Erinnerungen an alte Bremer Kinos – Teil 3: Das „Ufa“ und „U.T.“

Nach einer berufbedingter längeren Pause, hier der dritte Teil meiner Erinnerungen an die untergegangen Bremer Kinos aus den 80ern und 90ern.

Abschließen möchte ich mit den beiden „Schachtelkinos“ U.T. und Ufa.

Das Ufa war bis 2000 dort, wo heute die Jugend am Wochenende das Tanzbein und wahrscheinlich noch ganz andere Körperteile schwingt. In den Räumen der Disco „La Viva“. Dem Ufa war nur eine kurze Lebenszeit beschieden.

Die Idee war bestechend. Ein Kinocenter, welches moderner ausgestattet war als das alte U.T., die bequemeren Sitze und die größere Leinwand hatte. Beim letzteren Punkt konnte man allerdings nur lachen. Zwar war die Leinwand im Schnitt größer als die auf Fernsehergröße geschrumpften „Leinwände“ des U.T., im Vergleich zu anderen Kinos wie dem „U.T. 1“ oder gar dem „Europa“ aber immer noch recht klein. Selbst der kleinste Saal im heutigen Cinemaxx ist da noch besser bestückt. Zweiter dicker Nachteil: Die Sitzreihen. Zwar waren diese so gebaut, dass man locker ein Kopf über dem Vordermann saß, aber dadurch, dass die Leinwand kurz über dem Boden angebracht wurde, war dieser Vorteil aber wieder dahin, weil alle Besucher nach unten, und damit dem Vordermann wieder in den Nacken, schauen mussten.

Zumindest konnte man dem Ufa aber eine angenehme Atmosphäre attestieren und das Foyer war zu dieser Zeit mit Abstand das schönste der größeren Nicht-Programm-Kinos. Eine Frechheit war allerdings der kleine Kinosaal, der verschämt rechts vom Eingang versteckt war. Hier liefen vor allem Filme in der Originalfassung oder Blockbuster am Ende ihres Lebenszyklus. Dieser Kinosaal war winzig und vor allen Dingen war die kleine Leinwand auch noch neben einen großen Betonpfeiler gequetscht, der den Blick von den hinteren Plätzen merklich irritierte. Trotzdem, schade drum.

Das U.T. am Bahnhof (heute das Gewerkschaftshaus) war das Kino meiner Kindheit. Ich glaube, nirgendwo bin ich öfter gewesen. Kein Wunder, aufgrund der vielen Säle lief eigentlich immer irgendwo ein Film, der einen interessierte.

Das Filmprogramm war querbeet. Die großen, neuen Filme liefen im U.T. 1, den größten und schönsten Saal. Wiederaufführungen in einem der vielen winzigen Schuhkartons, wo die Leinwand winzig war, es aufgrund der Menschenmenge auf kleinstem Raum immer irgendwie roch und (wie oben schon beim kleinsten Saal des Ufa angemerkt) auch gerne mal ein Pfeiler das Sichtfeld irritierte. Aber was habe ich hier nicht alles gesehen. Wiederaufführungen von „Star Wars“ (noch laaaaange vor der remasterten und aufgemotzten Version, die Ende der 90er noch mal auf die Leinwand kam), Bond-Filme mit Sean Connery, Louis De Funes-Klamotten und, und, und. Heute ist diese Programmvielfalt fast nicht mehr vorstellbar.

Besonders augenfällig waren die labyrinthartig angelegte Flure, die zu den einzelnen Schachtelkinos führten. Einige Kinos, die unter dem Dach oder um irgendwelchen Ecken waren, habe ich erst nach Jahren entdeckt. Dass das U.T. in den letzten Jahren nicht mehr renoviert wurde, trug noch mehr zur besonderen, geheimnisvollen Atmosphäre bei, wenn man auf der Suche nach dem richtigen Kinosaal über die schlecht ausgeleuchteten Gänge wanderte.

Immerhin gab es im U.T. noch richtige Platzanweiser. Und die die waren nicht ohne. Normalerweise kauften wir Schüler uns billig Karten für die ersten drei Reihen und setzten uns dann einfach in den teureren, hinteren Bereich. Da die Vorstellungen am späten Nachmittag nie ausverkauft waren, kein Problem. Sollte man meinen! Die Platzanweiser kontrollierten genau, ob die Anzahl der verkauften teureren Tickets auch mit der Anzahl der Besucher dort korrespondierte. So konnte es leicht passieren, dass kurz nach Beginn des Filmes eine ältere Platzanweiserin durch die Reihen schlich, die Tickets kontrollierte und die ganze Bande dann in die blöden, ersten Reihen scheuchte.

