Das Bloggen der Anderen (19-08-13)

barton_klein– Im Verlag Bertz & Fischer ist das von Michael Flintrop und Marcus Stiglegger herausgegebene Buch “Dario Argento: Anatomie der Angst” erschienen, wofür Mitautor Oliver Nöding auf Remember it for later völlig zu recht etwas Werbung macht.

– Zum Geburtstag des großen Meisters Alfred Hitchcock, hat Martin Beck auf Reihe Sieben einige Dokus und Zusammenschnitte aufgetan.

– Und Rainer Knepperges hat auf new filmkritik in einer sehr hübschen Bildergalerie einige Charaktere aus Hitchcocks Filmen die Frage stellen lassen: „Mr. Hitchcock, was haben sie da gemacht?“.

– Vor einiger Zeit schaute mein liebe Ehefrau auf ihrem Laptop einen Film (völlig legal übrigens, war ein Stream von TVP). Sie war recht angetan und fand ihn nicht nur gut gemacht, sondern auch interessant. Auf meine Nachfrage, welcher das denn gewesen sei, sagte sie „Mondo Cane“. Da fiel mir erst einmal die Kinnlade runter. Aber tatsächlich hat ja der erste Mondo-Film, nicht viel mit den ekligen Exzessen der 70er und 80er Jahre zu tun. In diesem Zusammenhang empfehle ich ausdrücklich den Artikel über „Mondo Cane“, den Udo Rotenberg auf L’amore in città geschrieben hat. Und zudem den extrem zynischen Spielfilm „Das wilde Auge“ in dem Mit-Regisseur Paolo Cavara mit Gualtiero Jacopetti abrechnet.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film einen sehr schönen und wütenden Text mit der Überschrift „Kino ist eine Insel“ geschrieben. Darin fragt er: „Wie kann es beispielsweise sein, dass es in vielen deutschen Großstädten keine Möglichkeiten gibt Filme im Originalton zu sehen, wie kann es sein, dass international anerkannte Filmemacher oft gar keinen oder einen unheimlich verspäteten Kinostart bekommen, wie kann es sein, dass sich diese riesige Diskrepanz auftut zwischen Festivalmarkt und Kinomarkt, wie kann es sein, dass Autorenfilm kritisiert wird, wie kann es sein, dass Kinoliteratur im Internet und Zeitschriften den großen Filmen hinterherrennt statt auf die kleinen aufmerksam zu machen, wie kann es sein, dass es weit mehr Fotos von jungen, schönen Regisseuren und stylishen Kameramännern auf Facebook gibt, als Filme, wie kann es sein, dass man nach 120 Jahren Filmgeschichte noch immer Inhalten und Themen hinterherrennt statt Film endlich ernsthafter zu behandeln?“

– In der 12. Filmbesprechung in ihrer Reihe “Forced Entry – Vergewaltigung im Film”, wenden sich Silvia Szymanski und Maria Wildeisen auf Hard Sensations einem Klassiker des „Golden Age of Porn“ zu: „The Defiance of Good“. ebenfalls auf Hard Sensations: Jamal Tuschick schreibt es zwar nicht direkt, aber man wird das Gefühl nicht los, dass ihm der theaterhafte „Gold“ von Thomas Arslan nicht wirklichg efallen hat.

– Was? Ich habe gar nicht mitbekommen, dass der wunderbare Michel Gondry einen neuen Film gedreht hat. cutrin von Filmosophie hat „Der Schaum der Tage“ bereits gesehen und findet ihn fast schon zu perfekt.

– Ich wusste gar nicht, dass Keanu Reeves a) Fan von Martial-Arts-Filmen aus Hongkong und b) seit Neustem auch Regisseur ist. Noch überraschter bin ich allerdings, wie ich auf Schneeland nachlesen konnte, dass er einen Martial-Arts-Film namens „Man of Tai Chi“ drehte. Die Hauptrolle spielt sein Stuntman und Lehrer aus „Matrix“, Tiger Hu Chen, und das Ganze soll laut Michael Schleeh gar nicht mal so schlecht sein.

– Darüber ärgere ich mich auch sehr. Die Action-Sequenzen moderner Actionfilme werden immer standardisierter und austauschbarer. Wackelkamera und Schnitt-Chaos. Das hat allerdings nicht immer ästhetische, sondern oftmals handfest kostensparende Gründe, wie der Drama Blog erklärt.

– Locarno, Locarno, Locarno. Vom großen und wichtigen Festival in der Schweiz berichten Lukas Foerster auf cargo und Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog. Michael Sennhauser hat u.a. den neuen Film des brillanten Kiyoshi Kurosawa, „Real“, und den „Amer“-Nachfolger „L’étrange couleur des larmes de ton corps“ von Hélène Cattet und Bruno Forzani gesehen. Während beide Bogger ersteren mögen, Lukas Foerster sogar sehr, sind ihre Reaktionen auf letzteren doch eher unterkühlt.

– Einen weiteren, zusammenfassenden Locarno-Bericht hat auch Hannes Brühwiler auf critic.de veröffentlicht.

– Weiter geht es mit der Jacques-Tourneur-Retrospektive auf Textures in light. Diesmal ist „Die Piratenkönigin“ dran. Und auch Annika ist auf Die Filme, die ich rief, bei Tourneur angekommen und berichtet von ihren Erlebnissen mit den „Katzenmenschen„.

– Darauf erst einmal eine ordentliche Ladung mit feinstem Trash. Heiko Hartmann nimmt sich auf Allesglotzer den unglaublich schmuddeligen „Patrick lebt“ von Mario Landi vor, und Xander hat auf Xanders Blog „Space Invaders“ entdeckt. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie wir den damals aus der Videothek geholt haben und auch nicht wussten, dass der Originaltitel „Killer Klowns From outer Space“ ist. Wir hatten uns damals auf jeden Fall köstlich amüsiert und soweit ich mich erinnere (und so schreibt es auch Xander), war der Film relativ ernsthaft gehalten, nur die Prämisse ist natürlich herrlich absurd. Ich glaube, ich guck mir den irgendwann mal wieder an. Ich müsste noch eine „Sicherheitskopie“ auf einem mittlerweile 25 Jahre altem VHS-Tape haben.

– Was für ein blöder Zufall. Da bereite ich gerade ein Interview mit Ralph von OFDb filmworks vor, da sehe ich, dass mir Sebastian vom Review Corner zuvor gekommen ist und sich auf seinem Blog mit dem Gründer der (im übrigen Bremer, siehe auch hier) OFDb, Sascha Imme, unterhält.

