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Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3

Von , 4. Oktober 2018 21:00

Seit dem letzten Jahr nehme ich ja auch immer noch den Sonntag beim Internationalen Filmfest in Oldenburg mit. Und wie im Vorjahr erwies sich dieser letzte Tag mal wieder als ausgesprochen entspannt. Die Gäste sind schon fast alle abgereist, das Publikum bereitet sich scheinbar auf den nächsten Arbeitstag vor und das Personal ist so wenige Stunden vor dem Ende des Festivals in einer erschöpften, aber glücklichen Stimmung. So wie bei einer tollen Party, wenn die Letzten morgens noch in der Küche rumhängen und sabbeln. Überall herrscht eine wunderbar lockere Atmosphäre. Und wie 2017 hielt dieser letzte Tag für mich sogar noch mein persönliches Highlight des Festivals bereit.

Blue My Mind – Den Film hatte ich erst gar nicht auf dem Schirm, bis ich gesehen habe, dass er auch auf dem Randfilm in Kassel läuft. Was ja durchaus eine gute Empfehlung ist. „Blue My Mind“ ist ein ganz klassischer Coming-Of-Age-Film, der langsam ins Übernatürliche driftet, um die körperliche und geistige Veränderung der pubertierenden Protagonistin, noch einmal deutlich zu unterstreichen. Ihr Gefühl des „Anderseins“ und nicht dorthin zu gehören, wo sie ist. Das ist jetzt auch nichts wirklich Neues und kennt man bereits gut aus diversen z.B. Werwolf-Filmen. Hier wird die junge Protagonistin aber nicht zum Wolf, sondern entwickelt einen seltsamen Heißhunger auf die Fische in Papis Aquarium, ihre Zehe wachsen zusammen und auf den Beinen erscheinen eklige Flecken. Wie gesagt, das kennt man irgendwie alles schon, trotzdem entfaltete der Film bei mir einen ganz gehörigen Sog.

Meine Mitzuschauer mochten den Film zwar auch, empfanden einige Stellen aber zu lang und repetitiv. Das Gefühl stellt sich bei mir gar nicht ein, denn ich war emotional immer ganz nahe dran an der Hauptfigur. Diese wird von der fantastischen Luna Wedler gegeben, die ihre Mia weniger spielte als vielmehr im besten Sinne des Wortes verkörpert. Völlig zu recht hat sie für ihre Performance den Schweizer Filmpreis als beste Schauspielerin gewonnen (daneben gewann „Blue My Mind“ noch in den Kategorien bester Film und bestes Drehbuch).

Ein Preis hätte aber auch Zoë Pastelle Holthuizen als Gianna mehr als verdient. Erst ist sie die Feindin, dann später die beste Freundin von Mia. Sie spielt dabei die leicht asoziale, dominante Bitch, die ihre Freundinnen aus der Outsider-Girls-Clique fest im Griff hat, ebenso perfekt, wie sie das leichte Aufbrechen des Zicken-Panzers zeigt, hinter der Vernetzbarkeit und die Sehnsucht nach Liebe durchschimmern. Der Weg von Aso-Zicke bis zur sich aufopfernden Freundin ist nicht als plötzlicher Bruch, sondern langsame, glaubhafte Entwicklung angelegt. Dass Gianni unterschwellig auch ein homoerotisches Interesse an Mia hegt, wird nicht dick aufgetragen, sondern schwingt ganz natürlich im Hintergrund mit, ohne sich allzu sehr in der Vordergrund zu drängen.

Die ganze Atmosphäre und der Wechsel von realistisch rauen Bildern und sinnlichen Komposition, von der drogengeschwängerten Partywelt der Mädchen-Clique und ihren coolen Mackern hin zu dem phantastischen Inhalt, erinnern stark an „Der Nachtmahr„, was ja eine gute Referenz ist. Mir hat der Film ausgesprochen gut gefallen, ich war immer bei Mia und von ihrem Schicksal tief bewegt. Und die wunderschönen, märchenhaften Schlussbilder waren dann noch das letzte Tüpfelchen auf dem „i“.

Vultures – Island ist ein kalter Ort. Und in Filmen wie „Vultures“ sinkt die Temperatur gleich noch einmal um ein paar Grad. Eine klassische Gangstergeschichte die, wie ich nach dem Film von einem Bekannten lernte, auch schon mal im „Tatort“ abgehandelt wurde. Eine junge, polnische Frau wird als „Maultier“ genutzt und muss Dutzende mit Rauschgift gefüllt Kondome schlucken, um diese von Schweden nach Reykjavik zu schmuggeln. Dummerweise wird ihr auf dem Flug schlecht, und von da an geht alles den Bach runter.

Initiiert wird der Deal von zwei Brüdern. Einer ein respektabler, aber eiskalter Anwalt mit Geldproblemen. Der andere gerade aus dem Knast entlassen und kriminell, aber durchaus mit Herz. Letzterer soll die junge Frau als unsichtbarer Schatten begleiten. Natürlich macht er Fehler, natürlich geht nichts nach Plan. Am Ende muss er sich mit ihr in einem Hotel verstecken, wo sie die Ware auskotzen soll. Aber es kommt nichts raus. Ihr geht es immer schlechter, die Kotz-Prozedur wird immer schmerzhafter, immer quälender. Derweil zieht sich das Netz um Beide zusammen. Weil sie einfach zu viel Fehler gemacht haben, aber auch weil der Zufall es so will. Zum Schluss gibt es nur noch Opfer und ein wahnsinnig zynisches Ende.

„Vultures“ ist hart und ist seinen Figuren gegenüber absolut mitleidlos. Wer einen Fehler macht, wird dafür doppelt und dreifach bestraft. Reykjavik erscheint wie der schrecklichste und trostloseste Platz auf Erden. Hier gibt es keine Hoffnung auf Besserung. Jedes kleine Licht im Dunkeln, wie die Liebe der von Anna Próchniak mehr oder weniger stumm gespielten jungen Polin Sofia zu ihrem Kind, oder das langsam immer stärker werden Verantwortungsgefühl Atils (Baltasar Breki Samper), wird auf brutale Art und Weise ausgeblasen. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass es zumindest eine der Figuren hier irgendwie heraus schafft – aber wie soll das gehen? Wenn selbst die Polizei keine Mittel hat, um Gerechtigkeit walten zu lassen.

Fazit: Der diesjährige Jahrgang des Internationalen Filmfests Oldenburg war sehr stark. Richtige Ausfälle gab es keine und der einzige Film, durch den ich mich kämpfen musste hat auf andere – deren Meinung ich schätze – durchaus Eindruck gemacht. Auffällig war für mich zunächst, dass immerhin ein Drittel der von mir gesehenen, starken Filme von Frauen stammte. Kurz nachgerechnet sind das aber immer noch nur drei. Was aber wohl über dem Durchschnitt im Filmgeschäft liegt. Noch ein Grund mehr, den Machern in Oldenburg für ihren ausgezeichneten Geschmack zu danken. Ich freue mich auf jeden Fall schon wieder auf das nächste Jahr.

DVD-Rezension: “Ich – Ein Groupie“

Von , 15. August 2014 20:47

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Die junge Engländerin Vicky (Ingrid Steeger) lernt den Musiker Stewart (Stewart West) kennen. Dieser verspricht ihr, sie auf die Tournee seiner Band mitzunehmen, doch am nächsten Morgen sind er und seine Kollegen bereits verschwunden. Ingrid tut sich mit dem Groupie Vivian (Vivian Weiss) zusammen und folgt der Band zunächst nach Amsterdam, wo die Beiden von ihrem letzten Geld Drogen kaufen, die sie in die Schweiz schmuggeln wollen, um sie dort mit hohem Gewinn zu verkaufen. Dies ist für Vicky der Beginn eine abenteuerlichen Reise, die sie immer mehr in einen Sumpf aus Sex, Musik und harten Drogen führt…

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Ursprünglich sollte „Ich – ein Groupie“ der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Erwin C. Dietrichs Urania (später dann Elite) und Roger Cormans AIP werden. Am Ende aber war viel Porzellan zerschlagen worden und die geplante Kooperation kam nie zustande. Der Deal sah laut Dietrich so aus: Corman sollte das Drehbuch und den Regisseur stellen, Dietrich das Geld und den Rest der Crew. Corman schickte daraufhin Jack Hill über den großen Teich. Hill ist der Regisseur des Kultklassikers „Spider Baby“ und hat während der Frühphase der Blaxploitationwelle Pam Grier in Filmen wie „Coffy“ und „Foxy Brown“ zum Star gemacht. Später drehte er den unglaublichen „Die Bronx-Katzen“ in dem am Ende sogar ein Panzer durch die Bronx rollte. Mit dem „Groupie“-Projekt kam er aber nicht klar. Nach vier oder fünf Drehtagen wurde er von Dietrich gefeuert und wieder nach Amerika zurückgeschickt. Damit war der Corman-Deal geplatzt. Hill gab an, selbst gekündigt zu haben, da ihm nicht klar war, dass er einen Softporno drehen sollte (was der Film im Übrigen nicht ist), Dietrich und sein Kameramann Peter Baumgartner erzählen, Hill hätte fünf Tage lang die selbe Szene gedreht und sichtlich ein Problem mit Drogen gehabt. Wie dem auch sei, Dietrich übernahm, ein neues Drehbuch wurde über Nacht aus dem Nichts gestampft und die Arbeiten an „Ich – Ein Groupie“ konnten neu beginnen. Interessanterweise erzählt Baumgartner im auf der neuen DVD erhaltenen Interview, dass wiederum er beim größten Teil des Filmes als Regisseur tätig war.

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Trotz des chaotischen Beginns, wurde „Ich – Ein Groupie“ einer der besten Filme der Dietrich-Schmiede und der frühe Höhepunkt seiner Regie-Tätigkeit. „Ich – Ein Groupie“ fängt perfekt den Zeitkolorit 1970 ein. Der Sommer der Liebe war vorbei, von nun an wurde es finster. Zwar hingen die Leute noch den Idealen der freien Liebe und Freiheit nach, in Wirklichkeit hatte aber spätestens die Tragödie von Altamont, als beim „Westküsten-Woodstock“ die als Aufpasser engagierten Hell’s Angels die Zuschauer verprügelten und ein junger Farbiger erstochen wurde, ein rauer, gewalttätiger Wind Einzug in die schöne Hippie-Welt gehalten. Harte Drogen zerstörten Träume, statt sie zu befeuern. 1970 unterschied sich dramatisch von der naiven Welt der 60er und „Ich – Ein Groupie“ legt Zeugnis davon ab. Die Hauptfigur Vicky unternimmt stellvertretend eine Reise vom utopischen summer of love bis in die neue, harte Wirklichkeit der 70er.

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Wenn wir Vicky das erste Mal sehen, ist sie ein junges, frisch aussehendes Mädchen. Vielleicht etwas naiv, aber voller Freude am Leben. Sie besucht ein free concert in einem Park – welches vielleicht stellvertretend für Woodstock stehen kann. Vicky glaubt an die große Liebe und als ihr der Sänger der Band das Blaue vom Himmel verspricht, ist sie nur allzu bereit den Versprechungen der Hippies zu glauben. Dass der Song, den er inbrünstig vorträgt „I’m a liar“ heißt, nimmt sie dabei nicht besonders ernst. Ohne großes Gewissen wird Vicky das erste Mal ausgenutzt, und es soll nicht das letzte Mal sein, dass ihre naive Gutgläubigkeit sie in Schwierigkeiten bringt. Bald schon ist sie in einen Drogenschmuggel involviert, der aber aus ihrer Warte als harmloses Späßchen durchgehen kann. Denn jeder nimmt leichte Drogen und hat eine gute Zeit.

