Das Bloggen der Anderen (20-01-14)

bartonfink_type2– Ein Jahr ist es nun her, dass Alexander Matzkeit auf real virtuality über die deutsche Filmblogosphäre, bzw. deren scheinbares nicht Vorhandensein geschrieben hat, was einige Wellen geschlagen hatte. Nach einem Jahr zieht er Bilanz, was bisher geschehen ist. Dabei schreibt er u.a., dass er sich jemanden wünschen würde, der die Blogs liest und eine Liste mit empfehlenswerten Artikeln zusammenstellen würde. Ähem…

– DAS große Thema in dieser Woche ist Martin Scorseses neuer Film „The Wolf of Wall Street“. Hierzu gibt es ein sehr spannendes Streitgespräch auf cargo, in dem Lukas Foerster (pro) und Ekkehard Knörer (contra) ihre gegenteiligen Meinungen zum Film verteidigen. Ebenfalls auf cargo gibt auch Simon Rothöhler seine Meinung zum Film kund, der den Film relativ positiv aufnimmt und intellektuell durchleuchtet.

– Gar nicht angetan vom „Wolf of Wall Street“ ist Sophie Charlotte Rieger auf B-Roll, die den Film vom feministischen Standpunkt aus, als überaus frauenfeindlich empfindet.

– Ganz anders Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film, der „The Wolf of Wall Street“, „ein großartiges Stück Kino“ nennt.  Ferner gibt es einen Gastbeitrag von Rainer Kienböck, der sich zwei Filme von Kon Ichikawa vorgenommen hat: „Biruma no Tategoto“ („Freunde bis zum letzten“),und „Nobi“ („Feuer im Grasland“). Und Patrick Holzapfel sinniert anhand von „12 Years A Slave“ über einen Satz “The worst is McQueen: he is the devil, an absolute devil, because he is making people believe he is making artistic films, and it’s bullshit.” des letztjährige Locarno Gewinner Albert Serra.

– Ein wunderschöner Film ist Jacques Demys „Les Parapluies de Cherbourg“, den Annika Stelter auf Die Filme, die ich rief für sich entdeckt hat.

– Kim Ki-Duk ist ein hervorragender, immer spannender Filmemacher, der nach einigen Arthouse-Crowdpleasern nun seit einiger Zeit zu seinem alten rebellisch, verstörenden Wesen zurückgefunden hat. Zuletzt mit extrem kontroversen „Moebius – Die Lust, das Messer“, über den Ronny Dombrowki auf cinetastic.de schreibt.

– Zwei völlig unterschiedliche deutsche Filme bespricht Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de. Einmal die harmlose, aber scheinbar recht unterhaltsame Komödie „Nicht mein Tag“ mit einem dünnen Axel Stein und Moritz Bleibtreu in einer dieser Rollen, die er im Schlaf spielt. Und dann das Resozialisierungs-Drama „Schuld sind immer die Anderen“, welches trotz einer gewissen Konstruiert- und Oberflächlichkeit recht intensiv sein soll.

– Oliver Nödings große Edgar-Wallace-Retrospektive auf Remember It For Later geht zu ende. Mit drei Filmen, die wie ich finde, immer etwas zu unrecht vergessen werden. Die erste Italo-Co-Produktion „Das Gesicht im Dunkeln“, dem wirklich tollen „Der Mann mit dem Glasauge“ von Alfred Vohrer und den meiner Meinung nach recht guten, aber fast völlig unbekannten Nachklapp „Die Tote aus der Themse“.

– Bei Hard Sensations setzen Silvia Szymanski & Maria Wildeisen ihre hochspannende Reihe „Forced Entry – Vergewaltigung im Film“ weiter fort. Diesmal mit einem Film, den ich gar nicht mochte (hauptsächlich aus den Gründen, die auch die beiden Damen ansprechen): „Twentynine Palms“ von Bruno Dumond. Dafür liebe ich aber Orson Welles „Im Zeichen des Bösen“ abgöttisch. Ebenso wie es scheinbar auch Jamal Tuschick tut. Michael Schleeh wiederum empfiehlt Jia Zhangkes „A Touch of Sin“ als „ganz klar unverzichtbar, (und) jetzt schon einer der ersten Höhepunkte im noch jungen Kinojahr 2014.“

– Udo Rotenberg stellt auf L’Amore in cità Joe D’Amatos ersten Spielfilm als Regisseur vor: „Sollazzevoli storie di mogli gaudenti e mariti penitenti – Decameron nº 69“ oder wie er in Deutschland kurz, aber treffend, hieß: “Hemmungslos der Lust verfallen“.

– Da ich letzte Woche ankündigte, dass ich nichts mehr über den Hofbauer-Kongress schreibe, verschweige ich jetzt mal ganz dreist, dass Alex Klotz auf hypnosemaschinen noch einen letzten Bericht getippt hat.

– Nachdem Ilsa schon eine deutsches Kriegsgefangenenlager geführt hat und bevor sie die Tigerin aus Sibirien wurde, war sie die Harmeswächterin der Ölscheichs. Wovon totalschaden auf Splattertrash zu berichten weiß.

– Lukas Foerster hat für Dirty Laundry einen Film gesehen, den es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte: Den DEFA-Film „Die Taube auf dem Dach“ von Iris Gusner. 1973 verboten und vernichtet, ist jetzt eine schwarz-weiße Arbeitskopie aufgetaucht, die in Berlin gezeigt wurde.

– Letztes Mal schon in einigen Blogs erwähnt und gelobt: Robert Redfords existentielle One-Man-Show „All is lost“, den auch Christian Gertz auf mehrfilm empfiehlt.

– Einen sehr schönen Text von Werner Sudendorf über deutsche Filmliteratur findet man auf new filmkritik.

– Neben Film waren auch Comics eine lange Zeit eine große Leidenschaft von mir in die viel, viel Geld floss. Aber die Zeiten ändern sich und das Portemonnaie ist heute schmaler, weshalb ich aufhörte Comics zu sammeln. Allerdings denke ich oft darüber nach, zwei Gebiete zu beackern, die damals in meiner Amerika-lastigen Sammlung etwas unterrepräsentiert war: Deutsche und franco-belgische Comics. Vielleicht inspiriert mich ja die Doku Tardi – Schwarz auf Weiß”, der eine Tardi-Ausstellung in Berlin begleitet und von franzöischerfilm.de vorgestellt wird.

– Ein wunderschönes Kinoerlebnis war es einmal Fritz Langs „Der müde Tod“ in der Kulturkirche St. Stephanie mit Musikbegleitung auf der Orgel zu sehen. Das hatte Schmock von Stubenhockerei sicherlich nicht, fand den Film aber trotzdem schön.

– Matthew McConaughey erlebt in letzter Zeit ein beeindruckendes Comeback als Charakterschauspieler. So auch im viel gelobten AIDS-Drama „Dallas Buyers Club“, das dennis für Filmosophie gesehen hat.

– Mal eine andere Meinung. Die Eule kann auf Filmtagebuch der Eule mit dem Goldene-Palme-prämierten und auf vielen Jahresbestenlisten zu findenden „Blau ist eine warme Farbe“ nicht viel anfangen und erklärt wieso.

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Bericht von der Verleihung des 16. Bremer Filmpreises an Sylvie Testud

Gestern wurde in der Oberen Rathaushalle zum nunmehr 16. Mal der Bremer Filmpreis vergeben. Seit sechs Jahren bin ich regelmäßig bei der Verleihung dabei – aufgrund meiner Fördermitgliedschaft im Kommunalkino – und konnte so schon zwei meiner ganz großen Helden hautnah erleben: Ulrich Seidl und Belá Tarr. Eigentlich drei – denn nachdem Lars Von Trier 2008 abgesagt hatte (worüber ich heute noch traurig bin), sprang als Ersatz Udo Kier ein, der ja auch immer wieder ein Ereignis ist. Bisher kam es aber nie vor, dass ich von den Geehrten noch überhaupt gar kein Werk gesehen habe. Dieses Jahr war es aber soweit. Von der bezaubernden Sylvie Testud kannte ich zwar „Lourdes“ – weil dieser aufgrund der Regisseurin Jessica Hausner noch auf meiner „Muss-ich-noch-gucken“-Liste steht – und „Jenseits der Stille“ ist mir natürlich auch bekannt, wenn ich ihn auch nie gesehen habe. Das restliche Werk der Schauspielerin, Buchautoren und seit Neustem auch Regisseurin hat es zum überwiegenden Teil allerdings nicht über die französische Grenze zu uns geschafft. Somit ist Frau Testud eine eher ungewöhnlich Wahl, da sie außerhalb Frankreichs eben kaum stattfindet, bis auf die beiden oben genannten Filme.

