DEUTSCHLANDPREMIERE

Der offizielle Abschlussfilm des Festivals ist die luxemburgische Komödie »Alte Jungs«. Die vier Rentner Fons, Lull, Nuckes und Jängi haben den Kanal voll von der ständigen Bevormundung im Altenheim. Also raufen sich die vier wilden Hunde aus der Seniorenresidenz zusammen und schmieden Pläne, die den alten 68er Geist zum Leben erwecken. Regisseur Andy Bausch (»Troublemakers«) ist der erfolgreichste Filmemacher Luxemburgs und besticht in seinem neusten Streifen mit charmantem Witz und einer erfrischend anderen Sichtweise auf das Älterwerden. Der größte luxemburgische Kassenschlager des Jahres ist zugleich der erste, der auch bundesweit in den deutschen Kinos startet – ab dem 14. Dezember 2017 bringt Camino Film »Alte Jungs« auf die deutschen Kinoleinwände.

Winter Brothers, DK, ISL 2017, von Hlynur Palmason
DEUTSCHLANDPREMIERE

Winter Brothers erzählt die Odyssee zweier ungleicher Brüder und Arbeiter in einer Kalksteinmine in der dänischen Einöde im tiefsten Winter. Der Jüngere, Emil, ist alles, was sein Bruder der gutaussehende Charmebolzen Johan nicht ist. Ein Außenseiter, der nur durch den Fusel, den er aus geklauten Chemikalien brennt ein wenig Anerkennung der Kumpels erhaschen kann. Als Johan mit Ana, Emils Objekt der Begierde eine Affäre beginnt, entlädt sich das ohnehin schon gespannte Verhältnis zwischen den Brüdern wie eine Lawine. Das Drama des preisgekrönten isländischen Regisseurs Hlynur Pàlmason gewann bei der Premiere in Locarno vier Preise, unter anderen den Best Acting Award für Elliott Crosset Hove in der Rolle des nach Liebe und Anerkennung lechzenden Emil.

Midnighters , USA 2017, von Julius Ramsay
INTERNATIONALE PREMIERE

Lindsay und Jeff sind leicht alkoholisiert auf dem Heimweg von einer Silvesterparty und überfahren einen Mann. In Angst ob der Konsequenzen, beschließen die beiden, die vermeintliche Leiche verschwinden zu lassen. Doch es stellt sich heraus, dass der Mann gar nicht tot ist und ihr Aufeinandertreffen kein Zufall. Julius Ramsay, der als Regisseur einiger Episoden der Kultserie The Walking Dead bereits viel Aufmerksamkeit erregte, und Bruder Alston Ramsay haben drei Jahre lang an der Realisierung ihres Spielfilmdebüt gearbeitet.

Outrage Coda, J 2017, von Takeshi Kitano
DEUTSCHLANDPREMIERE

Der Staub des Krieges zwischen den Yakuzafamilien der Sanno und der Hanabishi hat sich gelegt. Die Überlebenden vegetieren in ihrem, längst dem Alltag angepassten, Leben dahin und selbst der ehemalige Yakuzaboss Omoto arbeitet jetzt als Handlanger. Doch der Schein trügt und bereits ein kleiner Funke reicht aus, damit sich Omoto wieder erhebt, um den Machtkampf erbitterter Rivalen zu entfachen und die Fehde zwischen den beiden Familien ein für alle Male zu beenden.Outrage Coda feierte seine Weltpremiere als Abschlussfilm in Venedig. Mit dem letzten Kapitel seiner Outrage Triologie entführt der preisgekrönte Regisseur Takeshi Kitano das Internationale Filmfest Oldenburg nun zum dritten Mal in die verdrehte, chaotische Welt der berüchtigten japanischen Mafia.

Never Here, USA 2017, von Camille Thoman
INTERNATIONALE PREMIERE

Künstlerin Miranda dokumentiert das Leben fremder Menschen für ihre Kunst. Eines Nachts ist es aber ihr heimlicher Liebhaber, der aus ihrem Apartment heraus ein Verbrechen beobachten kann. Um seine Identität zu schützen, geht Miranda an seiner Stelle zur Polizei und mimt die Hauptzeugin. Sie beschreibt ein Verbrechen, das sie selbst nicht gesehen hat. Für die Künstlerin beginnt ein spannendes Spiel um vertauschte Identitäten, geradezu die Essenz ihres Werkes und ihrer Sehnsüchte. Sie beginnt sich auf die Fährte des Mannes zu setzen, den ihr Liebhaber für den Täter hält. Neben Mireille Enos fasziniert ein letztes Mal der wunderbare Sam Shepard.

