Blu-ray-Rezension: „Undercover – In Too Deep“

Jeffrey Cole (Omar Epps) hat gerade die Polizei-Akademie abgeschlossen, da erfüllt sich sein großer Traum: Er wird Undercover-Cop. Als solcher kann er schon bald einige Erfolge verbuchen. Schließlich wird er auf den mächtigen Unterweltboss Dwayne Gittens (LL Cool J), der sich selbst „God“ nennt, angesetzt. Cole gelingt unter dem Decknamen „J. Reid“ in Gittens‘ Organisation Karriere zu machen, und sich das Vertrauen des Gangsters zu erschleichen. Doch damit macht er sich nicht nur Freunde und gerät bald in Lebensgefahr. Daraufhin zieht ihn sein Vorgesetzter (Stanley Tucci) zu seiner eigenen Sicherheit von dem Fall ab. Doch Cole denkt nicht daran aufzugeben…

Die Figur des Undercover-Polizisten, der irgendwann nicht mehr aus seiner Rolle herausfindet oder in Loyalitätskonflikte gerät, ist ein sehr beliebtes Thema im Gangsterfilm. Man denke nur an an den brillanten “Infernal Affairs” oder sein Hollywood-Remake “The Departed”, oder die sehr ähnliche Konstellation “City on Fire” und “Reservoir Dogs”. Auch im deutschen Fernsehen gab es 1996 einen prestigeträchtigen 5-Teiler von Dieter Wedel mit dem Namen “Der Schattenmann”, welcher eine ähnliche Geschichte erzählt, wie der drei Jahre später entstandene „In Too Deep“. Einem verdeckten Ermittler gefällt seine Rolle als Gangster so gut, dass er zunehmend Probleme hat, seine wahre Persönlichkeit von der erfundenen Gangster-Figur zu trennen.

Der Hauptvorwurf, den man „In Too Deep“ machen kann ist der, dass er aus seinem spannenden Szenario zu wenig macht. Der zunehmende Schizophrenie seiner Hauptfigur wird nicht die große Aufmerksamkeit geschenkt, wie sie wahrscheinlich ursprünglich im Drehbuch von Michael Henry Brown und Paul Aaron angelegt war. Tatsächlich konzentriert sich Regisseur Michael Rymer zunächst auf das Abenteuer und den Nervenkitzel, den er von sich sehr eingenommen Polizist Jeff Cole verspürt, wenn er langsam das Vertrauen des skrupellosen Gangsters „God“ erschleicht. Es wird zwar angedeutet, wie „geil“ es Cole findet, dass es ihm leicht fällt, das Vertrauen anderer zu erschleichen, aber dies läuft eher nebenbei mit und wird zunächst nicht zum zentralen Element des Filmes. Eher konzentriert man sich auf die Gefahr, in der Cole schwebt und seine Konflikte mit seinem Vorgesetzten.

Zudem lernt man Cole als Charakter erst richtig kennen, wenn er von dem Fall abgezogen wird, und er sich für eine Zeit abseits von der Unterwelt mit einem ganz anderen Leben arrangieren muss. Was ihm nicht besonders schwer fällt. Hier hätte man die Chance gehabt, die Figur des Cole ambivalenter zu inszenieren, indem man in der Schwebe hält, wer eigentlich der echte Cole ist: Der kleine Gangster „J. Reid“ oder Jeff, der nette Typ von nebenan? Der Film beantwortet die Frage, indem er klar macht: Cole ist der gute Dr. Jekyll, J. Reid der böse Mr. Hyde, der immer mehr die Kontrolle übernimmt. Zu einem echten Problem wird dies allerdings erst, wenn es Cole gelingt, an seinem Vorgensetzen vorbei, wieder auf „God“ angesetzt zu werden. Nun nehmen Coles psychische Probleme so plötzliche überhand, dass dies eher aufgesetzt wird. Was schade ist, denn hätte sich die Regie hier etwas mehr Zeit genommen und ein wenig mehr auf Subtilität gesetzt, wäre das Ergebnis dem Zuschauer wahrscheinlich tiefer unter die Haut gegangen.

So bekommt man statt eines erschütternden Psychodrama eben „nur“ einen spannenden Gangsterfilm. Dieser erzählt zwar nicht viel Neues – dies aber sehr routiniert und kurzweilig. Hauptdarsteller Omar Epps spielt sehr überzeugend und charismatisch den Polizisten Jeff Cole. Gewichtiges Zentrum des Filmes ist der Rapper LL Cool J,, der seinen „God“ abseits seiner üblichen „Teddy“-Darstellung, wie man sie sonst von ihm kennt, anlegt. „God“ ist eine durchaus interessante Figur, die sich väterliche Figur inszeniert, aber – wie sein selbstgewählter Spitzname es schon zeigt – unter Größenwahn leidet. Er sieht sich tatsächlich als „Gott“, den die Bewohner seines Ghettos anzubeten haben. Der Güte zeigt, aber auch unbarmherzig straft. Der als liebender Übervater gesehen werden will, aber sich auch keine Gedanken macht, wenn er vor den Augen seines völlig verängstigten kleinen Sohnes einen Verräter brutal zu Klump schlägt. Der liebevoll seinen besten Freund umarmt, und eben diesem einen Billardqueue in das Rektum stößt, wenn er glaubt, dieser habe ein Auge auf seine Frau geworfen. Damit ist „God“ ein perfektes Gegenstück zu Cole Während dieser ein guter Typ ist, der einen bösen spielt, ist „God“ ein böser Typ, der einen Guten spielt.

