DVD-Rezension: „Gallowwalkers“

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Im wilden Westen. Auf Aman (Wesley Snipes) lastet ein Fluch. Alle Schurken, die er erschießt kommen als Dämonen zurück auf die Erde und müssen noch einmal durch einen gezielten Kopfschuss in die Hölle zurück befördert werden. Und da Aman einst in einem Akt der Rache eine ganze Banditenbande über den Haufen geschossen hat, hat er jetzt eine Menge damit zu tun, seine Opfer wieder unter die Erde zu bringen. Dafür sichert er sich die, nicht ganz freiwillige, Hilfe des jungen Revolverhelden Fabulos (Riley Smith).

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„Blade is back“ schreit es einem vom Cover der „Gallowwalkers“-DVD entgegen. Und tatsächlich hat man vom „Blade“-Darsteller Wesley Snipes schon lange nichts mehr gehört. Was daran liegt, dass ihn die US-Steuerbehörde für drei Jahre hinter Gitter geschickt hat, da er es mit den Abgaben an den Staat nicht so genau nahm. Interessanterweise ist „Gallowwalkers“ aber schon vor seinem Ausflug hinter schwedische Gardinen entstanden. 2006 begannen die Dreharbeiten, zogen sich dann lange hin und wurden durch Snipes Ärger mit der Justiz noch einmal verzögert. Warum der Film dann trotzdem 6 Jahre brauchte, um das Licht der Mattscheiben zu erblicken ist mir unbekannt. Manchem wäre es vielleicht auch lieber gewesen, er wäre in der Versenkung verschwunden. Nun ist er plötzlich zu Wesley Snipes Comeback-Film geworden. Hätte Snipes das geahnt, hätte er sich vielleicht etwas mehr angestrengt.

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Aber beginnen wir mit dem Positiven. „Gallowwalkers“ wurde in Namibia gedreht und macht einen wunderbaren Gebrauch von der Wüste. Kameramann Henner Hofmann fängt die Weite des Landes und seine ursprüngliche Schönheit wunderbar ein. Fast jedes Bild eignet sich für einen beeindruckenden Screenshot. Wie es sich für einen Western gehört, werfen sich Prota- und Antagonisten auch immer wieder in Pose, was vielleicht etwas zu viel des Guten ist, aber sehr häufig auch zu schönen Bildern führt. Auch die Musik kann – teilweise – die gute Stimmung hochhalten. Doch all dies hilft nichts, wenn man ein wirres und vor allem extrem unlogisches Drehbuch schreibt, welches ständig zwischen „Hä?“ und „Oh, Mann“ wechselt.

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Nun erwartet wahrscheinlich niemand, dass ein Film, der sich um Zombie-Banditen im Wilden Westen dreht, großartig Logik. Natürlich ist das absurd, aber Regisseur und Drehbuchautor Andrew Goth (kein Pseudonym) schafft es auch nicht eine innere Logik zu entwickeln. Ständig widerspricht sich der Film. Wenn nur der von Wesley Snipes gespielte Held Getötete zu Zombies machen kann, wo kommen dann plötzlich die zwei Handlanger des Priesters am Anfang her. Ja, wieso rennt der überhaupt in Priester-Kleidung herum und hat Handlanger? Und wenn sich die „Untoten“ ständig häuten müssen, warum sehen einige von ihnen dann noch immer so aus, wie in den zahlreichen Rückblenden, während der Anführer sein Äußeres wechselt? Der Film strotzt nur so von solchen Unerklärlichkeiten, die dem Zuschauer ständig das Gefühl geben, er hätte etwas verpasst.

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In einer recht eindrucksvollen Szene wird in einer merkwürdigen Stadt, deren Bewohner eine seltsame Haartracht tragen (überhaupt besticht der Film durch die mit Abstand hässlichsten Perücken der letzten Jahrzehnte) ein Galgen aufgebaut und ein Sheriff hält große Reden. Aber was dass alles soll und warum der Anführer der Untoten es für eine „herausragende Idee“ hält, bleibt im Dunkeln. Und so reiht sich eine inkohärente Szene an die nächste. Was schade ist, denn aus der generellen Idee hätte man mehr machen können. Ärgerlich auch Andrew Goths etwas zu große Vorliebe für „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus dem er einige Szenen klaut, wie z.B. den gesamten Anfang mit den drei Priestern, wo er teilweise sogar Dialoge aus Leones Meisterwerk übernimmt. Daran verhebt er sich dann aber gewaltig.

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Die Schauspieler sind bestenfalls Durchschnitt. Kevin Howarth spielt seinen Oberschurken zwar mit sehr viel Inbrunst, doch hat man das alles schon mal gesehen und so wirkt er dann doch eher wie eine Parodie auf bessere Schurken. Seine Handlanger bekommen nicht viel zu tun und dürfen – wie die großbusige Simona Brhlikova – pittoresk in der Ecke stehen oder mal durch das Bild huschen. Am Ende werden sie eh alle (zu) schnell Kanonenfutter für Snipes. Dieser steht zum größten Teil ebenfalls leblos in der Gegend herum oder guckt angestrengt. Seine tragische Hintergrundgeschichte weiß dabei auch nicht zu überzeugen und kommt als lupenreines Klischee daher. Riley Smith als sein zunächst unfreiwilliger Helfer, muss erst einmal gegen eine grottenhäßliche und schrecklich künstlich aussehende Perücke im Pumukel-Stil anspielen. Nach dem „Haarschnitt“ fällt er dann zumindest nicht mehr negativ auf. Und welche Rolle Tanit Phoenix spielt, außer ein willkommener Anlass zu sein, ein prall gefülltes Dekolletee zu filmen, weiß Regisseur und Drehbuchautor Andrew Goth allein.

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Während Kevin Howarth noch ein gewissen „camp“-Faktor mitbringt, nehmen alle anderen Schauspieler ihre Rollen bitter ernst – und kümmern sich gar nicht erst darum. So taugt der Film auch nicht groß als unterhaltsamer Trash. Dafür macht er nicht genug Spaß und gefällt sich zu sehr in seinen dramatischen Posen. Auch ist das Drehbuch zwar wirr, aber nicht verrückt genug, um einen vom Hocker zu reißen. Dies mag aber vielleicht auch an der nicht gerade unproblematischen Entstehungsgeschichte liegen.Und mit dem „Daywalker“ Blade hat der ähnlich klingende „Gallowwalkers“ natürlich rein gar nichts zu tun. Es tauchen ja nicht einmal Vampire auf. Auch wenn sich die Untoten scheinbar über die Lebenden hermachen.

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„Gallowwalkers“ ist ein wunderschön photographierter, letztendlich aber reichlich inhaltsleerer Flickenteppich aus sich widersprechenden Ideen, durch den sich in der Hauptrolle ein lustlos aufspielender Wesley Snipes schleppt. Die Geschichte hätte weitaus mehr Potential für ein amüsantes Western-Horror-Crossover gehabt, scheitert allerdings am wirren, zum Teil sinnlosen Drehbuch, sowie dem eigenen Pathos.

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Die Ascot Elite DVD hat ein gutes, wenn nicht perfektes Bild. Gerade in den vielen blauen Flächen kommt es immer wieder zu leichtem Rauschen und auch ist das schwarz eher ein sehr tiefes grau. Als Extras bekommt man einige Interviews geliefert, die noch während der Dreharbeiten aufgenommen wurden und die Darsteller dementsprechend gut gelaunt und motiviert zeigen. Ob das 6 Jahre später bei der Veröffentlichung des Filmes immer noch der Fall wäre, darüber kann nur spekuliert werden.

