Blu-ray Rezension: „Curtains – Wahn ohne Ende“

Von , 28. Juli 2015 21:40

curtainsNachdem sich der alternde Theater-Star Samantha Sherwood (Samantha Eggar) in einem Anfall von extremen method acting unter einem Vorwand in ein Irrenhaus einweisen ließ, nutzt der berühmte Regisseur Jonathan Stryker (John Vernon) dies aus, um die bereits Samantha zugesagte Rolle der „Audra“ in seinem neuen Stück umzubesetzen. Zu diesem Zwecke lädt er vier Schauspielerinnen (u.a. Linda Thorson) auf sein Landgut ein, um diese hier ein Wochenende lang zu testen. Überraschend gesellt sich auch Samantha dazu, die in der Zwischenzeit aus der Anstalt fliehen konnte und nicht gewillt ist, die Rolle jemand anderen zu überlassen. So denkt scheinbar noch jemand, denn bald stapeln sich die Leichen…

Man sieht „Curtains“ seine nicht gerade einfache Produktionsgeschichte durchaus an. Gedreht ursprünglich 1980, wurde der Film nach vielen Nachdrehs erst im Jahre 1983 fertiggestellt und in die Kinos gebracht. In der Zwischenzeit wusste scheinbar niemand, wo die Reise genau hingen soll. So zeugen am Ende zwei Einblendungen von den vielen Katastrophen und Verzögerungen hinter den Kulissen. Regisseur Richard Ciupka zeichnete den Film nicht mit seinem eigenen Namen, sondern mit dem seiner Hauptfigur Jonathan Stryker, jenem diktatorischen und seine Schauspielerinnen skrupellos manipulierenden Theater-Regisseur. Ferner ist der Abspann in „Akt I“ und „Akt II“ unterteilt, jeweils mit unterschiedlichen technischen Mitarbeitern. Seine Zerrissenheit und das Stückwerk, welches erst später zu einem Ganzen zusammengefügt wurde, überfällt den Zuschauer förmlich. Der Film bewegt sich mal in diese, dann wieder in eine andere Richtung. Manche Szenen scheinen gar zu einem ganz anderen Werk zu gehören.

Der Beginn dampft die Geschichte von Sam Fullers meisterlichen „Shock Corridor“ auf 15 Minuten herunter. Dabei fährt Richard Ciupka die ganze Klaviatur des Irrenhaus-Horrors auf. Merkwürdige alte Frauen in Kindchenmodus, plötzlich aus dem Nichts kommende Furien, Fratzen, die dem Zuschauer ins Gesicht schreien. Schatten, Farbspiele und verkantete Winkel. Dazu die von Samantha Eggar gespielte Samantha Sherwood, die immer apathischer wird, um dann ebenfalls langsam dem Wahnsinn zu verfallen. Ciupka hetzt förmlich durch sein Albtraum-Szenario und verschießt so schon eine Menge Pulver, welches den Mittelteil dann gehörig durchhängen lässt, bevor er sich dann wieder aufrappelt, um die hängen gelassenen Zügel wieder anzuziehen. Da die ganze Irrenhaus-Szenerie nicht viel mit dem eigentlichen Film zu tun hat, sondern wie ein überlanger Prolog daher kommt, führt sie am Ende auch zu nichts. Es ist nur allzu deutlich zu merken, dass etwas fehlt und der Anschluss später krampfhaft durch ein Hilfskonstrukt dazwischen geflickt wurde. Man sieht plötzlich die sich in einem Schlafzimmer befindliche Samantha, die einer unbekannten Person davon erzählt, dass sie aus dem Irrenhaus geflüchtet wäre. Kurze Zeit später taucht sie dann bei Jonathan Strykers Casting auf, als sei nichts geschehen. Und es findet auch niemand seltsam, sie dort anzutreffen, obwohl doch die Flucht einer berühmten und angesehenen Schauspielerin aus einer geschlossenen Anstalt sicherlich Aufsehen erregt hätte.

Aber man sollte bei diesem Film sowieso nicht allzu sehr in der Logik-Kiste kramen. Eine andere Szene zeigt den Mord an einer jungen Schauspielerin. Diese kann durchaus als zweiter Prolog aufgefasst werden, den von der Stimmung her, passt diese Passage mit Kurzfilmcharakter ebenfalls nicht recht zum Hauptfilm. Es wird beispielsweise eine gruselige Puppe eingeführt, die es auch auf das Filmplakat geschafft hat. Diese steht in einer unheimlichen Szenen im Mittelpunkt, welche sich dann aber nur als Albtraum herausstellt. Später taucht sie nicht mehr auf, und auch der auf diese Szene folgende, recht effektiv in Szene gesetzt Mord spielt keine Rolle mehr. Erst jetzt setzt die eigentliche Handlung ein, die den Pfaden eines klassischen Whodunits folgt. Mehrere Personen sind in einem vornehmen Herrenhaus versammelt, weitab der Zivilisation. Jeder könnte ein Motiv haben, die anderen zu beseitigen, und dann fällt einer nach dem anderen einem maskierten Unhold zum Opfer. Das mondäne Anwesen und die Upper-Class-Attitüde lassen hierbei an eine Agatha-Christie-Verfilmung denken. Hierzu passen auch die recht dezenten Morde, die teilweise im Off stattfinden.

Drei Szenen katapultieren den in diesem Teil eher gemütlichen Film dann aber doch wieder in Slasher-Regionen. Das Auffinden eines abgeschlagenen Kopfes in einer Toilette, eine mit vielen Licht- und Schattenspielen inszenierte Verfolgungsjagd durch eine farbenfrohe Requisitenhalle und vor allem der Mord aus dem Eis. Diese höchst effektive Szene ist es dann auch, die man noch lange nach dem Abspann im Kopf behält. Wenn sich eine mit der unheimlichen Maske einer alten Frau ausgestattete Figur rasant auf ihr Opfer zu bewegt, erreicht der Film kurzzeitig eine wahrhaft mörderische Intensität.

Die lange Produktionszeit merkt man auch den Schauspielern an, die offensichtlich irgendwann auch keine große Lust mehr hatten, immer wieder zu Nachdrehs zu erscheinen. Was man insbesondere John Vernon ansieht, der eine ziemlich lustlose Vorstellung gibt, obwohl gerade seine Rolle Potential für mehr gehabt hätte. Die restliche Besetzung zieht ihr Ding professionell durch, wobei Samantha Egger insbesondere im ersten Teil Gelegenheit hat, etwas aus sich heraus zu gehen. Ein nettes Wiedersehen gibt es auch mit Linda Thorson, die einst als Emma-Peel-Nachfolgerin Tara King einige – meines Erachtens ungerechtfertigte – Prügel von den „Mit Schirm, Charme und Melone“-Fans einstecken musste. Hier darf sie einmal die egozentrische Diva geben, was ihr gut steht.

„Curtains“ ist nicht unbedingt ein Highlight, auch wenn der Film mit einigen durchaus sehenswerten Einzelaktionen aufwarten kann. Doch die über drei Jahre zusammengebastelten Einzelstücke wollen nicht wirklich ein überzeugendes Ganzes ergeben. Interessant anzusehen ist er trotzdem, und man kann sich auch weitaus schlechter unterhalten.

Der Film befand sich aus mir unerfindlichen Gründen 25 Jahre auf dem Index und war daher bisher nicht für eine digitale Heimkino-Auswertung in Frage gekommen. Nun veröffentlicht CMV in Verbund mit New Vision Video diesen Slasher erstmals in Deutschland auf Blu-ray und DVD. Das Bild der Blu-ray ist zwar nicht ganz taufrisch, bietet aber sonst keinen Grund zum Meckern. Diesen hat man vielmehr bei der ausgesprochen schwachen deutschen Synchronisation. Aber da auch der Originalton mit an Bord ist, ist dies ebenfalls zu verschmerzen. Schwerer wiegt der vollständige Verzicht von Bonusmaterial, welches beispielsweise bei der us-amerikanischen Veröffentlichung von Synapse reichlich zu finden sind. Gerade bei der spannenden Produktionsgeschichte wäre dies eigentlich ein Muss gewesen.

Das Bloggen der Anderen (27-07-15)

Von , 27. Juli 2015 21:50

bartonfink_type2– Der meiner Meinung nach schönste Beitrag der Woche kommt von Rochus Wolff, der in seiner Kolumne „Sitzplatzerhöhung“ auf B-Roll sich darüber nachdenkt, was eigentlich einen guten Kinderfilm ausmacht. Lucas Barwenczik stellt derweilen den iranischen Filmemacher Jafar Panahi vor.

– Sehr gefallen hat mir auch Dominiks Beitrag auf Filmherum, wo er sich Gedanken über das Pro und Contra des Kinobesuchs macht. Für jemanden wie mich, der den Kinobesuch über alle anderen Arten des Filmeerlebens stellt, auch mal interessant, nachvollziehbare Argumente gegen den Kinobesuch zu lesen und im Gegenzug als Mit-Veranstalter eine Kinoreihe darüber nachzudenken, wie man es besser machen kann.