In kleineren Rolle sind die immer wieder gern gesehenen Stanley Tucci und Pam Grier mit dabei. Während Tucci als Coles Vorgesetzter zwar eine recht klischeebesetzte Rolle inne hat, diese aber problemlos mit viel Leben erfüllt, ist Pam Griers Talent und Charisma leider verschwendet. Sie spielt eine ältere, erfahrenere Kollegin von Cole, die nicht besonders viel von ihm und seinen Methoden hält. Was auf Gegenseitigkeit beruht und bei jedem Zusammentreffen zu Konflikten führt. Leider sind Pam Griers Auftritte eher spärlich, nicht unbedingt wichtig für die Handlung und damit auch austauschbar. Dass Pam Griers Figur auch nur einen Gemütszustand kennt, nämlich eine permanente Genervtheit, macht es nicht besser. Eine weitaus besseren Eindruck hinterlässt Hill Harper, der einen der Handlanger „God“s spielt und Cole in die Gang einführt. Harper spielt den Breezy so glaubwürdig, dass man glauben könnte, man hätte ihn direkt von der Straße gecastet – und keinen Schauspieler vor sich, der sich seine ersten Sporen bei „Eine schrecklich nette Familie“ verdient hat.

Bei der Blu-ray-Veröffentlichung von filmArt gibt es nichts zu bemängeln. Die Bildqualität ist außerordentlich gut und auch der Ton kann, ebenso wie die deutsche Synchro, überzeugen. Wobei der authentische Ghetto-Ton der Originaltonspur zu bevorzugen ist. Man sollte dann allerdings die deutschen Untertitel zuschalten. Die Extras wurden 1:1 von der alten Kinowelt-DVD übernommen und beinhalten eine 7-minütige Interviewstrecke, in der sich die Schauspieler des Films gegenseitig auf die Schulter klopfen, eine 3-minütige B-Roll, ein Musikvideo und Trailer.

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Das Bloggen der Anderen (20-04-20)

Es lohnt fast nicht „Das Bloggen der Anderen“ für die letzte Woche zu verfassen. Es war schlicht und ergreifend beinahe nichts los. Rausgesucht habe ich gerade mal eine Handvoll Reviews. Das war’s.

– Mit Tsui Hark kann Bluntwolf von Nischenkino in der Regel wenig anfangen, was vor allem an seinen späten Werken liegt. Doch das Frühwerk „Söldner kennen keine Gnade“ hat ihn förmlich weggeblasen. Von De Angelis „Giant Killer“ hatte ich ehrlich gesagt vorher noch nichts gehört. Vielleicht besser so, wenn ich Bluntwolfs Verriss lese.

– Demnächst werde ich mir mal in Ruhe „A Rainy Day in New York“ von Woody Allen vornehmen. Das hat Tonio Klein auf Die Nacht der lebenden Texte in einem sehr, sehr, sehr langen Text bereits getan.

– Einer der meiner Meinung nach besten Filme aller Zeiten: „Die Nacht des Jägers“. So sieht es auch Filmlichtung. Nur den Hinweis „Normalerweise empfehle ich über 60 Jahre alte Filme hier stets mit Einschränkungen“ lässt mich etwas schlucken.

– Noch älter als 60 Jahre ist Victor Sjöströms „Der Fuhrmann des Todes“, den Filmsucht.org vorstellt.

– Der letzte Film bei unser Bremer Filmreihe war ein super Erfolg und hat uns sehr viel Freude bereitet: „Colour Out of Space“. Funxton vergibt hier sogar 9/10 Punkte. Soweit würde ich nicht gehen, aber sonst in die gleiche Richtung. Auch Robert Eggers „Der Leuchtturm“ hat ihn schwer begeistert.

– Das finde ich wirklich toll. Bei Schlombies Filmbesprechungen finden sowohl Murnaus „Schloss Vogeloed“ als auch Mariano Laurentis „Die flotten Teens drehn‘ ein neues Ding“ seinen Platz. Die Sexklamotte (also der Laurenti-Film) kommt sogar recht gut weg. Mit dem italienischen Humor habe ich ja immer so meine Probleme gehabt, seit einiger Zeit aber ab und zu das perverse Verlangen, mich mit dem Genre mal etwas näher auseinanderzusetzen. Jetzt nach der Erinnerung sogar noch mehr. Danke, Schlombie.