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Doch dann treten die Hell’s Angels auf (Schatten von Altamont?) und der Spaß ist vorbei. Die Hell’s Angels haben nichts mehr mit den Easy Rider zu tun, die Peter Fonda und Dennis Hopper verkörperten und die in einer wunderbaren Szenen direkt ins Bild gerückt werden. Dort begutachten zwei der Rocker die Aushangfotos des Filmes vor einem Kino. Mit den Angels bricht die Gewalt in Vickys Leben ein. Zwar scheint sie glimpflich davonzukommen und sich sogar mit den Rockern zu befreunden. Doch nach der Begegnung wirkt sie abgeklärter und selbstbewusster. Als Vicky schließlich in einer kryptischen Szenen, die sie mitten in eine schwarze Messe versetzt, damit konfrontiert wird, dass ihre gutmütigen Träume von der großen Liebe verraten wurden und sie nur benutzt wurde, bricht ihre Welt zusammen und sie sucht Zuflucht im Heroin, welches ihr einen Ausweg aus der kalten Realität bietet, sie aber auch zerstört. Die Szenen, in denen Vicky im Drogenrausch nackt durch Berlin rennt und sich dabei gleichzeitig in die heile Heidi-Welt der Schweizer Berge imaginiert, ist eine kraftvolle Metapher dafür, wie die optimistischen Träume der 68er Hippies und brutale Wirklichkeit der frühen 70er Jahre auseinanderklaffen und so wird Vicky – und mit ihr der summer of love – am Ende von dem Konsumsymbol schlechthin, dem Auto, plattgemacht.

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Neben der jungen Ingrid Steeger in ihrer ersten Hauptrolle, die sie überraschend gut und natürlich meistert, spielt die Musik eine wichtige Rolle. Dietrich hat einige Bands engagiert, die nicht nur in dieser Zeit gerade auf dem aufsteigendem Ast waren, wie die legendären Kraut-Rocker „Birth Control“ (hier leider schon ohne Hugo-Egon Balder am Schlagzeug) oder „Murphys Blend“. Ihre Musik passt hervorragend in den Film und lädt ihn mit zusätzlicher Energie auf. Dies wird auch von den Konzertszenen getragen, die einen Schlüssellochblick in die damalige Zeit erlauben und vollkommen authentisch daherkommen. Das Publikum scheint echt zu sein, denn es werden sich munter Joints gebaut und manche Fans wartet mit Gestiken auf, die Joe Cocker wie eine Litfaßsäule erscheinen lassen. Und solche Gesichtsakrobatik wie hier wirkt einfach von einem anderen Stern. Das kann einfach nicht geschauspielert sein. Dass die Musiker sich hier auch in den Spielfilmszenen selber darstellen, trägt zur Glaubwürdigkeit bei. Auch die andern Darsteller sind gut gecastet, allen voran Rolf Eden, der hier seinen Nachtclub zur Verfügung stellt, mit Pony Poindexter eine wahre Jazz-Legende in den Film schmuggeln konnte. Auch hier wird der Zeitkolorit perfekt eingefangen, wie „Ich – ein Groupie“ überhaupt wie eine Zeitkapsel wirkt.

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Natürlich darf man trotz all seiner Meriten bei „Ich – ein Groupie“ kein Schweizer „Citzen Kane“-Äquivalent erwarten. Selbstverständlich ist „Ich – ein Groupie“ in erster Linie als Sexfilm mit hohem Publikums- Appeal gedacht. Einige seiner Schwächen sind sicherlich den Schnitten der deutschen Fassung geschuldet, die manchmal zu ungestüm von A nach B springt und den Zuschauer dabei immer wieder zu verlieren droht. Die als Bonus enthaltene italienische Langfassung schafft die Übergänge eleganter, wenn auch langatmiger. Die deutsche Fassung ist eher kurzatmig, lässt einfach mal jede unnötige Handlung und Erklärung weg und wirkt ständig so, als sei man kurz eingenickt und hätte etwas nicht mitbekommen. Auch werden die Sexszenen zum Teil unnötig ausgewalzt. Aber vor dem Hintergrund, dass gerade diese ja der Aufhänger für den Film waren und das Publikum in Scharen anlocken sollten, verzeiht man dies. Zumal der Anblick der höchst appetitlichen Ingrid Steeger versöhnt. Umso drastischer dann das Ende, bei dem eine lesbische Liebesszene – sicherlich zum Erschrecken der männlichen Regenmantelfraktion – durch eine Kotzattacke unterbrochen wird.

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„Ich – ein Groupie“ ist großes, deutschsprachiges Kino. Weit abseits des Neuen Deutschen Films in schmuddeligen Bahnhofskinos, aber nicht weniger wichtig. Eine saftige Zeitkapsel, die den Zuschauer augenblicklich ins Jahr 1970 transportiert und gleichzeitig als bitterer Abgesang auf die Ideale der Hippie-Bewegung und dem Idealismus des summer of love funktioniert.

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Die neue Ascot Elite DVD präsentiert den Film in einer neuen HD-Abtastung und 74:54 Minuten Länge. Das Bild ist fehlerfrei und strahlt in kräftigen Farben. Allerdings wirkt es zeitweise auch etwas flach und „stumpf“. Der Ton ist auch sehr gut und liegt in Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch vor. Auch bei den Extras wurde nicht gespart. Wie mit dabei ist die bereits aus „Die Stewardessen“ bekannte Doku: „Andreas Mankopff: Von Groupies und Stewardessen“ (24:59 Minuten) in der Andreas Mankopff über seine Zeit bei Erwin C. Dietrich erzählt. Über „Ich – Ein Groupie“ – bei dem er gleich mehrere Synchronrollen übernahm – verliert er nicht viele Worte, trotzdem sind seine Erinnerung sowohl amüsant, als auch lustig. Neu hinzubekommen sind Features „Memories of a Groupie“ (13:23 Minuten) in der Erwin C.Dietrich und Peter Baumgartner sich an die Dreharbeiten erinnern und „Rolf Eden: Ich, ein Playboy“ (13:44 Minuten) in dem Rolf Eden über den Film und die Zeit damals plaudert. Schade, das sein Versuch, am Ende noch Ingrid Steeger ans Telefon zu bekommen, dann doch nicht geklappt hat. Die Scheibe wird abgerundet durch den italienischen Fotoroman zum film (untermalt von „I’m a Liar“ in Endlosschleife), den Trailer, einer Fotogalerie, einem Trailer zu einer Doku über den Gründer der Hell’s Angels Schweiz und dem mittlerweile üblichen CD-ROM Teil.
Auf einer zweiten DVD befindet sich dann die italienische Langfassung (93:54) des Filmes, die der DVD-Version der deutschen Fassung zwar 20 weitere Minuten, aber inhaltlich bis auf eine längere Szene nicht viel mehr hinzufügt. Eine vollständige und sehr detaillierte Aufstellung der Unterschiede findet man auf Schnittberichte.com. Ich hatte im vorletzten Jahr die große Ehre, den Film als 35mm Kopie in unserer Reihe Weird Xperience präsentieren zu dürfen. Diese Fassung ist ebenfalls länger als die deutsche DVD-Fassung. In wie weit sie sich genau von der italienischen unterscheidet, kann ich nicht im Detail sagen. Auf jeden Fall enthielt sie den längeren Anfang, in dem man Vicky durch London gehen sieht und auch die in der deutschen DVD-Fassung fehlte Szene mit dem Mann, der Vicky vor der Berlin-Episode per Anhalter mitnimmt und der dann angelt, sowie die Szene mit der Straßensängerin war definitiv dabei. Diese zweite DVD startet sofort, ohne dass man erst ins Menü kommt, und beginnt mit einem 19-sekündigen Grußwort von Rolf Eden. Das Bild ist schlechter als beim „Hauptfilm“, ist scheinbar direkt von einer älteren Kinorolle übernommen worden und leicht grünstichig. Der Ton liegt nur auf Italienisch vor und ist eher unterdurchschnittlich. Der Film besitzt aber (fest eingebrannte) deutsche und französisch Untertitel. Eine Kapiteleinteilung gibt es nicht. Lustigerweise wird Erwin C. Dietrich im Vorspann „Irving C. Dietrich“ genannt und auch einige andere Leute haben dort anglisierte Namen.

DVD-Rezension: „Gefangene Frauen“

Von , 3. August 2014 20:37

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Als eine UNO-Kommission ihren Besuch ankündigt, bekommt der Militär-Präsident eines Landes „irgendwo in Südamerika“ (Will Stoer) Fracksausen. Denn in seinem Land müssen viele verschleppte Europäerinnen in den örtlichen Bordellen anschaffen. Aber seine Mätresse (Karine Gambier) hat aber die rettende Idee. All diese Frauen sollen gefangengenommen und auf die Insel Tago Mago – genannt „die Ratteninsel“ – gebracht werden. Dort bleiben sie dann für die Dauer des UNO-Besuchs eingesperrt. Und weil es ihr Spaß macht, übernimmt sie Aufgabe der Gefängnisleitung gleich selber…

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Nachdem Produzent Erwin C. Dietrich mit den von Jess Franco zwischen 1975 und 1977 inszenierten „Frauengefängnis“-Filmen gutes Geld verdient hat, legte er selber unter seinem Regie-Pseudonym Michael Thomas im Jahre 1979 noch einmal nach. Der Titel „Gefangene Frauen“ mag nun nicht besonders originell sein, verrät aber alles darüber, was man in seinem Film zu erwarten hat. Im Gegensatz zu Jess Francos oftmals nihilistischen und brutalen Vertretern, nimmt sich das Frauengefängnis in „Gefangene Frauen“ allerdings relativ zahm aus. Zwar gibt es auch hier die üblichen Folterungen mit Wasserspritze und Peitsche, aber doch sehr zurückgenommen. Und wenn Eric Falk einmal als fieser Wärter eine Gefangene mit dem Rohrstock vertrimmt, so sieht dieser eher wie ein viel zu groß geratener Strohhalm aus und das Ganze erinnern doch eher an Schmierentheater – wozu insbesondere Eric Falks unglaubliche Grimassen beitragen. Da hat Jess Franco mit einem Drahtgestell, einem Plastikeimer und einer wie am Spieß kreischenden Lina Romay doch mit ebenso wenigen Mitteln eine ganz andere Wirkung erzielt.

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Überhaupt wirkt das Gefängnis nicht so, als ob hier wirklich jemand um sein Leben bangen müsste. Einmal stellt eine der Insassinnen sogar einen Fluchtversuch in Frage, da man es doch eigentlich ganz gut hätte und jeden Abend Herrenbesuch bekommen würde. Gerade jener „Herrenbesuch“ stößt allerdings ziemlich sauer auf. Auch wenn es „nur“ ein Film ist. Wenn nachts die Wachen in die Gefängniszelle eindringen, um mit den dort einsitzenden Damen Sex zu haben, so ist diese ganz klar der Plan einer Vergewaltigung. Dann die Damen darüber juchzen zu lassen, dass sie endlich mal wieder ein paar Männer haben und „Sex wie Brot und Wasser“ brauchen, halte ich für bedenklich und auch im Rahmen der Dietrichschen Fantasiewelt mit seinen dauergeilen Frauen, weder für lustig, noch unterhaltsam. Hier werden übelste Macho-Phantasien bedient und ein dermaßen schiefes Frauenbild vermittelt, dass man sich dies gut hätte sparen können. Und wenn die schlimmste Bestrafung darin besteht, dass sich nun alle nackt ausziehen müssen, dann ist wahrscheinlich die Teilnahme an einer TV-Show ala „Big Brother“ heutzutage härter als der Aufenthalt auf der „Ratteninsel“ Tago Mago.

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„Gefangene Frauen“ fällt überraschend explizit aus. Bei jeder passenden Gelegenheit fährt die Kamera einer der vier Hauptdarstellerinnen zwischen die Beine und filmt in klinischen Details alles, was es dort zu sehen gibt. Da ist es dann wahrscheinlich ein großer Vorteil, dass alle vier aus dem Pornogeschäft stammen und mit solchem Einsatz keine Probleme haben. Während Nadine Pascal und France Lomay (alias Francette Maillol) keine so große Namen aus diesem Business sind, hat Dietrich mit Karine Gambier und vor allem der wundervollen Brigitte Lahaie gleich zwei Superstars des Genres vor die Kamera geholt. Die weißblonde Gambier spielte schon unter Jess Franco in einigen Dietrich-Produktionen mit. Z.B. als naives Opfer in „Die teuflischen Schwestern“ (Kritik hier) oder eher knallhart in dem unglaublich finsteren „Frauen für Zellenblock 9“. Normalerweise spielte sie immer auf der Seite der Guten, hier nun darf sie einmal richtig böse sein. Wobei sie natürlich in keinster Weise die teuflische Intensität einer Dyanne Thorne in „Greta – Haus ohne Männer“ erreicht. Karine Gambier macht eher den Eindruck eines netten Mädchens, dass sich mal hübsch verkleiden und richtig fies tun darf. Man sieht ihr auch an, dass es ihr Spaß macht.

