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Blu-ray Rezension: „Der schwarze Leib der Tarantel“

Von , 21. Dezember 2016 16:15

der-schwarze-leib-der-tarantelNach einem Streit mit ihrem Ehemann (Silvano Tranquilli) wird die schöne Maria Zani (Barbara Bouchet) von einem geheimnisvollen Unbekannten ermordet. Der Killer benutzt dabei ein lähmendes Gift, bevor er seine Opfer mit dem Messer abschlachtet. Der mit den Ermittlungen beauftragte Inspector Tellini (Giancarlo Giannini) verdächtigt zunächst Ehemann Zani, der jedoch auf eigene Faust nach dem Mörder sucht. Als Zani bei einer Verfolgungsjagd ums Leben kommt und weitere attraktive Damen dem Killer zum Opfer fallen, führt Tellini eine Spur ihn in einen Schönheitssalon, dessen Besitzerin (Claudine Auger) mit den Opfern in Verbindung stand…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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Der schwarze Leib der Tarantel“ war für mich lange Jahre so etwas wie der heiliger Gral des Giallo-Kinos. Als ich Mitte der 90er Jahre mit zahlreichen Tauschpartner im In- und Ausland in Kontakt stand, und wir uns munter VHS-Kassetten mit griechischen Vollbildfassungen, die mittlerweile fast ihre gesamte Farbigkeit eingebüßt hatten, hin und her schickten, war „Der schwarze Leib der Tarantel“ der einzige „Must-Have“-Giallo, der nirgendwo aufzutreiben war. Weder eine englische, noch eine finnische oder schwedische Kopie. Von einer deutschen Fassung ganz zu schweigen, denn hier lief der Film zwar im Kino, doch seltsamerweise kam es nie zu einer Videoveröffentlichung. Dank des sympathischen Berliner Labels CMV Laservision wurde nun, nach 20 Jahren, dieser Gral nun doch auf meinen heimischen Bildschirm gezaubert. Hat sich das lange Warten gelohnt? Ist „Der schwarze Leib der Tarantel“ eben jenes verschollene Meisterwerk, zu welchem er in meiner Vorstellung mangels Verfügbarkeit reifte? Ein klein wenig Furcht hatte ich schon vor den Antworten auf diese Fragen, als ich die Blu-ray in den Player schob.

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Die Furcht erwies sich allerdings als unbegründet. Es hätte auch schon viel passieren müssen, um einen Giallo, der neben solchen Schönheiten wie Barbara Bouchet (in einer wichtigen, wenn auch leider viel zu kurzen Rolle), Claudine Auger und Barbara Bach, der Musik von Ennio Morricone (und der Hilfe von Bruno Nicolai) und gern gesehen Veteranen wie Silvano Tranquilli und Giancarlo Prete vollends in die Grütze zu fahren. Und Regisseur Paolo Cavara ist auch kein Stümper, sondern hat mit „Das wilde Auge“ einen höchst spannenden und mit viel Experimentierfreude gedrehten Magenschwinger gedreht, der als Schlüsselfilm auf das Genre gelten kann, in dem Cavara große geworden ist: Dem Mondo-Film. Hier hatte Cavara 1962 zusammen mit dem legendären Duo Gualtiero Jacopetti und Franco Prosperi die Filme „Mondo Cane“ und „Alle Frauen dieser Welt“ gedreht, bis er sich im Streit von ihnen trennte, da er mit den Methoden Jacopettis nicht mehr einverstanden war. „Das wilde Auge“ war dann seine Abrechnung mit Jacopetti dem Philippe Leroy als skrupelloser Regisseur das eiskalte Antlitz leiht. Nachdem Kriegsfilm „Ein Atemzug Liebe“ drehte Cavara 1971 diesen Giallo hier, der sich einerseits am Einmaleins des Giallo (so wie er außerhalb Italiens verstanden wird, in Italien selber bedeutet „Giallo“ einfach nur „Krimi“) abarbeite, andererseits viele Elemente einbringt, welche ungewöhnlich sind und dem Film seine ganz eigene Note geben.

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Zu den typischen Giallo-Elementen gehört natürlich der Mörder im schwarzen Regenmantel und Lederhandschuhen, der sich eine möglichst makabere und sadistische Mordmethode ausgedacht hat, um seine Opfer ins Jenseits zu befördern. Welche dann auch sehr explizit gezeigt wird. Ferner ein Score mit einer einprägsamen Melodie, ein recht abstruses Motiv des Killers, viele Verdächtige und wunderschöne Frauen, die gerne auch mal blank ziehen. Andererseits konzentriert sich Paolo Cavara aber auch untypischerweise auf die Polizeiarbeit und stellt mit Giancarlo Giannini einen Schauspieler in den Vordergrund, der sich mit seinem samtenen, immer etwas traurig-scheu guckenden Augen und der schmächtigen Gestalt so gar nicht in die Reihe harter und selbstbewusster italienischer Kommissare stellen lässt, die sonst die Leinwand bevölkern. Auch von den typischen Giallo-Helden der frühen 70er wie George Hilton oder Anthony Steffens ist Giannini weit entfernt. Bei seinem Anblick denkt man viel mehr an die blumigen Titel der Lina-Wertmüller-Filme, die ihn bekannt machten. Wie „Mimi – in seiner Ehre gekränkt“.

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Zudem rückt Paolo Cavara die ebenso modern, wie fremdartig wirkende Architektur der Randgebiete Roms in den Vordergrund. Eine Verfolgungsjagd endet auf dem Dach eines futuristisch anmutenden Büro-Industrie-Komplexes, der allein aufgrund seines kühl-futuristischen Designs der Szene einen beinahe schon irrealen Anstrich gibt. Auch, dass das Privatleben des ermittelnden Kommissars, sein Hadern mit dem Beruf und der Welt so weit in den Vordergrund gerückt wird, sieht man nicht alle Tage in einem klassischen Giallo. Es macht den Inspector Tellini sehr menschlich und sympathisch. Und das Zusammenspiel mit der sehr lebendigen Stefania Sandrelli als Frau Tellini injiziert dem ansonsten eher düsteren und harten Film eine leichte, amüsante Note, welche die beiden Figuren gleichzeitig auch eine liebenswerte Natürlichkeit verleiht. Umso härter trifft den Zuschauer die finale Konfrontation mit dem Killer, in der Frau Tellini in Todesgefahr gerät. Wie man überhaupt sagen muss, dass Cavara hier wert auf eine genaue Figurenzeichnungen legt. Auch Silvano Tranquilli als betrogener und mordverdächtiger Ehemann oder die großartige Rossella Falk als Erpressungsopfer wird weitaus mehr Tiefe und Vielschichtigkeit als üblich zugestanden.

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„Der schwarze Leib der Tarantel“ ist ein spannender und sehr gut gemachter Giallo, der sich zwar vornehmlich an den Konventionen des Genres abarbeitet, gleichzeitig aber auch überraschende und untypische Elemente einbringt.

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Das Bild der Blu-ray mag nicht den allerhöchsten Ansprüchen einiger Technik-Fetischisten genügen, ist aber für meine Augen vollkommen akzeptabel. Für diese Veröffentlichung hat CMV die alte Kinotonspur aufgetrieben, die sehr sauber und klar klingt. Wer mag kann auch auf die englische Synchronisierung wechseln, die der deutschen Sprachfassunallerdings qualitativ unterlegen ist. Für die Extras wurde das 15-minütig Interview mit Lorenzo Danon, dem Sohn des Produzenten Marcello Danon, aus der amerikanischen und italienischen Veröffentlichung übernommen. Ganz neu ist ein 5-minütiges Interview mit Pietro Cavara, dem Sohn des Regisseurs. Über den Audiokommetnar von Thorsten Hanisch und Andrea Sczuka wurde in diversen Foren schon viel Böses geschreiben. Inhaltlich verweise hier einmal dezent auf eben diese Diskussionen (kann man googeln) und erwähne hier nur, dass die technische Umsetzung recht mies geworden ist. Scheinbar wurde eine schlechte Skype-Verbindung genutzt.

DVD-Rezension: „Francesca“

Von , 8. März 2016 21:56

francescaEin brutaler Serienkiller hält eine ganze Stadt in Atem. Seine Opfer haben irgendwie Dreck am Stecken und scheinen für ihre Sünden bestraft zu werden. Stets werden den Opfern auch zwei Münzen auf die Augen gelegt. Die Polizeibeamten Moretti (Luis Emilio Rodriguez) und Succo (Gustavo Dalessanro) werden bei ihren Ermittlungen auf den seltsamen Fall des Mädchens Francesca aufmerksam, die vor 15 Jahren spurlos verschwand. Offenbar hängen die beiden Fälle zusammen…

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In den letzten Jahren entdeckten zahlreiche Genre-Fans den Giallo wieder. Eigentlich war er nie weg, denn die Fans dieses ur-italienischen Thrillergenres war schon immer zahlreich vorhanden. Nur hatten bisher die wenigstens selber zur Kamera gegriffen und den Versuch unternommen, dieses seit Mitte der 80er ziemlich brach liegende Terrain wiederzubeleben. Doch in letzter Zeit tut eine junge Generation genau dies. Dabei gibt es zwei Fraktionen: Diejenigen, die sich typische Stilelemente borgen, um daraus etwas Neues zu erschaffen, wie das Ehepaar Hélène Cattet und Bruno Forzani aus Belgien, die gerade bei ihrem zweiten Werk „Der Tod weint rote Tränen“ gezeigt haben, wie man aus fremden Puzzlestücken ein faszinierendes, neues Bild erschaffen kann. Und dann gibt es diejenigen, die sklavisch die großen Vorbilder nacherzählen, ohne dabei neue oder zumindest eigenständige Komponenten einzubringen. Hier wird allenfalls am Sex und Gewalt-Level geschraubt, was den Filmen selten gut tun. Das Brüderpaar Luciano und Nicolás Onetti gehört eher zur zweiten Gruppe. Im Gegensatz zu ihren Kollegen, die den Giallo nur als Vorwand nehmen, kräftig Gore und die nackte Haut unterzubringen, muss man ihnen aber bescheinigen, das Genre aufrichtig zu lieben.