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„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 37 erhältlich

Während ich an meinem Artikel für die nächste „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ sitze, ist die aktuelle Ausgabe erschienen. Diese ist die erste der „dicken“ Ausgaben mit 80 Seiten, die jetzt 4x im Jahr erscheinen. Vorher erschien die 35MM zwar 6x im Jahr, war aber auch dünner.

Das Titelthema widmet sich diesmal einer einzigen Schauspielerinnen, nämlich Barbara Stanwyck, für die sich viele meine Redaktionskollegen extrem begeistern können. Dazu gehöre ich leider nicht. Mit der Stanwyck bin ich nie so richtig warm geworden. Darum finden sich meine Beiträge zur aktuellen Ausgabe dann auch im „allgemeinen“ Teil.

Ich habe mich auf vier Seiten ausführlich mit dem frühen Kurzfilm-Werk von Roman Polanski beschäftigt, welches vor seinem Langfilm-Debüt „Das Messer im Wasser“ entstand. Außerdem war ich endlich mal wieder bei der wunderbaren Kolumne „Operation Europloitation“ dran und habe hierfür den obskuren Italo-Gruseler „Katarsis“ mit Christopher Lee ausgegraben.

Den gesamten Inhalt der #37 findet Ihr hier:

Heft #37 kann man HIER für € 6,00 zzgl. Versand beziehen.

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Das Bloggen der Anderen (06-04-20)

Nein, viel zu berichten gibt es auch diese Woche nicht. Was ich absolut nachvollziehbar finde. Auch bei mir hält sich der Elan in diesen Wochen, wo alle Tage wie einer erscheinen, eher in Grenzen. Eine halbfertige Review muss nach abgeschlossen werden, der nächste Artikel für die 35MM drückt.… da habe ich auch darüber nachgedacht, hier eine Pause einzulegen. Aber noch ist es nicht soweit und so viel zu schreiben habe ich ja eh nicht.

– Bluntwolf hat auch Nischenkino zwei Gialli (ein italienischer ein spansicher) ausgegraben, von denen selbst ich noch nie gehört habe (und ich gebe zu, beim Ersten dachte ich zunächst an einen Aprilscherz). „La polizia brancola nel buio“ von einer Dame (!) namens Helia Colombo. Und „El asesino está entre los trece“ von Veteran León Klimovsky mit Paul Naschy in einer kleinen Rolle. Danke für den Hinweis auf die „Forgotten Gialli“-Box von Vinegar Syndrome. Die hatte ich erst auf dem Zettel und dann komplett vergessen.

Filmsucht.org hat sich Robert Altmans „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ angesehen und spricht hier eine schöne Empfehlung aus: „.Auch nach fast 50 Jahren ist Der Tod kennt keine Wiederkehr viel zu seltsam, um verstaubt zu wirken“.

– Auf Schlombies Filmbesprechungen ist Kaiju-Zeit. Leider konnte weder „Godzillas Rückkehr“, noch der sympathische „King Kong Vs. Godzilla“ oder der bunte „Godzilla gegen Mechagodzilla“ vollständig Schlombies Urteil bestehen. Amüsiert hat er sich dennoch.

– Ich mag ja Rob Zombie und sowohl „Devil’s Rejects“ als auch den vielgeschmähten „Halloween II“ liebe ich sehr. Zu seinem Erstling „Haus der 1000 Leichen“ habe ich ein ambivalentes Verhältnis, vielleicht weil ich schon bei der Erstsichtung wusste, dass ich hier nicht „the real deal“, sondern eine nach langen Kämpfen freigegebene, entschärfte Fassung handelte. Im Großen und Ganzen kann ich mich da wohl Heiko von Allesglotzer anschließen.

– Ehrlich gesagt, habe ich bei André Malbergs Vorstellung von Cosmotropia de Xams „Acid Babylon“ auf Eskalierende Träume nicht ganz verstanden, was das überhaupt für ein Film ist, worum es geht und was mich wohl bei einer Sichtung erwarten würde. Interessant klang es aber schon…

– Oh ja, das ist eine dicke Lücke. Tatsächlich habe ich Blake Edwards Trinker-Drama „Days of Wine and Roses“ bis heute nicht gesehen. Das muss nachgeholt werden. Gebelingeber vergibt auf Hauptsache (Stumm)Film 10 von 10 Punkten.

– Totalschaden stellt auf Splattertrash Akira Kurosawas dritten Spielfilm „Zoku Sugata Sanshiro“ von 1945 vor.

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Das Bloggen der Anderen (30-03-20)

Vor knapp einer Woche verstarb Stuart Gordon. Ein Regisseur, der mich sehr lange begleitet hat und mit dessen unbekannteren Werken jenseits der Kultfilme wie „Re-Animator“ oder „From Beyond“ ich mich schon lange beschäftigen wollte. Die entsprechenden Scheiben liegen immer noch im Warenkorb und werden sicherlich bald mal geordert. Der Kinogänger hat einen längeren Nachruf verfasst.