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Brigitte Lahaie ist unbestritten DER Superstar des französischen Pornos der 70er Jahre. Die mit einem atemberaubenden Körper und einem interessant, exotischen Gesicht gesegnete Französin hat immer wieder den Weg ins seriöse Fach gesucht und kleine Rollen in Filmen wie „I wie Ikarus“ von Henri Verneuil, „Rette Deine Haut, Killer“ von Alain Delon oder „Henry & June“ von
Philip Kaufman inne gehabt. Am Berühmtesten dürfte ihre grandiose Zusammenarbeit mit dem französischen Horror-Poeten Jean Rollin sein. Wenn irgendein Zweifel an ihrem schauspielerischem Talent bestehen sollte, sollte man sich den großartigen „Night of the Hunted“ ansehen. Bei Dietrich war sie in dessen späten Filmen immer wieder in der Hauptrolle zu sehen. Immer mit ihren „Gefangene Frauen“-Co-Stars Nadine Pascal und France Lomay, sowie manchmal auch Karine Gambier. Alle vier haben auch in zahlreichen Pornos zusammen gearbeitet und können fast schon als eingespieltes Team gelten. Nach ihrer aktiven Zeit im Pornogeschäft schrieb sie mehrere erotische Bücher, u.a. eine Autobiographie, und wurde eine erfolgreiche Radiomoderatorin, die täglich auf RMC zwei Stunden lang die Sendung „Lahaie, l’Amour et Vous“ moderiert. In „Gefangene Frauen“ hat sie nicht wirklich viel zu tun, außer ihren göttlichen Körper zu präsentieren.

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Die Geschichte von „Gefangene Frauen“ ist völlig hanebüchen. Da sollen alle Prostituierte – angeblich zahlreiche entführte und in die Prostitution gezwungene Europäerinnen – schnell auf eine abgelegene Insel (im Film das fiktive „Tago Mago“, in der Realität Ibiza) geschafft werden, damit eine UNO-Kommission nicht raus bekommt, was in dem fiktiven südamerikanischen Land vor sich geht. Tatsächlich sind es dann am Ende gerade einmal 16 Damen des horizontalen Gewebes, die sich auf  Tago Mago versammeln. Und diese scheinen auch alle im selben Etablissement gearbeitet zu haben. Und von wegen gezwungen? Die Damen Lahaie, Pascal und Lomay machen zu keinem Augenblick den Eindruck, sie wären in ihrem Job nicht mit großen Enthusiasmus und Spaß bei der Sache. In den Szenen, in denen sie bei der Arbeit vorgestellt werden, wirken sie fast so, als würden sie dafür bezahlen, Sex zu haben und nicht die Freier. Die Geschichte selber ist dann sprunghaft, an einigen Stellen haarsträubend unlogisch und offensichtlich nur Vorwand, nackte Frauenkörper zu zeigen. Was man aber hervorheben muss, ist die schier unglaubliche Chuzpe, mit der Dietrich zu Werke geht. Das ist zeitweise so dreist, dass man ihm nur Respekt zollen kann, sein Ding so durchzuziehen. Das fängt mit der ersten Szene an, die nicht nur überhaupt nichts mit dem „Hauptfilm“ zu tun hat, sondern auch kurzerhand aus seinem eigenen „Die Mädchenhändler“ von 1972 geklaut wurde. Worum es geht? Die Wahl zur „Miss Busen“, was denn sonst? Hübsch auch, wie auf dem Schreibtisch des Präsidenten ein Spielzeugpanzer steht oder der komplette Sturm auf den Präsidentenpalast allein durch die Geräuschkulisse eines Feuerwerks simuliert wird, was den Präsidenten zu der Einsicht führt, er habe da ein „dummes Gefühl“. Und wenn dann die „Rebellen“ den Palast stürmen, sieht das mehr aus wie ein Dummer-Jungen-Streich, als wie eine Militäraktion. Und wenn im Vorspann stolz verkündet wird, die Außenaufnahmen hätten auf Tago Mago stattgefunden, dann darf man auch breit Grinsen.

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Dietrich schmuggelt auch immer wieder einige subversive Elemente in seine Filme ein. Hier ist es einerseits eine völlig unfilmische Herangehensweise, mit der er „große Szenen“ regelrecht banalisiert. Wenn Karine Gambier ihren großen Auftritt als Gefängnisdirektorin in engen schwarzem Leder und Nazi-Chic hat, zeigt er vorher, wie sie vom Bett aufsteht, sich völlig unaufgeregt ihre Klamotten anzieht und dann das kleine Zimmer verlässt. Was ihrem folgenden Auftritt natürlich jegliche Wucht nimmt. Solche kleinen Dinge lässt Dietrich häufig einfließen. Gelungen auch seine Darstellung des südamerikanischen Regimes. Natürlich wirkt das Ganze eher wie Kasplere-Theater. Doch wenn ein Präsident dem anderen folgt, nur das Bild an der Wand ausgetauscht wird, ansonsten aber das Leben genauso weiter geht, wie bisher, dann wirkt dies schon fast wie ein bissiger Kommentar gegenüber Militärdiktaturen und ihren Protagonisten. Und dann steht der nächste Anwärter auf den Posten auch schon in den Startlöchern. Natürlich kann man da noch immer nicht von einem guten Film sprechen, aber immerhin gibt es für den Freund europäische Exploitationware hier und dort etwas unterhaltsames zu entdecken.

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Mit „Gefangene Frauen“ wollte Erwin C. Dietrich noch einmal Kasse im Genre der „Frauengefängnisfilme“ machen. Das Resultat ist dabei sehr viel zahmer ausgefallen, als die von ihm produzierten und von Jess Franco abgedrehten Exemplare dieser Gattung. Dietrich legt den Fokus aus viel, viel nackte Haut und hat mit Porno-Stars wie der wunderbaren Brigitte Lahaie und Karine Gambier hierfür die richtigen Darsteller gefunden. Hier und da schmuggelt Dietrich dabei einige augenzwinkernde Elemente mit ein, was die Freunde des klassischen Bahnhofskino-Films zu schätzen wissen.

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Das Bild der Ascot Elite DVD ist recht gut. Der Ton liegt in 5.1. auf Deutsch und Englisch vor., sowie in der originalen, deutschen 2.0.-Fassung. Sehr gelungen sind die Extras geraten. Einmal gibt es die 14-minütige Fortsetzung des bereits bei „Rolls Royce Baby“ enthaltenen Interviews. Diesmal natürlich mit dem Fokus auf „Gefangene Frauen“, aber Eric Falk erzählt auch viel über seine Filmkarriere und die Arbeit mit Dietrich. Das ist sehr interessant und unterhaltsam mit anzusehen. Ferner gibt es ein fast halbstündiges Portrait und Interview mit dem Stammkamera der von Dietrich produzierten Filme, Karl Baumgartner, der nicht nur die Kamera führte, sondern auch Ko-Produzent, Verleiher und Regisseur in einer Person war. Hörenswert und teilweise schwer unterhaltsam ist auch der Audiokommentar mit Erwin C. Dietrich und Eric Falk. Allerdings kann man Dietrich teilweise schwer verstehen und am Anfang scheint er auch etwas zu weit vom Mikro entfernt zu sitzen. Aber Eric Falk, der zahlreiche Anekdoten beisteuert und hörbar gut drauf ist, allein ist schon eine Schau für sich. Ferner ist wieder das Buch „Mädchen, Machos und Moneten“, sowie ein älteres Interview mit Erwin C. Dietrich aus der „Splatting Image“ im CD-ROM-Teil zu finden. Ein Wendecover mit alternativem Motiv gibt es auch noch.

DVD-Rezension: „Rolls Royce Baby“

Von , 3. August 2014 20:36

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Der berühmte Erotikstar Lisa Romay (Lina Romay) lebt allein in ihrem riesigen Anwesen. Ab und zu muss sie mal an Photo-Sessions für das Plakat ihres neusten Filmes teilnehmen, was sie gleich nutzt, um den Fotographen zu verführen. Eines Tages heuert sie ihren Liebhaber Erik (Eric Falk) an, für sie den Chauffeur zu spielen, und sie mit ihrem silbernen Rolls Royce durch die Gegend zu fahren. Gemeinsam lesen sie Anhalter auf, die Lisa dann ihrem Rolls Royce vernaschen kann…

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Vor vielen Jahren erklärte mit ein guter Mann einmal den Unterschied zwischen Sexfilm, Softcore und Hardcore erklärt. Demnach sieht man beim Sexfilm Nackte und simulierten Geschlechtsakt, beim Softcore primäre Geschlechtsorgane, aber keinen Geschlechtsverkehr und beim Hardcore wird dann das volle Programm geliefert. Mitte der 70er Jahre hatte die Erwin-C.-Dietrich-Fabrik den Schritt zum Hardcore noch nicht vollzogen, wohl aber zum Softcore. Wenn es einen Film gibt, der die oben genannte Definition bebildert, dann ist es wahrscheinlich „Rolls Royce Baby“, welcher sich vollständig um Lina Romays Vagina dreht. Diese wird in fast jeder Einstellung präsentiert. Zum „Äußersten“ kommt es allerdings nicht und die Sexszenen bewegen sich auf dem üblichen Sexfilm-Niveau. Mit dem feinen Unterschied, dass hier auch die Männer zeigen dürfen, womit sie von der Natur ausgestattet worden sind. Aufgebaut ist der Film wie ein typischer Porno und hangelt sich an einem sehr, sehr dünnen Faden von Szene zu Szene. Zu Beginn darf man Lina Romay bei einer Intimrasur zusehen, dann beim Masturbieren und sind auch schon die ersten 10 Minuten vorbei. Wer dies eher langweilig findet, wird den Finger schnell auf der Vorspurtaste haben. Andere wahrscheinlich woanders. Immerhin kann man der Szene zwei Dinge zugute halten. Einmal die hübschen Einfall im Vordergrund ein altes Grammophon zu zeigen, bei dem die Nadel am Ende der Schallplatte im Rhythmus der Handbewegungen der Romay vor und zurück springt. Und dann ist da noch der hübsche Soundtrack von dem immer wieder verlässlichen Walter Baumgartner, der hier offensichtlich auch einige Elemente aus früheren Arbeiten verwendet.

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Inszeniert wurde der Film vom Ascot-Elite-Chef Erwin C. Dietrich persönlich, der dabei sein Regiepseudonym Michael Thomas verwendet und das Drehbuch mal wieder als Manfred Gregor beisteuerte. Interessant ist der Film vor allem, weil er einer der wenigen ist, in denen Lina Romay für einen anderen Regisseur, als ihren Seelengefährten Jess Franco, vor der Kamera stand. Da Franco zu der Zeit bei Dietrich angestellt war, stellt sich natürlich die Frage, ob er nicht auch am Set zugegen war und hier und dort im Regiestuhl Platz nahm. Offiziell bestätigt wurde dies nie und auch in den Extras, in denen Eric Falk, Lina Romay und Erwin C. Dietrich interviewt werden, kommt dies nie zur Sprache. Somit bleibt diese Möglichkeit reine Spekulation. Dagegen spricht auch, dass Franco bei aller Deutlichkeit, doch immer noch einen Hauch von sensationellem und erotischem einbrachte. „Rolls Royce Baby“ ist allerdings so direkt in seinem Ausstellen der primären Geschlechtsorgane, dass sich Erotik so gut wie gar nicht einstellen will. Fast möchte man das böse Wort „Fleischbeschau“ in den Mund nehmen. Wäre da nicht die großartige Lina Romay, die ihrer Rolle den nötigen Enthusiasmus verleiht.