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Luciano Onetti, der hier als Regisseur und zusammen mit seinem Bruder Nicolás auch als Co-Drehbuchautor fungiert, gibt sich alle Mühe, den Eindruck zu vermitteln, „Francesca“ würde tatsächlich aus den 70ern stammen. Der Zeit, in welcher der Giallo seine größten Triumphe feierte. Mit einem guten Blick für Kleinigkeiten und einem stark bearbeitetem, digitalem Bild, welches kräftig auf „benutzter 35-Millimeter-Look“ getrimmt wurde, gelingt es ihm ab und an, diese Illusion tatsächlich aufrecht zu erhalten. Auch beim stampfenden Synthie-Soundtrack gibt er sich Mühe, auch wenn dieser mehr nach 80er als nach 70er klingt. Ausstattung und Settings machen ebenfalls einen authentischen Eindruck. Und auch die kleinen Details, wie der Font, der für die Titelsequenz benutzt wurde, oder die ins Bild geschobenen J&B-Flaschen stimmen. Leider muss man aber festhalten, dass Luciano Onetti so viel Wert auf eben dieses Drumherum gelegt hat, dass ihm der Blick für das große Ganze abhanden gekommen ist. Nun zeichneten sich die Original-Gialli auch nicht gerade durch großartig kniffelige und intelligente Drehbücher aus, aber etwas mehr hätte es hier schon sein dürfen. So hängt der Film dann auch ein ums andere Mal durch und wirkt trotz seiner knackigen Laufzeit von nur 70 Minuten deutlich länger.

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Noch mehr ins Gewicht fällt da die Unentschlossenheit mit der Luciano Onetti zu Werke geht. Während der erste Mord noch recht blutig und vor allem filmisch ausgefallen ist, sind die restlichen Taten deutlich mit angezogener Handbremse inszeniert. So, als wolle Onetti niemanden zu sehr auf den Fuß steigen. Bei einem Film, der seine Morde als kleine Kabinettstückchen in den Vordergrund stellt, führt diese „Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass“-Vorgehensweise natürlich dazu, dass das Konstrukt immer wieder in sich zusammenfällt. Der mangelnde Erotik-Faktor (Obwohl Erotik bei den Originalen aus den 70ern immer eine große Rolle spielte) und vor allem die hölzerne Schauspielerei der Darsteller enttäuschen ebenfalls. Die unbekannten Darsteller wirken wie aus dem Freundeskreis und der Nachbarschaft gecastet (was wahrscheinlich auch der Fall ist). Sie dann auch noch ohne große Not (von dem Authentizität-Fetisch abgesehen) in italienischer Sprache zu synchronisieren, hilft nicht wirklich. Da kann sich die Kamera in einigen Fällen noch so um einen agilen Eindruck bemühen, es sieht einfach wie eine Amateur-Produktion aus. Mit Liebe gemacht, aber leider ohne Fantasie.

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Luciano Onetti rekreiert fast schon sklavisch seine großen Giallo-Vorbilder der 70er Jahre. Dies gelingt ihn bis hinein in kleinen Details auch sehr gut. Leider vergisst Onetti dabei, eine Geschichte zu erzählen oder originäre, phantasievolle Bilder zu finden.

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Die bei Mad Dimension erschienene DVD ist ungekürzt ab 18 freigeben. Ein FSK 16 hätte aber auch gereicht, da die Morde bis auf den Ersten, nicht sonderlich blutig oder spektakulär ausgefallen sind. Das digitale Bild versucht mit massivem Computer-Einsatz den Look einer alten 35-Millimeter-Kopie zu imitieren, was nur bedingt gelingt und es schwer macht, die Bildqualität zu bewerten. Der argentinische Film wurde bereits in der Originalfassung auf italienisch nachsynchronisiert. Dadurch wirkt die Sprache etwas gekünstelt und nicht besonders authentisch. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls von der eher preisgünstigen Natur und deutlich dünner als der Originalton. Die Käufer der Blu-ray dürfen sich an einem Interview mit Regisseur Luciano Onetti und seinem Bruder und Produzenten Nicolas, sowie einem Behind the Scene, einer entfernten und einer versteckte Szene erfreuen. Die mir vorliegende DVD verzichtet leider auf jegliches Bonusmaterial.

Blu-ray-Rezension: „Die Mörderklinik“

Von , 18. Dezember 2015 11:39

moerderklinikDie junge Krankenschwester Mary (Barbara Wilson) hat eine Stelle in der Nervenheilanstalt des Dr. Robert Vance (William Berger) angenommen. Bald schon stellt sie fest, dass einige Patientinnen auf geheimnisvolle Weise verschwinden. Sie ahnt allerdings nicht, das sich ein vermummter Killer im alten Gemäuer herumtreibt, der seine Opfer mit einem Rasiermesser tötet. Wer könnte der Mörder sein und was hat die unheimlich Gestalt damit zu tun, die auf dem Dachboden der Klinik haust?

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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1966 steckte das Genre des Giallo noch in seinen Kinderschuhen. Wobei dies allerdings nur für die Definition von Giallo stimmt, die später jene Filme charakterisierten, welche im Gefolge des großen Erfolges von Dario Argentos Regiedebüt „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ auf den Markt kamen. Eigentlich bezeichnet der Begriff „Giallo“ ganz normal einen Krimi. Einer, dessen Werke in Italien früh in den charakteristischen Büchern mit den gelben („giallo“) Umschlägen erschien, war beispielsweise Edgar Wallace. Und die deutschen Verfilmungen seiner Bücher werden ja auch oftmals als eine Wurzel des Giallo-Genres genannt. Elio Scardamaglias „Die Mörderklinik“ fühlt sich wie eine wilde Mixtur aus eben jenen „Gruselkrimis“ ala Wallace (das Setting in einer Irrenanstalt, der vermummte Mörder, die unschuldige Heldin, das Zehn-kleine-Negerlei-Prinzip) und einer britischen Hammer-Produktion (das Kostümdrama aus dem 19. Jahrhundert, der Wald, die Kutsche, das Monster auf dem Dachboden und ebenfalls der Irrenhaus-Schauplatz) an. Entfernt man aber die „Gothic horror“-Elemente, bleibt tatsächlich ein ziemlich lupenreiner Giallo nach moderner Definition übrig.

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Regisseur Elio Scardamaglia firmiert hier unter dem englischen Namen Michael Hamilton. Zwei der Darstellerinnen haben ebenfalls englische Namen, sollen aber laut IMDb lediglich in diesem einen Film mitgespielt haben. Dies deutet stark darauf hin, dass es sich bei „Mary Young“ und „Barbara Wilson“ um englische Pseudonyme zweier italienischer oder französischer Schauspielerinnen handelt. Leider konnte ich nicht herausfinden, wer sich dahinter verbirgt, da sowohl im Internet als auch in einschlägiger Literatur nur die beiden englischen Namen auftauchen. Für Scardamaglia war dies aber tatsächlich der einzige Film, bei dem er Regie führte. Und es war überraschenderweise auch der einzige Giallo, bei dem er involviert war. Von Hause aus war Elio Scardamaglia als Produzent von Sandalenfilmen und Italowestern, in späteren Jahren auch einiger Bud-Spencer-Solo-Filme aktiv. Für seinen einzigen Versuch auf dem Regiestuhl schlägt sich Scardamaglia aber sehr wacker. In einigen Szenen – wie beispielsweise jene, in der Gisèle de Brantome Dr. Vance in einer Höhle bei der Beseitigung eines Leichnams beobachtet, gelingt es ihm sogar, an die Filme des großen Mario Bava zu erinnern. Ansonsten ist bei seiner Inszenierung eine merkwürdige Tendenz zu beobachten, dass sich Figuren nur sehr selten direkt ansprechen, sondern sich beim Dialog voneinander ab- und der Kamera zu wenden, als ob sie auf einer Theaterbühne ins Publikum sprechen würden. Vielleicht wollte Scardamaglia damit einen dramatischen Effekt erzeugen, sorgt mit dieser Marotte aber eher für Irritationen.

