Cinemaxx: Matthias Schweighöfer stellt seinen Film “Schlussmacher” vor

schlussmacherMit seinem letzten Film, „What a Man“ war er im August 2011 bereits einmal zu Gast im Cinemaxx Bremen. Mit seinem neusten Werk „Schlussmacher“ kehrt er nun am Donnerstag, den 24.01. um 16:00 Uhr, zurück: Matthias Schweighöfer.

Matthias Schweighöfer hat in „Mein Leben – Marcel Reich-Ranicki“ in der Titelrolle beeindruckt und in dem netten „Friendship!“ für Schmunzler gesorgt. Leider verkauft sich dieser talentierte und sympathische Schauspieler häufig weit unter Wert. „Schlussmacher“ ist der zweite Spielfilm, bei dem er neben der Hauptrolle auch die Regie übernommen hat.

In seiner neuen Komödie spielt er einen „Schlussmacher“, der für eine Berliner Trennungsagentur Trennungswünsche seiner Kunden an deren zukünftige Ex-Partner übermittelt. Bei einem seiner Aufträge trifft Paul auf den sensiblen und anhänglichen Toto (Milan Peschel, „Halt auf freier Strecke„), der die von Paul überbrachte Trennungsnachricht nicht überwinden kann und sich, um nicht allein zu sein, an dessen Fersen heftet.

Veröffentlicht unter Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

Was für die Ohren: Das Musik-Label „Cineploit“ – Filmmusik ohne Film

CineploitDas letzte Jahr war ein sehr gutes Jahr für Freunde obskurer Filmmusik. Aus Wien kommt ein neues Musiklabel, welches sich die Veröffentlichung von bisher ungehörten Soundtracks auf die Fahnen geschrieben hat: Cineploit. Und diese „Soundtracks“ sind deshalb so „ungehört“, weil es die Filme dazu gar nicht gibt. Cineploit bringt Musik heraus, die wie vergessene Soundtracks klingt, aber tatsächlich von Liebhabern italienischer Soundtracks der 60er und 70er oder atmosphärischer Scores á la David Lynch komponiert und einspielt wurde. Das Ergebnis weiß auf ganzer Linie zu überzeugen und macht sich sehr gut im heimischen Musikregal, und das nicht nur bei Fans ungewöhnlicher Filme.

Grundsätzlich ist Cineploit der handgemachten, analogen Musik (am Computer entstandene Stücke sucht man hier vergebens) und dem guten, alten Vinyl verpflichtet. So können einige Sonderpressungen dann auch nur als Schallplatte geordert werden. Die hier besprochenen fünf Hauptveröffentlichungen sind aber auch als CD zu haben – entscheidet man sich hier aber für Vinyl, so liegt jeder Schallplatte auch eine kostenlose CD bei. Man merkt an der liebevollen Aufmachung der Vinyl-Scheiben, dass hier absolute Liebhaber der Materie am Werk sind. Die CDs fallen weniger opulent aus, sind dafür aber auch etwas günstiger.

Kopf hinter dem Cineploit-Label ist Alex Wank. Dieser dürfte einigen noch als Gründungsmitglied und Drummer der berühmt-berüchtigten österreichischen Death-Metal-Band „Pungent Stench“ in Erinnerung sein. Mit Cineploit lebt er seine Leidenschaft für obskure Exploitationfilme, vorzugsweise aus Bella Italia, und der dazugehörigen Filmmusik aus. Daher auch der Name seines Labels: Cinema + Exploitation = Cineploit.

Die ersten beiden Veröffentlichungen erschienen im April. Bis heute sind noch drei weitere gefolgt.

 Thelema – Hearing the Light (Cine01)

thelemaBei Thelema handelt es sich um eine Band, die schon seit 1994 Musik macht. Kopf hinter Thelema ist Hans-Jürgen und Ziel der neuen Platte „Hearing the Light“ ist es, „a virtual soundtrack mixing Film Noir with `60s and `70s Euro Trash“ zu schaffen. Der Sound ist besonders bei den ersten Tracks eher düster und erinnert leicht an Bands wie „Bohren & the Club of Gore“ oder „The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble“. Die Stimmung ist dicht und dahin wälzend. Ab Track 4, Becoming a Hearer, ändert sich dies etwas. Der tröpfelnde Synthesizer und eine zwischen lasziv-rauchig und hell-unschuldig oszillierende Frauenstimme lassen einen an melancholisch tanzende Elfen auf vom Morgentau benetzten Feldern denken. Ein Höhepunkt dieses gelungenen Albums ist der Titeltrack Hearing the Light, wo zunächst ein einsames Xylophon unbarmherzig das musikalische Thema des Albums hämmert, bis das klagende Keyboard einsetzt. Gleich darauf folgt mit dem passend betitelten Heading Forward das mächtigste Stück des Albums, welches gar eine Santana-esque Gitarre einsetzt und definitiv Ohrwurmqualität besitzt. Auf Still Hearing the Light wiederholen sich noch einmal die musikalischen Themen. Wieder wird die weibliche Stimme eingesetzt, die nun aber gar nichts Unschuldiges mehr hat. Der Synthie verleiht dem Stück eine süße Bedrohlichkeit. Oftmals werden bei Thelema Rhythmen wiederholt, bis durch ihre Überlagerung etwas Neues entsteht. Thelema unterscheidet sich etwas von den restlichen Veröffentlichungen des Cineploit-Labels, da hier nur wenig an alte Italo-Soundtracks erinnert. Stattdessen wird man in eine düster-melancholische Welt hineingezogen, die oftmals mit den Filmen David Lynchs verglichen wird. Ein Vergleich, den ich so nicht zu 100% unterschreiben würde (Angelo Badalamentis Musik unterscheidet sich schon stark von dem Thelema-Sound. Allein I Repeat erinnert mit seinem jazzigen Schlagzeug an den „Twin Peaks“-Soundtrack), aber um die Richtung anzudeuten, finde ich ihn schon statthaft. Der ideale Soundtrack für die Zeit zwischen Sonnenuntergang und finsterer Nacht.

Soundsamples:

http://soundcloud.com/thelema-cineploit-com

http://thelema-music.bandcamp.com

 

MalaBimba – MalaBimba (Cine02)

malabimbaDas Duo MalaBima, welches sich hinter Pseudonymen versteckt (tatsächlich sitzt hier Label-Boss Alex Wank höchstpersönlich hinter den Drums) benannte sich nach dem gleichnamigen Horror-Porno des italienischen Sleaze-Meisters Andrea Bianchi und das gibt schon mal die Stoßrichtung vor. Pate für die Sounds standen italienische Soundtrack-Komponisten wie Riz Ortolani, Franco Micalizzi, Goblin oder Stelvio Cipriani. MalaBimbas Musik ist aber auf das Äußerste reduziert. Fausto di Cipolla spielt einen alten Synthesizer und Nello di Cipolla gibt mit dem Schlagzeug den Takt vor. Dieses knackige Sound-Skelett wirkt erst einmal gewöhnungsbedürftig. Auch die Tatsache, dass sich die Melodien innerhalb eines Stückes gerne mal mit nur leichten Variationen wiederholen, lässt einen mehr an Minimalmusik Glass’scher Prägung, als an die explosiven Scores eines Stelvio Cipriani denken. Doch wie bei Philipp Glass, fängt auch hier die Musik mit mehrmaligem Hören an, unaufhaltsam zu wachsen. Die Melodien bleiben im Gehörgang kleben und breiten sich im Hirn aus, bis man den ganzen Tag lang Stücke von der MalaBimba-Platte vor sich hin summt und damit einfach nicht mehr aufhören kann. Man mag gar keinen Track besonders herausheben, da jeder einzelne ein hohes Suchtpotential mit sich bringt. Anspielen sollte man aber auf jeden Fall mal Malabimba 1, Senza Disciplina oder Addormentato (sogni d’oro).