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Buster Keatons „The General“ mit dem Landesjugendorchester Bremen

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme – und nebenbei wie ich finde, einer der besten Actionfilme aller Zeiten – wird im Theater Bremen gezeigt und durch das Landesjugendorchester Bremen live begleitet. Die Rede ist von Buster Keatons unsterblichen „The General“, der vor 91 Jahren Premiere feierte. Das heißt, dass leider knapp sein Jubiläum verpasst wurde. Nicht verpasst wurde allerdings das Jubiläum der künstlerischen Zusammenarbeit zwischen dem Landesjugendorchester Bremen und dem Kommunalkino City 46. Seit 1997 wurden 12 Stummfilme in mehr als 30 Vorstellungen von den besten jungen Musikern und Musikerinnen aus Bremen und Umgebung unter der Leitung von Stefan Geiger begleitet.

„The General“ spielt 1862 in den Südstaaten der USA. Johnnie Gray hat zwei Leidenschaften: Seine Lokomotive namens „General“ und seine Freundin Annabelle Lee. Als der Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten ausbricht, darf Johnnie nicht an die Front, da er als Lokführer gebraucht wird. Annabelle und ihre Familie halten Johnnie für feige und sie löst die Verlobung. Ein Jahr später wird Annabelle mit ihrem Vater in der „General“ von Nordstaatlern entführt. Johnnie macht sich auf die Suche nach seiner Lok und seiner Liebe und kann trotz zahlreicher Missgeschicke als glorreicher Held nach Hause zurückkehren.

„The General“ war Buster Keatons teuerster Film, doch leider ein Misserfolg beim Publikum. Erst mit seiner Wiederaufführung im Jahr 1962 konnte Keaton (1895-1966) noch für einige Jahre die große Anerkennung für dieses Meisterwerk des Stummfilmkinos genießen.

Die Aufführung findet am 16. September um 19:30 Uhr im Großen Haus des Theaters Bremen statt (also zeitgleich mit dem Internationalen Filmfest in Oldenburg, weshalb ich ärgerlicherweise nicht dabei sein kann)

Zwischen 13:00 und 14:30 findet noch eine General (*hihi*)-Probe statt. Hierzu sind ausschließlich Schüler*innen und Lehrer*innen eingeladen. Wie eine Livemusik-Begleitung zu einem Stummfilm funktioniert und wie der Probeprozess des Landesjugendorchesters Bremen abläuft, ist hier zu erleben. Nach Ende der Generalprobe gegen 14:30 Uhr stehen der Künstlerische Leiter des Orchesters, Prof. Stefan Geiger, einige jugendliche Mitglieder des Bremer Landesjugendorchesters sowie Karl-Heinz Schmid vom Kommunalkino City 46 für Fragen bereit.

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Nachruf: Tobe Hooper (1943-2017)

Am vergangenen Sonntag verstarb Tobe Hooper mit nur 74 Jahren. Damit ist innerhalb weniger Monate nun schon der zweite enorm einflussreiche Genre-Regisseur von uns gegangen, dessen Erstlingswerk den modernen Horrorfilm stark geprägt, ja beinahe schon neu erfunden hat. Mit dem am 16. Juli verstorbenen George A. Romero verband ihn dann auch, dass er immer wieder auf das eine, revolutionäre Werk reduziert wird. Gelang es Romero aber noch, dieses fortzuführen und dadurch in seinen späten Jahren noch einmal die Gelegenheit bekam, seine Visionen umzusetzen, so war dies Hooper nicht vergönnt. Zwar konnte er selber 1985 noch „Texas Chainsaw Massacre 2“ realisieren, doch bei den weiteren Folgen dieses Franchise war er dann außen vor.  Stattdessen musst er sich in den letzten beiden Jahrzehnten mit billigem direct-to-video-Stoff herumschlagen, dem er nur selten seinen Stempel aufdrücken konnte.

Dabei hatte alles doch so gut angefangen. Nach dem Paukenschlag „The Texas Chain Saw Massacre“ drehte er den kleinen, aber unterhaltsamen „Blutrausch“  und den zwar relativ zahmen, aber trotzdem wunderschönen „Das Kabinett des Schreckens“. Mit „Das Kabinett des Schreckens“ zog der das Ticket nach Hollywood, wo er für Steven Spielberg „Poltergeist“ inszenierte. Sein scheinbar größter Triumph wurde aber auch zu einem Wendepunkt in seiner Karriere. Bis heute ist nicht klar, inwieweit er an „Poltergeist“ tatsächlich beteiligt war und wie viel Spielberg selber drehte. Heute gilt „Poltergeist“ vor allem als Spielberg-, und nicht als Hooper-Film. Wie auch der 1979 entstanden TV-Zweiteiler „Brennen muss Salem“ eher als Stephen-King-Verfilmung, denn als Werk von Tobe Hooper bekannt ist.

Die legendäre Filmproduktion Cannon gab ihm dann noch einmal – das letzte Mal in seiner Karriere – richtig Geld in die Hand. Aber trotz einer großen Fangemeinde heute, floppten sowohl der wundervolle „Lifeforce“, als auch das schöne „Invasion vom Mars“-Remake damals an der Kinokasse. Sein zweiter „Chainsaw“ – „The Texas Chainsaw Massacre 2“ – war da war etwas erfolgreicher, aber bei weitem nicht das, was Cannon sich vorgestellt hatte. Probleme mit den Zensurbehörden verschärften den Konflikt nur. Erst vier Jahre später drehte Hooper mit „Fire Syndrome“ seinen nächsten Film, den aber niemand sehen wollte.

