Das Bloggen der Anderen (31-10-16)

Von , 31. Oktober 2016 20:27

bartonfink_type2– Das wichtigste Thema der Woche ist bevorstehende Vernichtung des deutschen Filmerbes. Vielleicht ist das etwas hart ausgedrückt, denn immerhin soll das Material ja vorher noch digitalisiert werden. Doch alle Experten sind einig: Analoge Filme müssen analog bewahrt werden. Frédéric Jaeger schreibt auf critic.de über die deprimierenden Hintergründe. Sonja M. Schultz berichtet von den Hofer Filmtagen und verreisst nebenbei Werner Herzogs neuen Spielfilm.

– Alex Matzkeit stellt auf real virtuality das Langfilmdebüt seines Freundes Sebastian Mattukat vor.

– Patrick Holzapfel berichtet auf Jugend ohne Film weiterhin von der Viennale, die eins seiner liebsten Filmfestivals ist. Allerdings gibt es auch „Störungen“.

– Manfred Krug ist tot. Einen kurzen, aber schönen und persönlichen Text hat Christoph Hochhäusler auf Parallel Film geschrieben.

– Lucas Barwenczik schreibt auf B-Roll darüber, wie problematisch Technologiekritik im Kino und in Serien ist.

– Es ist immer wieder faszinierend, wie viele interessante Filme das vielgescholtene deutsche Nachkriegskino hervorgebracht hat, die heute fast vollständig aus dem Gedächtnis verschwunden sind. Gut, dass es Udo Rotenberg und seinen Blog Grün ist die Heide gibt, der sich dieses Missstandes annimmt und diesmal Wolf Rillas Film „Die zornigen jungen Männer“ von 1960 vorstellt.

SDB-Film erinnert daran, dass es auch immer wieder gute Genrefilme aus Deutschland gibt. Und das nicht erst seit gestern. 2010 kam z.B. „Rammbock“ in die Kinos und ins Fernsehen. Sidney Scheringist von „dem kleinen Fernsehspiel“ des ZDF noch immer sehr angetan.

– Vom Filmemacher Axel Ranisch habe ich bisher noch keinen Film sehen können, er steht aber mit seinem deutschen Mumblecore hoch im Kurs. Abspannsitzenbleiber konnte er mit seinem vierten Spielfilm „Alki Alki“ begeistern.

Etwas vorhersehbar, aber trotzdem recht gelungen finden Morgen Luft von Cinematographic Tides das Langfilmdebüt „Schrotten!“ von Max Zähle, der bereits für seinen Kurzfilm „Raju“ oscar-nominiert war.

– Aktuell sorgen zwei deutsche Genre-Filme für Furore: „Der Nachtmahr“ und „Wild“. Völlig zurecht findet auch Oliver Armknecht von film-rezensionen.de

– Mauritia Meyer stellt auf Schattenlichter einen der besten italienischen Thriller der 70er Jahre vor: „Der Tod trägt schwarzes Leder“.

– Überraschung! Mel Gibson hat wieder einen neuen Film gedreht und laut funxton ist „Blood Father“ auch so richtig gut geworden.

– Matthias Holm macht sich auf Die Nacht der lebenden Texte viele Gedanken über den Meta-Horror „Cabin in the Woods“. Und Volker Schönenberger entdeckt „Dracula in Pakistan“.

– Candyman, Candyman, Candyman, Candyman, Candym..! Oliver Nöding auf Remember It For Later mit einigen klugen Gedanken zu Bernhard Roses Horrorfilm-Klassiker.

– Er hat seit seiner Premiere vor 28 Jahren kaum etwas an Aktualität eingebüßt: John Carpenters „Sie leben!“, den totalschaden auf Splattertrash noch einmal bespricht.

– Christian Witte weist auf Witte’s wöchentliche Tipps auf den sehr interessanten Youtube-Kanal „Heimatfilme“ hin, welcher der Kineos GmbH gehört, „die offiziell aus dem KirchMedia-Bestand lizensierte Versionen von Filmen wie „Komm mit zur blauen Adria“, „Holiday in St. Tropez“, „Sterne über Colombo“, „Die Gefangene des Maharadscha“, „Klassenkeile“ oder „Zwanzig Mädchen und die Pauker“ in recht fixer VÖ-Rate hochladen. Außerdem ist die Qualität MAZ-tauglich bis ausgezeichnet, was dem hiesigen Leser einige Freudentränen abringen dürfte.“

Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

Von , 26. Oktober 2016 20:13

ol16_bAm zweiten Tag in Oldenburg stieß mein Weird-Xperience-Kollege Stefan zu mir und unser ähnlicher Filmgeschmack sorgte dafür, dass wir größtenteils dieselben Vorstellungen besuchten. Den Anfang machte ein walisischer Film im „Studio“. Ein Kino, welches ich bisher nicht kannte, und das seit diesem Jahr in der Kulturetage, gleich neben dem cineK, zu finden ist. Dafür wurde der Raum, in dem sich vor zwei Jahren noch die VIP-Lounge des Filmfestes befand, umgebaut. Man merkt deutlich, dass der sehr geräumige Raum ursprünglich nicht als Kino gedacht war, denn das Kino macht einen ähnlich „improvisierten“ Eindruck wie die Spielstätte im Theaterhof oder in der Exzerzierhalle. Aber die gerade im Gegensatz zur Exzerzierhalle sehr intelligent angebrachten Sitzreihen erlauben nicht nur einen hervorragenden Blick auf die große Leinwand, sondern sind auch sehr bequem. Etwas, was man durchaus zu schätzen weiß, wenn man im „Studio“ drei Filme hintereinander anschaut.

Regisseur Euros Lyn hat mit The Library Suicides seinen ersten Kinofilm realisiert. Vorher hatte er eine „Sherlock„- und diverse „Dr. Who“- und „Daredevil„-Episoden inszeniert. Das merkt man dann auch, da dem Film eine eigene Handschrift fehlt, und er tatsächlich auch stark an eine Folge einer ambitionierten TV-Serie erinnert. Das ist alles sehr professionell gemacht und schön fotografiert, aber sticht dabei nicht wesentlich aus ähnlich gelagerten, kompetent gefilmten Thrillern hervor. Punkten kann „The Library Suicides“ aber mit seinen wirklich lebendigen und liebenswerten Charakteren. Insbesondere Catrin Stewart spielt die optischen identischen, aber charakterlich sehr unterschiedlichen Zwillinge einfach sensationell gut. Aber auch Dyfan Dwyfor als sympathischer, etwas chaotischer Nachtwächter ist absolut liebenswert und lädt den Zuschauer ein, mit ihm mitzufiebern.