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Lina Romay war eine bekennende Exhibitionistin, so dass es ihr nicht schwer fiel, vor der Kamera nackt zu agieren. Und dies tut sie hier in aller Ausführlichkeit. Die Szenen, in denen sie vollständig bekleidet ist, dürften zusammen vielleicht gerade eine Minuten ausmachen. Wer sich also an Lina Romays wohlgeformten Körper nicht sattsehen kann, der ist hier absolut richtig. Für alle anderen dürfte sich bald schon Langeweile einstellen. Denn von einer wirklichen Geschichte ist hier – im Gegensatz zu Linas Brüsten – nichts zu sehen. Fast schon muss man Dietrich Respekt zollen, wie er jeden Ansatz einer klassischen Dramaturgie konsequent missachtet. Immer wenn man glaubt, nun würde sich sich so etwas wie ein Handlungsstrang entwickeln, bricht Dietrich diesen ohne große Erklärung ab und wendet sich wieder Linas Körper zu, den er in allen nur erdenklichen Posen und Winkeln fotografiert. Die Figur des Chauffeurs z.B. wird ebenso urplötzlich eingeführt, wie sie dann quasi zum lebenden Requisit wird. Eine scheinbare Liebesgeschichte mit einer anderen Frauen, wird ebenso radikal mit den Worten „Sie ist nicht mehr hier“ beendet, wie überhaupt alle Begegnungen mit den namenlosen Anhaltern keinerlei inhaltliche Relevanz haben. Die gesichtslosen Schauspieler werden von Lina/Lisa benutzt und dann wieder weggeworfen. Ohne, dass man sie irgendwie kennengelernt hätte.

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Mit etwas Wohlwollen, könnte man ihr Verhalten als Rache an der Männerwelt verstehen. Denn in einem Rückblick erzählt sie darüber, wie sie sich einst als Anhalterin zwei LKW-Fahrern angeboten hat, nur um dann nackt und „gebraucht“ von diesen, unter höhnischem Gelächter, Mitten auf der Landstraße ausgesetzt zu werden. Diese Geschichte liegt einem durchaus schwer im Magen, da sie übelste Macho-Fantasien von der der immer verfügbaren Frau, „es doch auch wollenden“ Frau auslebt. Denn kaum sitzt Lisa im Truck, beginnt sie sich schon auszuziehen und wenn der nicht unbedingt attraktive Truck-Fahrer seinen in der Kajüte schlummernden Kumpel auffordert, sich doch einfach „zu bedienen“, macht Lisa ganz selbstverständlich mit. Hier wird auch kurz die Grenze zum Hardcore überschritten, wenn deutlich ein Fellatio gezeigt wird. Interessanterweise spiegelt diese Geschichte dann aber auch Lisas späteres Verhalten wieder, wenn sie selber in ihrem Rolls Rocye über das Land fährt, wahllos Anhalter mitnimmt, mit diesen Sex hat und sie dann wieder allein auf der Straße zurücklässt. Nur einmal wird dieses immer wieder gleiche Schema durchbrochen. Da nimmt sie eine Anhalterin mit zu sich aufs Anwesen und gesteht dieser, dass sie doch eigentlich nur gestreichelt werden will, aber „dann die Sucht nach Sex wieder größer ist“. Doch auch dieser kurze Zwischenstopp hält nicht lange an. Die Anhalterin verschwindet – sichtlich zur Erleichterung ihres Chauffeurs – und Lisa macht sich mit ihrem Rolls Rocye wieder auf die Suche nach dem nächsten kurzen Abenteuer.

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So gesehen, könnte man „Rolls Royce Baby“ fast schon als tragische Geschichte einer Frau lesen, die durch ein ihr angetanes Unrecht traumatisiert wurde und nun gezwungen ist, dies immer und immer wieder neu durchzuspielen und zu verarbeitet, indem sie die Rolle der Täter einnimmt. Und die dabei immer tiefer in den Strudel ihrer Sexsucht getrieben wird, ohne das zu erlangen, was sie eigentlich sucht: Ein wenig Zärtlichkeit und Liebe. Vielleicht war „Rolls Royce Baby“ von Dietrich ursprünglich auch so intendiert gewesen, allein er inszeniert den Film nicht so. Auffällig sind einige abrupte Sprünge, bei denen man das Gefühl hat, es würde etwas fehlen und der Film wäre im Nachhinein um eben diese Note erleichtert worden. Vielleicht liegt der nun vorherrschende, eher leichte Ton, auch an Lina Romay, die ihre Rolle mit einer solch enthusiastischen Hingabe spielt, dass die dunklere Töne mit ihr hier nicht funktioniert hätten. Wobei sie zu solch einer Rolleninterpretation durchaus in der Lage gewesen wäre, wie viele ihrer Arbeiten mit Jess Franco zeigen.

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„Rolls Royce Baby“ ist eine Lina Romay One-Women-Show, bei der die Romay permanent alles zeigt was sie hat, so dass der Fantasie kein Platz mehr eingeräumt wird. Die dünne, episodenhafte Handlung folgt Porno-Konventionen, auch wenn es hier lediglich um Softcore handelt. Möglichkeiten der Hauptfigur eine dunklere, tragischere Seite zu geben sind zwar rudimentär noch vorhanden, werden aber nicht ausgespielt. Für Lina-Romay-Fans natürlich ein Muss, alle anderen werden durch die höhepunktlose, episodenhafte und repetitive „Handlung“ mit ihren abrupten Sprüngen eher gelangweilt sein. Als Plus sei hier noch die ins Ohr gehende Musik von Walter Baumgartner erwähnt.

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Die Bildqualität der Ascot Elite DVD ist recht ansprechend, der Ton liegt in er 5.1. Nachbearbeitung, Original 2.0 Stereo und in Englisch (5.1.)  und Französisch (2.0) vor. Vor dem Film gibt es eine kurze Begrüßung durch Eric Falk. Als Extra ist die lohnenswerte, wenn auch nur fast 9-minütige Doku „Lina und ihr Chauffeur“ enthalten, in der sich Eric Falk – der durch einen breiten Schweizer Dialekt überrascht -, Erwin C. Dietrich und Lina Romay (in einem älteren Interview von 2001) an die Dreharbeiten erinnern. Ferner ist wieder das Buch „Mädchen, Machos und Moneten“, sowie ein älteres Interview mit Erwin C. Dietrich aus der „Splatting Image“ im CD-ROM-Teil zu finden.

DVD-Rezension: „Die Stewardessen“

Von , 8. Juli 2014 20:45

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Der Film folgt vier Stewardessen bei ihren Abenteuern in den Hauptstädten Europas. Stewardess Jenny (Margit Siegel) lässt sich erst von einem älteren Herren in dessen Hotelzimmer locken. Als dieser aber vor einem möglichen Abenteuer einschläft, sucht sie sich einen hübschen, jungen Mann und zieht mit diesem durch Zürich. Frances (Ursula Marty) verführt in Rom ihren Chefpiloten. Evelyn (Evelyne Traeger) lernt in Kopenhagen einen Bodybuilder und seine WG kennen. Und eine weitere Stewardess (Kathrin Heberle) verlebt einen aufregenden Tag mit einem Hippie-Studenten in München.

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Nachdem der Film „Die Stewardessen“ bereits in der „Ingrid Steeger Collection“ erschienen ist, bringt Ascot Elite nun eine „New Ingrid Steeger Collection“ auf den Markt. Remastered und mit Bonusmaterial versehen. Nun, dies macht den Film selber zwar nicht besser, mag für Ingrid Steeger- und Erwin-C.-Dietrich-Fans einen weiteren Kaufanreiz bieten. Wobei man nicht unbedingt von einem „Ingrid-Steeger-Film“ sprechen sollte, da die sympathische Blondie hier nur eine winzige Rolle hat, erst nach 42 Minuten auftaucht und recht bald wieder verschwindet. Immerhin kehrt sie für eine charmante Schlusspointe zurück, von der später noch die Rede sein soll.

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Trotz seiner nur 81 Minuten Laufzeit, fühlt sich „Die Stewardessen“ sehr viel länger an. Was daran liegt, dass beinah die Hälfte der relativ kurzen Spielzeit aus Sightseeing-Aufnahmen besteht, in denen diverse Stewardessen in den Hauptstädten Europas lustwandeln. Vorab gibt es noch den Hinweis, dass es sich bei „Die Stewardessen“ um keinen Reportfilm (ein bewusster Seitenhieb auf Dietrichs Konkurrenten Wolf C. Hartwig und seine „Schulmädchen“?) handeln würde, und Stewardessen sich im wahren Leben natürlich niemals so verhalten würden. Dann geht der Film schon in medias res und eine Stewardess beglückt den Flugkapitän. Weiter geht’s in Zürich, wo ein Passagier vorgibt ein reicher Industrieller zu sein, um so die Stewardess Jenny, gespielt von Margit Siegel, auf ein Schäferstündchen in sein Hotel zu locken. In einer der wenigen wirklich gelungen Szenen des Filmes, stellt er sich vor, wie sich der Akt mit der rothaarigen Schönheit gestalten möge – und schläft dabei selig ein. Jenny versucht daraufhin den Zimmerservice zu verführen, was misslingt, da dieser als Gastarbeiter kein Risiko eingehen will (Hauch einer Kritik an dem Schweizer Umgang mit Fremden? Da Dietrich selber Schweizer ist, möchte man es ihm gerne zugute halten), woraufhin sie am Pool einen jungen Mann aufreißt. Mit diesem bummelt sie durch Zürich, was dem Film die Gelegenheit gibt die touristischen Attraktionen zu zeigen, und landet schließlich mit ihm im Bett. Ende der ersten Geschichte.

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Die zweite Episode gestaltet sich noch langweiliger. Frances wandert mit einem Piloten durch Rom. Und da Rom mehr Attraktionen vorzuweisen hat als Zürich, dauert es auch sehr viel länger, bis Frances mit ihrem Piloten zur Sache kommt. Bemerkenswert ist hier nur, dass besagter Pilot von Arne Elsholz gesprochen wird, der zu einem der bekanntesten Synchrosprecher (Tom Hanks, Bill Murray) und wichtigsten Synchronregisseure Deutschlands wurde. Überhaupt haben die Synchronsprecher hier mal wieder mehr zu sagen als die Darsteller. Bei Dietrich wurde immer ohne Ton gedreht und die Dialoge erst im Nachhinein hinzu gefügt. So wird die Tonspur fleißig mit inneren Monologen vollgequatscht, und wenn man den Mund der Darsteller nicht sieht, munter drauflos palavert. Leider ist das Synchonskript nicht besonders originell und bald schon nerven die teilweise recht unzusammenhängenden, sprunghaften, immer – ha ha – hübsch doppeltdeutigen Bandwurmsätze. Auch Jenny taucht wieder auf und dreht eine „Schwuchtel“ um. Dies ist ebenso verklemmt konservativ (frei nach dem dämlichen Motto: „Bei den Schwulen muss nur die Richtige kommen und dann werden die wieder normal“), wie das Ende der Episode, die mit Hochzeitsglocken endet.

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Danach fliegt Stewardess Evelyn nach Kopenhagen, wo sie für Frances einen Koffer abholen soll. Sie kommt dabei in eine WG und lernt einen Bodybuilder kennen, der gerne seine Muskeln zeigt. Und auch Ingrid Steeger tritt endlich auf und darf sich in der ersten Einstellung gleich die prallen Brüste einseifen lassen. Viel zu tun hat sie nicht. Sie sitzt oder steht neben oder auf ihrem Freund und gibt eine hübsche Dekoration ab. Evelyn lernt die Sexshops in Kopenhagen kennen (was immerhin historischen Wert hat und den netten Gag erlaubt, die Verkäuferin dort oben ohne zu zeigen, als wäre es das Normalste von der Welt) und schaut sich mit ihren neuen Freunden einen Pornofilm an, den sie langweilig findet. Schön, wie Dietrich in diese Episode echte Pornographie schmuggelt. Denn weder bei den Magazinen, die Evelyn durchblättert, noch bei besagtem Film schaut die Kamera schamvoll zur Seite, sondern es wird alles eingefangen, was es da zu sehen gibt. Das – zusammen mit den üblichen Urlaubsaufnahmen – war es dann auch schon wieder.