– Nach dem Heimatfilm hat sich Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide nun dem deutschen Schlagerfilm zugewandt. Der erste Film, den er hier untersucht heißt dann auch gleich passenderweise „Schlagerparade“ und ist vom späteren „Kommissar“ Erik Ode inszeniert. Außerdem empfiehlt er Will Trempers Film „Flucht nach Berlin“, der auch auf meiner Must-have-Liste ganz weit oben steht.

– Gabelinger stellt auf Hauptsache (Stumm)Film ein sehr frühes Hollywood-Musical vor: Den Meilenstein „Love Me Tonight“ von Rouben Mamoulian mit Maurice Chevalier.

– Letzte Woche jährte sich mal wieder das Stauffenberg-Attentat. Vor genau 60 Jahren kamen gleich zwei Filme in die deutschen Kinos, sie sich damit beschäftigten. „Es geschah am 20. Juli“ von G.W. Pabst, den Lukas Foerster auf Dirty Laundry vorstellt und „20. Juli“ von Falk Harnack, den Hoffman auf Drei Cineasten bespricht.

– Ich weiß gar nicht, warum mir Joseph Losey immer wieder durch die Finger geschlüpft ist,. Dabei handelt es sich bei ihm um einen der interessantesten Filmemacher der späten 60er und frühen 70er Jahre. Auch wenn Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film einen von Loseys bekanntesten Filmen, „The Go-Between“, eher muffig findet.  Viel mehr hält er da von der Schauspielerin Yekaterina Golubeva, der er einen Liebesbrief schreibt.

– Stu widmet sich auf Die drei Muscheln der „Death Wish“-Reihe. Aber eigentlich nur den ersten drei Filmen, die er auch nicht wirklich gut findet.

– Michael Schleeh berichtet auf Schneeland vom Bucheon International Fantasy Film Festival im Süden von Seoul, wo er den von ihm sehr empfohlenen, südkoreanischen „The Stone“ gesehen hat, sowie den allerneusten Sion Sono „Love & Peace“, der ihn ordentlich durchgeblasen hat mit seiner „hanebüchenen Durchgeknalltheit“.

– Auch Indyfilmblog ist diesmal ganz dem südkoreansichen Kino zugetan. Es gibt eine Lee Chang-dong –Retro mit einer fetten Empfehlung für das südkoreanische Drama „Poetry“ von (das kürzlich im TV lief), aber auch Lees „Secret Sunshine“ und „Oasis“ werden hochgelobt.

– Irgendwie sind mir die vorbildlichen Veröffentlichungen des Labels REM vom Radar gekommen. Gut, dass man bei filmosophie noch einmal darauf hingewiesen wird. Das indische Independent-Drama „Sunrise“ von Regisseur Partho Sen-Gupta sollte man wohl gesehen haben. Auch der Dokumentarfilm „Von Caligari zu Hitler“ des Filmkritikers Rüdiger Suchsland klingt interessant, auch wenn filmosophie anmerkt: „Insgesamt erschlägt Von Hitler zu Caligari sowohl mit seiner Informationsflut als auch mit seiner beträchtlichen Länge. Eine filmgeschichtliche Epoche von 15 Jahren in einem einzigen Dokumentarfilm abzubilden, ist wohl auch ein steiles Unterfangen, das zwangsläufig zu einer intellektuellen Herausforderung für die Zuschauer_innen werden muss. Für jemanden wie mich, die sich insbesondere für die kulturwissenschaftliche Verknüpfung von Kunst und Historie begeistern kann, stellt dies weniger ein Problem dar, doch dürfte der_die „durchschnittliche“ Zuschauer_in wohl spätestens nach einer dreiviertel Stunde gedanklich aussteigen.“

– Da steht das Fantasy Filmfest 2015 vor der Tür, da erinnert film-rezensionen.de noch mal an das Festival des vergangenen Jahres. Ferner schreibt Oliver Armknecht über einen Film, den ich als Kind einmal im Fernsehen erwischte, der mich als damals heiß entflammten Agatha-Christie-Fan begeisterte – und den ich dann nie wieder sah: „Die Morde des Herrn ABC“ mit Tony Randall (!) als Hercule Poirot.

– Sehr viel später begeisterte mich dann „Hellraiser“ von Clive Barker – und die verstümmelte deutsche Fassung des zweiten Teils „Hellbound“ lies mir keine Ruhe. So dass ich 1992 bei meinem bisher einzigen London-Besuch die ganze Zeit nur durch die Elektromärkte irrte, um endlich eine ungeschnittene Fassung zu erstehen (die auch nicht ganz vollständig war, aber das wusste ich damals ja nicht). Oliver Nöding bespricht beide Filme auf Remember It For Later.

Yzordderrexxiii bricht eine Lanze für den nicht wirklich geliebten „Starman” von John Carpenter.

Schöne Empfehlung von Mauritia Meyer auf Schattenlichter für die verheiratenden Italo-Nerds: „Ein sehenswerter äußerst unterhaltsamer und kurzweiliger Poliziottesco aus der „zweiten Reihe“, für den sich womöglich auch eure Frauen begeistern könn(t)en.“ –über „Der Gorilla“ mit Fabio Testi.

– Ich freue mich ja wie Bolle darauf, endlich den (nicht mehr ganz) neuen Film von Quentin Dupieux, „Wrong Cops“ zu sehen. Der Kinogänger mochte ihn.

– Dafür mochte Caroline Lin von Komm&Sieh den neuen Terrence Malick, „Knight of Cups“ gar nicht.

– Irgendwo habe ich schon mal eine Besprechung des dänischen Marionetten-Films „Strings“ verlinkt. Ich weiß nur nicht mehr wo und wann. Egal, kann man auch zweimal machen. Diesmal wird der Film von Robin Schröder von Mise en cinéma empfohlen.

– Auf Cereality geht die Cronenberg-Retro mit dem – von mir noch immer nicht gesehenen – „eXistenz“ weiter. Außerdem zwei Meinungen zu Werner Herzogs „Königin der Wüste“. Christian Witte Pro und Nathanael Brohammer Contra.

– Noch ein paar Übersichten: Die interessantesten Podcasts beim “Die Gespräche der Anderen” auf Wiederaufführung und Filmbesprechungen auf Schlombies Filmbesprechungen als „Die Besprechungen der Anderen”.

Blu-ray Rezension: „Alien Shock“

Von , 25. Juli 2015 20:58

alienshockIrgendwo in der Wildnis der USA fallen ein Jäger (Cameron Mitchell) und sein Sohn (Darby Hinton) merkwürdigen Objekten zu Opfer, die an Frisbee-Scheiben mit Zähnen erinnern. Kurze Zeit später machen sich vier Jugendliche auf, um an einem Waldsee in dieser Gegend zu campen. Doch zwei von ihnen werden auch schnell Opfer der Kreaturen. Beiden Überlebenden (Tarah Nutter und Christopher S. Nelson) versuchen in einer nahegelegenen Kneipe Hilfe zu holen, doch niemand glaubt ihnen ihre wilde Geschichte. Bis auf einen halbirren Vietnam-Veteranen (Martin Landau) und einem passionierten Jäger (Jack Palance)…

Der Originaltitel dieses Filmes, „Without Warning“, lügt. Denn die Protagonisten dieses Low-Budget-SF-Horror-Streifens werden mehr als einmal gewarnt, nicht zu dem See in der Wildnis zu fahren. Dummerweise sind es nicht gerade vertrauenswürdige Figuren, die sie davon abhalten wollen, denn diese beiden – der versoffen durchgeknallte Fred „Sarge“ Dobbs und der knorrige Jäger Joe Taylor – werden von Martin Landau und Jack Palance gespielt. Zwar haben beide einmal einen Oscar für die beste Nebenrolle gewonnen, doch nicht für diesen Film, sondern sehr viel später in ihrer Karriere. Als „Alien Shock“ gedreht wurde, befanden sich beide an einem toten Punkt in ihrer Karriere. Jack Palance war ein gern gesehener Bösewicht-Darsteller im klassischen Noir- und Westernkino der 50er Jahre gewesen, bevor er sich Ende der 60er nach Europa aufmachte, wo er zahlreiche italienische Produktionen mit seiner unnachahmlichen Präsenz bereicherte. In den USA allerdings war er nur sporadisch zu sehen, und als Ende der 70er seine italienische Karriere beendet war, dauerte es erst einmal ein paar Jahre, bis er sich wieder in die A-Liga hoch gekämpft hatte.Martin Landau genoss in den 60ern enorme Popularität durch seine Rolle in „Kobra, übernehmen Sie“. Allerdings verlor er diese durch – wie die Produzenten meinten – überzogene Gehaltsforderungen. Auch die heute Kult-Status genießende britische TV-Serie „Mondbasis Alpha 1“ konnte seine Karriere nicht richtig ankurbeln, da diese nach der zweiten Staffel aus Kostengründen eingestellt wurde. So musste auch er 1980 sehen, wo er blieb. Die Oscar-Nominierungen für Francis Ford Coppolas „Tucker“ und Woody Allens „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“, sowie die finale Belohnung für seine wunderbare Darstellung des Bela Lugosi in „Ed Wood“, waren ja noch in weiter Ferne.