Wobei ich beim Recherchieren Zuhause dann nachträglich festgestellt habe, dass ich doch EINEN Film mit Sylvie Testud gesehen habe. Ich wäre allerdings die auf die Idee gekommen, dass sie dort mitgespielt haben könnte. Und zwar „Vengeance“ vom Hongkong-Actiongroßmeister Johnnie To. Eine Hongkong-Frankreich-Co-Produktion mit Johnny Hallyday. Dort spielt sie dessen Tochter, was aber nur eine sehr kleine Rolle ist. Weshalb dem so ist, deutet der Titel an. Leider ist das auch der schwächste To, den ich bisher gesehen habe, und daher habe ich den ganz gut verdrängt.

Dass Frau Testud kein großer oder bekannter Name in Deutschland ist, machte sich dann auch bei den Besuchern der Preisverleihung bemerkbar. Im Vergleich zu den vorherigen Jahren, war wohl knapp die Hälfte da. Da half es scheinbar auch nichts, mit Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link eine zugkräftige Laudatorin eingeladen zu haben. Trotzdem war die diesjährige Preisverleihung eine der schönsten, was u.a. auch an dem unschlagbaren, französischen Charme der Preisträgerin lag. Aber dazu später mehr. Wie immer sorgte eine Musikgruppe für die richtige Untermalung des feierlichen Preisvergabe, und das wie immer auf hohem Niveau. Diesmal war es das Bremer „Metropol Ensemble„, welches für die richtige Stimmung sorgte. Könnte ich mir auch wieder hervorragend als Begleitung zu einem Stummfilm vorstellen.

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Carmen Emigholz

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Ensemble Metropol

Ein großer Pluspunkt in diesem Jahr war die Zügigkeit, mit der die Veranstaltung durchgeführt wurde. Das kannte man aus vergangenen Jahren auch anders, als die Reden viel zu lang und repetitiv waren. So konzentrierte sich jeder auf das Wesentliche und man hörte gerne zu. Den Anfang machte wie immer die Staatsrätin für Kultur, Carmen Emigholz, die mal wieder den Kultursenator und Bürgermeister Jens Böhrnsen vertrat, dem diese Veranstaltung wohl nicht mehr wichtig genug ist. Zumindest glänzte er nun schon das vierte Mal in Folge durch Abwesenheit. Aber Frau Emigholz ist ja eine würdige Vertreterin. Ihre Rede war zwar zeitweise etwas fahrig, aber immerhin hatte man das Gefühl, sie käme vom Herzen und nicht vom Blatt. Danach führte Karl-Heinz Schmid in bewährter Form in die drei Filmausschnitte ein, die er für diesen Anlass ausgesucht hat. Das waren dann „Jenseits der Stille“, „Lourdes“ und „Bonjour Sagan„. „Lourdes“ muss ich wirklich jetzt mal gucken. Die strenge, tableauartige Inszenierung, die man in diesem Ausschnitt sah, hat mich durchaus begeistert.

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Caroline Link

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Sylvie Testud (Mitte)

Darauf folgte die Laudatio durch Caroline Link. Und das war nun wirklich eine gelungene Überraschung, da Sylvie Testud bis kurz vor der Veranstaltung keine Ahnung hatte, wer denn die Laudatio halten wird und sichtlich gerührt war. Auch von dem sehr schönen und emotionalen Text, den Frau Link geschrieben hatte. Mehr als einmal sah man Frau Testud heimlich eine Träne wegwischen und auch das Publikum war von den warmen, herzlichen Worten, die ganz tief aus dem Herzen kamen, begeistert.

P1080851Dann schritt Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Tim Nesemann für die Sparkassen-Stiftung „Gut für Bremen“, die den Bremer Filmpreis stiftet, zur Übergabe des Filmpreises, der wieder individuell von einem Bremer Künstler gestaltet wurde. In diesem Jahr war es Milena Tsochkova, die für die Gestaltung zuständig war. Schade, dass man die Preise in der Regel nie zu Gesicht bekommt, da ja gerade als Besonderheit des Bremer Filmpreis hervorgehoben wird, dass die „Wundertüte“ speziell für den zu ehrenden Künstler gefüllt wurde. Da könnte man ja locker mal ein Bild des Preises über den (eh vorhandenen) Beamer an die Wand werfen oder den Künstler ein paar Worte dazu sagen lassen. Aber wie dem auch sei, Herr Nesemann ist in den letzten Jahren wirklich in seine Rolle hineingewachsen. Waren die ersten Reden, die ich hörte, noch sehr steif und lang, so sind sie nun locker, spritzig, ein wenig ironisch und wirken angenehm knapp aus der Hüfte geschossen. Da hört man gerne zu.

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Sylvie Testud und Dr. Tim Nesemann

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Sylvie Testud

Dann der Auftritt der Preisträgerin, die wahrscheinlich im Nu die Herzen der Anwesenden erobert hat. Meines auf jeden Fall. Am Überraschendsten war ihre eindrucksvolle Stimme. Die Ausschnitte waren synchronisiert gezeigt worden, und da klangt ihre Stimme eher hell und eben schon 1.000x gehört. Und das wird Sylvie Testud einfach nicht gerecht, denn ihre „echte“ Stimme ist tief, voll und ein wenig rauchig. Frau Testud freute sich sichtlich über den Preis und die gelungene Überraschung mit Caroline Link. Da sie eigentlich über ihre Zusammenarbeit mit Frau Link bei „Jenseits der Stille“ sprechen wollte, diese ihr aber nun“zuvorgekommen“ war, improvisierte sie auf unglaublich charmante Art und Weise, mit viel Humor und Leidenschaft ihre Dankesrede, die sie auf Französisch hielt – was von einer ausgezeichneten Übersetzerin auf Deutsch wiederholt wurde – und mit einigen Sätzen auf Deutsch abschloss. Wer sich nicht spätestens hier ein klein wenig in Sylvie Testud verliebt hat, der hat ein Herz aus Stein.

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Dolmetscherin und Sylvie Testud

Danach ging es zum Empfang, wo sich wieder reichlich Gelegenheiten boten, mit netten Menschen zu plaudern. Von dem Ratskeller-Wein hätte ich allerdings die Finger lassen sollen. Das bin ich nicht mehr gewohnt und für die kleine Zügellosigkeit durfte ich mir dann Zuhause auch ganz schön was anhören. Da habe ich es mal lieber unterlassen, allzu sehr von Sylvie Testud zu schwärmen – mit deren filmischen Werk ich mich jetzt mal näher beschäftigen werde.

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DVD-Rezension: “Die Zukunft heißt Frau”

Die-Zukunft-heisst-Frau_dvd_coverDie Werbefrau Anna (Hanna Schygulla) und der für städtische Gärtnereiprojekte zuständige Gordon (Niels Arestrup) führen eine recht harmonische Ehe, in der Anna allerdings von der Leidenschaft ihres Ehemannes eher gelangweilt ist. Eines Tages begegnet Anna der schwangeren Malvina (Ornella Muti), die gerade Schwierigkeiten mit einigen jungen Männern hat. Sie nimmt sie mit nach Hause, wo sich Malvina bald in die Ehe von Anna und Gordon drängt….

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Anfang der 80er Jahr beschloss Erwin C. Dietrich, sich ein wenig seriöse Reputation durch die Produktion von Arthouse-Filmen zuzulegen. Zu diesem Zwecke schloss er mit dem italienischen Skandal-Regisseur Marco Ferreri einen Vertrag über zwei Filme ab. Ferreri eilte der Ruf eines deftigen Provokateurs voraus, was ja recht gut mit dem Haupt-Output der Dietrich-Schmiede korrespondierte. Der erste Film war „Die Geschichte der Piera„, der auch in Cannes gezeigt wurde. Dort kam es zum Eklat, als Ferreri seinem Produzenten – so das empfehlenswerte Buch „Mädchen, Machos und Moneten – Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounternehmers Erwin C. Dietrich“ von Benedikt Eppenberger und Daniel Stapfer – mit falschen Informationen über die Anfangszeit der Filmpremiere versorgte, so dass Dietrich zu spät kam und sich durch den Hintereingang ins Kino quetschen musste, statt über den roten Teppich zu flanieren. Dietrich war sauer und enttäuscht, musst aber trotzdem Geld für die zweite Zusammenarbeit „Die Zukunft heißt Frau“ zur Verfügung stellen. Vielleicht erklärt das die recht stiefmütterliche Behandlung des Filmes innerhalb der „Cinema Treasures“-Reihe der Firma Ascot.