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Die letzte Episode spielt in München, wo sich eine namenlose Stewardess (Kathrin Heberle, die stark an eine junge Barbara Schöneberger erinnert) auf dem Oktoberfest vergnügt. Dort lernt sie einen Westentaschenrevoluzzer kennen, der genau so aussieht, wie sich Klein-Fritzchen das vorstellt. Dieser eher finster und lustfeindlich aussehende Typ, gibt dann ständig kryptische Sätze von sich, die klingen, wie in einem Godard-Film aufgeschnappt und dann falsch wiedergeben. Aber – Überraschung – auch die politisch engagierten Hippies haben eine andere Seite, und so findet sich unsere Stewardess beim Gruppensex und einem nackten Sitar-Spieler wieder. Happy End.

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Nein, noch nicht ganz, denn der Film vollführt noch eine recht gelungene, selbstreflexive Wendung. Denn nun gibt der Film – beinahe wie „Im Augenblick der Angst“ – den Blick auf das Kinopublikum frei. In einem billigen Sexkino sitzen einige Herren, die sich gerade eben „Die Stewardessen“ angesehenen haben. Einen erkennt man als Andreas Mannkopff, der in einigen Dietrich-Produktionen als Schauspieler dabei war (am prominentesten in Francos „Jack, the Ripper“) und ansonsten für seine Synchronarbeiten (u.a. ist er die deutsche Stimme von Benny Hill) bekannt ist. Dieser von ihm gespielte Zuschauer ist noch ganz in dem Film gefangen, den er/wir gerade gesehen haben. Als er sich auf der Straße eine Zigarette anzündet, wird ihm von einer hübschen Frau in Stewardessen-Uniform Feuer gegeben. Perplex hält er sie für einen Traum – was nicht abwegig ist, wird sie doch von Ingrid Steeger gespielt, die man/er ja eben noch auf der Leinwand bewundern durfte. Sie widerspricht dem vehement und er folgt ihr und in ein Treppenhaus, wo sie sich sogleich ihrer Kleidung entledigt und die am Anfang des Filmes (eine schöne Klammer) aufgestellte These, Stewardessen würde so etwas nicht tun, widerlegt. Doch, hach, das habt ihr Euch so gedacht, was? Klar ist das Unsinn, wie alles was im Film geschah. Film ist eben doch nur eine Traumwelt und die Wirklichkeit sieht dann eben doch aus wie ein alter Mann im grauen Anzug, der einen beschimpft.

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„Die Stewardessen“ besteht aus einer dünnen Episodenhandlung und leider viel zu vielen Urlaubsaufnahmen aus Europas Metropolen. Immerhin werden einige nette Ideen und eine selbstreflexive Pointe eingebaut, ansonsten fließt es ziemlich zäh. Obwohl in der „New Ingrid Steeger Collection“ erschienen, hat der Star hier doch nur einen kurzen Auftritt als Nebendarstellerin.

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Die DVD die in der Reihe „The New Ingrid Steeger Collection“ (nach „The Ingrid Steeger Collection“ und „The Ingrid Steeger Gold Collection“ nun schon der dritte Wurf) erschienen. Laut Cover wurde der Film neu von einer 35mm-Negativ in HD abgetastet. Das Bild kann sich auch sehen lassen. Es wirkt zwar etwas blass, aber ist ja bei den Filme aus der Dietrich-Produktion bisher immer so gewesen. Ich vermute einmal, viel besser hat er bei seiner Kinovorführung 1971 auch nicht ausgesehen. Der Ton liegt in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch vor, es gibt aber keine Untertitel. Als Extra beinhaltet die DVD die 25-minütige Doku „Andreas Mannkopff: Von Groupies und Stewardessen“, in der Andreas Mannkopff von seinen Erfahrungen als Schauspieler und vor allem Synchronsprecher in dieser und anderen Erwin C. Dietrich-Produktionen erzählt. Zusätzlich schauen auch Arne Elsholz und Kameramann Karl Baumgartner vorbei. Das Ganze ist sehr unterhaltsam und informativ. Im Gegensatz zu den bisherigen Veröffentlichungen wurde das Original-Filmplakat gegen einen alternativen Entwurf ausgetauscht. Dieser ist in seiner wunderbaren Doppeldeutigkeit sehr schön gelungen. Dafür muss man auf den einmaligen Werbespruch „Sie fliegen durch die Lüfte – Vögeln gleich“ auf dem Cover verzichten, dieser ist nun auf die Rückseite der DVD-Hülle (mit Wendecover) gewandert.

DVD-Rezension: “Fräuleins in Uniform – Eine Armee Gretchen”

Von , 3. April 2014 20:05

armee gretchenAm Ende des 2. Weltkriegs werden junge, attraktive Frauen als sogenannte Blitzmädchen an die Front geschickt. Dort sollen sie nicht nur als Flakhelferin oder Nachrichtenfräulein Dienst tun, sondern auch durch körperlichen Einsatz die Moral der untergehenden Truppe heben. Gemustert werden Sie von dem väterlichen Arzt Dr. Felix Kuhn (Carl Möhner). Als dieser ein wenig zu häufig die blutjungen Mädchen untauglich schreibt, bekommt er Besuch von der Gestapo und wird in die Armee eingezogen. Auch seine beiden jungen Töchter Marga (Elisabeth Felchner) und Eva (Karin Heske) kommen nicht ungeschoren davon und müssen zukünftig bei den Blitzmädchen dienen.

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Nachdem Erwin C. Dietrich Anfang der 70er seine Sexfilm-Maschinerie zum Laufen gebracht hatte und mit Filmen wie „Blutjunge Verführerinnen“ oder „Mädchen,die nach Liebe schreien“ in den Bahnhofslichtspielen erfolgreich war, stand ihm scheinbar der Sinn nach Höherem. Einen aufwändigen Kriegsfilm wollte er drehen. Aber natürlich nicht zu aufwändig, dafür war Dietrich viel zu kostenbewusst, aber ein richtiger Ausstattungsfilm. Da traf es sich gut, dass in Jugoslawien günstig altes Kriegsmaterial zur Verfügung gestellt werden konnte. Davon hatten schon diverse andere europäische und amerikanische Filmproduktionen Gebrauch gemacht. Aber auch die eigenen jugoslawischen Großproduktionen profitierten von diesem Fundus an alten Waffen und Panzern. So wurde beispielsweise kurz vor „Eine Armee Gretchen“ der jugoslawische 2.-Weltkriegsfilm „Die fünfte Offensive“ gedreht, in dem kein geringerer als Richard Burton die Hauptrolle spielt – und zwar den späteren Diktator Tito! Von dieser Produktion konnte Dietrich dann so einige Kulissen und Ausstattungsgegenstände abstauben. Zudem war die jugoslawische Armee für ein paar Devisen durchaus bereit, für die eine oder andere Szene Männer abzustellen.

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Als Vorlage für seinen Film diente Dietrich der gleichnamige Roman von Karl-Heinz Helms-Liesenhoff, der 1947 erschienen war und dem noch zwei weitere Teile folgten. Ich kenne den Roman nicht, kann mir aber kaum vorstellen, dass er – wie Dietrichs Film – aus einer Abfolge von Sexszenen besteht. Da Dietrich der Film scheinbar besonders am Herzen lag und/oder er sich dadurch einigen Ruhm erhoffte, verzichtete er hier auf seine beiden Pseudonyme „Manfred Gregor“ (Drehbuch) und „Michael Thomas“ (Regie) und zeichnete den Film komplett mit seinem eigenen Namen. Ansonsten war wieder die übliche Dietrich-Crew an Bord. Walter Baumgartner sorgte für die Musik, während Peter Baumgartner die Kamera führte. Für die männlichen Hauptrollen konnte Dietrich Carl Möhner – der immerhin in Jules Dassins „Rififi“ einer der Hauptrollen gespielt hatte und auch in der Welt der Italo-Western und Eurospy-Filmen kein Fremder war – und Helmut Förnbacher engagieren. Unter den freizügigen Damen befinden sich Elisabeth Felchner, die zwischen 1970 und 1974 in einigen Sexfilmen – zumeist aus der Lederhosen-Abteilung – dabei war, sowie Karin Heske, die ihn ähnlichen Filmen kleine Rollen hatte. Die rothaarige Renate Kasché, spielte zuvor Rollen in Massimo Dallamanos frühem Giallo „Das Geheimnis der jungen Witwe“ und seiner Sacher-Masoch-Verfilmung „Venus im Pelz„, war ab 1970 aber bis auf zwei Ausnahmen nur noch in Report-, Lederhosen- und Kumpelfilmen dabei. Auch in Joe D’Amatos berüchtigtem „Emanuelle in America“ hatte sie einen Aufritt, als „Masturbating Redhead“.

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Die aktuelle DVD aus dem Hause Ascot Elite trägt den englischen Titel „Fräuleins in Uniform“. „So war’s in Opa’s bumsfiedeler Wehrmacht“ wäre allerdings der angemessenere Titel. Nun erwartet sicherlich niemand von einem Film aus dem Hause Dietrich eine ernsthafte Geschichtsstunde, aber der Umgang mit der deutschen Vergangenheit fällt schon überraschend lax aus. Böse Gestalten gibt es eigentlich keine, die Generäle sind alles väterliche Typen, die gerne mal mit gutem Rat zu Seite stehen. Selbst SS-Leute zeigen Verständnis für die Nöte armer Mädchen und verhalten sich durchaus mitfühlend. Die einzigen bösen Gestalten sind zwei Gestapo-Männer, die aber auch eher harmlos daherkommen, sowie ein fieser Soldat, der eine der Gretchen vergewaltigt. Bei einem anderen Offizier ist die schlimmste Tat dann, dass er mit einer anderen ins Bett steigt. Wenn sich dann noch hinter allen Büschen nackte Pärchen tummeln und in Slapstickmanier die Mädels bestiegen werden, dann erscheint der 2. Weltkrieg als harmloser Abenteuerspielplatz, was ich durchaus bedenklich finde.

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Generell spielt der Krieg eine untergeordnete Rolle. Kampfszenen gibt es nur wenige. Ein Fliegerangriff, bei dem aber nur ein junger Don Juan ums Leben kommt; ein Luftangriff, der aus der Sicht der Flakhelferin gezeigt wird und wo auch nichts spektakuläres passiert, und natürlich ein Angriff auf eine (männliche) Armeeeinheit, die aus einer Handvoll Soldaten besteht, die es dann auch irgendwie schaffen (wie wird nicht wirklich ersichtlich) mehrere sowjetische Panzer abzuwehren. Verwundete werden als dekoratives Element durch das Bild getragen und der Holocaust mit keinem Wort erwähnt. Zwar gibt es am Anfang ein halbjüdisches Mädchen, aber deren größte Repressalie ist es, dass sie nicht an die Front darf, um ihre Soldaten zu unterstützen. Selbst wenn eine „Ilsa“-ähnliche, kühle-strenge Blondine eingeführt wird, stellt sich diese am Ende wirklich nur als „Mutter der Kompanie“ heraus und wird nicht weiter genutzt.

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Jenseits dieser Verharmlosungen und Unwahrscheinlichkeiten ist aber auch das von Dietrich verfasste Drehbuch kein Ruhmesblatt. Der ganze Film wirkt wie die 10-minütige Super-8 Version eine 2-Stunden-Films. Ständig werden neue Charaktere und Nebenhandlungen eingeführt, nur um diese – manchmal schon direkt nach dem Ende der Szene – wieder fallen zu lassen. Als ob das Drehbuch einmal sehr viel dicker war, man aber aufgrund von Budgetschwierigkeiten nur ein paar Seiten filmen konnte und das Ganze dann eben mit belanglosen Sexszenen auf Spielfilmlänge gestreckt hätte. Da gibt es z.B. eine Gruppe junger Mädchen, die sich freiwillig zum Einsatz an der Ostfront melden, dem wird stattgegeben, die Mädels freuen sich und das war’s. Eine der Hauptfiguren hat auf einmal ein Liebesverhältnis mit einem Partisanen – woher, warum, wie, das bleibt alles im Dunkeln. Und in der nächsten Szene wird dieser dann hingerichtet. Kurzer Prozess, kurzes Weinen und schon ist diese Episode wieder vergessen. Einmal taucht ein frisch vom Schlachtfeld kommender Soldat auf eine dekadente Feier der Offiziere auf, wird dort bezirzt und wieder ist Schluss. All dies wird mit einer so großen Bedeutungsschwere inszeniert, dass man als Zuschauer zwangsläufig davon ausgehen muss, dass diese Szenen für den Film irgendwelche Relevanz haben müssen – haben sie aber nicht im Geringsten.