Stubenhockerei bespricht gleich mehrere sehr schöne Filme, die allesamt zu meinen Lieblingen gehören. Da wäre einmal der unglaubliche, seiner Zeit weit vorauseilende „Jingu“ von 1960, dessen legendäre Höllensequenzen noch heute ausgesprochen beeindruckend sind (gibt es für wenig Geld als DVD von Rapid Eye Movies). Dann „Drowning By Numbers“ alias „Verschwörung der Frauen“ des von mir sehr verehrten Herrn Greenaway. Und schließlich ein Film, der locker in meine imaginären Top10 aller Zeiten gehören würde, wenn ich eine solche Liste aufstellen würde: „Possession“ von Zulawski.

DVDuell hat die von 17 auf 55 Minuten erweiterte Doku “Staircases to Nowhere: Making Stanley Kubrick’s The Shining” verlinkt.

Für seinen 100. Blogeintrag auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte, hat sich Sascha Nolte etwas ganz besonderes ausgesucht. Ein wirklich „seltsamer“ Film, der dermaßen „drüber“ ist, dass man es kaum in Worte fassen kann. Die Rede ist von „Mad Foxes“, einem Film aus der Erich-C.-Dietrich-Schmiede, der selbst Dietrich zu durchgeknallt und verrückt war. Aber lassen wir mal zu seinem Jubiläum Sascha zu Wort kommen.

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20. Internationales Filmfest Oldenburg: Erste Filmtitel bekannt gegeben

Die 20. Ausgabe des Internationalen Filmfests Oldenburg (11.-15.September) wirft seinen Schatten voraus. Gerade eben wurde die ersten Filme bekannt gegeben. Scheinbar herrscht mittlerweile wieder Frieden und Harmonie zwischen den zerstrittenen Parteien, die insbesondere im letzten Jahr für einiges Getöse im Vor- und Nachfeld sorgten. Die Drohung, das Filmfest eventuell nach Bremen zu bringen, ist wohl auch ein für allemal aus der Welt. Zumindest verwundert es (wenn auch positiv), dass nach dem großen Streit, der auch vor Gericht endete, es diesmal sehr, sehr ruhig war. Nirgendwo wurden noch etwaige Streitigkeiten erwähnt oder auf der einen oder anderen Seite Unmut geäußert. Gut so, denn so kann man sich in Ruhe auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: Die Filme, die auf diesem sympathischen Filmfest gezeigt werden.

Die Ersten sind, wie gesagt, gerade verkündet worden. Einen Kracher habe ich leider noch nicht ausmachen können, aber das kann ja auch täuschen.

Ich übernehme mal die Beschreibung der aktuellen Pressemeldung und ergänze diese um eigene Gedanken, die mir spontan Weiterlesen

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Originalfassungen in Bremen: 15.08.13 – 21.08.13

Das Cinemaxx schwächelt etwas mit nur zwei Filmen in O-Fassung. Darunter ist allerdings „Elysium“, auf den sicherlich der eine oder andere gewartet hat. Ansonsten viele alte Bekannte und nach langer Zeit mal wieder ein Bollywood-Film.

Elysium – Cinemaxx, Do., Sa.-Mo., Mi. immer um 19:45 – Der neue SF-Film von Neill Blomkamp (District 9). Matt Damon spielt darin den Arbeiter Max, der im Jahre 2154 gegen die luxuriöse Raumstation Elysium rebelliert, in der sich die Reichen auf Kosten der Arbeiter ein schönes Leben machen. Seine Gegenspielerin spielt Jodie Foster.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=oIBtePb-dGY[/youtube]

Das ist das Ende – Cinemaxx, Fr. um 20:00 und Di. um 19:45 – US-Komödie von und mit Seth Rogen, in der er sich selbst spielt. Zusammen mit anderen Prominenten (die sich alle selber spielen) besucht er eine Party im Haus von Schauspieler James Franco (auch er selbst) – Während draußen die Welt untergeht.

Trance – Gefährliche Erinnerung – Schauburg, So., 18.8. um 21:15 – Der neue Film von Danny Boyle. Wieder sehr stylisch und der Trailer macht einen rasanten Eindruck. die Hauptdarsteller James McAvory und Vincent Cassel sind an guten Tagen auch tolle Schauspieler, Rosario Dawson leckeres Eye Candy. allerdings habe ich den Trailer nicht verstanden. Worum soll es da gehen? zu Danny Boyle habe ich auch ein gespaltenes Verhältnis.Manche Filme von ihm sind wirklich gelungen (insbesondere der großartige “Trainspotting“), andere finde mag ich gar nicht (wie der meiner Meinung nach völlig überwertete “Slumdog Millionaire“). Mal gucken, was “Trance” zu bieten hat.

Frances Ha – Schauburg, Mi., 21.8. um 19:30 – Ich zitiere mal Christian von DVDuell aus den Kommetnaren: „Der ist wirklich ganz und gar hinreißend. Greta Gerwig gibt den liebenswürdigsten Trampel des Filmjahres. Des Sommers kann ich nicht sagen, denn ich habe den Film im Winter während der Berlinale gesehen.“

Camille – Verliebt nochmal – Gondel, Mo. 19.8. um 16:45 – Französische Tragikomödie. Eine Zeitreisegeschichte um eine unglückliche Schauspielerin Anfang 40, die nach einer Nacht, in der sie sich ihren Kummer wegtrinken wollte, plötzlich als 15jährige im Jahr 1985 aufwacht.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=OL8a2b4–RE[/youtube]

The Company You Keep – Die Akte Grant – Gondel, So. 18.8. um 21:00 – Robert Redford hat wieder einen Politthriller gedreht und dabei gleich selber die Hauptrolle übernommen. Er spielt einen Anwalt, der einst zu einer militanten linken Gruppe gehört und nun seit 30 Jahren unter falschem Namen lebt. Als seine ehemalige Kameradin (Susan Sarandon) festgenommen wird und ein nerviger Reporter (Shia LaBoeuf) hinter die Story kommt, muss er durch die USA flüchten, um seinen Namen reinzuwaschen.

Englisch für Anfänger – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – Erfolgreiche Bollywood-Komödie um eine indische Hausfrau, die in New York einen Sprachkurs besucht.

