Das Bloggen der Anderen (31-03-14)

Von , 31. März 2014 18:21

bartonfink_type2– Auf Daumenkino haben Florian Krautkrämer, Philipp Fust und Jennifer Ament haben sich Spike Jonze neuen Film „Her“ angesehen und sind leider durch die Bank weg enttäuscht.

Der Wishman-Touch. Doris Wishmann gehört zu den wenigen Sexploitation-Regisseurinnen. Aber nicht nur deshalb gibt es auf critic.de jetzt eine länger Serie, die uns die Dame noch einmal vorstellt.

– Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums von kino-zeit.de gibt es auf B-Roll wieder ein Interview mit einer hoffnungsvollen Filmemacherin, die in den nächste 10 Jahren durchaus eine Rolle im deutschen Film spielen könnte: Frauke Finsterwald. Ferner erklärt Rochus Wolf in seiner Rubrik „Sitzplatzerhöhung“, warum Kinderfilm kurz gehalten werden sollten.

– Akira Kurosawas Meisterwerk „Rashomon“ erzählt davon, die das selbe Ereignis durch verschiedene Perspektiven ganz anders wahrgenommen werden kann. Da trifft es sich gut, dass auch YP und PB auf Filme im Dialog sich dem Film von zwei Seiten nähern.

Stubenhockerei beendet seine Vorstellung von Maya-Deren-Filmen mit dem mir unbekannten „The Very Eye of Night“ und den mir bekannten „Divine Horsemen“.

– Fast drei Wochen hat es gedauert bis Schlombie auf Schlombies Filmbesprechungen mit seinen „Besprechungen der Anderen“ weitergemacht hat. Macht ganz schön Arbeit, nicht wahr? 😉

– Letzten Donnerstag haben wir in unserer Kinoreihe „Weird Xperience“ Marvin Krens „Blutgletscher“ auf der großen Leinwand gezeigt. Wer nicht da war, kann zumindest in Michael Schleehs Blu-ray-Rezension auf Hard Sensations nachlesen, was er verpasst hat. Es wurde schon sehr viel über „The Wolf of Wall Street“ geschrieben, aber noch nicht von Joris Julius-Sabinus, der einen schönen Text nachgereicht hat. Nicht besonders gut, aber allein durch Michael Gough unterhaltsam geraten, ist der Klassiker „Black Zoo“, den Andreas Poletz bespricht.

– Auch Oliver Nöding hat „Blutgletscher“ gesehen und für gut befunden. Ferner begibt er für Remember It For Later nach St. Pauli, wo er nicht nur auf José Bénazéraf, sondern auch zweimal auf Rolf Olsen trifft.

– Nachdem Buster Keaton seinen Vertrag mit MGM verlor, kam er beim kleinen Educational-Studio unter. Die Filme, die er dort drehte sind heute weitgehend unbekannt. Da sie aber gerade auf DVD erschienen, hat sich Hauptsache Stummfilm dem einmal angenommen.

Jugend ohne Film schließt seine Reihe mit Abendgesprächen während der Diagonale ab und hat auch ein Interview mit Johann Lurf, seines Zeichens Filmvorführer und Filmemacher, geführt.

– Alexander Matzkeit fragt auf real virtuality am Beispiel des neuen Captain-America-Films „Immer diese Nazis – Haben Comic-Filme eine soziale Verantwortung?

– Michael Schleeh schreibt auf nachtsichtgeräte über das Hong Kong International Film Festival 2014.

– Zwei Meinungen zu „The Canyons“. Einmal Nicolai Bühnemann auf filmgazette und Andreas Köhnemann auf screenshot. Interessanterweise mögen beide diese – meiner Meinung nach – gescheiterte Zusammenarbeit von Paul Schrader und Bret Easton Ellis.

– „Il cittadino si ribella“ (Ein Mann schlägt zurück) brilliert nicht nur durch das Dream-Team Franco Nero/Enzo G. Castellari und einen traumhaften Titeltrack, sondern hat generell einiges zu bieten, wie Udo Rotenberg auf L’Amore in città zu berichten weiß.

PewPewPew hat mal wieder einen gelungenen Science-Fiction-Kurzfilm gefunden.

– Annika Stelter hat auf Die Filme, die ich rief erstmals F.W. Murnaus wunderschönes Stummfilm-Meisterwerk „Der letzte Mann“ gesehen und ist natürlich begeistert.

– Erinnerungen an meine Jugend werden wach, wenn ich auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte über die Western-Komödie „Höchster Einsatz in Laredo“ lese, der in den 80ern gefühlt jedes Jahr im TV lief.

– J. Michael Straczynski mag ich und war nicht nur „Babylon 5“-Fan, sondern habe auch einiges von seinen Comic-Arbeiten gelesen. Den von ihm mitverfassten Film „Ninja Assassin“ habe ich aber ausgespart. Wie Der Kinogänger findet, durchaus zu recht.

– Kann Darren Aronofsky Bibel? Bisher hat mich jedes Werk des „Pi“-Regisseurs überzeugen könne, sogar mit Abstrichen sein esoterischer Mischmasch „The Fountain“ (nicht allein aufgrund von Clint Mansells großartiger Musik). Jetzt kommt „Noah“.Mit Russell Crowe. Komm und sieh hat ihn schon sehen können und ist leider gar nicht begeistert.

–  Noch vernichtender fällt das Urteil von Flo Lieb auf symparanekronemoi zu „Noah“ aus.

– Apropos „Komm und sieh“: „Schonungsloser kann ein Antikriegsfilm kaum sein“. Das was Robin Schröder auf Mise en cinéma da über den Film „Komm und sieh“ schreibt, habe ich schon sehr häufig gehört, weshalb ich einerseits neugierig auf den Film bin, andererseits auch ein wenig Angst vor ihm habe.

Blu-ray Rezension: „Die Filme von Alejandro Jodorowsky“

Von , 28. März 2014 23:24

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Nachdem Alejandro Jodorowskys legendäre Filme „El Topo“ und „Der heilige Berg“ aufgrund eines Streits mit seinem Produzenten Allen Klein jahrzehntelang nicht zu sehen warn und so zu den großen, „verschollenen“ Meisterwerken der Filmwelt gehörten, reichten sich Jodorowsky und Allen Klein Anfang der 2000er Jahre die Hand, und so wurde der Weg zu einer Heimkinoveröffentlichung der Filme frei. 2007 erschien in den USA bei Anchor Bay eine Box mit HD-remasterten Versionen der Filme auf DVD. In Deutschland musste man sich noch sieben weitere Jahre gedulden. Aber nun sind die Filme dank des großartigen Labels Bildstörung auch hierzulande endlich erhältlich. In einer liebevoll gestalteten Box befinden sich nun die drei Filme „Fando und Lis“, „El Topo“ und „Der heilige Berg“.

Als Extras wurde zunächst einmal sämtliches Bonusmaterial der US-Box übernommen, wie die drei Audiokommentare Jodorowskys zu allen drei Filmen, einer Einführung ins Tarot uvm. Wie in der US-Box wurden auch hier noch zwei CDs mit den Soundtracks zu „El Topo“ und „Der heilige Berg“ beigelegt, deren Tracklists sich auf der Rückseite zweier kleinformatiger Filmplakate befinden. Auf einer Bonus-DVD befindet sich neben dem erst vor wenigen Jahren Wiederentdeckten, lange verschollen geglaubten ersten Kurzfilm von Jodorowsy „Die Krawatte“ (eine pantomimische Verfilmung der Thomas-Mann-Kurzgeschichte „Die vertauschten Köpfe“), auch noch die 90-minütige Dokumentation „Die Konstellation Jodorowsky“ von 1994 (welche allerdings auch schon 2007 zusammen mit „Santa Sangre“ bei Kino Kontrovers erschienen war).

Angereichert wird das ganze mit speziell für diese Edition produziertem Material, welches auf dem letztjährigen Filmfest München aufgenommen wurde und u.a. Jodorowsky zusammen mit Nicolas Winding Refn zeigt, der ihn als seinen Mentor bezeichnet und davon erzählt, wie Jodorowsky auf seine Entscheidung „Drive“ und danach „Only God Forgives“ zu drehen, Einfluss genommen hat. Moderiert wird dieses Material von einem sehr enthusiastischen Menschen vom Filmfest München, der so aufgeregt ist, neben Jodorowsky zu sitzen, dass er auch mal gar nicht merkt, dass Jodorowsky von Spanisch ins Englische gewechselt ist und munter weiter Jodorowskys Ausführungen auf Englisch „übersetzt“. Eine sehr schöne, in ihrer Euphorie ansteckende Szene.