– Auch beim Neon-Zombie gibt es einen kurzen Nachruf auf Stuart Gordon. Sehr interessant ist die wie ich finde sehr gute und detaillierte Zusammenfassung zur momentanen Situation der Filmindustrie, des Heimkinomarktes und Kinos in den Zeiten der Corona-Krise und was uns hier eventuell noch erwartet.

– Katrin Doerksen hat auf kino-zeit.de einmal zusammengefasst, wie die Kinos in der Krise versuchen sich über Wasser zu halten und was man als Einzelner tun kann, um „sein Kino“ zu unterstützen. Dabei wird (wie auch beim Neon Zombie) sehr prominent auf die Aktion #hilfdeinemkino hingewiesen, von der ich ja eher weniger halte, was ich selber hier begründet habe. Aber ich wiederhole auch hier gerne noch einmal: Jeder Tropfen ist natürlich ein guter Tropfen.

– Elisabeth Nagy berichtet auf out-takes von den Aktionen einzelner Verleiher, um die Krise die Kinos zu unterstützen.

– Momentan kann ich die Meinung der Kollegen bei Nischenkino nicht Teilen. Weder würde ich „The Child“ von Aldo Lado einen langweiligen Mittelteil unterstellen, noch Peter Patzaks „Der Joker“ als „weitgehend vergessenswert“ beschreiben (okay, mit der Meinung stehe ich allerdings recht einsam auf weiter Flur – aber ich mag den Film). Immerhin sind wir uns dann bei Argentos „Trauma“ wieder einig, dass der Film weitaus besser als sein Ruf ist und eine Wiederentdeckung lohnt.

– Wo wir gerade bei Argento sind: André Malberg hat sich auf Eskalierende Träume ausführlich dessen TV-Episode „Il tram“ von 1973 gewidmet.

– Interessant, aber unter den Werken Russ Meyers bei mir nicht unbedingt in den vorderen Rängen. „Blacksnake!“ ist ein ungewöhnlicher Film für einen meiner Lieblingsregisseure. Das sieht auch funxton so.

– Seit langem in meinem Herzen und vor zwei Jahren sogar auf 35mm erlebt: Jorge Graus wunderbare nihilistischer „Das Leichenhaus der lebenden Toten“. Bodo Traber hat auf critic.de eine lange Lobesrede auf den Film verfasst.

– Und zu guter Letzt stellt filmsucht.org Henri Clouzots zweiten Spielfilm „Der Rabe“ vor. Noch so eine Bildungslücke bei mir.

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Corona-Krise: Wie kann ich meinem Kino helfen?

Es ist eine sehr schlechte Zeit für Kinos. Seit fast zwei Wochen haben alle Kinos in Deutschland die Projektoren abschalten müssen. Und wie lange die Leinwände dunkel bleiben, kann kein Mensch vorhersehen. Sicher ist, dass die Politik erst am 20. April darüber beraten wird, ob die bisherigen Maßnahmen gelockert werden – und damit Kinos eventuell unter Auflagen wieder öffnen können – oder die Ausgehbeschränkungen und Kino-Schließungen noch darüber hinaus Fortbestand haben. Wenn es ganz schlecht läuft, wird die momentane Situation noch bis zum Frühherbst anhalten. Was ohne Hilfen für so manches Kino das Todesurteil bedeuten dürfte. Schon jetzt hört man – nicht nur von Kinos, sondern auch anderen Kulturbetrieben – dass die Reserven vielleicht noch bis Ende April halten. Danach wird es ernst. Sehr ernst. Wenn es richtig übel wird (und machen wir uns nichts vor, danach sieht es derzeit leider aus), sieht die Kulturlandschaft nach der Coronakrise dramatisch trister aus, als noch vor ein paar Wochen.

Wie kann man den Kinos helfen? Die bekannteste Aktion, die derzeit die Runde macht, findet man unter dem Hashtag #hilfdeinemkino. Dahinter steckt Weischer.Cinema. Ein „Familien- und inhabergeführtes Unternehmen aus Hamburg“, welches „(seit 60 Jahren) mit klassischer Werbung auf der Kinoleinwand, Below-the-Line-Maßnahmen und dem relevanten Dialog mit den Zielgruppen im Kino“ sein Geld verdient. Wie funktioniert das? Man sucht sein Kino aus, klickt auf „Play“ und schaut online Werbespots. Damit generiert Weischer.Cinema Einnahmen von seinen Werbekunden, welche er teilweise an die Kinos weitergibt.