Renoir – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – Französisches Bio-Pic um den alternde Maler Pierre-Auguste Renoir , seinem Sohn Jean (dem berühmten Regisseur) und dem Modell Andrée, welches beiden den Kopf verdreht.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 19.08. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 19.08. um 21:45

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DVD-Rezension: “Das grüne Zimmer“

grünezimmerJulien Davenne (François Truffaut) arbeitet als Schreiber von Nachrufen für eine kleine kleine, lokale Zeitung, die kurz vor dem Ruin steht. Er diente im 1. Weltkrieg und während viele seiner Kameraden starben, trug er nicht einmal eine Verletzung davon. Seine von ihm über alles geliebte junge Frau starb kurz nach seiner Rückkehr aus dem Krieg. Ihr zu Ehren hat er in seinem Haus das grüne Zimmer eingerichtet, welches als Schrein zu ihrem Andenken nutzt. Bei einer Auktion lernt Julien Davenne die junge Cecile Mandel (Nathalie Baye) kennen und fühlt sich zu ihr hingezogen. Insbesondere, da sie selber eine tiefe Verbindung zu den Toten ihn ihrem Leben hegt. Als das grüne Zimmer eines Nachts ausbrennt, reift in Julien ein neuer Gedanke. Er will einen Ort errichten, in dem er die Erinnerungen an all seine Toten aufrecht erhalten will…
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1978 produzierte Francois Truffaut mit „Das grüne Zimmer“ seinen größten Flop. Die Kritiker waren zwar begeistert, aber die Zuschauer blieben dem Film fern. Für Truffaut ein gewaltiger Schlag. Zwar hatte er mit „Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“ bereits schon einmal einen schmerzhaften Misserfolg einstecken müssen, doch „Das grüne Zimmer“ war für ihn ein noch persönlicherer Film, der tiefe Einsichten in Truffauts damalige Gemütsverfassung zuließ. Viele von Truffauts Weggefährten waren gestorben und Truffaut selber nicht bereit wirklich, Abschied von ihnen zu nehmen. Schon Anfang des Jahrzehnts wurde ihm die Geschichte „The Alter of the Dead“ von Henry James ans Herz gelegt. Truffaut erkannte sich in dem Text selber und wollte das Buch umgehend verfilmen. Doch zunächst war er in andere Projekte eingebunden. Als 1977 zwei wichtige Personen in seinem Leben starben, Henri Langlois und Roberto Rossellini, nahm er die Arbeit an „Das grüne Zimmer“ wieder auf. Zunächst wollte er Charles Denner die Hauptrolle spielen lassen, doch als dieser aufgrund von Terminproblemen absagen musste, übernahm er kurzerhand selber die Hauptrolle. Durch Truffauts Identifikation mit der Hauptfigur, eine offensichtliche Wahl.

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„Das grüne Zimmer“ ist ein sehr leiser Film. Er spielt zwischen den Weltkriegen und man spürt überall eine gewissen Enge und Mief, der noch aus dem Biedermeier-Zeitalter herüber weht. Julien Davennes Welt beschränkt sich ganz auf sein Haus und das titelgebende grüne Zimmer, in dem er die Erinnerung an seine verstorbene Frau weiterleben lässt. Wenn er einmal seine sichere Umgebung verlässt, wirkt er wie ein Fremdkörper. Er gehört schon lange nicht mehr in die Welt der Lebenden, sondern ist bereits ein Teil der Totenwelt geworden. In der Redaktion der lokalen Zeitung, für die er arbeitet, gilt er als Sonderling und wird von den Kollegen gemieden. Und natürlich ist seine Spezialität das Verfassen von Nachrufen.

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Es wird im Vorspann angedeutet und später in einem Dialog kurz thematisiert, dass Davenne seit seinem Erlebnissen im ersten Weltkrieg – als er viele seiner Kameraden sterben sah, aber selber völlig ungeschoren davon kam – ein schlechtes Gewissen hat, dass er noch immer da ist. Mit dem Tod seiner Frau brach seine Todessehnsucht und -besessenheit vollkommen ihre Bahn. Kurz glaubt man, die junge Cecilia Mandel könne ihn aus dieser Benommenheit reißen, doch es eher andersherum. Während sie ihre Trauer zunächst kanalisieren kann und durchaus bereit ist, etwas Neues zu beginnen, zieht Davenne sie immer wieder zurück in die Welt des Todes und Bewahrens.

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Wie sehr sich Truffaut mit Julien Davenne identifizierte, erkennt man an den Bildern, die der Regisseur Truffaut in Davennes Gedächtnis-Kapelle aufhängen ließ. Dort sind all die Menschen abgebildet, die Truffaut etwas bedeuteten oder eine wichtige Rolle in seinem Leben spielten. Diese sind zwar nicht alle tot (auf einem Foto erkennt man Oscar Werner, der erst sechs Jahre nach diesem Film starb), aber – wie im Falle von Werner – war die alte Freundschaft zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben. Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, ob nicht vielleicht auch irgendwo ein Portrait von Jean-Luc Godard in der Kapelle versteckt war. Die Kapelle, der „Altar der Toten“, wie auch die zugrundeliegende Geschichte hieß, ist nicht einfach nur ein Ort, sondern auch der innere Zustand Juliens. Hier hat er seine Erinnerungen und die Menschen, die ihm etwas bedeutet haben, eingefangen, hier ehrt er sie, aber lässt sie auch nicht gehen. Dieses, sein Innerstes, darf nur seine Vertraute Cecile betreten. Doch nicht um ihr seine Liebe – sofern er zu diesem Gefühl zu einem lebenden, und damit unzuverlässigen, Menschen überhaupt noch fähig ist -, sondern um auch sie zu einem Teil seiner Vergangenheit, seiner Toten zu machen.

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Den die Toten lassen sich kontrollieren. Julien lässt nur die guten Erinnerungen zu und kann so eine glorifizierte Vergangenheit konstruiert, die so vielleicht nie stattgefunden hat. Die Vergangenheit ist berechenbar. Keiner seiner Toten kann ihn enttäuschen oder verletzten. Als er herausfindet, das Cecile eine Affäre mit seinem ehemaligen Freund und späteren größten Feind, Paul Massigny, hatte, bricht für ihn eine Welt zusammen. Von Cecile mit dem Vorwurf konfrontiert, in seiner Kapelle sollte es Platz für alle Menschen seines Lebens geben, weißt er dies empört zurück. Die negativen Erinnerungen würden seine heile Welt des grünen Zimmers, bzw. des „Altars der Toten“ zerstören. So aber kann er den Anschein unendlicher Liebe und Freundschaft aufrecht erhalten.