http://soundcloud.com/malabimba

http://myspace.com/malabimbakomm

http://malabimba.bandcamp.com

 

Zoltan – First Stage Zoltan (Cine03)

ZoltanZoltan unterscheidet sich wieder deutlich von den vorangegangenen beiden Veröffentlichungen, bleibt aber dem Geist des Labels absolut treu. Statt nach Giallo oder Noir, klingen Zoltan nach frühen 80ern. Nach Goblin in ihrer „Dawn of the Dead“ und „Buio Omega“-Phase, nach Science Fiction (mit Echos des genialen „Captain Future“-Soundtracks von Christian Bruhn oder der Arbeit von Queen an „Flash Gordon“) und nach Italo-Endzeit-Filmen. Wie MalaBimba besteht die Instrumentierung vornehmlich aus Keyboards und Drums, hier und dort aufgelockert durch einen Bass und eine 12-saitige Akustikgitarre. Und was sind das für herrlich drückende, bedrohlich wummernde Keyboards. Ursprünglich kam dieses Projekt nur zustande, weil Andy Thompson – einer der drei britischen Bandmitglieder – seine Sammlung alter analoger Synthesizer ausprobieren wollte. Daraus entstand, zusammen mit seinem Bruder Matt und dem Drummer Andrew Prestidge, dann „Zoltan“. Zoltans Sound stapelt mächtige Türme aus Synthie-Klängen übereinander, die von energischen Drums und einem pulsierenden Bass unerbittlich vorangetrieben werden. Entsprechend Platz brauchen die Stücke, um sich zu entfalten und ihre düster-psychedelische Energie zu verströmen. So dauert der letzte Track der Platte (Black Iron Prison) dann auch gleich mal 14 Minuten. Würden sich Zoltans Klänge materialisieren und auf Zelluloid gebannt werden, käme am Ende wahrscheinlich der legendäre SF-Sleazer „The Beast in Space“ dabei heraus.

http://www.soundcloud.com/zoltantheband

 

Orgasmo Sonore –  Revisiting Obscure Music – Volume 2 (Cine04)

orgasmoOrgasmo Sonore ist ein Ein-Mann-Projekt des franko-kanadischen Multi-Instrumentalisten Frank Rideau. Im Gegensatz zu den anderen Cineploit-Bands setzt Orgasmo Sonore vor allen Dingen auf Coverversionen und so heißt sein Album auch folgerichtig „Revisiting Obscure Music Vol.2“ (Vol. 1 erschien 2011 noch in einer auf 200 Kopien limitierten Eigenproduktion). Wobei die Songauswahl für Fans des Genres nicht unbedingt „obskur“ sein sollte. Tatsächlich bearbeitet Orgasmo Sonore viele von Italo-Soundtrack-Liebhabern hochgeschätzte Tracks. Da er diese aber auf seine ganz eigene Art interpretiert, soll einen dies nicht stören. Bereits mit dem fetzigen Opener, dem Morricone-Cover La Seconda Caccia kann Frank Rideau alias Mr. Orgasmo die Herzen der Fans für sich gewinnen. Auch Bruno Nicolais Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer? ist ein echter Dauerbrenner, den man gerne in die Dauerrotation nimmt. Das schönste Stück auf der Platte ist aber das süchtig machende, drogenschwangere Pearls von Piero Piccioni. Das sollte auf jeder Party laufen! Orgasmo Sonores Bearbeitungen decken die ganze Bandbreite ab: Von stark dem Original folgend (das geniale Bronx 1990 von Walter Rizzati) bis sehr freien Interpretationen, wie das Liebesthema aus „Hexen bis aufs Blut gequält“ von Michael Holm. Sogar ein Original gibt es zu bestaunen: Summertime Bossa, ein hübsches Musikstück, welches Rideau für eine spanische Komödie namens „Summertime“ komponiert hat und welches nach dem klingt, was der Titel verspricht. Da darf man hoffen, dass auf einer dritten Platte dann vielleicht noch mehr eigene Werke Eingang finden.

http://soundcloud.com/orgasmo-sonore

 

Sospetto – Segni Misteriosi, con il sangue dipinto sul muro (Cine05)

Sospetto-FRONTÜber Sospetto weiß man nicht viel. Nur, dass dahinter ein deutsches Duo steckt. Was sehr schade ist, denn die beiden Jungs (?) hätten etwas mehr Ruhm verdient. Ihr Erstlingswerk ist ein geniales Konzeptalbum, welches die Giallo-Soundtracks der 70er in ihrer ganzen Glorie wieder auferstehen lässt. Dabei werden Knabenstimmen, Männerchöre und liebliche Frau-Stimmen eingesetzt. Schneidende Bassriffs und Old-School-Synthesizer verleihen dem Ganzen eine gewaltige Dichte und Vielstimmigkeit. Man glaubt sogar, ein großes Orchester im Hintergrund zu hören. Gleichzeitig gibt es verführerische Melodien, zwischen deren Noten sich etwas Beängstigendes versteckt. Nicht unterschätzt werden sollte auch das Schlagzeug, welches die Richtung vorgibt und den Sound immer weiter nach vorne drängt. „ Segni Misteriosi, con il sangue dipinto sul muro “ soll klingen wie „a soundtrack of a never-filmed Giallo.“ Und das ist absolut gelungen. Wunderbar auch die Spielfreude des Duos, welches keine Experimente scheut und gerne mal in den kurzen Zwischenstücken mit schrägen Tönen und Klängen experimentiert. Interessanterweise wirkt „Segni Misteriosi, con il sangue dipinto sul muro“ trotz der Vielfältigkeit der Musikstile aus einem Guss. Besonders schön ist das, sowohl an Peter Thomas Wallace-Scores, als auch sonnige Eurospy-Themen, erinnernde La fiducia e l’omicidio. Oder die exotische Bossa-Rhythmen in Agente d’Oriente, bei denen man Bettie Page als weiblichen James Bond wieder auferstehen sieht. Das luftig-süßliche Sotto l sole, mit seinem mysteriösen Unterton, hätten auch die großen Meister wie Morricone, Cipriani und Nicolai nicht viel besser hinbekommen. Und das temporeiche, von Handclaps unterstützte Dottore Phelps contro il pipistrello wird man so schnell auch nicht mehr los. Mit „Segni Misteriosi, con il sangue dipinto sul muro“ nimmt uns Sospetto mit auf eine Reise in das Kino einer anderen Zeit. Zu gerne würde man hier den Film zum Soundtrack sehen. Könnte das bitte mal jemand übernehmen? Jetzt! Schnell!

http://soundcloud.com/sospetto-music/sets/first-album-demos

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Ein Kommentar

Der neue Film von Eike Besuden: „Gibsy“ – Premiere mit Gästen in der Gondel

gibsyNach dem sensationellen Erfolg von „AUFGEBEN? NIEMALS! – Die Geschichte der Familie Bamberger“ kommt gleich noch ein neuer Film des Bremer Filmemachers Eike Besuden ins Kino: „Gibsy– Die Geschichte des Boxers Johann Rukeli Trollmann“.

Darin wird die Geschichte des Boxers Johann Rukeli Trollmann erzählt, der 1933 sensationell die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht gewinnt. Da er aber „Zigeuner“ ist, wird ihm die Meisterschaft wieder aberkannt. Aus Protest geht er als Karikatur eines Ariers in den nächsten Kampf, mit weiß gepuderter Haut und hellen Haaren – mit tödlichen Konsequenzen.