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Verglichen mit seinen exzentrischen Exzessen wie „Das große Fressen“ oder „Affentraum“ ist „Die Zukunft heißt Frau“ für Ferreris Verhältnisse beinah schon zahm. Wieder einmal geht es um die Beziehung Mann – Frau, in welcher der Mann das schwächste Glied der Kette darstellt und allein die Frau – wie der Titel hier schon verrät – die Zukunft ist. In „Die Zukunft heißt Frau“ treibt Ferreri diese Anschauung auf die Spitze und prophezeit eine Welt, in der der Mann nicht mehr gebraucht wird. Die perfekte Familie besteht aus Müttern. Einer biologischen und einer spirituellen. Der zwischen zwei Frauen stehende Gordon, wird von Anfang an als sich selbst überschätzender Schwächling gezeigt. Gleich zu Beginn gibt er sich als leidenschaftlicher Romantiker aus, der seine geliebte Frau auch mit verbundenen Augen findet, da er ohne sie nicht leben kann. Bei ihr sieht das aber gleich ganz anders aus. Anna mag sich die Augen nicht verbinden lasse. Sie möchte den klaren Blick bewahren. Als sie sich mit der Begründung weigert, sie könne ihren Gordon mit verbundenen Augen sowieso nicht finden, beklagt dieser sich, dass er für sie gar nicht existieren würde, wenn sie ihn nicht sehen würde.

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Anna lebt ihr Leben unabhängig und entscheidet selber, was sie tun möchte und was nicht. Dadurch wirkt der klammernde Gordon wie ein lästiges, nervendes Anhängsel. Als die schöne Malvina in ihr Leben tritt, sieht Gordon dies zunächst einmal als Möglichkeit zu einer heißen Menage-a-trois, in der er die Hauptrolle einnimmt. Dabei realisiert er aber erst sehr spät, dass er doch nur das fünfte Rad am Wagen ist. Konsequenterweise bleibt Niels Arestrup als Gordon dann auch gegenüber den beiden Hauptdarstellerinnen blass und wirkt hilflos. Ferreri scheint diese Wirkung noch unterstützen zu wollen, den ständig fällt Arestrups eher geringe Körpergröße auf und sein Abgang aus der Geschichte wird ebenso grotesk, wie beiläufig inszeniert. Wie unwichtig er für die Frauen geworden ist, sieht man, wenn Anna stauresque vor dem Schornstein eines Krematoriums fotografiert wird und von Gordon im wahrsten Sinne des Wortes nur noch heiße Luft geblieben ist.

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Auf Seiten der Frauen sich – die hier erschreckend mager aussehende – Hanna Schygulla und die wunderschöne Ornella Muti ein. Die Muti soll scheinbar eine geheimnisvolle Mischung aus Engel und Verführerin darstellen. Oftmals wird angedeutet, dass mehr hinter ihrer Figur steckt. Die Rolle der Malvina erinnert an den schönen Fremden aus Pasolinis „Teorema“ (Kritik hier), der ebenfalls in eine Familie eindringt und durch seine Verführung die Familienmitglieder aus ihren erstarrten Rollen befreit,ins Unglück oder in die Freiheit entlässt. Nur erreicht Ferreris Werk nie die hohe Komplexität des Pasolini-Films. Was auch daran liegt, dass die Muti hier zu oft wie ein rein dekoratives Beiwerk wirkt. Zwar erfährt man auch über sie nichts, und so sie bleibt sie eine geheimnisvolle Figur, doch von einer mysteriösen Aura ist zumeist nichts zu spüren. Die Schygulla spielt so, wie man es von ihr gewohnt ist, immer etwas viel Theater in Stimme und Geste, aber voller Hingabe. Sie ist der emotionale Kern der Geschichte. Hin- und hergerissen zwischen ihrem alten Leben mit Gordon, in dem sie sich gemütlich eingerichtet hatte, und der für sie faszinierende Anziehungskraft Malvinas. Trotzdem will der Funke zwischen den Beiden auf der Leinwand nicht überspringen. Auch wen sie gemeinsam durch das Nachtleben bummeln und in einer Disco eine große Show abziehen, wirkt das Ganze immer wie eine Folge der sehenswerten TV-Doku-Serie „Durch die Nacht mit..“ in der die Chemie der beiden Nachtschwärmer nichts stimmt und beide nur durch das Konzept der Sendung und die eigene Professionalität zusammengehalten werden.

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Als Zeitdokument der 80er Jahre wirkt „Die Zukunft heißt Frau“ fast schon erschreckend. Alle modischen Sünden dieser Dekade werden zelebriert. Beginnend bei den hoch gestylte Haaren der Schygulla, über die enormen Schulterpolster der Muti (bei denen man immer Angst hat, dass sie nicht durch die nächste Tür passt), hin über das kalte Neonlicht der Discos, den Muscle-Shirts und der schrecklich synthetischen Italo-Plastikpop-Musik. Dadurch wirkt der Film weitaus älter, als Ferreris Werke aus dem 70ern, die sich etwas Zeitloses bewahrt haben. Auch die sehr plakative Art und Weise, wie Männer dargestellt und die Frauen zu überlegenen Wesen stilisiert werden, hat einen eher plumpen Touch. Es passt auch nicht ganz zum doch eher realistisch-ernsten Ansatz des Filmes, wenn Anna und Malvina in einer Disco plötzlich von einem Rudels scheinbar durch die eigene Geilheit völlig unzurechnungsfähig gewordenen jungen Männern gejagt werden. Oder sich bei einem Konzert des italienischen Folksängers Pierangelo Bertoli die Masse plötzlich in einen tödlichen Mob verwandelt. Das soll wohl verstören, wirkt aber in diesem Fall zu gewollt und aufgesetzt. Immerhin kleidet Ferreri seine Botschaft in erlesene Bilder, die von Tonino Delli Colli eingefangen wurden.Dieser war nicht nur Pasolinis-Stammkameramann, sondern stand auch bei den späten Fellinis und bei Leones „Zwei glorreiche Halunken“ hinter der Kamera. Für das Production-Design wiederum war der großartige Dante Ferretti  (der ebenfalls viel mit Fellini und Pasolini, aber auch Scorsese zusammenarbeitete) zuständig. Leider zollt das Bild der Ascot DVD dem nicht unbedingt Respekt.

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In „Die Zukunft heißt Frau“ beschäftigt sich Marco Ferreri wieder einmal mit seinem Lieblingsthema: Der Überlegenheit der Frau und die Lächerlichkeit des Mannes. Im Gegensatz zu früheren Werken fehlt hier aber das Radikale, deftig Groteske. Der Film ist für Ferreris Verhältnisse beinahe zahm. Erschwerend kommt die mangelnde Chemie der Darsteller hinzu. Interessant ist vor allem der Zeitkolorit und die kunstvollen Bilder.

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„Die Zukunft heißt Frau“ ist der bisher der anspruchsvollste Film, der in der „Cinema Treasures“-Reihe – die bisher vor allem Actionware beinhaltete – veröffentlicht wurde. Leider ist die DVD auch die mit weitem Abstand technisch schwächste. Das Bild ist unterdurchschnittlich und scheint aus einer VHS-Quelle zu stammen. Im Original soll der Film laut filmportal.de ein Format von 1:1,66 besitzen, welches für die DVD auf 1:1,33 beschnitten wurde – was fairerweise nicht auffällt. Manchmal sieht man mal am oberen, mal am unteren Bildrand einen dunklen Streifen, der das 4:3-Bild möglicherweise annähernd in Richtung 1:1,66 drücken soll. Insgesamt ist das Bild blass, gräulich und nicht besonders scharf. Zudem neigt es bei kräftigen roten oder blauen Farben zum Flimmern. Da passt es dann, dass auch nur der deutsche Ton vorhanden ist, und es bis auf eine Trailershow keinerlei Bonus gibt. Schade.

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Originalfassungen in Bremen: 16.01.14 – 22.01.14

Holla, das ist aber diesmal eine kurze Liste. Na ja, sie gibt immerhin den Blick auf das Highlight der Woche frei: Den neue Scorsese. Wieder mit dem Leonardo DiCaprio, der nun schon das fünfte Mal unter dem Meister spielt. Noch drei Mal und er hat mit DeNiro gleichgezogen. Ansonsten gibt es in dieser Woche nicht viel zu berichten.

The Wolf of Wall Street – Cinemaxx, Do.-So. und Di. um 20:30 – Der aktuelle Film von Regie-Altmeister Martin Scorsese basiert auf einer wahren Geschichte und erzählt von geldgierigen Börsenmaklern, Koks und Sex. Die Hauptrolle spielt der überaus talentierte Herr DiCaprio. Würde ich liebend gerne sehen. Mal gucken, ob ich es zeitlich irgendwie einrichten kann.