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Im Gegensatz zu Elio Scardamaglia sollten die beiden Drehbuchautoren noch eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Giallo – so wie wir ihn heute kennen – spielen. Angeblich adaptierten sie für ihr Drehbuch den Roman „The Knife in the Body“ eines gewissen Robert Williams. Da sich allerdings nirgendwo Spuren dieses Schriftstellers, geschweige denn des Buches, finden lassen, kann man dies sicherlich in das Reich der Fabeln verweisen. Wahrscheinlich ist die Geschichte für „Die Mörderklinik“ also ganz alleine Ernesto Gastaldi und Luciano Martino eingefallen. Gastaldi ist dann auch derjenige, der das Giallo-Genre in den 70er fast im Alleingang zur Blüte brachte. Nachdem er bei vielen wichtigen Italo-Western das Drehbuch beisteuerte, schrieb er für den dann als Produzenten tätigen Luciano Martino und dessen Bruder Sergio einige der schönsten Gialli überhaupt, wie beispielsweise „Der Killer von Wien“ oder „Die Farben der Nacht“. Danach wandte er sich dem Polizieschi zu, wo er ebenfalls zahlreiche Meisterwerke, hauptsächlich für Umberto Lenzi, schrieb. In den 80ern war er dann an einigen italienischen Endzeitfilm beteiligt, bevor er sich 1998 aus dem Filmgeschäft zurückzog. Sieht man sich Gastaldis spätere Giallo-Arbeiten an, so kann man in „Die Mörderklinik“ schon einige wiederkehrende Muster erkennen. So steht bei ihm in den meisten Fällen eine „unschuldige“ Frau im Mittelpunkt, die zum Spielball finsterer Intrigen wird und sich in den undurchschaubaren und höchst verdächtigen Hauptdarsteller verliebt. Eine „klassische“ Detektivgeschichte, in der jemand versuchen muss den Fall zu lösen, wie sie bei Argento im Zentrum steht, gibt es bei ihm nur selten.

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Der undurchschaubare und höchst verdächtige Hauptdarsteller ist in diesem Falle William Berger. Der Österreicher Berger war über den Umweg US-Fernsehen im Jahre 1965 nach Italien gekommen und „Die Mörderklinik“ gehörte zu seinen ersten großen Rollen dort. Danach sollte er zunächst einmal hauptsächlich im Italo-Western tätig sein. Berger ist die perfekte Wahl für den verzweifelten, viktorianischen Arzt mit dunklem Geheimnis. Er spielt die Rolle zwar etwas steif und gleichzeitig distinguiert kühl, doch man spürt seine unterdrückte Leidenschaft. Auch die Französin Françoise Prévost macht als böse und berechnende Gisèle de Brantome eine guten Eindruck. Daneben fallen die restlichen Darsteller ab. Gerade „Barbara Wilson“ Heldin Mary bleibt höchst blass und auch „Mary Young“ als immer in Schwarz gekleidete Ehefrau des Arztes kann kein wirkliches Charisma entwickeln. Erschwerend kommt hinzu, dass der Film recht vorhersehbar ist und man den Täter von Anfang an erahnen kann. Nichtsdestotrotz verströmt der Film eine gemütliche Gediegenheit und altmodischen Flair, der ihn zu einem sympathischen Vertreter der typischen 60er Jahre Horrorfilme bzw. Gruselkrimis macht.

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Mit seinem einzigen Film als Regisseur hat der erfolgreiche Produzent Elio Scardamaglia vieles richtig gemacht und mit seinen beiden Drehbuchautoren einen gediegenen Gruselkrimi erschaffen, der schon einige Muster der höchst erfolgreichen Gialli beinhaltet, die Ernesto Gastaldi und Luciano Martino später zusammen mit Sergio Martino schaffen sollten.

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Mit „Die Mörderklinik“ liegt nun schon die Nummer 7 der filmArt-Giallo-Reihe vor. Grundlage scheint eine 35mm-Kopie aus dem Fundus des Nürnberger KommKinos zu sein. Diese war in einem eher schlechten Zustand, wie man an der unrestaurierten Fassung sehen kann, die dem Film als Bonus beigefügt wurde. Sieht man das Resultat nach der Restaurierung kann man nur staunen, was alles aus dem Bild rausgeholt wurde. Da ist es nur ärgerlich, dass ein paar schwarze Lauffäden nicht entfernt wurden, die eigentlich nicht auffallen würden, würden sie sich nicht so häufig bei Großaufnahmen über die hellen Gesichter der Figuren legen. Einige Filmrisse gibt es leider auch. Dafür wurden diese Szenen, ebenso wie Szenen in dem der Nachtfilter nicht genutzt wurde, in nicht „sprunghafter“ Form aus einer anderen (schlechteren) Quelle im Bonusbereich beigefügt. So liegt der Film nun erstmals in Deutschland ungeschnitten und im korrekten 2,35:1 Breitwandformat vor. Dem Ton merkt man sein Alter an, doch dies ist nicht störend. Desweiteren gibt es noch den Trailer zum Film, sowie ein schönes Booklet mit dem kompletten Kinoaushang und anderen schönen Werbematerial vor.

DVD-Rezension: „Night Ripper – Das Monster von Florenz“

Von , 5. Juli 2015 14:15

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In der Provinz von Florenz geht ein Serienmörder um, der innerhalb von 17 Jahren acht Pärchen erschossen und anschließend die Frauen verstümmelt hat. Der Schriftsteller Andreas Ackerman (Leonard Mann) schreibt an einem Buch über den Mörder. Seine Recherchen und Theorien über dessen Identität lassen für ihn immer mehr Vorstellung und Wirklichkeit miteinander verschmelzen…

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Obwohl in der schönen Giallo-Edition des Labels filmArt herausgekommen, hat „Night Ripper – Das Monster von Florenz“ nur wenig mit dem klassischen Giallo zu tun, den man hier erwarten würde. Auch der deutsche Titel führt in die Irre. Einen „Ripper“ gibt es hier nicht, die zahlreichen Morde werden zumeist mit der Schusswaffe ausgeführt. Nur in der Eröffnungssequenz greift das „Monster von Florenz“ – so auch der Originaltitel – zum blanken Stahl. Als ihm eines seiner Opfer trotz schwerster Verletzungen entkommt, weiß sich der geheimnisvolle Serienkiller nur mit einem Schnitt durch die Kehle zu helfen. Und natürlich spielt das Messer auch eine Rolle, wenn er seine weiblichen Opfer genital verstümmelt. Immerhin bedient dieser „True Crime“-Film eine der Standard- Giallo-Konvention, denn  das Motiv für die Morde liegt in der Vergangenheit. Oder aber auch nicht. Und genau hier ist das eigentliche Problem des Filmes zu finden.

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„Night Ripper“ beruht auf dem wahren Fall des „Monsters von Florenz“, eines Serienmörders der zwischen 1968 und 1985 außerhalb von Florenz acht Pärchen in ihren Wagen erschoss. Als Debüt-Regisseur Cesare Ferrario – der auch am Drehbuch mitschrieb, ansonsten in der Geschichte des italienischen Films ein Unbekannter blieb – unmittelbar nach dem letzten Mord des „Monsters“ seine filmische Aufbereitung dieses realen Falles inszenierte, war die Identität des Mörders noch nicht bekannt. Statt sich von den realen Geschehnissen zu einer eigenen Geschichte inspirieren zu lassen, die Motive des echten Falls aufgreift, aber in einen fiktiven Kontext setzt, entschloss sich Ferrario zu einem gänzlich anderen Schritt. Er spielt mit dem Dilemma des Filmemachers, der sich mit einer Geschichte konfrontiert sieht, zu der er keine Auflösung kennt, und die er daher ganz allein entwickeln muss.

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Ferrarios Alter Ego ist der Schriftsteller Andreas Ackerman. Dieser arbeitet an einem Buch über das „Monster“, kommt damit aber nicht so recht voran. Er entwickelt immer neue Szenarien, wie der Killer zu seinem ersten Mord getrieben wurde oder was in seiner Kindheit geschah, das ihn zum Mörder werden ließ. Diese unterschiedlichen Ansätze widersprechen sich allerdings untereinander, und hier begeht Ferrario einen dramaturgischen Fehler. Er weist sein Publikum nicht darauf hin, dass es sich bei den Rückblenden, die die Hintergründe der Morde durchleuchten sollen, um reine Mutmaßungen Ackermans handelt. Der Zuschauer ist daran gewöhnt, dass Rückblenden die Wahrheit erzählen und so lässt ihn Ferrarios Kniff verwirrt und ratlos zurück. Dass an dem Problem der „gelogenen Rückblende“ einst auch schon der große Hitchcock in „Die rote Lola“ gescheitert ist, mag hier nur ein schwacher Trost sein. Cesare Ferrario verwirft hier ohne Not die Gelegenheit, seinen durchaus spannenden Ansatz durch den Film zu tragen. So aber erlahmt das Interesse relativ schnell, da das Stückwerk aus realen Morden, als Rückblenden inszenierten Theorien und der zunehmenden Besessenheit Ackermans mit dem Fall nicht recht zueinander passen wollen und sich gegenseitig im Wege stehen.