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Da man bei der Vielzahl der unzusammenhängenden Szenen keine Beziehung zu irgendeinem Charakter aufbauen kann und viele Handlungen schlicht nicht nachvollziehbar bleiben, interessiert man sich auch nicht sonderlich für die Figuren, was gepaart mit der generellen Harmlosigkeit des Filmes schnell zu Langeweile führt. Da die zahlreichen Sexszenen auch aus jedem x-beliebigen „Report“-Film stammen könnten und reichlich unspektakulär daher kommen, werden noch nicht einmal die niederen Instinkte der Sexploitation-Fans befriedigt.

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„Eine Armee Gretchen“ ist ein leider recht langweiliger Flickenteppich, der nicht nur den Krieg und das 3. Reich verharmlost, sondern es auch nicht schafft, eine halbwegs zusammenhängende und interessante Geschichte zu erzählen. Nebenbei werden auch noch alle etwas radikaleren, exploitiven Elemente links liegen gelassen.

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Das Bild der in der Reihe „Cinema Treasures“ erschienen DVD ist den Umständen entsprechend sehr gut. Der Ton liegt gleich vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch) vor. Zudem enthält eine fünfte Tonspur einen Audiokommentar von Erwin C. Dietrich und dem Filmhistoriker Uwe Huber. Unterhaltsam ist das Featurette „Achtung! Birgit!“ in dem Darstellerin Birgit Bergen von ihrem Leben und den Dreharbeiten berichtet. Wobei man hier und dort in Frage stellen kann, in wie weit sie sich richtig erinnert oder sich doch etwas zu gut ins recht Licht rückt. Der deutsche Trailer und eine Bildergalerie runden den Bonus ab.

DVD-Rezension: “Die Sklavinnen“

Von , 25. Februar 2014 22:08

sklavinnenMartine (Martine Stedil), die Tochter des Millionärs Radeck (Vítor Mendes) wurde entführt. Obwohl Radeck das geforderte Lösegeld von fünf Millionen Dollar zahlte, bleibt seine Tochter verschwunden. Die Spur führt zur Besitzerin des Edel-Bordells „Pagode“, Madame Arminda (Lina Romay), die allerdings gerade im Gefängnis sitzt, weil sie ihre Mädchen mit Drogen gefügig macht und gegen ihren Willen festhält. Um herauszufinden, was mit seiner Tochter und dem Lösegeld passiert ist, organisiert Radeck Armindas Flucht, um sie dann von seinem Handlanger (Jess Franco) foltern zu lassen. Der Plan geht auf: Arminda beginnt zu erzählen…

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Die Sklavinnen“ ist ein weiter Film aus der Ära, in der der spanische Kultregisseur Jess Franco für den Schweizer Filmproduzenten Erwin C. Dietrich Filme am Fließband produzierte. Die Rollen waren immer gleich verteilt: Dietrich steuerte unter dem Pseudonym „Manfred Gregor“ das Drehbuch bei, Franco inszenierte und die beiden Baumgartners, Peter und Walter, waren für die Kamera bzw. die Musik zuständig. Bei einem Ausstoß von bis zu sieben Filmen im Jahr und den selben Leuten hinter – und zumeist auch vor – der Kamera, ist es nicht verwunderlich, wenn diese Filme einige Ähnlichkeiten aufweisen und in der Rückschau auch ineinander verschwimmen. Immer geht es um Frauen, die irgendwo gefangengehalten werden (hier in der „Pagode“, dem Edel-Bordell von Madame Arminda) und gerne wird noch eine rudimentäre Krimi-Handlung integriert. Besonders auffällig ist allerdings die gewaltige Misanthropie, mit der Dietrich seine Drehbücher ausstattet. So wählt er oftmals Enden, die wenige Anlass auf Hoffnung geben und den Zuschauer eher runter ziehen, statt ihm ein Happy End zu gönnen.

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In „Die Sklavinnen“ treibt diese pessimistische Weltsicht ihre ausgeprägtesten Blüten. Als Erzählerin, und damit Identifikationsfigur für den Zuschauer, wird ausgerechnet die skrupellose Puffmutter Arminda gewählt. Diese lamentiert dann darüber, dass sie ein so schweres Schicksal habe und ihre Geliebte ja unter Drogen setzen und ins Bordell abschieben musste, weil es nun einmal so zu sein hätte. Dieser Zynismus ist schon bemerkenswert, ebenso wie die Tatsache, dass „Die Sklavinnen“ keinerlei positive Hauptfiguren kennt. Nun könnte man Martine Radeck als solche bezeichnen, doch schaut man genau hin, dann ist auch sie selbstsüchtig und beginnt nur eine Affäre mit Madame Arminda, um ein wenig an deren Macht partizipieren zu können. Das Schicksal der Mädchen in der Pagode ist ihr ziemlich egal. Tatsächlich gib es nur zwei Figuren, die eine menschliche Regung zeigen. Einmal die von Peggy Markoff gespielte Vicky, die versucht Martine zu retten, und dann mit Abstrichen der von Franco persönlich gespielte Handlanger des Radeck, der zwar auch eine gewisse Brutalität an den Tag legt, dem aber auch die finale Einstellung gehört, in welcher sein Gesicht die Resignation vor der Niedertracht der Menschen widerspiegelt.

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Wie so oft wirkt Francos Film über weite Strecken, als wäre er nur die Inhaltszusammenfassung eines anderen Filmes. Alles, was nicht unbedingt wichtig ist, wird weggelassen, und viele Dinge entweder nur behauptet oder als bekannt vorausgesetzt. Wenn sich Lina Romay am Anfang von einer Festungsmauer abseilt, wird einfach unterstellt, dass diese jetzt zu einem Gefängnis gehört. Das muss nicht noch einmal gezeigt werden. Auch das Madame Arminda ein prunkvolles Bordell mit vielen hundert Mädchen führt, wird zwar behauptet, aber durch das Bild nie bewiesen. Es ist auch unwichtig für die Handlung und ein solcher optischer Beweis würde nur Geld kosten. Oftmals greift Franco auch konsequent auf Stereotype und Handlungen zurück, die man aus der Filmgeschichte – oder Francos eigenem Oeuvre – zu genüge kennt. Da muss nichts erklärt oder plausibilisiert werden, weil sich durch die Filmerfahrung des Zuschauers die Handlung in seinem Kopf formt. Ganze Handlungsabschnitte werden einfach übersprungen und dem Zuschauer lediglich das Resultat gezeigt. Hier ist der Erzähler Franco eben auch ein Meister der Ökonomie. Das Fett vom Braten wird radikal weggeschnitten und auf die blanken Knochen dann viel nacktes Fleisch gehangen.

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Als böse Madame Arminda macht Lina Romay im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Figur. Da Arminda als Identifikationsfigur aufgebaut wird, ist Lina Romay eine gute Wahl, denn sie bringt – bis auf Ausnahmen wie „Greta – Haus ohne Männer“ wo sie auch rein äußerlich verändert auftritt – immer auch etwas naiv-begeistert Liebenswertes mit. Mit einer Monica Swinn z.B. hätte diese doppelbödige Rolle nicht unbedingt funktioniert. Ihr zur Seite steht die ausgesprochen hübsche Martine Stedil, die an die junge Brigitte Lahaie erinnert. Martine Stedil ist als Schauspielerin interessanterweise nur in Franco/Dietrich-Filmen aufgetaucht. Zwischen 1975 und 1977 brachte sie es auf fünf Auftritte. Nach „Die Sklavinnen“ verschwand sie dann spurlos von der Bildfläche, und es war mir nicht möglich gewesen, irgendetwas über ihren weiteren Werdegang in Erfahrung zu bringen. Aber es ist ja für Franco durchaus typisch, dass es einen Kern von Schauspielern gibt, die ausschließlich mit ihm drehen – und dies oftmals über lange Jahre – und deren Filmographie dann irgendwann abrupt abbricht. Ich vermute einmal, dass viele nur aus persönlicher Freundschaft zu Franco in seinen Filmen auftraten und ansonsten keine weiteren Ambitionen auf eine große Filmkarriere hegten.

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„Die Sklavinnen“ ist ein weiterer Titel aus der Franco/Dietrich-Ära, der mit kleinem Geld eine zutiefst zynische und pessimistische Krimigeschichte um eine scheinbar entführte Millionärstochter, einer gierigen Jagd nach dem Lösegeld und Betrug auf allen Fronten erzählt. Mit Lina Romay und Martine Stedil ist das Filmchen dabei überaus attraktiv besetzt. Das Drehbuch weißt zwar große Lücken auf, doch diese überspringt Franco mit dreistem, aber auch sehr ökonomischem Pragmatismus und stopft diese mit viel nackter Haut zu.

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Die DVD weist ein gutes Bild auf, dessen Schärfe allerdings auch oftmals einen guten Blick auf diverse Hautunreinheiten freigibt. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor. Extras gibt es bis auf den Trailer und eine Bildgalerie, sowie ein 40-minütiges Audio-Interview, welches Hans D. Furrer am 17.06.1976 mit Jess Franco im Hotel Gregory in Zürich geführt hat. Das Interview ist auf französisch mit deutschen Untertiteln.

DVD-Rezension: “Die teuflischen Schwestern”

Von , 26. Januar 2014 21:34

Die-teuflischen-SchwesternIn einem Nachtclub wird Edie (Kurt Meinicke) von der schönen Edna (Pamela Stanford) aufgegabelt und mit nach Hause genommen. Dort soll er allerdings nicht die Dame des Hauses, sondern deren Schwester Millie (Karine Gambier) beglücken, die in einem goldenen Käfig gefangen gehalten wird. Millie leidet nämlich scheinbar unter deiner besonders krankhaften Form der Nymphomanie. Edie und Millie verlieben sich, doch am nächsten Tag wacht Edie allein am in seinem Auto auf, ohne Erinnerung daran, wo er Millie finden kann. Derweilen schmiedet Edna zusammen mit dem angeblichen Arzt Dr. Barnes (Jack Taylor) einen sinisteren Plan. Sie wollen Millie in den Wahnsinn treiben, um an das Erbe zu kommen, welches sie an ihrem 21. Geburtstag ausgehändigt bekommen soll.

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Es ist 1977 und die Dietrich/Franco-Connection läuft auf Hochtouren. Ganze sieben Filme sollen die beiden in diesem Jahr zusammen machen. Die Rollenverteilung ist dabei immer die gleiche. Dietrich produziert und liefert unter dem Pseudonym Manfred Gregor das Drehbuch, Jess Fraco inszeniert in ein paar Tagen für wenig Geld. Wobei die Frage ist, in wie weit „Manfred Gregor“ wirklich am Drehbuch beteiligt war und ob das Pseudonym nicht auch von Franco genutzt wurde. Zumindest legt dies das de Sade’sche Element, welches auch in Francos andere Arbeiten seit den 60ern zu finden ist. Besonders deutlich tritt es in „Die teuflischen Schwestern“ wieder einmal zutage. Die „Gute“, die von der „Bösen“ verführt. gedemütigt und verdorben wird. Entfernt eine „Justine/&Juliette“-Geschichte, die Franco ja neben der Euginé-Figur aus „Die Philosophie im Boudoir“ gerne für seine Filme verwendete. Am sicherlich prominentesten in der Verfilmung „Justine“ von 1969 mit Romina Power in der Hauptrolle. Hier wird die Justine-Figur von Karine Gambier gespielt. Deren Charakter „Millie“ ist zwar hoffnungslos nymphoman, doch – wie man im weiteren Verlauf der Handlung erfährt – nur deswegen, weil die „böse Schwester“ (also die Juliette-Figur) sie unter Drogen hält und langsam in den Wahnsinn treibt. Innerlich ist Millie aber eine reine Seele geblieben, was dadurch hervorgehoben wird, dass sie sich sogleich aufrichtig verliebt, sobald der Richtige an ihre – ähem – Pforte klopft. Die böse Edna hingegen, versteckt hinter der Maske der fürsorglichen Schwester in Wahrheit eine eiskalt kalkulierende und nur ihre sexuelle und materielle Befriedigung gehorchende Intrigantin, die sich an den Leiden ihrer Schwester ergötzt und sexuell erregt.