Der Film handelt von Weiter lesen 'Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2'»

Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Von , 25. Oktober 2016 20:37

ol16_aWie jedes Jahr, zog es mich auch in diesem September wieder in das schöne Oldenburg. Das mittlerweile 23. Internationale Filmfest rief, und ich folgte dem Ruf nur allzu gerne. Und der Ruf war in diesem Jahr ungewöhnlich laut. Festivalleiter Torsten Neumann war ein schier sensationeller Coup gelungen. Ließen die bisherigen Stargäste des Festivals vor allem cineastisch interessierte Besuchern das Wasser im Munde zusammenlaufen, hatte er diesmal einen absoluten Megastar an die Ems locken können: Nicolas Cage. Böse Zungen werden nun behaupten, dass Herr Cage seine glanzvolle Zeit schon lange hinter sich hätte und nun mit billigen, direkt für das Heimkino produzierten Filmchen seine Brötchen verdienen muss. Diejenigen vergessen allerdings, dass Nicolas Cage mit dem richtigen Regisseur und einem guten Drehbuch noch immer ein grandioser Schauspieler ist. Und die Filme, in denen er dem Affen ordentlich Zucker gibt, sind gerade auch wegen ihm immer noch unterhaltsam. Dieser sehr schöne Text von Thorsten Bruns bringt es gut auf den Punkt. Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Auf jeden Fall sorgte Cage sowohl für positive, wie auch zumindest diskutierbare Begleiterscheinungen. Positiv sind auf jeden Fall die Schlagzeilen, die das Filmfestival Oldenburg damit auch überregional machte und der daraus resultierende, gewaltige Enthusiasmus in der Stadt. Überall hörte man die Menschen über Cage sprechen, und natürlich machten auch die Filmemacher in den Frage-und-Antwort-Runden immer wieder Bemerkungen über den Superstar. Und vor allem: Die Leute strömten ins Kino! Die Filme mit Nicolas-Cage-Beteiligung waren im Nu ausverkauft. Und das färbte auch auf das restliche Programm ab. Erstmals passierte es mir, dass mein sorgsam zusammengestellter „Guck-Plan“ in sich zusammenbrach, weil die Karten im Vorverkauf alle weg waren. Das war für mich persönlich zwar in diesem Fall negativ, aber für das Filmfest natürlich klasse. Und da ich hier einmal an der Abendkasse noch erfolgreich war und dort auf interessante Alternativen ausweichen konnte, war es am Ende auch gar nicht so schlimm.

Diskutierbar ist die übermächtige Strahlkraft eines Nicolas Cage, die beispielspielweise die nicht minder großartige Amanda Plummer (die eigentlich nirgendwo in der Berichterstattung mehr auftauchte) vollkommen in den Schatten stellte. Und auch der junge französische Filmemacher Christophe Honoré, dem die Retrospektive gewidmet war, bekam dadurch nicht die Plattform, die er verdient hätte. Das ist schade, aber am Ende dürfte die Freude über die gelungene Werbung und die Zuschauerzahlen überwiegen. Wie immer, war ich nur zwei volle Tage anwesend. Freitag und Samstag. Ersteren musste ich noch ganz allein bestreiten, da mein Weird-Xperience-Kompagnon erst am Samstag dazustoßen sollte, und ich am Freitag leider auch sonst kein bekanntes Gesicht erblicken konnte. Also stürzte ich mich zunächst allein ins Getümmel und machte mich auf Richtung Casablanca.

The Noonday Witch von Jiri Sádek ist eine tschechische Psychodrama-Horrorfilm-Melange. Eine alleinstehende Mutter zieht mit ihrer kleinen Tochter in jenes Dorf, aus der ihr Ehemann stammt. Wo sich dieser aufhält, erfährt man zunächst nicht. Die Mutter behauptet ihrer kleinen Tochter gegenüber, er würde zu Ostern zurück kommen. Doch man kann rasch erahnen, dass dies nicht stimmt. Tatsächlich Weiter lesen 'Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1'»

Das Bloggen der Anderen (24-10-16)

Von , 24. Oktober 2016 21:57

bartonfink_type2– Da Christian Witte sehr enttäuscht darüber ist, dass sein Blogbeitrag der letzten Woche kaum angeklickt wurde, schiebe ich meine Empfehlung mal ganz nach oben (auch wenn seine Auslassungen über Guy Maddin mich hörbar mit den Zähnen knirschen ließen). Witte’s wöchentliche Tipps beschäftigen sich diesmal mit dem japanischen Gruseler „Curse of the Dog God“, mit der „Once Upon a Time in China“-Reihe und ihrer latenten Fremdenangst, Jet Li in „The One“ und vieles mehr.

– Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film war auf der Viennale und hat dort die neuen Filme von Jia Zhang-ke und Paul Thomas Anderson gesehen und fragt nach dem Sinn der dort ausgestellten Luftbilder. Andererseits hat er auf der Vienna aber auch wunderschöne Bilder gesehen, die gleichzeitig einfach, aber auch komplex sind. Ferner hat er einen langen Text über die Darstellung von Häusern und Heim im Film geschrieben, von dem er behauptet, er wäre „ein idealistischer Text, den einige wenige Personen womöglich verstehen können.“

– Patrick schreibt auch bei B-Roll und hat hier einen Text verfasst, der davon handelt, wie man Landschaft filmt. Über die Viennale berichtet hier dann Joachim Kurz. Lucas Barwenczik wettert zurecht gegen „Wohlfühlfilme“ mit eingebauter Glücksgarantie. http://www.kino-zeit.de/blog/b-roll/koenigreich-des-festgetackerten-laechelns-ueber-das-gluecksversprechen-des-wohlfuehlkinos

– Christian Genzel hat auf Wilsons Dachboden „Shaft in Afrika“ gefunden und setzt sich mit eingehend mit dieser Blaxploitation-/James-Bond-Melange auseinander.