Der Eifer des Platzanweiser-Personals führte 1985 auch zu einem schönen Beispiel angewandten Jugendschutzes. Für einige Wochen war der Film „Rambo 2“ damals ab 16 Jahren freigegeben. Kaum angelaufen war er schon das Lieblingsziel von lautstarken Protesten aller möglichen Verbände. Aufgrund dieses damals immensen öffentlichen Drucks, wurde er dann nach 2-3 Wochen auf FSK 18 hochgestuft. In diesen ersten Wochen liefen aber natürlich alle halbstarken 16-Jährigen in Scharen ins Kino, um den „bösen“ Film zu sehen. Merke: Je mehr ein Film verteufelt wird, um so höher die Neugier bei der Gruppe, die vor ihm „geschützt“ werden soll. Wie dem auch sei, das U.T. hatte eine sehr gewinnmaximierende Lösung gefunden, mit diesem Problem umzugehen. Der Dame an der Kasse war es egal an wen sie die Karten verkaufte. Als man dann aber ins Kino wollte, wurden die körperlich Kleinsten von einem Aufpasser einer eingehenden Kontrolle unterzogen und, wenn sie keinen Ausweis dabei hatten oder unter 16 waren, des Kinos verwiesen. Die etwas höher gewachsenen durften bleiben. Was zu traurigen Bildern führte, wenn die Rausgeworfenen zwei Stunden bei den Fahrradständern kauern mussten, weil sie ihr Rad mit jemanden, der sich gerade köngliich im Kino amüsierte, zusammengeschlossen hatten.

In den letzten Jahren hatte das U.T. noch einen sehr schönen, neu renovierten Saal dazubekommen. Im Foyer, links hinter Haupteingang, befand sich das „Tivoli“. Das „Tivoli“ hatte ein schöne Atmosphäre, eine ausreichend große Leinwand und war sehr bequem. Allerdings hatte ich hier auch einmal ein ungewöhnliches Erlebnis.

Der Vorführer hatte bei „The Sixth Sense“ entweder den Film falsch eingelegt hatte oder den Cache nicht richtig gesetzt. So konnte man weitaus mehr Bildinformation sehen als gewünscht. Und zwar den oberen Rand des Bildes, so dass Kulissen plötzlich im Nichts aufhörten und den Blick auf Studioscheinwerfer freigaben. In anderen Szenen hing minutenlang das Mikro im Bild und einmal – unter dem Gejohle des Publikums – die gesamte Tonangel. Unglaublich! Als wir uns beschwerten, hieß es nur lapidar: „Das ist halt so“. Natürlich war das nicht so und in allen anderen Kinos lief der Film mit vernünftigen Bildausschnitt. So etwas habe ich vorher und nachher auch nie wieder erlebt. So kann man mit Fug und Recht behaupten, dass das „Tivoli“ einem ein einmaliges Kinoerlebnis verschafft hat.

2001 gingen dann auch im U.T. die magischen Lichter aus.

Teil 1: „Regina“, „Söge“, „Stern“

Teil 2: „Das „Europa“

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2 Antworten zu Erinnerungen an alte Bremer Kinos – Teil 3: Das „Ufa“ und „U.T.“

  1. Thomas sagt:

    Im sogn. open-matte-Verfahren werden die nicht benötigten Bildinhalte beim Kopierprozess nicht abgedeckt. Es ist nun Aufgabe des Vorführers, den richtigen Bildausschnitt zu finden.
    Bei der Vorführung des Films „Juno“ ist es mir mal passiert, dass zuerst die Mikroangel im Bild war. Ich habe natürlich schnell nachgeregelt – wohl aber etwas zu weit. Denn jetzt waren die Dolly-Schienen im Bild.

    Für viel Gelächter sorgte der gleiche Fehler bei der open-air Vorstellung der Blues-Brothers. In der Szene mit den fliegenden Polizeiwagen waren plötzlich die Hubschrauber zu sehen, an denen die Autos hingen…

  2. Arkadin sagt:

    Danke, Thomas, für die Erklärung und interessanten Infos!

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