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Als Schwestern castete Franco zwei absolut gegensätzliche Typen. Die wasserstoffblonde und dralle Karine Gambier spielt die Millie, während die brünette, sehnige Pamela Stanford ihre böse Edna spielt. Die Gambier war zu der Zeit ein gefragter Pornostar und so etwas wie die vulgärere Version von Brigitte Lahaie. Zudem spielte sie in einigen Softcore-Produktionen, wie z.B. dem 11. Teil der berühmten „Schulmädchen-Report“-Filmen mit und war bei den Dietrich/Franco-Produktionen „Ruf der blonden Göttin“ und vor allem beim extrem misanthropischen „Frauen für Zellblock 9“ dabei. 1981 beendete sie ihre Karriere nach nur 5 Jahren und ist seitdem vom Erdboden verschwunden. Die interessant aussehende Pamela Stanford alias Monique Delaunay war eine ehemalige Tänzerin im Folies Bergère und späteres Nacktmodel für diverse Herrenmagazine. Sie begann ihre Filmkarriere 1969 und spielte 1973 das erste Mal unter Jess Franco in „Les exploits érotiques de Maciste dans l’Atlantide„. Danach gehörte sie zu Francos Stammpersonal, zunächst in Minirollen, dann in „Lorna, l’exorciste“ erstmals in einer Hauptrolle. Nach einigen Sexfilmen für andere Regisseure, sowie einigen sehr billigen Naziploitationfilmen aus dem Hause Eurociné, verschwand sie dann 1983 nach einer letzten Zusammenarbeit mit Jess Franco („Claire„) von der Bildfläche. Unter den Herren sticht zunächst einmal der amerikanische Europloition-Star Jack Taylor hervor, der in vielen spanischen und französischen Horrorfilmen („Geisterschiff der schwimmenden Leichen„, „Dr. Jekyll vs. the Werewolf„) dabei war, ebenfalls häufig mit Franco zusammenarbeitete und hier überraschend blank zieht. Taylor ist heute noch aktiv und trat in Arthouse-Filmen wie Polanskis „Die neun Pforten“ und Milos Formans „Goyas Geister“ auf. Kurt Meinicke hüpfte in diversen Dietrich-Filmen, aber auch Alois-Brummer-Hardcore-Produktionen durch das Bild, Eric Falk gehörte in vielen legendären Dietrich- und Franco-Produktionen zum Inventar.

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Was den Zuschauer bei den „Teuflischen Schwestern“ erwartet, ist erst einmal viel nacktes Fleisch und ausschweifende Sexszenen, die immer knapp an der Grenze zur Pornographie entlang schrammen. Wer von den vielen nackten Brüsten nicht völlig abgelenkt ist, kann aber viele schöne Details entdecken. Wie z.B. die unzähligen Katzenportraits, die die Wände der Villa zieren. Wobei die Zimmer für eine angeblich große Villa doch arg eng und wahrscheinlich nur schnöden Hotelzimmer sind. Franco-Liebhaber entdecken auch das Schild der Praxis von „Dr. Milton Arcos“ wieder, welches dann in „Frauen ohne Unschuld“ (Review hier) wieder auftaucht. Auch der Käfig in dem sich Karine Gambier vor Lust windet, ist ein schönes Ausstellungsstück, welches ein wenig an „Das Blutgericht der gequälten Frauen“ erinnert. Und natürlich lässt es sich Franco nicht entgehen, eine seiner typischen Nachtclub-Szenen komplett mit frivol-mysteriöser Bühnenshow und ein Zitat aus Henri-Georges Clouzots „Die Teuflischen“ (ist die titelähnlichkeit wirklich Zufall?) einzubauen. Wer allerdings für diese kleinen Mosaiksteinchen und Verweise in das Jess-Franco-Universums keinen Sinn hat, die vielen Sexszenen langweilig findet und den das unspektakulär-abrupte Ende (welches in der Tat plötzlich die gesamte Luft aus dem Film entweichen lässt) frustriert zurück lässt, dem sei hier gründlich abgeraten. Wer Franco und seine Welt im Herzen trägt, dem werden auch „Die teuflischen Schwestern“ ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Als Einsteigerfilm in diese Welt ist der Film allerdings etwas problematisch.

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Billig-Produktion aus der Dietrich/Franco-Ära mit allen typischen Franco-Ingredienzien. Was für die einen ein Grund zur Freude, für die anderen zur Flucht ist. Für Einsteiger in den Jess-Franco-Kosmos nicht unbedingt geeignet. Für diejenigen, die bereits infiziert sind, aber natürlich ein Muss.

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Das Bild der DVD aus der „Jess Franco Golden Goya Collection“ ist den Umständen entsprechend sehr gut. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich hier um eine Billig-Produktion aus den 70er Jahren handelt, bei der auf die Qualität des Filmmaterials nicht viel Rücksicht genommen wurde. Der Ton liegt nur in Deutsch vor – welches auch die Originalsprache ist. Wie üblich wurde stumm gedreht und dann später mit professionellen Sprechern nachsynchronisert. Das Resultat ist ausgesprochen zottig und derb ausgefallen, was durchaus ein Markenzeichen der Dietrich/Franco-Filme ist. Als Extras liegen nur Trailer für andere DVDs der „Jess Franco Golden Goya Collection“ bei. Als Kuriosum sei noch erwähnt, dass die DVD japanische Untertitel mit an Bord sind.

DVD-Rezension: “Die Zukunft heißt Frau”

Von , 16. Januar 2014 22:03

Die-Zukunft-heisst-Frau_dvd_coverDie Werbefrau Anna (Hanna Schygulla) und der für städtische Gärtnereiprojekte zuständige Gordon (Niels Arestrup) führen eine recht harmonische Ehe, in der Anna allerdings von der Leidenschaft ihres Ehemannes eher gelangweilt ist. Eines Tages begegnet Anna der schwangeren Malvina (Ornella Muti), die gerade Schwierigkeiten mit einigen jungen Männern hat. Sie nimmt sie mit nach Hause, wo sich Malvina bald in die Ehe von Anna und Gordon drängt….

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Anfang der 80er Jahr beschloss Erwin C. Dietrich, sich ein wenig seriöse Reputation durch die Produktion von Arthouse-Filmen zuzulegen. Zu diesem Zwecke schloss er mit dem italienischen Skandal-Regisseur Marco Ferreri einen Vertrag über zwei Filme ab. Ferreri eilte der Ruf eines deftigen Provokateurs voraus, was ja recht gut mit dem Haupt-Output der Dietrich-Schmiede korrespondierte. Der erste Film war „Die Geschichte der Piera„, der auch in Cannes gezeigt wurde. Dort kam es zum Eklat, als Ferreri seinem Produzenten – so das empfehlenswerte Buch „Mädchen, Machos und Moneten – Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounternehmers Erwin C. Dietrich“ von Benedikt Eppenberger und Daniel Stapfer – mit falschen Informationen über die Anfangszeit der Filmpremiere versorgte, so dass Dietrich zu spät kam und sich durch den Hintereingang ins Kino quetschen musste, statt über den roten Teppich zu flanieren. Dietrich war sauer und enttäuscht, musst aber trotzdem Geld für die zweite Zusammenarbeit „Die Zukunft heißt Frau“ zur Verfügung stellen. Vielleicht erklärt das die recht stiefmütterliche Behandlung des Filmes innerhalb der „Cinema Treasures“-Reihe der Firma Ascot.

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Verglichen mit seinen exzentrischen Exzessen wie „Das große Fressen“ oder „Affentraum“ ist „Die Zukunft heißt Frau“ für Ferreris Verhältnisse beinah schon zahm. Wieder einmal geht es um die Beziehung Mann – Frau, in welcher der Mann das schwächste Glied der Kette darstellt und allein die Frau – wie der Titel hier schon verrät – die Zukunft ist. In „Die Zukunft heißt Frau“ treibt Ferreri diese Anschauung auf die Spitze und prophezeit eine Welt, in der der Mann nicht mehr gebraucht wird. Die perfekte Familie besteht aus Müttern. Einer biologischen und einer spirituellen. Der zwischen zwei Frauen stehende Gordon, wird von Anfang an als sich selbst überschätzender Schwächling gezeigt. Gleich zu Beginn gibt er sich als leidenschaftlicher Romantiker aus, der seine geliebte Frau auch mit verbundenen Augen findet, da er ohne sie nicht leben kann. Bei ihr sieht das aber gleich ganz anders aus. Anna mag sich die Augen nicht verbinden lasse. Sie möchte den klaren Blick bewahren. Als sie sich mit der Begründung weigert, sie könne ihren Gordon mit verbundenen Augen sowieso nicht finden, beklagt dieser sich, dass er für sie gar nicht existieren würde, wenn sie ihn nicht sehen würde.

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Anna lebt ihr Leben unabhängig und entscheidet selber, was sie tun möchte und was nicht. Dadurch wirkt der klammernde Gordon wie ein lästiges, nervendes Anhängsel. Als die schöne Malvina in ihr Leben tritt, sieht Gordon dies zunächst einmal als Möglichkeit zu einer heißen Menage-a-trois, in der er die Hauptrolle einnimmt. Dabei realisiert er aber erst sehr spät, dass er doch nur das fünfte Rad am Wagen ist. Konsequenterweise bleibt Niels Arestrup als Gordon dann auch gegenüber den beiden Hauptdarstellerinnen blass und wirkt hilflos. Ferreri scheint diese Wirkung noch unterstützen zu wollen, den ständig fällt Arestrups eher geringe Körpergröße auf und sein Abgang aus der Geschichte wird ebenso grotesk, wie beiläufig inszeniert. Wie unwichtig er für die Frauen geworden ist, sieht man, wenn Anna stauresque vor dem Schornstein eines Krematoriums fotografiert wird und von Gordon im wahrsten Sinne des Wortes nur noch heiße Luft geblieben ist.

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Auf Seiten der Frauen sich – die hier erschreckend mager aussehende – Hanna Schygulla und die wunderschöne Ornella Muti ein. Die Muti soll scheinbar eine geheimnisvolle Mischung aus Engel und Verführerin darstellen. Oftmals wird angedeutet, dass mehr hinter ihrer Figur steckt. Die Rolle der Malvina erinnert an den schönen Fremden aus Pasolinis „Teorema“ (Kritik hier), der ebenfalls in eine Familie eindringt und durch seine Verführung die Familienmitglieder aus ihren erstarrten Rollen befreit,ins Unglück oder in die Freiheit entlässt. Nur erreicht Ferreris Werk nie die hohe Komplexität des Pasolini-Films. Was auch daran liegt, dass die Muti hier zu oft wie ein rein dekoratives Beiwerk wirkt. Zwar erfährt man auch über sie nichts, und so sie bleibt sie eine geheimnisvolle Figur, doch von einer mysteriösen Aura ist zumeist nichts zu spüren. Die Schygulla spielt so, wie man es von ihr gewohnt ist, immer etwas viel Theater in Stimme und Geste, aber voller Hingabe. Sie ist der emotionale Kern der Geschichte. Hin- und hergerissen zwischen ihrem alten Leben mit Gordon, in dem sie sich gemütlich eingerichtet hatte, und der für sie faszinierende Anziehungskraft Malvinas. Trotzdem will der Funke zwischen den Beiden auf der Leinwand nicht überspringen. Auch wen sie gemeinsam durch das Nachtleben bummeln und in einer Disco eine große Show abziehen, wirkt das Ganze immer wie eine Folge der sehenswerten TV-Doku-Serie „Durch die Nacht mit..“ in der die Chemie der beiden Nachtschwärmer nichts stimmt und beide nur durch das Konzept der Sendung und die eigene Professionalität zusammengehalten werden.