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Originalfassungen in Bremen: 22.08.13 – 28.08.13

Die neue Woche ist nicht gerade aufregend, aber immerhin kann man in der Schauburg den neuen Film von Sofia Coppola im Original schauen. Und das ist doch schon mal etwas.

Pain & Gain – Cinemaxx, Do., Sa. und Di. immer um 19:45 – Michael Bays „kleiner“ Film. Nach seinen millionenschweren Mega-Blockbustern wollte es Herr Bay mal etwas ruhiger angehen lassen und lässt Mark Wahlberg und Dwayne „The Rock“ Johnson zwei tollpatschige Bodybuilder spielen, die einen reichen Geschäftsmann entführen. Die Komödie soll auf einer wahren Begebenheit beruhen.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=HvMsuONpTLo[/youtube]

Elysium – Cinemaxx, Fr.+So. um 19:45 – Der neue SF-Film von Neill Blomkamp (District 9). Matt Damon spielt darin den Arbeiter Max, der im Jahre 2154 gegen die luxuriöse Raumstation Elysium rebelliert, in der sich die Reichen auf Kosten der Arbeiter ein schönes Leben machen. Seine Gegenspielerin spielt Jodie Foster.

The Bling Ring – Schauburg, So., 25.8. um 21:30 – Sofia Coppolas letzter Film „Somewhere“ war mein Favorit des Jahres 2011. Meine Frau fand ihn fürchterlich langweilig. Jetzt bin ich auf Frau Coppolas neustes Werk gespannt, welches scheinbar altbekannte Themen aus „Marie Antoinette“ und „Somewhere“ variiert. Das leere Leben der Reichen und Schönen am Beispiel einer Bande verwöhnter Beverly-Hills-Gören, die zum Spaß Einbrüche und Diebstähle begehen.

[youtube width=“630″ height=“330″]http://www.youtube.com/watch?v=r4c6hmrwba0[/youtube]

Frances Ha – Schauburg, Mi., 28.8. um 19:30 – Ich zitiere mal Christian von DVDuell aus den Kommetnaren: “Der ist wirklich ganz und gar hinreißend. Greta Gerwig gibt den liebenswürdigsten Trampel des Filmjahres. Des Sommers kann ich nicht sagen, denn ich habe den Film im Winter während der Berlinale gesehen.”

Mr. Morgan’s Last Love – Gondel, So. um 21:00 und Mo. um 14:30 – Eine Liebesgeschichte, die Sandra Nettelbeck mit dem großen Michael Caine gedreht hat. Er spielt einen Amerikaner in Paris, der seit sich seit dem Tod seiner Frau von der Welt zurückgezogen hat. Die Begegnung mit der jungen Pauline (Clémence Poésy) reißt ihn aus seiner Lethargie.

[youtube width=“630″ height=“330″]http://www.youtube.com/watch?v=ijbwAjuOH7w[/youtube]

Der große Diktator – City 46, Do.+So. um 20:30 – Ein letztes Mal spielte Chaplin in diesem Film eine seinem Tramp nahestehende Figur. Einen armen jüdischen Barbier. Und gleichzeitig auch eine geniale Hitler-Parodie namens Hynkel. Der Film läuft nun noch einmal im Rahmen des Chaplin-Festivals, über das ich hier bereits berichtet habe.

Moderne Zeiten – City 46, Mo., Di., und Mi. um 20:30 – O-Fassung kann man hier kaum sagen, da es sich hier um einen SEHR späten Stummfilm handelt. Da der Tonfilm 1936 allerdings schon sieben Jahre alt war, machte Chaplin in einem seiner berühmtesten Filme, Zugeständnisse und lässt einige wenige Charaktere reden. Der Tramp selber allerdings blieb stumm – bis auf ein herrliches Nonsenses-Lied, welches er hier zum Besten gibt.

Französische Sneak Preview – Atlantis und Gondel, beide Mi., 28.08. um 21:00

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 27.08. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 27.08. um 21:45

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DVD-Rezension: „The Berlin File“

berlinfile Der unerkannt in Berlin untergetauchte nordkoreanischen Agenten Jong-Seong Pyo (Jung-woo Ha) hat plötzlich eine Menge Probleme. Nicht nur ist ihm der südkoreanische Geheimdienst, in der Gestalt des Agent Jeong Jin-soo (Suk-kyu Han), auf den Fersen, angeblich plant seine schwangere Frau (Gianna Jun) nach Südkorea überzulaufen und ein skrupelloses Mitglied (Seung-beom Ryu) aus dem nordkoreanischen Staatsdienst taucht in der deutschen Hauptstadt auf und scheint es auf ihn abgesehen zu haben. Bald schon kann Jong-Seong niemanden mehr trauen…

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Das Konzept einen Spionage-Thriller über Agenten eines geteilten Heimatlandes in der ehemals geteilten Stadt Berlin spielen zu lassen, ist recht schlüssig. Es ist auch immer wieder interessant zu sehen, wie Deutschland – oder zumindest deutsche Örtlichkeiten – durch die Augen ausländischer Filmemacher wahrgenommen werden. Das Berlin in „The Berlin File“ wirkt recht exotisch. Die pittoresken, von alten Fassaden gesäumten Straßen sind menschenleer. Wenn Luftaufnahmen eingespielt werden, macht Berlin eine beinahe futuristischen Eindruck. Anders in den Innenräumen. Diese wirken, wie aus einem Spionage-Film der 60er Jahre. Eng, dunkel, trostlos. Immer mit einem Hauch von Verfall und Klaustrophobie. Und wie in den 60ern, ist Berlin noch immer ein Tummelplatz der Agenten. Egal ob nord- und südkoreanischer Geheimdienst, CIA oder Mossad. Alle gehen hier ihren dreckigen Jobs nach, intrigieren gegeneinander oder stecken sich klammheimlich Informationen zu. Als sei die Zeit stehengeblieben.

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Regisseur Ryoo Seung-wan macht es einem nicht leicht. Gleich zu Beginn stürzt er den Zuschauer ohne weitere Erklärungen in eine Geheimdienstaktion, an welcher eine Vielzahl von Parteien beteiligt sind. Wer zu wem gehört, wer welche Agenda verfolgt und wer die handelnden Personen eigentlich sind, bleibt unklar. Weshalb man dem Ganzen auch recht leidenschaftslos folgt, und die nachfolgende Actionszene ganz ohne emotionale Bindung auskommen muss. Leider hat sich Ryoo Seung-wan dazu entschlossen, dieses Konzept durch den größten Teil des Filmes zu ziehen. Dies bringt einerseits eine etwas überkomplizierte Erzählweise mit sich, andererseits fehlt auch eine Identifikationsfigur. Der nominelle Held Jong-Seong Pyo hat keine Hintergrundgeschichte, seine Aktionen sind nicht immer nachvollziehbar, und generell haben die handelnden Personen dem Zuschauer gegenüber oftmals einen großen Wissensvorsprung. Somit fällt das Mitfiebern mit einer der Figuren aus.