Gibsy-4Gedreht wurde der Film 2011 in Bremen, Grasberg, Varel, Sandbostel, Hannover, Berlin und Brandenburg.

Am Samstag, 19. Januar um 21:00 Uhr läuft der Film als Premiere in der Gondel. Als Gäste werden Darstellerin Hannelore Elsner (!) und Regisseur Eike Besuden mit seinem Team erwartet.

Veröffentlicht unter Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 10.01.13 – 16.01.13

Na, das geht doch ganz gut los. Wer es gar nicht mehr abwarten kann, der bekommt in der Schauburg – zugegeben zu nachtschlafender Zeit – die Premiere des neuen Tarantino serviert. Wer mehr auf Mainstream-Action steht, ist bei „Jack Reacher“ in guten Händen. Und der Connaisseur freut sich auf Fellinis „8 1/2“. Also für fast alle was dabei.

Jack Reacher – Cinemaxx, Do./Sa./Mo. um 21:00 – Tom Cruise ist wieder da. Auf der Suche nach einem neuen erfolgreichen Franchise ist er über die Jack-Reacher-Romane von Lee Child gestolpert. Obwohl Cruise der literarischen Figur überhaupt nicht entspricht, soll die filmische Umsetzung sehr gelungen sein. Allein schon wegen Werner Herzog als Bösewicht.

[youtube width=“630″ height=“290″]http://www.youtube.com/watch?v=rV6Z5KUja4k[/youtube]

Der Hobbit 3D – Cinemaxx, So./Di. um 21:00 -Ich mochte den. War in etwa so, als ob man “Herr der Ringe” noch einmal guckt. Keine großen Überraschungen und alles so wie gewohnt. Also, wer “Herr der Ringe” mag, wird auch mit dem “Hobbit” viel anfangen können. Wer “Herr der Ringe” nicht mag, wird auch durch den “Hobbit” nicht zum Fan. Martin Freeman als Bilbo fand ich super, aber das habe ich auch so erwartet.

Karaoglan – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 23:00 – Türkischer Historienfilm/Liebeskomödie über den Angriff der Mongolen 1238, der nur durch die Einigung der türkischen Staaten verhindert werden kann. Und die soll durch eine Heirat stattfinden.

CM101MMXI – Fundamentals – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 22:40, So. auch um 18:00 – Türkischer Comedy-Episodenfilm mit dem in seiner Heimat scheinbar sehr populären Komiker Cem Yilmaz.

Evim Sensin – Du bist mein Zuhause – Cinemaxx, Do./Mi. um 18:00 – Türkisches Liebesdrama um ein ungleiches Paar, dessen gemeinsames Glück bedroht wird.

Django Unchained – Schauburg, Mi. 16.1. um 23:00 – Da ist er: Der neue Tarantino. Ich gestehe, dass ich bei der Vorfreude darauf schwitzige Hände bekomme. Kleine Vorwarnung: Mit Sergio Corbucci soll der Film aber nicht viel zu tun haben.

[youtube width=“630″ height=“290″]http://www.youtube.com/watch?v=B5sks1-EGfw[/youtube]

Life of Pi – Schauburg, So., 13.01. um 21:45 – Viel gelobte Verfilmung des Bestsellers “Schiffbruch mit Tiger” durch den Regisseur Ang Lee. Allerdings wird überall der Einsatz von 3D  immer wieder als herausragendes Merkmal angegeben, und das gibt es in der Schauburg noch nicht.

Das ganze Leben liegt vor Dir – City 46, Do./Sa. Um 20:30, So./Mi. um 18:00 und Di. um 20:00 – Italienische Komödie um eine junge Philosophiestudentin, die trotz eines brillanten Abschlusses keinen Job findet und in einem Callcenter landet.

8 1/2 – City 46, Do.-Mi. 20:00 (außer Fr. und am Di. um 20:15) – Fellinis großer Klassiker über das Filmemachen und generell den kreativen Prozess. Mit Marcello Mastroianni und allem, was 1962 in Italien Rang und Namen hatte. Pflichtprogramm für Filmliebhaber.

Yossi (Ha-Sippur Shel Yossi) – City 46, Fr. um 20:30, Sa./Mo./Di. um 18:00 – Israelischer Film um einen homosexuellen Kardiologen, der den Tod seines Geliebten vor 10 Jahren nicht verwinden kann. Als er eine Reise in den Süden Israels macht, lernt er den lebensfrohen Soldaten Tom kennen.

I’m Not There – City 46, So., 13.01. um 20:30 – Das Bob-Dylan-Kaleidoskop von Todd Haynes. U.a. übernehmen Cate Blanchett (!), Heath Ledger und Richard Gere die Rolle des Folk-Barden.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 14.01. um 21:45

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “The Raid“

the raid_cover

Vom 15. Stock eines heruntergekommenen Hochhauses aus, kontrolliert der skrupellose Gangsterboss Tama seine Geschäfte. Alle Versuche gegnerischer Gangs bis zum 15. Stock vorzudringen, sind bisher kläglich gescheitert. Jede Etage wird durch Kameras überwachten und in den Appartements wohnen Tamas Gefolgsleute. Trotzdem versucht eine 20-köpfige Eliteeinheit der Polizei in das Gebäude einzudringen, um Tama zu verhaften. Bis zum 6. Stock können sie zwar unbemerkt gelangen, doch dann wird der Alarm ausgelöst…

vlcsnap-00346vlcsnap-00348

Was passiert, wenn ein Junge aus Wales in Indonesien einen Dokumentarfilm über die örtlichen Martial-Arts-Stile drehen soll? Nun, im Falle von Gareth Evans hatte dies zur Folge, dass er gleich dablieb und in die lokale Filmindustrie einstieg. Dort begann er, Actionfilme zu drehen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Okay, dieser Superlativ mag etwas übertrieben sein. Tatsache ist aber, dass „The Raid“ – sein dritter Spielfilm nach dem britischen Thriller-Drama „Footsteps“ und dem indonesischen „Merantau – Meister des Silat“, welcher bereits zeigte, wo Bartel den Most holt – ein Musterbeispiel für eine gradlinige, hyperbrutale und kompromisslose Actioninszenierung ist. Mit so etwas Trivialem wie einer Handlung, hält sich Evans nicht groß auf. In den ersten 15 Minuten wird erzählt, was man rudimentär wissen muss (Gangsterboss lebt im 15 .Stock einer schier uneinnehmbaren Festung und dazwischen gibt es unzählige Gegner), und dann geht es schon los. Eine Charakterisierung fällt aus, von den 20 Elite-Cops sind 15 eh nur Kanonenfutter. Der Rest entspricht den Klischees. Allein dem Hauptdarsteller wird eine kurze Hintergrundszene mit seiner schwangeren Frau gegönnt. Wobei diese auch nur dazu dient, dem Zuschauer gleich klarzumachen, wer der Held der Geschichte ist. Nach einer Stunde schwerstem Geballer, Gesterbe, Geschlitze, Getrete und Geprügel wird noch einmal der Versuch unternommen, etwas mehr Fleisch an das schlanke Handlungsgerüst zu hängen. Man wird aber den Verdacht nicht los, dies geschieht vor allem, um dem Zuschauer eine kurze Pause zu können. Dem dürften, nach all dem Dauerfeuer, nämlich schon ordentlich die Sinne schwirren.