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Dügün Dernek – Der Hochzeitsverein – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 23:15 & CineStar Do.-Sa. immer 23:30 – Türkische Komödie. Drei Freunde entdecken, dass sich der Sohn des einen heimlich trauen lassen will.

Patron Mutlu Son Istiyor – Cinemaxx, Do./Sa./Di. um 23:00 – Türkische Komödie um einen Drehbuchautor, der beim Schreiben einer romantischen Komödie eine Schreibblockade erleidet und dann selber in eine Liebesgeschichte stolpert.

Only Lovers Left Alive – Schauburg, So. um 21:00 und Mi. um 21:45 – Jim Jarmusch erster Spielfilm nach vier Jahren spaltet die Gemüter. Scheinbar gibt es bei diesem Vampir-Drama mit der großartigen Tilda Swinton und Tom “Loki” Hiddleston nur zwei Fraktionen: Die einen sind von ihm entsetzt, die anderen lieben ihn.

Matterhorn – Wo die Liebe hinfällt – City 46, Do., 16.1. um 18:00 – Niederländischer Film um einen Witwer, dessen langweiliges und geregeltes Leben auf den Kopf gestellt wird, als er den geistig zurückgeblieben Theo bei sich aufnimmt und diesen beibringt, wie man sich benimmt.

Lourdes – City 46, Fr./Sa. um 18:00 und So./Mo. um 20:30 – Im Rahmen der Verleihung des Bremer Filmpreises an Sylvie Testud, läuft dieser französischsprachige Film von Jessica Hausner, die auch für den schönen „Hotel“ verantwortlich war. „Lourdes“ handelt von der Reise der an den Rollstuhl gefesselten Christine zum Wallfahrtsort und den Leuten, die sie dabei trifft.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=YwPruEa9vmI[/youtube]

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 20.01. um 21:45 Uhr

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 20.01. um 20:30 Uhr

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DVD-Rezension: “King of New York“

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Nach einem langjährigen Gefängnisaufenthalt kehrt Frank White zu seiner Gang zurück. Augenblicklich beginnt er damit, seine alte Vormachtstellung im Drogengeschäft wieder zurückzuerobern, indem er seine Konkurrenten umbringen lässt. Schnell bringt White auch die italienische und chinesische Mafia unter seine Kontrolle. Auch zur Politik knüpft White beste Beziehungen. Allein Detective Bishop und seine Leute wollen White das Handwerk legen, wozu ihnen jedes Mittel recht ist.

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Nach seinem eher kruden, aber effektiven Spielfilm-Debüt (zumindest das offizielle, über „9 Lives of a Wet Pussy“ sprechen wir mal nicht) „Driller Killer“ entwickelte sich Abel Ferrera mit „Die Frau mit der 45er Magnum“ und „China Girl“ schnell zum Kult-Regisseur. Nach einigen TV-Arbeiten und unmittelbar vor seinem epochalen und zutiefst erschütternden „Bad Lieutenant“ drehte er „King of New York„, eine Gangstergeschichte, die – wie er im Interview behauptet – von der Brutalität in „The Terminator“ inspiriert worden sei, und an dessen Drehbuch er und sein Schulfreund Nicholas St. John fünf Jahre saßen. Neben seinem „Body Snatchers„-Remake ist „King of New York“ sicherlich einer seiner für ein breites Publikum zugänglichsten Filme. Was auch an der grandiosen Optik liegt, in welche Kameramann Bojan Bazelli die Filmbilder kleidet. Mit Bazelli sollte Ferrera dann noch einmal bei „Body Snatchers“ zusammenarbeiten, bevor er Ken Kelsch zu seinem Stammkameramann machte. Bazellis Arbeit besticht mit aufwändiger und ausgeklügelter Lichtsetzung, die die Bilder zum Teil wie Gemälde aussehen lassen, und ästhetischen Gegenlichtaufnahmen. Hier scheint sich ein Einfluss von Michael Mann bemerkbar zu machen, für den Ferrera einige Episoden der TV-Serien „Miami Vice“ und „Crime Story“ abgedreht hatte. Besonders an „Crime Story“ scheint sich „King of New York“ optisch zu orientieren.

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Obwohl „King of New York“ über die Jahre seine Fans gefunden hat und zum Kultfilm avancierte, war er zur Zeit seiner Premiere 1990 nicht gerade wohlgesonnen aufgenommen worden. Während der Premiere auf dem New Yorker Filmfestival verließen etliche Zuschauer den Saal, bei der zweiten Vorführung wurden Drehbuchautor St. John und Darsteller Laurence Fishburne ausgebuht. Kritikerpapst Roger Ebert schimpfte auf das Drehbuch und nannte den Film „half-written“. Für Kontroversen sorgten sicherlich auch die exzessive Gewalt; die Tatsache, dass ein Weißer sich schwarzer Gangster bedient und der ambivalente Charakter der Hauptfigur. Dem von Christopher Walken brillant gespielten Frank White wird kein Hintergrund gegönnt. Man weiß nicht wo er herkommt, und wie er zu seiner Macht kam. Warum halten seine Getreuen nach so langer Zeit im Gefängnis noch zu ihm? Und was ist seine Motivation? Frank White wird als eiskalter, gefährlicher Killer gezeigt, gleichzeitig will er sich um die Kranken in „seinem“ Viertel kümmern und treibt mit allen Mitteln den Bau eines Krankenhauses voran. Wenn er am Ende erklärt, er wisse gar nicht, warum die Polizei ihn jage, sie solle doch froh sein, dass er die „schlimmeren“ Gangster beseitigt habe, und der Rauschgifthandel auch ohne ihn florieren würde, möchte man ihm fast zustimmen.

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Christopher Walken versinkt ganz in dieser Rolle. Er spielt nicht, er ist Frank White. Und da dieser keine Geschichte hat, die ihn mit Tiefe und Substanz verleiht, ist es ganz Walkens Schauspiel, welches dieser Figur Leben einhaucht. Wenn White sich durch New York bewegt ist er ein Wolf, der weiß, dass er allen anderen Tieren im Wald überlegen ist. Sein Lächeln ist das einer giftigen Schlange, sein Lachen das einer Hyäne. Walken tropft die Gefährlichkeit und das überzogene Selbstbewusstsein aus jeder Pore.Durch ihn besitzt White soviel Präsenz, dass man sich gar nicht erst fragt, wie es sein kann, dass ein weißer Junge die schwarzen Gangs in New York befehligt, wieso die Handlanger der italienischen Mafiosi sofort zu ihm überlaufen und wo seine hervorragenden Kontakte herkommen. Ferrera verrät in dem Interview, welches als Bonus auf der DVD enthalten ist, dass er ein Prequel plante, welches die hier komplett ausgeblendete Vorgeschichte erzählt. Das wäre auch ein interessanter Film, aber eben nicht „King of New York“. „King of New York“ zeigt eine Figur von der man nicht wissen kann, ob man sie hassen oder bewundern soll. Am Besten sollte man Frank White fürchten, gerade weil er nicht zu fassen ist.

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Neben dem beeindruckenden Christopher Walken, spielen mit David Caruso, Wesley Snipes und Laurence Fishburne noch drei junge, damals aufstrebende, Schauspieler in „King of New York“ mit, die kurze Zeit später die Karriereleiter nach oben klettern sollten. Sogar ein sehr junger Steve Buscemi taucht einmal kurz im Bild auf. Caruso spielte zunächst enorm erfolgreich einen Polizisten in der TV-Serie „NYPD Blue“ und feierte nach einem Tief, welches seinem Ausstieg aus der Serie folgte, ein sehr erfolgreiches Comeback in „CSI: Miami“. Wesley Snipes, der hier nur eine kleine, aber markante Rolle als Carusos Partner inne hat, sollte kurz danach mit „New Jack City“ seinen Durchbruch feiern und zu einem gefragten Actionstar der 90er werden, bevor billige B-Filme und ein Gefängnisaufenthalt wegen Steuerhinterziehung ihn aus der Spur warfen. Fishburne war bereits ein gefragter Nebendarsteller, der heute – um einiges schwerer – vor allem für seine Rolle als Morpheus in der „Matrix“-Trilogie bekannt ist. Fishburne ist dann auch die große Entdeckung des Filmes. Mit Leib und Seele spielt er Whites obersten Handlanger Jimmy Jump. Vom schlendernd-tänzelnden Gang und das breite Lachen, über die große Klappe und demonstrativ zur Schau gestellte Selbstbewusstsein bis hin zu den Goldzähnen- und Ketten, verschmilzt er mit dieser Figur, die wie eine kraftvolle Parodie auf die damals aufkommenden Gangster-Rapper wirkt.