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Ob Jong-Seong Pyo nun zu den Guten oder den Bösen gehört, bleibt ebenso unklar, wie die Frage, wer überhaupt die Guten und die Bösen sind. Obwohl dieses Herangehensweise sehr interessant ist, arbeitet sie doch gegen die Inszenierung dieses Films, der als lupenreiner Action-Thriller daherkommt. Um ein Konzept der diffusen Motivationen und Zugehörigkeiten zu tragen, müsste der Film komplexer und vor allem der Hauptcharakter mysteriöser gestaltet sein. Mysteriös ist Jong-Seong Pyo aber nicht. Eher hat man das Gefühl, dass diese Figur nicht wirklich ausgefüllt ist. Etwas mehr Zuwendung seitens der Drehbuchautoren bekommt der südkoreanische Agent Jeong Jin-soo, der – immerhin handelt es sich hier um eine südkoreanische Produktion – scheinbar für die Guten stehen soll. Leider ist Jeong Jin-soo derartig unsympathisch und verhält sich so verbohrt und dumm, dass man zwangsläufig seinem Widerpart die Daumen drückt. Aber nicht, weil man eine gewisse Empathie für ihn entwickelt hat, sondern ausschließlich, weil da niemand anderer ist, dem man seine Sympathie entgegen bringen könnte.

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Gianna Jun als Ehefrau ist leider auch tendenziell verschwendet. Zwar macht sie ihre Sache sehr gut und man hat in der Tat Zweifel, auf wessen Seite sie steht. Aber aus diesem interessanten Charakter hätte man letzten Endes doch noch mehr herausholen können. So wirkt sie nicht wie eine eigenständig handelnde Person, sondern eher wie schmückendes Beiwerk und Motor für Jong-Seong Pyos Handlungen. Scheinbar liegt die Sympathie des Regisseurs ganz auf dem wirklich bösartigen Schurken, den er dann auch gleich mit seinem Bruder Seung-beom Ryu besetzt hat. Und dieser nimmt die dankbare, wenn auch recht stereotype, Rolle gleich fest in beide Hände. Mit sichtlichem Vergnügen gibt er den intriganten, mörderischen Bösewicht und verleiht diesem psychopathische Züge. Auch sonst scheut sich Regisseur Ryoo Seung-wan nicht, seine „exotischen“ Figuren mit groben Pinsel zu zeichnen. Sei es der muslimische Gangster, dem der irrsinnige Fanatismus förmlich aus den Augen springt, oder der feiste – und natürlich korrupte – deutsche Politiker.

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Die Actionszenen inszeniert Ryoo Seung-wan allerdings mit sicherer Hand. Zwar stand – wie so oft – die Bourne-Trilogie hier Pate, aber eine ganze Zeit lang schafft Ryoo Seung-wan es, einen dynamischen Realismus zu erzeugen. Bis er dann in der zweiten Hälfte des Filmes dann doch der Versuchung erlegt, immer noch einen drauf setzen zu müssen und der Computer kräftig nachhilft. Was besonders im explosiven Finale unangenehm aufstößt, wenn die Flammen doch stark nach Computerspiel und nicht unbedingt wie echtes Feuer aussehen. Aber wenn Ryoo Seung-wan nüchtern zur Sache geht und nicht gerade das Spektakel sucht, gelingen ihm mitreißende Szenen.

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„The Berlin File“ ist ein interessanter und durchaus spannender Film, dem leider häufig seine überkomplizierte Erzählweise und das Fehlen einer echten Identifikationsfigur im Wege steht. Die Actionszenen und die Kameraarbeit können überzeugen, doch der Spagat zwischen einem ernsthaften, ambivalenten Spionage-Thriller und spektakulärem, unterhaltsamen Actionfilm will nicht immer so recht gelingen.

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Die DVD von Splendid ist in Bild und Ton wieder einmal ohne jeden Makel. Gerade der Ton weißt eine hohe Dynamik und gute Abmischung auf. Auf Extras muss man allerdings verzichten, was Schade ist. Gerade hier hätte man doch gerne ein paar Worte der Macher über die Hintergründe und ihre Motivation gehört.

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Das Bloggen der Anderen (19-08-13)

barton_klein– Im Verlag Bertz & Fischer ist das von Michael Flintrop und Marcus Stiglegger herausgegebene Buch “Dario Argento: Anatomie der Angst” erschienen, wofür Mitautor Oliver Nöding auf Remember it for later völlig zu recht etwas Werbung macht.

– Zum Geburtstag des großen Meisters Alfred Hitchcock, hat Martin Beck auf Reihe Sieben einige Dokus und Zusammenschnitte aufgetan.

– Und Rainer Knepperges hat auf new filmkritik in einer sehr hübschen Bildergalerie einige Charaktere aus Hitchcocks Filmen die Frage stellen lassen: „Mr. Hitchcock, was haben sie da gemacht?“.

– Vor einiger Zeit schaute mein liebe Ehefrau auf ihrem Laptop einen Film (völlig legal übrigens, war ein Stream von TVP). Sie war recht angetan und fand ihn nicht nur gut gemacht, sondern auch interessant. Auf meine Nachfrage, welcher das denn gewesen sei, sagte sie „Mondo Cane“. Da fiel mir erst einmal die Kinnlade runter. Aber tatsächlich hat ja der erste Mondo-Film, nicht viel mit den ekligen Exzessen der 70er und 80er Jahre zu tun. In diesem Zusammenhang empfehle ich ausdrücklich den Artikel über „Mondo Cane“, den Udo Rotenberg auf L’amore in città geschrieben hat. Und zudem den extrem zynischen Spielfilm „Das wilde Auge“ in dem Mit-Regisseur Paolo Cavara mit Gualtiero Jacopetti abrechnet.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film einen sehr schönen und wütenden Text mit der Überschrift „Kino ist eine Insel“ geschrieben. Darin fragt er: „Wie kann es beispielsweise sein, dass es in vielen deutschen Großstädten keine Möglichkeiten gibt Filme im Originalton zu sehen, wie kann es sein, dass international anerkannte Filmemacher oft gar keinen oder einen unheimlich verspäteten Kinostart bekommen, wie kann es sein, dass sich diese riesige Diskrepanz auftut zwischen Festivalmarkt und Kinomarkt, wie kann es sein, dass Autorenfilm kritisiert wird, wie kann es sein, dass Kinoliteratur im Internet und Zeitschriften den großen Filmen hinterherrennt statt auf die kleinen aufmerksam zu machen, wie kann es sein, dass es weit mehr Fotos von jungen, schönen Regisseuren und stylishen Kameramännern auf Facebook gibt, als Filme, wie kann es sein, dass man nach 120 Jahren Filmgeschichte noch immer Inhalten und Themen hinterherrennt statt Film endlich ernsthafter zu behandeln?“

– In der 12. Filmbesprechung in ihrer Reihe “Forced Entry – Vergewaltigung im Film”, wenden sich Silvia Szymanski und Maria Wildeisen auf Hard Sensations einem Klassiker des „Golden Age of Porn“ zu: „The Defiance of Good“. ebenfalls auf Hard Sensations: Jamal Tuschick schreibt es zwar nicht direkt, aber man wird das Gefühl nicht los, dass ihm der theaterhafte „Gold“ von Thomas Arslan nicht wirklichg efallen hat.

– Was? Ich habe gar nicht mitbekommen, dass der wunderbare Michel Gondry einen neuen Film gedreht hat. cutrin von Filmosophie hat „Der Schaum der Tage“ bereits gesehen und findet ihn fast schon zu perfekt.

– Ich wusste gar nicht, dass Keanu Reeves a) Fan von Martial-Arts-Filmen aus Hongkong und b) seit Neustem auch Regisseur ist. Noch überraschter bin ich allerdings, wie ich auf Schneeland nachlesen konnte, dass er einen Martial-Arts-Film namens „Man of Tai Chi“ drehte. Die Hauptrolle spielt sein Stuntman und Lehrer aus „Matrix“, Tiger Hu Chen, und das Ganze soll laut Michael Schleeh gar nicht mal so schlecht sein.