In einer geschlossenen Facebook-Gruppe für Kinomacher tauchten Zahlen auf. Wenn ein Werbespot 1000x geklickt wurde, zahlt der Werbende 25 Euro an Weischer, die dann 12,50 an das ausgesuchte Kino weitergeben. D.h. es ist nicht damit getan, dass ihr einen Spot einmal guckt, sondern es muss schon 1000x geguckt werden. Das kriegt man hin, wenn man die Spots den ganzen tag nebenbei laufen lässt, aber der Effekt ist doch eher winzig und man sollte sich nicht der Illusion hingeben, man könnte im Alleingang sein Kino retten. Das ist nur ein winziger Tropfen auf den heißen Stein und es fragt sich, ob hier Aufwand und Nutzen in einem guten Verhältnis stehen. Grundsätzlich ist ja jede Aktion, die hilft, willkommen und daher möchte ich die Aktion hier gar nicht verteufeln. Muss jeder selber wissen, ob er da mitmacht oder nicht. Wenn man über #hilfdeinemkino geht, sollte man meiner Meinung nach aber besser den ebenfalls vorhandenen „Spenden“-Button drücken. Das dann per PayPal gespendete Geld wird (abzüglich der von PayPal erhobenen Gebühr von 2,45% und 35 Cent pro Transaktion) laut Weischer direkt an das ausgewählte Kino weitergeleitet.

Die meisten Kinos selber präferieren es allerdings, wenn man jetzt in der Zeit der Krise online Gutscheine kauft. So kommen auch in der vorstellungslosen Zeit Einnahmen ganz direkt beim Kino an, mit denen die Fixkosten vielleicht teilweise bezahlt werden können.

Das Cinema Ostertor schreibt:

„Wie generell alle kulturellen Einrichtungen, sind auch wir sehr stark von der aktuellen Situation betroffen. Mit dem Kauf eines Online-Gutscheins kannst Du uns direkt unterstützen. Dieser lässt sich natürlich ganz regulär bei uns einlösen, sobald wir wieder öffnen dürfen.

Für jede Form der Unterstützung (auch für die vielen, lieben Nachrichten, die uns erreicht haben) möchten wir uns ganz herzlich bedanken!“

Kinogutscheine gibt es hier: https://cinema-ostertor.de/online-kinogutscheine

Die Bremer Filmkunsttheater zu denen die Schauburg, die Gondel und das Atlantis gehören teilen auf ihrer Homepage mit:

„Wer uns unterstützen möchte, kann das mit Gutscheinkäufen tun. Der online-Kauf ist über unsere webseite jederzeit möglich. In der BarTabacist der Gutscheinkauf sogar noch vor Ort möglich. Unsere BarTabac hat weiterhin geöffnet. Hier gibt es neben Kinogutscheinen auch Tageszeitungen, Zeitschriften, Coffee-to-go, Getränke in Flaschen zum Mitnehmen, Postwertzeichen (Citypost), Tabakwaren und -utensilien sowie die Möglichkeit an Lotto und Toto teilzunehmen.

Als unabhängigem Kulturunternehmen trifft uns die vorübergehende Schließung unserer Kinos sowohl emotional als auch wirtschaftlich hart. Wir hoffen, dass diese Krise schnell überstanden ist und wir bald wieder öffnen können. Im Kino hat man mehr vom Film. Kinos sind Orte, die unseren Alltag verschönern und den Blick auf die Welt verändern. Sie bringen uns zum Lachen, zum Staunen oder rühren uns zu Tränen.“

Kinogutscheine gibt es hier: http://www.bremerfilmkunsttheater.de/site/kinogutschein.html

Beim City46 gibt es leider nicht die Möglichkeit online Gutscheine zu erwerben.

Anmerkung: Mir ist natürlich klar, dass nicht nur Kinos, sondern generell alle Kulturbetriebe, Künstler, Buchläden, Kneipen, kleine Veranstalter und Selbständige von der Krise betroffen sind. Da das hier ein Filmblog aus Bremen ist, habe ich mich aber erst einmal auf die unabhängige Bremer Kinos konzentriert. Wenn ihr Ideen habt, wie man den anderen Gruppen effektiv helfen kann, schreibt es gerne in die Kommentare.

Anmerkung 2: Ferner möchte ich darauf hinweisen, dass natürlich nicht nur Bremer Kinos sich über den Kauf von Online-Gutscheinen freuen. Beispielhaft sei hier das befreundete Capitol aus Herford erwähnt, die ebenfalls unter dem Motto „Alles wird Gutschein“ um Unterstützer werben.

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Das Bloggen der Anderen (23-03-20)

Ich habe nicht unbedingt erwartet, dass die deutschsprachigen Filmblogs mit Einträgen überquellen. Momentan hat sicherlich jeder andere Probleme. Daher ist diese Ausgabe auch erwartbar schmal. Ich habe selber überlegt, jetzt mal auszusetzen, aber mich dann doch dagegen entscheiden. Ihr sollt ja weiterhin etwas zu lesen haben, wenn Euch Zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Wobei ich tatsächlich überlege, „Das Bloggen der Anderen“ in den nächsten Wochen (Monaten?) etwas anders aussehen zu lassen. Mal schauen.

– Olga Galicka befasst sich auf kino-zeit.de mit dem Bild, welches die deutsche Film- und Medienlandschaft von „dem Migranten“ zeichnet.