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Der Film ist ein diffuses Licht getaucht, die Farben verwaschen und entsättigt. Aus Juliens Leben ist bereits aller Glanz verflogen und man spürt förmlich den Staub, der sich über alle Dinge gelegt hat. Truffaut erinnert in seiner Darstellung erstaunlich an sein „Ziehsohn“ und Interpreten seines Alter Egos Antoine Doinel, Jean-Pierre Léaud. Die merkwürdige, scheinbar gekünstelte Sprechweise, aber auch die etwas ungelenke Physis. Tatsächlich entdeckt man heute beim gealterten Léaud eine gewisse Ähnlichkeit zu Truffaut. Truffaut selber sagte über seine Beweggründe die Rolle des Julien selber zu übernehmen: „it seemed to me that if I played Julien Davenne myself, it would be like writing a letter by hand rather than typing it.“ Die Musik übernahm Truffaut aus Maurice Jauberts „Concert Flamand“ von 1936. Und natürlich hängt auch Jauberts Portrait in der Kapelle.

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Trotz seiner Stärken ist „Das grüne Zimmer“ nicht ohne Schwächen. So sind manche Nebenhandlungen unterentwickelt. Die Figur des taubstummen Jungen, der bei Julien wohnt, wird nie erklärt und auch seine Funktion für die Handlung wird nie klar. Ist es sein Sohn? Oder der der Haushälterin? Dieser ganze Strang wirkt dann auch unterentwickelt und überflüssig. Die Geschichte von Paul Massigny wird ebenfalls nur angerissen und man hat das Gefühl, hier gibt es noch etwas im Hintergrund, was gesagt werden müsste. Ähnliches gilt für den Prolog im 1. Weltkrieg.

„Das grüne Zimmer“ ist ein sehr stiller, melancholischer Film. Handwerklich tadellos und von einer traurig-morbiden Stimmung durchzogen, könnte das Drehbuch in den scheinbar willkürlichen Nebenhandlungen etwas Straffung benötigen.

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Die bei Koch Media in der Reihe „Masterpieces of Cinema“ erschienene DVD ist leider kein Meisterstück. Das Bild ist sehr matschig und Extras gibt es – bis auf eine Bildergalerie – keine. Zudem sollte man unbedingt bei seinem Flachbild-TV den Overscan ausschalten, denn sonst zoomt das Bild automatisch in das 1:66 Format hinein, macht daraus 16:9 und schneidet oben und unten was ab (gut zu sehen bei den Titeln im Vorspann). Auf dem PC hatte ich dieses Problem nicht. Die Bildergalerie ist recht interessant, denn hier sieht man Werbematerial aus aller Welt und kann sehen, dass „The Green Room“ in den USA unglaublicherweise als Horrorfilm vermarktet wurde („In the green room everybody can hear you scream. But no one would help“). Wobei mich die Schrift des Titels in Deutschland auch sehr stark an die Edgar-Wallace-Filme erinnert. Womit der Film nun auch so gar nichts zu tun hat.

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Das Bloggen der Anderen (12-08-13)

bartonfink_type2– Fange ich gleich mal mit einem Bilder-Essay an, dessen Autoren ich sehr mag: Rainer Knepperges. Auf new filmkritik hat er einen Artikel mit dem Titel „Nichts“ veröffentlicht. Darin hat er sich mit schönen Bildern, dem Blick von der Leinwand ins Publikum gewidmet.

– Alexander Gajic führt auf seinem Blog real virtuality seinen Artikel „Gemischte Gefühle“ weiter, in welchem er über die Anfänge seines Filminteresses berichtet, und wie diese auch seinen beruflichen Werdegang beeinflussten. So etwas finde ich ja immer gut. Und als kleines „Gimmick“ hat er noch eine „Star Wars – Episode 1“-Kritik veröffentlicht, die er einst mit 16 Jahren geschrieben hatte. Hilfe, mit kommt es vor, als ob „Episode 1“ gerade mal vor 5-6 Jahren ins Kino gekommen wäre, dabei ist das auch schon wieder 17 Jahre her. Mein Gott, wie die Zeit vergeht.

– 2006 ist auch schon wieder lange her (obwohl es mir vorkommt wie gestern). Συμπάρανεκρομενοι schreibt seine Top10 dieses Filmjahres auf. Eine interessante Lektüre. Am und zu ist man doch überrascht das dieser oder jeder Film schon 7 Jahre alt ist. Und manche hat man schon vergessen. Vielleicht mache ich so etwas auch mal, beginnend mit meinem Geburtsjahr.

– Bleiben wir noch mal kurz bei „Star Wars“. Laut PewPewPew wird das Ur-Drehbuch von George Lucas als Comic verarbeitet. Die Grafik orientiert sich dabei an den ersten Storyboards (die übrigens in der Ausstellung “Zwischen Film und Kunst – Storyboards von Hitchcock bis Spielberg” in der Kunsthalle Emden zu sehen waren).

Textures in light führt die Jacques Tourneur-Reihe mit „Berlin Express“ und „Der Rebell“ fort.

– Ein pinku eiga, der vom Giallo und vor allem Dario Argento inspiriert ist? Das ist schon mal sehr spannend. Robert stellt auf Eskalierende Träume den japanischen Film „Zoom In: Sex Apartments“ von 1980 vor, und was er berichtet, klingt schon recht wild und bizarr.

– Alex Klotz hatte ja auf Hard Sensations erst kürzlich schon einmal einen unbekannten, aber sehenswerten belgischen Film ausgegraben. Jetzt legt er mit „La cinquième saison“ nach. Eine merkwürdige Endzeit-Vision aus dem letzten Jahr, die an den von mir verehrten Roy Andersson erinnern soll. Muss ich sehen.

– Ebenfalls „muss ich sehen“, dachte ich schon lange bei Franjus „Judex“. Jetzt hat The Nolte diesen auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte besprochen und ich mir umgehend (war schon lange überfällig) die „Masters of Cinema“-DVD aus UK geordert. Danke für den Tritt in den faulen Hintern.

– Am 8. August verstarb Karen Black. Merkwürdigerweise gibt es in den von mir verfolgten Blogs keine Nachrufe auf diese großartige Schauspielerin. Deep Reds Kino schließt diese Lücke.

– Patrick Holzapfel setzt sich auf Jugend ohne Film sehr intensiv mit „Enoch Arden“ auseinander, den D.W. Griffith im Jahre 1911 drehte.

– Lukas Foerster schreibt auf Dirty Laundry zunächst über den gerade in Deutschland auf DVD erschienenen „Der Mann auf dem Dach“. Eine Sjöwall-/Wahlöö-Verfilmung von Bo Widerberg aus dem Jahre 1976.  Danach wendet er sich dem aktuellen philippinischen Film zu. Hierzu hatte er in Berlin einen Einführungsvortrag zur Filmreihe „Kinematografie Heute: Philippinen“ gehalten.