vlcsnap-00349vlcsnap-00351

„The Raid“ macht keine Kompromisse. Alles wird der Bewegung und der Action untergeordnet. Ja, „The Raid“ ist äußerst brutal. Nicht einmal Kinder werden verschont. Allerdings besitzt die Gewalt keine Schönheit, wie bei den eleganten Kampfepen aus Hongkong. Die Shoot-Outs sind nicht ästhetisiert wie bei John Woo und seinen Epigonen. Die Aktionen sind rau und dienen ausschließlich dazu, den Gegner so schnell wie möglich auszuschalten, bevor er einen selber tötet. Schön ist das nicht, aber von einer archaischen Wucht, die Angst macht. Fairness existiert nicht in dieser von Gareth Evans entworfenen Welt. Es heißt töten oder getötet werden. Die Gegner der Polizisten werden wie in einem Horrorfilm inszeniert. Überhaupt erinnert „The Raid“ stark an einen Zombiefilm wie „Dawn of the Dead“ oder „[rec]„. Egal, wohin sich die Polizisten wenden, hinter jeder Tür kann sich eine tödliche Horde verbergen. Und selbst wenn es gelingt, die erste Reihe der Gegner auszuschalten, so macht vor allem die schiere Masse der anrückenden Gegner die Situation für die Cops aussichtslos. Und wie im Zombie-Film ist alles erlaubt, um die Gegner zu vernichten. In einer Szene pflügt sich unser Held wie ein Mähdrescher durch die Reihen der Angreifer, die anonym bleiben und nur als Masse eine Gesicht haben. Gareth Evans inszeniert seine Bösen als ein über die Protagonisten hereinbrechendes Grauen, so wie es John Carpenter schon in „Das Ende“ tat.

vlcsnap-00354vlcsnap-00363

Die Action- und Kampfszenen erinnern an die gnadenlose Brutalität des thailändischen „Ong Bag“, wobei hier aber die Artistik fehlt. Es wird gekloppt und geschlitzt, was das Zeug hält. Das muss nicht schön anzusehen, sondern effektiv sein. Mehr als einmal klappt einem dabei die Kinnlade runter und man fragt sich, wie dieser oder jener Stunt wohl ausgeführt wurde, ohne dass dabei jemand zu Tode kam. Ab und zu sind Hilfsmittel wie Drähte oder kleine Computertricks offensichtlich, doch in der Mehrheit wird hier ohne Tricks und doppelten Boden operiert. So vergehen die 96 Minuten wie im Fluge und lassen einem kaum die Zeit, einmal tief durchzuatmen.

vlcsnap-00358vlcsnap-00376

Von der Handlung darf man nicht viel erwarten. Sie ist auf ein Minimum zurückgefahren und zudem aus dem Baukasten. Die „überraschenden“ Wendungen kann man schon nach wenigen Minuten vorhersagen. Interessant auch, dass die Guten alle gut aussehend und die Bösen alle hässlich sind. So verwundert es auch nicht, dass der einzige gut aussehende Böse zwischendurch die Seiten wechselt. Will man den Film genießen, muss man über diese offenkundigen Mängel in der Erzählweise hinwegsehen.

vlcsnap-00374vlcsnap-00364

Hauptdarsteller Iko Uwais besitzt genug Ausstrahlung und vor allem Athletik, dass er noch eine ähnliche Zukunft vor sich haben kann, wie z.B. der Thailänder Tony Jaa. Auch, wenn er nicht dessen schier unglaublichen physischen Möglichkeiten besitzt. In Erinnerungen bleiben aber vor allem zwei andere Dinge. Einmal Yayan Ruhian als bösartiger Handlanger des Gangsterbosses, dem es eine sadistische Freude bereitet, seine Gegner langsam mit den eigenen Händen zu töten. Yayan Ruhian war zuvor Trainer des indonesischen Geheimdienstes und der indonesischen Militärpolizei, was man auch deutlich merkt. Gemeinsam mit Iko Uwais übernahm er auch die Kampfchoreographie des Films. Zum andere gelingt es Gareth Evans perfekt, auch das Hochhaus zu einem der Hauptdarsteller seines Films zu machen. Die engen Gänge, die abgerissenen Zimmer, die Wände und Decken, durch die jederzeit ein Gegner brechen kann, erzeugen ein Gefühl der permanenten Bedrohung, welches sich nicht so leicht abschütteln lässt.

vlcsnap-00370vlcsnap-00379

„The Raid“ ist ein ultrabrutaler Actionfilm, der einen mehr als einmal große Augen machen lässt, und zeigt, was mit dem menschlichen Körper alles angestellt werden kann. Dabei wird eine Handlung oder Charakterisierung der Figuren hinten angestellt und ganz der enormen Vorwärtsbewegung des Filmes untergeordnet. Wenn dann als Verschnaufpause doch einmal eine Geschichte erzählt werden soll, erstickt diese in Klischees und altbekannten Standards. Doch aufgrund der brachialen Wucht der Action, kann man durchaus gewillt sein, gnädig darüber hinwegzusehen.

vlcsnap-00367vlcsnap-00372

Das Bild der Koch Media-DVD ist mittlerer Standard, was allerdings dem Ausgangsmaterial und der künstlerischen Entscheidung des Regisseurs geschuldet sein dürfte. Der Film erscheint dadurch noch rauer und unmittelbarer. An Extras wurde bei der, mir zur Rezension vorliegenden,  normalen Ausgabe ziemlich gespart. Gerne hätte man einige Hintergründe über die unglaubliche Stuntarbeit erfahren. Stattdessen gibt es nur einen Audiokommentar des Regisseurs und eine 3-minütige „Claycat“-Episode, in der „The Raid“ mit Knetgummi-Katzen nachgespielt wird. Die 2-DVD-Special Edition bietet da einiges mehr.

DVD und BluRay sind als Single Disc und 2-Disc-Special-Edition ab 25. Januar im Handel erhältlich.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “The Day”

the_day

Nach dem Zusammenbruch der Zivilisation hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengeschlossen, um vor „den Anderen“ zu fliehen. Munition und Vorräte gehen zu Ende, da beschließen sie, in einem verlassenen Bauernhaus Rast zu machen. Dort finden sie im Keller reichlich Essensvorräte. Doch schnell wird klar, dass es ist dabei um eine Falle der Anderen handelt, die nun anrücken, um sich Nahrung zu besorgen. Und diese Nahrung ist Menschenfleisch…

vlcsnap-00380vlcsnap-00382

Regisseur Douglas Aarniokoski und sein Drehbuchautor Luke Passmore haben sicherlich John Hillcoats „The Road“ gesehen. Zu deutlich sind die Parallelen zwischen „The Day“ und der Kannibalen-Episode in Hillcoats Film. Doch während „The Road“ episch angelegt war, ist „The Day“ zunächst ganz Kammerspiel. Aarniokoski konzentriert sich auf die Gruppe von fünf Überlebenden und darauf, wie diese in einem verlassenen Bauernhaus ihre unterschwelligen Konflikte austragen. Dabei wird der Zuschauer häppchenweise mit Informationen gefüttert, wie die Welt in „The Day“ aussieht. Viel muss man sich dabei selber zusammenreimen. Das hat durchaus seinen Reiz, ebenso wie die Entscheidung, gerade nicht zu verraten, was zum Untergang der Zivilisation geführt hat. Nur langsam schälen sich die einzelnen Charaktere und ihre Beziehung zueinander heraus. Auch die Frage, von welcher Art die Bedrohung ist, vor der sie auf der Flucht sind, wird zunächst ausgespart. Dies sorgt anfangs für eine mysteriös-unheimliche Stimmung.