– Endlich gibt es wieder Neuigkeiten auf L’amore in città! Diesmal schreibt Udo Rotenberg über Pasquale Festa Campaniles „La matriarca“ (deutscher Titel: „Huckepack“), der mir bisher noch unbekannt war. Die Hauptrolle spielt Catherine Spaak und unterstützt wird sie von einem Who-is-who des europäischen Kinos der 60er Jahre.

– An dieser Stelle mache ich jetzt einmal eine Ausnahme. Normalerweise verlinke ich keine Podcasts, da es hier um Blogs geht und man auch irgendwo eine grene ziehen muss. Doch heute weise ich mal auf Deep Red Radio hin, wo ein Interview mit meinem Bekannten Alex Wank zu hören ist, der neben seinem tollen Musik-Label Cineploit (gerade jetzt läuft bei mir die neuste Veröffentlichung, das Debüt von PAN/SCAN) auch Chef von Cinestrange Extreme ist, wo gerade eine Doku über den Kannibalenfilm Premiere feierte.

– Dass Joe D’Amatos „Sado – Stoss das Tor zur Hölle auf“ ein Remake ist, wissen die eingefleischten Italo-Fans. Christian von Schlombies Filmbesprechungen hat sich nun einmal das Original, „Das dritte Auge“ mit Franco Nero, angeschaut und fand es „sehenswert“.

Hauptsache (Stumm)Film nimmt sich diesmal des Michael-Curtiz/Errol-Flynn-Klassikers „Der Herr der sieben Meere“ an. Und ich bekomme direkt Lust auf etwas „Swashbuckler“-Action.

– Bluntwolf schreibt auf Nischenkino über den Niedergang der Hammer Studios und eine ihrer letzten klassischen Produktionen: „Frankensteins Höllenmonster“.

– Ich finde es immer wieder bewundernswert, wie viel und trotzdem immer sehr profund Oliver Nöding auf Remember it For Later schreibt. Diesmal fiel es mir wieder schwer, eine Auswahl der interessantesten Besprechungen zusammenzustellen. Letztendlich ahbe ich mich jetzt für den Auftakt einer Reihe von Pinku-eiga-Besprechungen („Female Teacher: Dirty Afternoon“), sowie einen mir bis jetzt unbekannten Spät-Giallo („Mystére“), Lamberto Bavas starken Debüt („Macabro“) und einen Geheimtipp („Lemora“) entschieden.

Funxton hat sich Michele Soavis „The Church“ angesehen. Irgendwie hat „The Church“ immer einen besonderen Platz in meinem Herzen. Funxton mag ihn auch, hat aber auch kritische Anmerkungen. Mario Bianchis berühmt-berüchtigten „Provinz ohne Gesetz“ beschreibt funxton als „bunter Kernblödsinn vom Feinsten“. Dafür hat ihn Larry Peerces „The Incident“ ziemlich aus den Socken gehauen. Letzterem widmet auch Christian Keßler in seinem neuen Buch ein schönes Kapitel. Das nur mal so nebenbei.

Das Bloggen der Anderen (10-10-16)

Von , 10. Oktober 2016 20:36

bartonfink_type2– Gerade schloss das Filmfest Hamburg seine Pforten. In den Blogs kann man nachlesen, wie es denn so war und welche high- und Lowlights man als Nicht-Besucher verpasst hat. Till Kadritzke von critic.de war da, ebenso wie Rainer Kienböck von Jugend ohne Film, der den Stab von Patrick Holzapfel übernommen hatte, der sich zwischendurch zum Underdox-Festival in München verabschiedet hatte.

– Der Film über den in Hamburg am Meisten geschrieben wurde war „Elle“ von Paul Verhoeven. Rainer Knieböck nennt Isabelle Hupperts Darstellung „mit Sicherheit eine der besten Schauspielleistungen in Filmen der letzten Jahre“. Auch Christian Witte von cereality ist begeistert und meint: „Das Medium Film kann diese via Überhöhung eben teilweise präziser aussprechen als manch nüchterne Impression, die sich noch auf die Suche nach einer Reflexion begeben muss – und Verhoeven hat als Meister jenes Credos auch in der aktuellen Filmlandschaft kein Stück Kraft eingebüßt.“

– Noch mehr wurde über einen anderen Film geschrieben, der die tage in die Kinos kommt: „Blair Witch“, die überraschende Fortsetzung vom „Blair Witch Project“, welches bei der Produktion noch „The Woods“ hieß, um das Publikum zu überraschen. Regie führt Adam Wingart, das Drehbuch stammt von Simon Barrett. Beide haben schon den unterhaltsamen „You’re Next!“ und den wundervollen „The Guest“ verantwortet. Beste Voraussetzungen eigentlich. Doch die Kritiken sind sehr lauwarm bis abweisend kalt. Volker Schönenberger von Die Nacht der lebenden Texte: „Dass „Blair Witch“ dereinst einen Status haben wird, der über den einer Sequel-Fußnote des Horrorgenres hinausgeht, darf bezweifelt werden.“ stu von Die drei Muscheln: „Insgesamt ist Blair Witch also schon enttäuschend, obwohl er vor allem gegen Ende einige tolle Einstellungen und Momente zu bieten hat.“ LZ auf screen/read: „Wingard und Barrett (…) haben sich eine Menge Mühe gegeben, dem Original gerecht zu werden. Wer sich etwa auf Ostereiersuche begibt, wird reichlich fündig werden. Für einen rund 90-minütigen Fanfilm unter professionellen Bedingungen (unfassbar, wie viele Namen in den End Credits auftauchen) reicht das aus. Für die große Leinwand eher nicht.“ Going to the Movies meint: „„Blair Witch“ ist leider nichts Halbes und nichts Ganzes.“

– Funxton und Oliver Nöding haben zusammen Filme geguckt. Zweimal Action mit Scott Adkins. Und zwei Meinungen. Olivers über „Hard Target 2“ und „Close Range“ findet man wie gewohnt auf Remember It For Later. Funxtons Gedanken über die Fortsetzung des John-Woo-Films hier und seine kritischen Gedanken über den Neo-Western hier.

– Alex Matzkeit hat auf B-Roll einen schönen Text über die Faszination gescheiteter Filme geschrieben. Lucas Barwenczik zeigt auf, dass Untertitel nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern durchaus auch eine Kunstform sein können. Und Andreas Köhnemann fragt sich, ob jeder aktuelle Film wirklich episch lang sein muss und ob in der Kürze nicht auch die Würze steckt.