– Darüber ärgere ich mich auch sehr. Die Action-Sequenzen moderner Actionfilme werden immer standardisierter und austauschbarer. Wackelkamera und Schnitt-Chaos. Das hat allerdings nicht immer ästhetische, sondern oftmals handfest kostensparende Gründe, wie der Drama Blog erklärt.

– Locarno, Locarno, Locarno. Vom großen und wichtigen Festival in der Schweiz berichten Lukas Foerster auf cargo und Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog. Michael Sennhauser hat u.a. den neuen Film des brillanten Kiyoshi Kurosawa, „Real“, und den „Amer“-Nachfolger „L’étrange couleur des larmes de ton corps“ von Hélène Cattet und Bruno Forzani gesehen. Während beide Bogger ersteren mögen, Lukas Foerster sogar sehr, sind ihre Reaktionen auf letzteren doch eher unterkühlt.

– Einen weiteren, zusammenfassenden Locarno-Bericht hat auch Hannes Brühwiler auf critic.de veröffentlicht.

– Weiter geht es mit der Jacques-Tourneur-Retrospektive auf Textures in light. Diesmal ist „Die Piratenkönigin“ dran. Und auch Annika ist auf Die Filme, die ich rief, bei Tourneur angekommen und berichtet von ihren Erlebnissen mit den „Katzenmenschen„.

– Darauf erst einmal eine ordentliche Ladung mit feinstem Trash. Heiko Hartmann nimmt sich auf Allesglotzer den unglaublich schmuddeligen „Patrick lebt“ von Mario Landi vor, und Xander hat auf Xanders Blog „Space Invaders“ entdeckt. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie wir den damals aus der Videothek geholt haben und auch nicht wussten, dass der Originaltitel „Killer Klowns From outer Space“ ist. Wir hatten uns damals auf jeden Fall köstlich amüsiert und soweit ich mich erinnere (und so schreibt es auch Xander), war der Film relativ ernsthaft gehalten, nur die Prämisse ist natürlich herrlich absurd. Ich glaube, ich guck mir den irgendwann mal wieder an. Ich müsste noch eine „Sicherheitskopie“ auf einem mittlerweile 25 Jahre altem VHS-Tape haben.

– Was für ein blöder Zufall. Da bereite ich gerade ein Interview mit Ralph von OFDb filmworks vor, da sehe ich, dass mir Sebastian vom Review Corner zuvor gekommen ist und sich auf seinem Blog mit dem Gründer der (im übrigen Bremer, siehe auch hier) OFDb, Sascha Imme, unterhält.

Stubenhockerei bespricht gleich mehrere sehr schöne Filme, die allesamt zu meinen Lieblingen gehören. Da wäre einmal der unglaubliche, seiner Zeit weit vorauseilende „Jingu“ von 1960, dessen legendäre Höllensequenzen noch heute ausgesprochen beeindruckend sind (gibt es für wenig Geld als DVD von Rapid Eye Movies). Dann „Drowning By Numbers“ alias „Verschwörung der Frauen“ des von mir sehr verehrten Herrn Greenaway. Und schließlich ein Film, der locker in meine imaginären Top10 aller Zeiten gehören würde, wenn ich eine solche Liste aufstellen würde: „Possession“ von Zulawski.

DVDuell hat die von 17 auf 55 Minuten erweiterte Doku “Staircases to Nowhere: Making Stanley Kubrick’s The Shining” verlinkt.

Für seinen 100. Blogeintrag auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte, hat sich Sascha Nolte etwas ganz besonderes ausgesucht. Ein wirklich „seltsamer“ Film, der dermaßen „drüber“ ist, dass man es kaum in Worte fassen kann. Die Rede ist von „Mad Foxes“, einem Film aus der Erich-C.-Dietrich-Schmiede, der selbst Dietrich zu durchgeknallt und verrückt war. Aber lassen wir mal zu seinem Jubiläum Sascha zu Wort kommen.

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20. Internationales Filmfest Oldenburg: Erste Filmtitel bekannt gegeben

Die 20. Ausgabe des Internationalen Filmfests Oldenburg (11.-15.September) wirft seinen Schatten voraus. Gerade eben wurde die ersten Filme bekannt gegeben. Scheinbar herrscht mittlerweile wieder Frieden und Harmonie zwischen den zerstrittenen Parteien, die insbesondere im letzten Jahr für einiges Getöse im Vor- und Nachfeld sorgten. Die Drohung, das Filmfest eventuell nach Bremen zu bringen, ist wohl auch ein für allemal aus der Welt. Zumindest verwundert es (wenn auch positiv), dass nach dem großen Streit, der auch vor Gericht endete, es diesmal sehr, sehr ruhig war. Nirgendwo wurden noch etwaige Streitigkeiten erwähnt oder auf der einen oder anderen Seite Unmut geäußert. Gut so, denn so kann man sich in Ruhe auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: Die Filme, die auf diesem sympathischen Filmfest gezeigt werden.

Die Ersten sind, wie gesagt, gerade verkündet worden. Einen Kracher habe ich leider noch nicht ausmachen können, aber das kann ja auch täuschen.

Ich übernehme mal die Beschreibung der aktuellen Pressemeldung und ergänze diese um eigene Gedanken, die mir spontan Weiterlesen

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Originalfassungen in Bremen: 15.08.13 – 21.08.13

Das Cinemaxx schwächelt etwas mit nur zwei Filmen in O-Fassung. Darunter ist allerdings „Elysium“, auf den sicherlich der eine oder andere gewartet hat. Ansonsten viele alte Bekannte und nach langer Zeit mal wieder ein Bollywood-Film.

Elysium – Cinemaxx, Do., Sa.-Mo., Mi. immer um 19:45 – Der neue SF-Film von Neill Blomkamp (District 9). Matt Damon spielt darin den Arbeiter Max, der im Jahre 2154 gegen die luxuriöse Raumstation Elysium rebelliert, in der sich die Reichen auf Kosten der Arbeiter ein schönes Leben machen. Seine Gegenspielerin spielt Jodie Foster.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=oIBtePb-dGY[/youtube]

Das ist das Ende – Cinemaxx, Fr. um 20:00 und Di. um 19:45 – US-Komödie von und mit Seth Rogen, in der er sich selbst spielt. Zusammen mit anderen Prominenten (die sich alle selber spielen) besucht er eine Party im Haus von Schauspieler James Franco (auch er selbst) – Während draußen die Welt untergeht.

Trance – Gefährliche Erinnerung – Schauburg, So., 18.8. um 21:15 – Der neue Film von Danny Boyle. Wieder sehr stylisch und der Trailer macht einen rasanten Eindruck. die Hauptdarsteller James McAvory und Vincent Cassel sind an guten Tagen auch tolle Schauspieler, Rosario Dawson leckeres Eye Candy. allerdings habe ich den Trailer nicht verstanden. Worum soll es da gehen? zu Danny Boyle habe ich auch ein gespaltenes Verhältnis.Manche Filme von ihm sind wirklich gelungen (insbesondere der großartige “Trainspotting“), andere finde mag ich gar nicht (wie der meiner Meinung nach völlig überwertete “Slumdog Millionaire“). Mal gucken, was “Trance” zu bieten hat.