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Als Zeitdokument der 80er Jahre wirkt „Die Zukunft heißt Frau“ fast schon erschreckend. Alle modischen Sünden dieser Dekade werden zelebriert. Beginnend bei den hoch gestylte Haaren der Schygulla, über die enormen Schulterpolster der Muti (bei denen man immer Angst hat, dass sie nicht durch die nächste Tür passt), hin über das kalte Neonlicht der Discos, den Muscle-Shirts und der schrecklich synthetischen Italo-Plastikpop-Musik. Dadurch wirkt der Film weitaus älter, als Ferreris Werke aus dem 70ern, die sich etwas Zeitloses bewahrt haben. Auch die sehr plakative Art und Weise, wie Männer dargestellt und die Frauen zu überlegenen Wesen stilisiert werden, hat einen eher plumpen Touch. Es passt auch nicht ganz zum doch eher realistisch-ernsten Ansatz des Filmes, wenn Anna und Malvina in einer Disco plötzlich von einem Rudels scheinbar durch die eigene Geilheit völlig unzurechnungsfähig gewordenen jungen Männern gejagt werden. Oder sich bei einem Konzert des italienischen Folksängers Pierangelo Bertoli die Masse plötzlich in einen tödlichen Mob verwandelt. Das soll wohl verstören, wirkt aber in diesem Fall zu gewollt und aufgesetzt. Immerhin kleidet Ferreri seine Botschaft in erlesene Bilder, die von Tonino Delli Colli eingefangen wurden.Dieser war nicht nur Pasolinis-Stammkameramann, sondern stand auch bei den späten Fellinis und bei Leones „Zwei glorreiche Halunken“ hinter der Kamera. Für das Production-Design wiederum war der großartige Dante Ferretti  (der ebenfalls viel mit Fellini und Pasolini, aber auch Scorsese zusammenarbeitete) zuständig. Leider zollt das Bild der Ascot DVD dem nicht unbedingt Respekt.

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In „Die Zukunft heißt Frau“ beschäftigt sich Marco Ferreri wieder einmal mit seinem Lieblingsthema: Der Überlegenheit der Frau und die Lächerlichkeit des Mannes. Im Gegensatz zu früheren Werken fehlt hier aber das Radikale, deftig Groteske. Der Film ist für Ferreris Verhältnisse beinahe zahm. Erschwerend kommt die mangelnde Chemie der Darsteller hinzu. Interessant ist vor allem der Zeitkolorit und die kunstvollen Bilder.

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„Die Zukunft heißt Frau“ ist der bisher der anspruchsvollste Film, der in der „Cinema Treasures“-Reihe – die bisher vor allem Actionware beinhaltete – veröffentlicht wurde. Leider ist die DVD auch die mit weitem Abstand technisch schwächste. Das Bild ist unterdurchschnittlich und scheint aus einer VHS-Quelle zu stammen. Im Original soll der Film laut filmportal.de ein Format von 1:1,66 besitzen, welches für die DVD auf 1:1,33 beschnitten wurde – was fairerweise nicht auffällt. Manchmal sieht man mal am oberen, mal am unteren Bildrand einen dunklen Streifen, der das 4:3-Bild möglicherweise annähernd in Richtung 1:1,66 drücken soll. Insgesamt ist das Bild blass, gräulich und nicht besonders scharf. Zudem neigt es bei kräftigen roten oder blauen Farben zum Flimmern. Da passt es dann, dass auch nur der deutsche Ton vorhanden ist, und es bis auf eine Trailershow keinerlei Bonus gibt. Schade.

DVD-Rezension: “Wicked Women”

Von , 5. Januar 2014 22:27

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In einer Villa werden die Leichen eines nackten Paares gefunden. Die einzige Zeugin der Bluttat, Margeritta (Lina Romay) ist durch das traumatische Erlebnis schwer verwirrt und hat hat die Fähigkeit zum Sprechen verloren. Sie wird umgehend in die psychiatrische Klinik des Doktoren-Pärchens Farkas (Kurt Meinicke und Muriel Montossé) eingewiesen. Doch auch hier ist sie nicht sicher, da sich ein geheimnisvoller Mörder in der Klinik herumtreibt. Außerdem haben die Farkas, zusammen mit dem Arzt Dr. Antonio, ein ungesundes Interesse an verschwundenen Juwelen, von denen Margeritta angeblich wissen soll, wo sie versteckt sind.

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Ich bin mir nicht sicher, ob die Mitarbeiter des Labels Ascot Elite wissen, wie das Label einst entstand. Die Elite Film war die Schweizer  Produktionsgesellschaft des legendären Sexploitation-Produzenten Erwin C. Dietrich, bekannt für Klassiker wie „Die Nichten der Frau Oberst„, „Ich – ein Groupie“ oder die „Blutjunge Verführerinnen„-Reihe. Ascot war später, als Nachfolger das Avis, sein Standbein in Berlin, von wo aus der Vertrieb seiner Filme in der Bundesrepublik und viele internationale Co-Produktionen organisiert wurden. 1975 ging Dietrich eine kurze Partnerschaft mit dem spanischen Regisseur Jess Franco ein. Dieser sollte seinen Produktionen einerseits ein internationales Flair geben, und stand darüber hinaus in dem Ruf, schnell und kostengünstig zu arbeiten. In der Folge drehte Franco 14 Filme für den Schweizer. Die Bekanntesten dürften „Jack the Ripper“ mit Klaus Kinski und der berüchtigte „Frauengefängnis“ mit seiner Muse Lina Romay sein. Letzterer trat eine ganze Lawine ähnlich gelagerter Filme (das Gerne wird kurz „W.I-P.“ = Women in Prison“ genannt) los. Auch „Wicked Women“ (oder „Frauen ohne Unschuld“, wie er bei früheren Veröffentlichungen hieß) war einer davon. Zwar spielt der Film in keinem Frauengefängnis, doch Personal und Struktur des Filmes ist mit dem der W.I.P.-Filme identisch. Ein unschuldige Schönheit gerät in Schwierigkeiten und wird von einer skrupellosen Exekutive (in der Regel Militärpolizei, hier die Mitarbeiter eines örtlichen Irrenhauses) hinter Gitter gebracht, wo sie auf einen Haufen durchgeknallter und gerne auch lesbisch veranlagter Miteinsitzender trifft. So dann auch hier, nur das das Gefängnis ein Irrenhaus ist. Dies gibt dem Franco’schen Frauengefängnis-Stammpersonal (u.a. wieder Peggy Markoff und Esther Studer) die Gelegenheit, noch mehr als sonst ihre Rollen zu überziehen und ordentlich auf den Putz zu hauen. Für die markante Markoff war dies die letzte Filmrolle. Soweit die Internet-Recherche nicht trügt und es keine zufällige Namensgleichheit ist, scheint sie in den letzten Jahren eine Karriere als Sängerin von Liedern aus den 20er und 30er Jahren gestartet zu haben.

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Wie immer wurden alle Schauspieler nachsynchronisiert und die Texter der deutschen Fassung lassen keine Gelegenheit aus, noch mal einen oben draufzusetzen. Oftmals erkennt man deutlich, dass die Tonspur noch munter weiterplappert, während die Münder der angeblich Sprechenden schon lange geschlossen sind. Was da dann an Obszönitäten und Albernheiten rauskommt, reicht eigentlich für zwei Filme. „Frauen ohne Unschuld“ war einer der letzten Filme, die Franco für Dietrich drehte und hier packt er noch einmal alles rein, was möglich ist. Da gibt es einen maskierten Killer mit langem Messer, eine Schmuggler-Geschichte mit blutigem Ausgang, das Irrenhaus als pittoresken Schauplatz, intrigante Schurken und natürlich viel, viel Sex. Dieser unterbricht ständig die rudimentäre Handlung und ist Dreh- und Angelpunkt des Filmes. Natürlich sind wieder alle Frauen potentiell lesbisch und dauergeil. Die Männer entweder Bösewichte oder/und Schlaffis, die sich von den dominanten Frauen um den Finger wickeln lassen. So etwas wie Spannung will bei der Krimigeschichte nicht aufkommen. Man genießt das typische Jess-Franco-Panoptikum und lässt sich von ihm durch den Film spülen. Immer in der Position des Voyeurs.

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So gerät dann auch der letzte Teil des Filmes, in dem die Vorgeschichte aufgerollt wird, zur Geduldsprobe. Vorbei der Wahnsinn der verrückten Frauen im Irrenhaus, kein maskierter Killer mehr und nackte Opfer, die von Dachbalken hängen. Franco konzentriert sich in weichgezeichneten Bildern ganz auf die Menage-a-trois zwischen der unschuldigen Touristin Lina Romay und dem Schmugglerpärchen – und natürlich auf ausgedehnte Sexszenen. Immerhin mit Lina Romay. Diese stellt im Film meistens ihre, aus „Greta – Haus ohne Männer“ bekannte, Kurzhaarfrisur zur Schau. Diese gereicht ihr hier aber nicht zum Vorteil gereicht, da die Romay, im Vergleich zu „Greta“, doch einige Pfunde mehr mit sich herum trägt und nicht mehr das harte, jungenhafte Aussehen aus dem anderen Film hat. Für die Vorgeschichte trägt sie dann eine schwere Perücke. Trotz der in diesem Teil schön gefilmten Bilder (Kamera: Peter Baumgartner), schaut man hier doch häufiger einmal auf die Uhr.

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Neben Lina Romay ist die Spanierin Muriel Montossé als Klinikleiterin und Schurkin zu sehen. Sie spielt hier unter dem Pseudonym Nanda van Bergen. Im Jahr zuvor hatte sie noch als Vicky Adams ihr Film-Debüt in „Der Ruf der blonden Göttin“ (ebenfalls eine Dietrich/Franco-Kollaboration) gegeben. Und irgendwas scheint in diesem Jahr mit ihr passiert zu sein. Sie wirkt blasser und klobiger. Zudem meint es die DVD-Technik, die den Bildern eine exzellente Schärfe verleiht, nicht gut mit ihr. Zu deutlich sieht man die Narben einer Brust-Vergrößerung. Schade, um diese eigentlich sehr schöne Frau, die noch bis Mitte der 80er mit Franco drehte. Ebenfalls mit dabei ist auch Michael Maien, der vom Ende der 60er bis in die 70er Jahre in diversen Exploitationfilmen mitwirkte. U.a. in Olsens „Das Stundenhotel von St. Pauli„, wo er einen ähnlich zwielichtigen Charakter wie hier verkörperte. Maien war noch bis Mitte der 80er in diversen „Derrick“ und „Der Alte„-Folgen zu sehen, dann verliert sich seine Spur. Prominent wird auch mit dem Namen der Belgierin Monica Swinn geworben. Diese hat sehr häufig mit Franco zusammengearbeitet. Zumeist spielte sie dabei sadistisch veranlagte Charaktere, wie die Direktorin in „Frauengefängnis“, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Hier hat sie nicht viel zu tun und wird zudem durch eine riesige Sonnenbrille und unpassende Perücke entstellt. Nach „Frauen ohne Unschuld“ drehte sie nur noch wenige Filme und verschwand dann 1982 ganz von der Bildfläche, um sich Theaterarbeit zu widmen. Allerdings hat sie laut IMDb eine Rolle in dem neuen Film von Peter Strickland („Berberian Sound Studio„), „The Duke of Burgundy“ bekommen. Man darf gespannt sein, zumal sie dort den Rollennamen „Lorna“ (den Franco seinen Figuren auch gerne gab) bekommen hat.

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In „Frauen ohne Unschuld“ wird das Frauengefängnis gegen ein Irrenhaus für weibliche Patienten ausgetauscht, aber ansonsten bleibt alles beim Alten. Eine dünne Krimihandlung wird mit einem gialloesquen Killer, verrückten Weibern und viel, viel Sex aufgebauscht. Wenn der Film im letzten Drittel diese Elemente zugunsten eine schön gefilmten Menage-a-trois Geschichte vernachlässigt, wird es schnell etwas langweilig. Für Franco-Fans und Lina-Romay-Verehrer trotzdem ein Muss. Alle anderen seien vorgewarnt.

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Nachdem der Film bereits in einer „The Official Jess Franco Collection“ als „Frauen ohne Unschuld“ erschienen ist, hat Ascot Elite ihn nun im Rahmen einer sogenannten „Jess Franco Golden Goya“-Reihe, zusammen mit anderen Franco/Dietrich-Kollaborationen, noch einmal neu veröffentlicht. Das besondere dabei ist, dass der Film auch auf Blu-ray erschienen ist. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor, Extras gibt es leider (bis auf den Trailer und eine Fotogallerie) keine.

Die Abstastung dürfte neu sein. Anbei ein Bildvergleich zwischen der alten „The Official Jess Franco Collection“ (links) und der neuen „Jess Franco Golden Goya Collection“ (rechts).

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