Ein großartiger Tipp von Sven Safarow auf Eskalierende Träume: Auf YouTube findet man den letzten Teil einer drei-teiligen Dokumentarfilmreihe über den Cannon-Gründer Menahem Golan: „A Farewell to Mr. Cinema“.

– Der Film „Der Schamane und die Schlange“ wurde mir schon von vielen Seiten ans Herz gelegt. Nun auch von Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de. Zudem erinnert er an die unglaubliche Cartoon-Serie „The Maxx“, die einst auf MTV lief, als dieses noch cool war. Die Comics auf welche die Serie basiert, sind mir auch gerade beim Umzug wieder in die Hände gefallen. Das waren seltsame Zeiten…

– Morgen Luft ist auf Cinematographic Tides sehr von dem meisterlichen „Der Bunker“ angetan. Einiges sehe ich etwas anders, aber in unserer Begeisterung sind wir uns einig.

– Christian Witte schreibt auf Witte’s Wöchentlich Tipps sehr ausführlich über Jim Jarmuschs neuen Film „Paterson“ (etwas nach unten scrollen). Interessant.

– Sebstian Schwittay von odd&excluded hat beim dritten Terza Visione Sergio Bergonzelli für sich entdeckt und sah nun dessen Film „La Sposina“, der ihn ebenfalls sehr begeisterte: „Ein wilder Zauber der Sinnesfreuden und eine triumphale Feier des Eros“.

– Den habe ich leider noch immer nicht gesehen, obwohl er zu den „Must-haves“ der italophilen Filmfreunden gehört: „Die rote Dame“ aka „Horror House“ mit Barbara Bouchet. Mauritia Mayer von Schattenlichter ist mir da voraus.

– „Der Nachtmahr ist der Urahn des klassischen, expressionistischen deutschen Horrors. Stylisch, melancholisch. Und auf ACID.“ Schreibt Sir Donnerbold auf sdb-film und ich freue mich jetzt schon sehr auf die kommende Heimkino-Veröffentlichung.

– Christian von Schlombies Filmbesprechungen ist hin und her gerissen von Kevin Smiths „Tusk“. Seine innere Zerrissenheit ist dabei fast mit den Händen zu greifen.

– Lukas Foerster schreibt auf Dirty Laundry über “A naissance de l’amour“ von Philippe Garrel.

– Flo Lieb kann mit Thomas Vinterbergs neuem Film „Die Kommune“ rein gar nichts anfangen. Warum, das erklärt er auf symparanekronemoi.

– Als ich irgendwann Mitte der 80er einmal „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ im ARD-Spätprogramm gesehen habe, hat mich der Film recht verstört. Vor allem, weil der lustige Walter Matthau hier gar nicht so lustig war und der Film recht düster. Wird Zeit für eine Neusichtung. Bis dahin lese ich, was gabelinger auf Hauptsache (Stumm)Film so darüber schreibt.

Nächste Woche gibt es kein „Bloggen der Anderen“, da ich am Wochenende in Düsseldorf beim Delirio-Italiano.de-Forentreffen weilen werde.

Reise-Tipp: “Deliria Italiano” – 7. öffentliches Forentreffen in Düsseldorf

Von , 8. Oktober 2016 12:21

dift_2016Jedes Jahr ist es für mich immer wieder ein großer Höhepunkte, meine Freunde und Bekannte von Deliria-Italiano.de wiederzutreffen. Und wie jedes Jahr möchte ich hier einzige Zeilen darüber verlieren. Dazu nutze ich mal einen Text, den ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe.

Bereits im siebten Jahr in Folge treffen sich die Mitglieder des Internetforums Deliria-Italiano.de, um gemeinsam ihrer große Leidenschaft zu frönen: Dem italienischen Genrekino. Nachdem die von den Foren-Administratoren stets mit viel Liebe und großem Engagement organisierten Treffen bereits in Hamburg, Bremen, Frankfurt, Magdeburg, Nürnberg und sogar Wien stattfanden, zieht es Deliria-Italiano.de nun erstmals in den Westen der Republik. Das diesjährige Forentreffen findet am nächsten Wochenende, dem 14. und 15. Oktober in der BLACK BOX (dem Kino des Düsseldorfer Filmmuseums) statt. In Kooperation mit „Mondo Bizarre“, einer in Düsseldorf beheimaten Filmreihe, die dort einmal im Monat bizarre Filmkost aus aller Herren Länder serviert.

di7_ddorfWie immer ist das Treffen keine geschlossene Veranstaltung, sondern jeder ist herzlich eingeladen, dabei zu sein. Wer in den vergangenen Jahren die Forentreffen besucht hat weiß, dass „Neulinge“ stets mit offenen Armen willkommen geheißen werden. Daher ist es auch kein Wunder, wenn von Treffen zu Treffen die Schar derer wächst, die auch beim nächsten Mal dabei sind. Im letzten Jahr verzeichnete das Forentreffen dann auch einen neuen Besucherrekord – und dies, obwohl der überwiegende Teil der Besucher dafür bis nach Wien reisen musste. Auch in Düsseldorf, wird wieder mit einem vollen Haus zu rechnen sein.

Neben dem geselligem Beisammensein und der fröhlichen Fachsimpelei, stehen natürlich Filme im Mittelpunkt der Veranstaltung. Diese werden von den Organisatoren mit großer Sorgfalt ausgesucht und – das ist ein ehernes Gesetz – von alten 35-Millimeter-Rollen gezeigt. In diesem Jahr wurden einige ganz besondere Leckerbissen für italophile Filmfreunde ausgegraben.

di7_ddorf2Den Auftakt macht der großartige Film „Flavia – Leidensweg einer Nonne“, der unter dem weitaus spekulativeren Alternativ-Titel „Nonnen bis auf’s Blut gequält“ größere Berühmtheit erlangte. Regie führt Gianfranco Mingozzi, die Hauptrolle spielt die wundervolle Florinda Bolkan. Weiter geht es mit einem Werk des mittlerweile zum Forentreffen-Maskottchen beförderten Bruno Mattei, der Miles O’Keeffe als „Der Kampfgigant“ ins Rennen schickt. Am nächsten Tag heißt es: „Mein Name ist Nobody“. Terence Hill trifft auf Henry Fonda, und beide lassen in einem großen Klassiker des Italo-Western die Luft vibrieren. Zu diesem Film werde ich auch wieder zusammen mit meinem Weird-Xperience-Kollegen Stefan eine Einführung machen.