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In der Tat spielt Rap in „King of New York“ eine wichtige Rolle und untermalt auf der Soundtrackspur das Geschehen. Damit war Ferrara einer der Ersten, die Rap bewusst als Stilmittel einsetzten. Einige Szenen, in denen die Gangster in Begleitung leicht bis gar nicht bekleidetet Damen vor allem sich selbst feiern, scheinen auch Vorlage für unzählige einschlägige Musikvideos zu bilden. Vielleicht hat dies dem Film daher in der Gangster-Rap-Szene zu einiger Reputation verholfen, denn er war nicht nur ein Lieblingsfilm der Ostküsten-Rap-Legende „Notorious B.I.G.“, sondern dieser benutzte auch den Namen „Frank White“ als Pseudonym. U.a. wohl auch, als er sich am Tag seiner Ermordung in einem Hotelzimmer einmietete.

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Ähnlich ambivalent, wie der Charakter Frank Frank, ist auch die Rolle der Polizei, die ebenfalls selbstherrlich und über dem Gesetz stehend agiert. Wobei Ferrara die ermittelnden Polizisten über weite Strecken des Filmes völlig vernachlässigt. So gibt es im Film nur zwei große Szenen, in denen sie näher charakterisiert werden. Zunächst auf einer Hochzeitsfeier in einer typische irischen Bar und dann später an selber Stelle, wenn sie über das weitere Vorgehen in Streit geraten. Die Szene mit der Hochzeitsfeier steht von der Bildgestaltung und dem allgemeinen Ton her, in solch einem krassen Gegensatz zu der Welt Frank Whites, dass sie beinahe wie ein Fremdkörper im Film wirkt, was von Ferrara wohl auch durchaus beabsichtigt ist. Die zweite Szene dient augenscheinlich nur dazu, die weitere Handlung voranzutreiben und die Motivation hinter der folgenden Selbstjustiz-Aktion zu erklären. Dazwischen tauchen Caruso und Snipes so gut wie nicht mehr auf. Man hat das Gefühl, dass es ihre Figuren ursprünglich mehr Spielraum hatten, dieser aber dann heraus gekürzt wurde. So bleibt der Fokus auf ihrem Vorgesetzten, der von Victor Argo – nach „King of New York“ Stammschauspieler bei Ferrera – mit großer Melancholie und Müdigkeit gegeben wird. Mit seinem ruhigen unterspielen der Rolle, bildet er einerseits ein Gegengewicht zu dem charismatischen Walken und ergänzt andererseits kongenial dessen extrovertierten Frank White.

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Mit „King of New York“ hat Abel Ferrara seinen optisch opulentesten und auch einen seiner brutalsten Filme inszeniert, der einem glänzend agierenden Christopher Walken eine ideale Plattform für seine Schauspielkunst bietet. Der Film verweigert sich einer klassischen Gut/Böse-Darstellung und lässt seine Figuren ambivalent agieren. Einige Ungereimtheiten im Drehbuch werden durch eine stilvolle, temporeiche Inszenierung und eine hervorragend aufgelegte Besetzung wieder wettgemacht.

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Die DVD besitzt eine gute Bild- und Tonqualität. Als Extras ist ein fast halbstündiges Interview mit Ferrara enthalten, welches scheinbar für das französische Fernsehen entstand. Dieses ist sehr aufschlussreich in Hinblick auf „King of New York“ und bietet viele zusätzliche Informationen.

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Das Bloggen der Anderen (13-01-14)

bartonfink_type2– Das „Bloggen der Anderen“ beginnt in dieser Woche gleich mit einem „Spezial“ zum 12. Hofbauerkongress in Nürnberg. Viel habe ich schon zu diesem cineastischen Ereignis, zu dem nur ausgewählte Teilnehmer zugelassen sind, schon geschrieben. Und wenn ich die vielen Artikel, die in der letzten Woche dazu geschrieben wurden, mal wieder so durchlese, dann wird einem das Herz schon schwer, nicht dabei sein zu dürfen. Aber diesmal haben so viel Blogger darüber berichtet, dass man schon fast ein klein wenig das Gefühl haben kann, irgendwie dabei gewesen zu sein. Hier also nun ein Überblick. Michael Kienzl von critic.de war dabei und hat drüber geschrieben. Alex Klotz von hypnosemaschinen hat drei Artikel verfasst. Für jede Nacht einen. Lukas Foerster von Dirty Laundry war ebenfalls anwesend, berichtet von der 3. und 4. Nacht und macht ein Rating aller gesehener Filme. Für Negativ berichtet Michel Brodski über den Film OTTO LARA REZENDE OU…BONITA, MAS ORDINARIA.  „Soviel nackte Zärtlichkeit“ gibt es bei Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide, und Thomas Groh auf Filmtagebuch. Weitere „Pärchen“: „Vulkan höllischer Triebe“ bei Udo und Thomas. „Das Paradies“ bei Udo und Thomas. „Die Ernte der sündigen Mädchen“ bei Udo auf L’Amore in cita  und Thomas. Den Rest findet man bei Oliver Nöding auf Remember It For Later und wieder bei Thomas Groh auf filmtagebuch. So, jetzt reicht’s aber auch mit Hofbauerkongress. Ich komme mir ja schon vor wie diese Typen, die ständig über Sex sprechen, aber noch nie mit jemanden… na, ihr wisst schon. Also, 12. Kongress hier und heute abgehakt.

– Der neue Scorsese ist da! Am 16. Januar startet „Wolf of Wall Street“ in Deutschland. Einige Blogger haben ihn schon vorab gesehen. So gesteht Alexander Matzkeit auf real virtuality dem Film eher skeptisch gegenüber und gesteht „Nach „Wolf of Wall Street“ habe ich ich schmutzig gefühlt“.

– Ronny Dombrowski ist auf Cineastic.de allerdings recht angetan und hält „The Wolf of Wall Street“ für Scorseses lustigsten Film.

– Apropos Scorsese. Dieser hat einen offenen Brief an seine Tochter geschrieben, in dem er einerseits auf das Kino zurückblickt, andererseits aber auch nach vorne schaut und dort nicht alles schlecht findet. Lesen kann man ihn auf PewPewPew, wo Sascha auch eine flammende Verteidigung für Michael Bay geschrieben hat, der gerade aufgrund eines völlig verunglückten Promo-Auftritts gerade überall mit Häme und Spott überschüttet wird.

– Auf Stubenhockerei wird es russisch. Vorgestellt werden zwei experimentelle Kurzfilme von Igor & Gleb Aleinikow. „Cruel Illness of Men“ und „I’m cold, so what?„. Sehr spannend.

– Wo wir gerade in Russland sind. Von dort kommt auch der Film, den Manfred Polack auf Whoknows presents vorstellt: „KHROUSTALIOV, MEIN WAGEN!“ vom bereits verstorbenen und mir bisher unbekannten Alexej German. Der klingt auch interessant.

– Philipp Stroh von Wieistderfilm?de verreißt den mir schon an anderer Stelle sehr empfohlenen „Leviathan“. Allerdings macht mich sein Verriss nur noch gespannter auf den Film. Ich glaube, der wird mir sehr gefallen.

– Wo wir gerade beim Verriss sind: Cinekie.de warnt ausdrücklich vor „Die Pute von Panem“. Und ich werde dieser Warnung gerne folgen.

– „Der Tod in Venedig“ ist ein wunderschöner Film, den ich immer wieder mit dem größten Genuss anschauen kann. Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film geht es scheinbar ähnlich, denn er hat eine lange Liebeserklärung an Viscontis Meisterwerk verfasst. Dann möchte ich unbedingt auf Patricks Text über Martin Scorsese hinweisen, der meine alte und nicht immer unproblematische Liebe zu diesem Mann wieder neu entfacht hat – so sie denn mal erkaltet sein gewesen sein sollte. Danke für diese Analyse. Ferner hat er J.C. Chandors „All Is Lost“ gesehen und ist von diesem existentiellen Drama sehr angetan.

– „All Is Lost“ hat auch luzifus von the-gaffer.de gesehen und empfiehlt diesen ebenfalls ausdrücklich.

– Vor Kurzem ging mit viel Bohei die Meldung durch die Presse, ein bisher unveröffentlichter Hitchcock-Film sei entdeckt worden. Was es damit wirklich auf sich hat, wird auf B-Roll erklärt.

– Derrick!!!!! Michael Schleeh auf nachtsichtgeräte über die 3. Episode „Stiftungsfest“, die von Regie-Legende Helmut Käutner inszeniert wurde. Oliver Nöding auf Remember It For Later über die Episoden 13-18, bei denen u.a. Alfred Vohrer und Zbynek Brynych Regie führten.