Frances Ha – Schauburg, Mi., 21.8. um 19:30 – Ich zitiere mal Christian von DVDuell aus den Kommetnaren: „Der ist wirklich ganz und gar hinreißend. Greta Gerwig gibt den liebenswürdigsten Trampel des Filmjahres. Des Sommers kann ich nicht sagen, denn ich habe den Film im Winter während der Berlinale gesehen.“

Camille – Verliebt nochmal – Gondel, Mo. 19.8. um 16:45 – Französische Tragikomödie. Eine Zeitreisegeschichte um eine unglückliche Schauspielerin Anfang 40, die nach einer Nacht, in der sie sich ihren Kummer wegtrinken wollte, plötzlich als 15jährige im Jahr 1985 aufwacht.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=OL8a2b4–RE[/youtube]

The Company You Keep – Die Akte Grant – Gondel, So. 18.8. um 21:00 – Robert Redford hat wieder einen Politthriller gedreht und dabei gleich selber die Hauptrolle übernommen. Er spielt einen Anwalt, der einst zu einer militanten linken Gruppe gehört und nun seit 30 Jahren unter falschem Namen lebt. Als seine ehemalige Kameradin (Susan Sarandon) festgenommen wird und ein nerviger Reporter (Shia LaBoeuf) hinter die Story kommt, muss er durch die USA flüchten, um seinen Namen reinzuwaschen.

Englisch für Anfänger – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – Erfolgreiche Bollywood-Komödie um eine indische Hausfrau, die in New York einen Sprachkurs besucht.

Renoir – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – Französisches Bio-Pic um den alternde Maler Pierre-Auguste Renoir , seinem Sohn Jean (dem berühmten Regisseur) und dem Modell Andrée, welches beiden den Kopf verdreht.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 19.08. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 19.08. um 21:45

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DVD-Rezension: “Das grüne Zimmer“

grünezimmerJulien Davenne (François Truffaut) arbeitet als Schreiber von Nachrufen für eine kleine kleine, lokale Zeitung, die kurz vor dem Ruin steht. Er diente im 1. Weltkrieg und während viele seiner Kameraden starben, trug er nicht einmal eine Verletzung davon. Seine von ihm über alles geliebte junge Frau starb kurz nach seiner Rückkehr aus dem Krieg. Ihr zu Ehren hat er in seinem Haus das grüne Zimmer eingerichtet, welches als Schrein zu ihrem Andenken nutzt. Bei einer Auktion lernt Julien Davenne die junge Cecile Mandel (Nathalie Baye) kennen und fühlt sich zu ihr hingezogen. Insbesondere, da sie selber eine tiefe Verbindung zu den Toten ihn ihrem Leben hegt. Als das grüne Zimmer eines Nachts ausbrennt, reift in Julien ein neuer Gedanke. Er will einen Ort errichten, in dem er die Erinnerungen an all seine Toten aufrecht erhalten will…
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1978 produzierte Francois Truffaut mit „Das grüne Zimmer“ seinen größten Flop. Die Kritiker waren zwar begeistert, aber die Zuschauer blieben dem Film fern. Für Truffaut ein gewaltiger Schlag. Zwar hatte er mit „Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“ bereits schon einmal einen schmerzhaften Misserfolg einstecken müssen, doch „Das grüne Zimmer“ war für ihn ein noch persönlicherer Film, der tiefe Einsichten in Truffauts damalige Gemütsverfassung zuließ. Viele von Truffauts Weggefährten waren gestorben und Truffaut selber nicht bereit wirklich, Abschied von ihnen zu nehmen. Schon Anfang des Jahrzehnts wurde ihm die Geschichte „The Alter of the Dead“ von Henry James ans Herz gelegt. Truffaut erkannte sich in dem Text selber und wollte das Buch umgehend verfilmen. Doch zunächst war er in andere Projekte eingebunden. Als 1977 zwei wichtige Personen in seinem Leben starben, Henri Langlois und Roberto Rossellini, nahm er die Arbeit an „Das grüne Zimmer“ wieder auf. Zunächst wollte er Charles Denner die Hauptrolle spielen lassen, doch als dieser aufgrund von Terminproblemen absagen musste, übernahm er kurzerhand selber die Hauptrolle. Durch Truffauts Identifikation mit der Hauptfigur, eine offensichtliche Wahl.

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„Das grüne Zimmer“ ist ein sehr leiser Film. Er spielt zwischen den Weltkriegen und man spürt überall eine gewissen Enge und Mief, der noch aus dem Biedermeier-Zeitalter herüber weht. Julien Davennes Welt beschränkt sich ganz auf sein Haus und das titelgebende grüne Zimmer, in dem er die Erinnerung an seine verstorbene Frau weiterleben lässt. Wenn er einmal seine sichere Umgebung verlässt, wirkt er wie ein Fremdkörper. Er gehört schon lange nicht mehr in die Welt der Lebenden, sondern ist bereits ein Teil der Totenwelt geworden. In der Redaktion der lokalen Zeitung, für die er arbeitet, gilt er als Sonderling und wird von den Kollegen gemieden. Und natürlich ist seine Spezialität das Verfassen von Nachrufen.

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Es wird im Vorspann angedeutet und später in einem Dialog kurz thematisiert, dass Davenne seit seinem Erlebnissen im ersten Weltkrieg – als er viele seiner Kameraden sterben sah, aber selber völlig ungeschoren davon kam – ein schlechtes Gewissen hat, dass er noch immer da ist. Mit dem Tod seiner Frau brach seine Todessehnsucht und -besessenheit vollkommen ihre Bahn. Kurz glaubt man, die junge Cecilia Mandel könne ihn aus dieser Benommenheit reißen, doch es eher andersherum. Während sie ihre Trauer zunächst kanalisieren kann und durchaus bereit ist, etwas Neues zu beginnen, zieht Davenne sie immer wieder zurück in die Welt des Todes und Bewahrens.

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Wie sehr sich Truffaut mit Julien Davenne identifizierte, erkennt man an den Bildern, die der Regisseur Truffaut in Davennes Gedächtnis-Kapelle aufhängen ließ. Dort sind all die Menschen abgebildet, die Truffaut etwas bedeuteten oder eine wichtige Rolle in seinem Leben spielten. Diese sind zwar nicht alle tot (auf einem Foto erkennt man Oscar Werner, der erst sechs Jahre nach diesem Film starb), aber – wie im Falle von Werner – war die alte Freundschaft zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben. Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, ob nicht vielleicht auch irgendwo ein Portrait von Jean-Luc Godard in der Kapelle versteckt war. Die Kapelle, der „Altar der Toten“, wie auch die zugrundeliegende Geschichte hieß, ist nicht einfach nur ein Ort, sondern auch der innere Zustand Juliens. Hier hat er seine Erinnerungen und die Menschen, die ihm etwas bedeutet haben, eingefangen, hier ehrt er sie, aber lässt sie auch nicht gehen. Dieses, sein Innerstes, darf nur seine Vertraute Cecile betreten. Doch nicht um ihr seine Liebe – sofern er zu diesem Gefühl zu einem lebenden, und damit unzuverlässigen, Menschen überhaupt noch fähig ist -, sondern um auch sie zu einem Teil seiner Vergangenheit, seiner Toten zu machen.

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Den die Toten lassen sich kontrollieren. Julien lässt nur die guten Erinnerungen zu und kann so eine glorifizierte Vergangenheit konstruiert, die so vielleicht nie stattgefunden hat. Die Vergangenheit ist berechenbar. Keiner seiner Toten kann ihn enttäuschen oder verletzten. Als er herausfindet, das Cecile eine Affäre mit seinem ehemaligen Freund und späteren größten Feind, Paul Massigny, hatte, bricht für ihn eine Welt zusammen. Von Cecile mit dem Vorwurf konfrontiert, in seiner Kapelle sollte es Platz für alle Menschen seines Lebens geben, weißt er dies empört zurück. Die negativen Erinnerungen würden seine heile Welt des grünen Zimmers, bzw. des „Altars der Toten“ zerstören. So aber kann er den Anschein unendlicher Liebe und Freundschaft aufrecht erhalten.