Nicht vergessen sollte man auch die beiden umfangreichen und sehr informativen Booklets. Das Booklet zu „El Topo“ enthält ein langes, zeitgenössisches Interview, welches der junge Jodorowsky 1970 nach der Premiere von „El Topo“ sechs amerikanischen Journalisten gegeben hat. Außerdem eine Kopie der Indizierungsanzeige der alten VCL-Videokassette. Das Booklet zu „Der heilige Berg“ befasst sich mit Jodorowsky, seinem Leben und seinen drei hier vorliegenden Filmen und ist von Filmkritiker und – historiker Claus Löser verfasst worden.

„Fando und Lis“ liegt auch in der Blu-ray-Ausgabe der Box nur als DVD vor. Was schade ist und auf dem Cover nicht besonders deutlich wird. Das Bild von „Fando und Lis“ ist okay und passt in seiner Rauheit zu dem Film. „El Topo“ kommt im korrekten Bildformat von 4:3 und sieht so gut aus, wie noch nie. Beinahe etwas zu gut für diesen Kultfilm. Das Bild ist teilweise so klar, dass man glauben könnte, er wäre mit einer modernen Digitalkamera gedreht. Von besonderer Pracht ist „Der heilige Berg“ im Format 1:2.35. Der Originalton ist gut verständlich und klar. Der deutsche Ton ist ebenfalls gut hörbar.

Die nun folgenden Screenshots stammen, bis auf „Fando und Lis“, alle aus der US-DVD-Box „The Films of Alejandro Jodorowsky“, die 2007 bei Anchor Bay erschien.

Fando und Lis (1968)

Fando und Lis„Fando und Lis“ war der erste Spielfilm des Kino-Bilderstürmers Alejandro Jodorowsky, und wie auch bei dessen späteren Filmen merkt man hier deutlich seine Herkunft von Zirkus, Pantomime und Theater. Gerade in einer Rückblende, in Weiter lesen 'Blu-ray Rezension: „Die Filme von Alejandro Jodorowsky“'»

Das Bloggen der Anderen (24-03-14)

Von , 24. März 2014 21:27

bartonfink_type2– Der Spezialist für ungewöhnliche Entdeckungen, Alex Klotz, hat auf seinem Blog Hypnosemaschinen den italienischen „Il sesso della strega“ des mir gänzlich unbekannten Angelo Pannacciò aus dem Jahre 1973 hervor gekramt. Sehr bekannt ist demgegenüber der Spanier Alex de la Iglesias, auf dessen neusten Streich „Witching & Bitching“ ich mich nicht erst seit der positiven Besprechung von Alex sehr freue.

– Ein Film auf den ich mich nicht so sehr freue ist Eli Roths Kannibalenfilm-Hommage „Green Inferno“. Wobei der Kommentar von screenread, „Green Inferno“ sei „ganz sicher der bislang unterhaltsamste, blutigste, lustigste, aber auch identifikationsstärkste Film unter Roths Federführung“ jetzt nicht so negativ klingt. Allerdings finde ich ja, dass das Absprungniveau auch relativ gering ist.

– Harald Steinwender hat für seinen Blog Themroc zwei sehr ungewöhnliche und höchst unterschiedliche Liebesfilme gesehen: „Her“ von Spike Jonez und „Love Steaks“ von Jakob Lass. Über letzteren schreibt er, der Film sei „eines der besten Werke des gegenwärtigen deutschen Kinos: Ein Film voller Wendungen und Haken; mit Brüchen, Ecken und Kanten; romantisch und zugleich sexy; glaubhaft und wahrhaftig; unberechenbar, unmittelbar und vor allem unverschämt komisch. Kurz: Der rasant montierte und großartig fotografierte „Love Steaks“ macht verdammt viel Spaß.“

– Phillipp Fust schreibt auf Daumenkino eine große Lobeshymne auf Bong Joon-Hos „Snowpiercer“. /

– In den letzten Tagen lese ich häufig den Namen Jan Soldat. Dieser hat drei „schamlose“ Kurzfilme gestaltet, die überall hoch gelobt werden. So z.B. von Sebastian Selig auf Hard Sensations. Das macht sehr neugierig auf die Werke von Herrn Soldat und ich hoffe diese auch in nächster Zeit einmal sehen zu können. Sarmatien bezeichnet das Gebiet zwischen Donau und Don. Volker Koepp hat über diese Region einen Dokumentarfilm gesehen und Jamal Tuschnik stellt ihn vor. „Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen“ ist ein Filmtitel, den ich oft und gerne zitiere, ohne allerdings den dazugehörigen Film gesehen und viel drüber gelesen zu haben. Ich finde nur den Titel sehr toll. Jetzt ist er auf DVD raus und Michal Schleeh hat ihn gesehen – ist aber nicht vollends überzeugt. Der oben schon mit seinem eigenen Blog erwähnte Alex Klotz hat Ti Wests neuen Film „The Sacrament“ gesehen und ist sehr angetan. Dann gibt es noch zwei Hinweise auf zwei Veranstaltungen bei denen ich auch sehr gerne wäre, die ich aber mal wieder zeitlich nicht schaffen werden. Das ist schon blöd. Der „Besonders Wertlos“ in Köln von 2.-6. April und „Terza Visione – 1. Festival des Italienischen Genrefilms“ in Nürnberg vom 25.-27. April.

– Was ist das Schönste an Festivals? Nach den Filmen noch mit guten Freunden in einer Kneipe sitzen und das gesehene gemeinsam Revue passieren lassen. Das haben auch Patrick Holzapfel und Rainer Kienböck von Jugend ohne Film getan, die zusammen auf der Diagonale waren und danach auch mal etwas stritten. Ihre fünf sehr interessante, abendliche Dialoge findet man ab hier.

– Ebenfalls auf der Diagonale war Christian Alt von Negativ.

– Und auch Lukas Foerster trieb sich für cargo auf der Diagonale herum und hat einen schönen Bericht in drei Teilen geschrieben.

– Auf Schneeland empfiehlt Michael Schleeh nachdrücklich den koreanischen Film „Hwayi: A Monster Boy“.

Movies & Sports weißt Schwanenmeister auf das neue Sendekonzept von Anixe hin, die verstärkt deutsche Filme aus den 50ern bis 70ern zeigen. Ich glaube, irgendwo ganz weit hinten habe ich den auch im Kabel. Gleich mal suchen.

– Jerry-Cotton-Time auf Remember It For Later. Oliver Nöding hat sich die ersten fünf Jerry-Cotton-Filme vorgenommen. Von „Schüsse aus dem Geigenkasten“ bis „Der Mörderclub von Brooklyn“. Ich habe ja bisher noch keinen Jerry Cotton gesehen, die stehen aber schon lange auf meiner „Muss-ich-noch-nachholen“-Liste. Schließlich habe ich mit 10 oder 11 immer die Jerry-Cotton-Heftchen aus dem Bastei-Verlag im Urlaub gelesen.

– 10 Jahre kino-zeit.de werden im hausinternen Blog B-Roll gewürdigt. So wurden Interviews mit Tom Lass und Anna & Dietrich Brüggemann geführt. Und Soja Hartl schreibt über ihren Lieblingsfilm der letzten 10 Jahre: „Winter’s Bone“.

Hauptsache Stummfilm berichtet über den 1923 entstandenen „The White Sister“. Einem zutiefst religiösen Film von Henry King mit Lilian Gish in der Hauptrolle.

Grün ist die Heide nimmt sich diesmal den gerade bei Pidax erschienen Geheimtipp „Das Mörderspiel“ von 1961 vor.

– Sascha Nolte schreibt auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte über eine sehr ungewöhnliche „Tatort“-Folge: Den legendären „Tote Taube in der Beethovenstraße“, den das amerikanische B-Film-Urgestein Sam Fuller einst für die ARD inszenierte.

– Frank Schmidke bespricht auf cineastic.de die bei Bildstörung herausgekommene, vorbildliche Alejando-Jodorowsky-Box, die hier auch demnächst vorgestellt wird. Kleine Anmerkung – auch wenn in der Besprechung etwas anderes behauptet wird: „Fando und Lis“, sowie die Bonus-Scheibe sind keine Blu-ray, sondern nur DVDs. Ein Rätsel war mir bisher das „Lego Movie“ und sein phänomenaler Erfolg in den USA. Dank Ronny Dombrowskis Besprechung bin ich jetzt etwas schlauer. Die Doku „20 Feet from Stardom“ bespricht er auch. Hier hatte ich mich ja geärgert, dass die Doku bei den Oscars dem brillanten „The Act of Killing“ vorgezogen wurde. Wie ich jetzt lese, ist sie aber auch wirklich nicht schlecht.