– Seit Jahren habe ich nun schon den Vorsatz, meine alten Maigret-Romane aus der Kiste zu holen und mich näher mit Simenon zu beschäftigen. Rainer Kienböck schreibt auf Jugend ohne Film über Maigret, Simenon, Verfilmungen und Regen.

– André Malberg hat sich auf Eskalierende Träume einen frühen Ingmar-Bergmann-Film vorgenommen. „Skepp till Indialand“ von 1947.

– Ich selber habe zwei Anläufe und die große Leinwand gebraucht, um Nicolas Pesces „The Eyes of My Mother“ wirklich zu schätzen. Bei funxton ging das schneller. Und „The Ipcress File„wollte ich auch schon lange mal wieder schauen, zusammen mit den anderen Harry-Palmer-Filmen, die ich zu meiner Schande noch gar nicht kenne.

– Bluntwolf kann auf Nischenkino der 1970er Verfilmung von „Jospehine Mutzenbacher“ nichts abgewinnen. Da kenne ich nur die Hans-Billian-Version von 1976 und glaube, dabei belasse ich es dann auch. Dann lieber noch einmal den großartigen Giallo (?) „Malastrana“ gucken, der Bluntwolf ebenfalls sehr begeistert hat.

– Hmmm… „Summer of `84“ konnte Oliver Nöding auf Remember It For Later nicht so recht begeistern. Ich fand den ja nach der Sichtung im Kino überraschend gut. Wobei sich immer die Frage stellt, in wie weit die Tatsache, dass man einen Film für die eigene Kinoreihe (mit)kuratiert hat, einen da beeinflusst.

– Tolle Aktion von Robert Zion. Er stellt unter dem Eindruck der momentanen Krise sein Buch über Roger Corman in einer Softcover-Sonder-Edition zum Selbstkosten-Preis zur Verfügung.

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YouTube-Tipp: Der Filmgelehrte spricht…

Seine Fans wissen es eh schon, alle anderen seien an dieser Stelle kurz darauf hingewiesen. Der sympathische Bremer Filmgelehrte Christian Keßler, dessen Bücher ich hier schon desöfteren von ganzem Herzen empfohlen habe, hat YouTube für sich entdeckt. In bisher fünf Episoden plaudert er frei von der Leber weg, manchmal recht chaotisch, aber immer charmant über Filme und Themen, die ihm am Herzen liegen. Das macht Spaß zuzuhören, verkürzt die Zeit bis zu seiner nächsten Buchtour und entschädigt auch dafür, dass man seine Intros zu der Filmreihe „Präsentiert von Christian Keßler“ auf Sky Cinema Nostalgie ohne Abo nicht sehen kann.
Besonders gelungen fand ich die zweite Folge, in der es um Ed Wood und den unsäglichen Begriff „Trash-Film“ geht – und in der mir Christian einfach nur aus dem Herzen gesprochen hat. Diese hänge ich hier gleich mal mit rein. Die restlichen Episoden findet ihr hier.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=KKevnjbJo00&t=30s[/youtube]

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Das Bloggen der Anderen (16-03-20)

Seltsame Zeiten. Aber ich will versuchen, zumindest das wöchentlich „Bloggen der Anderen“ aufrecht zu erhalten. Obwohl ich bemerke, dass (zu Recht) die Aufmerksamkeit der Meisten auf anderen, wichtigeren Dingen ruht. Daher ist diese Ausgabe auch relativ kurz.

– Ein Großer ist von uns gegangen. Nach dem ersten kurzen Nachruf letzte Woche, nun ein ausführlicher vom Kinogänger: RIP Max von Sydow.

– Bei der Überschrift hatte ich schon schlimmste Ausnutzung der Situation für Clickbait befürchtet. Aber natürlich nicht bei critic.de. Lukas Foerster unternimmt einen Streifzug durch die Seuchenfilmgeschichte.

– 2x mein geliebter Lucio Fulci auf Nischenkino. Bluntwolf schreibt seine beiden ungewöhnlichen Gialli „Nackt über Leichen“ und „Don’t Torture a Duckling“.

– Volker Schönenberger stellt auf Die Nacht der lebenden Texte den Schnee-Western „Der Tag der Gesetzlosen“ vor, von dem ich auch anderweitig schon viel Gutes gehört habe.

– Oha, es gibt eine Regiearbeit von Sean Connery? Und dann noch ein Dokumentarfilm über schottische Werftarbeiter? Jetzt bin ich aber neugierig. Und Andrè Malberg kann diese Neugier auf Eskalierende Träume etwas stillen.

– Tom von Filmsucht.org hat sich drei griechische Filme (gute Idee, das griechische Kino ist immer für Überraschungen gut!) aus drei Jahrzehnten angesehen. „Angst“ von Kostas Manoussakis angesehen, der ihm gut gefallen hat. Einer meiner absoluten Lieblinge, nämlich der „weirde“ „Singapore Sling“ von Nikos Nikolaidis konnte ihn leider nicht überzeugen. Dafür empfiehlt er den mir bisher unbekannten „Mittwoch 04:45‘“ von Alexis Alexiou.