– Beim letztjährigen Internationalen Filmfestival in Oldenburg lief auch der deutsche Film „Staudamm“, doch durch seine nichtssagende Beschreibung hatte ich den nicht auf dem Zettel. Wohl ein Fehler, denn nun wird er auch von dennis auf filmosophie sehr gelobt.

– Jennifer Ament hat für Daumenkino Steve McQueens „12 Years A Slave“ gesehen und resümiert: „Am Ende bleibt das paradoxe Gefühl, den Film noch einmal und gleichzeitig nie wieder sehen zu wollen.“

– Den späten Stummfilm/frühen Tonfilmstar Anna May Wong finde ich ja hoch interessant. Leider weiß man viel zu wenig von dieser Dame, die auch „Die Tochter des Dr. Fu Manchu“ war. Ein Film, den totalschaden auf Splattertrash bespricht.

– Mal eine andere Meinung: Guido Rohm kann auf Hard Sensations nichts mit Nikos Nikolaidis tollem „Singapore Sling“ anfangen und versucht zu erklären warum. Alex Klotz stellt einen weiten Second-Life-Animationsfilm von Bruno Sukrow vor: „Dracula in Afrika“.  Jamal Tuschick hat, den lange Zeit aufgrund eines Verbotes seitens der Witwe von Berthold Brecht nicht aufführbaren, „Baal“ von Volker Schlöndorff mit dem jungen Rainer Werner Fassbinder gesehen. Sein Bericht. Und die Jahresbestenlisten der Hard-Sensations-Mitarbeiter, die mir allerdings in der Mehrzahl viel zu umfangreich und dadurch leider etwas nichtssagend ausgefallen sind.

– Einen Klassiker des neuen britischen Films haben sich Die drei Cineasten vorgenommen: „Kess“ von Ken Loach. Den habe ich damals sogar in der Schule gesehen.

– Schlombie haut auf Schlombies Filmreviews weiterhin Reviews im Dutzend raus. Interessant: Ein scheinbar arg missglückter „Tatort“ von Kult-Regisseur Buddy Giovinazzo und ein Knet-Animation Kurzfilm aus Australien.

– Noch ein sehr schöner Rückblick auf die Nordischen Filmtage von Peer Kling und Silke Möller-Wenghoffer gibt es auf Filmlandschaft.

– Sven Safarow beschäftigt sich auf Negativ mit den Politkino ala Hollywood aus den letzten Jahren. Teil 1 hier und Teil 2 dort.

– Harald Steinwender bricht auf Themroc eine Lanze für Ridley Scotts „The Counselor“, den er zwar auch insgesamt als gescheitert, aber immerhin recht interessant ansieht.

– Der Intergalatic Ape-Man stellt sich auf Intergalaktische Filmreisen die Frage: „Sharknado“ – Trash oder Müll?

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Zombie-Kurzfilm aus Bremen: „Spread and Infect: The Escape“

In Bremen gibt es einige sehr aktive und dabei auch recht erfolgreiche Genre-Filmemacher, wie z.B. Daniel Flügger, dessen „Zombie Warrior“ wir vorletztes Jahr im Rahmen unserer Reihe „Weird Xperience“ als Vorfilm gezeigt haben, und der auch auf dem vorletzten Phantastival mit einem Beitrag präsent war. Doch der großen Allgemeinheit bleiben deren Werke leider oftmals vorenthalten. Morgen hat man im City 46 die Gelegenheit, mal wieder einen Bremer Zombiefilm auf der großen Leinwand zu sehen.

Wie im „Weser Kurier“ zu lesen war, haben Andreas Schmitz und Sven Nienaber in und vor der Capri-Bar im Viertel einen Zombie-Kurzfilm mit dem Titel „„Spread and Infect: The Escape“ gedreht. Dieser war ursprünglich für das Super-8-Festival des Bremer Filmbüros geplant, doch aufgrund eines technischen Defekts war das Super-8-Material unbrauchbar geworden, so dass nun morgen die Videofassung bei der 49. Young Collection im Kommunalkino City 46 seine Premiere feiert (Sonnabend, den 11. Januar, 20.30 Uhr).

Mehr darüber auf der Seite des Weser Kuriers: http://www.weser-kurier.de/

Pssst… wer’s gar nicht erwarten kann, hat auch die Möglichkeit, den knapp 3,5-minütigen, schön gemachten Film auf YouTube zu sehen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=-OW4DVMM6P0[/youtube]

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Originalfassungen in Bremen: 09.01.14 – 15.01.14

Neues Jahr, neue O-Töne. Oder auch nicht. Einiges lief schon bei meiner letzten Übersicht vor Weihnachten. Was in dieser Woche irgendwie fehlt ist DER große Film, auf den man lange gewartet hat. Blockbuster sucht man zur Zeit auch vergeblich. Was aber auch man ganz schön sein kann. Meine Empfehlung: Ingmar Bergmans „Abend der Gaukler“.

Zwei vom alten Schlag – Cinemaxx, Do./Sa./Di. immer um 23:15 – Rocky Vs. Jack LaMotta goes „The Sunnyboys“. Stallone geht mit DeNiro in den Ring. Klingt auf dem Papier erst einmal, aber sind die Beiden nicht wirklich schon zu alt für so etwas? Stallone ist „The Razor“ und DeNiro „The Kid“. 30 Jahre nach ihrem letzten Kampf wollen sie es noch einmal wissen.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=1bQSOBJCPQE[/youtube]

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty – Cinemaxx, Sa., 11.11. um 17:30 – Ben Stiller spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern inszenierte und produzierte auch dieses Remake eines Danny-Kaye-Films über einen Tagträumer.

Dhoom 3 – Cinemaxx, Do. und Mo.um 20:00 – In Indien supererfolgreicher Bollywood-Fast&furios-Klon, der nun auch in die dritte Runde geht.

Dügün Dernek – Der Hochzeitsverein – Cinemax, Do.-Mi. immer 23:00 & Kristall-Palast, Do.-Sa. immer 23:30 – Türkische Komödie. Drei Freunde entdecken, dass sich der Sohn des einen heimlich trauen lassen will.

Patron Mutlu Son Istiyor – Cinemaxx, Fr.-So. und Di. um 20:00 und 23:00, Do. um 20:00 und 23:00, sowie Mi. um 22:45 – Türkische Komödie um einen Drehbuchautor, der beim Schreiben einer romantischen Komödie eine Schreibblockade erleidet und dann selber in eine Liebesgeschichte stolpert.

Diana – Cinemaxx, Mo., 13.1. um 20:30 & Gondel, Mo./Di. um 12:00 – Bio-Pic um die „Königin der Herzen“. Regie führt der Deutsche Oliver Hirschbiegel, der den tollen „Das Experiment“ und „Der Untergang“ gedreht hat. Das Resultat soll nicht besonders toll sein, aber Naomi Watts in der Titelrolle glänzen.

Only Lovers Left Alive – Schauburg, So., 12.1. um 21:00 – Jim Jarmusch erster Spielfilm nach vier Jahren spaltet die Gemüter. Scheinbar gibt es bei diesem Vampir-Drama mit der großartigen Tilda Swinton und Tom „Loki“ Hiddleston nur zwei Fraktionen: Die einen sind von ihm entsetzt, die anderen lieben ihn.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=Z7wcsUBZCGc[/youtube]

Inside Llewyn Davis -Schauburg, Mi., 15.1. um 19:45 – Die Coen-Brüder haben wieder zugeschlagen und präsentieren in ihrem neuen Film den bisher unbekannten Oscar Isaac als erfolglosen, aber nichts desto trotz fürchterlich egoistischen und arroganten Folksänger in den frühen 60ern.

Matterhorn – Wo die Liebe hinfällt – City 46, D./Sa./So. um 18:00 und Fr./Mo. um 20:30 – Niederländischer Film um einen Witwer, dessen langweiliges und geregeltes Leben auf den Kopf gestellt wird, als er den geistig zurückgeblieben Theo bei sich aufnimmt und diesen beibringt, wie man sich benimmt.

Abend der Gaukler – City 46, So., 12.01. um 20:30 – Ingmar Bergmans frühes Meisterwerk um einen heruntergekommenen Wanderzirkus. Vorgestellt von Schauspieler und Regisseur Rainer Iversen, Gründungsmitglied der Bremer Shakespeare Company

Lust – City 46, Di., 14.1. um 18:00 – Ägyptischer Spielfilm um Geschichten und Träume der Bewohner einer abgelegenen Straße in Alexandria, kurz vor Beginn der Revolution.