gorilla2Den Abschluss macht eine echte Sensation. Die Jungs von Deliria-Italiano.de haben tatsächlich eine deutsche 35-Millimeter-Kopie von Tonino Valeriis Actionfilm „Der Gorilla“ mit Fabio Testi entdeckt. Von diesem Film ist bisher nicht bekannt gewesen, dass er einmal für eine deutsche Kinoauswertung vorgesehen war. Es gibt weder deutsche Plakate, noch Aushangfotos. Umso größer war die Überraschung und Freude, als die 35-Millimeter-Kopie einem Testlauf unterzogen wurde. Eine Kopie zum Träumen. Wahrscheinlich noch nie abgespielt und tatsächlich in deutscher Sprache. Recherchen haben ergeben, dass es wohl noch eine weitere Kopie zu diesem Film gab, diese aber aller Wahrscheinlichkeit nach im Müll gelandet ist. Warum es der Film nie in die deutschen Kinos geschafft hat, kann nicht rekonstruiert werden. Aber nach exakt 40 Jahren ist es jetzt soweit und „Der Gorilla“ erblickt in Düsseldorf erstmals das Licht einer deutschen Kinoleinwand!

Zu jedem Film gibt es noch weitere fachkundige Einführungen, u.a. von Oliver Nöding und Michael Cholewa. Und spannende Verlosungen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Also, wer nächstes Wochenende noch nichts vor hat: Auf nach Düsseldorf!

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Interview mit Jörg Mathieu – Initator des Cinefonie-Festivals in Saarbrücken

Von , 7. Oktober 2016 01:23

Auch wenn Bremen und Saarbrücken mal eben schlappe 550km trennen, so gibt es zwischen diesen beiden Städten doch einige Gemeinsamkeiten. Bremen ist das kleinste Bundesland, das Saarland das zweitkleinste und was die öffentlichen Gelder angeht, so sind beide Bundesländer ähnlich klamm. Gut, Saarbrücken hat das renommierte Max-Ophül-Festival, aber Bremen hat ja seit letztem Jahr auch ein eigenes, wenn auch sehr regionales Filmfest. Da ist also ein erster Schritt schon getan. Außerdem gibt es sowohl in Bremen als auch Saarbrücken Menschen, die mit viel Herzblut und Eigeninitiative dafür sorgen, dass kulturell etwas passiert in ihrer Stadt. Einer dieser Menschen ist Jörg Mathieu, der vor einigen Tagen bereits zum zweiten Mal in Eigenregie das Cinefonie-Festival in Saarbrücken auf die Beine gestellt hat. Ich kenne Jörg in seiner Eigenschaft als Herausgeber des „35 Millimeter – Retro-Filmmagazin“, bei dem ich vor einigen Wochen die Ehre hatte, zum stellvertretenden Chefredakteur berufen zu werden. Persönlich begegnet sind wir uns leider bisher noch nicht, aber natürlich habe ich ein genaues Auge darauf, was Jörg da in Saarbrücken veranstaltet. Und das nötigt mir nicht nur einigen Respekt ab, sondern dient auch als Inspiration. Gründe genug, um mit Jörg anlässlich des zweiten Cinefonie-Festivals ein Interview zu führen.

bild-1-joerg-mathieunmFilmforum Bremen: Bereits zum zweiten Mal fand nun in Saarbrücken das Cinefonie-Festival statt. Was kann man sich unter dem Begriff „Cinefonie“ vorstellen?

Jörg Mathieu: Das ist recht einfach zu erklären. Cine kommt von Cinema, und Fonie kommt von Sinfonie. Der Begriff CINEFONIE fasst somit zusammen, was den Besucher auf dem Festival erwartet. Es gibt immer Filme, und es gibt immer Live-Musik. Eine Sinfonie aus Bild und Ton, wenn man so will.

bild-2-markus-stigleggerWie kamst Du auf die Idee für ein solches Festival und wie sah die erste Ausgabe des Cinefonie-Festivals im letzten Jahr aus?

Letzte Jahr war die Veranstaltung ein Experiment um uns selbst einige Fragen zu beantworten. Kommt das Konzept an? Versteht man unsere Idee dahinter? Nimmt es das Publikum an? Wie viel Programm passt in einen Tag usw. usw. Am Ende ging es uns aber auch darum einfach einmal ins kalte Wasser zu springen und loszulegen. Wenn man eine Festivalreihe plant, muss irgendwann ein Einstieg gelingen, und das war für uns der 1. CINEFONIE-TAG. Die Grundidee war es, den Besuchern Kino und mehr zu bieten. Was ist rund um den eigentlichen Film auf der Leinwand noch spannend? So gab es Vorträge, eine kleine Börse, Stummfilme und Live-Musik.

bild-3-vincent-priceDieses Jahr war Schwerpunkt des Festivals eine Vincent-Price-Retrospektive. Wie kam es dazu?

Wenn man solche Veranstaltungen plant schwingt immer auch etwas persönliches des Veranstalters mit. Er wird versuchen, Dinge, die im am Herzen liegen, einer breiteren Öffentlichkeit vorzutragen, um sie für seine Sache zu begeistern. So ging es auch mir. Vincent Price ist mein Spezialgebiet, seit ich ein Teenager war. Es war also ein lang gehegter Wunsch eine passende Retrospektive zu machen.

Wenn man ins Programm schaut, sieht man, dass auf dem Cinefonie-Festival sonst eher wenig gezeigte Vincent-Price-Filme liefen. Wie kam es zu dieser Auswahl?

Das hatte eher pragmatische Gründe. Zum einen sollten es nicht die üblichen Horror-Beiträge sein, für die Vincent Price bekannt ist und wofür wir in alle lieben. Ich hielt es für relativ „ausgelutscht“, in dieser Schublade zu präsentieren. Der andere Grund war, welche Filme können wir ohne Probleme und ohne hohe Vorführ- und Kopiekosten zeigen. Letztendlich kostete uns nur einer der gezeigten Filme Geld, dieser dann aber richtig.