– Ein Tipp auch von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte: Der niederländische „Quiz“ von Dick Maas, den er für „eine der sträflichst unterbewertetsten Personen des europäischen Genrefilms“ hält.

– Ich bin bei der Serie ja nie über Teil 1 hinausgekommen, wobei 2-6 hier immerhin irgendwo rumliegen. Schlombies Filmbesprechungen hat sich „Saw“ Teil 6,7 und 8 angenommen.

– Oliver Nöding schreibt auf Remember It For Later über zwei Filme mit Douglas Trumbull-Beteiligung. „Candy“ von Christian Marquand (1967 „ohne Zweifel gut gemeint, aber auch hoffnungslos hin- und hergerissen zwischen falsch oder nur halb verstandenden Ideen der damals an Boden gewinnenden Gegenkultur sowie der männlich geprägten Macht- und Machokultur, die Hollywood immer noch dominierte“) und „Brainstorm“, bei dem Trumbull selber Regie führte und der scheinbar gar nicht mal so gut geraten ist.

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Blu-ray-Rezension: „Suicide Kings“

Die drei Freunde Avery (Henry Thomas), Max (Sean Patrick Flanery) und Brett (Jay Mohr) entführen den ehemaligen Paten Charlie Barret alias Carlo Bartolucci (Christopher Walken), der sich angeblich vor einiger Zeit aus dem kriminellen Geschäft zurückgezogen haben soll. Ihr Plan: Barret soll mit seinen alten Kontakten und seinem Geld dafür sorgen, dass Averys Schwester Elise (Laura Harris), die von zwei Gangstern (Frank Medrano, Brad Garrett) entführt wurde, wieder freigelassen wird. Als Zeichen, dass sie es ernst meinen, haben die Entführer Elises kleinen Finger abgeschnitten. Um Barret unter Druck zu setzen, hat der angehende Arzt T.K, (Jeremy Sisto) ein weiterer Freund Averys, dieselbe Operation an Barret durchgeführt, was diese naturgemäß weniger lustig findet. Trotzdem willigt er ein, den Freunden zu helfen. Mit ein paar Telefonaten bringt er die Sache ins Rollen, findet dabei aber heraus, dass einer der Freunde tiefer in der Sache steckt, als er zugeben will. Während Barrets Anwalt Marty (Cliff DeYoung) die Geldübergabe organisiert und sein Chauffeur/Bodyguard/Killer Lono (Denis Leary) auf der Such nach seinem Boss eine blutige Spur durch die Stadt zieht, beginnt Barret die freunde langsam gegeneinander auszuspielen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die 90er Jahre waren die große Zeit der Gangster-Komödie im Fahrwasser von „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“. Überall schossen sie aus dem Boden, die Filme mit den philosophischen Killern in skurrilen Situationen. Brutalität gewürzt mit schwarzem Humor. Und ob Regisseur Peter O’Fallon es jetzt im auf dieser Blu-ray enthaltenen Interview vehement bestreitet oder nicht – auch „Suicide Kings“ reiht sich in diese Welle ein. Nun ist „Suicide Kings“ zwar kein platter Tarantino-Epigone, doch der Vergleich mit den Filmen des Meisters drängt sich immer wieder auf. Was möglicherweise an dem brillanten Christopher Walken liegt, der in einigen Filmen diese Welle bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Zum Beispiel in „Pulp Fiction“ selber, in „Das Leben nach dem Tod in Denver“ oder in dem grandiosen „True Romance“ mit einem Tarantino-Drehbuch. Hier bringt er das Kunststück fertig, den gesamten Film zu beherrschen, ohne sich dafür bewegen zu müssen. Denn 90% der Spielzeit ist er an einen Stuhl gefesselt und auf Stimme und Mimik reduziert. Dass dies für Walken kein Hindernis darstellt, eine ebenso faszinierende, wie furchterregende Darstellung abzuliefern, dürfte niemanden überraschen, der schon einmal einen Film mit diesem Ausnahme-Schauspieler gesehen hat. Walken kann selbst den größten Schrott veredeln.