Ohne eine strenge Führung und in dem Bewusstsein eh nur in irgendwelchem Quatsch mitzuspielen, drehen die beiden, damals gerade verblassenden, Stars mächtig auf und verlegen sich auf wilde Grimassen. Insbesondere Martin Landau spielt, als ob es um sein Leben ginge. Oder zumindest die Weltmeisterschaft in Schaum vor dem Mund und Augenrollen. Jack Palance hingegen bewahrt sich seine stählerne Würde und erweckt zunächst den Anschein, seine Figur könnte auf der falschen Seite stehen. Doch dann entpuppt er sich schließlich doch noch als Held und einzig vernünftige Stimme in dieser Geschichte. „Alien Schock“ kombiniert Motive des Backwood-Films, mit einem typischer Slasher und natürlich einer Priese Horror und Science Fiction. Das in Deutschland titelgebende Alien, könnte ebenso gut ein axtschwingender Irrer sein. Was den Film nicht großartig ändern, dem Publikum allerdings einige Höhepunkte vorenthalten würde. Da sind einmal die „fliegenden Teufel“ (ein deutscher Alternativtitel des Filmes lautet auch „Das Geheimnis der fliegenden Teufel“), die mörderischen Waffen des Aliens. Diese sind quasi Frisbee-Scheiben mit den Eigenschaften der Facehugger aus den Alien-Filmen. Auch wenn man man bei der guten Bildqualität einer Blu-ray sehr deutlich die Drähte erkennen kann, an denen sie hängen, sind diese kleinen Biester sehr gelungen. Wenn sie minutenlang versuchen, sich durch die Frontscheibe eines Autos zu bohren, hat man auch ausführlich Gelegenheit, das handgemacht Design zu bewundern. Der eigentliche Butzemann hinter den unheimlichen Vorgängen wird allerdings erst sehr spät enthüllt. Es handelt sich um ein hochgewachsenes Alien mit blauem Kugelkopf, welches an die Science-Fiction-Klassiker der 50er Jahre erinnert und damit irgendwie aus der Zeit gefallen scheint. Gespielt wird es von Kevin Peter Hall, der sieben Jahre später auch in das Kostüm des „Predator“s schlüpfen sollte. Ein schöner Zufall, denn „Alien Shock“ nimmt das Handlungsgerüst jenes Actionklassikers vorweg, nur dass hier keine schwerbewaffnete Söldnertruppe, sondern die aus Slashern wie „Freitag, der 13.“ bekannte Teenie-Brut eingesammelt wird.

Diese bleiben dann auch in etwa so blass, wie ihre Kollegen aus dem zeitgleich entstandenen Film. Auch wenn sich unter ihnen der zukünftige TV-Star David Caruso in viel zu engen Shorts befindet. Aber gegen Palance und Landau anzuspielen, ist auch nicht ganz einfach. Hinter der Kamera befindet sich Dean Cundey, der zur selben Zeit die Kamera bei John Carpenters großen Klassikern führte und später mit Steven Spielberg u.a. bei „Jurassic Park“ zusammenarbeitete. Seine Kameraarbeit bei „Alien Schock“ ist solide und erinnert nur in seltenen Momenten an die großartige Arbeit, die er im selben Jahr z.B. bei „The Fog – Nebel des Grauens“ leistete. So bleibt die schönste und stimmungsvollste Szene dann auch die, in der das Alien auf einer bodennebelumwabberten Waldlichtung steht. Das Drehbuch gönnt sich einige Verschnaufpausen und eine ziemlich deplatzierte Szene mit einem trotteligen Pfadfinder-Leiter, weiß aber insgesamt in seiner naiven Geradlinigkeit gut zu unterhalten. Insbesondere, wenn Landau, Palance und ihre Dorfmitbewohner auftauchen. Unter diesen befinden sich dann auch gern gesehene Veteranen wie Neville Brand und Ralph Meeker. Und gleich am Anfang hat auch der unverwüstliche und Genre-Film gestählte Cameron Mitchell einen Auftritt als Jäger, der seinem verweichlichten Sohn das Töten von Tieren nahebringen will. Das passt alles gut zusammen und sorgt für ein echtes B-Movie-Drive-In-Feeling.

Das Bild der bei CMV/New Vision Films erschienenen erstmaligen Blu-ray-Auswertung ist für einen 35 Jahre alten Low-Budget-Streifen vollkommen in Ordnung. Der Ton liegt in drei Variationen vor: Dem englischen Originalton und zwei deutschen Synchronisationen. Einmal die alte VHS-Synchro und dann eine, die vom ZDF vorgenommen wurde, etwas enger an der englischen Vorlage ist, dafür mit weniger markanten Stimmen aufwartet. Welche deutsche Fassung man bevorzugt, ist da persönlicher Geschmack. Mir gefiel die VHS-Fassung etwas besser. Besser aber natürlich, man schaut den Film gleich im Original. Als Extras gibt es noch einen Audiokommentar des Regisseurs Greydon Clark, sowie die übliche Bildgalerie und einen Trailer.

Bildergeschichten #1: „The Act of Killing“

Von , 21. Juli 2015 19:56

Ich möchte ab jetzt in unregelmäßigen Abständen eine neue Rubrik einführen, die ich erst einmal provisorisch „Bildergeschichten“ nenne. Hier möchte ich Szenen vorstellen, die ich für visuell gelungen, emotional besonders ergreifend oder schlicht und einfach sehenswert empfinde. Hier möchte ich nicht mit Videoausschnitten arbeiten, sondern mit Screenshots, da ich glaube, dass man sich beim Betrachten der einzelnen Bildern noch einen ganz anderen Eindruck bekommt, als bei einer Videosequenz. Das Ganze sehe ich jetzt erst einmal als Experiment und bin für Feedback dankbar.

Die erste Szene, die ich vorstellen möchte, hat mich – als ich sie 2013 auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg sah – ziemlich mitgenommen. Sie findet recht am Ende des Films „The Act of Killing“ statt und zwang mich einige Mal wegzusehen, obwohl es doch nur ein Teddybär ist, der hier massakriert wird. Doch wenn man weiß, dass sich diese Szene so oder ähnlich einmal in der Realität zugetragen haben kann und man zudem in diesen Belangen sensibel ist, dann stellt sich gerade dieser Teil des Films als sehr herausfordernd dar. Ich habe bereits zweimal über „The Act of Killing“ geschrieben. Einmal anlässlich seiner Aufführung in Oldenburg (hier) und einmal als Kritik zur in letzten Jahr erschienenen DVD (hier). Zudem hatte ich ihn in meiner Top 10-Liste des Jahres 2013 auf Platz 1 gesetzt. Man sieht also, dass der Film mich sehr beschäftigt hat. Daher ist er ein guter Start für dieses Vorhaben.

Worum geht es in „The Act of Killing“? In der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 1965 kam es in Indonesien zu einem Putschversuch, an dem Teile des Militärs beteiligt waren. Der Putsch wurde aber niedergeschlagen und die – tatsächlich unbeteiligte – kommunistische Partei PKI als Schuldige ausgemacht. Daraufhin wurde von den Militärs mit Hilfe von Kleinkriminellen ein Massaker an tatsächlichen und angeblichen Kommunisten verübt, dem nach Schätzungen von Amnesty International in den folgenden Monaten fast eine Million Menschen zum Opfer fielen. Auch die chinesische Minderheit wurde zum Opfer des Irrsinns, denn um damals als “Kommunist” zu gelten, reichte es schon nur chinesischer Staatsangehöriger zu sein, oder dass jemanden die Nase nicht gepasst hat. Todesschwadrone folterten und töteten auf bestialische Art und Weise tausende Unschuldige. Der 2,5-stündige Dokumentarfilm „The Act of Killing“, zeigt Angehörige eines Todesschwadron, die heute noch in Indonesien leben und sich dort nicht nur als Helden fühlen, sondern auch von der Regierung zu solchen stilisiert werden. „The Act of Killing“ handelt vor allem von einem Projekt, in welchem Veteranen der Todeskommandos ihre damaligen Taten noch einmal für einen Film nachspielen sollen. Dabei haben diese freie Hand, wie sie ihre Erinnerungen gestalten möchten.

In der folgenden Szene entschieden sich die Hollywood-begeisterten Beteiligten für einen „Film Noir“. Die Hauptfigur des Filmes, Anwar Congo, spielt dabei den Leiter des Verhöres, einer seiner Kumpels von damals – heute Lokalpolitiker – das Opfer. Besonders interessant an dieser Szene finde ich das letzte Bild, welches erstmals auf so etwas wie eine Reflektion seiner Taten bei Anwar zum Vorschein kommt.

 

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Wer affin für Streaming-Dienste ist, kann sich „The Act of Killing“ oder andere Dokumentarfilme auch online bei Maxdome anschauen.