– Thomas Groh verlinkt auf seinem filmtagebuch das neue Werk von Werner Herzog. Einen 35minütigen Film über die Gefahren des SMS-Tippens bei der Autofahrt.

– Auf The Wayward Cloud gibt es ein sehr langes und hochinteressantes Interview mit Mike Elizalde, dem Chef der 1994 gegründeten Firma Spectral Motion, die u.a. für Hellboy 1+2, noch echte, handgmachte Figuren kreiert hat – und kein CGI-Krams. Das Interview erschien auch schon in gekürzter Form in der epd.

Noch ein Interview. Diesmal in Form eines Videos auf cargo. Der Befragte: Thomas Arslan. Das Thema: Sein neuer Film „Gold“.

– Das große Thema dieses Sommers, welches auch gerade durch sämtliche Feuilletons getrieben wird: Hollywood droht durch immer teurere Flops die Implosion. Ob es wirklich dazu kommt und wo die Ursachen liegen, hat Drehbuchautor Damon Lindelof versucht zu erklären. Nachzulesen auf dem Drama Blog.

– „Drug War“ ist der erste Film, den der Meisterregisseur Johnnie To in China realisiert hat. Michael Schleeh hat ihn gesehen und auf Schneeland besprochen. Und Ekkehard Knörer auf cargo. Beide sind sehr angetan.

– Auf whoknowspresents schreibt david über Jean-Jacques Annaud frühen Film „Coup de téte“, der in Deutschland den etwas merkwürdig-umständlichen Titel „Damit ist die Sache für mich erledigt“ erhielt. Das Drehbuch schrieb Komödien-Spezialist Francis Veber. Die Hauptfigur, François Perrin, ist ein wiederkehrendes Merkmal von Vebers Arbeiten und wurde häufig von seinem Spezi Pierre Richard gegeben.

Themroc veröffentlicht auf seinem Blog einen Artikel über Jennifer Lynchs neustem Film „Chained“, der bei Capelight auf DVD und Blu-ray raus gekommen ist. Der Artikel erschien erstmals in der „Splatting Image Nr.94“ und ist nun online verfügbar.

– Erst vorgestern stöberte ich etwas bei YouTube herum und stieß zufällig auf einige Lieder, die Hildegard Knef Mitte der 60er/Anfang der 70er aufgenommen hatte. Und ich muss sagen, die haben mich ordentlich durchgeblasen. Tolle Big-Band-Chansons (keine Schlager) mit intelligenten, düsteren Texten. Man glaubt es kaum, dass es so etwas zwischen den Trallala-Gute-Laune-Schlagern gegeben hat (Alexandra wäre ein weiteres Beispiel). Und es stimmt einen traurig, dass diese Musik in Deutschland keine Chance hatte, sich langfristig durchzusetzen, weil man lieber seichte Schlager hören wollte. Ähnlich ging es dem deutschen Film. Da gab es Leute wie Will Tremper, die dann von der Sexfilmwelle oder dem Neuen Deutschen Film hinweg gespült wurden (wobei Tremper bei erstem noch unter Pseudonym mitmischte). Wie traurig das alles ist, und welche Chancen hier vergeben wurden, wird einem noch einmal klar, wenn man Udo Rotenbergs Artikel über Trempers „Playgirl“ auf Grün ist die Heide liest.

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DVD-Rezension: “Detour – Umleitung”

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Al Roberts (Tom Neal), ein Barpianist aus New York, macht sich auf nach Los Angeles, wo seine Verlobte Sue (Claudia Drake) auf die große Karriere hofft. Da er weder ein Auto, noch Geld für den Zug hat, reist er per Anhalter quer durch Amerika. Dabei trifft er auf den reichen Charles Haskell (Edmund MacDonald), der ihm anbietet, ihn bis nach Los Angeles mitzunehmen. Während der Fahrt berichtet Haskell von einer Anhalterin, mit der er sich einen kurzen Kampf geliefert hat. Nach einiger Zeit übernimmt Roberts das Steuer und Haskell schläft ein. Als Roberts Haskell wecken will, muss er zu seinem Entsetzen feststellen, dass Haskell tot ist. Aus Angst, die Polizei könnte ihm nicht glauben, lässt er die Leiche verschwinden und übernimmt Haskells Identität. An der nächsten Tankstelle nimmt Roberts die Anhalterin Vera (Ann Savage) mit. Ein schlimmer Fehler, wie sich bald herausstellt…

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Nachdem vor vielen Jahren Edgar G. Ulmers Meisterwerk „The Black Cat“ innerhalb einer Boris Karloff/Bela Lugosi-Box in Deutschland veröffentlicht wurde, liegt nun auch sein zweitbekanntester Film in Deutschland vor: Der Ultra-Low-Budget-Noir „Detour“. In nur 6 Tagen abgedreht, ist dieser Film trotzdem der erste Film Noir, der in die „United States National Film Registry“ der „Library of Congress“ aufgenommen wurde und zwar als „kulturell, geschichtlich, oder ästhetisch bedeutsam“. Nicht schlecht für einen Film, der für ein Apfel und ein Ei von der PCR – einer der sogenannten „poverty row Filmgesellschaften, die schnell und für sehr wenig Geld gedrehte Krimi – und Horrorfilme auf den Markt warfen – ohne Stars runtergekurbelt wurde.

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Dass der Film heute solch eine hohe Bedeutung hat, ist ganz dem großen Talent des österreichischen Immigranten Edgar G. Ulmer zu verdanken, der mit viel Geschick und einem besonderen Gespür für Stimmung, das rudimentäre Drehbuch in einen surrealen Albtraum verwandelte. Der ganze Film folgt einer kaum nachvollziehbaren Traumlogik, in der jede Handlung zu immer drastischeren Konsequenzen führt und der nominelle Held ohne jede Chance tiefer und tiefer in sein Unglück gezogen wird. Dabei spielt der ganze Film fast nur an zwei Orten – in einem Auto vor einer nicht gerade überzeugenden Rückprojektionsleinwand und in einem Hotelzimmer. Dies unterstützt aber nur dieses irreale Gefühl, dass in dieser von „Detour“ beschriebenen Welt etwas nicht stimmt.