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Die Figur des Andreas Ackerman ist durchaus spannend, nimmt sie doch den von Jake Gyllenhaal gespielten Robert Graysmith aus David Finchers „Zodiac“ vorweg, welcher sich ebenfalls immer selbstzerstörsicher mit einer unaufgeklärten Mordserie beschäftigt. Auch Ackermans Charakter bekommt im Laufe des Filmes immer manischere Züge, wenn er in seiner unmittelbaren Umgebung die Figuren seiner wilden Fantasien, den Serienmörder betreffend, zu erkennen glaubt. Und am Ende meint er sogar, dem Täter gegenüberzustehen. Doch dadurch, dass sich Cesare Ferrario entweder strikt weigert sein Konzept zu erklären oder dafür keine überzeugendes Mittel gefunden hat, verpufft die Geschichte um Andreas Ackerman vollkommen. Dass dieser von dem ehemaligen Italo-Western-Star Leonard Mann auch eher schlafwandlerisch angelegt wird, hilft auch nicht, diesen Teil des Filmes überzeugend voranzutreiben. Er bleibt eine Randnotiz.

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Sehr viel mehr zu beißen, gibt Ferrario seinen Zuschauern mit den teilweise recht stimmungsvollen  – und bis auf den blutigen Auftakt – eher zurückhaltend inszenierten Mordszenen. Ferner nutzt er seine Freiheit, sich bei den verschiedenen Mutmaßungen über die Identität und den psychologischen Hintergrund des „Monsters“ an keine Vorgaben halten zu müssen, um einige Szenen einzubauen, die den Film gefährlich nah an die Untiefen des Sleaze heranführen. Doch auch hier zieht Ferrario, vergleichbar mit den Mordszenen, nicht wirklich voll durch und zeigt nichts, was die deutsche FSK-Freigabe von 16 Jahren irgendwie in Gefahr bringen würde. Hier hatte man sich etwas mehr Mut gewünscht, um dem Film durch jene Maßlosigkeit im Gedächtnis zu halten, die italienischen Genrefilmen zumeist zu eigen ist. Wenn schon die vielversprechende Grundidee durch Schlamperei in der Erzählung verstolpert wurde.

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Cesare Ferrarios True-Crime-Thriller, der hier als Giallo vermarktet wird, kommt mit einer durchaus interessanten Grundgeschichte daher, die einiges von David Finchers Jahrzehnte später entstanden „Zodiac“ vorweg nimmt. Leider verhindert das frustrierend schlecht konstruierte Drehbuch und die eher lustlose Umsetzung, dass bei „Night Ripper“ seine Versprechen einlösen kann.

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Der Film ist in der Giallo-Edition des Hauses filmArt als Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Das Bild ist dem Quellmaterial entsprechend gut. Wie alle italienischen Genre-Filme aus der Mitte der 80er weist er starke dunkel-blaue Töne auf, die teilweise etwas verwaschen wirken. Davon abgesehen ist das Bild recht scharf und weitaus detailreicher als früherer Inkarnation des Films bei einem Billig-Labeln. Der Film ist erstmals ungeschnitten, fehlenden Handlungsteile wurden im O-Ton mit deutschen Untertiteln eingefügt. Die deutsche Synchronisation stammt leider aus der Discount-Ecke, so dass der etwas dumpfere, italienische O-Ton zu bevorzugen ist. Außer diesem liegt noch eine englische Tonfassung vor. An Extras gibt es bis auf eine Trailer-Show leider nichts zu finden. Dafür enthält das Mediabook ein höchst informatives, 12-seitiges Booklet von Heiko Hartmann bei, in welchem man, neben Details zum Film, auch etwas über das wahre „Monster von Florenz“ lesen kann.

DVD-Rezension: „Liebe und Tod im Garten der Götter“

Von , 4. November 2014 21:25

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Ein deutscher Ornithologe (Franz von Treuberg) zieht sich in das Gästehaus eines verlassenen Anwesens in Umbrien zurück, um sich hier in Ruhe seinen Studien zu widmen. Bei seinen Exkursionen durch den weitläufigen Garten des Anwesens entdeckt er einen Haufen mit Tonbändern. Wieder zurück, reinigt er diese und hört sie sich an. Bei den Tonbandaufnahmen handelt es sich um Mitschnitte der psychiatrischen Sitzung der ehemaligen Herrin des Anwesens, Azzura (Erika Blanc), die nach ihrem versuchten Selbstmord entstanden. Azzura kann sich nicht erklären, warum sie sich umbringen wollte und hat auch keinerlei Erinnerungen an die Tat. Hat ihre seltsame von Hass und Abhängigkeiten geprägte Beziehung mit ihrem Bruder Manfredi (Peter Lee Lawrence) etwas damit zu tun? Bald schon breitet sich vor dem Ornithologen das ganze Drama einer krankhaften Beziehung aus, die auch alle um sie herum in den Abgrund zu reißen droht. Fasziniert versucht der Ornithologe hinter das Geheimnis zu kommen, was damals auf dem Anwesen geschehen ist. Dabei gerät er selber in tödliche Gefahr.

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Den Film mit dem wunderschönen Titel „Liebe und Tod im Garten der Götter“ auf das Label „Giallo“ zu reduzieren, wird diesem Werk nicht wirklich gerecht. Zwar ist die Bezeichnung „Giallo“ im Italienischen ein Sammelbegriff wie der deutsche „Krimi“, trotzdem erweckt dieser Terminus bei den Filmfreunden augenblicklich die Assoziation: kreative Morde, beatig-fluffige Musik und wunderschöne Frauen. Während „Liebe und Tod im Garten der Götter“ dem letztgenannten mit der grandiosen Erika Blanc, deren herb-mysteröses Gesicht mit den blassblauen Augen, in denen man wie in einem eiskalten Bergsee versinkt, diese Klischee-Vorgabe, ebenso wie die süße Orchidea de Santis die Klischeevorgabe erfüllt, gilt dies für die beiden erstgenannten nur bedingt. Giancarlo Chiaramellos herrliche Musik ist alles, nur nicht beatig-fluffig, sondern orientiert sich häufig am der klassischen Musik verpflichtete Soundtrack, ohne dabei banal zu werden. Im Kern ist „Liebe und Tod im Garten der Götter“ ein vertracktes, und eigentlich doch ganz simples, Psychodrama um zwei verrottete Seelen, ein Geschwisterpaar, deren ungesunde Hass-Liebe, ebenso wie ihre gegenseitige Abhängigkeit, einen tödlicheren Strudel verursachen, in den alle Personen in ihrer Nähe hineingezogen werden und darin umkommen.

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Regisseur und Drehbuchautor Sauro Scavolini – der weniger für seine handvoll Regiearbeiten, als vielmehr für die von ihm geschriebenen Italo-Western und „Giallo“-Drehbücher für Sergio Martino bekannt ist – wählt keinen direkten Weg, um seine Geschichte zu erzählen. Vielmehr präsentiert er dem Publikum ein lückenhaftes Mosaik, welches der von Franz von Treuberg gespielte Ornithologe stellvertretend für den Zuschauer zusammensetzt. Und ebenso wie dieser wird der Betrachter des Filmes immer tiefer in die Geschichte hineingezogen, erkennt langsam die Zusammenhänge und muss feststellen, dass der Arm der im Dunkeln liegenden Vergangenheit in die Gegenwart hineingreift und dort zu einer gefährlichen Bedrohung wird. Ein zentrales Motiv, welches nicht nur typisch für den italienischen Giallo ist, sondern dem auch im gotischen Horrorfilm eine bedeutende Rolle zukommt. Und an einen Geisterfilm muss man auch hier denken, den die toten Stimmen dringen vom Tonband in eine Zeit ein, wo sie nur noch körperlose Gespenster sind, aber trotzdem noch Macht ausüben können.

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Sauro Scavolini wird bei diesem Film von seinem weitaus bekannteren Bruder Romano unterstützt, der für die intensive Kameraarbeit zuständig ist. Immer wieder folgt er den handelnden Personen ganz dicht, rennt mit ihnen durch den Garten der Götter und erreicht dabei eine Intensität, die an die Dogma-Filme erinnert. Neben Erika Blank und dem fiebrigen Peter Lee Lawrence als ihr Bruder Manfredi, werden die weiteren Figuren zu den wortwörtlichen Nebendarstellern degradiert. Kaum etwas erfährt man über den dem Alkohol verfallenden Timothy, außer dass er er der falsche Mann für die dominante Azzurra ist, sich aber nicht aus ihrem Bannkreis zu befreien vermag. Noch weniger Informationen bekommt man über die schöne Viola. Sie hat Manfredi zufällig in einem Zug kennengelernt und ist seiner wahrscheinlich gar nicht ganz ernstgemeinten Aufforderung nachgekommen, ihn in seiner Villa zu besuchen. Obwohl sie für ihn eine Art Fluchtpunkt darstellt, bleibt dieser Charakter doch unterentwickelt.

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Der Psychiater und der Ornithologe nehmen die doppelte Rolle des Zuschauers ein. Der eine fragt, der andere hört zu. Und beide setzten dabei unbewusst ihr Leben aufs Spiel. Es ist eben eine gefährliche Sache, sich zu tief in fremde Geschichte zu drängen und die Vergangenheit nicht ruhen zu lassen. Eine wichtige Rolle in diesem Film nimmt auch die Kulisse ein, vor der sich das Drama einer inzestuösen Beziehung entfaltet. Die dekadente Villa irgendwo in Umbrien, mit ihrem riesigen Garten, scheinbar ganz abgeschnitten von der Welt. Nur sehr selten verlässt der Film dieses abgeschiedene Reich der heimlichen Gelüste und krankhaft-intensiven Gefühle, irgendwo zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. Der Liebe und dem Tod. Welches jeden, der sich hierher begibt, mit der gleichen Melancholie und dem kalten Hauch des Todes streichelt.