vlcsnap-00384vlcsnap-00386

Dabei taucht Regisseur Aarniokoski, der zuvor vor allem als Regieassistent bei Robert Rodriguez (u.a. bei „From Dusk Till Dawn“ und „Es war einmal in Mexiko“) Erfahrungen gesammelt hat, die Welt in ein trostloses Licht. Die Farbe ist bis zum Schwarz-Weiß herunter gedreht worden. Nur manchmal kämpfen sich andere Farbtöne durch das monochrome Bild. Auch der Schauplatz ist gut gewählt. In dieser rauen, ursprünglichen Wildnis kann man den Zusammenbruch der Zivilisation und den Rückfall in die Barbarei gut spüren. Das Bauernhaus erinnert, neben seinem Pendant in „The Road“, natürlich auch an dasjenige aus „The Night of the Living Dead“. Gerade dieser Klassiker wird dann auch im Finale immer wieder zitiert. Was möglicherweise auch daran liegt, dass die Kannibalen in einer ersten Drehbuchfassung noch Zombies waren.

vlcsnap-00387vlcsnap-00394

Der bekannteste Name in der Besetzungsliste ist Dominic Monaghan, der Hobbit Merry aus „Herr der Ringe“. Doch gerade er wirkt leicht fehlbesetzt, denn man nimmt dem jungenhaft wirkenden Schauspieler den Anführer der Gruppe nicht unbedingt ab. Die anderen Darsteller kennt man höchstens aus Direct-to-video-Produktionen oder kleinen Nebenrollen. Obwohl Monaghan also der größte Name und Shawn Ashmore als Adam die nominelle Hauptfigur ist, so sticht allerdings Ashley Bell aus der Besetzung heraus. Was daran liegt, dass ihre Figur, Mary, die mit Abstand interessanteste in diesem Ensemble ist. Dass sie sich von den anderen unterscheidet, erkennt man schon daran, dass sie – im Gegensatz zu ihren Mitstreitern – ein Kostüm trägt, mit dem sie direkt aus einem „Mad Max“-Film gefallen sein könnte. So verwundert es dann auch nicht, dass gerade sie ein dunkles Geheimnis mit sich herum trägt, welches ihrem Charakter ein wenig Tiefe verleiht. Auf der Seite der Bösen geben sich die Stereotypen die Klinke in die Hand. Man glaubt förmlich, die Widersacher der Helden allesamt schon einmal in anderen Filmen gesehen zu haben.

vlcsnap-00395vlcsnap-00403

Während die erste Hälfte des Filmes noch recht gelungen ist, geht es dann in der weitaus action-lastigeren zweiten Hälfte leider doch bergab. Zwar wird der nächtliche Angriff des Kannibalen-Clans noch recht stimmungsvoll umgesetzt (wenn auch deutlich an größeren Vorbildern, wie den oben bereits erwähnten „Night of the Living Dead“, orientiert), doch die Helden verhalten sich von Minute zu Minuten irrationaler. Da werden, während man in tödlicher Gefahr schwebt, plötzlich persönliche Empfindlichkeiten zum Problem und die bedrohte Gruppe beginnt nicht mit-, sondern gegeneinander zu arbeiten. Ferner wird den ganzen Film über das Problem thematisiert, dass man nicht genug Munition besitzt, nur damit diese am Ende so leichtfertig verschwendet wird, dass man sich nur an den Kopf greifen kann. Möglicherweise soll dies unterstreichen, dass vor allem menschliche Dummheit zum Untergang führt. Oder die Spannung künstlich erhöht werden. So oder so: Es nervt und insbesondere die schöne Brianna Barnes entwickelt sich zur unerträglichen Nervensäge.

vlcsnap-00399vlcsnap-00402

Ging der Film zunächst mit seinen Effekten sparsam um, wird im großen Finale Vollgas gegeben und es splattert wild drauflos. Allerdings kommt das Kunstblut aus dem Computer und man ist dankbar, dass die farbentsättigten Bilder diese Pixelsuppe etwas kaschieren. An dieser Stelle hat Debütant Douglas Aarniokoski wohl etwas zu genau bei seinem Lehrmeister Robert Rodriguez hingeschaut, der ja in letzter Zeit auch gerne mal rote Flüssigkeiten gegen Bits & Bytes eintauscht. Dies hat hier aber vor allem zur Folge, dass man sich irgendwie an semi-professionelle Splatterfilme erinnert fühlt, was die zuvor geduldig aufgebaute Stimmung zunichte macht. Daran trägt auch die seltsam unpassende Metal-Musik ihr Scherflein bei. Zumindest wird man von einer schön radikalen Schlusspointe etwas entschädigt.

vlcsnap-00401vlcsnap-00405

„The Day“ konzentriert sich in der ersten Hälfte ganz auf seine fünf Protagonisten und fordert den Zuschauer auf, sich durch hier und da eingestreute Informationen selber ein Bild von der Welt, in der „The Day“ spielt, zu machen. Dies gelingt gut und trägt zu einer hoffnungslosen, kalten Stimmung bei. In der zweiten, blutrünstigeren Hälfte verspielt er diesen Kredit fast wieder, indem sich die Hauptfiguren völlig irrational verhalten und die Feinde zu Abziehbildern aus anderen Filmen verkommen.

Die DVD von Splendid zeichnet sich durch gewohnt gute Bildqualität aus, wobei die Packung farbige Szenenfotos zeigt, die es so im Film nicht gibt. Dort ist die Farbe nämlich – wie oben beschrieben – auf ein solches Minimum reduziert worden, dass man den Film eher als Schwarz-Weiß-Film ankündigen müsste.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Das Bloggen der Anderen (05-01-13)

bartonfink_type2L’amore in città widmet sich einem italienischen Polizei-Thriller, der mir bisher leider unbekannt war – und dies, obwohl „Eisengesicht“ Henry Silva mitspielt: „In der Gewalt des Kindermörders“ von Giovanni Fago. Außerdem wird fremd gegangen und einer meiner französischen Lieblingsfilme besprochen: Der sauspannende „Lohn der Angst“ von Henri-Georges Clouzot.

– Auf newfilmkritik sinniert Rainer Knepperges in einem schönen Eintrag über den Blick in die Kamera.

– Auch ein Film, den ich unbedingt mal schauen muss: Dominik Graf (gemeinsam mit dem leider kürzlich verstorbenen Filmkritiker Michael Althen) zeichnet das Bild seines viel zu früh gestorbenen Vaters, Robert Graf. „Das Wispern im Berg der Dinge“ wird auf Das Magazin des Glücks besprochen.

– Klaus Wiesmüller vom japankino.de braucht Eure Hilfe. Er plant, ein Buch über Akira Kurosawa zu veröffentlichen und hat dafür auch schon einen Verlag gefunden. Jetzt möchte er von seinen Lesern gerne wissen, welche Schwerpunkte sie am meisten interessieren und hat hierzu einen Fragebogen vorbereitet.

– Eine sehr schöne DVD-Veröffentlichung ist „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ von Camera Obscura. Das findet auch Hard Sensations.

– Auch eine schöne Idee. Statt des obligatorischen „Besten-Film“-Rückblicks, gibt es von Andreas auf Eskalierende Träume die besten Trailer des Jahres 2012. Dabei gibt es auch ein Wiedersehen mit Jess Franco!

– Immer wieder schön, wenn sich jemand eines Werkes von Alfred Vohrer annimmt. Lukas Foerster bespricht in seinem Blog Dirty Laundry durchaus kritisch „Unter Geiern“.