Handfläche des Mondes – City 46, Mi., 15.1. um 20:30 – Ägyptischer Spielfilm über eine Frau, die nach dem Tod ihres Mannes alleine für ihre fünf Kinder aufkommen muss.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 13.01. um 21:45 Uhr

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 13.01. um 19:30 Uhr

 

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DVD-Rezension: “Die Rückkehr der Wildgänse“

Die-Rueckkehr-Der-WildgaenseNach zehn Jahren immer noch nicht wirklich in der Heimat angekommen, erfahren die vier Vietnamveteranen Roger (Christopher Connelly), Richard (Oliver Tobias), Mark (Manfred Lehmann) und James (John Steiner) von ihrem ehemaligen Vorgesetzen, dass immer noch amerikanische Kriegsgefangene in Vietnam festgehalten werden. Die vier machen sich daraufhin auf, die Sache selber in die Hand zu nehmen, und die Gefangenen zu befreien. Dies läuft auch zunächst recht glatt, doch dann werden sie von der halben vietnamesischen Armee gehetzt…

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1978 verwirklichte der Schweizer Produzent Erwin C. Dietrich seinen Traum von einer internationalen, mit namenhaften Stars gespickten Großproduktion. Nachdem er in den späten 60ern und vor allem in den 70er Jahren hauptsächlich mit Sexfilmen sein Geld machte – und mit Jess Franco das Frauengefängnis-Genre zu neuem Leben erweckte – sollte „Die Wildgänse kommen“ mit Richard Burton, Roger Moore und vielen anderen Stars eine neue Ära einläuten. Daraus wurde dann – auch durch Streitigkeiten mit den Mitproduzenten – leider nichts. Doch Dietrich hatte ein neues Gerne für sich entdeckt, welches er dann Mitte der 80er Jahre kräftig molk: Den Söldnerfilm. Dieser wurde nach dem Abebben der Sexfilm-Welle zu seinem neuen Standbein. Co-produziert wurden diese Filme mit Italien und meistens führte Action-Spezi Antonio Margheriti, alias Anthony Dawson, Regie. „Die Rückkehr der Wildgänse“ (dessen italienischer Titel „Mission Cobra“ lautete) ist bereits der dritte Film in dieser kleinen Reihe. Die Regie übernahm ausnahmsweise Fabrizio De Angelis, besser bekannt als „Larry Ludman“, ein sehr erfolgreicher Produzent und eher mittelbegabter Regisseur. Aus den vorangegangenen Filmen wurde der junge Manfred Lehmann (hierzulande besser bekannt als „Bruce Willis‘ Stimme“) übernommen, der damit in allen vier Söldnerfilmen dabei war.

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Internationale „Starpower“ sollen der unvermeidliche Donald Pleasence als Priester in kurzen Hosen und Christopher Connelly als Anführer des Söldner-Kommandos bringen. Während Pleasence nur kurz auftaucht, um einige rassistische Äußerungen abzulassen und die vier Kumpels an die vietnamesische Grenze zu bringen, ist Connelly der eigentlich Hauptdarsteller, auch wenn er in den Credits nur an zweiter Stelle genannt wird. An erster Stelle steht der ehemalige Schweizer Musical-Star Oliver Tobias, der in der Rolle des „Burger“ in der Londoner Aufführung des Musicals „Hair“ bekannt wurde. In Milos Foremans Filmversion wird „Burger“ von Treat Williams gegeben, dem Tobias sehr ähnlich sieht. Tobias‘ Charakter heißt „Richard Wagner“ wird im Film aber nur „Rick“ gerufen. Trotz eines recht vielversprechenden Beginns, gelang Oliver Tobias nie der große Durchbruch als Schauspieler. Heute sieht man ihn vor allem in seichten deutschen TV-Produktionen, wie „Klinik unter Palmen“ oder den Rosemund-Pilcher-Verfilmungen. In „Die Rückkehr der Wildgänse“ darf er als Rick ordentlich Gas geben und wild in der Gegend rumballern. Auch in Situationen, in denen seine Kollegen ihn um mehr Zurückhaltung bitten.

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Neben offensichtlichen Vorbildern, wie „Die Wildgänse kommen“ und vor allen Dingen „Rambo 2: Der Auftrag“ und „Missing in Action„, bedient sich „Die Rückkehr der Wildgänse“ auch ganz ungeniert bei der damals ungeheuer populären TV-Serie „Das A-Team„. Connellys‘ Roger Carson erinnert an George Pepparts „Hannibal“, während Oliver Tobias Charakter deutlich an „Mad Murdrock“ angelehnt ist, und Manfred Lehmanns Mark scheinbar eine Prollversion von „Faceman“ abgeben soll. Connelly ist eigentlich auch schon viel zu alt für seinen Part. Gerade beim scharfen DVD-Bild erkennt man doch überdeutlich die Spuren des Alters ins einem Gesicht. Dass er in Vietnam an vorderster Front gekämpft haben soll, erscheint unwahrscheinlich. Aber das ist in der Filmwelt eines Italo-Söldner-Films natürlich irrelevant. Neben den Genannten schauen noch weitere, gern gesehene Gesichter vorbei. Allen voran natürlich der stoische John Steiner, der hier in einer Szene sogar seine Skimaske aus „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ recyceln kann. Allerdings merkt man ihm an, dass er sich nicht nur unterfordert fühlt, sondern auch keine große Lust auf den Film hatte. Ebenfalls immer wieder gern gesehen ist das Eisengesicht von Gordon Mitchell, der hier einen fiesen amerikanischen General gibt. Mitchell muss in seiner Rolle nicht viel mehr tun, als stocksteif dazustehen und böse zu gucken. Diese Aufgabe erledigt er mit Bravour und wenn Mitchell böse guckt, dann kann man es schon mal mit der Angst bekommen. Luciano Pigozzi, einst der italienische Peter Lorre, ist ebenfalls kurz zu sehen und wirkt hier mehr wie der italienische Orson Welles. Auch John Waynes Sohn Ethan hat eine kleine Rolle und sorgt für einen der bleibensten Momente des Filmes. Einmal schaut sogar Enzo G. Castellari vorbei, um den ehemaligen Vorgesetzten des Wildgänse-Teams zu spielen. Schade, dass er den Film nicht auch inszeniert hat.

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Nach einem langsamen, aber soliden Start, der sich darauf konzentriert zu zeigen, wie unerwünscht sich die Vietnam-Veteranen in ihrer Heimat fühlen, freut man sich darauf, dass die Action im Dschungel von Vietnam (bzw. den Philippinnen, die wie so oft das ehemalige Kriegsgebiet doubeln müssen) beginnt. Doch gerade hier gerät der Film zu einer zähen Angelegenheit. Regisseur De Angelis verfügt leider über kein besonders gutes Gespür für Timing. Einige Szenen werden endlos ausgewalzt, während andere viel zu schnell vorbei sind. So ist z.B. die Befreiung der amerikanischen Kriegsgefangenen kurz und unspektakulär, ihre Flucht dann aber wiederum viel zu lang und lahm. Auch hilft es nicht, wenn sich die Szenen immer wieder gleichen. Ständig werden die Helden mit Sperren des Vietcongs konfrontiert, die sie dann irgendwie in die Luft sprengen. Interessante Ansätze, wie der Schockeffekt einer schönen Vietnamesin, deren Körper über und über vernarbt ist, werden kurz abgehandelt, obwohl hier durchaus Potential für eine Charakterentwicklung der Hauptfiguren bestanden hätte. Aber daran ist De Angelis nicht interessiert, und so bleiben die Protagonisten den ganzen Film über klischeehafte Abziehbilder. Erschwerend hinzu kommt noch eine wirklich übel-rassistische Synchronisation. In dieser werden alle Asiaten als „Schlitzies“ und „Gelbärsche“ bezeichnet und nahe legt, dass ausnahmslos jeder Vietnamese ein blutrünstiges Monster sei, welches nur darauf lauert, den guten Amerikanern die Kehle durchzubeißen. Doch gerade dann, wenn man den Film unter „belanglos“ abgehakt hat, gelingt es De Angelis doch noch zu überraschen. Dem Publikum wird ein überaus deprimierendes und nihilistisches Finale präsentiert, welches noch über den Abspann hinaus nachwirkt.

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Italienisch-schweizerischer Söldnerfilm, der sich weniger an „Die Wildgänse kommen“, als vielmehr „Rambo 2“, „Missing in Action“ und sogar dem „A-Team“ orientiert. Leider zum Teil etwas zäh und uninteressant inszeniert, so dass sich, trotz gerne gesehener Gesichter, das Interesse in Grenzen hält. Zudem stößt die üble Art und Weise auf, in der alle Vietnamesen als unmenschliche Monster dargestellt und generell alle Asiaten rassistisch beschimpft werden. Erst ganz zum Schluss holt Regisseur Fabrizio de Angelis einen mächtigen und unerwarteten Magenschwinger hervor, der dem Film in den letzten Minuten dann noch zu einem nachhaltigen Eindruck verhilft.