Blu-ray-Rezension: “Duell ohne Gnade”

Von , 16. Juli 2015 23:10

duellohnegnadeJen Chieh (Ti Lung) ist der Sohn eines mächtigen Bandenchefs im Hongkong der 20er Jahre. Nachdem seine Familie einen anderen Clan während einer Trauerfeier angegriffen hat, übt diese Rache. Jen Chiehs Vater (Yeung Chi-Hing) wird ermordet und er selber von seinen Stiefbrüdern überredet, die alleinige Verantwortung für das Massaker zu übernehmen, und ins Exil zu fliehen. Dort werden immer wieder heimtückische Anschläge auf Jen Chieh verübt, denen er aber jedes Mal entkommen kann. Nach einem Jahr kehrt er in die Heimat zurück, um herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet. Zuhause hat sich in der Zwischenzeit eine Menge getan. Sein Stiefbruder Jen Lin (Ku Feng) hat die Macht in der Familie übernommen und Jen Chiehs Verlobte Butterfly (Ping Wang) ins Bordell schaffen lassen. Zusammen mit seinem zweiten Stiefbruder (Chuen Yuen), einem alten Jugendfreund (Kang-Yeh Cheng) und einem geheimnisvollen Fremden (David Chiang), der einst im Dienst von Jen Chiehs Vater stand, plant Jen Chieh Rache zu nehmen…

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Unglaubliche 27 Filmen haben Regisseur Chang Che und seine beiden Hauptdarsteller Ti Lung und David Chiang in nur sieben Jahren zusammen gedreht. Dazu kommen noch die Filme, die jeweils nur einer oder zwei dieses „Iron Triangle“ gedreht haben. Da kann natürlich nicht jeder Film ein Meisterwerk wie „Das Schwert des gelben Tigers“ sein. Auch wenn „Duell ohne Gnade“ nicht zu den ganz großen Leistungen des „Iron Triangle“ zählt, so siedelt er sich aber locker im oberen Drittel an. Die Geschichte um den verratenen Bruder und seine Rache ist ebenso vorhersehbar, wie formelhaft. Doch Chang Cheh zaubert daraus mit leichter Hand wieder einmal eine rasante Geschichte, deren zahlreichen und vor allem blutigen Kämpfe so manche holzschnittartige Szene problemlos überspielt. Dass es sich hier nicht um einen Kung-Fu-Film im klassischen Sinne handelt, sondern die Auseinandersetzungen mit der blanken Klinge geführt werden und die Langmesser in Sekundentakt durch gegnerisches Fleisch schneiden, nutzt Chang Cheh die roten Fontänen natürlich als großen den Schauwert seiner Actionszenen.

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Der noch blutjunge und gutaussehende Ti Lung macht in mehr als einer Hinsicht eine gute Figur als Jen Chieh, dem loyalen Stiefbruder, der aufgrund einer Intrige ins Exil geschickt wird und dort seines Lebens nicht mehr sicher ist. Nicht nur in seinen zahlreichen Kampfszenen besticht er durch Eleganz und Athletik, auch sein solides Schauspieltalent ist gefragt. Ti Lung strahlt selbst in der Rolle des nach Rache dürstenden Jünglings die Ruhe und Würde aus, die später sein Markenzeichen wurde, und es ihm ohne Probleme ermöglichte, nach John Woos „Der City-Wolf“ seine Karriere bis weit über die 90er Jahre hinweg verlängerte. Demgegenüber gibt David Chiang den athletischen Draufgänger, welchen er in der Paarung mit Ti Lung immer verkörperte. Wobei sein geheimnisvoller Chiang Nan in diesem Film insbesondere durch einen erlesenen Kleidergeschmack und eine lässige Coolness gefällt. Gegenüber Ti Lung wirkt er aber trotzdem immer lausbubenhaft und die Beiden bilden in ihren Filmen daher oftmals ein Großer-Bruder-Kleiner-Bruder-Gespann. In „Duell ohne Gnade“ erscheint dieses Verhältnis zur Abwechslung aber einmal umgekehrt, da Chiangs Figur hier der ruhigere und abgeklärtere Part gegenüber dem heißblütigen Jen Chieh zufällt.

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Obwohl beide sich spät im Film in das titelgebende Duell miteinander stürzen, währt ihre Gegnerschaft nur kurz und ist von tiefem gegenseitigen Respekt geprägt. Wobei reiner Respekt ein Wort ist, welches nicht weit genug reicht. Tatsächlich wäre es korrekter hier von Liebe zu sprechen. Chang Chehs blutigen Epen hatten schon immer jenen homophilen Touch, welchen Cheh hier voll auslebt. Immer wieder werfen sich Lung und Chiang Blicke zu, die eine Geschichte hinter der Geschichte erzählen. Beide verzehren sich ganz offensichtlich nacheinander, können dies aber – der gesellschaftlichen, wie auch genre-immanenten Konventionen wegen – niemals zugeben. Doch in ihren Dialogen sind die beidseitigen Liebesbekundungen trotzdem kaum kaschiert. „Warum tötest Du mich nicht? Weil Du eine tiefe Sympathie für mich hegst. Ich hege auch eine tiefe Sympathie für Dich“. So die zumindest die deutsche Synchronisation. Da die Blicke dabei hier Bände sprechen, kann man davon ausgehen, dass der Originaltext ganz ähnliches gesagt wird. Nur im Kampf können sich Jen Chieh und Chiang Nan körperlich nahe sein. Und so sucht im großen Finale der eine immer wieder den anderen, möchte ihn greifen und mit ihm zusammen sein Leben aushauchen. Im Angesicht des Todes gönnt Chang Cheh den beiden Liebenden endlich die ganz großen Gefühle.

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Zuvor aber wird Jen Chieh eine Verlobte an die Seite gestellt. Sie zu seiner legitimen Frau zu machen, gilt dann zunächst auch Jen Chiehs ganzes Trachten. Für seine Butterfly lässt er sich einen großen Schmetterling auf die Brust stechen. Jener erhält im Laufe seines Exils Gesellschaft von einigen wirklich miesen Tattoos, wie einem schlecht gemalten Anker. Vielleicht der Hinweis auf eine Liebe im Hafen? Erklärt wird dies nicht. Als Jen Chieh seine Butterfly wiedersieht, arbeitet sie im Bordell. Und wenn sie sich für ihn auszieht, wirkt das nicht gerade so, als sei sie verzweifelt und mit Gewalt gezwungen worden. Erst als sie ihn erkennt, verwandelt sie sich wieder in das junge, verliebte Mädchen vom Anfang zurück. Und Jen Chieh akzeptiert dies fast sofort. Es will sie weiterhin zur Frau nehmen. Große Romantik oder das Bedürfnis, zur „richtigen Seite“ zu gehören? Inszeniert wird dies wie ersteres, die Ereignisse im letzten Drittel legen letzteres nahe. Interessant auch Jen Chiehs Verhältnis zu Hsiao Mao (gespielt von Kang-Yeh Cheng), einem alten Freund und treuen Weggefährten, den er am Ende mit einer von ihnen geretteten Frau fortschickt. Der enttäuschte Blick von Hsiao Mao und der gleichzeitig bewundernde Blick von Jen Chieh zu Chiang Nan erzählen hier eine ganz eigene Geschichte.

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Aber abgesehen von diesem – gar nicht so sehr – versteckten Kontext, funktioniert „Duell ohne Gnade“ natürlich auch als reiner Actionfilm. Chang Cheh hält das Tempo hoch und immer wieder krachen mit Messern oder sonstigen Waffen ausgestattete Gruppen aufeinander und müssen es Jen Chieh oder Chiang Nan abwechselnd es mit mehreren Gegner zugleich aufnehmen. Im Finale scheint sich dann ein schier unendlicher Strom an Feinden auf die beiden Helden zu ergießen. Auch in Sachen Brutalität hält sich Cheh, wie man es von ihm gewohnt ist, nicht zurück. Insbesondere die angedrohte Folter mit einem Gasbrenner und das anschließende Schicksal des Foltermeisters wirken noch heute unangenehm und sind ihrer Zeit an Drastik ein paar Jahre voraus. In diesen Szenen kann sich dann auch Kameramann Mu-To Kung auch fröhlich in bava-esken Farb- und Schattenspielen austoben und eine Atmosphäre wie in einem Horrorfilm schaffen. Dies gilt auch gerade für die anschließende Szene, in der Jen Chiehs Freunde dessen scheinbaren leblosen Körper in einem nebelverhangenen Wäldchen vor den Schergen der Bösen verteidigen. Hier wähnt man sich ob der artifiziellen Studiokulisse in einem der frühen Horrorfilme der legendären britischen Hammer-Studios.

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Ein früher Film des bewährten Teams Chang Che/Ti Lung/David Chiang, der auf einem hohen Niveau unterhält. Neben vielen blutigen Kämpfen und Szenen, die auch einem Horrorfilm entsprungen seien könnten, ist es Chang Cheh gelungen, noch eine tragische Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten mit eingeschmuggelt.