– Osteuropäische Filme sind hierzulande immer noch sehr unbekannt und daher sollte jede neue Entdeckung sofort propagiert werden. Wie der jugoslawische Horrorfilm „Der Rattengott“ von 1976, der auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte besprochen wird.

– Auf It’s just a movie lässt hitmanski das Werk von John Waters Revue passieren.

– Zur Zeit fegt er durchs Netz und sorgt für Furore: Der hammerharte und ziemlich „What-the-Fuck“-mäßige Trailer des „Evil Dead“-Remakes. Zu sehen gibt es ihn u.a. auf Equilibrium. Dort gibt es auch eine Liste der „12 most anticipated movies of 2013“ zu sehen, die Stefan zusammengestellt hat. Ich freue mich nicht unbedingt auf alle Filme, aber als Übersicht dessen, was uns dieses Jahr erwartet, ist das schon sehr interessant.

– Vor knapp drei Monaten verstarb der revolutionäre japanische Regisseur Kôji Wakamatsu. Auf Schneeland werden von Michael Schleeh gleich zwei seiner Filme besprochen: The Woman Who Wanted To Die und Shinjuku Mad, beide von 1970. Außerdem: Der dritte (bei uns bei REM erschienene) Teil der Alleycat Rock-Serie: Stray Cat Rock: Sex Hunter. Pinky Violence at it’s best.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “Kommissar X – Drei blaue Panther”

kommissar-x-drei-blaue-panther

Jo Walker – alias Kommissar X – wird von einer Versicherungsgesellschaft beauftragt, die 3 Millionen Dollar schweren Juwelen wiederzubeschaffen, die einst durch den Gangsterboss Arthur Hillary geraubt wurden und seitdem verschwunden sind. Da trifft es sich gut, dass Hillary gerade von seinen beiden Gefolgsleuten Anthony und Smokey aus dem Gefängnis befreit wurde. Die Juwelen versteckte er kurz nach dem Überfall bei seinem Zwillingsbruder Robert, den er jetzt kaltblütig auf der Weltausstellung in Montreal umbringt, um dessen Identität anzunehmen…

vlcsnap-00379vlcsnap-00377

Beim fünften Streich der Serie übernahm wieder Gianfranco Parolini alias „Frank Kramer“ das Regie-Ruder. Und schon kommt das Schiff nach dem schwachen vierten Teil wieder auf Kurs. Vorbei sind die kindischen Albernheiten des Vorgängers. Auch das Drehbuch ist diesmal gradliniger und vor allem weniger „löchrig“ als bei den „Grünen Hunden“. Der Film profitiert stark von den Aufnahmen an Originalschauplätzen bei der Weltausstellung in Montreal. Obwohl die exotischen Landschaften diesmal also fehlen, erscheint die Produktion dadurch weitaus teurer.

vlcsnap-00406vlcsnap-00409

Und endlich kehrt das Duo Walker/Rowland in den Mittelpunkt der Handlung zurück, nachdem es in den „Grünen Hunden“ durch das chaotische Drehbuch und die Einführung unnötige Nebenfiguren beinahe an den Rand gedrängt wurde. Tony Kendall ist wieder der uneingeschränkte Held der Geschichte und auch Brad Harris als Rowland bekommt weitaus mehr zu tun, als noch in Folge 4. Hier ist seine Figur dem Kommissar X fast ebenbürtig, denn es wird ihm sogar eine tragische Liebesgeschichte gegönnt, was Harris auch schauspielerisch (na ja) weitaus mehr fordert als sonst. Man merkt ihm deutlich an, dass es ihm große Freude bereitet, einmal mehr als nur der Sidekick für seinen Freund-Feind Jo Walker zu sein. Wobei beide auch wieder prächtig miteinander harmonieren, auch wenn ihre Beziehung diesmal mehr liebevolle Feind- denn Freundschaft ist.

vlcsnap-00413vlcsnap-00422

Das größte Plus des Filmes ist die Besetzung der wunderschönen Erika Blanc als geheimnisvolle Schwägerin des von Franco Fantasia mit viel Schmackes gegebenen Gangsterbosses Arthur Hillary. Erika Blanc veredelte in den späten 60ern und frühen 70ern unzählige Italo-Western, Gialli und Horrorfilme mit ihrer umwerfenden Präsenz. Insbesondere ihre Darstellung des Sukkubus im belgisch-italienischen “La plus longue nuit du diable“ (auch bekannt als „The Devil’s Nightmare“) dürfte unvergessen bleiben. In den „Blauen Panthern“ setzt Gianfranco Parolini sie immer wieder ins rechte Licht, wodurch sie attraktiver denn je erstrahlt.

vlcsnap-00432vlcsnap-00412

Auf Seiten der Bösen ist es wieder ein Handlanger-Duo, welches für die nötige Gefahr sorgt. Siegfried Rauch bleibt dabei leider recht wenig zu tun. Man würde gerne mehr von ihm sehen, doch die meiste Zeit ist er dazu verdammt, gutaussehend in der Gegend herumzustehen. Erst am Ende greift er umso beherzter ins Geschehen ein und wird von Gianfranco Parolini dabei gerne expressionistisch in Szene gesetzt. Als Rauchs Partner „Smokey“ hat sich der Regisseur kurzerhand selber als Schauspieler engagiert. Im geschmacklosen Sakko und mit kleinem Hütchen auf dem Kopf zeigt er seinen guten Sinn für das Skurril-Humorige.

vlcsnap-00442vlcsnap-00444

Bei den Damen können weder Corny Collins, die viel zu harmlos und bieder daherkommt, noch die quirlige und mit viel Sex-Appeal ausgestattete Hannelore Auer Erika Blanc das Wasser reichen. Immerhin sorgt Hannelore Auer in ihren exotischen Kostümen und mit ihrer guten Laune für willkommene Schauwerte. Kaum zu glauben, dass diese junge Dame Ende der 70er einen bekannten deutschen Volksmusiker heiratete und mit ihm als „Heino und Hannelore“ ihre Karriere weiterführte. Die Welt ist manchmal schon sehr merkwürdig. Merkwürdig ist auch Tony Kendalls Klamottengeschmack. Karierte Shorts mit langen weißen Socken… das wäre James Bond nicht passiert.

vlcsnap-00408vlcsnap-00428

Storytechnisch geht auch dieser Kommissar-X-Teil weiter weg von der Eurospy-Stimmung des ersten Teils. „Drei blaue Panther“ erweist sich als bodenständiger Krimi, der an ähnliche Gangstergeschichten innerhalb der Edgar-Wallace-Serie erinnert. Armeen von knapp bekleideten Mädchen, bunt kostümierte Superschurken und geheime Festungen sucht man hier leider vergeblich. „Drei blaue Panther“ ist auch der „amerikanischste“ unter den bisher veröffentlichten „Kommissar X“-Folgen. Was nicht nur am kanadischen Schauplatz, sondern auch der relativ ernsthaften Umsetzung liegt. Was natürlich nicht bedeutet, dass die „Blauen Panther“ nicht mit leichter Hand inszeniert worden wären. Immer schwingt ein Augenzwinkern mit und die deutsche Synchronisation von Rainer Brandt tut ihr Übriges dazu, das Ganze nicht zu ernst werden zu lassen.

vlcsnap-00436vlcsnap-00437

In ihrem fünften Film findet das bestens aufgelegte Duo Walker/Rowland zu alter Stärke zurück. Die kindische Albernheit des Vorgängerfilmes wird über Bord geworfen und die Geschichte um die „Drei blauen Panther“ gradlinig und relativ bodenständig erzählt. Dabei kommt aber natürlich auch der Humor nicht zu kurz, und mit der göttlichen Erika Blanc besitzt der Film noch einen weiteren guten Grund, ihn zu mögen.