Der breite Grad stellt einige Pinky-Violence-Filme mit Miki Sugimoto vor. U.a. den Kult-Film „Der Tiger von Osaka“ und „Violent Panic: The Big Crash“.

Der Kinogänger hat wieder einige Infos aus Hollywood gesammelt.

– Annika Stelter begeistert sich auf Die Filme, die ich rief über Friedkins „French Connection“, was mich ganz besonders freut.

– Der interessante Regisseur Christian Alvart, der einst mit lupenreinem Genre begann und mittlerweile neben „Borowski“ auch Schweiger im „Tatort“ inszeniert, hat einen neuen Kinofilm gedreht. Laut Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de ist „Banklady“ gar nicht mal übel geworden. „The Canyons“ fand er – wie ich – auch sehr enttäuschend, wenn auch aus anderen Gründen. Was mich allerdings wundert, ist seine nicht so große Begeisterung über „Scheidung auf finnisch“, den ich einst beim Filmfest in Oldenburg sah und der mich glänzend amüsiert hat.

– Benjamin Heisenbergs „Der Räuber“ hat mich schwer begeistert. Nun hat er eine Komödie gedreht und Jochen Plinganz konstatiert auf Komm und siehBenjamin Heisenberg kann keine Komödie“. Thorsten Krüger hat den polnischen „Ida“ gesehen und warme Worte gefunden.

Sennhausers Filmblog bespricht „Finsterworld“ und bestätigt mich in der Annahme, dass ich den endlich sehen sollte.

Stubenhockerei hat den wiederentdeckten „Baal“ von Volker Schlöndorff mit Rainer-Werner Fassbinder in der Titelrolle gesehen. Ferner wird ein weiter Maya-Deren-Film vorgestellt, von dem ich noch nichts gehört hatte und letztendlich wird sich auch mit Stan Brakhages „The Act of Seeing with One’s Own Eyes“ beschäftigt, der einem Armee-Lehrfilm namens „Basic Autopsy Procedure“ gegenüber gestellt wird.

– Alexander Matzkeit behauptet: „Gareth Edwards’ Godzilla wird euch enttäuschen“. Auf seinem Blog real virtuality erklärt er warum.

– Robin Schröder stellt auf Mise en cinéma einen meiner Lieblingsfilme vor: „Onibaba“.

– Mit dem Werk von Nicolas Roeg muss ich mich auch mal mehr beschäftigen. MacReady von den Drei Cineasten schreibt über Roegs vorerst letzten Film „Puffball“.

DVD-Rezension: „The Act of Killing“

Von , 23. März 2014 00:55

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In der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 1965 kam es in Indonesien zu einem Putschversuch, an dem Teile des Militärs beteiligt waren. Der Putsch wurde aber niedergeschlagen und die – tatsächlich unbeteiligte – kommunistische Partei PKI als Schuldige ausgemacht. Daraufhin wurde von den Militärs mit Hilfe von Kleinkriminellen ein Massaker an tatsächlichen und angeblichen Kommunisten verübt, dem nach Schätzungen von Amnesty International in den folgenden Monaten fast eine Million Menschen zum Opfer fielen. Auch die chinesische Minderheit wurde zum Opfer des Irrsinns, denn um damals als “Kommunist” zu gelten, reichte es schon nur chinesischer Staatsangehöriger zu sein, oder dass jemanden die Nase nicht gepasst hat. Todesschwadrone folterten und töteten auf bestialische Art und Weise tausende Unschuldige.

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Der 2,5-stündige Dokumentarfilm „The Act of Killing“, zeigt Angehörige eines Todesschwadron, die heute noch in Indonesien leben und sich dort nicht nur als Helden fühlen, sondern auch von der Regierung zu solchen stilisiert werden. „The Act of Killing“ handelt vor allem von einem Projekt, in welchem Veteranen der Todeskommandos ihre damaligen Taten noch einmal für einen Film nachspielen sollen. Dabei haben diese freie Hand, wie sie ihre Erinnerungen gestalten möchten, was zu fast schon surrealen Szenen führt, wenn sich die Männer als Cowboys, Film Noir Gangster oder als Dämonen inszenieren. Dabei wird allerdings nicht ganz klar, wer dieses Projekt initiiert hat. War es der Regisseur des Films Joshua Oppenheimer oder – wie es der Film suggeriert – die Veteranen selber, die ihre Taten glorifiziert sehen möchten. Die Antwort auf diese Frage tut für die Aussage des Films allerdings nichts zur Sache.

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Wer an das Gute in der Welt glaubt, geht vielleicht davon aus, dass die alten Männer heute unter ihren Taten leiden oder im Laufe ihres Lebens in irgendeiner Form ihre gerechte Strafe erhalten haben. Doch weit gefehlt. Die Männer leben im heutigen Indonesien in Saus und Braus, werden dort als Helden gefeiert und protzen mit ihren Untaten. Einer sagt z.B. dass die Definition von Kriegsverbrechen immer den Gewinnern überlassen ist. Er sei ein Gewinner und könne deshalb für sich definieren, dass er keine Verbrechen begangen hätte. Und so sieht man ihn glücklich und zufrieden mit seiner Familie durch ein luxuriöses Einkaufscenter schlendern. Überraschenderweise – oder sollte man eher sagen erschreckenderweise? – sind die alten Leute gar nicht so unsympathisch. Und das ist es, was einen erst zu richtig Angst macht. Sie erzählen von ihren grausamen Hinrichtungen so, wie andere in Erinnerungen von tollen Partynächten schwelgen. Tatsächlich scheinen sie ihre unmenschlichen Verbrechen auch als so etwas ganz ähnliches zu begreifen. Sie haben Spaß und Lachen gemeinsam, wenn sie sich erzählen, wie sie jemanden gefoltert und massakriert haben. Dem Zuschauer aber bleibt bei ihren Schilderungen mehr als einmal ein dicker Kloß im Hals stecken. Einmal setzten sich die Männer auf einen Tisch und scherzen und singen gemeinsam. Das hätten sie früher auch so gemacht und dabei das Tischbein einem Delinquenten auf den Kehlkopf gestellt.

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In der für mich schlimmsten Szene des Filmes, stellen die Männer im Stile eines Film noir eine Verhörszene nach. Ein wichtiges Requisit ist ein Teddybär, der die kleine Tochter des Verhörten darstellen soll. Die Hauptfigur in dieser Dokumentation, Anwar Congo, spielt den verhörenden Polizisten. Während des Filmes ist Anwar als derjenige aufgebaut worden, der am Ehestens reflektiert, was er damals getan hat. Dadurch ist er – ob man es will oder nicht – so etwas wie der „Sympathieträger“ (sofern man hier überhaupt von so etwas sprechen kann). Er entreißt dem Verhörten den Teddy, dieser bettelt Anwar möge ihm doch seine „Tochter“ zurückgeben. Doch Anwar fängt an, höhnisch zu lachen und fragt, ob der andere sich nicht immer gefreut hat, wenn die Tochter lachend auf ihn zugelaufen kam – und wie soll das jetzt gehen ohne Beine? Und er schneidet dem Teddy grinsend die Beine ab. Danach folgen weitere Verstümmelungen und schließlich der grausame „Tod“ des Teddys. Alles unter dem permanentem Weinen und Heulen des Verhörten. Nun mag die Szene von den Männern bewusst übertrieben dargestellt worden sein. Aber aus dem Kontext des Filmes und nach dem, was man über die nachgestellten Szenen und das Leben der Männer damals erfahren hat, kann es damals tatsächlich zu solch einen unmenschlichen, grauenhaften Tat gekommen sein. Allein diese Möglichkeit treibt mir Tränen in die Augen und Wut in den Bauch. Und ich bekommen Angst vor dem grausamen Monster, das auch in meinen Mitmenschen leben könnte, wenn man ihnen die Macht, und die Möglichkeit diese ohne Konsequenzen auszuüben gibt.

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Einmal wird ein Massaker an einem Dorf nachgespielt und einer der Rädelsführer prahlt damit, wie toll es war, damals die Frauen zu vergewaltigen und welch ein Glück man doch hatte, wenn eine 14jährige darunter gewesen ist. Es sind Szenen wie diese, die einem den Magen umdrehen. Nun kann man dem Film sicherlich vorwerfen, dass einige Szenen gestellt wirken und er natürlich seine Geschichte nicht in einen größeren geschichtlichen Kontext stellt. Über die Hintergründe der damaligen Situation erfährt man nur wenig, ebenso darüber, ob die Schilderungen der Männer zur Gänze der Wahrheit entsprechen. Insbesondere die letzte Szene, in der Anwar Congo ein zweites Mal an den Ort seiner Morde zurückkehrt und sich bei der Erinnerung an seine Taten vor der Kamera übergibt, scheint offensichtlich inszeniert zu sein. Doch ohne diese Szene, die deutlich unterstreichen soll, dass in ihm tatsächlich eine Veränderung stattgefunden hat, er sich langsam bewusst wird, was er damals getan hat und die Dämonen ihn nun einholen, wäre der Film unerträglich. Ohne sie gäbe es nirgendwo den Funken Hoffnung, dass solch grausame Taten nicht irgendwann von so etwas wie einem Gewissen gesühnt würden.