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Die Bild-Qualität dieser zweiten Folge in der filmArt-Reihe „Shaw Brothers Collector’s Edition“ besticht wie schon seine Vorgänger mit einer exzellenten Qualität, bei welcher der Zuschauer förmlich die kleinen Schweißperlen auf der Stirn der Kämpfenden sehen kann. Auf der Tonspur ist hier die sehr gute, deutsche Synchronisation mit Thomas Danneberg als Ti Lung und Arne Elsholtz als David Chiang zu empfehlen. Aber natürlich ist auch der Originalton mit deutschen Untertiteln mit an Bord. Extras gibt es bis auf eine Bildgalerie diverse Trailer leider keine, dafür liegt ein schmuckes Booklet mit dem deutschen Aushangfoto-Satz und Werberatschlägen bei. Ebenfalls mit im Paket ist eine DVD des Films enthalten, welches inhaltsgleich mit der Blu-ray ist. Von dieser DVD stammen die Screenshots im Text oben.

DVD-Rezension: “Von Menschen und Pferden”

Von , 14. Juli 2015 21:22

menschenundpferdenIrgendwo in der isländischen Provinz: Als Kolbeinn (Ingvar Eggert Sigurðsson) der jungen Witwe Solveig (Charlotte Bøving) seine Aufwartung macht, wird dies von sämtlichen Nachbarn mit Ferngläsern beobachtet. Auch als Kolbeinns Stute von Solveigs Hengst begattet wird, während Kolbeinn noch auf ihr sitzt, bekommen das alle mit. In seiner Schmach erschießt Kohlbeinn das geliebte Tier. Doch auch die neugierigen Nachbarn haben ihr Päckchen zu tragen. Zwei befinden sich in einem Nachbarschaftsstreit mit tödlichen Konsequenzen, ein Spanier muss sich als Reiter beweisen, ein Trunksüchtiger gerät an den falschen Stoff und vieles mehr…

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Auf den ersten Blick erscheint „Von Menschen und Pferden“ als eine dieser typische nordeuropäischen Arthouse-Komödien mit skurrilen Charme und knorrigen Typen. Diese Art von Film, in die das „bessere“ Publikum geht, um sich bei einem Gläschen Wein gut und bloß nicht unter Niveau zu amüsieren, um dann am nächsten Tag stolz berichten zu können, dass man da einen ganz wunderbar „anderen“ Film gesehen hätte. Doch der Eindruck täuscht. Zwar erweckt der Film durchaus ein Gefühl von Skurrilität, und der Eine oder Andere wird auch über solche Dinge wie die merkwürdige Gangart der Island-Pferde und den stocksteifen Reiter lachen. Weil er eben immer erst einmal lacht, wenn etwas für ihn ungewohnt aussieht. Doch dieses Lachen bleibt bald im Hals stecken. Denn der Humor des Filmes ist derartig tiefschwarz, dass er von tieftraurig kaum noch unterscheiden ist.

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Hat man sich eben noch über das, zugeben bizarre, Bild des Hengstes, der erschöpft über der gerade begatteten Stute hängt – welches auch das Filmplakat ziert – amüsiert, da wird schon ein eiskalter Eimer über einem ausgegossen. Denn der auf diese Weise gedemütigte Reiter wird in der nächsten Szene ohne mit der Wimper zu zucken, seine über alle geliebte Stute erschießt. Später muss der Hengst für seine mangelnde Triebkontrolle büßen, indem ihm die Hoden abgeschnitten werden. „Von Menschen und Pferden“ ist voll von solchen Geschichten. Das Leben ist kein Ponyhof. Und das gilt hier auch für Pferde. Auch wenn am Ende eine Texttafel eingeblendet wird, dass kein Pferd zu schaden kam und alle Mitwirkenden Pferdeliebhaber und Pferdebesitzer seien, sollte man jemanden, dem die Vierbeiner besonders am Herzen liegt, durchaus warnen, bevor er sich diesen „Pferdefilm“ ansieht. Einige Stellen werden für ihn schwer zu ertragen sein. Was übrigens auch für den Menschenfreund gilt. Denn das Leben der Menschen scheint auf Island ebenso fragil zu sein, wie das ihrer behuften Mitbewohner. So enden bzw. beginnen zwei der fünf miteinander verwobenen Episoden dann auch mit einer Beerdigung. Und auch bei denjenigen, die am Ende des Filmes noch da sind, werden die Ereignisse physische oder psychische Narben hinterlassen haben.

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Wie eng hier das Leben der Menschen mit dem der Pferde verbunden ist, erkennt man auch an der Symmetrie der Ereignisse. Zwei Menschen sterben, zwei Pferde sterben. Ein Mann, dem die Freiheit über alles geht, erblindet, ein potenter Hengst muss seine Männlichkeit opfern. Zwei Pferde kopulieren zum Beginn und am Ende werden sich ihre Besitzer ineinander verschlungen ihren Trieben hingeben. Der vor allem als Schauspieler bekannte Regisseur Benedikt Erlingsson hat in seiner Kindheit einige Monate in der Isländischen Provinz verbracht, und seiner erster Spielfilm ist seine Liebeserklärung an die Landschaft, die Menschen, die in ihr leben und natürlich auch die Pferde, die an Eigensinn ihren menschlichen Nachbarn in nichts nachstehen. Oder andersherum. Erlingsson gelingt dabei das Kunststück, seine im Grunde tragischen Geschichten von der Härte des Lebens und seiner unvorhersehbaren Wendungen so zu erzählen, dass dabei nie eine bedrückende Stimmung aufkommt. Im Gegenteil, der Ton wirkt selbst dann leicht und humorvoll, wenn sich jemand mit 97%igen Alkohol zu Tode säuft.

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Dies liegt nicht nur an der beeindruckenden Landschaft und den markanten, stoischen Gesichtern seiner wunderbaren Darsteller, sondern auch an der sich in den Gehörgang schmiegende Musik und der unaufgeregten, ja stoischen Weise, in der Benedikt Erlingsson seine Geschichten präsentiert. Hier fühlt man sich oftmals auch an die Meisterwerke eines Roy Andersson erinnert. Erlingsson zeigt aber auch sehr deutlich, dass man für das Leben in dieser Welt geboren sein muss. Ein junger Spanier, der diese Welt neugierig erforscht und in seiner farbenfrohen Kleidung ein Fremdkörper in der Landschaft ist, wird erst dann zu einem „Isländer“, als er im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Leib eines Pferdes heraus neu geboren wird. Am Ende sieht man ihn freudig und ausgelassen zusammen mit den Anderen die von den Bergen herunter getrieben Pferde empfangen. Dabei trägt er einen nüchternen Strickpullover. Nur derjenige, der eine besondere Verbindung zu den Pferden hat, kann hier Teil der Gemeinschaft werden. Dem Rest bleibt nur das Staunen und Wundern über diesen besonderen Menschenschlag, dem Benedikt Erlingsson hier seine aufrichtige Liebe angedeihen lässt.

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Benedikt Erlingsson ist mit seinem Debüt-Spielfilm ein ganz besonderer Film gelungen, der mit leichter Hand im Grunde verzweifelt-tragische Geschichten voller tiefschwarzem Humor erzählt. Eine Liebeserklärung an die menschlichen und tierischen Bewohner der isländischen Provinz, die diese allerdings auch nicht verklärt.

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Das Bild der bei Eurovideo erschienenen DVD ist dem Film angemessen arm an Farben und wirkt dadurch stellenweise etwas milchig. Doch dies ist – angesichts der kargen Landschaft – vermutlich eine künstlerische Entscheidung des Regisseurs. Die Schärfe ist okay. Der Ton ist in der Räumlichkeit nicht spektakulär, aber zweckmäßig. Wo die DVD stark punktet ist im Bonusbereich. Hier gibt es ein Interview mit Benedikt Erlingsson indem er – unterstützt von seinen Mitstreitern – über die Probleme berichtet, den Film überhaupt finanziert zu bekommen und warum er gerade diesen Film drehen musste. Das ist nicht nur sehr interessant, sondern obendrein auch sehr unterhaltsam.

Das Bloggen der Anderen (13-07-15)

Von , 13. Juli 2015 18:58

bartonfink_type2– Und wieder ist eine der großen Leinwandikonen von uns gegangen. Letzte Woche verstarb Omar Sharif. Einen Nachruf gibt es beim Kinogänger und auf B-Roll.

– Ebenfalls auf B-Roll kann man einen Rückblick auf das 11. Festival des Deutschen Films lesen, den Lisa Hedler verfasst hat. Ferner feiert der deutsche Regisseur, Autor und Produzent Rudi Gaul Sebastian Schippers „Victoria“.

– Da habe ich doch gleich den Stift gespitzt und mir ein paar Tipps für die folgenden Monate notiert: Michael Sennhauser berichtet auf Sennhausers Filmblog weiterhin vom Neuchâtel International Fantastic Film Festival. Da gibt es Katzenmenschen im amerikanischen „Spring“, virtuelle Welten im schweizerischen „Der Polder“ und aus Deutschland kommt „True Love Ways“, ein „lyrischer schwarz-weiß Giallo“. Kling alles sehr spannend.

– In Berlin läuft demnächst eine Don-Siegel-Retrospektive. Anlass für Lukas Foerster, den Regisseur auf critic.de noch einmal vorzustellen. Außerdem berichtet Michael Kienzl noch einmal über das scheinbar wirklich wundervolle Il Cinema Ritrovato in Bolonga.

– Rainer Kienböck von Jugend ohne Film war auch in Bolonga und hat dort die heute eher unbekannte Komödie „Ruggles of Red Gap“ von Laurel&Hardy-Stammregisseur Leo McCarey mit Charles Laughton in der Hauptrolle.

– Sano Cestnik hat auf Eskalierende Träume den Versuch unternommen seine 100 Lieblingsfilme chronologisch zu ordnen. Sehr interessant und teilweise sehr überraschend.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later wieder einige meiner Lieblinge besprochen, so dass ich seine anderen Besprechungen mal unter den Tisch fallen lassen und lediglich den für mich früher sehr wichtigen „Cincinnati Kid“, den großartigen „Moby Dick“ und den wundervollen „Nacht der reitenden Leichen“ konzentriere.

– Das Magazin des Glücks hat sich der vier Filme angenommen, die einst den Ruhm des New-Hollywood-Regisseurs (und riesigen Filmfan) Peter Bogdanovich begründeten.

– Udo Rotenberger bleibt auf Grün ist die Heide dem deutschen Heimatfilm trau und schreibt über Hans Deppes frühe Ganghofer-Verfilmung „Schloss Hubertus“.

– Hoffman setzt auf Drei Cineasten seine Jacques Demy-Retrospektive mit“ Trois places pour le 26“ von 1988 fort.

– Auch auf Cereality geht die Retro weiter: Yannic Sames über David Cronenbergs „Parasitenmörder“.

– JackXL ist auf Die drei Muscheln begeistert von Antonio Bidos Spät-Giallo „Blutige Schatten“, den ich ja eher mittelmäßig fand.

– Mehr Giallo: Mauritia Meyer auf Schattenlichter über Umberto Lenzis „Spasmo“, der sie aber trotz sehr guter Ansätze nicht voll überzeugen konnte.

– Mit den Filmen von „The Aylum“ habe ich es ja nicht so. Wenn ich wissen möchte, was die gerade wieder so fabrizieren kann ich aber ja mal bei Schlombies Filmbesprechungen nachlesen und siehe da: Da wurde die alte „Godzilla vs. Mecha-Godzilla“ –Idee auf Superhaie gezogen. Klingt zumindest witzig. Ferner schreibt Schlombie über „Zombi 3“, das unter einem schlechten Stern entstandenen Spätwerk von Lucio Fulci – oder Bruno Mattei oder wer sonst noch daran rum gefilmt hat.

– Der Intergalactic Ape-Man hat eine schöne Besprechung des schlecht beleumundeten „Oase der Zombies“ – dessen Produktionsgeschichte eben so kompliziert ist, wie die von „Zombi 3“ – auf Intergalaktische Filmreisen veröffentlicht.

– Jürgen Kiontke mag Dietrich Brüggemanns Neonazi-Komödie „Heil“ überhaupt nicht und begründet seine starke Ablehnung auf filmgazette. Nicolai Bühnemann seinerseits lobt den Horrorfilm „It Follows“ über den grünen Klee und vergibt 8 von 10 Punkten.

– Auch andere Blogger zeigen sich von „It Follows“ begeistert. Alex Klotz schreibt auf Hard Sensations: „Na bitte, es geht doch! Zwischen Remakes, der immergleichen Zombiepampe und der x-ten Found Footage-Variation kommt mit IT FOLLOWS auch mal wieder ein origineller Horrorfilm zum Vorschein“ und LZ auf screenread: „„It Follows“ ist ein Ausnahmefall und im Horrorkino der Gegenwart vielleicht nur vergleichbar mit „Der Babadook“, mit dem er einiges gemein hat.“

– Letzte Woche hatte ich schon einmal auf eine Review zu Gia Coppolas (Nichte von Sofia und Enkelin von Francis Ford) Regiedebüt „Palo Alto“ hingewiesen. Auch Going to the Movies schreibt über diesen Film, der auf einer Kurzgeschichte des Allround-Künstlers James Franco beruht.

Blu-ray Rezension: „Hollywood Chainsaw Hookers“ und „Blood Diner“

Von , 10. Juli 2015 19:30

hollywood-chainsaw-hookersHollywood Chainsaw Hookers (1988)

Der heruntergekommene Privatdetektiv Jack Chandler (Jay Richardson) erhält den Auftrag, die von vermisste Samantha (Linnea Quigley) aufzuspüren. Bald schon findet Jack heraus, dass Samantha möglicherweise mit einer bizarre Mordserie in Verbindung steht, bei der Prostituierte mit einer Kettensäge ihre Kunden zerkleinert und über die ganze Stadt verstreut werden. Die Spur führt dabei zu einer gewissen Mercedes (Michelle Bauer), die ihn mit einem präparierte Whiskey außer Gefecht setzt. Am nächsten Morgen wacht Jack an ihr Bett gefesselt wieder auf und soll als nächstes Opfer einer merkwürdigen Sekte dienen, die Kettensägen anbetet und ihrer Göttin Menschenopfer darbringt…

Mit einem Titel wie „Hollywood Chainsaw Hookers“ und dem Bild der leicht bekleideten Michelle Bauer, die eine riesige Kettensäge in den Händen hält, auf dem Cover, ist die Neugierde des Zielpublikums schon einmal geweckt. Und tatsächlich macht der Film den sicherlich nicht ganz falschen Eindruck, als hätte es zunächst nur diesen Titel und das ikonische Bild gegeben, und erst dann hätte sich jemand hingesetzt, um irgendwie eine Geschichte Drumherum zu stricken. Anders lässt sich die ebenso hirnverbrannte, wie geniale Idee eines ägyptischen Kettensägen-Kults, der sich mörderischer Prostituierter bedient, um männliche Opfer für die Wiedererweckung ihrer Göttin zu suchen, nicht erklären.

Wie man merkt, „Hollywood Chainsaw Hookers“ nimmt sich nicht ernst und das ist auch ganz gut so. Vielmehr nutzt Regisseur und Drehbuchautor Fred Olen Ray seine krude Story, um seinen Film mit netten , wenn auch schon damals recht abgenutzten Anspielungen an den klassischen Film Noir und unzähligen sexuellen Doppeldeutigkeiten – zumindest in der Originalfassung – anzureichern, bei denen das Wort „dick“ eine ganz besonders zentrale Rolle spielt. Was „Hollywood Chainsaw Hookers“ von ähnlich gelagerten Billig-Schnellschüssen unterscheidet ist es, dass er ganz offensichtlich mit Herz gemacht wurde, und sich die Waagschale niemals zum totalen, niveaulosen Klamauk hin neigt. Die Darsteller sind alle mit Herzblut bei der Sache und insbesondere Hauptdarsteller Jay Richardson bemüht sich wacker, eine professionelle Darbietung abzuliefern. Was ihm mal mehr, mal weniger erfolgreich gelingt. Immerhin sieht man ihm zu jeder Sekunde an, welchen Spaß er dabei hat, den großmäuligen hard-boiled detective zu mimen. Ein Spaß, der sich durchaus auch auf den Zuschauer überträgt.

Der Clou des Filmes ist dabei natürlich die Besetzung des Anführers des Kettensägen-Kults mit ausgerechnet Gunnar Hansen, dem Original-“Leatherface“ aus Tobe Hoopers Klassiker „The Texas Chain Saw Massacre“, welcher selbstverständlich Pate für den Titel dieses Filmes stand. Wobei dieser gelungene Gag sicherlich vor allem für Kenner des Genres gedacht ist. Die Schauwerte – im wahrsten Sinne des Wortes – liefern aber die beiden weiblichen Stars. Linnea Quigley hatte Mitte der  80er bereits einen gewissen Kult-Status als „Scream Queen“ in preisgünstig hergestellten Direct-to-video-B-Filmen erlangt. Ihren bekanntesten Auftritt hatte sich als Punkerin, die in „Return of the Living Dead“ nackt auf den Gräbern der Untoten tanzt. Allein für diese eine Szene wird sie immer im kollektiven Gedächtnis der Horrorfans bleiben. Auch in „Hollywood Chainsaw Hookers“ hat sie eine Szene, in der sie halbnackt den „Jungrauen-Tanz der zwei Motorsägen“ aufführt. Dieser bleibt, was Grazie und Erotik angeht, zwar weit hinter ihrer unvergesslichen Darbietung in „Return of the living Dead“ zurück. Doch wie sie da mit zwei sichtlich viel zu schweren Hand-Kettensägen versucht, einen aufreizenden Tanz aufzuführen, das ist genauso wie der ganze Film: Recht ungelenk und amateurhaft, dafür aber auch irgendwie ziemlich niedlich und in seiner Hilflosigkeit absolut sympathisch.

Der eigentliche Star des Filmes ist aber die ehemalige Pornodarstellerin Michelle Bauer, die sich hier mit sehr viel Elan und Augenrollen in die Rolle der bösen Mercedes wirft. Nachdem sie bereits auf dem Filmposter prominent zu sehen war, reißt sie in ihrer freizügigen Nebenrolle jede Szene, in der sie auftritt, an sich. Natürlich overacted sie dabei ganz fürchterlich, aber – wie auch im Falle von Linnea Quigleys Motorsägen-Tanz – man kann ihr einfach nicht böse sein. Wie man auch generell gerne über die sehr offenkundige Tatsache hinwegsieht, dass viele Szenen im gleichen Zimmer gedreht wurden, welches nur jeweils unterschiedlich dekoriert ist, und dass Fred Olen Ray seinen eh schon angenehm kurzen Film mit zahlreichen Autofahrten durch das nächtliche Los Angeles aufplustert. „Hollywood Chainsaw Hookers“ ist einfach das was es ist: Ein kleines, formal nicht besonders gelungenes, dafür umso liebenswerteres Stück Film, welches über seine vollen 75 Minuten gut unterhält und mehr eben auch nicht will.

Die auf 500 Stück limitierte CMV Blu-ray ist sehr schön aufgemacht. Das Bild ist für solche eine preisgünstige Produktion sehr gut, der Ton liegt auf Detusch und Englsich, jeweils in Stereo 2.0. vor. Besonders hervorzuheben ist das Bonusmaterial: Neben einem Audiokommentar von Fred Olen Ray und David Decoteau gibt es ein zweitgenössisches, informatives Making Of von 23 Minuten und noch einmal ein  ein 21-minütiges Featurette mit dem Titel „Remembering Chainsaw Hookers – 27 Years Later“, welches zwar einige Anekdoten aus dem alten „Making Of“ wiederholt, aber nichts destotrotz unterhaltsam und interessant ist. Neben Trailern und einer Bildgalerie findet sich dann noch ein spassiger, 5-minütiger Ausschnitt aus „Fred Olen Ray’s Nite Owl Theatre“. Offenbar ein Format, in dem Fred Olen Ray seine eigenen Filme im Rahmen einer kleinen, freizügigen Rahmenhandlung anmoderiert.

blooddinerBlood Diner (1987)

Als Michael (Rick Burks) und George (Carl Crew) noch Kinder waren, wurde ihnen von ihrem serienmordenden Onkel das Amulett der Göttin Sheetar anvertraut. 20 Jahre später sind beide stolze Besitzer eines Diners für vegetarische Spezialitäten. Sie graben die Leiche ihres Onkels aus und stecken sein noch lebendes Gehirn in ein Glas mit Nährflüssigkeit. Von dort aus fängt es an, ihnen Befehle zu geben. Michael und George sollen Frauen töten, um aus deren Einzelteilen einen Körper für die Göttin zu erschaffen. Was übrig bleibt wird an die Kunden des Diners verfüttert. Währenddessen versuchen die Polizei-Detektive Mark (Roger Dauer) und Sheila (LaNette La France) verzweifelt den Fall der sich häufenden Leichen zu lösen…

Der ein Jahr vorher entstandene „Blood Diner“ weist viele Gemeinsamkeiten mit „Hollywood Chainsaw Hookers“ auf. Hier wie dort wird versucht Splatter und Komödie zu mixen, es stand ganz augenscheinlich nicht viel Geld zur Verfügung, und es geht um einen bizarren alt-ägyptischen Kult. Doch im Gegensatz zu „Hollywood Chainsaw Hookers“ will „Blood Diner“ nicht so recht funktionieren. Dies liegt sicherlich teilweise daran, dass keiner der Beteiligten diesen Film irgendwie ernst genommen hat. „Hollywood Chainsaw Hookers“ versuchte sich immerhin noch als Film-Noir-Parodie, die das von ihr persiflierte Genre auch irgendwo respektierte. Auch spürte man bei „Hollywood Chainsaw Hookers“ eine Liebe zum Film und das Bemühen, bei aller Albernheit noch eine richtige Geschichte in einem richtigen Film zu erzählen. Bei „Blood Diner“ hat man hingegen das Gefühl, an einem hysterischen Kindergeburtstag teilzuhaben, der langsam aber sicher vollkommen aus dem Ruder läuft.

Sicherlich hatten die Beteiligten auch hier ihren Spaß, aber es scheint so sehr der eigene Spaß im Vordergrund zu stehen, dass dieser nicht so recht überzuspringen vermag. „Blood Diner“ wurde zwar für das kurzlebige B-Film-Label PMS Filmworks produziert, doch man fühlt sich zu jeder Sekunde an die Sachen erinnert, die Troma in den 80ern auf den Markt warf. Die Darsteller überbieten sich im chargieren. Einer ist schlimmer als der andere, alle scheinen unter einem Bewegungs- Tourette zu leiden. Die Gags pendeln zwischen pubertär und geschmacklos, ohne dabei eine anarchistische Note zu haben. Alles ist nur vollkommen überdreht und krampfhaft auf Provokation getrimmt. Man fühlt sich so etwas an einen Teenager erinnert, der seiner Umwelt beweisen muss, wie cool er ist, indem er sich penetrant daneben benimmt – und dabei alles andere als cool wirkt, sondern viel mehr wie ein verzogenes Gör.

„Blood Diner“ ist vor allem dafür bekannt, dass er einer der wenigen Splatterfilme ist, die von einer Frau – Jackie Kong – inszeniert wurden. Womit der Film beweist, dass hysterisch pubertärer Humor kein alleiniges Vorrecht der Männer ist. Gedacht war „Blood Diner“ ursprünglich als Sequel zu Herschell Gordon Lewis‘ Splatter-Urvater „Blood Feast“, und obwohl dies schon bald zugunsten einer eigenständigen Splatterkomödie verworfen wurde, sind noch rudimentäre Elemente aus „Blood Feast“ enthalten. Somit würde sich „Blood Diner“ als gutes Double-Feature mit „Blood Feast“ anbieten. Auch um einmal zu sehen, was der Unterschied zwischen originärem „Trash“ und gewolltem Trash wie „Blood Diner“ ist. Der eine hat Seele, der andere lässt einen dicken Mann unmotiviert im Strahl kotzen und findet das lustig.

Es muss aber auch festgehalten werden, dass „Blood Diner“ auch seine Fans hat. Sogar das Lexikon des Internationalen Films, welches ansonsten nicht viel mit solcher Art Film anfangen kann ist voll des Lobes und schreibt: „Mit beißendem, treffsicherem Witz amerikanische Lebensart und -philosophie verhöhnende Horrorfilm-Parodie, die mit Geschick Motive des Trivialkinos rekonstruiert. Eine wüste Satire für ein einschlägig interessiertes Publikum“. Und der von mir sehr geschätzte Jochen „jogiwan“ Kulmer schreibt auf project-equinox: “Blood Diner” bzw. die Geschichte von Drehbuchautor Michael Sonye funktioniert (…) ganz gut, wenn man auf etwas abgeschmackte Horrorfilme mit viel debilen Humor abfährt.“ Das trifft es wohl. Mir jedenfalls hat sich die Begeisterung für den Film trotz deftiger Splatter-Einlagen und viel nackter Haut nicht erschlossen.

Als ich „Blood Diner“ vor vielen Jahren erstmals auf VHS sah, war das Tape noch ab 18 und um über 6 Minuten gekürzt. 2009 wurde der Film von der FSK neu bewertet und ab 16 Jahren freigegeben, woraufhin Anfang 2010 die DVD-Premiere folgte. Nun liegt er ertmals auch als Blu-ray vor. Das Bild ist so gut, wie man es von einer Low-Budget-Produktion des Jahres 1987 erwartet. D.h. die Farben wirken etwas entsättigt, das Bild leicht bläulich und der Kontrast nicht besonders stark ausgeprägt. Besser wird das immer noch gute Bild aber nicht zu haben sein, und die Blu-ray stellt auch eine deutliche Verbesserung dar. Der Ton ist gut, die detusche Synchro leider sehr schwach. Besser den O-Ton gucken, der ebenfalls in 2.0. vorliegt. Extras gibt es leider keine.

Originalfassungen in Bremen: 09.07.15 – 15.07.15

Von , 8. Juli 2015 22:29

Man merkt in dieser Woche deutlich, dass das Kommunalkino in der Sommerpause ist. Auch die fehlende O-Fassung in der Gondel macht sich bemerkbar. Trotzdem haben die anderen Kinos ein recht vielseitiges Päckchen geschnürt.

Terminator: Genisys 3D – Cinemaxx, Fr./Die. jeweils 20:00  & Cinestar, So., 12.7. um 20:00– Der mittlerweile fünfte Film der Saga kann wieder mit dem Ur-Terminator Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle punkten und stellt eine Mischung aus Reboot und Fortsetzung dar. Der Original-“Terminator“ war für mich einer der wichtigsten Filme meines Lebens, sah ich ihn doch Mitte bis Ende der 80er Jahre unzählige Male auf Video und kannte jede Szene bis ins kleine Detail auswendig. Vielleicht sollte ich daher den neuen Film meiden, denn wie ich hörte, stellt er all das Liebgewonnene gehörig und auch unnötig auf den Kopf.

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Jurrasic World 3D – Cinemaxx, Mi., 15.7. um 20:00 – Höher, schneller, weiter – Mittlerweile vierter Teil des Dino-Franchises. Diesmal führt der Neuling Colin Trevorrow Regie und die Stars sind die Dinos.