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Mit „Liebe und Tod im Garten der Götter“ hat filmArt eine in Deutschland bisher unveröffentlichte, beinahe vergessene Giallo-Perle veröffentlicht, welche sich nicht in das Klischee-Bild des Genres fügen möchte. Vielmehr ist der wunderbare Film von Sauro Scavolini ein ruhiges und morbides Psycho-Drama mit Anleihen im Gothic Horror. Neben der faszinierenden Erika Blanc, weiß auch die Bildgestaltung und die für einen Giallo ungewöhnliche Instrumentierung zu gefallen. Für Liebhaber ausgewöhnlicher Filmkunst eine klare Empfehlung. Wer für seine Giallos unbedingt schwarz behandschuhte Killer mit Rasiermessern braucht, der ist hier eher fehl am Platze.

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Die vorbildliche Veröffentlichung aus dem Hause filmArt weiß durch eine sehr gutes Bild zu glänzen, welches aussieht, wie von einer frischen 35mm-Kopie gezogen. Da der Film bisher keine deutschsprachige Veröffentlichung spendiert bekommen hatte, existiert auch keine deutsche Synchronisation, und der Film liegt auf Italienisch mit gut lesbaren, deutschen Untertiteln vor. Auch die Extras können sich sehen lassen. Neben einem netten Grußwort durch Erika Blanc, gibt es noch ein interessantes Interview (11 Minuten) mit ihr, welches Uwe Huber geführt hat und in dem Sie auch näher auf ihre Freundschaft mit Peter Lee Lawrence eingeht. Ferner glänzt die Veröffentlichung mit einem sehr kenntnisreichen und informativen Audiokommentar, der von Dr. Marcus Stiglegger und Kai Naumann eingesprochen wurde. Ebenfalls hervorzuheben ist ein sehr individuell und leidenschaftlich geschriebenes 12-seitiges Booklet von Christoph Draxtra, der auch für die Untertitel des Filmes verantwortlich ist.

DVD-Rezension: “Das Grauen kommt nachts”

Von , 22. Mai 2014 21:44

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Dr. Herbert Lyutak (Mickey Hargitay) ist ein Serienkiller, der versucht junge Mädchen zu vergewaltigen, und sie dann umbringt. Gleichzeitig arbeitet der Psychiater aber auch eng mit der Polizei zusammen, die vergeblich versucht die Morde aufzuklären. Als eines Tages ein Mord geschieht, der nicht auf Lyutaks Konto gehen, versucht er auf eigene Faust herauszufinden, wer dahinter steckt.Dabei dreht sich die Spirale von Mord und Wahnsinn immer schneller…

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„Heißes Delirium“ würde der italienische Originaltitel übersetzt heiße. Der deutsche Titel lautet etwas irreleitend „Das Grauen kommt nachts“. „Heißes Delirium“ trifft es aber besser. Denn im Delirium dürfte sich so mancher Zuschauer nach diesem Erlebnis fühlen. Es ist auch etwas schwer, eine Kritik zu Renato Polsellis Werk zu verfassen, denn dazu muss man eine gewollte Objektivität ablegen und versuchen, dem werten Leser ein Gefühl davon zu vermitteln, was der Film mit einem macht. Wer es nicht schafft, in den Rausch, den Film auslösen kann, einzutauchen, lustvoll zu delirieren und sich einfach vom überbordenden Wahnsinn mitreißen zu lassen, der wird nur kopfschüttelnd davor stehen und diejenigen, die von „Das Grauen kommt nachts“ so begeistert schwärmen, als arme Irre („Ich liebe Dich, aber ich bin ein impotenter Irrer!“) abstempeln. Er wird nur die abstruse, zum Teil hoffnungslos unlogische Handlung sehen, ohne sich an ihrer Bizarrheit („Ich bin’s. Der Kartoffel“) erfreuen zu können. Mickey Hargitays hemmungsloses Grimassieren („Ich haben einen instinktiven Verdacht metaphysischen Charakters“) wird diesem Zuschauer wahrscheinlich ebenso sauer aufstoßen, wie die enervierenden „Marzia!“-Rufe am Ende des Filmes. Er wird es nicht als Ausdruck des Irrsinns, der von der Leinwand auf den sich dem Film bedingungslos öffnenden Enthusiasten ergießt, wahrnehmen können. Polselli zeigt eine andere Welt, einen anderen Film. Eine in der das Delirium regiert und die Akteure nicht mehr aus seinen Krallen entlässt.

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Der Film erschien Anfang der 80er Jahre bei einem obskuren Video-Kleinstlabel, welches wohl auch die Synchronisation in Auftrag gab. Da augenscheinlich nicht viel Geld zur Verfügung stand, muss hier der billigste Anbieter genommen worden sein. Die Synchronisation klingt zu keinem Zeitpunkt so, als wüssten die Verantwortlichen, was und wie sie das da eigentlich vertonen sollten. Die Dialogen scheinen zum Teil so wortwörtlich aus dem Italienischen übersetzt worden zu sein,  so dass sie, in die deutsche Sprache überführt, ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben und dafür nun zu holprigen Seltsamkeiten verkommen sind, die auf ihre Art und Weise dann fast schon wieder wie ein poetisches Dada-Gedicht klingen. Hinzu kommen Sprecher, die zwischen Hysterie und Apathie oszillieren und keine Zwischentöne zu kennen scheinen. Doch dieses nur scheinbare Manko potenziert den seltsam ausserweltlichen Effekt des Filmes noch. Insbesondere der Sprecher des Dr. Lyutak, der etliche Jahre älter klingt als die Figur, deklamiert seine Sätze mit dem Charme einer leiernden Schallplatte, die zu langsam abgespielt wird. Doch auf eine seltsame Art und Weise passt es. Wenn Mickey Hargitay sich wie wild durch das Gesicht fährt und dabei nicht das manische Geschrei der italienischen Originaltonspur, sondern die melancholisch-monotone Synchronstimme erklingt, hat dies einen Verfremdungseffekt, den viele avantgardistische Regisseure suchen, und der hier ganz zufällig gefunden wird.

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Polsellis Film macht vielen falsch, aber dabei alles richtig. Lange Zeit glaubte ich, dass die Handlung keinen Sinn machen und nur Vorwand für möglichst viel nackte Haut und grimassierende Schauspieler liefern würde. Nun, beim vierten oder fünften Mal, dass ich diesen Film sehe, habe ich plötzlich den roten Faden entdeckt und festgestellt, dass mein erster Gedanke falsch war. Tatsächlich gibt es eine nachvollziehbare und – in den Grenzen des Genres – sogar logische Handlung. Nur ist diese unter meterdickem Irrsinn verborgen (und auch die „ungewöhnliche“ Synchronisation führt einen hier und dort auf die falsche Spur). Polselli packt einfach viel zu viel Fleisch auf sein Handlungsgerüst, so das dieses also solches kaum noch wahrnehmbar ist. Seien es Mickey Hargitays enthusiastische Darbietung, die knalligen Farben und freizügigen Traumsequenzen oder der lustige Kartoffel, aufdreht wie eine Louis-de-Funes-Imitation der B-Klasse. Dann sind da die Morde und die sich wie im Fieberwahn drehende, völlig unberechenbare Kamera. Und selbstverständlich diese unglaublichen Figuren, die immer agieren, als würden sie sich in einer nur ihnen bekannten, für alle anderen nicht sichtbaren, Realität bewegen.

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Und dann gibt es auch noch Rita Calderoni. Wahrscheinlich ist sie im traditionellen Sinn eine schlechte Schauspielerin, aber bei Gott, sie ist eine begnadete Darstellerin. Sie umweht eine spezielle Aura, die man nicht in Wort fassen kann. Würde man es tun, hörte es sich wahrscheinlich platt und hilflos an. Sie ist nicht göttlich schön wie Edwige Fenech, nicht von dieser unbedingten Präsenz wie Barbara Steele. Aber sie umweht eine ihr ganz eigene, kummervolle Erotik. Sie ist die Frau mit der man schlafen will, obwohl man weiß, dass es ein Fehler ist, weil sie voller Probleme und trauriger Geschichten steckt. Diesen Effekt wusste Polselli nicht nur hier zu nutzen, er verströmt auch in seinen anderen Werken, in welchen er Rita Calderoni immer wieder einsetzte. Und auch bei anderen Regisseuren brachte sie diese spezielle Qualität mit. Wenn sie in „Nuda per Satana“ von Luigi Batzella, in einem Spinnenetz hängt und von einer schlecht getricksten Plüschspinne angegriffen wird, behält sie trotzdem noch diese melancholisch-würdevolle Haltung.