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Um zu kaschieren, dass das New York hier nur eine schlecht bestückte Studiobühne ist, lässt Ulmer – wie später in „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ – tonnenweise Nebel auffahren, so dass man glaubt, gleich käme Jack the Ripper um die Ecke. Es gibt eine Szene, in der Al Roberts mit seiner Verlobten Sue telefoniert. Man sieht, wie sein Gespräch durch zahlreiche Verbindungsstationen von New York nach Los Angles durchgestellt wird (offensichtlich Archivaufnahmen), man sieht ihn in den Hörer sprechen, doch Sue bleibt zunächst unsichtbar. Dann urplötzlich, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet, sieht man sie kurz. Aber das Bild scheint nicht zu passen. Denkt sich Al das alles nur aus? Hat sie ihm vielleicht den Laufpass gegeben und sein Vorstellung, Sue warte in Los Angeles auf ihn, ist gar nicht real? Auch später, wenn Sue noch einmal auftaucht, hat man nicht das Gefühl, sie würde mit Al interagieren oder die Idee haben, er könne in Los Angeles sein. Zudem erfahren wir die Geschichte rein durch Al Roberts Erzählung. Kann man ihm trauen? All seine Handlungen wirken so unlogisch, dass es durchaus sein kann, dass er sich das alles nur schönredet, um seine tatsächliche Schuld vor sich selbst zu verleugnen.

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Ulmer holt alles aus seinem extrem begrenzten Budget raus und schafft es dabei diesen scheinbaren Nachteil so zu nutzen, dass er daraus eine irreale, traumhafte Atmosphäre schafft. Zum Teil erinnert „Detour“ an einen Film von David Lynch. Wenn Al z.B. in einem Diner sitzt und eine geisterhafte Melodie ihn dazu bringt, dem Zuschauer seine Geschichte zu erzählen. Langsam verlischt das Licht, und die Kamera schwenkt zu einer einsamen, im Dunkeln leuchtende Juke-Box aus der das Lied „I Can’t Believe That You’re in Love with Me“, welches das geheime Leitmotiv dieses Filmes sein könnte. Ein weiterer Pluspunkt sind die beiden Hauptdarsteller. Tom Neal erinnert mit seinem traurigen, matten Gesichtsausdruck etwas an William H. Macy, der die Rolle heute wohl spielen würde. Sein Al Roberts hat eigentlich schon aufgegeben, bevor der Ärger für ihn erst richtig anfängt. Ausgestochen Tom Neals Leistung allerdings durch die fantastische Ann Savage in der Rolle der Vera. Sie ist keine Schönheit, aber sie bringt eine solche diabolische Energie und einen solchen Hass in ihre Rolle ein, dass man gar nicht anders kann, als vor ihr Angst zu bekommen. Insbesondere in ihrer ersten großen Szene, wenn sie – eben noch schlafend – plötzlich stocksteif dasitzt und mit weit aufgerissenen Augen und wildem Blick Al Roberts förmlich durchbohrt, bevor sie ihn ohne Vorwarnung fragt, was mit Haskell geschehen ist. Das ist purer Horror und wirklich furchteinflößend.

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„Detour“ gräbt sich tief in das Bewusstsein und lässt einen nicht so schnell wieder los.

Das Bild der Koch Media DVD ist leider nicht ideal. Immer wieder kommt es zu Laufstreifen und zeitweise „wellt“ sich das Bild, wie bei alten VHS, die nicht ganz sachgemäß gelagert wurde. Trotz dieser leichten Defekte ist das Bild aber sehr scharf und das schwarz-weiß sehr kontrastreich. Scheinbar gibt es auch weltweit keine wirklich bessere Fassung, wenn man DVDBeaver.com trauen darf. Extras gibt es Bild auf eine Bildgalerie wieder keine. Eine deutsche Tonspur auch nicht, der Film liegt im Original mit deutschen Untertiteln vor. Was nicht tragisch ist, denn An Savages schneidende Stimme sollte man im O-Ton gehört haben.

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DVD-Rezension: „Schritte in der Nacht“

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In Los Angeles wird ein Polizist tödlich verwundet, als er einen mutmaßlichen Einbrecher (Richard Basehart) zur Rede stellen will. Zwar macht die Polizei mit hohem Druck Jagd auf den Mörder, doch dieser scheint vom Erdboden verschluckt. Erst durch einen Zufall kommen die beiden Polizisten Marty Brennan (Scott Brady) und Chuck Jones (James Cardwell) einem Mann auf die Spur, der sich „Roy Martin“ nennt. Bei einem Versuch, ihm eine Falle zu stellen, wird Jones zum Krüppel geschossen. Wieder verschwindet „Roy Martin“. Doch Brennan gibt nicht auf und kommt nach zäher Recherche einem Roy Morgan auf die Spur, der der Gesuchte sein könnte…

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Schritte in der Nacht“ ist einer jener Noir-Thriller, die auf einer wahren Begebenheit beruhen. Naturgemäß liegt bei diesen Filmen der Schwerpunkt mehr auf der Polizeiarbeit, als auf der Psychologie des Verbrechers. So auch hier, wobei der Film förmlich in zwei Teile zerfällt. Zunächst einmal in die Beschreibung der langwierigen Arbeit der Polizei, die versucht ihr Netz um den Mörder zu spannen. Dieser Teil ist recht nüchtern und einem Blick auf eine möglichst realistische Darstellung inszeniert. Und dann ist da der Teil, der den Täter zeigt und in denen der Film in wunderbar stimmungsvollen, expressionistischen Einstellungen schwelgt. Und während der Polizeiteil reich an Dialogen ist, werden die Szenen um den Killer ohne großes Gerede abgehandelt. Wenn hier geredet wird, was selten der Fall ist, dann nur das aller nötigste. Wenn sich dann beide Eben treffen gibt es fast gar keine Dialoge mehr. Ja, fast auch keinen Ton, was die eine ausgesprochen bedrückende Stimmung hervorruft. Die Polizei umkreist das Haus des Killers. Kommuniziert wird nur noch über Handzeichen, man hört keine Schritte, sondern sieht nur Schemen durch die Dunkelheit huschen, während drinnen Morgans Wohnung durch die Schatten der Jalousien in ein Gefängnis verwandelt. Das ist großes Spannungskino und ein Höhepunkt innerhalb des Film Noir.

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Der von Richard Basehart gespielte Killer agiert häufig nur im Schatten, aus dem er plötzlich auftaucht und in dem er ebenso schnell wieder verschwindet. Im Vergleich zu den eher steif daherkommenden, und somit langweiligen, Polizisten, ist es eine Freude, dem cleveren und seinen Verfolgern immer zwei Schritte vorauseilenden Mörder zuzuschauen. Die Kamera kommt ihm sehr nah, fängt jeden Schweißtropfen ein, während die Polizisten immer nur distanziert und in der in der Halbtotalen gezeigt wird. Basehart gibt den Roy Morgan mit vollem Körpereinsatz und schafft es, dass der Zuschauer ihm, den skrupellosen Schurken, sowohl fürchtet, als auch fasziniert von ihm ist. Interessanterweise füllt diese Figur die Leinwand gänzlich aus, ohne dass sie wirklich erklärt wird. Roy Morgan bleibt so anonym, wie die Polizisten, die ihn jagen. Man erfährt kaum etwas über seine Motivation oder seine Hintergrundgeschichte. Doch dies lässt Morgan nur noch gefährlicher und überlegender erscheinen.

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Offiziell zeichnet Alfred L. Werker für die Regie verantwortlich, inoffiziell hat aber wohl Western-Experte Anthony Mann mindestens die Hälfte des Filmes inszeniert. Vermutlich hat er die dynamischen Actionszenen und vor allem die aufregende, finale Verfolgungsjagd in der Kanalisation in Szene gesetzt.

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Eine kleine Rolle als Forensiker spielt Joe Webb, der bei den Dreharbeiten den Polizisten Marty Wynn, der hier als technischer Berater fungiert, traf. Zusammen entwickelten sie die Idee einer Serie, die – wie „Schritte in der Nacht“ – die Polizeiarbeit möglichst realistisch nachzeichnen. Daraus entstand zunächst eine Radiosendung, kurz danach eine der erfolgreichsten US-TV-Serien aller Zeiten: „Dragnet“. Diese lief von 1951 bis 1959, sowie von 1967 bis 1970, und gehört in den USA zum allgemeinen Kulturgut. An „Schritte in der Nacht“ erinnert dort sowohl die Texttafel, die anfangs erklärt, dass es sich um echte Fälle handeln würde, bei denen die Namen der Beteiligten geändert wurden, um die Unschuldigen zu schützen, als auch der generelle Ton. Auch nach Deutschland kam „Dragnet“, allerdings in anderer Gestalt. Hier wurde das Konzept der Serie eingedeutscht und unter dem Namen „Stahlnetz“ zum Straßenfeger. Neben der Idee, reale Kriminalfälle zu zeigen und den Hauptaugenmerk auf die Polizeiarbeit zu richten, wurde auch noch die berühmte Titelmelodie übernommen.

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Die Koch Media DVD lässt kaum Wünsche offen. Das Schwarz-Weiß Bild ist ausgezeichnet und der Monoton rauschfrei. Lediglich bei den Extras findet man nichts weiter als eine kleine Bildgalerie und den Trailer.

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22. – 28. August: „Charlie Chaplin Festival 2013“ mit dem Landesjugendorchester Bremen

Der August ist der große Charlie-Chaplin-Monat im Kommunalkino City 46. Okay, ich hätte ja Buster Keaton bevorzugt, aber man kann ja nicht alles haben 😉

30365731dbVom 22. bis 28. August findet das große „Charlie-Chaplin-Festival“ statt, welches seinen Höhepunkt am Freitag, den 23. August feiern wird. Dann nämlich gibt es um 17:00 und 21:00 Uhr gleich zwei Vorstellungen von Chaplins letzten reinen Stummfilm „City Lights“ mit musikalischer Begleitung durch das Landesjugendorchester Bremen. Das Konzert mit Film wird im BLG Forum am Speicher XI in der Überseestadt stattfinden.

Das Landesjugendorchester Bremen hat seit 1997 unter der Leitung von Stefan Geiger bereits zehn Filme in mehr als 40 Vorstellungen eingespielt und dabei immer wieder für Begeisterungstürme gesorgt.

Achaplin2m Samstag, den 24. August wird der Bremer Pianist und Improvisationsmusiker Ezzat Nashashibi vier frühe Komödien von Chaplin live begleiten. Gezeigt werden: Shanghaied, Police, der wunderbare Easy Street und der ganz großartige One A.M. Der Spaß beginnt um 20:30 Uhr im City 46.

Ferner laufen im City 46 noch Chaplins Klassiker „Moderne Zeiten“ (indem er mit Tönen experimentierte und das erste Mal für eine umwerfende Gesangsszene auf der Leinwand „spricht“) und der legendäre „Große Diktator“, sein erster Tonfilm.

Also werden, bis auf „Goldrausch“, Chaplins populärste Filme auf diesem Festival gezeigt. Das ist für den Chaplin-Neuling natürlich ganz toll. Ich selber hätte aber auch gerne „Monsieur Verdoux“ gesehen – meinen persönlichen Chaplin-Favoriten.

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Originalfassungen in Bremen: 08.08.13 – 14.08.13

Auch diese Woche fahren die Kinos wieder einige interessante Neuerscheinungen auf. Wobei ich sagen muss, dass mich im Programm unseres Kommunalkinos zur Zeit überhaupt nicht wiederfinden kann. Aber vielleicht geht es ja anderen Kinofreunden nicht so.

Das ist das Ende – Cinemaxx, Do., 8.8. um 20:00 – US-Komödie von und mit Seth Rogen, in der er sich selbst spielt. Zusammen mit anderen Prominenten (die sich alle selber spielen) besucht er eine Party im Haus von Schauspieler James Franco (auch er selbst) – Während draußen die Welt untergeht.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=Yma-g4gTwlE[/youtube]

Lone Ranger – Cinemaxx, Do.-Mo.+Mi. immer 19:30 – Das Team von „Fluch der Karibik“ verlegt ihre Erfolgsformel in den Wilden Westen. wieder schlüpft Johny Depp in eine kauzige Rolle und Gore Verbinski führt Regie. In den USA ist der Film ziemlich gefloppt, jetzt muss er im Ausland seine Produktionskosten einspielen. Ich bin gespannt. zumindest verspricht dieser Sommer-Blockbuster nette, anspruchslose Unterhaltung. Und Western mag ich ja.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=9Zv9fgSrP-0[/youtube]

Wolverine: Der Weg des Kriegers – Cinemaxx, Di., 13.8. um 19:30 – Nun schon zum sechste Mal verkörpert Hugh Jackman den kleinen X-Man mit der großen Wut im Bauch. Diesmal verschlägt es Wolverine nach Japan. Regie führt James Mangold, de einst Stallone zu einer seiner besten Leistungen antrieb (“Cop Land“) und mit “Walk the Line” Oscar-Material ablieferte.

Trance – Gefährliche Erinnerung – Schauburg, Mi., 14.8. um 21:30 – Der neue Film von Danny Boyle. Wieder sehr stylisch und der Trailer macht einen rasanten Eindruck. die Hauptdarsteller James McAvory und Vincent Cassel sind an guten Tagen auch tolle Schauspieler, Rosario Dawson leckeres Eye Candy. allerdings habe ich den Trailer nicht verstanden. Worum soll es da gehen? zu Danny Boyle habe ich auch ein gespaltenes Verhältnis.Manche Filme von ihm sind wirklich gelungen (insbesondere der großartige „Trainspotting„), andere finde mag ich gar nicht (wie der meiner Meinung nach völlig überwertete „Slumdog Millionaire„). Mal gucken, was „Trance“ zu bieten hat.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=L4_bdS3_gr0[/youtube]

Wake Up! -Schauburg, So., 11.8. um 21:00 – Siehe hier.

Gloria – Gondel, Mo., 12.8. um 17:00 – Chilenischer Spielfilm um eine geschiedene, 58-jährige Frau, die es noch einmal wissen will und ihr Leben in vollen Zügen und mit allen Komplikationen genießt. Hauptdarstellerin Paulina García erhielt in diesem Jahr auf der Berlinale, für ihre Darstellung der Gloria, den Silberner Bären.

The Company You Keep – Die Akte Grant – Gondel, So., 11.8. um 21:15 – Robert Redford hat wieder einen Politthriller gedreht und dabei gleich selber die Hauptrolle übernommen. Er spielt einen Anwalt, der einst zu einer militanten linken Gruppe gehört und nun seit 30 Jahren unter falschem Namen lebt. Als seine ehemalige Kameradin (Susan Sarandon) festgenommen wird und ein nerviger Reporter (Shia LaBoeuf) hinter die Story kommt, muss er durch die USA flüchten, um seinen Namen reinzuwaschen.

Ein freudiges Ereignis – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – Französische Tragikomödie um eine frischverliebtes Paar, das aus einer Laune heraus beschließt ein Kind zu bekommen. Und als sie wirklich schwanger wird , ändert sich plötzlich alles.

Goldfish Memory – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – Irischer Queerfilm in dem eine Frau sich an ihrem untreuen Freund mit einer lesbischen Beziehung rächt, was eine Kette von unterschiedlichsten Irrungen und Wirrungen auslöst.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 12.08. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 12.08. um 21:45

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Crowdfunding-Projekt: „A Warrior’s Creek“

Vor kurzem habe ich hier im Blog etwas Werbung für das Projekt „German Angst“ von Buttgereit/Marschall/Kosakowski gemacht. Damals ging es darum, dass der Film dringend noch € 30.000.- gebraucht wurden, um den Film zu realisieren. Das ist mittlerweile geschafft worden, was mich sehr freut. Immerhin habe ich da auch ein wenig Geld reingesteckt.

Jetzt möchte ich hier nicht jede x-beliebige Crowdfunding-Initiative rein stellen. Aber, wenn ein Projekt interessant klingt, will ich das gerne machen. Über meine Facebook-Seite kam ein kleiner Ruf nach Hilfe rein, den ich mir sehr genau angeschaut habe. Darin geht es um ein Spielfilm-Projekt namens „A Warrior’s Creek“. Deutsche Produktionen, die unbedingt englische Titel haben müssen, finde ich ja immer etwas – naja. Dann lass ich , „A Warrior’s Creed“ sei „ein moderner Endzeitwestern in der Tradition der Italowestern von Castellari, Corbucci und Leone. Er spielt im Jahr 2025 und zeigt eine anarchisch-archaische Gesellschaft die außer Kontrolle geraten ist und in der das Individuum auf sich allein gestellt ist. Ein harter und düsterer Film zwischen Offenbarung und Prophezeiung in dem die Hauptrollen von Frauen gespielt werden.“ Da hätte ich mir auch einen Titel in der wunderbaren Tradition der Italo-Western gewünscht. Aber gut, das ist Geschmackssache.

3e8f6b6bWenn ich irgendwo Castellari, Corbucci und Leone lese, ist mein Interesse auf jeden Fall erst einmal geweckt. Die ersten Probe-Standbilder sehen recht hübsch aus, wie auch die Darstellerinnen. Gefilmt werden soll das Ganze zwischen August und Oktober 2013 in Berlin und Brandenburg. Die Macher hinter „A Warrior’s Creek“ sind Andreas Neu (Jahrgang 1958), der seit 1987 als Regisseur, Bühnenbildner, Dramaturg und Autor an verschiedenen Theatern arbeitet. Und Butow Maler, geboren 1966, der seit 1988 arbeitete als Werbetexter, Kunstkritiker, Plattenrezensent, Magazinmacher, Fotograf, Grafiker, Konzeptioner und Kommunikationsberater sein Geld verdient.

tumblr_mqj868ubs01rr6xn6o1_500Auf der Seite von „wolkenschloss cinematographie“ kann man auch den Trailer zu dem ersten Spielfilm der Beiden, „Reisen mit Engel“ sehen. Der hat mich allerdings irgendwie ganz ungut an das Schlimmste von Wim Wenders erinnert. Ich hoffe also mal, dass „A Warrior’s Creek“ mehr dreckigen, misanthropischen Corbucci und weniger Kunst-Pathos mit geschwurbelte Dialoge hat. Wie dem auch sei, das Projekt sieht interessant aus, klingt vielversprechend und braucht – wie gesagt – noch Hilfe.

Gedreht wird der Film auf jeden Fall, nur würde etwas mehr Geld in der Kasse (um Locationkosten zu zahlen, die Technik etwas aufzurüsten, die Crewmitglieder zu verpflegen, ihnen die Anfahrt zu ermöglichen und für ihre Unterbringung zu sorgen) die Lage etwas entspannen. Auf Honorare verzichten alle Mitmacher schon jetzt.

Das Ziel sind € 6.000,-. Unterstützt werden kann „A Warrior’s Creek“ über startnext.de. Die Dankeschöns fallen dabei zwar nicht so üppig aus, wie bei „German Angst“, aber es geht ja vor allem um den guten Zweck. Eine schöne Sache ist mir noch aufgefallen. Eines der „Dankeschöns“ ist „1 Tag Postproduction in Bremen“. Aha! Also, wenn da auch Bremer beteiligt sind, dann ist es ja quasi meine lokalpatriotische Pflicht hier auf die Produktion hinzuweisen. Hiermit getan 🙂

[vimeo width=“630″ height=“300″]http://vimeo.com/70470043[/vimeo]

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