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„The Act of Killing“ handelt von der absoluten Banalität des Bösen. Diese Männer sind eben keine Monster. Es steht ihnen nicht ins Gesicht geschrieben, dass sie eiskalt die grausamsten Tötungen vorgenommen haben. Im Gegenteil. Und im heutigen Indonesien gehören sie sogar zu den geachteten Gesellschaftsmitgliedern und werden für ihre Taten gelobt. Das zeigt auch, wie es vielleicht in Deutschland ausgesehen hätte, wenn Nazi-Deutschland den Krieg gewonnen hätte. Wer ein Monster ist und wer ein Held, dass ist immer die Sache derjenigen, die am Ende noch da sind, um die Geschichte schreiben. Daher sollte, nein muss man, die Geschichten der Sieger immer auch hinterfragen. Aber der Film hat noch so viele andere interessante und erschütternde Aspekte, die ich jetzt hier gar nicht alle aufführen will. Ich möchte nur jeden einladen, sich diesen Film ebenfalls anzusehen, denn es ist ein wichtiger Film. Purer Horror, der wirklich Angst macht vor der Bestie Mensch. Kein Wunder also, dass Werner Herzog und Errol Morris, nachdem sie ihn gesehen hatten, ihre guten Namen als Executive Producers zur Verfügung stellten, um ihm eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen.

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„The Act of Killing“ wurde u.a. von arte und ZDF co-finanziert. In einem auf der DVD enthalten Interview erklärt Regisseur Joshua Oppenheimer, er hätte für etwaige TV-Ausstrahlungen eine stark gekürzte Fassung herstellen müssen. Was eine Schande ist, denn von den 156 Minuten fand ich jede einzelne wichtig. Gott sei Dank ist auf der bei Koch Media erschienenen DVD die Langfassung enthalten.

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„The Act of Killing“ lässt den Zuschauer nicht ungeschoren davonkommen. Er zeigt eines der schlimmsten Massaker des letzten Jahrhunderts aus der Sicht der Täter, die weder unter ihren Taten leiden, noch Konsequenzen tragen mussten. Im Gegenteil, noch heute prahlen sie mit ihren Untaten und genießen das Leben. Oppenheimers Dokumentarfilm zeigt das banale Gesicht des Bösen, und schafft es zumindest einen der Täter zu Reue zu bewegen, indem er ihm einen Spiegel vorhält. Das dies aber bei seinen Mit-Tätern nicht der Fall ist, lässt einen erschaudern und macht große Angst. Ein wichtiger Film!

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Die DVD besitzt ein zum Teil glasklares Bild, was durch den Einsatz von HD-Kameras nicht verwunderlich ist. Ferner ist ein Audiokommentar an Bord, von dem es auf der DVD-Rückseite heißt, er werde von Werner Herzog und Errol Morris gesprochen. Tatsächlich aber sprechen hier Werner Herzog und Regisseur Joshua Oppenheimer. Vielleicht kommt später noch Morris dazu, ich habe nur in die ersten Minuten reingehört. Oppenheimer ist aber definitiv dabei, anders hätte das auch nicht viel Sinn gemacht. Des Weiteren gibt es noch ein 22-minütiges, informatives Interview mit Oppenheimer, welches allerdings manchmal durch Bild- und Tonfehler etwas entstellt wird. 10 Minuten „Deleted Scenes“ bringen keinen neuen Erkenntnisse, sind aber interessant anzusehen. Gesprochen wird ausschließlich auf Indonesisch mit deutschen Untertiteln. Es gibt also kein Voice-Over.

Anmerkung: Bei diesem Text handelt es sich um eine überarbeitete und erweitertete Fassung meiner Gedanken, die ich letztes Jahr anlässlich der Aufführung des Filmes bei Internationalen Filmfests in Oldenburg niederschrieb.

Originalfassungen in Bremen: 20.03.14 – 26.03.14

Von , 20. März 2014 22:52

Auch in dieser Woche gibt es keine wirklichen Gründe für Jubelschreie. Kurz war ich der Ente aufgesessen, das CineStar würde nun auch O-Fassungen zeigen, aber das war leider wirklich eine Falschmeldung. So bleibt es bei den üblichen verdächtigen und auch diesmal wieder vielen Wiederholungen.

Need For Speed – Cinemaxx, Do. und So. um 19:30 – Videospieladaption vom Hauptberuflichen Stuntman Scott Waugh. In den Hauptrollen zwei Schauspieler aus der zweiten Reihe: Aaron Paul aus „Breaking Bad“ und Dominic Cooper.

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300: Rise of an Empire  – Cinemaxx, Fr., 21.3. um 19:30 – Der Regisseur des Erstlings, Zack Snyder, ist diesmal nur als Drehbuchautor dabei, aber Frank Miller hat wieder die Comic-Vorlage geliefert. Regie führt Noam Murro, der bisher nur eine Romantic Comedy mit Sarah Jessica Parker von 2008 in seiner Filmographie aufweisen kann. Der Cast setzt sich – bis auf die wunderbare Eva Green – aus eher unbekannten Namen zusammen.

Non-Stop – Cinemaxx, Sa./Di. um 19:30 – Liam Neeson ist wieder als Einzelkämpfer unterwegs. Hier spielt er einen Sky Marshall, der ein Flugzeug und dessen Passagiere vor einem sich unerkannt am Bord der Maschine befindenden Terroristen schützen muss. Regie führt der Spanier Jaume Collet-Serra, der mit Neeson schon “Unknown Identity” drehte.

Recep Ivedik 4 – Cinemaxx, Do.-So., Di./Mi Um 17:40 und Fr./Sa./Di. Auch 23:15 & CineStar – Kristall-Palast Do.-Sa. immer 23:20 – Vierter Teil der türkischen Erfolgskomödie. diesmal muss Recep Ivedik ein Grundstück für die Kinderfussballmannschaft seiner Nachbarschaft retten.

Sadece Sen – Cinemaxx, Do./Sa. um 23:15 – Türkischer Liebesfilm/Drama um einen blinde Frau, die sich in einen ehemaligen Boxer verliebt.

Grand Budapest Hotel – Schauburg, So. um 19:00 und Mi. um 21:15 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch. Tipp!

Art War – City 46, Di./Mi. Um 20:00 – Dokumentarfilm von Marco Wilms über Sprayer und Graffitikünstlern, HipHoppern und Rockmusikern im heutigen Kairo.

Das letzte Spiel – City 46, Fr. um 20:30, So.+Mi. um 18:00 Uhr – Queer-Film über zwei Strichjungen in Havanna, die sich ineinander verlieben.

Like Someone in Love – City 46, Do., Sa.-Mi. immer 20:00 – Japanischer Spielfilm des iranischen Filmemachers Abbas Kiarostami über eine Prostituierte und einen Professor.

Only Lovers Left Alive – City 46, Do./Di. um 18:00 und Sa./Mo. um 20:30 – Jim Jarmusch erster Spielfilm nach vier Jahren spaltet die Gemüter. Scheinbar gibt es bei diesem Vampir-Drama mit der großartigen Tilda Swinton und Tom “Loki” Hiddleston nur zwei Fraktionen: Die einen sind von ihm entsetzt, die anderen lieben ihn.

Thelonious Monk: Straight, No Chaser – City 46, Mi., 26.3. um 20:30 – Portrait des legendären Jazz-Musikers. Mit Einführung durch Arne Schumacher.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 24.03. um 19:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 24.03. um 21:45

Französische Sneak Preview –  Gondel, Mi., 26.03. um 21:00

Das Bloggen der Anderen (17-03-14)

Von , 17. März 2014 20:01

bartonfink_type2– Drei Jahre älter als dieses Blog ist die sehr empfehlenswerte Seite kino-zeit.de, die vor Kurzem auch eine eigene Blog-Rubrik namens B-Roll aufgemacht hat, zu der ich hier auch schon oft verlinkt habe. Anlässlich zum 10-jährigen Jubiläum finden sich dort wieder einige interessante Einträge. So gibt es die nächsten zehn Wochen Interviews mit Filmemachern, die in der Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen könnten. Den Auftakt macht der Dokumentarfilm-Regisseur Daniel Abma. Passend dazu ein Vorbericht auf das 16. Dokumentarfilmfestival in Thessaloniki von Kirsten Kieninger und als Krönung ein ganz wunderbares Essay von Beatrice Behn über das gemeinsame Erlebnis Kino. Mein Highlight der Woche! Unbedingt auch erwähnenswert: Eine Liebeserklärung von Joachim Kurz an (nicht nur) Lars von Triers „Melancholia“.