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Meine erste Erfahrung mit „Das Grauen kommt nachts“ machte ich irgendwann in der zweiten Hälfte der 90er Jahre. Mangels allgegenwärtiger Verfügbarkeit obskurer Filme, verabredete man sich im damals noch jungen Internet in Newsgroups (Foren in der heutigen Form gab es noch nicht) oder in Mailinglisten, um untereinander Videotapes zu tauschen. Eines Tages fiel mir auf diese Weise auch „Das Grauen kommt nachts“ in die Hände. Es war eine Kopie der wasweißichwievielten Generation. Die Bildqualität war dementsprechend und bei einer Szene rätselte ich lange, ob ich sie nur nicht verstand, weil das Bild so schlecht war, und ich nicht wirklich sehen konnte, was vor sich ging, oder weil sie einfach keinen Sinn machte. Auf jeden Fall faszinierte mich dieser seltsame Film augenblicklich. Bald schon fand ich heraus, dass es unterschiedliche Versionen des Filmes gab und tatsächlich stolperte ich schon bald ein anderes Tape, auf dem sich eine Fassung befand, die sich in einigen Szenen deutlich von der mir bekannten unterschied. Z.B. durch den Anfang, der plötzlich in Vietnam spielte. Leider hatte auch diese Version eine lausige Bildqualität und die oben gestellte Frage nach dieser bestimmten Szene stellte sich mir noch immer. Jahre später ließ mir ein guter Mann eine Kopie der US-DVD zukommen und erstmals erstrahlte der Film in seinem ganzen Glanz (auch wenn man auf die surreale deutsche Tonspur verzichten musste). Auch das Rätsel wurde gelüftet. Es lag einerseits am schlechten Bild, andererseits schaut in dieser Szene jemand durch eine löchrige Wand und kann auch nichts erkennen. Als nun filmArt eine deutsche DVD ankündigte, war dies nicht nur für mich ein Grund für uneingeschränkte Euphorie, die sich bei der Aussicht auf gleich vier verschiedene Schnittfassungen zur Ekstase wandelte.

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„Das Grauen kommt nachts“ ist kein Film für jedermann. Die einen werden ihn als langweiligen und unglaublich schlecht gemachten Müll abtun. Andere werden sich über den Film und seine offensichtlichen Unzulänglichkeiten schief lachen, um ihn anschließend als „Trash“ abzufeiern. Und dann gibt es noch die, denen sich seine somnambule Seltsamkeit ins Herz schleicht. Für diese stellt diese perfekte Edition ein wahres Schatzkästchen dar.

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Als Freund des Filmes „Das Grauen kommt nachts“, muss man filmArt für diese Doppel-DVD zu tiefem Dank verpflichtet sein. Diese kommt nämlich gleich mit vier (!) unterschiedlichen Fassungen daher. Wer sich in der Vergangenheit mit „Das Grauen kommt nachts“ beschäftigt hat, weiß sicherlich, dass der Film immer wieder in anderer Form aufgetaucht ist, was seinen Mythos nur noch verstärkt hat. Die erste Scheibe enthält die Hauptfassung, also quasi den „Director’s Cut“. Es ist der Film, wie er damals in Italien veröffentlicht wurde, d.h. ohne Vietnam-Bezüge. Diese Fassung läuft 97:34 Minuten und besitzt ein wunderbar klares und farbintensives Bild. So gut hat man den Film – zumindest in Deutschland – bisher nicht zu Gesicht bekommen. Ferner wird diese Scheibe noch um die sogenannte „Sex-Fassung“ (93:41 Minuten) ergänzt. Um Gerüchten, die im Internet herumschwirren, gleich den gar aus zu machen: Dies ist keine Hardcore-Variante. Es werden alternative Szene aus einer sehr schlechten Quelle (scheinbar von einem bereits häufig kopierten VHS-Tape) hineingeschnitten. Der auffälligste Unterschied ist der Mord Miss Heindrich, der hier gänzlich anders und sehr viel offenherziger vollzogen wird. Auf der zweiten Scheibe befindet sich die deutsche Langfassung. Dies ist im Grunde die italienische Fassung mit dem Vietnam-Vorspann und einem anderen Ende (99:23Minuten). Die deutsche Kurzfassung (79:01 Minuten) besitzt auch den Vietnam-Vorspann, ist aber massiv gekürzt. Als quasi fünfte Version findet man auch der Scheibe noch die Szenen, die nur in der US-Fassung vorkommen. Diese laufen zusammen knapp eine halbe Stunde und haben es in sich. So gibt es nur hier zwei zusätzliche Morde, die in keiner anderen Fassung vorkommen. Eine dieser Szenen ist komplett neu, in der anderen nimmt eine bereits bekannte Sequenz einen gänzlich anderen, mörderischen Ausgang. Ferner gibt es es noch weitere zum Teil drastische Abweichungen von der italienischen Fassung und auch das Ende ist neu. Die Szenen liegen in exzellenter Qualität vor, daher finde ich es sehr schade, dass die US-Fassung nicht komplett auf der Scheibe ist. Ich hätte dies besser gefunden als die zusammengestückelte Sex-Fassung – aber Sex verkauft sich eben besser. Neben diesen vielen Fassungen hat es auch das Special „The Theorem of Delirium“ von der US-DVD auf diese Veröffentlichung geschafft. Hier gibt es knappe 15 Minuten lang Interviews mit Renato Polselli und Mickey Hargitay. Ein weiteres Highlight ist der hervorragende Audiokommentar von Christian Keßler und Pele Felsch, der die italienische Fassung begleitet. Besonders schön: Christians überschäumende Begeisterung, als er das erste Mal das Ende dieser Version sieht. Desweiteren gibt es als PDF noch einen Fotoroman des Filmes. Wie immer ist auch wieder ein ausführliches Booklet dabei. Geschrieben von Heiko Hartmann, der am Ende Christian Keßler und Ivo Ritzer dankt, deren sehr speziellen und unterschiedlichen Schreibstile er in seinem Booklet zusammenführen möchte. Ob ihm dies gelungen ist, mag jeder selber entscheiden. Mir hat dieser Schreibstil überhaupt nicht zugesagt, auch wenn eine Menge Informationen zum Film untergebracht wurden.

DVD-Rezension: “Der Killer von Wien”

Von , 7. März 2014 19:48

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Die unglücklich verheiratete Julie Wardh macht eine schwere Zeit durch: Sie wird nach einer Affäre erpresst und ihr sadistischer Ex-Liebhaber stellt ihr noch immer nach. Gleichzeitig geht in Wien geht ein unheimlicher Mörder um, der junge Frauen mit dem Rasiermesser tötet. Dieser scheint es auch auf Julie abgesehen zu haben.

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Es ist schwierig objektiv einen Film zu besprechen, der einem recht viel bedeutet. Das erste Mal sah ich „Der Killer von Wien“ auf einem schraddeligen VHS-Tape, als x-te Kopie des schwedischen Tapes unter dem Titel „Next!“. Im falschen Format, voller Video-Laufstreifen, ab und an wurde das Bild schwarz-weiß und manchmal musste man raten, was man da gerade sieht, so unscharf war das Ganze mittlerweile. Trotzdem zog mich der Film in seinen Bann und so verbrachte ich die folgenden Jahre damit, an eine perfekte Fassung zu kommen. 2006 brachte Koch Media den „Killer von Wien“ auf DVD heraus und letztes Jahr im Februar erfüllte ich mir selber den ultimativen Wunsch: Diesen Film einmal auf der großen Leinwand zu sehen. Im Rahmen unserer „Weird Xperience“-Reihe zeigten wir im Bremer Kommunalkino eine tolle 35mm-Kopie aus dem Münchener Werkstattkino. Leider wurde – wie so oft – dies von meinen lieben Mitbürgern nicht besonders honoriert und so fanden sich nur wenige Interessierte zu diesem Ereignis ein. Für mich allerdings, war es trotzdem eines der schönsten Kinoerlebnisse überhaupt. Edwige Fenech in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit schaute mich von der Leinwand herab an und mein Herz schmolz.

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Nun ist die umwerfend schöne französisch-algerische Schauspielerin nicht der einzige Grund, weshalb „Der Killer von Wien“ in meinem persönlichen Kino-Pantheon einen relativ hohen Platz einnimmt, aber ein wichtiger. Für Edwige Fenech, Tochter eines maltesischen Vaters und einer sizilianischen Mutter, war der Film die erste echte dramatische Rolle, nachdem sie zuvor in vielen – vor allem deutsch co-produzierten – Sexkomödien mitgespielt hatte. Zum „Killer von Wien“ war sie gekommen, da sie zu diesem Zeitpunkt mit Luciano Martino zusammen war, der den Film seines Bruders Sergio produzierte. Die damals gerade 22-jährige Schauspielerin sollte auch in Martinos weiteren Gialli und generell in diesem Genre eine wichtige Rolle spielen, bevor sie Ende der 70er wieder vermehrt in Sexkomödien, wie den „Heißen Teens“-Filmen, zu finden war. „Der Killer von Wien“ zeigt dann auch gleich ihre ganz besondere Qualität, denn neben ihrer Schönheit besitzt sie auch eine enorme Präsenz und Autorität. Sobald sie die Szene betritt, zieht sie gleich die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, und so damit sollte sie es auch später immer wieder schaffen, schwächere Filme allein durch ihre Anwesenheit zu adeln.