Von „großem Schrott“ ist „Suicide Kings“ weit, weit entfernt. Der Film ist ein mehr als solider Vertreter seines Genres. Auch wenn er etwas hinter den Erwartungen bleibt. So präsent und beeindruckend Walken hier auch aufspielt, es geht zu Lasten seiner direkten Mitspieler, die demgegenüber blass und uninteressant wirken. Was verwundert, da es sich hier nicht um irgendwelche Leichtgewichte handelt. Sean Patrick Flanery war durch seine Hauptrolle in „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“ kein Unbekannter und scheinbar auf dem Weg, auch als Erwachsener ein Star zu werden. Henry Thomas kennt man natürlich als E.T.s jungen Freund. In den 90ern strampelte er sich aber vom Kinderstar-Image frei. Jay Mohr gehörte zu Besetzung von „Saturday Night Live“ (wo er u.a. Christopher Walken imitierte) und hatte gerade in „Jerry Maguire“ mitgespielt. Jeremy Sisto konnte man auch in einigen damals populären Filmen gesehen und Johnny Galecki war zwar noch nicht der TV-Superstar aus „The Big Bang Theory“, aber durch die immens erfolgreiche Serie „Roseanne“ ein bekanntes Gesicht. Walken wurde also gleich eine ganze Truppe aufstrebender, junger Stars entgegen gesetzt. Warum funktioniert es dann nicht? Die Antwort ist recht simpel: Weil ihre Rollen so schrecklich unsympathisch gezeichnet sind, und sich zwischen den Figuren niemals eine besondere Chemie einstellt. Man hat das Gefühl jeder spielt für sich allein und nicht miteinander. Am Besten schlägt sich noch Galecki, der allerdings auch den dankbarsten Part hat. Ein pedantisches, zur Hysterie neigendes Papasöhnchen, welches ständig versucht, sich bei Walken einzuschleimen.

Vielleicht ist die Präsenz der „Bösen“ in diesem Film auch einfach zu stark und erschlägt alles andere. Denn der wie immer großartige Dennis Leary ist Walken durchaus ebenbürtig. Mit der Rolle des persönlichen Chauffeurs (und Mädchen für alle – insbesondere die dreckigen Aufgaben) Lono geht Leary einfach durch die Decke. Er gleitet durch seine Szenen mit einer fröstelnd machenden Coolness, sieht unverschämt gut aus (nicht auf die glatte Posterboy-weise wie Flanery, sondern auf die wirklich interessante Art), improvisiert in Hochgeschwindigkeit Sätze, auf die der große Quentin neidisch sein kann und wirkt dabei gleichzeitig ebenso amüsant, wie gefährlich. Eine Schlange in Mantarochen-Stiefeln. Da ist es fast klar, dass der Film jedes Mal, wenn Walken und Leary nicht im Bild sind, in ein Loch fällt, welches die anderen Darsteller nicht füllen können. Allenfalls noch Brad Garrett und Frank Medrano als tumbes und unberechenbares Entführerpaar können da mithalten. Der Rest bleibt seltsam blass und kann für seine schablonenhaften, inhaltsleeren und verzogenen Figuren kein wirkliche Sympathie hervorrufen. So bleibt einem das Schicksal seiner „Helden“ herzlich egal, was sich nicht gut auf den Gesamtfilm auswirkt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Plan der fünf Freunde absolut hirnrissig ist und von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Wer glaubt den ernsthaft, man können einen supergefährlichen Gangsterboss mit legendärem Ruf als kaltblütiger Killer einen Daumen abschneiden und am Ende trotzdem davonkommen? Selbst wenn man in Betracht zieht, dass es vielleicht noch einen Twist gibt, so funktioniert das einfach nicht.

„Suicide Kings“ ist eine grandiose Show für Walken und Leary, die den Film zu jeder Sekunde dominieren. Den Beiden zuzuschauen macht einen riesigen Spaß und sie genießen spürbar ihre toll geschrieben Rollen. Demgegenüber stehen die blassen und unsympathischen Protagonisten und die Bürde eines allzu offensichtlich dämlichen Plans, den Zuschauer den IQ unserer akademischen Freunde im einstelligen Bereich vermuten lässt. Schluckt man dies, wird man an „Suicide Kings“ durchaus seine Freude haben.

Das Mediabook von Turbine ist mal wieder sehr gelungen. Stabil und von guter Haptik ist das Cover, informativ das im Innenteil eingeklebte Booklet von Stefan Jung. Das Bild ist sehr gut, der Ton liegt in Deutsch 5.1 und Original Stereo 2.0 Surround vor, gleiches gilt für die englische Tonspur, die ein wenig klarer sein. Eine fünfte Tonspur enthält den Audiokommentar von Regisseur Peter O`Fallon und Drehbuchautor Wayne Allan Rice. Die Extras können sich wahrlich sehen lassen. Es gibt ein interessantes und launiges Interview mit Peter O`Fallon (19:03 Min.), eines mit Kameramann Christopher Baffa (30:24 Min.) und noch ein langes Gespräch zwischen Wayne Allan Rice und Peter O`Fallon, bei dem sich allerdings auch vieles aus dem O’Fallon Solo-Interview wiederholt (47:40 Min.). Auch Editor Chris Peppe kommt zu Wort (12:48 Min.). Interessant auch die alternativen Enden mit Regie-Kommentar (17:04 Min.), bei denen genau erklärt wird, warum dieses Ende angedacht und dann letztendlich doch verworfen wurde. Des weiteren gibt es noch ein kurzes „Hinter den Kulissen“ (01:32 Min.), einen Storyboard-Film-Vergleich (01:10 Min.) und ein Sound-Design-Feature (02:27 Min.). Trailer und TV-Spots runden die Bonus-Sektion ab. Insgesamt also eine absolut vorbildliche Veröffentlichung.

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