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Der Film ist ein diffuses Licht getaucht, die Farben verwaschen und entsättigt. Aus Juliens Leben ist bereits aller Glanz verflogen und man spürt förmlich den Staub, der sich über alle Dinge gelegt hat. Truffaut erinnert in seiner Darstellung erstaunlich an sein „Ziehsohn“ und Interpreten seines Alter Egos Antoine Doinel, Jean-Pierre Léaud. Die merkwürdige, scheinbar gekünstelte Sprechweise, aber auch die etwas ungelenke Physis. Tatsächlich entdeckt man heute beim gealterten Léaud eine gewisse Ähnlichkeit zu Truffaut. Truffaut selber sagte über seine Beweggründe die Rolle des Julien selber zu übernehmen: „it seemed to me that if I played Julien Davenne myself, it would be like writing a letter by hand rather than typing it.“ Die Musik übernahm Truffaut aus Maurice Jauberts „Concert Flamand“ von 1936. Und natürlich hängt auch Jauberts Portrait in der Kapelle.

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Trotz seiner Stärken ist „Das grüne Zimmer“ nicht ohne Schwächen. So sind manche Nebenhandlungen unterentwickelt. Die Figur des taubstummen Jungen, der bei Julien wohnt, wird nie erklärt und auch seine Funktion für die Handlung wird nie klar. Ist es sein Sohn? Oder der der Haushälterin? Dieser ganze Strang wirkt dann auch unterentwickelt und überflüssig. Die Geschichte von Paul Massigny wird ebenfalls nur angerissen und man hat das Gefühl, hier gibt es noch etwas im Hintergrund, was gesagt werden müsste. Ähnliches gilt für den Prolog im 1. Weltkrieg.

„Das grüne Zimmer“ ist ein sehr stiller, melancholischer Film. Handwerklich tadellos und von einer traurig-morbiden Stimmung durchzogen, könnte das Drehbuch in den scheinbar willkürlichen Nebenhandlungen etwas Straffung benötigen.

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Die bei Koch Media in der Reihe „Masterpieces of Cinema“ erschienene DVD ist leider kein Meisterstück. Das Bild ist sehr matschig und Extras gibt es – bis auf eine Bildergalerie – keine. Zudem sollte man unbedingt bei seinem Flachbild-TV den Overscan ausschalten, denn sonst zoomt das Bild automatisch in das 1:66 Format hinein, macht daraus 16:9 und schneidet oben und unten was ab (gut zu sehen bei den Titeln im Vorspann). Auf dem PC hatte ich dieses Problem nicht. Die Bildergalerie ist recht interessant, denn hier sieht man Werbematerial aus aller Welt und kann sehen, dass „The Green Room“ in den USA unglaublicherweise als Horrorfilm vermarktet wurde („In the green room everybody can hear you scream. But no one would help“). Wobei mich die Schrift des Titels in Deutschland auch sehr stark an die Edgar-Wallace-Filme erinnert. Womit der Film nun auch so gar nichts zu tun hat.

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Das Bloggen der Anderen (12-08-13)

bartonfink_type2– Fange ich gleich mal mit einem Bilder-Essay an, dessen Autoren ich sehr mag: Rainer Knepperges. Auf new filmkritik hat er einen Artikel mit dem Titel „Nichts“ veröffentlicht. Darin hat er sich mit schönen Bildern, dem Blick von der Leinwand ins Publikum gewidmet.

– Alexander Gajic führt auf seinem Blog real virtuality seinen Artikel „Gemischte Gefühle“ weiter, in welchem er über die Anfänge seines Filminteresses berichtet, und wie diese auch seinen beruflichen Werdegang beeinflussten. So etwas finde ich ja immer gut. Und als kleines „Gimmick“ hat er noch eine „Star Wars – Episode 1“-Kritik veröffentlicht, die er einst mit 16 Jahren geschrieben hatte. Hilfe, mit kommt es vor, als ob „Episode 1“ gerade mal vor 5-6 Jahren ins Kino gekommen wäre, dabei ist das auch schon wieder 17 Jahre her. Mein Gott, wie die Zeit vergeht.

– 2006 ist auch schon wieder lange her (obwohl es mir vorkommt wie gestern). Συμπάρανεκρομενοι schreibt seine Top10 dieses Filmjahres auf. Eine interessante Lektüre. Am und zu ist man doch überrascht das dieser oder jeder Film schon 7 Jahre alt ist. Und manche hat man schon vergessen. Vielleicht mache ich so etwas auch mal, beginnend mit meinem Geburtsjahr.

– Bleiben wir noch mal kurz bei „Star Wars“. Laut PewPewPew wird das Ur-Drehbuch von George Lucas als Comic verarbeitet. Die Grafik orientiert sich dabei an den ersten Storyboards (die übrigens in der Ausstellung “Zwischen Film und Kunst – Storyboards von Hitchcock bis Spielberg” in der Kunsthalle Emden zu sehen waren).

Textures in light führt die Jacques Tourneur-Reihe mit „Berlin Express“ und „Der Rebell“ fort.

– Ein pinku eiga, der vom Giallo und vor allem Dario Argento inspiriert ist? Das ist schon mal sehr spannend. Robert stellt auf Eskalierende Träume den japanischen Film „Zoom In: Sex Apartments“ von 1980 vor, und was er berichtet, klingt schon recht wild und bizarr.

– Alex Klotz hatte ja auf Hard Sensations erst kürzlich schon einmal einen unbekannten, aber sehenswerten belgischen Film ausgegraben. Jetzt legt er mit „La cinquième saison“ nach. Eine merkwürdige Endzeit-Vision aus dem letzten Jahr, die an den von mir verehrten Roy Andersson erinnern soll. Muss ich sehen.

– Ebenfalls „muss ich sehen“, dachte ich schon lange bei Franjus „Judex“. Jetzt hat The Nolte diesen auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte besprochen und ich mir umgehend (war schon lange überfällig) die „Masters of Cinema“-DVD aus UK geordert. Danke für den Tritt in den faulen Hintern.

– Am 8. August verstarb Karen Black. Merkwürdigerweise gibt es in den von mir verfolgten Blogs keine Nachrufe auf diese großartige Schauspielerin. Deep Reds Kino schließt diese Lücke.

– Patrick Holzapfel setzt sich auf Jugend ohne Film sehr intensiv mit „Enoch Arden“ auseinander, den D.W. Griffith im Jahre 1911 drehte.

– Lukas Foerster schreibt auf Dirty Laundry zunächst über den gerade in Deutschland auf DVD erschienenen „Der Mann auf dem Dach“. Eine Sjöwall-/Wahlöö-Verfilmung von Bo Widerberg aus dem Jahre 1976.  Danach wendet er sich dem aktuellen philippinischen Film zu. Hierzu hatte er in Berlin einen Einführungsvortrag zur Filmreihe „Kinematografie Heute: Philippinen“ gehalten.

– Thomas Groh verlinkt auf seinem filmtagebuch das neue Werk von Werner Herzog. Einen 35minütigen Film über die Gefahren des SMS-Tippens bei der Autofahrt.

– Auf The Wayward Cloud gibt es ein sehr langes und hochinteressantes Interview mit Mike Elizalde, dem Chef der 1994 gegründeten Firma Spectral Motion, die u.a. für Hellboy 1+2, noch echte, handgmachte Figuren kreiert hat – und kein CGI-Krams. Das Interview erschien auch schon in gekürzter Form in der epd.

Noch ein Interview. Diesmal in Form eines Videos auf cargo. Der Befragte: Thomas Arslan. Das Thema: Sein neuer Film „Gold“.

– Das große Thema dieses Sommers, welches auch gerade durch sämtliche Feuilletons getrieben wird: Hollywood droht durch immer teurere Flops die Implosion. Ob es wirklich dazu kommt und wo die Ursachen liegen, hat Drehbuchautor Damon Lindelof versucht zu erklären. Nachzulesen auf dem Drama Blog.

– „Drug War“ ist der erste Film, den der Meisterregisseur Johnnie To in China realisiert hat. Michael Schleeh hat ihn gesehen und auf Schneeland besprochen. Und Ekkehard Knörer auf cargo. Beide sind sehr angetan.

– Auf whoknowspresents schreibt david über Jean-Jacques Annaud frühen Film „Coup de téte“, der in Deutschland den etwas merkwürdig-umständlichen Titel „Damit ist die Sache für mich erledigt“ erhielt. Das Drehbuch schrieb Komödien-Spezialist Francis Veber. Die Hauptfigur, François Perrin, ist ein wiederkehrendes Merkmal von Vebers Arbeiten und wurde häufig von seinem Spezi Pierre Richard gegeben.

Themroc veröffentlicht auf seinem Blog einen Artikel über Jennifer Lynchs neustem Film „Chained“, der bei Capelight auf DVD und Blu-ray raus gekommen ist. Der Artikel erschien erstmals in der „Splatting Image Nr.94“ und ist nun online verfügbar.

– Erst vorgestern stöberte ich etwas bei YouTube herum und stieß zufällig auf einige Lieder, die Hildegard Knef Mitte der 60er/Anfang der 70er aufgenommen hatte. Und ich muss sagen, die haben mich ordentlich durchgeblasen. Tolle Big-Band-Chansons (keine Schlager) mit intelligenten, düsteren Texten. Man glaubt es kaum, dass es so etwas zwischen den Trallala-Gute-Laune-Schlagern gegeben hat (Alexandra wäre ein weiteres Beispiel). Und es stimmt einen traurig, dass diese Musik in Deutschland keine Chance hatte, sich langfristig durchzusetzen, weil man lieber seichte Schlager hören wollte. Ähnlich ging es dem deutschen Film. Da gab es Leute wie Will Tremper, die dann von der Sexfilmwelle oder dem Neuen Deutschen Film hinweg gespült wurden (wobei Tremper bei erstem noch unter Pseudonym mitmischte). Wie traurig das alles ist, und welche Chancen hier vergeben wurden, wird einem noch einmal klar, wenn man Udo Rotenbergs Artikel über Trempers „Playgirl“ auf Grün ist die Heide liest.

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DVD-Rezension: “Detour – Umleitung”

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Al Roberts (Tom Neal), ein Barpianist aus New York, macht sich auf nach Los Angeles, wo seine Verlobte Sue (Claudia Drake) auf die große Karriere hofft. Da er weder ein Auto, noch Geld für den Zug hat, reist er per Anhalter quer durch Amerika. Dabei trifft er auf den reichen Charles Haskell (Edmund MacDonald), der ihm anbietet, ihn bis nach Los Angeles mitzunehmen. Während der Fahrt berichtet Haskell von einer Anhalterin, mit der er sich einen kurzen Kampf geliefert hat. Nach einiger Zeit übernimmt Roberts das Steuer und Haskell schläft ein. Als Roberts Haskell wecken will, muss er zu seinem Entsetzen feststellen, dass Haskell tot ist. Aus Angst, die Polizei könnte ihm nicht glauben, lässt er die Leiche verschwinden und übernimmt Haskells Identität. An der nächsten Tankstelle nimmt Roberts die Anhalterin Vera (Ann Savage) mit. Ein schlimmer Fehler, wie sich bald herausstellt…

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Nachdem vor vielen Jahren Edgar G. Ulmers Meisterwerk „The Black Cat“ innerhalb einer Boris Karloff/Bela Lugosi-Box in Deutschland veröffentlicht wurde, liegt nun auch sein zweitbekanntester Film in Deutschland vor: Der Ultra-Low-Budget-Noir „Detour“. In nur 6 Tagen abgedreht, ist dieser Film trotzdem der erste Film Noir, der in die „United States National Film Registry“ der „Library of Congress“ aufgenommen wurde und zwar als „kulturell, geschichtlich, oder ästhetisch bedeutsam“. Nicht schlecht für einen Film, der für ein Apfel und ein Ei von der PCR – einer der sogenannten „poverty row Filmgesellschaften, die schnell und für sehr wenig Geld gedrehte Krimi – und Horrorfilme auf den Markt warfen – ohne Stars runtergekurbelt wurde.

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Dass der Film heute solch eine hohe Bedeutung hat, ist ganz dem großen Talent des österreichischen Immigranten Edgar G. Ulmer zu verdanken, der mit viel Geschick und einem besonderen Gespür für Stimmung, das rudimentäre Drehbuch in einen surrealen Albtraum verwandelte. Der ganze Film folgt einer kaum nachvollziehbaren Traumlogik, in der jede Handlung zu immer drastischeren Konsequenzen führt und der nominelle Held ohne jede Chance tiefer und tiefer in sein Unglück gezogen wird. Dabei spielt der ganze Film fast nur an zwei Orten – in einem Auto vor einer nicht gerade überzeugenden Rückprojektionsleinwand und in einem Hotelzimmer. Dies unterstützt aber nur dieses irreale Gefühl, dass in dieser von „Detour“ beschriebenen Welt etwas nicht stimmt.

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Um zu kaschieren, dass das New York hier nur eine schlecht bestückte Studiobühne ist, lässt Ulmer – wie später in „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ – tonnenweise Nebel auffahren, so dass man glaubt, gleich käme Jack the Ripper um die Ecke. Es gibt eine Szene, in der Al Roberts mit seiner Verlobten Sue telefoniert. Man sieht, wie sein Gespräch durch zahlreiche Verbindungsstationen von New York nach Los Angles durchgestellt wird (offensichtlich Archivaufnahmen), man sieht ihn in den Hörer sprechen, doch Sue bleibt zunächst unsichtbar. Dann urplötzlich, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet, sieht man sie kurz. Aber das Bild scheint nicht zu passen. Denkt sich Al das alles nur aus? Hat sie ihm vielleicht den Laufpass gegeben und sein Vorstellung, Sue warte in Los Angeles auf ihn, ist gar nicht real? Auch später, wenn Sue noch einmal auftaucht, hat man nicht das Gefühl, sie würde mit Al interagieren oder die Idee haben, er könne in Los Angeles sein. Zudem erfahren wir die Geschichte rein durch Al Roberts Erzählung. Kann man ihm trauen? All seine Handlungen wirken so unlogisch, dass es durchaus sein kann, dass er sich das alles nur schönredet, um seine tatsächliche Schuld vor sich selbst zu verleugnen.

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Ulmer holt alles aus seinem extrem begrenzten Budget raus und schafft es dabei diesen scheinbaren Nachteil so zu nutzen, dass er daraus eine irreale, traumhafte Atmosphäre schafft. Zum Teil erinnert „Detour“ an einen Film von David Lynch. Wenn Al z.B. in einem Diner sitzt und eine geisterhafte Melodie ihn dazu bringt, dem Zuschauer seine Geschichte zu erzählen. Langsam verlischt das Licht, und die Kamera schwenkt zu einer einsamen, im Dunkeln leuchtende Juke-Box aus der das Lied „I Can’t Believe That You’re in Love with Me“, welches das geheime Leitmotiv dieses Filmes sein könnte. Ein weiterer Pluspunkt sind die beiden Hauptdarsteller. Tom Neal erinnert mit seinem traurigen, matten Gesichtsausdruck etwas an William H. Macy, der die Rolle heute wohl spielen würde. Sein Al Roberts hat eigentlich schon aufgegeben, bevor der Ärger für ihn erst richtig anfängt. Ausgestochen Tom Neals Leistung allerdings durch die fantastische Ann Savage in der Rolle der Vera. Sie ist keine Schönheit, aber sie bringt eine solche diabolische Energie und einen solchen Hass in ihre Rolle ein, dass man gar nicht anders kann, als vor ihr Angst zu bekommen. Insbesondere in ihrer ersten großen Szene, wenn sie – eben noch schlafend – plötzlich stocksteif dasitzt und mit weit aufgerissenen Augen und wildem Blick Al Roberts förmlich durchbohrt, bevor sie ihn ohne Vorwarnung fragt, was mit Haskell geschehen ist. Das ist purer Horror und wirklich furchteinflößend.

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„Detour“ gräbt sich tief in das Bewusstsein und lässt einen nicht so schnell wieder los.

Das Bild der Koch Media DVD ist leider nicht ideal. Immer wieder kommt es zu Laufstreifen und zeitweise „wellt“ sich das Bild, wie bei alten VHS, die nicht ganz sachgemäß gelagert wurde. Trotz dieser leichten Defekte ist das Bild aber sehr scharf und das schwarz-weiß sehr kontrastreich. Scheinbar gibt es auch weltweit keine wirklich bessere Fassung, wenn man DVDBeaver.com trauen darf. Extras gibt es Bild auf eine Bildgalerie wieder keine. Eine deutsche Tonspur auch nicht, der Film liegt im Original mit deutschen Untertiteln vor. Was nicht tragisch ist, denn An Savages schneidende Stimme sollte man im O-Ton gehört haben.

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DVD-Rezension: „Schritte in der Nacht“

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In Los Angeles wird ein Polizist tödlich verwundet, als er einen mutmaßlichen Einbrecher (Richard Basehart) zur Rede stellen will. Zwar macht die Polizei mit hohem Druck Jagd auf den Mörder, doch dieser scheint vom Erdboden verschluckt. Erst durch einen Zufall kommen die beiden Polizisten Marty Brennan (Scott Brady) und Chuck Jones (James Cardwell) einem Mann auf die Spur, der sich „Roy Martin“ nennt. Bei einem Versuch, ihm eine Falle zu stellen, wird Jones zum Krüppel geschossen. Wieder verschwindet „Roy Martin“. Doch Brennan gibt nicht auf und kommt nach zäher Recherche einem Roy Morgan auf die Spur, der der Gesuchte sein könnte…

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Schritte in der Nacht“ ist einer jener Noir-Thriller, die auf einer wahren Begebenheit beruhen. Naturgemäß liegt bei diesen Filmen der Schwerpunkt mehr auf der Polizeiarbeit, als auf der Psychologie des Verbrechers. So auch hier, wobei der Film förmlich in zwei Teile zerfällt. Zunächst einmal in die Beschreibung der langwierigen Arbeit der Polizei, die versucht ihr Netz um den Mörder zu spannen. Dieser Teil ist recht nüchtern und einem Blick auf eine möglichst realistische Darstellung inszeniert. Und dann ist da der Teil, der den Täter zeigt und in denen der Film in wunderbar stimmungsvollen, expressionistischen Einstellungen schwelgt. Und während der Polizeiteil reich an Dialogen ist, werden die Szenen um den Killer ohne großes Gerede abgehandelt. Wenn hier geredet wird, was selten der Fall ist, dann nur das aller nötigste. Wenn sich dann beide Eben treffen gibt es fast gar keine Dialoge mehr. Ja, fast auch keinen Ton, was die eine ausgesprochen bedrückende Stimmung hervorruft. Die Polizei umkreist das Haus des Killers. Kommuniziert wird nur noch über Handzeichen, man hört keine Schritte, sondern sieht nur Schemen durch die Dunkelheit huschen, während drinnen Morgans Wohnung durch die Schatten der Jalousien in ein Gefängnis verwandelt. Das ist großes Spannungskino und ein Höhepunkt innerhalb des Film Noir.

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Der von Richard Basehart gespielte Killer agiert häufig nur im Schatten, aus dem er plötzlich auftaucht und in dem er ebenso schnell wieder verschwindet. Im Vergleich zu den eher steif daherkommenden, und somit langweiligen, Polizisten, ist es eine Freude, dem cleveren und seinen Verfolgern immer zwei Schritte vorauseilenden Mörder zuzuschauen. Die Kamera kommt ihm sehr nah, fängt jeden Schweißtropfen ein, während die Polizisten immer nur distanziert und in der in der Halbtotalen gezeigt wird. Basehart gibt den Roy Morgan mit vollem Körpereinsatz und schafft es, dass der Zuschauer ihm, den skrupellosen Schurken, sowohl fürchtet, als auch fasziniert von ihm ist. Interessanterweise füllt diese Figur die Leinwand gänzlich aus, ohne dass sie wirklich erklärt wird. Roy Morgan bleibt so anonym, wie die Polizisten, die ihn jagen. Man erfährt kaum etwas über seine Motivation oder seine Hintergrundgeschichte. Doch dies lässt Morgan nur noch gefährlicher und überlegender erscheinen.

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Offiziell zeichnet Alfred L. Werker für die Regie verantwortlich, inoffiziell hat aber wohl Western-Experte Anthony Mann mindestens die Hälfte des Filmes inszeniert. Vermutlich hat er die dynamischen Actionszenen und vor allem die aufregende, finale Verfolgungsjagd in der Kanalisation in Szene gesetzt.

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Eine kleine Rolle als Forensiker spielt Joe Webb, der bei den Dreharbeiten den Polizisten Marty Wynn, der hier als technischer Berater fungiert, traf. Zusammen entwickelten sie die Idee einer Serie, die – wie „Schritte in der Nacht“ – die Polizeiarbeit möglichst realistisch nachzeichnen. Daraus entstand zunächst eine Radiosendung, kurz danach eine der erfolgreichsten US-TV-Serien aller Zeiten: „Dragnet“. Diese lief von 1951 bis 1959, sowie von 1967 bis 1970, und gehört in den USA zum allgemeinen Kulturgut. An „Schritte in der Nacht“ erinnert dort sowohl die Texttafel, die anfangs erklärt, dass es sich um echte Fälle handeln würde, bei denen die Namen der Beteiligten geändert wurden, um die Unschuldigen zu schützen, als auch der generelle Ton. Auch nach Deutschland kam „Dragnet“, allerdings in anderer Gestalt. Hier wurde das Konzept der Serie eingedeutscht und unter dem Namen „Stahlnetz“ zum Straßenfeger. Neben der Idee, reale Kriminalfälle zu zeigen und den Hauptaugenmerk auf die Polizeiarbeit zu richten, wurde auch noch die berühmte Titelmelodie übernommen.

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Die Koch Media DVD lässt kaum Wünsche offen. Das Schwarz-Weiß Bild ist ausgezeichnet und der Monoton rauschfrei. Lediglich bei den Extras findet man nichts weiter als eine kleine Bildgalerie und den Trailer.

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