– Was für ein Zufall. Ungefähr zeitgleich zu meiner Rezension des Wenzel-Storch-Buches hat auch Alex Klotz seine Besprechung auf Hard Sensations online gestellt. Auch er ist begeistert. Dort bespricht Jamal Tuschnik auf Rossellinis Klassiker „Rom, offene Stadt“, der ihn nicht so wirklich überzeugt hat.

– Zur Zeit läuft im Berliner Arsenal Kino eine Kathryn Bigelow Retrospektive. Anlässlich dessen hat sich Lukas Foerster auf Dirty Laundry sich ihren unbekannteren Film „K-19: The Widowmaker“ vorgenommen.

The Wayward Cloud hat ein sehr interessantes und informatives Essay zum Thema Sounddesign geschrieben. Anlass ist der Film „Berberian Sound Studio“, der am 20. März um 23:15 im WDR seine TV-Premiere feiert.

– Vor Kurzem hatten wir polnischen Besuch Zuhause. Dieser schwärmte von dem Film „Ida“. Seit langer Zeit der erste polnische Film, der international groß vermarktet wird. Peter Gutting von cinetastic.de hat ihn gesehen und findet ihn auch gut. Und am 26.März läuft im Kommunalkino City 46 innerhalb unserer Reihe „Weird Xpereince“ Marvin Krens „Blutgletscher“. Hier gibt es eine positive Besprechung des Films von Ronny Dombrowski.

– Sascha von PewPewPew hat noch nicht alle Hoffnung in M.Night Shamalayan verloren und berichtet von dessen geplanten neuen Film. Außerdem weißt er auf die interessante Doku „Life After Pi“ hin, in der es um den Niedergang des SFX-Studios geht, die für „Life of Pi“ verantwortlich waren und in dem Moment Bankrott anmelden mussten, als sie für den Film einen Oscar gewannen.

Going to the Movies gesteht seine große Liebe zu George Millers Regie-Debüt „Mad Max“.

– Und Yzordderrexxiii erinnert an die „Blonde Fury“ Cynthia Rothrock, die in den späten 80ern/frühen 90ern aus den unteren Regalen der Action-Abteilung der Videotheke nicht wegzudenken war.

Grün ist die Heide bespricht detailliert und mit großen Kennerwissen einen Film, der einst meine erste wirklich intensive Begegnung mit Jess Franco war und deshalb bis heute einen großen Platz in meinem Herzen einnimmt: „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“.

– Und auf L’Amore in città nimmt sich Udo Rotenberg einen DER großen Knaller des italienischen Gangsterfilms vor: „Der Mafiaboss“ mit einem einfach umwerfenden Mario Adorf, Henry Silva und Woody Strode.

– Oliver Nöding ist in diesen Wochen auf Remember It For Later ganz besonders fleißig und veröffentlicht eine lesenswerte Review nach der anderen. Daher greife ich aus der Flut an Besprechungen nur mal drei heraus: Den Thriller „Der Todesengel“ mit Tomas Milian in einer für ihn eher ruhigen Rolle, „Ein Bürger setzt sich zur Wehr“ vom Dream-Team Enzo G. Castelari/Franco Nero und „Missing in Action“ mit the one and only Chuck Norris.

– Es gibt Filme, die haben einen schlechten Ruf und man fragt sich dann, ist man der Einzige, der das Werk gar nicht schlecht findet, ja sogar mag? So ergeht es mit mit John Carpenters heute fast vergessenen „Jagd auf einen Unsichtbaren“, wo ich da Gemecker nie so recht verstehen konnte und den ich recht interessant fand, auch aufgrund der ungewöhnlichen Besetzung mit Chevy Chase. David sieht das ganz genauso. Ja, er liebt diesen Film sogar, wie er in einem langen Essay auf Whoknows presents darlegt. Jetzt würde mich auch mal seine Meinung zu Wes Cravens „Vampire in Brooklyn“ interessieren.

– Vorletztes Jahr war Jonas Jonassons „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ meine Urlaubslektüre. Aufgrund der langen, langen Monate auf platz 1 der Bestsellerliste war ich zunächst skeptisch, aber tatsächlich hat mir der amüsante Roman gut gefallen, nur zum Ende hin lies er etwas nach. Jetzt kommt die Verfilmung in die Kinos, die Miriam Eck für Daumenkino gesehen und für gut befunden hat.

– cutrin von filmosophie war in dem zweiten Teil von Lars von Triers „Nymphomaniac“ und auch wenn der Titel ihrer Besprechung anderes vermuten lässt, hat er ihr sehr gefallen.

– Erstaunlich. Überall wird Keanu Reeves Regie-Debüt „Man of Tai Chi“ verrissen, aber Asien-Experte Michael Schleeh gibt ihm auf Filmgazette 8 von 10 Punkten. Da sollte man dann vielleicht doch mal einen Blick riskieren.

– Über den belgischen Regisseur André Delvaux meine ich erst vor Kurzem etwas von Alex Klotz gelesen zu haben, was mein Interesse geweckt hatte. Wie dem auch sei, durch die Vorstellung vierer Filme des Regisseurs durch das Magazin des Glücks bin ich jetzt erst recht neugierig geworden.

Japankino berichtet über interessante Neuheiten im DVD-Regal, Abteilung Japan.

– Wieder viele interessante Artikel gibt es auf Jugend ohne Film. Patrick Holzapfel schreit anlässlich des Todes von Alain Resnais über Filmsprache und über die Regisseure, die eine neue Filmsprache erschaffen haben. Ich mag es fast gar nicht sagen, aber Wong Kar-Wai ist bei mir noch immer ein unbeschriebenes Blatt. Das muss ich auch noch ändern, besonders nach Patricks schönen Artikel über die Liebe im Kino Wong Kar-Weis. Ferner schreibt er über „Kärlek 65“ von Bo Widerberg. Hier stimme ich seiner Bemerkung Woody Allen habe in den 70ern seinen Zenit erreicht nicht unbedingt zu. Aber das hat ja nichts mit dem schönen Artikel zu tun. Rainer Kienböck ist ziemlich umgehauen worden von Dziga Vertovs „Odinnadcatyi“.

DVD-Rezension: “Im Wendekreis des Söldners“

Von , 16. März 2014 18:59

wendekreisIn den letzten Tagen des Vietnamkrieges verheizt Captain Harlow (Antonio Marsina) seine Männer. Dadurch gerät er mit dem bei den Soldaten sehr beliebten Sgt. Maggio (Giancarlo Prete) aneinander. Harlow versucht Maggio loszuwerden, indem er ihn auf dem Schlachtfeld zurücklässt, als Maggio gerade einen verletzten Kameraden rettet. Doch Maggio gelingt es, sich mit seinem Kameraden wieder zurück zu den amerikanischen Linien durchzuschlagen. Doch Harlow provoziert Maggio immer weiter und als Maggio nach dem Selbstmord eines Freundes auf Harlow einprügelt, nutzt dieser die Chance, Maggio vor das Kriegsgericht zu stellen. Doch der Maggios Gefangenentransport wird von dem Vietcong angegriffen und Maggio gelingt die Flucht. Harlow und seine Männer heften sich an seine Fersen…

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Mit seinen italienisch co-produzierten Söldern-Filmen schwamm der legendäre Schweizer Filmproduzent Erwin C. Dietrich Anfang der 80er Jahre auf einer kleinen Erfolgswelle. Und so wurde auch der von ihm in Italien eingekaufte „Tornado“, ein lupenreiner Vietnam-Kriegsfilm, von der Titelschmiede seines Ascot-Verleihs kurzerhand zu einem Söldner-Film umgetextet und als „Im Wendekreis der Söldners“ auf den Markt geworfen. Da ein Jahr zuvor „Rambo“ ein großer internationaler Erfolg war, wurde dem Film zudem weltweit der Alternativtitel „Last Blood“ (statt „First Blood“) gegeben, und wie man auf der Innenseite des Wendecovers sehen kann, ein neues Plakat entworfen, auf welchem der Figur, die wahrscheinlich Hauptdarsteller Timothy Brent alias Giancarlo Prete darstellen soll, ein rotes Stirnband, wie man es vom „Rambo“-Poster kennt, hinzugemalt.