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Sergio Martinos Inszenierung ist bei „Der Killer von Wien“ zwar nicht so verspielt wie „Der Schwanz des Skorpions“, doch bereits hier setzt er innovativ die Kamera ein. Die elegante, scheinbar endlose Kreisfahrt um die Fenech, wenn sie einen Anruf des geheimnisvollen Erpressers erhält, nimmt schon das vorweg, wofür Brian de Palma oder Michael Ballhaus Jahre später berühmt wurden. Jeder Kamerawinkel stimmt, die Fenech wird nicht gefilmt, sondern förmlich zelebriert und die Morde haben eine derart wilden Intensität, die für die damalige Zeit (wir schreiben das Jahr 1970) noch unbekannt war. Zusätzlich wird viel Wert auf Design und Kostüme gelegt. „Der Killer von Wien“ ist mit seinen bunten, streng geometrischen Tapeten, Edwige Fenechs farbintensiven Kostümen und George Hiltons cooler Sonnenbrille ist einer der stylishsten, bestaussehensten Filme seiner Ära. Dies gilt vor allem auch für die stilvollen Rückblenden, in denen sich die Fenech und Ivan Rassimov in slow motion im Regen wälzen, oder eine Weinflasche zertrümmert wird und sich die Splitter in Zeitlupe wie ein Feuerwerk explodiert, um sich dann wie Sperma auf der nackten Signoria Wardh zu ergießen. Szenen, die man nicht wieder vergisst.

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Ein wichtiger Faktor, um den Film zu einem Highlight des italienischen Thrillers werden zu lassen, ist die grandiose Musik von Nora Norlandi, die später auch in Quentin Tarantinos „Kill Bill Vol.2“ zu finden war. In einer der spannendsten Szenen des Filmes – wenn nicht auch des ganzen Genres – ist sie allerdings abwesend. Wenn Mrs. Wardh am Ende des Filmes in größter Lebensgefahr schwebt, verzichtet Martino darauf, die suspense per dramatischer Musik zu erzeugen, sondern verlässt sich ganz auf einen effektiven Schnitt und intensives Sounddesign.  Ein dröhnender Ton und der Herzschlag der Signora Wardh reichen aus, um die Spannung ins Unerträgliche zu steigern. Neben der Fenech als Mittelpunkt des Filmes, hat Martino auch ein vorzüglichen weiteren Cast vor der Kamera versammelt. Da ist einmal natürlich Ivan Rassimov, der hier wieder einmal mit seiner dämonisch wirkenden, leicht exotische Erscheinung, die Idealbesetzung für den unheimlichen, sadistisch veranlagten Ex-Liebhaber der Wardh ist. Aber auch Sunnyboy George Hilton, weiß in seiner etwas zwielichtigen Rolle zu gefallen. Nicht vergessen sollte man ferner Alberto de Mendoza als Mr. Wardh, der das Beste aus seiner scheinbar undankbaren Rolle herausholt.

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Sergio Martino etablierte sich mit „Der Killer von Wien“ als einer der Großmeister des italienischen Thrillers. Insbesondere mit dem mörderisch spannenden Finale dieses Filmes gelang es ihm, sich in den Köpfen und Herzen der Fans zu verankern.

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Nach der schon lange vergriffenen DVD von Koch Media, ist diese Doppel-DVD von filmArt, die als No. 4 ihrer Giallo-Reihe erschien, die zweite Veröffentlichung des „Killers von Wien“ in Deutschland. Für denjenigen, die den Film noch nicht im Regal stehen hat, ist die Anschaffung durchweg zu empfehlen. Die Frage ist, lohnt sich für Besitzer der Koch-Media-Scheibe der Neukauf? Nicht unbedingt. Beginnen wir mit den Extras. Die sehr interessante Doku „Dark Fears Behind The Door“ (31 Minuten) stammt von der  amerikanischen „No Shame“-DVD und war bereits auf der Koch-DVD enthalten. Die beiden Features „La bellissima musica della Signora Orlandi“ und das sehr entbehrliche „Austrofred – Tu felix Austria nude“ haben es nicht auf die filmArt-Scheibe geschafft. Dafür findet sich dort eine spannendes, halbstündiges Interview mit Sergio Martino, welches 2013 aufgenommen wurde und sich mit seiner Filmkarriere beschäftigt. Der Wermuts-Tropfen: Das selbe Interview war bereits auf der No.2 der filmArt Giallo Edition, „Der Schwanz des Skorpions“, enthalten. Dafür gibt es ein weltexklusives Feature, welches natürlich mein Herz höher schlagen lässt: Eine Abtastung der alten, deutschen 35mm-Kopie. Wahrscheinlich der selben, die wir auch in Bremen gezeigt haben. Natürlich sieht man dieser Kopie das Alter und sein „Leben“ deutlich an, aber das macht für mich gerade den nostalgischen Reiz aus. Aber das mag auch Geschmackssache sein. Wie sieht es mit Bild und Ton aus? Der Ton wurde gegenüber der Koch Media-DVD neu abgetastet und liegt gefiltert und ungefiltert vor. Zudem wurde auch noch die alte Abtastung mit auf die Scheibe gepackt. Letztere klingt etwas dünn, während sich mir die neue ein wenig zu dumpf anhört. Zwischen gefiltert und ungefiltert habe ich keinen großen Unterschied gehört, aber das mögen andere Ohren auch anders empfinden. Das Bild ist mit dem der Koch-Media-DVD identisch und hat für meinen Geschmack etwas wenig Kontrast und einen Hauch zu dunkel. Zum Vergleich mit der alten Koch-Media hier zwei Screenshots.

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Neue DVD von filmArt

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Alte DVD von Koch Media

DVD-Rezension: “Die Koch Media Giallo Collection Teil 2″

Von , 19. November 2013 19:32

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Da ist sie nun also. Die zweite Giallo-Box aus dem Hause Koch Media. Und wieder gab es bei den Fans im Vorfeld einiges Murren bezüglich der Filmauswahl. Tatsächlich ist wieder nur ein Film von dreien ein waschechter Giallo: „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“. Die anderen beiden Filme finden sich in einschlägigen Nachschlagewerken aber ebenfalls unter „Giallo“. Was auch nicht verkehrt ist, denn „Giallo“ steht in Italien ganz allgemein für „Krimi“ bzw. Thriller. Somit ist die „Giallo Box 2“ keine Mogelpackung. Mittlerweile wird der Begriff „Giallo“ aber mit einer ganz besonderen Art des Thrillers gleichgesetzt. Jener nämlich, die im Gefolge von „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ entstand und als Zutaten möglichst viele stylische Morde – vornehmlich an schönen Frauen -, einen geheimnisvollen Killer mit schwarzen Handschuhen und tolle Filmmusik aufweist. Auf „Blutiger Zahltag“ und „In the Folds of the Flesh“ triff dies nur bedingt zu, weshalb einige Leute diesen Filmen den „Giallo“-Status absprachen und über die Auswahl maulten. Besonders „Blutiger Zahltag“ traf es, der außerdem in Deutschland – wenn auch als Bootleg und in gekürzter Form – bereits verschiedene Veröffentlichungen erfuhr. Auch „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“ war bereits in guter Qualität auf DVD zu kaufen gewesen – allerdings auf einer nicht lizenzierten Scheibe.

Dann erschien kurzfristig ein Cover der Box bei Amazon, auf dem statt „Blutiger Zahltag“ plötzlich Umberto Lenzis „Deadly Trap“ zu lesen war. Das schürte kurz die Verwirrung, stellte sich dann aber als früher Entwurf heraus, der auf geheimnisvollen Wegen ins Netz geraten war. Tatsächlich war ursprünglich „Deadly Trap“ geplant, doch da es hierzu nur ein gekürztes Master gab, wurde der Film erst einmal – für eine Veröffentlichung in einer möglichen dritten Giallo-Box – zurückgestellt. Als Untertitel der finalen Box prangt wieder ein martialischer Schriftzug auf der Vorderseite: „Die spektakuläre Box der blanken Messer“, was wieder völliger Quatsch ist, den potentiellen Käufer tatsächlich auf eine falsche Fährte lockt und zu Enttäuschungen führen könnte. Keine Enttäuschung ist auf jeden Fall die Bild- und Tonqualität der Filme, denn die ist hervorragend.

The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (Chi l’ha vista morire, 1972)

In den französischen Alpen wird ein kleines Mädchen von einer mysteriösen, ganz in schwarz gekleideten Frau umgebracht. In Venedig ereilt dieses grausige Schicksal vier Jahre später auch die kleine Roberta (Nicoletta Elmi), Tochter des Bildhauers Franco Serpieri (George Lazenby). Voller Trauer und Selbstvorwürfen Weiter lesen 'DVD-Rezension: “Die Koch Media Giallo Collection Teil 2″'»

DVD-Rezension: “Der Schwanz des Skorpions“

Von , 3. November 2013 20:13

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Nachdem ihr Ehemann Kurt Baumer bei einer mysteriösen Flugzeugexplosion ums Leben gekommen ist, kassiert die junge und attraktive Witwe Lisa Baumer (Ida Galli) eine Million Dollar aus seiner Lebensversicherung. Als ihr drogenabhängiger Ex-Liebhaber ermordet wird, flüchtet sie nach Athen, wo sie sich das Geld auszahlen lassen will. Gefolgt wird sie von dem Versicherungsagenten Paul Lynch (George Hilton), der herausfinden soll, ob bei dem Tod Baumers alles mit rechten Dingen zuging. Lynch heftet sich auf Lisas Fersen und kommt gerade rechtzeitig, als Lisa von einem geheimnisvollen Pärchen bedroht wird, die sie beschuldigen, ihren Ehemann umgebracht zu haben. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord…

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Sergio Martino legte zwischen 1971 und 1973 eine beeindruckende Serie von fünf Gialli hin, die alle zu dem Besten zählen, was das Genre hervorgebracht hat. „Der Schwanz des Skorpions“ war der zweite Film dieser Reihe und von daher ungewöhnlich, als dass Edwige Fenech nicht mit von der Partie war und sich das Ganze stark an die Edgar-Wallace-Filme mit ihren tödlichen Erbschaften anlehnt. So hat der Killer nichts von den sexuell aggressiven Gestalten, die noch in „Der Killer von Wien“ oder später in „Torso“ das Messer schwangen. Dieser hier wirkt wie das was er ist: Ein Killer und kein vom Wahnsinn durchdrungener Mörder.  Auch gibt es keine große Intrige, um jemanden in den Wahnsinn zu reißen. Etwas despektierlich könnte man „Der Schwanz des Skorpions“ daher als „konventionell“ bezeichnen, auch wenn das dem Werk nicht gerecht würde.