Ein Höhepunkt des diesjährigen Cinefonie-Festivals war der Auftritt von Vincent Prices Tochter Victoria. Wie ist es Dir gelungen, sie nach Saarbrücken zu holen?

Das war einfacher als gedacht. Ich nahm unmittelbar nach dem 1. Cinefonie-Tag Kontakt zu ihr auf. Ich beobachte ihre Arbeit rund um ihren Vater schon lange (seit ihrer Biografie 1999) und habe gesehen, dass sie 2015 auch in England war. Ich schrieb Victoria an und fragte sie, ob sie zu uns nach Deutschland kommen würde. Sie sagte sofort ja.

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Die Begegnung mit Victoria Price hatte für Dich ja noch weitere Konsequenzen. Magst Du davon erzählen?

bild-7-victoria-pricenmKonsequenzen hört sich etwas negativ an. Ich würde es eher mit positiven Auswirkungen umschreiben. Es passierte an diesem Wochenende so viel mehr als das, was die Besucher mitbekommen haben. Auch wenn sie mich bei den Programmabläufen ins Schwimmen brachte, hat sie die Situation aber auch wieder gerettet. Als Entschädigung für einen ausgefallenen Part mit ihr, ging sie mit ca. 15 Besuchern Abendessen. Eine wirklich großartige Geste. Ich war selbst nicht dabei, aber die Teilnehmer waren davon dermaßen begeistert, dass es für sie der Höhepunkt des Festivals wurde. Näher konnte man Victoria in Saarbrücken nicht kommen. Meinen sehr persönlichen Moment mit ihr hatte ich beim Frühstück am Sonntagmorgen, bei dem wir nur zu viert waren. Ich erzählte Victoria, was mir ihr Vater bedeutend. Unbeabsichtigt rührte sie diese Geschichte zu Tränen. Ihren Vater durfte ich nie kennen lernen. Seine Tochter habe ich jedoch erreicht. Plötzlich war es nicht mehr wichtig, ob das Festival ein Erfolg wird oder nicht. Dieser Moment bild-9-interviewnmwar jede Anstrengung im Vorfeld wert. Victoria und ihr Geschäftspartner und Freund Peter Fuller aus London konnten sich dann für eine weitere Idee von von begeistern und machten mich zum Deutschlandvertreter der VINCENT-PRICE-LEGACY-Familie, welche ein weltweites Netzwerk werden soll. Was für eine Ehre für mich. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Jetzt planen wir gemeinsam für 2018 eine Deutschland-Rundreise die Vincent Prices Reise von 1928 nachreist, mit vielen Stationen, die er damals besucht hat.

Warst Du zufrieden mit dem diesjährigen Cinefonie-Festival? Was ist gut gelaufen, wo siehst Du noch Verbesserungsbedarf?

Wie oben erwähnt könnte ich kaum glücklicher sein über den Verlauf beider Tage, da das Ganze dann auch etwas sehr Nachhaltiges für mich persönlich hatte. Als Kulturschaffender darf man ohnehin nicht gewinnorientiert denken und arbeiten. Man ist also froh, wenn alle entstandenen Kosten auch wieder rein kommen. Das haben wir geradeso geschafft. Es ist ungefähr genau so viel gut gelaufen, wie dann auch schief ging. Noch sehe ich mich selbst auch noch als absoluten Anfänger als Veranstalter solcher Festivals. Ich nutze es zu Zeit also noch als Testphase, um so Erfahrungen zu sammeln. Aus all den Fehlern – z.B. die zu frühe Bekanntgabe der Uhrzeiten und Programmpunkte – werde ich natürlich meine Schlüsse ziehen.

Wie wurde das Festival von den Saarbrückern angenommen? Aus leidvoller eigener Erfahrung weiß ich leider nur zu gut, wie schwer es ist etwas auf die Beine zu stellen, was sich nicht in die enge Arthaus- oder Mainstream-Schublade stecken lässt. Bremen ist das z.B. fast unmöglich.

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Das ist in Saarbrücken genau das gleiche Problem wie im Rest des Landes. „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.“ 80% der Besucher kamen nicht aus Saarbrücken. Das wäre uns aber in jeder anderen Stadt wohl genau so gegangen. Dieses Jahr waren wir thematisch aber auch wirklich sehr eng gefasst und mit Vincent Price auch weit abseits vom einem breiten Interesse der Menschen.

Wird es auch eine dritte Ausgabe des Cinefonie-Festivals geben und wenn ja, gibt es schon konkrete Pläne, wie das Festival im nächsten Jahr aussehen wird? Wird es Änderungen geben?

Ja, die gibt es, auch wenn diese sich auch noch ändern könnten. Es müssen sich Dinge ändern, sonst hätten wir nicht dazu gelernt aus den ersten beiden Jahren. Es wird eine dritte Ausgabe geben, ob wir die schon 2017 veranstalten werden muss noch geklärt werden. Eventuell setzen wir wegen der aktuellen Entwicklung auch ein Jahr aus.

Wie sieht es generell mit den Saarbrückern aus? Sind das alle begeisterte Kinogänger oder eher ein hartes Pflaster?

Saarbrücken hat die größte Kinositzplatzdichte in ganz Deutschland. Wir leisten uns den Luxus von 7! Kinos in der Hauptstadt. Da ist vom Studentenkino über kleine Arthaus-Säle bis hin zum großen Multiplex alles zu finden. Die Saarbrücker sind ausgesprochene Kunst- und Kulturfetischisten und für einen Saarbrücker ist alles spannend, was ihn aus den Sofafalten hebt. Wenn man es schafft, ihre Neugier zu wecken, dann kommen sie auch in Scharen. Es ist mit den richtigen Konzepten also eher einfach, in Saarbrücken die Menschen mitzunehmen. Eine Vincent-Price-Retro gehört dazu allerding nicht. (lacht)

Momentan droht ja dem Saarbrücker Kommunalkino das Aus. Du hast eine Initiative zur Rettung des „Filmhauses“ ins Leben gerufen. Wie kam es dazu, dass das Kommunalkino geschlossen werden soll und wie willst Du das verhindern?