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Tatsächlich hat „Wendekreis des Söldners“ nur wenig mit dem Stallone-Film gemein, auch wenn der Covertext des US-Videotapes schreit: „All the action of Rambo – set in the steamy jungles of Vietnam.” Einzig, dass ein Mann sich allein auf der Flucht vor seinen eigenen Leute durch den Wald, bzw. Dschungel kämpfen muss und dabei außergewöhnliche Einzelkämpferqualitäten offenbart, hat etwas mit „Rambo“ zu tun. Viel mehr ist der Film stark von „Die durch die Hölle gehen“ inspiriert und die Szenen, in denen Maggio vom Vietcong gefangengenommen wird, oder wenn er sich mit seinem schwer verletzten Kameraden durch den Dschungel schlägt, scheinen direkt aus dem großen Vorbild übernommen. Als am Anfang Maggio von seinem eiskalten Vorgesetzten skrupellos im Dschungel zurückgelassen wird, während dieser im sicheren Helikopter sitzt, meint man, Regisseur Antonio Margheriti hätte auch bei „Platoon“ geklaut. Tatsächlich entstand „Im Wendekreis des Söldners“ aber drei Jahre vor Oliver Stones preisgekrönten Vietnam-Drama. Die Figur des skrupellosen Karrieristen ist dann auch nicht an Tom Berengers Sgt. Barnes, sondern vielmehr an dem von Maximilian Schell gespielten Hauptmann Stransky in Sam Peckinpahs Weltkriegsfilm „Steiner – Das eiserne Kreuz“ angelehnt.

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Das Autoren-Duo Tito Capri und Gianfranco Couyoumdjian (der den Film auch produziert hat), haben viele von Margheritis 80er Jahre Vietnam- und Söldnerfilmen geschrieben. U.a. auch „Jäger der Apocalypse“ aus denen fast alle aufwändigeren Action-Szenen übernommen wurden. Immer wenn in „Im Wendekreis des Söldners“ Helikopter zum Einsatz kommen oder Dörfer explodieren, ist dies Material aus eben jenem Film. Man hat fast Gefühl, „Im Wendekreis des Söldners“ wurde allein geschrieben, um einen Rahmenhandlung für dieses Recycling zu haben. Aber auch die originären Actionzenen sind Margheriti wieder einmal gut gelungen, und er beweist einmal mehr, dass er ein gutes Händchen für solide Action hat. An den Einsatz des düsteren Synthie-Sounds von Aldo Tamborelli (als „Sound of Eden“) muss man sich kurz gewöhnen, dann funktioniert der an John Carpenter und Tangerine Dream gemahnende Score recht gut.

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Die Hauptrolle des Sgt. Maggio spielt der Italiener Giancarlo Prete, der hier unter seinem anglisierten Namen Timothy Brent geführt wird. Prete ist vor allem durch die beiden Endzeit-Filme „Metropolis 2000“ und „Riffs 2 – Flucht aus der Bronx“ von Enzo G. Castellari bekannt geworden, hat aber auch in einigen internationalen Produktionen mitgewirkt. Sein Sgt. Maggio ist erst einmal Körper und gerne wird Pretes muskulöser Leib gezeigt. Prete selber gibt den Maggio routiniert, das Drehbuch verlangt ihm aber auch keine großen Meisterleistungen ab. Neben Prete sind eigentlich nur noch Antonio Marsina als fieser Captain Harlow und „der italienische Peter Lorre“ Luciano Pigozzi alias Allan Collins als knurriger Journalist erwähnenswert. Leider verschwindet Marsina in der Mitte des Filmes fast komplett aus der Handlung und auch Pigozzi hat außer ein paar kritische Äußerungen über den Krieg zu machen, keine größere Aufgabe. Die episodenhafte Handlung konzentriert sich ganz auf Prete.

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Der Film zerfällt in drei Teile. Im ersten Teil, wird, wie oben geschrieben, mit Elementen aus „Steiner“ und „Die durch die Hölle gehen“ gespielt und dient vor allem dazu den kernigen Maggio, sowie den Karrieresoldaten Harlow und ihren gemeinsamen Konflikt einzuführen. Der zweite Teil, in dem Maggio mit seinen Männer einen erfolgreichen Einsatz absolvieren, ist für die Handlung eigentlich irrelevant, aber man konnte hier wunderbar die ganzen Explosionen und Helikoptereinsätze aus „Jäger der Apokalypse“ einbauen. Der dritte und längste Teil behandelt dann Maggios Flucht und seine Begegnung mit dem Vietcong. Interessanterweise wird gerade hier der durchaus kriegskritische Ton, der in den beiden ersten Teilen vor allem durch die von Pigozzi gespielte Figur des Journalisten immer wieder aufgenommen wird, ad absurdum geführt. Wenn Petre auf Nordvietnamesen stößt, gehören diese natürlich alle zum Vietcong, und dessen Mitglieder erweisen sich als sadistische, menschenverachtende Monster, denen es eine pures Vergnügen ist, Maggio zu foltern. Man kann so leicht den Eindruck bekommen, die USA würden gegen diese Ausgeburten des Bösen einen gerechten Krieg führen.

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Was man Antonio Margheriti wieder einmal anrechnen muss, ist dass er mit minimalen Mitteln einen sehr temporeichen und kurzweiligen Actionfilm gezimmert hat, der zwar hinter seinen anderen Kriegsfilmen aus dieser Zeit etwas hinterherhinkt, aber trotzdem gut unterhält, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt. Margheriti war in vielen Genres unterwegs. Mitte der 60er drehte er eine Reihe Science-Fiction-Filme, als dieses Genre in Italien so gut wie nicht existent war. Er drehte Gothic Horror, ebenso wie Italo-Western. Eine seiner Spezialitäten war es, kunstvoll gefertigte Miniaturen eindrucksvoll in die Luft zu jagen, was man insbesondere in seinen Kriegs- und Söldnerfilmen aus den 80er Jahren exzessiv bewundern kann. Margheriti gelang es seine Filme auf einem durchgehend hohen handwerklichen Niveau zu halten. Was auch der sehr günstig hergestellte „Im Wendekreis des Söldners“ beweist.

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Sieht man davon ab, dass „Im Wendekreis des Söldners“ seine vorgeblichen Antikriegsbotschaft selber untergräbt, ist Antonio Margheriti ein kurzweiliger und temporeicher Genrebeitrag gelungen, der zwar nicht in der ersten Liga spielt, aber als preisgünstiger B-Actionfilm recht gut funktioniert.

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Wie auch schon andere „Söldner-Filme“ aus dem Ascot-Elite-Archiv, ist „Im Wendekreis des Söldners“ in der Reihe „Cinema Treasures“ neu und erstmals ungekürzt herausgekommen. Wie so oft, wurde dabei der DVD auf Extras verzichtet. Auf der Blu-ray, ist allerdings noch die knapp einstündige Dokumentation „The Outsider – The Cinema Of Antonio Margheriti‘enthalten, die – wie man hört-  sehr gelungen sein soll. Das Bild der DVD für das Alter des Filmes okay. Die recycelten Szenen sind recht einfach daran zu erkennen, dass dort ein dünner Laufstreifen zu sehen ist. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor.

Filmbuch-Rezension: Wenzel Storch „Die Filme“

Von , 14. März 2014 21:10

Storch_Die FilmeDie Lektüre des Buches „Die Filme“ von Wenzel Storch war für mich ein kleines Experiment. Kann man das Buch auch genießen, wenn man mit Storchs Werk bisher nicht vertraut ist? Über seinen Film „Sommer der Liebe“ hatte ich in dem leider nur zwei Ausgaben lang erschienenen, wunderbaren Fanzine „Absurd 3000“ Ende der 90er Jahre das erste Mal gelesen. „Reise ins Glück“ begegnete mir dann später in der „Splatting Image“. Doch zu sehen bekam ich diese Filme bisher nie. Einmal habe ich 10 Minuten von „Sommer der Liebe“ erhaschen können, aber das war’s dann auch.