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Obwohl das Drehbuch von Giallo-Spezialist Ernesto Gastaldi im Grunde eine recht simple Geschichte erzählt, wählt Martino doch für seinen Film sehr verschlungene Pfade, die von vielen Nebenfiguren bevölkert werden. Allen vorweg das seltsame Pärchen Janine Reynaud und Luis Barboo. Die Reynaud kennt man aus einigen Franco-Filme der späten 60er, vor allem „Necronomicon – Geträumte Sünden,“ und das Wiedersehen hier macht große Freude, auch wenn sie ein wenig zu sehr in ihrer Rolle aufgeht. Luis Barboo agiert demgegenüber etwas zurückhaltender und darf sein Narbengesicht mysteriös im Hintergrund halten. Dann gibt es da noch einen freundlichen, aber undurchsichtigen Scotland Yard-Inspektor (gespielt von Alberto de Mendoza); eine immer wieder auftauchende Stewardess und ihr geheimnisvoller Gast, sowie natürlich den immer wieder gern gesehenen Luigi Pistilli als griechischer Ermittler. Genug Personal also, um den Zuschauer bei der Tätersuche aufs Glatteis zu führen, und andererseits, ausreichend Beute für den Killer bereit zu halten.

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Für einen gelungenen Giallo ist auch immer die Musik wichtig und hier kann „Der Schwanz des Skorpions“ ganz aus dem Vollen schöpfen. Diese stammt von Ennio Morricones langjährigen Mitarbeiter Bruno Nicolai, der sich spätestens Ende der 60er vom großen Maestro emanzipierte (tatsächlich wird gemunkelt, dass Nicolai für einige Morricone-Soundtracks federführend verantwortlich sei) und für zahlreiche Filme wundervolle Melodien komponierte. Was auch den beiden belgischen Filmemachern Hélène Cattet und Bruno Forzani aufgefallen ist, die die Nicolais Musik aus „Der Schwanz des Skorpions“ für ihren Neo-Meta-Giallo „Amer“ wiederverwendeten.

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Die Hauptrolle des Versicherungsagenten Peter Lynch übernahm der ehemalige Italo-Western-Star George Hilton, der noch häufiger in Martinos Filmen auftauchen sollte. Immer in einer ähnlichen Rolle: Dem gutaussehenden Sonnyboy und Womanizer, der aber irgendetwas Dunkles und Bedrohliches ausstrahlt. Statt mit der Fenech, spielt er hier mit der blonden Schwedin Anita Strindberg zusammen, deren wunderschönes, ebenmäßiges Gesicht nicht so ganz zu ihrem leicht ausgemergelt wirkenden Körper passt. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Die Strindberg tauchte Anfang der 70er plötzlich in zahlreichen italienischen Genrefilmen auf, bevor sie einen amerikanischen Millionär ehelichte und sich nach nur wenigen Jahren im Rampenlicht, aus dem Filmgeschäft zurückzog. Die erste falsche Fährte legt Martino mit der hübschen, und von mir immer wieder gern gesehenen, Ida Galli (alias „Evelyn Stewart), die er zunächst als Protagonistin einführt. Leider bleibt die Galli ungewohnt blass, und dass sie nicht als Hauptdarstellerin in den Titeln aufgeführt wird, gibt schon einen dezenten Hinweis darauf, wie die falsche Fährte aussehen mag.

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Ungewöhnlich bei „Der Schwanz des Skorpions“ ist der unbedingte Wille zur kreativen Bildgestaltung, die sonst bei Martino in einem solchen Extrem nicht zu finden ist. Zwar setzt Martino gerne mal punktuell surreale Szenen in seinen Gialli ein, in der in der Regel geht er aber eher sachlich, aber effektiv zu Werke. Hier tobt er sich bei den Mordszenen regelrecht aus. Jeder Mord wird wie ein eigener kleiner Film inszeniert und unterschiedet sich vom Stil her deutlich von den anderen. Besonders gelungen ist ein in Zeitlupe gefilmtes Kabinettstückchen. Ein andermal wird mit einer farbintensiven Ausleuchtung Bava gehuldigt und die Farbexzesse eines Argento vorweggenommen. Ungewöhnlich auch die grafische Brutalität, die ihrer Zeit vorweg greift. Doch nicht nur in den Mordsequenzen lässt Martino seinen Spielereien freien Lauf. So wird in einer normalen Verhörszene auch mal die Kamera für mehrere Minuten um 90 Grad gekippt.

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„Der Schwanz des Skorpions“ ist nicht der Beste der fünf legendären Gialli, die Sergio Martino zwischen 1971 und 1973 drehte. Dafür ist seine Geschichte zu hanebüchen und die Auflösung eher lächerlich. Trotzdem kann er dem neugierigen Giallo-Einsteiger durchaus ans Herz gelegt werden, denn er besitzt alle Elemente, die einen Giallo auszeichnet: Einen wunderbaren Soundtrack, schöne Menschen, blutige Morde und einen enormen Einfallsreichtum bei der optischen Gestaltung. Und für Liebhaber des Genres ist der Film, trotz seiner kleinen Schwächen, definitiv ein Muss.

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Der Film ist als zweiter Teil der filmArt Giallo-Collection herausgekommen. Das Bild ist leicht über dem Durchschnitt und im korrekten Format von anamorphen 1:2,35. Hier gibt es nichts zu Meckern. Für den Ton konnte neben der italienischen Originalfassung und der Videosynchronisation auch die alte Kinosynchro ausgegraben werden. Diese finde ich selber der Video-Synchro gegenüber überlegen, da die Stimmen hier voller und lebendiger wirken. Interessanterweise tritt in beiden Fassungen Edgar Ott auf. Nur synchronisiert er in der Kinofassung Alberto de Mendoza und in der Videofassung Lugi Pistili, Was lustig ist, weil die Beiden fast all ihre Szenen zusammen haben. Der deutsche Vor- und Abspann und den Trailer ist noch als Extra dabei, aber das Herzstück ist ein halbstündiges, sehr interessantes Interview mit Sergio Martino über seine Karriere. Ein gut geschriebenes Booklet von Rochus Wolff über den Giallo, rundet dieses schöne Paket ab.

DVD-Rezension: „Die Koch Media Giallo-Collection Teil 1“

Von , 5. März 2013 21:10

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Am 15. März wird es endlich soweit sein: Die „Koch Media Giallo-Collection Teil 1“, die bereits Mitte des letzten Jahres angekündigt war und danach immer wieder verschoben wurde, ist da. Sehr zur Freude der vielen Fans, die nun schon seit Monaten der Veröffentlichung entgegenfiebern. Immerhin steht der Name Koch Media nicht nur für eine feine Filmauswahl, sondern auch für eine hohe Qualität der Veröffentlichungen. Warum man hier allerdings den völlig unpassenden (und dazu noch reichlich dämlichen) Spruch „die ultimative Box der blutdürstigen Italiener“ auf das Cover (und die DVDs) geknallt hat, bleibt selbst den Fans in den diversen Filmforen ein Rätsel. Denn besonders blutrünstig ist keiner der drei hier vorliegenden Filme. Tatsächlich ist auch nur „Tödliches Erbe“ ein prototypischer Giallo. „Die Waffe, die Stunde, das Motiv“ würde ich eher als Krimi-Drama mit stark kirchenkritischen Untertönen bezeichnen und „Femina Ridens“ ist eine, als Pop-Art-Traum maskierte, Persiflage auf den immer währenden Kampf der Geschlechter. Alle drei Filme besitzen andere Qualitäten, als einen hohen und kunstvoll inszenierten Bodycount, wie er für die späteren Werke innerhalb des Giallo-Genres kennzeichnend war. So ist die „Giallo-Collection“ Einsteigern nur sehr bedingt zu empfehlen. Sie richtet sich mehr an Fans, die schon so einige Gialli gesehen haben, und nun auf der Suche nach neuem, noch unbekannten Stoff sind. Leider muss man bei dieser Veröffentlichung (für Koch Media eher untypisch) Abstriche in Punkto Bildqualität („Die Waffe, die Stunde, das Motiv“ liegt nur als Abtastung einer sichtbar stark gebrauchten 35mm Filmrolle vor) und vor allem Extras (da ist man ja gerade bei der „Western Unchained“-Reihe sehr verwöhnt worden) machen.

 

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