vlcsnap-00424vlcsnap-00425

Die Bildqualität der Anolis-DVD fällt gegenüber den anderen beiden „Kommissar X“-Veröffentlichungen etwas ab, was aber am Ausgangsmaterial liegen dürfte. Die Farben wirken nicht mehr so brillant und scharf, wie noch bei den „Grünen Hunden“, das Bild etwas verwaschener. Wahrscheinlich wurde beim Dreh ein anderes Filmmaterial genutzt, da auch das Format von 1,85:1 auf 1,66:1 geschrumpft ist. Als Beigabe ist diesmal wieder eine zweiteilige Super8-Fassung des Filmes mit dabei. Ansonsten finden sich wieder Filmprogramme, Werberatschläge, der Trailer und ein wieder einmal sehr informatives 12-seitiges Booklet von Jörg M.Jedner/Jo Steinbeck unter den Extras.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “Kommissar X – Drei grüne Hunde”

kommissar-x-drei-gruene-hunde

Jo Walker – alias Kommissar X – und Captain Tom Rowland verschlägt es diesmal nach Istanbul. Dort geraten die Beiden an das Drogenkartell „Die grünen Hunde“, welches versucht, die zwei Kilo LSD zu stehlen, welche Rowland im Auftrag seiner Regierung ins amerikanische Konsulat überführt hat. Bald schon bringen die Gangster Rowland, die Stadtführerin Leyla und den amerikanischen Konsul in ihre Gewalt…

vlcsnap-00347vlcsnap-00346

Der vierte Teil der Serie um Jo Walker alias Kommissar X“ ist leider ziemlich schwach. Was möglicherweise an dem Kuddelmuddel der internationalen Schnittfassungen liegt. In Deutschland wird Rudolf Zehetgruber bei den „Drei Grünen Hunden“ als Regisseur genannt, der sehr wahrscheinlich tatsächlich (das zweite Mal nach dem noch nicht veröffentlichten dritten Teil „Drei gelbe Katzen“) auf dem Regiestuhl Platz nahm. Unter dem Pseudonym Rolf Zehett spielt er auch eine ausgedehnte Nebenrolle. Und hier liegt eins der Probleme des Films. Zehetgrubers Rolle als Almann ist einfach zu dominant in Szene gesetzt. Almann sticht hier ganz locker den von Brad Harris gespielten Captain Rowland aus. Mit seiner pragmatischen Art, den lockeren Sprüchen und dem kleinen Zoo auf seinem Hausboot wirkt Almann wie der Prototyp des, ebenfalls von Zehetgruber (dort unter dem Pseudonym Robert Mark) gespielten, „Jimmy Bondi“ aus der von ihm geschriebenen und inszenierten „Dudu“-Serie um den „tollen Käfer“. In der „Kommissar X“-Reihe passt dieser Charakter aber einfach nicht und wirkt wie ein Fremdkörper aus einem ganz anderen Film. Zudem ist Almann auch für eine ziemlich – sogar für Kommissar X-Verhältnisse – alberne Szene verantwortlich, in welcher er, auf einem Esel reitend, lauthals eine türkische Volksweise schmettert.

vlcsnap-00363vlcsnap-00371

In internationalen Fassungen wird ab und zu „Frank Kramer“ – also Gianfranco Parolini – als Regisseur genannt. Auch die IMDb weist ihn als ungenannten Co-Regisseur aus. Ich kann es leider nur vermuten, aber ich denke, dass sich internationale Schnittfassungen von der hier vorliegenden deutschen unterscheiden könnten. Zumindest erscheint die deutsche Fassung lückenhaft, als ob hier und da Handlungsstränge drastisch gekürzt worden wären. Oder als wenn diverse Drehbuchseiten für diesen vierten Kommissar X-Film nicht filmisch umgesetzt worden wären. Die Handlung springt so dermaßen hin und her, dass man oftmals glaubt, kurz eingenickt zu sein und daher irgendwas nicht mitbekommen zu haben. Manchmal werden Handlungsstränge angerissen (Allan Hoods Bruder) ohne später weiter fortgeführt zu werden. Und am Ende gibt es eine Szene, in der urplötzlich aus dem Nichts eine Leiche auftaucht.

vlcsnap-00350vlcsnap-00359

Zehetgrubers Regie setzt deutlich mehr auf Klamauk und Parodie, als der – auch bereits sehr humorige – erster Teil der Reihe. Gleich in der Auftaktszene fühlt man sich in eine Spencer/Hill-Komödie versetzt. Leider geht dies ganz auf Kosten der Spannung und der Stimmung. Auch hat „Drei grüne Hunde“ nicht mehr viel mit Eurospy -Feeling zu tun, sondern kommt von der ganzen Umsetzung her einige Nummern kleiner als „Jagd auf Unbekannt“ daher.

vlcsnap-00362vlcsnap-00374

Auch die Schauspieler können sich nicht unbedingt ins Gedächtnis spielen. Tony Kendall bleibt sehr blass und wirkt wie ein Nebendarsteller. Dass er beim Finale in einem hochgradig albernen Fantasie-Araber-Kostüm herum rennen muss, macht die Sache nicht besser. Bei Brad Harris würde man sich ernsthaft fragen, ob er überhaupt mit dabei war, wenn er sich für die finale Schlacht nicht wieder einige schöne Stunts auf den muskulösen Leib geschneidert hätte. Dietmar Schönherrs Rolle scheint ursprünglich mal größer gewesen zu sein. So muss er mit falschem Bart den zwielichtigen Konsul geben und wurde von Christian Rode nachsynchronisiert. Seine Rolle in dem Komplott ist dabei leider sehr durchsichtig. Überraschend wenig in Erinnerung bleiben auch die Damen, was in einem Kommissar X-Film eigentlich ungewöhnlich ist. Christa Linder verschwindet viel zu lange aus der Handlung, Olga Schoberová ist zwar süß, besitzt aber keine Ausstrahlung und selbst Sabine Sun als böse Dame bleibt nicht haften.

vlcsnap-00376vlcsnap-00368

Dafür können zwei Nebendarsteller ihre Spuren hinterlassen. Über Herbert Fux muss man nicht viel sagen, er ist immer eine Bereicherung für jeden Film. Als dritter „grüner Hund“ Khemal kann Samson Burke Eindruck schinden. Der kanadische Schwimmer und Bodybuilder begann 1961 in „Herkules, der Held von Karthago“ seine Filmkarriere. Es folgten Rollen in einigen Sandalenfilm-Parodien, und auch in Harald Reinls „Nibelungen“-Filmen war er dabei. Nach einigen italienischen Kriegsfilmen war seine Filmkarriere 1970 schon wieder beendet. Hier spielt der leicht „äffisch“ aussehende Burke einen brutalen Schläger, der selbst Brad Harris das Leben sehr schwer macht. Zusammen mit Fux bildet er ein erinnerungswürdiges Gespann, das einen besseren Film verdient hätte.

vlcsnap-00352vlcsnap-00357

Immerhin bietet Istanbul als Schauplatz für diese etwas wirre Drogenschmuggelgeschichte einen sehr pittoresken Hintergrund und das sympathische Team Kendall/Harris ist mittlerweile so gut aufeinander eingespielt, dass auch in einem schwächeren Film die Funken zwischen ihnen sprühen. Weiterhin muss man auch die Arbeit der italienischen Stuntleute loben, die einem wieder einmal das Gefühl geben, im Zirkus zu sitzen. Und Brad Harris‘ Arbeit im Finale ist wieder mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Da verzeiht man auch das wirklich unspektakuläre Ende und den selten dämlichen Schlussgag.