Um meine Eingangs gestellt Frage gleich zu beantworten: Ja, man kann. „Die Filme“ ist weniger ein klassisches Filmbuch, als vielmehr die Autobiographie des 1961 in Braunschweig geborenen Universalkünstlers. Man erfährt viel über Wenzel Storchs Welt. Sein streng katholisches Elternhaus, das schlechte Verhältnis zum Vater und die Zeit als Ministrant, die sein Leben und seine ersten Filme prägte. Man hört etwas über das legendäre Kassetten-Label „Pissende Kuh Kassetten“ der beiden Brüdern Iko und Diet Schütte, über das auch der Filmgelehrte Christian Keßler schon oft berichtet hat, und bei dem auch Storch aktiv war. Man liest über das Leben in einem sozialen Brennpunkt am Rande von Hildesheim, wo Storch lange Zeit über einem Kiosk wohnte, der zentraler Anlaufpunkt für die Alkoholiker der Gegend war. Man lernt skurrile Typen, wie den Scheißefresser Hardy, den Philosophen oder den Baron von Lallu kennen. Zusammen mit einer repressiven Kirche bildete dieser Umgebung den Boden, auf dem Storchs Werk gedieh. Und ohne diesen wären Filme wie „Der Glanz dieser Tage“ wahrscheinlich gar nicht entstanden.

Erst nach 97 Seiten wendet sich das Buch dem Thema seines Titels zu: Den Filmen. Beginnend mit „Der Glanz dieser Tage“, der mit viel Fantasie und Skepsis gegenüber der katholischen Kirche in dem abbruchreifen Haus in Hildesheim entstand. Weiter zu „Sommer der Liebe“, der bereits aufwändiger war und Wenzel Storch einen Skandal bescherte, als eine radikale Lesbengruppe aus einem Göttinger Kino eine Rolle des Filmes entführen, weil sie den Film „rassistisch, sexistisch und faschistisch“ fanden. Abschließend mit dem Albtraum von „Reise ins Glück“. Ein Mammutwerk, welches zwölf Jahre zur Fertigstellung brauchte, Storch mehr als einmal in den Bankrott und tiefste Verzweiflung trieb. Selbst wenn man den Film nicht gesehen hat, so singen doch die zahlreichen Fotos im Buch ein Lied davon, dass sich der ganze Aufwand und Ärger zumindest optisch vollauf gelohnt hat.

Überhaupt muss man auf die Bilder zu sprechen kommen. Storch bebildert seine Lebensgeschichte mit allerlei Fundstücken, die einem selber aus der eigenen Jugend (zumindest, wenn man in den 70ern aufgewachsen ist) einerseits bekannt und doch wie aus einer völlig anderen Welt zu stammen scheinen. Die Art und Weise, wie Storch sie zum Teil ironisch, aber immer treffsicher in den Kontext des Textes einbindet, erinnert an Max Goldt, aber auch an Umberto Ecos „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“, wo ja auch eine Kindheit und Jugend anhand von popkulturellen Fundstücken aus der Vergangenheit rekonstruiert wird. Während die Bebilderung im ersten Teil des Buches noch der Illustration der Lebensgeschichte dienen, findet man in der zweiten Hälfte zahlreiche Fotos vom Set seiner Filme, die von seiner überbordenden Kreativität und der Fähigkeit aus Müll ganz wunderbare exotisch-verrückte Kulissen zu zaubern, zeugen. Spätestens diese Opulenz macht das Buch dann auch zu einem echten visuellen Leckerbissen.

„Die Filme“ ist eine Collage aus anderswo veröffentlichten Interviews, Ausschnitten aus Storchs literarischem Werk, seinen Zeichnungen, persönlicher Fotos und merkwürdigem, irgendwo gefundenen Bildmaterial. Nach der Lektüre des Buches hat man dann das Gefühl, „Deutschlands besten Regisseur“, wie ihn das Satiremagazin Titanic einst nannte, tatsächlich ein wenig zu kennen. Und man ist sehr neugierig auf sein filmisches Werk geworden. Ein erster Schritt in die ziemlich seltsame Welt des Filmemachers Storch kann man machen, indem man sich das Musikvideo „Altes Arschloch Liebe“ ansieht, welches Storch 2009 für Bela B. (einem großen Fan von „Reise ins Glück“) gedreht hat. Leider seine bisher letzte Filmarbeit – die ironischerweise auch von weitaus mehr Leuten gesehen wurde, als all seine Filme zusammen. Storch selber rechnet vor: Während „Der Glanz dieser Tage“ 3.000 Zuschauer hatte, „Sommer der Liebe“ 32.000 und „Reise ins Glück“ 26.000, haben den Videoclip 10x mehr Leute gesehen, als alle drei Filme zusammen.

Zurzeit beschäftigt Wenzel Storch sich, wie im letzten Kapitel des Buches zu lesen ist, mit dem Schreiben von Essays, von denen viele in den Büchern „Der Bulldozer Gottes“ (2009) und „Das ist die Liebe der Prälaten“ (2013) zusammengefasst sind. Wer sich näher mit Wenzel Storch beschäftigen möchte, der findet im Anhang des Buches umfangreiche Listen mit seinen Werken aus Film, Literatur und Musik, Kritiken, Beiträge in anderen Büchern, Artikeln, Lesungen und vieles mehr.

Und wer Wenzel Storch einmal live erleben möchte, der sei an dieser Stelle auf den 24. April hingewiesen. Dann zeigt das Bremer Kommunalkino City 46 in der Reihe „Weird Xperience“ nicht nur den Film „Die Reise ins Glück“, sondern hat Wenzel Storch auch eingeladen, um vorab aus seinem hier besprochenen Buch zu lesen. Hingehen!

Wenzel Storch : „Die Filme“ , Martin-Schmitz-Verlag, 336 Seiten und über 700 farbige Abbildungen, Zeichnungen und Skizzen. Euro 29.80

DVD-Rezension: „Drecksau“

Von , 13. März 2014 21:03

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Bruce Robertson (James McAvoy) ist Detective Sergeant bei der Polizei in Glasgow. Was ihn aber nicht davon abhält Drogen zu nehmen, Minderjährige zum Oralsex zu zwingen, Zeugen zu erpressen, zu lügen und zu betrügen. Sein ganzes Streben gilt seiner Beförderung zum Detective Inspector, doch da stehen ihm seine Kollegen im Weg, weshalb er ständig gegen sie intrigiert und versucht, sie gegeneinander auszuspielen. Der Mordfall eines japanischen Austauschstudenten könnte ihm jetzt gute Karten in Bezug auf seine Beförderung in die Hände spielen…

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Drecksau“ beruht auf einem Roman des schottischen Schriftstellers Irvine Welsh, der durch „Trainspotting“ und die daraus resultierende Verfilmung berühmt wurde. An „Trainspotting“ muss man auch denken, wenn man den – im übrigen hervorragenden – Trailer sieht. Wie hier der Wahnsinn zu den treibenden Beats von „Gorgeous“ der Scissor Sisters (welches im Film übrigens nicht vorkommt) aus dem Bildschirm kippt, die mit hohem Tempo aneinander geschnittenen Szenen neben Chaos und Verkommenheit auch jede Menge anarchistischen Spaß suggerieren, das ist schon große Kunst. Doch kann der Film halten, was diese Werbung verspricht?

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Natürlich zelebriert der Film all die aus dem Trailer bekannten Geschmacklosigkeiten und hält über weite Strecken auch das hohe Tempo durch, doch der eigentliche Grund, warum man den Film sehen sollte, ist die beeindruckende Vorstellung James McAvorys, der hier sehr viel älter aussieht als er eigentlich ist. Wobei ein großer Teil des Lobes auch an den Maskenbildner gehen muss, der das Gesicht des eigentlich blendend aussehenden McAvory mit geplatzte Äderchen und Pickel übersät hat. Bleich, mit gläsernen Auen und einem wirren Sauerkrautbart, wirkt Detective Bruce Robertson zeitweise wie ein lebender Toter, den allein der innere Zorn auf die Welt noch am Leben hält. McAvory spielt dies mit Geifer im Mundwinkel als hoch explosive Mischung aus manischem Rausch und schwärzester Depression.

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Neben McAvory, der die Leinwand ganz für sich fordert, verblassen alle anderen Figuren. Selbst der ansonsten immer sehenswerte Jamie Bell fällt kaum auf. Charaktere wie seine beiden Kollegen verschwinden regelrecht aus der Handlung und auch die hübsche Imogen Poots als Robertsons Konkurrentin um eine Beförderung, ist kaum mehr Staffage, obwohl sie in einer wichtigen Szene durchaus Präsenz zeigt. Allein der großartige Eddie Marsan, dessen rattenhaftes Äußere diesmal als graue Maus daher kommt, bleibt im Gedächtnis haften. Doch muss man auch hier festhalten, dass sein Charakter Bladesey nicht wirklich ausgefüllt ist und mehr als Stichwortgeber für McAvory, denn als als lebendige Figur funktioniert. Da McAvory gleichzeitig auch sein eigener Antagonist ist, fehlt auch ein richtiger Widerpart für ihn. Der blonde Punk, welcher den japanischen Studenten umbrachte, könnte dieser sein, tritt aber nur kurz am Schluss auf.