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Oh!? Hat man das bis nach Bremen vernommen? Kommunale Kinos haben es in ganz Deutschland sehr schwer. Sie schaffen es in der Regel nicht sich selbst über Wasser zu halten und benötigen Zuschüsse vom Land und der Stadt, in Saarbrücken sogar noch aus einem Fördertopf des Bundes. Trotzdem schafft es das Saarbrücker Filmhaus seit 11 Jahren nicht die hohen Kosten, vor allem in der Verwaltung, wieder einzuspielen. Das liegt m.E. vor allem auch an dem gezeigten Programm. Wer zu 90% Filme nur im OMU zeigt, muss sich nicht wundern, wenn nur noch fünf Leute in der Vorstellung sitzen. Das Saarbrücker Filmhaus ist jedoch eine Kinoperle, die den Saarbrückener selbst sehr am Herzen liegt. Man will sie also nicht wegen schlechter Leitung komplett verlieren. Deshalb jetzt unsere Initiative, die auf breite Unterstützung bauen kann. Wir legen der Stadt noch im Oktober ein Konzept vor, wie wir das Filmhaus erhalten wollen. Das kann die Stadt annehmen oder nicht, es ist nur ein Vorschlag. Klar ist aber auch, dass es dieses Kino in seiner jetzigen Form nicht mehr lange geben wird, und es im Frühjahr 2017 vor dem Aus steht. Deshalb ist es wichtig, dass der Druck jetzt von außen kommt um das zu verhindern. Dieses Kino gehört allen Saarbrückern, finanziert durch Steuergelder, das werden sie sich nicht so einfach nehmen lassen.

PAPAYA Nr 1 UmschlagNeben all diesen Aktivitäten gibst Du seit zwei Jahren auch noch das Filmmagazin „35 Millimeter – Das Retrofilmmagazin“ heraus, welches sich mit der Filmgeschichte 1895 – 1965 beschäftigt. In den nächsten Tagen erscheint bereits die 17. Ausgabe mit dem Thema „Britischer Film“. Hättest Du damals gedacht, dass das Magazin auf dem nicht gerade einfachen und vielfach totgesagten Print-Markt so lange überlebt?

Um ehrlich zu sein, nein. Auf der anderen Seite ist es mit kleiner Auflage und der notwendigen Zahl von Abonnenten auch nicht sehr schwer, sich mit einem Print-Produkt zu halten. Man muss eben kleine Brötchen backen – sehr kleine. Aber auch hier sollte man keine großen Gewinne erwarten. Es steckt am Ende doch sehr viel Individualismus in so einem Projekt. Aber du hast recht, 17 Ausgaben + 3 Sonderausgaben ist schon mal ein guter Anfang.

Was sind Deine nächsten Pläne?

bild-14-vs-buchNeben der geplanten Leitung eines Eventhauses samt Kino (das muss nicht das Filmhaus sein) erscheint in den nächsten Wochen auch das erste Buch des 35 Millimeter-Verlags. Auch hier planen wir eine eigene Verlags-Reihe. Ausgabe #1 wird sich rund um den schwedischen Regisseur VICTOR SJÖSTRÖM drehen. 2017 wird es dann ein weiteres Buch in der Reihe geben. Im nächsten Jahr wollen wir dann auch unsere Ideen für Saarbrücken weiter ausbauen und angehen – Stichwort Eventhaus. 2018 kommt dann die erwähnte Vincent-Price-Legacy-Tour und ein weiterer Cinefonie-Tag. Und zwischendurch alle zwei Monate unser kleines aber feines Magazin. Jetzt da ich das schreibe, hört sich das nach einer Menge Arbeit an. (lacht)

Lieber Jörg, ich danke die recht herzlich für das interessante Gespräch.

Die Fotos vom Cinefonie-Festival stammen von Nicole Malter.

Blu-ray-Rezension: „Der Pate von Greenwich Village“

Von , 1. Oktober 2016 18:44

pate__greenwichCharlie (Mickey Rourke) und sein Cousin Paulie (Eric Roberts) leben im New Yorker Stadtteil Greenwich Village, wo sie sich recht und schlecht durchschlagen. Der coole und vernünftige Charlie träumt davon, zusammen mit seiner Freundin Diana (Daryl Hannah) im ländlichen Maine ein Restaurant zu eröffnen. Der hitzköpfige und vollkommen nichtsnutzige Paulie träumt von einem erfolgreichen Leben im Luxus und Exzess. Als Charlie wegen Paulie seinen Job als Restaurant-Manager verliert, macht Paulie ihm einen Vorschlag. Er will in ein Rennpferd investieren, welches das „Sieger-Gen“ besitzt. Dafür fehlen ihm allerdings 150.000 Dollar, die er sich mit einem Einbruch in Lagerhaus verdienen will. Dort steht nämlich ein Tresor voller Geld. Charlie und der alte Uhrmacher und Ex-Safeknacker Barney (Kenneth McMillan) lassen sich überreden mitzumachen. Doch der Coup geht schief. Nicht nur kommt dabei ein Polizist ums Leben, sondern der Tresor gehört auch noch dem lokalen Mafiaboss „Bed Bug“ Eddie (Burt Young)…

Es tut fast schon weh, den jungen Mickey Rouke auf der Höhe seines Ruhms zu sehen. Damals schon war er zum „James Dean der 80er“ hoch geschrieben worden. Ein Vergleich, der durchaus Sinn ergibt. Mickey Rouke war ein fantastischer Schauspieler, der leicht und lässig durch seine Rollen spazierte. Der dabei mit einer kleinen Geste der Hand mehr ausdrücken konnte, als viele seiner Kollegen mit aller Kraft ihres mehrjährigen Schauspielstudiums. Und dabei ist er immer so atemberaubend cool und so unverschämt gutaussehend. Den jungen Mickey Rouke zu sehen, lässt das Herz schneller schlagen. Wenn man weiß, was aus seiner so vielversprechenden Karriere wurde, möchte man fast um all die schönen Filme weinen, die er in den 90ern noch hätte drehen können. Und um dieses schöne Gesicht, welches durch seinen Ausflug ins Profi-Boxen und schiefgegangene Schönheitsoperationen zerstört wurde. Klar ist Mickey Rourke mittlerweile wieder da. Und ja, er ist immer noch ein toller Schauspieler. Seine Darstellung des Randy in „The Wrestler“ bricht einem das Herz. Doch vergleicht man Mickey Rourke heute und damals, dann sind das zwei ganz unterschiedliche Figuren. Und man mag nicht glauben, dass dahinter ein und der selbe Mensch stecken.