vlcsnap-00361vlcsnap-00356

„Drei grüne Hunde“ ist ein sehr schwacher Beitrag zur Kommissar X-Serie, der unter zu viel Klamauk und einem lückenhaften, sprunghaften Drehbuch leidet. Immerhin können aber die türkische Kulisse und die beiden Schurken Herbert Fux und Samson Burke für Pluspunkte sorgen. Für Kommissar X-Fans gehört der Film sowieso dazu.

vlcsnap-00366vlcsnap-00375

Aufgrund diverser Schwierigkeiten konnte Anolis bisher nicht – wie geplant – die Teile 2 und 3 der Reihe veröffentlichen. Um den Fans die Wartezeit zu verkürzen, wurden jetzt erst einmal Teil 4 und 5 vorgezogen. „In den Klauen des goldenen Drachen“ und „Drei gelbe Katzen“ werden dann irgendwann Anfang 2013 erscheinen. Das Bild der Anolis-DVD ist für sein Alter recht gut. Die Extras sind etwas spärlich und erschöpfen sich in einem Trailer, dem Filmprogramm und Werberatschlägen. Dafür liegt ein informatives 12-seitiges Booklet mit Texten von Jörg M. Jedner / Jo Steinbeck bei.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Rezension: „Sons of Norway“

SON_Plakat_07_Layout 1Norwegen 1979. Nach dem Unfalltod seiner Mutter verliert der junge Nikolaj den Boden unter den Füßen. Während sein Vater dem Tod der Mutter mit Lethargie begegnet, findet Nikolaj in der Punk-Bewegung seinen Trost. Als Nikolaj aufgrund eines Flaschenwurfs auf den Schuldirektor Ärger bekommt, erwacht der Vater aus seiner tiefen Depression. Der überzeugte Hippie stellt sich bedingungslos hinter Nikolaj und zeigt plötzlich ebenfalls großes Interesse am Punk. Was für Nikolaj nicht unbedingt erfreulich ist, denn wogegen kann er sich auflehnen, wenn der eigene Vater für alles Verständnis hat und den Sohn an Wildheit noch locker übertrifft?

SonsOfNorway(c)AlamodeFilm1Um gleich vorweg mit einem Missverständnis aufzuräumen: „Sons of Norway“ ist keine Komödie und auch kein Feel-Good-Movie. Obwohl die Inhaltsangabe und das Filmplakat darauf schließen lassen könnten. „Sons of Norway“ ist einerseits eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, wie auch ein Film über Trauerarbeit. Natürlich gibt es in „Sons of Norway“ viele Szenen, die einen schmunzeln lassen. Aber es werden bewusst keine Schenkelklopfer produziert, sondern der Humor ergibt sich ganz natürlich aus der Handlung und oftmals liegt eine gewisse Melancholie darunter.

SonsOfNorway(c)AlamodeFilm5Drehbuchautor Nikolaj Frobenius hat mit „Sons of Norway“ seinen eigenen – scheinbar autobiographischen – Roman verarbeitet und in Regisseur Jens Lies, der bereits mit dem vielfach ausgezeichneten „Anderland“ für Furore sorgte, einen kongenialen Partner gefunden. Lien kleidet die Geschichte mit viel Fingerspitzengefühl und einer großartigen Besetzung (Sven „Elling“ Nordin, der junge Åsmund Høeg und – leider viel zu kurz – die schöne Sonja Richter) in bewegende Bilder. Vielleicht wird die Welt des Punks etwas zu eindimensional und stereotyp dargestellt. Die Punks wirken nicht echt, sondern eben wie Leute, die sich als Punks verkleidet haben und sich jetzt in die zu erwartenden Posen werfen. Andererseits kann man dies auch als Kritik an all denjenigen auffassen, die Ende der 70er Punk als Attitüde für sich entdeckten, aber innerlich nicht wirklich dahinterstanden. Als Beispiel sei hier der von Trond Nilssen verkörperte Anton genannt, der einerseits den Punk-Prototyp verkörpert und gerade darum für Nikolaj zum großen Vorbild wird. Der allerdings auch– das wird in einer späteren Szene deutlich – vorrangig an seiner Musikkarriere interessiert und von seinem Punk-Publikum nicht gerade begeistert ist. Und Nikolaj wirkt in seiner Punk-Kostümierung, mit Sicherheitsnadel durch die Wange, weiterhin wie der nette Junge von Nebenan, der sich zum Fasching als Punk verkleidet hat.

SonsOfNorway(c)AlamodeFilm2Neben dem Wunsch, sich von seinem ultraliberalen Hippie-Vater zu emanzipieren, bietet ihm der Nihilismus der Bewegung vor allem auch die Möglichkeit, seine Trauer über den unverständlichen, ja zutiefst ungerechten, Tod der Mutter zu überwinden. Und hier liegt die große Tragik der Geschichte. Magnus versteht nicht, was mit seinem Sohn los ist. Er kann nicht sehen, was dieser braucht oder besser gesagt, gerade nicht braucht. Er braucht einen Vater, mit dem er seine Trauer teilen kann, keinen Kumpel, der scheinbar die Mutter vergessen hat. Magnus droht seinen Sohn förmlich zu ersticken, indem er ihm keine Reibungsfläche bietet. Was Nikolaj auch anstellt, Magnus hat dafür Verständnis und treibt es sogar noch doller. Wie soll man rebellieren und seinen eigenen Weg finden, wenn – egal was man tut – der Vater immer wieder der noch größere Rebell und Anarchist ist? Es ist schier zum Verzweifeln und auch, wenn diese Situation immer zu komischen Szenen führt, so gefriert einem doch ab und an das Schmunzeln. Welchen größeren Albtraum gibt es für einen pubertierenden Sohn, als wenn sich sein Vater mit dem von ihm begehrten Mädchen amüsiert oder sich beim ersten Konzert seiner Punkband hinter die Drums setzt.

SonsOfNorway(c)AlamodeFilm6Dass in diesem Film Punk nur durch eine einzige Band, nämlich den „Sex Pistols“, repräsentiert wird, und es scheinbar in den 70ern gar keine andere Punk-Band gab, liegt wahrscheinlich am Mit-Produzenten, Ex-Pistols-Sänger Johnny Rotten. Und das erklärt auch seinen etwas skurrilen Auftritt am Ende des Filmes, wenn er dem jungen Nikolaj gute Ratschläge gibt. Das wirkt dann doch etwas weit hergeholt und wurde scheinbar nur eingebaut, um Herrn Rotten, der hier als Chefvordenker der Punk-Bewegung glorifiziert wird, einen Gefallen zu tun. Andererseits sind die vielen Pistols-Songs aber auch effektvoll in den Film eingebaut, da kann man diese Eindimensionalität auch mal verzeihen,

„Sons of Norway“ ist ein sehr gefühlvolles, sympathisches – aber auch trauriges Coming-of-Age-Drama. Die zahlreichen humorvollen Szenen sind dabei kein Selbstzweck, sondern fügen sich nahtlos in die Geschichte ein, wobei man jederzeit die Verzweiflung des jungen Protagonisten Nikolaj spüren kann. Lediglich das Punk-Umfeld wird zum Teil zu stereotyp gezeichnet, was aber auch in der Absicht des Regisseurs gelegen haben kann.

Ich hätte hier gerne die DVD von Alamode besprochen, leider lag mir nur eine Presse-DVD im falschen Bildformat, auf Norwegisch mit englischen Untertiteln und ohne Extras/Menue etc. vor.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar