DVD-Rezension: „Camp Evil“

Von , 30. Juni 2015 20:17

campevilEine flämische Pfadfinder-Gruppe macht einen Ausflug in die gewaltigen Wälder des französisch-sprechenden Teil des Landes. Zu der Gruppe gehört auch der 12-jährige Sam (Maurice Luijten), der insbesondere vom Gruppen-Leiter Peter (Stef Aerts) immer wieder schikaniert wird. Als die geplante Campingstelle von zwei streitsüchtigen Proleten besitzt ist, schlägt sich die Gruppe tiefer in den Wald. Am Abend gruseln die beiden Leiter Kris (Titus De Voogdt) und Peter die Jungen mit Geschichten um einen mörderischen Waldjungen namens Kai, der hier hausen soll. Doch der sensible Sam erkennt bald, dass an dieser Mär weit mehr dran ist, als die Erwachsenen glauben…

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Der Belgier Jonas Govaerts hat für seinen Debütfilm „Camp Evil“ einige ungewöhnliche Wege beschritten. So ließ er einen Teil der Produktion seines eleganten Filmes durch Crowd-Funding unterstützen. Hierbei konnten die Zuschauer ihr Scherflein zu den ausgesprochen kreativen Mordmaschinen beitragen, die Govaerts für seinen Slasher entwarf. Möglicherweise stellte er sich dabei aber selbst ein Bein, denn nun mussten die zum Teil gewaltigen Apparate auch in die Geschichte eingebunden werden. Und es steht zu vermuten, dass Govaerts mittlerweile auch gerne eine andere Geschichte erzählt hätte. Oder viele andere Geschichte, denn leider wirkt sein Drehbuch in der finalen Version hoffnungslos überladen und strebt immerzu in unterschiedliche Richtungen, die am Ende kein stimmiges Ganzes mehr ergeben. Dies ist sehr schade, denn zumindest auf der visuellen Ebene zeigt Jonas Govaerts‘ großes Talent. Seine Film erinnert im positiven Sinne an die düsteren Slasher und Horrorthriller, die bis Mitte der 80er das Licht schummriger Kinosäle erblickte. Besonders John Carpenter kommt einen hier und dort in den Sinn, sieht man die Art und Weise, in welcher Govaerts das Breitwandformat und Vorder- und Hintergründe nutzt. Unterstützt wird diese nahezu fehlerlose Präsentation durch einen effektiven Soundtrack, der von einem alten Bekannten stammt. Steve Moore ist ein amerikanischer Musiker aus Pittsburgh, der unter anderem in dem grandiose „Space Rock“-Duo „Zombi“ für Bass und Synthesizer zuständig ist. „Zombi“ haben sich unter anderem vom Soundtrack italienischer Horrorfilmen der 70er und 80er inspiriert fühlt. Moores schrieb auch den sehr stimmigen Soundtrack zu dem tollen „The Guest“, der ebenfalls vor Kurzem veröffentlicht wurde (Kritik hier).

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Doch all dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Govaerts‘ Film auf der inhaltlichen Seite stark schwächelt. Govaerts springt von Thema zu Thema, möchte hier mal dies, dort mal jenes abdecken. Dabei verzettelt er sich allerdings gewaltig und sorgt für Frustration. Mit seinem jungen Protagonisten Sam, der von Maurice Luijten gespielt wird, hat er eine spannende Figur zur Hand, wie man sie ihn ähnlichen Filmen zwar schon oft gesehen hat, der man aber gerne bei ihrem Coming-of-Age-Prozess zusehen würde. Dass Maurice Luijten stark an den sehr jungen River Phoenix erinnert, was einen sofort an „Stand By Me“ erinnert. Dass darüber hinaus werden aber auch Assoziationen an „The Goonies“ geweckt. Doch wer nun auf ein spannendes Jungen-Abenteuer hofft liegt gänzlich falsch. Jonas Govaerts hat mit seiner Figur Sam ganz andere Dinge vor, und legt dabei leider viel zu viel auf dessen schmale Schultern.

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Nach einem hübschen Prolog, der einen zünftigen Slasher verspricht, befindet man sich erst einmal auf Kinder-Abenteuer-Terrain. Wobei den jungen Pfadfindern nicht viel Charakter zugestanden wird. Aus dem Wust der Figuren ragen nur Sam und sein bester Freund Dries hervor. Letzterer hat aber keine größere Aufgabe, als gelegentlicher Stichwortgeber für Sam zu fungieren. Demgegenüber stehen dann noch zwei Klischee-Arschlöcher. Der sportliche Junge, welcher zum Anführer der Truppe bestimmt wurde und dafür allerdings keinerlei Qualifikation mitbringt, außer der Liebling des gleichfalls unsympathischen Camp-Leiters Peter zu sein. Diesem wird noch ein – natürlich verfetteter -Sidekick zur Seite gestellt, dessen IQ entgegengesetzt zu seiner Leibesfülle steht. Darüber hinaus lernt man keinen der Jungen kennen. Schaut man genau hin, erkennt man, dass sich in dieser Jungstruppe auch ein Mädchen verirrt hat. Doch weder wird dies thematisiert, noch erhält diese Figur ein Gesicht. Ebenso stereotyp wie die Kinder, fallen auch die Erwachsenen aus. Während der Chef der Gruppe, Chris, zumindest noch halbwegs kompetent erscheint, so ist sein Partner Peter ein solch sadistischer Idiot, dass man sich ernsthaft fragt, wie dieser menschliche Totalausfall jemals einen Job bekam, in dem er für das Wohl und Wehe von Kindern verantwortlich ist. Die junge Köchin wird zunächst als starker, selbstbewusster Charakter eingeführt, nur um sich bald schon ausgerechnet Peter an den Hals zu werfen, und dessen hirnlose Aktionen ohne großen Widerspruch durchgehen zu lassen.

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Bald schon beginnt Jonas Govaerts Genres und Vorbilder zu vermischen. Aus dem Pfadfinder-Abenteuer wird ein Slasher, der sich aus Elementen speist, die man aus Filmen wie „Freitag, der 13.“, dem „The Hills Have Eyes“-Remake oder immer wieder auch „High Tension“ kennt. Die Verbindung zwischen Sam und dem geheimnisvollen Waldjungen mit der Holzmaske wird dabei recht offensichtlich als zwei Seiten der selben Medaille gespielt. Daraus hätte man aber viel machen können. Doch Govaerts zog es vor, seiner Hauptfigur lieber immer wieder neue Probleme anzudichten. Irgendwann tauchen dann Geschichten von einer geheimnisvollen Familie auf und am Ende wird Sam sogar noch Autismus untergejubelt. Letzteres eröffnet allerdings interessante neue Blickwinkel auf die Geschichte. Ist es möglich, dass die Geschehnisse ausschließlich aus Sams isolierten Blickwinkel gezeigt werden? Dass vieles nur in seinem Kopf passiert und dadurch die Realität – also der Blickwinkel des Zuschauers – nur verzerrt und subjektiv aus einer gestörten Wahrnehmung heraus wiedergeben wird? Vieles scheint darauf hinzudeuten und doch gleichzeitig wird dieser Ansatz auch immer wieder dadurch erstickt, dass Dinge geschehen, die bei dieser Prämisse nicht passieren dürften. Letztendlich scheint Govaerts an so etwas wie einer innere Logik seiner Geschichte, auch nicht wirklich interessiert zu sein. Vielmehr fühlt es sich so an, als ob er mit seiner Hauptfigur irgendwann nicht viel anzufangen wusste, weshalb sich der Film mal hierhin und mal dorthin biegt, und so letztendlich immer wieder selber ein Bein stellt.

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Bleiben das Horrorelement. Man kann Jonas Govaerts bei seinem Regiedebüt sicherlich vieles vorwerfen, aber nicht, dass er nichts vom Erschaffen eindrucksvoller Bilder verstehen würde. Hier findet er immer wieder großartige Einstellungen, welche die Macht des Waldes, aber auch das unangenehme Gefühl der permanenten Bedrohung betonen. Das Versteck des unheimlichen Killers, das merkwürdige Nest hoch im Baum und die ausgestorbene Fabrikstadt (ein wunderbarer Schauplatz, aus dem leider überhaupt nichts gemacht wird) zeugen von viel optisches Gespür und besitzen großes Gänsehaut-Potential. Zusammen mit den eingangs erwähnten, kreativen Mordwerkzeugen – die allerdings immer viel zu kurz auftauchen – und der großartigen Musik, macht Govaerts sehr viel richtig. Umso mehr verärgert es, wenn einem dann nach dem Abspann immer mehr bewusst wird, wie viel Potential für einen wirklich guten Horrorfilm – oder auch gerne Psycho-Thriller – hier liegengelassen wurde, weil der Regisseur keine klare Vorstellung davon hatte, welche Geschichte er eigentlich erzählen wollte. Ist man aber noch mitten im Film, verzeiht man ihm aufgrund der positiven Aspekte sehr viel mehr, als man es noch tut, wenn die Spannung beim Abspann langsam nachlässt.

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Mit „Camp Evil“ ist dem Belgier Jonas Govaerts ein optisch durchaus gelungenes Spielfilm-Debüt gelungen, welches allerdings auf der Drehbuchseite mehr frustriert, da das durchaus vorhandenen Potenzial für eine interessante und aufwühlende Geschichte einfach zugunsten ausgelutscher Genre-Elemente links liegen gelassen wird.

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Die Splendid-DVD glänzt mit einem sehr guten Bild, bei dem man selbst in den zahlreichen Nachtszenen gut erkennen kann, was vor sich geht und bei Tage die Pracht der Wälder zum Vorschein kommen. Die deutsche Synchronisation ist solides Mittelmaß, aber man sollte schon zur Originaltonspur greifen, da hier auch auf den Konflikt zwischen niederländisch sprechenden Flamen und den französischsprachigen Wallonen eingegangen wird. Extras gibt es leider keine.

Das Bloggen der Anderen (29-06-15)

Von , 29. Juni 2015 20:04

bartonfink_type2–  Leider gibt es kaum noch eine Woche ohne bedauerliche Todesmeldungen. In der letzten Woche verstarb der Komponist James Horner bei einem tragischen Flugzeugunglück. screen/read hat ihm einen ausführlichen Nachruf gewidmet.

– Wer noch einmal Horners Klängen lauschen möchte, für den hat Mostly Movies einen Zusammenschnitt seiner besten Scores im Netz gefunden.

–  Dem vor drei Wochen verstorbenen Christopher Lee zu Ehren bespricht JackoXL auf Die drei Muscheln den ungewöhnlichen Hammer-Film „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (ich bin sicherlich nicht Einzige, der früher bei dem Titel zunächst an däumlingsgroße Girls gedacht hat).

–  Udo Rotenberg beendet auf Grün ist die Heide seine tiefschürfende und für den des Genres Unkundigen sicherlich sehr überraschende Analyse des deutschen Heimatfilms. Wie ich finde hochspannend und bereits jetzt eines der Highlights dieses Jahres. Diesmal geht es um den Zenit in den Jahren 1955-1957 und den schleichenden Niedergang und der Hinwendung zur Sexklamotte in den Jahren 1958-1969.  Nicht zu vergessen: Die nachgeschobene und hoch informative Einleitung.

– Oliver Nöding war in der vergangenen Woche auf Remember It For Later ausgesprochen produktiv. Und was für mich persönlich von ganz besonderer Bedeutung ist: Er widmet sich drei Filmen, die auch in meinem Leben eine ganze besondere Rolle gespielt haben und mich zu dem Filmliebhaber gemacht haben, der ich heute bin. Da ist einmal „Lawrence von Arabien“. Ich erinnere mich noch sehr genau an die erste TV-Ausstrahlung, die ich sah. Diese war dreigeteilt und mit langen Pausen. Ich begann den Film im Wochenendhaus meiner Eltern zu schauen, dann besuchten wir Bekannte, wo der Film nebenher flimmerte und mich in seinen Bann zog. Doch auch dort bleiben wir nicht lange und so schaute ich dann Zuhause weiter, fasziniert davon, dass der Film (damals soweit ich mich erinnere in zwei Teilen mit einer langen Pause für die Nachrichten ausgestrahlt) noch immer lief und kein Ende zu nehmen schien. Gerade für mich war er „endlos“, denn vor dem Schluss musste ich ins Bett. Die Bilder, die Lean entwarf sollten mich dort noch lange verfolgen. Noch länger verfolgte mich „Gesprengte Ketten“, der mich völlig umwarf und lange, lange Zeit für mich DER Film blieb. Daran zu erkennen, dass ich noch Monate nach dem Film mit einem Tennisball in der Hand „Bunkerkönig“ spielte. Und „Nightmare on Elm Street“ war dann der erste echte „Splatter“, den ich sah und der Grundstein für eine sehr, sehr lange Faszination und Liebe für das Genre. So stark, dass ich Drumherum viel verpasste, was ich in den letzten20 Jahren Stück für Stück dann aber nachgeholt habe.

–  Verpasst hatte ich damals auch „Missing in Action – Teil 2“, was aber scheinbar kein großer Verlust war, wenn ich totalschaden von Splattertrash trauen kann. Nachprüfen werde ich es sicherlich bald, denn dieser Chuck-Norris-Streifen wartet noch in dem großen Stapel ungesehener DVDs auf mich.

–  Teil der 80er waren aber auch Yuppie-Filme wie „Wall Street“ oder das Michael J. Fox-Vehikel „Das Geheimnis meines Erfolges“ von 1987. Heute frage ich mich, warum ich damals diese „Lebe-den-amerikanischen-Traum“-Filme so toll fand. Jetzt denke ich mit einem eher unangenehmen Gefühl an sie zurück.  Der Intergalactic Ape-Man von Intergalaktische Filmreisen hat den Film einer erneuten Betrachtung unterzogen.  Und auf der anderen Seite der Filmmedaille hat er auch dem japanischen Katastrophenfilm „Gorath – Ufos zerstören die Erde“ von 1962 einige Zeilen gewidmet. Ein Film, der mir heute sicherlich besser gefallen würde als „Das Geheimnis meines Erfolges“.

– Schon immer sehr gut gefallen hat mir allerdings „Wenn Du krepierst – lebe ich“ und da schließe  ich mich gerne Mauritia Mayers Worten auf Schattenlichter an: „Wenn du krepierst – lebe ich“ ist ein schwer einzuordnender, jedoch in mancherlei Hinsicht herausragender Film“.

–  Schön, wenn Schlombie und ich mal einer Meinung sind. Kommt ja selten genug vor. Dass er auf Schlombies Filmbesprechungen so angetan von dem tollen „Der rote Rausch“ ist, freut mich sogar ganz besonders.

–  Auf Wilsons Dachboden hält Gastautor Dr. Wily ein flammendes Plädoyer für einen Film, den ich auch nicht gerade als Höhepunkt des Neo-Slasher-Films in der „Scream“-Nachfolge der späten 90er angesehen habe: „Ich weiß was Du letzten Sommer getan hast“.

–  Zweimal deutsche Filmgeschichte auf Das Magazin des Glücks. Einmal wird der von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler 2008 hergestellte Film „Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“ besprochen und dieselben Schwächen aufgedeckt, die auch schon mal angekreidet habe, dann Dominik Grafs Althen-Porträt „Was heißt hier Ende?“ gelobt.

–  Auf B-Roll kann Urs Spörri gar nicht genug euphorische Worte über „Victoria“ verlieren und vergleicht diesen mit Klassikern wie „Menschen am Sonntag“. Lucas Barwenczik hat ein sehr schönes Essay zur Rolle des Menschen in den modernen Katastrophen-Blockbustern Hollywoods geschrieben. Und Lisa Hedler zieht ein erstes Resümee vom Festival des deutschen Films in Ludwigshafen.

– Mehr moderner deutscher Film – Teil 1: Christian Gertz zeigt sich auf mehrfilm erfreut über Christoph Hochhäuslers „Die Lügen der Sieger“.

– Mehr moderner deutscher Film – Teil 2: Andrey Arnold interviewt auf Jugend ohne Film den deutschen Dokumentarfilmer Jan Soldat, dessen Filme seit einiger Zeit regelmäßig für viel Furore im Netz sorgen.

–  Älterer deutscher Film: Nicolai Bühnemann ist auf filmgazette restlos begeistert von der Veröffentlichung des Streifens „Mädchen mit Gewalt“ von 1969, den er „einen der wohl kühnsten und verstörendsten Filme des bundesrepublikanischen Kinos“ nennt.

–  Über den Namen Veronika Franz hätte ich schon früher stolpern können. Ulrich Seidls Ehefrau hat einen Horror-Thriller namens „Ich seh, ich seh“ gedreht und der ist durchaus empfehlenswert, wie Oliver Armknecht von film-rezensionen.de findet. Und auch „Frequencies“ verdient einen näheren Blick, wie mir auch schon von anderer Seite bestätigt wurde.

– Ronny Dombrowsi von cinetastic ist von Shion Sonos neustem Werk ziemlich durcheinander gebracht worden und schreibt: „Je nachdem welche rosarote Brille der Zuschauer auf der Nase hat, wird er in „Tokyo Tribe“ entweder mit 116 Minuten Schwachsinn konfrontiert werden oder aber mit einem der genialsten Rap-Musicals der Filmgeschichte, das sich wirklich nur Shion Sono hat ausdenken können.“

– Alles was ich bisher von Quentin Dupieux gesehen habe (okay,“ Wrong Cops“ fehlt mir leider noch) hat mich begeistern können. Umso mehr fiebere ich seinem neusten Streich „Reality“ entgegen, auch wenn er Timo Kießling von cereality nicht gänzlich überzeugen konnte. Mike Albrecht hingegen ist überzeugt und zwar von David Cronenbergs Meisterstück „Die Unzertrennlichen“.

DVD-Rezension: „On the Job“

Von , 27. Juni 2015 21:51

onthejobDer alte Tatang (Joel Torre) und der junge, unerfahrenen Daniel Benitez (Gerald Anderson), arbeiten gemeinsam als Auftragskiller. Während Tatang für das Töten zuständig ist, soll Daniel von ihm lernen, um später in Tatangs Fußstapfen zu treten. Beide besitzen ein perfektes Alibi, denn sie sitzen beide ein, und werden nur für ihre Aufträge von korrupten Wärtern aus dem Gefängnis geschmuggelt. Während der kurzen Zeit in Freiheit, besucht Tatang regelmäßig seine junge Geliebte und seine Tochter, deren Jurastudium er mit dem dreckig verdienten Geld finanziert. Währenddessen versucht der junge Polizist Francis Coronel jr. (Pinolo Pascual) herauszufinden, wer hinter den Morden steckt. Dabei gerät er mit dem älteren Sergeant Acosta (Joey Marquez) aneinander, der die Fälle vor ihm untersucht hat. Bald schon finden beide heraus, dass die Spur bis in die obersten Regierungskreise führt…

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Schaut man auf die philippinischen Filme, die es in den letzten zwei-drei Jahren nach Deutschland geschafft haben, da gewinnt man den Eindruck, wenn man in Manila wohnt, kann man sich auch gleich eine Kugel durch den Kopf jagen. Sowohl in „Graceland“ (Kritik hier) als auch in dem ungemein krasseren „Mondo Manila“ des Regie-Wunderkinds Khvan erscheint Manila als Hölle auf Erden, in der nur diejenigen überleben, die ihre Menschlichkeit schon lange über Bord geworfen haben. Erik Mattis Spielfilm „On the Job“ setzt diese Reihe fort. Auch hier wird Manila als Moloch gezeichnet, durchzogen von Korruption und Gewalt. Ein Menschenleben ist dort nicht viel mehr wert, als die Kugel, welche es beendet. Oftmals noch nicht einmal das. Wo immer man auch hinblickt, es gibt keine Hoffnung auf ein besseres Leben. Das einzige was man erreichen kann, ist die Erhaltung des eh schon niedrigen Status Quos, und irgendwie in diesem tödlichen Dschungel zu überleben.

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„On the Job“ beruht auf wahren Begebenheiten. Scheinbar wurden auf den Philippinen tatsächlich Strafgefangene von korrupten Wärtern kurzfristig aus den Gefängnissen geschmuggelt, um außerhalb der Gefängnismauern Mordaufträge durchzuführen, und dabei das perfekte Alibi zu besitzen. Der Film folgt zwei dieser Auftragskiller. Dem älteren Tatang und seinem „Azubi“ Daniel. Auffallend ist die unaufgeregte, ganz alltägliche Art und Weise, mit der der Film den beiden bei der Verrichtung ihrer Arbeit zusieht. Und eine Arbeit, ein „job“, ist es in der Tat nur, auch wenn mal wieder ein Schädel von den Kugeln durchsiebt förmlich explodiert. Nie stellen die Beiden ihre Taten in Frage, nie reden sie über ihre Opfer. Alles als wäre ihr blutiges Handwerk etwas anders, als ein ganz normaler Job, den man mit mal mehr, mal weniger Elan erledigt. Die beiden könnten auch Malermeister und Geselle sein. Und so interessiert sich Daniel dann auch wie jeder Angestellter für berufliche Aufstiegsmöglichkeiten, während sich Tatang auf den Ruhestand vorbereitet. Was in seinem Falle die Entlassung aus dem Gefängnis und damit aus seinem „Nebenverdienst“ bedeutet. Doch sehr schnell wird klar, dass diese fleißigen Handwerker in einer Welt leben, in der ihr Leben ständig in Gefahr ist. Ein normales Miteinander oder Familienleben ist für sie nicht möglich. Der alte Tatang weiß das, der jünger Daniel ahnt es noch nicht einmal.

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Regisseur und Drehbuchautor Erik Matti wählt für seinen Film ein spannendes Konzept. Er lässt seine vier Protagonisten frontal aufeinander zusteuern, ohne eine eindeutige Wertung abzugeben. Tatang und Daniel sind durchaus sympathisch. Gerade Daniel ist in seiner unbekümmerten Art niemand, dem man ein gemeinsames Bier ausschlagen würde. Und Tatang wird als jemand gezeigt, der in seiner abgeklärten Ruhe und seiner Professionalität durchaus Vorbildcharakter haben könnte. Beide könnte man gern haben, wäre dort nicht auch das grausame Handwerk der Beiden, welches immer wieder auf äußerst brutale Art und Weise das Bild der netten Typen zerstört. Trotzdem hofft man für sie, dass alles irgendwie gut ausgeht, und sie am Ende vielleicht doch den Weg in ein normales Leben finden. Auch betont Regisseur Matti immer wieder, wie wichtig den beiden ein intaktes Familienleben ist, wie stark sie sich danach sehnen. Tatang versucht seine Leben mit Frau und Tochter halbwegs normal zu gestalten und dieses als Rückzugsort, als Ort eines scheinbar normalen Lebens zu nutzen. Das dies nicht funktionieren kann, da ihn sein „job“ bereits emotional verkrüppelt hat, wird allerdings im Laufe des Filmes immer offenkundiger . Daniel hingegen hat noch nicht erkannt, dass für jemanden wie ihn, eine glückliches, „normales“ Leben mit einer geliebten Partnerin nicht möglich ist.

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Auf der Gegenseite stehen die Polizisten, die ebenfalls zur Identifikation einladen. Der von Frauenschwarm und Sänger Piolo Pascual gespielte Francis Coronel, Jr. wirkt zunächst ambivalent. Er erscheint arrogant und den Verführungen eines korrupten Lebens nicht abgeneigt. Doch im Laufe der Handlung entpuppt sich gerade er als eine ehrliche, unbestechliche Haut, die eine Vision von einer besseren Welt hat und dieser alles unterordnet. Weil er an das Ziel glaubt, eine bessere Welt für sein ungeborenes Kinde schaffen zu können, ja es zu müssen. Hier spiegelt sich Killer Daniel in Polizist Francis. Beide besitzen eine gewisse Naivität – nämlich allein über sein Leben und seine Umwelt entscheiden zu können – und eine Leidenschaft mit der er sich beruflichen Herausforderungen stellt, wie Daniel. Und beide durchschauen nicht das wahre Ausmaß der Misere, in der sie stecken und unterschätzen dadurch die Konsequenzen, die ihr Tun für ihr Leben hat. Unterstützt und angeleitet wird er – ebenfalls wie Daniel – von einem alten, erfahrenen Knochen, hier in Gestalt des zwar unbestechlichen, in der Wahl seiner Mittel aber nicht gerade zimperlichen Sergeant Joaquin Acosta. Beide Pärchen folgen dem typischen Muster des Buddy-Movies, indem man sich zunächst aneinander reibt, um dann das Vertrauen des jeweils anderen zu erhalten, um am Ende dann mit höchsten Respekt füreinander durch die Hölle gehen. Doch in der finsteren Welt, die Erik Matti von Manila zeichnet, wird keins der beiden Buddy-Pärchen am Ende wie ihre Hollywood-Kollegen wie mit einem breiten Grinsen triumphieren können. Hier wird es spannend sein, wie dies in dem angekündigten US-Remake ausfallen wird. In der deprimierenden Welt von „On the Job“ gibt es jedenfalls für niemanden Hoffnung oder die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben. Egal auf welcher Seite des Gesetzes er steht. Und der Film macht einem auch keine Hoffnung, dass sich daran so schnell etwas ändern wird.

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Erik Matti ist mit seinem düsteren und nihilistischen Thriller ein Film gelungen, der noch lange im Kopf des Zuschauers nachhallt. Gut und Böse wird hier durchlässig gemacht und am Ende ist es dann auch egal auf welcher Seite des Gesetztes man sich befindet, alle sind nur Opfer einer durch und durch korrupten Gesellschaft. Neben vorzüglichen Schauspielern, hat auch Matti auch ein Händchen für raue Actionszenen und sein vorantreibender Rhythmus lässt einen auch in den Szenen, die lediglich den Alltag der Protagonisten beschreiben, nicht zur Ruhe kommen.

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Die Koch-Media-DVD zeichnet sich durch ein sehr gutes Bild, in dunklen Szene manchmal einen Tick zu helles Bild aus. Als Tonauswahl liegt die gute deutsche Synchronspur oder die philippinische Originalfassung vor. Letztere ist allein aufgrund des landestypischen Philippino-Englisch-Gemisches empfehlenswert, welches weitaus authentischer rüber kommt, als die „sauberen“ deutschen Dialoge. Die Extras sehen zunächst nach sehr viel aus, aber das relativiert sich. Ein eher marktschreierisches Making-Of erreicht gerade mal 6 Minuten und sit mit Filmszenen gespickt. Die „Deleted Scences“ gehen geschlagene 38 Minuten (!), aber der Film funktioniert auch sehr gut – und vielleicht sogar sehr viel besser – ohne dieses Material.

Das Bloggen der Anderen (22-06-15)

Von , 22. Juni 2015 23:10

bartonfink_type2_ Irgendwann in den letzten Wochen hatte ich ja bereits erwähnt, dass ich die Texte von Lucas Barwenczik auf B-Roll sehr gerne lese. Auch sein neues Essay über Armut im Film spricht mir aus der Seele, so dass ich diesen mal an den Anfang dieser Ausgabe von „Das Bloggen der Anderen“ setze. Ebenfalls auf B-Roll gratuliert Andreas Köhnemann der göttlichen Isabella Rossellini zum 63. Geburtstag.

– Bluntwolf zeigt sich auf Nischenkino begeistert von dem deutschen Polizei-Thriller „Wir waren Könige“ über ein SEK-Team.

– Smooli von den Drei Muscheln ist von „Wir waren Könige“ weniger hingerissen, zeigt sich aber beeindruckt von der schauspielerischen Leistung des großartigen Frederick Lau. Außerdem hat er „German Angst“ gesehen und kommt zu einem zwiespältigen Ergebnis, bei dem er vor allem mit der Kosakowski-Episode massive Probleme hat. Stu zeigt sich demgegenüber von dem neuen Anders Thomas Jensen-Film „Men & Chicken“ durchaus angetan, auch wenn er seiner Meinung nach nicht die Klasse von „Adams Äpfel“ erreicht.

– Auch Thorsten Krüger von Komm&Sieh legt seinen Lesern Jensens Film „Men & Chicken“ nahe.

– Oliver Armknecht von film-rezensionen.de macht mich neugierig auf den neuen Film des „Bremer Filmpreis“-Trägers Ulrich Seidl: „Im Keller“.

– „It Follows“ sammelt überall gute Kritiken. Yzordderrexxiii kann der Film zwar nicht komplett begeistern, er hält ihn aber trotzdem für einen der besten Horrorfilme des Jahres. Auch gesehen: Dario Argentos „Trauma“, der ihm besser gefiel als dessen Ruf ist. Einer Meinung, der ich mich anschließen würde.

– Apropos Argento: Darios Tochter und Hauptdarstellerin Asia hat einen latent autobiographischen Film namens „Missverstanden“ gedreht, über den Till Kadritzke auf critic.de schreibt: „Argento scheißt auf alles, aber feiert damit weniger das Kino als ihr eigenes Scheißen.“ Immer wieder gerne drauf hingewiesen: Die tolle Jodorowski-Box von Bildstörung, die der nicht minder tolle Bodo Traber ebenfalls hier bespricht.

– Bleiben wir bei tollen Sachen. Silvia Szymanski hat auf Hard Sensations eine wunderbar eigenwillige Besprechung des neuen Films von Christoph Hochhäusler, „Die Lügen der Sieger“ online gestellt.

– Lukas Foerster hat auf Dirty Laundry in der deutschen Filmgeschichte gegraben und dabei zwei spannende Filme ans Tageslicht geholt: „Mein schönes kurzes Leben“, den Klaus Lemke 1970 inszenierte und „Paul kommt zurück“ von Peter F. Bringmann, der zwar Manfred Krugs erster „West-Film“ war, aber vor allem durch Thilo Prückner glänzt.

– Sano Cestnik empfindet große Liebe für den eher unbekannten Dominik-Graf-Film „Der Felsen“, welchen er zur #55 der 100 deutschen Lieblingsfilme auf Eskalierende Träume macht. Ebenfalls dort diskutiert er den Film noch einmal zusammen mit Alexander Schmidt in der Tiefe.

– Über Grafs neues Werk, den Dokumentarfilm „Was heißt hier Ende“ hat Christian Gertz auf mehrfilm.de eine sehr deferenzierte Kritik geschrieben.

– Es gibt ein Filmgenre, welches man heutzutage als „unterschlagen“ ansehen könnt, da es einen ganz besonders üblen Leumund hat: Der Heimatfilm. Udo Rotenberg hat sich dieses ungeliebten Genres, welches einst die Massen ins Kino zog, angenommen und auf Grün ist die Heide in mehreren Teilen ein höchst informatives Plädoyer für dieses gar nicht uninteressante Gebiet veröffentlicht. In dieser Woche die Jahre 1947-1950 und 1951-1954.

– Mauritia Mayer von Schattenlichter war im weit entfernten Dillingen, wo ein großer Enthusiast ein Mini-35mm-Festival mit ganz wunderbaren Genretiteln auf die Beine gestellt hat. Unbedingt erwähnens- und lobenswert! Schade das Dillingen von Bremen aus am A** der Welt liegt. Ein Besuch wäre es sicherlich wert. In der Zwischenzeit bleibt mir da nur das Heimkino, wo ich vielleicht irgendwann mal meine Bildungslücke in Bezug auf italienische „Sandalenfilme“ schließen kann. Mauritias Vorstellung von „Maciste, der Rächer der Verdammten“ lädt ja dazu ein.

– Dass der Giallo „The Crimes of the Black Cat“ in Kopenhagen spielt, war mir gar nicht mehr bekannt. Wohl aber, dass er mir ähnlich gut gefiel, wie Sascha von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte.

– Timo Kießling stellt auf cereality zwei frühe, experimentelle Kurzfilme von David Cronenberg vor. Stefanie Schneider schreibt über den mir unbekannten Animationsfilm „Ernie Biscuit“, der von den Machern des von mir sehr gemochten „Mary & Max“ stammt.

– Der Intergalactic Ape-Man durfte vor einiger Zeit in dem Fanzine „Der Zombie“ über Stuart Gordons „From Beyond“ schreiben. Den „Director’s Cut“ des Artikels hat er nun auf seinem Blog Intergalaktische Filmreisen online gestellt.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later die komplette „Der weiße Hai“-Reihe besprochen. Bei seiner Einschätzung des meisterhaften ersten Teils spricht er mir aus dem Herzen.

– Alexander Matzkeit hat auf real virtuality einen sehr interessanten und unbedingt lesenswerten Artikel über CGI, Mad Max und den vermeintlichen Unterschied zwischen guter und schlechter CGI geschrieben.

– Philipp Stroh versucht auf wieistderfilm? In kurzen Sätzen die (technische) Geschichte des Films zusammenzufassen.

– Zum Schluss noch ein Zuckerstück für Leute wie mich. Unter dem vielversprechenden Titel „Howard Hawks zu Gast bei Jess Franco“ setzt sich david auf Whoknows presents mit „X312: Flug zur Hölle“ auseinander.

Blu-ray-Rezension: „Das Geheimnis des blinden Meisters“

Von , 14. Juni 2015 23:28

blindermeisterDer jungen, aufbrausende Kämpfer Cord (Jeff Cooper) nimmt an einem Kampf-Wettbewerb teil, um das Recht zu erwerben, den mysteriösen Meister Zetan (Christopher Lee) und sein sagenumwobenes Buch der Weisheit zu suchen. Cord kann zwar im Finale seinen Gegner Morthond (Anthony De Longis) besiegen, wird allerdings wegen Unsportlichkeit disqualifiziert. Trotzdem schließt er sich Morthond auf seiner Suche an. Als dieser gleich bei der ersten Aufgabe scheitert, macht sich Cord allein daran, Zetan zu finden. Dabei begegnet ihm ein geheimnisvoller blinder Meister (David Carradine)….

1969 hatte Bruce Lee, damals lediglich als Sidekick Kato des Helden „Green Hornet“ in der gleichnamigen Serie bekannt, die Idee zu einem Spielfilm, der die westlichen Zuschauer einerseits mit fernöstlicher Philosophie bekannt machen und andererseits als Bühne für seine Kung-Fu-Künste fungieren sollte. Das Skript mit dem Namen „The Silent Flute“ schrieb er zusammen mit seinem Kumpel James Coburn. Coburn sollte den Suchenden spielen, er selber den Meister. Doch dazu kam es nie. 1973 verstarb der mittlerweile zum Weltstar aufgestiegene Lee und das Drehbuch fing an, in Hollywood zu zirkulieren. Dort landete es bei den Produzenten Sandy Howard und Paul Maslansky. Diese ließen es von Stirling Silliphant und Stanley Mann überarbeiten, die die Gewalt abschwächten und das Buch etwas humorvoller gestalteten. Inwieweit das finale Drehbuch zu „Das Geheimnis des blinden Meisters“ noch etwas mit Bruce Lees Vision zu tun hat, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Laut seiner Frau Linda Lee soll der fertige Film aber recht weit von Lees Vorstellungen entfernt sein.

In der Ur-Fassung wollte Lee den blinden Meister und all die anderen Rollen spielen, die nun David Carradine besetzt. Coburn scheinbar den jungen Krieger Cord. Beide kann man sich nur schwer in den Rollen vorstellen. Coburn wäre 1978 schon zu alt gewesen, Lee zu jung. Für „Das Geheimnis des blinden Meisters“ schlüpfte nun David Carradine in die Rolle des Meisters und spielt gleichzeitig noch den Affenkrieger, den Nomaden-Häuptling Chang-Cha und den Tod. Die Figuren stellen Inkarnationen des Blinden Meisters dar, die den naiven und aufbrausenden Cord auf seiner Reise zum Buch der Weisheit auf den rechten spirituellen Weg bringen sollen. Den auf jeder Station lernt Cord etwas hinzu und nur so kann er seine spirituelles Selbst vervollkommnen. Der Blinde Meister fungiert dabei als Reiseführer, der Cord nicht nur auf seinem physischen Weg geleitet. Der dafür durch seine Rolle den Caine in der TV-Serie „Kung Fu“ dafür prädestinierte David Carradine, verleiht dem Blinden Meister eine würdevolle Ruhe, die ihn älter wirken lässt als er es damals war. In der Rolle des Affenkriegers und vor allem Chang-Cha zeigt er aber, dass er auch anders kann und festigt seinen damaligen Status als dynamischer Action-Held, den er sich in Produktionen wie „Cannonball“ und „Frankensteins Todesrennen“ erarbeitet hatte.

Demgegenüber muss man bei Jeff Cooper, der den Cord spielt, leider von einer krassen Fehlbesetzung sprechen. Für den jungen Suchenden ist er viel zu alt und klobig. Letzteres macht sich auch unangenehm bei den Kampfszenen bemerkbar, bei denen er noch nicht einmal die Beine vernünftig hoch bekommt. Deshalb wird er häufig auch nur in extremer Nahaufnahme gefilmt, um seine Unbeweglichkeit zu kaschieren. Gegen Carradine und vor allem Anthony de Longis wirkt er wie ein unbeholfenes Stück Holz. Gerade im Falle von de Longis ist es schade, dass hier nicht dessen Rolle mit der von Cooper getauscht wurde. Zwar macht auch de Longis nicht den Eindruck, dass ihm die Rolle des Cords auf den Leib geschnitten wäre, doch immerhin zeigt er in den wenigen Kampfszenen, die ihm gegönnt sind, dass er auch einen David Carradine locker in die Tasche stecken würde. So aber tapst Cooper mit viel inbrünstigen „Ha! Ha! Ha!“ durch die Handlung.

Jeff Cooper trieb sich Ende der 60er und Anfang der 80er häufig in Europa herum, wo er in einigen spanischen, aber auch deutschen Filmen wie „Es hat mir immer Spaß gemacht“, auftrat. Nach „Das Geheimnis des blinden Meisters“ versandete seine Karriere dann im US-Fernsehen. Immerhin war er aber in der Erfolgsserie „Dallas“ in immerhin 19 Folgen als Dr. Simon Ellby zu sehen. Der charismatische Anthony de Longis war zwar in einigen Filmen als Nebendarsteller zu sehen, ist vom eigentlichen Beruf aber Waffenmeister und Stunt-Koordinator. Als ausgebildeter Martial-Arts-Kämpfer und hervorragender Schwertkämpfer trat er dann auch in entsprechenden Serien wie „Highlander“ auf.

Als der Film 1978 in die Kinos kam, war er ein finanzieller Flop, der zudem noch miserable Kritiken erntete. Dies kann man verstehen, wirkt er doch durch seine bunten Kostüme und aufgesetzten, pseudo-philosophischen Gleichnisse oftmals ein wenig albern. Hinzu kommen die miserablen Kämpfe, die der Held Cord abliefert und die krasse Fehlbesetzung des Helden mit Jeff Cooper. Doch über die Jahre konnte „Das Geheimnis des blinden Meisters“ an Reputation gewinnen. Zuletzt, als Quentin Tarantino ihn direkt in seinem zweiten „Kill Bill“-Kapitel zitierte und seinem Hauptdarsteller David Carradine die riesige Flöte in die Hand drückte, welche dieser als blinder Meister hier immer wieder spielt. Der Film ist nicht wirklich gelungen, doch es ist eben solch ein Werk, wie es nur in den 70er Jahren entstehen konnte. Ein verrücktes Unterfangen, das asiatische Philosophie ganz ernsthaft mit einem Kung-Fu-Film kreuzt und dies Ganze mit bizarr wirkenden Figuren, unglaublichen Kostümen und einer nicht unbedingt einfach zu verstehenden, traumgleichen Handlung vermischt. In seinem Mut etwas ganz Anderes zu machen, erinnert er stark an John Boormans „Zardoz“, bei dem man einen ähnlichen Ansatz ausmachen kann. Nein, „Das Geheimnis des blinden Meisters“ ist nicht unbedingt erfolgreich in seiner Mission, aber allein der Mut einen solchen, durchaus ambitionierten, Film auf die Beine zu stellen, nötigt Respekt ab. Und ihm beim Scheitern zu beobachten, erzeugt auch eine gewissen Faszination.

Nicht immer gelungener, aber in seinem Scheitern faszinierender Film nach einem Drehbuch von Bruce Lee, welcher fernöstliche Philosophie mit den Mitteln des Kung-Fu-Films transportieren will. „Das Geheimnis des blinden Meisters“ hält dabei zwar eine Paraderolle für „Kung-Fu“-Star David Carradine bereit, leidet aber unter anderem an der krassen Fehlbesetzung des Heldens.

Das Bild der bei Cherry Bomb erschienen Blu-ray weiß zu gefallen. Kräftige Farben und mit einer guten Bildschärfe, bei der der „Kinolook“ aber nicht klinisch heraus gereinigt wurde. Der deutsche Ton liegt in 2.0 vor, der englische Originalton in 5.1. Ganz schwach ist die Veröffentlichung allerdings in Hinsicht auf irgendwelche Extras. Außer dem Trailer gibt es dort nicht. Sehr schade, wenn man bedenkt, dass die US-Blu-ray von Blue Underground mit fast zwei Stunden an Bonusmaterial und einem Audiokommentar gibt. Da wäre es schön gewesen, wenn wenigstens ein Teil lizenziert worden wäre.

22. Internationales Filmfest Oldenburg: Die ersten Filme sind angekündigt

Von , 12. Juni 2015 15:15

3Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass die ersten Filme für das Internationale Filmfest in Oldenburg (16. – 20. September) in der Vergangenheit bereits so früh angekündigt wurden wie 2015. Interessanterweise ist bei den nun bekanntgegebenen Titeln jede Menge Genre-Ware dabei. Vielleicht eine Antwort auf das zeitgleich einige Kilometer entfernt in Braunschweig stattfindende Cinestrange-Festival? Mich freut es auf jeden Fall, und ich bin sehr gespannt, welche weiteren Filme die Oldenburger noch aus dem Hut zaubern – und vor allem, wem die Retrospektive gelten wird. Toll wäre natürlich, wenn Lynn Lowry als Gast käme, die ja beim Film „Model Hunger“ dabei ist. Träumen darf man mal… 🙂

Unkommentiert aus der Pressemitteilung übernommen und mit Bildern aufgehübscht:

„GOTTLOS – WARUM MENSCHEN TÖTEN“

Regie: Thomas Stiller – Deutschland 2015

Unter der Regie des Grimme-Preisträgers Thomas Stiller entsteht ein für deutsches Fernsehen ungewöhnliches Serienformat, das dem Autor und Regisseur Stiller komplette künstlerische Freiheit überlässt. Mit einer solchen Haltung haben sich bisher auf internationaler Ebene wohl lediglich HBO oder auch Netflix einen Namen gemacht. Auch thematisch wird ein ungewohnter Weg beschritten: Eine Crime-Drama Serie, die auf realen Ereignissen basiert und erzählt, was im herkömmlichen Krimi nicht vorkommt – wie Täter und Opfer im Sog eines Konflikts unausweichlich auf das Verbrechen zusteuern. Conradfilm adaptiert für RTL II das niederländische Erfolgsformat „Godless“. Mit Darstellern wie Matthias Koeberlin, Jule Ronstedt oder Ralph Herforth hochkarätig besetzt, werden in Oldenburg die ersten drei Episoden als Special Event präsentiert. Weltpremiere.

NEXT TIME I’LL AIM FOR THE HEART

von Cedric Anger – Frankreich 2014

nexttimeCedric Angers Drama basiert auf wahren Ereignissen und brachte ihm und seinem Hauptdarsteller Guillaume Canet César Nominierungen ein. 1978 hielt der Serienmörder Alain Lamare die Region Oise in Frankreich in Atem, beherrschte die Schlagzeilen über einen Zeitraum von fast einem Jahr. Das bizarre an diesem Fall: Lamare war als Ortspolizist mit der Aufklärung seiner eigenen Morde beauftragt. Eine Paraderolle für Guillaume Canet, der diesen schizophrenen Balanceakt zu einem faszinierenden Abstieg in die Hölle macht. Deutschlandpremiere.

OBSERVANCE

von Joseph Sims-Dennet – Australien 2015

observanceJoseph Sims-Dennet schafft mit „Observance“ einen mitreißenden Paranoia Thriller ganz in der Tradition von Coppolas „The Conversation“. Ein Privatdetektiv übernimmt die Überwachung einer Frau. Ohne die Auftraggeber und den Grund der Überwachung zu kennen verstrickt er sich in eine Spirale aus Manipulation und Verunsicherung, bis sich die Grenzen zwischen Beobachter und Beobachtetem auflösen. In der politischen Paranoia nach Snowden scheint  die totale Überwachung keine Motive und keine Moral mehr zu kennen. Europapremiere.

TRAVELATOR

von Dusan Milic –  Serbien 2014

travelator„Blade Runner“ meets „Taxi Driver“ in Dusan Milics atemberaubenden Film über den 19jährigen Slav, dessen Meisterschaft in Ego-Shooter Games ihn für die Serbische Mafia interessant machen. Er wird mit einem Mord beauftragt und nach Las Vegas geschickt, um einen korrupten serbischen Kriegsgewinnler zu erledigen. Dusan Milic balanciert mit hypnotischen Bildern zwischen der harten Wirklichkeit der serbischen Flüchtlingslager und einem Las Vegas, das künstlicher als die virtuellen Welten der Videogames scheint. Deutschlandpremiere.

CRUMBS

von Miguel Llansó – Äthiopien/Spanien/Finnland 2015

crumbsDer Debütfilm des spanischen Autors und Regisseurs Miguel Llansó ist nicht nur Äthiopiens erster Science Fiction Film, sondern wahrscheinlich auch die schönste Übertragung des „Zauberers von Oz“ in das neue Jahrtausend. „Crumbs“ nimmt uns mit auf eine surreale Abenteuerreise durch ein postapokalyptisches Afrika voller poetische Bilder, die an Tarkovsky’s magische Reise des „Stalker“ erinnern. Deutschlandpremiere.

THE STRONGEST MAN

von Kenny Riches – USA 2015

strongestmanNach seiner Premiere beim Sundance Festival wurde der trockenhumorige, exzentrische Erzählstil des in Japan geborenen Filmemachers Kenny Riches von der Kritik mit „als hätte Terence Malick ‘Napoleon Dynamite‘ inszeniert“ umschrieben. Mit Leichtigkeit und schrägem Humor kratzt „The Strongest Man“ an der glitzernden Fassade des amerikanischen Traums und gleitet mit seinem ganz und gar unglamourösen Helden Beef durch die Straßen von Miami. Internationale Premiere.

IM SOMMER WOHNT ER UNTEN

von Tom Sommerlatte – Deutschland 2015

imsommerSchon bei seiner Berlinale Premiere hat Tom Sommerlatte mit seinem Spielfilmdebüt Kritik und Publikum gleichsam verzaubert. In der entspannten Atmosphäre des elterlichen Sommerhauses kommt es zu einer ungleichen Machtprobe zweier Brüder. Der eine ganz im Geiste der Familie auf Karriere und Regeln bedacht, der andere ein echter Slacker, der lieber dem Haschisch und dem süßen Nichtstun frönt. Mit seiner Schwester Iris als Produzentin, ist Tom Sommerlatte mit leichter Hand ein großer Wurf gelungen. Die deutsche Sommerüberraschung des Jahres. Vorpremiere.

WASTE LAND

von Pieter Van Hees – Belgien 2014

wastelandNach „Left Bank“ und „Dirty Mind“ kehrt Pieter Van Hees mit dem dritten Teil seiner „Love and Pain“-Trilogie nach Oldenburg zurück. Sein in den dunkelsten Ecken von Brüssel angesiedelter Neo-Noir-Thriller verwebt subtil die Folgen des Kolonialismus in eine psychologisch ausgefeilte Story um einen Polizisten, der den Mord an einem kongolesischen Einwanderer aufklären soll. Wie einst für Mickey Rourke in „Angel Heart“ gibt es für den Cop mehr zu entdecken als ihm lieb ist. Ein albtraumhafter Thriller über den Verlust von Identität. Deutschlandpremiere.

MODEL HUNGER

von Debbie Rochon – USA 2015

modelhungerAuf der Leinwand war sie bereits in über 200 Genrefilmen zu sehen, nun kehrt Scream-Queen Debbie Rochon mit ihrem Regiedebüt nach Oldenburg zurück. „Model Hunger“ ist eine provozierende Suche nach der Bedeutung von Schönheit, dessen rauer Ton Erinnerungen an das New Hollywood der 70er Jahre weckt, als Tobe Hooper das Splatterkino salonfähig machte. Lynn Lowry, die schon bei Cronenberg, Romero und Schrader vor der Kamera stand, glänzt in der Hauptrolle als verstörtes Ex-Model im Blutrausch. Internationale Premiere.

Nachruf: Christopher Lee (1922-2015)

Von , 11. Juni 2015 22:27

Christopher-LeeeugenieHeute wurde bekannt, dass Christopher Lee bereits am 07. Juni im Alter von stolzen 93 Jahren verstarb. Ein Schock. Denn Christopher Lee begleitet mich schon so lange in meinem Leben, dass ich das Gefühl hatte, der Mann wäre unsterblich. Was natürlich Quatsch ist. Aber gerade Lee, der in den letzten Jahrzehnten noch in Blockbustern wie den „Der Herr der Ringe“/“Der Hobbit“-Trilogie oder sogar „Star Wars“ mitgespielt hatte, war irgendwie immer um einen herum und schien immer so voller Energie und Lebenskraft, von solch einer beeindruckenden Aura, dass überhaupt nicht daran zu denken war, dass er irgendwann nicht mehr da ist. Jetzt ist er tot.

Ich erspare mir seine biographischen Details. Das kann jeder in Wikipedia nachlesen. Oder in einem der zahlreichen Nachrufe überall. Heute war der News-Stream meines Facebook-Accounts fast ausschließlich mit Postings zu seinem Tod gefüllt. Seitenweise haben meine Facebook-Freunde ihrer Bestürzung Ausdruck verliehen. Christopher-Lee007Was mir einerseits zeigt, dass ich die richtigen Facebook-Freunde habe und andererseits, welche große Rolle Christopher Lee in deren Leben gespielt hat. Welche gewaltige Wertschätzung dieser – wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf nicht immer einfache – Mann genossen hat. Nein, noch immer genießt. Lee gehörte zu denjenigen, die die große Gabe besitzen, allein durch ihre Anwesenheit eine Leinwand vollkommen auszufüllen.

Denkt man an Lee, denkt man nicht primär an einen Schauspieler. Man denkt eher an seine ungeheure Präsenz. An seine Autorität, seine dunklen, alles durchdringenden Augen, seine imposante Gestalt, seine zugleich furcht- wie respekteinflößende Aura, seine tiefe Stimme, die man einmal hörte und dann nie wieder vergaß, seine Erotik und – ja auch seinen Humor. Letztes Jahr sah ich ihn auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg in Philippe Moras „The Return of Captain Invincible“. Christopher-Lee_draculaIch wurde gefangengenommen von seiner parodistischen, aber nicht albernen Darstellung des finsteren Schurken Mr. Midnight und – mal wieder – zutiefst beeindruckt von seinem enormen Sangeskünsten. Es gab augenscheinlich nichts, was dieser Mann nicht konnte. Schauspielen, Singen, fünf Sprachen fließend sprechend, vier weitere so, dass es zur Konversation reicht. Unter anderem Mandarin. Er war aristokratischer Abstammung, mit James-Bond-Vater Ian Fleming verwandt – und machte dann auch als Bond-Schurke eine hervorragende Figur. Es war ausgebildeter Opern-Sänger und nahm eine Heavy-Metal-Scheibe auf. Und er war natürlich der ewige Dracula, aber auch Fu-Manchu. Er spielte für Tim Burton und Billy Wilder ebenso, wie für Jess Franco. Und selbst in den schlechtesten Filmen blieb er immer würdevoll und unantastbarChristopher-Lee_Wicker. Eigentlich gab es auch keine schlechten Filme mit ihm, den er veredelte sie alle mit seiner Gegenwart.

Nun ist Christopher Lee nicht mehr da. Man sollte heute Abend „The Wicker Man“ schauen. Einen Film, den er selbst produzierte und sehr mochte. Oder einen anderen seiner über 250 Filme. Und sich dann ein Glas guten Weines einschenken, zum Himmel hoch schauen und diesem großen Mimen noch einmal zuprosten.

 

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Das Bloggen der Anderen (08-06-15)

Von , 8. Juni 2015 21:36

bartonfink_type2– Am 02. Juni verstarb der italienische Regisseur und Drehbuchautor Alberto De Martino. Im deutschsprachigen Netz, waren keine Nachrufe zu finden. Allerdings hat Udo Rotenberg von L’amore in città anlässlich des Todes von de Martino dessen Film „Mord im schwarzen Cadillac“ von 1969 besprochen und dabei viel Biographisches über den Regisseur einfließen lassen.

– Wie der „Zufall“ so spielt: In „Mord in im schwarzen Cadillac“ spielt der Deutsche Roger Fritz eine Hauptrolle. Und eben jener hat den Film inszeniert, auf den Udo auf seinem zweiten Blog, Grün ist die Heide detailliert eingeht: „Mädchen mit Gewalt“, der auch gerade in der liebevollen „Edition Deutsche Vita“ erschienen ist.

– Gabelinger hat auf Hauptsache (Stumm)Film entdeckt, dass die italienische Kriegs-Komödie „Zwei im gleichen Stiefel“ von Luciano Salce mit einem  jungen Ugo Tognazzi eine deutsche DVD-Veröffentlichung bei einem Billig-Label erhalten hat. Er hat den Film gesehen und ist begeistert.

– Ebenfalls vor kurzem erschienen: Giulio Questi sehr, sehr merkwürdiger „Giallo“ (eigentlich alles andere, aber er wird immer wieder gerne in dieses Genre gesperrt) „Die Falle“. Mauritia Meyer meint dann auch auf Schattenlichter: „Der Film polarisiert und spaltet Genre Fans aus nachvollziehbaren Gründen in zwei Lager. Wer diesen schrägen Streifzug durch die Gefilde der niederen menschlichen Instinkte bis zum Finale gebannt verfolgt hat, weiß, wovon ich schreibe.“

– Für Der Kinogänger ist Ettore Scolas Film „Ein besonderer Tag“ von 1977 auch ein besonderer Film. „Ein intimes und melancholisches, aber zutiefst humanistisches, dabei sehr dialogstarkes und hervorragend gespieltes Porträt zweier grundverschiedener Menschen am Vorabend des Zweiten Weltkrieges“.

– Auf B-Roll wird zunächst dem vielseitigen Paul Giamatti mit einem Portrait zum 48. Geburtstag (mein Gott, ist der wirklich nur drei Jahre älter als ich?) gratuliert. Darauf folgen zwei hochspannende Artikel mit viel Diskussionspotential. Zunächst nimmt Lucas Barwenczik – der sich langsam zu einem meiner Lieblingsblogger entwickelt – ziemlich genau das Film-Crowdfunding und seine Fallstricke unter die Lupe. Und dann nimmt Martin Beck eine hitzige Diskussion auf, die zwei kurze Sätze von Marcus Stiglegger auf Facebook ausgelöst haben. Dieser hatte sich über Filmkritik im Netz aufgeregt, die jegliches Basiswissen vermissen lassen.

– Gwendolen van der Linde berichtet auf critic.de über die Kurzfilme, die dieses Jahr auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt wurden.

– Auf einem anderen Filmfestival, nämlich in Berlin, wurde der Film „Taxi Teheran“ des iranischen, unter Berufsverbot stehenden Regisseurs  Jafar Panahi ausgezeichnet. Peter Gutting von cineastic.de hat ihn gesehen und ist begeistert.

– Trotz vieler kritischer Worte in seiner Kritik hat sich Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de zu einer 8/10 für den deutschen Spielfilm „Viktoria“ durchgerungen. Nicht wirklich überzeugen konnte ihn der Animationsfilm „Mutant Aliens“ des großartigen Bill Plympton, der es laut Olivers Meinung nach eigentlich viel besser kann.

Welche Filme man sich im Juni ansehen sollte, verrät Christian Witte auf cereality. Mike Albrecht kann mit Walerian Borowczyks wundervollen Kultfilm „La Bête“ nicht so viel anfangen. Außerdem geht es mit den Chuck-Norris-Krachern „Delta Force“ und „Invasion U.S.A.“ handfest in der Cannon-Retro weiter.

– Patrick Holzapfel schreibt auf Jugend ohne Film über Nicholas Rays seltsames Avantgarde-Stück „We Can’t Go Home Again“.

– Ebenfalls sehr merkwürdig soll „Nothing Lasts Forever“ (Alles ist vergänglich) sein. Der erste und zugleich letzte Film von Tom Schiller. Diese durchaus eindrucksvoll besetzte schwarz-weiße Noir- Komödie von 1984 wurde von Warner Brothers bis zum heutigen Tagt nahezu todgeschwiegen. Die Vergleiche mit Guy Maddin, die Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte anstellt, machen mich natürlich neugierig.

– Sebastian hat auf Das Magazin des Glücks den Dokumentarfilm „Von Caligari bis Hitler“ des Filmkritikers Rüdiger Suchsland besprochen, dessen Bilder er großartig, aber leider etwas „zugetextet“ findet.

Mise en cinéma erinnert an das Regiedebüt des (meiner Meinung nach) talentierteren Scott: Tonys „Begierde“ mit der Deneuve und David Bowie.

– Und auf der „Pulp“-Seite der Filmgeschichte: Einer der vielen „Hongkong“-Filme der Rapid Film: „Weiße Fracht für Hongkong“. Und wenn ich die Namen Brad Harris und Horst Frank lese, kann ich auch gar nicht anders, als auf totalschadens ausführliche Besprechung dieses Filmes auf Splattertrash hinzuweisen.

– „Etwas zum Staunen“ von Rainer Knepperges auf new filmkritik.

Veranstaltungshinweis für Mittwoch: “Weird Xperience“ beim Open-Air-Kino am Schlachthof

Von , 8. Juni 2015 17:08

Am Mittwoch, den 10. Juni folgt der zweite Teil des „Weird Xperience„-Juni-Doppelschlages. Nachdem uns das hervorragende Wetter ams Samstag einen Strich durch die schöne Rechnung gemacht hat, hoffen wir mal, dass es uns am Mittwoch in die Hände spielt. Da sind Stefan und ich snämlich beim Open-Air-Kino am Schlachthof zu Gast und haben drei wunderbare Klassiker im Gepäck.

Eintritt pro Film 4 Euro. Alle Filme zusammen 5 Euro. Und wer verkleidet kommt zahlt gar nichts und wird mit Jägermeister begrüßt!

 

FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELSMONSTER (Start: 18:30 Uhr)

Die Küste vor Tokio ist vollkommen durch Müll und Industrieabfälle verdreckt. Aus dieser Suppe entsteigt ein gigantisches Ungeheuer namens “Hydrox”, welches sich von der Umweltverschmutzung ernährt und eine tödliche Gefahr für die Menschen darstellt. Doch Godzilla stellt sich dem „Teufelsmonster“…

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Die einmalige Mischung aus Holzhammermoral, Hippiechique, phantasievollen, überschäumenden Avantgardetechniken und naivem Monstertrash ist vor allem deshalb so grandios, weil sich all diese äußerst disparate Elemente perfekt ergänzen. – Lukas Foerster, Dirty Laundry

Der psychedelische Film weist teilweise fast schon halluzinatorische Bilder auf (man beachte hier vor allem die Szenen in der Disco), inkludiert aber auch Elemente, die nicht nur Showstopper sind, sondern auch einen gewissen Kuriositätenwert haben. – Peter Osteried, kino-zeit.de

Ein wagemutiges Experiment am Rande des Irrsinns, ohne Rücksicht auf irgendwelche Regeln oder den Geschmack des Publikums. Für ein dafür empfängliches Publikum eine sehenswerte, stellenweise fast avantgardistische Entdeckung.Filmforum Bremen

 

TEXAS CHAINSAW MASSACRE (Start: 20:30 Uhr)

Sally fährt zusammen mit ihrem Freund Jerry, ihrem im Rollstuhl sitzenden Bruder Franklin und zwei weiteren Freunden nach Texas , um dort das Haus ihres verstorbenen Großvaters zu besuchen. Auf dem Weg dorthin, haben die fünf Freunde eine verstörende Begegnung mit einem scheinbar verrückten Anhalter. Doch dieser ist nicht der einzige Schrecken, der sie erwartet. Am Ende ihrer Reise werden sie mit einem unfassbaren Grauen konfrontiert…

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Willkommen im amerikanischen Albtraum.– Michael Kienzl, critic.de

„The Texas Chainsaw Massacre“ ist ein Film wie kein anderer. Mit kaum Geld, aber großer Konsequenz zum Anschlag gedreht. Die Zutaten mögen grob sein, das Schauspielvermögen begrenzt, aber alles, was in anderen Fällen einem Werk abträglich wäre, summiert sich hier zur vollen texanischen Dröhnung. – Ekkehart Knörer, taz.de

The Texas Chainsaw Massacre ist auch heute noch ein echtes Erlebnis. (…) Es ist vor allem die Feststellung, dass Tobe Hoopers schlichte, aber enorm effiziente Inszenierungsweise bis zum heutigen Tage nichts von ihrer grausigen Faszination verloren hat. Die implizite Explizitheit der Bilder, das bizarr-schöne Setdesign und die Spezialeffekte, das Wummern, Krachen, Gnarzen und Grunzen auf der Tonspur, die Schlichtheit des Storytelling, das sich nicht lange mit gewundenen dramaturgischen Ellipsen aufhält (von der eher satirisch zu nennenden Figurenzeichnung des Beginns mal ganz abgesehen) – all das wirkt auch heute noch ungeheuer lebendig (nun ja…) und so, dass man bedenkenlos ganze Heerscharen von Nachwuchsfilmern vor die Leinwand platzieren kann, damit sie begreifen, dass gerade aus der Beschränkung der (auch finanziellen) Mittel Filme entstehen können, die unmittelbar an die Synapsen und Eingeweide der Rezipienten andocken und den Zuseher nicht mehr loslassen. – Joachim Kurz, kino-zeit.de

 

THE TOXIC AVENGER (Start: 22:30 Uhr)

Melvin ist ein ziemlicher Trottel und Versager. Er arbeitet als Putzhilfe im „Health Club“, einem Fitnesscenter in Tromaville, wo er Tag für Tag von Jugednlichen drangsaliert wird. Als diese es eines Tages arg zu doll mit ihm treiben, landet Melvin in einem Fass mit radioaktiv verseuchtem Giftmüll. Daraufhin mutiert Melvin zu Toxie, dem neuen Superhelden…

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„The Toxic Avenger“ ist ein billiger Trash-Spaß voller Sex und Gewalt, die Film gewordene Definition der politischen Inkorrektheit, eine romantische Neuauflage von „Die Schöne und das Biest“ und eine ätzende Gesellschaftskritik, der ihre versteckte Intelligenz fast ein wenig peinlich zu sein scheint.
Gregor Torinus, spielfilm.de

‚The Toxic Avenger,“ which opens today at the RKO Warner Twin and other theaters, may be trash, but it has a maniacally farcical sense of humor, and Tromaville’s evildoers are dispatched in ingenious ways.– Stephen Holden, The New York Times

 

Veranstaltungshinweis für Samstag: „Cinema Obscure“-Tag im City 46

Von , 3. Juni 2015 22:41

Am Samstag, den 6. Juni wird „Weird Xperience“ im Kommunalkino City 46 zu Gast sein. Dort wo vor drei Jahren alles begann. Stefan und ich präsentieren Euch dann einen „Cinema Obscure“-Tag. Gezeigt werden neue Filme und ein Mitternachtskino-Klassiker.

Um Euch schon mal einzustimmen, hier eine kurze Vorstellung der Filme:

15:30 Uhr – LET US PREY

Nachtschicht in einer Polizeistation in einem gottverlassenen schottischen Kaff: Ein mysteriöser Fremder erscheint, der ein blutiges Spiel mit den Einwohnern des Städtchens treibt.

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„LET US PREY ist ein kompromisslos harter Reißer, der sein Publikum sehr schnell für sich einnimmt und auf einen wahren Höllentrip schickt.“Manifest – das Filmmagazin

„Regisseur Brian O’Malley knallt uns mit „Let us Prey“ einen düsteren, reinrassigen Genrehorror auf die Leinwand, der weniger gruseln oder gar anspannend soll, sondern dem Zuschauer seine Gewalt und seine Kompromisslosigkeit voll ins Gesicht schlägt.“Moviebreak

„Ein visuell beeindruckendes, humorloses, düsteres und äußerst verstörendes Horror-Meisterwerk, das einen in die dunklen Tiefen der menschlichen Psyche entführt…wo man eigentlich gar nicht hin möchte.“angstrated.com

 

18:00 – HORSEHEAD

Die junge Jessica leidet seit ihrer Kindheit an furchteinflößenden Alpträumen. Darin wird sie von einem Pferdekopf oder einer Person mit einer solchen Maske verfolgt. Die Bedeutung der grotesken und verstörenden Bilder ist ihr ein Rätsel. Als ihre Großmutter verstirbt, reist sie wieder zu ihren Eltern in die ländliche Heimat. Im Traum begegnet sie der Toten und kommt einem schwerwiegenden Geheimnis ihrer Familie auf die Spur…

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„Sowohl die nicht an Erklärungen interessierte Erzählform, als auch das ruhige Tempo widersprechen heutigen Sehgewohnheiten und verlangen vom Betrachter einiges ab, um sich in die so komplexe, wie reizvolle Welt des jungen Regisseurs einzufinden. Belohnt wird er dafür mit einer Atmosphäre, die zunehmend das Grauen eines ewigen, scheinbar unentrinnbaren Alptraums geradezu körperlich fühlbar zu vermitteln vermag.“Wicked Vision

„Beyond its merits as a film, however, Horsehead has continued to linger in my memory, its dreamy essence filtering through my consciousness on unexpected occasions.“ Twitchfilm

 

20:30 – GERMAN ANGST

In drei Horrorepisoden von Liebe, Sex und Tod entführen JÖRG BUTTGEREIT (Nekromantik, Der Todesking), ANDREAS MARSCHALL (Tears of Kali, Masks) und MICHAL KOSAKOWSKI (Zero Killed) in die dunkelsten Gassen von Berlin.

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„Ausgestattet mit hervorragenden und äußerst drastischen Gewaltdarstellungen ist GERMAN ANGST ein künstlerisch anspruchsvolles Filmgut aus deutschen Landen und als Gesamtwerk ein Muss für jeden Genrefan.“angstrated.com

“ „German Angst“ tut beim Anschauen richtig, richtig weh – und genau das zeichnet ihn aus. Die Macher haben tatsächlich etwas zu sagen und nachdem sie uns einen ungebremsten Schlag in die Magengrube verpasst haben, bekommen sie auch unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.“Filmstarts.de

 

22:30 – SINGAPORE SLING

Auf der Suche nach seiner verschwundenen großen Liebe Laura landet ein Privatdetektiv in den Fängen eines nymphomanen, inszestuösem Mutter/Tochter-Gespanns.

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„Singapore Sling“ ist schlicht großartiges Kino: herausfordernd, kraftvoll, verführerisch, humorvoll, bizarr, atemberaubend.“Filmgazette

„„Singapore Sling“s provokante Mischung aus eleganter Film-Noir-Optik, Gedärm, Körperflüssigkeiten, nacktem Wahnsinn und bösem Humor sichert ihm Kultfilm-Status. Aber auch darüber hinaus hat der Film viel Hintersinniges, nicht nur zum Rollenspiel zwischen Männlein und Weiblein, zu sagen.“Filmforum Bremen

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