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Der legendäre Produzent Erwin C. Dietrich gründete einst das Label Ascot Elite. Nachdem hier jahrelang vor allem aktuelle und anspruchsvolle Produktionen veröffentlicht wurden, erinnert man sich nun den Schätzen aus dem Archiv und veröffentlicht diese in ihrer „Cinema Treasures“-Reihe. So wird neben „Die Rückkehr der Wildgänse“, auch bald Margheritis „Im Wendekreis des Söldners“ erscheinen. Das Bild der DVD ist recht ordentlich, bedenkt man, dass es sich hier um eine eher preiswertere 80er-Jahre-Italo-Produktion handelt. Der Ton liegt in auf Deutsch und Englisch vor. Extras gibt es keine, aber eine ausführliche Trailer-Show mit zeitgenössischen Vorschauen auf u.a. alle vier Söldnerfilme des Hauses Dietrich.

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Das Bloggen der Anderen (06-01-14)

bartonfink_type2– Traditionell beginnt das neue Jahr in der Regel mit Rückblicken auf das vergangene. So auch in den deutschen Filmblogs. Da ich nach einigen Tagen der Abstinenz irgendwo mal anfangen muss, habe ich mich entschieden, für diese Ausgabe des „Bloggen der Anderen“ mit dem 1. Januar zu beginnen. Und da fällt einem doch gleich der große Listen-Wahnsinn auf Eskalierende Träume ins Augen, wo alle eskalierenden Träumende ihre Favoriten, Entdeckungen und Enttäuschungen umfangreich dokumentiert haben. Es gibt hier viel zu lesen und zahllose Anregungen, was man sich 2014 so zu Gemüte führen sollte.

– Ebenfalls unglaublich umfangreich und dabei höchst interessant ist davids persönlicher Jahresrückblick in 11 ½ Listen auf Whoknows presents.

– Auch Floh Lieb von symparanekronemoi hat eine Top 10 erstellt und kommentiert.

– Weiter geht es mit den „Flop Five“ von luzifus auf the-gaffer.de.

– Schön komprimiert: Alexander Matzkeit hat sich die große Mühe gemacht, sich durch die „Filmblogosphäre“ zu wühlen und dutzende „Jahresbestenlisten“ auszuwerten. Das Ergebnis findet man auf real virtuality. Das Ergebnis ist jetzt nicht so überraschend und stellt natürlich einen Konsens dar, der auch dadurch beeinflusst wird, welche Filme überhaupt im Kino gesehen wurden. Eher exotische Festivalbeiträge findet man hier also fast keine. Trotzdem ein schöner Überblick, wie die vielen, vielen Bestenlisten aggregiert aussehen.

– Apropos „Filmblogosphäre“. Wie die eigentlich aussieht hat Xander auf Filmblogosphäre mittels eine Umfrage in 19 Blogs (meiner war leider nicht dabei, da ich davon nichts mitbekommen hatte, und ich weiß auch nicht genau, wie breit das Spektrum war) versucht herauszufinden. Das Ergebnis ist recht aufschlussreich.

– Oliver Nöding setzt auf Remember It For Later seine große und sehr lesenswerte Edgar-Wallace-Retrospektive fort. Besonders angetan war er von Alfred Vohrers „Der Bucklige von Soho“. Des weiteren gehört Oliver zu den wenigen Auserwählten, die am Hofbauer-Kongress in Nürnberg teilnehmen dürfen. Für die Anderen, die nicht dazugehören, hat er aber detaillierte Berichte über die dort gezeigten Filme verfasst. Aber Vorsicht: Es könnte einem das Herz bluten, diese Zelluloid-Schätzchen nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben.

– Ebenfalls auf dem Nürnberger Hofbauer-Kongress war Lukas Foerster von Dirty Laundry. Seine Sicht der Dinge findet man ab hier.

– Da ich oben Alfred Vohrer erwähnte: Ekkehard Knörer führt auf cargo ein Sehtagebuch und hat Vohrers Simmel-Verfilmung „Und Jimmy ging zu Regenbogen“ gesehen und für gut befunden. Dort ebenfalls zu finden: Thomé und Erler.

– Viele wunderschöne Filme hat Jamal Tuschick auf Hard Sensations gesehen. Louis Malles „Atlantic City“ und die beiden Melvilles „Armee im Schatten“ und „Der Chef“. Das macht gleich unbändige Lust darauf, sich diese Filme so schnell wie möglich zu Gemüte zu früheren.

– Giallo-Zeit auf Yzordderrexxiii: Mario Bavas „Hatchet For A Honeymoon“. http://www.yzordderrexxiii.de/hatchet-for-the-honeymoon-1970/

– Michel Gondry ist für einen meiner Lieblingsfilme, „Vergiss mein nicht“ (dessen Originatitel „Eternal Sunshine on a Spotless Mind“ doch so viel Poesie in sich trägt), verantwortlich und großartige Musikvideos gedreht. Leider habe ich den Mann seit „Be kind: Rewind“ etwas aus den Augen verloren. Umso schöner Rainer Kienböck als Gastautor auf Jugend ohne Film ihn noch einmal vorstellt. Patrick Holzapfel wiederum zeigt sich vom deutschen Indie-Überflieger „Oh Boy“ enttäuscht.

– totalschaden stellt auf Splattertrash das Buch „Nazi-Chic und Nazi-Trash“ von Dr. Marcus Stiglegger vor.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen haut zur Zeit eine Review nach der anderen raus. Aus der ganzen Flut habe ich mir mal „Lust für Frankenstein“ raus gepickt. Ich finde es ja wirklich toll, dass Schlombie, trotz seiner Vorbehalte gegenüber Jess Franco nicht aufgibt, dessen Filmen zu testen. Aber ich prophezeie mal: Mit Francos billiger Videoware aus dem 21. Jahrhundert wird er nicht glücklich werden. Die sind auch für Fans z.T. hartes Brot.

– Harald Mühlbeyer hat auf Screenshot ausführlich über einige Grindhouse-Filme geschrieben, die im November und Dezember im Kino Quadrat in Mannheim liefen. Dabei streift er auch das Thema Digitalisierung und 35mm. Ein sehr interessanter und informativer Text, bei dem die Filme natürlich auch nicht zu kurz kommen.

– mathiasdeepred verteidigt auf Deepreds Kino den viel gescholtenen neuen Almodovar „Fliegende Liebende“.

kitschkultklassisch bespricht euphorisch einen japanischen Film namens „Ido“. Der klingt eigentlich recht gut, aber dann habe ich bemerkt, dass „Ido“ tatsächlich der einzige Film ist, bei dem ich nach 20 Minuten entnervt das Kino verlassen habe (2005 bei Japan Filmfest in Hamburg). Trotzdem, Neugierige können ja mal reingucken.

Stubenhockerei beschäftigt sich mit dem kontroversen japanischen Schriftsteller Yukio Mishima. Zunächst mit Kon Ichikawas „Enjo“, einer Verfilmung von Yukio Mishimas Roman „Der Tempelbrand“ und dann mit Paul Schraders Bio-Pic „Mishima: A Life in Four Chapters“.

– Pen-ek Ratanaruang hat mit „Last Life in the Universe“ einen wunderschönen, ruhigen Film gedreht. Findet auch Jeannette Armborst von Mann beißt Film.

– Einer der merkwürdigsten und geheimnisvollsten J-Horror-Filme, die ich kenne ist „Uzumaki“. Der Film mit den Spiralen. Robin Schröder von Mise en cinema hat hierzu einen schönen Text verfasst.

Okaeri weist auf eine Doku über Akira Kurosawa hin, die dessen Sohn Hisau über ihn drehte und die nun auf YouTube zu finden ist.

– Einer der letzten Filme des großen Federico Fellini war „Fellinis Schiff der Träume“, der leider bisher keine Heimkino-Auswertung in Deutschland erfahren hat. Wer trotzdem wissen möchte, was uns hier dadurch entgeht, kann Sascha Noltes Besprechung auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte lesen.

– Elisabeth Maurer setzt sich auf Negativ mit Michael Bays „kleinem“ Film „Pain & Gain“ auseinander.

– Und Going to the Movies verfasst eine kleine Liebeserklärung an Ben Stiller und seinen Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“.

Dass deutscher Genrefilm nicht immer nur durch fehlende Filmförderung sabotiert wird, sondern oftmals auch einfach schlecht ist, dafür scheint laut Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de „Bela Kiss: Prologue“ ein Beispiel zu sein.

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