Ab da war er im B-Video-Land gefangen. Den Tiefpunkt erreichtet er 1993 mit seinem nächsten Film: Dem grauenvoll schnarchigen „Tobe Hooper’s Living Nightmare“. Danach habe ich seine Karriere nicht mehr wirklich verfolgt. 2004 sah ich noch seine Remake „Toolbox Murders“, den ich recht schön fand – auch wegen der wunderbaren Angela Bettis.  Viel durfte Tobe Hooper dann leider nicht mehr drehen. Zwischen seinem, von den Vereinigten Arabischen Emiraten finanzierten und auch dort gedrehten, letzten Film „Djinn“ von 2013 und dem überall von der Kritik (aber auch den Fans) zerrissenen „Mortuary“ lagen ganze 7 Jahre.

Für mich ist Tobe Hooper einer der Großen, die nie wirklich die Anerkennung erfahren haben, die ihnen zusteht. Denn Hooper war mitnichten das „One Hit Wonder“ zu dem er auch jetzt in den Nachrufen immer gemacht wird. Den Vogel schießt hier die dpa ab, die anlässlich seines Todes mit Bezug auf seinen Klassiker „The Texas Chain Saw Massacre“ schrieb: „Hooper verhalf damit dem Genre des günstig produzierten Splatter-Horrors mit knapp bekleideten Frauen und kreischenden Teenies zum Durchbruch“. Ich bezweifle mal, dass der verantwortliche Autor den Film gesehen hat. Und ich bedauere, dass so viele Zeitungen diesen Wortlaut einfach nachgedruckt haben, denn darin kommen mal wieder alle Vorurteile gegen den Film und seinen Regisseur hoch.

Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit dem berüchtigten „Kettensägenmassaker“ erinnern. Ja, ich war sehr enttäuscht. Das vom Titel versprochene Blutbad fand nicht statt. Mir gefiel da Hoopers zweiter Teil sehr viel besser. Dieser zeigte ja nämlich all das, was Menschen, die den ersten Film nie gesehen haben, sich unter genau ebendiesen vorstellten. Aus diesem Stoff formte Hooper dann eine rasante, absurde und rabenschwarze Komödie. Das Gegenteil seines Erstlings. Dieser wuchs bei mir aber immer mehr. Mit jeder neuen Sichtung packte er mich aufs Neue, schüttelte mich durch und seine krank-morbide Stimmung der permanenten Bedrohung machte mir mit jedem Male mehr Angst. Ich habe es (leider) nur selten erlebt, dass ein Film wirklich von Sichtung zu Sichtung besser und übermächtiger wird. „The Texas Chain Saw Massacre“ gehört auf jeden Fall dazu. Das letzte Mal sah ich den Film bei Open-Air-Kino am Schlachthof (welch passender Platz), wo wir ihn innerhalb unserer Bremer Filmreihe „Weird Xperience“ zeigten. An einem warmen Sommerabend und freiem Himmel. Es war großartig und für mich ein wirklich Highlight in unserer Reihe.

Anlässlich von Tobe Hoopers Tod habe ich auch nochmal „Das Kabinett des Schreckens“ geschaut, den ich bei der ersten Sichtung vor mehr als 20 Jahren auch nur so la-la fand. Und tatsächlich braucht der fast eine Stunde, bevor er so richtig in Gang kommt. Für jemanden, der ungeduldig auf Blut und Innerereien wartet eine Qual. Und auch wenn es dann rund geht, hält sich Hooper sehr zurück. Weiß man dies alles und ist mittlerweile in einem Alter, in der die Sturm-und-Drangphase schon viele Monde zurückliegt, kann man sich wunderbar in den Film fallen lassen und seine Qualitäten genießen. Im Grunde ist „Das Kabinett des Schreckens“ ja eine „Texas Chain Saw“–Variation. Vollständig mit überschaubaren Personenkreis und einer merkwürdigen Familie. Stilistisch trennen beide Film aber Welten. Hooper hat hier eine wunderbar morbide Rummelplatz-Atmosphäre geschaffen, ein Auge für kleine Details und wenn es dann in der Geisterbahn (das titelgebende „Funhouse“) zur Sache geht, schwelgt der Film in rot-grün-blauen Farben, die an Meister wie Bava und Argento denken lassen. Dazu kommt die erlesene Scope-Fotografie. Und worin Hooper nun wirklich brillant ist: Diese kranke, bedrohliche Stimmung zu kreieren, die hier nicht so unbehauen wie in „The Texas Chain Saw Massacre“ wirkt, aber immer noch da ist.

Vielleicht erhält Tobe Hooper ja nach seinem Tod noch die große Anerkennung, die ihm gebührt – auch jenseits von „The Texas Chain Saw Massacre“. Ich würde es ihm von Herzen gönnen.

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