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Das Problem des Filmes liegt in seiner Inkonsequenz. Zunächst wird die Figur des Bruce Robertson als eine Art „Stromberg aus der Hölle“ aufgebaut. Er kostet seine Gemeinheiten bis zum letzten aus und missbraucht seine Macht als Polizist. Dabei spricht aus ihm nicht etwa eine fatalistische Desillusionierung und Verzweiflung, wie bei Harvey Keitel in Ferraras „Bad Lieutenant“. Nein, Robertson scheint großen Gefallen an seiner Rolle als „böser Junge“ zu haben, der sich einen Dreck um Regeln und Andere schert und allein sich selbst und seinen Begierden verpflichtet ist. In seiner hemmungslosen Egozentrik und Bereitwilligkeit jedes Laster und jede Perversion bis zur Neige auszukosten, erinnert er fast schon an einen de Sadeschen Libertine. Doch dann wird ausführlich erklärt, wie Robertson wurde was er ist. Wie sehr er im Inneren leidet, und dann waren – Klischee – doch wieder nur die schlimme Kindheit und der Vater, der ihn nicht geliebt hat, an allem schuld.

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Gegen Ende dann stopft Regisseur Jon S. Baird die Figur des Robertson so sehr mit seelischen Defekten und Neurosen voll, dass es schon wieder zu viel ist. Statt Robertson als echten Geisteskranken zu demaskieren, wäre es wahrscheinlich spannender gewesen, einen Menschen zu zeigen, der so ist, wie er ist, weil er es will. Nicht, weil er durch eine traurige Kindheit und die Umstände dazu geformt wurde. Davon abgesehen gelingt Jon S. Baird aber ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Film, der wie seine Hauptfigur im Rausch dahin saust und einem kaum Zeit zum Luftholen lässt. Auch das Verschwimmen von Realität und Drogenwahn – wenn Robertson beispielsweise seine Mitmenschen und sich selbst immer wieder mit grotesken Tierköpfen sieht – im letzten Drittel ist sehr effektiv umgesetzt. Wenn sich der zuvor so selbstsichere Robertson vor den Augen des Publikums förmlich auflöst, und ein heulendes Häufchen Elend zum Vorschein kommt, nutzt Jon S. Baird dies für einige interessante filmische Spielereien. Und sein Hauptdarsteller James McAvory nimmt die Gelegenheit dankbar wahr, um seinen Bruce Robertson förmlich implodieren zu lassen.

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Was man „Drecksau“ vor allem hoch anrechnen muss, ist, dass er am Ende nicht der großen Versuchung von Romantik-Kitsch und einem inkonsequenten Happy-End verfällt, sondern die Geschichte des Bruce Robertson zu einem logischen Ende bringt. Auch Kameraführung, Schnitt und Musik liegen auf hohem Niveau und treiben den Film förmlich immer weiter voran. Exemplarisch sei hier nur die Sequenz erwähnt, in der Robertson und Bladesey in Hamburg Urlaub machen und der arme Bladesey von Robertson immer wieder in peinliche Situationen gebracht wird. Dies allein könnte schon als energetischer Videoclip durchgehen.

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„Drecksau“ ist eine furiose James-McAvory-One-Mann-Show, die mit sehr hohem Tempo vom amüsant-zynischen Beginn zum absurd-tragischen Finale rast. Obwohl der Film prächtig unterhält, vergibt er aber doch einige interessantere Ansatzpunkte, da ganz klischeehaft am Ende doch nur wieder der gefühlskalte Vater an allem Schuld ist.

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Das Bild dieser im Hause Ascot erschienen DVD ist guter Durchschnitt, der Ton aber kraftvoll. Vor dem Film gib es eine kurze Einführung durch den Hauptdarsteller James McAvory. Ein „Featurette“ von gerade mal 3,5 Minuten besteht aus vielen Filmausschnitten und Blah-blah. Da sind die Interviews mit McAvory (15 Minuten), Jamie Bell ( 2 Minuten), Imogen Poots (1 Minute) und Jon S. Baird ( 11 Minuten) schon etwas interessanter, auch wenn sie ihren Werbecharakter nicht verleugnen können. Eine 6 Minuten Impressionen vom Dreh schließen die Extras ab.

Originalfassungen in Bremen: 13.03.14 – 19.03.14

Von , 12. März 2014 21:57

Das ist brutal. Liam Neeson lässt mal wieder die Sau raus, was er ja seit einigen Jahren gerne mal macht. Auch der von den Kritikern hochgelobte „A Touch of Sin“ handelt von Gewalt und vom „300“-Sequel spreche ich jetzt mal nicht. Ansonsten vieles, was man schon mal hier in dieser Rubrik gesehen hat. Also eine eher durchschnittliche Woche.

Non-Stop – Cinemaxx, Do./Sa./Di. immer 20:15 – Liam Neeson ist wieder als Einzelkämpfer unterwegs. Hier spielt er einen Sky Marshall, der ein Flugzeug und dessen Passagiere vor einem sich unerkannt am Bord der Maschine befindenden Terroristen schützen muss. Regie führt der Spanier Jaume Collet-Serra, der mit Neeson schon „Unknown Identity“ drehte.

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300: Rise of an Empire – Cinemaxx, Fr., 14.3. um 19:45 – Der Regisseur des Erstlings, Zack Snyder, ist diesmal nur als Drehbuchautor dabei, aber Frank Miller hat wieder die Comic-Vorlage geliefert. Regie führt Noam Murro, der bisher nur eine Romantic Comedy mit Sarah Jessica Parker von 2008 in seiner Filmographie aufweisen kann. Der Cast setzt sich – bis auf die wunderbare Eva Green – aus eher unbekannten Namen zusammen.

Recep Ivedik 4 – Cinemaxx, Do.-Di.. 17:30, 19:45 (außer Fr.) und 22:45. Mi, nur um 17:30 & CineStar Do.-Sa. 22:45 – Vierter Teil der türkischen Erfolgskomödie. diesmal muss Recep Ivedik ein Grundstück für die Kinderfussballmannschaft seiner Nachbarschaft retten.

Sadece Sen – Cinemaxx, Do.-Mi. 20:30 und 23:10, So. auch 17:30 – Türkischer Liebesfilm/Drama um einen blinde Frau, die sich in einen ehemaligen Boxer verliebt.

Grand Budapest Hotel – Schauburg, So. um 19:00 und Mi. um 21:15 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch. Tipp!

A Touch of Sin – City 46, Do./Fr./Mo. um 18:00 und Sa./Di. um 20:30 – Einer der Gewinner der letztjährigen Filmfestspiele in Cannes (bestes Drehbuch). Zhangke Jia erzählt vier Geschichten aus dem modernen China, die von plötzliche Akte der Gewalt handeln.

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Crulic – Weg ins Jenseits – City 46, Mo.-Mi. immer 20:00 – Preisgekrönter Polnisch-rumänischer Animationsfilm, der eine wahre Geschichte erzählt. Der junge Rumäne Claudiu Crulic 2007 in Polen wegen eines Verbrechens verhaftet, das er offenbar nicht begangen hat. Er ist fest entschlossen, seine Unschuld zu beweisen und gegen das Vorgehen der Behörden mit einem Hungerstreik zu protestieren.

The Turin Horse – Fr., 20:30 und So./Di. um 18:00 – Das – als sein letztes angekündigtes – Werk des bildgewaltigen Ungarn Bela Tarr ist eine 2,5-stündige stille Apokalypse. Der von mir hochgeschätzte Bela Tarr ist so etwas wie das extreme Gegenteil vom Hollywood-Kino. Sehr lange Einstellungen, kaum Dialog, schwarz-weiß und zum Teil extreme Entschleunigung. Um Tarrs Filme genießen zu können, braucht man Geduld und die Bereitschaft, sich auf seine Art des Erzählens einzulassen. Ich freue mich sehr, “The Turin Horse” auf der großen Leinwand sehen zu können. Es ist aber, wie oben erwähnt, kein Film, den ich uneingeschränkt jedem empfehlen würde.

Like Someone in Love – City 46, Sa./So. um 20:00 – Japanischer Spielfilm des iranischen Filmemachers Abbas Kiarostami über eine Prostituierte und einen Professor.

Und dann der Regen – Tambien la Lluvia – City 46, Do. 20:30 und So. 18:00 – Drama um einen ambitionierten Regisseur, der bei den Dreharbeiten zu einem sozialkritischen Columbus-Film in Bolivien in reale Konflikte und Unruhen gerät. Mit Gael García Bernal.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 17.03. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 17.03. um 21:45

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