Minions 3D – Cinemaxx, Do./Sa./So. immer um 20:00 – Spin-Off des Animationsfilms „Ich – Einfach unverbesserlich“, welches sich ganz um die Helfershelfer des Schurken dreht.

Die Frau in Gold – Schauburg, Mi., 15.7. um 16:30 – Spielfilm nach einer wahren Geschichte. Eine ältere Exilantin (Helen Mirren) fordert von der österreichischen Regierung jene Gemälde zurück, die die Nazis ihrer Familie einst geraubt hatten, darunter Gustav Klimts Gemälde der „Goldenen Adele“.

Escobar – Paradise Lost – Schauburg, So., 12.7. um 20:45 – Thriller-Drama um einen jungen Surfer der an der kolumbianischen Küste eine Surfschule eröffnet und sich in die Nichte des berüchtigten kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar verliebt. Mit Benicio del Toro.

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Senor Kaplan – Schauburg, Mo., 13.7. um 12:00 & Atlantis, So., 12.7. um 20:00 – Ein 76-jähriger Mann, der im 2. Weltkrieg von Europa nach Uruguay floh, will in seinem Leben noch eine Heldentat begehen. Als er zufällig einen untergetauchten Nazi aufspürt, scheint seine Chance gekommen. Uruguays Bewerbung um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2015.

Atlantic – Cinema, So., 12.7. um 12:00 – Niederländisch/Marrokanischer Spielfilm über einen jungen marokkanischen Fischer, der entlang der Atlantikküste hunderte Kilometer nach Norden surft.

Sneak Preview –  Cinemaxx, Mo., den 13.7. um 20:15

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 13.7. um 21:45

Blu-ray Rezension: „Puppetmaster“

Von , 7. Juli 2015 21:35

puppet_master_bdDie vier übersinnlich begabten Medien Alex (Paul Le Mat), Frank (Matt Roe), Dana (Irene Miracle) und Carissa (Kathryn O´Reilly) sind dem Ruf ihres ehemaligen Kollegen Neil (Jimmie F. Skaggs) gefolgt und haben sich in einem Hotel. Dort hatte vor fünfzig Jahre der Puppenspielers André Toulon, der einst seine Puppen mittels altägyptischer Magie zum Leben erweckte, Selbstmord begangen, bevor ihm sei Geheimnis von Nazi-Schergen entrissen werden konnte. Neal hatte dieses Geheimnis nun scheinbar enträtselt, ist aber kurz vor der Ankunft seiner ehemaligen Mitstreiter spontan verstorben. Während sich diese Vier noch wundern, was sie in jenem Hotel sollen, fällt die einzige Hausangestellte einem Mord zum Opfer…

Als Regisseur David Schmoeller im Auftrag von charles Band für dessen Low-Budget-Produktionsfirma Full Moon die Puppen tanzen ließ, konnte sicherlich noch niemand ahnen, dass hiermit der Startschuss zu einer der langlebigsten Horror-Serien überhaupt gelegt wurde. Ursprünglich gedreht, um sich noch schnell an den Erfolg von Stuart Gordons „Dolls“ und vor allem dem Hit „Chucky, die Mörderpuppe“ zu hängen, bringt es das Puppentheater mittlerweile schon auf sage und schreibe 10 Teile plus einem Crossover mit der ebenfalls von Full Moon produzierten „Demonic Toys“-Reihe. Schaut man sich heute noch einmal den ersten Teil der Saga an, kann man kaum glauben, dass daraus ein solch populärer Franchise wurde. Besonders spektakulär oder gar gruselig ist der Film weiß Gott nicht geraten. Eher gemütlich und mit dem Herz am rechten Fleck.

Dass Schmoeller – der übrigens auch den von Stephen King hochgelobten „mordende Schaufensterpuppen“-Film „Tourist Trap“ verantwortlich war – nicht viel Geld zur Verfügung stand, merkt man nicht nur an dem doch recht begrenzten Drehort und dem wenigen Personal, sondern auch an den Special Effects. Häufig wirken die Puppen, wie einfach mal kurz in die Kamera gehalten. Wenn sie sich bewegen, hat dies dann auch mehr den Anflug „von durch die Gegend schieben“, als von bösartigem Anschleichen. Aber, dies muss man festhalten und darin auch den Schlüssel zum Erfolg der Reihe sehen, die Puppen haben trotzdem Charakter. Anführer Blade wurde von Klaus Kinski inspiriert – mit dem Schmoeller kurz zuvor den Film „Crawlspace“ (Kritik hier) gedreht hatte – und auch wenn man es ihm nicht unbedingt ansieht, so spürt man es doch irgendwo. Pinhead mit seinem winzigen Kopf und den riesigen Fäusten sieht zwar lustig aus, doch sein ungestümer Tatendrang und seine Nehmerqualitäten machen ihn durchaus sympathisch. Während Tunnler noch blass bleiben, weiß Leech Woman zu überzeugen und als einzige wirklich unangenehme Qualitäten einzubringen. Wie sie die Blutegel aus ihrem kleinen Puppenmund heraus quetscht, hat schon etwas ekliges, das einen dann doch mal zusammenzucken lässt.

Die menschlichen Darsteller bleiben demgegenüber weniger im Gedächtnis, auch wenn die aus Dario Argentos Meisterwerk „Horror Infernal“ bekannt Irene Miracle eine ziemlich gute Show als ordinäres Medium abliefert. Nett auch die Idee, ausgerechnet den etwas tapsig aussehenden Paul Le Mat mit seiner Vokuhila-Turmfrisur zum Helden machen zu wollen. Einen weniger heroischen Protagonisten gab es wohl selten, und dass der Teddy dann auch noch eine Liebesaffaire mit der hübschen Witwe des Schurken haben darf, erfreut wohl alle Zuschauer, welche nicht gerade Gardemaße haben. Auch der Rest der Truppe bemüht sich. Gerade Matt Roe und Kathryn O’Reilly als sexbesessenes Pärchen sorgen für ein paar Lacher und einen Ausflug ins Sleaze-Gefilde. Hier wird zwar einiges durch Plattheiten und Overacting ausgebremst, aber einige wenige Gags heben aber durchaus leicht vom Boden ab. Nur Oberschurke Jimmie F. Skaggs bleibt trotz seines sichtlichen Bemühens diabolisch zu wirken, sehr blass.

Bis auf die bereits erwähnte Blutegel-Attacke bleiben die Morde eher harmlos und nicht besonders blutig. Auch in der Unrated-Version, von der die entsprechenden Ausschnitte im Extras-Bereich dieser Blu-ray zu finden sind, gibt es da nicht sehr viel mehr zu sehen. Richard Band, der Bruder des Produzenten Charles, sorgt bei „Puppetmaster“ mit einer seiner vielen Bernard-Herrman-Hommagen für einen ungewöhnlichen, aber eingängige Soundtrack. Das größte Lob geht aber an die Bildgestaltung durch Lucio-Fulci-Stammkameramann Sergio Salvatti, mit dem Schmoeller vorher auch beim bereits erwähnten „Crawlspace“ zusammengearbeitet hatte. Salvatti lässt sein Arbeitsgerät auch gerne man auf Bodenhöhe durch die Gegen rasen lässt und ist sichtlich bemüht, die atmosphärische Bilder zu finden, die auch seine Zusammenarbeit mit Fulci ausgezeichnet hat. Was ihm allerdings nicht immer gleich gut gelingt.

Der Auftakt der ausgesprochen „folgenreichen“ Puppetmaster-Serie fällt seltsam zahm und unspektakulär aus. Allerdings deuten die mörderischen Puppen hier bereits zartes Potential für weitere Filme an.

CMV hat diesen Film nun zum wiederholten Male auf Blu-ray veröffentlicht. Vor knapp 2 Jahren erschien er in Deutschland erstmals auf Blu-ray in Deutschland, war damals aber noch indiziert und deshalb ungeprüft.Die Indizierung wurde Anfang 2015 aufgehoben, weshalb nun im April unter dem New Visions Film-Label eine FSK-gepürfte Variante für die Käufhäuser erschien. Das Bild ist soweit gut, weist allerdings die für fast alle Direct-to-video-Produktionen um 1990 herum typischen Schwächen auf. Das Bild wirkt weich und die Farben wie durch einen grauen Schleier aufgenommen. Dies ist aber ein Problem der Quelle, nicht der CMV Blu-ray an sich. Eine bessere HD-Umsetzung ist hier wahrscheinlich gar nicht möglich. Der Ton ist in Ordnung, wobei die deutsche Synchro recht wenig engagiert klingt. Besser gleich zur Originaltonspur greifen. Leider liegt der Film nur in der R-Rated-Fassung vor, da von der Unrated kein HD-Master existiert. Die verlängerten Szenen der Unrated liegen aber in etwas schlechterer Bildqualität im Bonus-Bereich vor. Diese werten den Film aber auch nicht auf und zeitweise kann man gar nicht genau sagen, was da nun mehr zu sehen war.

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