Der Pate von Greenwich Village“ beginnt mit dem jungen Mickey Rourke, der sich für seinen Job als Restaurant-Manager in seine elegante, geschmackvolle Schale wirft. Dazu singt Sinatra „Summer Wind“. Eine Szene zum Verlieben. Mit kleinen Gesten, mit seinem Gang zwischen Gene Kelly und einer Katze, zeigt er gleich, wer hier der coolste Typ in der Nachbarschaft ist. Selbstsicher, charismatisch. Dass Mickey Rourke in den Credits nur an zweiter hinter Eric Roberts aufgeführt wird, mag daran liegen, dass Roberts damals etwas bekannter war. Oder dass sein Nachname im Alphabet vor Rourke kommt. Der Star des Filmes ist aber eindeutig Rourke. Er füllt jede Szene aus in der er zu sehen ist und würde die Leinwand mit seiner ungeheuren Präsenz zum Bersten bringen, wenn er dafür nicht zu lässig wäre. Im Restaurant trifft der von Rourke gespielte Charlie auf sein Cousin Paulie. Eric Roberts spielt ihn als Antithese zu Rourke. Tritt dieser in feinem, geschmackssicheren Zwirn auf, so sorgt bei Paulie bereits der unglaubliche Lockenkopf für große Augen. Dazu kleidet er sich, wie die Jungs aus dem Ghetto. Mit einer Vorliebe für protzige Ketten und zu engen Jeans. Ständig in Bewegung, hibbelig und mit einer Klappe, die nie still zu stehen scheint, ist Paulie eine weiße Parodie auf die schwarzen Ghetto-Jungs, die man aus Filmen wie „Menace II Society“ kennt. Nur gibt es in dem provinziellen Greewich Village keine Schwarzen. Ja, die Einwohnerschaft scheint nur aus Italienern und Iren zu bestehen. Einmal sieht man zwei Asiaten in einer Bar, die von den anderen Besuchern wie Exoten beäugt werden.

Regisseur Stuart Rosenberg inszeniert „Der Pater von Greenwich Village“ mit leichter und sicherer Hand. Der feine Humor ist nie zum Schenkelklopfen, die dramatischen Szenen nie pathetisch. Das Äquivalent zu Rosenbergs Inszenierung wäre der leichter Sommerwind aus dem Sinatra-Song. Zudem offenbart er einen scharfen Blick für den Lokalkolorit des kleinen Greenwich Village mit seinen Bars, den alteingesessenen Typen und das Kleinstädtische. Der von Burt Young eindrucksvoll, wenn auch manchmal an der Grenze zur Parodie, gespielte Gangsterboss „Bedbug Eddie“ ist hier zwar König, in der Mafiahierarchie aber eben nur ein kleiner Landesfürst. Trotzdem sollte man sich besser nicht mit ihm anlegen, wie Paulie in einer der schmerzhaftesten Szenen des Filmes erfahren muss. Wobei „Der Pate von Greenwich Village“ allzu große Gewalttätigkeiten vermeidet. Seine Stärken liegen im Dialog, den glaubhaften Figuren und der genauen Zeichnung des Milieus. Der einzige Haken an der Sache ist die Beziehung zwischen Charlie und Paulie. Man mag es kaum glauben, dass ein so scharfsinniger Bursche wie Charlie immer wieder seinem Cousin aus der Patsche hilft und ihn auch noch vor allen Anderen verteidigt. Ja, da ist eine große, brüderliche Liebe zwischen den beiden so unterschiedlichen Typen. Doch wenn der schwächliche Paulie das x-te Mal Charlie tief in die Scheiße reitet, möchte man ihn am Liebsten persönlich mit seiner großen Klappe in die Wüste jagen. Aber solch eine „Paulie“-Figur gehört ja zur Standardausstattung eines Gangsterfilms. Siehe auch „Sugar Hill“, der eine ganz ähnliche Struktur aufweist. Nur Michael Corleones Geduld mit seinem ähnlich anlegten Bruder Fredo in „Der Pate – Teil 2“ hatte irgendwann seine Grenzen.

Doch Charlie ist eben auch kein Profi. Kein knallharter Typ wie ein Michael Corleone. Er schlägt sich durchs Leben, versucht auf irgendeine Art und Weise etwas zu werden. Sein Traum ist nicht die Macht über sein Viertel, sondern genug Geld für ein eigenes Restaurant zu haben. Dass er immer wieder auf der falschen Seite landet, ist größtenteils auch seinem unzuverlässigen Cousin Paulie zu verdanken. In der Rolle seiner attraktiven Freundin sieht man eine blutjunge und wunderhübsche Daryl Hannah, die leider nur schmückendes Beiwerk bleibt. Frauen haben in dieser Welt nämlich keinen Platz und spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die einzige Ausnahme bildet die von Geraldine Page gespielte Mutter eines auf tragische Weise ums Leben gekommenen Polizisten. Sie hat nur zwei kurze, aber großartige Auftritte in diesem Film, aber diese reichten aus, um ihr eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin einzubringen. Ansonsten ist es a man’s world.

Die sehr genaue Figuren- und Milleuzeichnung, die überzeugenden Darsteller – allen vorweg ein unglaublich guter und charismatischer Mickey Rourke – und die locker-leichte Inszenierung Stuart Rosenbergs machen „Der Pate von Greenwich Village“ zu einem kleinen Klassiker, dem man auch kleinere Schwächen mit einem Lächeln verzeiht.

FilmArt hat dieses kleine Juwel außerhalb seiner bekannten Reihen veröffentlicht, ob es gut in die CineSelection gepasst hätte. Die Blu-ray ist auf 1000 Stück limitiert und weißt ein gutes, sehr „kinohaftes“ Bild auf, welches Ecken und Kanten haben darf und nicht vollkommen steril gefiltert wurde. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch als DTS-HD Master Audio Mono) vor. Im Bonusbereich sieht es bis auf den Originaltrailer ziemlich mau aus. Dafür wurde ein 8-seitiges Booklet mit spanischen (?) Aushangfotos beigelegt.

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